Bionda, Alisha / Kleudgen, Jörg – Blutopfer (Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik, Band 4)

Dilaras Suche nach ihren eigenen Wurzeln findet durch ein Ereignis im London des Jahres 2005 eine neue Richtung: Im British Museum weckt eine Exhibition mit dem Thema _Versunkenes Aztlan, die Urheimat der Azteken_ das Interesse der Vampirin. Eine dort ausgestellte Mumie verursacht eine gewisse Unruhe, aber auch Vertrautheit in Dilara, die sie sich anfänglich noch nicht erklären kann.

Langsam aber sicher kommen die Erinnerungen wieder an eine Expedition im Jahre 1891, die Dilara damals zusammen mit dem Archäologen Roger Gallet unternommen hat: Der charmante Abenteurer ist von der dunkelhaarigen Schönheit fasziniert und zeigt sich begeistert, als sie bereitwillig einer Forschungsreise nach Mexico zustimmt. Dies geschieht aber auch nicht ohne gewissen Eigennutz seitens der Schönen, denn sie teilt zwar Gallets brennendes Interesse an den Azteken, die wahren Beweggründe sind jedoch anderer Natur – sie fühlt sich in gewisser Weise zu diesem Volk hingezogen. Da das Reiseziel die sagenumwobene Stadt Aztlan sein soll, ergreift Dilara sofort die Gelegenheit, sich diesem Unternehmen anzuschließen. Die Reisegruppe zeigt sich im Endeffekt auch erfolgreich; tatsächlich finden sie die verborgene Urheimat der Azteken; dennoch endet das Unternehmen in einer Katastrophe.

Sie landen mitten in den Wirren eines brutalen Opferungsrituals, sie werden überwältigt und getrennt. Die verschiedenen Priester der einzelnen aztekischen Gottheiten stehen in einem gnadenlosen Clinch, der von zahlreichen Menschenopfern begleitet wird. In Strömen fließt das Blut – was unserer Vampirin nicht wirklich zuwider ist; auch die mordenden Priester in dieser fast schon unwirklichen Welt scheinen ihr vertraut, als würden sie zu ihrer Art gehören – dennoch fühlt sie sich emotional dazu verpflichtet, ihrem Begleiter Roger Gallet aus dieser Misere zu helfen und ihn vor dem sicheren Tod zu bewahren.

Interessanterweise möchte Unvaale, der Hohepriester der Gottheit Tonatiuh, die Blutsaugerin bei ihrem Unterfangen unterstützen. In seinem Interesse liegt es, die Göttin Coyolxa zu stürzen, die auch den Archäologen gefangen hält, und dabei den legendären Sonnenstein zu erbeuten, der die Wiedererweckung der Gottheit Tonatiuh ermöglichen soll. Mit Unvaales Hilfe schafft Dilara es in der Tat, in das Reich der Coyolxa einzudringen und wird mit dieser auch letztendlich konfrontiert.

Die Auseinandersetzung ist unausweichlich, Dilara greift zu einem riskanten Mittel, um Roger Gallet aus den Klauen der untoten Göttin zu befreien – doch auch eine riesengroße Überraschung wartet mit der Demaskierung des geheimnisvollen Unvaale auf die Vampirin …

Während sich Dilara also stückchenweise an die Ereignisse im ausgehenden 19 Jahrhundert erinnert, kommt es auch im modernen London zu einigen Neuerungen. Noch immer wollen die Blutsaugerin und ihr Gefährte Calvin die Schattenchronik in ihre Hände bekommen, um endlich Licht in einige dunkle Nischen zu bringen. Als ideale Schlüsselperson scheint sich der noch immer sein Unwesen treibende Roderick alias John George Haigh, der Vampir von London, anzubieten. In der Tat fällt diese tragische Bestie ihrer tiefen Sehnsucht nach Dilara zum Opfer. Sie verführt den Liebestollen, während Calvin – nicht wirklich begeistert von dieser Methode – die Schattenchronik entwenden kann.
Fast schon zu einfach nach dem Geschmack des Vampir-Paares. Zu allem Überfluss stellt sich heraus, dass der Inhalt der Chronik in einer Art Verschlüsselung durcheinander geworfen wurde, somit nahezu unbrauchbar ist.

Neben dieser Errungenschaft tun sich auch einige neue Schwierigkeiten auf: Guardian, der bisher hilfreiche Anführer der Cemeteries, scheint seine eigenen Pläne verwirklichen zu wollen – sein spezielles Interesse an Dilara nimmt präzisere Züge an, schürrt aber auch das Missfallen Calvins. An die Fersen Rodericks/Johns hat sich dessen ehemaliger Freund Greg Lane geheftet, denn dieser begreift mittlerweile, dass ein direkter Zusammenhang zwischen dem Verschwinden seines Kumpels, der schwarzhaarigen Schönheit aus der Galerie des Apsley House und den abartigen Mordfällen in London besteht. Gregs neuer Kollege Mick Bondye ist ein seltsamer Zeitgenosse, der auch einiges mehr über diese Geschehnisse zu wissen scheint, als er offen zugibt. Sein besonderes Interesse gilt dem Brompton Cemetery. Somit finden sich auf diesem Friedhof einige undurchsichtige Personen ein, die Handlung spitzt sich langsam zu.

Während Dilaras Erinnerungen immer mehr und mehr von den Ereignissen in Aztlan eingenommen werden, steht auch eine endgültige Auseinandersetzung mit Antediluvian kurz bevor. Die Schicksale einiger weiterer Personen werden in diesen Tagen ebenfalls besiegelt …

Mit dem vierten Band wird ein neuer Kunstgriff der Schattenchronik-Serie eingeführt – Alisha Bionda und Jörg Kleudgen widmen sich in Co-Arbeit dieser neuen Facette der Vampirin Dilara.

Während Alisha im London des Jahre 2005 verweilt und die aktuellen Ereignisse um den aufkeimenden Konflikt der Nosferati weiterverfolgt, reist Jörg mit uns in das 19. Jahrhundert in die geheimnisvolle Stadt Aztlan; zwischendrin wird auch noch ein kurzer Sprung in die Anfänge dieser Stadt um 1569 gewagt. Die Autoren haben einige tiefgreifende Recherchen u.a. zu den Azteken angestellt, denn die erwähnten Gottheiten und Rituale entsprechen in der Tat zum größten Teil den dokumentierten Fakten.

Die beiden Handlungsstränge um Aztlan und London laufen parallel ab, ohne den gemeinsamen Faden zu verlieren. Wie Dilara selbst wird der Leser schrittchenweise in die Vergangenheit entführt, er durchlebt die einzelne Zeitsprünge, viele Fragen werden endlich geklärt, dafür aber auch neue Fragen aufgeworfen, auf deren Antworten wir in den Folgebänden gespannt sein dürfen.

Im Ganzen ist diese Geschichte auch die bisher brutalste und blutigste Folge der Schattenchronik-Serie; selbst Dilara gibt hier einige fast schon beängstigende Charakterzüge zur Schau – im Angesicht ihrer Erinnerungen entwickelt sie eine hemmungslose Mordlust, die ihrem „normalen“ Blutdurst nicht mehr wirklich entspricht. Einige uns bereits bekannte Charaktere bekommen eine zusätzliche Tiefe, während neue Personen in die Handlung eingeführt werden, wie z. B. der mysteriöse Cop Mick Bondye.

Vor allem das schicksalhafte Finale am Ende dieser aufregenden Horror-Symphonie endet mit einem mächtigen Paukenschlag, der leider dann auch so abrupt ist, dass man ohne den nächsten Band „Der Schattenkelch“ (interessanterweise sollte dieser mal ursprünglich den Titel „Der Gralsorden“ tragen, wie man der Vorschau entnehmen kann) so ziemlich in der Luft hängt. Dennoch sollte man aber vor der Lektüre des kompletten Buches nicht den Klappentext des Folgebandes lesen, sonst geht dem neugierigen Leser leider eine große Überraschung verloren, was allemal schade wäre …

Natürlich haben auch auch Mark Freier und Pat Hachfeld wieder ihre meisterlichen Leistungen zu diesem Werk geliefert. Marks Titelbild, bedrohlich und beängstigend, absolut passend zum Flair der Handlung – als Thema dient hier die Vision Calvins von der blutgierigen Göttin des Mondes und ihren Anhängern vor einer Wand aus menschlichen Schädeln. Pat leitet wie gewohnt die Kapitel mit seinen düsteren Zeichnungen ein, mal erotisch (wie im ersten Kapitel), mal morbide oder symbolisch, das wichtige i-Tüpfelchen zum Gesamtbild.

Abschließend bleibt mir nur noch zu sagen, dass ich mich schon auf Band 5 freue, welchen ebenfalls dieses meisterliche Duo in gemeinsamer Arbeit verfasst hat. Mit Band 4 ist ihnen bereits etwas Grandioses gelungen …

http://www.blitz-verlag.de/

Brian Hodge – Rune

Das geschieht:

Mount Vernon, ein Städtchen irgendwo im US-Staat Illinois, Ende der 1980er Jahre: Viel tut sich nicht hier in der Provinz, was vor allem die Jugend frustriert. Wie ihre Altersgenossen vertreiben sich die Freunde Chris Anderson, Rick Woodward und Phil Merkley die letzten Monate vor dem College mit Ferienarbeit und abendlichem Herumhängen. Letzteres findet gern in einem abgelegenen Hain an den Ufern eines kleinen Sees statt, den die Freunde „Tri-Lakes“ nennen. Hier lässt es sich faulenzen und ungestört saufen, hierher kann man auch die Freundin zum Fummeln mitbringen.

Doch eine eigentümliche Stimmung lastet auf Tri-Lakes. Nichtige Anlässe führen zu erbitterten, gewalttätigen Auseinandersetzungen. Seltsame Unfälle geschehen. Eines einsamen Abends stürzt Chris gar ein seltsam aussehender Mann vor den Wagen, der sich bei der Autopsie als sechs Tage alte Wasserleiche erweist! Brian Hodge – Rune weiterlesen

Hans Joachim Alpers (Hg.) – Gefährten der Nacht

Alpers Gefährten der Nacht Cover kleinIn zwölf Storys gehen keine Gespenster oder Werwölfe um; thematisiert werden die traumhaften, surrealen Seiten der Phantastik, die sich oft hart an der Grenze zur psychischen (Selbst-) Täuschung selbst im Rahmen der selbst geschaffenen Welten einer ‚logischen‘ Erklärung entziehen; während die angelsächsischen Texte mindestens überzeugen, fallen die deutschen Kurzgeschichten deutlich ab. Hans Joachim Alpers (Hg.) – Gefährten der Nacht weiterlesen

Shocker, Dan – Bluthände (Larry Brent, Band 5)

In diesem Buch sind die beiden Larry-Brent-Heftromane „Der Fluch der blutenden Augen“ und „Die Bestie mit den Bluthänden“ enthalten.

_Der Fluch der ‚blutenden Augen’_

Als Larry Brent im Zuge seines London-Urlaubes eine Fahrt mit einer Geisterbahn macht, ahnt er noch nichts Böses. Auch nicht, als eine schöne Inderin sich zu ihm in den Wagen setzt. Als die Inderin aber während der Fahrt scheinbar an einem Herzinfarkt stirbt, wird der Agent misstrauisch. Dass der Taxifahrer, von dem sich Larry zu seinem Hotel chauffieren lässt, einen Mordanschlag auf ihn verübt und der Agent in seinem Hotelzimmer von einem Inder überfallen wird, vergällt Larry endgültig seinen Erholungsurlaub. An einen Zufall mag der PSA-Agent nicht glauben und er behält Recht. Dummerweise ähnelt der Amerikaner einem Indienforscher bis aufs Haar und dummerweise hat eben jener Forscher aus einem Tempel der Blutgöttin Kali wertvolle Diamanten entwendet. Der Anführer einer Sekte, ein einflussreicher Londoner Geschäftsmann indischer Herkunft, überwältigt Larry und lässt ihn nach Indien überführen, um den vermeintlichen Frevler den Göttern zu opfern. Keine guten Aussichten für X-Ray-3 …

Der Roman beginnt sofort mit einer unheimlichen Szene in einer Geisterbahn und setzt sich fort in einer Aneinanderreihung rasanter Action-Sequenzen. Gekonnt schafft es Dan Shocker, dem Roman die nötige Portion Gruselatmosphäre zu verleihen, und schickt seinen Agenten in sein erstes Abenteuer ohne Auftrag. Über die Wahrscheinlichkeit, dass Larry gerade zu dem Zeitpunkt Urlaub in London macht, wo eine dämonische Sekte nach einem Forscher fahndet, der zufällig genauso aussieht wie Larry, sollte man sich nicht allzu viele Gedanken machen. Immerhin gehört die Serie zur Unterhaltungsliteratur und diesen Anspruch erfüllt der vorliegende Roman allemal. Die indische Mythologie bietet dabei ein interessantes Betätigungsfeld und Larrys Reise, eingeschlossen in einer engen Kiste, kann zarten Gemütern durchaus klaustrophobische Gefühle vermitteln, so eindringlich beschreibt der Autor die Misere seines Helden. Die Dialoge sind realitätsnah und die Charaktere glaubhaft. Rasmandah, der Sektenführer, ist ein interessanter und fieser Bösewicht, wie er im Buche steht, und ein würdiger Gegner des PSA-Agenten.

Insgesamt gesehen ein spannender, kurzweiliger Gruselromanen mit kleinen Schwächen.

_Die Bestie mit den Bluthänden_

PSA-Agent Mike Burtin, alias X-Ray-16, ist verschwunden. Der Spezialagent hatte den Auftrag, in Rostrenen, Frankreich, geheimnisvolle Morde zu untersuchen. Um nachfolgende Tötungen und das Verschwinden seines Kollegen zu klären, wird Larry Brent an den Ort des Geschehens geschickt.

Kurz nachdem X-Ray-3 die Ermittlungen Burtins übernommen hat, findet er in einem verlassen Gehöft ein weiteres Opfer der Bestie und eine Frau, die dem Wahnsinn anheim gefallen ist.

Bei zweien der Opfer wird ein so genannter Quipu entdeckt, eine Knotenschnur, welche die alten Azteken zur Übermittlung geheimer Botschaften nutzten. Die Spur führt zu dem Privatgelehrten Henry Blandeau, der sich sehr für die aztekische Kultur interessiert und sich in seinem abgelegenen Haus eine eigene Welt mit Artefakten und Skulpturen der Azteken und Inkas eingerichtet hat.

Was hat der alternde Franzose mit den grauenhaften Morden zu tun? Die Rätsel werde immer größer und der PSA-Agent muss alles Register seines Könnens ziehen, um Licht in das Dunkel zu bringen …

Der Roman lebt von der unheimlichen Stimmung, die Dan Shocker durch die gruselige Kulisse erzeugt. Der Killer bleibt die gesamte Geschichte über eine namenlose, unsichtbare Bedrohung und bekommt erst zum Ende hin ein Gesicht. Doch die Bestie mit den Bluthänden ist nicht der einzige Verbrecher und darüber hinaus bekommt es Larry mit den Abgründen der menschlichen Seele zu tun, als ein Geschäftsmann seine Frau in den Wahnsinn treiben will. Die Dialoge sind realistisch, auch wenn sie das eine oder andere Mal ein wenig lang und ermüdend ausgefallen sind. Ansonsten erwartet den Leser ein Gruselkrimi par excellence, mit einer undurchsichtigen Handlung. Der Autor schafft es, die Spannung trotz ausgedehnter Dialoge konstant aufrecht zu erhalten und den Leser bei der Stange zu halten.

