William Avon – The Girlspell (Girlspell-Trilogie 1)

Für Liebhaber der „Geschichte der O“

Drei junge Frauen werden durch den Inhalt einer mysteriösen orientalischen Schatulle in eine andere Welt versetzt. Es ist zwar immer noch das südliche England ungefähr im Jahr 1930, aber hier herrschen strenge Großgrundbesitzer mit Gesetzen, die es ihnen erlauben, „illegale Eindringlinge“ aus dem „Ausland“ in Leibeigenschaft zu nehmen. So widerfährt es der Polizistin Melanie Kingston, während die Einbrecherin Amber Jones im Knast und am Pranger landet. Am schlimmsten ergeht es der üppigen Susan Drake, die in die Hände einer grausamen Gutsherrentochter fällt.
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Lydia Manzoni – Gewisse Stunden

Monika macht den Liebesführerschein

„Die Verwirrungen einer jungen Frau, die ihren Mann liebt und sich in einsamen Stunden von einem Kavalier trösten lässt, werden hier beschrieben. Ein aufregendes Buch für alles, die das Ungewöhnliche lieben.“ (Verlagsinfo) Nun, der Kavalier ist nur der Anfang und zudem ein Irrweg. Was Monika wirklich sucht, ist die Erfüllung in den Armen anderer Frauen, sowie die damit einhergehende Erfahrung und Reife als Frau.
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Robin Hobb – Der Adept des Assassinen (Die Legende vom Weitseher 1)

Startband: Die Legende vom Weitseher

Fitz ist KEIN gewöhnlicher kleiner Junge. Er ist der Bastard von Prinz Chivalric, dem Thronerben des Königshauses der Weitseher, und dieser Fehltritt war es, der denselben zumindest vordergründig zum Rücktritt bewegt hat. Wenig später stürzt der Prinz unglücklich vom Pferd…

Chivalric gab zuvor seinem treuesten Gefolgsmann, dem Stallmeister Burrich, die Aufgabe Fitz großzuziehen. Doch nicht nur dieser hat Interesse an Fitz: Er ist einfach ein Politikum. Um der Gefahr eines von Fürsten für ihre Zwecke als Thronerben aufgebauten Bastards zu entgehen, beschließt König Listenreich, ihn in seine Dienste zu nehmen. So wie er es schon mit seinem eigenen Bastard-Halbbruder tat… Chade.

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Adam Zutzel & Eva Zausel (Hrsg.) – Die allerneueste klassische Sau. Das Handbuch der literarischen Hocherotik. Folge 3

Hochliterarische Ferkeleien

Sie suchen die Stellen in der erotischen Literatur? Suchen Sie nicht weiter, denn in diesem Buch bekommen Sie die „schweinösesten“ Stellen komplett in einem Band: „Auf diese Schweine können Sie bauen!“ Diese dritte Folge der „Klassischen Sau“ bringt Ihnen in sechs Positionen die Delikatessen der erotischen Literatur „des Morgen- wie des Abendlandes und aus der Neuen Welt dazu“. Mit Bildern von Wolfgang Herrndorf und einem Vorspiel von Robert Gernhardt.
Adam Zutzel & Eva Zausel (Hrsg.) – Die allerneueste klassische Sau. Das Handbuch der literarischen Hocherotik. Folge 3 weiterlesen

[NEWS] Sophie Backsen – Butter bei die Fische

Die Nordseeinseln Pellworm ist die Heimat von Sophie und Silke Backsen. Hier werden die Auswirkungen des Klimawandels besonders spürbar: Die Insel liegt heute bereits einen Meter unter dem Meeresspiegel, jede weitere Erhöhung desselben wäre katastrophal. Silke Backsen zog bereits 2019 für eine bessere Klimapolitik vor Gericht, aber Erfolg hatte erst ihre Tochter Sophie, als sie 2021 ein historisches Urteil erwirkte, das in der deutschen Presse als Sensationserfolg und Paukenschlag gewertet wurde und in der Tagesschau als “Entscheidung mit Signalwirkung” verkündet wurde. Einer jungen Studentin von Pellworm war es gelungen, die Politik zu neuem Handeln und Denken zu zwingen. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 192 Seiten
Hoffmann und Campe

Arthur Conan Doyle – Die fünf Orangenkerne (Sherlock Holmes 17)

Der Fluch des Hauses Openshaw: Sherlock Holmes wird nachlässig

An einem verregneten Abend sucht der junge John Openshaw den Rat des Meisterdetektivs in der Baker Street 221b. In seiner Familie ereignen sich seit einigen Jahren mysteriöse Todesfälle, die stets mit der Zusendung von fünf Orangenkernen angekündigt werden… (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 12 Jahren.

Der Autor
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Perry Rhodan – DORIFER (Silber Edition 161)

Die Handlung:

In den Galaxien von Estartu kämpfen die Gänger des Netzes – unter ihnen Perry Rhodan – gegen die Macht der Ewigen Krieger. Aktuell wollen sie zwei alte Freunde aus den Orphischen Labyrinthen befreien.
Zur gleichen Zeit taucht der geheimnisvolle KLOTZ auf, ein riesiger Raumkörper. Er materialisiert ausgerechnet in der Nähe von DORIFER – dabei handelt es sich um ein Kosmonukleotid, ein zentrales Element für den gesamten Kosmos … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Los gehts mit Alaska Saedalaere, der Teil der Gänger des Netzes geworden ist, und den wir auf der Suche nach Roi Danton und Ronald Tekener begleiten. Wobei … eigentlich ist es ja eine Jagd, der er sich anschließt.

An der nehmen wir aber noch nicht Teil, denn uns wird der KLOTZ vorgestellt. Das ist ein Großraumschiff, das den Namen mehr als verdient. 80x25x18 Kilometer sind die Maße … und der Klops bietet eine Menge Platz für Technik und Leben.

