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Hohlbein, Wolfgang – Raven – Das Schwert des Bösen

_Wildwest-Kasperletheater nach Highlander-Art_

König Artus‘ Schwert Excalibur wird von Professor Jacob Biggs aus seinem nassen Grab geborgen. Er weiß, dass dieses magische Schwert nie im Sinne von egoistischer Machtausaübung gebraucht werden darf, sondern nur für das Gute. Doch für seinen Sohn Lance (für Lancelot) zählt nur Geld, denn er muss seine Spielschulden bei einem Gangster begleichen. Was bedeutet ihm da schon die geheime Kraft eines alten Eisens? Doch der Geist, der das Schwert erfüllt, übernimmt ihn: In Trance macht er sich auf, um seine Feinde zu vernichten … Ob Privatdetektiv Raven ihn wohl stoppen kann?

„Das Schwert des Bösen“ ist der zweite Teil der im |Bastei|-Verlag anno 2003 erschienenen Heftromanserie „Raven“.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, hat sich seit Anfang der achtziger Jahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden (Auflage: 35 Millionen Bücher laut |Focus| 40/2006; es folgen unter den neuen deutschen Autoren Peter Berling mit 2 Millionen, Andreas Eschbach mit 1,7 und Kai Meyer mit 1,5 Millionen). Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

_Der Sprecher_

David Nathan, geboren 1971 in Berlin, gilt laut Verlag als einer der besten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht seine Stimme Darstellern wie Johnny Depp, Christian Bale und Leonardo DiCaprio. Er hat beispielsweise das Hörbuch [„The Green Mile“ 1857 von Stephen King ausgezeichnet gestaltet.

Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahme leitete Klaus Trapp, die musikalischen Motive trugen Horst-Günter Hank und Dennis Kassel bei. Der Text wurde von Katia Semprich gekürzt.

_Handlung_

|PROLOG.| Sir Lancelot du Lac steht auf einer Klippe über dem Meer und fühlt sich alt und verbittert. Alle Ritter der Tafelrunde sind tot, er ist der letzte, Artus’ Traum ist zu Ende. In Sir Lancelots Hand befindet sich Excalibur, jenes magische Schwert, welches der junge Artus einst von der Herrin vom See erhielt (und das häufig mit dem Schwert, das er aus dem Stein zog, verwechselt wird). In den richtigen Händen kann das Schwert Wunder wirken, doch in den falschen wird es zum Fluch. Lancelot hat damit bereits einen Menschen getötet. Nun hält er sein Versprechen, das er Artus gegeben hat, und wirft er es ins Meer hinab.

|Haupthandlung. Die Gegenwart.|

Lance, 29, lenkt das Boot seines Vaters, des Archäologieprofessors Jason Biggs, an die Küstenfelsen. Biggs gibt seinem Sohn 2500 Pfund, um die Arbeiter damit auszuzahlen, doch Lance braucht wegen seiner Spielschulden beim Pokerkönig Thompson noch 1500 Pfund mehr. Biggs aber ist pleite: Er hat sein Vermögen in die Suche nach Artus’ Schwert gesteckt. Lance ist sauer, muss sich aber damit zufrieden geben. Thompson jedoch ist mit der mickrigen Anzahlung keineswegs zufrieden und verlangt noch einmal 4000 Mäuse. Und wenn Lance nicht klein beigibt, so sollte er sich um seine Gesundheit Sorgen machen. Als Thompsons Schläger ihn zu Kleinholz verarbeiten wollen, wehrt er sich, verletzt einen von ihnen und haut ab.

Bei seinem Vater erlebt er eine Überraschung: Er hat Excalibur gefunden! Was für ein Schwert: Es zeigt überhaupt keine Rostflecken und als Biggs damit eine Marmorbüste zerschlägt, geht das mühelos wie Brotschneiden. Die Klinge singt in einem hohen Ton. Es ist unbezahlbar. Biggs wirft es seinem Sohn, der ihm seine Schwierigkeiten gebeichtet hat, vor die Füße und sagt: „Mach es zu Geld!“ Wenigstens dafür sollte der Grips des ungeratenen Sprösslings reichen.

Doch da stürmt Thompson mit seinen Schlägern herein: Er will nicht mehr nur 4000 Mäuse, sondern 10.000 Pfund, denn schließlich hat Lance ja auch einen Mann verletzt. Während einer der Kerle seinen Vater umstößt, packt Lance den Griff Excaliburs und wird sogleich von einer Art Wahn ergriffen. Er schwingt es, um die Feinde zu erschlagen. Da trifft ihn ein Schuss …

Inspektor Cart von Scotland Yard ruft den stets in Geldnöten steckenden Privatdetektiv Raven an. Es ist zwei Uhr morgens, aber Raven ist jeder Auftrag recht, und so schwingt er sich ohne zu fragen in seinen roten (gepfändeten) Maserati und prescht damit zum Tatort: der Villa von Professor Biggs. Cart setzt ihn ins Bild. Zwei Leichen schmücken den Boden des Wohnzimmers auf unziemliche Weise – zwei von Thompsons Leuten. Lance Biggs, der frischgebackene Schwertkämpfer, werde gerade operiert. Prof. Biggs, der am Boden liegt, warnt Raven eindringlich vor dem Fluch des Schwertes. Lance habe es missbraucht und damit einen Geist freigesetzt. Er nennt Raven später zwei Beschwörungsformeln, die den Fluch bannen.

Um Mitternacht taucht der frisch operierte Lance Biggs, nur in sein Nachthemd gewandet, in der Asservatenkammer von Scotland Yard auf und verlangt sein Schwert zurück. Der Nachtwächter Steve Craddock ist jedoch der Ansicht, dass kein käsiger Typ im Nachthemd Anspruch auf ein Beweisstück erheben darf. Diesen Widerstand bezahlt er mit seinem Leben.

Nun ist für Sir Lancelot du Lac der Weg frei, seine Rache an Thompson und allen anderen Feinden zu vollziehen. Und wehe dem, der sich ihm in den Weg stellt …

_Mein Eindruck_

Besessenheit durch den Geist einer längst verstorbenen Gestalt ist eines der Standardmotive des Horrorgenres. Ob das nun König Artus, einer seiner Ritter oder irgendein Beserker von den Äußeren Hebriden – vorzugsweise ein Conan-Verschnitt – ist, so hat doch stets der darunter Leidende plötzlich einen entsprechend veränderten Charakter und stellt somit eine Gefahr für seine Umgebung dar. Seltsamerweise sind in den seltensten Fällen von dieser Übernahme aus der Vergangenheit Frauen betroffen, obwohl es sie genauso treffen könnte.

Das liegt vielleicht an dem Instrument der Übernahme. Es muss ein Werkzeug und Symbol der Macht sein, und die sind nun einmal in den Genres meist männlich definiert. (Was ja nun auch ungerecht ist, aber so sind die Genres nun mal: Wer gegen diese Regeln verstößt, hat keinen Erfolg und wird schon bald vergessen. Es sei denn, die Autorin ist derartig gut, dass sie zum Klassiker wird, so geschah es mit C. L. Moore und Leigh Brackett – löbliche Ausnahmen, die leider nur noch Experten bekannt sind.)

Das Symbol und Instrument der Macht ist im Falle von „Schwert des Bösen“ Excalibur. Artus erhielt es von der Herrin vom See als Zeichen seiner Stärke, Unverwundbarkeit und Souveränität (Herrschaftsanspruch) über das Land. Wichtiger noch war jedoch die Schwertscheide, und nachdem Morgan le Fay sie ihm gestohlen hatte, sank Artus’ Stern. Die Sagen verraten uns auch, was aus dem Schwert wurde: Sir Bedivere warf es in einen See und eine Hand fing es auf, die es mit ins Wasser nahm. Es war die Hand der Herrin vom See.

Das Schwert von Lancelot Biggs (ein Insider-Witz, denn es gibt einen humoristischen SF-Roman namens „Lancelot Biggs’ Weltraumfahrten“) hingegen ist ein Schwert, das sowohl zum Guten wie zum Bösen eingesetzt werden kann. Denn es liegt ein Fluch darauf, und das ist nun ein ganz neuer Aspekt: Wer hat es verflucht, warum und wozu? Wir erfahren es nicht. Das ist ziemlich unbefriedigend, denn es lässt die ganze nachfolgende Metzelei als reines Kasperletheater erscheinen, das lediglich der Show dient.

Der arme Lance Biggs kann nichts dafür, dass er besessen ist, und wirkt daher wie eine Marionette an den Fäden eines Puppenspielers aus längst vergangener Zeit. Da wir dessen Identität jedoch als Lancelot du Lac präsentiert bekommen, müssten wir nun den Ritter als Zauberer ansehen – eine Charakterzeichnung, die sich mit keiner der Legenden und Sagen deckt. Wie man es auch dreht und wendet: Diese Story ist lediglich Show um ihrer selbst willen.

Und diese Story heißt: „Highlander“! Wieder mal wird ein Schwertkämpfer gegen die Bösen gestellt, aber diesmal geht es nicht um die Oberherrschaft unter Unsterblichen, sondern lediglich um einen Wahn: Der wiedergeborene Lancelot du Lac will offenbar England verteidigen. Er hinterlässt bei seinem Verschwinden das in den Stein gestoßene Schwert – und das ist ein weiterer Hinweis auf die Vermischung aller Fakten um Excalibur: Es ist eben nicht das Schwert im Stein, das Artus herauszog und das ihn zum König machte, sondern etwas ganz anderes. Aber das kümmert den Autor natürlich nicht, denn ihm geht es nur um die Schauwirkung.

|Genrefigur|

Die Nähe von Ravens Figur zu Hohlbeins Lovecraft-Geschichten um den Hexer Robert Craven ist unverkennbar. Darauf weist auch die Namenswahl für den Serienhelden RAVEN hin. Dass er keinen Vornamen hat, muss uns nicht wundern, denn er teilt dieses Schicksal mit vielen Comicfiguren. (Dass es neben dem Heftroman auch bald mal einen Comic geben dürfte, ist wohl ebenso unausweichlich.) Dass er aber mit Verlobter, seiner früheren Sekretärin Janice, und einem Maserati als Einsatzfahrzeug ausgestattet ist, widerspricht dem Fantasy-Genre und rückt die Figur in die Nähe von James Bond, welcher ja bekanntlich die Marken Aston Martin und BMW bevorzugt.

_Der Sprecher_

David Nathan stellt wieder einmal seine Meisterschaft beim Vortragen unheimlicher Texte unter Beweis. Es ist nicht nur seine Flexibilität in Tonhöhe und Lautstärke: Er flüstert und krächzt, dass für Abwechslung gesorgt ist. Aber sein eigentlich effektvoller Kniff ist die winzige Verzögerungspause vor einem wichtigen Wort. Der Eindruck entsteht, als gebe es einen Zweifel an diesem Wort und als zöge dieser Zweifel ein gewisses Grauen nach sich oder leite sich daraus ab.

Es gibt zwar keine Geräusche, aber doch ein wenig Musik. Diese wird als Intro und Extro hörbar. Wie es sich gehört, stimmt sie den Hörer auf die unheimlich-angespannte Atmosphäre der Geschichte ein.

_Unterm Strich_

Diese Raven-Episode macht die Methode Hohlbeins mehr als deutlich: Ausbeutung aller verfügbaren Mythen, Legenden und Sagen ohne Rücksicht auf deren inneren Zusammenhang oder äußeren Kontext. Hauptsache, der Showeffekt wirkt aufs Publikum und verkauft sich gut. Man könnte es auch Postmoderne nennen, aber dann müsste die Story auf ihre Quellen verweisen und ihren Storycharakter offenlegen. Das geschieht aber in keiner Weise. Und so ergibt die Story lediglich Wildwest-Kasperletheater, zubereitet nach „Highlander“-Art. Wohl bekomm’s!

David Nathan macht die doch recht seltsam anmutende Geschichte zu einem packenden Erlebnis. Die Musik von Horst-Günter Hank und Dennis Kassel stimmt den Zuhörer schon mal auf Grusel und Action ein.

|70 Minuten auf 1 CD|
http://www.luebbe-audio.de

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Sex and Crime (Offenbarung 23, Folge 25)

_Sex and Politics: eine explosive Mischung_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Am 1. November 1957 wird in Frankfurt/Main die 24-jährige Edelhure Rosemarie Nitribitt tot in ihrer Wohnung aufgefunden – ermordet. Schnell geraten Personen aus Großindustrie und Politik in den Verdacht, für den Tod der Prostituierten verantwortlich zu sein. Doch eindeutig identifiziert werden konnte ihr Mörder bis heute nicht. Kann der Berliner Hacker und Student Georg Brand fast 50 Jahre nach dem Verbrechen – man schreibt das Jahr 2004 – noch Licht in den mysteriösen Mordfall bringen?

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) [Die Pyramiden-Saga 4554

Einschub: 21) [Jack the Ripper 4875 (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) [Der Fluch des Tutanchamun 5040
23) [Der Jungbrunnen 5171
24) [Ausgespäht und Ausgetrickst 5229
25) Sex and Crime

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Ian G.: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Nitribitt: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Nat Mickler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Kai Sickmann: Detelf Bierstedt (George Clooney)
Archivarin: Maria Koschny (Lindsay Lohan)
Boris F. alias Tron: Jaron Löwenberg (Adrien Brody in „King Kong“)
Nachrichtensprecherin: Ulrike Hübschmann
Mörder: Rainer Fritzsche
Kellnerin: Suzanne Vogdt
Intro: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader) & Jaron Löwenberg

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Sie geht an die Tür und fragt den Besucher freundlich nach seinem Begehr. Doch er flüstert nur die ganze Zeit – wohl wegen ihres Tonbandgeräts Sie soll es sofort ausmachen. Und er fragt sie auch noch so seltsam nach ihrer Identität: Sind Sie Rosemarie Nitribitt, geboren 1933 in Düsseldorf? Natürlich ist sie das. Das weiß doch jeder ihrer Kunden … Da wird der Mann rabiat, und während Rosemaries Hund bellt, hören wir ihre Schreie und schließlich ein unheilvolles Poltern …

Die Nachrichten verkünden: Am 1. November 1957 wurde das Mannequin (!) Rosemarie Nitribitt ermordet in seiner Wohnung in der Frankfurter Stiftstraße 36 aufgefunden. Die Frau wurde erwürgt, und ihr Mercedes werde vermisst. – Offenbar sollen nur Eingeweihte wissen, dass die Nitribitt eine der teuersten Prostituierten in der Finanzmetropole am Main war.

Das Jahr 2004, Mittwoch, 9:30 Uhr. Ian G beobachtet Georg Brand, wie er vor Trons Super-Laptop hockt und die neueste Chiffre betrachtet, die Ian ihm zugespielt hat: Nitribitts erotisches Foto, überschrieben mit der Angabe „34,4°“. Wenige Stunden später trifft Georg seinen Freund, den Arzt Nathan Mickler, im Grillrestaurant des Marriott Hotels. Zu dumm, dass Ian Gs Mikrofone hier nichts auffangen können.

Georg hat schon mit dem Reporter Kai Sickmann telefoniert, der ihn über den Mordfall ins Bild gesetzt hat. Das entscheidende Detail, über das sich die Ermittler nicht einig werden konnten, war der Todeszeitpunkt. Und dessen Bestimmung war von der Temperatur abhängig, der der Körper der Toten ausgesetzt war. Die Pathologen damals legten den Todeszeitpunkt auf dem 30. Oktober fest, aber wenn die Raumtemperatur doch 34,4 °C betrug, wie die Chiffre andeutet, dann kann die Nitribitt auch über 24 Stunden später gestorben sein. Und dann sind alle Alibis, die damals angegeben wurden, wieder hinfällig: die Alibis der Sachs-Brüder, besonders aber das von Harald von Bohlen und Halbach, der in Rosemarie verliebt war. Der Fall müsste neu aufgerollt werden. Mickler, selbst Pathologe, bestätigt Georgs Überlegungen.

Nitribitts Tonbandaufnahmen bedeuteten eine große Gefahr für solche Playboys und Wirtschaftskapitäne, doch wo sind die Bänder? Offenbar sind ein paar davon im Polizeimuseum der Stadt, doch sind das auch alle? Mickler bezweifelt es. Ehebruch und Seitensprung waren damals, 1957, strafbare Handlungen, ebenso wie Homosexualität verboten war. Und nun kam eine Frau daher, die schon mit zehn Jahren (1943) von einem Nachbarsjungen vergewaltigt worden war und mit 14 Jahren (ab 1947) eine Professionelle wurde. Die Vergewaltigung wurde in ihrem Eifeldorf stillgeschwiegen, und enttäuscht zog Rosemarie fort, nach einer Abtreibung. Sie erpresste ihre Freier, z. B. den Rennfahrer Huschke von Hanstein, mit ihren Bändern. Aber wer war ihr Mörder?

Am Nachmitttag besucht Georg das Frankfurter Polizeimuseum. Die Archivarin erweist sich als sehr kenntnisreich. 1958 gab es ein Buch über die Nitribitt und eine Verfilmung unter dem Titel „Das Mädchen Rosemarie“. Man versuchte sogar, die Aufführung des Films zu unterdrücken. 1967 gab es eine gefälschte Gedenkbriefmarke zu Ehren der Nitribitt, die von der Post sogar befördert wurde. Das Museum bewahrt den Schädel der Toten immer noch auf, und Georg findet es ganz schön makaber, dass ihr auch noch die Schädeldecke aufgesägt wurde. Standardprozedur, meint die Archivarin. Es müssen mindestens zwei Täter gewesen sein: einer, der Rosemarie festhielt und verprügelte, und einer, der die Bänder suchte.

Am Freitag steht Georg mit Kai Sickmann vor dem Haus in der Stiftstraße. Als der Reporter ihm sagt, dass nur wenige Häuser weiter Harald von Bohlen und Halbach, der milliardenschwere Erbe des Krupp-Konzerns, gewohnt und gearbeitet habe, ist Georg von den Socken. Was, wenn der Konzernerbe eine Hure hätte heiraten wollen und die Chefetage seines Unternehmens diesen Skandal um jeden Preis verhindern wollte?

_Mein Eindruck_

Mit dieser Folge betreten wir das schlüpfrige Terrain von Sex und Politik. Zum Glück präsentieren die Figuren die Prostituierte Rosemarie Nitribitt nicht als falsche Schlange, die es auf die Mächtigen der Welt abgesehen hat, sondern als Opfer – vergewaltigt mit zehn -, das sich seiner Haut nach besten Kräften erwehrt. Und der Angreifer scheint es wahrlich viele zu geben. Die wahren Mörder bleiben allerdings seinerzeit, 1957, im Dunkeln. Selbst Nitribitts Freund Pohlmann, der als einziger Verdächtiger angeklagt wurde, wurde mit einem Persilschein nach Hause geschickt.

Georg Brand macht es sich nun, angestachelt ausgerechnet von Ian G, zur Aufgabe, die wahren Mörder und Drahtzieher herauszufinden. Dabei stolpert er über so manches makabere Detail wie aufgesägte Schädel und merkwürdige Zusammenhänge zwischen Politikern und Hundezüchtern. Am einleuchtendsten ist hingegen die heiße Spur zum Klan der – nein, nicht der Sizilianer, sondern derer von Kohlen und Reibach, pardon: Bohlen und Halbach. Es scheint eine der faszinierendsten Familien der neueren Wirtschaftsgeschichte Deutschlands zu sein, sie interessiert mich sehr.

Dass die Heirat eines Sprösslings dieses Geldadelshauses mit einer dahergelaufenen Nutte jemals in den Bereich des Möglichen gerückt ist, scheint kaum zu glauben. Doch zwei Wochen vor Nitribitts Tod (plus/minus ein Tag) starb die Matriarchin des Klans, und Nitribitts Galan Harald von Bohlen und Halbach sah offenbar den Weg zu einer Traumhochzeit frei. Die Konzernführung wusste dies offenbar mit Hilfe ihrer eigenen Sicherheitstruppe zu verhindern. Wer weiß: Die Nutte hätte den ganzen Konzern und damit die Führungsriege der jungen Republik mit Hilfe ihrer Tonbänder erpressen werden. Königin Rosemarie – soweit kommt’s noch! (Kaiserin Sissi war hingegen völlig okay, denn die regierte ja nicht, sondern war bloß Schaufensterdekoration.)

Details wie die Temperatur, die auf einen anderen Todeszeitpunkt hindeutet, sowie das von einem Geheimdienstler geschossene Foto einer Nitribitt am offenen Fenster (wie pikant!), fand ich eher nebensächlich. Was nämlich der Geheimdienst mit den Bohlen und Halbachs zu tun hat, wird nicht gesagt. Und dass der Sicherheitsdienst von Krupp ausgerechnet einen abgehalfterten Gestapochef (Rudolf Diehls) zur Exekution der Halbweltdame vorschickte, wirkt völlig grotesk. Aber die Welt des Jan Gaspard ist ja angefüllt mit Absurditäten.

