Penelope Douglas – Punk 57

Worum geht’s?

„Punk 57“ von Penelope Douglas ist eine intensive New-Adult-Romance, in der es um Freundschaft, Identität, Gruppenzwang, Ausgrenzung und die Frage geht, wie sehr wir uns für andere Menschen verstellen.

Im Mittelpunkt stehen Ryen und Misha, die sich seit ihrer Schulzeit Briefe schreiben. Über Jahre entsteht zwischen ihnen eine enge Freundschaft, obwohl sie sich bewusst nie persönlich treffen. In ihren Briefen können sie offen über ihre Gedanken, Sorgen und Gefühle sprechen, ohne sich von Äußerlichkeiten oder dem sozialen Umfeld des anderen beeinflussen zu lassen.

Doch als sich ihre Wege schließlich im echten Leben kreuzen, müssen beide feststellen, dass die Person, die sie zu kennen glaubten, nicht unbedingt der Mensch ist, der ihnen tatsächlich gegenübersteht.

Inhalt

Ryen und Misha sind seit sieben Jahren Brieffreunde. Ihre Freundschaft basiert auf Vertrauen und Ehrlichkeit, gerade weil sie sich gegenseitig nicht persönlich kennen. Beide haben dadurch einen geschützten Raum geschaffen, in dem sie Seiten von sich zeigen können, die sie in ihrem Alltag eher verbergen.

Besonders Ryen führt ein Leben, das sich deutlich von dem Mädchen unterscheidet, das Misha aus ihren Briefen kennt. In der Schule ist sie Teil einer beliebten Clique und legt großen Wert darauf, ihren sozialen Status zu halten. Dabei verhält sie sich teilweise so, wie es von ihr erwartet wird, und verliert zunehmend den Blick dafür, wer sie eigentlich selbst sein möchte.

Misha ist dagegen rebellisch, selbstbewusst und provokant. Gleichzeitig trägt auch er seine eigenen Verletzungen und Probleme mit sich herum. Als er Ryen schließlich begegnet und erkennt, wer sie wirklich ist, reagiert er enttäuscht und wütend.

Aus ihrer früheren Vertrautheit entwickelt sich eine komplizierte Beziehung voller Provokationen, Konflikte und gegenseitiger Anziehung. Die beiden fordern sich permanent heraus und versuchen gleichzeitig, hinter die Fassade des anderen zu blicken.

Dabei behandelt der Roman auch ernstere Themen wie Mobbing, Gruppenzwang, Schuld, Trauer und die Folgen von Entscheidungen. Nach und nach wird deutlich, dass sowohl Ryen als auch Misha mit Dingen kämpfen, die sie nach außen kaum zeigen.

Die Geschichte lebt stark von den Geheimnissen der Figuren und davon, dass sich ihre Wahrnehmung voneinander immer wieder verändert. Dadurch entstehen einige Wendungen, die die Handlung vorantreiben und erklären, warum die Charaktere sich teilweise so widersprüchlich verhalten.

Mein Eindruck

Für mich war „Punk 57“ ein Buch mit einer guten und interessanten Grundidee, das mich aber nicht vollständig überzeugen konnte.

Besonders gefallen hat mir die Ausgangssituation mit den beiden Brieffreunden. Die Vorstellung, dass zwei Menschen sich emotional sehr nahekommen können, ohne sich jemals persönlich getroffen zu haben, fand ich spannend. Auch die Themen Identität und Gruppenzwang haben der Geschichte mehr Tiefe gegeben.

Gleichzeitig war mir vieles zu dramatisch und stellenweise zu konstruiert. Die Beziehung zwischen Ryen und Misha war für mich häufig eher anstrengend als romantisch. Die vielen Provokationen und Grenzüberschreitungen haben zwar für Spannung gesorgt, aber auch dazu geführt, dass ich mich mit den beiden als Paar nicht immer wohlgefühlt habe.

Insgesamt habe ich das Buch gerne gelesen, aber es hat mich emotional nicht so erreicht, wie ich es mir erhofft hatte. Es gab interessante Momente und einige überraschende Entwicklungen, gleichzeitig hatte ich aber auch immer wieder das Gefühl, dass die Geschichte bewusst auf möglichst viel Drama setzt.

Über die Autorin

Die SPIEGEL-Bestsellerautorin Penelope Douglas hat einen Master in Pädagogik und acht Jahre lang als Lehrerin gearbeitet, bevor sie sich ganz auf das Schreiben fokussierte. Ihre Bücher sind auf TikTok äußerst beliebt und wurden bereits in zahlreiche Sprachen übersetzt. Penelope Douglas liebt den Regen und alles mit Zitronengeschmack. Sie lebt mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Neuengland. (Verlagsinfo)

Fazit

„Punk 57“ hat eine interessante Grundidee und eine Geschichte, die durchaus fesseln kann. Besonders die Brieffreundschaft zwischen Ryen und Misha ist ein spannender Ausgangspunkt. Die Frage, ob man einen Menschen wirklich kennen kann, obwohl man ihn nie gesehen hat, zieht sich gelungen durch die Handlung.

Auch die Themen hinter der Romanze haben mir grundsätzlich gefallen. Der Roman zeigt, wie stark Menschen durch ihr Umfeld beeinflusst werden können und wie leicht man eine Rolle übernimmt, um dazuzugehören.

Allerdings war mir die Geschichte an einigen Stellen zu extrem. Die Beziehung zwischen Ryen und Misha ist sehr aufgeladen und teilweise toxisch. Viele Konflikte entstehen durch Provokationen, Machtspiele und bewusstes Überschreiten von Grenzen. Das kann spannend sein, war für mich aber nicht immer nachvollziehbar oder angenehm zu lesen.

Auch mit den Charakteren bin ich nicht durchgehend warm geworden. Gerade bei Ryen hatte ich manchmal Schwierigkeiten, ihre Entscheidungen nachzuvollziehen. Misha ist ebenfalls ein sehr schwieriger Charakter, dessen Verhalten sicherlich polarisiert.

E-Book: 6.7 MB
Ins Deutsche übersetzt von Christina Kagerer
ISBN: 978-3492602372
www.piper.de

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