McIver, Joel – Metallica: Justice For All – Die Wahrheit über Metallica

Die Story von |Metallica| ist einerseits durch die jahrelange, stete Medienpräsenz prinzipiell kein Mythos mehr; zu tief haben sich die Schicksalsschläge sowie die späteren musikalischen Wandlungen eingebrannt, zu oft wurde eigentlich schon darüber diskutiert. Und dennoch bietet der Stoff, aus dem diese vier Helden gemacht sind, noch einige Geheimnisse, Enthüllungen, die nur Insidern bekannt sind, aber auch Tiefpunkte, die bislang gerne mal verschwiegen wurden, um das Saubermann-Image der wohl größten Metal-Band des Planeten zu wahren. Joel McIver veröffentlichte vor einiger Zeit in seinem Buch [„Justice For All: Die Wahrheit über Metallica“ 1303 eine ganze Palette verschwiegener Fakten und eher versteckter Hintergründe. Von den schwierigen Anfängen, den Startschwierigkeiten über den langsamen Erfolgsweg bis hin zum Sprung an die Spitze einer ganzen Bewegung, die der Autor berechtigt als ein Lebensgefühl beschreibt, zeichnet er die Geschichte der Band chronologisch nach und lässt dabei wirklich kein Detail aus. Aufgrund der aktuellen Popularität des Metiers wurde diese Dokumentation nun auch als Hörbuch veröffentlicht, als solches aber natürlich in stark gekürzter Form. Claude-Oliver Rudolph hatte die Ehre, den geschnittenen Vortrag über die Giganten zu halten – und er schlägt sich bisweilen achtbar.

Allerdings kann die Hörbuchfassung den dicken Wälzer keinesfalls ersetzen; alleine dadurch, dass man verpflichtet war, sich aufs Wesentliche zu beschränken, reduziert man die Story im Endeffekt wieder nur auf all die Inhalte, die dem geneigten Fan im Grunde genommen eh schon bewusst ist. Hier und dort gibt es zwar noch einige Infos über den Studioaufenthalt zu „Ride The Lightning“ oder den Zwist zwischen der Band und Dave Mustaine, aber es ist eigentlich nichts dabei, was man nicht schon längst in Erfahrung gebracht hätte. Dennoch wäre es im Rahmen des Hörbuchs sicherlich möglich gewesen, bei gleichem Umfang besseres Infotainment zu bieten; so ist es zum Beispiel extrem anstrengend, wenn Rudolph zu jeder Tour nahezu alle Auftrittsorte auflistet und so die gut erzählte Geschichte immer wieder aus dem Zusammenhang reißt. Der Fakt, dass das Ausmaß der Tourneen ständig ins Unermessliche wuchs, hätte als Randinformation hier ganz bestimmt ausgereicht. Des Weiteren offenbart der Lektor zumindest bei seinem Grundwissen über die Band einige Schwächen; Songtitel werden falsch ausgesprochen, und zwischenzeitlich kommt es immer wieder zu Artikulierungsfehlern, über die sich der scharfsinnige Fan – und der ist nun mal der zentrale Punkt der angesprochenen Zielgruppe – brüskieren wird.

Und genau dies sind schließlich die Mankos, die im direkten Vergleich zur Vorlage nichts anderes als den Schluss zulassen, dass die Rundumbedienung in Buchform auf jeden Fall vorzuziehen ist. Zwar kann diese nicht die musikalischen Beiträge der beiden CDs ersetzen (hier covern einige Künstler, darunter auch |Motörhead|, Songs wie ‚Enter Sandman‘ und ‚Whiplash‘), aber der tatsächliche Gehalt ist doch um ein Vielfaches größer. |Metallica|-Fans hatten es in den letzten Jahren sowieso nicht sonderlich bequem, warum sollte sich daran also nun etwas ändern: Meine Empfehlung geht an das Buch; die zugehörige Doppel-CD taugt indes lediglich als Ergänzung.

http://www.nuclearblast.de/index_entry.php

Wood, Brian / Burchielli, Riccardo – DMZ 1: Abgestürzt

_Story_

Während die amerikanischen Truppen ständig Missionen in Übersee starten, verkommt das eigene Land langsam aber sicher zum Schlachtfeld. In New York herrschen katastrophale Zustände; ein Bürgerkrieg erschüttert die Stadt und trennt das Herz, Manhattan, von den umliegenden Gebieten. Doch nach Monaten verheerender Gefechte scheint der Waffenstillstand nur noch eine Frage der Zeit, was die Journalisten erstmals ermutigt, die Krisengebiete aufzusuchen und ein Bild des dortigen Grauens zu zeichnen.

Matthew Roth traut weder Augen noch Ohren, als er kurzfristig die Gelegenheit bekommt, mit dem berühmten Reporter Ferguson nach Manhattan zu fliegen, um einen Bericht über die Zustände der demilitarisierten Zone für die lokalen Nachrichten zu drehen. Doch die Landung mit dem Helikopter wird zum Fiasko; alle Insassen sterben durch Heckenschützen, und nur der völlig hilflose Roth überlebt das Scharmützel. Verzweifelt sucht er nach einem Ausweg und nimmt mithilfe seiner zurückgebliebenen Ausrüstung Kontakt zum Militär auf.

Doch auch sein Rettungsversuch endet blutig, führt ihm aber erstmals vor Augen, wie erniedrigend die Menschen in Manhattan mittlerweile leben und was ein Menschenleben hier überhaupt noch wert ist. Hin- und hergerissen zwischen den Gedanken, sichere Zuflucht zu finden oder eine überwältigende Story zu schreiben und somit auf der Karriereleiter steil emporzusteigen, kämpft er in den Ruinen der einst so prächtigen Stadt ums nackte Überleben und macht sich alsbald einen Namen. In einer Zeit nämlich, in der alle Hoffnung begraben scheint, sind Menschen wie er ein echter Lichtblick.

_Persönlicher Eindruck_

Eine sehr mutige Story ist es, die Brian Wood mit „DMZ“ entworfen hat; gleichzeitig ein apokalyptisches Endzeitszenario und eine äußerst gesellschaftskritische Sichtweise der Entwicklungen innerhalb der Vereinigten Staaten, bei der die Arroganz und Brutalität des Militärs insgeheim an den Pranger gestellt werden. Davon abgesehen sind auch die Charakterzeichnungen, die Wood im ersten Band entworfen hat, wahrlich fantastisch. Dies beginnt mit dem hochnäsigen Reporter Ferguson, der sich für unfehlbar hält und in seiner Überheblichkeit gar nicht zu begreifen vermag, was es heißt, im Bürgerkrieg zu leben. Die Medienberichte schienen für ihn nur Bilder einer fremden Welt zu sein, doch ereignen sich die schlimmsten Szenarien in diesem Fall vor der eigenen Haustür, was er in seinem naiven Leichtsinn nicht wahrhaben will.

Auf der anderen Seite steht mit Matthew Roth ein absolutes Greenhorn, das allzu leichtfertig als Kanonenfutter den Gehilfen spielen soll, nicht wissend, worauf er sich da überhaupt einlässt. Seine Berufung kommt völlig überraschend, und da er überhaupt keine Informationen über seinen Einsatz hat, ist er gänzlich verloren, als er das Attentat der Miliz überlebt. Doch in einer derartigen Extremsituation übermannt ihn sein Überlebensinstinkt; die erste Flucht gelingt und nach und nach gestatten ihm neue Gefährten, einen genaueren Blick in das schäbige Leben in Manhattan zu werfen.

Als dann aber eine Rettungsmission zur Befreiung des Praktikanten ziellos auf Zivilisten schießt, verliert Matt seine Glaubwürdigkeit und muss sich fortan alleine durch das Zentrum der Zerstörung kämpfen. Und erst dabei wird er der erschütternden Wahrheit gewahr; schwer verletzte Kinder, hungernde Familien, brutale Plünderer, Prostitution als Lebensgrundlage, ein völlig außer Gefecht gesetztes Gesundheitssystem, all das macht Manhattan in diesen Zeiten aus. Bilder, die Matt nur aus dem Fernsehen kannte und ihm beweisen, dass nichts schlimmer ist als die Realität, wenn sie einen derart bedrängt. Und ausgerechnet jetzt soll er sich als Nobody durchschlagen, ohne zu wissen, wo er von nun an hingehört und wem er vertrauen kann – und ohne zu begreifen, was eigentlich wirklich los ist.

Erschreckend und fesselnd sind sie, die postapokalyptischen Szenarien, die Wood hier entworfen hat; New York in Trümmern ist ein Bild, das seit dem 11. September kein Unbekanntes mehr ist. Doch wie eine Stelle in „DMZ“ treffend beschreibt, so herrscht in diesem Comic jeder Tag der 11. September. Zu sehen, wie bedeutende Protagonisten ihre Menschlichkeit gegen Waffen getauscht haben, zu sehen, wie das Militär skrupellos auf Landsleute schießt und die Schreckenstaten sowie den Mord von unbeteiligten Zivilisten, darunter auch Kinder, vertuschen möchte, aber auch zu sehen, wie sich der Hauptakteur inmitten einer solch aussichtslosen Situation, getrieben vom Willen zum Überleben, zurechtfinden muss, ist ein absolutes Novum, weil die komplette Story so realistisch und nahbar wirkt. Der Schauplatz der Gefechte ist real, und nicht erst seit den Flugzeugattentaten auf New York im Jahre 2001 scheinen Bilder, wie man sie hier zu sehen bekommt, nicht mehr unwahrscheinlich.

Doch noch erschreckender ist, dass man erst wachgerüttelt wird, als man sich vergegenwärtigt, dass die Handlung in den Vereinigten Staaten spielt. Weltweit sind derartige Niederträchtigkeiten Alltag; man toleriert sie schon fast, weil man selber nicht beteiligt oder betroffen ist und nimmt sie als gegeben hin. Doch jetzt ist es New York, eine so sicher geglaubte Stadt, vielleicht sogar die bekannteste Stadt der Welt, und schon verfinstern sich die Eindrücke im Verlauf der Story. An dieser Stelle soll jetzt keine Moralpredigt folgen, aber ist es nicht traurig, dass es eines Werkes wie „DMZ“ bedarf, um den Leuten die Bedeutung von Bürgerkrieg so authentisch wie möglich zu vermitteln? Meiner Meinung auf jeden Fall. Aber es spricht zweifelsohne für den Autor und seinen Kollegen Richard Burchielli, dass einem solche Gedanken überhaupt erst kommen. „DMZ“ regt zum Nachdenken an, offenbart eine schonungslose Realität und bietet darüber hinaus auch noch einen eiskalten, teils sehr actionreichen Plot, der einen von der ersten bis zur letzten Seite vor Begeisterung und Erschütterung gleichsam lähmt. Oder mit anderen Worten: ein Meisterwerk, das hier seinen Anfang nimmt und dessen Fortsetzung mit großer Spannung erwartet wird.

http://www.paninicomics.de/

Roberts, Adam – Sternensturm

_Kleiner Ausschnitt einer großen Bibliographie._

Adam Roberts ist ein umtriebiger Autor, der seit 2000 bereits zehn Science-Fiction-Romane veröffentlicht hat, eine Science-Fiction-Kurzgeschichtensammlung und zwei Bücher über Science-Fiction. Dazu kommen noch sechs Parodien, die |Dr. Who| auf die Schippe nehmen, das |Silmarillion|, den |kleinen Hobbit|, |Star Wars|, |Matrix| und den |Da Vinci Code|. Zur deutschen Übersetzung haben es davon „Das Stiehlnemillion – Die Tolkien-Parodie“ geschafft, „Der kleine Hobbnix – Die Tolkien-Parodie“ und „Star-Warped – Die Krieg-der-Sterne-Parodie“.

Nicht zu vergessen, dass Roberts als Dozent tätig ist, an der University of London, um sich zum einen mit Literatur des 19. Jahrhunderts zu befassen, aber auch mit der Postmoderne – insbesondere mit Science-Fiction.

Von Roberts‘ Science-Fiction-Ergüssen sind nur wenige ins Deutsche übersetzt worden: sein Erstling „Salt“ („Sternennebel“), „Stone“ („Sternenstaub“) und das vorliegende „Sternensturm“ (im Original: „Polystom“). Dazu sei gesagt, dass die drei Romane inhaltlich nicht zusammenhängen, auch wenn die deutsche Titelgebung etwas Derartiges suggeriert. Jedenfalls ist „Polystom“ bereits 2003 erschienen, während die fünf Nachfolger noch auf ihre Übersetzung warten: die Kurzgeschichtensammlung „Swiftly“ (2004), „The Snow“ (2004), „Gradisil“ (2006), „The Land of the Headless“ (2007) und „Splinter“ (2007). Nicht vergessen werden sollen auch die unübersetzten Vorgänger von Polystom: „On“ (2001), „Park Polar“ (2002) und „Jupiter Magnified“ (2003)

_Ein verkannter Profi des Besonderen._

Wenn man sich die Lesermeinungen in diversen Online-Buchgeschäften so ansieht, die um Roberts übersetzte Science-Fiction-Werke kreisen, schwinden alle Hoffnungen, dass die besagten Polystom-Nachfolger jemals den Weg in die deutschen Büchereien schaffen. Grund für den allgemeinen Unmut mag vielleicht die etwas ungeschickte Coverwahl von |Heyne| sein, denn hypermoderne Riesenraumschiffe finden sich in „Sternensturm“ nicht, ebenso wenig wie die krasse Hardcore-Science-Fiction, deren Erwartung einem der werbewirksam abgedruckte Kommentar von Stephen Baxter einflüstert. Stattdessen begegnet Roberts der Science-Fiction auf eine wunderbar unkonventionelle Art, die dem Raumschiff-Puristen mit Sicherheit aufstößt, aber hiermit jedem Leser empfohlen sei, der sich auf die etwas andere Science-Fiction einlassen kann und Abstand braucht von altbekanntem Weltraumgeballer.

_Was wäre, wenn …_

… es den Äther tatsächlich gäbe, wenn die Sonne in einer Atmosphäre arbeitete, wenn man zwischen den Planeten mit Zeppelinen und Flugzeugen fliegen könnte, wenn Himmelswale durch den Äther zögen, um sich von interplanetarem Plankton zu ernähren? Dann wären die Planeten um einiges kleiner, als sie es in unserer Welt sind, und es wäre auch nichts Besonderes, wenn einzelne Menschen Verwalter ganzer Welten wären. Dementsprechend ist Polystom ein solcher Verwalter, auf dem Papier zumindest, denn eigentlich ist er der Sohn des verstorbenen „echten“ Verwalters und eher adligem Nichtstun verpflichtet als politischen Aufgaben. Polystoms Herz schlägt für die Poesie und für die Wälder, die sein Gut umwachsen, für sein Flugzeug außerdem und für seinen Onkel Kleonikles, den er des Öfteren auf dem Mond besucht – um sich auszuweinen meistens.