Unterm Strich bleibt also die These: Um die Tonbänder zurückzubekommen und die Verbindung mit einem der Ihren zu verhindern, wurde die Nitribitt erst gefoltert, dann ermordet. Aber wo sind dann jene Bänder abgeblieben, deren Stenogramm noch einsehbar ist? Hat die Polizei sie weggeschafft? Und wenn ja, auf wessen Anweisung hin? Es gäbe noch viel aufzuklären, aber nach rund 50 Jahren dürfte das schwieriger denn je sein.

_Die Inszenierung_

In dieser Folge wurde die Dramaturgie auf ein Minimum reduziert, um der Fülle an Informationen Platz zu machen. Das Ergebnis ist ein Minimum an Handlung und ein Maximum an Informationsflut. Ich war hinterher völlig erschlagen von den Fakten und Theorien, die der Autor durch sein Sprachrohr Georg Brand übereinander stapelt, bis der ganze Turm einzustürzen droht. Doch am Schluss wird alles nochmals ordentlich zusammengefasst, als wär’s ein Schüleraufsatz für den Deutschunterricht in der 13. Klasse.

|Die Sprecher|

Es ist schon unterhaltsam, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt. Das hebt die Handlung doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus. Zum Glück behält Georg Brand seinen Sinn für Humor, auch wenn dieser ab und zu in Richtung Sarkasmus tendiert. In dieser Folge blitzt der Humor allzu selten durch, denn Georg tritt als Eiferer gegen die Heuchelei der „besseren Kreise“ auf. Es riecht nach Schwefel und Weihrauch.

Kai Sickmann darf mal wieder auftreten. Er ist eine Parodie auf den Chefredakteur der |BILD|-Zeitung namens Dieckmann. Detlef Bierstedt spricht ihn mit seiner George-Clooney-Stimme, hat aber nicht viel zu sagen. Ihm kommt zugute, dass Clooney selbst in den letzten Jahren viele regierungskritische Rollen gespielt hat, nicht zuletzt in „Syriana“. Von daher passen die Stimme und das Image Clooneys zu Sickmann.

Nathan Mickler, Georgs neuer Mentor, enthüllt eine weitere Eigenschaft. Nun ist er auch noch Pathologe, beschäftigte sich also mit dem Sezieren von Leichen, etwa um deren Todeszeitpunkt zu bestimmen. Entsprechend hilfreich sind seine Hinweise. Die gute Nolo alias Marie Bierstedt ist diesmal überhaupt nicht von der Partie, wozu auch? Sie hätten den Männern, die über eine Nutte reden, wahrscheinlich eh bloß die Leviten gelesen. Das wäre vorhersehbar und somit langweilig gewesen.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Durch die Handhabung der Lautstärke können zum Beispiel Bauarbeiten in den Hintergrund gerückt werden, während im Vordergrund die Figuren noch miteinander reden. Bauarbeiten sind ja generell nicht so wahnsinnig interessant, wenn man sie nicht sehen kann. Sehr heikel sind jedoch Szenen in Straßenzügen oder in einem Lokal; die Geräuschkulisse ist einerseits detailliert zu halten, um glaubwürdig zu bleiben, muss aber so dezent gehalten werden, dass sie den Dialog nicht stört. Knifflig, aber lösbar. Und in „Offenbarung 23“ fast immer optimal gelöst.

Die wenige Musik, die erklingt, fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro. Während der Szenen plätschert im Hintergrund hin und wieder etwas lokale Muzak (kommerzielle Musik für Cafés und Kaufhäuser) oder elektronische Musik und Tablas so vor sich hin. Mir gefielen mehr die Gitarren.

_Unterm Strich_

Diese Folge präsentiert eine Frankfurter Prostituierte als Mätresse der Mächtigen und Glamourösen in der frühen Bundesrepublik. Die letzten Kriegsgefangenen wie etwa Harald von Bohlen und Halbach kamen gerade aus russischer Gefangenschaft zurück, und die Bundeswehr war ein Jahr zuvor gegründet worden. Die Altlasten der Nazizeit wurden unter den Teppich gekehrt. Fast jeder bekam seinen „Persilschein“ bei der Entnazifizierung, so auch die Krupps.

Da drohten die Tonbänder der Nitribitt die neuen Machtstrukturen ins Wanken zu bringen. Doch die Theorien, die Georg Brand als Sprachrohr des Autors vorbringt, wollen nur zum Teil überzeugen. Das liegt unter anderem daran, dass er einen „verdienten Spitzenmann des Demokratie“ nicht beim Namen nennt und auch nicht dessen zwei Brüder, die er ins Zwielicht rückt.

Ich fragte mich nach den Gründen. Es kommt eigentlich nur der Schutz der Nachkommen dieses später so verdient gewordenen Mannes in Frage, der dafür sorgte, dass der Ehebruch- und der Homosexuellenparagraph (§175 des Strafgesetzbuches) abgeschafft wurde. Hier kann man sich als Hörer nur dazu aufgefordert fühlen, selbst investigativ tätig zu werden.

Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der ungewohnt handlungsarmen Inszenierung etwas Filmglamour. Die Story wartet wie zumeist mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf.

Diesmal wird jedoch die ganze Zeit palavert. Das fand ich wenig unterhaltsam. Vielmehr vermute ich, dass ein Essay des Autors mehr schlecht als recht in ein Handlungsgerüst gezwängt wurde. Viele Details müssen dabei zwangsläufig unter den Tisch gefallen sein, und deshalb muten versprengte Details wie der aus der Versenkung geholte Gestapo-Chef wie albernes Kasperletheater an.

|67 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3568-8|
http://www.offenbarung-23.de
http://wikibeta-offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Ausgespäht und ausgetrickst (Offenbarung 23, Folge 24)

_Ironisch: Überwache deine Überwacher!_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Kann das sein? Eine Leuchtreklame irgendwo an einer Hauswand, die plötzlich mit einem „redet“? Dem Berliner Studenten Georg Brand passiert genau dies. Und es scheint, dass der tote Hacker Tron alias Brois F. über diese Werbetafel mit ihm in Kontakt zu treten versucht. Oder wer treibt da sein makaberes Spiel – und nutzt dafür die Informationstechnologie einer ganzen Stadt? (Verlagsinfo)

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) [Die Pyramiden-Saga 4554

Einschub: 21) [Jack the Ripper 4875 (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) [Der Fluch des Tutanchamun 5040
23) [Der Jungbrunnen 5171
24) Ausgespäht und Ausgetrickst
25) Sex and Crime

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Ian G.: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Nat Mickler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Boris F. alias Tron: (Adrien Brody in „King Kong“)
Nachrichtensprecherin: Ulrike Hübschmann
UPS-Bote: Rainer Fritzsche
Intro: Benjamin Völz (Keanu Reeves, James Spader) & Jaron Löwenberg

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Man schreibt das Jahr 2004. Es ist Samstag um 11:45 Uhr nahe Frankfurt/Main, als Georg Brand mit seiner Freundin Nolo in Nathan Micklers Wagen fährt. Mickler ist der Vater von Margo, die Georg schon oft gepiesackt hat. Nun haben sie ein aufregendes Abenteuer im Osterwald hinter sich und möchten sich eigentlich etwas erholen (vgl. „Der Jungbrunnen“).

Da sieht Georg auf einem Online-Werbedisplay an einer Hauswand den Satz: „Georg, ich rufe dich. Tron.“ Er wird ziemlich aufgeregt, ist sich seiner Beobachtung aber sicher. Mickler versichert ihm, dass diese lokal abgestimmte Botschaft technisch realisierbar sei. Er kannte Tron alias Brois F, der einer seiner Patienten gewesen sei. Auf einer anderen Werbetafel lesen sie: „Georg, zum Flughafen, schnell!“ Auf dem Parkleitsystem lesen sie weitere Anweisungen, die sie zum Ankunftsbereich des Terminals 1 führen. Mickler vermutet, dass eine „starke KI“ dahintersteckt, also eine Künstliche Intelligenz. Doch wohin führt sie diese?

In den Bereich, der dem Bundesgrenzschutz vorbehalten ist. Aber genau im richtigen Moment wird die Absperrung entriegelt und sie können in den Bereich der Gepäckbänder vordringen. Über einem davon zeigt eine Anzeigetafel den seltsamen Stadtnamen „Tel Avis“ an. Georg checkt es sofort: Hier gibt es etwas für ihn, das Tron geschickt hat.

Die Beobachter, die Georg mit den Überwachungskameras folgen, rätseln ebenfalls. Ian G macht heute Innendienst und fragt sich: Woher kommen diese Botschaften? Höchstens Tron könnte so schnell sein, um auf jede dieser Botschaften sofort zu reagieren. Aber Tron starb 1998.

Nolo entdeckt auf dem Tel-Avis-Gepäckband eine Laptoptasche, auf deren Anhänger „Boris F“ steht. Georg greift sich die Tasche, öffnet sie und staunt über das sieben Jahre alten |Apple|-Notebook mit WLAN-Antenne. Herrje, war das Ding so lange unterwegs? Er schließt es an, fährt es hoch und staunt: jede Menge Regierungsanwendungen – brisantes Zeug. Er hat hier sogar Zugriff auf Überwachungskameras, so etwa in Bagdad, bei der US-Luftwaffe. Oder hier im Flughafen auf – Ian G und seine Mannen. Die beobachteten Beobachter verduften schleunigst. Als schwarze Sheriffs nahen, machen auch Georg und Co. die Fliege.

Als er sich über WLAN in den DENIC-Knoten des deutschen Internets einhackt, lokalisiert er mit Trons Supermaschine sogar Ian G. In Mainz. Wie es scheint, hat Ian Gs Geheimorganisation ihr Überwachungszentrum im oder unter dem Mainzer Dom. Georg ist fassungslos. Er muss sofort hin. Ob er Ian G diesmal erwischt?

_Mein Eindruck_

In dieser Folge geht es einerseits um den Heiligen Gral für Georg: Trons Computer. Das ist der endgültige Ritterschlag, und fortan kann Georg wie der verheißene Erlöser auftreten. Wollen wir hoffen, dass ihm diese Rolle nicht zu Kopfe steigt. Der zweite Aspekt ist der gläserne Bürger. Mit Trons Notebook hat Georg nun einen derart umfassenden Zugriff auf alle möglichen Daten, dass dies jedem Datenschutzbeauftragten schlaflose Nächte voller Albträume bescheren würde.

Nicht nur die allseits bekannten Personenstandsdaten (Geburtstag, Wohnort usw.) stehen T-Rex nun auf ein Fingerschnippen und Mausklicken hin bereit, sondern auch so heikle Dinge wie Finanzdaten, Kreditwürdigkeit und natürlich Patientenakten, die begehrtesten Daten von allen. Denn wenn eine Versicherung wirklich wüsste, wie es der Person gesundheitlich geht, die sie gegen Risiken versichert, dann würde sie gleich die Tarife verdoppeln. Mindestens.

|Totale Überwachung|

Das Sahnehäubchen der totalen Erfassung durch Big Brother ist dann schon gar nicht mehr so spektakulär: die audiovisuelle Überwachung und Verfolgung (Tracking) mit Hilfe biometrischer Daten wie etwa Gesichtsmerkmalen, Haarfarbe und Kleidung. Videokamera-Überwachung erfolgt bereits in allen Städten Deutschlands, in England zusätzlich auch in Kleinstädten und sogar Dörfern. CCTV macht’s möglich: Closed-circuit Television. Seltsamerweise ist auf der britischen Insel die Verbrechens- und Aufklärungsrate nicht signifikant zurückgegangen, vielmehr hat die Todesrate durch Messerstechereien erheblich zugenommen. Irgendetwas läuft dort furchtbar falsch. Bei uns demnächst auch?

Was Tron mit seinem Nachfolger macht, um mit ihm auf Schritt und Tritt zu kommunizieren, ist ebenfalls schon ohne weiteres realisierbar. (Ob es auch sinnvoll ist, steht auf einem anderen Blatt.) Mit Hilfe von öffentlichen Anzeige- und Werbetafeln weist er Georg den Weg. Diese Tafeln sind elektronisch gesteuert, so weit klar. Aber woher weiß Tron – der ja bekanntlich 1998 starb -, wo sich Georg gerade befindet?

|Spezielle Services|

Dies wird nur durch Ortung mit Hilfe von Mobilfunkzellen möglich. Jedes eingeschaltete Handy meldet sich in den Zellen eines Mobilfunkgebietes an und lässt sich auf seinem Weg von Zelle zu Zelle verfolgen. Momentan kann dies jeder ungestört tun und bekommt Mail- und SMS-Spam nur von seinem zentralen Provider.

Location-based Services, also ortsgebundene Dienste, sollen es künftig ermöglichen, dass auch lokale Dienstanbieter entsprechende Werbebotschaften schicken können. Peinlich: Wer früher mal das bekannte Drei-Farben-Haus, Stuttgarts größtes Bordell, besucht hat, könnte noch nach Jahren entsprechende Werbung für dessen spezielle „Services“ erhalten. Auch dann, wenn die werte Gattin das Handy benutzt … (Beim Verkauf des Handys wird stets die SIM-Karte entfernt, daher funktioniert der Trick nicht nach einem Veräußern des Mobiltelefons.)

|Der Geist in der Maschine|

Aber wie kommt es, dass Tron sechs Jahre nach seinem offiziellen Tod noch in den elektronischen Kreisen Frankfurts herumgeistert? Mickler erwähnt etwas von einer „starken KI“ und meint damit eine menschenähnlich denkende und agierende Künstliche Intelligenz. Meines Wissens existiert so etwas noch nicht, ist aber in der Entwicklung. Das Problem ist lediglich, dass das menschliche Gehirn so ungeheuer komplex ist, dass es sich nicht nachbilden lässt. Schließlich geht es um rund zehn Milliarden Nervenzellen. Die Robotik verspricht demgegenüber mehr Erfolge, und die Japaner arbeiten dabei an der vordersten Front.

|Unter dem Dom|

Dass sich ein Geheimdienst wie der von Ian G (vermutlich russischer GRU) unter einer Kathedrale wie dem Mainzer Dom einrichtet, ist schon ein starkes Stück, denn das kommt ja einer Entweihung dieses heiligmäßigen Ortes gleich. Nicht nur das: Ian G hat eine ganze Serverfarm mitsamt Antennen eingerichtet. Und darf nun beim Nahen des „Weißen Ritters“ Georg Brand umziehen. Dabei unterläuft seinen hirnamputierten Untergebenen ein folgenschwerer Fehler. Man muss eben alles selber machen *seufz*.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt. Das hebt die Handlung doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus, und häufig verfällt er in herrlichen Sarkasmus. Diesmal allerdings erleidet Georg Brand einen kleinen Tobsuchtsanfall angesichts der totalen Überwachung, die mit Trons Laptop möglich ist, und besonders dann, als er seine eigenen Überwacher ertappt.

Nat Mickler kann dabei noch halbwegs mithalten, und Helmut Krauss verleiht dieser Figur die nötige Autorität, aber auch Freundlichkeit. Nolo kommt diesmal schlecht weg, und Marie Bierstedt hat wenig zu tun. In der nächsten Folge „Sex and Crime“ ist ihre Rolle völlig gestrichen. Es ist an der Zeit, sie in den Mittelpunkt zu rücken. Denn diesmal entdeckt auch Georg, dass Nolo gar nicht Nolo ist. Folglich muss ein kleines Identitätsproblem abgearbeitet werden.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Durch die Handhabung der Lautstärke können zum Beispiel Bauarbeiten in den Hintergrund gerückt werden, während im Vordergrund die Figuren noch miteinander reden. Bauarbeiten sind ja generell nicht so wahnsinnig interessant, wenn man sie nicht sehen kann. Sehr heikel sind jedoch Szenen in Straßenzügen oder in einem Lokal; die Geräuschkulisse ist einerseits detailliert zu halten, um glaubwürdig zu bleiben, muss aber so dezent gehalten werden, dass sie den Dialog nicht stört. Knifflig, aber lösbar. Und in „Offenbarung 23“ fast immer optimal gelöst.

Die wenige Musik, die erklingt, fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro. Während der Szenen plätschert im Hintergrund hin und wieder etwas lokale Muzak (kommerzielle Musik für Cafés und Kaufhäuser) oder elektronische Musik und Tablas so vor sich hin. Mir gefielen mehr die Gitarren.

_Unterm Strich_

Die Botschaft ist klar, Herr Kommissar: Überwacht die Überwacher! Georg Brand kommt seinem Schatten Ian G auf die Schliche und verfolgt ihn in dessen Fuchsbau. Gibt es einen Showdown? Das soll nicht verraten werden. Darum geht es auch nicht, sondern darum, dass der Autor ein Menetekel an die Wand schreibt: Wehret den Anfängen in der totalen Überwachung des gläsernen Bürgers.

Gerade habe ich meine Steuer-Identifikationsnummer zugeschickt bekommen, die mich noch 20 Jahre nach meinem Ableben wie ein treuer Floh im Pelz verfolgen wird. Und als Selbständiger werde ich sogar noch eine zweite Nummer bekommen: die Wirtschafts-Identifikationsnummer. Als ob eine nicht gereicht hätte. Der Bundesfinanzminister hat bereits den [Big Brother Award]http://www.bigbrotherawards.de/2007/.pol erhalten, aber man sollte auch einen Big Buddha Award stiften: denn die Überwachung geht ja nach dem Tod, wenn ich schon im Nirvana bin, munter weiter.

Diese Folge ist recht spannend und informativ geschrieben und auf dramatische und abwechslungsreiche Weise inszeniert. Das kann man von der nächsten Folge nicht gerade behaupten. Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour.

Die Story wartet in der Regel mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf. Abzug gibt es für das erneute Aufwärmen der abgedroschenen Mithras-Theorien im Zusammenhang mit dem Mainzer Dom. Sie lenken bloß von der Action ab.

|72 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3567-1|
http://www.offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Hohlbein, Wolfgang – Der Seelenfresser

_Hexer vs. Hexe: Showdown in Innsmouth_

Auch dies ist wieder eine Geschichte um den Hexer: Robert Craven. Diesmal trifft er auf den sympathischen Shannon, mit dem er sich schnell anfreundet. Er ahnt nicht, dass Necron, der erbittertste Gegner seines Vaters Andara, ihn geschickt hat. Und Shannons Auftrag lautet natürlich: Töte den Hexer!

Das Hörbuch ist mit Rockmusik der Band |Andara Project| angereichert. Es handelt sich aber nicht um ein Hörspiel. Das würde verteilte Rollen und eine Theaterdramaturgie erfordern.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein hat sich seit Anfang der achtziger Jahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden. Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

Die Hörbücher aus der HEXER-Reihe:

1) Als der Meister starb
2) Auf der Spur des Hexers
3) Das Haus am Ende der Zeit
4) Tage des Wahnsinns
5) Der Seelenfresser

_Der Sprecher etc._

Jürgen Hoppe, 1938 in Görlitz geboren, ist Rundfunk- und Fernsehjournalist sowie Sprecher, Autor, Moderator und Korrespondent verschiedener Sendeanstalten. Sein facettenreiches Talent stellte er bei der Interpretation unterschiedlichster Texte unter Beweis.

Der Text wurde von Albert Böhne bearbeitet, der auch als Regisseur, Tonmeister, Produzent, Komponist und Sänger fungierte.

Der Sprecher des Prologs ist Dirk Vogeley. Der Gesang stammt u. a. von Albert Böhne, Nicole Rau („Dark Fear“) und Steve Whalley („The Age of Damnation“). Die Band heißt |Andara Project|. Eine „Stimme“ stammt von Sabine Keller. Sie rezitiert „Touch my Heart“. Alle Angaben sind in der Jewel-Box auf den Einlegern zu finden.

Der Autor himself spricht Intro und Outro.

_Der Autor Howard Phillips Lovecraft und sein Cthulhu-Mythos_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne sind nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.

_PROLOG_

Eine ernste Stimme (Dirk Vogeley) klärt den Hörer darüber auf, was es mit den großen Alten auf sich hat und dass mit ihnen grundsätzlich nicht gut Kirschen essen ist. Vor Millionen von Jahren beherrschten sie die Erde, doch ihre Sklaven rebellierten. Die Großen Alten schlugen den Aufstand nieder, aber nur unter Opfern, denn sie weckten die Älteren Götter, die sie bekriegten. Die Älteren Götter verbannten die Großen Alten in die finstersten und ungemütlichsten Ecken des Universums, einer jedoch schlummert in der Tiefe der Ozeane, im vergessenen R’lyeh: Cthulhu!