Auffallend ist bei diesem Roman, dass die weiblichen Agenten beispielsweise die Bezeichnung X-G-C tragen und nicht wie in späteren Romanen X-Girl-C.

Pat Hachfeld hat hervorragende Arbeit geleistet und zwei stimmungsvolle Illustrationen zu den Storys entworfen, wohingegen das vielfarbige Cover, welches schon den Original-Roman „Die Bestie mit den Bluthänden“ zierte, ein wenig verloren vor dem schwarzen Hintergrund wirkt und das Motiv trotz Totenschädels und den blutigen Händen sehr klischeehaft rüberkommt.

Das Buch präsentiert zwei klassische Dan-Shocker-Romane, bei denen dem Fan der eine oder andere Schauer über den Rücken fahren wird. Den beiden Geschichten merkt man besonders das hervorragende Lektorat an, welches so manchen Patzer aus dem Original nachträglich ausgebügelt hat. Die alten Storys wurden so modernisiert, ohne dem Stil des Autors und dem Lesespaß zu schaden.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

Ciencin, Scott – Stunde des Schurken, Die (EverQuest, Bd. 1)

Während in der Stadt Qeynos ein Schurke ohne Vergangenheit und Gedächtnis ein Mädchen vor Räubern rettet, kämpft an den Gestaden der Küste Kerras ein Ritter der Tiefe gegen ein monströses krakenhaftes Wesen.

Der Name des Ritters ist Uaeldyn; verstoßen von seinem Volk, den Eruditen, entehrt, weil er zuließ, dass die Knochen des Drachen aus seiner Obhut gestohlen wurden, führt der Paladin einen einsamen Kampf gegen das Böse und gegen seine inneren Dämonen. Nun ist aber der Zeitpunkt gekommen, da er seine Schmach tilgen kann, wenn es ihm gelingt, die Reliquien wiederzubeschaffen und so zu verhindern, dass sich der Drache am Ende der Welt erhebt. Dazu muss er drei Männer überzeugen, ihn zu begleiten, womit wir wieder bei dem Schurken sind.

Er ist einer der Auserwählten; allerdings weiß er noch nichts von seinem Glück. Kaum dass er seinen Namen, Rileigh, in Erfahrung bringen konnte, hat er alle Hände voll zu tun, um in Qeynos zu überleben, denn das gerettete Mädchen, Bronwynn, zeigt schon bald ihre hässliche Fratze und Schergen des Ordens der Blutsäbel, ein grausamer Magier und ein verderbter Schattenritter, wollen ihn in ihre Gewalt bekommen. Zwar gelingt ihm die Flucht in die Unterwelt der Stadt, in eine Schurken-Gilde, doch auch hier ist sein Leben bedroht. Daher ist es für ihn keine Frage, den Paladin zu begleiten, als dieser ihn bittet.

Uaeldyn konnte zwischenzeitlich zwei weitere Streiter gewinnen: aus den Nordlanden den jungen Barbaren-Schamanen Connor Tenglass und vom Volk der Zwerge den bärbeißigen, legendären Helden Bracken Unterfuß.

An Bord der |Aegis| machen sich die Helden auf den Weg. Doch die Reise steht unter keinem guten Stern. Piraten und skrupellose Handelsherren sind dabei das kleinere Problem, denn an Bord scheint sich ein Diener des Drachen zu befinden, der mehr über Rileighs Vergangenheit weiß, als diesem lieb ist, und der geheimnisvolle Botschaften überall auf den Schiff hinterlässt. Wachsendes Misstrauen droht die Gruppe zu entzweien und dann beginnen die Tiere an Bord zu sterben.

Ein Vorwort, welches der Gott der eintönigen Roman-Zyklen, R. A. „Kennst du einen, kennst du alle“ Salvatore, daselbst verfasst hat und in dem er sich über seine eigenen Erfahrungen mit dem „Massive Multiplayer Online Rolegamig Game“ EverQuest auslässt, macht tatsächlich Heißhunger auf diesen Roman; und es gelingt Scott Ciencin auf den ersten knapp 60 Seiten, diesen Hunger noch weiter anzuheizen. Die drei zentralen Charaktere dieses ersten Abschnitts – Rileigh, Bronwynn, Uaeldayn – erscheinen interessant und geheimnisvoll, ihr Auftritt wird vom Autor fantasievoll und vor allem sehr anschaulich in Szene(n) gesetzt.

Mit dem Auftauchen der Blutsäbel ändert sich jedoch der positive Eindruck fast schlagartig. Die Handlung wirkt zunehmend konfus, entwickelt sich nicht zwingend weiter. Wie in einem schlecht geschnittenen Film, machen es abrupte Szenenwechsel, fehlende, logische Anschlüsse dem Leser schwer, einem roten Faden zu folgen. Beispiel gefällig? Eben noch sind die Recken zusammen mit zahlreichen Matrosen und eingesammelten Schiffbrüchigen auf der |Aegis|, wo Uaeldyn mit Mühe und Not Kapitän Prentice davon überzeugen kann, die Fahrt fortzusetzen, im nächsten Moment befinden sich die Helden und vier weitere Ritter der Tiefe an Bord der |Klinge des Cazic|, ohne dass das „Wieso“, „Weshalb“, „Warum“ erklärt wird. Es ist, als hätte irgendjemand mit einem imaginären Rotstift ganze Kapitel ausradiert.

Je länger der Roman dauert, desto trüber entwickeln sich auch die Charaktere. Jene, die neu auftauchen, sind von Anfang an entweder stereotyp, klischeehaft – wie der Barbar, der Zwerg, die Bösen Buben der Blutsäbel -, oder völlig unberechenbar, d.h. sie agieren ohne nachvollziehbare Beweggründe inkohärent. Okay, zwei dieser Figuren sind wahnsinnig, aber welche Entschuldigung hält der Autor für den Rest parat?

Selbst der Hauptprotagonist, Rileigh, bleibt von dieser qualitativen Erosion nicht verschont. Irgendwann beginnt es zu nerven, dass ihm trotz seiner Erinnerungslücken alles geradezu spielerisch gelingt. Zudem fragt sich der Leser, inwiefern dieser Gutmensch, dem der Mord an einer Unschuldigen schlaflose Nächte bereitet und der holde Maiden in einer dunklen Gasse zu Hilfe eilt, überhaupt dem Charakterprofil eines Schurken gerecht wird.

Ein letzter großer Schwachpunkt des Romans besteht darin, dass der Leser kaum etwas über die Welt von EverQuest, die Örtlichkeiten, die Kulte, Rassen und Klassen erfährt. Für einen Einstiegs-Roman, welcher den Leser auf eine fantastischen Reise einladen möchte, ist es definitiv zu wenig, diese Dinge einfach nur zu nennen. In diesem Zusammenhang ist auch das Fehlen einer Karte, welche die wichtigsten Regionen und Städte abbildet, mehr als bedauerlich.

Fazit: Ein in vieler Hinsicht schwacher Sword&Sorcery-Roman, der weder die Erwartungen von |EverQuest|-Spielern noch von Fantasy-Fans auch nur ansatzweise erfüllen kann. Nicht empfehlenswert.

© _Frank Drehmel_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|

Ertner-Knittel-Vojvoda GbR / MM-Redaktion – Multi-Mania 8

Schon das Covermotiv ist große Klasse und macht Lust auf diese Ausgabe der MULTIMANIA, an deren Bord Mikis Wesensbitter den Leser wieder willkommen heißt. Er bietet mit der Multimania-Crew allen eine Reise in die Weiten der multimedialen Welt. Ich kann nur raten: Folgt ihm! Dieses Magazin ist große Klasse!

Auf Seite 4 werden wieder Fragen an das MM-Team gestellt, die einen weiteren Einblick erlauben, wer hinter den „Machern“ steckt. Gute Idee und höchst amüsant! Der richtige Einstieg also, um sich „warmzulesen“. Sozusagen als kleine Lockerungsübung vor der Informationsflut, die über den geneigten Leser hereinbricht und von der man sich nur allzu bereitwillig mitreißen lässt. Und Mikis verspricht in seinem Vorwort nicht zu viel!

Die Titelstory zum neuen Spiele-Highlight „Guild Wars: Factions“ ist in der Tat phantastisch und bildgewaltig. Aus ihr entstammt auch das von mir bejubelte Covermotiv. Christoph Wulf verfasste einen informativen Artikel über die Stand-Alone-Erweiterung von |ArenaNets| und |Ncsofts| preisgekröntem Online-Rollenspiel „Guild Wars“, das auch noch gebührenfrei daherkommt. Was will man mehr?

Weiter geht‘s mit Movie- und DVD(-short)-NEWS. Und ausführlicher wird’s dann in den KOLUMNEN über „Ab in die Ewigkeit“, dessen blutige Effekte das Herz eines jeden Splatterfreaks zum schnelleren Schlagen bringen sollen. In „Im Schatten des Grauens“ geht es laut Mikis Wesensbitter, von ihm wieder urkomisch verfasst (ich oute mich mal, da könnte ich ja stundenlang auch etwas über den Wetterbericht lesen), um den aberwitzigsten Film, den man gesehen haben soll. Ein Feuerwerk der guten Laune (wie die Wesensbitter-Kolumnen).

NEW ON DVD bietet wieder gute Infos über das, was neu auf dem DVD-Markt ist. U.a. „Godzilla – Final Wars“, „Amitville – Der Fluch kehrt zurück“, „Train of the Dead“, „Drive“, „Preacher – Der Haschpapst“ …

REVIEWS DVD ist erfrischend abwechslungsreich. Ob nun „American Teen“, „Auch Schildkröten können fliegen“, „Bonanza-Season2“, „Der Killer von Wien“, „Für alle Fälle Fitz – Season 1“, „Im Auftrag der Liebe“, „Kir Royal – Jubliläums-Edition“, „Nicht von dieser Welt“, „Wer tötet Bambi“, „Zombie Town“ und viele mehr – Reviews auf satten neun Seiten!

In SPECIAL KINO gibt es dieses Mal u. a. etwas über „Mission Impossible III“, den aktuellen Tom-Cruise-Film. Ich gebe zu, ich habe meine Probleme mit dem Schauspieler, aber das tut nichts zur Sache; in dem Artikel der MM kommt der Film gut weg – vom Unterhaltungswert her. „Silent Hill“, eine Videospiel-Verfilmung, findet ebenfalls Erwähnung. Die Charaktere des Films orientieren sich dabei grob an denen des ersten SILENT HILL-Videospiels, die Story ist jedoch eine etwas andere als die im Game. Den von Quentin Tarantino produzierte Gewaltstreifen „Hostel“ (Buch und Regie Eli Roth) für eingefleischte Splatter- und Gore-Freaks bekommen wir ebenfalls vorgestellt.

SPECIAL DVD berichtet über das 2-DVD-Set „Der Fluch der Fliege“ und „Die Fliege 2“ sowie „Das Imperium der Wölfe“, einen verworrenen Verschwörungsthriller mit unglaubwürdiger Story. In „Masters of Horror“ haben dreizehn der besten Regisseure aus dem Horrorfilmgenre jeweils eine ca. einstündige Folge der Horror-Anthologie inszeniert und sind dabei aufwendig, blutig und ohne jegliche Einschränkungen vorgegangen. In Deutschland werden nun jeweils 2 Folgen auf einer DVD angeboten.

REVIEW KINO stellt „Firewall“, einen Film rund um einen Computer-Coup mit Harrison Ford, vor, der wohl schnell zum Langweiler wird. Auch „V wie Vendetta“ schneidet nicht wirklich gut ab. Ebenso „Vincent“, eine Story aus der Sicht eines psychisch angeschlagenen Menschen.

NEWS & REVIEWS MUSIK stellt u. a. die OOMPH!-CD „GlaubeLiebeTod“ vor. Martin Lips sprach mit Michael Roth, dem Sänger von EISREGEN, deren Texte wahre Blutorgien und deren Musik reinster Black Metal sind.

In NEWS GAMES berichtet Sven Siemen über Wissenswertes aus dem Spielbereich.

In der Mitte des Magazins befinden sich zwei Poster; u.a. eines von „Guild Wars“ – klasse!

SPECIAL GAME informiert u. a. über „Black“, an dem Shooter-Freunde nicht vorbeikommen, und „Call of Cthulhu – Dark Corners of Earth“, mit Spannung und Atmosphäre, besonders für Fans des Lovecraft-Mythos‘, „Pathologic“, mit überzeugendem Soundtrack und Ergo-Perspektive, aus der man das Spiel erlebt.

Auf satten vier Seiten informiert REVIEWS GAMES: KONSOLE, gefolgt von REVIEW GAMES: PC, da u. a. „Der Pate“, „Tom Raider Legends“ …

Es gibt auch wieder ein SPECIAL: HARDWARE&SOFTWARE; die NEWS HÖRSPIELE stellen einige interessante Hörspiel-Labels vor. Z.B. LAUSCH, deren Macher Günter Merlau und Janet Sunjic von Oliver „Zappo“ Stichweh interviewt wurden und von denen im REVIEWS HÖRSPIELE einige Produktionen vorgestellt werden; wie z. B. „Die schwarze Sonne“, aber auch von anderen Labels, u. a. „Edgar Wallace – Das Gesicht im Dunkeln“ und „Edgar Wallace – Das Verrätertor“, „Sherlock Holmes – Die fünf Orangenkerne“ und „Fragmente“ von Stefan Pinternagel …

In SPECIAL LABEL sprach wiederum ein Redakteur von MM mit Olaf Seider von HÖRSPIELE WELT, der u. a. darüber erzählt, wie es zum Kontakt zu Dan Shocker (Larry Brent & Macabros) kam: nämlich über den BLITZ-Verlag. Olaf Seider weist auch darauf hin, dass Hörbücher der Serie „Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik“ geplant seien und dass es sich hierbei um Sammelbände düsterer Kurzgeschichten handele. Da ich die Serie ins Leben gerufen habe, die nun seit 2005 unter der Herausgabe von Wolfgang Hohlbein erscheint, und die ich mit drei Co-Autoren schreibe, möchte ich darauf hinweisen, dass das so nicht stimmt. Nur Band 1 „Der ewig dunkle Traum“ ist eine Anthologie, in der die Auftaktstory von Wolfgang Hohlbein enthalten ist, ansonsten folgen und folgten (aktuell Band 5 und 6) reine Serien|romane|!