Nun, der Leser jedenfalls erfährt schon auf der ersten Seite des Buches, dass Kleonikles nur noch drei Tage zu leben hat. Bevor dieses Ereignis aber eintritt, streift man durch Polystoms Vergangenheit, erlebt seine gescheiterte Ehe mit der seltsamen Beeswing und erfährt, dass Kleonikles der absurden Theorie nachhängt, es könnte auch Planeten- und Sonnensysteme in einem Vakuum geben. Dann, wenn man dem Leben und Leiden dieser beiden Figuren zugesehen hat, wird Kleonikles wie angekündigt umgebracht und Polystoms Leben nimmt eine weitere Wendung.

Er verpflichtet sich dazu, am Krieg auf dem Schlammplaneten teilzunehmen, wo sich Bedienstete gegen ihre Herren aufgelehnt haben und nun schon Jahre ihrer Niederwerfung trotzen konnten. Polystom lässt einen Teil seiner eigenen Dienerschaft ausbilden und fliegt selbst mit auf den Schlammplaneten, als diensthabender Offizier, um dort schmerzhaft lernen zu müssen, dass Krieg alles andere als poetisch und heldenhaft ist. Außerdem, und das ist viel wichtiger, stößt er dort auf ein Geheimnis, das ihn vor eine schwere und schicksalhafte Entscheidung stellt …

_Weltraumabenteuer mit Figuren-Fokus._

Wo andere Science-Fiction-Romane großen Wert auf ihr Universum legen und auf möglichst abgefahrene Techno-Spielereien, legt Roberts in diesem Roman den größten Wert auf seine Figuren. Das obig skizzierte Szenario mag gähnend langweilig erscheienen, und mit Sicherheit wäre es das auch, würde Roberts seine Feder nicht so pointiert und scharfzüngig führen. Seine Bilder sind frisch und unverbraucht, seine Dialoge treffen voll ins Schwarze und nie hätte ich gedacht, dass man Gehässigkeit so geschickt zwischen die Zeilen eines Buches packen kann.

Sympathische Figuren sucht man in „Sternensturm“ jedenfalls vergeblich. Polystom etwa, diese selbstverliebte, Untergebene verheizende, dummdreiste, naive, standesdünkelnde Heulsuse, stürzt einen ständig in ein Wechselbad der Gefühle: Entweder hasst man ihn, oder man bemitleidet ihn. Seine gescheiterte Ehe etwa … Als man am Anfang des Buches davon erfährt, hat man noch das Standardbild der gescheiterten Ehe vor Augen: eine normale Beziehung, man lebt sich auseinander, wie eine Ehe eben so kaputtgeht. Aber von wegen. Diese „Ehe“ verdient ihre Bezeichnung nur in Polystoms Wahrnehmung, der Leser erlebt ein grauenhaftes Fiasko durch die narzistisch selbstüberschätzende Brille, die Polystom trägt. Alleine schon sein Balzverhalten lässt einen gehässig Tränen lachen, die Hände über dem Kopf zusammenschlagen oder beides. Das Ganze gipfelt allerdings in einem knallharten Psychoduell, bei dem irgendwann auch der dunkelsten Seele das Lachen im Halse stecken bleibt: Ständig betrachtet man die Geschehnisse aus dem Blickwinkel des „höherwertigen Polystom“, der von seiner Frau Respekt einzufordern versucht, weil sie „diese Ehe als ein Geschenk betrachten und mit Respekt würdigen sollte, da sie gesellschaftlich weit unter ihm stünde.“

Die ganze Gesellschaft in dieser parallelen Welt ist geprägt von einem beinharten Hierarchiesystem und es ist sicher nicht übertrieben anzunehmen, dass Roberts mit „Sternensturm“ einen herben Angriff auf blaublütigen Dünkel verüben will und auf die Natur des Menschen im Allgemeinen. Der ganze Roman ist eine einzige Spitze, vollgepackt mit giftigem Humor, der manchmal so bitter zynisch und pechschwarz ist, dass man sich nur noch hinter vorgehaltener Hand zu lachen traut. Zum Ende hin verflüchtigt sich der Humor allerdings und leidenschaftlicher Zynismus gewinnt die Oberhand: Die Bilder werden zunehmend drastisch, als Polystom den Krieg auf dem Schlammplaneten erlebt, und Roberts‘ Stil überschreitet ein ums andere Mal die Grenze zum Bösartigen. Und hier, man hat schon gar nicht mehr erwartet, nimmt dann doch die Science-Fiction die Zügel in die Hand und überrascht den Leser mit einem unerwarteten Finale.

_Besondere Kost für besondere Leser._

Ja, der Science-Fiction-Anteil von „Sternensturm“ hält sich definitiv in Grenzen, beschränkt sich auf die Beschreibung der alternativen Physik des Universums, auf die Forschungsbeschreibungen von Polystoms Onkel und auf den Clou am Ende. Auch dieser Clou wird nicht jeden Geschmack treffen, ich wage zu behaupten, dass man ihn entweder liebt oder hasst, aber das trifft mit Sicherheit auf das ganze Buch zu. Dementsprechend ist es nicht ganz einfach, die Zielgruppe einzugrenzen, die an „Sternensturm“ ihre Freude haben könnte.

Wer sich ein Buch mit dem Titel „Sternensturm“ sonst nicht kaufen würde, hat jedenfalls schon mal gute Chancen für die Kandidatenliste. Wer sich bei Raumschiffen auf dem Buchcover sonst mitleidig lächelnd abwendet, sollte ebenfalls hellhörig werden. Wer sich auf eine gallige Gesellschaftsfiktion einlassen kann, mit einem Humor, der manchmal so böse zwischen den Zeilen hockt, dass er diese Bezeichnung kaum noch verdient, bekommt ebenfalls Pluspunkte auf seinem Kandidatenindex. Jetzt braucht es nur noch eine Begeisterung für das futuristisch-philosophische Gedankenexperiment, um sich guten Gewissens auf den Weg in das nächste Buchgeschäft zu machen. „Sternensturm“ ist ein mutiges Kleinod von ausgesuchter Gemeinheit!

http://www.heyne.de

|Adam Roberts auf Buchwurm.info:|

[„Sternenstaub“ 2308
[„Der kleine Hobbnix“ 477
[„Star Warped“ 1495

Hartley, Welles / Harrison, Mick / Williams, Rob – Star Wars 63: Dark Times 2 (von 5) – Der Weg ins Nichts

[Band 1 3853

_Inhalt_

|“Der Weg ins Nichts“|

Dass Jennir und der Nosaurier Bomo sind nur knapp der Invasion des Imperiums und somit auch der Sklaverei entkommen. Dennoch lasten die persönlichen Verluste schwer auf Bomos Schultern, dessen Familie auf dem Fluchtweg gekidnappt und auf den Sklavenplaneten Orvax 4 verschleppt wurde. Gemeinsam reist das Duo inkognito zur Sklavenbasis der imperialen Streitkräfte und geht an Bord ihres Schiffes wegen ihrer Verschwiegenheit ein erhöhtes Risiko ein. Doch die Wegbegleiter erweisen sich schnell als treue Verbündete und kämpfen sich mit dem Jedi und dem Nosaurier durch das Gefängnis von Orvax 4. Aber Bomo kommt zu spät.

|“Rebellion“|

Wyl Tarson gehört zu den geheimsten Schützlingen der Rebellion und hat der Allianz in den letzte Jahren immer wieder treue Dienste durch die Übermittlung von geheimen Informationen erwiesen. Nun gerät der mutige Jüngling jedoch in den Einfluss des Verbrecherkönigs Raze, der Wyl nach einer Explosion aufgabelt und ihm eine Bombe in den Körper pflanzt. Wyl ist jedoch nicht bereit, sich dem Willen des Fieslings zu unterwerfen, und widersetzt sich zunächst seinen unglaublichen Forderungen. Als ihm dann aber bewusst wird, dass er damit blindlings in den Tod stürzen wird, überdenkt er seine Entscheidung und unterstützt Raze bei seinen teuflischen Plänen.

_Meine Meinung_

Nach dem eher schwachbrüstigen letzten Heft der „Star Wars“-Comics beinhaltet die neue Ausgabe nun endlich den heiß ersehnten zweiten Teil der aktuellen Reihe „Dark Times“, einem der vielversprechendsten Plots des Star-Wars-Universums der letzten Monate. Strikt führt das Autorenteam Hartley und Harrison die Story fort und versetzt die beiden Protagonisten von einer Notlage in die nächste. Mit Heimtücke und gutem Willen gelingt es Bomo und Dass Jennir, sich an Bord eines Schiffes Zuflucht zu verschaffen und geradewegs auf den Sklavenplaneten zuzusteuern, auf dem der Nosaurier seine verschollene Frau und die gemeinsame Tochter wähnt. Unerbittlich kämpft sich das eingespielte Zweigespann durch die Gefahren dieser Welt und schummelt sich teils auch mit Gewalt bis in die Gefängnisstation des Planeten durch. Für Bomo Greenbark leuchtet für einen kurzen Zeitpunkt wieder der Stern der Zuversicht – nur um nach einer schrecklichen Nachricht seiner alten, ebenfalls versklavten Verbündeten wieder zu verlöschen.

Hartley und Harrison lassen im zweiten Teil der deutschsprachigen Ausgabe definitiv die Action sprechen. Vor allem Dass Jennis muss auf Orvax gleich mehrfach seinen Mann stehen und dabei zusehen, dass weder die imperialen Truppen noch die seltsamen Biester, die den Planeten bevölkern, auf ihn aufmerksam werden. Des Weiteren wird die Story in rasendem Tempo fortgeführt und wird trotz der relativ kurzen Spanne von einigen inhaltlichen wie emotionalen Hochs und Tiefs gesäumt. Einzig die Zweifel Vaders, der sich insgeheim im letzten Teil gegen die Pläne des Imperators gestellt hat, hätte man nicht so weit im Dunkeln stehen lassen müssen, schließlich begründete sich ein Teil des inhaltlichen Potenzials auf dessen Skepsis. Aber möglicherweise folgt diesbezüglich im Abschluss der Story noch mehr, worauf man nach den Ereignissen im mittleren Part mehr als gespannt sein darf. Insgesamt also eine löblich strukturierte, spannende und vor allem kurzweilige Fortsetzung der „Dark Times“.

Parallel hierzu eröffnet man auch gleich schon eine neue Mini-Serie innerhalb der Sternencomics. Neben dem Hauptakteur Wyl Tarson trifft man hier auf alte Bekannte wie den zwielichtigen Raze, der sich hier als unnachgiebiger Fiesling und kompromissloser Sklaventreiber offenbart und somit das Böse in einer Story von Verrat, Intrigen, Hinterlisten und Gemeinheiten verkörpert. Lediglich der etwas verwirrende Aufbau der Handlung trübt den eigentlich positiven Gesamteindruck der neuesten „Rebellion“-Saga ein wenig und führt gerade in der Mitte zu einigen Ungereimtheiten, die zu einem späteren Zeitpunkt auch nicht ganz ausgeräumt werden. Aber auch hier hofft man für Klarheit in der Fortsetzung, die wahrscheinlich in Heft Nr. 64 enthalten sein wird.

Alles in allem ergibt sich nach dem kurzen Einbruch der letzten Ausgabe wieder ein überaus zufriedenes Gesamtfazit: Die alte Serie bekommt eine würdige Fortsetzung und zugleich auch noch einen gleichwertigen, wenn auch zwischenzeitlich konfusen Nachfolger zur Seite gestellt. In den „Star Wars“-Comics bleibt es spannend und vor allem vielseitig – dank Volltreffern wie „Dark Times“ und „Rebellion“.

http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10314

Arthur C. Clarke – Inseln im All

clarke-inseln-im-all-cover-1983-kleinJüngling Roy besucht eine Raumstation, lernt den schwerelosen Alltag kennen und erlebt viele lehrreiche Abenteuer … – Aus heutiger Sicht naiver „Roman für die Jugend“, der allzu didaktisch daherkommt, aber sehr interessant die längst verworfene Vision einer Zukunft beschreibt, in der Technik und Wissen für Weltfrieden und Wohlstand sorgen.
Arthur C. Clarke – Inseln im All weiterlesen

Anthony Pratt – Cluedo (DVD-Brettspiel)

Digitale Schnüffelei

Es scheint derzeit sehr beliebt, einstige Spieleklassiker fürs digitale Zeitalter neu aufzupeppeln und aus dem klassischen Brettspiel ein interaktives Vergnügen zu machen, welches den Geist der Ursprungsversion in die Moderne führt. Gerade bei |Parker/Hasbro| hat sich in diesem Bereich während der letzten Jahre so einiges getan, wenngleich die Verfechter der alten Originale dieser Entwicklung eher skeptisch gegenüberstehen. Auch bei „Cluedo“, dem wohl bekanntesten und berühmtesten Detektivspiel aller Zeiten, durfte man gespannt sein, inwiefern die DVD-Variante an die Genialität des bereits 1949 erstveröffentlichten Debüts anknüpfen kann, zumal der Klassiker aus der Feder von Anthony Pratt in seiner Sparte als nahezu unangetastet gilt.

Doch die digitale Improvisation lässt sich diesbezüglich absolut nicht lumpen. So hat man das übliche Spielschema noch mit zehn festgelegten Fällen erweitert, die um einiges kniffliger sind als der sogenannte Hauptfall, bei dem man lediglich erforschen muss, welche Person wann und wo einen vorher festgelegten Gegenstand gestohlen hat. Davon abgesehen ist auch das neue Design um ein großes Stück fortschrittlicher; das Spielbrett erstrahlt in neuem Glanz, die üblichen Verdächtigen werden mit einer tollen Figur gewürdigt und die Navigation durch das interaktive Menü bringt dem Spiel ganz neue Möglichkeiten, die einen schon nach der ersten Runde zum vorläufigen Resümee bringen, dass das DVD-Brettspiel seinen Vorgängern noch einiges voraus hat – und daher sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittene die erste Wahl sein sollte.

Die Hintergrundgeschichte

Chaos in Schloss Neubrunn; kurz vor den Feierlichkeiten in der Herberge des Grafen Eutin ist ein wichtiger Gegenstand gestohlen worden. Doch worum handelt es sich bei dem rätselhaften, verschollenen Irgendwas? Wer hat sich das Diebesgut zu Eigen gemacht? Und wo hat er es entwenden können? Zu welcher Tageszeit war der Gauner respektive die Gaunerin aktiv?

