Schlagwort-Archiv: Goldmann

Clara Dupont-Monod – Das Mädchen mit Flügeln

Zauberhaft zuversichtlich: Die Mutantin wird gerettet

Die kleine Eova lebt mit ihrer Mutter Theodora auf einer Insel vor der Küste Venezuelas. Eova ist ein zartes Kind, das immer schon ein wenig anders war als die anderen Mädchen ihres Alters. Doch eines Tages geschieht etwas Unglaubliches – denn an ihrem Rücken wachsen Flügel… (Verlagsinfo)

Den Einbruch des Wunders in eine kleine Gemeinschaft schildert dieser kleine Roman – voll Poesie, Humor und sprachlicher Ausdruckskraft. Ich bin beeindruckt. Gabriel Garcia Marquez, der Meister der lateinamerikanischen Literatur, könnte diese Geschichte nicht lebendiger erzählen.
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[NEWS] Karen Swan – Das Funkeln einer Winternacht

Bo und ihr Freund Zac führen ein Leben, von dem andere nur träumen können: Als Social-Media-Stars reisen sie um die Welt und teilen ihre Abenteuer mit Millionen von Fans. Für Weihnachten haben sie sich ein spektakuläres Ziel ausgesucht: eine abgelegene Farm in den norwegischen Fjorden, die dem faszinierenden Bergführer Anders und seiner Großmutter Signy gehört. Doch umgeben von schneebedeckten Gipfeln und gefrorenen Wasserfällen spürt Bo ein wachsendes Unbehagen über die permanente Inszenierung ihres Lebens. Und Anders ist der Einzige, der ihr zuhört … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 576 Seiten
Goldmann

[NEWS] Kate Field – Der Garten des Hauses Rambling

Eigentlich wollte Tess nie nach Ribblemill zurückkehren. Jetzt muss sie das Beste daraus machen, nach der Trennung von ihrem Mann wieder in ihrem Heimatort zu leben. Sie zieht in das Cottage, das zum Herrenhaus »Ramblings« gehört, engagiert sich bei der Neugestaltung des dortigen Gartens und findet in der warmherzigen Dorfgemeinschaft neue Freunde. Es gibt nur ein Problem: Tess muss sich ihr Cottage mit einem jungen Mann teilen, der abweisender ist als das Dornengestrüpp im Garten. Eine schwere Schuld scheint auf ihm zu lasten. Und vielleicht ist es ausgerechnet Tess, die ihm helfen kann, sie zu überwinden … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 400 Seiten
Goldmann

[NEWS] Sophie Kinsella – Christmas Shopaholic: Ein Shopaholic-Roman 9

Becky Brandon, geborene Bloomwood, ist ins beschauliche Letherby gezogen. Weihnachten steht vor der Tür, die Schaufenster funkeln, und die Schnäppchen locken – Becky ist im Glück! Doch dann beauftragt Mama Bloomwood sie plötzlich, das Weihnachtsfest zu organisieren, und vorbei ist es mit der Besinnlichkeit: Jess möchte veganen Truthahn, und das perfekte Geschenk für ihren Mann Luke gibt es nur in einem exklusiven Gentlemen’s Club, der Frauen den Zutritt verwehrt. Als auch noch Craig, Beckys alte Flamme und inzwischen cooler Musiker, nach Letherby zieht, ist das Chaos perfekt … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 512 Seiten
Goldmann

[NEWS] Max Bentow – Der Schmetterlingsjunge: Ein Fall für Nils Trojan 7 – Psychothriller

Der Berliner Kommissar Nils Trojan hat schon vieles gesehen, aber als er den Tatort in Kreuzberg betritt, traut er seinen Augen kaum: Die ermordete Frau liegt entkleidet auf dem Bett, ihren Rücken ziert das farbenprächtige Gemälde eines riesigen Schmetterlings. Nur zwei Tage später ereignet sich ein weiterer Mord, wieder hinterlässt der Täter sein bizarres Kunstwerk auf dem Körper des Opfers. Verzweifelt versucht Trojan, die Botschaft des Mörders zu entschlüsseln, denn er weiß – er muss die Obsession begreifen, die den Täter treibt, wenn er das grausame Töten beenden will … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 400 Seiten
Goldmann