Eine düstere Stimme prophezeit: „Doch das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass der Tod die Zeit besiegt.“

_Handlung_

Der „Hexer“ Robert Craven trifft in Arkham ein, der Stadt am Miskatonic River, in der die berühmt-berüchtigte Miskatonic Universität liegt. In ihr existiert eine Abschrift des verfluchten Buches „Necronomicon“, das vom verrückten Araber Al-Hazred geschrieben wurde. Es wundert nicht, dass hier alle möglichen übernatürlichen Vorkommnisse auftreten. Das Buch wird von vielen Magiergruppen begehrt.

Das Hotel, in dem Craven eincheckt, ist nicht ganz das, was es scheint. Als Craven seine magischen Schutzsteine auch im Badezimmer aufstellen will, fällt er in ein Loch! Nur ein Balken bewahrt ihn vor dem Absturz in die Tiefe. Dort lauert ein grässliches Wesen, das seine Tentakel nach ihm ausstreckt. Wenn ihn nicht der Fremde herausgezogen hätte, so hätten die Fangarme Craven sicherlich erwischt. Der Retter, der sich als Shannon vorstellt, schleudert einen der Schutzsteine in die Tiefe und das Monster weicht unter heftiger Gestankentwicklung zurück.

Shannon, der für einen Magier recht jung wirkt, holt Craven aus dieser Bruchbude heraus, um ihn in der Uni einzuquartieren. Doch dazu müssen sie erst einmal den Fluss überqueren. Craven gibt sich nicht zu erkennen und nennt sich Jeff Williams. Das erweist sich als klug, denn Shannon behauptet, ein Freund von Robert Craven zu sein und ihn zu erwarten. Weder das eine noch das andere trifft für Craven selbst zu.

Auf dem Fluss folgt ein erneuter Angriff auf Craven. Am Ufer erscheint ihm sein Vater, Roderick Andara. Als dieser den Magier Shannon umbringen will, fällt ihm Craven in den Arm. Auch wenn Shannon gekommen sei, um Craven zu töten und mächtiger sei als er. In der Uni gesteht ihm Shannon, dass er diesen Craven töten soll – für das, was er dem Ort Innsmouth angetan habe. Davon weiß Craven, der sich immer noch als Jeff Williams ausgibt, nichts. Hält Shannon Craven etwa für Roderick Andara?

Die Lösung des Rätsels und das Ende von Shannons Hass kann nur ein Besuch in Innsmouth erbringen. Doch dort lauern bereits zwei Erzfeinde Andaras: die Hexe Lissa, die Craven Freundin Priscilla in ihren Bann geschlagen hat, und ihre Kreatur, der Seelenfresser, ein unsichtbares Gespinst, das – na, was wohl? – Seelen raubt. Offensichtlich ist jetzt ein Showdown fällig …

_Mein Eindruck_

Dies ist nur das erste der beiden Abenteuer, die in dem vorliegenden Hörbuch versammelt sind. Wieder einmal jagen sich die unvermittelt – und allzu häufig auch unmotiviert – auftretenden Anschläge auf das kostbare Leben des magisch begabten Helden Robert Craven. Nichts ist, was es scheint, und die so genannte Realität ist nur Lug und Trug. Sogar von seinem besten Freund Howard (Ph. Lovecraft) tritt ein Doppelgänger auf, und von Priscilla – wir ahnen es schon – ist auch nichts Gutes zu erwarten. So bleibt es fesselnd bis zum überraschenden Schluss.

Dies hat jedoch mit echter Spannung herzlich wenig zu tun. Wie soll sich Spannung aufbauen, wenn der Held von einem Wechselfall in den anderen geworfen wird? Wir wissen ja, dass er wie ein Stehaufmännchen stets wieder auf die Beine kommen wird, damit die Abenteuerserie weitergehen kann.

Die Welt der Großen Alten, die Lovecraft so leidenschaftlich und mühevoll in seinen Erzählungen errichtet hat, dient lediglich als Folie für Cravens Abenteuer. Sogar der Ort Innsmouth, an dem sich eines von Lovecrafts gruseligsten Abenteuern abspielt [(„Der Schatten über Innsmouth“), 424 dient nur als Kulisse für den ersten Showdown. Dadurch gerät der Autor niemals in die Gefahrenzone des Plagiarismus, doch Lovecraft-Jünger werden nicht sonderlich entzückt sein, einen ihrer Lieblingsschauplätze so banal missbraucht zu sehen.

Na ja, dies ist nur eine Groschenheftserie, und auf diesem Niveau spielt sich die Handlung ab: Alle fünf Minuten ist ein „spannender“ Zwischenfall fällig, sonst würde der Hörer bzw. Leser ja die Leere unter den Figuren und Kulissen bemerken. Natürlich werden immer wieder Vorwände für die Überfälle angeführt – das „Necronomicon“ ist ein ebenso guter wie fiktiver Vorwand. Und damit alles schön geheimnisvoll und rätselhaft erscheint, bleiben am Schluss immer ein paar Phänomene unerklärt: Wieso taucht Andaras Geist ständig auf? Wie gelangte einer Attentäter durch die Kellerwand? Manchmal hat die Action auch etwas Komisches, so etwa dann, als der dem Attentäter folgende Craven hinter einer Tür nicht den Kellerraum, sondern die nächste Mauer vorfindet – und sich prompt eine dicke Beule einhandelt.

_Der Sprecher_

Der 68 Jahre alte Sprecher Jürgen Hoppe verfügt immer noch über eine durchaus kräftige Stimme, die er wirkungsvoll einzusetzen weiß. Zwar ist seine Modulationsfähigkeit nicht so ausgeprägt wie etwa bei Kerzel und Pigulla, doch die Kraft seines Ausdrucks trägt besonders bei dramatischen Stoffen zur Wirkung der Geschichte bei. Ein Horrorstoff wie „Der Seelenfresser“ mit seinen zahlreichen dramatischen Konfrontationen bietet sich hierfür geradezu an.

In eingeschränktem Maße kann er seine Stimme verstellen. Rowlf beispielsweise hat eine sehr tiefe Stimme, ganz im Gegensatz etwa zu der Hexe Lissa, die ihrem Klischee hundertprozentig entspricht, indem sie kreischt und krächzt. Den Vogel schießt der am Schluss auftretende Shoggothe auf, ein Protoplasmadämon, der Craven mit den hochgeistigen Worten „Du wirst sterben, Craven!“ anschnarrt. Hier klingt Hoppes Stimme, als wäre einer der höchst selten benutzten Klangfilter eingesetzt worden.

_Die Musik_

Das Hörbuch weist einen erstaunlich hohen Gehalt an Musik auf. Schon der Prolog weist Hintergrundmusik auf, dann folgt in der Pause ein längeres Stück professionell produzierten Mystic- oder Gothic Rocks. Später folgen auch Songs, gesungen von Steve Whalley und anderen (s.o.).

Über die Qualität von Songtexten auf Hörbüchern kann man sich streiten, so etwa über Kunzes Stück „Der weiße Rabe“ auf den Poe-Hörspielen |Lübbe|s. Bei Böhnes englischen Texten ist jedenfalls weitaus weniger zu verstehen, worum es geht. „Age of Damnation“ ist der lange Abspannsong (Outro), und der dürfte Gothic-Rock-Fans ansprechen. In der Mitte des Hörbuchs, zwischen erstem und zweitem Abenteuer, erklingt der Song „Dark Fear“, der mir Schauder über den Rücken jagte. Allerdings nicht wegen der Lyrics, sondern wegen des schauder- und stümperhaften Klangs und Gesangs. Ich würde der Sängerin empfehlen, noch viele Gesangsstunden zu nehmen. Leider ist auch der Sound der restlichen Musiker eher von einer Garagenband zu erwarten – ganz im Unterschied zu dem Stück „Age of Damnation“.

Ich empfand ansonsten die häufig in den dramatischen Szenen eingesetzte Hintergrundmusik nicht als aufdringlich oder gar störend, sondern vielmehr als passend. Allerdings fragt sich manchmal der Hörer, warum er die Musikstücke mitbezahlen soll, die doch einen nicht unbeträchtlichen Teil der Laufzeit ausmachen – geschätzt etwa 20 Minuten Pausenmusik und Abspann. Immerhin teilen die Songs den langen Text deutlich auf.

_Unterm Strich_

„Der Seelenfresser“ richtet sich – wie die gesamte HEXER-Reihe – von seiner begrenzten Originalität und seinem einfachen Stil her an ein junges Publikum, das wohl vor allem männlich sein dürfte. Frauen kommen kaum vor, und wenn, dann entweder als Engel, Dämon oder Hexe. Diese jugendfreie Version von Weiblichkeit ist sicherlich ebenso legal wie klischeebehaftet, aber das ist ja nichts Neues.

Auch deswegen fühlte ich mich in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhundert zurückversetzt, als ich Cravens Abenteuern lauschte. Damals schrieb nicht nur Lovecraft seine besten Storys, sondern auch Schriftsteller wie Edgar Rice Burroughs, der Erfinder Tarzans, und Robert E. Howard, der Erfinder des Barbaren Conan – allesamt Jungenabenteuer, die für die Serienproduktion wie geschaffen waren. Und deshalb auch heute noch aufgelegt und verfilmt werden. Heute wie damals bieten sie Ablenkung durch gefahrlos genießbare Illusionen aus einer pubertären Märchenwelt.

Innrhalb der Hexer-Hörbuch-Serie ragt „Der Seelenfresser“ in keiner Weise heraus. Doch der Song „Dark Fear“ in der Mitte ist eindeutig ein qualitativer Tiefpunkt. Er wurde hörbar schlecht produziert. Der Sprecher Jürgen Hoppe macht im Zusammenspiel mit der Band |ANDARA Project| das Hörbuch beinahe zu einem Hörspiel, so spannend und eindrucksvoll weiß Hoppe die Szenen darzustellen. Wer also keinen hohen Ansprüche an Horrorliteratur stellt, wird mit diesem Hörbuch letzten Endes gut unterhalten werden. Es bietet eben Horror Marke Hohlbein, nicht zu wenig Erzählkunst, aber eben auch keineswegs zu viel.

|Originalausgabe: Der Seelenfresser, 1984
216 Minuten auf 3 CDs|
http://www.luebbe-audio.de

Weinland, Manfred / Rost, Simon X. / Fickel, Florian – Vampira: Diener des Bösen (07)

_Magisch: Äpfel vom Baum der Erkenntnis_

Vampira ist eine hübsche junge Halbvampirin, doch die Freunde ihrer verstorbenen Mutter, die Vampire, machen ihr das Leben schwer. Gut, dass Mutter ihr eine Allzweckwaffe mit auf den Lebensweg gegeben hat: ein intelligentes Kleid, das die Gegner fertigmacht.

In Episode 7 erhält Vampira ein magisches Heilmittel, mit dem sie ihre bisherigen Gegner zu ihren Helfern umwandeln kann, droht aber in eine Falle ihres Erzfeindes Landrus zu tappen …

_Der Autor_

Manfred Weinland, Jahrgang 1960, ist Schöpfer und Chefautor der aktuellen |Bastei|-Science-Fiction-Heftserie „Bad Earth“, die am 29. April 2003 startete. Als Autor ist Manfred Weinland ein „alter Hase“. Schon 1977 verkaufte er seinen ersten Heftroman an den damaligen |Zauberkreis|-Verlag. Es folgten bis zum heutigen Tag rund zweihundert Romanveröffentlichungen, als Taschenbuch, Paperback und Hardcover, unter eigenem Namen oder
Pseudonym. Für die 1994 von ihm kreierte |Bastei|-Serie „Vampira“ war er nicht nur federführend für den durchgängigen roten Faden verantwortlich, sondern schrieb auch den Löwenanteil der Romane. (zitiert nach: http://www.ren-dhark.de, Stand: 2004) Mehr zur Serie findet man auf der Website http://forum.phantastische-hoerspiele.de/forum.pl?cat=Vampira.

|Die Serie:|

1) Das Erwachen
2) Der Moloch
3) Besessen
4) Landrus Ankunft
5) Niemandes Freund
6) Die Blutbibel
7) Diener des Bösen
8) Das Dorf der Toten

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Buchbearbeitung lag in den Händen von Simon X. Rost, Regie führte wie bisher Florian Fickel. Die Vertonung erfolgte durch Joschi Kauffmann, der auf eigene Musik und die seines Kollegen Rainer Scheithauer zurückgriff. Man kann annehmen, dass aus dieser Quelle auch die zahlreiche Geräusche und Soundeffekte stammen. Das Ganze wurde in verschiedenen Studio aufgenommen. In den Stuttgarter JK Studios wurde produziert, gemischt und gemastert.

Die Rollen und ihre Sprecher:

Intro: Klaus Höhne („Prof. Dumbledore“)
Erzähler: Christian Rode (Christopher Plummer; Michael Caine)
Vampira: Tina Haseney
Landru: Bela B. Felsenheimer (|Die Ärzte|)
Mc Beth, Reporterin: Ulrike Sturzbecher
Tanor: Dirk Müller (Peter „Colt“ Lamb in Matrix 2 & 3)
Trish Tough: Sabine Menne
Leroy Harps: Michael Habeck (Oliver Hardy, „Barney Geröllheimer“)
Virgil Codd: Volker Brandt (Michael Douglas)
Maud Edwards: Giuliana Jakobeit (Keira Knightley in „Fluch der Karibik 1-3“)
Warner: Norbert Langer (Burt Reynolds, Clark Gable, Tom Selleck)
Weinberg: Heiner Heusinger
Maryanne Rosehill: Dorette Hugo (Joey Lauren Adams, Jennifer Garner, Shirley Henderson)
Vater Rosehill: Thomas Danneberg (Dan Akroyd, John Travolta, Sylvester Stallone, Arnold Schwarzenegger, Nick Nolte, Dennis Quaid, John Cleese, Rutger Hauer, Christopher Lambert … die Liste ist beeindruckend!)
Carlotta: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon; Glenn Close)
u. v. a.

_Die Vorgeschichte_

Ab Episode 2 werden die vorhergehenden Ereignisse kurz zusammengefasst: „Was bisher geschah“. Ich tue das ein wenig ausführlicher.

Das junge Mädchen Lilith erwacht irgendwo, ohne eine Ahnung zu haben, wer und was sie ist. Nun, sie ist eine Halbvampirin. Bereits im ersten Teil der Serie erfahren wir durch Liliths Träume von der Prophezeiung, die Liliths Leben bestimmt. Von wem die Prophezeiung stammt, ist unklar, Hauptsache, Liliths Mutti weiß Bescheid. Das Töchterlein hat die hehre Aufgabe, die Vampire zu bekämpfen. Was etwas ironisch ist, wenn man bedenkt, dass Mutti auch eine aus dieser Rasse ist. Papi ist nicht so wichtig, aber er kommt in einer Rückblende ebenfalls vor.

Aber welchen Grund hat Lilith, ihre blutsaugenden Zeitgenossen zu hassen und zu vernichten? Dies werden wir hoffentlich noch in späteren Episoden erfahren. Ein gewisser Obervampir namens Landru scheint dabei eine Rolle zu spielen. Möglicherweise wollte Liliths Mutter verhindern, dass Landru & Co. wieder ihre Herrschaft über die Menschen errichten, nachdem ihnen diese vor Jahrtausenden verlorenging. Warum Mütterchen drei Tage nach Vampiras Geburt den Löffel abgeben muss, wird ebenfalls nicht erklärt. Schuld kann bloß die Prophezeiung sein.

Selbstredend hat das arme Mädel – sie ist ja Vollwaise – null Peilung, über welche Kräfte es verfügt. Deshalb dienen die ersten Episoden zu ihrer Orientierung, was ihre Fähigkeiten anbelangt. Das macht ihre Geschichte sympathisch und spannend. Außerdem sind diese Abenteuer aufgrund von Liliths Schönheit und erotischer Anziehungskräft höchst sinnlich geprägt – ein Markenzeichen der Serie. Da Lilith aber nur Halbvampirin ist, ist sie nicht wie ihre reinrassigen Vettern und Kusinen auf Vergewaltigung aus – so bleibt alles schön politisch korrekt.

Eine ganz wichtige Waffe ist Liliths rotes Kleid, ein Erbstück des lieben Mütterleins, welches offensichtlich über ein eigenes Leben und Bewusstsein verfügt. Was dieses Kleid mit seinen Opfern anrichtet, ist meist ungesund in seiner Wirkung, aber: Die Schurken haben es ausnahmslos verdient. Schutz kann Klein-Lilith gut gebrauchen: Die Vampire – hier „Götzen“ genannt – sind hinter ihr her. Und sie können sich jederzeit von einem Menschen in einen Wolf oder eine Fledermaus verwandeln.

|In Episode 3|

… geriet Lilith Eden unter den Holzpflock des besessenen Priesters Lorrimer, der ihr selbigen ins Herz treiben wollte, weil er sie für eine Vampirin hielt – nicht ganz zu Unrecht, wie hier angemerkt werden sollte. Zum Glück für Lilith kam ihm sein Novize Duncan Luther in die Quere, der auf hypnotischen Befehl zweier echter Vampire handelte. Doch Lilith befreite ihn von deren Bann und gemeinsam konnten sie in eine Absteige entkommen.

|In Episode 4|

… stellt Lilith erstmals ihre Fähigkeit zu liebevollem und solidarischem Handeln unter Beweis. Das macht sie umso sympathischer und akzeptabler, wenn sie andere Personen verletzt oder tötet. Als sie Duncan gegen die Vampire beisteht, entfaltet sie zudem beachtliche Kräfte, die belegen, dass sie auch ohne ihr magisches „Kleid“ den Gegnern Paroli bieten kann. Dass das Kleid schließlich wieder zu ihr zurückfindet und sie schützend umschließt, ist eher eine Fußnote. Doch Lilith, die eine Ahnung von ihrer Sterblichkeit hat, fühlt sich nun wieder vollständig. Allerdings rücken ihr ihre Feinde, die Vampire unter Führung von Landru, allmählich auf die Pelle.

|In Episode 5|

… lernt Vampira, auf den Traumpfaden der Geistreise zu wandeln und entdeckt das – leere – Grab ihrer Mutter Criana. Außerdem stößt sie im persönlichen Besitz ihres Widersachers Landru auf eine Landkarte aus Menschenhaut. Der Obervampir befindet sich auf der Suche nach einem heiligen Kelch, mit dessen Hilfe sich neue Vampire erzeugen lassen.

|In Episode 6|

… begegnet Vampira Landru in einem nepalesischen Bergdorf, wo beide die Bibel des Blutes an sich bringen wollen. Landru sucht hier auch den Kelch, doch wird er durch Vampira und die Wächter der Blutbibel erheblich gestört. In Neu-Delhi hat Vampira zuvor ihren Freund Duncan Luther verloren, durch ihre eigene Schuld.

_Handlung_

Zurück in Sydney, Australien. Die Pornodarstellerin Trish Tough findet in der Wohnung von Leroy Harps, den wir schon aus den ersten Episoden als Vampir kennen, ein vorzeitiges und unrühmliches Ende. Maryann Rosehill ist ihre Schwester und in die Stadt gekommen, um Trish zu identifizieren. In einer Hotellobby gibt sie der Reporterin McBeth ein Interview. Maryann zeigt sich sehr besorgt um ihren Vater. Als dieser sie in ihrem Zimmer besucht, zeigt sich, dass er Trishs Mörder mit der Hilfe der mitgebrachten Hellseherin Carlotta suchen und zur Rechenschaft ziehen will. Er dringt sogar an den von der Polizei versiegelten Tatort ein, damit Calotta ihrer Aufgabe nachgehen kann: Diese erkennt Leroy Harps als bluttrinkenden Vampir, der schon wieder ein Opfer gefunden hat – jetzt!

Der Vater begibt sich in das Industriegebiet, wo Carlotta Leroy Harps „gesehen“ hat, und stößt auf einen Wächter namens Armstrong. Als dieser sich aggressiv verhält, feuert Paul Rosehill auf ihn, doch Armstrong lacht bloß …

Maryann Rosehill wendet sich nach einer Warnung Carlottas besorgt an McBeth, und diese kontaktiert ihre Freundin, die inzwischen aus Nepal zurückgekehrte Lilith Eden. Alle vier Frauen fahren ins Industriegebiet, wo Paul Rosehill zuletzt „gesehen“ wurde. Lilith und McBeth betreten eines der Gebäude. Sie stoßen auf ein wahres Schlachthaus voller Leichen …

Unterdessen tritt der ehemalige Polizist Jeff Warner in Aktion. Er hat in einer der ersten Episoden das unheimliche Haus Paddington 333 (Liliths Elternhaus) betreten und dort ziemliche merkwürdige Dinge erlebt. Von einem mysteriösen Apfelbaum hat er mehrere Äpfel mitgebracht, die er nun auf nützliche Weise einsetzt: Wenn ein Vampir davon isst, verwandelt er oder sie sich zurück in einen Menschen. Und mehr noch. Die Geheilten werden automatisch zu Dienern Liliths.