Mit Hilfe des Butlers James und der tatkräftigen Unterstützung von Inspector Brown machen sich die Spieler daran, den Fall langsam aber sicher aufzuklären und über verschiedene Hinweise und verschlüsselte Informationen die Liste der Tatverdächtigen stetig einzuschränken. Allerdings ist Vorsicht geboten; auch die übrigen Schnüffelnasen machen bei ihren Ermittlungen Fortschritte – und das größte Lob gilt schließlich nur demjenigen, der den mysteriösen Fall hat aufklären können.

Spielmaterial

• 1 DVD
• 1 Spielbrett
• 42 Karten
• 10 Spielfiguren
• 1 rote Lupe
• 1 Diebstahlakte
• 1 Detektiv-Notizblock
• 4 Vorhängeschlösser

Die Materialien in der Schachtel des „Cluedo DVD-Brettspiels“ muss man aus zweierlei Sicht betrachten. Zunächst einmal wäre da die Originalität der zugrunde liegenden Struktur. So besitzen die Karten auf ihrer Rückseite jeweils mehrere verschlüsselte Symbole, die man mit der Lupe entziffern muss, um diejenigen Karten auszusortieren, die später für die individuellen zehn Falldarstellungen benötigt werden. Des Weiteren ist auch das Spielbrett eine echte Augenweide und bietet auch dem Auge des Hobbydetektivs einige optische Reize, die der älteren Variante bisweilen abgingen. Und mit den witzigen Spielfiguren bringt man eine weitere Komponente ein, die das gesamte Setting noch authentischer gestaltet. In dieser Hinsicht kann man also nur lobende Worte verlieren.

Ganz anders schaut’s indes bei der Stabilität des Materials aus; enttäuscht musste ich beim Öffnen der Schachtel feststellen, dass der Griff der Lupe bereits abgebrochen war, und das ohne jegliche Fremdeinwirkung. Darüber hinaus sind auch die Spielfiguren und die Diebstahlakte recht empfindlich, was bei mehrfacher Verwendung – und davon ist sicherlich auszugehen – zu raschen Verschleißerscheinungen führen wird, die wiederum die Optik zweifelsohne trüben werden. Und auch der Detektiv-Notizblock wird eines Tages aufgebraucht sein, wenngleich er schon ziemlich dick bestückt ist.

Optik plus Funktionalität vs. Stabilität; was dies betrifft, gibt es beim „Cluedo DVD-Brettspiel“ pro und kontra, und beides sollte eben nicht unerwähnt bleiben.

Spielaufbau

Zu Beginn einer jeden Partie werden die Gegenstandskarten aussortiert und die Karten mit Tatorten, Verdächtigen und Tageszeiten gemischt und unter den beteiligten Spielern aufgeteilt. Vorab werden außerdem die Karten herausgesucht, auf denen die drei bzw. vier gesuchten Tatbefunde (je nachdem, ob man einen vorgegebenen oder eben den Hauptfall wählt) zutreffen, dies aber natürlich verdeckt, da es ja letztendlich darum geht, herauszufinden, was auf diesen Karten steht. Jeder Spieler startet mit seiner Figur im Beweisaufnahmeraum im Zentrum des Spielfelds seine Ermittlungen und erkundet von dort aus die einzelnen Tatorte.

Egal, ob man sich nun für einen der zehn vorgegebenen Fälle oder doch für den flexibleren Hauptfall (bekannt aus dem Ursprungsspiel) entscheidet, so ist das grundsätzliche Procedere doch jedes Mal gleich. Ein Spielzug besteht aus insgesamt zwei Zügen, die sich jedoch ein wenig variabel gestalten lassen. Als Erstes bewegt man seine vorab bestimmte Figur immer auf dem Spielfeld von einem möglichen Tatort zum nächsten. Gegebenenfalls verwendet man hierzu auch einen Geheimgang, muss dabei jedoch eventuell eine durch die DVD vorgegebene Hürde bestehen (z. B. eine seiner Karten abgeben). Hierbei versucht man, immer wieder Hinweise zu bekommen und in die Karten der anderen Spieler Einblicke zu erhalten, denn jede Karte, die sich nicht in der Diebstahlakte befindet, gibt weiteren Aufschluss darüber, welches Wer, Was, Wo bzw. Wann man auf seinem Notizblock ankreuzen und für den weiteren Fall ausschließen kann.

Hat man seine Figur nun entsprechend ein Feld weiterbewegt, gibt es mehrere Möglichkeiten. Man kann entweder einen Verdacht aussprechen und Vermutungen äußern, was wann und wo geschehen ist und wer genau dahintersteckt. Sollten aber mittlerweile auch schon der Butler und der Kommissar integriert sein – dies geschieht bereits zu einem frühen Zeitpunkt des Spiels und wird von der DVD angekündigt – kann man auch ihre Hinweise und Notizen lesen und wieder weitere Dinge aus seiner Liste auf dem Notizblock als unverdächtig markieren.

Sollte man sich dazu entschließen, einen Verdacht zu äußern, geschieht dies folgendermaßen: Man nennt drei der insgesamt vier Tatelemente und versucht somit, den Kreis der Verdächtigen zu verkleinern. Ein Verdacht könnte also folgendermaßen aussehen: Konrad hat im Speisezimmer das Fernrohr gestohlen. Nun gilt es für die Mitspieler, diese Behauptung zu überprüfen und nach Möglichkeit zu widerlegen. Im Uhrzeigersinn schaut jeder nach, ob er eine der drei genannten Karten auf der Hand hält. Der erste Spieler zur Linken beginnt nun; hat er tatsächlich eine oder gar mehrere gefragte Karten auf der Hand, wählt er eine aus und zeigt sie verdeckt dem derzeit aktiven Detektiv. Dieser notiert nun, was er gesehen hat. Sollte sich zum Beispiel Konrad als Karte beim Nachbarn in der Hand befunden haben, steht fest, dass er nicht mit der Tat in Verbindung steht. Der Kreis der Verdächtigen ist also wieder um eine Person verringert worden. Eine Klausel gilt es allerdings zu beachten. Sollte in die Verdachtsäußerung auch das Wo einbezogen werden, darf man immer nur Tatorte benennen, an denen man sich selber derzeit aufhält. Es ist also nicht möglich, in der Halle die Vermutung zu äußern, dass der Diebstahl im Salon stattgefunden hat.

Sollte man indes noch nicht genügend aufschlussreiche Indizien gesammelt haben, lohnt es sich auch, den Butler zu fragen, der still und heimlich seine Beobachtungen macht und allen Mitspielern transparent neue Informationen gibt. Auch der Kommissar hat von Zeit zu Zeit neue Hinweise, die er auf einem Notizzettel hinterlegt, den man schließlich mit der Lupe auf dem Fernseher dechiffrieren bzw. anschließend im Begleitheft nachschlagen muss, nachdem man erfahren hat, auf welcher Seite man den Hinweis finden wird. Ab und zu versteckt der Komissar auch Gegenstandskarten an verschiedenen Tatorten, die man einsehen kann, wenn man dort seine Begabungen als Detektiv bei einer kniffligen Aufgabe bewiesen hat. Dies durchzuführen gilt ebenso wie die Hinzunahme des Butlers respektive des Kommissars sowie die Äußerung eines Verdachts als ein möglicher zweiter Schritt, nachdem man seine Figur in der ersten Spielphase um ein Feld vorwärts bewegt hat.

Im Laufe des Spiels greift der Kommissar dann immer häufiger ins Geschehen ein und treibt die Ermittlungen unerbittlich voran. Immer öfter muss man nun eine seiner Karten offen in den Beweisaufnahmeraum legen, so dass jeder Spieler stetig neue Informationen bekommt und sich die Vermutungen zur Tat verdichten. Allerdings ist Eile geboten, denn sollte jemand keine Karte mehr auf der Hand halten und wird aufgefordert, eine solche abzulegen, scheidet er vorzeitig aus.

Spielende

Ist sich jemand nun endgültig sicher und glaubt, er kann den Tathergang genauestens rekonstruieren, begibt er sich ins Beweisaufnahmezimmer und erhebt Anklage. Nun prüft er mit der Lupe auf dem Bildschirm jedes einzelne Indiz nach und erhält schließlich Auskunft, wie viele seiner Vermutungen richtig sind. Sollten dies gleich alle vier sein, hat er den Fall aufgeklärt und das Spiel gewonnen. Liegt er indes falsch, muss er für jeden falschen Verdacht eine weitere Karte abgeben. Auch hier gilt: Gerät er diesbezüglich in eine Bringschuld und kann keine Karten mehr nachlegen, ist das Spiel für ihn oder sie vorzeitig vorüber.

Variation im Hauptfall

Der Hauptfall unterscheidet sich durch den oben beschriebenen Hergang der zehn vorbestimmten Fälle insofern, dass der Gegenstand, der gestohlen wurde, bereits bekannt ist. James kann demzufolge auch keine Hinweise geben, und auch der Kommissar weiß nichts über den Verlauf der Tat. Dementsprechend ist auch die Suche ein wenig beschwerlicher. Wer nämlich zum Schluss Anklage erhebt, ist gezwungen, in die Diebstahlakte zu sehen und zu vergleichen. Hat er dabei auch nur einen falschen Verdacht, ist das Spiel sofort für ihn zu Ende, da er nun schon die Lösung kennt.

Persönlicher Eindruck

Ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich das klassische „Cluedo“ bis dato nie besessen habe und nur noch ganz entfernte Kindheitserinnerungen in mir herumtrage, die nun aber wieder vollkommen aufgeblüht sind, nachdem die komplett überarbeitete Variante zum ersten Mal auf den Tisch gekommen war. Allerdings war mir das Spiel definitiv nicht mehr als derart genial im Hinterkopf geblieben, obwohl mir auf jeden Fall bewusst war, dass es über eine riesige, ständig wachsende Fangemeinde verfügt.

Wie auch immer, die DVD-Version von „Cluedo“ hat von Beginn an große Begeisterung hervorgerufen; alleine schon die durch das Filmmaterial geschaffene Atmosphäre ist wahrlich einzigartig und versetzt einen in eine Zeit, in der Meisterdetektive wie Sherlock Holmes zu Legenden reiften. Die musikalische Untermalung, die plötzlichen Einwürfe des Kommissars, die verstrickten Hinweise des Butlers und generell die Zusammenfügung der unterschiedlichsten Hinweise transferiert den Spieler auf sehr authentische Art und Weise in die Rolle eines geheimen Schnüfflers und macht besonders die neu hinzugekommenen zehn Fälle zu einem echten Schmankerl, welches im Rahmen der Serie sicher noch weiter ausgebaut werden sollte. Schließlich sollte es ein Leichtes sein, eine DVD-Erweiterung mit wieder neuen Fällen zu konzipieren. Doch das ist erst einmal Zukunftsmusik.

Erst einmal gilt es sicherlich, die Skepsis der Zweifler einzudämmen, was durch besagte Atmosphäre eigentlich schon zum größten Teil erledigt sein sollte. Darüber hinaus gefällt auch der allgemeine Aufbau sowie die Navigation durch das DVD-Menü auf Anhieb. Zwar wünscht man sich bisweilen, dass man nicht ständig die OK-Taste bedienen müsste, aber insgesamt ist die Struktur leicht verständlich, spieltechnisch ziemlich ausgereift und mit einem diesbezüglich sehr guten Spannungsbogen versehen. Dazu gehört auch die Art und Weise, wie Hinweise und Einschnitte ins Szenario eingebaut werden. Es geschieht recht häufig, dass dadurch ein fast schon als zwingend richtig erwiesener Tatverdacht wieder ad absurdum geführt wird, weil James und Brown mit neuen Fakten daherkommen. So bleibt das Spiel bis zur letzten Sekunde spannend, bis sich schließlich die Verdächtigungen erhärten und man sicher sein kann, bei der Anklage richtig zu liegen.

Genau an diesem Punkt offenbart „Cluedo“ aber eine nicht zu unterschätzende Schwäche: Es ist nämlich schon so, dass alle Detektive bei ihren Ermittlungen auf einem gleichen Level Fortschritte erzielen und man den Gegenübern nicht wirklich viel vorenthalten kann. Daher ist es zum Schluss häufig so, dass sich die letzten Züge zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen in Richtung Beweisaufnahmeraum entwickeln und derjenige das Spiel gewinnt, der von vornherein am günstigsten positioniert ist. Dies ist insofern ungünstig, als mehrere Spieler den Fall aufgedeckt haben, aber keiner mehr die Chance bekommt, dies zu beweisen. Erst nach mehreren Spielen entwickelt man zur Vermeidung eines solchen Settings Strategien durch geschicktes Ausspielen seiner Karten (bei Aufforderung des Kommissars), soll heißen man entwickelt ein Händchen dafür, welche Infos man besser für sich behält und wie man die Konkurrenten täuschen kann. Aber gerade zu Beginn tritt das nicht ganz ideale Finale häufiger auf.

Nichtsdestotrotz weiß das DVD-Brettspiel zu „Cluedo“ die ermittelnde Spielgemeinschaft in seinen Bann zu ziehen. Das Konzept wurde wirklich sehr fortschrittlich ins digitale Zeitalter transferiert, das generelle Spielprinzip noch einmal gehörig erweitert und mit den Mitteln der cineastischen Begleitung außerdem eine Atmosphäre kreiert, innerhalb derer das Spiel gleich doppelt Spaß macht. Aus diesem Grunde sollten selbst diejenigen, die bereits das Original im heimischen Regal platziert haben, noch einmal überlegen, ob sie nicht auch zur neuzeitlichen Version greifen möchten, da der Spielspaß in dieser definitiv noch einmal ausgebaut wird. Von der Vielzahl der digitalen Brettspiele, die meinerseits bislang getestet wurden, hat jedenfalls keines so gut abgeschnitten wie „Cluedo“, weshalb ich ruhigen Gewissens resümieren kann, dass es gelungen ist, einen viel geliebten Klassiker noch einmal um einige Nuancen zu verbessern. Wirklicht toll gemacht!

http://www.hasbro.de

Bachmann, Richard / King, Stephen – Qual

Das Leben hat Clayghton Blaisdell jr, genannt Blaze, übel mitgespielt. Mit drei Jahren verliert er seine Mutter bei einem Unfall, sein Vater ist ein Trinker, der ihn oft verprügelt. Eines Tages wirft er seinen Sohn die Treppe hinunter. Blaze überlebt nur knapp und trägt einen Hirnschaden davon, der den begabten Jungen in ein leicht zurückgebliebenes Kind verwandelt. Er kommt in ein Waisenhaus, dessen strenge Erziehungsmethoden seine Lage aber nicht verbessern. Auch die kurze Zeit bei Pflegeeltern endet mit einer Katastrophe.

