Cilauro, Santo / Gleisner, Tom / Sitch, Rob – Phaic Tan – Land des krampfhaften Lächelns

Mal ehrlich: Alle kommenden (oder vorangegangenen) Fernreisenden haben sich bestimmt den einen oder anderen Reiseführer zugelegt, der nach der Reise im Keller oder im Buchregal nur noch als Staubfänger dient. Für diese Weltenbummler im Speziellen, aber auch für die Daheimgebliebenen im Ganzen hat der |Jetlag|-Verlag gemeinsam mit |Heyne| ein sehr unterhaltsames Buch herausgebracht: „Phaic Tan – Land des krampfhaften Lächelns“. Nun wird der eine oder andere Asienkenner gleich den nächsten Atlas zücken und danach suchen. Um ehrlich zu sein: Phaic Tan gibt´s nicht! Das sollte aber keineswegs die Leselust auf das Buch vermindern, eher im Gegenteil. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Stellt euch vor, Mel Brooks („Spaceballs“) hätte sich die Mühe gemacht, einen imaginären Reiseführer in Buchform herauszubringen. Dabei steht also in erster Linie der Spaß im Vordergrund.

Was den Aufbau angeht, so kann man auf Anhieb den Unterschied zwischen einem seriösen Reiseführer und der Persiflage nicht erkennen. Zu detailverliebt sind die Bilder, Kommentare und Anmerkungen, die die drei Autoren zusammengetragen haben. Des Weiteren ist das Buch mit Sonderbeiträgen von Personentypen gespickt, denen der eine oder andere auf seinem Asientrip bestimmt schon mal begegnet ist. Als Erstes ist da Pilippe Miseree zu nennen, für den das „authentische Reiseerlebnis“ an vorderster Stelle steht. Tina Payne ist das ideale Gegenstück zu Philippe und reist nach der Devise: „Vorsicht ist besser als Nachsicht …“. Und dann ist da noch der klassische Schnäppchenjäger Sven Teitarssen zu nennen, der glatt als Erfinder der „Geiz ist geil“-Kampagne durchgehen könnte. Zu guter Letzt ist noch Jonathan Quibble zu nennen, der sich für den „Luxusreisenden“ verantwortlich fühlt und nützliche Tipps für diejenigen ausspricht, die nicht auf jeden Cent achten müssen.

Kaum hat man sich mit den Autoren vertraut gemacht, beginnt auch schon der Spaß. Ich weiß nicht, wie´s im englischen Original der Fall ist, aber allein der Wortwitz, der hinter den Ortsnamen steckt, rechtfertigt den Kauf und die Lektüre des Buches. Und wie es sich für eine gute Persiflage gehört, wird alles, wirklich alles auf´s Korn genommen: die Königsfamilie (die thailändische), die Religion, Musik, Gesundheit & Sicherheit, Sprache, Geschichte, Architektur, Wirtschaft, etc. pp. Natürlich dürfen auch nützliche Tipps in Sachen Unterkunft, Restaurants, Nachtleben und Sehenswürdigkeiten nicht fehlen.

Besonders kurios sind die Glücks- und Unglückszahlen, und wie es sich für einen gescheiten Reiseführer gehört, ist am Ende ein kleines Wörterbuch vorhanden, wo neben Grußfloskeln auch nützliche Formeln im Restaurant und im Taxi zu finden sind.

Einzelne Kapitel herauszuheben, ist dabei sehr schwer, da sich das Buch durchgehend gut liest. Dabei lohnt es sich, alle Bilder und Kommentare genau anzuschauen, da man zwei-, dreimal drüberlesen muss, um die genaue Bedeutung herauszufiltern. Den einen oder anderen Muskelkater im Zwerchfell hat die Lektüre in jedem Falle verursacht. Ein idealer Begleiter für alle, die nach Asien oder anderswo reisen, daheim bleiben oder an den Badesee und ins Schwimmbad gehen. Da es sich nicht um eine durchgehende Geschichte handelt, kann man während der Lektüre das Gehirn auf „standby“ schalten und genießen.

Einen kleinen Vorgeschmack findet ihr auf der [Homepage des Verlags,]http://www.randomhouse.de/dynamicspecials/phaic__tan/ wo ihr erste Eindrücke sammeln könnt. Viel Spaß in der „Achselhöhle Asiens“!

Daniel Way, Craig Kyle, M. Texeira, Javier Saltares – Wolverine 31

„Anfang & Ende, Teil 1“

Wolverine macht sich auf die Suche nach einem seiner ältesten Gegner und geht dabei kompromisslos seinen Weg. Obwohl er von verschiedenen Agenten beschattet wird und sich ihm zahlreiche dubiose Schmierfinken in den Weg stellen, zieht er durch den Untergrund und kämpft sich durch einen Tunnel an den behüteten japanischen Premier heran. Während die übrige Armada der Superhelden schon vermutet, dass Wolverine die Seiten gewechselt hat, bewältigt dieser seine Vergangenheit, indem er seinen alten Kontrahenten, den Silver Samurai, inmitten dieses Tunnels zum Duell herausfordert. Doch auch beim Geheimdienst herrscht Unruhe, nachdem man dort erfährt, dass Wolverine sich wieder an seine Vergangenheit erinnert.

_“Verlorene Unschuld, Teil 6″_

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Meyer, Deon – Herz des Jägers, Das

Thobela „Tiny“ (= winzig) Mpayipheli, ein Zwei-Meter-Mann vom Stamm der Xhosa, führt ein friedliches, unauffälliges Leben. Er arbeitet als Hausmeister in einem Motorradladen und genießt ansonsten das Familienglück mit seiner Freundin Miriam und deren Sohn Pakamile in einem kleinen Haus in einem Vorort Kapstadts. Doch Thobela hat ein Geheimnis: Während der Apartheid arbeitete er als Auftragskiller unter dem Decknamen „Der Jäger“ für den KGB.

Seine Vergangenheit holt ihn ein, als die Tochter eines Freundes aus alten Tagen um seine Hilfe bittet: Ihr Vater Johnny Kleintjes, ein ehemaliger Regierungsbeamter, ist gekidnappt worden, weil er eine Festplatte mit belastendem Material besitzt. Falls die Festplatte den Entführern nicht innerhalb von 72 Stunden in Lusaka/Sambia übergeben wird, drohen diese mit dessen Ermordung. Thobela übernimmt widerstrebend den Auftrag, denn er schuldet Johnny diesen Gefallen.

Doch schon am Flughafen wird er vom südafrikanischen Geheimdienst abgefangen. Es gelingt ihm, die beiden Geheimdienstbeamten zu entwaffnen und zu fliehen. Auf einem Motorrad jagt er nun quer durch das Land – verfolgt von einem Militär-Kommando des südafrikanischen Geheimdiensts und der CIA. Diese wollen unter allen Umständen die Übergabe der Festplatte verhindern, denn die Festplatte enthält Informationen über einen Doppelagenten, der für den ANC und die Amerikaner arbeitet.

„Das Herz des Jägers“ ist ein literarisches Roadmovie. Thobelas Reise quer durch den südafrikanischen Kontinent ist zugleich eine Reise in die eigene Vergangenheit und die seines Landes.
Thobela, der Sohn eines Predigers, hatte als siebzehnjähriger den Weg der Gewalt gewählt – sehr zum Entsetzen seines pazifistisch gesonnenen Vaters. Doch Thobela fühlte sich der kriegerischen Tradition seines Stammes verpflichtet und schloss sich der Befreiungsbewegung an. Hier wurde er zu einem „Umzingeli“, zu einem gnadenloser Jäger, ausgebildet. Seine Talente wurden auch vom KGB erkannt und er arbeitete viele Jahre als Auftragskiller. Nach dem Ende der Apartheid kehrte Thobela nach Südafrika zurück, aber keiner seiner ehemaligen Freunde bot ihm eine Chance zu einem zivilen Leben. So arbeitete er als Knochenbrecher für einen Gangsterboss und erst die Liebe zu Miriam und Pakamile waren für ihn der Anlass, mit seiner Vergangenheit zu brechen.
Als Thobela von Monica Kleintjes um Hilfe gebeten wird, träumt Thobela noch von einem neuen Leben auf einer Farm mit seiner kleinen Familie. Thobela ahnt nichts von den Gefahren, auf die er sich einlässt. Aber auch seine Verfolger ahnen nichts von seinen Talenten und seiner gewalttätigen Vergangenheit. Je härter sie Thobela zu setzen, umso mehr erinnert sich Thobela seiner antrainierten Automatismen und Fähigkeiten als Krieger.

Thobelas Überzeugung, seine Vergangenheit hinter sich gelassen zu haben und ein neuer Mensch zu sein, sowie sein Ringen darum, unter allem Umständen nicht in die Reflexe des früheren Kriegers Thobela zurückzufallen, machen einen großen Teil des Reizes dieses Romans aus.
Deon Meyer gelingt darüber hinaus die kritische Analyse des Post-Apartheid-Südafrikas. Trotz allem wirken die Schrecken der Apartheid fort. Viele ehemalige Freiheitskämpfer und Apartheid-Kämpfer haben ihren Platz in der neuen südafrikanischen Gesellschaft noch nicht gefunden. Zugleich kämpfen neue Eliten um Macht und Einfluss, möglicherweise ohne dass hierbei die Hautfarbe eine große Rolle spielt, aber nicht weniger brutal und schmutzig als in früheren Zeiten. Eingebettet in die rasante, spannende Verfolgungsjagd entblättert Deon Meyer Schicht um Schicht des neuen Südafrikas.

Deon Meyer hat einen komplexen Plot für seinen Roman konstruiert, voller Wendungen und Überraschungen. Meyer besitzt ein ausgeprägtes Gespür für Timing, Spannungsbögen und -aufbau. Glaubwürdige Charaktere sowie der genaue Blick für Orte, Menschen, Situationen und Geschichte belegen das meisterhafte Handwerk des Autors und seine Figuren besitzen eine große emotionale Tiefe. Momente der Ruhe und der Reflexion wechseln ab mit Szenen knisternder, atemloser Spannung. Damit gelingt es Deon Meyer meisterhaft, den Leser in seinen Bann zu ziehen – bis hin zu einem furiosen und überraschenden Finale. Ein intelligenter, perfekter Pageturner mit Tiefgang!

„Das Herz des Jägers“ wurde mit dem Deutschen Krimipreis 2006, Kategorie International, ausgezeichnet und von der Chigaco Tribune zu den zehn besten Thrillern des Jahres 2004 gewählt. Auf seine weiteren Romane darf man zu Recht sehr gespannt sein.

© _Claus Kerkhoff_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|
409 Seiten – 21,5 × 12,5 cm
Aus dem Englischen von Ulrich Hoffmann
http://www.deonmeyer.com/

Brac, Virginie – In den Nächten brütet still der Tod

In Frankreich ist Virginie Brac mit ihrer Heldin, der Kriminalpsychiaterin Véra Cabral, schon längst keine Unbekannte mehr. In Deutschland kennt man sie bislang noch nicht, doch der Rowohltverlag dachte sich, dass es an der Zeit wäre, dies zu ändern und bringt deshalb „In den Nächten brütet still der Tod“ heraus.

Véra, eine attraktive Mitdreißigern, arbeitet im psychiatrischen Kriseninterventionszentrum, dessen Aufgabe darin besteht, bei Geiselnahmen und Ähnlichem für Deeskalation zu sorgen, wenn die Polizei nicht mehr weiterkommt.

Eines Nachts, nachdem sie ihre Nachtschicht beendet hat, wird Véra zu einem Fall gerufen, der selbst für sie keine Routine ist. Fred, der Sohn ihres Chefs Edouard Russel, hat im Drogenrausch seine Freundin zerstückelt und Russel will eine Expertenmeinung hören.

Ohne Hintergedanken tut Véra, wie ihr geheißen wird. Selbst als Russel sie zur persönlichen Psychiaterin ihres Sohns macht, riecht sie keine Lunte. Sie glaubt an das Gute, doch je mehr sie sich selbst mit dem Fall beschäftigt, um Freds Schuldunfähigkeit zu beweisen und anhand ihrer psychiatrischen Fähigkeiten erklären zu können, desto mehr stellt sie fest, dass in der Familie Russel das eine oder andere Geheimnis bewahrt wird und dass nicht jeder in dieser schicksalhaften Nacht die Wahrheit gesagt hat …

Véra Cabral ist eine ziemlich sympathische Romanheldin. Ihre Ich-Perspektive ist sehr beschwingt geschrieben, mit richtig Biss in Form von frechem, manchmal derbem Humor. Trotzdem gleitet die sehr subjektiv gefärbte Perspektive nie ins Ordinäre ab, sondern bewegt sich auf hohem literarischem Niveau, das eine authentische, junge Frau präsentiert. Einziger Wermutstropfen: Das obligatorische düstere Geheimnis von Véra ist doch etwas überzogen.

Doch das ist nicht das Einzige. Die Inspektorin Sanchez, welche die Ermittlungen im Fall Russel führt, ist eine einzige aufgeblasene Comicfigur. Es ist schwer zu begreifen, wie sich eine solche Gestalt in einen „seriösen“ Thriller verirren konnte. Das sehr beleibte Mannsweib steht kurz vor der Pension, trägt eine mit Klebeband geflickte Brille und Blümchenkleider und lebte bis vor kurzem immer noch mit seiner Mutter zusammen. Sie ist ein echtes Raubein, mit einer vorgefertigen Meinung und einer unschlagbaren Geheimwaffe, mit der sie sich lästige Kollegen vom Leib hält und Aufrührer bestraft: ihre Darmwinde.

Das wäre dann aber auch der einzige Schwachpunkt in der Besetzung. Alle anderen Personen sind gut ausgearbeitet, auch wenn sie teilweise einen leichten Hang zum Klischee haben, wie zum Beispiel Véras portugiesische Großfamilie.

Mit der Handlung verhält es sich ähnlich. Sie hat ihre guten, aber auch ihre schlechten Seiten. Auf der einen Seite ist sie kurzatmig und geht zügig voran, bringt fast in jedem Kapitel neue Erkenntnise. Auf der anderen Seite ist sie für dieses Vorgehen überraschend unspannend. Die Handlung tritt trotzdem oft auf der Stelle, was damit zusammenhängt, dass es sehr oft zwischen Véras Analyse von Fred und der eigentlichen Handlung keinen großen Zusammenhang gibt. Im Gegenteil wirkt es so, als ob Fred mit der Zeit so sehr in den Hintergrund rückt, dass er nur noch Statist in seinem eigenen Fall ist. Überhaupt ist das Psychologische, das doch vermutlich im Vordergrund stehen sollte, auffällig wenig vorhanden.

