In naher Zukunft gibt es neben den Nationalstaaten noch eine weitere Art von Staaten: virtuelle Netzwerke, die über das Internet verbunden sind. Diese „Stämme“ haben sich nach den Zeitzonen der Erde organisiert. Und sie bekämpfen sich nicht weniger erbittert als ihre Vorbilder in der realen Welt. Nur mit völlig anderen Mitteln. (abgewandelte Verlagsinfo) Cory Doctorow – Upload weiterlesen →
Mit dem Roman „The Whipping Star“ (dt. als „Der letzte Caleban“ bei |Heyne|) schrieb Frank Herbert (1920-86) den ersten Band der Caleban-Dilogie. „Das Dosadi-Experiment“ ist die direkte Fortsetzung zu „Der letzte Caleban“, mit den gleichen Hauptfiguren, den intelligenten Sonnen (Calebans) und dem menschlichen Agenten Jorj X.McKie.
Beide Bücher sind sowohl Agententhriller als auch Untersuchungen über das Phänomen fremdartiger Intelligenzformen und Herberts Aussagen dazu. Sie mögen interessante Analysen sein, doch als Thriller funktionieren nicht, denn die Handlungsstruktur ist etwas zu komplex. Wenn Herbert hier die Null-A-Serie van Vogts nachahmen wollte, so ging der Versuch daneben.
„Das Dosadi-Experiment“ ist zwar nicht gerade ein Flop, aber weit von der Qualität der meisten Wüstenplanet-Romane entfernt.
„The Dosadi Experiment“ wurde für einen Locus Award als bester SF-Roman des Jahres 1978 nominiert, verlor aber gegen Frederik Pohls weitaus besseren Roman „Gateway“.
Der Autor
Frank Herbert (1920-1986) wuchs im Nordwesten der USA auf, arbeitete als Reporter und Wahlkampfhelfer, bevor und während er ab 1952 seine ersten SF-Stories veröffentlichte, denen 1956 der erste Roman „Dragon in the Sea“ folgte. 1963 -1965 wurden seine Stories um den Wüstenplaneten Arrakis in „Astounding“ publiziert, doch um seinen daraus aufgebauten Roman „Der Wüstenplanet“ unterzubringen, musste Herbert erst 20 Ablehnungen kassieren, bevor es ihm 1965 gelang, den Verlag Chilton Book Co. zu gewinnen, der mehr für seine Autoreparaturratgeber bekannt war.
Die DUNE-Saga umfasste schließlich sechs Romane aus Frank Herberts Schreibfabrik, von denen die ersten drei verfilmt worden sind. Herbert schrieb neben 20 anderen SF-Romanen auch einen interessanten Non-SF-Roman namens „Soul Catcher“, der noch nicht übersetzt worden ist.
Die Fortsetzung von „Der letzte Caleban“ trägt den Titel „Das Dosadi-Experiment“ (siehe meinen Bericht). Beiden Romanen ging 1964 die Story „The tactful saboteur“ voraus, die in dem Sammelband „Frank Herbert: Der Tod einer Stadt“ abgedruckt ist.
Handlung
Die Calebans haben der Gemeinschaft menschlicher Welten die Sprungtüren hinterlassen, die kreuz und quer durch die Galaxis führen. Inzwischen sind auch Aliens wie die froschartigen Gowachin und die Pan-Spechi in die Geistesgemeinschaft der besiedelten Welten aufgenommen worden und dürfen die Sprungtüren benutzen. taprisioten vermitteln verzögerungsfreie Gehirn-zu-Gehirn-Gespräche.
Unterstützt von einem Caleban führen die Gowachin auf dem Planeten Dosadi seit 20 Generationen unter dem Schutz eines (fast) undurchdringlichen tempokinetischen Energieschirms – der Gottes-Mauer“ – ein Experiment durch. Auf engstem Raum zusammengepfercht und inmitten einer giftigen Umwelt leben mehr als 300 Millionen Nachkommen verschleppter Menschen und Gowachin unter schlimmsten Bedingungen.