[NEWS] Cassandra Clare – Die Geheimnisse des Schattenmarktes: Erzählungen

Der Schattenmarkt ist Treffpunkt für Feenwesen, Werwölfe, Hexenwesen und Vampire. Hier handeln sie mit magischen Dingen und flüstern sich Geheimnisse zu, von denen die Nephilim nie erfahren sollen. Gestört werden sie dabei immer wieder von einem großen Schattenjäger: Bruder Zachariah, der an diesem für ihn verbotenen Ort nach der Lösung eines bedeutsamen Rätsels sucht. Auf seinen Spuren begegnet der Leser den großen Figuren der Nephilim und der Schattenwelt – die es irgendwann alle einmal in die geheimnisvolle, magische Welt der dunklen Märkte zieht … (Verlagsinfo)

Gebundene Ausgabe: 640 Seiten
Goldmann

 

[NEWS] Karl Lauer – Ich bin gerührt, sagte der Teig: Papas beste Flachwitze

»Kennt Ihr den schon? – Nein? Also …«

»Ich habe gestern bei Weight Watchers angerufen. Hat keiner abgenommen.«

Ha! Ha! Schon wieder einer: schräg, flach und vermeintlich originell. So sind die Witze, die Väter, Opas, Schwiegerväter und Onkel regelmäßig zum Besten geben. Keiner entkommt dem Witzeradar. Und irgendwann muss man dann doch lachen, und ohne sie würde etwas fehlen. Eine Sammlung der besten Kalauer, die dem nächsten Familienabend noch einmal eine ganz eigene Dynamik verleihen wird. Spaß garantiert!» (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 180 Seiten
Goldmann

[NEWS] Elena Martignoni – Borgia – Die Vergeltung: Die Borgia-Trilogie 2 – Historischer Roman

Rom 1497: Die mächtige Familie der Borgia hält alle Fäden in der Hand. Doch dann wird die Stadt durch eine mysteriöse Mordserie erschüttert. Innerhalb weniger Tage werden drei Kardinäle brutal ermordet, der Täter versteckt sein Antlitz dabei hinter einer Maske. Nur beim dritten Mord erhascht ein zufälliger Beobachter, der junge Adlige Andrea Gianani, einen Blick auf das Gesicht des Täters. Dieser entkommt jedoch und streut das Gerücht, Gianani sei der Mörder. Dem bleibt nur die Flucht aus Rom. Unterschlupf findet er bei der Bauerstochter Gemma, doch die Borgia sind ihm auf der Spur. Denn sie haben kein Interesse daran, dass der wahre Mörder entdeckt wird … (Verlagsinfo)


Broschiert: 352 Seiten
Goldmann

[NEWS] Geir Tangen – Höllenangst (Haugesund 3)

Im norwegischen Haugesund lässt ein Serienmörder Albträume wahr werden: Er bringt seine Opfer genau auf die Art um, vor der sie sich am meisten fürchten. Eine Frau wird von Ratten getötet, die sich durch ihre Eingeweide fressen, während sie gefesselt am Boden liegt. Ein Mann, der gegen Wespengift allergisch ist, wird in seiner verschlossenen Garage von einem Wespenschwarm zu Tode gestochen. Der Journalist Viljar Ravn Gudmundsson und die Polizeibeamtin Lotte Skeisvoll ermitteln fieberhaft. Doch schon bald könnte ihre größte Angst sie einholen … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 416 Seiten
Goldmann

[NEWS] Stuart MacBride – Eine Frage der Sühne: Ein Fall für Roberta Steel

Der Job von Detective Chief Inspector Roberta Steel hängt am seidenen Faden. Sie hat Beweise manipuliert, um den mutmaßlichen Vergewaltiger Jack Wallace hinter Gitter zu bringen. Nun ist der Prozess gegen Wallace geplatzt, und Roberta wurde zur Streifenpolizistin degradiert. Obwohl sie rund um die Uhr auf Aberdeens Straßen Ganoven jagt, lässt die Sache mit Wallace Roberta nicht los. Dabei hat sie klare Order, sich von ihm fernzuhalten, wenn sie nicht endgültig entlassen werden will. Doch als in der Stadt erneut Frauen vergewaltigt werden, ist Roberta entschlossen, Wallace zu stoppen. Um jeden Preis. Und sei es das eigene Leben… (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 480 Seiten
Goldmann