Vielmehr präsentiert sich „In den Nächten brütet still der Tod“ des Öfteren als Krimi, der seinen Tiefgang nur aus dem Seelenleben der Protagonistin bezieht. Trotzdem ist das Buch lesenswert, da die fehlenden Spannungsbausteine bei dem frischen, linearen Schreibstil nicht so sehr ins Gewicht fallen.

Ying, Hong – Pfau weint, Der

Hong Yings „Der Pfau weint“ verbindet die Schicksale von drei Frauen verschiedener Generationen untereinander und taucht dabei tief in die Geschichte des Landes ein.

Die Wissenschaftlerin Liu Cui ist mit Li verheiratet, welcher Direktor des großen Jangtsestaudammprojekts ist und den sie so gut wie nie sieht. Eines Tages schickt er ihr ein Geschenk. Ein teures Parfüm, obwohl er ihr noch nie Geschenke geschickt hat. Sie versteht nicht, was das soll, doch ihre praktische Mutter hat sofort eine Lösung parat: Das Geschenk ist eine Herausforderung, um zu sehen, ob Liu immer noch eine Frau ist, die sich für ihren Mann interessiert. Ihre Mutter drängt sie, zum Jangtse zu fahren und Li zu besuchen, doch als sie dort ankommt, muss sie die bittere Erkenntnis akzeptieren, dass ihr Mann sie betrügt.

Sie hält es nicht länger an diesem Ort aus und fährt stattdessen zum Kreis Liang, wo sie geboren wurde. Aufgewachsen ist sie allerdings in der Stadt und die Umstände ihrer Geburt kennt sie nicht. Auf Bitte ihrer Mutter besucht sie deren alte Freundin Tante Chen, zu der sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat. Doch während Lius Mutter das dankbare Leben der Pekinger Mittelschicht führt, schlägt sich Tante Chen mit Armut herum. Liu ist geschockt, in welchen Zuständen die Freundin ihrer Mutter lebt, doch als Tante Chen beginnt, aus der gemeinsamen Vergangenheit zu erzählen, ist Liu noch geschockter.

Denn plötzlich wandelt sich das Bild, das sie von ihrem Vater, der damals Präfekt des Kreises war, hat, und gleichzeitig geschehen Dinge im Kreis Liang, die zudem den Glauben an ihren Ehemann erschüttern. Der Kreis Liang liegt nämlich in dem Bereich, der in ein paar Monaten von den Fluten des Jangtse verschlungen werden wird, doch die Dorfbewohner sind alles andere als einverstanden damit …

Das Verbinden von Geschichte und Neuzeit durch das tragische Schicksal eines kleinen Menschen, der zu jung ist, um die Begleitumstände zu verstehen, ist sicherlich nichts Neues. Allerdings gibt es eine lange Liste von Autoren, die es besser gemacht haben als Hong Ying.

Es beginnt schon damit, dass der Grund, warum Liu an den Stausee fährt, an den Haaren herbeigezogen ist. Mir erschließt sich, um ehrlich zu sein, nicht, wie ein Parfüm ein Hinweis darauf sein kann, dass der Ehemann fremdgeht. Der Roman baut also auf sehr unsicherem Gelände auf.

Was folgt, ist auch nicht gerade mit Spannung geschwängert. Abgesehen davon, dass es dem Buch an Emotionalität fehlt und es leblos wirkt, ist die Handlung an vielen Stellen sehr fade. Es kommt selten Spannung auf, einige Elemente sind nicht nachvollziehbar und die Absicht, die hinter der Geschichte steckt, nämlich die Schicksale dreier Frauen im Kreis Liang literarisch darzustellen, ist kaum erkennbar.

Die bereits erwähnte Leblosigkeit findet man nicht nur in der Handlung. Auch die Personen selbst wirken blutleer und scheinen keine wirklichen Gefühle zu besitzen. Liu Cui präsentiert sich als prüde Ehefrau, die nur wenige Interessen hat und deren Wut auf ihren Mann wirkt wie Wattebauschwerfen. Hong Ying gelingt es nicht, den Protagonisten authentische Ecken und Kanten zu verpassen. Selbst Tante Chen, von der man denken könnte, sie wäre nach all den Jahren von der Armut gezeichnet, wirkt merkwürdig oberflächlich. Ähnliches gilt für Liu Cuis Mutter, die Dritte im Bunde, deren aktive Rolle allerdings sehr klein gehalten ist.

Der Schreibstil Yings erinnert an den typisch asiatischen Prototyp: Glatt und uninteressant. Sie benutzt ein gehobeneres Vokabular, das sie manchmal in umständliche Satzbauten einbettet. Metaphern wie „Der Himmel war plötzlich bleich wie die Augen eines toten Fisches.“ (Seite 89) oder „Das Fenster war wie bestickt mit Millionen Wasserperlen …“ (Seite 44) wirken sich nicht gerade positiv aufs Gesamtbild aus, ebensowenig wie die teilweise sehr üppigen Beschreibungen.

„Der Pfau weint“ ist zwar handwerklich perfekt ausgearbeitet, wie sich in dem sauberen Schreibstil zeigt, aber genau das ist das Problem. Ein steriler Schreibstil ist nicht besonders gut geeignet, um Gefühle beim Leser hervorzurufen und auch nicht gerade das beste Fundament, um eine Geschichte spannend herüberzubringen. Da es in diesem Fall aber nichts Spannendes herüberzubringen gibt, kann man dieses Argument unter den Tisch fallen lassen.

http://www.aufbauverlag.de

Sung-Gyu, Kari & Lee / Kim, Young-Bin – Zeitalter des Todes, Das (1)

_Story_

Der junge Yangban-Sohn Mok leidet unter einer schweren Krankheit, deren Heilungsaussichten äußerst gering sind. Dabei hat der Junge, dessen Markenzeichen sein Kopftuch ist, einige besondere Fähigkeiten, von denen er allerdings erst im Delirium erfährt, als ihn der geheimnisvolle Han aufsucht. Bei seiner Rückkehr in die Welt der Lebenden kann er plötzlich Dinge sehen, die ihm vorher verborgen waren, und damit auch die Welt der Geister! Jedoch ist der Umgang mit den unwirklichen Gestalten alles andere als einfach, und nur mit Hans Hilfe kann es Mok gelingen, sich überhaupt durch dieses neue Erlebnis hindurchzuschlagen. Doch vor einem kann ihn selbst sein Kumpan Han nicht bewahren; als der junge Yangban nämlich mitten an der Schwelle zwischen Menschen und Geistern angelangt, erwachen die Geheimnisse der Vergangenheit – und diese sind im Fall von Mok alles andere als erfreulich …

_Meine Meinung_

„Das Zeitalter des Todes“ ist eine neue Serie beim |Panini|-Subverlag |Planet Manga| und rein zeichnerisch eine echte Pracht. Lee Sung-Gyu, der hier für die Illustrationen verantwortlich zeichnet, hat zwar viele Szenen mit Inhalten überfrachtet, es dabei aber trotzdem geschafft, die Handlungsschwerpunkte deutlich zu kennzeichnen, so dass der Leser mit den ziemlich runden Zeichnungen niemals überfordert wird. Weniger dienlich sind diesbezüglich schon die stellenweise sehr großen Sprechblasen, die mancher schönen Situationsdarstellung den Raum nehmen und die beiden Protagonisten Han und besonders Mok nicht selten sehr hysterisch erscheinen lassen. Ansonsten ist der äußere Rahmen des ersten Bandes dieser neuen Reihe wirklich sehr gut. Die Texte sind einerseits leicht verständlich, eröffnen aber an den entscheidenden Stellen durch versteckte Hinweise die Basis für eine immer komplexere werdende Handlung, die aber wiederum eine klar erkennbare Linie beibehält, die dabei hilft, dem Plot trotz einzelner Verwirrspielchen doch noch folgen zu können. Insofern ist der Manga inhaltlich also schon einmal gut ausbalanciert.

Die Story an sich kann indes noch nicht so recht überzeugen. Nach einem sehr spannenden Beginn, der nach der ersten Reise von Han und Mok in die Welt der Geister schon einen ersten Höhepunkt erreicht, widmet sich Autor Kim Young-Bin fortan zu sehr den einzelnen Auseinandersetzungen zwischen Han und den zahlreichen Widersachern, die sich bei der partiellen Vergangenheitsbewältigung auftun. Das ist anfangs noch ganz nett und vor allem zeichnerisch sehr gut umgesetzt, verliert aber mit der Zeit ein wenig Substanz. Zwar steckt hinter dem rachsüchtigen Verhalten letztendlich mehr – und das ergibt sich schließlich auch aus dem Verlauf der Geschichte -, doch ist der Weg dorthin ein wenig unglücklich gewählt worden. Es fehlt hier und dort ein wenig an Zielstrebigkeit, doch dafür entschädigt Kim Young-Bin zu seinem Glück immer wieder mit einigen Überraschungen.

Eine endgültige Meinung möchte ich mir nach diesem ersten, einleitenden Band natürlich noch nicht bilden. „Das Zeitalter des Todes“ bietet gute Ansätze, sehr gute, wenn auch nur hinreichend frische Ideen, sympathische Hauptfiguren und rundum gefällige Illustrationen. Und – das darf man trotz der leichten Kritik nicht vergessen – auch noch ein hohes Maß an Spannung, welche aber erst dann so richtig aufkeimt, wenn man nach den letzten Seiten ein wenig mehr über die Hintergründe des Geschehenen erfahren und einen ersten groben Überblick erlangt hat. Eine zwingende Empfehlung auszusprechen, wäre deshalb jetzt nicht angebracht, aber darauf hinweisen, dass „Das Zeitalter des Todes“ ein gewisses Potenzial in sich birgt, möchte ich am Ende dieser Rezension auf jeden Fall. Ich warte jetzt mal auf die im August folgende Fortsetzung, bin aber schon ziemlich gespannt, wie sich die Geschichte um Mok und Han noch entwickeln wird.

http://www.paninicomics.de

Russell, Sean – Goldvogel (Das verlorene Königreich 2)

Band 1: [„Nachtvogel“ 2673

Nach den turbulenten Ereignissen am Ende des ersten Bandes muss der Leser zu Beginn des zweiten erst einmal sämtliche Beteiligten wieder einsammeln:

Elise hat sich in ihrem verzweifelten Wunsch, Eremon zu entgehen, ins Wasser gestürzt und dort einen Pakt mit der Nagar Sianon geschlossen. Aber sie ist von dem Ergebnis keineswegs begeistert. An Sianons Erinnerungen kann sie die Grausamkeit und Skrupellosigkeit der ehemaligen Zauberin erkennen. Sie weiß, dass sich ein Monster in ihr eingenistet hat, und nun ist sie stets damit beschäftigt, die Oberhand über den fremden Geist zu behalten. Gleichzeitig weiß sie aber auch, dass sie nun erst recht zur Zielscheibe Eremons geworden ist. Denn auch er hat einen Pakt mit einem Nagar geschlossen, mit Sianons Bruder Caibre, der seine Schwester schon vor Urzeiten bis auf den Tod bekämpfte. Er wird sie auch jetzt wieder bekämpfen, aber Sianons Pakt ist noch neu, ihre Macht gering. Ihre einzige Chance ist es, Alaan zu erreichen. Doch Alaan ist mit seinem Versuch, Eremon ins verborgene Land zu locken, gescheitert. Außerdem ist es seinen Verfolgern gelungen, ihn zu verwunden. Er fiebert und ist nahezu hilflos. Mit Hilfe Kilydds, eines früheren Reisegefährten Alaans, machen sich Elise, die Seetaler und Cynndl auf den Weg, ihn zu suchen, verfolgt von Eremon …

Außer Eremon sind auch Toren Renné und sein Vetter Dease mit Verfolgung beschäftigt. Beldors Attentat ist fehlgeschlagen, statt Toren hat er seinen jüngeren Vetter Arden erschossen. Jetzt sind Beldor und sein Mitverschwörer Samul auf der Flucht. Unterwegs trifft Toren auf A’brgail und einige seiner Ritter, die sich ihrer Suche anschließen. Zu ihrem Leidwesen müssen sie feststellen, dass die Flüchtigen unterwegs auf Eremon gestoßen sind und sich ihm offenbar angeschlossen haben! Dennoch will Toren die Verfolgung nicht aufgeben. Doch nachdem er die stillen Wasser betreten hat, den Sumpf, in dem auch der verwundete Alaan liegt, bereut er seine Entscheidung nur zu bald. Denn die Gruppen um Eremon, Elise und Toren sind ganz offensichtlich nicht die einzigen, die in diesem Sumpf umherwandern …

Während die Zauberer im Sumpf des verborgenen Landes Versteck spielen, hat Elises Vater Carral Willt beschlossen, sich nicht länger hinter seiner Blindheit zu verstecken und den Rennés einen Vertrag angeboten: Er selbst fordert sein Recht als Oberhaupt der Willts ein, die Schlachteninsel wird von den Rennés an ihn zurückgegeben, und er wird dafür ein Bündnis mit den Rennés schließen. So hoffen er und Frau Beatrice, Torens Mutter, einen Krieg zu vermeiden. Doch von Carl A’denné erfahren sie, dass der Fürst von Innes und Menwyn Willt vorhaben, die Schlachteninsel einfach zu besetzen. Carl bietet sich als Spion an, teils aus Abscheu gegen Eremon, teils aus dem Wunsch heraus, seinen Besitz vor der Vereinnahmung durch Fürst Innes zu schützen. Es dauert nicht lange, und es herrscht Krieg …

_Die Saga geht weiter_

Sean Russel hat also seine Protagonisten in einer völlig veränderten Aufstellung auf die Reise geschickt. Aber das ist nicht alles. Die Zahl der Handlungsstränge hat massiv zugenommen. Allein im Sumpf agieren zur „besten“ Zeit allein fünf Gruppen, die sich ständig mehr oder weniger versteckt umeinander herumbewegen. Und auch die Anzahl der Gruppen, die in der normalen Welt die Ereignisse bestimmen, wurde erweitert, nicht nur durch Carl und seinen Begleiter Jamm, sondern auch durch Eber und seinen Sohn Llya, die ihre Insel im Fluß verlassen haben, um die Fáel aufzusuchen.

Der Großteil des Geschehens spielt sich jedoch im Sumpf ab. Das Erstaunliche dabei ist, dass eigentlich nicht wirklich viel passiert. Toren und A’brgail suchen nach Beldor und Samul in Eremons Gefolge, Eremon sucht nach Sianon, und Sianon sucht nach Alaan. Alaan selbst wird von Häschern Eremons gefangen genommen, wieder befreit, nochmal gefangen genommen, nochmal befreit, und schwebt die ganze Zeit am Rande des Todes.