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Novik, Naomi – Drachenbrut (Die Feuerreiter Seiner Majestät 1)

Die Saga von Temeraire, dem edlen Drachen

Anno 1805, England befindet sich im Krieg mit Napoleon. Der englische Seekapitän Will Laurence traut seinen Augen nicht: An Bord einer gerade gekaperten französischen Fregatte befindet sich tatsächlich ein echtes Drachenei! Er ahnt noch nicht, das dieser kostbare Fund sein Leben unwiderruflich verändern wird. Denn als der kleine Drache, den er Temeraire tauft, schlüpft, erwählt er ausgerechnet Laurence zu seinem menschlichen Gefährten – als glorreichen Feuerreiter Seiner Majestät …

Peter Jackson („Herr der Ringe“-Trilogie, „King Kong“, „Heavenly Creatures“, „Forgotten Silver“) will den Roman verfilmen, vielleicht sogar die ganze Trilogie um die Feuerreiter.

Die Autorin

Naomi Novik wurde 1973 in New York City geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Hexe Baba Yaga und mit Tolkiens Werken aufgewachsen. Sie hat englische Literatur studiert, im Bereich IT-Wissenschaften gearbeitet und war zudem an der Entwicklung von erfolgreichen Computerspielen beteiligt. Dann schrieb sie ihren Debütroman, mit dem sie Kritiker und Leser gleichermaßen begeisterte. Mehr zu der Welt der Feuerreiter findet man unter http://www.temeraire.org/. Novik lebt mit ihrem Mann in New York.

Die Trilogie „Die Feuerreiter Seiner Majestät“ besteht aus den Bänden:

Naomi Novik: Drachenbrut. Blanvalet, Berlin Juni 2007, ISBN 978-3-442-24443-0.
Naomi Novik: Drachenprinz. Blanvalet, Berlin August 2007, ISBN 978-3-442-24444-7.
Naomi Novik: Drachenzorn. Blanvalet, Berlin Oktober 2007, ISBN 978-3-442-24445-4.
Naomi Novik: Drachenglanz. Blanvalet, Berlin April 2008, ISBN 978-3-442-26572-5.
Naomi Novik: Drachenwacht. Penhaligon, München Februar 2009, ISBN 978-3-7645-3015-0.
Naomi Novik: Drachenflamme. Penhaligon, München Oktober 2010, ISBN 978-3-7645-3016-7.
Naomi Novik: Drachengold. Penhaligon, München Juni 2012, ISBN 978-3-7645-3073-0.
Naomi Novik: Drachenfeind. Penhaligon, München Juli 2014, ISBN 978-3-7645-3074-7.
Naomi Novik: Drachensieg. Penhaligon, München März 2017, ISBN 978-3-7645-3075-4.

Einzelromane

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes. cbj, München November 2016, ISBN 978-3-570-17268-1.
Naomi Novik: Das kalte Reich des Silbers. cbj, München März 2019, ISBN 978-3-570-16549-2.

Handlung

Anno 1805 befindet sich das stolze Albion im Krieg mit Napoleon. Der englische Seekapitän Will Laurence hat gerade im Südatlantik eine französische Fregatte gekapert. Unter dem Beutegut befindet sich auch eine recht große Kiste. Als sie untersucht wird, stellt sich heraus, dass sie ein Drachenei beherbergt. Und das Junge ist kurz davor zu schlüpfen.

Drachenflotte

Nun geraten die britischen Offiziere in Aufregung. Dass es überall auf der Welt seit Urzeiten Drachen gibt, ist nichts Ungewöhnliches. Aber England, das von Napoleon belagert wird, braucht dringend eigene Drachen, um den Franzosen am Ärmelkanal Paroli bieten zu können. Die Flotte zur See, die von Admiral Nelson geführt wird, hat Napoleons Flotte vor dem Nildelta einmal besiegt, aber das reicht nicht. Die Briten brauchen auch eine Luftflotte von Drachen, um den französischen Drachenangriffen standhalten zu können. Einen eigenen Drachen zu haben, wäre eine willkommene Verstärkung der Drachenflotte. Es gibt nur einen Haken: Wer Drachenpilot sein will, kann nicht mehr in der Marine dienen.

Die Wahl

Die Offiziere stellen sich um das Ei auf, als das Junge schlüpft. Wen wird das Drachenjunge zu seinem Reiter wählen? Der Freiwillige verliert die Nerven und Laurence muss selbst das Junge auf sich aufmerksam machen. Die Bindung beginnt, und aus einem Geistesblitz heraus tauft er das schwarze Drachenjunge auf den Namen „Temeraire“. Der Drache ist einverstanden. Er kann von Anfang sprechen und versteht und spricht Englisch ebenso wie Französisch. Aber was für ein Typ Drache ist er?

Die Luftflotte

Nach und nach freunden sich die beiden grundverschiedenen Wesen miteinander an. Laurence hat sich damit abgefunden, dass er die Marine verlassen muss, und bittet die Admiralität per Drachenpost um seine Entlassung. Er hat aus dem Prisengeld und von seinem begüterten Vater genügend Vermögen, um sich als Drachenpilot ein angenehmes Auskommen zu sichern. Er entsagt seiner Verlobten, die in England auf ihn gewartet hat, denn für Drachenpiloten kann es keine Ehe nach herkömmlichem Muster geben. Sie werden dort stationiert, wo sie gebraucht werden, und dort wird das Leben als zu rau für eine Frau erachtet, zumal für eine Adelige.