[NEWS] Blake Crouch – Psychose. Wayward Pines 1

Wayward Pines, Idaho, eine idyllische Kleinstadt mitten im Nichts. Hier soll Secret-Service-Agent Ethan Burke zwei Vermisste aufspüren. Doch als er nach einem Verkehrsunfall im Krankenhaus des Ortes wieder zu sich kommt, ist seine eigentliche Mission sein geringstes Problem: All seine Sachen sind verschwunden, die Menschen um ihn herum verhalten sich äußerst merkwürdig, auf seine Fragen bekommt er nur ausweichende Antworten. Und als Ethan dann versucht, Wayward Pines zu verlassen, stößt er auf einen unüberwindbaren Zaun – und ein grauenvolles Geheimnis … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 416 Seiten
Goldmann

[NEWS] Deana Zinßmeister – Die Farbe des Goldes. Historischer Roman

Württemberg 1605. Elisabeth lebt mit ihren Eltern in einem kleinen Dorf, harte Arbeit bestimmt ihr Leben. Als sie 17 Jahre alt ist, begegnet sie dem charismatischen Frédéric und lässt sich auf ihn ein. Doch Frédéric ist nicht, wer er vorgibt zu sein. Als Elisabeth unerwartet schwanger wird, will er nur noch eins: sie um jeden Preis loswerden. Und so findet Elisabeth sich plötzlich als Gefangene in einem Freudenhaus wieder. Erst als sie den Alchemisten Johannes Keilholz kennenlernt, scheint es Hoffnung zu geben. Denn durch ihn trifft sie jemanden, dem sie mehr wert ist als alles Gold der Welt … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 528 Seiten
Goldmann

[NEWS] John Kåre Raake – The Ice. Der Kampf um den Norpol hat begonnen

Die junge Exsoldatin Anna Aune begleitet eine wissenschaftliche Expedition zum Nordpol. Eines Nachts wird der pechschwarze Himmel plötzlich von einem Notsignal erhellt, das von einer chinesischen Forschungsbasis ausgelöst wurde. Auf der Station erwartet Anna ein Szenario wie aus einem Albtraum: Alle Wissenschaftler des Labors wurden brutal ermordet und sind mit einer Eisschicht bedeckt. Bald wird klar, dass sie einem internationalen Machtkampf um arktische Ressourcen zum Opfer gefallen sind. Und Anna gerät mitten zwischen die eisigen Fronten … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 512 Seiten
Goldmann

[NEWS] Kimberley Freeman – Sterne über dem Meer

Als Victoria Camber das Büro ihrer kranken Mutter in Bristol ausräumt, bringt der Fund eines Briefes sie auf die Spur eines Familiengeheimnisses: Nordengland 1874. Endlich ist Agnes Resolute volljährig und darf das Findelhaus, in dem sie aufgewachsen ist, verlassen. Vor ihrer Abreise erfährt sie, dass ihr als Baby ein Andenken mitgegeben wurde – ein Knopf mit einem Einhorn. Agnes glaubt zu wissen, wem der Knopf gehörte: Genevieve Breckby, der Tochter einer noblen Familie. Doch diese hat England mittlerweile Richtung Australien verlassen. Und so begibt sich Agnes auf der Suche nach ihren Wurzeln auf eine ungewisse Reise … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 512 Seiten
Goldmann

Andreas Gruber – Todesmal

Inhalt

Eine geheimnisvolle Nonne betritt das BKA-Gebäude in Wiesbaden und kündigt an, in den nächsten 7 Tagen 7 Morde zu begehen. Über alles Weitere will sie nur mit dem Profiler Maarten S. Sneijder sprechen. Doch der hat gerade gekündigt, und so befragt Sneijders Kollegin Sabine Nemez die Nonne. Aber die schweigt beharrlich – und der erste Mord passiert. Jetzt hat sie auch Sneijders Aufmerksamkeit. Und während die Nonne in U-Haft sitzt, werden Sneijder und Nemez Opfer eines raffinierten Plans, der gnadenlos ein Menschleben nach dem anderen fordert und dessen Ursprung in einer grausamen, dunklen Vergangenheit liegt … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Todesmal“ ist der fünfte Maarten S. Sneijder Thriller, der jedoch ohne Vorkenntnisse der Vorgänger gelesen werden kann. Alleine schon der exzentrische, misanthropische Protagonist macht diese Reihe lesenswert, aber dieses Buch ist in jeder Hinsicht perfekt, denn es bietet: einen außergewöhnlichen, komplexen Fall, eine ausgefeilte Dramaturgie sowie originelle, glaubwürdige Figuren, die Neugier wecken. Generell wirkt alles an der (eigentlich zu spektakulären) Handlung ungemein realistisch, weil die zugrunde liegenden Probleme in abgeschwächter Form im Alltag oder durch die Nachrichten erlebt werden: Machtmissbrauch, Vertuschung, Stärkung der Starken und Schwächung der Schwachen der Gesellschaft.