Abgerundet wird diese Ausgabe von REVIEWS ANIME & MANGA, NEWS ROLLENSPIELE, BRETTSPIELE, einem SPECIAL ROLLENSPIEL über „Shadowrun“ und auch REVIEW LITERATUR (Bücher & Comics) gibt es wieder (was mein Herz erfreut), mit u. a. „Das Zeitalter der Wandlung 1 – Nebelriss“ von Markolf Hoffmann und „Der Funke des Chronos“ von Thomas Finn. Im SPECIAL LITERATUR geht es um |Verschwörungen| und u. a. Thomas Finn, Markus Heitz und Michael Baigent.

Und vieles, vieles mehr …

Fazit: Multimania No. 8 besticht wieder einmal durch ein sehr ansprechendes Layout und einen satten Inhalt. Es gibt einige gute Magazine dieser Art, aber für mich ist Multimania führend; auch, wenn man das Preis-Leistungsverhältnis betrachtet. Daher: kaufen, besser noch abonnieren!

_MULTIA MANIA_
Kino/DVD/Games/Hörspiele/Rollenspiele/Anime/Comic
Einzelausgabe: 3,00 €
Abo (6 Hefte): 15,00 € (Inland)
Probeabo (3 Hefte): 6,00 €
http://www.multi-mania.net/

_Abos und Nachbestellungen:_
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Barclay, James – Schicksalswege (Die Legenden des Raben 1)

|Die Chroniken des Raben|:
[Zauberbann 892
[Drachenschwur 909
[Schattenpfad 1386
[Himmelsriss 1815
[Nachtkind 1982
[Elfenmagier 2262

Nun ist sie also endlich da, die Fortsetzung zur viel gerühmten Trilogie (in Deutschland in sechs Bänden veröffentlicht) „Die Chroniken des Raben“ von James Barclay. In „Die Legenden des Raben“ setzt der junge britische Autor die Geschichte um das Söldnergespann aus Balaia fort. Neue Helden, neue Welten und neue Schicksale, das verspricht Barclay seinen Lesern – und gemessen am ersten deutschsprachigen Buch der neuen Reihe scheint der Mann auch nicht zu viel versprochen zu haben.

_Story_

Noch immer hat sich Erienne nicht vom Tod ihrer Tochter erholt. Tief sitzt der Schmerz ihres fürchterlichen Todes, den ausgerechnet die so hilfreichen Magierinnen des Einen Weges herbeigeführt haben. Daher ist Erienne auch zunächst nicht dafür zu begeistern, den Raben bei seiner nächsten Mission zu begleiten. Es geht darum, das Herz von Julatsa, dem einst im Krieg zerstörten Kolleg, zu retten und so auch wieder das verloren gegangene Gleichgewicht der magischen Kollegien herzustellen. Doch Erienne bleibt schließlich keine Wahl. In erster Linie ist sie Mitglied des Raben, und als solches ist es ihre Bestimmung, den vorerst neuen Anführer Ilkar – den einzigen Vertreter Julatsas – und ihre Gefährten zu begleiten.

Die Reise führt den Raben auf den Südkontinent in den Regenwald, der eigentlichen Heimat Ilkars, wo ihnen auch die schreckliche Nachricht zugetragen wird, dass das Volk der Elfen von einer heimtückischen Epidemie bedroht ist, der schon zahlreiche Stammesvertreter zum Opfer gefallen sind. Die Ursache hierfür liegt in der Entweihung eines heiligen Tempels, der die Harmonie der streng religiösen Elfen vollkommen durcheinander gebracht hat. Schon bald machen sich die furchtlosen Kämpfer der verschiedenen Urwalddörfer auf die Suche nach den menschlichen Eindringlingen und veranstalten noch in der direktem Umgebung des Tempels ein fürchterliches Blutbad. Doch die führenden Gestalten der ungebetenen balaianischen Gäste können wie durch ein Wunder fliehen und müssen nun gegen die Tücken des Regenwalds kämpfen.

Währenddessen gelangen Ilkar und seine Gefolgsleute nach einer beschwerlichen Reise in sein Heimatdorf zurück. Zum ersten Mal seit über einhundert Jahren kehrt der Magier aus Julatsa wieder dorthin zurück, um weitere Magier für die Errettung seines Stammkollegs zu mobilisieren. Doch seine alten ehemaligen Freunde empfangen ihn alles andere als herzlich. Selbst Ilkars Bruder, der einst den so wichtigen Tempel bewachte und bei der verloren gegangenen Schlacht focht, die schließlich zur Entweihung führte, ist dem einst verschwundenen Ilkar nicht mehr wohl gesonnen.

In der Kürze der Zeit gilt es für den Raben nun, Kompromisse zu machen. Denn in Balaia tobt ein wilder Krieg, bei dem das Kolleg von Xetesk vor keinen Greueln mehr zurückzuschrecken scheint, um die gesamte Macht an sich zu reißen. Mittendrin im Getümmel: die Schwarzen Schwingen um ihren Anführer Selik, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Gilde der Magier komplett auszurotten …

_Meine Meinung:_

Nach dem unschlüssigen Ende der vorangegangenen Chroniken durfte man sehr gespannt auf die Fortsetzung der Geschichte sein. Viele Fragen blieben ungeklärt, so zum Beispiel die nach dem Befinden der vom Schicksal geplagten Erienne, die mit Lyanna bereits ihr drittes unschuldiges Kind verlor. Aber auch die Aufteilung der Mächte nach der in letzter Minute gelungegen Rettung Balaias war unklar und wird dies auch weiterhin bleiben. Zwei Jahreszeiten nach den Ereignissen auf Herendeneth toben in den Häfen des Kontinents wilde Gefechte zwischen den Kollegien von Xetesk und Dordover. Ganze Städte werden von den Kämpfen zerstört, und auch der Unbekannte Kämpfer muss mit seiner Familie aus seiner Heimat flüchten, um die eigene Haut zu retten. Sein Weg führt ihn zurück in die Arme des Raben, wo die Stimmung nach wie vor sehr bedrückt ist. Außerdem sorgen verschiedene Meinungsverschiedenheiten zwischen Hirad, Ilkar und den übrigen Rabenkriegern für Missmut und Motivationslosigkeit, ähnlich noch wie in den letzten beiden Bänden der Chroniken, in denen die Mitglieder ja auch schon einige Grabenkämpfe auszutragen hatten.

Dementsprechend lange dauert es dann auch, bis die Geschichte rund um das Söldnerteam in Fahrt kommt, was jedoch auch daran liegt, dass Barclay währenddessen andere Schauplätze weiter in den Vordergrund stellt und in Gestalt des Elfen Rebraal und mit den ‚Tempelstürmern‘ um den verwegenen Hauptmann Yron neue wichtige Personen in die Geschichte einführt, deren genaue Rolle im Einführungsbuch noch nicht ganz geklärt wird. Feststeht lediglich, dass sie für die weitere Geschichte noch eine sehr wichtige Bedeutung haben werden.

Zum anderen betont Barclay in „Schicksalswege“ auch nicht ganz so deutlich die Kriegshandlungen. Das Buch ist zwar relativ brutal und die Beschreibungen der einzelnen Kämpfe und Verletzungen sind im direkten Vergleich zu den vorangegangenen Büchern auch enorm hart, aber die direkten Geschehnisse in Balaia lässt der Autor erst einmal zurück, um sich den Ereignissen im Regenwald sowie der Reise des Raben zu widmen, der jedoch noch nicht genau einschätzen kann, wie groß die erneute Bedrohung für den Kontinent ist. Erst als über Dritte Meldungen über den Zustand in Städten wie Arlen und die Vertreibung und das Abschlachten von unschuldigen Flüchtlingen verlautbaren, begreifen Hirad, Ilkar, Denser, Erienne, der anscheinend endgültig wiedergeborene Gestaltenwandler Thraun, der neu hinzugestoßene, aus Lystern desertierte General Darrick, die ebenfalls neu aufgenommene Elfin Ren’erei und der Unbekannte Krieger, dass die Zeit drängt und man dringend etwas unternehmen muss, um eine Katastrophe astronomischen Ausmaßes zu verhindern.

„Schicksalswege“ ist der bisher finsterste Raben-Band und, zumindest zu Beginn, auch der bis dato komplexeste. Barclay lässt die Geschichte zwar weiterhin auf den bekannten Helden beruhen, führt diese aber zu gänzlich neuen Schauplätzen, während er gleichzeitig einige interessante neue Gestalten in die Handlung einbezieht und somit auch die Fantasy-Welt Balaia gekonnt weiterentwickelt. Im Grunde genommen macht er nur den nächsten logischen Schritt, lässt sich dabei aber mal wieder alle Optionen offen, um die Erzählung in alle möglichen Richtungen weiterzuspinnen. Und insofern ist „Schicksalswege“ auch wieder ein ziemlich typischer Band aus der Reihe um den berüchtigten Söldnerbund, gleichzeitig aber auch eines der besten Bücher aus dieser Serie, dessen wahre Klasse sich allerdings erst in der zweiten Hälfte offenbart, in welcher der Plot plötzlich mit rasanten Schüben Fahrt aufnimmt.

Im Grunde genommen könnte das Buch sogar für sich stehen, so dass man auch hierüber einen Einstieg in die Welt des Raben finden kann. Dies möchte ich aber trotzdem nicht empfehlen, denn „Die Chroniken des Raben“ sind einfach Pflichtkost für den fleißigen Bücherwurm und zum Verständnis der Nachfolge-Trilogie enorm hilfreich. Und überhaupt sind sie das Beste, was die moderne Fantasy derzeit zu bieten hat. Genauso wie dieser erste Band der „Legenden des Raben“. Punkt.

Anmerkung des Rezensenten: Bitte nicht vom oben abgebildeten, im Internet kursierenden Cover irritieren lassen. Das Buch wird hier rot dargestellt, ist aber in Wirklichkeit in blauer Farbe veröffentlicht worden.

Luikart, T.S. / Sturrock, Ian – Warhammer: Das Bestiarium der Alten Welt

Ein entscheidender Faktor, der die „Warhammer“-Welt auszeichnet, sind die vielen merkwürdigen, größtenteils gefährlichen Monster und Wesenheiten, die sie bevölkern. Da es diese Ungeheuer teilweise aber nicht in anderen Rollenspielsystemen gibt und sie im [„Warhammer“-Grundbuch 2444 nur sehr unzureichend beschrieben werden, ist das „Bestiarium der Alten Welt“ eine wichtige Darstellungshilfe für den Spielleiter.

Im Allgemeinen haben viele Bestiarien oder Monsterhandbücher, oder wie immer man sie nennen möchte, ein Problem: Sie sind häufig entweder eine bloße Ansammlung von Werten, oder sie erzählen Geschichten über die Kreaturen. Daraus resultieren dann entweder eine geringe Lesefreude und eine bedingte Nutzungsfähigkeit für Spieler oder mangelnde Werte zum Verwenden im Spiel. Hier allerdings hat man das Problem äußerst zufrieden stellend gelöst, denn der Quellenband ist in zwei Teile untergliedert. Der erste Teil „Gefährliche Bestien: Eine Studie über Kreaturen von redlicher als auch garstiger Art“ kann sowohl von Spielern als auch vom Spielleiter genutzt werden. Hier werden die Kreaturen aus drei verschiedenen Sichtweisen beschrieben: „Allgemeine Sichtweise“, „Aus der Sicht des Gelehrten“, und „Mit unseren eigenen Worten“.

So kommen bei der „Allgemeinen Sichtweise“ allerlei Personen der Alten Welt zu Worte, die (meinen) etwas über die Bestien (zu) wissen oder einmal einer begegnet sind. Diese Aussagen können so als eine Art Spiegelbild der völkischen Meinung in der Alten Welt genutzt werden und stehen somit Pate für die Informationen, welche die Spieler vom Volk bekommen können. Selbstverständlich ist der Wahrheitsgehalt dieser Geschichten äußerst „schwammig“, was den Spielern die Selektion der Wahrheit deutlich erschwert.

Bei „Aus der Sicht des Gelehrten“ kommen dann natürlich (vermeintlich) fundiertere Kommentare, die zwar auch nicht immer stimmen, aber schon deutlich fachmännischer klingen. Sehr interessant sind die Abschnitte „Mit unseren eigenen Worten“, in denen die beschriebenen Kreaturen selber zu Wort kommen, sofern sie intelligent sind und sprechen können. Indem dort ihre Motivationen und Denkweisen dargelegt werden, erleichtert das die Darstellung derselben durch den Spielleiter ungemein.

Auch im darauf folgenden Spielleiterbereich werden nicht nur einfach alle Werte in tabellarischer Form hingeschmissen: Zuerst wird ein Herausforderungsgrad erklärt. Jedem Monster ist ein solcher zugeteilt, der sich an den Werten eines durchschnittlichen Soldaten orientiert und dessen Siegeschancen gegen ein solches Wesen beschreibt. Hier reicht die Skala von sehr leicht (z.B. Snotlinge) bis unmöglich (z.B. Drachen). Diese Einteilung ist vor allem für unerfahrene Spielleiter Gold wert. Hätte ich bei meinen Anfängen als Spielleiter solch eine Einstufung gehabt, hätten meine Abenteuer sicher nicht so oft mit dem Tod der Helden geendet.

Anschließend werden die Kreaturen noch richtig beschrieben und genau vorgestellt. Hier kommen dann auch die puren Werte ins Spiel. Den Abschluss bilden dann noch die Reittiere sowie „normale“ Tiere, wobei die aber nur allgemein in kleine und große Beutetiere unterteilt werden.

_Mein Eindruck_

„Das Bestiarium der Alten Welt“ ist durchweg gelungen. Hier wurde der Spagat zwischen dem Erhalt des Lesespaßes und der Vermittlung purer Fakten eindrucksvoll geschafft. Die Geschichten im ersten Teil des Quellenbandes sind teilweise lustig, teilweise gruselig, aber immer lesenswert, so dass das Schmökern richtig Spaß macht. Besonders gefällt mir hier, dass die Monster auch ihre eigene Sicht der Dinge darlegen können. Das erleichtert die Darstellung ungemein und lässt so auch die Spieler wissen, dass sie mehr vor sich haben als eindimensionales Gemüse.

Die Kreaturen an sich sind gut gewählt und fügen sich nicht immer in das altbekannte Fantasy-Schema, denn Drachenoger, Squigs oder Skaven kommen in anderen Fantasy-Rollenspielen eher selten vor. Zudem unterscheiden sich auch die „altbekannten“ Monster wie etwa die Oger eklatant von den Ogern andrer Publikationen, was die Sache auch für altgediente Rollenspieler interessant macht. Positiv ist zudem, dass nicht das ganze „Kleinvieh“ beschrieben wird, sondern nur ungewöhnliche Kreaturen, die es in Wirklichkeit (hoffentlich) nicht gibt. Eine Auswahl von zehn verschiedenen Schaf- und Ziegenarten würde auch einfach nicht wirklich zum „Warhammer“-Flair passen.

Die Aufmachung ist, genauso wie beim Grundregelwerk, herausragend: durchgehend farbig, mit vielen Abbildungen im typischen „Warhammer“-Stil, die einen guten ersten Eindruck der Monster ermöglichen – einfach vorbildlich.