Blaze wächst zu einem einfältigen, aber dafür körperlich umso stärkeren Jugendlichen heran, der sich mit kleinen Delikten über Wasser hält. In diesem Milieu trifft er auf den gerissenen Gauner George, der ihn zu seinem Partner macht. Auch wenn Blaze hin und wieder unter Georges Attacken leiden und missgelungene Coups ausbaden muss, fühlt er sich bei ihm gut aufgehoben. Kurz vor der geplanten Entführung eines Babys reicher Eltern, das den beiden zwei Millionen bringen soll, stirbt George jedoch in einer Messerstecherei.

Blaze ist wieder auf sich allein gestellt – doch er fühlt Georges Gegenwart nach wie vor in seiner Nähe. Die Stimme seines Partners sitzt in seinem Kopf und sagt ihm, er soll den großen Coup alleine durchziehen. Blaze gelingt es tatsächlich, den kleinen Joe an sich zu bringen. Von nun an wird er nicht nur von der Polizei gejagt, sondern er spürt auch eine immer größer wachsende Zuneigung zu dem Baby …

Bereits aus dem Jahre 1973 stammt dieser frühe King-Roman, der unter seinem Pseudonym Richard Bachmann, das 1985 gelüftet wurde, erscheinen sollte. Das Manuskript geriet in Vergessenheit, bis es jetzt in überarbeiteter Form veröffentlicht wurde.

|Gelungener Protagonist|

Im Mittelpunkt steht Blaze, ein geistig leicht retardierter Mann mit hünenhafter Gestalt, unverkennbar eine Hommage an die Figur des Lennie aus Steinbecks „Von Mäusen und Menschen“, wie King auch im Nachwort bestätigt. Blazes Leben steht von Anfang an unter einem schlechten Stern, die Mutter stirbt, der Vater ist ein gewalttätiger Alkoholiker. Der schwere Treppensturz hinterlässt neben dem Hirnschaden eine auffallende Delle in der Stirn des Jungen, die ihn, zusätzlich zu seinem früh entwickelten Bärenkörper, von nun an wie ein Kainsmal durchs Leben begleitet. Einen kleinen Lichtblick bildet seine Freundschaft im Waisenhaus zum schmächtigen John, die jedoch durch dessen Tod jäh beendet wird. Fast zwangsläufig gleitet der unbeholfene Blaze in ein kriminelles Leben ab und fast ebenso zwangsläufig verspürt man Mitgefühl. Obwohl man ahnt, dass es kein glorreiches Happy-End geben wird, hofft man beständig darauf, dass sich Blazes Lage bessern wird. Zu keiner Zeit ist Blaze ein schlechter Mensch, doch ein ums andere Mal überschätzt er seine körperlichen Kräfte, was fatale Folgen mit sich bringt.

Besonders gelungen sind die Rückblenden, in denen Blazes Kindheit und Jugend beleuchtet wird. Blaze wehrt sich gegen die Drangsalien des Rektors, macht Bekanntschaft mit der ersten Liebe und erlebt einen aufregenden Tag mit seinem Freund John in Boston, der ihm ein paar Momente des Glücks beschert. Bei etlichen tragikkomischen Szenen fällt es schwer, sich zwischen Lachen und Weinen zu entscheiden, etwa wenn er treudoof auf gehässige Kommentare seines Partners George reagiert.

|Wenig Gewalt, kein Horror|

Der Name Stephen King steht in der Regel für Horror, oft mit übernatürlichen Elementen. Unter den Pseudonym Richard Bachmann veröffentlichte er realitätsnähere, dafür sehr harte Romane mit deprimierend-düsterer Stimmung. Mit anderen Bachmann-Werken hat „Qual“ den knappen Stil gemeinsam. Keine ausufernden Schilderungen einer typischen Kleinstadt, wie King es sonst gerne zelebriert, dafür eine direkte Sprache, die andeutet, dass er sich stilistisch an den Hardboiled-Krimis der vierziger Jahre orientierte. Todesfälle und brutale Szenen werden nur kurz erwähnt, ohne dass auf Details eingegangen würde, doch gerade dieser lakonische Stil, der Blazes hartes, schnörkelloses Leben widerspiegelt, ruft beim Leser Emotionen hervor. Für einen Hauch von Mystik sorgt die Stimme des toten George, die Blaze in seinem Kopf hört, die aber eher den Status eines imaginären Freundes besitzt als den eines Geistes. Im Gegensatz zu Werken wie „Todesmarsch“, „Menschenjagd“ oder „Der Fluch“ ist die Atmosphäre nicht bitterböse, sondern eher auf Melancholie aufgelegt. Es ist kein reiner Krimi, sondern mehr ein tragisches Melodram über einen Außenseiter, das eher bewegt als nervenaufreibend fesselt.

|Kleine Schwächen|

Die Schwäche des Romans liegt in seiner Vorhersehbarkeit. Die geradlinige Handlung, die nie lange an einem Punkt in Blazes Leben verweilt, entwickelt sich zum größten Teil genau so, wie der Leser es erwartet. An keiner Stelle taucht eine überraschende Wendung auf, worunter mit der Zeit auch die Spannung leidet. Blazes Gefühle für das Baby kommen nicht unerwartet, da man seinen Charakter bis dato ausreichend kennt. Somit bleibt nur die Frage offen, welches Schicksal er und sein „Schützling“ nehmen, die aber am Ende nur von den eigenen Vermutungen bestätigt bleibt. Ein Manko darüberhinaus ist das zu rasch eingeleitete und zu knapp abgehandelte Ende. Gerade weil der Leser schon recht früh ahnt, auf was für ein Finale der Roman hinauslaufen wird, ist der Schluss im Vergleich zum Rest etwas enttäuschend. Man wünscht sich noch einen kleinen zusätzlichen Nachhall, muss sich aber mit einem unspektakulären Ende begnügen.

Sehr unglücklich gewählt ist der Titel der deutschen Übersetzung, da man sich unter „Qual“ kaum etwas vorzustellen hat. Während das Original schlicht nach seiner Hauptfigur „Blaze“ benannt ist, besitzt das deutsche Pendant keinen Bezug zum Inhalt, wenn man davon absieht, dass Blazes Leben größtenteils eine „Qual“ ist. Als schöne Beigabe für King-Fans ist im Anschluss die Kurzgeschichte „Erinnerung“ enthalten, die den Ausgangspunkt für den neuen King-Roman, der Anfang 2008 erscheinen soll, bildete.

_Als Fazit_ bleibt ein bewegender Roman über einen Außenseiter in bester Steinbeck-Tradition. Die vordergründige Krimi-Handlung um eine Entführung rückt zugunsten der melodramatischen Elemente in den Hintergrund. Kleine Abzüge gibt es für die vorhersehbare Handlung und das zu knapp gehaltene Ende.

_Stephen King_, Jahrgang 1947, zählt zu den erfolgreichsten Autoren der Welt. 1973 veröffentlichte der ehemalige Lehrer mit „Carrie“ seinen ersten Roman, der sofort ein Bestseller wurde. Alle folgenden Bücher wurden ebenfalls Welterfolge, viele davon sind von namhaften Regisseuren verfilmt wurden. Zu den bekanntesten Werken zählen unter anderem: „Es“, „Christine“, „Shining“, „Misery“, „The Stand“ und die siebenteilige Saga vom „Dunklen Turm“. Weitere Bücher erschienen unter dem Pseudonym Richard Bachmann. Mehr über ihn auf seiner Homepage http://www.stephenking.com.

|Originaltitel: Blaze
Originalverlag: Scribner
Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bürger
Gebundenes Buch, 384 Seiten, 13,5 x 21,5 cm|
http://www.heyne.de

_Stephen King bei |Buchwurm.info|_ (Auswahl):

[„Brennen muss Salem – Illustrierte Fassung“ 3027
[„Brennen muss Salem“ 3831 (Hörbuch)
[„Briefe aus Jerusalem“ 3714 (Audio)
[„Friedhof der Kuscheltiere“ 3007 (Audio)
[„Puls“ 2383
[„Trucks“ 2327 (Audio)
[„Colorado Kid“ 2090
[„The Green Mile“ 1857 (Audio)
[„Das Leben und das Schreiben“ 1655
[„Atemtechnik“ 1618 (Audio)
[„Todesmarsch“ 908
[„Der Turm“ 822 (Der Dunkle Turm VII)
[„Der Sturm des Jahrhunderts“ 535
[„Tommyknockers – Das Monstrum “ 461
[„Achterbahn“ 460
[„Danse Macabre – Die Welt des Horrors“ 454
[„Christine“ 453
[„Der Buick“ 438
[„Atlantis“ 322
[„Das Mädchen“ 115
[„Im Kabinett des Todes“ 85
[„Duddits – Dreamcatcher“ 45

Stackpole, Michael A. / Strnad, Jan / Erskine, Gary – Star Wars Sonderband 38: X-Wing Rogue Squadron – Requiem für einen Rogue

[X-Wing Rogue Squadron – Die Thronerbin 3338

_Story_

Acht Monate nach der Schlacht um Endor: Captain Wedge Antilles und seine Staffel unternehmen eine Routinemission zum Planeten Malrev 4, auf dem kürzlich ein Schiff der Allianz verschollen war. Doch der Suchtrupp gerät alsbald in Gefahr, als eine Überzahl imperialer Jäger auftaucht und die Rogue Squadron angreift. Während der Großteil der Truppe entkommt und auch tatsächlich das vermisste Schiff mit den Bothanern auffindet, stürzt Antilles während des Luftkampfes ab. Doch seine Verbündeten geben die Hoffnung um ihn nicht auf, verharren in ihrer neuen Situation allerdings skeptisch, weil die Besatzung des entdeckten Raumers ihnen nicht allzu freundlich gesonnen ist.

Als schließlich auch noch eine Horde der beheimateten Irrukiine den Frieden auf Malrev 4 stört und die Rebellen angreift, wachsen die Sorgen der Rogue Squadron. Die Merkwürdigkeiten nehmen stündlich zu, und als Wedge schließlich mit ungeheuren Nachrichten zu seiner Mannschaft zurückkehrt, wird allen klar, welche verheerende Bedrohung sowohl von den Bothanern als auch von der versteckten Kraft, die sich im Tempel von Malrev 4 verbirgt, ausgeht. Der Planet ist nämlich nichts Geringeres als ein ehemaliger Außenposten von Imperator Palpatine – und ein Erbe der Sith-Magie treibt dort nach wie vor sein Unwesen.

_Persönlicher Eindruck_

Es ist schon seltsam, dass ausgerechnet die Geschichten um die Rogue Squadron immer einen recht biederen Eindruck hinterlassen; doch auch in diesem Fall ist das aktuelle Abenteuer um Wedge Antilles lediglich eine Durchschnittsausgabe unter den Sonderbänden der „Star Wars“-Comics, einerseits viel zu vorhersehbar, andererseits auch noch ziemlich schwach gezeichnet. Dies ist noch umso schwerwiegender, wenn man bedenkt, dass niemand anderer als Michael A. Stackpole der Urheber dieser bereits damals über |Carlsen Comics| aufgelegten Story ist, verspricht der bekannte Autor doch ansonsten immer Qualität im oberen Bereich.

Das Problem an „Requiem für einen Rogue“ ist definitiv die allzu steife, wenn auch nicht actionarme Entwicklung der Story. Es mangelt dem Plot zwar sicher nicht an Tempo, und auch die Charaktere sind eindeutig und einprägsam, aber im Grunde genommen lahmt das Ganze zunehmend, weil man zu jedem Punkt genau absehen kann, in welche Richtungen der Comic sich inhaltlich bewegen wird. Dass man den Bothanern nicht trauen kann, scheint ebenso offensichtlich wie die Tatsache, dass Wedge Antilles den Absturz überlebt hat, und auch die Kampfhandlungen sind in ihrem Verlauf absehbar und unflexibel, was den Spannungsverlauf ebenfalls eher hemmt als vorwärts bringt.

Und so häufen sich nach und nach die allzu gewöhnlichen Eckpunkte und somit Facetten, die man im Universum von „Star Wars“ schon etliche Male erlebt hat, deren man jedoch langsam aber sicher auch überdrüssig ist. Der Versuch, kurz vor Schluss noch Emotionen in die Geschichte einzubringen, erscheint in diesem Sinne löblich, kommt aber viel zu spät und wirkt zum entsprechenden Zeitpunkt auch nicht mehr glaubwürdig – geradezu als würde die Extraportion Pathos die inhaltlichen Defizite rückwirkend auslöschen können. Doch zum Ende bleibt lediglich der Eindruck haften, dass hier weitestgehend Bekanntes neu aufgewärmt wurde, ohne der Handlung eine markante, eigene Note zu verpassen.

Möglicherweise mag dieses Fazit auch eng damit verbunden sein, dass der Fan in dieser Hinsicht mittlerweile ziemlich verwöhnt ist und gerade die aktuellen Mehrteiler in den „Star Wars“-Comics richtig guten Stoff bieten, aber gewissermaßen ist der 38. Sonderband einfach zu uninspiriert und unmotiviert, als dass man hier unkritisch von einer guten Standard-Story sprechen könnte. Standard bedeutet in diesem Zusammenhang nämlich Durchschnitt, und selbst diesen Status muss man hier ziemlich enttäuscht noch in Frage stellen.

http://www.paninicomics.de/

Will Henry: Die James-Bande

Leben, ‚Laufbahn‘ und Ende des legendären Banditen Jesse James (1847-1882) werden in diesem Tatsachenroman beschrieben, wobei die Darstellung der historischen Fakten durch erzählende Einschübe aufgelockert wird. Für die Entstehungszeit sachlich und mit psychologischen Untertönen wird die Realität von der Legende getrennt: ein gelungener Versuch, der sich heute noch spannend liest.
Will Henry: Die James-Bande weiterlesen

Holguin, Brian (Autor) / Medina, Angel (Zeichner) – Spawn 75

_Inhalt_

|“Das Heulen“|

Al Simmons wird inmitten einer Schneelandschaft beinahe leblos von einem kleinen Jungen geborgen und in dessen Elternhaus gepflegt. Bei seinem Erwachen jedoch beginnt die alte Misere; der als Spawn wiedergekehrte Simmons sucht nach seinem inneren Ich, das er schließlich findet, als er in ein Gefecht zwischen einer Gruppe Wilderer und mehreren Höllenhunden einen wahren Blutrausch miterlebt – und seiner eigentlichen Bestimmung gewahr wird.

|“Zufällige Muster“|

Simmons schlägt sich durch die Straßen von Chicago und ist nach wie vor mit der persönlichen Selbstfindung beschäftigt. Er sucht nach Ursachen für seine Existenz und sein jämmerliches Dasein und macht Gott und Satan gleichzeitig für sein grausames Schicksal verantwortlich. Über einen Akt der Zerstörung wird ihm schließlich erst bewusst, was aus ihm, Spawn, geworden ist. Doch in diesem Moment, sieht Simmons gleich auf mehreren Ebenen klar; ihm leuchtet ein, dass er lediglich ein Spielball von Mammon geworden ist und in diesem Abhängigkeitsverhältnis der schieren Verzweiflung hilflos ausgesetzt ist. Doch selbst für einen auf ewig Verdammten wie ihn stirbt die Hoffnung zuletzt.