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[NEWS] Bianca Marais – Summ, wenn du das Lied nicht kennst

Die neunjährige Robin wächst behütet in einem Vorort von Johannesburg auf. Im selben Land, aber Welten von Robin getrennt, lebt Beauty Mbali, eine verwitwete Xhosa-Frau, die sich allein um ihre Kinder kümmert. Als Robins Eltern getötet werden und zur selben Zeit Beauty in den Wirren des Schüleraufstands von Soweto nach ihrer Tochter sucht, führt das Schicksal diese zwei Menschen zusammen. Bei Beauty findet Robin Geborgenheit, und es entspinnt sich eine innige Beziehung zwischen den beiden. Doch Robin fürchtet, Beauty wieder zu verlieren, sobald diese ihre Tochter findet. Verzweifelt trifft das Mädchen eine folgenschwere Entscheidung … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 528 Seiten
Goldmann

Bass, Bill / Jefferson, Jon – Knochenleser, Der

Starautoren des modernen Thrillers wie Patricia Cornwell oder Kathy Reichs stützen sich in hohem Maße auf Erkenntnisse der forensischen Anthropologie. Doch diese Wissenschaft hat es nicht immer – und schon gar nicht unter dieser Bezeichnung – gegeben.

Eine der wichtigsten Figuren in der Entwicklung dieser Disziplin ist nach den Worten von Patricia Cornwell ohne Zweifel der „Knochenleser“: Bill Bass. In diesem Buch voller Erinnerungen beschreibt er, wie es zu dieser neuen Disziplin kam, welche Beiträge sie zur Kriminologie leistete und mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatte und weiterhin hat.

_Der Autor_

Bill Bass ist der Gründer der legendären „Body Farm“, auf die sich Patricia Cornwell in ihrem Buch „Das ABC der Toten“ ausgiebig bezieht. Der forensische Anthropologe muss in den dreißiger Jahren geboren worden sein, denn sein ältester Sohn Charlie wurde erst 1956 geboren. 1962 machte Bass seinen Doktorabschluss in Anthropologie an der |University of Kansas|. Das Foto auf den Vorsatzseiten zeigt ihn mit seiner langjährigen „Partnerin“: dem Schädel von Mary Louise. Und das ist eine Geschichte für sich, die er gleich im Kapitel eins erzählt.

_Inhalte_

Patricia Cornwells Vorwort dient gleichzeitig dazu, Dr. Bass vorzustellen und seine Arbeit zu verteidigen. Verteidigen deshalb, weil es etliche Zeitgenossen gibt, darunter zunächst auch die Cornwell selbst, die den Umgang mit Maden, Käfern, Fliegen und verwesendem Gewebe nicht nur ziemlich unappetitlich finden, sondern regelrecht pietätlos. Inzwischen ist Bass vollständig rehabilitiert.

Das erste Kapitel dient ebenfalls zwei Zwecken. Zum einen stellt Bass uns seine „Partnerin“ Mary Louise vor. Die 1962 verstorbene Farbige wurde ermordet, doch die Tat konnte nie aufgeklärt werden. Das Skelett dient als Demo-Objekt, um dem Leser zu zeigen, wie das menschliche Skelett aufgebaut ist und wie es sich im Laufe des Lebens verändert. Dadurch konnte Bass die Rasse, das Geschlecht, das Alter und die Körpergröße von Mary Louise bestimmen.

An humorvollen Anekdoten lässt es Bass nie mangeln, weil er als Dozent festgestellt hat, dass seine Studenten besser lernen, wenn man ihnen einen Sachverhalt mit etwas Humor nahe bringt. Die Leser dieses Buches sind natürlich ebenfalls seine Studenten.

