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Falck, Kristin / Seibel, Antje / Nickels, Stefan – Hüter der Wolken, Die

_Romantisch: Geistreisen mit dem Himmelsstein_

Der Fürstentochter Lärka steht eine arrangierte Hochzeit bevor. Als Vasall eines machtgierigen Umstürzlers, der den rechtmäßigen Thronfolger Jaduins vertrieben hat, muss ihr Vater die Tochter umsichtig verheiraten. Als Lärka der geheimnisvolle Arild begegnet, der mit den Wolken zu sprechen scheint, ahnt sie noch nicht, wie ihr Schicksal mit seinem verbunden ist und dass das Land Jaduin vor einem Wendepunkt steht, an dem nur sie beide das Schlimmste abwenden können. (Verlagsinfo)

_Die Autorin_

Kristin Falck wurde 1966 in Gelnhausen geboren, wo das Mittelalter lebendig ist. Die promovierte Informatikerin lebt heute mit ihrer Familie in Heidelberg. Schreiben bedeutet für sie „… dem nachspüren, was sich im Innersten bewegt, und es mit feinen Strichen so auf einen kräftig bunt grundierten Hintergrund zu bringen, dass andere dasselbe empfinden.“ „Die Hüter der Wolken“ ist ihr Romandebüt. (Verlagsinfo) Mehr Info: http://www.kristinfalck.de/.

_Die Sprecherin_

Tanja Geke war nach ihrer Schauspielausbildung in Berlin in verschiedenen Film- und Fernsehrollen zu sehen, u. a. in „Rosa Roth“ und „Praxis Dr. Sommerfeld – Neues von Bülowbogen“. Neben ihren TV-Auftritten ist von ihr so manches zu hören. Sie lieh ihre Stimme bereits Kate Hudson („Almost Famous“), Scarlett Johannson („The Prestige“) und Beyoncé Knowles.

Geke liest eine bearbeitete Fassung vor – Redaktion: Antje Seibel. Für die Aufnahme zeichnete Lars Ullrich verantwortlich, Regie führte Stefan Nickels, die Musik trug Andy Matern bei.

_Handlung_

Die siebzehnjährige Lärka lebt auf dem Gehöft ihres Vaters, des Thans von Ribehof. Da ihre leibliche Mutter Audhild zehn Jahr zuvor starb, führt ihre strenge Tante Asa das Regiment auf dem Anwesen. Das Mädchen will wie ihre Mutter ein „grünes Weib“ werden, eine heilende Kräuterfrau, aber Asa und ihr Vater haben andere Pläne mit ihr. Lärkas bester Freund ist ihr sechzehnjähriger Vetter Jörn, Asas Sohn.

Heute geht es zum Markt. Lärka sieht, dass die Gelegenheit abzuhauen, günstig ist. Doch leider wird sie von Valgrim abgefangen, einem älteren Mann, und vom jungen Arild, Jörns Vetter. Der schweigsame Arild wird von Lärka „Wolkenkopf“ genannt, weil er ständig gen Himmel schaut, als könne er die Sprache der Wolken verstehen. Arild erzählt, er sei mit Valgrim unterwegs zum Thanshof von Orlyg, Lärkas Vater.

Am Abend feiert Orlyg mit ausgewählten Ehrengästen – Geestleuten und Küstenländern – den Geburtstag Lärkas und überreicht ihr ein wertvolles Kästchen aus dem Erbe ihrer Mutter, das wie sie aus Osgund stamme. Im Kästchen befindet sich eine Silberkette, die einen bemerkenswerten Anhänger aufweist: einen schwarzen Sternstein. In ihrer Kammer entdeckt Lärka im doppelten Boden des Kästchens ein Geheimfach und darin ein Pergament. Aber sie hat nie lesen lernen dürfen und muss erst noch jemanden finden, der ihr die schwarzen Zeichen auf dem Dokument deutet.

In dieser Nacht hat Lärka den ersten von mehreren Träumen, die ihren Geist auf eine Reise mitnehmen. Darin sieht sie einen traurigen Kranich, einen sorgenvollen Steinbock und einen stolzen, unruhigen Adler – dies sind ihr Vater mit Valgrim und Arild. Erstaunlich, dass sie die Gedanken dieser Menschen sehen und lesen kann. Aber sie verrät keinem, dass sie diesen Traum gehabt hat, der ihr durchaus ein wenig Angst einjagt. In einem zweiten Traum fliegt ihr Geist übers Eis, bis er zu Hirten an einem Bach gelangt. Hier verwandelt sich ein Stein zu einem Schwert, Ritter erscheinen und ein Heer. Lärka fragt sich, ob sie das Zweite Gesicht hat und ob es an der Silberkette ihrer Mutter liegt.

|Nach Norden|

Am nächsten Tag ziehen Valgrim und Arild mit Lärka und Jörn Richtung Norden nach Osgund, damit Lärka bei ihrer Tante Rudlindis, Audhilds Schwester, einmal andere Leute kennenlernt und etwas über das harte Leben in den Bergen erfährt. Ein Quacksalber namens Bolverk schließt sich ihnen ebenso an wie zwei Krieger aus dem Volk Feodras‘, die sich Olvir und Daryn nennen. Daryn trägt ein bemerkenswertes Amulett, das einen Adler mit einem Blitzbündel in den Klauen zeigt.

Als Arild beim Schwimmen im Fluss verunglückt und unauffindbar ist, gelingt es nur Lärka mit ihrer Geistsuche, den Verschollenen ausfindig zu machen. Sie vertraut sich nur ihrem Vetter Jörn an, und er muss lügen, er habe eine Art Eingebung gehabt. Niemand soll etwas von Lärkas besonderen Kräften erfahren, bevor sie nicht selbst darüber mehr weiß. Der wiedergefundene Arild ist verletzt und muss genesen. Lärka ist froh, ihn gerettet zu haben.

Am nächsten Morgen gelingt es Lärka, die Feodriner Ritter in ihrer Diskussion mit Arild, Valgrim und Bolverk zu belauschen. Sie drängen Arild, sich als König zu erkennen zu geben, denn er habe schließlich DEN STEIN gefunden, das Herz der Berge. Arild weigert sich standhaft gegen Valgrims Drängen, den thronräuberischen König von Osgund herauszufordern und den geraubten Herzstein wieder an sich zu nehmen. Lärka rätselt über diese Ausdrücke, aber ihr ist jetzt klar, dass es mit dem jungen Arild eine besondere Bewandtnis haben muss. Ist ihr Schicksal mit seinem verknüpft?

|Im Blutwald|

Sie reiten gemächlich weiter, bis sie in die Ebene vor Osgund gelangen, von wo aus sie den ersten Blick auf das Panorama der Frostberge werfen können. Da ist der hohe Goldfang, dort die Zehn Brüder und schließlich droht neben ihnen der finstere Grimhorn. Unter den Zehn Brüdern liegt der Blutwald, in den sich seit vielen Jahren kein sterblicher Mensch mehr gewagt hat – ein tödlicher „Zauberwald“, raunt Bolverk. Lärka erinnert sich an Onkel Tiernan, den Bruder ihrer Mutter Audhild, der eines Tages verschwand. Kam er hier um?

Ein Braunbär versetzt das Packpferd in Panik, so dass es davonläuft. Darauf ist Lärkas Festkleid und darin eingenäht ihre Silberkette! Nichts kann sie davon abhalten, dem Packpferd zu folgen, selbst dann nicht, als es in den Blutwald rennt. Bis das dumme Pferd stürzt und sich verletzt. Lärka findet ihren Schatz und ist erleichtert, doch als sie aufschaut, befindet sie sich mitten im unheimlichen Dämonenwald. Alles hier ist eklig und tot.

Arild, der Lärka gefolgt ist, findet den Weg ebenfalls nicht mehr heraus. Sie reiten im Kreis und stoßen wieder auf das sterbende Pferd. Sie müssen offensichtlich die Nacht hier verbringen. Hier fand einst eine Schlacht statt, in der viele Krieger starben, erzählt Arild. Die Leichen der „Baumgeborenen“ wurden aufgespießt und an die Bäume gehängt, die seitdem verflucht sind.

Es wird eine Nacht voller Schrecken. Doch da holt Arild einen Mondstein aus seiner Tasche. Ein Lichtlein in der Dunkelheit, und in Lärka erwachen die Träume …

_Mein Eindruck_

Dies ist der vielversprechende Auftakt zu einem Zyklus um Lärka, die Seherin, die einen künftigen König liebt und heiraten wird. Das besondere Merkmal der Geschichte liegt im Thema des Exils und der Enteignung. Die Welt ist für Lärka und Arild falsch und sie unternehmen alles, um sie wieder ins Lot zu bringen. Lärka ist bei den Geestländern fern von Osgund aufgewachsen und kehrt nun zumindest geografisch an den Ursprung der mütterlichen Sippe zurück – und zu den Wurzeln ihrer magischen Kräfte.

Arild hingegen hat viel mit Aragorn gemeinsam, den die Autorin wohl auch ziemlich sexy findet. Wie Aragorn lebt der Königssohn im Exil und hat seinem rechtmäßigen Thron entsagt, auf dem ein Thronräuber namens Hakon sitzt. Doch die Feodriner wie Arild sind durch eine besondere Magie mit dem Land und den Bergen verbunden. Sie herrschen über den Herzstein und sorgen so für den Frieden mit den drohend aufragenden Bergen rings um Osgund. Doch seitdem der Ursurpator in der Festung von Osgund sitzt, hat der Berg namens Grimhorn seinen böswilligen Einfluss ausgebreitet und das Bergplateau ringsum mit Staub und Asche überzogen.

Die Steinmagie durchdringt das Buch – keine üble Idee, denn sie lässt sich durchaus anschaulich und überzeugend umsetzen. So gelangen Arild & Co. auf ihrer Flucht vor Hakons Häschern in das Dorf von Corydon, in dem Menschen zunehmend zu versteinern drohen. Sie sind umgeben von Steinstaub, kennen weder Sonnenschein noch frische Luft noch Lachen. Eine wahrlich traurige Gemeinde. Die überdies noch gefährlich ist, als sich herausstellt, dass die Feodriner dort selbst durch Grimhorns Macht zu Stein verwandelt werden können. Es dürfte klar sein, dass die Versteinerung von Menschen symbolisch zu verstehen ist und sich auf Gefühle bezieht.

Doch die Steinmagie hat noch weitere Konsequenzen und Erscheinungsformen. So gibt es beispielsweise Himmelssteine, von deren Splittern Lärka selbst einen in ihrer Silberkette trägt. Der Himmelsstein fiel vom Himmel, es handelt sich also um einen Meteoriten. Kein Wunder, dass sie Träume hat, in denen ihr Geist auf Reisen geht und sie Visionen wie aus Galadriels Spiegel erhält. (In SF-Romanen werden dazu immer Monitore und Hologramme benötigt – ist in der Fantasy völlig unnötig, weil die Projektionsfläche sich im Kopf des Betrachters befindet.) Wie auch immer: Himmelssteine sind mit dem Herzstein verbunden. Nur geübte Seher können die Träume steuern, doch Lärka hat in dieser Hinsicht noch viele Lehrjahre vor sich.

Die oberste Lehrherrin ist Althea, die Ahnin, die jenseits von Corydons Dorf in den Höhlen der Berge lebt. Hier hat die Ahnin ihre Jüngerinnen um sich versammelt, ein Frauenorden, der gelinde an Frank Herberts Bene Gesserit erinnert. Auch aus dem Grunde, dass die geistigen Inhalt der verstorbenen Ordensmitglieder nicht verloren gehen, sondern im Geist der Ahnin gespeichert werden. Diese verfügt über besondere Lebenskräfte und ist potentiell unsterblich. (Man erinnere sich an [„DUNE“: 1662 Dort überträgt die Bene-Gesserit-Mutter Ramallo ihren Geist an Lady Jessica Atreides, und zwar in jener Zeremonie, bei der das „Wasser des Lebens“ eingesetzt wird.)

Diese Geistesübertragung und -bewahrung hat für Lärka eine erstaunliche Konsequenz: Ihre Mutter Audhild meldet sich aus der Vergangenheit, denn auch Audhild war eine Angehörige dieses Ordens (der offenbar kein Keuschheitsgelübde kennt). Und zusammen mit dem Pergament, das endlich von einer Gelehrten namens Melva entziffert wird, erkennt Lärka, in welcher Tradition des Blutes und des Geistes sie ihren Platz finden kann. Diese Einordnung in die Welt ist der wesentlichste Aspekt für jedes Jugendbuch.

Allerdings befindet sich Arild immer noch im Exil, und als er sie zu seiner Geliebten und Verbündeten macht, muss sie an seinem Widerstandskampf gegen den Thronräuber teilnehmen. Erst wenn die Festung von Osgund gestürmt ist und der Gerzstein wieder in den rechtmäßigen liegt, wird die Welt wieder so sein, wie es die Tradition der Feodriner und der Ahnin vorsieht. Dieser Kampf, der sowohl mit Waffen aus Stahl wie auch denen des Geistes ausgefochten wird, muss jedoch in einem weiteren Band erzählt werden.

Der Roman bietet besonders für Leserinnen zahlreiche Identitifikationsmöglichkeiten: mit der jungen Lärka, mit der alten Ahnin, mit Audhild und vielen anderen. Auch Jungs bekommen ein paar Kämpfe geboten, denn was wäre ein Widerstandskampf wie dieser ohne ein paar ordentliche Kämpfe? Arild hat eine magische Fähigkeit, die hier aber nicht verraten werden soll. Und wenn er sich mit Lärka und den magischen „Wolkenfürsten“ zusammentut, so kann er es sogar mit dem boshaften Grimhorn aufnehmen und dessen Einfluss zurückdrängen.

Diese „Wolkenfürsten“ allerdings erinnern an nichts so sehr wie an chinesische Magier, die durch die Lüfte sausen, oder an frühmittelalterliche Engel, die dem Bedürftigen in Not erscheinen, um ihm Rat zu geben. Das ist keine sonderlich gute Konstruktion, die der Autorin hier einfiel. Die bildhaften Assoziationen sind allzu sehr an die mittelalterliche Bildsprache geknüpft und somit historisch vorbelastet. Tolkien hätte sie rundweg als „Allegorien“ in Grund und Boden verdammt. Sei’s drum, es ist schließlich nicht mein Roman.

|Die Sprecherin|

Tanja Geke lässt die sanfte Stimme von Scarlett Johannson erklingen. Das macht das Zuhören für einen männlichen Hörer fast schon zu einem sinnlichen Vergnügen, und für weibliche Hörer mag sie die angemessene Stimme sein, um die Gedanken und Empfindungen der Hauptfigur Lärka wiederzugeben.

Allerdings tut sich die Sprecherin etwas schwer mit tiefen männlichen Stimmen. Bolverk beispielsweise klingt nur unwesentlich tiefer als etwa der junge Arild und Lärka nur unmerklich höher als Arild. Etwas mehr liegt ihr der Ausdruck von Gefühlen in bestimmten Situationen, so etwa Strenge, Ängstlichkeit, Zorn, stockendes und zaghaftes Sprechen und dergleichen. Am natürlichsten klingen stets die Frauenstimmen, besonders die von älteren Frauen wie der Ahnin. Dass die Stimme eines Wolkenfürsten mit ordentlich Hall unterlegt ist, finde ich nur angemessen, schließlich soll es sich um ein majestätisches, himmlisches Wesen handeln.

|Der richtige Atem|

Jeder Sprecher muss eine Ausbildung gehabt haben, um nicht nur die richtige Intonierung von Sätzen und die hochdeutsche Aussprache zu erlernen, sondern vor allem auch die Atemtechnik zu beherrschen. Manche Sätze sind ja mitunter recht lang, und es wäre ein Unding, mittendrin abzusetzen und wieder anzufangen, wenn die Unterbrechung nicht sinnvoll für den Inhalt ist.