_Meine Meinung_

Emotionale Momente sind es, die uns in der 75.Ausgabe der „Spawn“-Comics begegnen, und das nicht nur bezogen auf die überraschend nachdenkliche Handlung. Mit „Zufällige Muster“ wird zugleich der Abschied des erfolgreichen Duos Brian Holguin und Angel Medina eingeläutet, die nach 80 bzw. 49 Heften der US-Reihe im Anschluss an diese bewegende Story ihren Abschied feiern werden. Allerdings haben sie kurz vor ihrem überraschenden Aus ganze Arbeit geleistet und gerade mit dieser Story noch einmal einen absoluten Leckerbissen hinterlassen.

„Zufällige Muster“ ist eine recht unkonventionelle Geschichte innerhalb dieser Reihe und zeigt den Titelhelden von einer bislang kaum bekannten Seite. Zwar erlebt man nicht zum ersten Mal, dass Simmons mit sich und seinem Schicksal ringt und hart mit sich und seiner Umwelt ins Gericht geht, doch so zerrissen und nachdenklich und darüber hinaus auch derart verzweifelt hat man den Titelhelden aus McFarlanes berüchtigter Kultreihe wirklich selten erlebt. Dies mag auch ein Hauptgrund dafür sein, dass der Inhalt überraschend sperrig ist und man erst im Laufe der Story Zugang zum thematischen Hintergrund findet. Die relative Komplexität spiegelt sich indes auch in den Zeichnungen wieder; Medina zeigt einen verschlossenen Spawn, eine Person, die plötzlich so undurchschaubar und fremd wirkt, die von Selbstzweifeln zerfressen ist und kaum noch in der Lage ist, mit sich ins Reine zu kommen. Doch gleichzeitig offenbart das Zeichentalent damit auch eine Seite, die von einer geradezu faszinierenden Aura umgeben ist, und die man nicht zuletzt aufgrund ihrer Seltenheit immer wieder gerne neu kennen lernt.

Dennoch: Es ist keine einfache Handlung, mit der Holguin und Medina sich vorläufig(?) zurückziehen, doch man muss ihnen gerade deswegen auch applaudierend bescheinigen, dass sie mit Würde abtreten und den Mythos zum Schluss noch einmal so richtig haben aufleben lassen. In der kommenden Ausgabe wird es dementsprechend hoffentlich auch ein packendes Finale geben, was bei der Ankündigung, dass der amerikanische Jubiläumscomic Nr. 150 enthalten sein wird, fast schon selbstverständlich ist. „Zufällige Muster“ ist meines Erachtens jedenfalls eine der besten Storys innerhalb dieser mittlerweile 75 Hefte umfassenden, deutschsprachigen Serie und zeigt eindrucksvoll, dass sich der Titelheld auch von einigen inhaltlichen Niederschlägen schnell wieder erholen kann.

Aus diesem Grund kann man die eher fragwürdige Einstiegsgeschichte auch schnell wieder vergessen; zwar hat das Zweigespann auch hier ein paar interessante Ideen verewigt, doch insgesamt fehlt es „Das Heulen“ – wahrscheinlich auch bedingt durch den geringen Umfang – an echter Tiefe. Als Einleitung zum Hauptakt geht das Ganze aber dennoch in Ordnung.

Nach dem enttäuschenden One-Shot [„Spawn: Godslayer“ 3776 dürfen Fans also wieder aufatmen; Holguin und Medina lenken das Schlachtschiff „Spawn“ zu ihrem letzten Angriff und gehen siegreich aus diesem Kampf hervor. Danke an dieses Team für viele faszinierende Geschichten wie die hier rezensierte!

http://www.paninicomics.de/?s=spawn
http://www.paninicomics.de/spawn-s10442.html

Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Im Land des Vampirs (Folge 38)

_Story_

John Sinclair ist es von Beginn an nicht geheuer, dass der zwielichtige Privatdetektiv Jan Ziegler ihm einige unglaubliche Enthüllungen offenbaren möchte. Dennoch lässt er sich auf dessen Einladung ein und folgt ihm ins Kosmetik-Labor der Firma Fariac Cosmetics. Dort hat Ziegler kürzlich ein seltsames, abstoßendes Mosaik aufgespürt, das ganz und gar nicht mit dem Image der Firma zu vereinbaren ist. Und dann geschieht es: Sinclair verschwindet im Mosaik, und während Ziegler noch ungläubig nach seinem Zweckverbündeten sucht, wird er auch schon hinterrücks erstochen und anschließend in der Themse ‚entsorgt‘.

Derweil traut der Geisterjäger seinen Augen nicht; er wurde mittels eines merkwürdigen Portals ins 17. Jahrhundert teleportiert und muss dort direkt seinen Mann stehen, als eine Zigeunerfamilie von einem Söldnerheer gehetzt wird. Es handelt sich dabei um die Familie Marek, die John alsbald in Verbindung mit seinem alten Gefährten Frantisek Marek bringt, mit dem er einst Draculas Sohn pfählte. Und diese Verbindung scheint sich immer mehr zu bestätigen, als Sinclair von der Existenz des Vampirgrafen Fariac erfährt, der die Menschen unterdrückt und Leute aus der Unterschicht gnadenlos unterwirft.

Gemeinsam mit Ilona und Stephan Marek begibt er sich auf die Suche nach dem vermissten Sprössling Karel, dem einzig verbliebenen Hoffnungsträger und Stammhalter der Familie. Doch schneller als befürchtet geraten sie erneut ins Kreuzfeuer der Blutsauger und deren Anhänger. Und während man im London der Jetztzeit vergeblich nach Sinclair fahndet, muss dieser seine Qualitäten ohne die bekannten Hilfsmittel im Deutschland nach dem 30-jährigen Krieg unter Beweis stellen. Allerdings scheinen die Gegner dieses Mal geradezu unbezwingbar.

_Persönlicher Eindruck_

Wow, kaum zu glauben, dass es dem Regie-Team der Sinclair-Hörspiele immer wieder gelingt, einen echten Meilenstein – und als solchen möchte ich die grandiose, vorangegangene Folge [„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 einfach mal bezeichnen – noch einmal zu übertreffen. Zwar sollten vorschnelle Urteile bei einem Dreiteiler, wie er mit „Im Land des Vampirs“ gerade erst eröffnet wird, immer mit Vorsicht zu genießen sein, doch birgt alleine die erste Episode dieser neuen Trilogie schon ein derartiges Potenzial, dass die Spannung schon in der Anfangsphase der Riesenstory ins Unermessliche steigt.

Dabei ist der Hintergrund der Handlung alles andere als innovativ, schließlich gibt es Geschichten über unfreiwillige Zeitreisen selbst in diesem Metier wie Sand am Meer. Doch alleine schon durch die geschickte Verknüpfung mit vorherigen Hörspielen (in diesem Falle wird [„Der Pfähler“ 2019 aufgegriffen) zeigt sich wiederum die Brillanz, die Dark beim Verfassen seiner Vampirromane an den Tag legt. So ist „Im Land der Vampire“ neben der spannenden Hauptstory mit vielen Aha-Effekten und Déjà-vu-Erlebnissen angereichert worden, deren bloße Existenz das Hörspiel nicht bloß allgemein bereichert, sondern auch eine stetig wachsende Begeisterung auslöst, die sich zunächst ganz unabhängig vom neuen Plot entwickelt, in Kombination mit den frischen Ideen dann aber regelrecht zur Euphorie führt. Darüber hinaus kann die neueste Episode mit einer ganzen Reihe humorvoller Situationen aufwarten; so bringt der Protagonist immer wieder einige moderne Redewendungen ein, die an der jeweiligen Stelle ohne das entsprechende Bedeutungswissen gar nicht eingeordnet werden können. Permanent muss er sich letztendlich korrigieren, damit seine Kommentare nicht falsch interpretiert werden und seine bissige Ironie ihn nicht ins Verderben stürzt, was wiederum in mancher Passage gar vernichtende Auswirkungen haben könnte.

Andererseits soll dies nicht bedeuten, der Inhalt würde infolge dessen seine Ernsthaftigkeit verlieren. Das genaue Gegenteil ist nämlich der Fall, denn bisweilen geht es „Im Land des Vampirs“ ziemlich blutig zu, angefangen beim Attentat auf Jan Ziegler über die brutalen Übergriffe der Vampire bis hin zur Ermordung eines Hauptdarstellers. Ab und an wünscht man sich dabei zwar schon, dass man mit den einzelnen Todesfällen etwas seriöser umgehen würde – dies würde der Geschichte dann auch den letzten fehlenden Funken Authentizität verpassen – aber im Zuge der temporeich verlaufenden Ereignisse geht dies schließlich in Ordnung und sorgt ungewollt(?) dafür, dass die Story zu keinem Punkt ein Übergewicht in Sachen Pathos bekommt.

Entscheidend für den wirklich uneingeschränkt überzeugten Gesamteindruck ist indes einmal mehr die wunderbare Atmosphäre. Hier ist es Regisseur Oliver Döring sehr gut gelungen, die Kontraste zwischen den beiden Welten, in denen die Geschichte spielt, hervorzuheben und durch die starke Betonung der Wendepunkte des Geschehens echte Akzente zu setzen. Der überragende Spannungsaufbau scheint daher nur noch Formsache und ist schlussendlich das Sahnehäubchen eines brillanten Eröffnungshörspiels einer sehr viel versprechenden, neuen Trilogie um den geschätzten Geisterjäger. Wenn sich da mal kein Klassiker anbahnt …

http://www.sinclairhoerspiele.de/
http://www.luebbe-audio.de

_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)

West Reynolds, David / Saxton, Curtis / Jenssen, Hans / Chasemore, Richard – STAR WARS Episoden I-VI – Das Kompendium (Die Risszeichnungen)

Es ist unbestritten, dass das umfangreiche „Star Wars“-Universum ohne seine zahlreichen Fanatiker und Freaks längst nicht von einer derartigen Faszination geprägt wäre, wie man sie auch abseits der beiden Trilogien in allen möglichen Bereichen der modernen Medien immer wieder erleben darf. Schaut man sich den enormen Einfluss von George Lucas‘ legendären Meisterwerken mal aus einer eher analytischen Perspektive an, scheint es kaum fassbar, inwiefern die Jedi-Ritter und ihre Komparsen im Laufe der Jahre ein nimmer aufzuhaltendes Eigenleben entwickelt und das Leben nicht gerade weniger begeisterter Zuseher maßgeblich verändert haben. Freaks eben, die von einem Mythos infiziert wurden, ihn leben, atmen und … nun, wir wollen nicht übers Ziel hinausschießen.

Unbestritten gibt es diese fanatische Anhängerschaft aber wohl in keinem medialen Umfeld in einem derart immensen Ausmaß wie beim „Krieg der Sterne“, so dass nicht anzuzweifeln ist, dass die beiden kürzlich erschienenen Kompendien zur Sternensaga sicherlich auf reißenden Absatz stoßen werden. Zielgruppe des hier besprochenen Werks ist aber ganz eindeutig der Kreis der Freaks. Hans Jenssen und Richard Chasemore, zwei fantastische Zeichner, die ihr gesamtes Dasein der Geschichte um die Skywalker-Tragödie verschrieben haben, konnten sich im ersten „Star-Wars-Kompendium“ der Episoden I-VI nicht nur selbst verwirklichen, sie haben zudem ihr persönliches Gesamtwerk in den Risszeichnungen dieses überdimensionalen Lexikons veröffentlicht. Begleitet von den Texten von David West Reynolds und Curtis Saxton liefern sie die Illustrationen zum gesamten maschinellen Fuhrpark aller sechs Streifen und beleuchten in intensiver Kleinarbeit alle technischen Details eines jeden Raumers, Pod-Racers und Sternzerstörers, dass es selbst dem leidenschaftlichsten Liebhaber des Science-Fiction-Spektakels die Spucke raubt.

Mit dem Schwerpunkt auf den ersten drei Episoden – was sicherlich dadurch bedingt ist, dass die neueren Streifen ganz deutlich auf ein opulentes Effekt-Feuerwerk ausgerichtet waren – wird hier jedes auch nur für wenige Sekunden aufgetauchte Raumschiff fokussiert unter die Lupe genommen und seine individuellen Funktionen anhand eines Grundrisses und umfassender Erklärungen in allen Einzelheiten beschrieben. Jeder Blaster, jede noch so versteckte Bordkanone und generell alle verborgenen Facetten der Maschinen werden offengelegt und setzen der Phantasie des staunenden Anhängers nun endgültig keine Grenzen mehr. Befürchtungen, die Fülle der Details würde in einer unübersichtlichen Anordnung enden, können derweil ebenfalls als haltlos erklärt werden; fast alle Gleiter und Schiffe werden mit einer Doppelseite bedacht, auf der man durch den Grundriss die vielen Einzelheiten eingetrichtert bekommt und mit wachsender Seitenzahl immer weiter für sein „Star Wars“-Technikdiplom geschult wird. Unglaublich, wie Qualität und Quantität des Materials hier gänzlich neue Standards für eine cineastische Ehrerbietung setzen. Selbst das weitaus jüngere Mammut-Spektakel „Herr der Ringe“ könnte mit einer vergleichbaren Veröffentlichung sicher nicht an dieses gehaltvolle Meisterstück anknüpfen, das steht nach der Betrachtung opulent ausstaffierter Extravaganzen wie dem republikanischen Kanonenboot sowie dem übergroß aufgeführten Todesstern ohne Zweifel fest.