Ausbildung

Die Ausbildung im schottischen Hochland bereitet ihn und Temeraire auf Kampftaktik und Telekommunikation (mittels Signalflaggen) vor. Inzwischen ist sein schwarzer Drache zu den Ausmaßen eines Jumbojets angewachsen. Eine komplette Schützenmannschaft kann auf und unter ihm in Netzen Platz nehmen. Ein erster Kampfeinsatz lässt sie Bekanntschaft mit französischen Drachen machen, wobei sich Temeraire als einer der schnellsten und wendigsten Drachen der Einheit auszeichnet. Temeraire ist noch mit sich selbst unzufrieden, denn er kann weder Gift noch Feuer spucken. Welche Waffe hat ihm Mutter Natur mitgegeben?

Die Bewährung

Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht dem Paar noch bevor. Sie werden am Ärmelkanal stationiert. Auf der französischen Seite hat Napoleon eine Invasionsflotte zusammengezogen, die zweifellos bald in See stechen wird. Der Seekrieg gegen Napoleon findet einen ersten Höhepunkt, als Admiral Nelson die französische Flotte, die durch Dracheneinwirkung aus Toulon entkommen konnte, vor Kap Trafalgar stellt und in eine Seeschlacht verwickelt. Ohne die britischen Drachen vom Ärmelkanal hätte Nelson einen schlechten Stand, doch er siegt.

Temeraire und Laurence, die nicht nach Trafalgar abkommandiert wurden, entdecken eines Morgens, dass die Invasionsflotte der Franzosen losfährt. Und zwar nicht nur auf dem Wasser, sondern auch in der Luft. Nun wird’s ernst! Nach der Enttarnung eines Verräters verfügen die Drachenpiloten über gute Kenntnisse, was Napoleon vorhat. Laurence erkennt frohlockend, dass er es in Temeraire mit einem der raren kaiserlichen Drachen aus China zu tun hat, und Temeraire kann endlich zeigen, worin seine eigentliche Waffe besteht: im „göttlichen Wind“ …

Mein Eindruck

Der ganze Plot dreht sich um den ungewöhnlichen Drachen Temeraire und seinen erwachsenen Reiter Will Laurence. Ich stelle mir Will immer als eine Variante von Russell Crowes Kapitän in „Master and Commander“ vor. Es ist die richtige Zeit, die richtigen Schiffe und die gleiche geistige Kultur. Mit dem Unterschied, dass es in diesem Buch Drachen gibt. Viele Drachen, überall.

Da gibt es die gewöhnlichen Pascalblauen und die Langflügler, doch die größten Drachen sind die Himmelsdrachen und Königskupfer. Sie alle sind stationiert auf dem Stützpunkt, auf dem auch Will Laurence und Temeraire Dienst tun. Temeraire ist ein unglaublich kluger Drache, der vor lauter Wissensdurst seinen Reiter ganz schön fordert, denn dieser muss Temeraire alle möglichen Bücher vorlesen. Darunter sind sogar mathematische Fachbücher, und diese vorzulesen, kann ganz schön anstrengend werden.

Seine große Bildung macht Temeraire aber keineswegs zu einem arroganten Schnösel. Vielmehr bewahrt er sich in seiner Jugendlichkeit eine große Anhänglichkeit zu seinem Reiter, seinem engsten Freund: Will Laurence. Außer brennt Temeraire darauf, endlich in einen „richtigen“ Kampf zu ziehen, um zeigen zu können, was er draufhat. Die Theorie eines Feindes, den er nur selten sieht und meist auch nicht in Scharmützeln jagen kann, behagt ihm nicht.

Die finale Schlacht, welche die Handlung dieses Bandes krönt, gibt Temeraire endlich Gelegenheit, seinen Reiter mit einer neuen Fähigkeit zu überraschen. Endlich wird der Drache zu einer vollwertigen Waffe. Andere Drachen mögen Feuer oder Säure spucken, doch Temeraires Waffe ist auch nicht zu verachten (und ich werde nicht verraten, worin sie besteht). Und sie steht nur den alleredelsten Drachen zur Verfügung.

Probleme

Dieser Umstand entpuppt sich jedoch auch als ein Problem. Denn bei Temeraires Drachenei handelte es sich um ein Geschenk des chinesischen Kaisers an Napoleon, also um etwas ganz Besonderes. Wenn die Briten, allen voran Will Laurence, erkannt hätten, womit sie es zu tun haben, hätten sie Temeraire ganz anders behandelt, ja, ihn vielleicht nicht mal ausgebildet. Deshalb ist über weite Strecken dieses Bandes unabdingbar, dass Temeraires wahre Qualität verborgen bleibt. Folglich wird er wie sein Reiter wie ein gewöhnlicher Rekrut behandelt und genießt keine Sonderbehandlung. Seine Stellung in der Truppe ist daher eine ganz normale und ruft keinen Neid hervor.

Doch als die Katze aus dem Sack ist und Temeraire als kaiserlicher Drache erkannt wird, dauert es nicht lange, bis eine hohe chinesische Delegation die Rückgabe des kaiserlichen Geschenks fordert.

Romantik

Nun mag sich so mancher Leser fragen, wo denn hier, bitteschön, die Romantik bleibt. Wie erwähnt, muss Will Laurence seiner Verlobten entsagen und das einzige weibliche Wesen, das für ihn in Frage kommt, ist eine Drachenreiterin, die er in Schottland kennen lernt. Allerdings ist die Reiterin von Lily noch ziemlich jung, sie könnte glatt seine Tochter sein. Deshalb stolpert er gewissermaßen in die Beziehung zu einer gestandenen Drachenreiterin namens Jane Harcourt hinein, die ihn auch körperlich befriedigt. Und deren Tochter Emily ist Mitglied in seiner Mannschaft.

Nur für Erwachsene?

