Alle Beiträge von Michael Matzer

Lebt in der Nähe von Stuttgart. Journalist und Buchautor.

Parker, Robert B. / Chandler, Raymond – Poodle Springs. Ein Philip-Marlowe-Krimi

_Philip Marlowe: harte Schale, romantischer Kern_

Philip Marlowe hat sein neues Büro in Poodle Springs bezogen; sein erster Job lässt nicht lange auf sich warten. Der Nachtclubbesitzer Manny Lipschultz beauftragt ihn, einen risikosüchtigen Zocker zu finden, der sich mit 100.000 Dollar Spielschulden aus dem Staub gemacht hat. Marlowe muss wieder einmal feststellen, dass hinter Glitzerfassaden verdammt schmutzige Dinge vor sich gehen können …

Die Übersetzung „Einsame Klasse“ erschien 1990 bei Knaus als Folge 8 der „Philip Marlowe“-Serie.

_Die Autoren_

|1) Robert B. Parker|

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

|2) Raymond Chandler|

Raymond Thornton Chandler wurde am 23. Juli 1888 in Chicago geboren. Der alkoholsüchtige Vater verließ die Familie, als Raymond sieben Jahre alt war. Die Mutter siedelte mit dem Jungen nach Großbritannien über. Auf dem College beschäftigte er sich vor allem mit Malerei und mit Literatur. Um die Sprachen zu lernen, ging Chandler jeweils für ein Jahr nach Frankreich und nach Deutschland.

1907 nahm Chandler die britische Staatsbürgerschaft an und arbeitete für kurze Zeit beim britischen Naval Stores Branch. Dann verdingte er sich als Reporter für den London Daily Express und die Bristol Western Gazette. Nebenbei veröffentlichte er mehrere Gedichte und seine erste Erzählung. 1912 kehrte er in die USA zurück und schlug sich in Los Angeles mit den unterschiedlichsten Jobs durch. In Abendkursen eignete sich Chandler Buchhaltung und Rechnungswesen an.

1917 meldete Chandler sich zur kanadischen Armee. Er machte eine Ausbildung bei der Luftwaffe, doch kurz vor dem Abschluss seines Trainings war der Krieg in Europa vorbei. Chandler kehrte nach Los Angeles zurück und wurde Buchhalter einer Molkerei. 1922 übernahm er den Posten des Buchhalters in einer Öl-Firma und stieg binnen kurzer Zeit zum Vize-Präsidenten auf. Zwei Jahre später heiratete er Cissy Pascal, die fast 18 Jahre älter war als er selbst.

1932 verlor Chandler seinen Posten, weil er zu viel trank und häufig krankfeierte. Von nun an widmete sich Raymond Chandler ganz dem Schreiben. Er arbeitete fünf Monate an einer Erzählung, die er schließlich dem Magazin „Black Mask“ verkaufte: 1933 erschien Chandlers erste Kriminalgeschichte. In seiner vierten Geschichte „Killer in the Rain“ tritt zum ersten Mal Philip Marlowe auf, der zum Prototypen des amerikanischen Detektivs wird. 1939 erschien Chandlers erster Roman. Seine Romane entstanden aus dem Zusammenfügen und Verdichten mehrerer Geschichten.

Anfang der vierziger Jahre begann Chandlers Kontakt mit Hollywood. Es gelang ihm, die Film-Rechte an seinen ersten Romanen zu verkaufen. Billy Wilder überredete ihn 1943, gemeinsam ein Drehbuch des Romans „Double Indemnity“ von James M. Cain zu schreiben. Für sein Script zu „The Blue Dahlia“ wurde Chandler für den Oscar nominiert.

Chandlers Frau Cissy verstarb im Dezember 1954 nach langer, schwerer Krankheit. Ihr Tod warf Chandler aus der Bahn. Er verfiel dem Alkohol und unternahm einen Selbstmordversuch. Chandler reiste viel, auch nach Europa.

Raymond Chandler starb am 26. März 1959 in LaJolla, Kalifornien.

|Krimis von Raymond Chandler: |

|Philip Marlow|-Reihe:
(1939) „Der große Schlaf“ („The Big Sleep“)
(1940) „Lebwohl, mein Liebling“ („Farewell, My Lovely“)
(1942) „Das hohe Fenster“ („The High Window“)
(1943) „Die Tote im See“ („The Lady in the Lake“)
(1949) „Die kleine Schwester“ („The Little Sister“)
(1953) „Der lange Abschied“ („The Long Good-bye“)
(1958) „Playback“ („Playback“)
(1989) „Einsame Klasse“ (vollendet von Robert B. Parker) („Poodle Springs“)
(1991) „Tote träumen nicht“ (Fortsetzung zu „Der große Schlaf“ von Robert B. Parker) („Perchance to dream“)

|Handlung|

Da Philip Marlowe seit einigen wenigen Monaten mit der Millionenerbin Linda Potter verheiratet ist, muss er zu ihr in das Reichenparadies Poodle Springs ziehen, das mitten in der kalifornischen Wüste liegt. Marlowe hat allerdings weder für Nobelvillen was übrig noch will er von den Millionen seines Schwiegervaters abhängig sein. Deshalb eröffnet er sein neues Büro Downtown.

Als er sich mit den örtlichen Bullen bekanntmacht, haut ihn sein erster Kunde an: Manny Lipshultz, der Betreiber eines halbseidenen Kasinos namens Argosy Club, sucht einen Mann. Lester Valentine hat noch 100.000 Dollar Spielschulden bei ihm, weil sein Scheck platzte. Und nun will Mannys Chef Blackstone, Lesters Schwiegervater, die Schulden eintreiben – mit blauen Bohnen. Na, das sind ja feine Verwandtschaftsverhältnisse.

Nun ist Les Valentine spurlos verschwunden, und Marlowe soll ihn suchen. Er schlägt sogar die zehnprozentige Beteiligung an dem geplatzten Scheck aus. Marlowe weiß: Zehn Prozent von nichts sind verdammt wenig. Er bekommt seinen Tagessatz von 100 Dollar plus Spesen. Die ersten Hinweise erweisen sich als Flops. Nachdem er bei Valentines Strohwitwe Muffy Valentine eingebrochen ist, hat er jedoch seinen ersten Hinweis: eine Adresse in Los Angeles, eruierbar durch einen Strafzettel für Falschparken.

Sie gehört einem „Porträt und Industrie-Photographen“ namens Larry Victor. Kann dies ein Zufall sein? Die Adresse bei Valentines Witwe passt zu einem Mann mit Valentines Initialen. Marlowe bricht wieder ein und stößt auf Pornofotos sowie auf das Foto eines Starlets, das sich ihm erst tags zuvor im Evaskostüm präsentiert hat. Kaum hat er dieses Foto an sich genommen und die Pornobilder an ihren Platz zurückgetan, als auch schon der Bürobesitzer eintritt. Doch Marlowe rauszuschmeißen, bietet er ihm einen Drink an. Etwas ungewöhnlich, findet der Schnüffler. Natürlich leugnet Victor, diesen Valentine zu kennen.

Er beschattet den Fotografen. In einer Bar trifft der Typ eine Blondine, die ihm weiteres Pornozeug anbietet. Danach fährt Victor nach Venice in ein nettes Haus, wo ihn bereits eine schwarzhaarige Schönheit namens Angel erwartet. Ihr Namen stehen auf dem Briefkasten. Schau an: Der Mann ist zweimal verheiratet und führt ein Doppelleben. Aber warum wissen seine andere Frau oder deren Vater nichts davon? Und warum erzählt Marlowe nichts davon seinem Auftraggeber, wundert sich Linda.

Als Marlowe am nächsten Tag Larry Victor erneut in dessen Büro aufsuchen will, ist die Tür offen und die Blondine vom Tag zuvor sitzt im Chefsessel – mit einem hässlichen Loch in der Stirn. Marlow ahnt, dass sich die angenehmen Verhältnisse, in denen Larry Victor alias Lester Valentine sein Doppelleben führt, rapide ihrem Ende nähern. Vor allem dann, wenn Muriel Blackstone mächtiger und reicher Vater Clayton von Larrys anderer Frau erfahren sollte.

Und diese ist es, die es in Marlowes Augen verdient, beschützt zu werden. Eine Aufgabe, die sich als zunehmend schwieriger erweist. Denn es bleibt nicht bei der ersten Leiche…

_Mein Eindruck_

Ich hatte mir Chandler immer als schwierig und ungeheuer abgebrüht vorgestellt. Das muss wohl an den Filmen der schwarzen Serie liegen, die keinerlei Hoffnung aufkommen ließen. Doch Robert B. Parker ist, wie ich vielfach feststellen durfte, ein Autor, der seinen Figuren immer viel Raum für Hoffnung lässt – selbst dann, wenn es für sie manchmal zappenduster aussieht. Also freute ich mich schon auf die Lektüre.

Die ersten vier Kapitel stammen von Chandler, die restlichen 37 von Parker. Der Übergang ist sanft, aber merklich. Auf einmal herrscht nicht mehr sparsamer Dialog vor, nein, jetzt dürfen auch ausführliche Orts- und Personenbeschreibungen vorkommen. Dennoch bleiben die Dialoge zwischen Marlowe und seinen männlichen Gegenübern stets von seinem trockenem Humor gekennzeichnet. Den finden die Cops in der Regel überhaupt nicht lustig, und die Gauner noch weniger.

Der Marlowe Parkers ist zwar nicht gerade mit dem abgebrühten Gentleman zu vergleichen, den Humphrey Bogart dargestellt hat, aber auch kein muskelbepackter Schlägertyp wie Spenser. Beide haben jedoch eines gemeinsam: Sie leben – wie die Ritter von anno dunnemals – nach einem Code, nach eigenen Regeln, und wenn man sie nicht lässt, dann verschwinden sie. Das sagt Marlowe zu seiner Noch-Ehefrau Linda, die damit überhaupt nicht zurechtkommt, dass ihr Gatte nicht so pflegeleicht und häuslich ist wie die Männer ihrer Freundinnen. Die Ehe wird freundschaftlich beendet, doch eines bleibt: die Liebe. Denn beide sind Romantiker.

Auch Parkers Marlowe versteht sein Handwerk auf dem Effeff, und so kommt er nicht nur Lester Valentines Bigamie und Doppelleben auf die Spur, sondern auch den diversen Morden. Die Cops finden es natürlich nicht koscher, dass dieser Privatschnüffler sie immer von dort anruft, wo die jeweils neueste Leiche zu finden ist. Eigentlich sollte es andersrum sein. Um ihn zum Reden zu bringen, stecken sie ihn eine Nacht in den Knast. Die arme Linda ist entsetzt. Was werden ihre Freundinnen sagen!

Was ist es bloß, das das Verhältnis zwischen Vätern und Töchtern in den „Marlowe“-Krimis so interessant und labil macht? Muriel Valentine wird von ihrem Vater, dem zwielichtigen Tycoon Clayton Blackstone, nicht bloß verwöhnt, sondern geradezu fürsorglich erdrückt. Das hat natürlich böse psychologische Folgen für Muriel. Schon im Teenageralter muss sie über die Stränge geschlagen haben, erfährt Marlowe, machte Nacktfotos von sich, und als sie aus dem europäischen Urlaub zurückkehrte, stellte sie Daddy vor vollendete Tatsachen: Sie hatte eben jenen Porno-Fotografen geheiratet: Lester Valentine.

Alias Larry Victor alias Schlenker. Dieser Spielertyp ist, wie Marlowe erkennt, ein wenig wie er. Er spielt, um das Risiko zu verlieren als Nervenkitzel genießen zu können. Leider setzt Larry alias Les stets auf die falschen Chancen und verliert, so etwa bei Manny Lipshultz. Doch diesmal zahlt seine Frau Muriel nicht die Zeche, sondern lässt den Scheck platzen – Pech für Lester.

Diese Story ist zwar wenig plausibel, aber wenigstens nachvollziehbar (kaum jemand würde es wagen, den Plot von „The Big Sleep“ / „Tote schlafen fest“ als nachvollziehbar zu bezeichnen). Die Stringenz steht eh nicht im Vordergrund, sondern vielmehr scheint es, als wolle der Autor bemerkenswerte Szenen aneinanderreihen – sicherlich eine Hauptaufgabe der Unterhaltungsliteratur.

