Jessica Sharp, genannt Jinx, ist Mitte zwanzig und Privatdetektivin. Ihre geradezu unheimliche Gabe zu spüren, wenn jemand lügt, ist dabei durchaus hilfreich. Doch trotz ihrer übernatürlichen Fähigkeiten ist es ihr bis heute nicht gelungen, den Tod ihrer Eltern aufzuklären, was ihr ziemlich zu schaffen macht. Trost findet sie bei ihrer Dogge Gato, der sie stets beschützt. Als Jinx dem attraktiven Inspector Stone helfen soll, eine vermisste Studentin zu finden, erfährt sie, dass es neben der realen noch eine Alternativwelt gibt – eine ebenso gefährliche wie aufregende Welt voller Gestaltwandler, Vampire und Zauberer. Eine Welt, in der auch sie zu Hause ist. Doch was hat diese Welt mit ihrem neuen Fall zu tun? Findet sie hier die Antworten auf all die ungeklärten Fragen zum Tod ihrer Eltern? Und muss Inspektor Stone eigentlich so unfassbar sexy sein? (Verlagsinfo)
„Unvermeidlich, aber wahr: Die ultimative Parodie auf alle sechs (ja, Sie haben richtig gelesen: alle SECHS) STAR WARS-Kinofilme!“ (Verlagsinfo)
_Der Autor_
A.R.R.R. Roberts, der sich hier stilecht mit nur A3R als Vornamen zufriedengibt, hat bereits die mehr oder weniger geniale Parodie auf Tolkiens Kinderbuchklassiker „The Hobbit“ verbrochen, die hierzulande unter dem Titel [„Der kleine Hobbnix“ 477 (O-Titel: The Soddit) erschien. Kürzlich kam auch seine Verhohnepiepelung des elbischen Telefonuchs „The Silmarillion“ auf den Markt. Aus dem ursprünglichen „The Sellamillion“ wurde das kriminelle Wortspiel „Stiehlnemillion“.
_Handlung_
Das Buch besteht definitv aus sechs Teilen, beginnt aber natürlich keineswegs mit dem ersten, sondern mit dem vierten – genau wie in der Vorlage von „Schorsch Luk-Ass“. Folglich folgt nach der sechsten Episode die erste. Wer das etwas verwirrend findet, sollte sich beim Erfinder beschweren.
Luke Skyquaker lebt auf seiner Welt Tätowiermir frisch, nackt und unschuldig unter FKK-bewussten Schweden, als das Unglück in Gestalt zweiter Droiden an seine Tür klopft. Der goldene schlanke Droide mit dem Namen SAF4711 hat für proteinbasierende Humanwesen nur Verachtung und Abscheu übrig – in dieser Reihenfolge. Darin steht ihm sein Kumpel WC-Nullnull nur wenig nach, der sich trotz seines Aussehens einer Kloschüssel weigert, anders als in Fieptönen zu kommunizieren.
WC-Nullnull spielt ihm eine Holobotschaft vor, in der eine gewisse Prinzessin Lepra einen Jobber-Ritter namens Jopi-An Knofi um Hilfe ruft. Sie sei nämlich von Imperialen Reichsimperium gefangen genommen worden und werde höchstwahrscheinlich aufs Grässlichste gefoltert werden, weil dessen Schergen die Geheimnisse der Rebellenden (sic!) erfahren wollen, die für eine „Galaxia libre“ kämpfen.
Luke kennt keine Jobber-Ritter, noch nicht mal Siff-Lords, doch ihm fällt ein alter Knacker namens Opi-Jan Knofi ein, den er mal fragen könnte, was gemeint ist. Und tatsächlich meint Opi, dass sie sofort losdüsen sollten, um Prinzessin Lepra zu befreien, denn schließlich sei die „PRACHT“ ja mit ihnen.
Da Luke nicht mal einen Golfwagen steuern kann, brauchen sie noch einen fähigen Piloten. Diesen finden sie in Gestalt von Hans Polo, doch leider ist er nicht besonders helle, noch ist sein Kopilot Aubacke bislang aus seinem Winterschlaf erwacht. Dafür verfügt Hans über ein geiles Raumschiff mit dem eindrucksvollen Namen „Millennium Wanze“ – der Name „Millennium Schmetterling“ war schon vergeben.
Doch die reichsimperialen Sturtruppler (sic!) haben etwas gegen alte Knacker, die ein Neonschwert zücken, um einem der Ihren eins überzuziehen. Zum Glück entpuppt sich das Neonschwert lediglich als harmlose Leuchtstoffröhre, aber die Sturtruppler sind doch so verblüfft von Opis Angriff, dass sich die Verschwörer an Bord der „Wanze“ flüchten können. Dabei wird Hans Polo schwer getroffen, und Luke muss den Start selbst übernehmen. Leider drückt er den Knopf für den Rückwärtsgang und würgt den Motor ab …
Daher teilen sie schon bald das grässliche Schicksal Prinzessin Lepras. Eingekerkert in einer Zelle des Todesheilbades (= The Death Spa) müssen sie ihre Hirn- und sonstigen Zellen anstrengen, um hier wieder rauszukommen. Wehe, wenn der Oberkommandeur des obersten Pfandmuffels des Reichsimperiums kommt und sie verhört: Mit seiner röchelnden Stimme und seinem gefürchteten schwarzen Humor würde sie Schwarz Vater im Handumdrehen kirre machen.
Doch bevor es dazu kommt, verliebt sich Luke in die schmucke Prinzessin, die in keiner Weise wirkt, als verlöre sie demnächst ein paar verfaulte Körperteile, geschweige denn die absonderlichen Dinger, die sie über den Ohren trägt. Doch ihre schwerste Stunde steht den Verschwörern noch bevor. Bei einem Fluchtversuch verirren sie sich in einen engen holzgetäfelten Raum, dessen Tür von den Verfolgern verschlossen und verrammelt wird. Eine tödliche Falle?!
Doch als der heiße Dampf in die Zelle dringt, weiß Luke Bescheid – schließlich gehört bei den Schweden das Saunabaden zum täglichen Ritual. Und so fällt es ihm nicht schwer, einen glorreichen Vorschlag zu machen. Sie brauchen sich nur alle auszuziehen und dann in den Lüftungsschacht klettern, um zu entkommen.
Dagegen legt allerdings Prinzessin Lepra ihr Veto ein. Wo käme man denn hin, wenn sich alle mir nichts, dir nichts auszögen, so wie die armen Science-Fiction-Autoren auf dem Planeten Gregbär, hm? (In die Freiheit beispielsweise …)
Freuen Sie sich! Die Episode 4 „Eine nackte Hoffnung“ wird fortgesetzt in:
Ep. 5: Das Imperium spielt verrückt (u. a. mit epischen Abenteuern auf dem Eisplaneten Caldarsch)
Ep. 6: Die Rückkehr des Sohnes des Jobbers reitet wieder
Ep. 1: Die dunkle Verrohung
Ep. 2: Angriff der Tron-Krieger
Ep. 3: Die Rache der Rückkehr des Sohnes der Siff reitet wieder: Die nächste Generation – die Anfangsjahre
_Mein Eindruck_
Humor ist natürlich eine Geschmacksfrage. Alle, die mit religösem Eifer die Abenteuer von Luke, Leia und Han verschlungen und Klein-Anis Aufstieg zum gefürchteten Siff-, pardon! Sith-Lord mit Heulen und Zähneklappern verfolgt haben, denen sei von der Lektüre dieses vorliegenden Bändchens mit dem Namen „Star Warped“ dringend abgeraten. Es könnte sich als schwere Störung ihres Welt-Bildes erweisen und zu voreiligen Handlungen führen (Mord, Selbstmord, Vernichtung der DVD-Box durch Flammenwerfereinsatz und dergleichen mehr).
Wer sich im Angesicht des Merchandising-Sturms und Propaganda-Gewitters aus Lucasland allerdings ein restliches Quäntchen Verstand bewahren konnte, den könnte diese Parodie durchaus interessieren.
Doch deshalb ist eine Parodie nocht nicht „per se“ gelungen, nur weil sie einen der größten Mythen der modernen Kinogeschichte auf den Arm nimmt. (Schwarz Vader würde VERHOHNEPIEPELT sagen, natürlich in Großbuchstaben, aber auf dieses Niveau müssen wir uns nicht hinabbegeben. Wirklich nicht!)