Der Tod bringt dann auch frischen Wind in die ganze Angelegenheit. In den finsteren Schatten, die versuchen, nach dem sterbenden Alaan zu greifen, erhält er die erste Andeutung einer Gestalt. Die Sage um Aillyn und Wyrr, den Vater der verfeindeten Zauberergeschwister, bildet die Basis zu dem, was sich da allmählich zusammenbraut. Aber erst am Ende des Buches erfährt der Leser, womit er es wirklich zu tun hat.

_Leseerlebnis_

Das viele Hin und Her zwischen den Parteien ist nicht wirklich geeignet, den Spannungsbogen straff zu halten. Allein der Kampf gegen die Schatten bietet einen kleinen Höhepunkt zwischendurch, ehe es beim Verlassen des Sumpfes wieder ernsthaft zur Sache geht. So kommt es, dass der größere Teil der Spannung von der kleineren Hälfte des Buches, dem Kampf um die Schlachteninsel und Carls Flucht zu den Rennés, getragen wird, zumal am Ende der Hetzjagd noch eine Überraschung auf den Leser wartet.

Der zweite Band war um einiges anstrengender zu lesen als der erste. Durch die Vielzahl der Handlungsstränge wurden die Unterbrechungen vor allem der weniger wichtigen Fäden oft ziemlich lang, was das Zurückfinden in den besagten Faden erschwert. Dafür erhält der Leser durch weitere Geschichten aus der Vergangenheit einige Antworten auf Fragen, die im ersten Band noch unbeantwortet geblieben sind. Die Wendung am Ende des zweiten Bandes sorgt indes für eine Menge neuer Fragen, die das Interesse am weiteren Verlauf der Geschichte in den letzten Band der Trilogie hinübertragen. Mit dem ersten Band kann der zweite zwar nicht ganz mithalten, er bietet aber trotz ein paar kleiner Durchhänger und des anstrengenden Handlungsverlaufs einige interessante Ideen, welche die Lektüre lohnend machen: das Mondsteintor; der Stein, den Aillyns Herold mit der Bitte um Unterstützung zuerst Alaan, dann Eremon anbietet; der kleine Llya, der zwar stumm ist, aber dafür die Stimme des Flusses verstehen kann …

Sehr wohltuend empfand ich das nahezu fehlerfreie Lektorat. Heyne hat da ein Stück ordentlicher Arbeit abgeliefert. Auch das Cover der Bände gefällt mir, wenngleich ich sagen muß, daß mir der Zusammenhang zwischen den Abbildungen von Einhorn und Drache auf den ersten beiden Bänden und dem Inhalt der Erzählung bisher entgangen ist! Ähnliches gilt für den Titel: „Nachtvogel“ könnte man ja noch auf den Züst beziehen, der Alaan folgt. „Goldvogel“ paßt zu dem schwarzen, krähenähnlichen Vogel allerdings überhaupt nicht. Ob sich ein Bezug des Titels „Sturmvogel“ zum Buch herstellen läßt, wird sich noch zeigen.

Sean Russell lebt in Vancouver. Er hatte bereits als Kind eine Vorliebe für phantastische Erzählungen und begann schließlich selbst zu schreiben. 1991 erschien sein erstes Buch. Aus seiner Feder stammen „Das Reich unter den Hügeln“ und „Der Seelenkompass“, „Welt ohne Ende“ und „Meer ohne Ufer“ sowie die Barbaren-Trilogie. Nicht alle dieser Bücher sind auf Deutsch erhältlich.

http://www.sfsite.com/seanrussell

Shocker, Dan – Vampirklinik, Die (Larry Brent, Band 33)

In diesem Buch erleben die beiden Grusel-Krimis „Die Vampirklinik des Dr. Satanas“ und „Nakor – Echse des Grauens“ aus dem Jahre 1983 ihre Neuauflage.

_Die Vampirklinik des Dr. Satanas_

Larry Brent und Morna Ulbrandson sollen in New York bei dem Auftritt eines Bauchredners anwesend sein, weil Arturo mit einer Puppe auftritt, die er „Dr. Satanas“ nennt. Die beiden Agenten sollen herausfinden, ob tatsächlich das verbrecherische Genie dahintersteckt. Als sie nach der Vorstellung den Künstler zur Rede stellen wollen, werden sie überwältigt. Satanas lässt sie nach Afrika bringen, wo sie in einem alten Gemäuer zu sich kommen, in dem der Erzverbrecher Experimente mit Menschen und Tieren vornimmt, um sie in Vampire zu verwandeln …

Endlich gibt es ein Wiederlesen mit dem durchtriebensten und bösartigsten Gegenspieler der PSA – Dr. Satanas. Die Romane mit diesem Verbrecher gehören zu den absoluten Highlights der Serie und ziehen den Leser von Anfang an in ihren Bann. Die Handlung ist meistens derart bizarr und abgehoben, dass man die Geschichten einfach mögen muss. In diesem Fall ist besonders die Entwicklung der Story faszinierend. Beginnend in New York, endet der Fall in Afrika, und was der Schriftsteller aus dem Vampirstoff herausholt, ist einfach genial. Den Roman kann man gut in einem Rutsch durchlesen, wobei dem fantasiebegabten Leser ein Schauder nach dem anderen über den Rücken laufen dürfte. Zu gefährlich, zu emotionslos und dabei trotzdem realistisch und lebensecht wird Dr. Satanas geschildert, der wieder einmal beweist, dass er seinen Doktor-Titel nicht umsonst trägt. Eine Szene prägt sich dabei besonders ein, nämlich als Dr. Satanas bei seiner Flucht sein Gesicht abzieht und es Larry auf die Scheibe seines Wagens schleudert. Horror-Action vom Feinsten.

_Nakor – Echse des Grauens_

Als Oliver Gadock von einer Reise in die Antarktis zurückkehrt, leidet er an einer mysteriösen Krankheit, die ihn mehr und mehr aufzehrt. Im Fieberwahn übergibt er der Krankenschwester Agatha Stancer einen Taschenkalender mit seinen privaten Aufzeichnung. Als sie eine geheimnisvolle Formel laut aufsagt, verbrennt sie bei lebendigem Leib. Diese Tat ruft Larry Brent, alias X-Ray-3, auf den Plan. Der findet heraus, dass Gadock eigentlich einen Japaner namens Tanaka erwartete, der auch erschien und mit dem Freund der verstorbenen Krankenschwester plötzlich abreiste, Richtung Antarktis. Brent vermutet Übles, denn ein Seemann hat im Zusammenhang mit Gadock den Namen einer Dämonengöttin vernommen: Rha-Ta-N’My!

Der PSA-Agent fliegt ebenfalls zum Südpol, kann aber nicht verhindern, dass Tanaka das Grauen erweckt, dem er schließlich selbst zum Opfer fällt. Nakor, die Echse des Grauens, erwacht aus ihrem Schlaf, beginnt mit einem Feldzug der Vernichtung und keine Waffe der Welt kann sie aufhalten …

Mit diesem Roman begibt sich Dan Shocker auf die Spur der alten Monsterfilme, wie „Godzilla“ und „Panik in New York“. Gerade im zweitgenannten Streifen erwachte die Bestie ebenfalls im ewigen Eis und begann danach ihr Zerstörungswerk. Dabei erscheint Nakor recht spät auf der Bildfläche. Den ersten Teil bestreitet eine geheimnisvolle, unheimliche Geschichte um Beschwörungsformeln, welche den Tod bringen. Die Ideen mit der „Vergessenen Stadt“, der Expedition sowie der grauenhaften Dämonengöttin und ihren echsenartigen Kreaturen erinnern an H. P. Lovecraft und seinen legendären Cthulhu-Mythos. Die Szene, in der Agatha zu einer unkenntlichen Mumie verschmort, ist ebenso schockierend wie spannend beschrieben. Ebenso wie Larrys Konfrontation mit den Geistern der Toten, welche der Dämonengöttin dienen müssen.

Das letzte Drittel der Story, in dem Nakor auftaucht, gehört dann ganz der Action und Dramatik. Der Vernichtungsfeldzug der Riesenechse ist nichts für schwache Nerven. Ein Roman, der durchzogen ist von einem Hauch des Wahnsinns, der sämtliche Menschen befällt, die sich mit der Göttin Rha-Ta-N’My einlassen.

Der Stil des Autors ist erfrischend und rasant, so dass der Leser gebannt an den Zeilen klebt, die nur so an ihm vorüberfliegen.

Beide Romane gehören zu den Sahnestücken der Serie und sind neben einer Menge Action auch durchzogen von einem Hauch des angenehmen Gruselns, welcher die Romane von Dan Shocker auszeichnet. Die Überarbeitung der Texte sorgt dafür, dass die Romane auch heute nichts von ihrer Faszination eingebüßt haben.

Pat Hachfeld hat sich mit seinen Innenillustrationen perfekt angepasst und surrealistische Darstellungen der Monstren angefertigt. Das Cover zeigt dieses Mal das Original-Titelbild zum Heftroman „Die Vampir-Klinik des Dr. Satanas“.

Fazit: Temporeiche Gruselabenteuer mit den ärgsten Gegnern der PSA. Jedem Larry-Brent-Fan ist dieses Buch wärmstens zu empfehlen.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

Boothby, Ian – Futurama Comics 24

_Story_

Bender heckt mal wieder einen neuen fiesen Plan aus: Er glaubt, dass er mit seiner speziellen, ungenießbaren Diätkost den Markt erobern und sich so auf einfachste Weise bereichern kann. Fry und Leela halten allerdings nicht viel von dieser Idee und sind arg skeptisch, als Bender seine neuen Produkte im Fernsehen anpreist. Doch tatsächlich bekommt er aus dem Oval Office sehr positive Resonanz und wird zum Sonderbeauftragten für körperliche Fitness ernannt. Währenddessen hat Fry ganz andere Sorgen. Die Röhre, die ihn jeden Tag zur Arbeit befördert, ist regelmäßig verstopft, so dass er kaum noch pünktlich erscheint. In diesem Sinne könnte ihm Benders neues Fitnessprogramm auch zugute kommen, falls die Menschen fortan tatsächlich dünner werden würden. Doch natürlich läuft nicht alles so wie geplant …

_Meine Meinung_

Der 24. „Futurama“-Comic beschäftigt sich auf außergewöhnliche Weise mit dem Thema Fitness und geht mal wieder über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Ich könnte es mir einfach machen und schreiben, dass die darin enthaltene Geschichte „Die fitten Jahre sind vorbei“ ein absolut typischer Vertreter der Serie ist, gerade weil Bender mal wieder wider jede Vernunft die Kontrolle über sein Handeln verliert, doch dies wäre nun zu leicht.

Es sind mal wieder die verqueren Eigenheiten, die diesen neuen Comic zu etwas Besonderem machen. So ist zum Beispiel die Darstellung von Präsident Richard Nixon, der Bender hier einen völlig neuen Status verschafft, eine harte Probe für die Lachmuskeln, zumal sein zweigeteilter Körper voller Überraschungen ist. Weiterhin ist die komische Eigenart von Frys Chef, bei Verspätungen dessen Klamotten zu verspeisen, wirklich komisch, weil sie im Gesamtzusammenhang letztendlich überhaupt keinen Sinn ergibt. Und auch die Bilder, in denen Fry und seine zu dicken Kollegen in der Röhre feststecken, sind eine Augenweide – das Titelbild verspricht hier nicht zu viel –, bei der das Zeichner/Autoren-Team mal wieder den etwas abgedrehten Humor zur Schau stellt.

Umgarnt werden diese selbst für „Futurama“-Verhältnisse vielen Lacher von einer sehr kurzweiligen, erneut mit vielen versteckten Anspielungen gespickten Handlung, bei der alle Fans voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Bender und Fry geben ein echtes Dreamteam ab, wenn es darum geht, das perfekte Chaos zu gestalten, und lassen sich in diesem Fall natürlich auch von nichts und niemandem davon abhalten, ihren Eigensinn voranzutreiben – wobei man sich bei Fry nie so sicher sein kann, ob seine Aktionen auch so beabsichtigt sind. Bender hingegen sieht mal wieder nur die blanken Dollarnoten und wechselt eigens hierfür sogar seine Augen aus. Geld und Macht treiben ihn an und beschreiben mal wieder die wesentlichen Züge seines Roboterherzens. Und Leela? Nun, die muss mal wieder unter den Missetaten ihrer Kumpane leiden und nimmt sich diese dann auch zur Brust.

‚Mal wieder‘, ‚erneut‘, aber nicht ‚wiederholt‘. Eine „Futurama“-Episode wird charakterisiert durch einige festgelegten Bestandteile, die man auch hier wieder allesamt antrifft. Deswegen auch die Andeutung, dass es sich hierbei um einen typischen Comic dieser Serie handelt. Dass es sich dabei allerdings auch um ein echtes Qualitätsmerkmal handelt, darf man nicht vergessen, weshalb ich die neue Geschichte auch wieder allen Freunden der Zukunftsvisionen von Matt Groening wärmstens ans Herz legen möchte. Und dies nicht ohne zu erwähnen, dass es sich bei „Die fitten Jahre sind vorbei“ um eine der besten Folgen dieser Comic-Reihe handelt.

http://www.paninicomics.de

Wilson, Robert Charles – Spin

Robert Charles Wilson (* 1953, Kalifornien) wurde bereits mit dem renommierten |Philip K. Dick Award| („Mysterium“, 1994, nicht übersetzt) sowie dem |John W. Campbell Award| für [„Die Chronolithen“ 1816 (2002) ausgezeichnet. Sein ebenfalls ausgezeichneter Roman „Darwinia“ erhielt den kanadischen |Aurora Award| und war für den |Hugo Award 1999| nominiert.

Der hier vorgestellte Roman „Spin“ wurde zwischenzeitlich übrigens ebenfalls für den |Hugo Award 2006| vorgeschlagen, was für die Konstanz und Qualität des Autors spricht.

Wilson greift in „Spin“ erneut ein bereits in den „Chronolithen“ behandeltes Thema auf: Wie beeinflussen menschliche Erwartungen ihr Verhalten und die Zukunft? Doch „Spin“ ist kein bloßer Neuaufguss, die Handlung dehnt sich diesmal von der Erde bis hin zum Mars und darüber hinaus aus, Raumfahrt und Astrophysik sind von zentraler Bedeutung für das zweite große Motiv des Romans: Menschliche Kolonisation und Evolution im Kosmos.