Eine der besten Szenen ist Marlowes Begegnung mit einer betrunkenen Hure in einer Bar. Er will sie als Informantin aushorchen und füllt sie ab. In Nullkommanix ist die verblühte Lady betütert. Doch dann tanzen sie miteinander, und dieser Moment hat so viel Wehmut in sich, dass er im Gedächtnis bleibt. Mit seltener Sanftheit bettet Marlowe die Besinnungslose auf eine Lederbank in der Bar und sorgt dafür, dass es ihr gut geht. Also doch ein Gentleman? Nein, lediglich ein Romantiker.

Und das ist auch der Grund, warum die Ehe mit Linda zwar enden mag, nicht jedoch ihre gegenseitige Liebe zueinander. Im Schlusskapitel geben sie einander Hoffnung und der Liebe ein Fest.

_Unterm Strich_

Dieser Krimi ist mit den „Spenser“-Romanen kaum zu vergleichen, was Action, Drama und Sex angeht. Marlowe, der olle Pfeifenkopf, kann auch nicht kochen wie sein Bostoner Kollege. Er schlägt sich nicht, nimmt keine Gangster hoch, befreit keine Jungfrauen und vieles mehr. Doch dafür macht er einen guten Job, als er den Bigamisten findet und ihn nicht an Cops oder Gangster ausliefert. Ein Fehler möglicherweise, aber ein feiner Zug. Am Schluss soll wenigstens ein Pärchen überleben, beschließt er.

Der Fall plätschert im Spannungsnetz von Porno-Fotografen, Bigamisten, scharfen Fotomodellen und Halbwelt-Tycoons so vor sich hin, bis sich ganz unverhofft doch noch eine Lösung einstellt. Leider ist es eine ziemlich blutige. Aber damit ist die Bedrohung für das Glück des Pärchens beseitigt, was den alten Romantiker Marlowe zufriedenstellt.

Krimikenner dürften schon lange vor dem Finale herausgeknobelt haben, wer die Leichen auf dem Gewissen hat. Auch mir sind ein paar Klischees zu viel hineingewoben, so etwa das unheilvolle Verhältnis zwischen Vater und Tochter (man denke auch an „Chinatown“). Aber Hauptsache, Parker bringt die vom Meister angefangene Geschichte sauber zu Ende – und mit wesentlich mehr Anlass zur Hoffnung.

|Taschenbuch: 290 Seiten
ISBN-13: 978-0425123430|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951

Parker, Robert B. – Looking for Rachel Wallace – Ein Spenser-Krimi

_Viele heiße Eisen: Entführung einer lesbischen Feministin _

Rachel Wallace ist eine militante Feministin. Ihr neuestes Buch schlägt wie eine Bombe ein, denn es prangert Missstände in der Gleichberechtigung an und nennt die dafür Verantwortlichen beim Namen. Als ihr anonyme Anrufer mit Mord drohen, engagiert Rachels Verlag den Privatdetektiv Spenser als ihren Bodyguard. Doch auch Rachel ist explosiv. Im falschen Moment geht sie vor Wut hoch und entlässt Spenser. Darauf haben ihre Feinde nur gewartet. Jetzt haben sie freie Bahn.

Deutsche Übersetzungstitel: „Bodyguard für eine Bombe“, 1981 bei Ullstein.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die radikalfeministische Autorin Rachel Wallace hat wegen ihres neuen Buches „Tyranny“ ernstzunehmende Drohungen von Unbekannt bekommen. Sie prangert darin nämlich eklatante Fälle von Ungleichbehandlung von Frauen im Allgemeinen und von homosexuellen Frauen im Besonderen an. Ihr Verlag und dessen Lektor engagieren Privatdetektiv Spenser, um Rachel vor Angriffen zu schützen.

|Attacken|

Das erweist sich auch bald als nötig. Als sie in einer Bostoner Bibliothek einen Vortrag halten will, versperren Demonstranten den Zugang. Mit Hilfe von ein, zwei Polizisten und einem Fausthieb Spenser ist der Weg schnell freigeschafft, auch wenn Rachel in keinster Weise den „unfriedlichen Einsatz männlicher Gewaltbereitschaft“ unterstützt. Spenser aber merkt sich ein Gesicht unter den Demonstranten. Er wird es wiedersehen.

In einer Buchhandlung, wo sie signiert, wird Rachel mit einer Torte beworfen, doch Spenser schaltet die beiden Studenten sofort aus. Auch das gegen Rachel gegen den Strich. Abends zieht sie sich mit ihrer lesbischen Freundin Julia Wells auf ihr Hotelzimmer im „Ritz“ zurück. Spenser kooperiert mit dem Hotelsicherheitschef, damit ihr nichts passiert. Wenn schon, denn schon.

Als sie von einem anderen Termin zurückkehren, muss Spenser, der Fahrer, schnellstens reagieren: Zwei Autos wollen ihn einklemmen und rammen! Rachel muss sich auf dem Boden ganz klein machen. Puh, Schwein gehabt, nix passiert. Als der schlagkräftige Spenser die Cafeteria einer Versicherungsgesellschaft zerlegt und somit ein weiteres Mal „überreagiert“, feuert sie ihn kurzerhand. Wenige Tage später ruft ihn der Verlag erneut an: Rachel Wallace ist spurlos verschwunden.

|Die Suche|

Nun fühlt sich Spenser in seiner Berufsehre angegriffen. Dass Rachel eine Zicke ist, ist ihr gutes Recht – siehe den Verfassungsartikel über die freie Meinungsäußerung. Aber dass sie wegen dieser Meinung mundtot gemacht werden soll, geht ihm heftig gegen den Strich. Allerdings macht er einen verhängnisvollen Fehler: Gegenüber Kripochef Martin Quirk erwähnt er Julie Wells nicht. Aus Pietät und Feingefühl?

Spenser sucht im Ku Klux Klan ebenso nach Frauenfeinden wie unter jenen Demonstranten vor der Bibliotheken. Unter Letzteren stößt er auf ein ganzes Netzwerk von konservativen Aktivisten und Kommunistenhassern, die über all ihre Finger drin und Kontakte in einflussreichen Kreisen haben: viel Geld und nichts zu tun. Als aber die wahre Identität von Julie Wells zum Vorschein kommt, könnte sich Spenser glatt in den Hintern beißen – hat er etwa eine Wölfin zu seinem Schäfchen gelassen?

_Mein Eindruck_

Der Mittelteil des Romans folgt dem üblichen Muster einer Ermittlung à la Spenser: Sie geht in alle Richtungen und wirkt daher ein wenig ziellos. Das liegt allerdings in der Natur der Sache. Aus den Hinweisen ergibt sich ein schwerer Verdacht, dem Spenser natürlich nachgehen muss. Der Haken dabei: Die mutmaßlichen Entführer sind eine sehr einflussreiche Familie plus ihr schießwütiger Gorilla, mit dem Spenser bereits Bekanntschaft gemacht hat.

Doch mit der Hilfe von Julia Wells, die völlig verängstigt ist und um ihre Geliebte Rachel bangt, erhält Spenser eine exzellente Ortsbeschreibung. Doch das Schicksal scheint sich gegen ihn verschworen zu haben – der zweite Haken: Ein regelrechter Blizzard legt jeglichen Verkehr in und um Boston lahm. Doch im Koreakrieg hat der Privatdetektiv gelernt, wie man lange Fußmärsche von mehreren Meilen bewältigt – und auch den schlimmsten Schneesturm übersteht. Nach einer kuscheligen Nacht mit seiner sexy Freundin Susan Silverman kann’s gestärkt an Leib und Seele losgehen. Sollte er nicht mehr lebend zurückkehren, so seine letzte Bitte, werde sich sein Kumpel Hawk um sie kümmern.

|Eine Ritterfigur|

Susan ist es auch, die mehrmals betont, dass Spenser sich wie ein Ritter verhalte, der wehrlosen Opfern beistehen müsse, weil es sein Ehrenkodex verlangt. Susan nennt ihn „Lancelot“, und Rachel lacht natürlich verächtlich über solche Klischees der Männlichkeit. Doch als sie und Julie Wells sich ohne jede Hilfe einer Welt gegenübersehen, die lesbische Frauen, aus ganzem Herzen ablehnen, ja, sogar verabscheuen, da gibt es nur noch einen, an den sie sich wenden können: Eben Spenser.

|Heiße Eisen|

Wieder mal packt der Autor mehrere Eisen an, die anno 1980, als Ronald Reagan zum US-Präsidenten gewählt wurde und das konservative Amerika die Oberhand (zurück-) gewann, ziemlich heiß waren: Homosexualität, Feminismus und arbeitsrechtliche Gleichberechtigung und Gleichstellung bei den Löhnen und Aufstiegschancen.

Tatsächlich sind hierzulande (und in USA) gerade mal Feministinnen und Homosexuelle akzeptiert worden, aber bei den wirtschaftlichen Bedingungen hinken die Deutschen zahlreichen anderen Ländern in Europa weit hinterher. Frauen bekommen im Schnitt 25% weniger lohnen, und von einer Frauenquote können die meisten Betriebe hierzulande nur träumen.

|Der Ritter weint|

Ich hätte nie gedacht, dass ich mal bei Parker lesen würde, dass Spenser weint. Das tut er aber, als er Rachel endlich findet und aus ihrem Gefängnis befreit. Weint er vor Erleichterung – oder aus Mitgefühl? Wir erfahren es nicht. Aber der Eindruck, den seine Tränen bei Rachel hinterlassen, ist sehr tief.

Bevor Spenser jedoch mit Rachel abhauen kann, muss er noch ihre Entführer überwinden. Ein explosiver Showdown ist die Konsequenz dieser Auseinandersetzung. Tatsächlich stellt sich jetzt heraus, dass die Entführung einen sehr persönlichen Hintergrund hat: Rachel soll für die „moralische und sittliche Verderbnis“, die sie über Julie Wells gebracht habe, büßen. Dass ihre Entführer sie als Zeugin nicht am Leben lassen können, ist ihr leider nur allzu klar.

Zu seinem Erstaunen findet Spenser in einem der eintreffenden Polizisten einen jungen Mann (war beim Militär), der ebenfalls das Opfer Rachel über die Belange der Bürokratie und Hierarchie stellt – er fährt Spenser und Rachel nach Hause, wo schon Susan wartet. Solche Selbstlosigkeit ist sicherlich rar.

_Unterm Strich_

Nach dem absehbaren Aufeinandertreffen der extrem unterschiedlichen Ansichten von Spenser und der Feministin kommt nach ihrem Verschwinden erst der Fall so richtig in Gang. Wo sind Rachel und ihre rätselhafte Geliebte abgeblieben? Dass das friedliche Boston, das „Athen Amerikas“, über eine rege Ku-Klux-Klan-Gemeinde ebenso verfügt wie über erzkonservative Kommunisten- und Feministenfresser, hätte Spenser – und wir erst recht – nicht ohne Weiteres erwartet.

Doch Spenser lässt sich davon nicht abbringen, denn er sieht es als seine Pflicht an, die Scharte, die er durch seine Vernachlässigung Rachels verursacht hat, wieder auszuwetzen. Folglich lässt er nichts unversucht und schüttelt eine ganze Menge Köpfe, ob nicht doch ein Hinweis herausfällt, wo sich Rachel aufhält. Spenser Fäuste fliegen immer wieder recht wirkungsvoll, und nur einmal muss er eine Niederlage einstecken. Der gewalttätige Höhepunkt des Buches und die emotionalen Szenen danach haben mich mit diesem konventionellen und ziellos wirkenden Mittelteil vollauf versöhnt.

|Taschenbuch: 224 Seiten
ISBN-13: 978-0440153160|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951
[„Ceremony“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6952
[„The Judas Goat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6953

Parker, Robert B. – The Judas Goat – Ein Spenser-Krimi

_Terroristenhatz: in 40 Tagen bis zur Olympiade_

Der Millionär sitzt im Rollstuhl, verkrüppelt und verbittert. Vor einem Jahr wurden seine Frau und seine beiden Töchter bei einem Sprengstoffanschlag in einem Londoner Restaurant getötet, er selbst schwer verletzt. Nun will er Rache nehmen, und Spenser soll sie an seiner Statt nehmen. „Finden Sie die Mörder. Ich zahle Ihnen einen guten Preis“, sagt er. Doch bald ist Spenser dem eigenen Tod näher als dem Kopfgeld …

Der Titel der dt. Übersetzung lautet: „Kopfpreis für neun Mörder“ (erstmals 1980 bei Ullstein).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser wird zu der noblen Hütte des Millionärs Hugh Dixon gerufen. Der international tätige Unternehmenschef sitzt im Rollstuhl, eine Katze auf dem Schoß. Vor einem Jahr wurden seine Frau und seine beiden Töchter bei einem Sprengstoffanschlag in einem Londoner Restaurant getötet, er selbst schwer verletzt. Doch die Londoner Polizei hat die neun Mörder – acht Männer und eine Frau – immer noch nicht gefunden. Nun soll Spenser sie ausfindig machen, für ein Kopfgeld von 2500 Dollar pro Nase bzw. 25.000 Dollar für alle. Solch einen Batzen Geld kann Spenser, dessen Konto gerade Ebbe aufweist, gut gebrauchen. Mit sämtlichen Unterlagen und einem dicken Scheck in der Tasche fliegt er nach London.