Wie immer bei Parodien spielt die Übertragung in die deutsche Sprachlandschaft eine entscheidende Rolle. In Roberts‘ Erstling „Der kleine Hobbnix“ gelang dies der Übersetzerin verzüglich, so dass es eine wahre Freude war, den rappenden Zwergen auf ihrem Weg zum Drachenschatz unterm Einsamen Berg zu folgen. Sie waren einfach zu lieb, doof und putzig, um sie anödend zu finden. Außerdem gab es die komplizierte Sache mit dem reziprok wirkenden Ring-Zauber und ein Rätsel um Zauberer Ganzalt, die für Unterhaltung und Spannung sorgten.
Bei „Star Warped“ hat Ronald M. Hahn die Übertragung besorgt. Hahn, Übersetzer der „Wüstenplanet“-Romane Frank Herberts, ist Autor zahlreicher Jugendbücher und hat eine Satire mit dem Titel „Die Socialdemokraten auf dem Monde“ geschrieben (bei |Heyne|). Man kann ihm durchaus bescheinigen, sich in Sachen Humor auszukennen und sich darin ausdrücken zu können.
Die Übertragung der Namen wie etwa Wehzeh- bzw. WC-Nullnull (statt R2D2) oder Opi-Jan Knofi (Knofi = Knoblauch) statt Ob-Wan Kenobi fand ich ja noch einigermaßen erträglich. Und wenn Yoda der Jedi zum jodelnden Jodella wird, könnte man sich auch einen abgrinsen. Allerdings lassen die Dialoge doch sehr an Intelligenz zu wünschen übrig. Das Hirnzellen-Energieniveau, das hier aufgebracht werden muss, kann locker schon ein Elf- oder Zwölfjähriger liefern. (Das ist „zufällig“ das Alter, ab dem STAR-WARS-Filme freigegeben sind.) Und allen, die schon älter sind, kommt dies wie Schwachstrom-Humor vor.
Beispiel gefällig? Auf Seite 116/117 heißt es:
»Urplötzlich hörte [Luke] eine geisterhafte Stimme aus einer Existenzebene, die jenseits seiner eigenen lag: ‚Setz die Pracht ein, Luke‘.
„Was?“, sagte Luke verdutzt.
„Was?“, fragte Prinzessin Lepra.
„Was?“, sagte Luke und schaute sie an.
„Was hast du gesagt?“, fragte sie.
„Was?“
„WAS?“
„Hast du was gesagt? Hast du gesagt: ‚Setz die Pracht ein, Luke‘?“
„Nein“, sagte Lepra.
„Hast du irgendwas gesagt, das(s*) ich vielleicht als ‚Setz die Pracht ein, Luke‘ missverstanden haben könnte?“
„Nein – jetzt hör auf zu mauern. […]“«
(*) Das zweite S steht tatsächlich im Text. Das ist natürlich nicht ganz korrekt.
An dieser Passage entzünden sich herzlich wenige Intelligenzfunken. Vielmehr neigt der mit brillantem Verstand ausgestattete Leser dazu, ein Stöhnen der Qual von sich zu geben. Aber daran ist der Übersetzer putativ unschuldig (in dubio pro reo). Der Dialog ist eben so gnadenlos dumm.
Wie schwierig das Geschäft der Übertragung sein kann, zeigt sich nur wenige Zeilen vor diesem Dialog. Das ursprüngliche (erschlossene) Wort „autodestruction“, aus dem im Deutschen „Autovernichtung“ gemacht wurde, interpretiert Luke zunächst ganz folgerichtig als „Selbstvernichtung“. Er erklärt sich diese Funktion aus der Paranoia des imperialen Reichsimperiums. Mit Freuden drückt er daher den Knopf für „Autovernichtung“, in der Hoffnung, so den Selbstzerstörungsmechanismus des Todesheilbades in Gang zu setzen, ähnlich wie Lt. Ripley in „Alien“. Daraus wird leider nichts, denn der Knopf „Autovernichtung“ ist wortwörtlich zu verstehen: Klar, dass in einem gigantischen Parkhaus von Planetengröße Autos das einzige sind, was vernichtet wird …
Merke: Was im Original als „autodestruction“ schön zweideutig war, ist im Deutschen als „Autovernichtung“ leider ziemlich eindeutig und gibt die Pointe vorzeitig preis. Der Leser fragt sich deshalb auch während Lukes Monolog über „Selbstvernichtung“, wovon er da eigentlich faselt, wenn doch längst klar sein muss, dass es um die Vernichtung von Autos geht und um nichts sonst. Kein Wunder, dass Prinzessin Lepra ihren lobenden Kuss zurückhaben will.
Man sieht also, dass eine Parodie nicht immer so gut funktioniert wie das Original. Und da das Buch offenbar Kinder ansprechen soll, fühlte ich mich durchweg unterfordert.
_Unterm Strich_
„Star Warped“ bietet sicherlich einige nette Einfälle, die Leuten, die den |Star Wars|-Rummel kritisch beäugen, das eine oder andere Schmunzeln entlocken können. Doch die sprachlichen Fallstricke erweisen sich als so hinderlich, dass eine Menge des Esprits des Originals verloren geht. Und dass sich das Buch nun an Kinder von elf oder zwölf Jahren wendet, fand ich dann eher unpassend. Fazit: Muss man nicht kennen.
|Originaltitel: Star Warped, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ronald M. Hahn|
Mit der Deirdre-Trilogie hat Gijsen ein Juwel europäischer Fantasy geschrieben, das sich einfallsreich und wohltuend von der Einheitskost amerikanischer Fantasy abhebt. Mag der erste Band noch nicht besonders rasant sein, so entschädigen dafür doch die beiden Folgenbände durch mehr Action.
Der Autor
Wim Gijsen (1898-1990) ist einer der bekanntesten niederländischen Autoren. In Deutschland erschienen seine Science-Fiction-Romane „Die Ersten von Rissan“ (1980) und „Die Könige der Vorzeit“ sowie die Fantasy-Romane um Iskander den Traumdieb (alle bei Heyne). „Die Sandrose“ ist der zweite Band in der Trilogie um die junge Frau Deirdre, die dazu berufen scheint, die seit Jahrtausenden gespaltenen Völker, die um das Lavendelmeer herum siedeln, wieder zu versöhnen.
Der Rissan-Zyklus
1980: Die Ersten von Rissan, Originaltitel: De Eersten Van Rissan
1981: Die Könige der Vorzeit, Originaltitel: De Koningen Van Weleer
Der Traumdieb-Zyklus
1982: Iskander der Traumdieb, Originaltitel: Iskander de Dromendief
1983: Das Haus des Wolfs, Originaltitel: Het Huis van de Wolf
Handlung
Deirdre wurde als Kind von einer alten weisen Frau prophezeit, dass sie das Schicksal der Völker bewegen werde. Nun ja, im ersten Teil der Trilogie, „Wendekreise“, sieht ihr Leben nicht unbedingt danach aus. Sie lebt halbwegs zufrieden im Tempel der Göttin, als sie die Nachricht erhält, dass ihr im Sterben liegender Vater sie ruft. Trotz des Verbots verlässt sie den Tempel, um nach Hause zu eilen. Ihr Vater ist schon tot, doch sie kann für sich einen bedeutenden Teil des Erbes ergattern. Damit zieht sie in die „große Stadt“ Chelle.
Als ahnungslosem Landei kommt es ihr gelegen, dass sich eine junge Diebin ihrer annimmt. Sie werden ein Liebespaar. Doch Deirdre hat Pläne, und sie trennt sich von der jungen Frau. Sie macht mit ihrem Erbe ein Geschäft auf, das bald floriert. Bald halten Freier um ihre Hand an, die sie jedoch samt und sonders abweist. Das ist ein Fehler, denn besonders einem Kaufmann macht ihr Geschäft Konkurrenz. Er schwärzt sie an, und Deirdre wird gegen ihren Willen in die Leibeigenschaft gezwungen und muss sich im Tempel der Göttin prostituieren …
Mein Eindruck
Gijsen stellt uns das Innenleben seiner Figuren lebendig und detailliert vor, sodass ihre Handlungen weitaus plausibler erscheinen als der Aktionismus in US-Fantasy. Der innerste Antrieb Deirdres ist ja nicht Geldgier und Suche nach Vergnügen, auch nicht die Rettung der Welt, sondern der Dienst an der lebendigen Göttin, die sie für sich auserkoren hat. Dieser feste Glaube Deirdres bestimmt ihre Handlungsweise, und soll sie nicht lächerlich oder absurd erscheinen, muss ihr Glaube plausibel und seriös dargestellt werden. Dies artet jedoch nicht in innere Monologe aus, wie man vielleicht meinen könnte. Vielmehr zeigt sich Deirdres Einstellung in den Dialogen und Auseinandersetzungen mit ihrer Umgebung. Dass sie zum Liebesdienst unter dem Dach der Göttin gezwungen wird, ist eine ironische Umkehrung der rechten Verhältnisse, an der offenbar die verdrehten Chauvi-Männer in Deirdres Umgebung schuld sind.