Als Warner Lilith endlich nach langen Irrwegen trifft, um ihr dies zu verklickern, staunt sie nicht schlecht. Wem hat sie dieses Wunder nur zu verdanken? Einer SIE, deren Namen er nicht verraten will. Und da wäre noch etwas. Den heiligen Lilienkelch, den Landru und sein vampirisches Gesocks suchen, gebe es tatsächlich, und zwar in Wales, genauer in Llandrynwyth. Das dürfte wohl Liliths nächstes Ziel sein.

_Mein Eindruck_

Wie so viele andere Episode dieser Reihe besteht auch Episode 7 aus zwei Spannungsbögen, die einander intermittierend durchdringen. Die obige Handlungsskizze kann deshalb nur einen oder zwei durchgehende Handlungsfäden wiedergeben, nicht aber das Hörspiel als solches. Aber die Handlungsstränge stehen nicht nur parallel nebeneinander, sondern auch bedeutungsmäßig hintereinander.

Die vordergründige Spannung liefert die Story um die drei Rosehills: Maryann, Trish und ihren Vater Paul. Dieser Plot wird wie jeder normale Thriller ausgeführt und geizt nicht mit bekannten Horrorelementen und Schockeffekten. Natürlich fragt sich der Hörer, was das alles soll. Die Frage wird am Ende beantwortet: Leroy Harps ist lediglich ein Köder, den Landru ausgelegt hat, um Lilith in eine Falle zu locken.

Die im Hintergrund ablaufende Handlung um Jeff Warner ist so schwach und ohne den scheinbar nötigen Zusammenhang ausgeführt, dass sie für den Zuhörer ein Rätsel darstellt. Er ist gespannt auf die Lösung des Rätsels. Die Verbindung zwischen beiden Handlungsfäden ist natürlich Lilith. Erst als Warner sie trifft, wird das Geheimnis um die rätselhaften Verwandlungen von Vampiren gelüftet.

Während die Story um Paul Rosehill dem Horrorkenner nur allzu bekannt vorkommt – der Mann hat offenbar keine Ahnung, auf was er sich einlässt -, bereitet die Sache mit den Zauberäpfeln doch einiges Kopfzerbrechen. Die Äpfel der Heilung scheinen ein reines Fantasyelement zu sein. Sie erinnern an die goldenen Äpfel der Hesperiden, die Herakles auf einer seiner Heldenfahrten besorgen musste, und an den Apfel vom Baum der Erkenntnis, den Eva im Garten Eden aß.

In dieser Funktion ergibt das Symbol des Apfels einen Sinn. Nachdem ein Vampir davon gegessen hat, erkennt er seine Lage und wird wieder zu einem Menschen. Der Baum, an dem der Zauberapfel gewachsen ist und von dem Erdgeist Jeff Warner frei Haus geliefert wird, steht in einem verschwundenen Zauberhaus, das nunmehr unzugänglich ist – eine weitere Parallele zu Eden. Nicht zufällig lautet auch Liliths Familienname Eden. Da Horror und Vampire von jeher mit der Religion assoziiert sind – als Verkörperung des Un-Glaubens und des Widersachers – dürften wir in künftigen Episoden noch weitere biblische Anspielungen antreffen.

Dass der Obervampir Landru in dieser Episode nur am Anfang einen Kurzauftritt absolviert, finde ich schade. Mir haben seine düsteren Aktivitäten immer Spaß gemacht, weil sie so gruftig sind und ein Gegenbild lieferten zu dem, was Lilith unternahm. Das ist nun vorüber, und es ist höchste Zeit, dass Lilith wieder einen würdigen Gegenspieler findet.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Ähnlich wie die bisherigen „Geisterjäger“-Hörspiele von Oliver Döring ist auch dieses Hörspiel aufgezogen, Musik und Geräusche sind professionell eingesetzt. Die Stimme der Heldin, die Tina Haseney gehört, hat mir wieder besser gefallen, denn sie muss nicht mehr die ahnungslose Landpomeranze spielen, sondern kann mitunter mal losbrüllen, wenn sie gegen die allfälligen Monstrositäten antritt. Im Verbund mit drei anderen Figuren kann sie sich diesmal als Fachfrau für die Bekämpfung von untotem Gelichter hervortun. Mit ihrem Superkleid, einem Symbionten, fällt ihr diese Rolle sicherlich leichter.

McBeth wird von Ulrike Sturzbecher als eine patente und ehrgeizige Reporterin gezeichnet, die es verdient hätte, mal auf einen grünen Zweig zu kommen und Anerkennung zu erhalten. Ich konnte diese Figur einigermaßen ernst nehmen, auch wenn sich in ihr einige Hollywoodklischees wiederfinden. Diesmal spielt McBeth eine wichtige Rolle als Anlaufstelle für Vampiropfer und Freundin der Heldin. Sollte McBeth allerdings noch aktiver werden, müsste man ihr eine eigene Show, pardon: Serie geben.

Felsenheimers Obervampir Landru ist zwar immer noch der Bösewicht, wie er im Buche steht, doch Bela B von den „Ärzten“ chargiert endlich weniger und hat sich mehr zurückgenommen. Das erlaubt ihm, nuancierter zu spielen und mehr Andeutungen in seine Dialogzeilen zu legen.

|Geräusche und Musik|

Recht interessant sind die Soundeffekte. Wie jedes Horrorhörspiel steht und fällt der Gesamteindruck mit dem Einsatz von Musik, Geräuschen und Effekten. Spielt alles sauber zusammen und gibt es keinen Sound-Brei, dann ist das schon die halbe Miete, was den Erfolg beim Hörer anbelangt. Durch den Einsatz von Effekten kann man den Soundtrack aufwerten, ihn aber auch überladen, deshalb ist die richtige Dosierung entscheidend.

Zu den Geräuschen zählen alle, die das Ambiente verdeutlichen, so etwa in einem fahrenden Auto oder an der Waterkant oder auf einem Friedhof – so eine Totenglocke bei Nacht ist doch immer etwas Heimeliges. Richtig un-heimlich wird das Hörspiel eigentlich nur an dem blutigsten Schauplatz. Dort ertönt ein unerklärliches Summen, das einem den letzten Nerv raubt.

Am Schluss wird die Auseinandersetzung wieder mal sehr handfest. Als Maryann Rosehill gerade in höchster Gefahr schwebt und von einem knurrenden Leroy Harps attackiert wird, bringt ihm die Heldin mit einem schlagkräftigen Auftritt Mores bei – bevor sie ihn mit ihrem Apfel humanisiert. Die Faustschläge, die sie einsetzt, klingen wie aus der Mottenkiste der Soundeffekte.

Mehrere Male ist ein Klagelied zu hören, das von einer Frau sehr schön gesungen wird. Es erinnert an die elbische Klage über das Ableben Gandalfs in Moria. Das Intro mit der Titelmelodie wiederholt sich im Ausklang.

_Unterm Strich_

Diese Episode bietet sowohl für den Neueinsteiger als auch für den Sammler etwas. Der Neueinsteiger wird mit einer leicht verständlichen Thrillerhandlung um Paul Rosehill und seine zwei Töchter unterhalten. Der Sammler bekommt mehrere Elemente serviert, die schon vorher eingeführt und angefangen wurden und nun einer interessanten Bestimmung zugeführt werden. Dies betrifft nicht nur den Zauberapfel vom Baum der Erkenntnis, sondern auch den Kopf von Liliths Vater, den Landru, wie Dauerhörer der Serie wissen, in seinem Besitz hat. Daher ist diese Episode, obwohl sie wenig Neues zu bieten scheint, letzten Endes für Vampira-Sammler recht zufriedenstellend.

|Für wen sich die Serie eignet|

Diese Hörspielreihe, die im April 2006 begann, ist meines Erachtens für Mädchen und Jungen gleichermaßen interessant – ab 14 bis 16 Jahren etwa, denn der Gewalt- und Erotikgehalt ist beträchtlich. Mädchen können sich mit der Lage der jungen Lilith Eden identifiziert und sozusagen mit ihr als einer Superheldin wachsen und Abenteuer erleben. Ihr realistisches Gegenstück ist McBeth, die Reporterin.

Erbaulich ist auch der Umstand, dass Liliths Opfer stets Männer sind, und darunter sind meist recht verkommene oder geistig minderbemittelte Exemplare. Gegen weibliche Vampire oder Hybride vorzugehen, hat das Supermädel aber auch keine Skrupel. Vampira ist Sozialdarwinismus auf zwei sexy Beinen.

Für Erwachsene hält die Serie herzlich wenige Unterhaltungswerte bereit. Dafür sind die Figuren und die Dialoge zu unausgereift. Mit Lumleys „Necroscope“ können sie schon gleich gar nicht mithalten – wollen es aber auch wohl auch nicht. Alles in allem ist eben die Hörspielserie die akustische Entsprechung zu einem Heftchenroman, was sich schon am günstigen Preis von knapp acht Euro ablesen lässt. Die Produzenten können lediglich versuchen, diesem wenig anspruchsvollen Grundgerüst ein möglichst schönes Mäntelchen umzuhängen.

|70 Minuten auf 1 CD|
http://www.phantastische-hoerspiele.de/
http://www.luebbe-audio.de/

John Sinclair – Mörderische Weihnachten (Folge 133)

Die Handlung:

Weihnachten! Tannenbäume, Lichterglanz! Der junge Martin Adams kann es gar nicht abwarten, die Geschenke auszupacken, die Santa Claus unter dem Weihnachtsbaum im Wohnzimmer versteckt hat. Aber dann steht auf einmal ein Monster in Menschengestalt vor der Tür … und aus einem Festtag werden mörderische Weihnachten! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer 73 gemacht, das erstmalig am 14. April 1987 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 8: Das blinde Auge des Horus

_Nachtspuk: Schneewittchen im Glassarg_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis
Folge 7: Hinter schwarzen Spiegeln
Folge 8: Das blinde Auge des Horus

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Jan-Erik Walberg: Lutz Riedel (dt. Stimme von Timothy Dalton)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Gruftie / Gerold Gruber: Dero (|Oomph!|)

sowie Natalie Spinell und Hasso Zorn u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band Oomph!, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

|Die Musik:|

Secret Discovery: „Follow Me“
b.o.s.c.h – Mehr
Nik Page – Herzschlag
Lola Angst – Am I dead?
Suicide Commando – Second death
Diva Destruction – Rewriting history
Berliner Filmorchester und Kammerchor

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von STIL sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von Lübbe Audio sowie Oliver Ihrens von Radar Media, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

Nachts schleicht Christian durch den finsteren und ausgedehnten Sibyllenwald, der sich unweit der Villa Scholl erstreckt. Dort hat Christian die Stelle des Leiters der Scholl-Stiftung angetreten, die ihm Adrian Bloch vermittelt hat. Er ist jetzt de facto nicht nur der Hausmeisters, sondern auch zuständig für die Betreuung von psychisch labilen Menschen. Aber was führt ihn dann nächtens mitten in den Wald?

Er folgt dem Mann, der sich als der mysteriöse und scheinbar allgegenwärtige Walter Zürn herausstellt. Walter trifft sich mit dem hageren Typ, der Chris ständig über den Weg läuft und ihn regelmäßig mit „mein Freund“ anspricht. Als ob das etwas zu bedeuten hätte. Die beiden stapfen durchs Unterholz, und Chris muss leise mitschleichen. Plötzlich sind die beiden wie vom Erdboden verschluckt.

Zwischen dornigem Brombeergesträuch stößt Chris auf den Eingang zu einem alten Mausoleum aus der Zeit um 1900. Hier, so weiß er, war einst Nathanael Bloch bestattet, nachdem er im I. Weltkrieg gefallen war, doch seine Leiche ist schon längst woanders bestattet worden. Um wen also handelt es sich bei der Leiche, die Chris in einem Glassarg liegen sieht?

Der Typ sieht genauso aus wie Otto Bloch, jener auf mysteriöse Weise im Casino Monte d’Oro verschwundene Sohn Nathanaels. Es muss sich um Odoakar handeln, den von Madame Margaretes Mutter geretteten und vor seinem Vater versteckten Zwillingsbruder Ottos. Doch was sollen all die Schläuche, die in den Sarg führen? Und was ist das für ein betäubender Gestank in dieser Gruft?

Indem er vor Walter Zürn und dem Grufti flüchtet, torkelt Chris aus dem unterirdischen Bau. Nicht weit entfernt befindet sich eine Höhle, die er ebenfalls aus seiner Kindheit kennt, als er in der Villa Scholl aufwuchs. Doch diese Höhle ist nicht leer, wie er bald feststellt. An einem kleinen See steht Billie, seine Jugendfreundin: nackt, schwarzhaarig und nass. Hat sie gebadet? „Endlich bist du gekommen!“ begrüßt sie ihn, doch er, peinlich berührt, kapiert nicht, was sie von ihm will. Faselt sie doch von Osiris – das ist er selbst -, Seth und Isis. Letztere ist offenbar Billie.

Als er sich immer noch dumm stellt, wirft sie ihm ihr Handtuch an den Kopf und verschwindet. Als er draußen auf dem Waldboden erwacht, weckt ihn Tina Müller oder vielmehr ihr Hund Adenauer. Wieso ist Tina eigentlich immer genau dann zur Stelle, wenn er sie braucht?

_Mein Eindruck_

Diese Folge setzt chronologisch zwei Wochen nach Folge sieben ein. Dort stieg Chris am Schluss in Brunos Wagen ein, doch was dann passierte, wird uns verschwiegen. Also kann es nicht wichtig gewesen sein, und wir brauchen es nicht zu wissen. Aber solche Lücken machen dennoch keinen guten Eindruck: Der Hörer fühlt sich irgendwie manipuliert (was er natürlich ist).

Christian erfährt endlich, wo Otto Blochs Zwillingsbruder abgeblieben ist, aber was das männliche Schneewittchen in dem Glassarg soll, gibt ihm noch Rätsel auf. Weitere Nachforschungen verkneift er sich jedoch, denn nach seiner Begegnung mit der nackten Billie, die angeblich ebenfalls verschwunden sein soll, gibt es in der Villa Scholl, wo er hausmeistert, einiges zu entdecken. Christian taugt also als Detektiv à la Sherlock Holmes denkbar schlecht. Und von einem John Watson ist weit und breit nichts zu sehen, es sei denn, man will Tina Müller so bezeichnen. Sie entspricht eher einem Schutzengel.

So wie der Wald von mystischen Reminiszenzen überlagert wird – mit Schneewittchen und Isis / Billie Scholl -, ist dies auch mit der Villa Scholl der Fall. Sie ist ein eigenes Universum, das Christian erst zum Teil erforscht hat, denn schließlich ist er ein Teil davon. Er muss nur noch herausfinden, wo hier sein Platz ist. Einstweilen ist er der lokale Institutsleiter, aber was besagt das schon? Fremde stehen in seinem Büro und telefonieren, sein Vorgänger Adrian Bloch hat all seinen Krempel hier hinterlassen (auch ganz interessant), und der geheimnisvolle Walter Zürn erscheint immer dann, wenn man ihn nicht braucht.

Zürn immerhin gibt so viel preis: Christian sei der „Gesalbte“, der alle Dinge in Ordnung bringen werde. Na, toll, und wie soll er das machen? Kaum fasst er eine scharfe Braut wie seine Ex Alexa an, schon verduftet sie, und Tina Müller knutscht mit Adrian Bloch rum – vor Christians Nase. Da kann es mit dem Ordnen wohl nicht so weit her sein, oder?

Aber wie sich zeigt, hat Christian einen Vertrag zu erfüllen bzw. zu erneuern. Es ist der Ägyptologe Walberg, der wieder mal unmotiviert auftaucht, um Chris zu bedrängen. Christian sei sowohl ein Experiment als auch der Gegenstand und Einsatz einer Wette. Na, da fühlt sich Chris gleich viel besser: Er ist bloß eine Schachfigur in einem Senetspiel, das Unbekannte für ihn aufgestellt haben. Wieder mal flüchtet er sich in einen seiner zahlreichen Blackouts, und diesmal kann man es ihm nicht verdenken.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert). Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Diesmal sprechen mehrere Stimmen aus dem Off, befinden sich also nicht auf der „Bühne“, sondern nur in Christians Erinnerung. Dazu gehören Bruno, Christians Mentor, sowie Sigmund Scholl, sein Ziehvater, bei dem er aufwuchs. Dass immer mal wieder Isis alias Billie Scholl etwas zitiert, sollte man ebenfalls festhalten.

|Die Geräusche|

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im tiefen Nachtwald ruft natürlich das Käuzchen „Schuhu!“, doch wenn Chris morgens aufwacht, zwitschern Vögel, bellen Hunde und dröhnen Motoren, von klingelnden Telefonen ganz zu schweigen. Es gibt also eine deutliche Trennung zwischen Nacht- und Tagwelt sowie zwischen Außen- und Innenwelt, etwa durch die Off-Stimmen.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa, um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der siebziger Jahre und klingen entsprechend kratzig.)

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den Schattenreich-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel deutsche Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens |Sonic Seducer| eingebunden sind.

Letzteres hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet.

Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt. Die Lauscher stellten sich mir auf, als ein deutscher Text von einer Sängerin zu einem Piano gesungen wurde, so dass ich endlich einmal den Text verstehen konnte. (Die Neo-Gothic-Sänger scheinen einen Horror davor zu haben, ihre Stimme unverzerrt und verständlich einzusetzen, wahrscheinlich, weil ihre Texte zu schlecht sind.)

|Webseite|

Hinweis: Auf www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Bislang hat die Handlung von Schattenreich-Folgen noch nicht durch Logik geglänzt. Die Anwendung von Logik würde auch der mystifizierenden Absicht der Autoren widersprechen, die überall Rätsel aufstellen und Geheimnisse aufzeigen. Wenn ich Christian wäre, hätte ich schon längst den Verstand verloren und hätte mich von den Männern in den weißen Kitteln abholen lassen. Aber wie Paul Atreides ist auch Christian Wagner etwas genetisch Besonderes, eine Art Übermensch, der über besondere Fähigkeiten verfügt. Leider gehört das Berechnen des kleinen Einmaleins nicht dazu.

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend angesprochen wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein| und |Oomph!| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|57 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3466-7|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name

Sonic Seducer – Szene News, Rezensionen, Tourdaten


http://www.radar-net.de

James Patterson – Sonne, Mord und Sterne (Lesung)

Dieser frühe Alex-Cross-Roman ist mindestens so gut wie „Wenn Mäuse Katzen jagen“: enorme Spannung, genügend Action und vor allem tiefe psychologische Einsicht zeichnen den Roman aus. James Patterson hat kaum jemals besser oder spannender erzählt. Besonders seine kurzen Kapitel sorgen beim filmgeschulten Leser für Spannung und Aufmerksamkeit.

Der Autor

James Patterson ist einer der erfolgreichsten US-Krimiautoren. Mit seinen Alex-Cross-Romanen, von denen einige bereits verfilmt wurden („Im Netz der Spinne“, „Denn zum Küssen sind sie da“), schrieb er sich in die erste Reihe der Thrillerautoren. „Jack and Jill“ ist ein eminent politisches Buch.

Der Sprecher

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

Handlung

Die amerikanische Hauptstadt wird von zwei Mordserien in Angst und Schrecken versetzt. Ein Killerpaar, das sich selbst in postmortalen Botschaften nach einem alten Kinderlied poetisch als „Jack und Jill“ bezeichnet, killt Prominente mit dubioser Vergangenheit oder Moral. Dazu gehören Senatoren, aber auch bekannte Fernsehansagerinnen und Richter.

Und der letzte und wichtigste Kandidat auf ihrer Liste ist der Präsident himself. Der Geheimdienst ist gebührend geschockt: Der Präsident und die First Lady werden vom Secret Service und der CIA selbst mit den Codenamen „Jack und Jill“ bezeichnet. Werden die Morde also von Insidern verübt? Als ein dritter Killer alle Theorien über das Paar über den Haufen wirft, eskaliert der Konflikt. Alex Cross von der Mordkommission der Polizei wird hinzugezogen.