Dixon hat alle Täter genau gesehen. Zusammen mit der Polizei von London konnte er Täterbeschreibungen und Phantombilder anfertigen. Diese prägt sich Spenser nun als erstes ein. Er verabschiedet sich sehr emotionsreich von seiner Freundin Susan Silverman: Er spielt John Wayne und sie Miss Kitty wie im Film: „Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss“, knurrt er, dann lachen sie.

Es verwundert ihn nicht, dass er zwar in London bestens empfangen und unterstützt wird, aber die Polizei keinerlei Hinweise auf die Identität der Einzeltäter geben kann. „Es handelt sich um eine neue Terrorgruppe, die sich Liberty nennt und erzkonservative Werte vertritt: Kommunistenhasser und Rassisten“, erklärt Inspector Downes von der Kripo. Spenser gibt einfach eine Anzeige in der „Times“ auf. Schon einen Tag später hat er eine Einladung zu einem Treffen in seinem Hotelpostfach: offensichtlich eine Falle.

Doch er ist überrascht, dass die Terroristen zweigleisig fahren. Das Treffen soll ihn in Sicherheit wiegen, während sich zuvor zwei Attentäter in seinem Hotelzimmer auf die Lauer gelegt haben. Und sie sind keineswegs die letzten Kontrahenten, die Spenser ausschalten muss. Inspector Downes fragt sich nach drei Toten, ob es so eine gute Idee war, einen solchen Kopfgeldjäger in sein friedliches Städtchen London gelassen zu haben.

Das juckt Spenser nicht: Nachdem er das treffen hat platzen lassen, beschattet er die Frau, die ihn treffen wollte – die einzige Lady unter acht (inzwischen nur noch fünf) Männern. Katherine Caldwell (Name wohl gefälscht) lebt in einem völlig weißen Apartment, in das der Detektiv sofort einbricht. Alles sieht proper aus – bis er auf die Seiden-Dessous stößt und danach auf die gefälschten Pässe und vier 22er-Pistolen, wie sie die Angreifer verwendeten. Höchste Zeit, das alte Mädchen Katie nervös zu machen.

Aber für dieses Vorgehen muss ihm jemand den Rücken freihalten. Er ruft Hawk zu Hilfe, gegen Honorar, versteht sich. Zusammen beschatten sie Katie-Mausi so offensichtlich, bis diese plötzlich nach Kopenhagen verschwindet. Ihr zu folgen, ist für Hawk ein Klacks. Nun muss sich Spenser als Köder anbieten, während sich Hawk wie stets im Hintergrund hält.

Als sich ihm drei Bewaffnete nähern, fragt sich Spenser, ob er diesmal den Kopf der Bande kennenlernen wird. Und wenn ja, ob der ihn lange genug am Leben lässt, bis Hawk ihn retten kann …

_Mein Eindruck_

Nächste Station ist Amsterdam, wo der Anführer verschwindet und seine „Gangsterbraut“ Kathie zurücklässt. Sie ist die „Judas-Ziege“ des Originaltitels, der Verräter, der die anderen normalerweise ans Messer liefert. Das war von vornherein Spensers Plan. Und auch diesmal hat er Glück: Sie liefert ihm in höchster Angst vor Hawk, dem „grässlichen schwarzen Mann“, einen Hinweis, der alle drei nach Montreal führt.

Denn in der kanadischen Metropole finden gerade die Olympischen Spiele statt, und der Terroristenanführer will unbedingt daran teilnehmen. Allerdings nicht allein, sondern mit einem extrem starken Leibwächter, der ebenso die Kommunisten hasst wie die Schwarzen. Und dreimal darf man raten, was ein Terrorist bei der Olympiade vorhat: einen Anschlag. Können Spenser und Hawk den Tod eines Athleten oder gar noch Schlimmeres verhindern?

Wie man sieht, nimmt sich der Autor in diesem Actionthriller eines (leider) immer noch aktuellen Themas an, nämlich des internationalen Terrorismus‘. Das macht das Buch auch heute noch interessant, ebenso die Frage der Security. Aber Terroristenhatz ist für Spenser kein Selbstzweck, kein Sport. Vielmehr fühlt er sich selbst entfremdet und braucht danach immer ein Rendezvous mit Susan Silverman, um wieder zu sich selbst zu finden.

Susan steht in krassem Gegensatz zu Kathie, dem Terroristenliebchen. Kathie ist eine Masochistin, die in Misshandlung und Demütigung ihre sexuelle Erfüllung findet. Als sie sich Spenser nicht nur anbietet, sondern sogar aufdrängt, gerät er in eine peinliche Lage. Offensichtlich ist diese Frau schwer emotional gestört und somit abstoßend für ihn. Das ist das kleinere Problem. Das größere besteht darin, Susan treu zu sein. Ach, der Versuchungen sind gar viele. Hawk hat dieses Problem nicht und wird daher auch nicht von Kathie als Schlappschwanz betrachtet … Dennoch revanchiert sich Spenser für Kathies Hilfe und lässt sie laufen.

Dass solche Psychopathen wie Kathie und ihr Lover in der Terroristenszene agieren, wirft natürlich ein negatives Licht auf die Akteure. Sie scheinen alle nicht ganz zurechnungsfähig zu sein. Wie sonst könnten sie planen, eine ganze Familie mit einer Bombe auszulöschen oder einen Goldmedaillengewinner vor aller Augen zu erschießen? Merke: Dies ist kein Thriller von John le Carré.

Das Finale zieht sich über mehr als 20 Seiten hin und belohnt den Actionfreund für seine Geduld mit einem waffenlosen Fight der beiden Detektive Spenser und Hawk gegen den riesenhaften Leibwächter. Zachary hat mich stark an Ronald Niederman aus dem zweiten und dritten Teil der „Millennium“-Trilogie von Stieg Larsson erinnert. (Larsson hat sich ja aus so mancher Quelle bedient.) Dementsprechend schwer tun sich die Guten, den bärenhaften Bösen aus Russland zu Fall zu bringen. Es ist notwendig, denn wer weiß, was er anrichten könnte, sollte er entkommen. Und er ist ein wichtiger Zeuge.

_Unterm Strich_

Auch diesen Thriller habe ich in nur wenigen Stunden verschlungen. Die 200 Seiten sind mit viel Action sowie einer Menge netter als auch bizarrer Erotik gefüllt. Es schadet dem europäischen Leser keineswegs, dass ihn der amerikanische Autor an drei europäische Schauplätze entführt: das großartige England Shakespeares, das Spenser so liebt, das fast ebenso großartige Kopenhagen, „Paris des Nordens“, und schließlich nach Amsterdam, das wirklich sehr seltsam wirkt – mit seinen Pornoshops, den Hippies und Backpackern, seiner Toleranz und seinen reichen Kunstmuseen. (Weder von Kiffern noch Huren ist die Rede, aber der Autor darf beides als existent und bekannt voraussetzen.)

Von den 40 bisher gelesenen Krimis ist dies der einzige (bislang), in dem es ganz klar nur um Terroristen geht. Und diese Typen stecken auch nicht, wie so oft bei Chandler und dem späten Parker, mit dem Auftraggeber des Detektivs unter eine Decke. Die Fronten sind halbwegs klar, bis auf die kleine Ausnahme mit der titelgebenden „Verräterziege“ Kathie Caldwell, die die Fronten wechselt. Wer auf Action, Fights, Erotik und Spannung steht, ist mit diesem Thriller genau richtig bedient. Alle anderen sollten die Finger davon lassen.

|Taschenbuch: 203 Seiten
ISBN-13: 978-0440141969|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951

Parker, Robert B. – Ceremony – Ein Spenser-Krimi

_Actionreich: Der Widerspenstigen Rettung_

Statt zur Schule geht die junge April Kyle lieber auf den Strich. Der Vater hat das Mädchen längst abgeschrieben. Doch die Mutter bittet Privatdetektiv Spenser um Hilfe: In der Combat Zone, Bostons Sex-Hölle, verbringt der Detektiv einige der härtesten Tage seines Lebens.

Eine Hure sei seine Tochter, nichtsnutzig und verkommen, sagt der Vater. Für die Mutter allerdings stellt sich die Sache nicht so einfach dar. Deshalb bittet sie Privatdetektiv Spenser um Hilfe, als die junge April Kyle im Bostoner Rotlichtbezirk verschwindet. Gegen den Willen des Vaters, versucht Spenser das Mädchen zu finden. Doch als er April aufgespürt hat, beginnt das eigentliche Problem erst. Denn was soll Spenser mit einem Mädchen anfangen, dessen einzige Fähigkeiten in der Horizontalen liegen?

Der Titel der dt. Übersetzung lautet: „Einen Dollar für die Unschuld“ (1983 bei Ullstein).

Der Originaltitel beruht auf einem Zitat von William Butler Yeats über die Wiederkehr des Heilands. Die Zeilen betreffen die „ceremony of innocence“, die durch Blutvergießen beendet wird.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht Jesse-Stone-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Seine Freundin Susan Silverman, die Vertrauenslehrerin in der Bildungsorganisation von Massachusetts ist, bittet Privatdetektiv Spenser, nach der Ausreißerin April Kyle zu suchen. Allerdings ist Spenser erstaunt über die rüde Art, wie Aprils Vater, ein wohlhabender Versicherungskaufmann, seine Tochter abgeschrieben hat und sie keinesfalls zurückhaben will. Das gilt aber nicht für Mrs. Kyle, die ihre Tochter vermisst und sich um sie sorgt. Für einen symbolischen Dollar übernimmt Spenser den Auftrag, vor allem aus Trotz gegenüber dem Rabenvater.

April ist nicht die einzige Schülerin in Smithfield, die die Schule abgebrochen hat und untergetaucht ist. Auch ihre Freundin Amy Gurwitz entschied sich für diesen Weg. Doch Amy ist viel leichter zu finden: Sie wohnt zentral in Boston bei einem dicken Mann, dem das Haus gehört. Spenser wartet, bis er Amy allein sprechen kann. Die Sechzehnjährige spielt die perfekte Gastgeberin und erteilt keinerlei Auskünfte.

Als bleibt Spenser nichts anderes übrig, als im Rotlichtbezirk von Boston nach April Ausschau zu halten. Er kreuzt den Weg von mehr als einem Zuhälter und muss sich Hawk als Schützenhilfe holen. Es stellt sich heraus, dass alle Huren und Zuhälter von Tony Marcus beherrscht werden, einem schwarzen Gangster, und dieser warnt via Hawk eindringlich davor, weiter nach der jungen Hure zu suchen. Warum? Was soll an einer x-beliebigen jungen weißen Nutte so Besonderes sein, würde Spenser gerne mal wissen.

Durch einen Tipp von einer der Prostituierten weiß Spenser, dass April strafversetzt wurde. In Providence, Rhode Island, muss sie nun die perverseren Gelüste ihrer Kunden befriedigen. Doch sie als Freier zu befreien, ist nur die halbe Arbeit. Sie entschlüpft ihm auf der Rückfahrt nach Boston mit einem simplen Trick. Es ist aber klar, wo sie wieder auftauchen wird: bei Amy Gurwitz.

Tatsächlich braucht sich Spenser vor jenem vornehmen Haus nur auf die Lauer zu legen. Am Tag vor dem Erntedankfest sieht er Amy und den Dicken davonfahren – der Weg für einen entschlossenen Einbrecher ist frei. Innen sieht alles sehr proper aus, allerdings nur, bis Spenser in den dritten Stock gelangt: Dort ist ein komplettes Fotostudio eingerichtet. Massen von Pornomaterial liegen herum. Auch die Position des Hausherrn wird Spenser deutlich: Es ist Susans zweitoberster Boss. Das dürfte sie interessieren.