Dass in Lure, jenseits der Berge, Männer unter der Herrschaft der Frauen stöhnen, ist eine ironische Inversion der Chelle-Verhältnisse. Doch dieser Zustand, das zeigt Gijsen deutlich, ist ebenso bedauernswert wie die Kultur Chelles. Bleibt also noch der Aufbau eines dritten utopischen Weges: Dies lässt die „Deirdre“-Trilogie als logische Konsequenz offen.
Taschenbuch: 333 Seiten
Originaltitel: Keerkringen (1985)
Aus dem Niederländischen übertragen von Hildegard Höhr
ISBN-13: 978-3453156043| www.heyne.de
Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Der Reiz halber Entblößung und völliger Nacktheit vor halb verblasstem Interieur – welcher Nostalgie-Gourmet könnte da widerstehen? Wir wissen nicht, ob es ein professioneller, geschäftstüchtiger Fotograf war oder ein Liebhaber, der erstmals eine nackte Frau auf die Platte bannte. Sicher ist hingegen, dass die Möglichkeiten, geheime Reize beliebig oft reproduzieren zu können, wenn man nur ein williges Objekt für sein Objektiv fand, um die (20.) Jahrhundertwende eine Schar erotomaner Fotoaspiranten auf den Plan rief.
Aus der Fülle ihrer Beute schöpfte ein Sammler – aus dessen Fundus wiederum die schönsten Fotos für den vorliegenden Band ausgewählt wurden. Die schönsten erotischen Fotos der Jahrhundertwende. Die Einführung verfasste sehr kenntnisreich und elegant Wolfgang Mohrhenn, der zahlreiche zeitgenössische Quellen zitiert.
Rincewind ist der berühmteste Zauberer der Scheibenwelt: ein lächerlicher Charakter, feige und völlig inkompetent, er flieht meist vor Magie, denn seine Zaubersprüche bewegen meist nur heiße Luft. Er wird begleitet von dem geheimnisvollen, vielfüßigen Gepäckstück Truhe und einem unbedarften Touristen namens Zweiblume.
Emma lebt mit einem schrecklichen Trauma: Als Kind musste sie mit ansehen, wie ihr kleiner Bruder ermordet wurde. Sie hat die Täter gesehen, doch die Bilder sind aus ihrem Gedächtnis verschwunden. Was geblieben ist, ist der Schmerz. Inzwischen ist sie zu einer schönen jungen Frau herangewachsen, doch solange die Mörder frei herumlaufen, schwebt auch Emma in Lebensgefahr. Nur der Mann, den sie einmal geliebt hat, kann ihr noch helfen: Michael Kesselring, der Sohn des Beamten, der damals die Ermittlungen im Fall ihres Bruders leitete. Um die Geister der Vergangenheit zum Schweigen zu bringen, versucht sie mit seiner Hilfe ihr Gedächtnis wiederzuerlangen. Doch dadurch gerät sie in größte Gefahr. (Verlagsinfo)
In Lock Haven, einer beschaulichen kleinen Stadt in Washington State, gibt es eine ganz besondere Straße. Die Bird Street. Wer in der Bird Street wohnt, ist erfolgreich, wohlhabend, gesund und glücklich. Die Kinder allesamt ausgeglichen, wohlerzogen und klug. Zumindest für elf Monate im Jahr. Im November jedoch brechen die dunklen Tage an. Pech, Misserfolg und Krankheit halten Einzug. Im November kommt der Fremde in die Bird Street, um bei den Bewohnern die Schulden einzutreiben. Im November ist die Zeit gekommen, den Preis für all das Glück zu zahlen. Denn es kehrt erst zurück, wenn ein Menschenleben geopfert wird … (Verlagsinfo)
Ein gigantisches Schiff, das entgegen allen Informationen der Passagiere immer nur im Kreis herumfährt. Stephen King trifft Terry Pratchett – so könnte der Untertitel dieses düster-grotesken Debütromans von einem mittlerweile sehr produktiven Briten lauten.
Der Autor
„James Lovegrove (* 24. Dezember 1965) ist ein britischer Science-Fiction-, Fantasy- und Jugendbuch-Autor. Lovegroves Arbeiten loten die Grenzen der Science-Fiction und Fantasy aus und weisen häufig dystopische oder satirische Elemente auf. Damit steht er in der Tradition von J. G. Ballard und John Wyndham.“ (Wikipedia)
Er wurde bei uns 1999 mit dem düsteren SF-Roman „Die Hoffnung“, seinem Debüt, bekannt, doch schrieb er danach noch zahlreiche weitere SF-Romane. Neben Kinderbüchern wie der „Cloud World“-Serie, die er als „Jay Amory“ veröffentlichte, hat er zuletzt die zwei Zyklen AGE und „Lords of Pain“ veröffentlicht. James Lovegrove – Die Hoffnung weiterlesen →
Der vorliegende Band enthält einige der besten Storys von Philip K. Dick (1928-82), darunter die literarische Vorlage zu John Woos Actionkrimi „Paycheck – Die Abrechnung“ (mit Ben Affleck und Uma Thurman). Etliche andere Storys erschienen bereits in der Mammutstorysammlung „Der unmögliche Planet“. Einige sind dort aber nicht enthalten, so auch „Paycheck“. Ich bespreche diese „neuen“ Storys eingehender.
Philip K. Dick ist in Hollywood angesagt: Der letzte Höhepunkt der Verfilmungen seiner Werke besteht in „Paycheck – Die Abrechnung“. Aber die Verfilmungen begannen schon 1980 mit Ridley Scotts „Blade Runner“, und das ist nun ein wahrer Kultfilm geworden. Weiter ging’s mit „Total Recall“, „Screamers“, „Impostor“ und „Minority Report“. Andere Filme wie „Matrix“, „eXistenZ“, „Vanilla Sky“ und „Die Truman Show“ verdanken Dicks Ideen ebenfalls sehr viel, ohne ihm allerdings dafür nachträglich zu danken. Warum Dick ziemlich genau 50 Jahre nach Erscheinen der jeweiligen Storys aktuell wird, könnte etwas mit den Lizenzrechten zu tun haben. Das ist aber nur eine Vermutung.
Aber auch die Filme befassen sich zwangsläufig mit den Grundthemen in Dicks Werk: Was ist menschlich? Und was ist die Wirklichkeit? Früher oder später dürfte wohl jeder Leser ebenfalls auf diese zwei Fragen stoßen. Dick liefert dazu eine Menge Anregungen und unterhaltsame Ideen.
Der Autor
Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science-Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er fast 30 Jahre lang veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow my tears, the policeman said“ (dt. als „Die andere Welt“ bei Heyne) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon. Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstresses durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967.
Er erlebte noch, wie Ridley Scott seinen Roman „Do androids dream of electric sheep?“ zu „Blade Runner“ umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn).
Vorwort – von Sascha Mamczak
Sascha Mamczak ist bei Heyne der verantwortliche Lektor für die Science-Fiction-Titel. In seinem Vorwort geht er auf die Frage ein, wie sich Science-Fiction und Film/Fernsehen zueinander verhalten, genauer: Wie gut könnten Verfilmungen von Science-Fiction-Stoffen sein, wenn sich Film & Fernsehen Mühe gäben? Es gibt ja so unterschiedliche Werke wie „Blade Runner“ und „Total Recall“ – der eine ein Kultfilm, der andere ein Starvehikel im Gewand eines Actionfilms. Aus seinen Antworten muss man allerdings selbst ableiten, was Mamczak von John Woos Film „Paycheck“ halten würde, wenn man ihn fragte.
Wichtiger noch sind seine Anmerkungen zur Bedeutung der Science-Fiction als literarisches bzw. multimediales Mittel, um sich mit der Gegenwart auseinanderzusetzen: Sie ist das einzige Genre, das die angemessenen Mittel bereitstellt. Wie sonst sollte man die Tatsache umsetzen, dass die USA & Co. einen permanenten Präventivkrieg gegen „den Terror“ führen? Wer schuldig und wer unschuldig ist – wer bestimmt das?