Um die optimale Atemtechnik ist es zwar bei Geke recht gut bestellt, doch ich konnte mich nicht mit ihrer Eigenart anfreunden, vor jedem Satz erst einmal hörbar tief Luft zu holen. Das ist zwar nötig, doch sollte man es nicht in der Aufnahme hören. Bei anderen Profisprechern wie Kerzel, Glaubrecht oder Pigulla sind solche Atemgeräusche kaum je zu hören. Offensichtlich hat die Aufnahmeleitung es unterlassen, dieses Geräusch herauszuschneiden. Vielleicht glaubte Lars Ullrich, das Atemgeräusch würde bei einem Hörbuch für Jugendliche nicht stören. Das tut es aber.

|Geräusche|

Zu meinem nicht geringen Vergnügen wurden dem Vortrag eine ganze Reihe verschiedenster Geräusche beigemischt. Wiederholt poltern Steine herab, Geröll prasselt, und ein Rauschen wie von einem Bergbach ist zu hören. In Actionszenen ist Schwerterklirren im Hintergrund zu vernehmen, und ab und zu Stimmengewirr und Pferdewiehern. Die Geräusche sind höchst dezent eingesetzt und haben nichts mit der detaillierten Ausarbeitung zu tun, die man von einem dramatisch ausgestalteten Hörspiel erwartet. Seltsamerweise fehlen aber Geräusche von Windbewegungen, wie man sie mit einem Mann assoziieren würde, der den Wolken nachschaut, um deren Botschaften zu lesen.

|Die Musik|

Nach dem |Wellenreiter|-Reihen-Jingle erklingt die Intro-Musik, die aus einer Drum-Linie mit darübergelegten Synthi-Streichern besteht, die eine relativ romantische Kadenz spielen. Das Ganze ist natürlich ziemlich nichtssagend, aber es soll ja auch bloß die Stimmung andeuten. Im Outro wiederholt sich dieses musikalische Motiv. Die Hintergrundmusik, die bestimmte bedeutsame Szenen unterlegt, steuert die Emotionen des Hörers.

|Das „Booklet“|

In die Einstecktaschen der Verpackung hat der Verlag die Familienbeziehungen der verschiedenen Gruppen gedruckt, so etwa die der Feodriner, der Leute von Osgund und die der Leute aus Ribehof. Ob diese ausformulierten Familienbeziehungen hilfreich sind, wage ich zu bezweifeln. Manchmal ist ein Stammbaum eben anschaulicher.

_Unterm Strich_

„Die Hüter der Wolken“ bietet eine eigenständige Welt mit den Magien von Stein und Pflanze, erinnert streckenweise aber auch an den [„Herrn der Ringe“. 1330 Die Story liefert jungen Leserinnen zahlreiche schöne Szenen, ganz besonders mit dem feschen Exilkönig Arild, der große Ähnlichkeit mit Aragorn aufweist. (Einen Legolas-Ersatz sucht man vergeblich.) Die Fantasyszenen wechseln sich mit Action und mit Einblicken in die detailliert beschriebene Vorgeschichte ab.

Durch Einsatz ihrer Magie gelangt die jugendliche Heldin zunehmend in den Mittelpunkt einer ihr bis dato verschlossenen Welt, in der sie an der Seite der dortigen Hauptperson, eben Arild, eine Schlüsselrolle einnehmen darf. Das dürfte für jede Leserin eine ziemlich befriedigende Erfahrung sein, wünscht sich doch jede(r) Jugendliche, ihren Ort in der Welt zu finden und dort eine Aufgabe zu erhalten, die ihr oder sein Leben wert ist.

Zudem ist Lärka total in Arild verliebt, obwohl sie es nie zugeben würde. Dass die beiden am Schluss zueinander finden – er hat natürlich ihr den Antrag zu machen -, erfüllt sämtliche Wünsche von Romantikerinnen. Wer sich mit Lärka identifiziert, darf hier also gerne einmal die Arwen Abendstern spielen.

Die Schwäche des Buches liegt in der unzureichenden Charakterisierung von Lärka und Arild. Sie sind noch zu sehr Projektionsflächen für die Wünsche der Leserinnen, um ein Eigenleben entwickeln zu können, und wirken wie Erfüllungsgehilfen für die Fantasien der Autorin. Dieser Eindruck mag zwar von der Kürzung für das Hörbuch herrühren, wurde aber auch schon von einer Leserin des ungekürzten Buches negativ vermerkt. Hieran sollte die Autorin noch arbeiten.

|Das Hörbuch|

Das Hörbuch wurde mit Geräuschen ausgestattet, was der Vorstellungswelt des jungen Zuhörers sicherlich entgegenkommt und seine bzw. ihre Vorstellungskraft unterstützt. Musik gibt es im Hintergrund sowie an Anfang und Ende. Ob die in die Verpackung gedruckten Familienbeziehungen hilfreich sind, wage ich zu bezweifeln. Manchmal ist ein Stammbaum anschaulicher. Die Sprecherin bemüht sich um einen einfühlsamen und vielseitigen Vortrag, doch ihre Ausdrucksfähigkeit ist begrenzt. Besonders hat mich ihr Atemgeräusch gestört.

|315 Minuten auf 4 CDs|
http://www.wellenreiter.la

Willkommen


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Indridason, Arnaldur – Kältezone (Lesung)

_Opfer des Kalten Kriegs: Der tote Spion im See_

Ein Toter wird im Kleifarsee bei der isländischen Hauptstadt Reykjavik entdeckt. Nach einem Erdbeben hatte sich der Wasserspiegel gesenkt und ein menschliches Skelett sichtbar werden lassen. Es ist an ein russisches Sendegerät aus dem Jahr 1961 angekettet. Dass es Mord war, belegt ein Loch in der Schläfe des Schädels. Wer ist der Mann?

Kommissar Erlendur Sveinssons Ermittlungen führen ihn in längst vergangene Zeiten von vor 30 und 40 Jahren. Isländer, die von einer gerechteren und besseren, sprich: sozialistischen Welt träumten, gingen in den fünfziger Jahren oft zum Studium in die ehemalige DDR. Einer von ihnen gerät unter Verdacht.

_Der Autor_

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman „Nordermoor“ hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell!

_Der Sprecher_

Frank Glaubrecht ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht beispielsweise so bekannten Filmstars wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere seine markante Stimme. Er hat u.a. Indriðasons Hörbücher „Nordermoor“ und „Engelsstimme“ gelesen.

Der Romantext wurde von Sabine Bode gekürzt. Für Regie und Produktion zeichnete Marc Sieper verantwortlich. Die akustischen Motive an Anfang und Schluss des Hörbuchs stammen von Michael Marianetti.

_Handlung_

Es ist Mai, als nach einem Erdbeben der Kleifarvatn-See trockenfällt und eine Spaziergängerin darin ein Skelett findet. Die Knochen sind an ein altes russisches Sendegerät aus dem Kalten Krieg gekettet. Ein klarer Hinweis auf Mord. Kommissar Erlendur Sveinsson und sein Assistent Sigurdur Oli werden eingeschaltet. Erlendur lässt Vermisste aus dem Zeitraum zwischen 1965 und 1975 suchen. Bei den Eltern eines der Vermissten aus dem Jahr 1970 liest Oli Briefe: Ist ihr Sohn Jakob der Tote aus dem See?

Oli findet heraus, dass in jenem See mehrmals Abhörsender aus Russland gefunden worden waren. Sie hatten eine Reichweite, mit der Spione den Funkverkehr des amerikanischen Luftwaffenstützpunktes in Keflavik nahe der Hauptstadt Reykjavik belauschen konnten. Da meldet eine siebzigjährige Frau, dass ihr Verlobter vor 30 Jahren verschwand. Er war Vertreter für Baumaschinen und kam daher ganz schön was rum. Die Maschinen stammten allesamt aus der DDR und der Sowjetunion. Eines Tages erschien er nicht mehr bei einem Kunden und verschwand spurlos.

Dieser Hinweis führt zu den Russen. Der Sekretär der Botschaft jedoch gibt sich freundlich, aber völlig ahnungslos. Dabei war Island ein lohnendes Ziel für sowjetische Agenten: Überall auf der Insel hielten sich Amerikaner auf. Erlendur folgt der Spur des Ford Falcon, den der verschwundene Baumaschinenvertreter unter falschem Namen gefahren hatte. Er besucht den letzten Kunden dieses „Leopolds“, bei dem er angeblich nie auftauchte: den mittlerweile 84-jährigen Bauern Haraldur. Der redet unwirsch und abweisend, gibt aber zu, „Leopold“ vor 30 Jahren in der Hauptstadt getroffen zu haben.

Endlich meldet sich auch die amerikanische Botschaft: Etwa 1967 kam ein DDR-Vertreter nach Island, verließ es aber nicht wieder, sondern verschwand im Herbst 1968 spurlos. Der Mann nannte sich Lothar Weiser, geboren in Bonn, lange Zeit wohnhaft in Leipzig, DDR. Bei der deutschen Botschaft erfahren Erlendur und Oli, dass Weiser ein Stasi-Mann war, der 1953 bis 1958 in Leipzig zwecks Observierung der Ausländer arbeitete. Dazu gehörten auch Isländer. Und „Leopolds“ Chef Benedikt Jonsson erklärt, die Baumaschinenhersteller aus der DDR hätten ihn praktisch erpresst, den Mann schwarz einzustellen. Dieser „Leopold“ rekrutierte Leute für die Stasi auf Island, damit sie die Amis abhörten. War Lothar Weiser also „Leopold“? Das ist nicht sicher.

Jetzt sieht Erlendur einigermaßen klar. Aber wer ist der Mörder Lothar Weisers – falls dieser das Skelett im See ist? War es ein Mann aus seiner Vergangenheit oder jemand aus Island? Wird der Täter erneut zuschlagen?

Höchste Zeit, dem alten Haraldur noch mal einen Besuch abzustatten …

_Mein Eindruck_

Meine Inhaltsangabe enthält nur die eine Hälfte des Romans, sozusagen den Krimi an sich. Die andere Hälfte besteht aus einem Handlungsstrang, der 45 Jahre vorher einsetzt, im Jahr 1953. Damals geht der isländische Jungsozialist Thomas nach Leipzig, um dort Ingenieurswissenschaften in einem aufstrebenden sozialistischen Staat zu studieren. Aber als er 1956 zurückkehrt, ist er total verändert und verkriecht sich als gebrochener Mann ohne Hoffnung in seinem Haus. Erst 1998, als der Tote im See gefunden worden ist, beginnt er mit der Niederschrift seiner Erlebnisse in Leipzig. Und dieses Manuskript bildet die andere Hälfte des Romans.

In der Schilderung dieser Erlebnisse legt der Autor eine große Detailkenntnis an den Tag. In der Porträtierung der einzelnen Vertreter der verschiedenen Interessensgruppen an der Universität Leipzig lässt sich die sorgfältige Recherche und der Realitätssinn des Autors ablesen. Thomas, der Ausländer, verliebt sich in eine andere Ausländerin, Ilona aus Ungarn. Obwohl sich das Misstrauen gegen die aufmüpfigen Ungarn, deren Aufstand ja 1956 blutig niedergewalzt wurde, auch in Leipzig bemerkbar macht, verschließt der verliebte Thomas die Augen vor der Realität. Er vertraut den falschen Leuten. Und selbst dann noch, als die Stasi zuschlägt und Ilona spurlos verschwinden lässt, kann er nicht glauben, dass ein „sozialistisches Bruderland“ zu so etwas fähig sein könnte.

Man sollte meinen, dass 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Stasi-Archive Ilonas Spur verfolgbar sein müsste. Dem ist nicht so, wie Thomas bitter feststellen muss. Die Geheimdienste haben 1956 zu gründliche Arbeit geleistet. Wahrscheinlich wurde sie, gebrochen von Folter und Misshandlung, irgendwo in einem Internierungslager zwischen der DDR und der Sowjetunion verscharrt.

Aber wer waren die Verräter? Thomas muss es unbedingt wissen, bevor seine Seele Ruhe finden kann. Und er folgt dem Weg bis zum bitteren Ende. Dort erkennt er, dass er nie einen Freund in Leipzig hatte. Als die Kripo 1998 in sein Haus eindringt, ist er froh, sich erlösen zu können. Denn das Manuskript seiner Geschichte ist nun fertig. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Isländern, die ihr Glück im Ostblock suchten.

Man sieht also, dass der reinen Krimihandlung eine ergreifende Geschichte zugrunde liegt, ja, dass der Krimi im Grunde nur eine Fußnote darstellt, in der die losen Fäden zusammengeführt werden. Deshalb hat der Autor noch einmal die persönliche Seite seines Kommissars hervorgehoben. Erlendur ist schon lange geschieden, doch seine Tochter hat wieder Kontakt zu ihm, und nun taucht auch noch sein Sohn Sindri bei ihm auf. Wieder werden alte Geschichten aufgewärmt und neu eingeordnet. Das bringt aber dramaturgisch gesehen nichts Neues.

_Der Sprecher_

Frank Glaubrechts sonore Stimme – man stelle sich den Klang von Al Pacino in „The Insider“ vor – trägt die Geschichte, die Indriðason spinnt, ausgezeichnet und ohne je die für die Geschichte und den Ermittler notwendige Autorität und Ruhe zu verlieren. Dennoch entwickelt sein Vortrag zusammen mit der Handlung eine tiefere psychologische Dimension, die sich in der zunehmenden Emotionalität in Glaubrechts Stimme äußert – ein gewisses zusätzliches Vibrato, das ich vernommen zu haben glaube. Das wird besonders dann hörbar, als Thomas verzweifelt nach der verschwundenen Ilona sucht und zum ersten Mal auch die Leipziger Stasi-Zentrale von innen sieht: die Stahltüren, die abgewrackten Beamten, das penetrante Misstrauen und die Arroganz der Macht. Da läuft es einem kalt den Rücken runter.

_Unterm Strich_

Dass Island ein Brennpunkt des Kalten Krieges war, hätte ich nicht erwartet, obwohl es doch die Logik nahe legt: Hier eine Luftwaffenstützpunkt der Amis, dort, nur wenige Kilometer entfernt, die Russen in Murmansk in der Arktis. Es war eine Atmosphäre der gegenseitigen Bespitzelung und des Misstrauens. Dies ist die negative Seite des Sozialismus, den die Isländer kennen lernten.

Dabei gab es offenbar 1953 allen Anlass, den Sozialismus von seiner positiven Seite kennen zu lernen: offene Universitäten, preisgünstige Agrarmaschinen, Knowhow-Transfer. Diese Seite wollte Thomas, die Hauptfigur des zweiten Erzählstrangs, kennen lernen und nutzen. Doch der Traum wurde zum Albtraum, der nie zu enden schien. Dann aber bekam er Hinweise auf DDR-Spione auf Island – eine neue Chance, mit den alten Geschichten reinen Tisch zu machen. Hier findet die Handlung zu einem abschließenden Finale voller Spannung und unerwarteter Enthüllungen.

Kommissar Sveinsson wird quasi zum Nachlassverwalter dieses Dramas, das aus dem Kalten Krieg erwuchs und etliche Opfer forderte. Aber als praktisch denkender Gemütsmensch sieht er auch die positive Seite des abgeschlossenen Kapitels: Er kauft den Ford Falcon, den jener verschwundene „Leopold“ zurückgelassen hatte.

|Originaltitel: Kleifarvatn, 2004
251 Minuten auf 4 CDs
Aus dem Isländischen übersetzt von Coletta Bürling|

Werner Köhler – Das Mädchen vom Wehr (Lesung)

Aufregender Köln-Krimi

Jerry Crinelli, Hauptkommissar bei der Mordkommission in Köln, zieht mit seiner Frau ins Bergische Land. Kurz nach seinem Umzug findet man am Wehr die Leiche eines Mädchens. Crinelli entdeckt bald, dass sich dahinter mehr verbirgt: Menschenhandel, Schleuserbanden und korrupte Polizisten.

Je mehr er alles durchschaut, je näher er dem Mörder kommt, desto mehr vermischt sich das Schicksal seiner Familie mit dem Mordfall. Der Preis, den er am Ende zahlen wird, um den Mörder zu finden, ist hoch. (Verlagsinfo)

Der Autor
Werner Köhler – Das Mädchen vom Wehr (Lesung) weiterlesen

Philip Ardagh – Schlechte Nachrichten (Eddie Dickens 3)

Diese Geschichte ist der dritte und damit leider schon letzte Teil der Eddie-Dickens-Trilogie, die in „Schlimmes Ende“ ihren schlimmen Anfang nahm und in „Furcht erregende Darbietungen“ so grässlich fortgesetzt wurde. Klarer Fall: Wir sollten uns auf das Schlimmste gefasst machen!

Das drei CDs umfassende Hörbuch dauert 215 Minuten, also etwa dreieinhalb Stunden. Altersempfehlung des Verlags: ab 10 Jahren.