Was mich immer wieder erstaunte und mir zunehmend besser gefiel, ist die erwachsene Verhaltensweise von Laurence und Co. Diese Leute nehmen Rücksichten aufeinander, die unsereins heutzutage nicht einmal mehr in den Sinn kommen würde, aber damals achtete man beim Militär noch sehr auf gutes Benehmen und Etikette sowie auf respektvolle Behandlung. Einmal begeht Laurence einen kapitalen Fehler, indem er sich mit einem Drachenreiter anfreundet, der seinen Drachen misshandelt. Infolgedessen grenzt er sich selbst von den Truppenoffizieren ab, die diesen Drachenmisshandler ablehnen. Er erkennt seinen Fehler gerade noch rechtzeitig, bevor er seinem Ruf bei der Truppe Schlimmeres zufügt.

Verfilmung

Auf diesem Niveau werden Geschichten leider nur noch sehr selten erzählt, schon gar nicht in sogenannter Jugendliteratur. Und in dieser Hinsicht hat die Autorin offenkundig von ihren Studien englischer Literatur profitiert. Wer einmal Jane Austen, Hardy, Fielding oder Thackeray gelesen hat, weiß, woher eine solche Erzählhaltung rührt. Kein Wunder, dass sich Peter Jackson so begeistert von dieser Trilogie zeigte, und ich freue mich auf seine Verfilmung dieses vielversprechenden Stoffes.

Die Übersetzung

… ist nahezu fehlerfrei. Nur auf Seite 353 fiel mir ein grober Schnitzer auf. Da heißt es „und ihre gemeinsame Zeit näherte sich SEINEM Ende“. Die Zeit ist hierzulande immer noch weiblich. Es muss daher „IHREM Ende“ heißen.

Zum Buch gehören übrigens nicht nur eine Leseprobe und eine Tafel mit grafischen Darstellungen von vier Drachentypen, sondern auch eine wissenschaftliche Abhandlung über die weltweit vertretenen Drachentypen. Darin finden sich auch Informationen über den raren Drachentyp, die Temeraire vertritt: die Kaiser- und Himmelsdrachen.

Unterm Strich

Der erste Band der Trilogie um die Feuerreiter schildert die Lehr- und Wanderjahre des edlen Drachen Temeraire und seines Herren und Freundes Will Laurence, Ex-Seekapitän. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, insbesondere die Schlacht gegen die französische Invasionsarmee am Ende, in der Temeraire wieder mal mit einer faustdicken Überraschung aufwartet. Die Figuren verhalten sich wie Erwachsene, und das ist in Jugendliteratur selten genug, eine angenehme Abwechslung im Fantasy-Genre.

Ironie

Außerdem fand ich zu meiner Freude jede Menge Humor von feiner und feinster Ironie vor. Beispielsweise interessiert sich Temeraire in seiner jugendlichen Unschuld lebhaft für das, was er als „Dirnen“ beschreibt. Laurence klingen die Ohren. Sein Drache hat diesen Ausdruck für Prostituierte von gewöhnlichen Soldaten der Garnison gehört, und Laurence windet sich vor Verlegenheit, um seinem Freund zu erklären, was es damit auf sich hat…

Insbesondere die Kampfszenen sind allesamt recht lebhaft und lebendig geschildert, so dass sie sich gut für die geplante Verfilmung eignen, die Peter Jackson vorhat. Ich kann den ersten Band jedem empfehlen, der etwas für Drachen übrighat. Und ich hoffe, dass die zwei nächsten Bände ebenso gut sein werden, hoffentlich dann mit etwas mehr Action in der Mitte.

Originaltitel: His Majesty’s Dragon, 2006
480 Seiten
Aus dem US-Englischen von Marianne Schmidt

http://www.temeraire.org/
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/

[NEWS] Elly Conway – Argylle

Der russische Multimillionär Vasily Federov träumt davon, Russland wieder zu alter Größe zurückzuführen. Als der alte und unbeliebte Präsident zurücktritt, wähnt er seine Zeit gekommen, das Ruder zu übernehmen. Doch um das russische Volk auf seine Seite zu ziehen, bedarf es eines symbolischen Akts. Was wäre, wenn es Federov gelänge, den Russen einen einmaligen Kunstschatz zurückzugeben? Das Bernsteinzimmer! Frances Coffey, die legendäre Chefin des CIA, weiß, dass sie Federovs Machtstreben Einhalt gebieten muss. Sie muss das Bernsteinzimmer vor dem Russen finden. Doch dafür benötigt sie einen ganz besonderen Spion: Argylle – mit einem Rucksack voll Problemen und einer nicht ganz reinen Vergangenheit, aber mit den einzigartigen Fähigkeiten, die benötigt werden, um es mit einem der mächtigsten Männer der Welt aufzunehmen … (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
Blanvalet

[NEWS] Emily J. Taylor – Hotel Magnifique

Früh zur Waise geworden, schuftet Jani in einer Gerberei, um sich und ihre kleine Schwester Zosa durchzubringen, und träumt davon, aus ihrem tristen Leben in der Hafenstadt Durc auszubrechen. Ihr Wunsch scheint sich zu erfüllen, als eines Tages das legendäre Hotel Magnifique nach Durc kommt. Dort gibt es nicht nur allerlei Fantastisches zu bestaunen, nein, das Hotel selbst reist nachts, wenn seine Gäste schlafen, an die spektakulärsten Orte. Kurzerhand heuern Jani und Zosa dort als Dienstmädchen an. Doch irgendetwas scheint mit dem Hotel nicht zu stimmen. Als Zosa eines Tages spurlos verschwindet, ist Jani fest entschlossen, das Geheimnis des Hotel Magnifique zu ergründen, um ihre Schwester zu retten. Noch ahnt sie nicht, dass sie sich dabei in tödliche Gefahr begibt … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 512 Seiten
Heyne

Hans Werner Kettenbach – Sterbetage

Heinz Kamp ist Buchhalter. Oder war Buchhalter, denn jetzt, mit sechzig Jahren, ist er arbeitslos. Seine Frau ist gestorben und sein Lebensalltag besteht aus regelmäßigen Besuchen der Stadtbibliothek, einmal in der Woche Schwimmen und selteneren Stelldicheins bei Hertha Klose, die praktischerweise sechs Etagen unter ihm wohnt.