Das Experiment
Dieses Experiment sollte ursprünglich der Zuchtwahl dienen und so die jeweils rassisch wertvollsten Exemplare hervorbringen. Diese wiederum sollten der Führungsschicht der Gowachin, den „Puppenspielern“, Körper von höchster Qualität für den Körpertransfer liefern. So würden die Puppenspieler Unsterblichkeit erlangen. In diesem Universum sind Körper und Geist austauschbar geworden, und keine Identität ist, was sie zu sein scheint.
Doch nach so langer Zeit ist Dosadi zu einer sozialen Bombe geworden, vor der selbst ihre Schöpfer Angst haben. Sie wollen das Experiment stoppen und den Planeten vernichten, bevor die Geistesgemeinschaft davon erfährt, die solche Experimente als höchst illegal einstuft.
Der Saboteur
Jorj X.McKie ist einer der wenigen Menschen, die vielleicht noch etwas unternehmen können. Als Anwalt eines Gowachin namens Aritch – eines Strohmanns der „Puppenspieler“ – begibt er sich nach Dosadi und schließt sich schon bald der Widerstandsbewegung der Menschen an, die unter Führung der früheren Regierungsbeamtin Keila Jedrick gegen die Gowachin-Machthaber rebellieren.
Zwar ist McKie anfangs noch unbedarft wie ein Kind, doch er wird in kurzer Zeit zum Dosadi, brutal und illusionslos. In den Kämpfen gegen die Dosadi-Gowachin erfährt er als Jedricks Gefährte, was hinter dem Experiment steckt. Und er hat nur noch 60 Stunden Zeit, eine Lösung zu finden und die ganze Bombe zu entschärfen.
Mit Jedrick vereinigt er sich zunächst körperlich, dann auch geistig, der Austausch der Bewusstseine klappt reibungslos. Zusammen teleportieren sie vom Planeten, nachdem sich der Anführer der Dosadi-Gowachin, Broey, gestellt hat. Während sich Jedrick, eine wertvolle Zeugin, versteckt, steht McKie vor Gericht.
Es ist ein Gericht nach Gowachin-Recht, und der Ausgang ist daher immer tödlich – doch für wen? Mit mehreren Winkelzügen gelingt es ihm, den Fall zu gewinnen. Leider bringen seine Gegner seine Geliebte Jedrick um, doch was bedeutet schon ein Körper? Ihr Geist lebt in McKie weiter. Und alle Dosadi-Bewohner werden auf die ahnungs- und wehrlose Galaxis losgelassen…
Meine Meinung
Überbevölkerung war eines der Schreckgespenster der 70er Jahre, nachdem der |Club of Rome| seine schrecklichen Prognosen abgegeben hatte. Auch John Brunner schrieb 1968 mit „Stand on Zanzibar“ eine dystopische Horrorvision von den Folgen dieser Entwicklung. Doch nur Herbert verknüpft das Thema mit seinem alten Standard der rassischen Zuchtwahl, den er schon in „Der Wüstenplanet“ benutzt hatte (der Held, Paul Atreides, ist das Produkt der Zuchtwahl eines Frauenordens).
Während es ihm in „Dune“ gelungen war, fremde Intelligenz – die Fremen, die Mentaten, Bene Tleilax usw. – interessant darzustellen, führt Herbert hier die Gowachin und anderen Aliens nur oberflächlich vor, anhand weniger Exponenten: Aritch, die Puppenspieler, die Calebans usw.
Die Dosadis werden vor allem durch Jedrick verkörpert, eine taffe Kriegerin, die auch strategische Fähigkeiten besitzt. Leider ist die psychologische Porträtierung zugunsten eines raschen Handlungstempos kurz gehalten. Dem Leser ist daher herzlich egal, wer nun wen umbringt oder auch nicht.
Nach der langen Exposition, die in McKies Einweisung und sein Verhör Aritchs besteht, folgt der Hauptteil auf Dosadi, der abrupt abgebrochen wird. Am interessantesten ist der letzte Teil: die lange Gerichtsszene steht einem „Court Drama“, wie es Hollywood im Dutzend produziert, in nichts nach, was Tricks, böse Überraschungen und Spannung anbelangt.