Der Autor
Philip Ardagh – Schlechte Nachrichten (Eddie Dickens 3) weiterlesen

Edwards, Blake / Rohrbeck, Oliver – Richard Diamond, Privatdetektiv: Fall 1 & 2

_L. A. Confidential lässt grüßen_

Die amerikanische Radio-Krimiserie der 1950er Jahre aus der Feder von Blake Edwards („Der rosarote Panther“) wird von der |Lauscherlounge| wieder zum Leben erweckt und mit bekannten Stimmen als Hörspiel vertont – den Stimmen von George Clooney, Ben Stiller und Reese Witherspoon.

Der smarte New Yorker Privatdetektiv Richard Diamond gerät in seinen abenteuerlichen Fällen an fiese Verbrecher, mysteriöse Mörder und verführerische Frauen. Aber er kehrt immer wieder zu seiner geliebten Helen zurück.

1. Staffel (Dezember 2007):
Fall 1: Die schwarze Puppe
Fall 2: Der braune Umschlag
Fall 3: Der Fall Ed Lloyd
Fall 4: Der Mordauftrag
Fall 5: Der Mord am Barbier
Fall 6: Der Gibson-Fall

2. Staffel (Juli 2008):
Fall 7: Die rote Rose
Fall 8: Der Karussell-Fall
Fall 9: Der graue Mann
Fall 10: Gute Nacht, Nocturen
Fall 11: Der Nachtclub-Fall
Fall 12: Mr. Walkers Problem

_Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher|

Richard Diamond: Tobias Kluckert (dt. Stimme von Tyrese Gibson, Adam Baldwin in „Firefly“)
Helen Asher: Ranja Bonalana (dt. Stimme von Julia Stiles, Renée Zellweger, Reese Witherspoon)
Lt. Walt Levinson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney, Bill Pullman, Robert ‚Freddy Krueger‘ Englund)
Sgt. Frazer: Oliver Rohrbeck (dt. Stimme von Ben Stiller, Michael Rapaport)
Sowie Thomas-Nero Wolff (Hugh Jackman, Jason Statham), Rainer Fritzsche, Melanie Pukaß (Helena Bonham Carter, Halle Berry), Andreas Müller und Andreas Hosang.

Regie führte Oliver Rohrbeck, die Musik komponierte Dirk Wilhelm, für Sounds/Mischung/Mastering war Tommi Schneefuß zuständig, die Geräusche trug Jörg Klinkenberg bei, die Aufnahme erfolgte im Hörspielstudio |Xberg|.

Mehr Info: http://www.lauscherlounge.de.

_Der Fall 1: Die schwarze Puppe_

Rick hat gerade ein telefonisches Techtelmechtel mit seiner Freundin Helen Asher, als ein verängstigter Mann eintritt, der behauptet, er sei in Gefahr. Rick legt auf, der Mann stellt sich als Ed Wilkens vor. Er hat bis vor kurzem in einer Schießbude des Vergnügungsparks Coney Island gearbeitet. Doch weil er einem Polizisten in Zivil, der am Stand gewann, eine bestimmte schwarze Puppe als Preis gab, habe ihn sein Boss Bart gefeuert. Die Puppe stellt bloß einen schwarzafrikanischen Krieger mit Schwert dar. Vielleicht war da etwas drin. Als Wilkens allerdings kein Geld anbieten kann, lehnt Rick den Auftrag, ihn zu beschützen, ab.

Als Rick zu seinem alten Arbeitsplatz, der Polizeiwache des fünften New Yorker Bezirks, geht, um seinen früheren Kollegen Lt. Walt Levinson davon zu informieren, wird der Tod eines Mannes gemeldet, der als Ed Wilkens angesehen wird. Bevor er mit Levinson die Wache verlässt, schnappt sich Rick ein Beweisstück: den Teil einer Eintrittskarte für Coney Island, die bei der Leiche des Polizisten Jimmy Madigan gefunden wurde, dessen Leiche man an der Uferpromenade fand. Madigan war genau jener Cop, dem Wilkens die schwarze Puppe gab.

Als man bei der Leiche von Wilkens die Visitenkarte von Rick findet, merkt Lt. Levinson erst, dass eine Verbindung zwischen dem Toten zu Rick Diamond besteht. Rick aber bezweifelt, dass es sich bei der Leiche mit dem unkenntlich gemachten Gesicht wirklich um Wilkens handelt. Doch Aufklärung kann nur ein Besuch auf Coney Island bringen. Dort stößt er auf die Spur einer Schieberbande …

|Mein Eindruck|

Die Episode, die diese Staffel eröffnet, ist voller Leichen, Action und Überraschungen. Sie bietet einen feinen Showdown auf Coney Island, bei dem Rick seinen alten Kollegen Walt vor einer Verletzung oder Schlimmerem bewahrt. Außerdem liebt es Rick, Walt und dessen Kollegen Frazer auf den Arm zu nehmen. Mit dringenden Informationen rückt er erst dann heraus, wenn es unbedingt nötig oder unvermeidbar ist. Auf diese Weise macht er sich zu einem geduldeten, wenn nicht sogar erwünschten Mitarbeiter der Kollegen in blauer Uniform. Allerdings erfahren wir nicht, warum er überhaupt das Fach gewechselt hat, obwohl es ihm doch nun als Privatdetektiv finanziell viel schlechter geht.

Wie so oft eröffnet ein auditives Techtelmechtel mit seiner Freundin Helen Asher das Hörspiel, und wenn Rick heimkehrt, erwartet sie ihn oder er sie mit einer Überraschung. Diesmal tritt er selbst als Schaubudenbesitzer auf. Weil sie daraufhin schmollt, muss er durch ein Lied ihre Gunst wiedererlangen. Klingt nach einem Ritter und seiner holden Minne.

_Der Fall 2: Der braune Umschlag_

Wieder mal stören die sich geräuschvoll liebenden Nachbarn die Konzentration von Rick Diamond, und als auch noch Helen mit ihm am Telefon Süßholz zu raspeln beginnt, ist es mit der Konzentration ganz aus. Obendrein ist er in einen Unfall geraten und musste sein Auto in die Werkstatt geben. Als er dort anruft, stutzt er: Er soll jemanden geschickt haben, etwas abzuholen?

Da tritt ein bewaffneter Kerl in Ricks Büro und erschießt ohne Umschweife Ricks verlässlichen Papierkorb. Ist das vielleicht ein ziviler Auftritt? „Wo ist es?“, fragt der Kerl bloß. Er will „den braunen Umschlag“. Doch Rick wehrt sich tapfer und lässt Lt. Walt Levinson die Leiche abholen. Der identifiziert die Leiche als Paul Scanell, mehrfach vorbestraft, schwerer Junge. Wie konnte Rick an den geraten?

Da erinnert sich Rick an den Unfall. In dem anderen Wagen saßen ein Mann und eine Frau, die sich als Dora Markham vorstellte – garantiert ein falscher Name – und am Steuer sitzend den Unfall verursacht hatte. Die Passanten wollten ihnen helfen und warfen die verstreuten Gegenstände, die auf die Straße gefallen waren, einfach wieder in die Wagen. Dabei könnte der braune Umschlag an ihn gelangt sein. Vielleicht steckt er nun in seiner Aktentasche? Doch darin findet sich nichts, was einem braunen Umschlag auch nur ähnlich sähe.

Sgt. Frazer ruft an, es ist für Levinson. Er meldet, dass eine Spedition ausgeraubt und um 600.000 Dollar erleichtert worden sei. Das Fluchtauto sei gefunden worden. Als Levinson weg ist, klingelt Ricks Telefon, aber es meldet sich niemand. Kein gutes Zeichen. Er findet in einem Seitenfach seiner Aktentasche den braunen Umschlag. Darin ist ein Gepäckschein, und auf der Rückseite steht „Blaue Ente“. Klingt wie der Name eines Nachtklubs.

Da tritt eine Frau in Ricks Büro, die ihm eine Knarre unter die Nase hält und ebenfalls den braunen Umschlag fordert – und ihn nun findet. Dora Markham, vermutet Rick. Er soll Mantel und Hose ausziehen, befiehlt sie. Protestierend gehorcht er, dann demoliert sie sein Telefon und geht. Nun hockt er da, ohne Hosen, und kann weder sein Büro verlassen noch jemanden anrufen, der ihm seine Hose bringt.

Er muss lange warten, bis sich jemand seiner erbarmt. Es ist Levinson. Nachdem dieser seinen Lachanfall überwunden und Frazer die Hose wiederbeschafft hat, folgen sie der Spur der blauen Ente …

|Mein Eindruck|

Diesmal gerät Rick schwer in die Bredouille, allerdings nur in eine der Etikette. Würde man ihn festnehmen, wenn er in blauen Seidenunterhosen auf der Straße einen Marathon liefe? Wahrscheinlich schon, lautet die niederschmetternde Antwort seines Gewissens. Er hat Glück, dass „Dora Markham“ sich Mühe gegeben hat, die Kleider bei der nächsten Wäscherei zu entsorgen. So viel Rücksichtnahme würde man heute auch von den Verbrechern wünschen, aber ich fürchte, das wird ein frommer Wunsch bleiben.

Zurück zur Sache: Das Finale besteht aus einem handfesten Shootout in der „Blauen Ente“, der an Härte nichts zu wünschen übrig lässt. Und als sich auch noch die fette Beute einfindet, ist alles in Butter. Allerdings muss Rick wieder eine von Helens zärtlichen Nötigungen über sich ergehen lassen. Er schmettert Caruso, aber ob er sie dann auch heiratet, bleibt ein Geheimnis, das nur die ständig miauende Katze kennt. Und die verrät nichts.

_Die Inszenierung_

Es ist schon unterhaltsam, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Reese Witherspoon, Ben Stiller und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Tobias Kluckert, 1972 geboren, ist Schauspieler und Synchronsprecher. Er lieh u. a. Joaquin Phoenix als Johnny Cash in dem Film „Walk the Line“ seine Stimme, ist aber auch die deutsche Synchronstimme von Colin Farrell in „The New World“, von 50 Cent in „Get rich or die tryin'“ und Brian Krause als Leo in „Charmed“.

Kluckert trägt mit seiner Darstellung der Hauptfigur das ganze Hörspiel und macht Diamond zu einem sympathischen Burschen, der tagsüber für Recht und Ordnung sorgt und – meistens, nicht immer – abends zu seiner Herzensdame zurückkehrt. Er will immer cool erscheinen, doch seine Aktionen sprechen eher dafür, dass er seinem Herzen gehorcht, so etwa, als er den Mord an seinem Lieblingsfriseur aufklärt.

Ranja Bonalana, die deutsche Stimme von Reese Witherspoon, spricht Helen Asher und somit zwar eine Nebenfigur, aber eine feste Konstante in der Besetzung. Die Wortgeplänkel, die sich Helen mit Diamond liefert, gehören zum Feinsten, das Blake Edwards je geschrieben hat. Leider sind sie allzu kurz, denn sie gehören nicht zum jeweiligen Fall. Ich habe nie herausbekommen, was Helen Asher tagsüber macht. Wahrscheinlich füttert sie die Katze.

|Geräusche|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Wir hören also sowohl Straßenverkehr und Hintergrundstimmen als auch altmodisches Telefonklingeln und Nebelhörner usw. In den diversen Wohnungen sind Standuhren, miauende Katzen (bei Helen) und natürlich Türen zu hören.

|Musik|

Die Musik von Dirk Wilhelm fungiert meist als Pausenfüller, um so die Szenen voneinander zu trennen, aber auch um die Stimmung der nächsten Szene einzuleiten. Der Musikstil erinnert an nichts so sehr wie an die Filmmusik von [„L.A. Confidential“. 1187 Zu hören sind also gedämpfte Trompeten oder Posaunen, eine gedämpftes Klavier und sehr dezente Streicher. Von Jazz kann also keine Rede sein, vielleicht sollte man einfach nur von „Cool“ sprechen.

Die Ausnahme von dieser Regel sind Ricks selbst vorgetragene Stücke, die er am Klavier für seine Helen spielt.

_Unterm Strich_

Nach dem Erfolg von „L.A. Confidential“ und [„Die schwarze Dahlie“ 3353 feiern Nostalgie-Krimis wieder Erfolge. Andere Hörverlage haben dies mit diversen Serien – Lester Powells Damen-Krimis, Stahlnetz, Tatort, Derrick, Dr. Mabuse, Francis Durbridge u. v. a. – vorexerziert. Höchste Zeit also, dass auch |Lübbe Audio| so etwas Entsprechendes in sein Angebot aufnimmt.

Der erste Fall ist auf Action ausgelegt und wartet mit einem typischen Opfer-ist-der-Täter-Szenario auf, das für die Philip-Marlowe-Fälle so typisch war. (Und wenn eine hilflose Lady ins Detektivbüro kam, musste sich der Schnüffler ganz besonders in Acht nehmen.) Auch der zweite Fall endet in einem klasse Showdown, in dem die blauen Bohnen nur so um die Ohren fliegen.

Das Hörspiel ist von Rohrbecks |Lauscherlounge| sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Da „L.A. Confidential“ einer meiner Lieblingsfilme ist, konnte ich mich im Ambiente von Rick Diamond sofort zurechtfinden und die Produzenten brauchten keinerlei Erklärungen zum kulturellen Hintergrund mehr liefern.

Mag sein, dass die Figuren in ihren männlichen und weiblichen Geschlechterrollen recht überholt sind, aber herrje, das sind die Karl-May-Geschichten schließlich auch, und doch werden sie weiterhin von Millionen Lesern und Zuschauern verschlungen. Helen Asher ist keineswegs das häusliche Heimchen am Herd, sondern sie weiß ihren Rick durchaus zu nötigen, ihr zu Gefallen zu sein. Die Katze im Hintergrund ist nicht umsonst ihr Haustier, denn es heißt, Katzen seien unabhängig. Diese Rollenbilder sind also weit entfernt von der moralischen Korruption, die in den Noir-Filmen der dreißiger und vierziger Jahre gespiegelt wurde.

Fazit: Volltreffer.

|60 Minuten auf 1 CD
Aus dem Englischen übersetzt von Andrea Wilhelm|

lauscher news


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Michael Birbaek – Wenn das Leben ein Strand ist, sind Frauen das Mehr (Hörbuch)

Unterhaltsames Hörbuch: Von Augenmagneten und Texthuren

Vik ist ein vielbeschäftiger Drehbuchautor im deutschen Filmgeschäft. Sein Leben verläuft sozusagen im Hyperdrive, er sehnt sich nach Urlaub. Doch die Erwartungen seiner beruflichen Umgebung und die Wünsche seines privaten Umfelds halten ihn ständig davon ab.

Schluss mit dem Aufwachen im falschen Bett! Eines Tages fährt er zum Airport und schnappt sich einen Last-Minute-Flug („Sie müssen aber einen Monat zuvor buchen!“) auf eine Insel und sucht das Meer – und das verlorene Gefühl. Um dann SIE zu finden, doch ist sie die „Richtige“? Wie erkennt man „Miss Right“, wenn man sie trifft?
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Nix, Garth – Schwarzer Montag

_Komm schon: Dein Königreich wartet auf dich!_

Eigentlich ist Arthur Penhaligon kein Held. Genau genommen, ist ihm sogar ein früher Tod vorherbestimmt. Doch dann rettet ihm ein geheimnisvoller Gegenstand das Leben: Er sieht aus wie ein Uhrzeiger und wird von seltsam gekleideten Männern als „Schlüssel zum Königreich“ bezeichnet.

Doch zugleich mit dem Schlüssel erscheinen bizarre Wesen aus einer anderen Dimension, die ihn um jeden Preis zurückgewinnen wollen. In seiner Verzweiflung wagt es Arthur, ein geheimnisvolles Haus zu betreten – ein Haus, das nur er sehen kann und das in andere Dimensionen führt. Dort will er nicht nur sein wahres Schicksal erkennen, sondern auch auch das Heilmittel für die Schlafseuche beschaffen, die die fremden Wesen in Arthur Welt verbreiten.