Er soll eigentlich die zweite Mordserie der Hauptstadt aufklären. In der Gegend der Schule, wo sein eigener Sohn Damon Unterricht erhält, werden mehrere Kinderleichen in grauenhaft verstümmeltem Zustand aufgefunden. Dr. Cross fühlt plötzlich sein eigenes Familienglück bedroht, das nach dem Tod seiner Frau Maria ohnehin schon ziemlich lädiert ist.

Zum Glück kann Cross die Bekanntschaft der neuen und sich als ‚tough‘ erweisenden Rektorin der Schule machen, Christine Johnson. In späteren Romanen wie „Wenn Mäuse Katzen jagen“ wird daraus eine intensive Liebe. Ms. Johnson taucht auch in „Wer hat Angst vorm Schattenmann?“ auf.

Cross sieht sich einem Dreifrontenkampf ausgesetzt: An der Heimatfront in Südost-Washington, im Weißen Haus, um den Präsidenten zu schützen, und schließlich im Stellungskampf gegen die drei Unsichtbaren, die unter „Jack und Jill“ firmieren.

Als der Präsident von diesem Grabenkrieg die Nase voll hat, weil die Regierung nicht mehr arbeiten kann, besucht er New York City mit seinem Tross – auf die Gefahr hin, dort tödlich angegriffen zu werden. Und tatsächlich: Eine Bombe explodiert direkt an seinem Rednerpult. Der Mörder muss ein Insider sein, denn nur das FBI, der Secret Service oder die CIA konnten so nahe an den First Man herankommen …

Mein Eindruck

Dieses Hörbuch ist eine Kombination aus Horror-Thriller à la „Schweigen der Lämmer“ und Politthriller à la Grisham („Die Bruderschaft“) und Baldacci („Absolute Power“). Es zeigt uns Alex Cross als rechtschaffenen Mann, der sich zwischen zwei Welten fast zerreißen muss, um damit klarzukommen. Ohne seine Freunde und Familie würde er es garantiert nicht schaffen. Der psychologische Konflikt ist klar und anrührend herausgearbeitet.

Während er sich dem Präsidentenschutz und der Killerjagd auf Befehl von ganz oben zu widmen hat, bleibt ihm praktisch nur der Feierabend, um seine Familie und seine Nachbarschaft vor einem Psychopathen zu schützen. Das liegt daran, dass Südost-Washington nur sehr wenige Polizeibeamte zugestanden werden, weil es ganz unten auf der Prioritätenliste der Polizei steht, wohingegen die meist weißen Opfer von Jack und Jill Vorrang genießen – der alltägliche Rassismus also. Ist Pattersons Kritik an diesem Unrecht schon hier deutlich, so ist sie geradezu schneidend scharf in „Wer hat Angst vorm Schattenmann?“

Die Hintergründe hinter der Menschenjagd des Paares „Jack und Jill“ sind politischer Natur. Möglicherweise, so legt der Autor nahe, steckt eine Verschwörung wie jene dahinter, die zur Ermordung des unbequemen demokratischen Präsidenten John F. Kennedy und später auch zu der seines Bruders Robert führte. Jack und Jill sind offenbar nur Ausführungsgehilfen von Mächten, die einzig allein um den Erhalt ihrer Macht fürchten und dafür selbst Präsidenten opfern.

Die Horrorelemente halten sich in Grenzen. Natürlich reiht sich ein Blutbad an das andere, und laufend findet Cross Kinderleichen, aber das ist nicht mit dem Kannibalismus und den Untaten eines Hannibal Lecter zu vergleichen. Hörern ab 16 Jahren ist das Hörbuch durchaus zuzumuten.

Der Sprecher

Ulrich Pleitgen liest wie immer bewunderswert präzise und arbeitet Details heraus. Er verleiht jeder Figur eine eigene Stimme, so etwa dem verrückten Jungen, der die Morde in Cross‘ Nachbarschaft verübt: Pleitgen liest die Gedanken und Worte Dannys mit einer geradezu perversen Lust am Wahnsinn: |“happy happy, joy joy!“|

Und sogar die geheimsten Gedanken, die Alex Cross hegt, haben eine eigene Tonqualität: Diesmal hilft dem Sprecher die moderne Technik: Die Gedanken erklingen mit ihrem eigenen Hall-Effekt. Auch Videos profitieren von der Tontechnik: Die Videostimme klingt angemessen künstlich und von einem Lautsprecher verzerrt. Aber das sind nur technische Krücken – die natürliche Stimme reicht ansonsten vollkommen aus, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

Unterm Strich

„Sonne, Mord und Sterne“ ist ein fesselndes Hörbuch, dem man zuhört wie einem spannenden Thriller, einem Film, der vor den Augen abläuft, der aber nur zu hören ist. Manche Szenen sind so hypnotisch faszinierend gesprochen, dass man sich ihrem Bann nicht entziehen kann – durchaus eine Gefahr für Auto fahrende Zuhörer. Zugleich kann man dem Geschehen, in dem drei verschiedene Mörder auftreten, durchaus einfach folgen.

Das Einzige, was sich gegen das Hörbuch einwenden lässt – vom hohen Preis abgesehen -, besteht darin, dass der Schluss sich recht lange hinzieht, weil der Autor wieder einmal viel erklärt – so als wolle er den Nachhall der Lösung des Auftretens von Jack & Jill weidlich ausnutzen.

Umfang: 308 Minuten auf 5 CDs.
https://www.luebbe.de/luebbe-audio/hoerbuecher/alle-hoerbuecher/id_3429433

John Sinclair Classics – Zirkus Luzifer (Folge 37)

Die Handlung:

„Grauen, Angst, Entsetzen! In den nächsten zwei Stunden werden Sie all das erleben, meine Damen und Herren. Werwölfe lauern auf ihre Opfer. Clowns mit Totenschädeln schleichen durch diese Arena, und Vampire gieren nach Ihrem Blut!“ – Wir glaubten an eine reißerische Ankündigung, aber der Direktor des ZIRKUS LUZIFER … hielt Wort! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 157 gemacht, der erstmalig am 14. September 1976 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine komplette Neuinterpretation der Thematik.

John Sinclair Classics – Zirkus Luzifer (Folge 37) weiterlesen

Stanislaw Lem (Autor) / Wigald Boning (Sprecher) – Die Sterntagebücher (7. & 8. Reise)

Planetare Unzucht und andere Schrecknisse

In dem Erzählzyklus über die Erlebnisse des Weltraumfahrers Ijon Tichy, eines kosmischen Münchhausens der künftigen Jahrhunderte, schickt Stanislaw Lem den Zuhörer tief in die Zukunft, treibt dort ein höhnisch-launisches, scharfsinnig erfinderisches Spiel und holt ihn dann wieder auf die Erde zurück. Diese inszenierte LESUNG stellt die beiden ersten Reisen Ijon Tichys vor.

Stanislaw Lem (Autor) / Wigald Boning (Sprecher) – Die Sterntagebücher (7. & 8. Reise) weiterlesen

Hohlbein, Wolfgang – Paulus-Evangelium, Das

_Trash as trash can: Wildwest in Jerusalem_

Der Garten Gethsemane am Vorabend von Jesu Kreuzigung: Jehuda verrät Jehoschua von Nazareth, den Messias …

Marc und Guido hacken sich in den Zentralrechner des Vatikans. Doch sie können nichts mit der Computersimulation von Jehudas Verrat an Jesus anfangen, die plötzlich über ihren Bildschirm flimmert. Ganz im Gegensatz zu Kardinal di Milani, der in den verborgenen Kellern der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo die gleiche Szene zum ersten Mal zu Gesicht bekommt. Als der Kardinal die elektronische Präsenz der beiden deutschen Hacker bemerkt, lässt er sie jagen. Sie sind unvermittelt in eine unglaubliche Intrige verstrickt und müssen erkennen, dass es noch Geheimnisse gibt, die zu kennen Kopf und Kragen kosten kann.

_Der Autor_

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953 in Weimar, hat sich seit Anfang der Achtzigerjahre einen wachsenden Leserkreis in Fantasy, Horror und Science-Fiction erobert und ist so zu einem der erfolgreichsten deutschen Autoren geworden (Auflage: 35 Millionen Bücher laut |Focus| 40/2006). Zuweilen schreibt er zusammen mit seiner Frau Heike an einem Buch. Er lebt mit ihr und einem Heer von Katzen in seinem Haus in Neuss.

_Der Sprecher_

Sascha Rotermund, geboren 1974 in Westfalen, studierte an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover Schauspiel und hatte sein erstes festes Engagement am Theater Magdeburg. Auch auf den Bühnen in Bremen, Lübeck und Hannover gastierte er. Rotermund hat sich laut Verlag als Synchronsprecher bereits einen Namen gemacht, zum Beispiel als Michael Bluth (Jason Bateman) in der Serie „Arrested Delvelopment“.

_Handlung_

In dem Keller unter der päpstlichen Sommerresidenz Castelgandolfo ist es erst 16:04 Uhr, doch in dem Film, der über den wandbreiten Flachbildschirm flimmert, ist es bereits Nacht. Eine Kohorte römischer Soldaten rückt unter dem Kommando des Zenturio Malchus in den Garten Gethsemane bei Jerusalem vor. Ihr einheimischer Führer ist ein gewisser Jehuda, auch als Judas bekannt, den ein greiser jüdischer Priester begleitet. An einer Hausmauer gibt Malchus Jehuda 30 Silberlinge, der Priester muss zurückbleiben.

Die Soldaten ziehen die Waffen und betreten den Innenhof des Hauses, in dem derjenige, der den Frieden predigt, mit seinen Jüngern zusammensitzt. Jehuda bezeichnet den, der Jesus genannt wird, mit einem Kuss. Malchus stellt „Jesus“ zur Rede, der ihm jedoch Widerrede gibt. Er widersetzt sich der Festnahme und droht Malchus sogar. Als der Zenturio ihn mit dem Schwert angreift, wehrt „Jesus“ den Angriff ohne Mühe ab und entwaffnet Malchus. Zwei Legionären ergeht es nicht besser. Dieser angeblich friedliebende Prediger scheint ein ausgebildeter Krieger zu sein! Erst unter der Attacke von drei weiteren Legionären geht „Jesus“ zu Boden und wird von Malchus zusammengeschlagen. Das Bild verblasst …

Kardinal Di Milani ist zufrieden. Aber er sorgt sich, dass irgendjemand den computeranimierten Film, den er gestalten ließ, woanders sehen könnte. Sein PC-Techniker Ramón beruhigt ihn, dass das System, das der NSA-Techniker Forsythe installiert habe, absolut zugriffssicher sei. Beruhigt fliegt Di Milani nach Herkulaneum, wo er den deutschen Archäologen Beresch trifft. Dieser hat ein Pergament gefunden und entziffert, das in einer längst ausgestorbenen Sprache abgefasst ist, die nur er lesen kann. Als Di Milani verlangt, dass dieses Paulus-Evangelium geheimgehalten werden müsse, protestiert Beresch, indem er erwidert, die Öffentlichkeit habe ein Anrecht auf die Kenntnis von diesem Pergament. Einen Bestechungsversuch lehnt Beresch verächtlich ab. Als Di Milani geht, gibt er seinem Assistenten Alberto einen Wink. Beresch soll schweigen, und zwar für immer …

In einem Vorort von Köln speichern zwei Mitarbeiter einer Internet-Sicherheitsfirma namens |NetProtect| den Film DiMilanis auf eine DVD. Der gewissenhafte Mark Schreiber, 28, und der chaotische, aber kreative Guido Senner haben mittels Spyware die Datenbank des Vatikans in Castelgandolfo geknackt. Dass das Eindringen über das Stromnetz so einfach sein könnte, hätten sie auch nicht gedacht. Während Guido von den Millionen träumt, die er mit dem Film verdienen könnte, trabt er mit Mark zur Kostüm-Party, die ihr Kumpel Joachim alias „Lars der Wikinger“, in der WG von Johannes veranstaltet. Erst in Guidos Zimmer begutachten sie ihre Beute.

Der Film ist mit dem dreidimensionalen Wappen des Vatikans geschmückt und verschlüsselt, aber das bereitet Guido keine Schwierigkeiten. Im Film selbst reden die Leute unverständliches Zeug, nämlich Latein seitens der Römer und Aramäisch seitens der Juden. Über diese Tatsache werden sie von Johannes höchstselbst aufgeklärt, der mittlerweile eingetroffen ist. Er hat eine dunkelhaarige Frau namens Jezebel, seine Halbschwester, vom Flughafen abgeholt. Erst scherzt sie, sie sei eine Mossad-Agentin, gibt dann aber zu, bloß im Hospiz ihres Vaters Tobias zu arbeiten. Guido zeigt den beiden seinen geklauten Film. Dies ist der Moment, für den er gearbeitet hat, denn er will Johannes, der Priester werden will, eins auswischen, indem er seinen künftigen Arbeitgeber, den Vatikan, bloßstellt. Johannes‘ kühle Reaktion enttäuscht ihn. Später, als er allein ist, dringt er deshalb noch einmal in den Vatikanrechner ein. Was er dort findet, brennt er auf DVD und schickt sie per Post an Johannes in Jerusalem.

Leider wird Guido keine Gelegenheit haben, sich an Johannes‘ Reaktion zu ergötzen, denn am nächsten Tag melden sich bei ihm zwei Herren, die sich sehr für seine illegale Nebentätigkeit interessieren. Der eine nennt sich Alberto, der andere Forsythe …

Nachdem Mark Schreiber am Tag nach der Party eine telefonische Warnung von „Lars“ erhalten und Johannes‘ Wohnung verwüstet vorgefunden hat, geht er ziemlich nervös wieder in die Firma |NetProtect|. Deren Geschäftsführer Stephen Bathory wird gerade von zwei Polizisten über Guido Senner befragt, denn der sei tot aufgefunden worden. Einer der Polizisten nennt sich Kommissar Dalberg. Als sie wieder verschwinden, löchert Bathory sofort Mark. Mark gibt zu, sie hätten die Datenbank des Vatikans geknackt, schiebt aber alle Verantwortung auf Guido ab. Dass sie über das Stromnetz eingedrungen sind, kann Bathory kaum fassen und will sofort Guidos Software haben. Sie sei Gold wert. Er beauftragt einen Experten, eine Sicherheitskopie von Guidos Festplatte anzufertigen. Bis der Experte eintrifft, baut Mark diese Festplatte aus und ersetzt sie durch eine ältere Kopie. Auf dieser ist Guidos Spyware noch defekt. Die Endversion versteckt er.

Gerade noch rechtzeitig, bevor zwei unbekannte Männer zuerst bei Bathory auftauchen und dann auch bei ihm. Alberto tötet Bathory ohne jede Vorwarnung und zielt bereits auf Mark, als Polizeisirenen zu hören sind. Die beiden verduften und lassen einen völlig verängstigten Mark zurück. Als Kommissar Dalberg eintritt, fleht Mark ihn an, die zwei Verbrecher zu verfolgen. Doch der Polizist tut alles andere als das. Er verhaftet Mark. Wegen dreifachen Mordes: an Stephen Bathory, Guido Senner und Joachim Thedor, genannt „Lars“ …

_Mein Eindruck_

Schon dieser kurze Handlungsabriss dürfte klarmachen, dass der Plot völlig an den Haaren herbeigezogen ist. Aber das hat Hohlbeins Bibel- und Klerikalthriller ja mit vielen ähnlichen Romanen, die sich auf die Erfolgsspur des „Da Vinci Codes“ setzen, gemeinsam. Was mich immer wieder frustrierte, ist die Unverfrorenheit, mit der mir hier Logiklücken, zweidimensionale Pappfiguren und mieser sprachlicher Stil zugemutet werden.

Fangen wir mit den Figuren an, denn damit gelangt man automatisch zur fehlenden Logik. Kardinal Di Milani strebt wie so viele fiktive Kardinäle vor ihm nach dem Stuhl des Papstes. Wir erfahren nicht, woher Di Milani kommt, noch für was er überhaupt zuständig ist, sondern nur dass er ein ganz schlimmer Finger ist, der den Papst absetzen will, so als gehe es um eine ganz gewöhnlich Palastrevolution in einer Bananenrepublik.

Aber Di Milani ist offenbar mit Geschichtsfälschung befasst. Dabei soll ihm das in Herkulaneum – also ausgerechnet unter megaheißer Vulkanasche! – gefundene Pergament eines ominösen Paulus-Evangeliums verhelfen. Dass es solche Evangelien massenweise gegeben hat, ist ja mittlerweile Allgemeinwissen. Inwiefern allerdings ein computergenerierter Film die Öffentlichkeit über das wahre Geschehen um Jesu Tod aufklären und den Papststuhl wackeln lassen soll, ist ein derart vage herbeigeführter Kausalzusammenhang, dass wohl nur der Autor selbst ihn ernst nehmen kann.

Ebenso hanebüchen, aber um einiges interessanter ist die Hypothese, dass die Römer statt des wahren Jesus von Nazareth einen anderen Jünger verhafteten. Zenturio Malchus wunderte sich ja gleich, warum sich ein Friedensprediger wie ein Krieger wehren kann. Der Grund ist simpel: Judas hat ihn getäuscht und sie verhafteten und kreuzigten Petrus, so dass der wahre Jesus überlebte. Dummerweise haben die kanonisierten vier Evangelisten nie ein Sterbenswörtchen von einem überlebenden Jesus, der sein Werk fortsetzte, verlauten lassen. In den weiteren Videoclips aus Di Milanis Werkstatt beschwert sich Jesus bestürzt über diesen Verrat seiner Jünger. Offenbar haben sie nicht viel von seiner Gottgesandtheit gehalten, sonst hätten sie ihm wohl gehorcht, als er sie bat, ihn den Römern auszuliefern. Dumm gelaufen, Mann! Alles muss man selber machen.

Wie der Gernegroß-Hacker Guido diese Story für Millionen verscherbeln will, ist mir ebenfalls schleierhaft. Wer sollte sein Abnehmer sein? Das erinnert mich an den Millionär Kaun in Eschbachs [„Jesus-Video“, 267 der mit seinem vermeintlich brisanten Fund den Vatikan erpressen will. Dumm für Guido, dass er sich ausgerechnet mit einem skrupellosen Vatikanbewohner wie Di Milani angelegt hat. Mark Schreiber ist anfangs nur ein Mitläufer, aber nachdem er des mehrfachen Mordes verdächtigt wird, muss er ausbaden, was Guido angestellt hat. Und dass auch Johannes auf der Abschussliste steht, obwohl er weder die Spyware noch die Video-DVDs besitzt, kann man wohl unter Kollateralschaden abhaken. Es sorgt jedenfalls für gute Actionszenen, wenn Johannes draußen in der Wüste verfolgt wird. Ob es irgendeinen Sinn ergibt, war für den Autor offensichtlich zweitrangig. Genauso wie die Spyware, die über den Stromkreis Computer knacken soll – völliger Unsinn.

Überhaupt sind die meisten Männer hinter dem her, was die anderen Männer haben: entweder Guidos „supergeniale“ Software, die rattenscharfen Bibelvideos oder auch nur den falschen Namen, das falsche Wissen oder was auch immer. Dass ein gestandener Kölner Kommissar wegen des Mordes an seiner Tochter, einer Polizistin, zum rachedurstigen Folterknecht und Meuchelmörder wird, ist nur ein weiterer hanebüchener Aspekt des Plots, der unter dem Etikett „Schundliteratur“ abzuheften ist.

Worauf dies alles hinausläuft, kann sich der erfahrene Trashleser an zwei Fingern abzählen: auf einen blutigen Showdown. Doch Hohlbein reicht dies nicht: Es wird ein allgemeiner Shootout wie beim O.K. Corral daraus. Wildwest in Jerusalem. Damit der geneigte Leser bzw. Hörer auch wirklich nach vollbrachter (wahlweise auch akustischer) Lektüre ruhigen Gewissens zu Bett gehen kann, muss dann auch der Schurke im Stück zur Rechenschaft gezogen werden. So ist’s brav.

Was nun die einzige relevante Frau im Stück angeht, so hat Jezebel zwar einen vielversprechenden Namen, aber leider auch ein bedauerliches Schicksal. Sie darf zwar in Marks Bettchen liegen und mit ihm schmusen, aber auf keinen Fall mit ihm die Sünde des Beischlafs begehen, sonst wäre das Abendland in Gefahr. Versteht sich fast von selbst, dass sie vor lauter Dankbarkeit, dass sie weiterhin Jungfrau sein darf, ihrem Liebsten das Leben rettet. So ein Schuss mit einem Colt muss denn auch den Richtigen treffen, und ich schätze, der finstere Alberto hat die Kugel verdient. Dass er zuvor Jezebels Halbbruder Johannes das Leben gerettet hat, zählt ja eigentlich nicht. Nicht wirklich jedenfalls. Oder so.