Zuletzt ist es dann doch die edle Aufmachung, die das Kompendium mit den Risszeichnungen in seiner Unantastbarkeit komplettiert. Hier wurde in jeglicher Hinsicht geklotzt, sei es nun in der Fülle und Brillanz der eindrucksvoll dokumentierten Recherche, bei den genialen Illustrationen der beiden Zeichner, im generellen Umfang und letztendlich natürlich bei der hochwertigen Papierqualität. Alles in allem ist dieses übergroße Hardcover-Album damit die definitive Bibel für die Technik-Freaks unter den „Star Wars“-Begeisterten und daher selbst bei einem Preis von knapp 40 € eine verpflichtende Investition für die auch heute noch wachsende Zielgruppe. Eine Warnung sei nur an diejenigen gerichtet, die bei einer derartigen Reizüberflutung die Kontrolle verlieren; es ist nämlich zu befürchten, dass man mit einem Mal so tief in das Star-Wars-Universum versinkt, dass eine von Euphorie getragene Isolation droht. Aber ehrlich gesagt: Nach den überwältigenden Eindrücken dieses Mega-Wälzers könnte ich es absolut niemandem verdenken!

http://www.vgs.de

Kuhn, Krystyna – Wintermörder

Die im Spessart wohnende Autorin Krystyna Kuhn arbeitet fleißig daran, sich in der deutschen Literaturwelt einen Namen zu machen. Zwei Jugendbücher und vier Krimis gehen mittlerweile auf ihre Kappe. Einer davon ist „Wintermörder“, der die Gegenwart mit der dunklen Vergangenheit Deutschlands verbindet.

Myriam Singer ist Staatsanwältin. Ihr Beiname ist „Eiserne Lady“. Sie legt keinen Wert darauf, sich Freunde zu machen und hat kein Problem damit, beständig ihre geheime Telefonnummer zu ändern, weil man sie bedroht. Außerdem ist die junge Frau karriereversessen und mischt sich nur allzu gerne in die Ermittlungen der Kriminalpolizei ein, wenn es um „ihre Fälle“ geht.

An einem kalten Winterabend wird Henriette Winkler, die fünfundachtzigjährige Vorsitzende eines Frankfurter Bauunternehmens, brutal ermordet. Nachdem der Täter ihr sämtliche Knochen gebrochen hat, übergießt er sie mit Wasser und lässt sie in ihrem Garten erfrieren. Zeitgleich verschwindet Frederik, der Urenkel von Henriette Winkler. Die Kommissare Liebler und Fischer sowie Myriam sehen einen Zusammenhang. Sie können ihn nur nicht erklären. Es geht keine Lösegeldforderung ein, dafür wendet der Täter sich an Udo Jost, einen zwielichtigen Fernsehjournalisten. Er spielt ihm ein Foto zu, das Henriette Winklers Ehemann zur Zeit des Zweiten Weltkriegs mit einer Nazigröße zeigt. Myriam Singer und Henri Liebler, der neuerdings darauf besteht, sie zu duzen, stehen vor einer schwierigen Aufgabe. Wie hängt die Vergangenheit mit der Gegenwart zusammen und was hat Henriette Winkler zu verbergen gehabt?

Krimis, die einen Rückbezug zum Zweiten Weltkrieg herstellen, sind beileibe keine Seltenheit. „Wintermörder“ sticht in dieser Hinsicht auch nicht sonderlich hervor. Die Ereignisse sind nicht sonderlich originell, dafür aber wunderbar gradlinig und schnörkellos erzählt. Kuhn begeht nicht den Fehler, dem Privatleben ihrer Charaktere übertrieben viel Raum einzuräumen. Myriams einsames Singleleben kommt zwar ab und an zur Sprache, aber nie in ausschweifender Art und Weise. Der Fokus liegt eindeutig auf der Handlung. Das sorgt dafür, dass die Spannung sich gegen Schluss immer mehr steigert und in einem Showdown der leisen Töne endet.

Mit Myriam Singer ist Kuhn ein ungewöhnlicher Charakter gelungen. Myriam wirkt auf den ersten Blick nicht gerade sympathisch. Die karriereorientierte Staatsanwältin nimmt wenig Rücksicht und scheint vollkommen gefühlskalt zu sein. Ihre juristische Einstellung als Hardliner schlägt sich auch in ihrem Gefühlsleben nieder. Dennoch merkt der Leser an der einen oder anderen Stelle, dass sie doch nicht so glücklich ist, wie sie vorgibt.

Kuhn nutzt diese Tatsache für sich und zeichnet das vielschichtiges Bild einer modernen Karrierefrau. Myriam bestimmt das Buch mit ihrer Perspektive in der dritten Person. Der Journalist Jost und die Mutter von Frederik, eine ehemalige Freundin von Myriam, kommen zwar auch zu Wort, aber nur sporadisch. Dennoch sind diese Fremdperspektiven sehr dicht erzählt und überzeugen, da die Personen im Rahmen des Möglichen sehr genau ausgearbeitet sind.

Eine spannende Handlung und gut ausgearbeitete Personen machen aber noch lange kein gutes Buch aus. Es ist der Schreibstil, der letztendlich alles zusammenhält. Glücklicherweise hat Krystyna Kuhn schon in anderen Büchern bewiesen, dass sie gut schreiben kann. Ihr Stil ist sehr beweglich und orientiert sich stark an der Geradlinigkeit der Handlung. Sie benutzt nur wenige Metaphern, die sitzen dafür aber meistens. Ganz so kess wie bei [„Fische können schweigen“ 2882 klingt die Autorin dieses Mal nicht. Das passt aber zu der unterkühlten Art von Myriam Singer und schließt die eine oder andere bissige humorvolle Bemerkung nicht aus.

Insgesamt ist Krystyna Kuhn ein guter Kriminalroman gelungen. Die Handlung ist spannend, der Schreibstil prima und die Hauptfigur originell. Aufgrund der Wahl des Themas im Buch – der Zweite Weltkrieg und seine möglichen Auswirkungen auf die Jetztzeit – kann man „Wintermörder“ nicht als genrebrechende Innovation bezeichnen. Trotzdem hat die Autorin ihre Hausaufgaben gemacht und ein Buch geschrieben, dass immerhin handwerklich auf ganzer Linie überzeugt.

http://www.goldmann-verlag.de

Bionda, Alisha (Hg.) / Borlik, Michael (Hg.) – Wellensang

_Autoren:_

Christel Scheja
Irene Salzmann
Barbara Jung
Alisha Bionda
Barbara Büchner
Marlies Eifert
Armin Rößler
Heike Reiter
Solveig Perner
Frank W. Haubold
Michael Borlik
Andrea Tillmanns
Linda Budinger
Arthur Gordon Wolf
Eddie M. Angerhuber
Dominik Irtenkauf
Ines Haberkorn
Lutz Schafstädt
Stefanie Bense

Alisha Bionda und Michael Borlik haben sich die Arbeit gemacht und aus über 200 Texten die 18 besten ausgewählt und eine Anthologie herausgebracht, die so in ihrer Form und Aufmachung wohl einzigartig ist. Nicht zuletzt, weil mit Patrick Hachfeld ein Künstler gewonnen werden konnte, der jede Geschichte mit einer extra angefertigten Illustration versehen hat. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit liegt dem Leser nun als „Wellensang“ vor und versteht es bereits von der ersten Seite an, den Leser zu fesseln, zu begeistern und die Fantasie schweifen zu lassen.

18 Autoren und Autorinnen haben ihrer Kreativität freien Lauf gelassen und Kurzgeschichten verfasst, die fast sämtliche Spielarten der Fantasy-Literatur umfassen. Mal gefühlvoll wie in der titelgebenden Story „Wellensang“ von Linda Budinger oder in „Welt zwischen den Zeilen“ von Alisha Bionda, mal geheimnisvoll und mysteriös wie in „Das Lied der Krähe“ von Christel Scheja. Dass Fantasy nicht immer realitätsfremd und abgehoben sein muss, beweist unter anderem Arthur Gordon Wolf in seiner Geschichte „Von Zähnen, Sternen und Feen“. Dabei reicht die Palette von bekannten Namen der modernen deutschen Literatur bis hin zu unbekannten, aber ungemein talentierten Newcomern. Auffallend ist dabei, dass es eben nur deutsche Autoren sind, die den Beweis dafür antreten, dass anspruchsvolle Fantasy nicht immer von englischsprachigen Schriftstellern verfasst werden und auch nicht unbedingt in Hunderte von Seiten zählende Wälzer ausarten muss.

Die Autoren schöpfen sämtliche Möglichkeiten dieser Literatur-Gattung aus und bieten dem Leser eine abwechslungsreiche Mischung von Kurzgeschichten. Dass dabei nicht jede Story den eigenen Geschmack trifft, muss man akzeptieren und ist bei dieser Fülle an Storys unumgänglich.

Den Abschluss der Anthologie bildet Stefanie Bense, die mit ihrem Artikel „Fantasy im Dickicht der Definitionen“ ein wenig Struktur und Klarheit in das Genre bringt, welches selbst für Kenner oftmals eine unübersichtliche Zahl an Subgenres beinhaltet.

Fazit: Phantastisches Lesebuch mit märchenhaften Illustrationen und Geschichten voller Einfallsreichtum und Kreativität.

http://www.schreib-lust.de

_Florian Hilleberg_

Meltzer, Brad (Autor) / Benes, Ed (Zeichner) – Justice League Of America 1: Aus der Asche

_Story_

Die „Infinite Crisis“ hat die alte |Justice League| gänzlich dahingerafft und die Vertrauensbasis zwischen den führenden Mitgliedern völlig zerstört. Doch nach all den schwierigen Zeiten beschließen Wonder Woman, Batman und Superman dennoch, ein weiteres Treffen anzuberaumen und über den Fortbestand der Liga nachzudenken. Allerdings sind die Pfeiler des Teams sich nicht mehr ganz grün; auf Wonder Woman lastet der Schatten eines tödlichen Attentats, Batman hat sich durch seine Spionageakte in letzter Zeit auch nicht mit Ruhm bekleckert, und Superman hilft der neuen Formation mit seiner Skepsis ebenfalls nicht weiter. Aber alle wissen sie, dass die Gründung einer neuen Justice League of America unabdinglich ist, und können sich so langsam wieder herantasten. Allerdings wird die Suche nach neuen Mitgliedern keine leichte Aufgabe. Jeder von ihnen hat nämlich ganz konkrete Vorstellungen, wie das neue Team ausschauen soll.

_Persönlicher Eindruck_

Brad Meltzer, ein großer Fan und Kenner des |DC|-Universums, vollzieht mit der Neugründung der „Justice League öf America“ sicherlich keinen revolutionären Schritt. Schon unzählige Male wurde die Superheldenvereinigung von Neuem ins Leben gerufen, und zumeist gingen diesem Einschnitt aus besondere Ereignisse wie beispielsweise der „Identity Crisis“ oder eben zuletzt der „Infinite Crisis“ hervor. Dennoch sind die Fans natürlich immer recht heiß, wenn ihre Helden gemeinsame Sache machen, gerade dann, wenn große Namen wie eben Batman, Superman und Wonder Woman beteiligt sind. Und dennoch tut sich Meltzer unheimlich schwer, seine neue Geschichte richtig in Gang zu bringen; zu kopflastig wirkt sein Comic über weite Strecken, zu gering die Action, zu schwerfällig die Diskussionen zwischen den Hauptakteuren.

Bisweilen werden die Verhandlungen der großen drei nämlich wirklich überstrapaziert, denn auch wenn es für die Serie sicherlich von immenser Wichtigkeit ist, dass die Köpfe der neuen Justice League ihr Ego vertreten und es nach außen hin auch wirken lassen, so bereitet einem das Kopfzerbrechen der Protagonisten eben jenes bei zu genauer Betrachtung. Unterdessen versucht Meltzer, die Story durch den zweiten Hauptstrang um den erneut gestorbenen Red Tornado ein wenig aufzulockern, was ihm auch zusehends gelingt. Der Androide ist schon mehrere Tode gestorben und bangt nun um die Rückkehr seiner Seele; bislang hat sie immer noch ihren Weg in seinen Körper gefunden und somit auch das Familienglück des Superhelden nie gefährdet. Dieses Mal schaut es jedoch anders aus; und während die Führungspersönlichkeiten der neuen Justice League noch über die potenziellen Neuaufnahmen streiten, macht der rote Tornado einige grausamen Entdeckungen.

Der erste Sonderband zu „Justice League of America“ ist sicherlich eine harte Nuss; einerseits fühlt man sich der Serie und vor allem den dort auftretenden Helden sofort verbunden, andererseits packt einen der neue Plot aber noch nicht so richtig. Wirklich überzeugend ist lediglich der Prolog, in dem die wichtigsten Ereignisse der Vergangenheit in Wechselwirkung mit möglichen Zukunftsvisionen gebracht werden. Zwar ist das Ganze etwas verwirrend aufgebaut, aber dennoch führt es einem das gesamte Potenzial der JLA vor Augen. Aus diesem Grund besteht natürlich noch große Hoffnung, dass der Autor und sein bereits bestens eingearbeiteter Zeichner – Ed Benes offenbart bereits in diesem ersten Band seine überdurchschnittlichen Qualitäten – in Bälde an die großen Momente der Geschichte dieser Superheldenriege werden anknüpfen können. Das Debüt stellt zwar für die weitere Entwicklung einiges in Aussicht, bleibt aber dennoch hinter den berechtigt großen Erwartungen zurück.

http://www.paninicomics.de/justice-league-of-america.html

Richard Borg – Memoir ’44

Axis & Allies für Ungeduldige …

… so in etwa könnte man „Memoir ’44“ zumindest in Hinsicht auf die benutzerfreundliche Spielzeit im Vergleich zu so manch anderem Strategiespiel aus dem Umfeld des Zweiten Weltkriegs beschreiben, wenngleich man die Wortwahl ja auch falsch verstehen könnte. Fakt ist, dass es fanatische Liebhaber solcher Titel häufig schwer haben, im Bekanntenkreis jemanden zu entdecken, der die Vision einer authentisch nachempfundenen Schlacht teilt und bereit ist, sich für einen Zeitraum von etlichen Stunden an den Spieltisch zu setzen, um akribisch Zug für Zug Geschichte zu schreiben oder sie sogar zu verändern. Ob dies die treibende Kraft hinter Richard Borgs Idee zu „Memoir ’44“ war, steht jedoch auf einem anderen Blatt und soll an dieser Stell auch nicht weiter hinterfragt werden. Stattdessen sollte man sich zunächst einmal freuen, dass es endlich auch eine Alternative zu den unendlich währenden Brettspielepen gibt – gerade wenn man bedenkt, dass diese ihrem großen Bruder rein taktisch und spieltechnisch sogar noch einen Schritt voraus ist …

Richard Borg – Memoir ’44 weiterlesen

Duncan, Dave – Omar, der Geschichtenhändler

Omar, der Geschichtenerzähler, ist ein typischer Vertreter seiner Zunft. Mit der Wahrheit nimmt der gewitzte Schelm es nicht so genau, auch wenn er von sich selbst behauptet, aus hehren Motiven Geschichten|händler| geworden zu sein, für ihn ist das ein wesentlicher Unterschied zum bloßen Geschichtenerzähler: Die meisten Geschichten sind bloß nacherzähltes Garn, nur wenige Geschichten hingegen sind wahr und werden so erzählt, wie sie sich zugetragen haben. Omar sieht es als seine Aufgabe an, solch große Geschichten selbst mitzuerleben, nur so kann er sicher sein, dass sie auch authentisch sind. So gerät er oft in gefährliche Situationen und wird selbst Teil der Geschichte.