Am nächsten Tag taucht April auf und zieht bei Amy und Mitchell Poitras ein. Spenser berät mit Susan, was sie unternehmen sollen. Sie hat inzwischen herausgefunden, was für ein schmutziges Spiel Poitras treibt und will April und Amy unbedingt herausholen. Leichter gesagt als getan. Die beiden Mädchen weigern sich, Poitras zu verlassen. Kein Wunder: Sie wollen weder nach Hause noch in den Rotlichtbezirk.

Die selbsternannten Retter müssen sich also eine gute Lösung des Problems einfallen lassen, bevor sie Poitras hochnehmen und dem Schicksal von April und Amy eine andere Richtung geben können. Aber zuvor müssen sie mit dem mächtigen Beschützer von Poitras reden …

_Mein Eindruck_

In der ersten Hälfte des Buches begeben sich Spenser und Hawk in eine Kampfzone: den Rotlichtbezirk von Boston. In den frühen achtziger Jahren sahen diese Sperrbezirke noch ganz anders aus als heute: grell beleuchtet, voller Schmuddelware, umstellt von Straßenprostituierten, die wiederum von knallharten Zuhältern ausgebeutet und „beschützt“ wurden.

Damit er hier überhaupt etwas erfahren kann, muss Spenser schon mal den einen oder anderen „pimp“ außer Gefecht setzen. Dabei setzt er letzten Endes sein Leben aufs Spiel, wie Hawk ihm verklickert. Und für was dies alles? Für einen lumpigen Dollar oder für ein Menschenleben? Offensichtlich ist er also ein Idealist.

|Sozialkritik|

Andererseits kann man sich fragen, welche Perspektiven eine Sechzehnjährige, die von ihrem Vater verstoßen wird, aber von einem anderen Kerl hofiert wird, wählen würde. Der Haken dabei: Der nette Kerl ist ein Charakterschwein, das Pornofilme dreht. Hier liegt der Hund begraben bzw. die zentrale Kritik des Autors an den Missständen in Boston: Dass ein hoher Beamter des Bildungsministeriums seine von allen Schulberatern des Landes über Problemschüler ihm zugetragenen Informationen dazu missbraucht, weiße Mädchen zu Huren zu machen (und Jungs, für die entsprechende Kundschaft). Dass er und seine Kunden bei der Ausbeutung der ungebildeten, wehrlosen Mädchen einen riesigen Reibach machen, versteht sich von selbst.

|Ungewöhnliche Lösung |

Doch was mit April Kyle passieren soll, sobald sie aus den Klauen ihres „netten Kerls“ befreit worden ist, ist eine schwierig zu beantwortende Frage. April will nicht zu ihren Eltern zurück – eh klar. Die Alternative dazu besteht in intensiver Beratung für Eltern und Kind – die Aussichten sind minimal, wenn man an den wütenden Vater denkt. April hat keinen Schulabschluss, und das Einzige, wovon sie etwas versteht, ist das Ficken, wie sie sagt. Als sich Spenser an einen Auftrag von vor sieben Jahren erinnert („Mortal Stakes“, Spenser Nr. 3), fällt ihm auch die Frau ein, die das Problem lösen könnte: Ms Patricia Utley, die Leiterin eines Callgirlrings.

|Die „April Kyle“-Trilogie|

Dies ist der erste „Spenser“-Roman, den Parker über April Kyle schrieb. Es folgten noch „Taming a Sea-Horse“ und „Hundred-Dollar Baby“, in dem April jenes traurige Ende nimmt, das Susan Silverman ihr vorhergesagt hat. Spenser behandelt April stets mit Respekt für ihre Wünsche, lässt ihr stets die Wahlfreiheit hinsichtlich ihrer eigenen Zukunft. Das findet keineswegs die Zustimmung Susan Silvermans, die lieber auf die Hilfen setzen würden, die sie selbst vertritt: also Schulberatung, Vertrauenslehrer usw. Zur Not sogar Waisenhaus und dergleichen.

Dass Spenser die minderjährige April weiterhin eine Prostituierte sein lässt, ist eine ziemlich ungewöhnliche Lösung. Sie steht im Widerspruch zum Fürsorgeanspruch des Staates und zum Vertrauen, das Durchschnittsbürger in die Organe ihres Gemeinwesens setzen. All diesen Instanzen erteilt Spenser praktisch eine Absage.

|Lady Susan|

Eine herausragende Szene ist der fulminante Auftritt von Susan Silverman in ihrer Eigenschaft als Schülerberaterin, als Tutorin. Wie eine Löwin, die sich um ihre ungebärdigen Jungen kümmert, tritt sie mit Spenser dem wütenden Poitras gegenüber und fordert die Herausgabe von April Kyle. Nun hat sie Spenser praktisch den Fall aus der Hand genommen. Dummerweise erteilen ihr April und Amy eine Absage.

|Invasion|

Und so bleibt es einem entschlossenen Trio aus Spenser, Hawk und Susan überlassen, eine kleine Invasion auf das Poitras-Haus anzuführen, kurz bevor die Bullen von der Sitte eintreffen. Im actionreichen und turbulenten Höhepunkt des Romans, der ohne einen einzigen Absatz erzählt wird, müssen sich die drei ihrer Haut erwehren. Denn aufgebrachte Orgienteilnehmer sind, selbst wenn sie besoffen und bekifft sind, im Kampf von Mann gegen Mann ein ernstzunehmender Gegner …

_Unterm Strich_

Im ersten Band der „April Kyle“-Trilogie muss Spenser mit großer Mühe erst die ausgerissene Sechzehnjährige in der Kampfzone des Rotlichtbezirks finden. Er stößt in ein Wespennest und riskiert sein Leben, denn zwei mächtige Männer – ein Gangster und ein hoher Beamter – haben ein einträgliches Geschäft damit aufgezogen, ahnungslose Schülerinnen erst anzulocken und dann auf dem Strich auszubeuten. Die Rettung Aprils gelingt – um einen Preis. Doch Amy Gurwitz will unbedingt bei ihrem Ausbeuter bleiben.

|Lady Susan|

Wie so oft verurteilt der Autor nicht, schon gar nicht mit irgendjemandes moralischen Maßstäben. Neben dieser Haltung gefiel mir auch das starke Auftreten von Susan Silverman, die eine bestimmte Szene völlig dominiert. Von Spenser erfahren wir auch, welche eminente Bedeutung diese Frau für ihn und sein Leben hat: Er könnte diesen Job nicht ohne sie machen. Dennoch ist sie keine heilige Madonna, sondern trägt das „Lächeln eines gefallenen Engels“. Und sie kann sehr witzig sein.

|Die zweite Ebene|

Durch viele kleine Details verrät der Autor, welches hohe intellektuelle Niveau sich hinter seiner flott erzählten Story verbirgt. Da lesen wir Zitate von Bischof Berkeley über die Natur der Wahrnehmung, eine witzige Anspielung auf Henry David Thoreau, den amerikanischen Philosophen der Selbständigkeit und Freiheit, sowie von Shakespeares berühmtem Sonett Nr. 73 („Where Late the Sweet Birds Sang“).

|Zwei edle Ritter|

Diese angedeuteten Untertöne weisen dem literarisch gebildeten Leser den Weg zu einer resonanten zweiten Ebene des Romans: Indem der edle Ritter Spenser seiner Herzens-Dame Susan verspricht, ihre Bitte zu erfüllen, geht er eine heilige Ehrenpflicht ein. Sie kann nur eingelöst werden, wenn er den Gegenstand ihres Interesses vollständig aus jeglicher Gefahr und Not rettet – auch mit unorthodoxen Methoden.

Obwohl dies recht hochgestochen klingt, kann der Krimifan mit jeder Menge harter Action seitens der beiden „Ritter“ Spenser und Hawk retten. Denn Hawk ist nur die dunkle andere Seite von Spensers Charakter – und doch eine völlig eigenständige Figur, die ich in keinem „Spenser“-Krimi missen möchte, sorgt sie doch für Witz, Ironie und den Zugang zur Welt der Schwarzen und des Verbrechens, zu der Spenser nicht ohne Weiteres Zugang hat.

|Taschenbuch: 182 Seiten
ISBN-13: 978-0140089530|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951

Parker, Robert B. – God Save the Child – Ein Spenser-Krimi

_Susan Silverman top, der Rest Flop_

Ein Kind verschwindet spurlos … ist Kevin Bartlett (15) entführt worden, wie sein Vater glaubt, ein reicher Bostoner Bauunternehmer? Oder ist er nur durchgebrannt, wie Privatdetektiv Spenser argwöhnt, dem die seltsamen Begleitumstände Rätsel aufgeben? Oder ist er schon tot? Eine groteske Lösegeldforderung, ein Pappkarton mit grässlichem Inhalt, ein Toter im Hause Bartlett – das sind die rätselhaften Meilensteine auf Kevins Weg ins andere Leben, auf dem Spenser ihm folgt.

Der Titel der dt. Übersetzung lautet: „Kevins Weg ins andere Leben“ (1976 bei Ullstein).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat sich mit gerade mal 39 Jahren bereits einen gewissen Ruf als Bostoner Privatdetektiv erworben. Er kann deshalb auch recht gut mit der Bostoner Kripo unter Martin Quirk sowie mit der Staatspolizei unter Healy zusammenarbeiten, die ihn aber wegen seiner Unfähigkeit, sich unterzuordnen und seines berüchtigten Humors nur widerwillig kontaktieren. Die Jahre beim Bezirkstsaatsanwalt haben ihm gute Verbindungen verschafft, und die Erfahrungen als Cop, Boxer und Soldat kommen ihm stets gut zupass. So auch diesmal.

Das Ehepaar Roger und Margaret Bartlett wohnt im Bostoner Vorort Smithfield in der exklusivsten Ecke. Ihr fünfzehnjähriger Sohn Kevin ist verschwunden und sie denken, dass er entführt wurde. Dass er von selbst ausreißen würde, ist für sie undenkbar. Doch bisher haben die Mannen von Sheriff George Trask keine Spur von Kevin entdeckt. Bis eine Lösegeldforderung eintrifft, die Marge Bartlett schier einen Nervenzusammenbruch bereitet. Ihre Befürchtungen werden wahr. Was Spenser stutzig macht, ist die Form der Lösegeldforderung: ein Comic Strip.

Natürlich stellen Trask und Healy eine Falle auf, die den Geldabholer bei der Übergabe – an einer Landstraße – einfangen soll. Spenser spielt in einem nahen Pferdestall Kiebitz. Doch auch er wird von dem einfachen Trick des Räubers überrumpelt: Der Motorradfahrer entkommt auf einem simplen Reitpfad! Spenser könnte sich in den Hintern beißen.

Nun macht sich der Privatdetektiv Gedanken darüber, welche Art von Person Kevin Bartlett überhaupt ist. Er sucht die Schülerberaterin Susan Silverman auf, die an Kevins High School die Schüler psychologischen Rat erteilt. Sie sieht umwerfend auf und Spenser verliebt sich in sie. Neben seiner Einladung, die sie gern annimmt, ist aber auch ihre Information wichtig, dass Kevin sich in letzter Zeit sehr aufsässig verhalten hat und sich mit einer Clique Halbstarker einließ, deren Kopf ein gewisser Vic Harroway sein soll.

Nachdem der erste Abend mit Susan zur beiderseitigen Zufriedenheit verlaufen ist, fahren sie zu diesem Vic Harroway hinaus. Es ist ein flacher Bungalow abseits der Landstraße, dessen halb fertiggebaute Garage mal bessere Zeiten gesehen hat. Ein rauchendes 14-jähriges Mädchen im T-Shirt ruft Vic heraus, als die Besucher eintreffen. Vic ist, wie sie erstaunt sehen, ein muskelbepackter Bodybuilder. Und er verweigert nicht nur jede Auskunft bezüglich Kevin Bartlett, sondern bedroht sie mit seinen Fäusten. Ein strategischer Rückzug erscheint Spenser angebracht. Aber die Beleidung „Schlampe“ für Susan will er dem Kerl heimzahlen.

Die Entführung kommt immer weniger koscher vor. Das Ehepaar Bartlett führt keine gute Ehe, und wie Susan gesagt hat, sind beide keine guten Rollenvorbilder für einen heranwachsenden Jungen. Nachdem Mrs Bartlett, die Gattin mit Schauspielerambitionen, eine Todesdrohung erhalten hat, besteht sie hysterisch darauf, von Spenser bewacht zu werden. Und als die Leiche ihres Anwalts im Wohnzimmer liegt, fällt sie schier in Ohnmacht. Dennoch: Sie muss ihre Dinnerparty organisieren, komme, was da wolle.