Die Folgen dieses neuen Kalten Krieges werden zunehmend bizarrer, je mehr deutlich erkennbar wird, wie skrupellos sich die USA und Großbritannien eine Entschuldigung für ihren Angriff auf den Irak zusammengedichtet haben. Dass die angegriffenen „Terroristen“ nun weltweit den Spieß umdrehen, wird noch zu einigem Kopfzerbrechen und leider auch zu vielen Opfern führen. Wir bekommen es bereits jetzt durch gestiegene Sicherheitsausgaben zu spüren.
Die Erzählungen
Paycheck – Die Abrechnung (1953)
Die Titelstory schildert uns die Abenteuer des Mechanikers Michael Jennings. Er ist gerade von einer zweijährigen Anstellung bei der Firma Rethrick Construction zurückgekehrt. Da man ihm aber sein Gedächtnis gelöscht hat (eine Operationsnarbe beweist das), erinnert er sich nicht daran, was er in dieser Zeit getan hat. Man kann sich seine Überraschung vorstellen, als er als Lohn für zwei Jahre Lebenszeit nicht die erwarteten 50.000 Verrechnungseinheiten, sondern lediglich eine Tüte mit sieben rätselhaften Gegenständen erhält. Doch es ist alles rechtens, wie Kelly, die Empfangsdame, beweist: Er hatte die Umwandlung des Geldes in „Naturalien“ selbst genehmigt.
In den zwei Jahren ist es zu einem Regierungsumsturz gekommen. Mittlerweile schnüffelt so etwas wie Gestapo hinter allem her – natürlich auch hinter Jennings. Man will wissen, was Rethrick baut und was Jennings dabei zu tun hatte. „Wo ist die Rethrick-Fabrik?“ Jennings hat keine Ahnung. Doch mit Hilfe der „geerbten“ Objekte kann er a) entkommen und b) sogar diese ominöse Fabrik ausfindig machen: Sie liegt in Iowa, ein grauer Betonklotz auf einem schwer bewachten, kahlgebrannten Hügel.
Da kommt Jennings ein verwegener Gedanke: Wenn er Rethrick mit dem erpressen könnte, was er in der Fabrik zu finden hofft, dann könnte er Teilhaber werden. Leider kommt es ganz anders, denn Kelly, der er sich anvertraut und auf die er baut, ist nicht die, für die sie sich ausgibt…
Nanny (1955)
„Nanny“ (Kindermädchen) ist eine beißende Satire auf das amerikanische Konsumverhalten. – In einer Welt der nahen Zukunft gibt es Robotkindermädchen (ähnlich wie „Asimo“), die zwar ihre Schützlinge behüten wie ihren künstlichen Augapfel, aber dafür gegeneinander kämpfen bis zum Letzten. Nach wenigen Jahren sind die Modelle so veraltet, dass sie die Schlachten untereinander verlieren und durch neue ersetzt werden müssen. Das wiederum hält die Wirtschaftsmaschine am Laufen, ist aber auch ein Spiegelbild des Rüstungswettlaufs zwischen beiden großen Machtblöcken während des Kalten Krieges . Geschildert durch die Augen zweier Kinder und zweier Elternpaare ist diese Erzählung zwar sehr geradlinig, aber auch sehr einfühlsam.
Jons Welt (1954)
Caleb Ryan lebt in einem verwüsteten Nachkriegsamerika, das sich so langsam wieder berappelt. Immerhin verfügt er als Ingenieur inzwischen über eine richtige Zeitmaschine. Damit will er in die Vergangenheit reisen, an jenen Zeitpunkt, da der Militärforscher Schonerman den Grundstein legte für jene Killerroboter à la „Terminator“, die zunächst von der UNO gegen die Sowjets eingesetzt wurden, die sich dann aber verselbständigten und Krieg gegen alle Menschen führten – und dabei fast Erfolg gehabt hätten.
Der einzige Umstand, der Ryans perfekt geordnetes Leben stört, ist das abnorme Verhalten seines Sohnes Jon. Jon hat, wie er erzählt, lebhafte „Visionen“ von einer alternativen Wirklichkeit, in der die Erde von gelben Weizenfeldern und grünen Parks bedeckt ist und weiß gewandete Menschen über das Universum diskutieren. Jons Vater lässt ihn umgehend am Gehirn operieren, um diese Hirngespinste abzustellen.
In der Vergangenheit gelingt es Ryan und seinem Begleiter Kastner, Schonermans wissenschaftliche Unterlagen zu stehlen und zu entkommen. Auf einem der Zwischenstopps zurück in die Zukunft erfährt Ryan, dass der Krieg vorüber ist. Von den Killerrobotern, den „Greifern“, haben die Soldaten nie etwas gehört, auch nicht von einem gewissen Schonerman.
Als die Zeitreisenden in ihrer eigenen Zeit ankommen, sehen sie Jons Visionen verwirklicht. Jon gibt es nicht mehr. Doch anhand der Schonerman-Papiere könnten sie in der Vergangenheit noch einmal die Wiederholung des Krieges herbeiführen…
Die Story erinnert stark an „Die Sieger“, in der Soldaten, die lange im Bunker ihre Welt errichtet hatten, plötzlich in eine grüne Welt an der Oberfläche dringen, wo Roboter herrschen. Die Pointe ist sowohl ironisch als auch tragisch, wenn man Jons Schicksal bedenkt.
Frühstück im Zwielicht (1954)
Eine bitterböse, fesselnde Story mit einer überdeutlichen Warnung vor einem Atomkrieg.- Die fünfköpfige amerikanische Musterfamilie der McLeans frühstückt wie jeden Werktagmorgen, doch als Sohn Tommy zur Schule gehen will, ist da keine Schule mehr. Auch keine Straße, keine Häuser, nicht einmal eine Stadt. Da ist nur ein diffuser Nebel und wehende Asche vor der Haustür…
Die Soldaten, die mit Gasmasken in das Haus der McLeans eindringen, sind völlig von den Socken: ein gesunder Mann, der nicht beim Militär ist, eine Frau, die „nicht verschnürt“ ist, und Kinder, die nicht in Kanada im Lager indoktriniert werden. Und kiloweise Lebensmittel! Nachdem das gegenseitige Entsetzen und Erstaunen etwas abgeklungen ist, erklärt der herbeigerufene Politische Kommissar die Lage: 1977 – also in der Zukunft der McLeans – begannen die Sowjets, die USA mit robotergesteuerten Raketen zu beschießen. Er herrscht permanenter Weltkrieg zwischen den Machtblöcken. Die Raketen haben Amerika in eine radioaktive Wüste aus Schutt und Asche verwandelt.
Die einzige Möglichkeit, wie die McLeans in dieses Horrorszenario gekommen sein können, ist eine Zeitanomalie. Nachdem sie sich dafür entschieden haben, hier nicht leben zu wollen – man hätte sie alle getrennt -, verschlägt sie ein schwerer Raketenangriff wieder in ihre angestammte Gegenwart. Erschüttert, doch unfähig, die Wahrheit über die erlebte Zukunft zu erzählen, beginnt Tim McLean zu berichten: „Es muss an dem Heißwasserboiler gelegen haben“…
Kleine Stadt (1954)
Verne Haskel ist ein frustrierter Arbeiter in Woodland, Kalifornien. Er arbeitet in der Fabrik für Pumpen und Ventile. Seine Frau Madge ist ebenfalls frustriert und hat deshalb einen Liebhaber, Dr. Paul Tyler, aber das merkt Verne nicht. Denn Verne beschäftigt sich seit seiner Kindheit privat nur mit seiner riesigen Modelleisenbahn, die er im Keller aufgebaut hat. Madge findet sie monströs und Vernes Verhalten infantil. Dr. Tyler hingegen schwant Übles, sieht aber in Vernes Obsession zunächst eine Möglichkeit, ihn unmündig erklären zu lassen und sodann Madge zu bekommen.
Dummerweise verfällt Verne eines Nachts auf den verwegenen Gedanken, die Modelleisenbahn und das Abbild von Woodland, das sie reflektiert, abzuändern. Alles wird ersetzt und umgemodelt. Dann passiert etwas, das typisch ist für Dick: Die Vorstellung wird zur Wirklichkeit. Motto: Du kannst die Welt verändern, wenn du es willst. Und also geschah es, und Verne sah, dass es gut war.