Als Omar über die |Straße der Plünderer| nach Zanadon kommt, auf der Flucht vor den barbarischen Horden der Vorkan, wird er versklavt. Doch gewitzt wie er ist, kann er mit seinem Gefährten Thorian ausbrechen. Zufällig wird er Zeuge einer verschlagenen Intrige, mit der die Priesterschaft, der Kriegsherr und reiche Kaufleute die Macht an sich reißen wollen. Die bildschöne Shalial Tharpit soll Hohepriesterin werden und als Marionette gemeinsam mit dem legendären Kriegsgott Balor, in Wahrheit Publian Fotius, ein brutaler und unfähiger Enkel des Kriegsherren, über Zanadon herrschen. Omar und Thorian haben Mitleid mit der von der Priesterschaft übertölpelten Shalial und helfen ihrem Liebhaber, sie zu retten. Doch ohne die Vermählung der Hohepriesterin mit dem Kriegsgott selbst würde Zanadons Armee den Glauben an den uralten Mythos der Unbesiegbarkeit verlieren, der auf dieser Geschichte beruht …

Auch in der |Jägerschenke| befindet sich Omar in einer sehr misslichen Situation: Er ist splitternackt, hat kein Geld und den Hund des Wirts erschlagen. Dieser möchte ihn ohne viel Federlesens in die tödliche, eiskalte Nacht hinausjagen. Omar lässt sich auf einen Wettstreit ein, um seine Haut zu retten: Jeder der Gäste erzählt eine Geschichte, und Omar muss sie überbieten. Leider erweisen sich viele Gäste als begabte Erzähler mit schier unglaublichen Geschichten, doch Omar ist raffiniert: Er erzählt seine „wahre“ Version der Geschichte, die entweder noch unglaublicher ist, oder die Geschichte mit einem Cliffhanger fortführt, so dass man ihn gewinnen lassen muss, damit er weitererzählen kann …

_Der Autor_

Dave Duncan wurde 1933 in Schottland geboren, lebte und arbeitete aber nach Abschluss seines Universitätsstudiums seit 1955 in Kanada als Geologe auf Erdölfeldern. Er ist verheiratet und hat mit seiner Frau Janet drei Kinder und wohnt derzeit in Victoria, British Columbia. Seine Karriere als Schriftsteller begann 1988 mit der Trilogie „Das Siebte Schwert“, 1990 folgte die „Pandemia-Saga“. Er schrieb auch Science-Fiction und historische Romane unter den in Deutschland eher unbekannten Pseudonymen Ken Hood und Sarah B. Franklin. Am bekanntesten dürfte er für die Serie „Des Königs Klingen“ (1998) sein, Mantel- und Degengeschichten in einem fiktiven Mittelalter mit einigen Spritzern Magie. Der bisher letzte Teil der noch nicht abgeschlossenen Serie, „Die Jaguar-Krieger“, erschien 2007 in deutscher Übersetzung bei |Bastei Lübbe|. Drei ein wenig mehr auf Jugendliche ausgelegte Abenteuer junger Klingen, scherzhaft „Des Königs Dolche“ genannt, erschienen 2006 als Sammelband gleichen Namens im |Otherworld|-Verlag.

Auch „Omar, der Geschichtenhändler“ ist ein Sammelband aus denselben Verlag, der die beiden bisher erschienenen Romane um Omar vereint: „Die Straße der Plünderer“ und „Die Jägerschenke“.

_Ein gewitzter Schelm, so wie sein Schöpfer_

Omar dürfte sehr viel von seinem Schöpfer Dave Duncan besitzen; der Humor, mit dem er über dessen (Un-)Taten schreibt, zeugt von viel Selbstironie. Das Szenario ist vor allem in „Die Straße der Plünderer“ sehr orientalisch; hier kann Omar seine an 1001 Nacht erinnernden märchenhaften Geschichten blumig und wortgewaltig zum Besten geben. Doch leider muss er seine Gabe meistens für Lügenmärchen verwenden, nur um seinen Kopf zu retten. Das Umschlagbild zeigt den nackten Omar in der Jägerschenke, eine für ihn typische Situation; oft besitzt er nichts anderes mehr als seine Geschichten und seinen Verstand, um sich aus misslichen Situationen zu befreien. Ein reicher Mann ist Omar nicht, verwahrt sich aber vehement gegen die Bezeichnung „Bettler“. Ein königlicher Gewaltherrscher und sogar ein Gott war er schon im Verlaufe seines ereignisreichen Lebens. Nun ja, alles leider nur für sehr kurze Zeit, eben bis der Schwindel aufgeflogen ist.

In „Die Straße der Plünderer“ ist Omar selbst in das Geschehen verwickelt, gemeinsam mit seinem Gefährten Thorian, von dem in der zweiten Geschichte des Sammelbands, „Die Jägerschenke“, keine Rede mehr sein wird. Der Reiz dieser Geschichte ist die Vermischung von Omars Geschichten, Zanadonischen Legende und Wahrheit. Viele Charaktere sind nicht das, was sie von sich zu sein behaupten, einige sind mehr, als es den Anschein hat. Selbst Omar wird überrascht, und weder für ihn noch den Leser ist es ganz klar, ob nicht doch der Gott Balor schließlich der Stadt zur Hilfe gekommen ist, oder ob es nur ein einfacher Mensch war. Omar selbst darf als Gott der Geschichte an der Seite des Kriegsgotts wandeln, während das Volk ihnen zujubelt.

„Die Jägerschenke“ spielt in einem eisigen Nordland, es gibt keinen Bezug zur Omars vorherigen Abenteuer. Die gesamte Handlung spielt in der Schenke, in der ein – wieder einmal – splitternackter Omar mit einem Geschichtenerzählerwettstreit seine Haut zu retten versucht. Das besondere Vergnügen dieses Romans ist, wie Omar aus einer anfangs recht simplen Geschichte einen langen Faden spinnt, bis alle Geschichten zusammen einen schlüssigen Geschichtenzyklus ergeben. Sehr witzig ist, wie er selbst die absurdesten Geschichten seiner Mittbewerber elegant zurechtbiegt und in seine eigene Geschichte einbringt. „Die Jägerschenke“ braucht ein wenig Zeit, bis sie fesseln kann, sie steigert sich deutlich, je mehr man liest und kann am Ende fast mit der von mir favorisierten „Straße der Plünderer“ mithalten.

_Fazit:_ Omar ist ein liebenswerter Gauner, der den Leser mit Witz und Verstand sowie unvorhersehbaren und angenehm überraschenden Wendungen bei Laune hält. Leider existieren nur diese beiden in den Jahren 1992 und 1995 geschriebenen Romane, gegen das weitaus umfangreichere und detailliertere Universum der „Klingen des Königs“ können sie nur schwer bestehen. Für Fans von Dave Duncan und den „Klingen“ jedoch sind die Geschichten um Omar ein humoriger Leckerbissen erster Güte, bei dem Dave Duncan seine ganze Finesse als Geschichtenerzähler eindrucksvoll demonstrieren kann. Die stilsichere und hervorragend gelungene Übersetzung stammt von Michael Krug, der bereits Dave Duncans „Klingen des Königs“ und Paul Kearneys „Königreiche Gottes“ übersetzte. Leider ist sie nicht ganz frei von einigen Wortdrehern und Setzfehlern, was dem Lesevergnügen und der Qualität der Übersetzung an sich jedoch keinen Abbruch tut. Bindung und Druck sind von erster Güte, das Lesebändchen rundet den gelungenen Eindruck ab.

http://www.otherworldverlag.com/

Yoshida, Sunao / Kyujo, Kiyo – Trinity Blood 4

[Band 1 2888
[Band 2 3060
[Band 3 3400

_Story_

Die Verhandlungen zwischen den Menschen und dem Reich der Vampire scheitern urplötzlich, als sich der unberechenbare Radu als Verräter entpuppt und selbst vor einem Attentat auf seinen einstigen Freund Ion Fortuna, den zweiten kaiserlichen Abgesandten, nicht zurückschreckt. Abel Nightroad und Esther Blanchett nehmen Ion vorerst in ihre Obhut, geraten jedoch alsbald in höchste Not, als der Vampirjäger Bruder Petros eingreift, um Nightroad zu vernichten.

Kardinal Catherine Sforza hat die Bedrohung jedoch vorzeitig erkannt und die Herzogin mit Hilfe von Tres umstimmen können, sich in den anbahnenden Konflikt zwischen Menschen und Vampiren einzumischen und den bevorstehenden Krieg zu verhindern. Doch der verwegene Radu verfolgt seine finsteren Pläne unbeirrt weiter und zwingt Pater Nightroad durch sein erneutes Eingreifen in den Schlagabtausch zwischen Abel und Petros zu einer erschreckenden Notmaßnahme: Kresnik, sein vampirisches Alter Ego, muss zur letzten Verteidigung entfesselt werden.

_Meine Meinung_

Die vierte Episode von Sunao Yoshidas Manhwa steht ganz im Zeichen von Verrat und Intrigen – und knüpft damit nahtlos an die bisherigen Entwicklungen in „Trinity Blood“ an. Dieses Mal wird es jedoch richtig ernst, und zum ersten Mal im Laufe der Story befinden sich sowohl Pater Nightroad als auch seine Verbündeten von Seiten des Vatikans in größter Lebensgefahr. Unterdessen greifen die neueren Charaktere noch stärker in die Handlung ein; Radu entblößt sein wahres Ich, Lady Catherine unterstreicht ihre Herzlichkeit und der unbarmherzige Pedros, der personifizierte Inquisitor, lässt keine Zweifel an seiner Skrupellosigkeit aufkommen und verdeutlicht den Ernst der Situation. Doch scheinbar ist niemandem bewusst, dass der Krieg zwischen Menschen und Vampiren unmittelbar bevorsteht. Still und heimlich darf Radu seine Intrigen spinnen und mit seinen hinterlistigen Anschlägen für vollkommene Verwirrung sorgen. Und erst als es fast schon zu spät ist und die Gemüte derart aufgeheizt sind, dass eine Eskalation nur noch eine Frage der Zeit ist, sehen die Protagonisten klar. Doch selbst dann scheint es für manche schon zu spät zu sein.

Band 4 führt einige bislang unabhängig verlaufende Handlungsebenen zusammen, bleibt aber nach wie vor einige Antworten schuldig. Nach wie vor bewegt sich der Plot weitestgehend an der Oberfläche, gibt dem Leser jedoch nur selten Gelegenheit, etwas tiefer in die Details einzutauchen. Die Verhältnisse der beteiligten Darsteler untereinander werden schnell geklärt, und was die vier kurzen Teilepisoden betrifft, herrscht zumindest über deren Inhalt zum Ende hin Klarheit, doch gewissermaßen wird die Hauptgeschichte mit dem neusten Buch noch mehr aus dem Zusammenhang gerissen, weil es insgesamt an einer halbwegs linearen Handlung fehlt.

Zusammengehalten wird das Ganze dieses Mal lediglich von der merkwürdigen Beziehung zwischen dem abgeklärten Abel Nightroad und der deutlich erstarkten Esther Blanchett, die sich mittlerweile eine ganze Menge aus ihrem Gefährten macht, dann jedoch erschreckt von dessen anderen Seite Kenntnis nimmt. Diese Begebenheit liefert anschließend auch Stoff für die nächsten Veröffentlichungen und bleibt neben der angespannten Lage zwischen Menschen und Vampiren auch der Kern der Story, doch irgendwie will die Erzählung dennoch nicht so recht voranschreiten und verirrt sich verstärkt in leeren verbalen Anfeindungen und einem Höchstmaß an deftigster Action. Letztere kommt nämlich im vierten Teil definitiv nicht zu kurz, verhindert jedoch durch ihre überstrapazierte Darstellung die erforderlichen Fortschritte auf der inhaltlichen Ebene. Es fehlt ergo auch partiell an Spannung und darüber hinaus an diesem fesselnden Element, welches sich noch ganz elegant durch die ersten beiden Ausgaben zog, in der vergangenen Veröffentlichung schon ein wenig abebbte und nun den vorläufigen Tiefpunkt erreicht.

Allerdings bleibt nach dem überraschend spektakulären Finale wieder die Hoffnung, dass die dort präsentierte Dynamik sowie die plötzliche Wendung im Plot aufgegriffen werden kann, um die Serie wieder in die Bahnen zu lenken. Bis dorthin ist „Trinity Blood 4“ jedoch nur eine Zwischenepisode, die nach wie vor das erforderliche Mindestniveau hält, aber zumindest im Vergleich mit dem bisher Geschehenen leicht enttäuscht. Bleibt zu hoffen, dass die hier gebotenen Ereignisse die Story dennoch maßgeblich beeinflussen werden und man die Tragweite des Inhalts unterschätzt. Die grundlegende Story von „Trinity Blood“ ist eigentlich nämlich viel zu stark, als dass sie kleine Zwischenfälle dulden könnte.

http://www.paninicomics.de/trinity-blood-s10425.html

area Verlag (Herausgeber) – Rezept-Box Pasta

Kochbücher … wo man nur hinschaut, überall reihen sich Stapel und Regale voller Kochbücher in den Supermärkten, allesamt mit dem Anspruch, in Sachen Quantität, Qualität, Übersicht und Preis-Leistungs-Verhältnis das augenscheinlich Beste und dazu natürlich auch Außergewöhnlichste darzustellen. Und dummerweise ertappt man sich dennoch immer wieder dabei, wie man der Versuchung nicht widerstehen kann, für einen kleinen Schein einen dicken Wälzer in den Wagen zu legen, bei dem man sich im Endeffekt darüber ärgert, dass man in ihm auch nichts anderes als den gewöhnlichen Rezeptemix entdeckt, der auch schon seine ‚Kollegen‘ im Küchenregal füllt. Wenn sich dann auch noch beim ersten Test einzelne Rückstände der erprobten Mahlzeit auf dem glänzenden Papier niederlassen, ist das Dilemma perfekt und der Ärger gleich doppelt groß.

Gerade für den letzten Problemfall hat sich der |area|-Verlag etwas Feines einfallen lassen. Statt des klobigen Nachschlagewerks im eher unhandlichen Format hat sich der Verlag jüngst auf kleine Blechboxen mit Rezeptkarten spezialisiert und in den verschiedensten kulinarischen Themengebieten derartige Sammelwerke auf den Markt gebracht, die alleine schon wegen des simplen Gebrauchs, nicht zuletzt aber auch wegen der anschaulichen Darstellung von Zutaten, Rezepten und Arbeitsschritten ein begrüßenswertes Novum in dieser restlos überfüllten Sparte sind, welches man ergo auch gerne willkommen heißt.