_Fazit:_ „Das Bestiarium der Alten Welt“ lässt kaum Wünsche offen, denn es ist informativ, lesenswert und klasse gestaltet. Gerade für designierte „Warhammer“-Spieleiter ist der Quellenband eigentlich unverzichtbar und uneingeschränkt empfehlenswert.

http://www.feder-und-schwert.com/
[Warhammer Fantasy-Rollenspiel 2444

Bomm, Manfred – Schusslinie

Eine gute Idee, die Manfred Bomm da hatte. Rechtzeitig zur Fußall-WM hat der deutsche Krimiautor eine Geschichte rund ums aktuelle Geschehen in Deutschland verfasst, bei der in Person von Jürgen Klinsmann sogar eine reale Figur eingegliedert wurde. Der Bundestrainer übernimmt hier jedoch nicht die Rolle des Sunnyboys, sondern spielt das Opfer eines größer angelegten Komplotts. Effekthascherei? Nein, keinesfalls. Mittel zum Zweck? Vollkommen!

_Story_

Kommissar August Häberle ermittelt in einem seltsamen Mordfall, der sich an einer Sportstätte in Geislingen zugetragen hat. Sowohl Funktionäre als auch ortsansässige Poltiker sind über den Vorfall schockiert, schließlich werfen solche Ereignisse ein Jahr vor der Fußball-Weltmeisterschaft kein gutes Licht auf den Deutschen Fußball-Bund. Als dann die Identität des Toten aufgedeckt wird, stellt sich heraus, dass es sich hierbei um einen einflussreichen früheren Freund von Jürgen Klinsmann handelt, der anscheinend von Dingen wusste, die anderen politischen Personen hätten schaden können. Häberle stürzt sich auf die Arbeit und taucht immer tiefer in einen Sumpf aus Intrigen, Korruption und Falschspielerei ein.

Dabei stößt er auf eine geheimnisvoll auftretende Prostituierte, einen zwielichtigen Unternehmer, nimmt aber auch Kontakt zum Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft auf, um diesen zu den Vorfällen zu befragen. Dann gerät die Situation aber außer Kontrolle: Klinsmann selber wird von den Drahtziehern des Verbrechens entführt und weitere Leute werden umgebracht. Und als dann in Berlin auch noch Dokumente über eine offensichtlich geplante Bestechungsaffäre auftauchen, ist längst die ganze Nation über den wohl größten Skandal der deutschen Fußballgeschichte – und dies ein Jahr vor der WM – informiert …

_Meine Meinung_

Skandalöse Affären hat es im Fußball in den letzten Jahren ja leider zuhauf gegeben, man denke nur mal an den jüngsten Wettskandal in der italienischen Liga. Weiterhin haben sich die Funktionäre der gerade angelaufenen Weltmeisterschaft ja auch nicht mit Ruhm bekleckert, als es um die Kartenvergabe und weitere sportpolitische Entscheidungen rund um die WM ging. Insofern greift Manfred Bomm in seinem Krimi einige durchaus aktuelle Themen auf und verteilt dabei auch geschickt einige Seitenhiebe auf die immer mehr zum Politikum avancierten Sportveranstaltungen um das runde Leder.

Allerdings ist „Schusslinie“ natürlich in erster Linie ein gesundes Stück Unterhaltung, welches bei weitem das befürchtete „Bild“-Zeitung-Niveau (man verzeihe mir meine Vorurteile) übertrifft. Bomm hat hier nicht nur einen sehr guten Kriminalroman entworfen, sondern zugleich eine wirklich komplexe Story kreiert, welche den Leser durch die immer neu auftauchenden Teilaspekte mehrfach auf eine komplett falsche Fährte führt – ebenso wie den ermittelnden Kommissar August Häberle.

Der Aufbau ist deshalb auch das Glanzstück des Romans; beginnend mit dem Mord an der unbekannten Person, konstruiert Bomm eine immer verzwickter werdende Handlung, bei der man nie wirklich sicher sein kann, die tatsächlichen Ereignisse richtig erfasst zu haben. Sobald sich bei Häberle eine Spur zu ergeben scheint und der Leser (bzw. in diesem Fall der Zuhörer) diese näher verfolgt, wird sie auch schon sehr zügig wieder über den Haufen geworfen und durch neue Fährten ersetzt. Man mag zwar glauben, dass diese Herangehensweise die Geschichte aus dem Zusammenhang kickt, aber weil es dem Autor sehr gut gelungen ist, selbst die Überraschungsmomente stringent am deutlich erkennbaren roten Faden zu orientieren, verliert man nie den Überblick und durchlebt so auch zahlreiche Aha-Momente, bis zur Auflösung der weit reichenden Intrigen rund um den Sport.

Natürlich ist die anstehende Weltmeisterschaft im weitesten Sinne nur Mittel zum Zweck und für die Aufklärung erst einmal gar nicht so wichtig. Bomm war eben nur so geschickt, die aktuellen Ereignisse zum passenden Moment auszunutzen und so auch zum treffenden Zeitpunkt das Interesse auf sich und sein neues Werk zu lenken. Im Großen und Ganzen ist die WM nämlich nur ein verhältnismäßig kleiner Aufhänger inmitten des großen Mordkomplotts. Und dennoch sollten fußballinteressierte Leser noch eher Gefallen an dieser Erzählung finden, denn wer mit einem gewissen Hintergrundwissen um die jüngsten Skandale aufwarten kann, ist beim Verständnis der Rahmenhandlung klar im Vorteil.

Bei der prinzipiell sehr gelungenen Hörbuchfassung stellt sich mir nur eine Frage: Warum muss ausgerechnet eine Frau die von Männerstimmen dominierte Geschichte erzählen? Kerstin Eckert als Sprecherin zu kritisieren, liegt mir zwar wirklich fern, doch man merkt schon ganz deutlich, dass ihre Fähigkeiten, maskuline Intonationen hinzubekommen, geschlechtlich bedingt arg zu wünschen übrig lassen. Dies kann sie allerdings dann auch wieder durch ihre fundierten Sprachkenntnisse ausgleichen, wobei vor allem ihr schwäbischer Dialekt äußerst sympathisch herüberkommt. Alles in allem also dennoch eine gute Wahl für dieses sehr gelungene Kriminal-Hörbuch.

_Fazit_

Sympathische Charaktere, sehr spannende Story und viele falsche Fährten bei den Ermittlungen zum Mord im Vorfeld der Fußball-WM. Manfred Bomm hat mit „Schusslinie“ einen sehr authentischen Krimi zu den politischen Randerscheinungen des Sports geschrieben und geschickt auf den richtigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung des (Hör-)Buchs gewartet. Wer trotz der derzeit aktiven Wettstreitigkeiten noch immer nicht genug von der schwarzweiß befleckten Pille bekommen kann, ist mit dieser Geschichte prima bedient.

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Holguin, Brian & McFarlane, Tod – Spawn 71

_Story_

Nyx besucht den schwer verletzten Al Simmons im Krankenhaus und ringt währenddessen immer noch hart mit ihrer Entscheidung. Der Dämon mit den drei Narben über dem Auge hat sich ihrer fast gänzlich angenommen, doch Nyx ist nicht bereit, ihren Kompagnon zu hintergehen. Aber sie hat keine Wahl und muss sich ihrem Schicksal beugen. Um selber in die Hölle zu gelangen und damit auch Thea zu erreichen, geht sie einen Pakt mit dem teuflischen Dämon ein. Durch eine Verbindung mit Spawn gerät sie schließlich an den Ort ihrer Wünsche, ist sich aber gewiss, dass dieser Verrat nicht ungestraft bleiben kann …

_Mein Meinung_

Mit Band Nr. 71 wird eine neue Mini-Serie in der „Spawn“-Geschichte eingeleitet, die aber noch immer von den Auswirkungen der riesigen Verwüstung in New York aus dem letzten Band zehrt. Al Simmons hat die große Explosion schwer verletzt überlebt und ist nun dem Willen von Nyx vollkommen ausgeliefert. Doch diese nutzt die sich bietende Chance nicht sofort, schließlich sind ihre Zweifel noch zu groß. Als sie dann aber doch mit der unbewussten Hilfe von Spawn in die Unterwelt abtaucht und sich selbst in der Lebenswelt des Teufels wiederfindet, weiß sie, dass eine ganz neue Ära beginnt, sowohl für sie als auch für Spawn – und natürlich auch für die Leser, die nach der gerade abgeschlossenen Metzel-Reihe auch mal wieder etwas mehr Story eingefordert haben.

Trotzdem aber ist dieses Heft nur eine Überleitung, die noch ganz klar auf der letzten Story aufbaut. Der Zwiespalt von Nyx wird hier endlich mal adäquat wiedergegeben, und schließlich ist auch nur dessen Lösung das nötige Element, um die Serie und die durchgehende Handlung voranzutreiben und ihr neue Möglichkeiten zu eröffnen. Damit steht die 71 aber auch im ganz krassen Gegensatz zum direkten Vorgänger; stand dort noch die pure Anarchie über der Handlung, verfolgt die sehr nachdenkliche Nyx hier bisweilen sogar einige sehr weitsichtige, philosophische Gedanken, die schon fast wieder einen übertrieben breiten Raum einnehmen. Richtig Schwung bekommt die Story nämlich erst am Ende, als sich fragliche Dame tatsächlich in die Hölle katapultiert und somit erst so richtig in das neue Abenteuer hineinstartet – leider aber erst mal nur bis zum abschließenden Cliffhanger, welcher der Serie nun aber wieder eine weitaus mehr versprechende Zukunftsperspektive verleiht und somit die zwischenzeitlich ideenlosen Ansätze hoffentlich auch bald wieder ablösen wird.

Auch in Sachen Zeichnungen scheint sich etwas zu tun; bereits zum Ende hin wird Angel Medina von einem gewissen Nat Jones ersetzt, dessen weitaus düstererer Stil wunderbar zum neuen Leitthema passen will. Nach den farbenfrohen Skizzen Medinas erwarten den Leser nun wieder eine zeichnerisch weitaus skeptischere Grundstimmung und damit auch das, womit die „Spawn“-Reihe einst bekannt wurde. Und das ist natürlich sehr zu begrüßen.

Tja, es geht wieder bergauf, und zudem kommt merklich frischerer Wind in die Handlung hinein. In der neuen Welt werden wieder größere Entwicklungsräume geschaffen und möglicherweise auch ganz neue Charaktereigenschaften zum Tragen kommen. Aber man muss jetzt erst einmal abwarten, wie es weitergeht. Sollten die positiven Ansätze des aktuellen Sub-Plots „Hellbound“ im nächsten Band bestätigt werden, sollten „Spawn“-Fans fortan auch wieder zu einem höheren Prozentsatz auf ihre Kosten kommen. Und das war nach der zwischenzeitlichen Ernüchterung auch zwingend nötig!

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Shocker, Dan – Höllenbrut, Die (Larry Brent, Band 4)

Der Band enthält die beiden Larry-Brent-Romane „Der Satan schickt die Höllenbrut“ und „Das Totenhaus der Lady Florence“ aus der gleichnamigen Heftromanserie aus dem Jahre 1982.

_Der Satan schickt die Höllenbrut_

Innerhalb kürzester Zeit werden in Hongkong drei Menschen scheinbar zum Opfer eines entflohenen Löwen. David Gallun, Chef der geheimnisvollen PSA, vermutet einen verbrecherischen Hintergrund und schickt Larry Brent vor Ort, der sehr schnell die Bekanntschaft einer jungen Privatdetektivin namens Su Hang macht. Su kommt durch Zufall zwei Killern auf die Spur, die den toten Löwen vergraben wollen. Sie überwältigen die junge Frau und wollen sie zusammen mit der toten Raubkatze verscharren. Larry befreit Su Hang, aber bei dem Kampf kommt einer der Gangster ums Leben, während der Zweite entkommt. Zuvor kann der Sterbende dem Agenten mitteilen, dass der Löwe bereits seit mehr als einem Tag tot ist und somit nicht für alle Morde verantwortlich gemacht werden kann. Sehr bald bekommt Larry am eigenen Leib zu spüren, wer die Menschen auf grauenhafte Art und Weise ins Jenseits befördert hat. Ein tödlicher Schwarm ist darauf programmiert worden, den besten Agenten der PSA zu vernichten …

Der Roman beginnt vielversprechend mit einem grauenhaft Mord an einer amerikanischen Undercover-Agentin. Dass aber weder der Polizeiarzt noch einer der besten Spezialagenten der Welt die Wunden, welche von einer Großkatze verursacht werden, von den Verletzungen durch Insekten unterscheiden können, ist unglaubhaft und hanebüchen. Dabei ist die Story selber gar nicht schlecht, denn ein Wissenschaftler hat einen Lockstoff für Stubenfliegen entwickelt, der die Tiere aber dummerweise ziemlich aggressiv macht. Natürlich interessieren sich diverse Gangster für dieses Präparat und ziehen ein Komplott auf, das selbst die PSA vor ein Rätsel stellt. Leider übersieht der Autor dabei völlig, dass Stubenfliegen, allein aufgrund ihrer Anatomie, dem Menschen gar nicht gefährlich werden können. Die Haut des Menschen ist für die kleinen Insekten eine undurchdringliche Barriere.

Lesenswert ist der Roman im Prinzip nur, weil Su Hang, eine von Larrys späteren Kolleginnen, hier ihren ersten Auftritt absolviert. Einmal mehr beweist Dan Shocker, dass auch Frauen die Heldenrolle steht, aber dass Su mit einer Schusswunde noch Auto fährt und es nicht mal für nötig hält, einen Arzt aufzusuchen, ist schon sehr übertrieben. Stilistisch gesehen ist der Roman von gewohnter Qualität und auch die Charakterisierung gelingt dem Autor perfekt. Insbesondere Su Hangs Freunde aus dem Kuriositäten-Kabinett sind sehr sympathisch und beweisen einmal mehr, dass ein guter Charakter nicht vom äußeren Erscheinungsbild abhängig ist. Eine Botschaft, die für Heftromane aus den siebziger und achtziger Jahren nicht immer selbstverständlich war. Leider wird der Lesespaß durch schlechte Recherche und eine mangelnde Glaubwürdigkeit zunichte gemacht, so dass der Roman nur für Komplettisten interessant ist.