Originaltitel: The Dosadi Experiment, 1977
Taschenbuch: 285 Seiten
Aus dem US-Englischen übertragen von Walter Brumm
ISBN-13: 978-3453306196 www.heyne.de
Der Autor vergibt: (3.0/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Dynamisches Ermittlerduo: Mit dem Robot in die Unterwelt
3000 Jahre in der Zukunft. Während die „Spacer“ genannten Weltraumsiedler auf ihren dünnbesiedelten Welten leben, die ihre Vorfahren kolonisiert haben, vegetieren die Menschen der alten Erde, zu Millionen zusammengepfercht, in überkuppelten Metropolen: den Stahlhöhlen.
In der Spacer-Kolonie außerhalb New Yorks wird unter rätselhaften Umständen ein Spacer ermordet. Politische Repressalien drohen, und der Polizei-Commissioner Enderby betraut seinen besten Mann Elijah Baley mit der Aufklärung des Mordes. Doch zum ersten Mal in seinem Leben soll Baley mit einem Ermittler der Spacer zusammenarbeiten, ausgerechnet mit einem Roboter: R. Daneel Olivaw. Doch warum zum Kuckuck sieht Olivaw genauso aus wie ein Mensch? Wird er sich auch wie einer verhalten? Und was, wenn nicht? Isaac Asimov – Die Stahlhöhlen (Foundation-Zyklus 4) weiterlesen →
Mit Buzz Aldrin wagte sich wieder einmal ein Fachmann der bemannten Raumfahrt an einen SF-Roman – das kann ein Vor- oder ein Nachteil sein. Aldrin betrat nach Neil Armstrong als zweiter Mensch den Mond. Nach dieser Apollo-11-Mission promovierte er über Astronautik und gilt auch als Experte für Raumfahrtpolitik. Bereits auf den ersten Seiten merkt der Leser, dass hier jedes einzelne Detail, jeder Handgriff im Umgang mit einem Raumfahrzeug bekannt und belegbar ist. Man kann sich beruhigt zurücklehnen und genießen, wenn man ein Technikfan ist. Andere Leser dürfte eher anöden, wenn sich der Experte seitenlang über eine Unzahl von Raumfahrzeugen und Flugmanöver auslässt.
Die nahe Zukunft: Der Meeresspiegel steigt rasant an. Städte werden überflutet, Millionen von Menschen sind auf der Flucht. Was ist die Ursache für diese verheerende Flut? Der Klimawandel? Oder ein anderes, bisher unbekanntes Phänomen? Als die Wissenschaftlerin Thandie Jones eine sensationelle Entdeckung macht, beginnt ein gnadenloser Wettlauf mit der Zeit. Denn die Flut bedroht das Überleben der ganzen menschlichen Zivilisation… (Verlagsinfo)
Hintergrund der Geschichte ist, dass sich im Tiefengestein der Erde große Wasserkavernen befinden. Diese Kavernen brechen auf und überfluten die Kontinente. In den ersten Jahren steigt der Meeresspiegel um wenige Zentimeter pro Jahr, dann um mehrere Meter pro Jahr, schließlich um hunderte Meter pro Jahr. Über einen Zeitraum von 50 Jahren beschreibt der Roman die Flucht der Menschen vor der nicht aufzuhaltenden Flut. Die einen fliehen in höhere Gebiete, die anderen versuchen ihr Glück auf Flößen und die dritten bauen Archen, um zu überleben. (Wikipedia.de) Stephen Baxter – Die letzte Flut weiterlesen →
Spannend: Die Amis sind weg – was machen wir jetzt?
