
Jack Reacher besucht in Baltimore den Auftritt einer angesagten Band. Weil er nicht der einzige „Riese“ in der Stadt ist, gerät er in eine folgenreiche Verwechslung. Der Dockarbeiter, Exschauspieler und Exmilitär Nathan Gilmour ist in die Machenschaften eines privaten Militärdienstleisters geraten. Gilmour hat Reacher einen Zettel mit einem Treffpunkt zugesteckt, doch dort kreuzen auf einmal vier Schlägertypen auf. Nachdem diese erledigt sind, tun sich Reacher und Gilmour, ein Cyberspion, der Mordsrespekt vor einem Militärpolizisten hat, zusammen…
Die Autoren
Lee Child wurde in den englischen Midlands geboren, studierte Jura und arbeitete dann zwanzig Jahre lang beim Fernsehen. 1995 kehrte er der TV-Welt und England den Rücken, zog in die USA und landete bereits mit seinem ersten Jack-Reacher-Thriller einen internationalen Bestseller. Er wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u. a. mit dem Anthony Award, dem renommiertesten Preis für Spannungsliteratur.
Lee Childs Bruder Andrew wurde im Mai 1968 in Birmingham, England, geboren und studierte an der Universität von Sheffield englische Literatur und Theaterwissenschaften. Nach seinem Abschluss gründete und leitete er eine kleine unabhängige Theatertruppe, bevor er für fünfzehn Jahre in die Telekommunikationsbranche wechselte. Unter dem Namen Andrew Grant veröffentlichte er bereits mehrere erfolgreiche Romane. Heute lebt er mit seiner Frau, der Schriftstellerin Tasha Alexander, in Wyoming, USA.
Wer ist Jack Reacher?
Jack Reacher (* 29.10.1960) wurde in West-Berlin geboren und verbrachte als Sohn eines Marine-Corps-Offiziers seine Kindheit und Jugend auf über die Erde verteilten US-Militärbasen. 1983 trat er selbst in den Militärdienst ein und wurde 13 Jahre später, im April 1996, im Rang eines Majors der Militärpolizei ehrenhaft entlassen. Seitdem hat er keinen festen Wohnsitz, sondern bereist (hauptsächlich) die USA. Durch sein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden wird er immer wieder in Kriminalfälle verstrickt.
Er zeichnet sich durch hohe Intelligenz, große Körperkraft und Willensstärke aus. Besonders ausgeprägt ist sein unbedingter Wille, Schwächere zu schützen.
Die Jack Reacher Reihe
1) Größenwahn (Killing Floor, 1997)
2) Ausgeliefert (Die Trying, 1998)
3) Sein wahres Gesicht (Tripwire, 1999)
4) Zeit der Rache (Running Blind/The Visitor, 2000)
5) In letzter Sekunde (Echo Burning, 2001)
6) Tödliche Absicht (Without Fail, 2002)
7) Der Janusmann (Persuader, 2003)
8) Die Abschussliste (The Enemy, 2004)
9) Sniper (One Shot, 2005)
10) Way Out (The Hard Way, 2006)
11) Trouble (Bad Luck and Trouble, 2007)
12) Outlaw (Nothing to Lose, 2008)
13) Underground (Gone Tomorrow, 2009)
14) 61 Stunden (61 Hours, 2010)
15) Wespennest (Worth Dying for, 2010)
15.5. Second Son (2011)
16. The Affair (2010)
16.5. Deep Down (2012)
17. Der Anhalter (A Wanted Man, 2012)
17.5. High Heat (2013)
18. Never Go Back (2013)
18.5. Not a Drill (2014)
19. Personal (2014)
20. Make Me (2015)
21. Night School (2016)
22. Midnight Line (2017)
23. Past Tense (2018, dt. Titel: „Der Spezialist“)
24. Blue Moon (2019, „Die Hyänen“)
25. The Sentinel (2020, „Der Sündenbock“)
26. Better Off Dead (2021, „Der Kojote“)
27. No Plan B (2022)
28. The Secret (2023)
29. In Too Deep (2024)
30. Exit Strategy (2025)
31. Chain Reaction (2026)
Erzählungen
No Middle Name (2017)
Weitere Stories gibt es als E-Book.
Handlung
Jack Reacher besucht in Baltimore den Auftritt einer angesagten Band. Weil er nicht der einzige „Riese“ in der Stadt ist, gerät er in eine folgenreiche Verwechslung. Der andere „Riese“ stirbt nämlich auf dem Weg zu einem bestimmten Coffee Shop an einem Herzinfarkt. Der Dockarbeiter, Exschauspieler und Exmilitär Nathan Gilmour, der den verstorbenen Riesen treffen sollte, ist in die Machenschaften eines privaten Militärdienstleisters geraten. Gilmour hat Reacher im Coffee Shop einen Zettel mit einem Treffpunkt zugesteckt, und Reacher ist bereit, dem Absender der Botschaft zu helfen.