_Das Totenhaus der Lady Florence_

Der Wissenschaftler Winston Yorkshere wird tot in seiner Wohnung aufgefunden. Herzinfarkt, lautet die Diagnose, doch Yorkshere war ein kerngesunder Mann gewesen und außerdem arbeitete er an einem bedeutungsvollen Experiment. Gründe, welche den Supercomputern der PSA, |The clever Sofie| und |Big Wilma|, genügen, um den Einsatz der Agenten Brent und Kunaritschew zu rechtfertigen. Yorkshere hatte einen Kollegen, Sir David Dodgenkeem, der bereits vor zwei Jahren verstarb. Vor Kurzem starb auch dessen Frau Lady Florence. In derselben Nacht, in der sie in der Familiengruft beigesetzt wurde, starben der Arzt der Lady und der Pfarrer ebenfalls an Herzschlag. Bald kommen die PSA-Agenten einem fantastischen Geheimnis auf die Spur: Dodgenkeem und Yorkshere haben eine Strahlung entwickelt, die unsichtbar macht. Doch diese Gabe ist auch mit einem Fluch belastet. Jeder, der von dem Unsichtbaren berührt wird, bekommt einen heftigen elektrischen Schlag, der schnell zum Tod führt. Jetzt hat der Schriftsteller Richard Burling das Haus gemietet, um in der Abgeschiedenheit des Moores in Ruhe arbeiten zu können. Doch bald merkt Burling, dass er nicht mehr allein in dem riesigen Haus ist …

In diesem Roman erwartet den Leser ein alter Menschheitstraum und gleichzeitig ein klassisches Gruselthema: die Unsichtbarkeit. Sich von anderen unbemerkt bewegen zu können, hat sich wohl jeder schon einmal gewünscht, und im Umkehrschluss ist ein Gegner, den man nicht sieht, immer eine ungeheure Bedrohung. Typischerweise verwendet der Autor wieder mal keine übernatürliche Erklärung, sondern legt dieser überaus spannenden Geschichte ein wissenschaftliches Experiment zu Grunde. Die Rahmenhandlung verläuft dabei wieder in einigen Windungen und der Leser muss mit einigen Überraschungen rechnen. Ein echter Leckerbissen für alle Fans bildet vor allem der Auftritt von Larrys jüngerer Schwester Miriam, auch wenn für deren Involvierung in die Handlung der Zufall herhalten musste. So ist es wirklich mehr als unglaubwürdig, dass die zufällig in England weilende Miriam die Tochter des Schriftstellers Burling kennen lernt, der zufällig das Haus der Dodgenkeems gemietet hat, wo sich zufällig das Labor des Unsichtbaren befindet. Darüber hinaus trifft Iwan in Plymouth zufällig in einem Nachtclub, wo er sich vor der Polizei versteckt, die Freundin Yorksheres, die zufällig an dem Abend tanzt. Dennoch verpackt Dan Shocker diese Glücksfälle auf eine geschickte Art und Weise, so dass der Lesespaß nicht beeinträchtigt wird, und der rasante, lebensnahe Erzählstil tut ein Übriges, damit keine Langeweile aufkommt. Insbesondere die düstere Stimmung innerhalb des verlassenen Hauses, als Richard Burling die Schritte hört, obwohl sich niemand in dem Haus befindet, nimmt den Leser sofort gefangen. Das und die Umgebung des nebelverhangenen Moores bilden die perfekte Kulisse für eine klassische Gruselatmosphäre.

Die Illustrationen zu den Geschichten stammen wie immer von Pat Hachfeld, der für den ersten Roman eine seiner schwächeren Arbeiten ablieferte, aber in Anbetracht der Vorlage ist das durchaus vertretbar. Umso gelungener wirkt die Gruft der Dodgenkeems, welche der Künstler für den zweiten Roman zu Papier brachte. Das Cover zeigt das Original-Titelbild zu dem Heftroman „Der Satan schickt die Höllenbrut“. Auch der Künstler Lonati hat schon bessere und stimmungsvollere Werke kreiert, wirken doch die Fliegen und ihr Opfer ein wenig unbeholfen.

Alles in allem ein sehr durchwachsenes Buch, dessen erste Story zu den schwächeren Beiträgen zur Serie gehört. Die folgende Geschichte hingegen bietet Spannung pur und hat alles, was einen spannenden Larry-Brent-Roman ausmacht.

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_Florian Hilleberg_

Holguin, Brian & McFarlane, Tod – Spawn 70

_Story_

New York droht im Chaos zu versinken. Nach Spawns Niederlage gegen den mächtigen Violator hat dieser in Gestalt des Clowns die ganze Stadt aufgewühlt und sie der Verwüstung ausgesetzt. Überall treiben die verschiedenen Inkarnationen der Clowns ihr Unwesen, verbreiten Schrecken und Anarchie und weihen die einst so stolze Stadt dem Untergang. Spawn ist derweil nur auf Schadensbegrenzung aus; er weiß, dass er nicht jeden einzelnen Bürger vor der drohenden Katastrophe retten kann. Doch er muss sich dem erneuten Zweikampf mit seinen maskierten Widersachern stellen, um zumindest die vielen Unschuldigen zu beschützen. Doch das ist leichter gesagt als getan …

Derweil steht Nyx zwischen den Fronten. Es gibt nur eine Möglichkeit, ihre verstorbene Freundin Thea zu erlösen, und die besteht darin, Spawn an den Dämon mit den drei Narben über dem Auge zu verraten. Und da ihr alle Mittel recht sind, um diesen Herzenswunsch zu erfüllen, steht Spawn ein weiterer Rückschlag bevor.

_Meine Meinung_

Im Jubiläumsband, der 70. Ausgabe der deutschsprachigen Reihe, wird die Serie um die tausend Clowns weiter fortgesetzt, damit aber auch das Gemetzel und die vielen plumpen Kampfszenen, mit denen sich die Serie bereits seit Anbeginn der neuen Sub-Reihe herumschlägt. Überall gibt’s nur Kämpfe, Kämpfe, Kämpfe, seien es nun die etwas größer angelegten Duelle zwischen Spawn und seinen schier übermächtigen Gegnern, oder aber die Straßenfights, die sich nach dem Einbruch des Chaos in New York manifestiert haben. Nun, dem Action-Liebhaber wird’s sicher gefallen, schließlich hat Angel Medina graphisch wieder einige Leckerbissen beigesteuert, von denen selbst dieser schwache bis durchschnittliche Plot noch zehren kann. Wenn es also um die Darstellung der Schlachten und Verfolgungsjagden geht, kommen Fans wieder voll auf ihre Kosten.

Jedoch kann die Story in diesem Fall kaum mithalten, zumal hier viele wichtige Handlungseinheiten nur kurz angeschnitten werden, obwohl sie eigentlich einen größeren Rahmen verdient hätten. So zum Beispiel auch die Entscheidung von Nyx, die sich nach wie vor schwer tut, Spawn in die Parade zu fahren, der aber letztendlich kaum eine andere Wahl bleibt. Im Gegensatz zur massiven Veräußerung der Duelle zwischen Clowns und Heldenfigur Spawn kommt dieser Part irgendwie viel zu kurz, so dass die sich hieraus ergebenden Resultate als selbstverständlich hingenommen werden müssen.

Es ist einfach ein bisschen lieblos aufgebaut, dieses 70. Heftchen. Die Geschichte ist viel zu simpel, die Action trotz feiner Illustrationen und Überpräsenz nach einiger Zeit gesättigt und die Atmosphäre bei weitem nicht so beklemmend wie in vielen vorangegangenen Bänden. Im gesamten Universum des populären Action-Helden ist das fünfteilige „A Thousand Clowns“ sicherlich einer der schlechtesten Serienteile, mit diesem Band aber glücklicherweise zu Ende. Daher spare ich mir jetzt auch alles Gemeckere und schaue lieber mit Freude auf einen neuen Band und damit auf eine neue Mini-Serie voraus. Eigentlich kann es nämlich jetzt nur noch bergauf gehen …

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Hammesfahr, Petra – Am Anfang sind sie noch Kinder

Petra Hammesfahr, die Grand Dame der deutschen Literaturszene, veröffentlichte im März ihren neuen Roman „Am Anfang sind sie noch Kinder“, der zu Zeiten von Hartz IV eine starke Brisanz hat.

Protagonistin in dem Buch ist, wie bei Hammesfahr üblich, eine starke Frau. Kathi Lenzen, eine Mittvierzigerin, hat das Leben übel mitgespielt. Sowohl ihr Mann als auch ihr siebzehnjähriger Sohn sind Opfer von Autounfällen geworden und die Firma ihres Mannes, ihre Einnahmequelle, ist beinahe pleite gegangen nach dessen Tod. Doch die resolute Kathi hat sich nicht unterkriegen lassen, und auch wenn die seelischen Narben bis heute nicht verheilt sind, schafft sie es, die Kulisse aufrechtzuerhalten.

Doch diese bröckelt, als sie eines Tages einen sechzehnjährigen, verwahrlosten Jungen im Supermarkt beim Klauen beobachtet. Sie überlegt hin und her, ob sie ihn darauf ansprechen soll, aber stattdessen folgt sie ihm am Ende und findet heraus, dass er alleine in einem leer stehenden Haus kampiert. Sie wendet sich an das Jugendamt, doch der Schuss geht nach hinten los, denn der engagierte Sozialarbeiter Dr. T. Engelbrecht bringt sie dazu, den Jungen, der sich Breaker nennt, für eine Weile bei sich aufzunehmen. Den Sinn dieses „Experiments“ erklärt er so, dass der zurückgezogene Streuner einmal sehen soll, wie das Leben auch sein kann. Kathi lässt sich breitschlagen, obwohl sie spürt, dass ihr diese Entscheidung noch sehr weh tun wird. Schließlich liegt der Tod ihres Sohnes erst zwanzig Monate zurück und sie ist beileibe nicht bereit, mit einem „Asi“ umzugehen …

An manchen Stellen klingt „Am Anfang sind sie noch Kinder“ wie Deutschlands gefürchtete Sozialbücher. Mitleidige Monologe über das Leben der Unterschicht sollen wohl die Augen für das Elend öffnen, gehen aber aufgrund ihrer Pathetik eher auf die Nerven. Manche Stellen klingen wie an den Haaren herbeigezogen und in das Korsett der eigentlich gar nicht so schlechten Geschichte gezwängt. Stellenweise lesen sich Absätze wie aus dem Propagandakatalog für Missstände in der deutschen Jugendarbeit, das bedeutet: trocken, einseitig und „sozialarbeitermäßig“. Hat das wirklich sein müssen? Anstatt dieses Anliegen durch Monologe Engelbrechts zum Ausdruck zu bringen, wäre es vermutlich wesentlich taktvoller gewesen, die angeprangerten Missstände mehr oder weniger unkommentiert in die Geschichte einfließen zu lassen.

Ich muss sagen, dass mir ein Hammesfahr ohne Krimi-/Thrillerelemente besser gefällt als mit. Das Buch hat nur wenig Spannung und beruht hauptsächlich auf der schwierigen, da distanzierten Beziehung zwischen Kathi und Breaker, die die beiden Perspektiven bilden. Breakers ist dabei sehr gut gelungen, wie ich finde. Gedanken und Gefühle eines Jungen, der in einer Dreizimmerwohnung mit dem versoffenen Vater und drei Geschwistern aufgewachsen ist, werden sehr authentisch dargestellt. Ihr nüchterner Schreibstil, der manchmal beinahe sachlich wirkt, so wenig Gefühl steckt in ihm, passt wie die Faust aufs Auge – bei Breaker.

Kathis Perspektive dagegen hat sicherlich auch ihre sonnigen Seiten, aber gerade in der Anfangsphase des „Experiments“ gibt es einige hölzerne Dialoge, wenn sie Breaker erklärt, wie der Hase läuft. Sie klingt aufgrund des Schreibstils dabei sehr kühl, sehr unberührt und dadurch grausam unauthentisch. In diesen Moment wird „Am Anfang sind sie noch Kinder“ tatsächlich zu einem der gefürchteten Sozialbücher, auch wenn es sich ansonsten ganz gut durchschlägt. Traurig, dass Hammesfahr hier nicht die Kurve kriegt.

Insgesamt weist der Schreibstil einige Mängel auf. Die akribischen Erläuterungen von Handlungen und Ereignissen mögen ein gutes Gesamtbild schaffen, doch an einigen Stellen ziehen sie die Lektüre einfach nur furchtbar in die Länge. Außerdem sind einige der Genauigkeiten wirklich unnötig. Wenn Kathi Kuchen kauft, interessiert es weniger, um welche Sorte es sich genau handelt, ob mit oder ohne Streusel und wo er gekauft wurde und wie Kathis Meinung über diese Bäckerei ist. Irritierend ist die Tatsache, dass Personen, selbst die Hauptpersonen, also jene, die dem Leser eigentlich ans Herz wachsen sollten, immer sehr distanziert mit ihrem Vor- und Nachnamen genannt werden. Besonders bei einem Sechzehnjährigen wirkt das merkwürdig „abweisend“.

Überhaupt macht Hammesfahr es uns sehr schwer, Zugang zu den Personen zu finden. Es fehlt den Charakteren an Tiefe. Erinnerungen und Gefühle, ein wichtiger Faktor, werden zwar nicht ausgeklammert, aber sie wirken immer merkwürdig kühl und sachlich, so als ob sie nicht zu der entsprechenden Person gehören würden. Bei Breaker weniger, bei Kathi mehr tritt dieses Manko zu Tage und ist schuld, dass am Ende der Lektüre ein unbefriedigendes Gefühl zurückbleibt.

Die Handlung an und für sich weist nur einen sehr dünnen Strang auf, der zudem sehr vorhersehbar ist. Allerdings schadet das dem Buch nicht, denn das Minimum an Handlung lässt genug Platz für die Entwicklung der Beziehung zwischen Kathi und Breaker. Was mich allerdings stört, ist das Ende, das wirklich überflüssig ist – aber nun gut. Es ist die Entscheidung der Autorin, wann und wo sie die Geschichte enden lässt.

Jedoch ist es die Entscheidung des Lesers, was er davon hält. Ich finde, dass „Am Anfang sind sie noch Kinder“ in der Summe immer noch zu den besseren Büchern von Petra Hammesfahr gehört. Sie überrascht mit einem ausgesprochen guten Händchen für den Problemjugendlichen Breaker, auf der anderen Seite konstruiert sie aber eine Frau, die aufgrund ihrer Distanziertheit und der fehlenden Tiefe sehr oberflächlich und austauschbar wirkt. In einem Buch, das hauptsächlich auf der Beziehung zwischen den Protagonisten aufbaut, ist das nicht wirklich gelungen. Den Schreibstil hat sie leider auch beibehalten, der aufgrund seiner kühlen Sachlichkeit und der akribischen Genauigkeit eine große Schlucht zwischen Leser und Protagonisten entstehen lässt. Trotzdem lässt sich das Buch flüssig lesen und die Lektüre macht an einigen Stellen sogar Spaß.