Am 14. März 2003 verschwinden die Vereinigten Staaten von Amerika – aber wohin? Auch Teile der angrenzenden Länder werden von einer Energiewolke erfasst, die jedes Leben vernichtet. Wer oder was könnte diesen unglaublichen Effekt ausgelöst haben, fragen sich die überlebenden Amerikaner, die eigentlich gerade in den Irak einmarschieren wollten. Dieser wiederum erklärt zusammen mit dem Iran den USA den Krieg. Für die übrig gebliebenen Amis geht es nun ums nackte Überleben. Wer dachte, mit dem Verschwinden der Amis erfülle sich sein Wunschtraum, sollte einmal etwas über die möglichen Folgen lesen. John Birmingham – Der Effekt weiterlesen →
Der Innenraum der Science Fiction: Schlachtfelder der Zukunft
Dieser Auswahlband enthält drei preisgekrönte Nebula-Stories aus dem Jahr 1973 sowie sechs für den Preis nominierte Erzählungen von bekannten AutorInnen wie Harlan Ellison, Norman Spinrad, Gene Wolfe, James Tiptree jr. (= Alice Sheldon), Carol Emshwiller, Ben Bova, Vonda McIntyre, George R.R. Martin und Edward Bryant. Kate Wilhelm (Hrsg.) – Liebe ist der Plan, der Plan ist Tod (NEBULA Award Stories 9) weiterlesen →
Detektivparodie, Verschwörungsfantasie und metaphysische Komödie
Gott ist tot, und seine Frau Eartha ist sauer. Gott hat nämlich vor seinem Ableben die Erde seinem Sohn Colin vererbt, obwohl er sie ihr geschenkt hatte. Damit nicht genug, trachten nun Dämonen im Auftrag eines „Ministeriums für glückliche Zufälle“ (lies: Hölle) nach der Herrschaft über eben jene nichts ahnende Erde.
Moment, ein wenig Ahnung gibt es hinieden doch: ein Dieb und ein Privatschnüffler kommen der übelriechenden Sache aus ganz unterschiedlichen Richtungen auf die Spur. Doch nach dem zu urteilen, wie sie sich anstellen, ist das Schicksal Terras mehr als ungewiss…
„Warten auf Oho“ bezieht sich im Titel – sowohl des Originals wie auch in der Übersetzung – auf Samuel Becketts Theaterstück „Warten auf Godot“. Allerdings ist Rankins Roman wesentlich lustiger, unterhaltsamer und wortreicher. Robert Rankin – Warten auf Oho (Hörbuch) weiterlesen →
Stanley G. Weinbaum wurde nur 35 Jahre alt (1900-1935), hat aber in nur ca. 18 Monaten in der Science Fiction neue Maßstäbe gesetzt. Als erster baute er ab 1934 in seine Erzählungen eine einfühlsame Schilderung fremder Lebewesen in ihrer natürlichen Umwelt ein. Seine erste Kurzgeschichte „A Martian Odyssey“ war eine Sensation und wurde 1968 von seinen SF-Kollegen auf den zweiten Platz ihrer Liste der besten Stories aller Zeiten gesetzt. Weinbaum war einer der ersten Autoren überhaupt, der sich ernsthaft mit Exobiologie und fremdartigen Ökologien beschäftigte. Stanley G. Weinbaum – Die besten Stories von Stanley G. Weinbaum weiterlesen →
Evolution auf Speed, die Über-Frau und andere Schrecken
Stanley G. Weinbaum hat in nur ca. 18 Monaten in der Science Fiction neue Maßstäbe gesetzt. Als erster baute er ab 1934 in seine Erzählungen eine einfühlsame Schilderung fremder Lebewesen in ihrer natürlichen Umwelt ein. Er war einer der ersten Autoren überhaupt, der sich ernsthaft mit Exobiologie und fremdartigen Ökologien beschäftigte. (aus der Verlagsinfo) Stanley G. Weinbaum – Mars-Odyssee. SF-Erzählungen weiterlesen →
In einer Parallelwelt bewachen Krieger auf großen Papierdrachen eine isolierte Insel, die sich vor Dämonen fürchtet. Bis es eines Tages zur Invasion kommt. Dies ist einer der besten Science Fiction-Romane des britischen Erzählers und Illustrators Keith Roberts. „Drachenpiloten“ ist ein Episodenroman aus acht Kurzgeschichten und längeren Erzählungen, der bereits 1985 in England erschien. Keith Roberts – Drachenpiloten. SF-Roman weiterlesen →
Jim diGriz, die Edelstahlratte, ist kaum von seinem letzten Auftrag, die Welt zu retten, nach Hause zurückgekehrt, um in den Armen seiner schönen Angelina wohlverdiente Ruhe zu finden, da sieht er sich einer noch größeren Aufgabe gegenüber: Es geht um die Rettung der Galaxis.