Das Vater-Ding (1954)
Der achtjährige Charles Walton ist entsetzt: Er hat seinen Vater doppelt gesehen. Doch das Wesen, das sich nun an den Tisch zum Abendessen setzt, kann nicht sein richtiger Vater sein. Es sieht nicht echt aus. Und es droht ihm mit Prügel, sollte er nicht zur Vernunft kommen. Doch Charlie weiß sich zu helfen. Er geht zu Tony Peretti, dem 14-jährigen Schulrabauken, der bereits ein Luftgewehr besitzt. Peretti glaubt Charlie erst, als er die abgestreifte Haut von Charlies echtem Vater in einer Tonne in der Garage gezeigt bekommt. Peretti fällt an dem lebenden Vater-Ding auf, dass es irgendwie ferngesteuert wirkt. Doch wodurch und woher? Der beste Sucher ist Bobby Daniels, und tatsächlich: Unter einem Betondeckel im Garten findet sich ein riesiger Käfer. Leider nützt das Luftgewehr nichts gegen das Viech, und das Vater-Ding greift das Trio an. Charlie flieht in ein Bambusgebüsch und erstarrt: Dort wächst bleich wie ein Pilz – ein Mutter-Ding. Und einen Meter ist ein Charlie-Ding schon fast herangereift. Und dahinter warten noch andere Dinger. Da packt ihn das Vater-Ding…
Der gute (gütige) Vater verschwindet und wird durch den schlechten (strafenden) Vater ersetzt: eine der verbreiteten Kindheitsängste. Offenbar auch die von Philip K. Dick. Obwohl die Story von 1954 sehr gut in das paranoide politische Klima der McCarthy-Ära passen würde, die in jedem linken Amerikaner ein kommunistisches Monster vermutete.- Die Story ist sehr lebendig, spannend und einfühlsam erzählt. Sie erinnert am Schluss stark an Jack Finneys Roman „Invasion of the body-snatchers“, der nur ein Jahr später veröffentlicht wurde. Dieser sah bislang zwei Verfilmungen, 1956 von Don Siegel und 1978 durch Philip Kaufman.
Zwischen den Stühlen (The Chromium Fence, 1955)
In den USA haben zwei politische Parteien das Sagen: Die Naturalisten bestehen auf dem Recht des Menschen, Schweiß abzusondern und keine gepflegten Zähne zu haben. Die Puristen sind das Gegenteil: Die Schweißdrüsen sind zu entfernen und die Zähne penibel zu reinigen etc.
Don Walsh jedoch, ein braver Arbeiter mit Familie, weigert sich, einer dieser Parteien am Tag der Wahl sein Votum zu geben. Streit gibt es schon genug in seiner Familie: In der winzigen Wohnung kabbelt sich sein Schwager als Naturalist mit Dons Sohn Jimmy, einem Fähnrich der Puristenliga.
Am Tag, als die von der Industrie gestützten Puristen siegen, wird auch das sogenannte Horney-Gesetz verabschiedet, das Nazi-mäßige Verhältnisse einführt: Es gibt eine Konformitätskontrolle, und Don soll zur Umerziehung ins Lager. Als er allerdings erkennt, dass der Psychiater-Robot ihn falsch im Sinne der Regierung beraten hat, trifft er eine fatale Entscheidung. Dons Ende kommt unvermittelt und wirkt schockierend.
Autofab (1955)
Nach fünf Jahren Atomkrieg kriechen die Menschen (d.h. die Amerikaner) wieder aus ihren Löchern und bauen sich ärmliche Siedlungen. Aber sie haben es im Vergleich zu anderen Völkern noch gut: Automatische Fabriken, die sie zuvor unterirdisch angelegt hatten, versorgen sie mit allem, was sie brauchen: Medikamente, Lebensmittel, Kleidung, you name it.
Doch „der Mensch ist Mensch, weil er begehrt“ – und das gilt besonders für die Freiheit. Eines Tages beschließen die Oberen von dem, was einst Kansas City war, sich einen Autofab-Experten zu holen, um endlich selbst die Leitung der Automatischen Fabriken – kurz „Autofab“ – zu übernehmen. Denn die Autofab lässt sich nicht abschalten. O’Neill hat ein paar geniale Ideen, und nachdem die anderen ihre Wut an unschuldigen Androiden abreagiert haben, kommt er auch zum Zuge: Er legt einen Köder aus dem seltenen Metalls Wolfram aus, um den sich garantiert zwei Autofabs streiten müssen. Tatsächlich scheint sich die Autofab von Pittsburgh über den Haufen raren Rohstoffs zu freuen, da fallen die Jäger und Roboter aus Detroit über ihre Maschinen her. Pittsburgh sucht sich Verbündete, Detroit natürlich ebenfalls – schon bald ist der schönste Krieg im Gange.
Leider haben die Menschen jetzt zwar Freiheit, aber nichts mehr von den Autofab-Annehmlichkeiten. Mehrere Monate später geht O’Neill der halb zerstörten Autofab von Kansas auf den Grund und hört ein Rumoren, Surren und Grummeln. Tut sich da was? Und was, um Himmels willen, wird da unten produziert?
Man hat diese Story als Vision einer außer Kontrolle geratenen Ökologie gedeutet, als eine „grüne“ Warnung. Das scheint mir zu weit hergeholt. Denn die Autofab ist die Verkörperung einer Technologie, die sich aufgrund der Survival-Ideologie des Militärs, inzwischen der Kontrolle des Menschen entzieht. Die Autofab-Kultur kann denn auch nur mit einer militärischen List außer Gefecht gesetzt werden, jedoch nicht mit einem Frontalangriff. Richtig fies wird die Story dann am Schluss, als aus der Wiederauferstehung der Fabrik ihre Ausbreitung auf den Rest des Universums folgt.
Zur Zeit der Perky Pat (1963)
Ähnlich wie in „Autofab“ leben auch hier die Überlebenden eines Atomkrieges in unterirdischen Anlagen, die sie „Launengruben“ nennen“, und bekommen alles Lebensnotwendige von Flugzeugen, die Care-Pakete abwerfen. Aus den mechanischen Teilen bauen die Erwachsenen aber nicht etwa besonders nützliche Dinge, sondern eine Art Puppenhaus, über das jede Familie verfügt. Das Spiel heißt „Perky Pat“ und funktioniert genau wie Monopoly, nur dass die Hauptfigur eine Barbiepuppe namens Perky Pat ist: 17, blond und unschuldig. So geben die Überlebenden ihrem Bedürfnis nach, in der Scheinwelt der Vergangenheit zu leben, einer Welt des Konsums. Währenddessen lernt die junge Generation, mutierte Tiere, sogenannte Hutzen (Hunde + Katzen) zu jagen und zu essen.
Eines Tages kommt es zu einem Wettstreit zwischen Perky-Pat-Spielern und Spielern von „Companion Connie“ aus Oakland. Die Bedrohung ihrer jeweiligen Scheinwelten ist enorm: Companion Connie ist – oh Schock! – nicht nur verheiratet und intim mit ihrem Mann, sondern erwartet auch noch ein Baby! Als die Gewinner in ihre Perky-Pat-Kolonie zurückkehren, werden sie dort mit Steinwürfen bedroht und ausgestoßen: Companion Connie ist ihnen ein Gräuel.
Zwei Jahre später (1965) weitete Dick dieses Thema zu seinem Roman „Die drei Stigmata des Palmer Eldritch“ aus: Die Scheinwelt von Überlebenden auf dem Mars wird durch Halluzinogene noch zementiert und plausibler.
Allzeit-bereit (1963)
In einem Amerika der nahen Zukunft haben es die Beamtengewerkschaften geschafft, dass sie einen Stellvertreter des Präsidenten stellen können. Dieser steht auf Abruf bereit, falls das präsidiale Supergehirn Unicephalon (= Ein-Kopf) 40-D ausfallen sollte. Bei einer Alien-Invasion tritt dieser Ernstfall ein: die KI fällt für Wochen aus. Nun muss Max Fischer ran, ein behäbiger Bürokrat, der plötzlich die Rolle des Obersten Befehlshabers der Streitkräfte ausfüllen soll.
Kein Wunder, dass er Opposition hervorruft, allerdings aus einem unwahrscheinlichen Lager: von den Medien. Die Nachrichtensprecher dieser Zeit sind Clowns und sehen auch so aus: mit roter Perücke und Knollennase. Jim-Jam Briskin bestreitet, dass Max Fischer legitimer Präsident der USA ist und stellt sich selbst Gegenkandidaten auf. Es sieht nicht gut aus für Fischers gerade erst begonnene Laufbahn als Präsi und er will schon auf den Knopf zur Vernichtung von Briskin drücken, da meldet sich die KI Unicephalon zurück und bringt alle zur Räson. Na, dann vielleicht beim nächsten Mal, Max?