Damit der ganze Showdown auch die richtige historische Dimension erhält, müssen Mark und Alberto nach dem Willen des Autors nach uralten Schwertern greifen, die bereits vor 1000 Jahren die Kreuzritter in den Kampf trugen. Aufgrund seiner entstellenden Narbe ist für jeden Trashfan ersichtlich, dass Alberto, der Killer, der Böse sein muss. Folglich ist Mark der Gute. Blöd nur, dass er Alberto unterliegt. Gut, dass Jezebel kein Schwert heben muss, um Alberto allezumachen. Eine blaue Bohne tut es auch.

Eigentlich fehlt nur die Killerspielversion dieses Romans. Vielleicht sollten wir uns dafür vertrauensvoll an Di Milanis technische Zauberkünstler wenden. Der hohe Bodycount des Games sollte sie eigentlich auch reizen. Ich habe elf Leichen gezählt.

|Der Sprecher|

Sascha Rotermund hat eine tiefe Stimme, mit der es ihm am leichtesten fällt, Männerrollen zu interpretieren. Wenn die Kerle also brüllen, rufen, flüstern oder einfach nur miteinander reden (was selten genug vorkommt), dann hängt sich Rotermund voll rein. Damit die Lautsprecherboxen des Hörers dabei nichts abbekommen und |Lübbe Audio| keinen Schadensersatz zahlen muss (auf der CD ist kein Haftungsschluss vermerkt), werden alle Rufe und dergleichen entsprechend in der Laustärke zurückgenommen. Das wirkt etwas im Gesamteindruck etwas uneinheitlich, hat aber seine guten Gründe – siehe oben. Uneinheitlich ist auch das akustische Timbre des Sprechers, das mitten im Absatz zwischen zwei Sätzen wechseln kann. An diesen Stellen wurde offenbar eine Pause in der Aufnahme eingelegt.

|Die Musik|

Geräusche gibt es zwar keine, aber dafür umso mehr Musik. Die Hintergrundmusik ist denn auch das einzige Element, das den kompetenten Vortrag und den Inhalt der Story aufwertet und die ganze Sache genießbar macht. Das Prinzip für den Einsatz der Hintergrundmusik ist simpel. An spannenden Stellen und dem Anfang eines Kapitels erklingt dynamische Musik, die mit flotten Beats vorantreibt.

Das genaue Gegenteil sind traurige und sanfte Kadenzen, die ruhigeren Stellen unterlegt sind. Dazwischen gibt es noch die unheimlichen Stellen. Sie sind von überzogenen Tonintervallen gekennzeichnet und aus jedem Horror-Hörspiel bestens vertraut. Die schönste Musikstelle erklingt, als Jezebel mit Mark durch den restaurierten Garten Gethsemane in Jerusalem schlendern. Diese schwebenden, aber leichten Akkorde erinnerten mich etwas an die frühen Pink Floyd um 1970.

_Unterm Strich_

Was ist von einem Thriller zu halten, dessen Handlungslogik so große Löcher aufweist, dass ein Zeppelin hindurchpassen würde? Relativ wenig, aber wer weiß, welche Hohlbein-Fans dieses neuerliche Werk ihres Meisters verschlingen werden. Auch wenn der Bodycount mit mindestens elf Leichen reichlich hoch ausfällt, bietet sich das Buch vom sprachlichen Niveau her bereits für Zwölfjährige an. (Jungs vermutlich.) Die Lektüre ist nicht anstrengender als die eines durchschnittlichen „Hexer“-Groschenromans, und ich fand noch Muße, meine Bibliothek neu zu sortieren, während ich dem Fortgang der banalen Handlung folgte.

Im Hörbuch wird die Handlung durch den Vortrag Sascha Rotermunds halbwegs erträglich gemacht, aber durch die Hintergrundmusik beträchtlich aufgewertet. Denkt man sich diese Elemente weg, bleibt vom Plot eigentlich nichts mehr übrig als der von Hohlbein gewohnte Groschenroman.

Fazit: Die ordentliche Produktion hebt die Gesamtwertung gerade noch auf mittelmäßiges Niveau.

|429 Minuten auf 6 CD|
http://www.luebbe-audio.de

|Siehe ergänzend dazu unsere [Rezension 2630 zur Buchausgabe bei |Egmont vgs|.|

John Sinclair – Der Ghoul, der meinen Tod bestellte (Folge 132)

Die Handlung:

Ed Gurny war Buchhalter. Als solcher sammelte er Gelder aus dem Drogen- und Menschenhandel ein, um sie an seinen Boss Logan Costello weiterzureichen. Reine Routine! Als jedoch eines Tages ein Mann namens Jossip Semec Gurnys Büro betrat, änderte sich alles. Denn Jossip Semec war der Ghoul, der meinen Tod bestellte!(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 329 gemacht, das erstmalig am 22. Oktober 1984 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Patterson, James – Rosenrot Mausetot

Eine Reihe von Banküberfällen und Geiselnahmen hält den Washingtoner Polizei-Psychologen Dr. Alex Cross und das FBI in Atem. Doch jeder, den sie als Verantwortlichen fangen und festnehmen, sagt ihnen: „Sie haben den Falschen erwischt!“ Denn der Drahtzieher befindet sich unsichtbar in nächster Nähe der Ermittler.

_Der Autor_

James Patterson, Jahrgang 1949, ist einer der am effektvollsten erzählenden Krimiautoren der Welt. Seine Romane wurden mittlerweile in 30 Millionen Exemplaren gelesen (besser: verschlungen). Am besten gefallen mir seine Romane um den Washingtoner Polizei-Psychologen Dr. Alex Cross.

_Der Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

_Handlung_

Eine Reihe von Banküberfällen hält Dr. Alex Cross und das FBI in Atem. Bei den Überfällen finden regelmäßig unschuldige Menschen den Tod, offenbar mit voller Absicht. Die Skrupellosigkeit, Präzision und Brutalität der Ausführung schreiben sie einem „Superhirn“ genannten Planer und Leiter zu. Die eigentlichen Ausführenden, die Handlanger, leben meist nicht allzu lange nach ihrer Tat. Das Superhirn ist darauf bedacht, keine Risiken einzugehen. Will es sich nur an den Banken für ungerechte Behandlung rächen? Die Ermittler tappen im Dunkeln.

Bis das Superhirn eines Tages seinen größten Coup landet. Mitten in Washington, D.C., lässt es von seinen Handlangern einen Touristenbus entführen. Im Bus befinden sich die Kinder und Gattinnen der Manager einer Versicherung aus Hartford, Connecticut. Das Superhirn fordert 30 Millionen Dollar Lösegeld, zum Teil in Diamanten. Die Übergabe des Geldes artet zu einem demütigenden Katz-und-Maus-Spiel für die FBI-Agenten und Alex Cross aus. Doch sie haben Glück: Wenig später wird der Touristenbus in Virginia gesichtet, die Geiseln können – oh Wunder! – unverletzt geborgen werden und wenig später sind sogar die Täter in New York City ausgemacht. Was sollte das alles?

Das Superhirn ist leider nicht darunter, doch die geschnappten Täter geben Hinweise auf sein Aussehen und sogar auf seinen Aufenthaltsort. Und so kommt es, dass Alex Cross und seine Polizisten in einer psychiatrischen Anstalt Dienst tun. Nach mehreren Verfolgungsjagden haben sie zwei Verdächtige ausgemacht: Der eine hat die Banken auf dem Kieker, und der andere hat möglicherweise das Ding in Washington, D.C., durchgezogen. Doch sind sie auch das Superhirn? Denn beide behaupten: „Sie haben den Falschen erwischt.“

Alex Cross gerät heftig ins Schwitzen, als jemand beginnt, seine Kollegen vom FBI umzubringen, einen nach dem anderen, und alle waren an der Jagd auf das Superhirn beteiligt. Und dies berührt ihn ganz persönlich.

Denn wie stets in Pattersons Romanen um den Polizeipsychologen Dr. Alex Cross spielt auch dessen Privatleben eine bedeutende Rolle. Seine Familie bewahrt Cross praktisch davor durchzudrehen. In dem Vorgänger-Roman hat Cross‘ Freundin Christine Johnson schwere seelische Schäden davongetragen. Dies führt dazu, dass sie nach ihrer Befreiung und Wiedereingliederung in Job und Familie ihre Beziehung zu Cross nicht aufrechterhalten kann. Die Belastung, die Furcht durch seine Arbeit ist ihr zu viel. Lediglich ihr Sohn Alex junior darf bei ihm bleiben, doch sie selbst verschwindet.

Beim FBI lernt Cross die fähige Agentin Betsey Buccieri kennen, die die Jagd auf das Superhirn leitet, eine ebenso taffe wie humorvolle Frau. Die beiden verlieben sich ineinander, und es ist bewegend mitzuerleben, wie die beiden ihre Beziehung vertiefen. Doch die Serie der Morde an Betseys Kollegen reißt nicht ab, und so kommt, was kommen muss: Alex Cross‘ schwerste Stunde.

_Mein Eindruck_

Dieser von der ersten Szene an mit Schockeffekten gespickte Roman endet mit einer Szene, die man sich nur aus Thomas Harris‘ Hannibal-Romanen vorstellen könnte. Die Sätze kommen daher wie Hammerschläge. Und so bleibt der Leser voll Begierde zu erfahren, wie es weitergeht (in „Violets are blue“) – ein echter Cliffhanger-Schluss.

Patterson hat seine patentierte Methode, pro Minikapitel nur eine Aussage oder eine Handlung zu schildern, vervollkommnet. In wenigen Minuten erzählt er das, worauf es ankommt. Sicher entsteht dadurch zuweilen der Eindruck, dem Leser würde etwas Wichtiges vorenthalten. Doch dieser Eindruck beruht lediglich auf der Weigerung, die eigene Vorstellungs- und Einfühlungskraft zu aktivieren. Es wäre schon sehr auffällig, wenn Patterson bzw. der von sich selbst berichtende Dr. Cross auf einmal anfangen würde, seine Gefühlswelt zu sezieren und vor unserem gelangweilten Auge auszubreiten.

Dennoch bewirkt diese Erzählmethode eine Art blinden Fleck im Informationsstand des Lesers bzw. der Protagonisten. Ich habe mich mehrmals gefragt: Wenn Cross oder Betsey nur einmal für fünf Minuten nachdenken würden, dann kämen sie bestimmt endlich auf die zündende Idee. Denn an Hinweisen besteht ja kein Mangel. Man kann Cross & Co. lediglich zugutehalten, dass Superhirns Aktionen sie ständig auf Trab und derart unter Stress halten, dass sie nicht zum Nachdenken innehalten können. Auch Cross‘ Privatleben ist ja nicht ganz stressfrei. Signifikanterweise hat er seinen rettenden Geistesblitz, als er und Betsey eine Art Auszeit nehmen und es sich gut gehen lassen.

|Der Sprecher|

Ulrich Pleitgen spricht nuancenreich, mit feiner Betonung der wichtigen Satzelemente (etwa Namen) und mit einem Gespür für das richtige Tempo und den nötigen Rhythmus einer Szene. Familien- und Liebesszenen, die Alex Cross selbst erzählt, sind in einem meist heiteren oder gar zärtlichen Ton vorgetragen. Seine Ermittlungen tragen die Handschrift des unbarmherzigen Alltags. Die Verfolgungsjagd nach der Washingtoner Entführung ist atemlos, hastend. Dem steht wieder der überhebliche Monolog des Superhirns gegenüber, das Cross‘ Aktionen spöttisch verfolgt und so für ahnungsvolle Schauder sorgt. Pleitgens flexibler Vortrag zwingt zum Zuhören. Ich habe die 356 Minuten auf fünf CDs an einem Stück angehört, weil ich einfach nicht warten konnte. Klasse.

_Unterm Strich_

Ich kann nur sagen, dass mich kaum einer der anderen Cross-Romane derartig bewegt und erschüttert hat wie „Rosenrot Mausetot“. Die Szenen aus dem Familien- und Liebesleben sind emotional und humorvoll, der Oberschurke unglaublich zynisch, das Finale hingegen packend und hammerhart – genau deshalb wohl, weil man es nicht erwartet.

_James Patterson auf |Buchwurm.info|:_

[„Das Pandora-Projekt“ 3905 (Maximum Ride 1)
[„Der Zerberus-Faktor“ 4026 (Maximum Ride 2)
[„Das Ikarus-Gen“ 2389
[„Honeymoon“ 3919
[„Ave Maria“ 2398
[„Wer hat Angst vorm Schattenmann“ 1683
[„Mauer des Schweigens“ 1394
[„Stunde der Rache“ 1392
[„Wenn er fällt, dann stirbt er“ 1391
[„Wer sich umdreht oder lacht“ 1390
[„Die Rache des Kreuzfahrers“ 1149
[„Vor aller Augen“ 1087
[„Tagebuch für Nikolas“ 854
[„Sonne, Mord und Sterne“ 537
[„Rosenrot Mausetot“ 429
[„Die Wiege des Bösen“ 47
[„Der 1. Mord“ 1361
[„Die 2. Chance“ 1362
[„Der 3. Grad“ 1370
[„4th of July“ 1565
[„Die 5. Plage“ 3915

Baldacci, David – Abgrund, Der (Lesung)

Web London: Top-Mann in einem Top-Team des FBI. Gestern waren sie noch „Die Sieger“, doch heute sind alle tot – bis auf einen: Web London. Was ist der Grund für sein Überleben?

_Der Autor_

David Baldacci ist der Verfasser u. a. von „Der Präsident“, das Clint Eastwood unter dem Titel „Absolute Power“ verfilmt hat. Der frühere Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist lebt in Virginia, USA.

Weitere Baldacci-Hörfassungen bei Lübbe: „Das Labyrinth“, „Die Versuchung“, „Die Verschwörung“ und „Die Wahrheit“, „Das Versprechen“, „Im Bruchteil der Sekunde“ (September 2004). Die Hörbuchfassung von „Der Abgrund“ ist gekürzt und 465 Minuten lang, also knapp acht Stunden auf sechs CDs.

_Der Sprecher _

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

_Handlung_

Web London ist ein knallharter Typ, aber was ihm da letzte Nacht passiert ist, haute selbst ihn um. Er gehört einem Hostage Rescue Team (HRT), also Geiselrettungsteam, des FBI an. Dementsprechend hoch qualifiziert war seine Ausbildung. Zusammen mit seinem Team schickte man ihn nach Richmond, Virginia, um ein Fabrikgebäude zu stürmen. Das Haus sollte angeblich einem Drogenbaron als Einsatzzentrale dienen und bis obenhin mit Unterlagen vollgestopft sein. Das Einzige, was sich darin befand, waren ein Dutzend Maschinengewehre. Und die nahmen seine nichts ahnenden Teamkollegen sofort unter Feuer.

Durch einen Zufall gelangt London als Letzter zu dem Schauplatz des Blutbads. Auf dem Weg dorthin kommt er an einem Jungen vorbei, der zu ihm das Wort „Donnerhall“ sagt. Fortan kann sich London kaum bewegen, er weiß nicht wieso. Mit größter Mühe gelingt es ihm, die Maschinengewehre eines nach dem anderen auszuschalten und sogar den Jungen wieder aus der Gefahrenzone wegzuschaffen. Er überlebt als einziger seines Teams. Natürlich fallen sowohl seine Vorgesetzten als auch die Medienfritzen über ihn her. Überlebt zu haben, macht ihn schuldig; es lässt ihn wie einen Verräter aussehen.

Auch London macht sich schwere Vorwürfe. Was ist der Grund für sein Überleben? Um über das Trauma hinwegzukommen, begibt er sich, wie so viele seiner FBI- und HRT-Kollegen, in psychotherapeutische Behandlung bei Dr. Claire Daniels. Zuvor war er immer bei Ed O’Bannon in Betreuung gewesen, aber Dr. Daniels wollte seinen interessanten Fall übernehmen.

In der Praxis von Daniels und O’Bannon wird regelmäßige Hypnose als Mitteleingesetzt, um auf das zugreifen zu können, was das Bewusstsein im Gedächtnis weggesperrt hat. Bei diesen Sitzungen entdecken Dr. Daniels und London eine unglaubliche Tatsache: Am Tatort waren zwei Jungen, und sie wurden gegeneinander ausgetauscht. Der Junge, der „Donnerhall“ sagte, war nicht der, den Web rettete. Doch auf die Frage, warum sich in dem angegriffenen Gebäude statt einiger harmloser Büros eine Batterie tödlicher MGs befand, hat auch Web keine Antwort. Der Gedanke an Verrat in den eigenen Reihen liegt nahe, und der Undercover-Agent Randall Cove, der den Angriff vorzubereiten half, bestätigt den Verdacht. (Das wäre in einem Baldacci-Thriller wahrlich nichts Neues.)

Zunächst sieht es so aus, als stecke eine sektiererische Miliz namens „The Free Society“ unter einem gewissen Ernest B. Free dahinter, die zugleich auch den Drogenhandel an der Ostküste kontrolliert. Doch dann bekommen Web und sein bester Teamkamerad Paul Romano den Auftrag, einen reichen Pferdezüchter im Umland von Washington, D.C., zu beschützen. Billy Kenfield hat eine sehr schöne Frau, Gwen, und ein paar merkwürdige Gestalten als Ranchverwalter. Als ein Handy explodiert, scheint Web am richtigen Ort zu sein, um zu helfen.

Er ahnt nicht, dass auf dieser wie auch auf der Nachbarranch nicht alles so ist, wie es aussieht. Wie tief der Schlamassel ist, in den er hier geraten ist, ahnt er erst, als es schon fast zu spät ist. Unterdessen macht Claire Daniels in der Praxis ihres Kollegen O’Bannon eine erschütternde Entdeckung, und sie erkennt die Wahrheit über Web London selbst.

_Mein Eindruck_

Wie so viele Romane von David Baldacci ist auch „Der Abgrund“ eine Kombination von Psychothriller und Actionroman, garniert mit einer recht heftigen Verschwörung, die den Helden in ein frühes Grab führen soll. Wieder einmal kommt er gerade noch mit dem Leben davon.

Für die Action sorgen die spezialtrainierten HRT-Angehörigen mit ihren massenhaft eingesetzten Waffen, seien es nun Knarren oder Blendgranaten. Bis zum Showdown kann Web London also beweisen, was er draufhat. Und das ist eine ganze Menge.

Dumm nur, dass er trotz allem doch kein Terminator, sondern ein menschliches Wesen ist. Das macht ihn zum Beispiel für posthypnotische Befehlswörter wie etwa „Donnerhall“ anfällig und setzt ihn außer Gefecht. Das macht ihn aber auch fähig zur Liebe: zu Claire Daniels, zu Gwen Kenfield. Und die Hypnose legt offen, dass er in seiner Kindheit den gewaltsamen Tod seines Vaters zu ertragen hatte.

|Das ist alles schön und gut, aber funktioniert das auch in einem Hörbuch?|

Leider nur unter bestimmten Bedingungen. Wie alle Baldaccis ist auch dieses Buch mit einer Vielfalt von Personal vollgestopft, und dies erfordert vom Leser erhöhte Konzentration auf die Namen, die von Szenen zu Szene wechseln. Die erhöhte Aufmerksamkeit kann leicht zu Kopfschmerzen führen. Um damit nicht so große Mühe zu haben, sollte man sich also frühzeitig eine Liste der auftretenden Figuren mit ihren Namen anlegen. (Schon in meiner Zusammenfassung habe ich etliche Nebenfiguren weggelassen, um euch nicht zu verwirren.)