Schleimige, tentakelbewehrte Monster haben einen ganzen Satelliten mit Admirälen entführt und so die Raumflotte lahmgelegt. Jim lässt sich ein Schwabbelkostüm anmessen, um sich unerkannt unter die Invasoren zu mischen – und hat Mühe, ihrem Liebeswerben zu entgehen… (Verlagsinfo) Harry Harrison – Jim diGriz, die Edelstahlratte (Stahlratte 4) weiterlesen →
Kapitän van Toch stößt am Strand einer einsamen Pazifikinsel auf Exemplare einer unbekannten Art von Riesenmolchen, die über rudimentäre Sprachkenntnisse verfügen. Er macht sich wenig Gedanken darüber, dass er damit eine zweite intelligente Spezies auf der Erde entdeckt hat. Aber er hat bald heraus, dass man die Kerlchen zum Perlentauchen abrichten und damit ein Vermögen machen kann.
Von ihm aus ihrer ständig von Haien bedrohten geographischen Nische befreit, vermehren sich die die Molche explosionsartig und entwickeln ihre eigene unterseeische Zivilisation. Und bald kommt es an den Meeresküsten zu ersten Kriegshandlungen zwischen Molchen und Menschen. … Karel Capek – Der Krieg mit den Molchen. SF-Roman weiterlesen →
Isaac Asimov und seine Mitarbeiter stellen Sternenbriefe und kosmische Tagebücher vor. Dies ist die dritte und letzte Zustellung der Sternenpost. Die Briefeschreiber und Tagebuchverfasser sind bunt gemischt, und es finden sich sogar eine Frau darunter. Unter den sieben Beiträgen dieses 3. Bandes sind unter anderem:
1) „Unerreichbares Geheimnis“ von A.E. van Vogt,
2) „Die Macht“ von Murray Leinster und
3) „Die Einsamen“ von Judith Merril (die auch in Band 1 vertreten ist), und mehr.
Isaac Asimov und seine Mitarbeiter stellen Sternenbriefe und kosmische Tagebücher vor. Dies ist die erste Zustellung der Sternenpost. Die Briefeschreiber und Tagebuchverfasser sind bunt gemischt, und es finden sich sogar etliche Frauen darunter. Unter den 13 Beiträgen dieses 1. Bandes sind unter anderem:
Im 2. Band des Zyklus „The Telnarian Histories“ wird die Handlung aus „The Chieftain“ nahtlos fortgesetzt. Die feindlichen Otungen nehmen die Herausforderung des Wolfungen-Häuptlings Otto, vormals der Gladiator Dog, an, um eine Schmach zu tilgen. Es kommt zu einem merkwürdigen Zweikampf, der jedoch abrupt endet, als die Truppen von Ortogs Vater Abrogastes auftauchen. Verschiedene Dinge werden daraufhin geklärt. Auf der Sommerwelt des Imperiums soll Otto ein Hauptmannspatent erhalten – daher der Buchtitel „The Captain“ – doch man stellt ihm eine tödliche Falle, um dies zu vereiteln. Wer jetzt an den Germanen Arminius denkt, der es im römischen Heer zum Offizier und Ritter gebracht hat, denkt, liegt ziemlich richtig. John Norman – The Captain. Hour of the Wolf (The Telnarian Histories 2) weiterlesen →
Alternative Geschichte? Germanen und Vandalen attackieren das Römische Reich
Die Trilogie der Telnariarischen Historien wird von einem Historiker erzählt, der auf ungezählte Quellen zurückgreift, um einen großen Wendepunkt in der Geschichte des intergalaktischen Imperiums von Telnaria zu beschreiben. Dabei will er sich eines Urteils und einer Meinung strikt enthalten.