_Der Autor_

Garth Nix wurde 1963 in Melbourne / Australien geboren. Nach seinem Studium arbeitete er in einer Buchhandlung, später als Verleger, Buchhandelsvertreter, Zeitungsredakteur und Marketingberater. Seit 2002 bestreitet er seinen Lebensunterhalt ausschließlich als Autor. Er lebt heute mit seiner Frau, einer Verlegerin, und seinem Sohn in einem Vorort von Sydney. Zu seinen bekanntesten Büchern gehört die Abhorsen-Trilogie, die komplett bei |Carlsen| und |Lübbe| erschienen ist (Sabriel; Lirael; Abhorsen).

|Garth Nix bei Buchwurm.info:|

[Sabriel 1109
[Lirael 1140
[Abhorsen 1157

_Der Sprecher_

Oliver Rohrbeck, geboren 1965 in Berlin, ist Schauspieler und Synchronsprecher. Er ist bekannt für seine Sprechrolle als Justus Jonas in der Hörspielserie „Die drei Fragezeichen“. Als Sprecher synchronisierte er Hauptrollen in vielen Filmen und ist die deutsche Stimmbandvertretung von Ben Stiller.

Rohrbeck liest eine von Frank Gustavus (|Ripper Records|) gekürzte Fassung. Regie führte Kerstin Kaiser, die Aufnahmeleitung hatte Klaus Trapp. Die Musik steuerte Andy Matern bei.

_Der Komponist_

Andy Matern wurde 1974 in Tirschenreuth, Bayern geboren. Nach seiner klassischen Klavier-Ausbildung arbeitete er einige Jahre als DJ in Clubs. Seit 1996 ist er als freiberuflicher Keyboarder, Produzent, Remixer, Songwriter und Arrangeur tätig. Er kann trotz seiner jungen Jahre bereits mehr als 120 kommerzielle CD-Veröffentlichungen vorweisen. Darunter finden sich nationale und internationale Chart-Platzierungen mit diversen Gold- und Platin-Auszeichnungen.

Bereits Andy Materns erste Hörbuch-Rhythmen erreichten schnell Kultstatus bei den Fans und der Fachpresse. Durch seine musikalische Mitarbeit wurde [„Der Cthulhu-Mythos“ 524 zum besten Hörbuch des Jahres gewählt (Deutscher Phantastik Preis 2003). Andy Matern lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfos)

_Der Hintergrund_

Gepriesen sei die Architektin! Sie schuf die wahre Welt, das HAUS. Dies ist der Mittelpunkt aller Schöpfung, das Königreich aller Realität. Es ist eingeteilt in die sieben Wochentage von Montag bis Sonntag, und diese wiederum sind in jeweils zwölf Stunden eingeteilt. Minuten- und Stundenzeiger sind die Insignien eines jeden Tages – und mächtige Instrumente.

Rundherum liegen die sekundären Reiche, zu denen auch unsere bescheidene Welt zählt. Und SIE ließ alles darin archivieren. Als SIE sah, dass es gut war, verabschiedete SIE sich, hinter ließ jedoch das VERMÄCHTNIS, in dem sie bestimmte, dass nur Sterbliche das Königreich erben können. Das VERMÄCHTNIS besteht vollständig aus Text, wie sich denken lässt. Doch die sieben Treuhänder vollstreckten das VERMÄCHTNIS nicht, sondern teilten sich die Macht in ihren sieben Herrschaftsbereichen. Das VERMÄCHTNIS teilten sie in sieben Stücke, von denen jedes woanders versteckt wurde.

Eines Tages begab es sich, dass das Bruchstück von MONTAG, ein auf einem toten Stern in Glas versiegelter Kristall, der von metallischen Wächtern bewacht wurde, von einem Inspektor des ARCHIVs begutachtet wurde. Die Wächter, nach Äonen des Wachens müde geworden, meldeten dem Inspektor keinerlei besonderen Vorkommnisse. Doch als er sich die Nase putzte, bemerkte er aus dem Augenwinkel ein kleines flinkes Etwas vorbeihuschen. Nein, dachte er, ich muss mich getäuscht haben.

Doch er hatte sich nicht getäuscht: Ein kleines Stück VERMÄCHTNIS-Text bemächtigt sich jedoch der Transferplatte, mit der er vom ARCHIV gekommen ist und verschwindet damit. Oh-oh, denkt der Inspektor. Damit hat er Recht. Wenig später kommen zwei großmächtige Herren, die Silberstöcke tragen. Sie sagen, sie kämen von einem, der sogar noch höher stehe als MONTAG. Oh-oh, denkt der Inspektor. Das gibt großen Ärger.

Und so beginnt es.

_Handlung_

Der etwa zwölf oder dreizehn Jahre alte Arthur Penhaligon ist neu in dieser Stadt und heute ist sein erster Schultag. Obwohl er Asthma hat, teilt ihn der ignorante Lehrer der Sportgruppe zu. Los geht’s: Geländelauf. Aber dalli! Arthur will es sich nicht gleich am ersten Tag mit seinen Mitschülern und dem Lehrer der siebten Klasse verderben, daher müht er sich nach Kräften, doch schon nach wenigen Minuten kippt er ohnmächtig ins Gras am Wegesrand. Zwei Mitschüler, die netten Zwillinge Ed, ein Junge, und Blatt, ein Mädchen, helfen ihm wieder auf die Beine, indem sie ihm seinen Inhalator mit der Medizin geben und ihn tief durchatmen lassen.

|Besuch aus dem Königreich|

Als sie Hilfe holen, zuckt ein Lichtblitz in Arthurs Nähe herunter, und zwei seltsame Männer erscheinen. Der eine, junge sitzt in einem Rollstuhl und wird von dem anderen, älteren mit „Sir“ angeredet. Der Ältere, den der Jüngere mit „Nieser“ anredet, verlangt von Arthur, sich gefälligst vor Herrn MONTAG zu verbeugen. Als Arthur nicht reagiert, hilft Nieser nach, und Arthur bekommt sofort wieder einen Asthmaanfall. Nieser bestätigt, dass es sich um den gesuchten Arthur Penhaligon handle und dieser gleich sterben werde. Sehr schön, meint Montag.

Nieser redet ihm noch einmal zu, was zu tun sei und versichert, dass das völlig gefahrlos sei. Mit einem Ritual, bei dem der Jüngere etwas rezitiert und Arthur mit etwas Messerförmigem in die Hand piekst, übergibt er etwas, das mit dem VERMÄCHTNIS zu tun hat. Ein Lichtblitz, und weg sind sie. Etwas flattert zu Boden: Es ist ein Buch. In der Hand hält Arthur ein Metallblatt, das am einen Ende einen Pfeil und am anderen eine Öse hat. Es ist ein altmodischer Uhrzeiger, der Länge nach zu urteilen der für die Minuten. Nieser hat ihn einen „Schlüssel“ genannt.

|Die Schule brennt|

Im Krankenhaus stellt Arthur erfreut fest, dass ihm der Zeiger eine geheimnisvolle Kraft gibt. Nun braucht er keine Medizin mehr, sobald er körperlichen Kontakt mit dem Schlüssel hat. Die Zwillinge kommen ihn ebenso besuchen wie seine Eltern. Seine Mutter ist eine wichtige Person, die für die Regierung in der Medizin forscht. Emily Penhaligon bekämpft zum Beispiel Grippeviren und hat Arthur alles über Mikroben, Seuchen und Seuchenbekämpfung beigebracht. Seine Vater ist ein Komponist, der vor Jahrzehnten mal in einer Band mitspielte, die sich „Die Ratten“ nannte. Er trug den Namen „Rattenplage“ und verdient immer noch an den Tantiemen für die alten Songs. Die beiden haben Arthur adoptiert, denn seine Eltern starben an der Grippe, als er erst zwei Wochen alt war. Er ist eines von sieben Kindern.

Immer, wenn Bob, so wie jetzt, vor sich hin summt, tüftelt er eine neue Melodie aus. Er fährt ihn am nächsten Tag nach Hause. Das Buch hat Arthur auch dabei. Darauf steht der rätselhafte Titel „Eine vollständige Beschreibung des HAUSES und seiner unmittelbaren Umgebung“. Es ist ihm noch nicht gelungen, es zu öffnen. Auf der Heimfährt fällt ihm ein großes altes Haus auf, das er noch nie zuvor bemerkt hat. Sein Vater sieht es nicht. Es ist von einer drei Meter hohen Mauer umgeben.

In seinem dunklen Zimmer gelingt es ihm, das Buch zu öffnen. Es wächst und Linien erscheinen. Das Bild entspricht genau dem HAUS, das Arthur gerade auffiel. Es hat zwei Eingänge, den Haupteingang und den, der als „MONTAGs Entree“ bezeichnet ist. Er schlägt „Entree“ nach. Aha: „Entree“ = 1. Vorspeise, 2. Eingang. Ganz einfach! Er versteckt Schlüssel und Atlas in einer Echse aus Keramik, und bis Sonntagnacht passiert nichts. Es ist 1 Minute nach Mitternacht (also MONTAG), als ihn ein Geräusch weckt. Ein geflügelter Mann, der wie Charlie Chaplin aussieht, flattert vor seinem Zimmerfenster im zweiten Stock …

Am nächsten Tag bemerkt er noch mehr solche Charlie-Caplin-Männer. Seine Freundin Blatt hat sie schon im Krankenhaus erwähnt. Sie suchen etwas: etwas, das jetzt Arthur hat. Doch der Atlas verrät ihm, dass diese „Bringer“ genannten Hundegesichtigen Geister für niedere Tätigkeiten sind und keine Schwelle übertreten können, wenn sie nicht dazu eingeladen werden. Also rennt Arthur los und stürmt durch die Eingangstür seiner Schule. In Sicherheit! Er zeigt dem Lehrer sein Entschuldigungsschreiben, das ihn vom Frühsport befreit und wundert sich: Viele Schüler fehlen heute wegen Krankheit. Offenbar ist eine Epidemie ausgebrochen. Sind die Hundegesichtigen die Ursache dafür?

|Showdown|

Es ist Punkt zwölf Uhr, und Arthur sitzt in der Bibliothek hinter einer Trutzburg aus Büchern, als sich seine Welt erneut verändert. Jemand betritt (!) die Bücherei. Eine gebieterische, aber freundliche Stimme verlangt von Arthur die Herausgabe des Schlüssels. Es ist ein seltsam gekleideter Mann, den die Bibliothekarin mit dem charmanten Mr. Darcy aus einem Roman des frühen 19. Jahrhunderts vergleicht. Allerdings hat er zwei riesige Flügel. Und als Arthur sich weigert zu gehorchen (schließlich braucht er den Schlüssel inzwischen zum Überleben), zückt der Mann, der sich MONTAGs Mittag nennt, ein Flammenschwert.

Da sich Feuer und Papier bekanntlich nicht sonderlich gut vertragen, steht die Bücherei schon bald in Flammen. Die Bibliothekarin liegt bereits ohnmächtig am Boden, und Arthur macht sich wirklich Sorgen um sie. Doch noch mehr Grund zur Sorge bereiten ihm die „Bringer“, die Mr. Mittag eingelassen hat. Sie suchen Arthurs Versteck. Er flieht zur Hintertür, drückt den Notfallknopf, doch Mittag hat sie mit seinen Kräften verschlossen. In einem genialen Einfall zückt er den Schlüssel, berührt damit die Tür und ruft „öffne dich!“ Draußen ruft er „schließe dich!“, was sie auch prompt tut.

Da zerreißt eine gigantische Explosion den Bibliotheksflügel, und einen Moment später steht Mittag mit seinem Flammenschwert wieder vor Arthur. Was nun? Arthur schaut auf seine Uhr: Es ist genau 12:59 Uhr. Wenn Mittags Zeit begrenzt ist, kann er dann noch länger als eine Stunde hierbleiben? Hoffentlich nicht! Arthur muss noch sechzig Sekunden aushalten …

_Mein Eindruck_

Der Autor hat wirklich die älteste Story der Welt genommen und etwas Wunderbares und Bewegendes daraus gemacht. Der Held, der wie praktisch alle Helden eine Vollwaise ist, fällt erst einmal ganz tief und droht bereits, den Löffel abzugeben. Dann geschieht etwas Wunderbares, und es geht unaufhaltsam mit ihm aufwärts. Aber, und das ist das Besondere bei diesen mythologischen Geschichten, die Veränderung rührt nicht von unserer Welt her und seine Bestimmung liegt auch nicht im Diesseits, sondern in der Anderwelt.

Um dorthin zu gelangen, ist eine Reihe von Verwandlungen nötig, aber auch ein gewisse Anzahl von helfenden Gefährten ist zu finden. Ähnlich wie in Charlie Fletchers [„Stoneheart“, 2852 findet der Junge ein Mädchen, das mental ein wenig stärker ist und viel mehr mit der Anderwelt zu tun hat als er. Susi Türkisblau, die Tintenfassbefüllerin, hat einen Job im riesigen Archiv, doch sie gehört nicht dem HAUS an, sondern wurde hierher gelockt: von so etwas wie dem Rattenfänger von Hameln. (Sie nennt ihn den Pfeifer, was dem englischen Begriff „The Pied Pier“ für den deutschen Rattenfänger von Hameln entspricht.)

Während dieses Rattenfänger-Detail doch recht abgedroschen anmutet, ist die Gestalt, die das VERMÄCHTNIS annimmt, das genaue Gegenteil. Wie aus Hintergrund und Inhaltsangabe hervorgeht, handelt es sich ja um eine sehr hohe Instanz und zugleich um eine Macht, hinter der alle sieben Treuhänder her sind. Deshalb tritt zum Beispiels MONTAGs Engel mit dem Flammenschwert auf, um Arthur das kleine Fragment, den Schlüssel, wieder abzujagen.

Nun würde man erwarten, dass eine so mächtige Sache wie das VERMÄCHTNIS sich in eine entsprechend ehrfurchtgebietende Gestalt zu gewanden weiß – ungefähr so wie der weiße Gandalf. Das weiß aber auch der Autor, und er hat wohl befürchtet, dass es auf diese Weise entweder die jugendlichen Leser erschreckt oder als pathetischer Gandalf-Verschnitt aufgefasst und abgelehnt wird. Um beides zu vermeiden, steckt er es in die Gestalt eines grünen Frosches.

So ein Frosch hat’s gut. Man kann ihn überall in den Kleidern verstecken und wenn man, wie Arthur, keine Taschen mehr hat, kann man den Frosch verschlucken. Das nennt man dann „einen Frosch im Hals haben“. (Es gibt dazu eine köstliche Szene.) Dass es sich um das großmächtige VERMÄCHTNIS handelt, wird nur durch die recht tiefe und autoritativ wirkende Stimme des Frosches kenntlich gemacht. (Siehe dazu unter „Der Sprecher“ den entsprechenden Soundeffekt.)

|Die hierarchische Welt|

Wie in Dantes „Göttlicher Komödie“ hat die Anderwelt einen klar strukturierten und leicht nachvollziehbaren Aufbau. Das HAUS ist in sieben Tage und diese wiederum in zwölf Stunden eingeteilt. (Es gibt – noch – keine sieben Herrscher für die jeweiligen Nächte.) Diese zwölf Stunden sind wiederum in Terzen à vier Stunden zusammengefasst, und für jede Terz steht dem Herrn eines Tages ein mächtiger Diener – vgl. Engel mit Flammenschwert – zur Verfügung.

Herr MONTAG, den Arthur besiegen muss, um das nötige Heilmittel zu beschaffen, ist der Herr über das UNTERE HAUS. Das heißt, wenn es Arthur gelingt, selbst zu Herr MONTAG zu werden, herrscht er – oder seine Verwalter – über die räumlich unterste Hierarchieebene des HAUSes. Man braucht kein Einstein zu sein, um zweierlei auszuknobeln: Erstens werden sich die anderen TAGe sofort auf den vakanten MONTAG stürzen, sollte Arthur in seine Welt zurückkehren, und zweitens muss er sich die ganze Hierarchie hinaufarbeiten, um nicht wieder alles Errungene zu verlieren – und um sein rechtmäßiges Erbe gemäß dem VERMÄCHTNIS der Architektin anzutreten.

|Die Aufgabe des Helden|

Das nennt die amerikanische Geschichtsphilosophie „manifest destiny“ – eine offenbarte Bestimmung und Verheißung. Die spannende Frage ist natürlich, wo bleibt denn da der freie Wille des Helden? Und in der Tat hat Arthur seine liebe Not, die recht gewalttätigen und rigiden Vorstellungen des VERMÄCHTNISses mit seinen eigenen Vorstellungen von Recht und Gerechtigkeit in Einklang zu bringen. Ohne dabei jedoch wie eine Krämerseele mit dem Frosch zu schachern, schafft es Arthur, seine modernen Maßstäbe auf diese uralte Anderwelt, die schon Zehntausende von Jahren besteht, zu übertragen, ohne dass es zu einem größeren Krach kommt.