Um den Zusammenhang nicht zu verlieren, sollte man, anders als ich, keine längeren Pausen zwischen den einzelnen CDs machen, sondern sich alles in einem Stück anhören. Und dann noch ein zweites Mal. Nur dann, so glaube ich, kommt man dahinter, wer die wahren Drahtzieher hinter dem HRT-Hinterhalt in Richmond sind (Tipp: die Free Society ist es nicht).

|Der Sprecher|

Ulrich Pleitgen muss diesmal eine breite Palette von Figuren abdecken. Mit den meisten Männerstimmen hat er keine Schwierigkeiten, und auch die Frauen bekommt er meist gut hin. Aber wenn er den Vorgesetzten von Web London, einen Bürohengst namens Percy Bates, spricht, meine ich immer, einem falschen Fuffziger zuzuhören, der den Helden aufs Kreuz legen will. Bates hat eine hohe Männerstimme und spricht auch noch hastig – nicht ganz koscher.

|Die Musik|

… stammt von Michael Marianetti und wird immer dann eingesetzt, wenn es spannend oder bewegend oder irgendwie besonders wird. Außerdem am Anfang jeder der sechs CDs. Und natürlich ganz besonders beim Showdown und am Schluss des Hörbuchs. Die Musik muss nicht anspruchsvoll sein, um gut zu wirken, und das tut sie. Einmal erklingt sogar eine recht fetzige Rockgitarre.

|Die Übersetzung|

… ist ein richtiges Ärgernis. Einer der Profis hat sie angefertigt: Uwe Anton. Er ist schon seit über 20 Jahren im Geschäft und selbst Autor von Jugendromanen. Aber er hatte wohl zu wenig Zeit, um sein Werk zu überarbeiten, und so kamen zuweilen recht auffällige sprachliche Schnitzer zustande. Was zum Beispiel hat man sich unter einem „Laserpfeil“ vorzustellen“? Auf den ersten Blick sieht das okay aus, aber wenn man darüber nachdenkt, ergibt es keinen Sinn. Entweder ein Laserstrahl existiert oder er existiert nicht. Aber keine Waffe verschießt Pfeile aus Licht! Außer natürlich in irgendwelchen billigen Science-Fiction-Filmen, wo sie zu den Spezialeffekten gehören. Allerdings ist Baldacci kein Science-Fiction-Autor. Und da er sich scheut, wie ein Dichter irgendwelche Metaphern einzusetzen, taugt „Laserpfeil“ auch als Metapher nicht. Es ist schlicht und ergreifend falsch ausgedrückt.

Es gäbe noch etliche weitere misslungene Übertragungen ins Deutsche aufzuzählen, aber dieses Beispiel mag genügen. Aufmerksame Leser und Zuhörer werden ohne Weiteres auf sie stoßen.

_Unterm Strich_

Die Mischung aus Actionabenteuer und Psychothriller plus Verschwörungstheorie macht auch aus diesem Baldacci-Roman eine kurzweilige, unterhaltsame Sache. Allerdings macht es die Fülle der auftretenden Figuren nötig, eine Liste anzulegen, oder man verliert den Überblick und Zusammenhang. Ratsam ist es daher auch, das Hörbuch an einem Stück und dann noch einmal anzuhören, um alles mitzubekommen. Es könnte sonst vorkommen, dass man die Pointe nicht mitbekommt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Hörbuch eine gekürzte Fassung des Buches wiedergibt. Hilfreiche Szenen könnten fehlen.

Ulrich Pleitgen macht wie so oft einen guten Job, allerdings habe ich ihm eine oder zwei stimmliche Interpretationen nicht abgenommen. Er klingt eben am besten bei tiefen Männerstimmen. Die manchmal etwas schiefe Übersetzung durch Uwe Anton hat mich ebenfalls gestört. Aber da heutzutage Deutsch sowieso kaum noch jemand korrekt gebraucht, dürfte dieser Umstand nicht allzu vielen Leuten auffallen. Die Musikbegleitung wird einfach, aber wirkungsvoll eingesetzt. Insgesamt eine solide und lohnenswerte Veröffentlichung.

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 7: Hinter schwarzen Spiegeln

_Wie Alice durch die Spiegel_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 7: Zeigen Spiegel die Wirklichkeit? Oder verkehren sie die Dinge in ihr Gegenteil? Im Spiegelsaal des Casino Monte d’Oro beginnt sich die verwirrte Welt des Christian Wagner in eine Ordnung zu fügen. Aber wie viel Wissen können Menschen ertragen? Die Illusion der Wahrheit wird ihre Opfer fordern.

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis
Folge 7: Hinter schwarzen Spiegeln
Folge 8: Das blinde Auge des Horus

_Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Max Lohmann: Manfred Lehmann (Synchronstimme von Bruce Willis)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Moritz Goldmund: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Adam Sandler, Don Cheadle)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Madame Margarete: Barbara Ratthey
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ: Dero („Oomph!“)

sowie Kerstin Sanders-Dornseif und Oliver Brod u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Die Musik:

Secret Discovery: „Follow Me“
Qntal: Departir
b.o.s.c.h.: Spiegel
Michelle Darkness: Brand New Drug
Jesus On Extasy: Beloved Enemy
The Spook: Cowgirl
Berliner Filmorchester und der Hochmeisterchor Berlin unter Leitung von Chr. Hagitte.

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

Im Spiegelsaal des Casino Monte d’Oro rollt die Roulettekugel und klicken die Chips in ihren Stapeln, als Christian am Spieltisch zuschaut und zunehmend in Trance gerät. Doch er hält Ausschau nach einem bestimmten Mann. Otto Bloch, Adrians Großvater, soll hier vor 15 Jahren verschwunden sein. Auch Kommissar Lohmann ist darum bemüht, dieses Rätsel zu lösen, wie Chris inzwischen erfahren hat. Und wie er nun von Alexa Voss, der Polizsitin, erfährt, lässt Lohmann ihn überwachen. Na, toll. Aber wieso hat hat Alexa seine Verkleidung durchschaut? Weil sie seine Ex ist, vielleicht.

Als Alexa aufs WC geht, um sich die Nase zu pudern, macht sich wieder diese nervige Alte an Chris heran und traktiert ihn mit einem „Faust“-Zitat, als sei sie Billie Scholl persönlich: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange“ – kennt man ja zur Genüge. Chris sieht im Spiegel sein Ich, aber daneben ein Mädchen, das sich ihm als Führerin anbietet – es steht nicht neben seinem echten Ich. Chris verlangt, zum Senetspiel geführt zu werden und setzt auf die 19. In einer Ecke spielt Walter Zürn Humpty-Dumpty, das Ei auf der Mauer, doch der Weg führt weiter. In einem Saal erscheint ein älterer Mann mit einer Pistole, und daneben steht ein weiterer Mann, der genauso aussieht. Es muss Otto mit einem seiner Brüder sein, oder?

Schüsse fallen, Spiegel zerbrechen, Schreie ertönen. Chris erwacht aus seiner Trance und merkt, dass Lohmann persönlich eingetroffen ist: Razzia! Doch eine Gruppe schwarzgewandeter Kapuzenmänner tritt auf und eröffnet mit Maschinenpistolen das Feuer auf die in Aufruhr und Panik geratende Menge der Casino-Besucher. Chris versucht sich zu verkrümeln. Gott sei Dank, da ist Tina – immer zur Stelle, wenn Not an der Frau ist.

Von dem hageren, düsteren Typ, der Chris allmählich ziemlich bekannt vorkommt, lässt sie sich zu Madame Margarete, einer Wahrsagerin, fahren. Wieso das jetzt?, will Chris wissen. Darauf Tina: Weil Madame Margarete die Tochter der Amme im Hause Bloch ist und folglich jede Menge Geheimnisse kennt. Und woher weiß Tina das? Na, weil sie eine Reporterin ist, und Reporterinnen wissen bekanntlich alles.

Wenig später beginnt Rauch aus Madame Margaretes Haus in der Glockengasse aufzusteigen …

_Mein Eindruck_

Christian Wagner versucht immer noch, die Puzzleteile seiner eigenen Vergangenheit zusammenzusetzen. Anscheinend leidet er unter einer massiven Erinnerungsblockade, verursacht durch seinen langen Auslandsaufenthalt. Wer mit dieser Logik nicht mithalten kann, dem geht es auch nicht besser als mir.

Wie auch immer. Die Puzzleteilchen drehen sich um die oben erwähnten zwei Familien Bloch und Scholl. Dass das Zerwürfnis der Familien schon hundert Jahre zurückliegt, macht nichts. Denn schließlich sind Christian und seine Geliebte Billie deren Kinder. Aber in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Wie sich schon in der nächsten Folge erweist, ist dies ein wichtiges Bausteinchen.

Zunächst erfährt er, dass Otto Bloch einen Zwillingsbruder hatte. Aber wo dieser abgeblieben ist, wird Chris bestimmt schon bald herausfinden. Und wie bewerkstelligte Otto seinen Verschwindibus-Akt, der Kommissar Lohmann so verwirrt? Die Spiegel des Casinos Goldberg, wie „Monte d’Oro“ wörtlich bedeutet, könnten ein Hinweis darauf sein. Leider hat Chris die lästige Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit in Trance zu verfallen, als wäre er ständig bekifft. Und so betritt er wie Alice im Wunderland die seltsame Welt hinter den Spiegeln. Was ihm – und uns – aber nicht wirklich weiterhilft.

In der Rockoper „Tommy“ von |The Who| starrt das Wunderkind Tommy ständig in den Spiegel, obwohl es ja eigentlich blind sein soll. Erst das Zerschlagen des Spiegels entlässt Tommy, mittlerweile recht ausgewachsen, aber immer noch kindisch, in die sogenannte Wirklichkeit. Auch in „Hinter schwarzen Spiegeln“ kann es nicht ausbleiben, dass Spiegel zertrümmert werden. Nur sind es diesmal finstere Ballermänner in schwarzen Kutten, die das Casino in seine Bestandteile zerlegen. Offenbar sind Terroristen bühnenreif geworden und dürfen auch in Hörspielen auftreten, als wären sie Clint Eastwood in einem Leone-Western. Man gebe ihnen „eine Handvoll Dollar“.

Als ob Chris eine Art Unglücksrabe wäre, geht auch bald das Atelier von Madame Margarete in Flammen auf – oder sollte man besser „Hexenhäuschen“ sagen und Tina und Chris als Hänsel und Gretel bezeichnen? (Wie neuerdings bei „Offenbarung 23“ zu beobachten, schlachten die Autoren zunehmend die guten alten deutschen Hausmärchen aus.) Hier finden sich schwarze Spiegel. Natürlich können die beiden nicht anders als es Alice nachzumachen und hinter die Spiegel zu gelangen. Mehr Geheimnisse, doch nur eine Offenbarung.

Alles in allem ist die Informationsausbeute auch in dieser Folge recht mager. Aber das ist ja bei dieser Serie nun wirklich nichts Neues.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa, um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der Siebzigerjahre und klingen entsprechend kratzig.)

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im Spielcasino sagen die Croupiers unüberhörbar die Anweisungen an die Spieler an. Bei Madame Margarete gluckert der Tee in die Tassen.

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel internationale Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer künftig erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens „Sonic Seducer“ eingebunden sind. „Schattenreich“ ist ein Multi-Media-Projekt.

„Sonic Seducer“ hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Überall, wo Chris hinkommt, ertönt irgendeine Art von Song. Diesmal ist sogar einer in Französisch dabei, und der hat mir wirklich gut gefallen.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein| und |Oomph!| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|56 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3465-0|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name

Sonic Seducer – Szene News, Rezensionen, Tourdaten


http://www.radar-net.de

Krauts und Rüben (Offenbarung 23, Folge 16)

Welcome! The Helmut Kohl Horror Picture Show

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Eine Postkarte aus Saarbrücken – das sieht zunächst nicht nach einer Offerte vom toten Hacker Tron aus. Dennoch macht sich der Informatikstudent Georg Brand zusammen mit seiner Freundin Nolo auf den Weg. Er schlittert dabei in den schlimmsten politischen Sumpf Nachkriegsdeutschlands. Verborgene Netzwerke, brutale Seilschaften – die auch vor politischem Mord nicht zurückschrecken. Ist das wirklich die Realität? Die Wahrheit scheint diesmal nicht nur in schwarzen Koffern verborgen zu sein. Und sie enthüllt, warum der einst mächtigste Mann der Republik an zwei Punkten seiner Biografie bis heute eisern schweigt …

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David Baldacci – Die Verschwörung (Lesung)

Unter der Oberfläche von Washington, D.C., in einem Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges, trifft sich eine Gruppe von Männern, um eine junge Frau zum Tode zu verurteilen. Das Opfer ist Faith Lockhart, eine brillante junge Lobbyistin. Sie hat ein unverzeihliches Verbrechen begangen. Sie weiß zu viel und sie will nicht mehr schweigen.

_Der Autor_

David Baldacci ist der Verfasser u.a. von „Der Präsident“, das Clint Eastwood unter dem Titel „Absolute Power“ verfilmt hat. Der frühere Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist lebt in Virginia, USA. Weitere Baldacci-Hörfassungen bei Lübbe: „Der Abgrund“, „Die Versuchung“, „Die Wahrheit“, „Das Versprechen“, „Im Bruchteil der Sekunde“ (September 2004).

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla, geboren 1964, hat bereits mit Joachim Kerzel Ken Folletts Hörbuch „Die Leopardin“ gesprochen, ebenso „das Mädchen“ von Stephen King, „Die Kinder von Eden“ von Ken Follett, diverses von Patricia D. Cornwell und einige Dutzend anderer Produktionen. Während ihrer Schauspielausbildung in Berlin trat sie als Sprecherin im Hörfunk hervor. Später war sie Moderatorin und Sprecherin bei SAT.1, n-tv, SFB, Deutsche Welle TV und bei der BBC.
Ihre Tonaufnahme ist von erstaunlicher Präsenz und sehr klar. Sie verfügt über ein beeindruckendes Gespür für Dramatik: Ganz gleich, ob sie sanft und weich Liebeserklärungen haucht, mit knurrendem Grollen droht oder mit größter Lautstärke Befehle oder Flüche brüllt – stets kommt sie völlig glaubwürdig und lebendig herüber.

_Handlung_

CIA-Direktor Robert Thornhill ordnet die Ermordung von drei Menschen an: Faith Lockhart (36), eine Kronzeugin; Daniel Buchanan, ihr Chef, ein Anwalt und Lobbyist für die Dritte Welt; sowie Ken Newman, FBI. Der Grund: Dan Buchanan wurde vom CIA erpresst, Politiker auszuhorchen, natürlich vor allem solche aus der Dritten Welt, aber auch US-Senatoren. Und als Buchanans Ziehtochter, Faith, das herausfand, ging sie zum FBI, um auszupacken und Dan zu retten. Sie weiß zu viel und muss zum Schweigen gebracht werden.

Leonid Serov, ein Killer, der einmal dem aufgelösten KGB angehörte, hat bereits den Auftrag erhalten. Als Faith Lockhart sich mit dem FBI-Agenten Newman in einer einsam gelegenen Waldhütte trifft, wartet Serov bereits mit einem Präzisionsgewehr auf die beiden. Da taucht ein dritter Mann aus dem Hintergrund auf: Lee Adams, ein Einbrecher und Privatdetektiv. Er hat das präparierte Haus bereits durchsucht und als Falle erkannt.

Kann Adams Lockhart und Newman vor dem Killer retten?

Die FBI-Agenten Brooke Reynolds und Fred Massey sowie Newmans Freund Howard „Connie“ Constantinople nehmen sich ebenfalls der mysteriösen Angelegenheit an. Es wird ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem machtgierigen CIA-Boss und dem FBI, das seine Agenten in der Schusslinie sieht. Faith Lockhart und Lee Adams versuchen, zwischen diesen Fronten nicht unter die Räder zu geraten und außerdem der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.

Doch jemand muss Lockhart und Newman an die CIA verraten haben. Jemand beim FBI.

_Mein Eindruck_

Wieder einmal gelingt es David Baldacci, eine spannende Handlung zu stricken, bei der es einer rechtschaffenen Frau nur mit Hilfe ebenso rechtschaffener Männer gelingt, zu überleben und ihr – natürlich ebenso rechtschaffenes – Ziel zu erreichen, das dem Wohl von Recht und Gesetz dient.

Der Schurke im Stück wird diesmal nicht vom Präsidenten dargestellt wie in „Absolute Power“, sondern von einem fast ebenso mächtigen Burschen: dem Boss der CIA. „Central Intelligence“ – das klingt wie ein Widerspruch in sich, aber „intelligence“ hat in der Verwaltung und im Militär nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit Feindaufklärung. Thornhill hat drei Feinde deklariert, der CIA-Apparat wird in Marsch gesetzt. Es ist selten, dass ein Autor die Geheimdienste angreift, aber in den USA durfte man das zumindest bis vor kurzem: vor dem 11. September 2001 und dem Patriot Act.

Wie in jedem ordentlichen Katz-und-Maus-Spiel müssen sich die Gejagten – Lockhart und Adams – aller verfügbaren Überlebenstechniken bedienen, um durchzukommen. Verkleidung und Flucht in letzter Sekunde sind an der Tagesordnung. Weitaus kniffliger erweist es sich, die Drahtzieher und Verräter auszumachen sowie sie per Beweis dingfest zu machen. Das ist der Grund, warum nur die wenigsten Szenen so anschaulich sind wie der anfängliche Hinterhalt an der Waldhütte. Der Zuhörer muss stets aufmerksam das Geschehen und die Dialoge verfolgen – das ist in allen Baldaccis so.

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla ist definitiv die beste Sprecherin für Figuren wie Faith Lockhart. Sie gibt ihnen eine spezifische weibliche Note. Doch auch beim Darstellen der männlichen Figuren weiß sie mit ihren tiefen, dunklen Stimme entsprechende Nuancen wiederzugeben.

_Unterm Strich_

„Die Verschwörung“ fesselt den Zuhörer mit spannenden Szenen (besonders am Anfang), einer atemlosen Jagd, halbwegs glaubwürdigen Begründungen auf Seiten der Guten und der weniger Guten (CIA) und einem ordentlichen Showdown. Gelegentlich blitzt sogar so etwas wie Humor auf, so etwa, als der listenreiche Adams seinen Hund und seine Nachbarin für seine Zwecke einspannt, um das FBI bzw. die CIA abzulenken.

Dennoch darf man von einem Baldacci keinen allzu großen Tiefgang erwarten. Die Handlung wirkt dann doch zu konstruiert. Eine Charakterisierung bleibt stets relativ oberflächlich, Figuren verändern sich im Laufe der Handlung kaum – sie agieren wie Schachfiguren, gelenkt vom Willen des Autors, nicht etwa aus sich selbst heraus. Die Kürzung, die für ein Hörbuch meist notwendig ist, tut ein Übriges. Das heißt aber nicht, dass sich der Zuhörer nicht zufriedenstellend von solch einem Hörbuch unterhalten lassen kann. Besonders auf langen Reisen, etwa im Zug oder dem Flieger, bietet sich spannende Unterhaltungskost geradezu an, um die Zeit zu vertreiben. (Und man kann später darüber schreiben.)

Umfang: 355 Minuten auf 5 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Fluch des Tutenchamun, Der (Offenbarung 23, Folge 22)

_Howard Carters Geheimnis und Vermächtnis_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Im Jahr 1922 entdeckt der Ägyptenforscher Howard Carter im berühmten Tal der Könige das fast unversehrte Grab von Pharao Tutenchamun. Doch mit Öffnen der Grabkammer scheint sich ein Fluch zu erfüllen, der jeden trifft, der die Ruhe des jugendlichen Pharaos stört. 33 Jahrhunderte nachdem der Fluch ausgesprochen wurde, entdeckt der Berliner Student und Hacker Georg Brand, warum Howard Carter sich so sicher sein konnte, das Grab von Tutanchamun garantiert zu finden. Und er findet heraus, wessen Ruhe er dabei tatsächlich störte. (Verlagsinfo)

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) [Die Pyramiden-Saga 4554

Einschub: 21) [Jack the Ripper 4875 (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) Der Fluch des Tutanchamun
23) Der Jungbrunnen
24) Ausgespäht und Ausgetrickst
25) Sex and Crime

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Ian G. als Erzähler: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Lord Carnarvon/Nat Mickler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Sprecherin/Marianne Benedit: Ulrike Hübschmann
Abdul: Erich Räuker (Richard Dean Anderson)
Howard Carter: Jaron Löwenberg
Evelyn Carnarvon: Maria Koschny (Lindsay Lohan)
Intro: Benjamin Völz & Jaron Löwenberg

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

|PROLOG.| 1922. Howard Carter hat das Grab des einzigen Pharaos gefunden, der noch intakt im Tal der Könige ruht: Tutenchamun. Bei ihm Sind Lord Carnarvon und dessen Frau Lady Evelyn. Carter warnt davor, die Mauer zu durchbrechen, denn von Rechts wegen ist er verpflichtet, zuerst die Inspektoren der ägyptischen Altertümerverwaltung zu informieren. Doch davon will der Lord, sein mächtiger Geldgeber, nichts wissen. Er will die Gruft sofort öffnen, und Lady Evelyn soll die Ehre haben, als Erste die Pracht der Schätze im Pharaonengrab zu schauen. Was das Trio findet, übersteigt ihre kühnsten Träume.

