Berzin, Alexander – Kalachakra – Das Rad der Zeit. Geschichte, Wesen und Praxis der bedeutendsten tantrischen Initiation

Der heute in Berlin lebende Amerikaner Berzin lebte 30 Jahre bei den sich im indischen Exil befindlichen Tibetern und studierte alle vier tibetischen Schulen. Er ist ein enger Vertrauter des Dalai Lama. Er gilt als wichtigster westlicher Experte der Kalachakra-Initiation und da diese im Herbst 2002 durch den Dalai Lama in Graz in einer spirituellen Massenveranstaltung übertragen wurde, wagte sich der Barth-Verlag an die Übersetzung des bereits fünf Jahre zuvor in den USA erschienenen Buches.

Kalachakra bedeutet die Fähigkeit, mit allen Situationen zu jeder Zeit umgehen zu können. Dies gelingt dem Autor in einfacher Weise – aber einzigartig umfassend – darzustellen. Für diejenigen, die wissen wollen, ob Kalachakra ein für sie begehbares System sein könnte, ist das Buch Pflichtlektüre. Kalachakra steht in engem Zusammenhang mit dem geheimnisvollen Shambhala-Reich, aber das Ziel von Kalachakra ist es nicht, Shambhala zu erreichen.
Eine Kalachakra-Initiation ist auch nicht dazu gedacht, Menschen zum Buddhismus zu bekehren, sondern gemäß den Idealen ihrer eigenen Religion zu leben und sich in Brüder- und Schwesternschaften mit anderen zu vereinigen, die dies ebenfalls tun. So unübersehbar dieses System in seiner Komplexität auch scheint, empfiehlt es sich für jeden, der die schon erwähnte Fähigkeit erwerben möchte, mit allen Situationen umgehen zu können, und das zu jeder Zeit und in jedem Umfang. Besonders wir westliche Menschen brauchen solche Systeme.
In unserer modernen Gesellschaft führen viele ein fragmentarisches Leben. Wir fühlen uns entfremdet von vitalen Komponenten, wie z.B. unserem Körper, unseren Gefühlen, unserer Kreativität oder unseren Eltern. Es ist schwierig, alles im Gleichgewicht zu halten und es zu integrieren. Es ist so, als ob wir viele Leben gleichzeitig führen würden – ein öffentliches und ein privates, ein Büroleben, ein Familienleben, dazu ein soziales, intellektuelles, spirituelles, ein Sport-, Vereins-, Ferien-, Muße- und ein politisches Leben. Die Situation wird sogar noch komplizierter, wenn es zu Scheidungen und Wiederverheiratungen gekommen ist.

Kalachakra befähigt, mit all diesen Elementen harmonisch eine ganze Person zu sein. Im Buch wird die Geschichte und der Hintergrund des Kalachakra erklärt, welches überraschende Bezüge zum gegenwärtigen Zeitgeschehen zutage bringt und ziemlich umfassend die vielen dabei zu leistenden Gelübde erklärt, gedeutet und kommentiert. Nach dieser umfangreichen Klärung, ob man sich überhaupt in der Lage sieht, sich auf’s Kalachakra einzulassen, folgt die Darstellung der praktischen Verpflichtung, d.h. der täglichen Arbeit. Auch wird der eigentliche Initiationsritus detailliert beschrieben.

Berthold Röth
für die [AHA-Zeitschrift]http://www.aha-zeitschrift.de

Gebhardt, Lisette – Japans neue Spiritualität

New Age im Land der aufgehenden Sonne.

Dies ist das wohl umfassendste und bestrecherchierte Buch zur japanischen Spiritualität und Religion der Gegenwart.
Japan? Das Fuji-Honda-Sony-Land, in dem die Angestellten in ihrer Firma wohnen? Nein, es wird eine Kultur vorgestellt, die auf ganz andere Weise vertraut und exotisch ist. Japan hat in viel kürzerer Zeit als die westeuropäischen Staaten die Entwicklung vom Nationalstaat zur internationalen Wirtschaftsmacht vollzogen und daraus resultieren die meisten Fragen, Probleme, Spannungen und Selbstfindungsansätze, um die es in “Japans neuer Spiritualität” geht.
Was mir zuerst auffiel: die Autorin liefert einen äußerst detaillierten, facettenreichen, widersprüchlichen Überblick der spirituellen Ansätze im heutigen Japan. Dadurch wird dieser Überblick viel mehr zum Abbild der tatsächlichen Situation, als o.g. Klischeevorstellung.

Ziel des Buches ist es, “Texte der japanischen Gegenwartsliteratur vorzustellen, die Religion und Religiöses/’Spirituelles‘ thematisieren. Zum anderen versucht [es], diese Texte im Umfeld einer ’neuen spirituellen Kultur‘ zu lokalisieren.” Besonders wichtig:
1. Eine wissenschaftliche Perspektive auf das Phänomen NewAge dürfte ungewohnt sein, da hierzulande das moralisierende Geschwafel der Amtskirchen jegliches Forschungsinteresse ad absurdum führt. Wenn man aber die Wechselwirkung von ‘spirituellen’ Fragen, Gesellschaft und dem Streben nach erlebbarer Religion unvoreingenommen beobachtet, sieht man Anderes als beim Versuch, ein Feindbild zu bestätigen.
2. Die Frage nach dem Sinn des Lebens, möglichen Zukünften oder neuen Paradigmen sind komplexe Zusammenhänge. Diese können wir besser erkennen, wenn wir uns auf Entdeckungsreise ins fremde Japan begeben. Denn was uns selbstverständlich ist, sehen wir im Kontrast zum fremden Anderen.

Das Buch ist gespickt mit Quellenangaben, was das Lesen teils etwas erschwert. Buchbesprechungen, Artikel, öffentliche Diskussionen, zentrale Begriffe oder Biografien schnell vertiefen zu können, ist andererseits auch lohnenswert. Das Spektrum reicht von ‘Freaks’ über die AUM-Shinrikyo bis zu Künstlern und Schriftstellern – was ahnen lässt, dass das Intereesse an japanischer Spiritualität (was immer das genau sein mag) enorm ist.

Knut Gierdahl
Chefredakteur der [AHA-Zeitschrift]http://www.aha-zeitschrift.de

Peter Hertel – Schleichende Übernahme – Josemaría Escrivá, sein Opus Dei und die Macht im Vatikan

Peter Hertel beschreibt das ‚Opus Dei‘, das ‚Werk Gottes‘. Dessen Geschichte ist die Geschichte der erfolgreichsten kirchlichen Organisation der letzten Jahrhunderte. Angetreten mit dem Ziel einer Rekatholisierung der katholischen Mutterkirche, kann man viele Parallelen zur Gegenreformation und den Jesuiten ziehen. Dennoch kennen viele selbst nach 80 Jahren das Opus Dei nicht, nicht als fundamentale Hauptkraft der Papstkirche, die die Richtung des Vatikans bestimmt.

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