Ein neuer Kumpel
Ihre Wege kreuzen sich in einem verlassenen Lagerhaus, das Reacher für seine Zwecke herrichtet. Beispielsweise indem er die Tür aus den Angeln hebt. So gelingt es ihm wenig später, den bewaffneten Gilmour zu überwältigen – zumindest verbal, denn Gilmour hat einen Mordsrespekt vor einem Militärpolizisten. Das liegt vor allem daran, dass Gilmour in seiner Zeit bei der US Army in Wiesbaden als Cyberspion stationiert war, während Reacher in Berlin als Cop der MP tätig war (siehe oben „Night School“). Gilmour konnte sich damals von den Militärcops fernhalten. Danach fiel er allerdings in ein Loch, erst in Alkohol-, dann in Spielsucht. Die Spielschulden haben ihn schließlich erpressbar gemacht, so dass er nun einen neuen Job im riesigen Hafen von Baltimore versieht, aber nicht für sich, sondern für Schmuggler.
Reacher ist auf dem Weg zum Lagerhaus aufgefallen, dass ihm mehrere Taxis einer bestimmten Firma gefolgt sind. Nun weiß er auch den Grund: Sie wollen sich Gilmour vorknöpfen. Hier kreuzen auf einmal vier Schlägertypen auf. Sie haben keine Chance. Ärgerlich, dass sie den Namen ihres Auftraggebers nicht verraten wollen, bevor sie bewusstlos werden.
Die Jagd beginnt
Nachdem diese Typen nun erledigt sind, tun sich Reacher und Gilmour zusammen, denn offenbar führt dieser Militärdienstleister nichts Gutes im Schilde. Doch Reacher hat im Coffee Shop auch den Zorn eines Drahtziehers in Finanzbetrügereien auf sich gezogen, indem er ein Rentnerehepaar davor bewahrt hat, abgezockt zu werden. Der Drahtzieher schickt seine Privatarmee aus, um den Störenfried zu erledigen. Sie sind leicht aufzuhalten.
Die Spur führt zum Hafen
Kurz bevor Reacher den nächsten Bus nehmen will, hält ihn Nathan Gilmour erneut auf: Er werde jetzt damit erpresst, dass seine früheren Auftraggeber im Hafen damit drohen, seinen kleinen Neffen zu verstümmeln. Sowas kann Reacher überhaupt nicht leiden. In einer umfangreichen Suchaktion stoßen sie auf zwei Leichen. Diese Leute gehören zu der Erpresserorganisation, die immer dafür sorgt, dass willige und korrupte Leute ihnen die Arbeit im Hafen erleichtern. Nun ist Gilmour eigentlich vom Haken. Denn der Mörder der zwei Erpresser hat ihm den Weg frei gemacht.
Doch nun fragt sich Reacher, welches Ziel die Hintermänner der Erpresser im Hafen verfolgen. Welche Fracht ist so wichtig oder wertvoll, dass gewisse Menschen dafür über Leichen gehen, fragen sich Reacher und Gilmour. Könnte der kurz bevorstehende Krieg zwischen Armenien und Aserbeidschan um die Region Berg-Karabach etwas damit zu tun haben? Dort könnte eine private Militärorganisation ordentlich absahnen – sofern sie den Auftrag von der CIA erhält und das US-Militär die nötigen Waffen dafür liefert. Oder umgekehrt.
Entdeckungen im Hafen
Höchste Zeit, dies herauszufinden, denken Reacher und Gilmour und setzen alles daran, den Hafen von Baltimore zu durchsuchen. Doch der ist riesig, und um den einen Container unter Millionen zu finden, sind entsprechende Informationen nötig. Nun lässt Gilmour seine Spezialkenntnisse, die er beim Militärischen Geheimdienst in Wiesbaden erworben hat, spielen, und schon bald können sie den Kontrollposten passieren. Leider meldet der Wächter ihre Ankunft an eine höhere Stelle, und so kommt es, dass sie zwar den Container finden, kurz darauf aber ungebetenen Besuch erhalten…
Mein Eindruck
Reacher und sein Helfer Gilmour stoßen schließlich auf eine ungewöhnliche Fracht. Es handelt sich weder um Waffen noch um Bomben- oder anderes Material. Die Fracht ist menschlich, weiblich, aus Armenien – und sie entkommt ihnen. Sie ist unerlässlich, um einen PR-Coup zu starten, der zur Invasion von Berg-Karabach führen soll, weil diese Provinz mit dem Erzfeind Iran zusammenarbeite. Dieser Coup kann natürlich nur mit Beteiligung des Pentagon realisiert werden. Und dieses würde der Privatarmee, die all dies eingefädelt hat, eine fürstliche Summe für ihren Aufwand erstatten.