Die Story dreht sich um den Aufstieg eines zunächst namenlosen Barbaren, der erst Gladiator („Dog“) und dann Häuptling eines Stammes wird: Otto. Allerdings wird er bei seinem Aufstieg erst von einer Frau verraten und dann von einem anderen Häuptling, der unter der Fuchtel einer anderen Frau steht. John Norman – The Chieftain. Day of the Dog (The Telnarian Histories 1) weiterlesen →
Isaac Asimov und seine Mitarbeiter stellen Sternenbriefe und kosmische Tagebücher vor. Dies ist die zweite Zustellung der Sternenpost. Die Briefeschreiber und Tagebuchverfasser sind diesmal Howard Fast, Daniel Keyes und George R.R. Martin. Die Beiträge:
1) „Gefangen“ von Howard Fast: Die Story von der Heranzüchtung einer Gruppe von Supermenschen;
2) „Blumen for Algernon“ von Keyes: Die Story von dem geistig minderbemittelten Jungen, der vorübergehend höchste geistige Fähigkeiten erlangt – und sie dann allmählich wieder verliert;
3) „Die zweite Stufe der Einsamkeit“ von Martin: Das Tagebuch eines sehr einsamen Mannes, der am Rande des Sonnensystems arbeitet – und dennoch die Hoffnung nicht verliert. Isaac Asimov/Greenberg/Olander (Hrsg.) – Sternenpost. 2. Zustellung weiterlesen →
„Als Wissenschaftler herausfinden, dass die Sonne schon bald erlöschen wird, schmiedet die Menschheit einen waghalsigen Plan. Mithilfe gewaltiger Raketentriebwerke soll die Erde aus ihrer Umlaufbahn herausgerissen werden, um in den Weiten des Alls nach einem neuen Heimatstern zu suchen. Und so begibt sich unser Planet auf eine lange, gefährliche Wanderschaft…“ (Verlagsinfo)
Dieser Erzählband enthält elf, mitunter preisgekrönte Erzählungen vom Autor des TRISOLARIS-Zyklus. Die Rechte an „Drei Sonnen“ sind an Amazon Prime für eine Milliarde Dollar verkauft worden. „Die wandernde Erde“ ist bereits in China als Spielfilm realisiert worden. Cixin Liu – Die wandernde Erde. SF-Erzählungen weiterlesen →
Ein geheimnisvoller Meteor, dessen Erscheinen die Welt in Panik versetzt hat (so lautet auch der Titel des ersten Bandes der Duologie), stürzt bei Japan in den Pazifik und löst sowohl Angst als auch Neugier aus. In Indien untersuchen Geologen Steinproben des Meteors. Der Chemiker Werner Werndt und seine genialen Ideen sind gefordert. Er muss das Rätsel lösen, es aber gleichzeitig auch mit der geheimnisvollen Herrscherin Indiens aufnehmen.
_Der Autor_
Reinhold Eichacker scheint ein technisch interessierter Schriftsteller gewesen zu sein, dem mit seiner Werner-Werndt-Trilogie ein bescheidener Erfolg beschieden war. Dieser begann mit dem für Science-Fiction-Leser uninteressanten (und zudem nationalistischen) Roman „Der Kampf ums Gold“. „Panik“ folgte 1922 und wurde sogar ins Spanische übersetzt. Die Fortsetzung „Die Fahrt ins Nichts“ schloss die Trilogie 1923 (ebenfalls bei |Celero| neu aufgelegt) ab. Die Besonderheit der beiden Romane betrachte ich im Abschnitt „Mein Eindruck“.
_Handlung_
Vorgeschichte aus „Panik“: Die Trümmer eines Meteor sind im Pazifik und an Japans Küste eingeschlagen, wobei es natürlich nicht ohne Katastrophe und Tote abging. Eines der Bruchstücke hat die japanische Regierung dem genialen deutschen Chemiker Walter Werndt überlassen, der sich Hoffnungen auf einen neuen Schatz an Wissen für die Menschheit macht. Doch die Konkurrenz schläft nicht …
In der Nähe von Benares hat Walter Werndt eine kleine Stadt, die nach ihm benannt ist, aus dem Boden stampfen lassen. Hier wohnen seine Arbeiter, die in seinem großen Laboratorium angestellt sind. Der Hauptturm des Labors ragt wie eine Kirche der Wissenschaft über den Chemiekomplex empor. Hier wird der Meteor regelmäßig aus dem Keller geholt und Tests ausgesetzt. Bei diesen gefährlichen Experimenten steht Werndt sein bewundernder Assistent Dr. Nagel zur Seite. Dessen hübsche Frau Mabel, die Tochter eines Wissenschaftlers, der in „Panik“ umkam, versteht ebenfalls etwas von Technik und kann Werndts Flugzeug, den „Falken“, steuern.