Da Spenser nun im Bartlett-Haus übernachtet, lernt er auch Kevins Schwester Delilah alias Dolly kennen. Die Dreizehnjährige fasst Zutrauen zu dem starken Mann und zeigt ihm Kevins Geheimversteck. Wie in einem Votivschrein hat der Junge in einem Schrankkoffer eine ganze Sammlung von Zeitschriften und Postern über Vic Harroway versteckt. Offensichtlich ist der Bodybuilder Kevins Idol und Vaterfigur, wenn auch nicht gerade der beste Umgang. Was, wenn es sich gar nicht um eine Entführung handelt?

Aber was hat es mit diesem Harroway überhaupt auf sich, will Spenser herausfinden. Als er sich umhört, erfährt er, dass der große Kerl stockschwul sei. OK, aber womit verdient der seit einem Jahr Arbeitslose seinen Lebensunterhalt? Obwohl er damit Marge Bartlett wieder an den Rand eines Nervenzusammenbruchs bringt, seilt sich Spenser ab und begibt sich in eine Schwulenbar. Als dort endlich Harroway auftaucht und nur eine Viertelstunde mit einem fetten Kerl redet, folgt er dem Bodybuilder durch den Regen. Im Stadtpark legt sich Spenser auf die Lauer, um herauszufinden, wen Harroway dort treffen will.

Zu seiner Überraschung handelt es sich um einen alten Bekannten aus dem Kreis um die Bartletts, der ebenfalls auf jener fulminanten und megapeinlichen Dinnerparty war, zu der Spenser auch Susan einlud. Als Spenser Harroways Spur weiterverfolgt, stößt er auf einen finsteren Zusammenhang. Doch wo ist der offenbar ahnungslose Kevin?

_Mein Eindruck_

Ich gebe offen zu, dass ich mir diesen zweiten „Spenser“-Krimi, der ja immerhin schon einige Jährchen auf dem Buckel hat, nur wegen eines einzigen Handlungsaspektes gekauft habe: Hier lernt Spenser seine Lebensgefährtin Susan Silverman kennen und lieben. Sie ist eine ungewöhnliche Frau: intellektuelle Jüdin mit großartigem Sinn für Humor und einem Hunger nach sexueller Erfüllung. Da kommt sie bei Spenser genau an den Richtigen.

Er hat zwar in „The Godwulf Manuscript“ („Spenser“-Krimi Nr. 1) die Sekretärin Brenda Loring kennengelernt und trifft sie auch noch in „Mortal Stakes“ (Spenser Nr. 3), doch schon in „Promised Land“ (Nr. 4) ist Susan die einzig Wahre. Kann man gut verstehen. Susan fügt seinem Leben interessante Aspekte hinzu, nicht zuletzt auch tiefere psychologische Einsichten. Kein Wunder also, dass sie in der TV-Serie „Spenser For Hire“ neben Robert Urich erstklassig besetzt wurde. Umso schlimmer daher, dass sie in „Valediction“ (Nr. 11) verschwindet und in „A Catskill Eagle“ (Nr. 12) gerettet werden muss!

|Eine dubiose Entführung|

Doch Spenser hat auch noch einen Fall zu lösen, auch wenn sich die Arbeit bei den Bartletts weder als anstrengend noch als vergnüglich bezeichnen lässt: Marge Bartlett ist eine egozentrische Nervensäge und betrügt obendrein ihren Mann, den Bauunternehmer Roger, der natürlich ständig auf Baustellen rumhängt. Nicht zuletzt Sheriff Trask gehört zu ihren Lovern. Bei dem Gedanken an den Fettwanst dreht sich Spenser der Magen um.

Dass sich in dieser Familie ein fünfzehnjähriger Junge nicht gerade wohlfühlte, kann Spenser gut nachvollziehen. Er wäre vielleicht auch ausgerissen und hätte seinen „Alten“ Streiche gespielt. Dazu gehören nicht nur gereimte Todesdrohungen sowie Lösegeldforderungen in Comicstripform, sondern auch eine Strohpuppe in einem Leichenwagen. Sehr witzig, Kevin, denkt Spenser.

|Das dunkle Imperium|

Dass Kevins Idol und Vaterersatz Vic Harroway nicht nur schwul, sondern auch ein Verbrecher ist, lässt den Detektiv nichts Gutes für die Zukunft des Jungen erwarten. Harroway könnte ihn vergewaltigen oder gar für seine kriminellen Aktivitäten einspannen. Doch wie sich herausstellt, hat der scheinbar unangreifbare Bodybuilder nicht nur einen mächtigen Beschützer, sondern gleich zwei, einer schlimmer als der andere. Von dem Freier einer minderjährigen Prostituierten, die Harroway ihm zuführte, quetscht Spenser brisante Informationen heraus. In Smithfield existiert demnach ein Verbrechensimperium, das seinesgleichen sucht. Aber wie kann das sein, wenn es doch den tüchtigen Sheriff Trask gibt …?

|Showdown|

Der Schlüssel zur Lösung der privaten Seite dieses kniffligen Rätsels ist Kevin. Und da dieser sich an Harroway gebunden fühlt, wer der sein unangreifbarer Beschützer ist, muss Harroway ausgeschaltet werden. Leichter gesagt als getan, schließlich ist der Typ Bodybuilder. Doch Spenser ist nicht umsonst ein ausgebildeter Boxer, der gleich merkt, dass er es mit keinem entsprechend trainierten Gegner zu tun hat.

Bevor er jedoch zum Schlag kommt, muss er mit ansehen, wie sich erst Roger Bartlett und dann auch dessen Frau wütend auf den „Kindsräuber“ stürzen. Ein zum Scheitern verurteilter Angriff, wie sich sogleich herausstellt. Aber Spenser rechnet es ihnen hoch an: Sie lieben ihren Sohn wirklich. Dann ist auch für der Moment der Wahrheit gekommen, als Harroway zum ersten Fausthieb ausholt.

In allen seinen ersten „Spenser“-Krimis hat Parker solche Boxkämpfe inszeniert. Man kann sie mögen oder auch nicht, doch sie gehören zu seinem frühen Stil dazu. Später weiß er es besser. Dann entscheidet der Grips und nicht die Faust, welchen Kampf Spenser gewinnt. Bemerkenswert ist jedoch, dass es praktisch nie zu Schießereien kommt. Die empfand Parker offenbar stets als öde und einem so intelligenten Helden als unangemessen.

In einem zweiten Showdown stellt Spenser die beiden Hintermänner, die Harroway lediglich als Erfüllungsgehilfen für die Drecksarbeit benutzt haben. Quirk und Healy helfen ihm dabei, wenn auch, wie so oft, widerwillig. Spenser sind eben manchmal nicht mit der Verfassung der Vereinigten Staaten zu vereinbaren (Habeas Corpus und so weiter). Aber das ist eben das Unterhaltsame an seiner Arbeit. Ganz im Gegensatz zu dem der Cops, die in dieser Geschichte nur rumhängen.

_Unterm Strich_

Wie gesagt, habe ich diesen „Spenser“-Krimi nur wegen des erstmaligen Auftritts von Susan Silverman, Spensers künftiger Lebensgefährtin, gekauft. Sie sorgt für zwei feine romantische Szenen und für einige wertvolle psychologische Einsichten. Mit Humor gesegnet, werden ihre Szenen sozusagen zum Salz in der Suppe. Und das ist wörtlich zu verstehen: Bei Spenser geht Liebe immer durch den Magen, denn er ist ein ausgezeichneter Koch.

Den Plot kann man ansonsten echt in der Pfeife rauchen. Die Story ist so dünn, dass sie sich auch auf der Hälfte der Seiten hätten erzählen lassen. Die restlichen hundert Seiten musste der Autor offenbar mit Silverman-Romantik, irreführender Action und nervenden Partys füllen. Ich brauchte viel Geduld und viel Sympathie für den Helden, um die Story zu bewältigen.

Das ist das erste Mal, dass mir das bei einem „Spenser“-Krimi passiert ist. Das letzte Drittel wiegt den vorhergehenden Rest dann beinahe wieder auf – aber nur beinahe. Die zwei Showdowns hätte Parker schon viel früher andeuten können. Später machte er einen besseren Job als hier. Diesen Roman muss man nur kennen, wenn man sich für den ersten Auftritt Susan Silvermans interessiert.

|Taschenbuch: 205 Seiten
ISBN-13: 978-0440128991|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922

Parker, Robert B. – Appaloosa (Cole & Hitch 1)

_Verfilmt: Western-Klischees gegen den Strich gebürstet_

Die beiden freischaffenden Stadt-Marshalls Virgil Cole und Everett Hitch bekommen es in dem Städtchen Appaloosa mit einem despotischen Rancher zu tun, der die Stadt tyrannisiert. Sie nehmen es mit ihm und seinen 25 Cowboys auf. Gestört werden sie von Virgils Affäre zu der Pianospielerin Allie French, die sich als fiese Intrigantin erweist.

Das Buch wurde noch nicht übersetzt, aber inzwischen (2008) mit Viggo Mortensen, Jeremy Irons, Ed Harris und Renée Zellweger verfilmt. Die Kritiker waren sich einig, dass hier die alten Motive des Westerns überarbeitet werden.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Das erste Mal, als Everett Hitch auf Virgil Cole trifft, ist vor einem Saloon in dem Kaff Trinidad, irgendwo in Arizona. Der Marshall ist deutlich an seinem Stern auf der Brust zu erkennen. Everett schaut zu, wie es mit einem betrunkenen Fallensteller in Lederwams aufnimmt, der den bezeichnenden Namen Bear trägt. Virgil ist die ganze Zeit sehr ruhig, erhebt die Stimme nie, doch als der andere zur Waffe greift, schießt er zuerst. Cole, der den Beistand Everetts zu schätzen, fragt den arbeitslosen Durchreisenden, ob er als sein Deputy arbeiten würde. Everett sagt schließlich ja.

|Der Tyrann: Randall Bragg|

Nachdem sie einige weitere Städtchen zusammen befriedet haben, treffen sie in Appaloosa ein. Die drei Ältesten des Stadtrates bitten Virgil, sie von dem Rancher Randall Bragg zu befreien, dessen Cowboys nicht nur die Stadt tyrannisieren, sondern auch den vorhergehenden Marshall Jack Bell und dessen Deputy erschossen, als diese drei von ihnen festnehmen wollten. Diese drei hatten eine Bürgerin vergewaltigt, nachdem sie ihren Gatten erschossen hatten. Virgil lässt sich umfassende Vollmachten erteilen und drakonische Gesetze verhängen. Das Wichtigste davon: Niemand darf innerhalb der Stadtgrenzen eine Waffe tragen.

Natürlich glauben die Bragg-Cowboys nicht, dass der neue Marshal diese Gesetze durchsetzen würde. Drei von ihnen müssen für diesen Irrtum ins Gras beißen, der Vierte ergibt sich. Bragg will verhandeln, aber Cole zeigt ihm, was die einzige Verhandlungsbasis ist: seine Gesetze. Bragg zieht Leine. Als ein ehemaliger Deputy Jack Bells namens Whitfield zurückkehrt, um als Zeuge gegen Bragg und Co. wegen Mordes auszusagen, sieht Cole einen guten Grund, sich Bragg zu schnappen. Aber wie geht man gegen 25 Bewaffnete vor? Am besten gar nicht. Stattdessen schnappen sich Cole und Everett den Rancher auf dem stillen Örtchen und stecken ihn in die Zelle des Sheriffbüros.

Sie müssen zweieinhalb Wochen warten, bis der Wanderrichter vorbeikommt, um das Urteil über Bragg zu fällen. In dieser Zeit kann viel passieren, daher wird der Gefangene permanent bewacht und Whitfield, der einzige Zeuge, nächtigt im Knast, damit er nicht von Braggs Leuten erschossen wird.

|Woman trouble: Allie French|

Inzwischen hat sich eine angeblich verwitwete Pianospielerin namens Allie French in Cole verliebt und fängt mit ihm eine Affäre an. Everett, Coles treuer Gefährte, schaut dem Anfang skeptisch zu. Denn weil Allie Cole wütend gemacht hat, schlägt dieser einen Kutscher zusammen. Nur Everett kann Coles Anfall beenden. Dennoch bleiben Cole und Allie beisammen und bauen ein Haus am Stadtrand.