Wie schon der Held Taran von Lloyd Alexander und unzählige Helden vor ihm, ist es Arthur Penhaligons – ebenfalls ein walisischer Name – Aufgabe, das verwundete Land zu heilen. Dieses verwundete Land ist nicht nur seine eigene Welt, sondern vor allem auch seine eigene Familie. Seine Sorge gilt ebenso der Welt wie den Menschen. Nicht nur legitimiert er sich dadurch uns gegenüber, sondern er wird uns sympathisch und sein Tun menschlich relevant. Das ist bei Nix im Gegensatz zu Fletcher sehr schön gelöst. (Vielleicht steigert sich Fletcher ja noch, denn es kommen noch zwei Stoneheart-Romane.)

|Die Genesis der Anderwelt|

Ebenfalls viel schöner ist der Umstand, dass die Anderwelt eine Genesis vorweisen kann. Diese ist völlig eigenständig, wenn auch ein klein wenig schematisch. Und wieso hat sich die Architektin an die menschliche Uhreneinteilung gehalten? Sie hätte ja auch 13 oder 16 Stunden wählen können, oder? Aber vielleicht war sie ja selbst ein Mensch – wer weiß?

Die Anderwelt, die der Autor vor unserem geistigen Auge erstehen lässt, ist eine gefallene Welt. Sie ist nicht so, wie sie gemäß dem VERMÄCHTNIS hätte realisiert werden sollen. Vielmehr haben Eigennutz und Machtgier die Schöpfung verdorben. Das Ergebnis wird vom Frosch häufig beklagt: Faulheit, Chaos und völlige Unkoordiniertheit haben um sich gegriffen und die Bewohner der Anderwelt – ein einziges großes, aber sinnentleertes Archiv wie bei Monty Python – korrumpiert und verängstigt. Eine allgegenwärtige Polizeitruppe, die Susie als die „Portiers“ bezeichnet, knüppelt jeden Widerstand nieder. Doch immer wieder dringen Kreaturen des Nichts, sogenannte Nichtlinge, in diese Schöpfung, um Chaos anzurichten. Sie sind natürlich auch hinter Arthur her.

Nach dem Ende des ersten Abenteuers unseres Helden ist leicht abzusehen, dass er geschaffen oder auserwählt wurde, um die Aufgabe jedes Helden seit Herakles zu erfüllen: Die Welt wieder zur ursprünglichen Ordnung zurückzuführen. Diese wahrlich herkulische Aufgabe bedeutet den Kampf gegen die sechs anderen Tagesherrscher. Ist ein junger Asthmatiker dafür ausgestattet und vorbereitet? Arthur sieht es selbst ein: ganz bestimmt nicht. Jahre müssen vergehen, bis er so weit ist. Er erhält Aufschub. Es ist damit zu rechnen, dass Arthur ein rüstiger Greis ist, bis er es mit Herrn SONNTAG aufnehmen kann. (Was ist mit der NACHT?) Und das ist vielleicht ganz gut so. Er wird alle Weisheit benötigen, die er bis dahin erwerben kann.

|Der Sprecher|

Oliver Rohrbeck ist ja schon ein alter Hase im Synchronsprechergeschäft und in Sachen Hörspielserie (s. o.). Seine „normale“ Stimme eignet sich gut für Kinderstoffe, also Märchen, Fantasy und Ähnliches, denn sie erklingt nicht besonders tief oder autoritär, ist also sympathisch. Jedenfalls alles andere als furchteinflößend.

Doch da es in der Geschichte einige bedrohliche Situationen darzustellen gilt, muss Rohrbeck zu ein paar Hilfsmitteln greifen. Er kann ohne weiteres seine Stimmlage absenken, so etwa als der Engel mit dem Flammenschwert auftritt – der zudem sein R so bedrohlich rollen lässt. Als die Bringer fordern, von Arthur in die Bibliothek gelassen zu werden, wird ein Halleffekt eingesetzt. Als Feuerwehrmänner und Ärzte sich um Arthur kümmern, klingt ihre „Stimme“ durch die „Maske“, die sie tragen, gedämpft – ein weiterer Filtereffekt.

Alles wird etwas turbulenter und bunter, als Arthur in die Welt des HAUSes eintritt. Der bedeutendste stimmliche Verfremdungseffekt ist die Stimme des VERMÄCHTNISses, die meist aus dem Maul des Frosches dringt. Diese verzerrte Stimme klingt tief, irgendwie „rund“ und autoritär. (Jedenfalls so lange, bis sich der Frosch einmal „verschluckt“.) Das ficht Arthur aber nicht an: Er trotzt ihr, wenn er seine eigenen Wertmaßstäbe verteidigt. Hall wird wieder eingesetzt, wenn Arthur die verschiedenen Rituale aufsagen muss, um seinen Erbanspruch durchzusetzen. Insgesamt wird dem Hörer also eine reichhaltige Palette von Klangeffekten und Stimmfarben geboten.

Die Hintergrundmusik von Andy Matern wird sehr dezent eingesetzt. Sie drängt sich niemals in den Vordergrund, sondern bildet einen Klangteppich, der unterbewusst die Emotionen des Zuhörers steuert. Die Instrumente sind in der Regel elektronisch, nur bei einem wiederkehrenden Leitmotiv – eine kurze Abfolge von elegischen Tönen – wird ein elektronisches Piano eingesetzt.

_Unterm Strich_

Diese neue Fantasyreihe wartet mit einem recht gut durchdachten Paralleluniversum auf, das erstens die Bestimmung des Helden bereithält und zweitens natürlich die Lösung zu allen Rätseln. Aber diese Bestimmung fällt dem denkbar ungeeigneten Asthmatikerhelden nicht in den Schoß, wie man sich leicht denken kann, sondern muss in sieben Kämpfen errungen werden.

Da sich diese Kämpfe auch auf die Welt des Helden erstrecken, gerät er mit seiner Familie in alle möglichen gefährlichen Situationen. Eine Schlafseuche, die im ersten Abenteuer seine Welt heimsucht, dürfte nur ein laues Lüftchen im Vergleich zu dem sein, was noch folgen wird. Die nächste Folge trägt den vielsagenden Titel „Grimmiger Dienstag“.

Mit hat das Hörbuch viel Spaß gemacht, denn der Autor überrascht mit einigen doch recht interessanten Einfällen, wie etwa den Bibliophagen: schlangenförmige Bücherfresser, die jedes bisschen Text zur Auflösung bringen – und ihren Träger gleich mit …

Der Sprecher Oliver Rohrbeck bietet dem Hörer, vor allem dem kindlichen Zuhörer ab zwölf bis dreizehn Jahren, eine breite Palette von stimmlichen Tonlagen und Klang-Effekten, die zu einer Charakterisierung verschiedenster Wesen beitragen. Mit ein wenig Phantasie kann sich der Zuhörer daher die fremde Welt des HAUSes viel besser vorstellen. Am Schluss möchte man am liebsten gleich wieder zurück.

Die Fortsetzung soll im März folgen.

|Originaltitel: Mister Monday – The Keys to the Kingdom, 2003
Aus dem US-Englischen übersetzt von Axel Franken
293 Minuten auf 4 CDs|
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Ken Follett – Eisfieber (Lesung)

Familienkrieg im Schneesturm

Ein tödliches Virus wird aus einem privaten Forschungslabor entwendet. Für die Sicherheitschefin Tini Gallo ist dies eine Katastrophe. Die Ex-Polizistin ahnt nicht, dass der Dieb aus dem engsten Kreis um den Firmengründer Stanley Oxenford kommt. In dessen verschneitem Landhaus im schottischen Hochland entbrennt ein dramatischer Kampf, bei dem mehr auf dem Spiel steht als ein einzelnes Leben. Die Auftraggeber des Diebstahls haben mit dem Virus große Pläne …
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Stephen King – L.T.s Theorie der Kuscheltiere (Lesung)

Seit fast einem Jahr erzählt L.T deWitt seine Leidensgeschichte, wenn er im Lokal einen hebt. Er ist ein schlichtes Gemüt, leidet aber dennoch an der Tatsache, dass ihn seine Frau Lulubelle vor fast einem Jahr verlassen hat. Und schuld daran war offenbar ihre Unverträglich mit einem Kuscheltierchen, das L.T. ihr geschenkt hatte: Sie nannte das Kätzchen schon bald nur noch „Spinnerlucy“, weil es Lulu offenbar nicht ausstehen konnte. Doch L.T. hatte ein Jahr zuvor von Lulu ebenfalls ein Haustier geschenkt bekommen: ein Terrier namens Frank (nicht wie der in MIB2), der leider in L.T.s Schuhe kotzte und pisste.

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Doyle, Arthur Conan – Sherlock Holmes: Der Vampir von Sussex / Das gefleckte Band (Krimi-Klassiker 4)

_Sherlocks Spezialität: Locked room mystery!_

London in den 1880er Jahren: Die junge Frau von Dr. Ferguson wird wiederholt dabei ertappt, wie sie ihrem Kind das Blut aussaugt. Ist sie ein Vampir?

Im zweiten Fall werden der Meisterdetektiv und sein Freund Dr. Watson mit dem Rätsel um „Das gefleckte Band“ konfrontiert: Helen Stoner befürchtet, dass ihr bald ein schrecklicher Tod drohen könnte.

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um seinen Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Schon 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als „Im Giftstrom“, 1924).

_Die Sprecher_

Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
——————————–
In „Der Vampir von Sussex“:
Robert Ferguson: Charles Rettinghaus (dt. Stimme von Robert Downey jr.)
Isabella Ferguson: Evelyn Maron (dt. Stimme von Ornella Muti)
Jack Ferguson: Lucas Mertens
Dolores: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman)
Mrs. Mason: Gisela Fritsch (dt. Stimme von Vanessa Redgrave)
——————————–
In „Das gefleckte Band“:
Helen Stoner: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman)
Julia Stoner: Rita Engelmann (dt. Stimme von Kim Novak)
Dr. Roylott: Heinz Ostermann

Die orchestrale Musik stammt von Manuel Rösler, Ko-Produktion, Buch & Regie steuerten Marc Gruppe und Stephan Bosenius bei, Aufnahme und Abmischung erfolgten durch Kazuya @ Bionic Beats.

_Handlung von „Der Vampir von Sussex“_

Holmes erhält zeitgleich zwei Briefe, in denen er um seinen professionellen Rat gebeten wird. Er erklärt sich mit dem Besuch des Teehändlers Robert Ferguson einverstanden, obwohl er zunächst das Thema Vampirismus ins Land der Märchen verwiesen hatte. Doch ihm scheint hier etwas anderes vorzuliegen.

Robert Fergusons Familie und Ehe ist nach den zurückliegenden Vorfällen zerrüttet. Zweimal hat die Kinderfrau Mrs. Mason die Herrin Isabella dabei ertappt, wie sie sich über den kaum ein Jahr alten Sohn James beugte, an dessen Hals blutende Wunden zu sehen waren – und ebenso war Blut an den Lippen der Dame zu sehen! Der wegen dieses Berichts besorgte und entsetzte Familienvater verbietet seiner Frau notgedrungen jeden Kontakt mit James, woraufhin sich Isabella einschließt und in ein Fieber verfällt.

Als Holmes, Watson und Ferguson in dessen Heim eintreffen, fällt Holmes nicht nur der an den Hinterbeinen lahmende Hund Carlo auf, sondern sein Blick auch auf die Fenster. Daraufhin erscheint Jack, der 13-jährige Sohn Fergusons aus dessen erster Ehe. Isabella ist Jacks Stiefmutter, James somit sein Stiefbruder. Jack hat seit einem Sturz einen verkrümmten Rücken. Er war es, der zuerst behauptet hatte, seine Stiefmutter sei eine Vampirin. Da sie aus dem katholischen Peru stammt, könne sie wer weiß was glauben. Außerdem hat sie ihn gezüchtigt.

Auch Holmes fallen die seltsamen Waffen auf, die die junge Frau aus ihrer fernen Heimat mitgebracht hat, darunter Pfeil und Bogen von den Ureinwohnern. Watson bietet an, die Frau zu untersuchen, doch als er vorgelassen wird, kann er keine Grippe oder Ähnliches feststellen. Das Fieber scheint vielmehr geistigen Ursprungs zu sein. Sie fantasiert etwas von einem „Teufel“ …

Daraufhin bittet Holmes Ferguson, zu Isabella vorgelassen zu werden. Er habe die Lösung des Falles bereits gefunden, könne sie aber nur im Beisein Isabellas enthüllen …

_Handlung von „Das gefleckte Band“_

Holmes weckt Watson aus dessen Schlummer, denn sie haben wieder eine Klientin. Im Wohnzimmer hat eine tief verschleierte Frau Platz genommen, die sich als Helen Stoner vorstellt. Als sie den Schleier lüftet, blickt ihnen ein kaum dreißigjähriges, leidgeprüftes und blasses Gesicht entgegen. Das Haar wird bereits von grauen Strähnen durchzogen. Was hat so viel Leid hervorgerufen?, fragt sich Watson, der Chronist.

Sie habe Todesangst, erzählt sie. Dabei will sie in zwei Monaten heiraten. Ihr Verlobter hält ihre Ängste für Einbildung, doch sie hat guten Grund dafür: Ihre Schwester Julia ist bereits an einer unbekannten Ursache im Zimmer nebenan gestorben. Niemand weiß, wodurch. Helen bittet Holmes um Rat.

Der Detektiv sagt sein Kommen zu, denn er nimmt den Fall ungewöhnlich ernst. Und mit Recht, denn kaum ist die junge Frau wieder gegangen, erscheint Dr. Royston, ihr Vater, unter dem sie offenbar zu leiden hat. Sein jähzörniges und grobes Auftreten sowie die Drohungen, die er gegen Holmes, sollte er sich einmischen, ausstößt, charakterisieren ihn vollständigen als gefährlichen Choleriker. Und wer weiß, was er an gefährlichen Dingen aus Indien, wo er Helens Mutter kennen lernte, mitgebracht hat?

Als Holmes mit Watson und Miss Helen den Tatort untersucht, fallen ihm verschiedene Merkwürdigkeiten auf. Es werden noch sehr viel mehr, als es ihnen gelingt, auch Dr. Roylets Arbeitszimmer in Augenschein zu nehmen. Durch Renovierungsarbeiten, die lediglich einen Vorwand bilden, ist Helen gezwungen, im gleichen Zimmer wie das Todesopfer zu nächtigen. Als sich Watson mit Holmes nachts auf die Lauer legt, ist ziemlich klar, dass der Detektiv mit einem weiteren Mordanschlag rechnet. Vorsichtshalber hat er einen Revolver mitgenommen – bei Leuten wie Dr. Roylet kann man nie wissen.

Im entscheidenden Moment dringen seltsame Laute und Schreie aus den Zimmern. „Vorsicht, Watson – es besteht höchste Gefahr!“ flüstert Holmes, als sie ins Haus eindringen. Denn natürlich kennt Holmes bereits die Lösung des Rätsels.

_Mein Eindruck_

|“Der Vampir von Sussex“| ist im Grunde eine Story über das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Kulturen, was man heutzutage einen „culture clash“ nennt. Robert Ferguson hat sich eine Peruanerin ins Haus geholt, die a) katholisch ist – was bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in England verpönt war – und b) Kontakte zu den Ureinwohnern, den so genannten „Indios“, hatte. Daher brachte sie deren Waffen mit nach merry old England, wo sie leider missbraucht werden. Sie ist ein Fremdkörper in Fergusons Haushalt, nicht nur in seiner Familie.

Hinzu kommt das uralte Problem, das jede Stiefmutter hat: Nicht nur hat ihre Rolle ein schlechtes Image, sie und ihr Kind werden obendrein noch von den vorhandenen Nachkommen der ersten Frau abgelehnt. Sie als „Vampirin“ zu denunzieren, ist ein erfolgversprechendes Mittel, sie aus dem Haushalt zu entfernen. Das Ergebnis ist ein regelrechtes Familiendrama, das Fergusons Existenz bedroht – das intakte Familienleben war bei den Viktorianern ein ganz wesentlicher Baustein in der öffentlichen Fassade, die einen der Grundsteine des geschäftlichen Erfolgs darstellte.