Doch die geheimnisvolle „Herrin von Indien“ ist neidisch auf Werndts Erfolg in Sachen Meteor. Sie will für ihren Geheimbund die Macht über die neuen Eigenschaften des Meteors erlangen und hypnotisiert u. a. einen belgischen Chemiker namens Dumascu. Dieser assistiert Werndt bei seinen Experimenten, hinterträgt aber seiner „Herrin“ jedes kleinste Fitzelchen Information, das er finden kann. Und es gibt noch weitere Spione …
Im Meteor findet Werndt nicht nur Nickel, Platin, Gold usw., sondern auch ein mysteriöses Element, das sich sehr seltsam verhält. Er nennt es Nihilium, das Nichts, den Grundstoff aller Elemente. Das Verhalten ist sowohl ansaugend als auch abstoßend, wenn aus Nihilium I die zweite Variante Nihilium II wird. Erst nach zwei verhängnisvoll verlaufenden Experimenten wird Werndt klar, was Nihilium kann: ein Element in ein anderes umwandeln! Es ist praktisch der von den mittelalterlichen Alchemisten gesuchte „Stein der Weisen“. Damit könnte sich der Mensch zum absoluten Herrscher der Welt, wenn nicht des Universums aufschwingen!
Doch da schlägt die „Herrin von Indien“ zu. Sie entführt Mabel, Dr. Nagel und Werndt, will die beiden Männer sogar den Geiern zum Fraß vorwerfen, wenn sie nicht kooperieren. Unterdessen unternimmt ihr Scherge ein Experiment mit dem Meteor, dessen Verlauf nicht nur das Labor, sondern auch die benachbarte Stadt in Schutt und Asche zu legen droht. Denn mit Nihilium ist nicht zu spaßen. Kann Werndt die drohende Katastrophe verhindern?
_Mein Eindruck_
Der Roman ist in zwei Teile aufgegliedert. Der erste Teil endet mit der oben erwähnten Katastrophe und der Enthüllung der phänomenalen Eigenschaften des Nihiliums. Der zweite Teil dreht sich lediglich darum, zum großen Bruchstück des Meteors hinabzutauchen – ein Wettlauf mit der „Herrin von Indien“. Weil das Stück aber in zehntausend Metern Tiefe liegt, muss man neue Tauchboote bauen, die einem Druck von tausend Atmosphären standhalten.
Dieser zweite Teil erinnerte mich an Jules Vernes Erfindung des U-Bootes „Nautilus“, aber Walter Werndt ist zwar ein Genie wie Kapitän Nemo, doch weit entfernt davon, ein ebensolcher Misanthrop zu sein. Er ist immer wieder auf die moralische Unterstützung durch Dr. Nagel und dessen Mabel angewiesen, die mit ihm zusammen in die tödliche Tiefe tauchen. Dort bekommen sie es mit einem Riesenkraken zu tun, der sie angreift, sowie mit dem gewaltigen vertikalen Strudel, den das Nihilium erzeugt.
Das wäre für die Welt nicht weiter relevant, wenn es nicht eine neue Erfindung gäbe: den Bildtelegrafen bzw. Kinographen. Dieser liefert den Zuschauern in Kinosälen rund um die Welt eine Live-Übertragung aus dem Inneren von Werndts Tauchboot, dem „Krakon“. Und da das Publikum des Jahres 1923 nicht an Live-TV gewöhnt ist, nimmt es direkten und emotionalen Anteil an Werndts Begegnung mit dem Riesenkraken, dem Strudel und dem Tauchboot der „Herrin von Indien“.
Hier führt der Autor quasi die vielen Erfindungen fort, die Jules Verne schon in seinem Roman „Paris im 20. Jahrhundert“ vorausgesagt hatte, so etwa das Faxgerät und das Telefon. Doch wer Sprache und Texte übertragen kann, der wird sicher auch irgendwann Bilder übertragen können, und zwar über Relaisstationen, die Funk empfangen und die Signale in alle Welt weiterleiten können.
Der spannendste Teil des Romans ist sicherlich die erste Hälfte, die sich hinsichtlich Spannung und Anschaulichkeit mit Verne und Karl May messen kann. Hier führt der Autor die deutlich ausgeprägte deutsche Science-Fiction-Tradition im besten Sinne fort, die mit Pionieren wie Kurd Laßwitz, Otto Gail, F. W. Mader und Thea von Harbou („Metropolis“, „Die Frau im Mond“) damals die Gazetten und Bibliotheken beherrschte, Jahre bevor in den USA ein gewisser Hugo Gernsbach, ein Einwanderer aus Luxemburg, das Genre „Scientifiction“ erfand.