Wie fürstlich die Entschädigung sein wird, findet Reacher mit Gilmours Hilfe im Versteck des Militärdienstleisters heraus: 1 Million Dollar pro getötetem Soldaten. Es muss sich nicht mal um einen regulären, ausgebildeten Ex-Soldaten handeln, wie es scheint, denn ein entlassener Sträfling reicht den Rädelsführern des Coup bereits. Der Sträfling hat zwar keine Überlebenschance, aber Hauptsache, die Kasse stimmt. Der menschenverachtende Zynismus, auf den Reacher & Co. stoßen, ist kaum zu überbieten: Hier wird „Menschenmaterial“ vernichtet.
Höchste Zeit, dass den beiden Drahtziehern das Handwerk gelegt wird, dem Militärdienstleister und seinem Komplizen aus dem Pentagon. Dabei fällt Reacher ein, wie sich seine Gegner aus dem Finanzbetrugsmilieu nützlich machen können. Er lockt sie ins Versteck des Militärdienstleisters, wo es sofort zu einem Feuergefecht kommt. Der Actionfan darf sich über ein gewisses, begrenztes Feuerwerk freuen. Diese Ablenkung erlaubt es Reachers Truppe, in die unterirdische Festung einzudringen, wo der Showdown stattfinden soll. Doch der Gegner ist Reacher stets eine Nasenlänge voraus…
Textschwächen
S. 170: Die Provinz Berg-Karabach wird hier „Nagorno Karabakh“ geschrieben und soll angeblich auf der Arabian Peninsula“ liegen. Da hat sich der Autor aber um ein paar tausend Kilometer verhauen, schätze ich. Die genannte Provinz liegt im Kaukasus.
S. 185: „Threatening him is their way of stopping [of] me.” Ein “of” reicht völlig.
S. 314: „The owner had [a] stuck a Road Runner decal …”: Ein “a” reicht völlig.
Unterm Strich
Dieser flott erzählte Reacher-Band wartet mit zwei Handlungssträngen auf, die ihre jeweiligen Themen zur Debatte stellen. Das erste Thema ist der Verrat des Arztgeheimnisses zu Zwecken der systematischen Erpressung der zahlreichen Patienten, in diesem Fall in der Psychotherapie. Es kostet Reacher und Gilmour eine Menge Aufwand in der Mitte des Romans, um festzustellen, wer hinter dieser Erpressung und wem es vor ihnen gelungen ist, sie zu stoppen. Das kostet eine Menge Seiten, und ich wurde etwas ungeduldig. Alles klärt sich auf, keine Sorge. Aber die Empörung bleibt, denn das Arztgeheimnis ist sakrosankt.
Ausstiegsmethoden
Das zweite Generalthema hat mehr mit der titelgebenden „Exit Strategy“ zu tun. Denn es betrifft all jene Soldaten, die nach einer Verwundung oder einer unehrenhaften Entlassung von den Streitkräften, sei es aus dem Irak oder sonstwo – entlassen worden sind und nun in der Zivilgesellschaft zurechtkommen müssen. Der Militärdienstleister in Baltimore hat sich einfach mit einem früheren Kumpel, der ins Pentagon wechselte, zusammengetan, um sich auf Kosten des Steuerzahlers eine goldene Nase zu verdienen. Auch eine „Exit Strategy“.
Schräger Humor
Auch dieser Reacher-Band ist leicht und flott zu lesen, auch wenn es mir etwas an Romantik darin mangelte. Doch eines fiel mir während der Lektüre auf: Es gibt eine Menge Sinn für Humor, und zwar auch auf Seiten Reachers. Der Humor ist gut versteckt, so dass kein Leser riskiert, ins Dauergrinsen zu verfallen. Eine Zeile wie „When in doubt, turn left“, soll als Beispiel für den Aberwitz dienen, dessen sich Reacher als abgebrühter Veteran bedient. Ich könnte noch einige weitere Beispiele anführen, will aber dem Leser nicht den Spaß bei der Suche verderben.
Hinweis
Meine Originalausgabe im Paperback-Format enthält eine Leseprobe des nächsten Reacher-Thrillers „Chain Reaction“. Nach angemessener Zeit wird auch davon eine deutsche Übersetzung erscheinen. Momentan ist der Stand der Publikationen, dass kürzlich die Übersetzung von „No Plan B erschien, die den Titel „Der Puma“ trägt.
Taschenbuch: 361 Seiten plus Leseprobe
ISBN-13: 9781804993682
Der Autor vergibt: 