Es spricht für Holmes‘ intuitives Einfühlungsvermögen, dieser Konstellation im Handumdrehen auf die Spur zu kommen, so als wüsste er darüber aus eigener (leidvoller?) Erfahrung Bescheid. Umso erstaunlicher erscheint sein Verhalten dem guten Dr. Watson, als Holmes auf Schritt und Tritt beteuert, wie sehr Emotionalität abzulehnen sei, weil sie den Verstand benebele.

|“Das gefleckte Band“|

Mit großer Freude habe ich diese Story angehört, denn auch hier handelt es sich wieder einmal um ein Beispiel des „Locked room mystery“, das bei Autor Doyle so beliebt war (siehe [„Das Zeichen der Vier“): 1234 Obwohl Helen Stoners Schwester wohlbehütet eingeschlossen war, ist sie am nächsten Morgen mausetot. Um dieses Rätsel zu lösen, ist natürlich kein Geringerer als Sherlock vonnöten.

Bei seinem Vorgehen wirkt Holmes diesmal allerdings recht unorthodox, ja geradezu versessen darauf, ein wenig Action zu genießen. Obwohl er das Rätsel in Nullkommanix gelöst hat, muss er noch dem Täter das Handwerk legen. (Sicher spart die Polizei dadurch eine Menge Kosten für den Einsatz vor Ort.) Dazu ist a) eine Falle aufzustellen und b) der Köder zu platzieren. Sodann haben sich die beiden Jäger Holmes und Watson auf die Lauer zu legen, wobei sie der aggressiven lokalen Fauna ebenso aus dem Weg gehen müssen wie den in der Nähe kampierenden Zigeunern. Im entscheidenden Augenblick gilt es dann noch, dem Köder – die zähneklappernde Helen Stoner – das Leben zu retten und dem Mordinstrument sorgfältig aus dem Weg zu gehen. Eine Menge Aufregung für nur eine Nacht!

Daher hat mir diese Story wesentlich besser gefallen als die erste, stehe ich doch auf Geschichten, in denen etwas passiert und die Handlung ordentlich vorankommt. Auch diese Erzählung basiert wieder einmal auf „culture clash“, denn der Arzt Dr. Roylet hat eine Menge Fremdkörper aus Indien mit in seine Heimat gebracht, und das sind keineswegs seine beiden hübschen Töchter …

|Die Sprecher|

Das dynamische Duo Holmes und Watson wissen J. Tennstedt und D. Bierstedt (wie viele Namen auf -stedt kann es eigentlich geben?) kongenial darzustellen. Leider haben sie bei diesen kurzen Erzählungen kaum Gelegenheit, ihre Figuren voll zur Darstellung zu bringen. Das gelingt ihnen in langen Storys wie „Das Zeichen der Vier“ wesentlich besser.

Wenn sich – auf der Rückseite der CD-Hülle – der Verlag mit den Namen von SynchronsprecherInnen bekannter SchauspielerInnen brüstet, so ist dies eigentlich Augenwischerei. Außer Tenn- und Bierstedt sind alle anderen SprecherInnen etwas unterfordert, um nicht zu sagen: Sie tauchen nur in Nebenrollen auf. Eine Ausnahme scheint mir Arianne Borbach zu bilden, die als Helen Stoner eine tragende Rolle auszufüllen hat. Wie auch immer: Es gibt keine Schwächen seitens der Sprecherriege.

|Musik und Geräusche|

Manuel Rösler steuert die Musik bei, die ein ganz wesentlicher Bestandteil jedes erfolgreichen Hörspiels sein sollte – und dieses Ziel bei beiden Geschichten auch erreicht. Dass es sich dabei hauptsächlich um die im Booklet angegebenen Samples orchestraler und choraler Werke handelt, tut der Wirkung keinen Abbruch. Originalität liegt oftmals im geeigneten Einsatz vorhandener Mittel.

Leider kommen Geräusche in der ersten Geschichte kaum zum Einsatz, alldieweil sich alle Geschehnisse in Innenräumen abspielen. Das Klappern von Teetassen und das Knarren von Türen haben eben nur einen begrenzten akustischen Nährwert. Das ist in der zweiten Story ganz anders.

Nicht nur spielt ein ominöses „Pfeifen“ in Helen Stoners albtraumerfüllten Nächten eine wichtige Rolle, auch die Geräusche, die Holmes und Watson lauernderweise im Garten des Stoner-Hauses wahrnehmen, sind nicht von Pappe. Im Gegenteil, sie stammen von wildgewordenen Affen und einem leibhaftigen Geparden, von irgendwelchen Nachtvögeln ganz zu schweigen. Nur die allfälligen Schreie diverser Frauen hätte man vielleicht vom Staub des Sample-Archivs befreien sollen. Sie klingen einfach nicht echt, sondern wie aus einem alten Edgar-Wallace-Film herausgeschnitten.

_Unterm Strich_

Wer Gefahr läuft, auf der Jagd nach neuen Sherlock-Storys zu verhungern, kann gerne zu diesen wenig bekannten Erzählungen greifen. Der wahre Holmes ist das noch nicht, sondern eher ein – oder besser gesagt: zwei – Appetithäppchen. Dennoch kann das Hörbuch Vergnügen bereiten, wenn man sich auf einer kurzen Fahrt von 75 Minuten Dauer befindet. Für den bescheidenen Preis von acht Euronen erhält man immerhin keinen Aufguss einer uralten Radiosendung von anno dunnemals, sondern neue Hörspiele mit aktuellen Sprechern, die etwas von ihrem Handwerk verstehen.

|75 Minuten auf 2 CDs
ab 12 Jahren empfohlen|

John Sinclair – 166 – Der Doge, sein Henker und ich

Die Handlung:

Ein Urlaub in Venedig! Nur zu gern wollte ich mit Jane ein paar Tage in der berühmten Lagunenstadt genießen. Ich ahnte ja nicht, dass der grausame Doge Giancarlo Cabrisi zu neuem Leben erwacht war – und seinen Henker Turrio auf die Menschen hetzte!(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Taschenbuchs mit der Nummer 77 gemacht, das erstmalig am 11. August 1987 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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H. P. Lovecraft – Necronomicon. Horrorgeschichten (Lesung)

Gefühlvoll vorgetragene Schauergeschichten

Das verbotene Buch „Necronomicon“ ist die älteste und erschreckendste Erfindung, die Howard Phillips Lovecraft mit seinem Cthulhu-Mythos hervorgebracht hat. Es öffnet mit seiner dunklen Magie den Weg in eine fremde und unmenschliche Welt. (Verlagsinfo)

Dieser Erzählband versammelt sechs Geschichten vom Horror-Altmeister in neuer Übersetzung durch den Festa-Verlag, darunter „Das gemiedene Haus“ und „Gefangen bei den Pharaonen“. Neben den Storys des Cthulhu-Zyklus schrieb HPL vor allem in jüngeren Jahren, wie hier zu sehen, kürzere fabelhafte Erzählungen, die andeuten und anklingen lassen, was er später intensiv darstellte. Zusätzlich enthalten ist der Essay „Geschichte des Necronomicons“.
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Wolfgang Hohlbein – Anubis (Lesung)

Auf Cthulhu-Jagd in Kaliforniens Untergrund

Mogens VanAndt ist Professor für Archäologie an einer kleinen Provinzuniversität an der amerikanischen Ostküste. Ihm stand einmal eine glänzende Karriere bevor. Doch es gibt einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit, der ihm anhaftet. Da erhält er eine neue Chance – aber ausgerechnet von dem Mann, den er hasst wie sonst keinen. Es geht um die größte archäologische Entdeckung auf amerikanischem Boden: einen unterirdischen Tempel in Kalifornien.

Der Autor

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Siegel, James – Getäuscht (Lesung)

_Gefährliche Adoption: Amerikaner auf Abwegen_

Als sie in Kolumbien eine Tochter adoptieren wollen, widerfahren den beiden Amerikanern Paul und Joanna Breitbart seltsame Dinge. Als sie der Kinderfrau Gallina kurz ihre Tochter Joelle anvertrauen, scheint das Kind wie ausgewechselt zu sein. In der Tat: Es wurde vertauscht. Doch bei Gallina, die sie fragen, warten nicht Antworten, sondern Guerilleros der FARC. Das Ehepaar wird verschleppt und Paul gezwungen, einen Auftrag auszuführen: Er soll Kokain im Wert von zwei Millionen Dollar nach Jersey City schmuggeln, oder er werde seine Frau und seine Tochter Joelle nie wieder sehen. Alles geht gut, bis er am Ziel anlangt. Doch von den Empfängern des Kokses ist weit und breit niemand zu sehen, und an der angegebenen Adresse klafft ein Loch: Das Haus wurde tags zuvor abgefackelt. Etwa von den Feinden der FARC?

_Der Autor_

James Siegel studierte an der Uni von New York, bevor er eine Karriere als Werbefachmann einschlug, dessen Kampagnen mehrfach ausgezeichnet wurden. Er arbeitete als Senior Creative Director für BBDO, eine große Werbeagentur in New York City. Sein Debütroman „Epitaph“ erhielt 2001 den ersten Preis als bester Kriminalroman, eine Auszeichnung der „Private Eye Writers of America“. Sein Roman „Entgleist“ wurde mit Clive Owen und Jennifer Aniston verfilmt. Der Autor lebt auf Long Island vor der Stadt New York.

_Der Sprecher_

Matthias Koeberlin, geboren 1974, absolvierte die Hochschule für Film und Fernsehen „Konrad Wolf“ in Potsdam. Im Jahr 2000 erhielt er den Günter-Strack-Fernsehpreis. Er spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers „Das Jesus-Video“. Für seine Interpretation der [Hörbuchfassung 267 von Eschbachs Bestseller wurde er für den Deutschen Hörbuchpreis des WDR (2003) nominiert.

Koeberlin liest eine von Antje Seibel gekürzte Textfassung. Regie führte Katja Schiffmann, die Aufnahme im Dacapo-Studio, Breckerfeld, verantwortete Christian Päschk, die Musik lieferten Dennis Kassel und Horst-Günther Hank.

_Handlung_

Joanna und Paul Breitbart können keine eigenen Kinder bekommen und wenden sich an einen Anwalt, der Adoptionen vermittelt. Miles Goldstein sagt ihnen klipp und klar, dass Adoptionen in den meisten Ländern zwei Jahre brauchen, doch in Kolumbien nur zwei Wochen. Der Versicherungsmathematiker und seine Frau greifen zu und fliegen nach Medellín. Sie haben zwar von dem dortigen Drogenkartell gehört, ebenso von dem Bürgerkrieg zwischen Regierung, der FARC (marxistisch) und der USDF (ultrarechts), aber ihnen wird schon nicht passieren, denken sie. Falsch gedacht.

Nachdem sie den von bewaffneten Wachen beschützten Flughafen passiert haben, holt ihr künftiger Guide sie ab. Pablo bringt sie zunächst ins Hotel, dann zum Waisenheim, wo sie endlich ihr kleine Tochter in Empfang nehmen dürfen. Sie verlieben sich auf der Stelle in Joelle. Ein Kreis hat sich gebildet, und nur mit dem Baby ist er perfekt. Sie nehmen es mit ins Hotel. Weil sie auf das Baby nicht richtig vorbereitet sind, bringt Pablo die Amme Gallina mit, die etwa Mitte 50 ist. Endlich haben Paul und Joanna ein wenig Zeit, shoppen zu gehen. Klar, dass sie Spielsachen für ihre Tochter kaufen.

Als sie zurückkehren, sind weder Gallina noch Joelle im Hotelzimmer. Sie geraten ein wenig in Panik, und Paul besteht darauf, dass die Polizei gerufen wird. Seine unausgesprochene Anschuldigung, dass ein Verbrechen vorliege, kommt beim Hotelpersonal gar nicht gut an. Doch da kommt Gallina mit ihrem Kind zurück: Sie habe bloß ein Thermometer gekauft, sagt sie, von ihrem eigenen Geld übrigens. Die Kleine habe nämlich Fieber. Gallina ist etwas verletzt. Die Adoption wird zum Abschluss gebracht. Paul findet es ulkig, dass der amerikanische Vogelbeobachter, den er schon im Flugzeug bemerkt hatte, nun auch in der US-Botschaft auftaucht. Paul ahnt nicht, dass dieser Typ ein Drogenfahnder ist, mit einem speziellen Auftrag.

Als alles zur Abreise bereit ist, sagt Joanna, dass Joelle falsch rieche. Paul guckt ungläubig. Aber auch das Muttermal Joelles sei plötzlich verschwunden. Wie das denn? Weil Joanna ihn überzeugen kann, dass man ihr Kind vertauscht hat, fahren sie zu Gallina. Sie war ja schließlich mal kurz weg, angeblich in der Apotheke. Doch bei Gallina schreit ein zweites Baby, und es ist die echte Joelle! Aber weil Gallina ihnen beiden Betäubungsmittel in den Kaffee getan hat, können sie nichts mehr unternehmen. Man entführt sie an einen Ort, wo die FARC ein Lager hat.

Die Anweisungen des Kommandanten an Paul sind klar und deutlich: Wenn Paul Kokain, das in 36 Kondome verpackt und zwei Mio. Dollar wert ist, nach Jersey City schmuggelt und bei den richtigen FARC-Leuten abliefert, werden Joanna und die echte Joelle freigelassen und in die USA gebracht. Falls es ihm binnen 18 Stunden nicht gelingt, müssen sie sterben. Was bleibt Paul übrig? Er würgt die prall gefüllten Kondome hinunter, fliegt nach New York City, setzt sich in ein Taxi und fährt nach Jersey City. Selbstverständlich gehen die Kondome ihren natürlichen Weg und bevor es zum Schlimmsten kommt, findet Paul rechtzeitig eine Tankstelle, wo er sie loswerden, säubern und in einem kleinen Koffer verstauen kann.

Die Überraschung in Jersey City ist übel: Das Haus an der angegebenen Adresse ist tags zuvor abgefackelt worden, wie Paul herausbekommt. Unter der angegebenen Telefonnummer meldet sich niemand. Paul wendet sich an Miles Goldstein, den Adoptionsanwalt. Wegen Drogenschmuggels könne sich Paul nicht an die Behörden (Polizei, Außenministerium, FBI, was auch immer) wenden, deshalb müsse er, Paul, privat mit den Entführern verhandeln. Der Kontakt kann nur Pablo sein. Pablo wiederum hat Kontakt zu Gallina, und diese kann Joanna Nachrichten überbringen – und umgekehrt.

Paul fährt mit Miles zu einem Ort, an dem die Übergabe des Kokains stattfinden soll. Es ist am Rande eines Sumpfes. Die FARC-Männer, die auftauchen, wirken nicht vertrauenerweckend. Sie schnappen sich das Koks und wollen verschwinden, doch da tauchen zwei weitere Wagen auf. Diese Männer – wohl von der USDF – wollen nicht nur das Koks, sondern auch Leichen sehen. Sie setzen das trockene Schilf in Brand und warten ab, dass die versteckten Männer herausgetrieben werden. Da wird Paul endlich bewusst, dass er in einen Zweifrontenkrieg geraten ist. Kann er Miles noch vertrauen?

_Mein Eindruck_

Der Hintergrund der Entführungen in Kolumbien ist uns bereits aus dem Film „Lebenszeichen“ bekannt, in dem Russell Crowe, ein Verhandlungsführer und Geiselbefreier, mit Meg Ryan, der Frau eines entführten Ingenieurs (David Morse), ein Techtelmechtel anfängt. Hinter dieser Entführung steckte zwar ebenfalls eine Rebellenmiliz, aber die wurde von einem korrupten Politiker gesteuert, um Geld von den Angehörigen der Entführten zu kassieren. Die „Revolutionsarmee“ diente also nur als Kidnapperbande.

|Im Drogenkrieg|

Dies ist in „Getäuscht“ nicht der Fall. Jedenfalls nur zum Teil. Denn die FARC hat ebenso wie die konkurrierende USDF einen schwunghaften Drogenhandel mit den USA in Schwung gebracht. (Denn Drogen bedeuteten Geld, und Geld bedeutet Waffen.) Sie benutzt normalerweise einfache Landarbeiter als Kuriere, so genannte „mules“, die das in Kondomen verpackte Koks in ihrem Darm transportieren. Diesmal wird ein viel besseres Muli eingesetzt: Paul ist ein Bürger der Vereinigten Staaten. Aber die Schwierigkeiten, das gefährliche Zeug an den richtigen Abnehmer zu bringen, sind die gleichen.