Hyung, Min-Woo – Priest – Band 8

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516

Nachdem Ivan Isaacs endlich wieder zur Besinnung gekommen ist und realisiert hat, dass ein Weiterleben mit seiner verstorbenen Geliebten Gena nicht mehr möglich ist, lässt er sich zunächst widerwillig, dann aber doch ohne große Gegenwehr auf einen Pakt mit Belial ein. Nur durch dieses Bündnis wird es möglich sein, den rachsüchtigen Temozarela und seine finsteren Schergen aufzuhalten und zu vernichten. Doch auf den Kopf von Isaacs sind ständig größer werdende Prämien ausgesetzt, so dass sein Rachefeldzug unter erschwerten Bedingungen stattfindet. Neben den flinken Kopfgeldjägern hat es auch Marshal Coburn auf Ivan abgesehen. Seinem Team geht es aber nicht um das Kopfgeld, sondern nur um Antworten von Ivan …

Währenddessen erforschen Lizzie und ihre Männer das Wesen Temozarelas, suchen aber gleichzeitig auch nach einem Gegenmittel für die Infektion, die Lizzie sich zugezogen hat. In ihr wächst nämlich auch langsam das Zombie-Gen heran, und sollte es ihren Freunden nicht gelingen, rechtzeitig Hilfe herbeizuholen, ist das junge Mädchen ebenso dem Tod geweiht wie vor ihr Gena …

_Meine Meinung_

Band 8 der „Priest“-Reihe steht ganz klar im Zeichen von Ivan Isaacs, der seiner Hauptrolle in dieser Manhwa-Serie nach den ganzen komplexen Zwischenfällen sowie der ausführlichen Vergangenheitsaufarbeitung wieder vollkommen gerecht werden kann. Hasserfüllt, gleichzeitig aber auch zwiegespalten, was seine zweckdienliche Verbindung mit Belial betrifft, beginnt er seinen Rachefeldzug und mutiert in Nullkommanix wieder zu der coolen abgebrühten Erscheinung, die wir zu Beginn der Geschichte kennen gelernt haben. Dementsprechend macht der ‚Horror-Cowboy‘ auch keine Kompromisse während der Kampfhandlungen und jagt seine Gegner ins Jenseits, noch bevor diese ihre üblen Ankündigungen in die Tat umsetzen können. Das Prekäre daran: Ausgerechnet die Menschen, die von Isaacs‘ Einsatz nur profitieren können und durch seine Unterstützung in naher Zukunft die eigene Haut retten könnten, widersetzen sich dem kampfeslustigen Ivan.

Die eigene Haut retten kann die verdorbene Diebin Lizzie ohne fremde Hilfe indes nicht mehr. Einige Gefährten und Priester haben sich um die Gefangene geschart und versuchen mit dem Wissen über Temozarela das Leben von Lizzie zu retten und sich selber vor der drohenden Gefahr zu schützen. Auch wenn dies hoffnungslos erscheint.

Die aktuelle Episode erzählt in zwei verschieden ablaufenden Handlungsebenen über das Schicksal der hier erkorenen Hauptpersonen Ivan und Lizzie und deren teils mageren Zukunftsaussichten. Wenn auch nur auf einem sehr oberflächlichen Level, verbindet die beide etwas, nicht zuletzt weil Lizzie und die ehemalige Geliebte Isaacs‘ eine gewisse Ähnlichkeit miteinander haben. Allerdings treffen sie in Band 8 (noch?) nicht aufeinander und lassen den Leser nur vage erahnen, inwieweit sich zwischen den beiden eine Beziehung – welcher Art auch immer – entwickeln wird.

Darüber hinaus verfolgt Autor Min-Woo Hyung eine sehr direkte Linie. Zwar wird mit der Geschichte um Lizzie ein neuer Nebenschauplatz eröffnet, doch im Großen und Ganzen lässt er die Handlung recht zügig voranschreiten und erzählt ohne größere Umschweife von der dämonischen Rückkehr des Ivan Isaacs. In diesem Sinne ist „Priest 8“ im Rahmen dieser Reihe auch vergleichsweise leichte Kost und erfüllt lediglich die Kriterien einer notwendigen Fortsetzung. Dies ist aber bitte nicht negativ zu verstehen, denn Spannung liegt zur Halbzeit der 15-bändigen Serie immer noch in erhöhtem Maße in der Luft. Und dass nicht jeder einzelne Teil den vorangegangenen übertreffen kann, ist auch klar. Daher gehen trotz reduzierter Komplexität und relativ simpler Fortschritte beim Plot nach wie vor beide Daumen steil in die Höhe!

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Shocker, Dan – Todestreppe, Die (Larry Brent, Band 3)

Dieser Band enthält die Heftromane „Nachts, wenn die Toten kommen“ und „Die Treppe ins Jenseits“. Beide Romane erschienen in der Serie „Larry Brent“ als Band 05 und 25.

_Nachts, wenn die Toten kommen_

Larry Brent soll einen okkulten Zirkel untersuchen, der Seancen abhält, bei denen der Kontakt zu Verstorbenen gesucht wird. Tatsächlich erscheint der Geist des toten Millionärs Mike Boddingham. Ein Detektiv, mit dem der PSA-Agent Kontakt aufgenommen hat, ist bei diesem Phänomen Zeuge. Bei dem Versuch, das Geheimnis zu lüften, stirbt er eines schrecklichen Todes. Als der tote Körper des Detektivs am Steuer eines Autos einen Mordanschlag auf Larry verübt, weiß X-Ray-3, dass seine Anwesenheit mehr als gerechtfertigt ist …

Die erste Story vermittelt zunächst den Eindruck, ein gewöhnlicher Roman über eine obskure Sekte zu sein. Doch schon bald stellt der Leser fest, dass die Hintergründe weitaus komplizierter sind, als es sich im ersten Moment darstellt. Auf relativ wenig Seiten werden unheimlich viele Namen und Charaktere eingebaut, so dass der Leser schnell durcheinander kommt. So wie der Autor, denn kurz vor dem Ende erscheint abermals der Geist Mike Boddinghams, heißt dort aber plötzlich Mike Hoggan. Hoggan lautet allerdings der Name eines Anwalts in dem Buch. Nichtsdestotrotz bietet der Roman eine schaurige Gruselatmosphäre, wie es Larry-Brent-Fans gewohnt sind.

Darüber hinaus gehört die Geschichte zu den Highlights innerhalb der Serie, denn zum allerersten Mal spielt Monra Ulbrandson alias X-Girl-C mit. Sie ist die erste und beste Agentin der PSA und eine von Larrys engsten Freunden. Dass Dan Shocker starke Frauen mit in die Geschichten eingebunden hat, macht seine Roman ebenfalls zu einem Novum, denn in den meisten Geschichten dieser Sparte spielten Frauen ein Schattendasein, in dem sie eigentlich nur als schreiende, wehrlose Opfer herhalten mussten, die vom strahlenden Helden gerettet wurden.

Die Geschichte kann man in einem Rutsch gut lesen, die Dialoge sind lebhaft und die Beschreibungen sind nachvollziehbar. Am Schluss könnte dem geneigten Leser noch die eine oder andere Frage über die Durchführbarkeit so mancher technischer Spielerei kommen, allerdings sollte man dahingehend den Roman nicht allzu ernst nehmen und ihn als das ansehen, was er im Grunde genommen ist – gute Unterhaltung.

_Die Treppe ins Jenseits_

172 Stufen führen steil an Englands Küste in der Nähe von Dover in die Tiefe, und auf der 14. Stufe lauert der Tod. Ein schrecklicher Fluch traf den Sohn Lord Callaghans und stürzte ihn ins Verderben. Daraufhin verkaufte der Lord den Familienbesitz an den Millionär Edward Baynes. Doch auch seine jüngere Tochter Eve wird zum Opfer des Fluchs. Auf sie wartete aber nicht der Tod, sondern ein Dasein im Rollstuhl. Seitdem hat auch die Familie Baynes das Anwesen verlassen. Als Edward Baynes stirbt, holt die Vergangenheit Eve wieder ein, denn die Testamentsvollstreckung soll in eben jenem düsteren Haus auf den Klippen vollzogen werden. Schon bald werden Eve und ihre ältere, schwachsinnige Schwester Jeanette Opfer von geisterhaften Erscheinungen und merkwürdigen Phänomenen. Einer der Gäste spielt falsch und will das Erbe der Töchter für sich beanspruchen. Doch Larry Brent ist auf der Hut. Als Chauffeur der Millionärstochter ermittelt er vor Ort …

Mit diesem Roman beweist Dan Shocker einmal mehr, dass er ein Meister des subtilen Schreckens ist. Die Gefahr, die der jungen, an den Rollstuhl gefesselten Frau droht, wird einfühlsam beschrieben, wohl nicht zuletzt deswegen, weil der Autor selber diese Erfahrung machte. Der perfide Plan der Erbschleicher könnte dämonischer nicht sein und das einsame Haus an den Klippen bietet eine nahezu klassische Kulisse für diesen Gruselroman. Dabei geht die eigentliche Gefahr wieder einmal von den Menschen aus, obwohl der Autor in diesem Fall auch übersinnliche Kräfte mitwirken lässt.

Eindrucksvoll gelingt es dem Schriftsteller, die Gefühle seiner Protagonisten auf den Leser zu übertragen. Die unheimliche Treppe ist dabei nur Staffage und eigentlich muss man sich wundern, wieso die Leute immer wieder dorthin gehen, obwohl sie genau wissen, was sich dort abgespielt hat. Aber genau das ist vermutlich der Reiz, dem viele Menschen auch in Wirklichkeit erliegen würden. Wenig nachvollziehbar ist zunächst die Motivation des liebenden Vaters, lebensechte Puppen von seinen Töchtern anfertigen zu lassen, damit er beim Betrachten der Abbilder eventuell Anzeichen des Schwachsinns bei Eve erkennen würde, dem bereits seine ältere Tochter Janett erlegen ist. Nichtsdestotrotz strömen gerade die Szenen mit den lebensechten Puppen eine sehr gruselige Atmosphäre aus.

Die Charaktere wirken sehr natürlich und auch die Dialoge fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein, obwohl man dem Roman deutlich anmerkt, dass sich der Autor bemühen musste, das enge Korsett des Heftromans nicht zu sprengen.

Zwei typische Larry-Brent-Romane mit einem unheimlichen Flair, viel Handlung, vielen Charakteren und viel, viel Atmosphäre, die durch das moderne Lektorat noch besser zur Geltung kommt. Beide Storys wurden wieder von Pat Hachfeld illustriert, der besonders für den zweiten Roman ein hervorragendes, metaphorisches Bild zeichnete. Auch das Titelbild des Romans gehört zu den Spitzenwerken des Künstlers Lonati.

Ein gelungenes Buch für alle Freunde des gepflegten Gruselns.

http://www.BLITZ-Verlag.de

_Florian Hilleberg_

Mignola, Mike & Golden, Christopher & Sniegoski, Tom – Hohle Erde (B.U.A.P. 1)

Als die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, kurz B.U.A.P., ihre auf mysteriöse Weise verschwundene Agentin Liz Sherman aus der Gefangenschaft geheimnisvoller Mächte retten muss, steht sie plötzlich ohne eine echte Führungspersönlichkeit da. Hellboy hat die Behörde nach dem „Siegerwurm“-Einsatz verlassen und den Fischmenschen Abe Sapien, den zweiten prominenten Kopf der Gemeinschaft, damit sich selber überlassen. Der wiederum bekommt aber Unterstützung von einem neuen Gehilfen, dem deutschstämmigen Johann Kraus, der nach einer gescheiterten Seance nicht mehr in seinen Körper zurückkehren konnte und deswegen in einem fremden Körper ohne Gesicht sein Leben bestreitet. Zunächst ein wenig von seinem neuen Kollegen angewidert, begibt sich Abe gemeinsam mit ihm und seinem Freund Roger ins Innere der Erde, um dort die verschwundene Agentin zu suchen. Ein Einsatz mit Folgen …

Außerdem muss sich Abe Sapien einigen Gefahren in der Südsee stellen. Unter anderem kommt hier auch der legendäre Held Lobster Johnson wieder zum Zuge, der einem verrückten, experimentierfreudigen Professor das Handwerk legen muss.

_Meine Meinung_

|Marvel| haben es unzählige Male vorgemacht, nun lässt auch Mike Mignola lange angekündigten Versprechen Taten folgen. Die Erweiterung seines Universums um den berüchtigten Hellboy nimmt in „B.U.A.P.“ zum ersten Mal konkrete Züge an. Die Geschichten um den höllischen Mutanten schienen ausgereizt, und so gönnt dieser sich erst einmal eine Auszeit, um Abe Sapien, Roger und dem neuen Verbündeten Johan Kraus das Feld zu überlassen. Gerade der Fischmensch hatte sich aber auch in einigen vorangegangenen Comics schon zu einem echten Konkurrenten für Hellboy entwickelt und bekommt jetzt seitens des Autorenteams (neben Mignola bestehend aus Christopher Golden, Tom Sniegoski und Brian McDonald) endlich seine eigene Geschichte, mit der er aus dem gewaltigen Schatten heraustreten kann – was ihm übrigens in der ersten Erzählung, dem Namensgeber „Hohle Erde“, prima gelingt.

Dieses erste Abenteuer sticht übrigens auch sehr deutlich heraus, wohingegen die drei vergleichsweise kurzen Storys lediglich ganz nett sind, aber eben nicht ganz so intensiv begeistern wie die Suche nach der verschwundenen Liz Sherman im ersten Band. Ganz gleich, wenn Zeichner Ryan Snook in „Hohle Erde“ die wohl (bewusst) unsaubersten Skizzen beisteuert und der Handlung somit auch zwischenzeitlich eine ziemlich schaurige Atmosphäre verleiht. Der Zeichner bleibt dem Stile der „Hellboy“-Comics dabei weiterhin treu und gestaltet die Illustrationen in einer schlichten S/w-Optik, bei der es lediglich manchmal schwer fällt, die Hauptcharaktere auseinander zu halten. Abe Sapien und Johan Kraus gleichen sich nämlich von ihrer Hinterseite ziemlich stark.

Davon abgesehen, ist Snook’s Werk eine weitere Augenweide, die den sechs vorherigen Werken aus der Feder von Mignola in nichts nachsteht. Für Einsteiger mag das zwar sehr gewöhnungsbedürftig sein, Kenner werden den Stil, der sich im Groben auch durch die anderen drei Kapitel zieht, sofort zu schätzen wissen.

Hinsichtlich der Story erinnert die Hauptgeschichte stellenweise an die ersten Gehversuche im Horror-Bereich und weist bezüglich der unheimlich dichten Atmosphäre eine deutliche Vorliebe für das britische Kino der Fünfziger auf. Dies mag sicher zu einem großen Teil an den S/w-Zeichnungen liegen, wird aber auch durch die grundsätzlich beklemmende Grundstimmung des Plots gerechtfertigt, und dies in allen vier Sinneinheiten. So ist es dem Autoren- und Zeichnerteam auch fabelhaft gelungen, den unkonventionellen Ansatz der ersten „Hellboy“-Comics beizubehalten, die Geschichte aber auch ohne den wichtigsten Akteur und früheren Namensgeber überzeugend weiterzuführen. „B.U.A.P. 1: Hohle Erde“ kann nämlich definitiv für sich selber stehen und braucht nicht dringend die Vorläufer zum besseren Verständnis.