Ein kleines Trostpflaster für uns Temponauten (1974)
„Ich will sterben“, fleht Addison Doug, doch dieser Wunsch bleibt ihm verwehrt. Genauso wie seine Mit-Temponauten Benz und Crayne ist er in einer Zeitschleife gefangen: Er ist dazu verdammt, immer wieder seinen eigenen Tod, seine Rückkehr und die nationale Trauerfeier wiederzuerleben. Seine Merry Lou ist ihm nur eine kleine psychologische Stütze bei seiner Bürde, aber immerhin: Benz und Crayne haben überhaupt niemanden, der ihnen hilft.
Nach und nach erfahren wir aus Gesprächen, wie es zu der misslichen Lage kam. Die Russen hatten schon ein Team 50 Jahre voraus in die Zukunft geschickt. Die Amerikaner mussten natürlich nachziehen, mit einem doppelt so weiten „Flug“. Leider ging beim „Wiedereintritt“ in die Gegenwart etwas schief, und damit begann die Zeitschleife. Als einzigen Ausweg sieht Doug die Selbstvernichtung beim „nächsten“ Flug: Er nimmt 50 Pfund Zusatzgewicht mit, so dass es beim Rückeintritt zu einer Implosion kommen müsste, bei der die Temponauten sterben sollten….
Das ist eine psychologisch tiefgründige, aber logisch gesehen anstrengende Story. Kein Wunder angesichts der zu bewältigenden Zeitparadoxa. Am wichtigsten ist aber die Psychologie, und auch bei dieser hapert es, besonders bei Merry Lou: Wenn sie Doug liebt, warum hilft sie ihm dann zu sterben? Sie sagt nie, dass sie ihn von seiner Bürde – nämlich die Hölle des ewigen Lebens – befreien will. Auch wird erst beim wiederholten Lesen klar, warum Doug seinen zwei Kollegen etwas vormacht: Sein letztes Gespräch mit dem Militärkommando der Mission verläuft ganz anders als er es ihnen erzählt. Fazit: In dieser Story, die zuerst in „Final Stage“ (GB) erschien, steckt mehr, als auf den ersten Blick zu sehen ist. Daher hat sie andere Autoren stark beeinflusst.
Die Präpersonen (1974)
Diese provokante Erzählung schildert die Welt des kleinen Jungen Walter Best, in der die Abtreibung bis zum zwölften Lebensjahr des Kindes legalisiert ist. Walter lebt daher in ständiger Furcht vor den „Männern im weißen Lieferwagen“: Von ihren Eltern für unerwünscht erklärte Kinder können noch lange nach ihrer Geburt durch Euthanasie getötet werden. Die Parallelen zu den Maßgaben für eine Abtreibung sind unübersehbar – der Autor hat lediglich die Frist vom 5. Monat auf das 12. Jahr verschoben, genau wie das die US-Regierung in seiner Story-Welt tut.
Kein Wunder, dass diese Geschichte in den USA die vehemente Kritik feministischer Autorinnen hervorrief, und sogar Professor Joanna Russ, selbst progressive Science-Fiction-Autorin („Planet der Frauen“), wurde ausfallend gegenüber dem Autor! Man sollte aber berücksichtigen, dass Dick seine Ansicht zur Abtreibung hier nicht unreflektiert und pauschal formuliert hat, sondern mit Vorbedacht. Und dass es nicht unbedingt seine eigene Meinung sein muss – ähnlich wie bei „Glaube unserer Väter“. Es trifft aber zu, dass er hier Walter Bests Vater Ian, einen Abtreibungsgegner, einige sehr unschöne Dinge über Frauen sagen lässt, die sich keine Kinder wünschen. Auch ansonsten hält Dick hier starken Tobak bereit.
Mein Eindruck
Meine Eindrücke habe ich zu fast jeder Story geschrieben. Unter den „neuen“ Storys ragen sicherlich „Paycheck“ (1953) und „Frühstück im Zwielicht“ (1954) heraus. In „Paycheck“ entwickeln unscheinbare Gegenstände wie etwa ein Busfahrschein oder ein Poker-Chip lebenswichtige Bedeutung. In den Augen des Zeitreisenden ändert sich ihre Bedeutung für sein Leben grundlegend, weil sie sich genau dann als passend erweisen, wenn ihr Nutzen am größten ist. Hier erhebt sich die Frage, ob nicht Ursache und Wirkung vertauscht werden. Der Witz ist aber, dass bei Zeitreisen mit höchster Wahrscheinlichkeit Ursache und Wirkung vertauscht werden. Davon abgesehen, erweist sich „Paycheck“ als durchaus robuste Basis für einen Thriller. John Woo hat dann nur noch die Action hinzufügen müssen – mit den erkennbar traurigen Ergebnissen.
„Frühstück im Zwielicht“ ist eine laute und eindeutige Warnung vor dem kommenden Weltkrieg. Die Anfangsszene ist ein echter Schocker: man sitzt friedlich und nichts ahnend beim Frühstück, als ein paar Soldaten brüllend die Tür eintreten und fragen, was der Unsinn soll, schließlich herrsche Krieg! Hier erlaubt sich Dick natürlich auch einen Spaß mit Zeit, Raum und Chaos. Am besten ist aber der ironische Schluss: Die Betroffenen betrachten es als ihre Pflicht, ihren nichts ahnenden Nachbarn nichts von dem Horror, der möglicherweise auf sie zukommt, zu verraten, sondern behelfen sich lieber mit dem defekten Heißwasserboiler, der all die Verwüstung an ihrem Haus angerichtet haben muss. Mögen die Nachbarn noch lange friedlich schlafen.
Dagegen fallen die Storys „Allzeit-bereit“, „Zwischen den Stühlen“, „Jons Welt“ und „Kleine Stadt“ ein ganz klein wenig ab. Da sie aber in gleicher Weise auf eine Pointe hin geschrieben sind, verfehlen sie ihre Wirkung auf den Leser nicht. Sie sind ironisch, zuweilen tragisch oder komisch. Die Botschaft ist häufig eine Warnung oder zumindest das Anprangern eines realen oder möglichen Missstandes, selbst wenn dies die (austauschbare?) Position des US-Präsidenten betrifft.
Unterm Strich
„Paycheck“ ist bietet eine ähnlich gute Auswahl an Storys wie „Minority Report“ – ebenfalls ein Film-Tie-in, wie die Amerikaner sagen. Die Überschneidungen sind geringer, als man zunächst befürchten würde – so fehlt etwa die harte Story „Glaube unserer Väter“. Diese Storys hier sind wahlweise provokativ („Präpersonen“), kritisch („Nanny“, Vater-Ding“, „Zwischen den Stühlen“), ironisch („Paycheck“), tragisch („Jons Welt“, „Temponauten“) und komisch („Kleine Stadt“, „Perky Pat“), aber stets mit einer Pointe versehen, die den Leser mit einer klaren Aussage des Autors zurücklässt.
Diese Auswahl – mit sechs Filmfotos illustriert – bietet dem deutschen Leser, der vielleicht nicht mehr auf die Haffmans-Story-Gesamtausgabe zurückgreifen kann, eine Menge weiterer Storys, die in den letzten Jahren nicht mehr zugänglich waren – auch nicht in „Der unmögliche Planet“ mit seinen 832 Seiten.
Die einzige Geschichte, die in Philip K. Dicks persönlicher Auswahl seiner besten Storys („Best of PKD“, 1977, vgl. die Moewig-Ausgabe) noch nicht in diesen späten Auswahlbänden vorliegt, ist „If there were no Benny Cemoli“ aus dem Jahr 1963. Die genannte PKD-Ausgabe von 1977 enthält übrigens ein gutes Vorwort von Dicks englischem Kollegen John Brunner sowie ein Nachwort und Anmerkungen vom Meister selbst.