Dort soll Everett auf Coles Geheiß mal die Zimmer anschauen – und wahrscheinlich Allie Gesellschaft leisten. Allie schmeißt sich jedoch an den überraschten Everett ran und küsst ihn. Der drückt sie von sich weg und haut ab, denn seinen Freund zu betrügen kann nur zu Ärger führen: Cole würde ihn abknallen. Katie Goode, die freundliche Hure, zu der Everett oft geht, ahnt, was Allie French tun wird: Sie wird Everett an Cole verraten, und dann gnade Gott den beiden – und der Stadt.

Schon bald taucht Randall Braggs Vormann Vince, ein Revolvermann, mit 20 Männern vor dem Gefängnis auf, um Bragg herauszuholen. Nur Cole und Everett stellen sich ihm entgegen. Der Ärger hat begonnen.

_Mein Eindruck_

Aber das ist der Auftakt zum turbulenten Mittelteil des Romans. Zwei Revolverhelden, mit denen Cole schon mal zusammengearbeitet hat, tauchen in der Stadt auf: die Shelton-Brüder Ring und Mackie. Es ist klar, worauf sie aus sind. Nach Braggs überfälliger Verurteilung zum Tod durch den Strang entführen sie Allie French und versprechen Cole, sie im Austausch für Bragg wieder freizulassen. Dies geschieht bei einem Wassertank mitten in der Prärie, wo der Zug, der Bragg ins Gefängnis bringen soll, anhält, um zu tanken. Die Sheltons hauen Cole übers Ohr und verschwinden mitsamt Bragg und Allie.

Nun folgt eine kuriose Verfolgungsjagd mitten durch die Prärie, die zu diesem Zeitpunkt offenbar noch von den letzten Kiowa-Indianern bewohnt wird. Als die Verfolgten in einer Flussbiegung ein Lager aufschlagen, schlagen die Kiowa-Jäger zu, um sich die Waffen und die Frau zu schnappen. Dies beobachten Cole und Hitch, die inzwischen aufgeschlossen haben. Sie wissen, dass die Indianer nur auf der Büffeljagd waren, als sie die Weißen entdeckten. Und Cole und Hitch beobachten erstaunt, wie Allie French sich nach dem Nacktbaden ihrem Entführer Ring Shelton hingibt.

Um die Indianer abzuwehren, müssen sich Entführer, Entführte und Verfolger zusammentun, wobei sich Hitch durch besonderen Mut hervortut, indem er dem Anführer der Kiowas auf friedliche Weise begegnet statt mit der Knarre. Zusammen geht’s weiter nach Beauwville, wo es zum Shootout kommen wird, weil sich die Sheltons und ihr Cousin, der Stadt-Marshal, weigern, den Gefangenen herauszurücken. Der Schluss des Romans besteht in der Lösung des Bragg-Problems – ein für alle Mal. Nur wer ganz genau aufgepasst hat, weiß, warum es nicht Cole, sondern Hitch ist, der Bragg erledigt.

|Die Gesetzeshüter|

Die beiden Gesetzeshüter Cole und Hitch schlagen sich von Stadt zu Stadt durch – sie sind, was sie tun, wie Spenser, Jesse Stone und all die anderen Helden bei Robert B. Parker. Zugleich sind sie ein dynamisches Duo: Während Cole so abgebrüht ist, dass er keine Angst vor dem Tod hat, verfügt Hitch durchaus noch über Gefühle – und das mache ihn verwundbar, findet Cole. Deshalb ist es Hitch ganz zufrieden, nur der Deputy zu sein. Er hat dafür Gelegenheit, seinen Gefährten bei dessen Gebrauch der falschen Fremdwörter zu korrigieren. Während Hitch auf der US-Militärakademie West Point war, kennt Cole dafür Clausewitz, den preußischen Militärtheoretiker. Diese zwei Jungs haben einiges auf dem Kasten.

|Die Frau und der Leitwolf|

Beide könnten friedlich ihren Job erledigen, tja, wenn es Allie French nicht gäbe. Nur Katie Goode, Everetts Hure, scheint diese Frau vollständig zu verstehen. Allison ist ein Überlebenstyp: Sie hängt sich immer an den Leitwolf in einer Gemeinschaft, damit dieser sie beschützt und ernährt. Als sie sich an Everett ranschmeißt, kapiert dieser Allies Methode: Everett ist Allies Ersatzmann, sollte Cole, mit dem Allies zusammenwohnt, etwas zustoßen. Als sie entführt wird, lässt sie sich mit Ring Shelton ein, dem neuen Leitwolf.

Tatsächlich ist die Bezeichnung „Leitwolf“ falsch, denn das Symbol, das der Autor dafür gewählt hat, ist der große, starke Appaloosa-Hengst, dessen Freiheit und Dominanz Cole so bewundert, dass er ihn sowohl Everett als auch Allie zeigt. Allie erschrickt, als der Hengst mit einem Rivalen kämpft und diesen in die Flucht schlägt. Sie schlägt die Hände vors Gesicht und jammert: „Oh mein Gott!“ Wer weiß, was sie in diesem Kampf erblickt hat. Sie fragt, warum sich die Stuten nicht einfach auch von dem zweiten Hengst decken lassen – was genau die falsche Denkweise ist, aber ihrer eigenen völlig entspricht.

Als Cole und Everett einmal von Ehre und Unehre sprechen, schüttelt Allie nur verwundert den Kopf und fragt sich, wie Männer bloß so „silly“ sein können, so töricht. Nun, für Cole und Hitch ist die Ehre alles. Denn würden sie sich nicht an die Regeln halten, die sie als Gesetz über eine Stadt verhängen, wären sie keinen Deut besser als jeder dahergelaufene Straßenköter, der mit einer Knarre umzugehen wisse – wie die Sheltons etwa. Die Ehre ist alles, was zwischen den Gesetzeshütern und der Barbarei steht. Und ausgerechnet diese Ehre will Allie für töricht halten?

|Freundschaft|

In Beauville ist Bragg entkommen. Nach einem Jahr kehrt er zurück und gibt die Rolle des reuigen Sünders, der die Stadt Appaloosa zu neuer Pracht und Blüte führen will. Er kauft die Stadträte aus und plant, seinen Kompagnon zum Bürgermeister zu machen. Das würde Cole und Hitch natürlich den Job kosten. Doch dann macht Bragg einen Fehler: Er will auch Cole die Frau ausspannen. Da hat er bei Allie leichtes Spiel, denn er ist offensichtlich der neue Leitwolf in der Stadt und sie lässt sich gerne mit ihm ein.

Als Everett die beiden inflagranti delicto erwischt, steht er vor einem Dilemma: Wenn Cole erfährt, dass er betrogen wird, bringt er Allie und/oder Bragg aus persönlichen Gründen um – ein klarer Verstoß gegen die eigenen Ehrenregeln. Also muss Everett einen Weg finden, um Cole nicht in diese Verlegenheit zu bringen. Er gibt seinen Stern ab und fordert Bragg danach als reiner privatmann heraus. Für seinen Freund und die Ehre setzt er sein eigenes Leben aufs Spiel. Er macht alles richtig, genau, wie es ihm Cole beigebracht hat …

Neben all dem Brimborium, das typisch für jeden Western ist, geht es also dem Autor um die zentrale Frage, was denn eigentlich die Gesetzeshüter wie Cole & Hitch von den angeheuerten Revolvermännern wie den Sheltons unterschieden. Und wie weit ist es eigentlich mit diesem angeblichen Ehrenkodex her, wie er von John Wayne und anderen Hollywood-Ikonen verkörpert wurde, etwa in „Rio Bravo“? Die Frau, um die es geht, stellt alles in Frage, doch Everett Hitch hat eine Antwort darauf: freundschaftliche Treue.

|Der Überlebenstyp|

Der Autor verurteilt Allie French keineswegs, so wie er auch sonst stets unparteiisch bleibt: Sie lebt nach ihren eigenen Regeln, und die oberste lautet: Überleben! Und das geht nach ihrem Verständnis nur an der Seite des jeweils stärksten Mannes, den sie mit der ältesten Währung der Welt bezahlt: Sex. Dabei will sie sich doch keinesfalls mit einer Stute vergleichen lassen, die sich nur vom stärksten Hengst decken lässt – und doch verhält es sich genauso. Und das ist das zentrale Motiv, das sich im Titel Appaloosa – einer speziellen Pferderasse – widerspiegelt. Doch der einzige Grund, der verhindert, dass Allie wie alle anderen unverheirateten Frauen in der Grenzstadt anschaffen gehen muss, ist ihr Klavierspiel. Und das beherrscht sie nach Everetts Meinung auch noch ziemlich schlecht.

Wer die „Jesse Stone“-Krimis kennt (ebenfalls verfilmt), der erinnert sich an Jesses Exfrau Jennifer, von der er sich in L.A. scheiden ließ, nachdem er wg. Trunksucht aus dem Polizeidienst geflogen war. An seinem neuen Arbeitsort taucht sie erneut auf, setzt ihm jedoch wieder Hörner auf – nur um zu ihm zurückzukehren, wenn ihre Pläne scheitern. Sie ist ebenfalls ein Überlebenstyp und gleichfalls nicht zu verurteilen. Aber wie für Cole macht ihr Verhalten das Leben für den Gesetzeshüter Jesse Stone nicht gerade einfacher. Das sorgt wiederum für den ironischen Humor in den „Stone“- und in den „Cole & Hitch“-Romanen.

_Unterm Strich_

Klar, dass es Schießereien und andere Standardsituationen aus den Westernfilmen gibt. Aber sie sind niemals Selbstzweck oder gar Show – so machen eben die Gesetzeshüter Cole & Hitch ihre Arbeit. Dass sie den Verbrecher der Gerechtigkeit zuführen, versteht sich von selbst. Doch dann gibt es Komplikationen: Allie French, mit der sich Cole eingelassen hat, wird von Braggs Revolvermännern entführt und erst viel später freigelassen. Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit Indianern und einer weiteren Schießerei mit Braggs Leuten. Um das Problem Bragg endgültig zu lösen, muss Hitch ihn zum Duell herausfordern.

Das ist der nicht so standardmäßige Handlungsverlauf. Dieser Aspekt könnte Ed Harris, den Produzenten, Regisseur und Hauptdarsteller der Verfilmung von 2008 dazu veranlasst haben, das Projekt überhaupt zu machen. Er spielt ja selbst auch öfters solche Macho-Typen, etwa einen marhsal, einen Sheriff oder den Anführer einer Killertruppe. Und Viggo Mortensen (Hitch) ist in „History of Violence“ – und natürlich als Aragorn – schon selbst als Mann aufgetreten, der Gewalt einzusetzen weiß, um seine Werte (Freiheit, Liebe, Treue usw.) zu verteidigen.

Die beiden Hauptfiguren sind, wie im Film, recht nachdenklich und reden oft über sich und ihre Motive und Einstellungen, nicht zuletzt deshalb, weil Allie sie ständig löchert. Haben sie denn keine Angst bei ihrem Job, will sie wissen? Cole hat keine, aber Everett schon – das unterscheidet die beiden grundlegend. Allie ist denn auch, die alles in Frage stellt: die Gesetze, die sie aufstellen, ihre Ehre und das Konzept von Liebe sowieso. Trotz dieser Zweifel kann man den Roman keineswegs nihilistisch nennen, sondern lediglich realistisch. Denn es gibt eines, das durchaus imstande ist, diesen Zweifeln Paroli zu bieten: das Prinzip der freundschaftlichen Treue.

Für einen Western ist dieser Roman sehr untypisch, und der Leser, der sich Klischees erwartet, wird enttäuscht werden. Doch es ist auch kein Anti-Western, denn die beiden Hauptfiguren werden zwar heftig angekratzt, doch bleiben sie Sieger. Auch die Frauenfiguren werden weder auf den Sockel gestellt, noch als Huren üb er einen Kamm geschert, sondern nur als Überlebenstypen gewürdigt. Man kann dies verurteilen. Der Autor tut dies wohlweislich nicht, zeigt aber die Folgen dieser Haltung auf. Was würde aus der menschlichen Gesellschaft werden, wenn es ausschließlich Überlebenstypen gäbe? Die „Regeln“ und ihre Durchsetzung würden der Vergangenheit angehören und wir würden zur Barbarei zurückkehren.

|Taschenbuch: 290 Seiten
ISBN-13: 978-0425204320|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
„Hugger Mugger“ …
Und viele Weitere.