Aber auch eine Koryphäe ist nicht gegen Fehler gefeit. Das beweist die Begebenheit in Kapitel 5. Bass machte sich 1977 weltweit zum Gespött der Presse, als er sich in der Angabe des Todeszeitpunktes eines Bürgerkriegsobersten von 1863 um rund 112 Jahre vertat. (Durch besondere Bestattungsmerkmale wurde der Körper ungewöhnlich gut konserviert.) Durch diesen Fehler erkannte Bass, dass „wir nicht genug wissen“ über das, was nach dem Tode in einem Körper vorgeht. Der letzte Mann, der etwas Bedeutendes über die Maßnahmen und Vorgänge nach dem Tod beigetragen hatte, war der Chinese Sung-Tzu gewesen – im Jahr 1247!

Dies war das Startsignal für die „Body Farm“ (wobei in diesem Kontext „body“ nicht etwa „Körper“ bedeutet, sondern „Leiche“). Das Kapitel, in dem die Body Farm eingerichtet wird, ist vielleicht das lustigste des ganzen Buches. Denn bis die geeignete Örtlichkeit zur Ablage von verwesenden Leichen gefunden ist, vergeht einige Zeit. In dieser Zeit probiert Bass ein paar Notbehelfe aus, so etwa auch die Abstellkammer unter dem Football-Stadion von Knoxville, Tennessee. Als der Hausmeister eine entsprechende, diesmal kopflose Leiche in seinem Besenschrank entdeckt, droht er Bass, ihn selbst einen Kopf kürzer zu machen, wenn er sich nicht sofort nach einer Alternative umsähe.

Für solche intensiven „Anregungen“ zeigt sich Bass offen. Das Agrarministerium hilft mit einer Scheune aus, doch nach einer Weile entdeckt Bass merkwürdige Fußspuren um das Gebäude und auch, dass ein paar der Leichen bewegt wurden. Des Rätsels Lösung: Die Insassen der nahe gelegenen Strafvollzugsanstalt schauten sich die Insassen der Scheune auf ihren Freigängen etwas genauer an. Bevor noch wichtige Indizien vernichtet werden, muss Bass also seine toten Schützlinge woanders unterbringen.

Hinter der Uniklinik ist noch ein halber Hektar unbebauten Landes frei. Den richtet Bass mit seinen Studenten so her, dass man darauf auch Leichen gefahrlos ablegen kann. Dieser „Totenacker“ besteht bis heute. Bewohner Nr. 1-81 ist ein alter Alkoholiker. Die Leichen werden durchnummeriert und mit dem Jahr ihrer Einlieferung versehen.

Nun also verfügt Bass über die Methode, das Instrument und das Wissen für dessen Anwendung. Jetzt muss er alles in die Praxis umsetzen. Forensische Anthropologen, Pathologen und Entomologen sowie ein gestandener Wissenschaftler müssen jedoch zusammenarbeiten, um im Jahr 1992 eine ganze Mordserie an Prostituierten in Knoxville aufzuklären: „Die Morde des Zoomannes“ lautet die Kapitelüberschrift.

Doch weil auch diesmal Bass einen Fehler begeht – er übersieht die Folgen der kalten Witterung auf den Verwesungsprozess in einer Leiche -, droht der Prozess gegen den Angeklagten, der bald gefunden ist, zu scheitern. Der Tat folgt also nicht immer die Strafe, und bis es zu Letzterer kommen kann, müssen Experten wie Bass bestmögliche Arbeit leisten.

Was zu beweisen war.

_Mein Eindruck_

Man braucht schon einen robusten Magen, um allen Ausführungen des Autors problemlos folgen zu können. Insbesondere mit dem Wort „Maden“ sollte man keine Schwierigkeiten haben, sonst kann man die Lektüre gleich vergessen. Wie schon Shakespeares dänischer Prinz ahnte, enden wir alle einmal irgendwo als Nahrung für solche Fliegenlarven – es sei denn, eine gnädige Einäscherung bewahrt uns vor diesem Schicksal.

Aber die Wahrscheinlichkeit, den Maden zum Opfer zu fallen, ist nicht überall auf der Welt – und noch nicht einmal in den USA – gleichmäßig hoch. Der Autor stellt beispielsweise fest, dass in seinem Heimatstaat Kansas ganz andere Leichen angeliefert wurden als aus seinem zweiten Heimatstaat Tennessee. In Ersterem herrscht trockene Prärie vor, in Letzterem geben feuchte Wälder und kalte Winter den Ton an. Dementsprechend unterschiedlich ist auch der Zustand der Leichen. Und das ist nicht immer der appetitlichste.