Doch während Paul in einen wilden Drogenkrieg gerät und schließlich auch noch von Miles verraten wird, gibt Joanna in Kolumbien keineswegs auf. Sie will, dass ihre neu gewonnene Tochter (die sie viel Geld bezahlt hat) unbedingt überlebt und sie mit ihr nach Hause zurückkehren kann. Verständlich. Aber um fliehen zu können, muss sie erst Gallina, ihre Bewacherin und Helferin, besser verstehen. Wie sich herausstellt, führt Gallinas Geschichte, die wir in einzelnen Happen serviert bekommen, zu einer Wende – nicht nur für Joanna, sondern auch für Paul.

|Der unsichtbare Dritte|

Es gibt nämlich einen unsichtbaren Akteur namens Manuel Riojas, der die Fäden zieht, obwohl er in Florida im Knast sitzt. Manuel Riojas ist nicht nur der Kopf der ultrarechten Miliz USDF, sondern auch der Vater von Gallinas Enkelin. Gallinas Tochter Claudia hatte sich der FARC angeschlossen, wurde gefangen genommen, von Riojas geschwängert. Vor der Geburt konnte sie fliehen und danach Sophie zur Welt bringen. Als das Kind drei Jahre alt war, wurde Claudia jedoch entdeckt und nahm ein furchtbares Ende (eine der blutigsten Stellen im Buch). Gallina konnte Sophie retten und mit der Hilfe von Miles Goldstein in die USA bringen. Dort verlor sich ihre Spur. Riojas sucht immer noch nach seiner Tochter. Deshalb beschattet er Miles Goldstein. Und so geriet Paul zwischen die Fronten.

Die Abwechslung zwischen brenzligen Situationen in New York City und der Erzählung Gallinas erzeugt eine faszinierende Spannung. Während New York einen Cliffhanger nach dem anderen liefert, spinnt Gallina ein Bild von einem schrecklichen Land, nämlich Kolumbien, das sich seinerseits in einem sich endlos dahinziehenden Bürgerkrieg befindet, der es ausbluten lässt. Hier ist nichts von der Cowboy-Söldner-Romantik zu spüren, die Tom Clancy noch in „Das Kartell / Clear and Present Danger“, verfilmt mit Harrison Ford, heraufbeschwor. Hier ist einfach alles nur bedrückend, wie eine Vorhölle.

Ob diese Schilderung so hundertprozentig stimmt, kann ich natürlich nicht sagen. Aber man hört immer wieder von Entführungen durch FARC oder USDF, darunter auch von der einer prominenten Europäerin, deren Namen mir gerade nicht einfällt. Aber die Thematik hat mich bei einem Autoren wie James Siegel überrascht. Sein Roman „Entgleist“ spielt zwar ebenso in bürgerlichen New Yorker Kreisen, doch verlässt die Hauptfigur das Land nicht. Ganz anders hingegen „Getäuscht“: Der Schauplatz Kolumbien ist ebenso wichtig wie New York. Man kann aber nicht sagen, dass Siegel dadurch zu einem politischen Autor wird. Am Ende steht nämlich wieder heiles Familienglück. Die politischen Verhältnisse bleiben unverändert bestehen.

|Amis im Spiegel|

Allmählich ändert sich auch die Selbstwahrnehmung der Amerikaner, zumindest dann, wenn sie mal ins Ausland kommt (gerne als „rest of the world“ bzw. ROW tituliert). Siegel zeigt dies deutlich auf. Paul bemerkt im Hotelaufzug ein Paar Kolumbianer, das auf die „Gringos“ mit ihrem kolumbianischen Baby gar nicht gut zu sprechen ist. Leider ist sein Spanisch zu rudimentär, um sie gut zu verstehen. Er geht wie viele Amis davon aus, dass eh die meisten Leute Englisch können. (Und dass Gallina so gut Englisch kann, um Joanna ihre Leidensgeschichte so gut erzählen zu können, wie sie es tut, wirkt im Nachhinein etwas unwahrscheinlich.)

Was er aber kapiert, ist, dass sie denken, er nehme ihnen wieder einen Teil ihres Landes weg – was ja auch stimmt. Aber für die Zukunft Joelles hält das Ehepaar Breitbart sicher bessere Chancen bereit als ein Paar in Kolumbien. Siegel macht seinen amerikanischen Lesern bewusst, dass ihre Lebensweise kein Naturrecht ist, sondern verdient werden muss. Paul als sein Protagonist muss sich erst durchkämpfen, bis er alles zu einem guten Ende bringen kann.

_Der Sprecher_

Als ausgebildeter Schauspieler weiß Koeberlin seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Er charakterisiert die Figuren mit der Veränderung der Stimmlage, des Tempos und der Tonhöhe. Der Russe Moshe beispielsweise hat eine tiefe und raue Stimme, die von Miles Goldstein ist sehr gepflegt, schließlich ist er ja Anwalt. Pablo spricht Englisch nur stockend und gebrochen, denn er hat ja nicht viel Übung darin.

Koeberlin kennt nicht die Aussprache jedes einzelnen ausländischen Namens – wer könnte es ihm verdenken? Aber die Aussprache spanischer Namen gelingt ihm erstaunlich gut, so zum Beispiel beim Namen des Waisenhauses „Santa Regina Orfanato“. Das G wird wie ein CH ausgesprochen, und das tut er auch. Ebenso das J in dem Namen Riojas. Eigentlich eine der leichtesten Übungen.

Musik gibt es am Anfang und am Ende der Lesung, die An- und Absage erfolgt durch Franziska Pigulla, deren Stimme unverwechselbar ist.

_Unterm Strich_

Nach einem etwas verwickelten Anfang beginnt der Roman eine spannende Dynamik zu entfalten. Man kann von Pauls Verhalten halten, was man will, aber es sorgt für eine Menge Überraschungen und brenzlige Situationen – die meistens in Cliffhangern enden. Zur Abwechslung erfährt seine Frau Joanna, was hinter der ganzen Sache steckt und welche Tragödie nun auf einen guten Ausgang wartet. Der Kontakt zwischen den beiden Schauplätzen wird durch zwielichtige Figuren wie Pablo und den „Vogelkundler“ hergestellt. Unsichtbar spielt noch ein dritter Mann mit: Manuel Riojas, der Gallinas Tochter auf dem Gewissen hat und seine Tochter – nach zwölf Jahren – immer noch suchen lässt.

Ich fand die Geschichte aufgrund dieser Zutaten sehr kurzweilig und musste einfach schnellstens auch den Ausgang erfahren. Siegel ist hier zwar nicht zum größten Bestsellerautor aufgestiegen, aber nach dem stellenweise hanebüchenen [„Entgleist“ 690 wenigstens in meiner Achtung gestiegen.

Der Sprecher Matthias Koeberlin gestaltet das Geschehen recht lebendig und erweckt die meisten Figuren sehr anschaulich zum Leben. Insbesondere die schrägen Vögel scheinen ihm zu liegen, die meist nicht einmal einen Namen haben. Aber auch sein Gespür für menschlichen Tragödien ist eindeutig zu bemerken, und so wirkt Gallinas Leidengeschichte ebenso eindringlich, wie es Pauls wilde Erlebnisse in New York tun.

|Originaltitel: Detour, 2005
Aus dem US-Englischen übersetzt von Axel Merz
277 Minuten auf 4 CDs|
http://www.luebbe-audio.de

H. P. Lovecraft – Jäger der Finsternis

Unter dem Dämonenbann: Hexen, Kannibalen, U-Boot-Kapitäne

Wie wäre es, mal eine Nacht allein in einer gruseligen Gruft zu verbringen? Oder der nervenzerrüttenden Musik des verrückten Geigers Zann zu lauschen? Der Selbstversuch könnte einem Spiel mit dem Feuer gleichen.

Auf den vier CDs dieser Lovecraft-Audio-Ausgabe finden sich folgende sechs gruselige Geschichten: „Die Musik des Erich Zann“, „In der Gruft“, „Das Bild im Haus“, „Der Tempel“, „Jäger der Finsternis“ und „Träume im Hexenhaus“.

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Thomas Gifford – Assassini. Thriller (Lesung)

Finstere Machenschaften einer Mördertruppe versetzen die Angehörigen der Priesterschaft in Furcht und Schrecken. Offenbar will jemand den Ausgang der bevorstehenden Papstwahl zu seinen Gunsten entscheiden und räumt Widersacher aus dem Weg.

Der Autor

Thomas Gifford begann seine schriftstellerische Laufbahn als Autor von Kriminalromanen. Den internationalen Durchbruch erzielte er mit dem Vatikanthriller „Assassini“ (1991), gefolgt von Romanen wie „Gomorrha“ und „Protector“. Neun Jahre verwendete Gifford darauf, für „Assassini“ zu recherchieren und das Buch zu schreiben. Ein entsprechend großes, fundiertes Hintergrundwissen macht den Roman aus, der in Buchform immerhin 800 Seiten stark ist. Der Hörer kann das Buch in „nur“ etwas über neun Stunden genießen.

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Michele Giuttari – Das Monster von Florenz. Anatomie einer Ermittlung (Lesung)

Ermittlung: das Monster ist die Gesellschaft

In den Jahren 1974 bis 1985 wurden in der Umgebung von Florenz sieben junge Pärchen bestialisch ermordet. Jahrelang hielt sich die These vom eigenständig handelnden Serienkiller. Als Michele Giuttari 1995 die Leitung der Mordkommission von Florenz übernimmt, stellt er fest, dass mehrfach wichtige Daten unterschlagen wurden. Offenbar hatte der Mörder mehrere Gehilfen und führte die Morde im Auftrag aus. Giuttari schafft es, den Fall neu aufzurollen. Doch als der Fall weitere Kreise zieht, passt dies gewissen einflussreichen Persönlichkeiten überhaupt nicht in den Kram. Das Blatt wendet sich gegen Giuttari …
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Baldacci, David – Im Takt des Todes (Hörbuch)

_Zwischen Codeknackern und Agenten: am Fluss der Geheimnisse_

Babbage Town ist streng geheim. Dort arbeiten Genies an einer Maschine, die jeden Code knacken soll. Doch nun ist einer der Wissenschaftler ermordet worden. Nur Viggie, die Tochter des Toten, kennt die Hintergründe. Aber Viggie ist autistisch, und jedes Mal, wenn sie nach ihrem Vater gefragt wird, spielt sie auf dem Klavier ein bestimmtes Stück …

_Der Autor_

David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren, wo er heute lebt. Er wuchs in Richmond auf; sein Vater war Mechaniker und später Vorarbeiter bei einer Spedition, seine Mutter Sekretärin bei einer Telefongesellschaft. Baldacci studierte Politikwissenschaft an der Virginia Commonwealth University (B. A.) und Jura an der University of Virginia. Während des Studiums jobbte er unter anderem als Staubsaugerverkäufer, Security-Guard, Konstrukteur und Dampfkesselreiniger. Er praktizierte neun Jahre lang als Anwalt in Washington, D.C., sowohl als Strafverteidiger als auch als Wirtschaftsjurist.

Neben seiner Arbeit als Schriftsteller engagiert sich Baldacci für eine Reihe karitativer und gesellschaftlicher Institutionen, darunter der National Multiple Sclerosis Society, der Barbara Bush Foundation for Family Literacy, der Virginia Foundation for the Humanities, der America Cancer Society, der Cystic Fibrosis Foundation und der Viriginia Commonwealth University. David Baldacci ist verheiratet und hat zwei Kinder: Tochter Spencer und Sohn Collin. (Verlagsinfo)

Auswahl seiner Bücher:

1) [Die Verschwörung 396
2) [Der Abgrund 414
3) [Mit jedem Schlag der Stunde 2400
4) Absolute Power / Der Präsident
5) [Die Wächter 4513
6) [Die Versuchung 676
7) [Das Versprechen 361
8) Das Labyrinth
9) [Im Bruchteil der Sekunde 836
10) [Das Geschenk 815
11) [Im Takt des Todes 5677
12) [Die Sammler 5748

_Die Sprecher_

Tanja Geke war nach ihrer Schauspielausbildung in Berlin in verschiedenen Film- und Fernsehrollen zu sehen, unter anderem in „Rosa Roth“ und „Praxis Dr. Sommerfeld – Neues von Bülowbogen“. Neben ihren TV-Auftritten ist von ihr so manches zu hören. Sie lieh ihre Stimme bereits Kate Hudson („Almost Famous“), Scarlett Johannson („The Prestige“) und Beyoncé Knowles.

Tobias Kluckert, geboren 1972, ist Schauspieler und Synchronsprecher. Er lieh unter anderem Joaquin Phoenix als Johnny Cash in dem Film „Walk the Line“ seine Stimme, synchronisierte aber auch Guillaume Depardieu, Curtis ’50 Cent‘ Jackson, José Zuniga in „CSI – Den Tätern auf der Spur“ und viele andere. (Verlagsinfos)

Tobias Kluckert und Tanja Geke tragen eine bearbeitete Fassung vor.

Regie führten Kati Schäfer und Kai Lüftner, die Aufnahme erledigten Tobias Barthel und Christian Päschk in den |d.c. Tonstudios|. Die Musik trugen Dennis Kassel und Dicky Hank bei.

_Handlung_

Sean King und Michelle Maxwell sind ehemalige Agenten des Secret Service, die sich als Privatdetektive selbständig gemacht haben. Leider hat ihre letzte Auseinandersetzung Michelle schwer in Mitleidenschaft gezogen. Tatsächlich ist sie sogar ans Krankenbett gekettet, bemerkt Sean mit Bestürzung. Als er fragt, wie es dazu kommen konnte, erfährt er von Michelles Opfer, dass sie den Mann in einer Bar angegriffen habe. Aber der nachfolgende Kampf sei merkwürdig verlaufen, so als ob es Michelle darauf angelegt habe, besiegt zu werden.

Als Sean sich an seinen Freund Horation Barnes wendet, sagt ihm der Psychologe, dass Michelle ernste Probleme habe und dringend von ihrer Todessehnsucht geheilt werden müsse. Sean stellt Michelle scheinbar vor die einfache Wahl: Knast oder Behandlung. Sie willigt ein. Doch die Privatklinik ist teuer, und Sean gerät in eine Finanzkrise, um auch nur die Aufnahmegebühr aufbringen zu können. Um mehr Kohle zu verdienen, ruft er seine Ex Joanne Dillinger an. Sie hat einen Auftrag für ihn: in Babbage Town, Virginia.

|Babbage Town|

Sean landet in Yorktown am schönen York River und wird weiter nach Babbage Town gefahren, wobei er vom Fahrer jede Menge interessante Infos bekommt. So liege am gegenüberliegenden Ufer Camp Peary, ein ausgedehnter Stützpunkt der CIA – top secret und selbstredend off limits. Daneben habe die Navy eine Anlage. Tatsächlich gehörte Camp Peary früher der Navy. Babbage Town ist eine geheime Denkfabrik, die von Champ Pollion geleitet werde. Ja, er habe den verstorbenen Wissenschaftler Mark Turing gekannt.

Champ Pollion erzählt mehr über den Tod von Mark Turing, den Sean aufklären soll. Es war nicht Champ, der Sean anforderte, sondern Len Rivest, der Sicherheitschef der Anlage. Dass Seans Job nicht einfach werden würde, macht ihm schon der Umstand klar, dass Turing in Camp Peary gefunden wurde, direkt am Zaun, das heißt: innerhalb des Zauns. Offenbar war es Selbstmord. Der Sheriff Merkle Hayes habe schon die nötigen Fragen gestellt. Was ein Privatschnüffler wie Sean hier wolle, frage sich Pollion wirklich.

Len Rivest ist nicht so ablehnend. Während er ihn in das alte Herrenhaus einlässt, bemerkt Sean überall Wachen, Codeschlösser, Videokameras und Ausweise. Das hier ist ein Hochsicherheitsgelände. Rivest erzählt von Mark Turing: Selbstmord, denn die Tatwaffe lag neben seinem Kopf und er selbst innerhalb des Zauns. Turings elfjährige Tochter Viggie – kurz für „Visionaire“ – weiß noch nichts vom Tod ihres Daddys, denn sie ist eine Autistin, die von Alice Chadwick betreut wird. Rivest redet davon, dass es hier in Babbage Town Spione gebe. Und was könnte es hier geben, für das Menschen spionieren würden, fragt Sean. „Dinge, für die Völker in den Krieg ziehen würden“, meint der silberhaarige, alte Mann ernst.