Parker, Robert B. – Godwulf Manuscript, The – Ein Spenser-Krimi

_Spensers erster Fall: Tempo, Sex und Action_

Spenser wird von einer Bostoner Universität angeheuert, eine rares, gestohlenes Manuskript aus dem Mittelalter wiederzubeschaffen. Er ist kaum überrascht, dass sein einziger Hinweis ein radikaler Student ist, dem vier Kugeln in der Brust stecken. Die Cops sind dabei, die hübsche Blondine einzubuchten, deren Fingerabdrücke sich überall auf der Tatwaffe finden. Spenser gibt sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden. Er kniet sich in seine Hausaufgaben rein, im Wissen, dass, wenn er seinen Auftrag nicht schnellstens erledigt, könnte er sich eine ganz schlechte Note einhandeln – eine, die von einer blauen Bohne begleitet wird …

Deutsche Übersetzung? Ich konnte keine finden.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
„Hugger Mugger“ …
Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Direktor der Bostoner Universität beauftragt Privatdetektiv Spenser damit, ein am Sonntag gestohlenes Manuskript aus dem 14. Jahrhundert wiederzubeschaffen. Der Sicherheitsbeauftragte der Uni, Tower, informiert ihn, dass der anonyme Dieb 100.000 Dollar Lösegeld für das Manuskript haben will, zahlbar an eine radikale Organisation. Ein seltsamer Dieb, findet Spenser. Tower tippt auf eine radikale Organisation namens SCACE: das Studentenkomitee gegen kapitalistische Ausbeutung.

Das zugänglichste Mitglied von SCACE soll dessen Sekretärin Terry Orchard sein. Die junge Frau erweist sich zwar als halbwegs mitteilsam, doch ihr radikaler Freund Dennis Powell will sich unbedingt mit Spenser prügeln. Da gerät er an den Richtigen: Spenser war mal Boxer. In Nullkommanix liegt Dennis am Boden, dann zerrt er Terry fort. Wenigstens konnte Spenser ihr seine Karte geben.

Und das erweist sich als gut für sie, denn nachts um drei Uhr ruft sie ihn an und bittet ihn mit einer merkwürdig langsamen Stimme um Hilfe. Er rast zur angegebenen Adresse in einer anrüchigen Studentengegend nahe der Uni. Er bricht in die angegebene Wohnung ein, nur um die Leiche des erschossenen Dennis Powell vorzufinden sowie eine schwer unter Drogen stehende Terry Orchard.

Nachdem er ihren Kreislauf wieder in Schwung gebracht hat, kann sie ihm halbwegs zusammenhängend berichten, was geschehen ist. Zwei weiße Männer in Mäntel und mit Handschuhen wurden von Dennis mitten in der Nacht hereingelassen. Sie erschossen ihn, dann richteten sie es so ein, dass das wehrlose Mädchen ihre eigene Waffe – sie hatten sie extra mitgebracht – auf den leblosen Dennis abfeuerte. Spenser ist klar warum: Die Schmauchspuren würden auf Terry als Schützin hinweisen. Dann verabreichten die zwei Verbrecher ihr oral eine Droge, die nach Opium und Kampfer schmeckte. Es sollte wie eine Überdosis aussehen. Alles sollte wie ein Streit unter Liebenden sowie einem Selbstmord der Schützin aussehen. Nur Spensers Eintreffen machten den Urhebern einen Strich durch die Rechnung.

Aber wer hat die Kerle geschickt, fragt sich Spenser. Terry weiß es nicht. Erst auf seine bohrenden Fragen rückt sie mit Bruchstücken ihrer Erinnerung heraus: Dennis telefonierte mit einem Professor und sagte, er habe „es“ gut versteckt – das Godwulf-Manuskript? Terry weiß es nicht. Sobald Spenser sie bei der Mordkommission von Lieutenant Martin Quirk abgeliefert hat, beauftragt ihr Vater, der Terry auf Kaution freibekommt, Spenser damit, nach den Verbrechern zu suchen, die seine Tochter zu einer Mordverdächtigen gemacht haben.

Mit zwei Honorarvorschüssen in der Tasche macht sich Spenser auf die Suche, denn für ihn ist sonnenklar, dass der Manuskript-Diebstahl und der Mord an Dennis Powell zusammenhängen. Als Informationsquelle tut Spenser, der von der Unilleitung und Tower gewarnt wird, bloß keine Dozenten zu beschnüffeln, die Chefredakteurin der Studentenzeitung auf, Iris Milford. Iris ist eine Schwarze, erst 28 und schon Mutter von drei Kindern – sie kennt das Leben.

Und sie kann ihm einen Professor nennen, der sowohl für das Manuskript als auch als Powells Kontakt in Frage kommt: Prof. Lowell Hayden. Kaum hat Spenser eine paar Takte mit dem Professor gesprochen, als auch schon zwei Typen mit harten, kantigen gesichtern in seinem Büro auftauchen. Sie fordern ihn unmissverständlich auf, sie zu dem Unterweltkönig Joe Broz zu begleiten, wenn ihm seine Gesundheit am Herzen liegt. Schweren Herzens kommt Spenser mit. Mit Joe Broz scherzt man nicht.

Nach dem unerquicklichen Gespräch mit dem „Paten“ geschehen merkwürdige Dinge in Spensers Fall: Das Manuskript taucht wieder, Quirk wird als Ermittlungsleiter abgelöst und – eine weitere Leiche taucht auf: Terry Orchards frühere Mitbewohnerin Catherine Connelly. Jetzt wird Spenser erst recht neugierig, ganz egal, ob Joe Broz ihn ernsthaft davor gewarnt hat, weiter seine Nase in diesen Fall zu stecken.

Denn für ihn gibt es nur einen Weg, um die unschuldige Terry Orchard vor dem Frauengefängnis zu bewahren: den wahren Urheber des Mordanschlags auf sie und Dennis Powell zu finden …

_Mein Eindruck_

Der Held agiert in Parkers erstem „Spenser“-Krimi wie heutzutage Jack Reacher: Kompromisslos, unaufhaltsam, ohne Rücksicht auf eigene Verluste. Das ist schwer nachzuvollziehen, weil wir nur sehr wenig von seinem Hintergrund mitgeteilt bekommen. Er hat in Korea gekämpft, war mal ein Polizist, bis er wegen Befehlsverweigerung geschasst wurde, arbeitete auch mal für den Distriktstaatsanwalt des Landkreises Suffolk. Er kennt sich also mit Ermittlungen aus – na schön. Aber wieso muss er durch jede Mauer?

Es muss wohl an seinem weichen Herz liegen, das ihn größtes Interesse am weiblichen Geschlecht hegen lässt. Und die arme Terry Orchard ist nicht nur mehrfach auf seine Hilfe angewiesen, sondern sie sieht auch gut aus – und er schläft auch mich ihr. Schließlich ist er keineswegs ein Kostverächter. Selbst wenn er kurz zuvor mit Terry Mutter geschlafen hat, die von ihrem stets abwesenden Mann reichlich frustriert ist und dringend sexuelle Zuwendung braucht. Aus diesem Blickwinkel betrachtet, ist Spenser eine Ein-Mann-Schutztruppe für Frauen in Not.

Aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, ist er ein unaufhaltsamer Verfechter der Gerechtigkeit. Weder Drohungen von Joe Broz noch Warnungen von der Polizeiführung können ihn davon abhalten, den Drahtzieher des Anschlags auf Dennis und Terry ausfindig zu machen und zu Rechenschaft zu ziehen. Ironischerweise muss er dem Kerl erst einmal das Leben retten und fängt sich dabei eine Kugel ein.

Man kann sich weder über zu geringes Tempo noch über zu wenig Action – weder in Form von Gewalt, noch in Form von Liebe – beschweren. Der finale Showdown lässt als Dramatik und verzweifelter Gewalt nichts zu wünschen übrig. Später muss sich Spenser von seiner Freundin Susan Silverman – die er im nächsten Fall kennenlernt – fragen lassen (in „Promised Land“), ob es wirklich nötig war, Joe Broz‘ Killer mit eigenen Händen zu erwürgen. Spenser kann nur erwidern, dass er das ist, was er tut. Man muss ihn an den Ergebnissen seiner Taten messen, wie Thomas Jefferson es empfahl: Und das Ergebnis ist, dass der Täter gefasst wird und Terry Orchard endlich freikommt. Da gibt es nichts zu meckern.

_Unterm Strich_

Das titelgebende Godwulf-Manuskript selbst ist völlig unwichtig, ganz im Unterschied zu jenen alten Schriften, die wir bei Dan Brown finden. Somit ist dieser schnörkellose, sehr temporeiche Krimi keineswegs ein Thriller neuer Schule, sondern eher ein naher Verwandter eines Mike-Hammer-Krimis von Mickey Spillane.

Bekanntlich ist Parker auch ein Jünger und Nachahmer, ja sogar Kollaborateur (bei „Poodle Springs“, s. o.) von Raymond Chandler. Respektlose Untersuchungen und Schnüffler sind dessen Markenzeichen. Bei Spenser kommen noch die Eigenschaften eines guten Kochs und eines Künstlers hinzu – ein seltener Vogel.

Da das Geschehen an einer Uni spielt, kennt sich der ehemalige Uniprofessor Parker (er war es bis 1979) bestens mit dem Milieu aus. Und natürlich mit der entsprechenden Ära, die von Rassenunruhen, Studentenrevolten („Four Dead in Ohio!“), Gegenkultur, Revoluzzern, Sekten (man denke an Charles Manson) und natürlich Drogen geprägt war – eine sehr turbulente Zeit. Was macht Parker daraus?

Parker lehnt nicht die Menschen an sich ab, wohl aber ihre verbrecherischen Taten und Absichten. Der Täter etwa will die Menschen durch Drogen befreien, als sei er ein zweiter Timothy Leary. Dass er dabei ebenso einen Reibach macht wie der Gangster, der das Heroin liefert, steht offenbar in keinem Widerspruch zu seinen antikapitalistischen Thesen. Der Täter erweist sich als echter Wirrkopf und gemahnt Spenser an gewisse Figuren aus „Alice im Wunderland“, etwa an den Verrückten Hutmacher. Dementsprechend zahlreich und tragisch sind die Opfer dieser wirren Denkweise.

Spenser bzw. Parker hat schon immer etwas gegen Radikale und Theoretiker gehabt. Am besten ist dies im preisgekrönten Krimi „Promised Land“ abzulesen (Spenser Nr. 4). Dort töten radikale Feministinnen beiläufig einen Bankwächter und eine unbescholtene Gattin und Mutter gerät aus falsch verstandener Solidarität mitten in die nachfolgende Morduntersuchung. Parker kritisiert falsch verstandene und angewendete Ideale und Versprechen – nicht die Menschen, die an sie glauben und deshalb verraten und betrogen werden. Diese Haltung macht ihn mir so sympathisch und stellt mich mit den Geschichten seiner Krimis immer wieder zufrieden.

Was seinem Erstling allerdings fehlt, ist die psychologische Einsicht. Sein Held ist noch reichlich zweidimensional und macht einen recht machomäßigen Eindruck. Das soll sich ab Krimi Nr. 4 tiefgreifend ändern, was nicht zuletzt am Erscheinen und der Wirkung von Susan Silverman, der Psychologin, liegt. Die Durchschnittswertung wird allerdings durch den hohen Unterhaltungswert verbessert.

|Taschenbuch: 208 Seiten
ISBN-13: 978-0440129615|
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Robert B. Parker – Mortal Stakes – Ein Spenser-Krimi

Spielmanipulation in Boston? Spenser räumt auf

Der Bostoner Baseballstar Marty Rabb spielt weit unter seinen Möglichkeiten. Wird er bestochen? Oder erpresst? Heimlich nimmt Spenser, Bostons bester Privatdetektiv, die Lebensumstände des Athleten unter die Lupe. Ohne Erfolg. Doch als er sich nach der Vergangenheit von Rabbs Frau erkundigt, wird er fündig …

Titel der Übersetzung: „Endspiel gegen den Tod“ (1977 bei Ullstein).

Der Autor

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Terry Goodkind – Die Säulen der Schöpfung (Das Schwert der Wahrheit 7)

_Routine-Fantasy mit gutem Finale_

Eine junge Frau aus der Provinz macht sich mit einem Gefährten auf den Weg, um herauszufinden, wer sie ist. Daraufhin macht sie sich auf den Weg, den Tyrannen zu töten: Richard Rahl, den Helden der Serie „Das Schwert der Wahrheit“. Hoffentlich hat sie etwas missverstanden, sonst reißt nämlich Goodkinds Erfolgsserie nach zehn Jahren plötzlich ab.

_Der Autor_

Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.