Als einziger forensischer Anthropologe der Uni von Tennessee und Sonderberater der Polizei von Knoxville bekam Bass sehr viele Tote zu sehen. Aber da sein Wissen eingeschränkt war und nicht viel weiter als der von Sung-Tzu 740 Jahre zuvor, musste er die empirische Methode der Body Farm anwenden. Praktische Anschauung sollte ihn lehren, was nach dem Tod wirklich mit einem Körper passiert. Die erworbenen Erkenntnisse tragen bis heute dazu bei, Art, Ursache und Zeitpunkt eines Todes festzustellen, genauso wie alle relevanten Eigenschaften eines Opfers. Alle diese Faktoren sind wesentliche Beiträge, um einen Täter für bestimmte Taten dingfest zu machen. Selbst eine Abweichung um einen Tag kann eine erhebliche Minderung des Strafmaßes zur Folge haben. Da aber Genauigkeit nicht reicht, müssen auch interdisziplinäres Teamwork und langfristige Erfahrung helfen – deshalb auch die Body Farm.

|Leseerlebnis|

So manchen Beitrag in seinen Erinnerungen hat der Autor mit seinem Ghostwriter Jon Jefferson so geschrieben, dass sich die Story wie ein Krimi |en miniature| liest – ebenso spannend, und vielleicht auch ein wenig morbide. Auf jeden Fall ist eine logische Abfolge von Kapitel zu Kapitel zu erkennen. Das Kapitel „Die Morde des Zoomannes“ ist nicht nur ein kriminalistisches Meisterstück, das einer Reichs oder Cornwell Ehre machen würde, sondern enthält auch die Anwendung der Summe der Lehren, die Bass aus der Body Farm gezogen hat. Zugleich hat mich dieses Kapitel stark an John Grishams Roman [„Die Liste“ 336 erinnert.

|Humor ist, wenn man trotzdem lacht|

Bill Bass verfügt über einen recht trockenen Humor, der ziemlich amerikanisch-handfest wirkt. Ein Beispiel dafür sind die Querelen mit der Unterbringung der Leichen in Knoxville und Umgebung, die ich oben erwähnte. Im Zoomann-Kapitel gibt es ein weiteres schönes Beispiel: |“Ich bin überzeugt, dass die Hersteller [des Weichspülmittels] ‚Downy‘ begeistert über die Mitteilung wären, dass ihr Produkt sogar mumifizierter menschlicher Haut neue Weichheit und Aprilfrische verleiht.“|

|Kein Pakt mit dem Tod|

Das klingt, als handle es sich bei Bill Bass um einen besonders abgebrühten Zeitgenossen, den nichts Menschliches oder Postmortales mehr erschüttern könne. Das Gegenteil ist richtig. Im Zoomann-Kapitel trifft ihn nämlich ein schwerer Schicksalsschlag: Seine geliebte Frau Mary Ann, mit der er seit den Tagen des Koreakrieges verheiratet war und mit der er drei Söhne großgezogen hatte, stirbt 18 Monate lang an einem schmerzhaften Darmkrebsleiden. Er merkt: Selbst wenn es so aussieht, als hätte er mit dem Sensenmann einen Pakt geschlossen, so bedeutet dies doch nicht, dass das Liebste, was er auf der Welt hat, verschont würde.

_Unterm Strich_

Die Aufklärung von Verbrechen mit immer neuen Methoden fasziniert immer mehr Menschen, wie an der steigenden Anzahl von Fernsehbeiträgen und Kriminalromanen abzulesen ist. Das Morbide, das damit verbunden ist, fesselt den Betrachter dabei wohl ebenso sehr wie die wissenschaftliche Neugier, die dem Gegenstand entgegengebracht wird, und die kriminalistische Energie, die dafür erforderlich ist. Stets wird in diesen Beiträgen der Täter ermittelt – alles andere wäre zu frustrierend. Leider dürfte dies kaum der Realität entsprechen. Bass‘ Partnerin „Mary Louise“ ist das Beispiel dafür.

Deshalb ist ein Beitrag wie das Sachbuch „Der Knochenleser“ sehr willkommen. Hier erfahren wir endlich aus der Praxis, was forensische Anthropologie eigentlich bedeutet – in allen unappetitlichen Details. Die Episoden sind so spannend erzählt, dass mich die Schilderungen unweigerlich gefesselt haben.