Sean geht zu Turings Haus. Drinnen brennt Licht, und Sean kann eine Schlafende sowie ein Mädchen erkennen, das Klavier spielt. Ein Stimme hinter ihm lässt ihn erstarren. Es ist Alice Chadwick, und sie bringt ihn in ihr Büro. Sie hat eine Beinprothese. Das Bein verlor sie im Irak, als ihr Wagen auf eine Mine fuhr. Als Spezialistin für Mathematik und Sprachwissenschaft ist sie Abteilungsleiterin für Baracke 1, während Camp Pollion Baracke 2 leitet. Alice sagt etwas kryptisch, sie suche eine mathematische Abkürzung.

Später findet Sean heraus, dass sie vom Codeknacken redet. Damit kommt sie der NSA, Wirtschaftsunternehmen, Regierungen und natürlich Verbrechersyndikaten in die Quere, die alle selbst Codes knacken wollen. Pollion entwickle den Quantencomputer, der zigmal schneller Codes knacken könne als herkömmliche Rechner. Wenn Babbage Town also ein Erfolg wird, dann bedeutet dies das Ende aller verschlüsselten Kommunikation und Geldtransaktionen. Ein Rückfall auf das technische Niveau der siebziger Jahre wäre die Folge. Dies zu verhindern, könnte schon einen Mord wert sein, denkt er.

Als er im Herrenhaus schläft, wo Rivest ihn untergebracht hat, erwacht er von einem großen Jet, der über die Anlage donnert. Über eine Hochsicherheitszone?! Und dann auch noch unbeleuchtet! Sean starrt auf das Flugzeug: Es landet in Camp Peary. Was darin wohl transportiert wird, fragt er sich. Und warum protestiert niemand in Babbage Town gegen diese Flüge?

Neuguerig geworden, sieht sich Sean morgens am Fluss um. Offenbar fehlt keines der Boote aus dem Bootshaus, was recht merkwürdig ist, wenn man sich fragt, wie Turing überhaupt über den Fluss kam. Er schaut mit dem Fernglas nach Camp Peary, als über seinem Kopf ein Ast bricht und ihm auf den Kopf fällt. Man schießt auf ihn! Und nicht bloß einmal. Er wirft sich auf den Boden, macht sich platt und tritt den geordneten Rückzug an, um sich sofort bei Rivest über die rüden CIA-Methoden zu beschweren.

Doch er kommt zu spät. Rivest liegt tot in seiner Badewanne. Etwas stimmt hier überhaupt nicht in dieser Denkfabrik, findet Sean, und macht sich ans Werk, um diesen Sauladen auszumisten. Er ahnt nicht, dass er dabei sein Leben aufs Spiel setzt. Dennoch ist er ziemlich froh, als erst Michelle eintrifft und dann Horatio. Sie hat’s ohne Sean nicht mehr in der Psychotherapie ausgehalten, und Horation macht sich Sorgen, Michelles Todestrieb könnte eine Katastrophe provozieren. Na, da ist ja ein prächtiges Team beisammen. So können sie den Geheimnissen Babbage Towns und Camp Pearys auf den Grund gehen.

Dass das Trio in dieser Mission alles andere als willkommen ist, erfahren sie direkt vom FBI-Agenten Michael Ventress persönlich. Der schneidige Agent droht Sean, er werde ihn allemachen, sollte er ihm, Ventress, in die Quere kommen. Doch das fordert Sean und Michelle erst recht heraus …

_Mein Eindruck_

Zunächst könnte man wirklich meinen, dass es in dieser Geschichte um Codeknacker und ihre ach so bedrohlichen Erfindungen geht. Der Autor tut jedenfalls alles dafür, damit dieser Eindruck über weite Strecken erhalten bleibt. Dem amerikanischen Leser dürfte es womöglich eine Freude sein zu erfahren, wie großartig seine Regierung um das Knacken von Codes – des jeweils ausgewählten Feindes, versteht sich – bemüht ist.

|Ein Staat im Staate|

Doch je mehr sich Sean King, unser Mann für außergewöhnliche Aufgaben à la James Bond, auf das Territorium der CIA vorwagt, umso zwielichtiger erscheint das Verhalten dieser Regierungsbehörde. Die CIA erscheint zunehmend als Staat im Staate, eine Zone der Rechtlosigkeit. Dafür sprechen die unbeleuchteten und nirgendwo verzeichneten Flüge nach Camp Peary, aber auch die hermetisch abgeriegelte Unzugänglichkeit des weitläufigen Geländes. Außerdem haben die Geheimdienstler auch noch einen braven Codeknacker, eben Mark Turing, auf dem Gewissen. Nun beschießen sie auch noch Sean King aus dem Hinterhalt. Klar, dass der wahre Feind, mit dem Sean zu tun hat, auf der anderen Seite des Flusses residiert.

|Die Deutschen und Enigma|

Doch bevor sich Sean, Michelle und Horatio diesem Reich des Bösen nähern können, müssen sie erst ihre Hausaufgaben machen. Jetzt kommen die Deutschen ins Spiel. Nicht irgendwelche Deutschen, sondern jene, mit denen der brave Mark Turing in Wiesbaden und Blechtley Park zu tun hatte – dort, wo im II. Weltkrieg die britischen Codeknacker um Mark Turings Vorfahren Alan Turing tätig waren und den Verlauf des Krieges entscheidend verkürzten.

Turings Team gelang es nämlich, den Enigma-Code der deutschen Wehrmacht zu knacken. Die Enigma war der heilige Gral der Codeknacker jener Zeit. U-Boot-Funker, die gefangen genommen wurden, fanden sich im Vorläufer von Camp Peary in den Händen der US Navy wieder. Nur einem der deutschen Kriegsgefangenen gelang die Flucht: Heinrich Fuchs, der sich später Henry Fox nannte, nachdem ihm Mark Turing geholfen hatte, nach Europa zu gelangen.

Heinrich Fuchs revanchierte sich mit einem ganz besonderen Geheimnis, das er auf dem Gelände von Camp Peary versteckt hatte. Und dieses suchte Mark Turing mehrfach, bevor er den Wachsoldaten der CIA zum Opfer fiel. Sein Tod wurde natürlich als Selbstmord hingestellt, aber Sean glaubt keine Sekunde an dieses Märchen. Nun gibt es also für Seans Sturmtrupp gleich mehrere Rätsel zu lösen, wenn sie in Camp Peary eindringen.

Leider hat sich Sean selbst übers Ohr hauen lassen. Er dachte, er würde Ian Whitfields, des CIA-Kommandanten, abtrünnige Frau Valerie Messaline verführen, ihm gewisse Details über Camp Peary zu verraten. Es gehört jedoch zu einer der größten Überraschungen im Handlungsverlauf, dass sich Valerie als etwas ganz anderes als eine Ehefrau entpuppt, die auf erotische Abenteuer aus ist. Sie gehört zwar zur CIA, hat aber mehr mit Drogenhandel als mit Erotik zu tun …

|Die Behandlung von Terroristen|

Das letzte Drittel des Buches ist Abenteuer-Action reinsten Wassers. Eine Actionszene jagt die nächste, bis sich Sean und Michelle schwer in der Bredouille befinden. Dass Michelle schon wieder einen ihrer Anfälle von Todestrieb hat, macht die Sache für sie weiß Gott nicht leichter. Als sich beide in Zellen des CIA-Knastes von Camp Peary befinden, bekommen unsere aufrechten Kämpfer eine Kostprobe dessen, was Terroristen in Guantanamo widerfährt – alles abgesegnet von der Bush-Administration: Schlafentzug, ständig dröhnend laute Musik, unbequemes Sitzen und dergleichen Genüsse mehr. Am Schluss ist Sean beinahe bereit, Valerie Messaline, seiner Folterherrin, ihren Willen zu lassen und klein beizugeben. Doch da wendet sich das Blatt wieder mal auf unerwartete Weise – die Kavallerie ist eben auch nicht mehr das, was sie mal war.

Der arme amerikanische Leser! Erst erscheint seine Regierung als Heldin, dann zwielichtig, schließlich als Verbrecherin. Von Amerikas Ruhm bleibt nicht mal ein Staubhäufchen zurück. Im Grunde ist das Buch eine Abrechnung mit der Bush-Ära und lässt kein gutes Haar daran. Vielleicht werden Ex-Secret-Service-Leute und junge Genies (darauf verweist der O-Titel „Simple Genius“) die Ehre des Landes retten.

|Die Sprecher|

Tobias Kluckerts Stärke ist nicht die stimmliche Klangfarbe, die von Figur zu Figur wechselt, sondern die Emotion, die die Ausdrucksweise einer Figur prägt. Er spricht alle Dialoge, die aus dem Blickwinkel Sean Kings erlebt werden. Viele dieser Dialoge sind von Aggression beherrscht, weil sich King in seiner Eigenschaft als Ermittler auf das geistige Territorium zahlreicher Machthaber vorwagt. Der übelste Bursche ist der FBI-Agent Michael Ventress, dessen Redeweise von unverhohlener Ablehnung und Drohung gekennzeichnet ist. Auch die CIA-Typen und Champ Pollion sind nicht weit von dieser aggressiven Haltung entfernt.

Da sind mir der gemütliche Alte Len Rivest und Sheriff Merkle Hayes schon wesentlich lieber. Rivest ist ein Veteran und Hayes ein nur scheinbar gemütlicher Provinzbulle, doch das ist nur Fassade für eine andere Aufgabe. Später stößt noch Horatio Barnes zu Kings kleiner Truppe: ein zivilisiert und überlegt artikulierender Mann, dem man sofort die Tochter anvertrauen würde.

Die einzigen Frauenfiguren, die Kluckert darstellen muss, sind Alice Chadwick, ihr junger Schützling Viggie und die angebliche Frau des CIA-Kommandanten, Valerie Messaline. Bei Viggie darf sich der Sprecher etwas naiv und unschuldig geben, doch später fließen auch Tränen, denn Viggie macht nicht immer alles richtig. Dann kommt sie aber in die Obhut von Michelle Maxwell und darf richtig emotional dargestellt werden.

Tanja Geke spricht den Part von Michelle Maxwell, die zur Hüterin und besten Freundin von Viggie Turing aufsteigt – spätestens nachdem sie Viggie auf dem Fluss das Leben gerettet hat. Michelles Part scheint anfangs hinter den von King zurückzutreten, doch dafür gehört ihr das Finale im Epilog. Geke stellt Michelle in mehreren emotionalen und sehr dramatischen Szenen sehr gut dar, so dass sie vollständig hinter dem Geschehen verschwindet.

Obwohl mehrfach erwähnt wird, dass Viggie eine Melodie spielt, erklingt diese kein einziges Mal. (Es handelt sich um das romantische Lied über den Fluss „Shenandoah“.) Das fand ich etwas schade. Die Musik wird daher ausschließlich in Intro, Outro und im Ausklang jeder CD von dem musikalischen Motiv bestritten, das Dennis Kassel und Dicky Hank beitrugen. Es handelt sich um eine Allerwelts-Hintergrundmusik, die eine Mischung aus Drama und Action andeuten soll: Für das Drama steht das Piano, für die Action die Trommeln. Hab ich schon wieder vergessen.

_Unterm Strich_

David Baldacci beschäftigt sich seit seinem ersten, verfilmten Erfolgsroman „Absolute Power“ mit der Moral der Regierung seines Landes. In seinem vorliegenden Roman betätigt sich die CIA, ebenfalls eine Regierungsbehörde, als Drogenhändler und Folterknecht von Terroristen, als Spion in einem Unternehmen der Privatwirtschaft, nämlich Babbage Town, und last but not least als Miniarmee, die den York River rauf und runter rast, um Eindringlinge dingfest zu machen – unter Einsatz von Raketen, wohlgemerkt.

Die Ironie, die schon Mark Turing erkannt hat, besteht darin, dass die CIA nicht einmal das große Geheimnis entdeckt hat, das sich direkt unter ihrer Nase befindet: den Schatz des letzten Gouverneurs von Virginia, Lord Durhams. Einen weiteren Schatz finden Sean King und Michelle Maxwell nun im Kopf der jungen, autistischen Viggie, die offenbar von ihrem verstorbenen Vater „programmiert“ worden ist.

Dabei stellen sich King & Co. bei ihren Fragen zu Verschlüsselung und Quantencomputern wie die ersten Menschen an. Aber das ist ein Zugeständnis an den dümmsten amerikanischen Leser, der von Verschlüsselung noch nie etwas gelesen hat, obwohl er ständig auf irgendwelchen Webseiten seine Passwörter eingeben muss. Auch der Name von Babbage-Town-Leiter Champ Pollion ist für allgemeingebildete Europäer ein Insiderwitz: Der Franzose Champollion war es ja schließlich, der die ägyptischen Hieroglyphen entschlüsselte. Von Subtilität in der Namensgebung also keine Spur.

Wie schon in „Im Bruchteil der Sekunde“ garantieren die Namen Sean King & Michelle Maxwell jede Menge Action. Und die gibt es auch im letzten Drittel jede Menge – dank des feuerkräftigen Einsatzes der Central Intelligence Agency. Dennoch ist an Sean und Michelle kein reines Agentenpaar ohne Innenleben oder Skrupel verlorengegangen. Diesmal muss Michelle ihre Todessehnsucht, die sich zweimal fatal äußert, in den Griff bekommen. Was die Hypnosesitzung ans Licht fördert, gehört in den Fundus eines Psychothrillers vom Schlage einer Karin Slaughter. Damit hat David Baldacci wieder Punkte gutgemacht.

|Das Hörbuch|

Ich habe Tanja Geke unterschätzt. Seit ich sie als Sprecherin von Kristin Falcks „Hüter der Wolken“ hörte, dachte ich, sie sei auf sanfte weibliche Rollen festgelegt. Sie lieh ihre Stimme bereits Kate Hudson („Almost Famous“), Scarlett Johannson („The Prestige“) und Beyoncé Knowles. Nun spricht sie auch die Actionrolle von Michelle Maxwell mit Bravour, und es gelingt ihr, hinter der Figur zu verschwinden. Natürlich eignet sich Geke wesentlich besser als Kluckert dafür, eine junge Frau wie Viggie darzustellen. Da ist dann mehr Emotionalität gefragt. Einen Aussprachefehler muss ich monieren: Sie spricht den Namen Ian als „aiän“ statt „iän“ aus.

Kluckert musste sich hörbar anstrengen, um die vielfach aggressive Ausdrucksweise der männlichen Figuren halbwegs unterscheidbar machen zu können. Es soll ja nicht so klingen, als hätte man es ständig mit der gleichen Figur zu tun. Deshalb waren mir seine Porträts der „gemütlicheren“ Herren Merkle Hayes und Len Rivest lieber. Für Sean King ist er der ideale Sprecher: Sein Sean erscheint zupackend, durchsetzungsfähig und doch sehr intelligent und umsichtig. Lediglich die im Klappentext erwähnte geheimnisvolle Klaviermusik glänzt durch Abwesenheit. Und die verwendete Hintergrundmusik ist völlig austauschbar.

|Originaltitel: Simple genius, 2007
Aus dem US-Englischen übersetzt von Rainer Schumacher
430 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3845-0|
http://www.luebbe-audio.de
http://www.davidbaldacci.com

Hohlbein, Wolfgang / Lüftner, Kai / Weick, Kathrin – Kevins Reise (inszenierte Lesung)

Drogen und Gral: Abenteuer im heiligen Land

„Kevin von Locksley:“ Mittelalter in England. Eines Tages taucht ein seltsamer junger Mann in den Wäldern um Nottingham auf. Er nennt sich Kevin von Locksley und behauptet, der leibhaftige Halbbruder des legendären Robin Hood zu sein. Niemand glaubt ihm, doch Kevin kann seine Behauptung mit Brief und Siegel belegen – und er weiß etwas, was sonst niemand im Lande weiß: Der tapfere König Richard Löwenherz soll Opfer einer großen Verschwörung werden.

Die Fortsetzung in „Kevins Reise“: Kevin reist ins Heilige Land, um den König vor der Verschwörung Gisbornes zu warnen. Wird der Junge dieser großen Aufgabe gerecht werden? Denn auch Kevins alter Erzfeind Hasan as Sabah taucht in Palästina auf. Nun gerät nicht nur das Leben des Königs, sondern die Zukunft ganz Englands in Gefahr, von Kevin ganz schweigen.

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab zehn Jahren.

Hohlbein, Wolfgang / Lüftner, Kai / Weick, Kathrin – Kevins Reise (inszenierte Lesung) weiterlesen