_Die Sterne erlöschen_

Eines Nachts sitzen der junge Tyler Dupree und seine Freunde Jason und Diane Lawton im Garten und beobachten ihre Nachbarn durch ein Fernglas. Völlig unerwartet verschwinden plötzlich die Sterne vom Himmel. Noch weiß keiner der Drei, dass die Zeit des später als „Spin“ bezeichneten Phänomens begonnen hat.

Eine Art Energieschirm hat die gesamte Erde umhüllt und vom Licht der Sterne abgeschnitten. Wie man später herausfindet, auch von dem der Sonne. Eine künstliche Sonne geht jeden Morgen auf und beleuchtet die Erde. Noch schlimmer als der Verlust der Satellitenkommunikation ist die Erkenntnis, dass die Erde verlangsamt oder der Rest des Universums beschleunigt wurde: Zurückkehrende russische Kosmonauten berichten, sie hätten wochenlang die umhüllte, schwarze Erde umkreist. Dabei sind sie im Moment der Umhüllung notgelandet. Man findet heraus, dass außerhalb der Barriere für jede Sekunde auf der Erde 3,17 Jahre vergehen …

Die Barriere entpuppt sich als eine Art schützende Membran, da Raketen sie passieren und auch wieder zurückkehren können. Aber vor den schädlichen Folgen permanenter direkter Sonneneinstrahlung auf eine unglaublich verlangsamte Erde schützt sie die Menschheit. Diese stellt sich die Frage: Wer steht hinter dem Spin? Warum wurde die Erde umhüllt und verlangsamt, was bezwecken die Unbekannten, die schließlich nur noch als die „Hypothetischen“ bezeichnet werden?

_Das Ende der Welt und die Schöpfung einer neuen_

Der „Spin“ wird zum festen Bestandteil des menschlichen Lebens. Bald werden die ersten Generationen geboren, die nie die Sterne mit eigenen Augen gesehen haben. Jasons geschäftlich erfolgreicher Vater E.D. Lawton hat sein ohnehin großes Vermögen durch die Produktion von Aerostaten (Fesselballons), welche die ausgefallenen Satelliten ersetzen, noch weiter erhöht und gehört zu den Gründern der |Perihelion|-Stiftung, die sich der Erforschung des Spins und der Hypothetischen widmet. Sein hochbegabter Sohn Jason wächst als Wissenschaftler in Führungspositionen der Stiftung hinein, die bald einen globalen Machtfaktor darstellt.

Tyler wird Mediziner, während Jasons Schwester Diane, die er seit Jahren unerwidert liebt, sich religiösen Gruppen anschließt, die ein baldiges Ende der Welt propagieren und den unerklärlichen Spin auf verschiedenste Weisen religiös interpretieren. Neue Krankheiten und Seuchen werden als Prüfung der Hypothetischen angesehen. Die Tierseuche KVES sorgt bei Kühen für eine intensive Rotfärbung der Haut und des Fells, was diverse Sekten biblisch deuten und sie dazu motiviert, ein reinrotes Kalb zu züchten, mit dessen Blut sie die Menschheit „reinigen“ wollen.

Jason erläutert Tyler seine Befürchtungen und Pläne. Anstatt wie weite Teile der Menschheit in einer Endzeitstimmung zu erstarren, hat er ehrgeizige Pläne. Die extreme Verlangsamung der Erde und das entsprechend rasende Vergehen der Zeit außerhalb sind Bedrohung und Chance zugleich. In weniger als einem Erdjahrhundert droht die Sonne sich in das Stadium eines roten Riesen weiterzuentwickeln und die inneren Planeten inklusive der Erde zu verschlingen. Keiner weiß, ob der Schirm der Hypothetischen die Menschheit auch davor schützt. Doch diese extreme Zeitdifferenz macht etwas möglich, von dem man bisher nur träumen konnte: Innerhalb weniger Jahrzehnte könnte man den Mars terraformen und kolonisieren – und dem Spin entkommen!

Mehr als genug Zeit hat man: Ein Monat auf der Erde entspricht 8,3 Millionen Jahren, ein Jahr zirka einhundert Millionen Jahren. Das Experiment wird unter der Leitung |Perihelions| gestartet und erweist sich als Erfolg. Der Mars wird erfolgreich besiedelt und eine Zivilisation entsteht. Doch zum Entsetzen der Erdmenschen wird auch diese nicht vom „Spin“ verschont. Doch ein Marsianer kann die Erde noch erreichen …

_Endzeit, Ecopoiesis und Evolution _

„Spin“ vereinigt drei Lieblingsthemen Wilsons, die zusammen erfreulicherweise noch mehr ergeben als nur die Summe der Teile. Standen bei den „Chronolithen“ das menschliche Verhalten und seine Auswirkungen angesichts erschütternder, weltverändernder Umstände im Mittelpunkt, hat Wilson den Fokus in „Spin“ auf Kosmologie und Astronomie verschoben, verbunden mit Evolutionstheorien.

Die Furcht vor den „Hypothetischen“ und die religiöse Verehrung, die ihnen zuteil wird, zeigt, wie viel stärker der (Aber-)Glaube in Zeiten sein kann, in denen die Wissenschaft scheitert und Phänomene nicht erklären kann. Selbst Jason muss dies eingestehen, trotzdem kann er einen Bruch in der Beziehung zu seiner ihr Heil in der Religion suchenden Schwester nicht vermeiden.

Tyler Dupree, der als Ich-Erzähler den Leser durch den Roman begleitet, ist wie bereits Scott Warden in „Die Chronolithen“ ein eher langweiliger Durchschnittstyp, der im Schatten großer Personen an den Ereignissen beteiligt ist. Als Freund der Familie Lawton hat er Kontakt zu dem zynischen Geschäftsmann E.D., der in einer konfliktreichen Beziehung zu seinem von ihm stark geförderten und zur Leistung angetriebenen Sohn Jason steht. Die Familie Lawton ist ein Musterbeispiel für die Gesellschaft des Spins. E. D. ist ein ultrakapitalistisches Relikt der Prä-Spin-Zeit, das sich nicht anpassen kann und will, während seine Frau Carol, die schon vorher eine Alkoholikerin war, von der Flasche nicht mehr loskommt. Jason ist ein scharfsinniger Denker, der seine intellektuelle Überlegenheit andere oft in verletzender Weise spüren lässt. Er ist vom Spin besessen, er ist die treibende Kraft im „Kampf“ gegen den Spin. Seine Schwester Diane stellt das Sorgenkind dar; wie viele andere Menschen flüchtet sie sich in die Lehren religiöser Sekten.

Dieses Personenschema ist Wilson-Lesern bereits aus den „Chronolithen“ hinlänglich bekannt, die Fixierung Tylers auf Diane ist nicht überzeugend und unnötig. Tylers wenige, stark fixierte Interessen gepaart mit seinen sozialen Problemen bei normaler beziehungsweise überdurchschnittlicher Intelligenz deuten auf das dem Autismus verwandte Asperger-Syndrom hin. Spuren und Andeutungen darauf finden sich an mehreren Stellen des Romans, sollten aber keine Entschuldigung dafür sein, dass nicht nur Tyler eher ein Konzept verkörpert denn eine reale Person. Die Charaktere wirken somit leider etwas schematisch, wie Abziehbilder der entsprechenden Chronolithen-Charaktere, bei denen sich Wilson mehr Mühe und Zeit für eine glaubhaftere Charakterisierung gelassen hat. Der religiöse und massenpsychologische Teil der Handlung ist sehr deutlich von den „Chronolithen“ inspiriert, was für seine Qualität bürgt, leider aber auch bereits allzu bekannt ist. Jedoch konzentriert sich Wilson in „Spin“ nicht nur auf diesen Aspekt; ihm war sehr wohl bewusst, dass er diesen Komplex bereits erschöpfend behandelt hat.

Was „Spin“ auszeichnet, ist die von Wilson inzwischen zur Meisterschaft entwickelte Kunst, interessante Fragen aufzuwerfen und den Leser häppchenweise mit Informationen zu füttern, die andererseits neue Fragen aufwerfen, und einige der bisherigen Fragen zumindest teilweise zu beantworten. Das Themenspektrum ist sehr breit und daher ungemein abwechslungsreich; angefangen bei Massenpsychologie und –hysterie, werden Themen wie menschliche Evolution und Raumfahrt mit der Besiedlung des Mars und Kosmologie verquickt.

Was Wilson auszeichnet und ehrt, ist, dass er all dies in einem einzigen Roman mit 555 Seiten untergebracht hat. Viele seiner Kollegen hätten daraus einen mehrbändigen Zyklus geschaffen und die faszinierende Ideenflut verdünnt und totgeredet. Er packt unheimlich viele phantastische Ideen in diesen Roman, der deshalb stets unterhaltsam ist und zum Weiterlesen motiviert. Das gelungene Ende belohnt den Leser mit dem viel zitierten „sense of wonder“, der vielen modernen Science-Fiction-Romanen ein wenig abhanden gekommen ist. Zwar ist auch bei „Spin“ ähnlich wie bei den „Chronolithen“ eher der Weg das Ziel, dieses Mal endet Wilsons Roman jedoch wesentlich befriedigender als die in dieser Hinsicht schwachen „Chronolithen“.

„Spin“ stellt Wilsons Meisterwerk da. Es verbindet die besten Elemente seiner bisherigen und bereits vorzüglichen Romane, einzig die etwas einfallslose schematische Charakterisierung ist ein kleiner Wermutstropfen dieses durch und durch gelungenen Romans. „Spin“ zieht den Leser in seinen Bann; hat man einmal angefangen zu lesen, will man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen.

Homepage des Autors:
http://www.robertcharleswilson.com/

[„Die Chronolithen“ 1816
[„Darwinia“ 92

Ubukata, To – Kompression (Mardock-Trilogie 1)

_Was wäre wenn Luc Besson Japaner wäre?_

Dann würde er wohl To Ubukata heißen und hätte statt „Leon, der Profi“ wohl „Kompression“ geschrieben. Na ja, vielleicht reichen die Parallelen dafür dann doch nicht ganz. Ubukata jedenfalls bezeichnet jenen Film um den tragischen Anti-Helden und seine minderjährige Muse als entscheidende Inspirationsspritze, welche die Geburtswehen des Mardock-Zyklus ausgelöst hat. Aus einer Kurzgeschichte mit geplanten 50 Seiten ist nun ein 1800-seitiges Werk (in der deutschen Fassung ca. 900 Seiten) geworden, und mit „Kompression“ darf nun auch der deutsche Leser in eine Trilogie eintauchen, die der 29-jährige Manga- und Anime-Spezialist verfasst hat.

_Pulverdampf und Techno-Terror._

Mardock City ist eine kalte Stadt, mit einer Wendeltreppe als Wahrzeichen, Symbol für all jene, die hier versuchen, mit aller Gewalt an die Spitze zu kommen. Shell Septinos ist schon weit auf dieser Treppe gekommen, und dabei hat er Unzählige in die Tiefe gestoßen. Manche dieser Unglücklichen glitzern als blaue Diamanten an seinem Finger, die verdichtete Asche ihrer Leichen, und Rune Balot soll die nächste werden.

Sie ist eine minderjährige Geisha und hat eine ganz besondere „Spezialität“, mit der sie ihre Kunden zu befriedigen weiß: Wie eine Puppe liegt sie da, zieht sich in sich selbst zurück und betrachtet den Akt wie von weiter Ferne, der an ihr vergangen wird. Daher auch ihr Pseudonym: „Rune Balot“ ist ein Küken, das in seiner eigenen Schale zu Tode gekocht wird.

Wahrscheinlich hätte Shell Septinos auch genau das geschafft, wenn da nicht Eufcoque gewesen wären und Doc Martin: Die beiden sind schon lange hinter Shell Septinos her, weil sie wissen wollen, wie und warum er die Identitäten seiner ermordeten Mädchen manipuliert hat. Aus diesem Grund unterziehen sie Rune Balot auch der umstrittenen Scramble-09-Technologie, die sie zu einer höchst effektiven Kampfmaschine macht. Das ist auch nötig: Shell Septinos hat nicht vor, sich sein Geheimnis von einer 15-Jährigen entreißen zu lassen …

_Bildgewaltige Japan-Action._

In die berühmt-berüchtigte Kategorie „Story, die auf einen Bierdeckel passt“ muss sich auch „Kompression“ stecken lassen. Sicher, die Hintergründe der Figuren sind interessant und auch Mardock-City weiß mit so manchem klugen Detail zu überraschen, aber die wirkliche Stärke sind hier die Bilder. Rune Balots Scramble-09-Technologie beispielsweise. Sie hat die Fähigkeit, elektronische Dinge mit ihrem Geist zu beeinflussen, zu „snarken“, und sie nimmt ihre komplette Umgebung um sich wahr, als wäre ihre Haut mit jedem Winkel verbunden.

Und Ubukata hat kein Potenzial dieser Idee verschwendet, ständig entdeckt Rune Balot neue Anwendungsgebiete ihrer Fähigkeiten und setzt sie auch überall ein. Besonders interessant wird das, als sie sich mit Eufcoque vereinigt. Der ist ebenfalls ein Scramble-09-Produkt und hat die Fähigkeit, sich in Gegenstände aller Art zu „morphen“, unter anderem in ein unerschöpfliches Waffenarsenal …

Auch die Antagonisten lassen keine schaurigen Erwartungen offen: Dimsdale Boiled ist Shells Sicherheitsmann, und als er erfahren muss, dass Rune keinesfalls ein verängstigtes Mädchen ist, das man mit einem Fingerschnipsen von der Bildfläche pusten kann, ruft er die unsägliche Bandersnatch-Crew auf den Plan. Wiederum kommt einem hier Ubukatas optische Schreibe zugute, Bandersnatch ist eine perverse Bande von Menschenjägern, die ihre Opfer ausschlachten wie organische Ersatzteillager. Jedes Bandersnatch-Mitglied hat einen kranken Fetisch für Körperteile, die sie als Trophäen an sich selbst transplantieren, und als sie Bilder von der süßen Rune Balot zu Gesicht bekommen, kann es keiner von ihnen erwarten, diesen lebendigen Süßwarenladen leer zu räumen … Brrr! Selten habe ich Gegenspieler derartig verabscheut und selten habe ich mich mehr gefürchtet, weil sie Erfolg haben könnten!