Aber neben der Unterhaltung gibt es auch viel zu lernen. Schon vom ersten Kapitel an erhalten wir zahlreiche Informationen über Knochenbau, Wachstumsmerkmale und Methoden zur Bestimmung von Alter, Geschlecht, Rasse und Todeszeitpunkt. Dies und die weiteren „pädagogisch wertvollen“ Kapitel sind sicherlich der wichtigste Beitrag in diesem Sachbuch.

Aber es gibt noch einen weiteren Aspekt, und dieser ist nicht so offensichtlich herausgestellt. Alle Beschreibungen von Leichen entsprechen auch einer Zustandsbeschreibung der amerikanischen Gesellschaft über dreißig Jahre hinweg. Denn wo ein Tod ist, da ist auch eine Ursache und häufig auch ein Tatmotiv. Es ist erschreckend mitzuverfolgen, wie stark das Maß der Gewaltanwendung mit den Jahren gestiegen ist und wie doch das Tatmotiv meist gleich geblieben ist: Gier nach Geld, Sex, Macht und viele andere Beweggründe niedrigster Natur.

Von dieser Nachtseite der Gesellschaft erhält unsereins meist nur in den Abendnachrichten entsprechende Kunde. Doch für Helfer der Gerichtsmedizin wie Bill Bass ist sie bereits Teil ihres Lebens geworden. Es ist bemerkenswert, dass er sich diese Tatsache durchaus bewusst zu machen vermag.

Das Buch eignet sich besonders für Freunde von Cornwells und Reichs‘ Romane, ebenso wie für angehende Anthropologen und Gerichtsmediziner.

[NEWS] Max Bentow – Rotkäppchens Traum

Als Annie Friedmann wieder zu Bewusstsein gelangt, ist sie zutiefst verstört. Warum liegt sie in einem Wald, unter Laub verborgen? Wie ist sie hierher gekommen, und warum klebt Blut an ihrem roten Mantel? Ihre Erinnerung ist wie ausgelöscht, sie weiß nur, dass sie namenlose Angst hat. Alles wird immer rätselhafter, als sie herausfindet, dass sie sich in einem kleinen Ort in der Nähe von Ulm befindet – eine Gegend, die ihr gänzlich unbekannt ist. Und warum behauptet ein ihr fremder Mann, eine Liebesbeziehung mit ihr zu haben? Annie macht sich auf die verzweifelte Suche nach der Wahrheit. Und was sie entdeckt, droht ihr ganzes Leben zu zertrümmern … (Verlagsinfo)

Broschiert: 368 Seiten
Goldmann

 

[NEWS] Colleen Oakley – Zeit zu leben

Jubilee Jenkins hat das Haus seit Jahren nicht verlassen, denn sie leidet an einer seltenen Krankheit – einer Allergie gegen Menschen. Als ein Junge sie an der Highschool küsste, erlitt sie einen anaphylaktischen Schock und wäre beinahe gestorben. Doch mit dem Tod ihrer Mutter muss Jubilee sich der gefürchteten Außenwelt stellen. Sie findet einen Job in der örtlichen Bibliothek und verliert langsam ihre Angst vor den Menschen. Und als sie dem charmanten Eric und seinem eigensinnigen Adoptivsohn begegnet, verspürt Jubilee zum ersten Mal den Wunsch, jemandem wirklich nahezukommen … (Verlagsinfo)


Taschenbuch: 480 Seiten
Goldmann

[NEWS] Micaela Jary – Das Kino am Jungfernstieg: Roman – Die Kino-Saga 1

November 1946: Die Film-Cutterin Lili Paal kehrt aus Berlin in ihre Heimatstadt Hamburg zurück. In der im Krieg zerbombten Innenstadt besitzt ihre Mutter ein ehemals glamouröses, nun wenig erfolgreiches Kino, das Lilis Halbschwester Hilde und deren Mann unbedingt schließen möchten. Lili will keinesfalls aufgeben, wurde im elterlichen Lichtspielhaus doch ihre Leidenschaft für den Film geweckt. Gleichzeitig sucht sie nach den Negativen eines im Krieg verschollenen Streifens, den sie restaurieren möchte. Dabei lernt Lili sowohl den smarten britischen Offizier John Fontaine als auch den charismatischen Regisseur Leon Caspari kennen. Bringt der gesuchte Film Licht in einen mysteriösen Todesfall, der Lili mehr betrifft, als sie ahnt? (Verlagsinfo)


Broschiert: 368 Seiten
Goldmann