Er wacht mitten in der Nacht auf, lauscht den Güterzügen, die über die Brücke in Nähe seiner Wohnung fahren, steht auf und geht spazieren. Er hofft, keine anderen Hausbewohner zu treffen, sie könnten ihn als unnormal ansehen, weil er mitten in der Nacht seine Wohnung verlässt.

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Susie Bright (Hrsg.) – The Best American Erotica 2001. Erotische Erzählungen

Werfen Sie Ihre Hemmungen über Bord. Um die sinnlichste, provokativste Literatur lesen zu können, brauchen Sie nur einen Blick in die Anthologie „The Best American Erotica 2001“ zu werfen, Susie Brights neue Jahresanthologie. , Marge Piercy, die Autorin von „Vida“ und „Die Frau am Abgrund der Zeit“ (dt. bei Heyne), stellt uns den Nerd Kid Sex Club vor, Nathan Englander erforscht die süchtigmachende Anziehungskraft einer (antiken) Peep Show.

Jerry Stahl berichtet von einer Herausforderung durch eine sehr anspruchsvolle Freundin, und Dani Shapiro beweist, dass es einen Unterschied zwischen Phantasie und Realität gibt, wenn es um den Verlust der Jungfräulichkeit geht. Die 22 amerikanischen AutorInnen in „The Best American Erotica 2001“ bieten jedem etwas. (Verlagsinfo)
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Charles Stross – du bist tot. SF-Thriller

Die nahe schottische Zukunft: nur für Gamer und IT-Freaks

„Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der Realität und Internet nicht mehr voneinander trennbar sind. Eine Welt, in der jemand ein scheinbar perfektes Verbrechen verübt – und du steckst mittendrin! Dann gib acht, denn … DIES IST KEIN SPIEL!“ (Verlagsinfo)

Der Autor
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Alina Reyes – Labyrinth des Eros

Sinnlich: Kaleidoskop erotischer Phantasien

Ein Mann und eine Frau betreten hintereinander einen kleinen Wanderzirkus. Dies ist das Königreich des Eros: ein Labyrinth aus dunklen Fluren. Hinter jeder Tür erwartet die beiden ein neues erotisches und sexuelles Abenteuer. Das Buch ist zweigeteilt: denn Mann und Frau öffnen ihre jeweils eigenen Türen. Werden sie den Partner fürs Leben finden? (Verlagsinfo)

Die Autorin

Die Französin Alina Reyes schrieb mit „Labyrinth des Eros“ einen Klassiker der modernen erotischen Literatur. Sie wurde bekannt mit ihrem Debütroman „Der Schlachter“, übersetzt in 25 Sprachen, und vor allem durch den internationalen Bestseller „Die siebte Nacht“.

Werke (Auswahl)

Verlangen und Vergeltung. Erotische Erzählungen. Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 2010, ISBN 978-3-8333-0662-4.
La septième nuit.
deutsch: Die siebte Nacht. Goldmann, München 2007, ISBN 978-3-442-46608-5[1]
Derrière la porte.
deutsch: Labyrinth des Eros. Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8333-0380-7[1]
Le boucher. Roman.
deutsch: Verführt. Erzählung. Rowohlt, Reinbek 1989.
deutsch: Der Schlachter.
Le carnet de rose.
deutsch: Tagebuch der Lust. Berliner Taschenbuchverlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8333-0526-9[1]
Lilith. Roman.
deutsch: Lilith. VGS Verlag, Köln 2000, ISBN 3-8025-2756-9

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Naomi Alderman – Die Gabe

Es sind scheinbar gewöhnliche Alltagsszenen: ein nigerianisches Mädchen am Pool. Die Tochter einer Londoner Gangsterfamilie. Eine US-amerikanische Politikerin. Doch sie alle verbindet ein Geheimnis: Von heute auf morgen haben Frauen weltweit die Gabe – sie können mit ihren Händen starke elektrische Stromstöße aussenden. Ein Ereignis, das die Machtverhältnisse und das Zusammenleben aller Menschen unaufhaltsam, unwiederbringlich und auf schmerzvolle Weise verändern wird.

(Verlagsinfo)

Vergewaltigung, Genitalverstümmelung, Bevormundung, Unterdrückung, Ideenraub, Abhängigkeit, Benachteiligung … unvorstellbar für den Einzelnen, und doch alltäglich und allgegenwärtig; man hat sich irgendwie dran gewöhnt. Dieses Buch zeigt: Nein! Es ist nicht normal! Es ist das grausame Antlitz der Menschheit – und wir sollten das nicht vergessen. Es ist ein ergreifender Roman voller Kälte und Grausamkeit, voller Hoffnung und Hoffnungslosigkeit.