Am Ende kann man daher auch ganz klar bestätigen, dass Mike Mignola sein Ziel erreicht hat. Er hat sein eigenes Comic-Universums um einige wichtige Faktoren erweitert, wichtige Fortschritte bei der allgemeinen Weiterentwicklung seiner Charaktere erzielt und sich mit nur einem Band zahlreiche neue Möglichkeiten für weitere Fortsetzungen und auch neue Serien (Abe Sapien zum Beispiel wäre doch ein Spitzen-Titelheld) geschaffen. „B.U.A.P. 1“ ist das vollkommen überzeugende Resultat einer konsequent entwickelten, schon länger bestehenden Idee und zudem die Einleitung zu weiteren neuen Themenkomplexen. Auch ohne Hellboy gibt Mignolas neuer Comic eine verdammt gute Figur ab. Aber das überrascht sicherlich nur die wenigsten …

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Bionda, Alisha / Kleudgen, Jörg – Blutopfer (Wolfgang Hohlbeins Schattenchronik, Band 4)

Dilara ist schockiert. Was sie Calvin über ihre Reise nach Italien, über Gelophee und Cippico berichtet hat, sind Ereignisse, an die sie sich bisher gar nicht erinnern konnte! Sie vermutet zunächst ihren damaligen kleinwüchsigen Diener als Ursache dieses Übels, doch welche Motivation könnte er gehabt haben? Und dann stellt sich heraus, dass Dilaras Amnesie viel tiefer reicht …

Im vierten Band der „Schattenchronik“ mit dem Titel „Blutopfer“ reisen wir wieder zurück in die Vergangenheit, und langsam dürfen wir die ersten Blicke auf alte Hochkulturen werfen, die mit der Geschichte der Vampire scheinbar unlösbar verbunden sind. Diesmal geht es nämlich nach Mexiko, tief ins Reich der Atzeken.

1895 begleitete Dilara den Londoner Archäologen Roger Gallet auf seiner Expedition zu der geheimnisvollen Atzeken-Stadt Aztlan. Die erste Überraschung: Die verschollene Stadt existiert tatsächlich und ist immer noch bewohnt. Die zweite Überraschung: Dilara stellt verwundert fest, dass sie die Sprache der Einwohner nicht nur versteht, sondern auch fließend spricht. Könnte das mit dem geheimnisvollen Kind zusammenhängen, das einst in der Aztekenstadt geboren wurde? Was macht Dilara so besonders? Ist sie eine Schlüsselfigur in der ominösen Schattenchronik? Kann sie Prophezeiungen erfüllen, oder soll sie sie doch eher verhindern? All dies bleibt uns weiterhin verborgen – und so heißt es, weiterlesen!

Dilara hatte sich nach Mexiko begeben, um Antworten zu finden auf Fragen, die sie nicht genau formulieren konnte. Doch was sie schließlich an ihrem Ziel findet, soll all ihre Vermutungen übertreffen. Nicht zufällig wird nämlich in Aztlan der Blutopfer-Kult zelebriert. Man ahnt es schon: Dilara ist nicht der einzige Vampire dort. Und so landet sie bald Hals über Kopf in einem Abenteuer, bei dem es nicht nur ihr, sondern auch Gallet an den Kragen geht.

Die „Schattenchronik“ erweist sich mit jedem neuen Band – „Blutopfer“ ist schließlich schon der vierte – erneut als literarische Zwiebel. Alisha Bionda und ihre wechselnden Gastautoren verstehen es mühelos, mit jedem neuen Roman (und damit jedem neuen Abenteuer) eine Haut der Zwiebel abzustreifen und dafür eine neue Haut zu enthüllen, die auf neue, noch mysteriösere Geheimnisse schließen lässt: getreu dem Gesetz der Serie, immer mehr Fragen aufzuwerfen als beantwortet werden. Und so lösen sich zwar einige Fragen zu Dilaras Ursprung und der Mythologie der Vampire im Allgemeinen, doch sollte das nicht dazu verführen zu glauben, man wüsste nun, wohin die Reise geht! Mit Sicherheit hat die „Schattenchronik“ noch mehr in petto.

Wie auch schon in „Der Kuss der Verdammnis“ und „Die Kinder der fünften Sonne“ ist „Blutopfer“ sauber recherchiert. Man merkt der Romanreihe das Interesse an anderen Zeiten und Kulturen an, was der Handlung und den Charakteren die nötige Tiefe gibt, um auf lange Sicht interessant zu bleiben. Bisher durfte der Leser zusammen mit Dilara London, Italien und Mexiko erleben – da gibt es also noch einiges zu entdecken; die Welt ist schließlich groß!

Stilistisch unterscheidet sich „Blutopfer“ sehr vom Vorgängerband. Trotz der zwei Erzählebenen ist der Roman rein sprachlich weniger experimentell und bewegt sich auf eher bekannten Pfaden. Es geht also geradliniger voran, was allerdings nur für die Sprache gilt, nicht für die Handlung! Bionda/Kleudgen haben großes Vergnügen daran, durch die Jahrhunderte und Handlungsebenen zu springen, Verbindungen zu ziehen und Andeutungen zu machen. So wird natürlich Spannung aufgebaut, aber die „Schattenchronik“ verlangt auch einen aufmerksamen Leser. Schließlich macht die Lektüre ungleich mehr Spaß, wenn man die Andeutungen der bisherigen Bände in zukünftigen Romanen dann endlich zu deuten weiß.

Zugegeben, die Azteken haben mich weit weniger begeistert als beispielsweise Dilaras Fahrt durchs mediterrane Italien im letzten Band. Doch dies ist eine rein subjektive Präferenz und ich bin sicher, dass Fans der Azteken oder der Geschichte Mexikos an „Blutopfer“ besonderen Spaß haben werden. In jedem Fall war es eine originelle Idee, Dilara auf der Suche nach ihrer Geschichte gerade dorthin zu führen. Anne Rice verortete seinerzeit den Ursprung der Vampire ins Alte Ägypten. Mal sehen, wohin uns die „Schattenchronik“ in dieser Hinsicht noch führt!

Und da uns Bionda/Kleudgen am Ende von „Blutopfer“ mit einem ordentlichen Cliffhanger zurücklassen, empfiehlt es sich unbedingt, gleich in Band fünf weiterzulesen. Es kann dem BLITZ-Verlag nicht nachgesagt werden, seine Leser nicht bei Laune zu halten!

http://www.blitz-verlag.de/

Saunders, Kate – Es soll Liebe sein

Mit ihrem aktuellen Roman „Es soll Liebe sein“ präsentiert uns Kate Saunders eine Geschichte, die vielleicht nicht sonderlich innovativ klingt, die aber dennoch für einige herrlich unbeschwerte und unterhaltsame Lesestunden sorgt. Cassie, die sowohl in der Karriere wie auch in ihrem Liebesleben ehrgeizig und konsequent ist, erhält einen nicht ganz alltäglichen Auftrag: Ihre „Ziehmutter“ Phoebe bittet sie nämlich, Frauen für ihre beiden Söhne zu finden; doch damit nicht genug verlangt sie außerdem, dass es wirklich Liebe sein soll. Phoebe, die bereits ihren Mann verloren hat, erfährt, dass sie selbst nicht mehr lange zu leben hat und möchte daher ihre beiden arbeitslosen, aber gutmütigen Söhne gut versorgt wissen. Doch ganz so einfach ist Cassies Aufgabe nicht, denn obwohl sie einige hübsche und erfolgreiche Single-Freundinnen hat, möchte sie ihnen ungern die beiden faulenzenden Muttersöhnchen Ben und Fritz aufschwatzen, die sie selbst für zwar sehr liebenswürdig, aber auch für schwer vermittelbar hält. So ist wirklich Not an der Frau.

Cassie beschließt, die beiden zu Verkuppelnden einzuweihen, um sie gleichzeitig um ihre Mithilfe zu bitten. Als Erstes wären da die beiden momentanen Gespielinnen der beiden Junggesellen loszuwerden, damit die Bühne frei ist für zwei von Cassies Freundinnen. Doch damit nicht genug, sollen die beiden sich auch endlich um einen Job kümmern, denn Ben versucht sich weiterhin als erfolgloser Konzertpianist, der zu sensibel für eine richtige Karriere ist, während Fritz seine abgeschlossene Ausbildung als Arzt weggeschmissen hat, um sich als ziemlich mieser Schauspieler zu verdingen.

Sobald diese Voraussetzungen erfüllt sind, können auch schon die ersten Kandidatinnen auf den Plan treten, doch merkt Cassie schnell, dass wahre Gefühle nicht zu erzwingen sind und Bens und Fritzens schmuddelige Wohnung sämtliche aufblühende Gefühle im Keim erstickt. So flüchtet die erste aussichtsreiche Heiratskandidatin schnell angesichts des Wohnchaos‘ der beiden Brüder. Nun ist guter Rat teuer, zumal Cassie ahnt, dass es mit ihrer eigenen Beziehung auch nicht zum Besten steht. Obwohl sie alles für ihren Matthew macht, jede Kulturveranstaltung brav (und vermeintlich interessiert!) besucht, gewissenhaft ihre Wohnung putzt und versucht, ihm alles Recht zu machen, kommt es zum großen Knall, als Cassies Wohnungsdecke einstürzt und Matthews teure Aktentasche samt seiner hochwichtigen Dokumente unter sich begräbt.

Klingt ein wenig abstrus und ziemlich vorhersehbar, oder? Und das ist es an vielen Stellen auch, nichtsdestotrotz liest frau jede Zeile gerne und oftmals mit einem Lächeln auf den Lippen. Die Geschichte reißt einen von Anfang an mit und rührt einen immer wieder. Cassies Liebe zu Phoebe und ihren nutzlosen Söhnen ist praktisch grenzenlos, haben Phoebe und ihr Mann Jimmy doch die Rolle von Cassies Ersatzeltern übernommen. Nach Jimmys frühem Tod wirkt die schwere Krankheit der sympathischen Phoebe umso tragischer und ihre Sorge um ihre beiden Söhne bewegt sehr, auch wenn die lustigen Situationen im Buch klar überwiegen.

Insbesondere die Charaktere gefallen gut. Da wäre zum Ersten Cassie, aus deren Sicht das gesamte Buch geschrieben ist. Cassie ist im Beruf erfolgreich, privat verbiegt sie sich für ihren „Elch-gesichtigen“ Freund allerdings fürchterlich, bis es nicht mehr weitergeht und sie erkennen muss, dass Matthew es nicht sonderlich ehrlich mit ihr meint. Noch kann Cassie nicht ahnen, dass es einen anderen Mann in ihrem Leben gibt, der vielleicht besser zu ihr passt, der aber notorisch untreu und sexbesessen ist und nur Augen für andere Frauen zu haben scheint. Cassie mit ihren liebenswerten Macken wird für die weibliche Leserschaft zur Identifikationsfigur, da man manche ihrer Eigenarten auch ganz gut von sich selbst kennt. Außerdem ist sie natürlich die Sympathieträgerin schlechthin. Spätestens, wenn Cassie aus Versehen in ausgelatschten Turnschuhen zu ihrem schicken Armani-Kleid zu einer Party fährt, dürften die Lesersympathien klar verteilt sein.

Aber auch die beiden chaotischen und doch so liebenswerten Brüder, die im Laufe der Zeit eine erstaunliche Wandlung vollführen, tragen sehr zum Erfolg des Buches bei. Man könnte sich glatt in einen der Brüder verlieben, sodass man ihnen von Herzen wünscht, dass sie tatsächlich ihre große Liebe finden, wo sie bereits ihren Vater verloren haben und auch ihre Mutter bald sterben muss. Besonders Fritz wirkt umso tragischer, muss er doch trotz seines abgeschlossenen Medizinstudiums hilflos mit ansehen, wie die Medizin seinen Eltern nicht helfen kann.

Die Story an sich ist dabei fast schon nebensächlich, zumal sie fast durchweg sehr durchschaubar ist und man spätestens auf der Hälfte des Buches merken wird, welche Liebeskonstellationen sich am Ende ergeben werden. So überrascht das Happy-End für fast alle Beteiligten schlussendlich kaum noch, selbst wenn es von Phoebes tragischem Tod getrübt wird.

Sprachlich ist das Buch nicht so spritzig wie zum Beispiel bei Maria Beaumont, Sophie Kinsella oder auch Helen Fielding, bei denen man aus dem Schmunzeln kaum herauskommt, dennoch ist „Es soll Liebe sein“ eine richtig wohltuende Lektüre, gaukelt sie einem doch die schöne heile Welt vor. So wirkt dieses Buch erfrischend wie ein leichter Sommerregen und wird sein weibliches Publikum sicherlich zufrieden stellen, auch wenn es natürlich kein literarisches Meisterwerk ist. Aber eines ist sicher: Bei diesem Roman ist der Name Programm, sodass es sich definitiv lohnt, sich von Kate Saunders in diese Traumwelt entführen zu lassen.

http://www.krueger-verlag.de

Renz, Franz / Picard, Dominique – Sensations, Science & Stories Vol. 1

Wissen mittels eines Hörbuchs zu vermitteln, ist kein einfaches und ein sicherlich sehr gewagtes Unterfangen. Die Gefahr, dass hierbei eine nüchterne und rein faktische Lesung ohne jegliche Lebendigkeit entsteht, ist nämlich ziemlich groß, gerade wenn die angesprochenen Themen ihre Basis in der fernen Vergangenheit haben und hinsichtlich der Aktualität oftmals weit überholt sind.

„Sensations, Science & Stories“ verfolgt daher auch einen etwas anderen Ansatz. So werden hier auch Tatsachenberichte zu wissenschaftlichen Ereignissen wiedergegeben, dies aber zu Themen, die in den meisten TV-Wissenssendungen als ‚eher uninteressant‘ beiseite geschoben würden. Ob berechtigt oder unberechtigt – nun, das liegt im eigenen Ermessen.

Aufbauend auf den vorgegebenen Themen der beiden Autoren Dr. Franz Renz und Dominique Picard erzählt Sprecher Olaf Pessler zunächst davon, wie einst das Bier gekühlt wurde. Pessler beschreibt, wie bereits damals die alten Mönche lernten, das Bier kalt zu lagern, um so den Geschmack und den Erhalt zu sichern, und leitet nahtlos über zur Erfindung des Kühlschranks und dessen Bedeutung für die Moderne. Mit einigem Humor berichtet er auch von der tatsächlichen Motivation zum Biergenuss, die vorwiegend der eigenen Bewusstseinstimulation diente und sich erst später zugunsten des Geschmacks verschob.

In einer Überleitung schildert er die Erfindung des Sprengstoffs Nitroglycerin, dessen Eigenschaften und die davon ausgehende Gefahr bis hin zu dem Zeitpunkt, als Mittel und Wege gefunden wurden, es zu kontrollieren und im Folgenden für kommerzielle Zwecke zu nutzen. Neben Erfindern wie Alfred Nobel wirft man dabei auch anderweitig bekannte Namen wie „Frankenstein“-Autorin Mary Shelley und die Gebrüder Grimm in die Runde und erstellt dabei einige wirre, aber gar nicht mal so uninteressante Zusammenhänge. Darauf aufbauend werden weitere multifaktorielle Konstrukte aus dem Gebiet der Wissenschaft dargelegt, Sinnverbindungen hergestellt, gleichzeitig aber auch wieder Fragen aufgeworfen, in denen der Hörer nicht selten zwischen Tatsache und Fiktion zu unterscheiden versucht. Inwiefern hier eine Relation besteht, decken die Autoren bzw. der Sprecher aber nicht auf.