Womit eine Überleitung zum dritten Optik-Element von Ubukatas Werk geschaffen wäre: den Action-Szenen. So schwierig es im Film ist, innere Konflikte darzustellen, so schwierig ist es für einen Buchautor, rasante und spannende Action-Szenen zu schreiben. Aber To Ubukata kann das. Zwar verliert man sich manchmal im Wust der Details, aber das liegt auch daran, dass Ubukata beinahe völlig auf ausgelutschte Action-Floskeln verzichtet, und nach unverbrauchten Darstellungen sucht. „Ohrenbetäubende Explosionen“ gibt es keine, stattdessen einen Showdown, der einen geradezu in den Lesesessel presst. „Manga in Buchform“ trifft es hier wirklich auf den Punkt, die Feuerstürme, Gewalttätigkeiten und bluttriefenden Nahaufnahmen blitzen im Stakkato vor dem geistigen Leserauge auf – klasse!

_Adrenalin in drei Dimensionen._

Auch wenn die Story etwas blass ist, die Figuren sind es nicht. Septinos hat einen Grund, weshalb er all den Mädchen neue Identitäten verpasst und sie dann umbringt, Eufcoque hat eine Geschichte, und der Doc ebenso. Rune Balots Schicksal ist zwar nicht brüllend originell, aber glaubwürdig und drastisch dargestellt, Dimsdale Boiled hat ganz eigene Motive, weshalb er Shell Septinos folgt, und sogar die Bandersnatch-Gang hat einen Lebenslauf, der sie zu diesen kranken Monstren hat werden lassen.

Dazu kommt, dass einem Rune Balot wirklich ans Herz wächst, sie ist eine sympathische, mutige, aber auch zerbrechliche und tragische Gestalt, um die man sich bald ebenso sorgt wie Eufcoque. Der ist ein ähnlicher Sympathieträger, und die Beziehung der beiden wächst auf eine Art zusammen, die sich auf angenehm skurrile Weise von den Hollywood-Klischees abhebt. Inwiefern? Nun, wenn man Eufcoque erst mal kennen gelernt hat, wird das schlagartig klar …

_Hetzjagd hin zu einem extremen Cliffhanger._

Unter dem Strich bleibt also eine krass bebilderte Materialschlacht, die, wie es der Klappentext verspricht, wohl tatsächlich Fans von Manga und Matrix zusagen dürfte. Nun denn, hinsetzen, Buch aufschlagen, keine literarischen Tiefen erwarten, vereinzelte Klischees ignorieren und mitreißen lassen. Ich jedenfalls bin ziemlich gespannt auf „Mardock 2: Expansion“, das im Februar ’07 herauskommen wird, und nicht nur wegen des Cliffhangers am Ende dieses Buches. Mal ehrlich: Die Story an dem Punkt anzuhalten, ist fast schon seelische Grausamkeit und für den Buchmarkt erstaunlich mutig. Ein weiterer Pluspunkt also.

http://www.heyne.de

Eine freudige Nachricht noch für alle Anime-Fans: Zwar steht der Erscheinungstermin noch nicht fest, aber To Ubukata wird „Mardock Scramble“ (so der Originaltitel der Serie) als Anime adaptieren. Produziert wird das Ganze in den renommierten Gonzo-Studios. Wer des Japanischen mächtig ist kann schon mal auf http://www.mardock.jp vorbeisegeln, um sich vorab einen Eindruck zu verschaffen.

Katzenbach, John – Anstalt, Die

Massachusetts um 1980: Der einundzwanzigjährige Francis Petrel wird gegen seinen Willen in das psychiatrische Klinikum Amherst eingewiesen. Schon seit vielen Jahren hört er Stimmen in seinem Kopf und gilt als Exzentriker. Eines Tages eskaliert ein Streit mit seinen Eltern, er greift nach einem Küchenmesser und bedroht erst seine Familie und anschließend sich selber. In der Klinik wird er durch Medikamente ruhig gestellt. Zunächst ist Francis verzweifelt, da er sich wie ein Gefangener fühlt, doch nach und nach lernt er, mit seiner Situation umzugehen. Sein bester Freund unter den Mitpatienten wird Peter, der wie alle Insassen und Mitarbeiter einen Spitznamen trägt: „the Fireman“, ein ruhiger, intelligenter Mann, der viel zu vernünftig für seine Umgebung erscheint. Francis erhält den Spitznamen „C-Bird“, in Anspielung auf seinen Nachnamen. Außerdem ist da zum Beispiel noch Nappy, der dank seiner Vorliebe für Napoleon alles aus der Lage des 18. Jahrhunderts betrachtet; die übergewichtige Cleo, die sich als Königin Kleopatra sieht und unermüdlich Tischtennis spielt; Newsman, der alle Schlagzeilen auswendig lernt und jedem ungefragt mitteilt, und der schlacksige Lanky, der hinter jedem Neuling den Teufel wittert. Der herrische Psychologe wird Dr. Evil genannt und das nette schwarze Pflegerbrüderpaar ist als Big Black und Little Black bekannt.

Eines Nachts erschüttert ein dramatischer Zwischenfall die Klinik, als die junge Lernschwester „Short Blond“ brutal ermordet aufgefunden wird. Der Verdacht fällt sofort auf Lanky, der erst kurz zuvor eine Auseinandersetzung mit ihr hatte und ihr Blut an seinen Kleidern trägt. Lankys Beteuerungen, dass der „Engel des Todes“ den Mord begangen und ihn anschließend umarmt habe, schenkt niemand Glauben und der verwirrte Mann wird festgenommen. Nur Peter und Francis behalten ihre Zweifel an seiner Schuld. Kurz darauf taucht die Untersuchungsrichterin Lucy Jones in der Klinik auf. Sie berichtet von weiteren Morden nach dem gleichen Schema durch einen unbekannten Täter. Gemeinsam mit Peter und Francis, die ihr durch ihr Insiderwissen helfen sollen, stellt sie nähere Nachforschungen in der Klinik an. Doch es folgen weitere Morde …

Zwanzig Jahre später: Die Anstalt ist seit einigen Jahren geschlossen, Francis wurde entlassen. Noch immer hört er Stimmen, doch die Medikamente halten sie unter Kontrolle. Da erhält er eine Einladung für ehemalige Patienten zu einem Aktionstag an der Klinik. Durch die Rückkehr nach Amherst werden die Erinnerungen in Francis wieder lebendig. Aufgewühlt von den damaligen Ereignissen beginnt er, alle Geschehnisse nochmal zu durchleben und auf seinen Wohnungswänden niederzuschreiben. Wer war der „Engel des Todes“ – eine Schreckensphantasie oder lebendige Wirklichkeit … ?

Die weiße Hand, die im Dunkeln dem Betrachter bedrohlich entgegenstrahlt, ist nicht nur ein nettes Gimmick auf dem Cover, sondern sie verheißt auch Nervenkitzel pur. Dass der Inhalt Ambitionen besitzt, die über einen normalen Schocker hinausgehen, lässt sich weder an der Aufmachung noch am eher reißerischen Klappentext ausmachen. Einschüchterungen in einer Nervenheilanstalt, Widerstand gegen Bevormundungen der Betreuer, Aufstände der Insassen – kein Zweifel, „Einer flog über das Kuckucksnest“ lässt grüßen und damit auch Ankläge an ein sozialkritisches Drama. Tatsächlich ist „Die Anstalt“ mehr als bloß ein Psychothriller, sondern der Roman vereint zudem gesellschaftskritische Elemente durch das Vorhalten eines sozialen Spiegels.

|Von Irren und weniger Irren|

In Francis Petrel findet der Leser einen sympathischen Protagonisten und Ich-Erzähler, der zwar gewöhnungsbedürftig, dafür aber auch umso vielschichtiger ist. Francis hört Stimmen, die ihn mal zu Agressionen, mal zur Zurückhaltung anstacheln. Bis zu seiner Einlieferung führte er das Leben eines Außenseiters, doch auch in der Klinik hat er nicht annähernd das Gefühl, zuhause zu sein. Stattdessen empfindet er seine Lage als Gefangenschaft, hilflos dem zynischen Arzt Dr. „Gulp-a-pill“ Gulptilil und dem Psychologen Dr. „Evil“ Evans ausgeliefert.

Obwohl seine psychischen Defizite offenkundig sind, scheint er nicht in die Welt von Amherst zu passen, eine Welt voller Verrückter unterschiedlichster Arten, die ihm die Eingewöhnung schwer machen. Da er auch in der „normalen“ Welt keinen Anschluss findet, erscheint Francis als zerrissener Charakter, dessen mühevolles Leben dem Leser nah geht. Umso erfreulicher liest sich seine Freundschaft mit Peter the Fireman, der mit seinem scharfen Verstand und seiner besonnenen, weitsichtigen Art absolut nicht in den überdrehten Klinikalltag passen will. Immer wieder sinniert Francis darüber nach, wie qualvoll erst das Leben von Peter sein muss, der zwar ein schweres Verbrechen begangen hat, jedoch tatsächlich kein psychisch Kranker ist, der sich noch fremder als Francis an diesem Ort der Verrücktheit fühlen muss. Seine ruhige Ausstrahlung beeindruckt nicht nur Francis, sondern auch den Leser. Peters Dasein in der Anstalt bedeutet einen Hoffnungsschimmer in all der Trostlosigkeit, Symbol des Kämpfers gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung, eine sympathische Auflehnung gegen die Allmacht der Klinikleiter. Peter gibt nicht nur seinem speziellen Freund Francis den nötigen Rückhalt, er unterstützt auch die anderen Insassen, beispielsweise in den Gruppensitzungen bei seinem Erzfeind Dr. Evans. Obwohl er offiziell nur die zweite Geige in der Handlung spielt, ist Peter ein fast noch interessanterer Charakter als der Protagonist Francis selbst.

Die dritte zentrale Gestalt ist die Staatsanwältin Lucy Jones, eine faszinierende Schönheit; nach außen hin willensstark und um jeden Preis entschlossen, den Mörder zu fassen, insgeheim jedoch auch gebeutelt von einem traumatischen Erlebnis, das die Kämpferin in ihr gegen das Verbrechen erst geweckt hat. Lucy, die vor allem gegen Ende des Romans an Bedeutung gewinnt, ist kein so schillernder oder fesselnder Charakter wie Francis und Peter, bietet aber ein passables Gleichgewicht zu den beiden Hauptcharakteren.

Der Makrokosmos der Gesellschaft zeigt sich im Mikrokosmos der Anstaltsbewohner. Wie im realen Leben existieren auch hier die unterschiedlichsten Persönlichkeiten. Glücklicherweise wird auf ein reines Schwarz-Weiß-Schema verzichtet. Zwar sind die obersten Leiter und Verantwortliche unsympathisch und dominant, dafür überzeugen einige der Pflegekräfte, allen voran die „Black-Brüder“, durch Menschlichkeit und viel Verständnis für ihre Patienten – angenehmerweise ohne wiederum zu lässig oder solidarisch zu sein. Big Black und Little Black machen keinen Hehl aus ihrer Sympathie für Francis, ohne dabei in ein rein freundschaftliches Verhältnis zu verfallen, denn bei aller Wertschätzung und allem Mitgefühl bewahren sie ihre berufsmäßige Professionalität. Unter den Patienten finden sich apathisch Retardierte, kindlich Zurückgebliebene, Brutal-Aggressive und eine Reihe liebenswerter Charaktere mit belustigenden Spleens, allen voran Napoleon, die temperamentvolle Cleo und das wandelnde Lexikon Newsman.

|Spannung trotz Weitschweifigkeit|

Die Grundidee weiß zu fesseln: Eine Nervenklinik und ihre merkwürdigen Insassen bieten immer Stoff für eine interessante Handlung, ebenso wie eine Mörderjagd. Spannung bis zum Schluss wird dem Leser geboten, denn während der Lektüre tun sich eine Menge Fragen auf: Allen voran steht natürlich die Suche nach dem geheimnisvollen Täter, der mehrere Morde auf dem Gewissen hat. Ist es tatsächlich der zurückgebliebene Lanky, den die Polizei sofort dankbar in Gewahrsam nimmt? Was ist mit seinen Beteuerungen über den „weißen Engel“, existiert er wirklich oder ist er ein Gespinst seiner Phantasie? Ist es ein Insasse, ein Mitarbeiter, ein Außenstehender, der sich hier unter den Hunderten von Bewohnern tarnt? Welches Motiv verfolgt der Killer, was verbindet seine Opfer – oder bilden sie bloß die Vorstufe zu einem höheren Ziel?

Fragen gibt es unzählige, Antworten nur wenige. Immer wieder nehmen Peter, Francis und Lucy neue Fährten auf, werden aber allzu oft in die Irre geleitet und enden in seiner Sackgasse. Als zusätzliches Spannungselement kommt der Zeitfaktor ins Spiel. Es gilt nicht nur, einem Mörder rechtzeitig das Handwerk zu legen, bevor er erneut zuschlägt – Lucy soll aufgrund mangelnder Erkenntnisse von ihrem Posten abgezogen werden und die Ermittlungen einstellen; Peter wird von seiner Vergangenheit eingeholt und steht vor der zweifelhaften Wahl zwischen Gefängnis und Verlegung in eine andere Anstalt.

Der Leser sieht sich mit einer Kombination aus kriminalistischen und zwischenmenschlichen Aufhängern konfrontiert; sowohl das Rätselraten um die Identität und Motivation des Mörders als auch die Entwicklung der Schicksale der einzelnen Charaktere gewinnen seine Aufmerksamkeit. Sicher: Es braucht definitiv keine 750 Seiten, um die Handlung angemessen darzustellen; weniger wäre in diesem Fall um einiges mehr gewesen. Dies nicht nur, weil den wenigen actionreichen Handlungsmomenten viele ruhige gegenüberstehen, sondern auch, weil zahlreiche Gedankengänge und Situationen sich mit gegebenenfalls leichten Variationen wiederholen; Kürzungen von 200 bis 300 Seiten hätten dem Werk gut getan.

|Irritierender Perspektivenwechsel|

Am grundlegenden Stil des Autors gibt es nichts zu bemängeln; Katzenbach liest sich locker und flüssig, mal eher neutral und auf schnellen Genuss ausgerichtet, wie es typisch ist für Spannungsliteratur, mal eher mit blumigen Formulierungen, wenn es gilt, Francis‘ wirre Gedankengänge darzustellen. Auffallend und leider mit Mängeln versehen ist allerdings die Struktur, die den Roman in zwei Teile gabelt: Da ist zum einen die Handlungsebene, die in der Jimmy-Carter-Ära spielt, als der junge Francis in die Klinik eingeliefert wird. Und da ist zum anderen die Ebene der aktuellen Handlung, in der ein zwanzig Jahre älterer, aber immer noch Stimmen hörender Francis sich mit der Vergangenheit auseinander setzt.