Naomi Alderman – Die Gabe weiterlesen

[NEWS] Julie Cameron – Der finstere See

Jeremy Horton ist erfolgreicher Architekt und glücklicher Familienvater. Doch er vermeidet jeden Gedanken an seine Vergangenheit und insbesondere an seine kleine Schwester Emily, die vor vielen Jahren unter mysteriösen Umständen ums Leben kam. Erst als seine Mutter stirbt, sieht Jeremy sich gezwungen, in das kleine Dorf zurückzukehren, in dem er die Sommer seiner Kindheit verbrachte. Jeremy spürt deutlich, dass er dort nicht willkommen ist. Immer wieder drängt sich ihm die Frage auf, ob er selbst die Schuld an Emilys Tod trägt. Und wenn ja – ist er dann auch eine Gefahr für seine eigene Tochter Lucy? (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 416 Seiten
Goldmann

[NEWS] Judith Zander – Johnny Ohneland

Joana Wolkenzin liest stundenlang, lernt Songtexte auswendig; verliebt sich in Jungs und in Mädchen. Im vorpommerschen Niemandsland der Neunziger gibt sie sich einen neuen Namen: Johnny. Aber bringt ein neuer Name auch neues Glück? Als die Mutter über Nacht die Familie verlässt, kreisen Johnny, ihr Bruder Charlie und ihr Vater auf wackligen Bahnen um eine leere Mitte. Schließlich macht Johnny sich auf die Suche nach einem Leben und einer Erzählung, die ihren eigenen Vorstellungen entsprechen, in Deutschland, Finnland und Australien. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 528 Seiten
dtv

Hillerman, Tony – The First Eagle (Navajo Tribal Police 13)

_Unter Flohjägern: Adlerfang und Liebestest _

Navajo-Stammespolizist Jim Chee verhaftet einen Hopi-Indianer wegen des Verdachts der Adler-Wilderei. Zudem ist Jano über den bewusstlosen Stammespolizisten Kinsman gebeugt, was für Chee zuerst wie ein Mordfall aussieht. Ausgerechnet Chees Freundin Janet Pete verteidigt Jano. Unterdessen wird eine Biologin vermisst, die das Wiederauftreten des Schwarzen Todes im Reservat der Navajo untersucht hat: Die Pest ist zurück …

_Der Autor_

Tony Hillerman (27.5.1925 bis 26.10.2008) war ein vielfach ausgezeichneter amerikanischer Kriminalschriftsteller und Autor von Sachbüchern über das Indianerland im Südwesten. Zu seinen bekanntesten Werken gehören die Krimis um die Stammespolizei der Navajos. Sie wurden regelmäßig verfilmt.

|Die Leaphorn-und-Chee-Reihe:|

1) The Blessing Way (1970) ISBN 0-06-011896-2
2) Dance Hall of the Dead (1973) ISBN 0-06-011898-9
3) Listening Woman (1978) ISBN 0-06-011901-2
4) [People of Darkness (1980)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8119 ISBN 0-06-011907-1
5) The Dark Wind (1982) ISBN 0-06-014936-1
6) The Ghostway (1984) ISBN 0-06-015396-2
7) Skinwalkers (1986) ISBN 0-06-015695-3
8) A Thief of Time (1988) ISBN 0-06-015938-3
9) Talking God (1989) ISBN 0-06-016118-3
10) [Coyote Waits (1990)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8120 ISBN 0-06-016370-4
11) Sacred Clowns (1993) ISBN 0-06-016767-X
12) The Fallen Man (1996) ISBN 0-06-017773-X
13) The First Eagle (1998) ISBN 0-06-017581-8
14) Hunting Badger (1999) ISBN 0-06-019289-5
15) The Wailing Wind (2002) ISBN 0-06-019444-8
16) The Sinister Pig (2003) ISBN 0-06-019443-X
17) Skeleton Man (2004) ISBN 0-06-056344-3
18) The Shape Shifter (2006) ISBN 978-0-06-056345-5

|Filmographie:|

1) The Dark Wind (1991)
2) Skinwalkers (2002)
3) Coyote Waits (2003)
4) A Thief of Time (2004)
5) Skinning the Night: American Mystery (DVD)

Die Übersetzungen der Krimis erscheinen bei Rowohlt.

_Handlung_

|Prolog|

In der Klinik von Flagstaff, Arizona, liegt die Leiche des Indianers Anderson Nez auf der Intensivstation. Der Navajo ist vor wenigen Stunden gestorben, wie Dr. Delano dem Mann berichtet, der Nez aus dem Reservat hergebracht hat, Dr. Woody. Krankenschwester Shirley Ahkeah fragt sich, was dieser Dr. Woody hier überhaupt will. Kommt hier reingeschneit und verlangt eine intensive Autopsie von Nez – Verdacht auf eine Pestinfektion.

Dr. Howe erklärt ihr, dass Woody überhaupt kein praktizierender Arzt sein, sondern vielmehr so eine Art Mikrobiologe. Das wird ja immer rätselhafter, findet Schwester Shirley. Doch als Dr. Howe sagt, Nez sei praktisch innerhalb eines einzigen Tages infiziert worden und der Pest erlegen, beginnt sie sich ernsthaft Sorgen zu machen: Die Antibiotika beginnen zu versagen …

|Jim Chee|

Es ist der 8. Juli, der ein denkwürdiger Tag im Navajo-Reservat werden soll. Stammespolizist Jim Chee will seinen Kollegen Benny Kinsman sprechen, doch auf der Polizeiwache, wo er ihn erwartet, bekommt er nur die Info, dass Kinsman einem Adlerwilderer auf der Spur und hinaus zum Yells Back Butte gefahren sei. Als Jim Chee an der angegebenen Position eintrifft, findet er allerdings Officer Kinsman vor: leblos, auf dem Bauch liegend und mit blutgetränktem Hemd. Ein Hopi-Indianer, an dem sich ebenfalls Blut befindet, beugt sich über ihn. Na, wenn das nicht nach einem Mord auf frischer Tat aussieht!