Eine interessante Idee bleibt eine interessante Idee, muss aber nicht zwingend Garant für eine packende Hörspielinszenierung sein. „Sensations, Science & Stories“ ist dabei aber weder das eine noch das andere Extrem, soll heißen, weder schlecht noch durchweg überzeugend. Man kann den Machern auf keinen Fall mangelnden Ideenreichtum bei der Umsetzung vorwerfen, allerdings bleibt die Wissensvermittlung trotz allem in manchen Abschnitten ein wenig dröge und kann auch von den einzelnen gespielten Rückblenden in die jeweilige Zeit nicht wirklich belebt werden. Dabei sind die angeschnittenen Themenbereiche wirklich erfrischend und eben nicht das, was man tagtäglich in vergleichbaren TV-Sendungen vorgesetzt bekommt. Insofern ist die ursprünglich 2004 eingespielte Produktion sicherlich auch eine lohnenswerte Sache für das wissbegierige Publikum – selbst wenn die meisten Zusammenhänge recht ungewöhnlich erscheinen.

Die Kehrseite besteht indes aus der fehlenden Authentizität bei den Hörspiel-Sequenzen und dem gekünstelten Getue der hier vertretenen Sprecher. Sie leben die Geschichten nicht, sondern verkaufen sie ganz genau so, als sei es nur ihr Job, sie vorzulesen. Dieses Manko war bereits bei vorangegangenen Produktionen aus dem Hause |Hörspiele Welt| festzustellen und kann auch hier – wenngleich es nicht so schwer wiegt wie meinetwegen bei „Die schwarze Stunde“ – nicht ganz abgestellt werden.

Und so bleibt die ganze Sache auch ein Für und Wider, bei der das ziemlich frische und im Grunde genommen gut durchkonstruierte Konzept überzeugt, die Leistungen der Sprecher (abgesehen von Olaf Pessler) aber weitestgehend missfallen. Wissensdurstige werden sich sicherlich über ein solches Projekt (dessen Fortsetzung noch in diesem Jahr geplant ist) freuen, echte Hörspiel-Fans hingegen werden die etwas bröckelige Aufführung wahrscheinlich nur mit Kritik bedenken. Wie gesagt, eine interessante Idee bleibt eine interessante Idee, aber leider auch nicht viel mehr.

http://www.hoerspiele-welt.de/

Silverberg, Robert (Hrsg) – Legenden – Das Geheimnis von Otherland

_Ein neuer Blick in den Silbernen Schrein._

1999 wurde „Der Silberne Schrein“ für uns geöffnet, und zwar von Robert Silverberg, der sich der lobenswerten Aufgabe verschrieben hat, dem interessierten Leser einen Einblick in die Welt der Fantasy-Giganten zu gewähren. Ursula Le Guin, George R. R. Martin, Stephen King, etc., sie alle haben kurze, eigenständige Erzählungen verfasst, die in ihren Universen spielen, die dem Leser ihre Figuren vorstellen, und die mit ihrer sprachlichen Geschicklichkeit begeistern. Jetzt, sieben Jahre später, präsentiert uns der |Piper|-Verlag die Fortsetzung, hat sie aber in zwei Teile aufgespalten. „Das Geheimnis von Otherland“ ist der zweite.

_Tad Williams – „Der glücklichste tote Junge der Welt“_ (Otherland)

Orlando Gardiner ist tot, sein Geist aber befindet sich noch in Otherland, wo er wichtige Kontrollaufgaben zu erledigen hat. Trotz seiner Macht in der virtuellen Welt schleicht sich die Depression an ihn heran, die Kontakte mit seinen Eltern sind peinlich und zermürbend, seine Freundin Lisa dagegen wird immer älter und entfremdet sich von ihm. Es bleibt ihm nichts übrig, als in den verschiedenen Subwelten von Otherland herumzuwandern und Zerstreuung zu suchen; wenn er sich zurückziehen möchte, tut er das in Bruchtal, wo er mit Elrond zu Abend isst. Mitten in seinem ganzen Frust taucht aber plötzlich eine junge Dame auf, die behauptet, von ihm schwanger zu sein. Irritiert macht er sich auf die Suche nach ihr, doch immer, wenn er sie fast erwischt, zerplatzt sie wie eine Seifenblase. Während er noch grübelt, stellt er fest, dass sich dieses Phänomen über ganz Otherland auszubreiten scheint …

Also alleine der Anfang ist es wert, diese Story zu lesen: Da sitzt Orlando Gardiner alias Tharagorn in einem virtuellen Bruchtal, als ein besonders haariger Hobbit hereinstürmt und ihn als Elbenknuddler verspottet, ehe er ihm dann die Termine unterbreitet, die heute noch zu erfüllen sind. Dieser Hobbit ist nämlich nichts anderes als Orlandos Terminplaner, eine rotzfreche KI, die nur köstliche Unverschämtheiten von sich gibt.

Aber auch sonst ist „Der glücklichste tote Junge der Welt“ eine tolle Leistung, die Figuren sind echt, die Konflikte mitreißend, und die Erklärung des Universums fügt sich fast meisterhaft in die Spannungsbögen ein. Auch wenn das Ende einen nicht von Hocker pfeift, die Stimmung ist toll, die Ideen sind spritzig und der Spaß, den Williams beim Schreiben hatte, sickert aus jeder Zeile. Unbedingt lesenswert!

_Terry Brooks – „Unbeugsam“_ (Shannara)

Jair Ohmsford hat seinerzeit das Ildatch zerstört, ein finsteres Buch voll schwarzer Magie, das beinahe die ganze Welt verschlungen hätte. Heute hat Jair eigentlich seinen Frieden gefunden, doch da taucht Kimber auf, eine hübsche Messerwerferin und alte Bekannte. Ihr Großvater, sagt sie, glaubt, dass eine Seite des Ildatch-Buches überlebt habe, und deswegen soll er ihr unbedingt zu folgen, um ihm das Gegenteil zu beweisen. Natürlich wird Jair von dem alten Mann überzeugt, dass tatsächlich eine solche Seite überlebt hat, und so machen sich die Drei auf die Reise, um sie zu vernichten.

Etwas Neues gibt es für den Fantasy-Fan hier nicht zu bestaunen. Brooks schleppt den Leser mit einer Standard-Story durch sein Shannara-Universum, seine Figuren zögern und zaudern auf ihrer Reise zum unvermeidlichen Showdown und erklären in diesen recht zähflüssigen Passagen die Welt von Shannara. Neben ein paar netten Bildern hat „Unbeugsam“ kaum etwas zu bieten, das Ende zeichnet sich schon auf den ersten Seiten ab und das Universum hat einfach Staub angesetzt. Natürlich muss man dabei bedenken, dass der erste Shannara-Band schon 1977 erschienen ist, dementsprechend ist es durchaus in Ordnung, wenn Brooks hier „Standard“ schreibt, immerhin hat er den „Standard“ mitbegründet. Trotzdem. Für Shannara-Fans bestimmt interessant, für den Neueinsteiger oder modernen Fantasyleser eher Baldrian in Bücherform.

_Anne McCaffrey – „Jenseits des Dazwischen“_ (Die Drachenreiter von Pern)

Thaniel wartet auf seinem Hof darauf, dass ihm ein Impfstoff gebracht wird, der ihn und seine Kinder vor einer Seuche bewahren soll, die Pern heimsucht. Endlich taucht die Weyherrin Moreta aus dem Dazwischen auf und bringt ihm die ersehnten Medikamente. Erstaunt stellt Thaniel fest, dass Moreta nicht auf „ihrem“ Drachen reitet, dabei ist es doch in ganz Pern bekannt, dass zwischen Drachen und Reiter ein immerwährendes Band herrscht; wenn der eine stirbt, sucht auch der andere den Tod. Thaniel wagt es nicht, die adlige Frau nach Gründen zu fragen, und so springt Moreta nach dem Abschied ins Dazwischen, jenem seltsamen Ort, der von den Drachenreitern durchschritten wird, um große Entfernungen in kurzer Zeit zurückzulegen. Nur diesmal bleiben Moreta und ihr Drachen im Dazwischen verschollen. Alle glauben schon, sie sei für immer verloren, doch da fangen Thaniels Pferde Nachts zu wiehern an, immer zur gleichen Zeit …

„Jenseits des Dazwischen“ ist ein gemächliches Stück Fantasy, das die komplexe Pernwelt erklärt, ohne in übermächtige Erzählpassagen umzukippen. Es ist nicht spannend, Konflikte gibt es kaum, und manches Ereignis wird überflüssigerweise aus mehreren Perspektiven erzählt, aber schlecht ist „Jenseits des Dazwischen“ trotzdem nicht. Es ist eine Geschichte wie ein Sonntagsspaziergang: nett, aber nicht umwerfend. Für den Pern-Kenner kann das natürlich wieder ganz anders aussehen! Mir hat aber „Die Läuferin von Pern“ im „Silbernen Schrein“ besser gefallen.

_Neal Gaiman – „Der Herr des Tals“_ (American Gods)

Die Menschen, die nach Amerika auswanderten, haben ihre Götter mitgebracht. Mr. Wednesday ist Odin, der den neuen Göttern Geld und Medien den Krieg angesagt hat, sein Helfer ist Shadow, um den es in dieser Novelle geht. Shadow sitzt in einer Kneipe in Schottland und wird plötzlich angesprochen, ob er nicht einen Leibwächterjob übernehmen möchte. Obwohl ihn die Bardame Jennie eindringlich davor warnt, nimmt er den Job an. Türsteher soll er sein, an einem abgelegenen Haus in den Bergen. Die Gäste reisen an, alle aus oberen Kreisen, und Shadow schwant allmählich, dass sein Job nicht so einfach ist, wie er sich das erhofft …

Ähnlich wie bei Tad Williams kommt der Leser hier in den Genuss einer Universenbeschreibung, die hervorragend in den Spannungsaufbau eingebunden ist. Hier gibt es keine langatmigen Erklärungspassagen, alles spielt sich während der Handlung ab und hält uns bis zur letzten Seite bei der Stange. „American Gods“ wirft ein seltsam entrücktes Licht auf unsere Welt: Es gibt Götter und Fabelwesen, sie wandeln unter uns in Menschengestalt und würden neben einem gewissen Hang zum Exzentrischen niemandem auffallen. Ständig spielt sich Mysteriöses ab, zwischen den Zeilen der Gesellschaft sozusagen, in den Mantel normaler Aktivitäten gehüllt, zum Beispiel Dinnerpartys in abgelegenen Häusern. Gaiman ist ein moderner Autor, wie er im Buche steht; er zeigt alles, labert kaum, und die Charakterzüge seiner Figuren reichen bis in die spritzigen Dialoge hinein. „Der Herr des Tales“ ist nicht wirklich spannend, aber hochinteressant und ein gelungener Appetizer! „American Gods“ sollte man im Auge behalten!

_Raymond E. Feist – „Der Bote“_ (Midkemia)

„Der Bote“ ist die Geschichte des jungen Melders Terrance, der vor dem großen Wintereinbruch seinen ersten wichtigen Botenauftrag zu erledigen hat. Dabei verläuft nicht alles so, wie er sich erhofft hat; Krankheit erschwert seinen Auftrag ebenso wie diverse Wendungen, die der Krieg von ihm verlangt.

Ähnlich wie „Unbeugsam“ ist „Der Bote“ eine sehr einfache Geschichte; anders als Brooks schafft es Feist aber wirklich spannend zu erzählen. Die Unbilden, die ein Melder zu ertragen hat, erlebt der Leser am eigenen Leib; man friert mit Terrance, fürchtet sich mit ihm und leidet mit ihm, wenn er trotz Fieber und Müdigkeit hinaus in den Schnee muss, wo der Feind schon auf ihn wartet. Feist erzählt bunt und detailreich, man kann sehen, riechen, fühlen und schmecken, dabei erfährt man allerhand über den Krieg mit Midkemia, und spannend ist es auch noch. Zwar hat „Der Bote“ seine Längen, ist aber durchweg unterhaltsam; ob Feist damit aber das Interesse für den kompletten Zyklus zu wecken vermag, bleibt jedem selbst überlassen.

_Elisabeth Haydon – „An der Schwelle“_ (Rhapsody)

Das Universum von Haydons Rhapsody-Saga ist so komplex, dass das zweiseitige Vorwort nicht genügt, um es zu bändigen. So oft man es auch liest, die Details erschlagen einen geradezu. Aber für „An der Schwelle“ braucht man all das gar nicht zu wissen: Es ist die Geschichte einer Gruppe Soldaten, die auf der Insel Serendair zurückgeblieben ist, obwohl deren Ende unmittelbar bevorsteht. Vor vielen Jahren ist ein Stern ins Meer gestürzt, vor der Insel, und löste eine Katastrophe aus. Eine Prophezeiung besagt, dass das „schlafende Kind“ aber in Kürze wieder erwachen würde, und die Anzeichen dafür häufen sich.

So warten die Soldaten also darauf, dass sie der erwachende Stern verschlingt. Dann allerdings taucht ein geheimnisvoller Fremder auf, der die Hoffnung weckt, dass die Prophezeiung zu verhindern sei …

Das Positive zuerst: Haydon hat eine Menge Ideen. Negativ: Sie schafft es nicht, diese Ideen in ihre Handlung einzubauen. In „An der Schwelle“ haben wir also eine Ansammlung klassischer Fantasy-Figuren, die klassische Fantasy-Dinge tun (den Wind beschwören, durch die Gegend reiten, geheimnisvolle Fremde begleiten). Und während diese Figuren so im Klischee schwelgen, erzählen sie dem Leser in todlangweiligen Laberpassagen von der wunderbaren Tiefe ihres Universums, von den verschiedenen Kulturen, die es gibt, von Kriegen, usw. usf. Tut mir leid, aber auch die halbherzigen Wendungen genügen kaum, um mich aus dem lesetechnischen Dämmerschlaf zu reißen, eher im Gegenteil.

_Seitenstechen auf der zweiten Etappe._

Zunächst: Die Landkarten der jeweiligen Welten fehlen auch hier schmerzlichst. Wie sieht denn nun Midkemia aus oder Shannara? Ich hoffe schwer auf eine Bereinigung dieses Makels, wenn ein dritter „Legenden“-Band herauskommen sollte …

Zu „Legenden – Das Geheimnis von Otherland“ sei gesagt, dass die „Hit-Dichte“ geringer ist als in „Lord John – Der magische Pakt“. Neal Gaiman und Tad Williams haben Tolles vollbracht, aber Anne McCaffrey und Raymond Feist müssen sich den Stempel „unterhaltsamer Durchschnitt“ gefallen lassen, während auf Elisabeth Haydon und Terry Brooks gar das „Langweilig!“-Brandzeichen wartet.

Aber Trotzdem. „Legenden“ ist ein tolles Projekt und in seiner Gänze unterstützenswert, einen Kauf wird weder der Einsteiger noch der Kenner bereuen.

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