England, 1914: Als die Männer in den Krieg ziehen, halten die Frauen die Nation am Laufen. Zwei von ihnen sind die Zwillingsschwestern Peggy und Maude, die in der Buchbinderei der Oxford University Press im Arbeiterviertel Jericho arbeiten und auf einem Hausboot voller Bücher leben. Peggy träumt davon, eines Tages an der Universität zu studieren. Doch ihr wird gesagt: „Dein Job ist es, die Bücher zu binden und nicht zu lesen!“. Maude ist ein ganz besonderes, verletzliches Mädchen, und Peggy fühlt sich nach dem Tod ihrer Mutter für ihre Schwester verantwortlich. Mit der Ankunft von belgischen Flüchtlingen in Oxford und der Unterstützung neuer Freunde rücken Peggys Träume ganz unerwartet in greifbare Nähe. Und sie beschließt, eine andere Zukunft für sich zu erschaffen – eine, in der sie nicht nur ihre Hände, sondern auch ihren Verstand einsetzen kann. (Verlagsinfo)
Diese Storysammlung versammelt Bears beste kurze Arbeiten, umfasst jedoch keine seiner Novellen wie etwa das berühmte „Hardfought“ (dt. Titel: „Der Feind in mir“, deutsch in einem IASFM). Dafür sind die preisgekrönten Storys „Musik des Blutes“ – die Vorlage für den bekannten Roman – und „Tangenten“ enthalten.
Findet in „Musik des Blutes“ (Blood Music/Blutmusik) eine Erweiterung der Evolution aufgrund von intelligenten Viren statt, so nimmt in „Tangenten“ ein kleiner Junge Erstkontakt mit Aliens in einer Erweiterung unserer dreidimensionalen Wirklichkeit auf. Die Aliens kommen aus der vierten Dimension des Raumes und haben die Eigenart, sich auf überraschende Weise in den drei Dimensionen eines Hauses als riesige Körperteile zu manifestieren. Damit hat nicht nur die Einwanderungsbehörde ein Problem.
In den sieben anderen Erzählungen werden sehr unterschiedliche Probleme thematisiert. Ähnlich wie in „Tangenten“ greift Bear auch in „Schrödingers Seuche“ ein physikalisches, aber spekulatives Phänomen auf und treibt es zu einer möglichen Konsequenz. Ausgehend von Heisenbergs Erkenntnis, dass der Beobachter (subatomare) Ereignisse beim Beobachten beeinflusst, postuliert Bear, dass der Wissenschaftler dann auch den Ausbruch einer Seuche aus einem Behälter mit Viren entweder verhindern oder auslösen könne – ein unheimliches Szenario.
In andere Dimensionen führen auch die Storys „Totenfuhre“ und „Die Straße ins Nirgendwo“. „Totenfuhre“ funktioniert wie eine Erzählung von Stephen King: Ein auf den ersten Blick stinknormaler Trucker hat eine ungewöhnliche Fracht abzuliefern – tote Seelen (Gogol lässt grüßen). Sie sehen aus wie Menschen, aber ihr Blick ist relativ unlebendig. Als ihm Zweifel kommen, ob er manche Seelen nicht auch zu Unrecht chauffiert, fährt der Trucker ins Land hinter dem Gebäude, wo er abliefert, hinter die große Mauer, ins Land der Toten. Dort erfährt er die Wahrheit über seine Passagiere. Sie wurden von Vertretern der rechtsgerichteten „moralischen Mehrheit“ in den USA, die sich als „Stellvertreter Gottes“ betrachten, zum Tode verurteilt, zu Unrecht meist, zum Beispiel weil sie „Huckleberry Finn“ ausgeliehen hatten, ein „unmoralisches“ Buch. Der Trucker lässt die Seelen seiner letzten Fuhre frei und verschwindet.
Auf der „Straße ins Nirgendwo“ treffen zwei deutsche Nazi-Offiziere auf Urlaub im Frankreich des Jahres 1984 ein altes Weib in einer Kate. Durch die offenbar magischen Fähigkeiten der Alten landen sie auf ihrem weiteren Weg im Jahr 1944, mitten in den Wirrungen der alliierten Invasion.
Ähnlich satirisch ist die Fabel „Webster“ angelegt. Ein moderne, selbständige Frau der nahen Zukunft erschafft sich ihren Traummann aus einem Wörterbuch, eben dem Webster-Lexikon. Doch die Beziehung zu ihm scheitert, da, wie er sagt, ihm „die Substanz fehle“, sprich: Gefühle.
In drei weiteren Geschichten setzt sich Bear mit der Begegnung mit dem Andersartigen auseinander. In „Die Hure“ besucht ein Arbeiterjunge aus den armen Quadranten der Zukunftsstadt das Haus einer berühmten Prostituierten im besten Stadtviertel, um seine Mutter dort auszulösen. Seine Gegenleistung besteht darin, der Hure Gesellschaft zu leisten. Er verliebt sich sogar ein wenig in sie, obwohl er sie zunächst fürchtete. Er erscheint wie der Prinz in „Dornröschen“ in einem erstarrten Leben, schließlich soll er ihr Haus übernehmen. Er scheitert an der Missgunst seiner Verwandtschaft aus den Arbeitervierteln.
„Ein marsianischer Ricorso“ erzählt das Schicksal einer Marsexepedition, von der nach dem Kontakt mit den intelligenten Aliens nur ein Besatzungsmitglied überlebt, doch im Gegensatz zu „Alien“ nicht wegen irgendwelcher Monster, sondern wegen (oder trotz) der unangemessenen Reaktion seiner Vorgesetzten auf die friedlichen Aliens.
In „Schwestern“ ist die Fremdartige diejenige, die man heute eine „normale Schülerin“ nennen würde. Alle anderen an ihrer Schule sind genverbesserte superintelligente Schönheiten. Leider, so wird im Lauf der Handlung klar, fallen sie sehr leicht Herzanfällen und Kreislaufzusammenbrüchen zum Opfer. Eine Seuche bricht unter den „Optimierten“ aus. Die Eltern der „Normalen“ triumphieren: Sie hatten sich aus ethischen und ökologischen Gründen geweigert, ihre Kinder im Mutterleib genetisch optimieren zu lassen. Doch ihr „normales“ Kind zeigt eine weit sympathischere Reaktion: Sie begreift die Optimierten als Opfer einer Krankheit und solidarisiert sich mit ihnen. Sie sind ihre Schwestern und Brüder.
Bear legt seine Ansichten in einem Vorwort dar und erklärt die Entstehung der Storys ein wenig. Die abschließende Reportage „Die Unterhaltungsmaschinerie – Ein Bericht aus den Trickstudios über die Medien der Zukunft“, die den Band beendet, liefert einen Ausblick auf die mögliche virtuelle Realität aus dem Computer, allerdings aus der Sicht des Jahres 1987. Da manche von uns bereits zunehmend in eben dieser virtuellen Realität leben, kommt uns dieser Bericht reichlich zahm und, nun ja, „normal“ beziehungsweise altbacken vor.
Der Autor
Greg Bear wurde 1951 in San Diego, einer wichtigen US-Marinebasis, geboren und studierte dort englische Literatur. Unter den Top-Hard-SF-Autoren ist er der einzige, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute dennoch als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren.
Sein „Das Darwin-Virus“, der hierzulande zuerst in einem Wissenschaftsverlag erschien, wurde zu einem preisgekrönten Bestseller. Erst damit konnte sich Bear aus dem Science Fiction-Ghetto herausschreiben, so dass man ihn heute ohne weiteres mit Michael Crichton vergleicht. Nur dass Bear da anfängt, wo Crichton aufhört. Im Jahr 2004 erschienen bei uns „Darwins Kinder“, die Fortsetzung von „Darwin-Virus“, sowie der Roman „Stimmen“. 2006 erschienen die Taschenbuchausgabe von „Darwins Kinder sowie der Roman „Quantico“.
Bear hat eine ganze Reihe von Science Fiction- und Fantasyzyklen verfasst. Die wichtigsten davon sind (HSF = Heyne Science Fiction):
– Die Thistledown-Trilogie: Äon (HSF 06/4433), Ewigkeit (HSF 06/4916); Legacy (bislang unübersetzt).
– Der Amboss-Zyklus: Die Schmiede Gottes (HSF 06/4617); Der Amboss der Sterne (HSF 06/5510).
– Der Sidhe-Zyklus: Das Lied der Macht (06/4382); Der Schlangenmagier (06/4569).
Weitere wichtige Werke: „Blutmusik“ (06/4480), „Königin der Engel“ (06/4954), „Slant“ (06/6357) und „Heimat Mars“ (06/5922). Er hat zudem Beiträge für die Buchreihen des Foundation-, Star-Trek- und Star-Wars-Universums geschrieben.
Seine Romane wurden mit etlichen internationalen Preisen ausgezeichnet, in über 22 Sprachen übersetzt und weltweit millionenfach verkauft. Während der vergangenen 28 Jahre war er außerdem als Berater für die NASA, die U. S. Army, das amerikanische Außenministerium, die International Food Protection Association und das US-Ministerium für Heimatschutz tätig; dabei ging es um Themen wie Privatisierung des Weltraums, Lebensmittelschutz, Grenzen der Mikrobiologie und Genetik sowie biologische Sicherheit. (Amazon.de)
Taschenbuch: 301 Seiten.