Kaum hat Chee den Indianer mit Handschellen gefesselt und als einen gewissen Robert Jano aus dem Hopi-Reservat Second Mesa identifiziert, als ein schriller Schrei zu hören ist. Er kommt aus einem Vogelkäfig. Darin ist ein Adler gefangen. Als Chee den Käfig aufrecht stellt und vor dem einsetzenden Hagelschauer in Sicherheit bringt, kratzt auch ihn der wütende Adler. Jano bemerkt nur hämisch, dass Chee genau das passiert sei, was der Vogel auch mit ihm gemacht habe. Im Übrigen lebe Officer Kinsman noch. Chee kann bestätigen, dass Kinsman trotz eingeschlagenem Schädel noch atme. Sie warten unter einem Überhang, bis der Hagelschauer nachgelassen hat, dann bringt Chee alle Beteiligten und die Beweise zur nächsten Polizeiwache.

|Joe Leaphorn|

Unterdessen ist sein Exkollege Joe Leaphorn in einer luxuriösen Limousine unterwegs ins nördliche Santa Fé. Leaphorn hat ein Jahr als Rentner hinter sich und langweilt sich unsäglich. Die alte Frau, zu der ihn die Limo bringt, ist die reiche Millicent Vanders, deren Schwester gestorben ist. Die Tochter dieser Schwester ist Catherine Anne Pollard, eine 33-jährige „Flohfängerin“, wie sie sich selbst nannte – eine Mikrobiologin und Seuchenbekämpferin. Seit wenigen Tagen wird sie im Navajo-Reservat vermisst, und auch ihr Wagen lässt sich nicht finden.

Sie war mit einem ostdeutschen Biologen namens Victor Hammar unterwegs, sagt Mrs. Vanders, und er habe Catherine seit der Uni praktisch verfolgt – ein „Stalker“, sagt sie erbittert. Catherine habe ihn zwar nie als Bedrohung angesehen, aber Mrs. Vanders ist da ganz anderer Ansicht. Catherine wollte ihren Beruf aufgegeben, an dem sie hing, und das müsse einen Grund gehabt haben. Sie war mit ihrem arroganten Chef namens Krause nicht einverstanden.

Der Grund, warum Leaphorn schließlich den Auftrag annimmt, ist jedoch der Ort, an dem Catherine Pollard und Victor Hammar verschwanden: Yells Back Butte, eine Felsformation an der Grenze zum Hopi-Reservat. Es ist der gleiche Ort und sogar der gleiche Tag (der 8. Juli), an dem Benny Kinsman mit eingeschlagenem Schädel von Jim Chee aufgefunden wurde. Joe Leaphorn glaubt nicht an Zufälle. Es muss einen Zusammenhang geben. Aber welchen?

|Jim Chee|

Benny Kinsman ist nicht mehr aufgewacht, seit er im Koma in die Klinik gebracht worden ist. Jim Chee macht sich große Sorgen. Er befindet sich in der Klinik, um wie verlangt anwesend zu sein, wenn die lebenserhaltenden Systeme abgeschaltet werden. Eine traurige Pflicht, die Bundesstaatsanwalt Mickey da verlangt. Außerdem, so wurde ihm mitgeteilt, müsse ein Bundesverteidiger des Beschuldigten Robert Jano zugegen sein. Für den Fall, dass Kinsman noch letzte Worte sage. Ausgerechnet Chees Freundin Janet Pete verteidigt Jano. Sie berichtet, seine Familie halte Jano nicht für eines Mordes fähig, auch wenn er mit Kinsman ein Hühnchen zu rupfen gehabt habe.

Dann taucht auch noch Jims „Legendary Lieutenant“ Joe Leaphorn auf, mit einer Bitte um die Suche nach dem Jeep der Pollard-Frau. Das Auto ist ebenfalls verschwunden. Aber wie Jim bald erkennt, hängen die beiden Fälle Kinsman und Pollard tatsächlich zusammen. Und wie so häufig ist wieder mal ein unglücklicher Zufall schuld.

_Mein Eindruck_

In gemächlichem Tempo beginnen die beiden „Cops“ in den beiden separaten Fällen getrennt zu ermitteln, aber aus völlig unterschiedlichen Beweggründen. Während Leaphorn zunächst die Langeweile vertreiben will, stellt er doch mit zunehmender Beteiligung seiner Begleiterin Louisa Bourebonette (aus „Coyote Waits“) fest, dass ihm die Sache zunehmend Freude bereitet.

Mit Louisa an seiner Seite gelingt es ihm, sich vom Traum des Krebstodes seiner Frau Emma zu lösen und die Schuldgefühle loszuwerden, die ihn plagen. Außerdem stellt Louisa eine wertvolle Verbindung zu den Universitäten von Arizona dar. So erhält Joe Leaphorn Einblick in die Problematik der Mikrobologen: Die ausgerottet geglaubten Seuchen kehren zurück.

|Ein eifriger Flohjäger|

Hantavirus und Beulenpest wüten immer wieder unter den Populationen der Nagetiere im vereinten Navajo- und Hopi-Reservat. Aber während Millionen der kleinen Tiere draufgehen, überleben immer wieder kleine Sippen. Diesem Rätsel geht Dr. Albert Woody nach, der Anderson Nez, seinen Assistenten, im Prolog in die Klinik einlieferte. Al Woody wird von einem Mikrobiologen, den Leaphorn spricht, sogar als Nobelpreiskandidat angesehen.