Eine dieser Boxen beschäftigt sich mit dem heiß diskutierten Bereich Pasta, einer Spezies, deren Zubereitung sich viele in Perfektion zu beherrschen anmaßen (oder es zumindest behaupten), die aber wegen ihrer vielfältigen, teils auch ungewöhnlichen Kombinationen ein ganz besonderes Fachgebiet für sich ist. Allerdings geht es im Rahmen der 50 Rezepte nicht um Extravaganz oder 5-Sterne-Küche, sondern um leichte Rezepte für die schnelle Küche, für die weder das Kochzeugnis noch lange Erfahrungen am Herd gefragt sind. Insofern kann man bei der „Pasta-Box“ also (ohne böse Wertung) von einem bestens geeigneten Studenten-Rezeptwerk reden, was nicht zuletzt dadurch untermauert wird, dass ein Großteil der Rezepte auf Fertigprodukte zurückgreift, welche werbewirksam dann hier auch noch produktbezogen empfohlen werden. Doch gerade dies sollte man unter dem Aspekt der schnellen, leichten Küche bedenkenlos gutheißen, denn auch wenn es sich viele sicher nicht eingestehen wollen, so sind die Fix-Produkte aus den Häusern mit den Großbuchstaben K und M doch insgeheim regelmäßige Gäste im heimischen Gewürz- und Zutatenschrank. Zumindest würde ich dies einmal bedenkenlos unterstellen.

Was die Variationen betrifft, die den Fundus der 50 Mahlzeiten ausmachen, deckt die Box indes eine ziemlich große Palette ab; auffällig ist dabei, dass viele Gerichte aus der Kombination Pasta plus Gemüse bestehen und die |area|-Küche in diesem Fall weitestgehend fleischarm bleibt. Das sollte gerade die experimentierfreudigeren Küchenlaien erfreuen, schließlich ist man der standardisierten Bolognese nach den ersten Gehversuchen doch schnell überdrüssig – und bei Zutaten wie Brokkoli, Schnittlauch, Erbsen und Wirsing(!) sollte schließlich für jeden Feinschmecker etwas dabei sein. Unterdessen ist auch ein relativ reichhaltiges Sortiment an fischhaltigen Zusammenstellungen inbegriffen, wobei es hier dann ausnahmsweise doch mal extravagant sein darf. Und natürlich sind bekannte Spezialitäten wie Lasagne, Canneloni und Spaghetti nach klassischer Machart ebenfalls nicht weit, wenn es um Zubereitungsvorschläge für die Pasta-Küche geht.

Nun noch einige Worte zum Aufbau und zur allgemeinen Nutzung: Sowohl Zutaten als auch Zubereitungstechniken sind kompakt, aber durchaus ausführlich und klar verständlich niedergeschrieben. Des Weiteren sind die Zeitangaben ziemlich exakt gehalten; man kann sich also nicht bloß grob nach ihnen richten. Kritisch betrachten muss man dem entgegen die Mengen; Pasta ist zwar eigentlich eine klassische Vorspeise, allerdings darf man die Mahlzeiten auf den Karten durchaus als Hauptgang verstehen, wobei die hungrige Familie mit den angegebenen vier Portionen wohl gerade mal den hart arbeitenden Vater sattbekommen wird. Hier sollte man also beim Kauf durchaus hinterfragen und analysieren, ob man nicht gleich die doppelte Menge kauft und kocht. Dann ist zumindest gewährleistet, dass niemand mit Hungergefühl vom Tisch aufsteht.

Ansonsten darf und muss man sich mit Kritik zur „Pasta-Box“ vornehm zurückhalten. Der übersichtliche Aufbau, dazu die leichte Verwendung am Arbeitsplatz – die Karten lassen sich wirklich prima zwischen den Töpfen und Pfannen verstauen und nehmen keinen anderweitig vergebenen Raum ein –, dann noch die Möglichkeit, leichte Unreinheiten auf den Oberflächen der Karten leicht mit einem Lappen zu entfernen und nicht zuletzt die wirklich gute Auswahl an Gerichten machen einen überzeugenden Eindruck. Selbst wenn hier nicht ganz unbewusst Werbung für einige Nahrungsmittelketten betrieben und auf deren Produkte verwiesen wird, kann man bei einem vergleichsweise niedrigen Preis von gerade einmal fünf €uro sicher nicht meckern. Eine handlichere Möglichkeit, das Kochen von Pastagerichten am heimischen Herd stressfrei zu gestalten, wird man so schnell jedenfalls nicht mehr finden.

http://www.area-verlag.de/

Sassenberg, Volker – Gabriel Burns – Der Erste der Zehn (Folge 24)

Das Geheimnis um Steven Burns‘ Gabe ist, zumindest teilweise, aufgedeckt. Er ist ein Grauer Engel – ein Geschöpf, das er sich stets geschworen hatte zu bekämpfen. Und nicht nur das, Steven ist sogar der erste von ihnen, der gefallene Engel Gabriel. Ist er nun dazu verdammt, eine willenlose Figur im Spiel der Mächte zu sein, die an den zehn fahlen Orten die Tore ins Jenseits und der Hölle öffnen wollen, damit unaussprechliche Kreaturen die Erde verschlingen können? Ist Steven der Schlüssel, der das Grauen nicht verhindert, sondern heraufbeschworen hat? Oder gelingt es ihm, seine Gabe zu nutzen, seine Kräfte zu regulieren und die zehn fahlen Orte stattdessen zu versiegeln? Steven muss es herausfinden, und zwar schnell, denn Vancouver steht kurz vor dem Fall.

_Vorgeschichte: Folgen 1 bis 23_

Vancouver: Steven Burns, erfolgloser Schriftsteller, hält sich mehr schlecht als recht als Taxifahrer über Wasser. Sein Leben ändert sich jedoch schlagartig, als er an den geheimnisvollen Bakerman gerät – oder treffender: als Bakerman Steven kontaktiert, um ihn in ein mysteriöses Projekt einzuweihen, das sich unheimlicher Phänomene angenommen hat. Warum Bakerman, der dieses Projekt leitet, gerade Steven für seine Pläne auserkoren hat, wird dem Schriftsteller in dem Moment klar, als er an seinen Bruder Daniel zurückdenkt. Dieser verschwand nämlich im Alter von vier Jahren auf seinem Geburtstag, als Steven ihn bat, in eine Kiste zu steigen und einen Zaubertrick über sich ergehen zu lassen. Doch das Resultat war kein harmloses Kinderspiel, denn Daniel war plötzlich wie weggezaubert und blieb spurlos verschwunden.

Obwohl Bakerman auf die Geschehnisse von Stevens geheimnisvoller Zaubergabe anspielt, bleibt er ihm die Antworten schuldig. Und wenn er etwas herausrückt, dann nur sehr spärlich und darauf bedacht, die wahren Hintergründe im Dunkeln zu lassen. Denn Bakerman möchte Stevens Fähigkeiten erst einmal testen und eine Vertrauensbasis aufbauen. So schickt er ihn über den gesamten Globus; immer dort hin, wo auf eigenartige Weise Menschen verschwinden, von gefährlichen Experimente berichtet wird oder scheinbare Naturphänomene ans Tageslicht treten.

Steven Burns zur Seite stehen Joyce Kramer und Larry Newman, die das Viererteam um Bakerman komplettieren. Joyce ist bereits seit vielen Jahren ein treuer Verbündeter Bakermans und stellt seine Pläne nicht in Frage. Larry hingegen ist erst kurze Zeit nach Steven zur Mannschaft gestoßen, als sich der frühere Forstbeamte in den Wäldern von Yukon widernatürlichen Phänomenen ausgesetzt sieht und daraufhin beschließt, das Böse zu bekämpfen. Die zehn fahlen Orte sind es, die Steven Burns, Bakerman, Joyce und Larry in Atem halten. Orte, an denen das Böse zum Vorschein kommt und Tore in eine andere Welt geöffnet werden sollen, um die Menschheit durch Kreaturen aus der Hölle zu vernichten.

Steven weiß nun, wer er ist, oder vielmehr was er ist. Jetzt liegt es an ihm, dieses Wissen für sich zu nutzen und den Kampf aufzunehmen. Die Zeit rennt.

_Inhalt_

Folge 24 „Der erste der zehn“ der |Gabriel Burns|-Reihe knüpft direkt an die vorige Folge an. In einem kurzen Rückblick erwacht Steven Burns aus seiner psychedelischen Horrorvision und findet sich in dem mittlerweile leer stehenden Gefängniskomplex von Fairlane wider. An genau diesem Ort hat ihn Bakerman einst als kleines Kind gefunden. Kann das Zufall sein? Völlig durcheinander und von Stimmen in seinem Kopf verwirrt, sucht sich Steven seinen Weg nach draußen und irrt dort durch die ebenso verlassene und öde Wildnis. Alles ist menschenleer, nirgends ist ein Dorf zu sehen. Glücklicherweise gelingt es ihm schließlich, Larry zu kontaktieren, der ihn mit Hilfe der vagen Umgebungsbeschreibung tatsächlich nach Tagen der Suche findet. Mit dem Wagen, einem alten Landrover, geht es wieder Richtung Heimat.

Steven bleibt wortkarg und lauscht während der Fahrt dem Radio. In den Nachrichten ist von einer Quarantänezone in Bukarest die Rede. Niemand weiß etwas Genaues. Larry kann Steven jedoch darüber in Kenntnis setzen, dass Bakerman und Joyce in die Region geflogen sind, um sich vor Ort über die tatsächlichen Hintergründe zu informieren. Für einen kurzen Augenblick im Gespräch vertieft und abgelenkt, bemerkt Larry nicht, wie plötzlich eine Frau auf der Fahrbahn steht. Der Landrover erwischt sie noch, doch als Larry anhält, scheint die Frau unverletzt – sie hat noch nicht einmal einen Kratzer. Einen Augenblick später ist sie spurlos verschwunden.

Steven und Larry vermuten das Schlimmste und halten an einem nicht weit entfernten Bistro an der Straße an. Die Bedienung in dem heruntergekommenen Schuppen reagiert nervös, von der Frau auf der Straße will sie aber nichts gesehen haben. Steven entdeckt jedoch draußen auf dem Parkplatz eine Frau oder besser gesagt, von einem parkenden LKW auf dem Parkplatz verdeckt, nur deren Füße und Beine. Doch er hat keinen Zweifel, dass es sich um dieselbe Person handelt. Auf alles vorbereitet, geht er nach draußen und erlebt dort wahrhaftig eine Überraschung.

Im Wechsel zum ersten Handlungsstrang, und nur lose durch die Radionachricht mit diesem verbunden, wird in einem zweiten die Perspektive auf Bakerman und Joyce gerichtet. Sie sind bereits in Bukarest angekommen und wollen einen Kontaktmann treffen, um an Informationen über die Absperrungen mehrerer Ortsteile zu kommen und ihre These, Bukarest könne einer der zehn fahlen Orte sein, zu untermauern. Anstatt ihren Kontaktmann zu treffen, finden sie am vereinbarten Treffpunkt, einer Wäscherei, jedoch nur Leichen vor. Es sieht alles danach aus, als ob jemand mit aller Macht verhindern will, dass nicht das kleinste Gerücht nach draußen dringen.

Während sich die beiden in dem Gebäude umsehen, bemerken sie, wie ein Wagen vor dem Haus hält. Mehrere schwer bewaffnete Männer kommen heraus und wollen die Wäscherei stürmen. Bakerman und Joyce bleibt nur die Treppe nach oben, wo ihr Weg sie aufs Dach führt. Dort finden sie tatsächlich ihren Kontaktmann, der ihnen verrät, dass ihm keine andere Wahl blieb, als sie in eine Falle zu locken. Aber er steht noch immer auf ihrer Seite. So fasst er einen lebensmüden Plan und wirft sich den nach oben stürmenden Männern in den Weg, um Bakerman und Joyce die Flucht über eine Feuerleiter zu ermöglichen.

Sie können tatsächlich türmen und alles in die Wege leiten, um mit einem Hubschrauber aus der Stadt geflogen zu werden. Zur ihrer Überraschung gibt ihnen das, was sie dort aus der Luft sehen, mehr Antworten als alle Nachforschungen, die sie bisher eingeholt haben. Eine riesige Traube an Menschen, geistig kontrolliert von ausgesandten Funkwellen, hat sich vor einem meterhohen Feuer versammelt und wirft sich selbst in die Flammen. Noch bevor die beiden realisieren, was dort vor sich geht, verliert auch ihr Pilot die Kontrolle über seinen Geist und steuert direkt auf das Feuer zu.

_Bewertung_

Nach den Antworten auf eine der wichtigsten Fragen der gesamten |Gabriel Burns|-Reihe, die in der letzten Folge gegeben worden sind, muss „Der erste der zehn“ ein schweres Erbe antreten. Dies gelingt der Episode erwartungsgemäß nicht. Man merkt den beiden Geschichten an, dass sie nur als Überleitung dienen und nicht mehr sind als ein bloßes Zwischenspiel. Doch darin erfüllen sie durchaus ihren Zweck und erhöhen die Erwartungshaltung auf die kommenden Ereignisse in Vancouver nur noch stärker. Die Handlung rund um Steven spielt sich lediglich auf der – zugegebenermaßen langen – Landstraße zwischen Fairlane und Vancouver und einem an der Straße gelegenen Bistro ab. Sie erfüllt nur den Zweck, dass Steven hier zum ersten Mal bewusst und von ihm selbst gesteuert die Möglichkeiten nutzt, die ihm als Grauer Engel zur Verfügung stehen. Ein erster Eindruck also, wie Steven fortan kämpfen wird und auch kämpfen muss, um gegen die wirklichen Gegner zu bestehen.

Die Ereignisse in Bukarest tragen da schon mehr zum Metaplot bei, wenngleich sie nur schildern, wie die Vorbereitungen um die zehn fahlen Orte allmählich ihre Wirkung zeigen.

Etwas schade ist, dass beide Handlungslinien so gut wie nicht miteinander verknüpft sind und in eine Folge gepackt werden mussten, weil sie einzeln nicht genug hergegeben hätten. So bleibt es also bei einem kurzen Intermezzo und der Hoffnung, dass die Geschichte bald wieder an Fahrt gewinnt. Aber „Der erste der zehn“ deutet unweigerlich darauf hin.

http://www.gabrielburns.de/

|Siehe ergänzend dazu auch unsere Besprechungen zu den aktuellen Buchveröffentlichungen|

[„Gabriel Burns: Die Grauen Engel“ 3892
[„Gabriel Burns: Verehrung“ 3960