Die aktuelle Handlung wird in der Ich-Form geschildert und ist zur besseren Übersicht kursiv gesetzt; die Vergangenheit – die den Hauptanteil des Romans ausmacht – besteht aus dem Text, den Francis auf seine Zimmerwände schreibt. Die Idee dieser Art der Vergegenwärtigung ist originell und passt zum psychotischen Charakter des Protagonisten, bleibt in der Umsetzung aber unglaubwürdig. Zum einen sind Francis‘ Ausführungen so ausführlich – eben ein ganzer Roman – und detailliert bis in die kleinste Abschweifung, zum Beispiel bei der Beschreibung von Örtlichkeiten und Mimiken, dass man ihm nicht abnimmt, dass er die Ausdauer besitzt, ein solches Mammutwerk auf die Wohnungswand zu kritzeln. Zum anderen übernimmt Francis in der Er-Form die Perspektive eines personalen Erzählers und gibt auch Situationen wieder, in denen er nicht selber anwesend war, bis hin zu ausführlichen Gedankengängen von Peter oder Lucy. Zwar wird diese Wiedergabe von Dingen, die Francis tatsächlich gar nicht – in diesem Umfang – wissen kann, anfangs einmal damit begründet, dass er sich bei seiner Verschriftlichung Freiheiten herausnimmt und seine Mutmaßungen spielen lässt. Dennoch bleibt der Eindruck zurück, dass dem Roman bei weitem besser damit gedient gewesen wäre, die Ich-Perspektive bzw Francis‘ Wandschreibereien zu streichen und sich auf die Perspektive eines personalen Erzählers zu beschränken. Francis‘ Vorgehensweise ist einfallsreich, aber nur eine Alibi-Strukturierung.

|Schwächen in der Glaubwürdigkeit|

Dem Roman ist zugute zu halten, dass er sich nicht auf sein Thrillerdasein beschränkt, sondern sich auch mit der Behandlung der Patienten auseinander setzt, die auch in der Realität, vor allem in der damaligen Zeit, in vergleichbaren Kliniken zu wünschen übrig lässt. Gemeinsam mit Francis sinniert der Leser über die Würde, die einem innerhalb der Anstaltsmauern noch bleibt – sofern man um sie kämpft. Ruhigstellung mit hochdosierten Medikamenten und Abschiebung in die Isolierzelle sind die Maßnahmen, an die sich die Ärzte halten, die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

Trotz dieser lobenswert kritischen Darstellung schleichen sich Mängel in die Umsetzung ein. Zu leicht erscheint das Abkommen, dass Francis und Peter als Amateur-Ermittler der Staatsanwältin Lucy Jones zur Seite stehen dürfen. Beide sind mehr als bloße Insider-Informanten; vielmehr präsentieren sie sich als gleichberechtigte Komplizen, die zuweilen die offizielle Ermittlerin sogar in den Hintergrund drängen, als eine Art Detektiv-Duo, das sich gegenseitig die Erkenntnisse wie Bälle zuspielt. Sehr fraglich ist die Reaktion von Klinikleitern und Polizei, als sich ein Todesfall ereignet, den sie als Selbstmord klassifizieren – ungeachtet einiger Details, die deutlich darauf Hinweisen, dass hier eine zweite Person mit im Spiel gewesen sein muss. Am Schluss des Buches und der Entlarvung des Täters scheiden sich die Geister: Einerseits ist das Ende nicht leicht vorherzusehen, andererseits wäre wünschenswert gewesen, einige zusätzliche Andeutungen einzubauen, denn die Identität des Mörders dürfte für viele Leser eine eher enttäuschende Überraschung bilden.

_Unterm Strich_ ist „Die Anstalt“ ein unterhaltsamer und lesenswerter Psychothriller, der sich nicht auf eine Mörderjagd beschränkt, sondern auch interessante Einblicke in das Leben von Psychiatriepatienten liefert. Vor allem dank der gut dargestellten Charaktere versetzt sich der Leser in die Geschichte hinein, nimmt Anteil am Geschehen und am Schicksal der Hauptfiguren. Schwächen gibt es dagegen in der unnötigen Weitschweifigkeit, der Zweiteilung der Perspektive und einiger Unglaubwürdigkeiten in der Handlung, zu denen auch das recht weit hergeholte Ende gehört.

_Der Autor_ John Katzenbach war vor seiner Schriftsteller-Karriere als Gerichtsreporter für die „Miami News“ und den „Miami Herald“ aktiv. 1982 erschien seiner erster Roman, „In the Heat of the Summer“, für den er eine Edgar-Award-Nominierung erhielt. Es folgten mehrere Bestseller, unter anderem „Der Sumpf“, „Die Rache“ und „Das Tribunal“.

http://www.john-katzenbach.de/
http://www.knaur.de

Jablonski, Carla / Nagula, Michael / Gaiman, Neil / Bolton, John / Rieber, John Ney – Abrechnungen (Die Bücher der Magie, Band 6)

Band 5: [Verlassene Stätten 2522

Nach ihrem letzten gemeinsamen Abenteuer im Spieleland der Dämonen (vgl. Band 5: Verlassene Stätten) wurden Molly und Timothy zur Höchststrafe verurteilt: Hausarrest! Selbst das miteinander Telefonieren ist ihnen verboten. Für ein emanzipiertes Mädchen und einen Super-Magier sind solche Fährnisse allerdings bestenfalls lästig. Und so verwandelt sich Tim flugs in eine Katze, um in dieser Form Molly zu besuchen. Das Mädchen wiederum hat sein Zimmer längst mittels eines Seiles durch das Fenster verlassen und ist Richtung Park verschwunden, wo es ein gemütliches Schwätzchen mit Marya hält. In seiner Katzenform gelingt es Tim, die beiden zu belauschen, wodurch er erfährt, was sein böses zukünftiges Ich eines Tages der Welt antun könnte.

Bevor er sich verzweifelt auf allen Vieren vom Acker machen kann, wird er von einer geheimnisvollen Fremden, die sich selbst Body Artist nennt, eingefangen. Diese Hexe bietet ihm an, das Problem mit seinem bösen Ich zu lösen. Tim willigt ein und lässt sich zwei magische Symbole auf die Brust tätowieren: einen Skorpion und einen Schmetterling. Immer wenn er nun seine Magie anwendet oder starke Gefühle – wie Liebe und Hass – empfindet, jagen unvorstellbare Schmerzwellen durch seinen Körper.

Da er sich durch diese Aktion anscheinend selbst aufgegeben hat, schwebt er in ernster Gefahr, denn derjenige der Narle, der alle verlegten und aufgegebenen Dinge verschlingt, der Wobbly, droht nun, ihn zu verzehren. Also muss Tim einerseits schleunigst die Tattoos loswerden, andererseits aber auch verhindern, dass er sich zu einem monströsen Magier entwickelt. In der Hoffnung, dass seine Vergangenheit den richtigen Weg in seine Zukunft weisen wird, öffnet er die Pforte ins Elfenland, um von Titania, welche er für seine Mutter hält, Antworten zu bekommen. Doch Titania würde den verhassten Sohn am liebsten tot sehen.

„Abrechnung“ ist der vorerst letzte Band dieser Serie von Romanen, die jeweils einen Story Arc der beiden ersten „The Books auf Magic“-Comic-Reihen (1990-1991, 1994-2000), belletristisch aufbereiten. So fasst das vorliegende Buch beispielsweise den „Reckonings“-Zyklus der Comics #14 bis #20 zusammen, der – wie „Bindings“ und „Summonings“ – im Original aus der Feder John Ney Riebers stammt; ob die vier nachfolgenden größeren Zyklen Riebers, „Transformations“, „Girl in the Box“, „The Burning Girl“ und „Death after Death“, je als Roman erscheinen werden, steht zurzeit in den Sternen. Diese Informationen sind nötig, um den Roman abschließend beurteilen zu können.

Was den Stil, den Humor, die skurrilen Ideen und die Lockerheit in den Dialogen und Selbstreflexionen der Protagonisten betrifft, so ist dieser Roman eine durch und durch würdige Fortsetzung des ausgezeichneten fünften Teils.

Timothy und insbesondere Molly entwickeln sich zu immer stärkeren, selbstbewussteren Charakteren, neue Protagonisten betreten die Bühne und die Welt der beiden Helden wird von Buch zu Buch komplexer. Nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene können problemlos in diese Welt eintauchen. Aber gerade dann, wenn es am schönsten ist, heißt es: „Vorhang zu!“ Dadurch wird die Geschichte an sich zwar nicht weniger gut, aber dennoch bleibt ob der vielen offenen Fragen und der sich zaghaft andeutenden Entwicklungen ein Gefühl der Enttäuschung und des Betrogen-worden-seins. Natürlich kann man als interessierter Leser versuchen, ersatzweise auf die Comic-Vorlagen zurückzugreifen, aber erstens sind diese im Vergleich zu den Romanen recht teuer und zweitens sind die Vertigo-Comics deutlich weniger kindgerecht als Jablonskis Texte.

Fazit: So humorvoll und tiefgründig wie der Vorgängerband. Wegen der vielen offenen Fragen und losen Ende jedoch kein befriedigender Abschluss-Roman. Bleibt zu hoffen, dass die Reihe in nicht allzu ferner Zukunft doch noch fortgesetzt wird.

© _Frank Drehmel_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|

Finn, Thomas – unendliche Licht, Das (Die Chroniken der Nebelkriege 1)

Mit „Das unendliche Licht“ legt Thomas Finn einen Roman vor, der den Auftakt der Trilogie |Die Chroniken der Nebelkriege| darstellt. Das klingt nach epischer High-Fantasy-Tradition, wie man sie von Finns früheren Abenteuern für das Rollenspielsystem |Das Schwarze Auge| kennt. Umso mehr erstaunt es, dass „Das unendliche Licht“ als Jugendbuch vermarktet wird, das im Zuge des Harry-Potter-, Bartimäus- und Lemony-Sniket-Booms auf der Erfolgswelle mitschwimmen soll. Ist Finns Ausflug in die Kinderliteratur also nur ein weiterer müder Abklatsch oder doch eine seltene Buchperle aus deutschen Landen, die einen eigenen Weg zu gehen versucht?

_Inhalt_

Kai ist ein 13jähriger Junge, der behütet in einem kleinen Dorf namens Lychtermoor bei seiner Großmutter aufwächst. Jeder Tag verläuft in geordneten Bahnen. Die hektische Welt der Großstädte, in denen das Leben pulsiert, und die Geschichten von Abenteuern und Gefahren dringen höchstens als ferne Gerücht an die Ohren der Dörfler heran.

Kais Ausbildung als Irrlichtfänger steht kurz vor dem Abschluss. Die Irrlichter werden von fahrenden Händlern aufgekauft und dann in Metropolen wie etwa dem nahen Hammaburg an der Elbe als Straßenbeleuchtung eingesetzt. Doch um die Wesen einzufangen, bedarf es Ausdauer, Disziplin und Können. Ein Irrlicht, das pro nächtlichem Streifzug durchs Moor gefangen wird, ist bereits eine gute Ausbeute. Groß ist da die Überraschung, als Kai eines Nachts gleich ein Dutzend Irrlichter fängt – sogar ein großes, besonders seltenes Exemplar ist dabei.

Die Großmutter ist erfreut, aber auch nachdenklich. Kai scheint die Wesen im wahrsten Sinne des Wortes magisch anzuziehen. So etwas war noch niemandem vor ihm geglückt.

Während die alte Frau Kais Erfolg nicht an die große Glocke hängen möchte, präsentiert Kai seinen großen Fang sofort auf dem abendlichen Dorffest. Doch plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Das Dorf wird von untoten Piraten überfallen, die nicht nur die Irrlichter klauen, sondern auch ganz Lychtermoor verwüsten. Während Kai sich von zwei mysteriösen Gestalten umgeben sieht, die ihm im Kampf gegen die Piraten zur Seite stehen, kommt für seine Großmutter, die dem Fest fern und alleine zu Hause geblieben ist, jede Hilfe zu spät. Mort Eisenhand, der Anführer der Truppe, hat die alte Dame rücksichtslos erschlagen.

Durch den Tod seiner letzten Bezugsperson ändert sich Kais Leben schlagartig. Seine beiden Retter, die sich als Elf namens Fi und Gargyle namens Dystariel vorstellen, nehmen sich seiner an und bringen ihn nach Hammaburg. Dort wacht er in einem Gemäuer auf, das über und über mit magischen Ingredienzien voll gestopft ist und von einem Poltergeist bewohnt wird. Erst nachdem er wieder zu Kräften kommt, gibt sich der Hausherr als fingergroßer Däumlingszauberer Eulertin zu erkennen. Er ist ein Beherrscher der elementaren Winde und angesehenes Mitglied im Statdrat.

Eulertin weiht Kai in die Geheimnisse um die Magie ein, bildet ihn in harten Wochen zu einem Adepten aus und klärt ihn schließlich darin auf, dass er der letzte Feuermagier sei. Laut einer Prophezeiung ist er der Einzige, der sich gegen das Schattenreich im Norden, das von der Nebelkönigin Morgoya unterjocht wurde, erheben kann. Doch so weit entfernt dieses Reich auch anmutet, Morgoya hat ihre Kräfte längst mobilisiert. Die Piratenüberfälle an den Küsten unter Mort Eisenhand und das Klauen der Irrlichter dienten einem einzigen Zweck: die Stadt Hammaburg zu Fall zu bringen und damit den Fuß auf den Kontinent zu setzen, um ihr Schattenreich auf die Welt auszuweiten.

_Bewertung_

Thomas Finn ist es gelungen, eine zauberhafte Welt zu erschaffen und sie in seinem Roman mit Leben zu erfüllen. Hammaburg, Morgoyas Schattenreich in Albion, das Albtraumgebirge und viele weitere Ortschaften verflechten sich zu einem fantastischen Abbild Europas, das, gespickt mit bekannten Mythen- und Sagenelementen, genug Bezugspunkte zur wirklichen Welt für den Leser bietet, um sich sofort mit den in der Anderswelt agierenden Geschöpfen identifizieren zu können. Dass der Autor als lokalpatriotischer Hamburger seine Stadt in den Mittelpunkt der Erzählung setzt, erweist sich dank des plastischen Bildes der Hafenmetropole, das er beim Leser hinterlässt, als wahrer Glücksgriff. Die vielen kleinen Details, die für die Handlung unerheblich, aber der atmosphärischen Beschreibungen äußerst dienlich sind, runden das Bild stimmungsvoll ab.