Jim Chee begegnet Dr. Woody in der Nähe des Tatortes am Yells Back Butte. Allein diese Tatsache findet er schon bemerkenswert. Noch bemerkenswerter ist in seinen Augen, dass zwar Anderson Nez und Catherine Pollard (Benny Kinsman will Woody nie gesehen haben) möglicherweise an den Seuchen gestorben sind, dass aber ein kleiner Prätiehund, den Woody „Charley“ tauft, die von Flöhen übertragene Pest überlebt hat. „Tapferer kleiner Kerl“, sagt Woody bewundernd. In Jims Augen hat Woody seine Prioritäten ganz anders gesetzt als der Rest der Menschheit. Aber ist Woody deshalb auch ein potenzieller Mörder?

|Adlerfang|

Eine der besten Szenen ergibt sich aus der Frage, ob der von Robert Jano gefangene Adler das Blut von Jano oder Kinsman an seinen Krallen trägt. Dieser Adler stellt ja praktisch Janos Alibi dar. „Das ist der zweite Adler“, sagt Jano zu Jims und Janets Verblüffung. „Den ersten Adler habe ich wieder freigelassen, nachdem ich seine Schwanzfeder genommen hatte.“ Diese Feder brauchte er für eine Hopi-Zeremonie. Jim Chee weiß genau, wo dieser erste Adler sein Jagdrevier hat. Er legt sich, wie zuvor Jano, auf die Lauer und fängt das Tier mit Janos bewährter Methode ein. Nicht ohne sich einen tiefen Schnabelhieb einzufangen.

|Der Liebestest|

Jim Chee weiß nun aus Leaphorns Informationen und den Details über den mittlerweile gefundenen Jeep Catherine Pollards, dass der Adler und das getrocknete Blut an dessen Krallen ein entscheidendes Beweismittel darstellt. Als echter Jäger stellt er nun eine Falle auf, die es in sich hat. Sie gilt sowohl dem FBI und dem Bundesanwalt, die Jano zum Tode verurteilen wollen, damit der Staatsanwalt in den Kongress gewählt wird. Chee nimmt die FBI-Reaktion verbotenerweise auf Tonband auf.

Aber Chees Falle gilt auch seiner Freundin Janet Pete. Was wird sie mit seiner Aussage, dem Adler und der illegalen FBI-Tonbandaufnahme machen? Sie hat drei Wahlmöglichkeiten. Zwei davon erlauben ihr und Jim die Straffreiheit und eine gute Karriere. Doch die Dritte führt zwar zu höchstem Ungemach für sie beide, befreit aber ihren Klienten Jano. Es ist ein Liebestest und einer der Fiesesten, von dem ich je gelesen habe. Kein Wunder, dass Janet „Damn you, Jim!“ ruft, als sie das herausfindet …

_Unterm Strich_

Mikroben, Adler und ein verschwundener Jeep – eine unwahrscheinliche Kombination, wie sie typisch ist für Tony Hillerman. Der Leser muss sich in indianischer Geduld üben und den Hintergrundinformationen viel Aufmerksamkeit widmen. Denn diese Informationen sind keineswegs Ablenkung, sondern sozusagen das Mordmotiv: Wem es gelingt die wieder vordringenden Seuchen zu stoppen, der bekommt nicht nur Forschungsgelder und einen Lebensunterhalt, sondern auch den Nobelpreis und somit Unsterblichkeit. Dafür könnte es sich durchaus lohnen zu töten.

|Zwielicht|

Sobald man dies begriffen hat, erweitert sich der Kreis der Verdächtigen schlagartig. Und auch Catherine Pollard sieht auf einmal nicht mehr wie die unschuldige Entführte aus, als die Mrs. Vanders sie hinstellt, als sie Joe Leaphorn anheuert. Und der Verdacht kommt auf, dass Mrs. Vanders einen bestimmten Verdacht durch diesen Auftrag ablenken will. Es wäre nicht das erste Mal, dass ein Privatdetektiv für finstere Zwecke missbraucht würde.

|Marsmenschen|

Da stiefeln sie nun in ihren Schutzanzügen durch die mikrobenverseuchte Pampa, die Herrschaften Flohjäger. Kein Wunder, dass sie einer alten Navajo-Frau wie Hexer und Skinwalker vorkommen. Sie existieren auf einer Ebene wie jene Legenden- und Schatzjäger, die ich in „Coyote Waits“ kennengelernt habe. Wieder einmal treffen indianische und weiße Kultur aufeinander.

|Stümper|

Dieser Konflikt zeigt sich nicht nur in der Mikrobenbekämpfung, sondern auch in der Ermittlung und in der Justiz. Wie schon in „Coyote Waits“ heimst das „Federal Bureau of Ineptitude“ (Bundespolizei für Stümperhaftigkeit) keine Lorbeeren ein, als es den Mörder von Benny Kinsman schon von vornherein verurteilt. Wozu weitersuchen, wenn ein in flagranti verhafteter Indianer schon im Knast sitzt? Allerdings wäre Jano der erste jemals in einem Reservat zum Tode verurteilte Indianer überhaupt. Daher steht für alle Seiten sehr viel auf dem Spiel.

|Die Liebesfalle|

Sobald man diese Interessenlage verstanden hat, wird aus Jim Chee illegaler Eigeninitiative ein regelrechtes Politikum. Ein Adlerfang ist schon mal ein schlechter Start, denn Adler sind geschützt. Dann nimmt er auch noch das FBI auf Band auf – noch illegaler. Und er stellt einer Bundesverteidigerin eine Falle, die es in sich hat. Kann man noch weiter gehen?

Jim Chee weiß genau, dass er seine Zukunft aufs Spiel setzt. Aber Washington, D.C., hat er bereits abgehakt: Alle Menschen dort leben eine Lüge. Und auch eine gemeinsame dort angesiedelte Zukunft an Janets Seite erscheint ihm nun unmöglich. Sie ist eine adrette, mit weißen Wertvorstellungen aufgewachsene Stadtfrau. Er ist im Vergleich dazu ein Landei, noch dazu ein angehender Schamane bei irgendwelchen „Wilden“ in der Wüste. Auch uns kommt diese Kombination ziemlich unwahrscheinlich vor. Aber die Art und Weise, wie Jim sie zu Ende bringt, ist schon phänomenal eingefädelt und ausgeführt. „Damn you, Jim!“ Ganz genau.

|Taschenbuch: 278 Seiten
ISBN-13: 978-0006513117|
http://harpercollins.com

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