Wenig später beginnt der Fluch des in seiner letzten Ruhe gestörten Pharao zu wirken: Der Lord stirbt.

|Haupthandlung.|

Gegenwart, Samstag, kurz vor 11 Uhr. Kairo, das Ägyptische Museum, Saal 3. Georg Brand und Nolo alias Tatjana Munk bestaunen die goldene Totenmaske Tutenchamuns. Aha, Amun: der alles Belebende, und Tutenchamun: lebendes Abbild des Amun. Alles klar. Auf der Rückseite der Maske findet Georg Hieroglyphen und fragt sich, was sie wohl bedeuten mögen. Ein älterer Herr tritt aus den Schatten hervor und verrät es ihm. Er stellt sich als Nat Mickler vor, Symbolkundler und Psychiater. (Ulkige Kombination, findet Georg.)

Mickler stellt eine äußerst interessante Frage: Was machte Carter, der zehn Jahre nach dem Grab Tutenchamuns gesucht hatte, auf einmal so sicher, dass er das Grab genau an jener Stelle finden würde, wo er es dann im Jahr 1922 fand und öffnete? Mickler lädt sie ins Tal der Könige ein, um sich vor Ort einen besseren Eindruck zu verschaffen.

Die Dampferfahrt den Nil hinauf ist angenehm. Aber 650 Kilometer wollen zurückgelegt werden, und so ist eine Menge Zeit für Konversation. Auf der Rückseite von Tutechamuns Totenmaske steht der Anfang des 150. Kapitels des ägyptischen Totenbuches: ein Schutzzauber vor den „Dienern des Seth“. Seth war bekanntlich jener Bösewicht, der es auf Isis, die Schwester des Obergottes Osiris, abgesehen hatte, und deshalb ihren geliebten Bruder auf abscheuliche Weise abmurkste. Sie setzte jedoch die Leichenteile wieder zusammen, ließ sich von Osiris v.2.0 befruchten und gebar Horus, den falkenköpfigen Sonnengott, auch Ra oder Re genannt. Kein Wunder, dass sich die Pharaonen vor Seth fürchteten.

In der Bar des Dampfers lernen die drei Reisenden Marianne Benedit kennen, die Reporterin, die sich für Kaspar Hauser interessierte (siehe Episode 18 „Menschenopfer“). Und der Zusammenhang mit Carter? Lord Carnarvon hieß auch Stanhope, und sein Urgroßvater war eben jener britische Geheimdienstler, dem sie die Ermordung Kaspar Hausers anlastet. Und obendrei war Carnarvon ein Mitglied der Freimaurer, deren Ursprung in Ägypten und Tyros liegt. Sie vererbten uraltes Wissen der Erbauer der Pyramiden, die bekanntlich Priesterstatus hatten.

Als Marianne Benedit plötzlich bewusstlos zusammenbricht, sind Georg und Nolo ziemlich erstaunt. Lag es an dem Whisky, den man ihr kredenzte? Nach einer polizeilichen Befragung wegen des Todes der Reporterin können sie weiterfahren.

Vier Tage später gelangen sie ins Tal der Könige bei Theben, auf dem Westufer des Nils. Die Wände der Randberge des Niltals sind hoch und steil, und dorthinein ließen die Baumeister die Gräber der Pharaonen graben. Nr. 62 ist Tutenchamuns Grab. Wie konnte Carter es nur finden, immerhin ganze 123 Jahre nach dem ersten Grabfund und unversehrt von den Grabräubern des nahen Qurna?

Wie sich zeigt, verfügte Carter über einen natürlichen Wegweiser, der mit einer Sonnenuhr und einem alten Kalender verbunden war. Und das Grab hatte nicht bloß einen Wächter …

_Mein Eindruck_

Wieder einmal befasst sich die Hörspielserie mit Ägypten. Offenbar verbringen Georg und Nolo hier einen längeren Aufenthalt. Das Land am Nil hat aber auch jede Menge esoterische Geheimnisse zu bieten. Nachdem sie schon die Pyramiden bestiegen haben, geht es nun also in den Untergrund, in die Gräber und Tunnel des Tals der Könige. Dieses liegt bekanntlich in Oberägypten unweit Theben und Luxor. Aber auch die alte Grabräuberstadt Qurna ist nahe, und ein Teil der Geschichte befasst sich mit den Dieben. Tatsächlich ist sogar die obligatorische Nachrichtenmeldung der Auflösung dieser Siedlung im Jahr 2007, also ganz aktuell, gewidmet.

Der Prolog verbreitet eine Entdeckerstimmung wie im ersten Indiana-Jones-Spielfilm: Ein unversehrtes Pharaonengrab wird betreten. Wie kleine Kinder dürfen wir Bauklötze staunen, was die Gräber um Howard Carter da freigelegt haben. Dieser sense of wonder wird wenig später angesichts der goldenen Totenmaske des Pharaos wiederholt. Danach jedoch setzt wieder mal die Analyse ein: Was steht denn da und dort und was mag es bedeuten? Man kommt sich vor wie bei den Weisen im Morgenlande.

Der Höhepunkt der Enthüllungen findet zweifellos im Tal der Könige statt. Dies alles zu erklären, wäre erstens zu kompliziert und würde zu weit führen. Außerdem wäre die Spannung zerstört. Jedenfalls wusste Howard Carter wohl ganz genau, wo und vor allem wann er das Grab des mit 18 Jahren ermordeten Pharao Tutenchamun, des Ketzers Echnatons Sohn, zu suchen hatte.

So ganz nebenbei erfahren wir eine ganze Menge über diesen Carter, denn schließlich ist die Frage zu entscheiden: Gab es wirklich einen Fluch des Tutenchamun? Fein säuberlich sortiert der Autor, vertreten durch seine Figuren, die good guys und die bad guys im Unternehmen Pharaonengrab. Carter landet eindeutig im Lager der good guys, selbst wenn er keinen obligaten weißen Hut getragen haben sollte. Doch Lord Carnarvon, so viel wird schon im Prolog deutlich, ist eindeutig ein bad guy. Geschieht ihm also recht, kurz nach der Entdeckung des Grabes das Zeitliche zu segnen.

Das größte Rätsel jedoch ist dasjenige, welches sich hinter der Jahrtausende währende Unversehrtheit des Pharaonengrabes verbirgt. Und warum wurde es sogar 123 Jahre lang, nachdem das erste Grab gefunden worden war, in Ruhe gelassen? Waren die Ausgräber einfach zu dumm? Der Autor bietet eine andere Erklärung an: Es gab Wächter, die bis heute das Grab hüten. Aber warum bewachten sie dann nicht auch die anderen Gräber? Die wenig plausible Erklärung der Wächter: Nichts wurde gestohlen, es ist alles noch da, irgendwo. Na, toll.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus, und Kim Schmittke sekundiert normalerweise, wenn Georg über die Stränge schlägt. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Zum Glück behält Georg Brand seinen Sinn für Humor, auch wenn dieser diesmal mehr Richtung Sarkasmus tendiert. Georg klingt mehr genervt als erheitert.

Ulrike Hübschmann als Marianne Benedit liest aus einem Buch über Freimaurer und Ägypten vor, doch dabei spricht sie ständig den Namen Champollions, des berühmten Entzifferers des Rosetta-Steins, falsch aus. Sie sagt stattdessen zweimal „Campollion“. Mir ist unerklärlich, wie so ein Fehler zustande kommen konnte.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Auf dem Dampfer hören wir das Rauschen des Fahr- und Kielwassers, im Tal der Könige ist deutlich das Klappern der Kutsche zu hören, in der Georg und Nolo gefahren werden. Sogar der Wind von den Bergen ist zu erlauschen.

Ein echt unheimliches Stück Akustik ist in den Tunneln der Grabräuber zu hören, was gut zu Nolos Angst passt. Doch am Schluss herrscht wieder Friede. Das Wasser der Oase plätschert, und die Vöglein zwitschern in den Palmen.

Die Musik fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro, im Hintergrund plätschert etwas Schmuse-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Sehr schön fand ich auch die dezent im Hintergrund eingesetzte arabische Musik, die gut zu der Geräuschumgebung der Oase passt.

_Unterm Strich_

Die enthüllenden Informationen über die Gräber im Tal der Könige fand ich ziemlich interessant, denn sie waren mir völlig neu. Natürlich wusste ich schon einiges über Carter, Carnarvon und den angeblichen Fluch des Pharao. Doch die Rolle der Freimaurer, der unbekannten Wächter und vor allem die Berechnung der exakten Lage von Tuts Grab wurden neu vom Autor geliefert. Wer weiß, ob er für all diese Faktenhuberei nicht ein Heer von Zuträgern angeheuert hat. Die Wächter allerdings dürften seine eigene Privaterfindung sein.

Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Diese Episode wird nahtlos in der nächsten fortgesetzt. In „Jungbrunnen“ wird auch das grausige Geheimnis um die in Tuts Grab gefundenen Kinderleichen gelüftet. Man darf gespannt sein.

|72 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3536-7|
http://www.offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Meyer, Kai / Maetz, Stefan / Berling, Simon / Hagitte, Christian – Die Vatikan-Verschwörung (Inszenierte Lesung)

Spannende Mystery: Verfolgungsjagd zum Höllentor

In Rom stößt der Kunstdetektiv Jupiter auf das Vermächtnis des geheimnisumwitterten Kupferstechers Piranesi. Rätselhafte Morde und unheimliche Erscheinungen führen ihn zum legendären „Haus des Daedalus“, einem vergessenen Ort tief unter den Fundamenten der Vatikanstadt. Verbirgt sich dahinter die Hölle selbst, wie ein vatikanischer Geheimbund vermutet? Jupiter und die Kunststudentin Coralina werden zu Gejagten, als Mönche, Kardinäle und die Geister der Vergangenheit ihre Spur aufnehmen, um ihnen das Vermächtnis Piranesis abzunehmen …

Der Autor
Meyer, Kai / Maetz, Stefan / Berling, Simon / Hagitte, Christian – Die Vatikan-Verschwörung (Inszenierte Lesung) weiterlesen

Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Die Werwolf-Sippe (Folge 47)

_Die Kinder der Nacht: Familienfeier der Werwölfe_

Die Älteste des Wervolk-Clans prophezeit die Wiedervereinigung ihrer Sippe unter einer neuen Königin, die die Menschen das Fürchten lehren werde. Doch zuerst muss sie die junge Jovanka dem Blutritual unterziehen, das diese zur Werwölfin machen wird …

Die Story erschien erstmals als Band 173 der Bastei-Romanserie.

_Der Autor_

Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

_Die Inszenierung_

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino, Christopher Walken, Kevin Kostner, Jeremy Irons, Pierce Brosnan und vielen mehr.
Wolfgang Pampel, die deutsche Stimme von Harrison Ford, spricht den Erzähler.
Jane Collins: Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Gillian „Scully“ Anderson
Suko: Martin May
Bill Conolly: Detlef Bierstedt (George Clooney, Robert ‚Freddy Kruger‘ Englund)
Sheila Conolly: Daniela Hoffmann (Julia Roberts)
Sir James Powell: Karl-Heinz Tafel
Jovanka Vasely: Berenice Weichert (Anna ‚Rogue‘ Paquin, Scarlett Johansson)
Jurina Vasely: Marianne Rogée
Silva: Anke Reitzenstein (Whitney Houston, Jeri Ryan)
Lupina: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie, Kristanna Loken)
Marcel Vendri: Peter Flechtner (Ben Affleck)
Al Astor: Jörg Doering (Colm Meaney)
Roland Foucert: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Kevin Bacon, Gary Oldman …)
Margret Rutland: Marianne Groß (Gattin von Lutz Riedel; Angelica Huston, Cher)
Sue Rutland: Dascha Lehmann (Katie Holmes, Jennifer Love Hewitt)
Pfarrer: Bernd Rumpf (Liam Neeson, Alan Rickman)
Sowie Simon Jäger (Heath Ledger, Josh Hartnett, Matt Damon) und andere.

Der Produzent ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel [„Der Anfang“ 1818 hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Keßler
Produktion: Alex Stelkens (|WortArt|) und Marc Sieper (|Lübbe Audio|)

_Handlung_

Dereinst werde eine neue Königin die verstreute Sippe der Werwölfe wieder vereinen und zu neuer Größe führen, prophezeit die alte Jurina Vasely. Jovanka, ihre Enkelin, brennt darauf, sich ihrem Volk endlich anschließen zu können und unterzieht sich dem Blutritual, das sie ebenfalls zur Werwölfin macht. Doch entsetzt muss sie erfahren, dass die Jäger sich bereits nähern und ihre Großmutter nicht vorhat, vor ihnen zu fliehen …

Die Jäger werden vom Pfarrer des nordfranzösischen Städtchens Gravelines angeführt. Er hat von einem Vorgänger eine Axt mit silberner, geweihter Schneide geerbt – ein geeignetes Instrument zur Vernichtung von Werwölfen und anderem Gelichter. Sie stoßen mitten im Wald auf einen verlassenen Planwagen und nähern sich ihm misstrauisch. Ein Wolf bricht daraus hervor, den die Silberaxt des Pfarrers jedoch sofort tötet. Aber wo ist der Rest der bestialischen Sippschaft? Die Suche geht weiter.

Jovanka folgt dem Auftrag ihrer Großmutter, ihre Schwester Silva und ihren Bruder Marcel zu suchen. Als einer der Jäger sie stellt, fällt es ihr leicht, ihn zu überwältigen und den ersten Blutdurst zu stillen. Schon bald ist sie in Gravelines, wo sie im Mädcheninternat ihren Bruder findet, der hier unter dem Namen Marcel Vendri als Lehrer arbeitet. Bedauerlicherweise erhebt bereits ein Menschenweibchen Anspruch auf ihn …

John Sinclair wird von seinem Mitarbeiter Bill Conolly angerufen. Bills Nachbarin Margret Rutledge mache sich Sorgen um ihre Tochter Sue, die sich in einem französischen Internat in Gravelines aufhalte. Doch in der Region Gravelines habe es in letzter Zeit einige grässliche Todesfälle gegeben, und die französischen Behörden fürchten, die legendäre „Bestie von Gévaudan“ sei zurückgekehrt. Gerüchten zufolge soll Sue ein Verhältnis zu ihrem Lehrer Marcel Vendri begonnen haben. Doch der betrüge sie mit einer anderen Frau.

Sheila Conolly zeigt John Sues Brief. Darin bezeichnet sie Lupina als die Geliebte ihres Lehrers. Bei diesem Namen klingeln bei John sämtliche Alarmglocken, denn er hatte selbst mal einige Begegnungen mit Lupina. Sue schreibt, dass sie fürchte, beim nächsten Vollmond werde es wieder Tote geben. John erkennt, dass er sich beeilen muss. Jane Collins, seine Freundin, besteht darauf mitzukommen, ganz besonders, wenn es um Frauen geht, die ihrem John in mancherlei Hinsicht gefährlich werden könnten.

Die beiden nehmen Suko mit und fahren mit der Kanalfähre nach Calais. Auf der Überfahrt haben sie eine denkwürdige Begegnung mit Silva Vasely, die mit ihrem Wanderzirkus von Wölfen unterwegs nach Gravelines ist. John erschießt einen der vermeintlich zahmen Wölfe, was ihm leider keine Sympathiepunkte einbringt.

Unterdessen hat sich in Sue Rutledge genügend Zorn angestaut, dass er sich entladen muss. Als sie ihren Geliebten Marcel eine junge Frau in seine Wohnung führen sieht, kocht der Zorn über. Sie wird ihm gehörig die Leviten lesen! Doch der Besuch bei Marcel erweist sich als alles andere als ein Triumph. Denn die beiden Turteltäubchen enthüllen Sue ihre wahre Natur …

_Mein Eindruck_

Dies ist die erste Hälfte des Doppelhörspiels um das Wiederauftauchen von Lupina in Gestalt von Jovanka Vasely. Man muss schon ein klein wenig mitdenken, um die Sprünge in der Handlungsführung nachvollziehen zu können: Lupina steigt nämlich urplötzlich aus der Versenkung auf. Keiner sagt uns, woher sie kommt, aber es ist anzunehmen, dass Marcel Vendri Bescheid weiß.

Jovanka, die Jungwerwölfin, muss erst einmal ihre Kräfte messen – und siehe da, sie ist weitaus stärker als jeder Mann. Wer hätte das gedacht? Na, jeder von uns! Schließlich kennen wir uns seit dem Spielfilm „Der Pakt der Wölfe“ bestens mit Werwölfen aus. Denken wir zumindest, denn wie sich herausstellt, geht es im Film um alles andere als um Werwölfe. Die „Wölfe“ sind ein Geheimbund, der den Umsturz der Regierung betreibt. Und seine Mitglieder wissen auch erotische Mittel wirkungsvoll einzusetzen.

Tatsächlich verknüpft der Autor „Jason Dark“ ebenfalls weibliche Erotik mit dem Werwolfmotiv. Er wertet die weiblichen Werwölfe, die im Vordergrund stehen, zu einer Art verführerischer Amazonen plus Bestie auf. Eine machtvolle Kombination, der sich im Verlauf der Doppelhandlung nur sehr wenige Figuren entgegenstellen können. Diesmal sind die Frauen eindeutig die dominanten Figuren, was sogar auf Jane zutrifft.

Die Männer sieht man ständig irgendwo gefesselt, gefangen, besoffen oder dem Wahnsinn nahe durch die Handlung taumeln. Kein besonders erbaulicher Werdegang für unsere männlichen Helden. Mit einer einzigen Ausnahme: der Pfarrer. Nur der Mann Gottes weiß den bestialischen Hybridfrauen etwas todsicher Wirkendes entgegenzusetzen: seine Silberaxt. An ihn wendet sich Jane Collins im zweiten Teil – und wird in ihrer Erwartung, dass er ihr gegen die Bestien hilft, nicht enttäuscht.

Auch John Sinclair ist an sich ein Mann Gottes, als „Sohn des Lichts“, doch er hat es ungleich schwerer als der Pfarrer, den Werwölfen zu zeigen, wo der Hammer bzw. das Silberkreuz Hesekiels hängt.

_Die Inszenierung_

Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: Bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen Pigulla, Bierstedt, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

Übertriebene Ausdrucksweisen heben die Figuren in den Bereich von Games- und Comicfiguren. Das kann bei jugendlichen Hörern ein Vorteil sein. Die Figuren schreien wütend, fauchen hasserfüllt oder lachen hämisch. Den Dialog macht stellenweise der Einsatz von Stimmfiltern abwechslungsreicher, insbesondere beim Einsatz moderner Kommunikationsmittel wie etwa Funkgeräten oder Mobiltelefonen.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Diesmal herrschen die Geräusche vor, die man im Umfeld von Wäldern und Wölfen zu hören erwartet. Die Geräuschkulisse ist erstaunlich realistisch, wirkt aber nie überladen, sondern stets erscheinen die Geräusche als notwendig. Ein Markenzeichen der Serie sind Schüsse und Funkdurchsagen. Von beidem gibt es stets jede Menge. Und viel spritzendes Blut … Deshalb ist dieses Hörspiel erst ab 16 Jahren zu empfehlen.

|Musik|

Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British Horror Movie zu hören. Die Titelmelodie der Serie erschallt in Intro und Outro in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen, den ich sehr sympathisch fand.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 16 Jahren. Ausdrücklich steht „Hörspiel für Erwachsene“ auf dem Cover.

_Unterm Strich_

Das Erwachen Jovankas zur Werwölfin erinnerte mich an den Werdegang von Vampira, die ja achtmal die Hauptfigur in einer Lübbe’schen Hörspielserie war. Lupina, deren Herkunft nicht erklärt wird, ist ebenfalls eine Überfrau und wie Vampira dämonisiert bis zum Gehtnichtmehr. Sie ist die starke, verführerische Amazone, die die Männer reihenweise umhaut und, ähem, verschlingt. Dass sie auch ein Liebesleben haben könnte, wird allerdings nur dezent angedeutet. Als sich Marcels Geliebte Sue zwischen das inzestuöse Pärchen aus Brüderlein und Schwesterlein drängt, um alte Rechte anzumelden, zieht Sue leider den Kürzeren.

Johns Begegnung mit Silva Vasely und ihrem Wanderzirkus – aus Wölfen!? – deutet symbolisch bereits die sehr viel gefährlichere Begegnung mit den Werwölfen an, die John im 2. Teil haben wird. Allerdings sollte sich John ein wenig wundern, was diese Frau ausgerechnet mit Wölfen zu tun hat. Ihr Wanderzirkus dient nämlich nur der Tarnung. Für was, erfahrt ihr im 2. Teil.

Auch jungen Menschen ab 16 Jahren, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Die Action kommt niemals zu kurz, was die Game-Freunde doch einigermaßen zufriedenstellen sollte. Nur: Auf das Ballern und Blutspritzen sollte man immer gefasst sein.

|47 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3782-8|
http://www.sinclairhoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.wortart.de

_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„John Sinclair: Remastered-Box 1“ 5656
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)