Vor diesem Hintergrund fesselt auch sogleich die Handlung, die aus Sicht Kais geschildert wird. Obwohl der Anfang zu schnell abgewickelt wird und ein, zwei weitere Kapitel über das dörfliche Leben Kais Entwicklung noch stärker untermauert hätten, kann Thomas Finn die Spannung konsequent hoch halten und bis zum packenden Finale stetig steigern. Der Konflikt um Mort Eisenhand, die aufkommende Gefahr durch Morgoya aus dem Norden, die politische Dimension um intrigante Ratsmitglieder und zu guter Letzt Kais Auseinandersetzung mit sich selbst und seinen Fähigkeiten verstricken sich schlüssig zu einem soliden, wenn auch zumeist in der ein oder anderen Form bereits bekannten Handlungsmuster. Positiv muss hier aber vor allem die Schilderung um Kais innere Flamme hervorgehoben werden. Denn obwohl die Gefahr in Form von Eisenhand oder Morgoya von außen droht, muss sich der jugendliche Protagonist zunächst mit sich selbst befassen. Er muss zu seiner eigenen Stärke finden, bevor er das Böse bekämpfen kann. Diese psychologische Sicht ist eine ganz große Stärke des Buchs und einer der Gründe, warum es sich unter anderen Jugendbüchern positiv hervorheben kann.

Die zweite große Stärke von Thomas Finn sind seine Charaktere. Während die Handlung Altbewährtes in gut umgesetzter Form mit einigen interessanten Ansätzen bietet, enthalten die Figuren in „Das unendliche Licht“ tatsächlich innovative Züge. Obwohl auch hier das bekannte Muster der typischen Figurenkonstellationen durchschimmert – der jugendliche Außenseiterheld, der zu sich selbst findet; der weise Lehrmeister, der dem Held den Weg weist; seine Gefährten, die ihm treu zur Seite stehen und Geheimnisse verbergen –, sind die Charaktere überaus originell. Magister Eulertin besitzt zwar Weisheit und Macht, ist aber durch seine Däumlingsgröße mehr als einmal auf Kais Hilfe angewiesen. Die Gargyle Dystariel bleibt schleierhaft und gibt kaum etwas von sich preis, doch ist ihre Geschichte eng mit der Schreckensherrschaft Morgoyas verbunden. Und auch die anderen Charaktere bewegen sich abseits der üblichen Klischees. Zwar lassen sich die Figuren recht eindeutig dem Gut-Böse-Schema zuordnen, doch dies fällt nicht negativ ins Gewicht, da es dem Jugendbuchstil angemessen erscheint und zweitens die Figuren nicht von Grund auf gut oder böse sind, sondern sich selbst entschieden haben, auf welcher Seite sie stehen wollen.

_Fazit_

„Das unendliche Licht“ ist ein spannender Roman geworden, der sich flott und zügig lesen lässt und die Erwartungen an den zweiten Teil sehr hoch steckt. Thomas Finn gelingt es, eine farbenfrohe Welt zu präsentieren, die Spaß macht, entdeckt zu werden. Obwohl es als Jugendbuch ausgeschrieben ist und den jungen Fantasylesern gute Unterhaltung bietet, dürfte es aufgrund seiner gelungenen Charaktere und seiner Anspielungen auf die Sagen Europas auch erwachsene Leser erfreuen. Bleibt also zu hoffen, dass dem deutschen Autor mit diesem Roman der verdiente Erfolg zuteil wird, denn „Das unendliche Licht“ muss den Vergleich mit anderen, zu Recht erfolgreichen Fantasy-Jugendbüchern nicht scheuen.

[Unser Interview mit Thomas Finn]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=59
[„Der Funke des Chronos“ 2239
[„Das Greifenopfer“ 1849
http://www.ravensburger.de
http://www.thomas-finn.de

Stucke, Angelika – Gute Gründe

Dass sie lange fackeln würden, kann man von keiner der Heldinnen in Angelika Stuckes zweitem Erzählband „Gute Gründe“ behaupten. Ganz im Gegenteil, hier wird kurzer Prozess gemacht und am Ende der meisten Erzählungen bevölkert ein Mann weniger diesen Planeten. Was Angelika Stucke in ihrem [Erstlingswerk 2143 angefangen hat, setzt sie im zweiten Teil ihrer als Trilogie geplanten Erzählreihe fort: Sie lässt Frauen morden – und das mitunter ziemlich zielstrebig, konsequent und ohne zu zögern.

Dreizehn Erzählungen umfasst „Gute Gründe“. Dreizehn Morde, in denen vernachlässigte Hausmütterchen, hintergangene Ehefrauen und pummelige Mauerblümchen Rache nehmen und sich gegen die Ungerechtigkeiten des Lebens im Allgemeinen und der Männerwelt im Speziellen zur Wehr setzen. Dabei findet jede Täterin ihren ganz individuellen Stil. Mal wird der Golfschläger zur Mordwaffe, mal wird ein Unfall vorgetäuscht, mal wird Gift ins Essen gemischt – bei der Wahl der Waffen lassen sich die Damen durchaus etwas einfallen.

Noch kreativer werden die Mörderinnen gar, wenn es darum geht, ihre Taten zu verschleiern. Da werden Leichen beseitigt und Spuren verwischt. Und auch darin, ihre Taten anderen in die Schuhe zu schieben, beweisen die Täterinnen Einfallsreichtum. Angelika Stuckes Erzählungen fallen allesamt recht kurz, aber teils auch pointiert aus.

Stucke spielt offensichtlich gerne mit Klischees. Das zeigt sich schon an der biederen Namensgebung, die in einem herrlichen Kontrast zur Mordlüsternheit der Frauen steht: Gundula, die Giftmischerin, Grete, die „Schmiergelpapier-Mörderin“, Hertha, die zur Schrotflinte greift, oder Edeltraut, die beherzte „Golfschläger-Schwingerin“. Sie alle wirken, als wären sie dem plattesten Klischee entnommen – bieder, mittelschichtig, langweilig, nur um den Leser dann mit ihrer konsequenten und rabiaten Art zu überraschen.

Insgesamt sind die kurzen Geschichten in „Gute Gründe“ außerordentlich „klolektürengeeignet“. Kurze, knappe Erzählungen, die als kleines Krimihäppchen zwischendurch wunderbar tauglich sind. Teils mit einem Augenzwinkern erzählt, erweisen sich viele Geschichten als recht unterhaltsame Lektüre. Stucke nimmt ihre Figuren und deren Taten nicht allzu bierernst, und so mag sich manch einer vielleicht über den fehlenden Realismus der Figuren beklagen.

Tatsächlich haben sämtliche der versammelten Damen eine äußerst niedrige Hemmschwelle, wenn es darum geht, sich unliebsame Mitmenschen nicht nur längerfristig, sondern vor allem möglichst endgültig vom Hals zu schaffen. Das setzt dann allerdings hier und da auch schon mal die Grenzen der Logik außer Kraft. Manche Tat scheint zu unnötig und unüberlegt, als dass die Erzählung wirklich überzeugend unterhalten könnte. Da runzelt man dann eher die Stirn, als dass man über die Skrupellosigkeit der Täterinnen schmunzeln mag.

Dass bei dreizehn Erzählungen nicht jede ein absoluter Kracher sein kann, leuchtet allerdings auch ein. Zwangsläufig gibt des da qualitative Schwankungen, die nicht nur bei Publikationen weniger bekannter Verlage an der Tagesordnung sind, sondern auch bei Werken sog. großer Autoren häufig vorkommen. Fakt ist, „Gute Gründe“ enthält auch ein paar gut konzipierte Erzählungen, deren Pointe zu überzeugen weiß. Besonders dann, wenn bei den Taten etwas schief geht, wenn es Missverständnisse gibt, die sich erst später aufklären, kann Stucke besonders überzeugen.

Lediglich eine Erzählung bleibt wirklich negativ im Gedächtnis haften und zwar jene, in der Stucke von ihrem Schema der mordenden Frauen abweicht. Die Mordphantasien des Außenseiterkindes mit der Vorliebe für Ballerspiele am PC hat doch ein sehr faden Beigeschmack. Wer denkt da nicht an das Schulmassaker von Erfurt vor ein paar Jahren?

Alles in allem ist „Gute Gründe“ nicht unbedingt herausragende, aber dennoch durchaus solide Unterhaltung für zwischendurch. Ein Buch, das sich schnell lesen lässt und auch gerade als leichte Kost zur Urlaubszeit durchaus brauchbar ist. Zielgruppe von „Gute Gründe“ dürften, wen wundert’s, in erster Linie Frauen sein, vorzugsweise mit einem etwas schwarzen Sinn für Humor.

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Clay & Susan Griffith, Tom Peyer, James Bates – Bart Simpson Comics 26

_Story_
Bart und Milhouse entdecken beim Spielen im Baumhaus, dass der tragende Baumstamm krank ist. Bevor sie überhaupt etwas unternehmen können, nimmt sich der Agent Darke der Sache an, diagnostiziert Stammfäule und ordnet an, dass der Baum umgehend gefällt wird. Bart und Milhouse wollen dies aber nicht akzeptieren und wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Entscheidungen des zweifelhaften Agenten.

Homer bekommt von Marge die Aufgabe, die freie Zeit für Maggie zu verwenden und diese zu füttern. Damit ist Homer zunächst gar nicht einverstanden, doch als er entdeckt, welch leckere Schätze sich in den Babygläschen befinden, verfällt er in eine wahre Fresssucht, die in einen ziemlich finsteren Traum übergeht.

Bart sitzt bereits seit zwei Tagen vor dem Fernseher, um den Krusty-Marathon anzuschauen. Als Marge hinzustößt und Bart auf seine mangelnde Körperpflege anspricht, reagiert dieser patzig und verweigert das Bad, um seine Filme nicht zu versäumen. Als Marge dies nicht akzeptiert, tritt Bart in einen Stink-Streik, der bei seiner strengen Mutter aber nicht den gewünschten Effekt zeigt.

_Meine Meinung_

Stammfäule – Waldarbeitern und aufmerksamen Hobbygärtnern mag diese Krankheit sicherlich ein Begriff sein. Jedoch wird jeder Kenner bestätigen können, dass es sich dabei um keinen Virus handelt, der auch den Menschen befallen kann. Was dies betrifft, wird im ersten Kapitel der neuen „Bart Simpsons Comics“ ein wenig geschwindelt, um so den Konflikt zwischen den Bauarbeitern im Garten der Simpsons und den beiden widerspenstigen Jugendlichen zu initiieren. Einmal mehr ist der junge Simpson – diesmal jedoch unschuldig – das Opfer einer zielgerichteten, seltsamen Kampagne eines schmierigen Geschäftsmannes und hält sich dabei gewohnt tapfer und stur. Und wieder einmal sind es einige unkonventionelle Entwicklungsschritte, die diese Kurzgeschichte zu einem weiteren Highlight der Simpsons-Historie machen. Auffällig hierbei: der bissige Wortwitz des rotzfrechen Bart, der seinen blauhaarigen Kumpanen mehr als einmal ordentlich zusammenbügelt und sich letztendlich fast alleine als Helden feiert. Aber dies ist ja gerade so witzig.

In der zweiten und kürzesten Geschichte wird ein Traum von Homer widergespiegelt, der nach einem üppigen Mahl aus Maggies Babynahrung eine Vision von purer Anarchie in Springfield hat. Plötzlich sitzt Homer im Babystuhl und Maggie arbeitet als Bürgermeisterin mit Schnuller inmitten des Zentrums der Kriminalität. Wegen Maggies fehlender Sprachkenntnis entwickelt sich das Ganze fast ausschließlich über die von Lautierungen begleiteten Zeichnungen fort, so dass der bissige, ironische Humor nicht ganz so gut durchkommt. Weil die Moral von der Geschichte ebenfalls recht unspektakulär ist, lohnt sich diese Story auch tatsächlich nur zum kurzen Zwischenschmökern.

Im letzten Plot geht Bart dann aber noch mal in die Vollen. Der junge Simpson hat nur noch Augen für seinen Lieblingsclown Krusty, dessen komplette Filmografie im TV ausgestrahlt wird. Bart möchte natürlich vom Anfang bis zum Ende dabei sein und lässt sich auch auf keine Kompromisse mit seiner Mutter ein. Als er schließlich den Kürzeren zieht und dem Fernsehgerät fernbleiben muss, versucht er, Marges Willen zu brechen, indem er gar nicht mehr duschen geht. Als er dann jedoch zum Gespött der ganzen Schulklasse wird, muss er nach anderen Wegen suchen, sich gegen die strenge Erziehung durchzusetzen. Doch so übel wie der Kerl nach einigen weiteren Bädern in Mülltonnen riecht, kann ihm dies nicht gelingen.

In diesem Comic ist Bart noch einmal im Mittelpunkt, und dies in seiner wohl bekanntesten Rolle als Querulant und Sturkopf. Wider aller Vernunft tritt er in einen Stink-Streik, der selbst berüchtigten Leuten wie Busfahrer Otto oder Schulkamerad Nelson übel aufstößt. So hat er auch keine andere Wahl und muss sich schnellstens um Alternativen kümmern, ist dabei aber kaum erfinderisch. Lediglich Forderungen bleiben, und nachdem er diese nicht durchsetzen kann, ist Bart wieder der Dumme. Cool. Witzig hier: Marge als Übermutter und Halb-Tyrannin, die sich selbst von den ungewöhnlichsten Methoden ihres Sohnes nicht von ihrer Richtung abdrängen lässt – und natürlich Homer, der in Sachen Erziehung mal wieder absolut gar nichts peilt.

_Zusammengefasst_

Drei Geschichten, darunter zwei echte Highlights und eine kurzweilige Zwischenerzählung ohne großartige Handlung – Ausgabe 26 der „Bart Simpsons Comics“ kann sich mal wieder voll und ganz sehen lassen und sorgt mit frischen Ideen für neue Lacher. Seltsame Ereignisse dienen den Autoren in diesem Heft als Inspiration für eine mit Humor überladene Minisammlung, aus der Bart als Hauptfigur auch ganz deutlich hervorsticht und mit flotten Sprüchen überragt. Außerdem beweisen die Macher dieser Ausgabe, dass selbst schon öfter angerissene Ansätze (zum Beispiel Maggie in der Rolle der Erwachsenen) noch nicht ausgelutscht sind und insgeheim noch eine ganze Menge Potenzial in sich bergen. Dies sollte man bei der riesigen Masse an mittlerweile existenten Geschichten zur gelben Familie nie vergessen und auch im aktuellen Heft lobend erwähnen.