Der zweite Teil hat mich dadurch gelangweilt, dass der Autor seinen Helden die Vorzüge des Tauchbootes bis ins kleinste technische Details vorstellen und erklären lässt. Das ist für einen Nichttechniker extrem öde, zumal sich der Sermon über Seiten hinzieht. Am Schluss gibt es keinen Showdown – mit wem auch? – sondern eine Art Non-Event, bei dem Werndt verschwindet – für immer? Jedenfalls gab es keine Fortsetzung.
|Schwächen dieser Ausgabe|
Wie der Autor des Nachworts, Michael Gallmeister, angibt, handelt es sich bei der vorliegenden Ausgabe um die bearbeitete Fassung einer Originalausgabe aus dem Jahr 1923, die sich in der Phantastischen Bibliothek Wetzlar befindet. (Diese ehrwürdige Institution verleiht jedes Jahr einen wichtigen Preis für phantastische Literatur aus deutschen Landen.) Die gekürzte Fassung ist also schon von störenden Elementen bereinigt, doch die Bearbeiterin Dr. Sandra Schlee hätte vielleicht doch einen Korrektor zu Rate ziehen sollen, um wenigstens die gröbsten orthographischen und Druckfehler auszubügeln.
Doch ich will nicht mit einer Liste von Fehlern langweilen, die von hier bis zum Nordpol reichen würde. Es soll genügen zu erwähnen, dass mich das an der Lektüre recht gestört hat.
Merkwürdig ist auch die Handhabung des Englischen, das besonders im zweiten Teil stark in den Vordergrund tritt. Eine amerikanische Künstlerin ruft ständig „Oah!“ aus. Das habe ich noch keinen Amerikaner sagen hören. Deshalb kann ich nur annehmen, dass es die lautmalerische Annäherung ist, die sich der Autor für das englische „Oh!“ ausgedacht hat. Andernfalls würde „Oah!“ einfach zu lächerlich klingen.
_Unterm Strich_
Im Zuge der Literaturarchäologie und Traditionspflege ist auch dieser interessante Zukunftsroman ans Tageslicht gefördert worden: Er fand sich in der (in jeder Hinsicht) „Phantastischen Bibliothek Wetzlar“ und wurde, nach der sprachlichen Überarbeitung, von einem rührigen Verlag in Weilersbach veröffentlicht. Dort ist auch der Vorgängerband „Panik““ (siehe oben unter „Autor“) zu bekommen. Der vorliegende Band wurde mit einem sehr ansprechenden, modern aussehenden und zum Thema passenden Titelbild versehen.
Die erste Hälfte des Romans fand ich sehr gelungen und erinnerte mich in Spannung, Einfallsreichtum und Lokalkolorit an die besten Arbeiten von Jules Verne und Karl May. Die zweite Hälfte fällt dagegen etwas ab, doch auch hier erregte die Erfindung des Live-Fernsehens mein Interesse. Leider bleibt der Schluss offen – ein Kniff des Autors, um eine Fortsetzung der Trilogie nicht auszuschließen, aber den vorliegenden Roman doch mit einem Ausklang zu versehen, der hoffen lässt – z. B. auf Abenteuer im Weltraum.
Wenn ich als Korrektor für diese Ausgabe verantwortlich wäre, müsste ich mich erschießen. Der Text wimmelt nur so von haarsträubenden Fehlern, unter denen falsch geschriebene Wörter noch die harmlosesten sind. Es gibt auch falsch eingesetzte Wörter, wie etwa „um“ statt „und“. Manche Wörter sehen aus wie frisch aus dem Scannerprogramm (mit „rn“ statt „m“). Von einer professionellen Bearbeitung wage ich kaum zu sprechen. Unter diesem Aspekt ist der Ladenpreis für das Buch zu hoch angesetzt.
http://www.celero-verlag.com/
[Unsere Rezensionen zu „Panik“ 1107 (Michael Matzer & Dr. Michael Drewniok)
Geist ist geil! Seit 2002 – Ständig neue Rezensionen, Bücher, Lese- und Hörtipps