Originaltitel: Tangents, 1989
Aus dem US-Englischen von Andreas Irle und Peter Robert.
ISBN-13: 978-3453119512 www.heyne.de
Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Das Jahr 2040, San Francisco. Die experimentelle Nano-Droge Nexus ermöglicht es Menschen, sich von Bewusstsein zu Bewusstsein auszutauschen. Es gibt aber einige Neurowissenschaftler, die Nexus verbessern wollen. Und es gibt Behörden wie das Heimatschutzministerium (DHS), die Nexus auslöschen wollen. Und es gibt welche, die Nexus für ihre eigenen Zwecke ausbeuten wollen.
Als der junge Neurowissenschaftler Kaden Lane von der DHS-Agentin Samantha Cataranes erwischt wird, wie er Nexus 5 auf einer illegalen Party verteilt und verwenden lässt, will sie ihn verhaften. Mit der Hilfe des DHS gelingt es ihr. Kadens einziger Ausweg, um die Leben und Karrieren seiner Freunde zu retten: völlige Kooperation und Übergabe aller Nexus-5-Materialien. Der Preis: Ausspionieren einer chinesischen Nexus-Wissenschaftlerin. Was man ihm nicht sagt: Es geht um viel, viel mehr… Ramez Naam – Nexus. Install (Nexus-Trilogie 1) weiterlesen →
Die Menschheit steht vor ihrer endgültigen Auslöschung. Die Maschinenarmee des Universalcomputers Omnius rückt an allen Fronten vor, erobert einen Planeten nach dem anderen, löscht die Bevölkerung mit Seuchen aus und überzieht unzählige Welten mit Feuer aus ihren riesigen Schlachtschiffen. Die Streitkräfte der Menschheit sind hoffnungslos unterlegen und unterwandert von den Gestaltwandlern der Maschinen.
Die Vereinigte Schwesternschaft und die Geehrten Matres haben ihre letzte Hoffnung auf den Klon von Paul Atreides gesetzt, doch die Pläne schlagen fehl: Paul ist nicht der erhoffte Kwisatz Haderach, der nach den alten Überlieferungen die Menschheit in die letzte Schlacht führen soll. Doch wer ist der verheißene Erlöser, der den grausamen Krieg zwischen Menschen und Maschinen beenden kann? (Verlagsinfo)
Der siebzehnjährige Charlie Reade hat kein leichtes Leben. Seine Mutter starb, als er sieben war, und sein Vater ist dem Alkohol verfallen. Eines Tages offenbart ihm der von allen gemiedene mysteriöse Nachbar auf dem Sterbebett ein Geheimnis, das Charlie schließlich auf eine abenteuerliche Reise in eine andere, fremde Welt führt. Dort treiben mächtige Kreaturen ihr Unwesen. Die unterdrückten Einwohner sehen in Charlie ihren Retter. Aber dazu muss er erst die Prinzessin, die rechtmäßige Gebieterin des fantastischen Märchenreichs, von ihrem grausamen Leiden befreien. (Verlagsinfo)
Der Paläontologe Zach Wells hat sich in seiner selbstironischen Abgeklärtheit bequem eingerichtet: Idealen misstraut er, ob an der Universität, wo er, selbst Afroamerikaner, sich nicht für Gleichberechtigung einsetzt, oder zu Hause in der erkalteten Beziehung zu seiner Frau. Einzige Freude in seinem Leben ist die zwölfjährige Tochter Sarah. Als diese ihr Sehvermögen verliert und eine erschütternde Diagnose folgt, flieht Zach in die Wüste New Mexicos. Dort geht er einem mysteriösen Hilferuf nach, den er in einer Second-Hand-Jacke gefunden hat. Ebenso mitreißend wie psychologisch feinsinnig erzählt der Pulitzer-Preis-Finalist eine große Geschichte über Verlust und Erlösung. (Verlagsinfo)
Luis Barnavelt und Onkel Jonathan sind auf großer Europareise. Einer der Höhepunkte ist ein Aufenthalt auf Barnavelt Manor, dem alten Familiensitz der Barnavelts. Dort werden sie vom freundlichen Cousin Pelly empfangen, einem kauzigen älteren Herrn, der zusammen mit seiner Haushälterin und deren Sohn Bertie in dem düsteren und unheimlichen alten Herrenhaus wohnt. Luis und der blinde Bertie freunden sich auf ihren Streifzügen durch Haus und Garten an und gemeinsam machen sie sich daran, das Geheimnis des verwilderten Irrgartens zu ergründen, der an der langen Auffahrt zum Schloss liegt.
Ein merkwürdiges Bauwerk ohne Eingang oder Öffnung verbirgt sich in seiner Mitte. Als es den beiden Jungen eines Nachts gelingt, einen Stein zu lockern, um einen Blick hineinzuwerfen, dringt aus der Tiefe ein schauerliches Grollen. Ein schreckliches Wesen scheint nach jahrhundertelangem Schlaf erwacht zu sein und nimmt die Verfolgung der beiden Jungen auf!
Wie vom Blitz getroffen verliebt sich die dreifache Mutter und Arztfrau Linda in den äußerst charmanten Bankdirektor Frank. Nach heißen Liebesnächten und einem gemeinsamen Urlaub trifft sie den waghalsigen Entschluss, ihrem bisher eintönigen Leben noch einmal den entscheidenden Kick zu verleihen. Sie gibt alles auf, verliert Freunde, Familie und ihre finanzielle Sicherheit. Aber sie glaubt an die große Liebe. Doch was als perfektes Glück mit Patchworkfamilie im neuen Haus beginnt, wird mehr und mehr zu einem Albtraum, aus dem es kein Zurück mehr gibt … (Verlagsinfo)
Bekannte Fantasy-Autoren haben jeweils eine eigene Erzählung ausgewählt, die sie für die beste halten. Unter den Autoren finden sich illustre Namen wie Michael Bishop, Robert Bloch, Jack Williamson und Gene Wolfe. Manchmal sind die Begründungen des Autors bzw. der Autorin interessanter als die Story selbst. Für den Herausgeber zählt auch Horror zur Fantasy. Zartbesaitete Leser sind gewarnt.
Die erfolgreiche Romance-Autorin Gaia Anders hat ein Geheimnis: Alles, was sie nachts träumt, steht auf magische Weise morgens in ihrem neuen Buch. Ihre romantisch-leidenschaftlichen Träume fühlen sich so real an, dass Gaias wirkliches Leben nicht mithalten kann – bis sie einen Kuss mit Jacob Scott, dem Bruder ihres besten Freundes teilt. Prompt wird er zum Helden von Gaias Träumen. Zu gerne würde sie ihm auch in der Realität näher kommen. Aber sie hat mit ihrer Vergangenheit zu kämpfen. Und Jacobs Versuch, den Frieden in seiner zerrütteten Familie wiederherzustellen, weckt Gaias tiefste Ängste. Schon bald werden beide mit harten Wahrheiten darüber konfrontiert, wer sie sind und wovor sie davonlaufen. Ist ihre Liebe stark genug für das wahre Leben, oder bleibt sie ein schöner Traum? (Verlagsinfo)
Die Tücken der Saurierjagd: klassische Science-Fiction-Geschichten
Anno 1979 feierte eines der renommiertesten SF-Magazine seinen dreißigsten Geburtstag. „Ed Ferman, sein langjähriger Herausgeber, hat aus diesem Anlass in Zusammenarbeit mit seinen Lesern und den Autoren einen Band der schönsten Erzählungen zusammengestellt, die in drei Jahrzehnten in diesem Magazin erschienen sind.“
So tönt der Klappentext. Aber in der Tat versammelt der schmale Band, den es anno 1981 für schlappe 5 Mark 80 zu kaufen gab, eine Vielzahl klassischer Storys sowie die Vorlagen zu den besten SF-Romanen aller Zeiten, darunter „Blumen für Algernon“ von Daniel Keyes und „Ein Lobgesang auf Leibowitz“ von Walter M. Miller. Zwar sind auch die US-Giganten wie Asimov, Heinlein und Silverberg vertreten, aber es gibt auch auffallend gute weibliche Autoren, die 1979 gerade ihre erste Phase abgeschlossen hatten: Ursula K. Le Guin, James Tiptree jr. (= Alice Sheldon) und Zenna Henderson.