Erweitert wird der Lesespaß zudem noch durch ein weiteres Poster des Protagonisten. Kurz und bündig: Bart-Fans sollten die Nr. 26 nicht verpassen.

Comic: 32 Seiten
http://www.paninicomics.de

Kirkman, Robert / Adlard, Charlie – Ein langer Weg (The Walking Dead 2)

Buch 1: [„Gute alte Zeit“ 2257

Die Zombies leben weiter, und für Rick Grimes und seine Gefährten geht das Abenteuer nach der plötzlichen Invasion der Untoten in die nächste Runde. Endlich ist der Nachfolger des ersten, sehr viel versprechenden Sammelbandes von Autor Robert Kirkman erhältlich – leider aber mit einem etwas bitteren Beigeschmack: Zeichner Tony Moore ist nämlich abgesprungen und überließ die vakante Stelle dem weitaus grober zu Werke gehenden Charlie Adlard. Somit sind zumindest rein optisch einige Abstriche in Kauf zu nehmen. Harte Arbeit für Kirkman, der jedoch mit einer fulminant voranschreitenden Story die Kohlen wieder aus dem Feuer holt. Und wie …

_Story_

Nachdem Shane unter unglücklichen Umständen ums Leben gekommen ist, beschließt die junge Gemeinschaft, ihren mittlerweile unsicheren Standort zu verlassen und sich in unbestimmter Ferne einen neuen Platz des Schutzes zu suchen. Unterwegs trifft die von Ex-Cop Rick Grimes angeführte Truppe auf die Familie des dunkelhäutigen Tyreese, die im einbrechenden Winter fast verhungert und erfroren wäre. Das kleine Team wird von Rick im Kampf gegen die herumstreunenden Zombies willkommen geheißen, selbst wenn die eigenen Nahrungsvorräte dadurch eine noch kürzere Haltbarkeit haben. Doch schon kurze Zeit später dankt Tyreese ihm diese freundliche Geste im Kampf gegen eine ganze Armada von Zombies, die eine komplette Geisterstadt vereinnahmt haben.

Bei der vereinten Suche nach einem neuen Unterschlupf wird Ricks Sohn Carl von einem Jäger angeschossen, der im ersten menschlichen Kontakt seit langer Zeit eine Bedrohung befürchtet hatte. Carl wird sofort auf einen umliegenden Bauernhof verfrachtet, wo tatsächlich noch Menschen in Ruhe leben, die Carl auch wieder gesund pflegen. Auch Rick und die übrigen Überlebenden dürfen auf dem Hof ihre Zelte aufschlagen und ihre hungrigen Mägen füllen. Plötzlich scheint alles vergessen, denn die Idylle des Farmhauses strahlt eine herrliche Ruhe aus und steht im krassen Gegensatz zu den derzeitigen Ereignissen in den großen Städten. Doch der Schein trügt, denn als Rick und seine Mannschaft gegen den Willen des Farmbesitzers einen Blick in dessen abgesperrte Scheune werfen, stellen sie fest, dass man doch nicht so alleine ist, wie man es sich anfangs erhofft hatte …

_Meine Meinung_

Robert Kirkman hat sich nach dem guten Start im ersten Teil mit „Ein langer Weg“ noch einmal gehörig steigern können. Wirkte der Auftakt noch wie eine indirekte Hommage an die großen Zombie-TV-Produktionen aus den Siebzigern und Achtzigern, hat der Autor mittlerweile seinen eigenen Stil gefunden, welcher der fortlaufenden Geschichte auch wesentlich besser zu Gesicht steht als die vielen abgekupferten Inhalte aus dem vorangegangenen Sammelband. Zudem ist es Kirkman diesmal auch noch besser gelungen, die bedrückte Stimmung innerhalb der flüchtenden Gruppe samt ihrer Ängste zu beschreiben. Werden viele Zombie-Geschichten noch mit einem bitterbösen, ironischen Unterton begleitet, der nicht selten auch noch mit einem gewissen schwarzen Humor einhergeht, ist die Lage hier wirklich auch so ernst dargestellt, wie der Kampf ums nackte Überleben in einer solchen Situation real wäre. Es gibt keine Beschönigungen, keine dummen Sprüche und erst recht keine aufgesetzt heiteren Momente, die den Inhalt ad absurdum führen könnten, sondern einfach nur einen gradlinigen, konsequenten und in seiner Wirkung schon fast beängstigenden Plot, dessen Stärken (und das will bei einer Horror/Fantasy-Handlung schon etwas heißen) in der Authentizität der Erzählung liegen.

Kirkman beschreibt in der rasant vorwärts getrieben Handlung die verschiedenen Emotionen, die mit der Angst vorm Tod bzw. mit der Auseinandersetzung mit dem plötzlichen Ableben nahe stehender Personen verbunden sind, und lässt diese von seinem Zeichner Adlard auch gekonnt illustrieren. In diesem Punkt kann der Mann dann übrigens auch überzeugen, wohingegen die von ihm gezeichneten Figuren manchmal etwas sehr grob eingefangen werden.

Doch zurück zur Handlung: Emotionen sind in „Ein langer Weg“ sehr vielfältig beschrieben. Nächstenliebe und Konkurrenzkampf stehen sich hier immer wieder gegenüber und treiben die einzelnen Charakteren in ihrer nackten Angst auch ständig zu unmenschlichen Zügen an. Der Wille, dem anderen zu helfen, ist bei jedem Betroffenen vorhanden, doch erst in Extremsituationen zeigt sich, dass letztendlich doch nur jeder um seine eigene Haut kämpft. Besonders offensichtlich wird dies in der Person des Farmbesitzers Hershel repräsentiert, als dieser sich am Ende nicht mehr bereit zeigt, seinen sicheren Lebensraum mit seinen Mitmenschen zu teilen, obwohl er hierdurch ihr Weiterleben – zumindest für einen überschaubaren Zeitraum – sichern könnte.

Die Fehden untereinander spielen im zweiten Band dann auch eine recht große Rolle. Lange bestehende Freundschaften werden auf eine harte Probe gestellt, das eigene Verantwortungsbewusstsein gerät auf den Prüfstand, und selbst die Ehe zwischen Rick und seiner Frau scheint aus den Fugen zu geraten, als sich andeutet, dass das ungeborene Kind vom umgekommenen Shane stammen könnte. Die Gruppe lebt jedoch von diesen Konflikten und gewinnt fast ausschließlich durch die hieraus resultierenden unkonventionellen Umgangsformen mit ihrer jeweiligen Lage wieder an Zuversicht für den nächsten Tag. Jeder ist sich darüber im Klaren, dass ihre Mission bereits am folgenden Tag zu Ende sein kann, und die dabei mitschwebende Panik wird von Kirkman auch auf erstklassige Art und Weise beschrieben – wenn auch in einer äußerst subtilen Form. Ganz große Klasse.

Fassen wir also zusammen: Kirkman hat die Story in „Ein langer Weg“ absolut spitzenmäßig weiterentwickelt und dem Kampf gegen die Untoten auch weiteren, sehr erfrischenden Nährboden gegeben, indem er den direkten Kampf gegen die Zombies durch eine intensivere Auseinandersetzung mit den inneren Spannungen in der Gruppe der Überlebenden ersetzt. Kirkman geht mehr auf das Seelenleben der angsterfüllten Flüchtlinge ein und widersetzt sich so auch geschickt den gängigen Klischees der plumpen Zombie-Geschichten. Zudem finden die Dialoge auf einem übermäßig hohen Niveau statt und sind selbst dann noch tiefsinnig, wenn die überschwingenden Emotionen schon einmal verbal unter die Gürtellinie gehen. Summa summarum sind es also nur die etwas groberen Zeichnungen, die negativ ins Gewicht fallen, letztendlich aber auch von der superstarken Handlung wieder gänzlich geschluckt werden. Fans der Zombie-Thematik werden diesen üppigen Sammelband wahrscheinlich schon kennen und ggf. auch besitzen. Sollte dies noch nicht der Fall sein, empfehle ich dringend, den bisher erschienenen beiden Bänden etwas Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und sich anschließend die jeweils 16 € für die üppig bestückten Bücher aus der Geldbörse zu kratzen. So viel Spaß haben Zombie-Comics jedenfalls noch nie gemacht – trotz des sehr ernsten Untertons!

http://www.cross-cult.de

Shocker, Dan – Deborah (Larry Brent, Band 32)

Mit diesem Band wurden die beiden Heftromane Nr. 91 „Im Schloss der teuflischen Deborah“ und Nr. 93 „Wenn die Knochenmänner tanzen“ aus der gleichnamigen Serie des |Zauberkreis|-Verlages nachgedruckt.

_Im Schloss der teuflischen Deborah_

Der spleenige Milliardär Wimburn lässt sich ein echtes Spukschloss aus Großbritannien nach Florida importieren, nicht wissend, dass er damit den Fluch der teuflischen Deborah mit übernimmt. Denn in den Gewölben des alten Schlosses steht ein Kiste mit alten Gemälden, welche ebenfalls nach Amerika gebracht wird. Ausgerechnet der Sohn und die Tochter Wimburns finden das Bild der teuflischen Deborah, dessen mörderischer Geist mit einem großen Holzkreuz in das Gemälde gebannt wurde. Die Jugendlichen nehmen das Kreuz ab und bahnen dem Geist Deborahs den Weg. Der Schrecken beginnt …

Eine klassische Gruselgeschichte erwartet den Leser, welche Dan Shocker nicht in Großbritannien ansiedelte, sondern in Amerika. Doch dem Autor gelingt es wieder meisterhaft, eine unheimliche und gruselige Stimmung aufzubauen. Der mordende Geist, der aus dem Bild steigt, und die stimmungsvolle Vorgeschichte machen diesen Roman zu einem echten Leckerbissen für Larry-Brent-Fans. Die Schwester des PSA-Agenten, Miriam, hat ebenfalls einen kleinen Auftritt erhalten, auch wenn ihr Part recht unmotiviert erscheint. Es wirkt so, als ob ihre Rolle nur dazu diente, ihren Bruder zu informieren, der aber spätestens durch den ersten Mord sowieso Kenntnis von den Ereignissen auf Manor-Castle erhalten hätte. Aber den Reiz dieser Geschichte macht vor allem der mordende Geist der teuflischen Deborah aus, der aus einem Gemälde steigt, welches die einstige Schlossherrin eigens zu diesem Zweck anfertigen ließ. Verstärkt wird diese Gruselstimmung, wenn man sich vor Augen hält, wie echt und gespenstisch alte Gemälde im Zwie- oder Dämmerlicht wirken. Diesen Umstand hat sich der Schriftsteller zu Nutze gemacht, um den Nerv des Lesers zu treffen.

_Wenn die Knochenmänner tanzen_

Die PSA-Agenten Larry Brent und Morna Ulbrandson sollen das Verschwinden eines spanischen Geheimagenten klären, der seinerseits auf der Spur mysteriöser Vermisstenfälle war. Durch Zufall entdecken die Ermittler in einem Zigeunerdorf einen verwirrten deutschen Touristen, der auf der Suche nach seiner toten Frau ist. Das Paar hatte in einem verlassenen, alten Berghotel übernachtet. Als Larry und Morna sich dort einquartieren, ahnen sie nicht, dass sie bald selber zum Mittelpunkt gespenstisch tanzender Skelette werden sollen …

In der zweiten Story verschlägt es die PSA-Agenten nach Spanien, wo lebende Skelette ihr Unwesen treiben. Gemischt mit ein wenig PSI-Horror, kreierte der Autor wieder einen schnörkellosen Gruselroman. Den wohligen Schauder des Gruselns erlebt der Leser vor allem, wenn die unheimlichen Gestalten um das Bett ihres armen Opfers tanzen, um es mit riesigen Fleischermessern zu ermorden. Jeder, der Zeuge dieses grausigen Geschehens wird, fällt selbst den Klingen der Untoten zum Opfer.

Der Roman lässt sich flüssig und rasant lesen und weist nur kleine Längen auf. Das Finale kommt sehr abrupt und wird zum Teil in Rückblicken erzählt, verliert dabei aber nichts von seiner Spannung.

Beide Geschichten beweisen das unglaubliche Erzähltalent des Schriftstellers, dessen Romane auch nach 23 Jahren nichts von ihrer Faszination verloren haben, was nicht zuletzt auch an der professionellen Überarbeitung liegen dürfte.

Vervollständigt werden beide Werke von den Innenillustrationen Pat Hachfelds, der sich eigens für diese Geschichten zu zwei gelungenen Werken inspirieren ließ. Das Titelbild des Buches zeigt das Original-Cover des Larry-Brent-Heftes Nr. 91 von Lonati und macht den Band zu einem echten Blickfang.

Fazit: Gelungene Gruselgeschichten in einem modernen Gewand.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

Doug Allyn – Schwarzwasser

Huron Harbor ist ein kleines Städtchen am Ufer des Michigan-Sees. Hier führt Michelle Mitchell, ehemalige Berufstaucherin, das Restaurant „Krähennest“ und einen kleinen Laden für Tauchsportgeräte. Weil das Geschäft nur mäßig läuft, verdient sie sich gern ein paar Dollar dazu, wenn es darum geht, auf dem Grund des Sees nach verlorenen Bootsmotoren oder Ausrüstungsgegenständen zu fahnden – oder nach den Leichen allzu wagemutiger Süßwassermatrosen.

Dieses Mal ist es ein versunkenes Auto, das im schwarzen Wasser des Odawa Rivers entdeckt wurde. Es ist beladen mit Gepäck, aber ohne Fahrer – und Michelle hat es bereits gesehen. Einige Tage zuvor war Jimmy Calderon ins „Krähennest“ gekommen, um sie nach Owen McClain, einem örtlichen Geschäftsmann, auszuhorchen. Der ist angeblich sein Bruder, wie wenig später Ray Calderon verkündet, der auf der Suche nach seinem Halbbruder just in Huron Harbor eintrifft, als dessen Wagen aus dem Wasser gezogen wird.

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Arne Sommer – Peter Lundt und die Rache des Drachen

Peter Lundt spielt schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, sein heruntergekommenes Büro mal grundlegend zu renovieren bzw. sich einen neuen Ausgangspunkt für seine Ermittlungen zu leisten. Doch es fehlt an lukrativen Aufträgen und dem dazugehörigen Honorar. Da kommt ihm der bestürzte Zahntechniker Hans Drachmann gerade recht.

Arne Sommer – Peter Lundt und die Rache des Drachen weiterlesen