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Goodkind, Terry – Reich des dunklen Herrschers, Das (Schwert der Wahrheit 14)

_Spannende Fantasy vom Meistererzähler_

Im 14. Roman um das Schwert der Wahrheit befindet sich das Reich D’Hara kurz vor der Invasion durch den Kaiser Jagang, dessen Imperiale Ordnung alle Personen gleichschalten will. Doch wo treibt sich der Herrscher D’Haras herum? Richard Rahl, der Träger des Schwertes der Wahrheit, stolpert mit seinem Gefolge durch die Wüste, wird Opfer von Überfällen und Giftanschlägen. Derweil geraten seine Verbündeten in die Hände seiner Widersacher. Es sieht gar nicht gut aus für die Guten …

_Der Autor_

Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.

Mit seinem mehrbändigen Zyklus um „Das Schwert der Wahrheit“, die er 1994 begann, hat sich der 1948 in Nebraska geborene Amerikaner Terry Goodkind in die erste Reihe der meistverdienenden Fantasyautoren geschrieben. Heute lebt er in Neuengland. Aus der Masse der High-Fantasy-Bücher heben sich seine Romane wie „Wizard’s First Rule“ oder „Stone of Tears“ durch eine nüchterne, wenn nicht sogar düstere moralische Vielschichtigkeit und durch Momente von Erfindungsreichtum – meist hinsichtlich unangenehmer Überraschungen – heraus.

|Das Schwert der Wahrheit|:

Band 1: „Das erste Gesetz der Magie („Wizard’s First Rule 1“)
Band 2: [„Der Schatten des Magiers („Wizard’s First Rule 2“)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1179
Band 3: „Die Schwestern des Lichts („Stone of Tears 1“)
Band 4: „Der Palast des Propheten („Stone of Tears 2“)
Band 5: „Die Günstlinge der Unterwelt („Blood of the Fold 1“)
Band 6: „Die Dämonen des Gestern („Blood of the Fold 2“)
Band 7: „Die Nächte des roten Mondes („Temple of Winds 1“)
Band 8: „Der Tempel der vier Winde („Temple of Winds 2“)
Band 9: „Die Burg der Zauberer („Soul of Fire 1“)
Band 10: „Die Seele des Feuers („Soul of Fire 2“)
Band 11: „Schwester der Finsternis („Faith of the Fallen 1“)
Band 12: „Der Palast des Kaisers („Faith of the Fallen 2“)
Band 13: „Die Säulen der Schöpfung („The Pillars of Creation“)
Band 14: „Das Reich des dunklen Herrschers“ („Naked Empire“)
Band 15: „Die Magie der Erinnerung“ („Chainfire“)
Band 16: „Am Ende der Welten“ („Phantom“)
Band 17: „Konfessor“ („Confessor“]

„Das Verhängnis der Schuld“ – Die Vorgeschichte von „Das Schwert der Wahrheit“

_Vorgeschichte_

Im ersten Band, „Wizard’s First Rule“ („Der Schatten des Magiers“, 1994), gerät der Serienheld Richard, ein bis dahin unscheinbarer Provinzjüngling, in den Sog größerer Ereignisse, als sein Ziehvater ermordet und er selbst von menschlichen und nichtmenschlichen Agenten verfolgt wird, die der dunkle Herrscher Darken Rahl gegen ihn ausgesandt hat. Im Verlauf seiner Quest, um diesen Gefahren zu begegnen, erlebt Richard sowohl größtes Leid als auch größte Liebe: Er verliebt sich in die wunderschöne Kahlan, mit der er noch in „Säulen der Schöpfung“ zusammen ist.

Im zweiten Band muss Richard die magischen Konsequenzen, die sich aus seinem Sieg über Darken Rahl ergeben haben, wieder ausbügeln, doch zeigt sich, dass dafür ein hoher Preis zu bezahlen ist. Das Universum, in dem die Romane um das „Schwert der Wahrheit“ spielen, basiert nämlich auf verschiedenen Balancen aus polaren Gegengewichten: Leben und Tod, Gut und Böse, Schöpfer (Gott) und Hüter (der Widersacher), Schwestern des Lichts und Schwestern der Finsternis.

Diese manichäische Welt ist auch die Grundlage für „Säulen der Schöpfung“, doch nun tritt ein interessantes neues Element auf: Menschen, die für Magie unempfänglich sind. Sie sind „Lücken in der Schöpfung“. „Das Reich des dunklen Herrschers“ schließt nahtlos an „Die Säulen der Schöpfung“ an.

_Handlung_

Richard Rahl, der Sucher und der Träger des Schwertes der Wahrheit, Herrscher von D’Hara, schleppt sich mit seinem Gefolge durch die Wüste. Seine Gefolge besteht aus der geliebten Kahlan, der Konfessorin, Cara, einer Mord-Sith, die Richard mit ihrem Leben beschützt, Jennsen, eine für Magie unempfängliche Halbschwester Richards, und zwei männlichen Gefährten. Nach dem Zwischenfall bei den „Säulen der Schöpfung“ ist Richard auf der Hut, doch den Augen der Riesenkrähen, die über ihm kreisen, entgeht er nicht. Wer hat sie geschickt und wem berichten sie?

Ein seltsamer junger Mann, der sich Owen nennt, stolpert ebenfalls auf die wüste Ebene, doch er kommt aus den Bergen. Das mancht Richard misstrauisch, denn dort verläuft eine Grenze, die niemand übertreten darf. Doch wie es die Gastfreundschaft gebietet, gibt er Owen zu trinken. Owen bittet ihn, den Lord Rahl von D’Hara, seinem Volk zu helfen, denn es werde von Truppen der Imperialen Ordnung, die Kaiser Jagang dienen, unterjocht. Doch Richard will sich nicht aufhalten lassen, denn eben dieser Jagang greift auch die Pässe seines eigenen Reiches an.

Wenig später erhält er von einem Boten namens Sabar eine Nachricht von einer konvertierten Hexenmeisterin namens Nicci. Die Dinge stehen nicht gut in D’Hara, und sie gibt ihm vorsichtshalber eine magische Warnstatuette mit. Kaum zeigt sich deren Warnsignal, erfolgt auch schon der Angriff. Es sind 28 Krieger einer Spezialtruppe der Imperialen Ordnung. Richard, Kahlan und Cara können 27 davon töten, doch den letzten zwingt Kahlan durch ihre Konfessorinnenmagie unter ihren Willen, bis er alles tut, um ihr zu gefallen. Er berichtet, dass seine Spezialtruppe nur Richard und Kahlan gefangen nehmen sollte, damit sie zu einem Mann namens Nicholas der Schleifer gebracht würden.

Cara ertappt den seltsamen jungen Mann namens Owen erneut beim Anschleichen. Er sagt, er habe das Gegenmittel für das Gift, unter dessen Einfluss sich Richard krümmt und Blut erbricht. Nachdem ihm Kahlan das Gegengift verabreicht hat – es ist leider nicht genug, um länger als vier Wochen zu wirken -, berichtet Owen bereitwillig dem stets nach der Wahrheit suchenden Richard.

Owen gehört dem friedliebenden Volk des Landes Bandakar, wurde aber verbannt. Das Besondere an seinem Volk: Seine Angehörigen sind alle nicht für Magie empfänglich, ihre Vorväter wurden vor 3000 Jahren in eine abgeschiedene, magisch verborgene Region hinter den nahen Bergen verbannt. Doch Kahlan hob diese magische Schutzbarriere aus gewissen Notwendigkeiten heraus auf. In der Folge konnten Truppen der Imperialen Ordnung in Bandakar eindringen, alle gebärfähigen Frauen zu Zuchtzwecken verschleppen und alle kräftigen Männer versklaven.

Die wenigen Rebellen, denen sich Owen anschloss, wurden, fing man sie ein, schwer bestraft. Doch dann kam ein Mann, der für den Kaiser Informationen sammelte. Er werde Nicholas der Schleifer genannt, berichtet Owen. Wir wir erfahren, ist ein „Schleifer“ ein Magiebegabter, der einem Lebenden die Seele entreißen und sie zu seinen Zwecken missbrauchen kann. Nicholas schickt Richard die Riesenkrähen und die Spezialkommandos auf den Hals, um Richard zu töten und die Mutter Konfessor Kahlan zu seinem Sexspielzeug zu machen. Für diese beiden Trophäen will Nicholas von Jagang mit dem Reich D’Hara belohnt werden. Ob das klappt?

|Zedds Schicksal|

Unterdessen fällt die Burg der Zauberer, jedoch nicht vor dem Ansturm eines Heeres, sondern durch eine kleine Kommandotruppe, die aus Magie-Unempfänglichen gebildet wird. Folglich nützen Zedd, dem Obermagier, seine magischen Alarmsignale nichts. Ein Halsring fesselt die Quelle seiner magischen Kraft, und er ist einer Hexenmeisterin hilflos ausgeliefert. Strackts bringt man ihn zum Kaiser. Der Traumwandler wird schon Verwendung für einen Ex-Obermagier haben ….

|Im Palast des Volkes |

Auch die Prälatin der Schwestern des Lichts, die knapp tausend Jahre alte Annalina, fällt in die Hände eines Feindes. Unvorsichtigerweise hat sie sich in die Höhle des Löwen begeben: in den Palast des Volkes, wo seit jeher ein Lord Rahl zu herrschen pflegt. Doch das Design der Architektur des Palastes ist ein Bannspruch, der die Magie der Rahls stärkt, gleichzeitig aber die Magie anderer Sterblicher schwächt. Sie erkennt die Gefahr zu spät und von Mord-Sith verhaftet und in ein tiefes Verlies gesperrt. Es ist jedoch durchaus ein Rahl, dem sie nun gehört, allerdings nicht Richard, sondern Nathan – der Prophet. Und er weiß genau, was sie nun zu tun versuchen wird …

|Nach Bandakar |

Richard Rahl sieht sich gezwungen, Bandakar vom Joch der Imperialen Ordnung zu befreien, um das Gegenmittel zu Owens Gift zu bekommen. Doch auf diesem Weg läuft er genau in jene Falle, die Nicholas der Schleifer für ihn aufgestellt hat.

_Mein Eindruck_

Ich habe von diesem 14. Roman aus der Reihe „Das Schwert der Wahrheit“ das Schlimmste erwartet. Umso angenehmer war meine Überraschung, als sich die Spannung, nach einem langsamen Mittelteil, bis zu einem actionreichen Maximum steigerte. Der Mittelteil dient lediglich dazu, beim Leser eine andauernde Beklemmung auszulösen, denn Richard verliert zunehmend seine magische Gabe, zudem machen sich die Folgen der Vergiftung durch Owen immer heftiger bemerkbar. Hängt das eine mit dem anderen zusammen? Richard befürchtet es.

Und der Leser muss zunehmend um das Leben seines Lieblingshelden bangen. Der Leser wird dabei vertreten durch Kahlan, die Richard wie ihr eigenes Leben liebt und alles für ihn täte – und es schließlich auch tun muss, als Nicholas der Schleifer es verlangt. Dass auch Cara und Jennsen um ihn bangen, versteht sich von selbst, aber sie bringen nicht das Opfer, zu dem Kahlan bereit ist: ihr Leben.

Bevor der Knoten dieser Beklemmung platzt, fügt der Autor, als wäre dies noch nicht genug, ein weiteres retardierendes Element ein. Wie soll Bandakar befreit werden, wenn nicht durch seine Rebellen? Doch erstens sind das nur lumpige 50 Mann und zweitens wurden sie zeit ihres Lebens zu Pazifisten erzogen, die Gewalt, Töten und Krieg grundsätzlich ablehnen. Daher muss Richard sie in einem langwierigen Prozess, der einer Gehirnwäsche gleichkommt, umpolen. Gut, dass er das „Buch der Prophezeiungen“ über diese „Säulen der Schöpfung“ gelesen hat. So kann er ihnen erklären, wer sie sind: ein vor 3000 Jahren zu Unrecht verbanntes Volk von Menschen, die (wie die Juden im Dritten Reich) selektiert, deportiert und wie in einem riesiges KZ eingepfercht wurden. Die Statue des dafür verantwortlichen Zauberers Kara-Jang ist der richtige Ort für diese Rede.

Diese Wahrheit ist ein echter Schocker, reicht aber noch nicht, um sie zum bewaffneten Kampf zu motivieren. Daher muss ihnen Richard eine viele Seiten lange Rede über die Natur des Bösen und die Pflicht, es zu bekämpfen, halten, die ihn völlig erschöpft. Doch hätte er diesen Rat selbst beherzigt, dann wäre die eigene magische Gabe wieder zu ihm zurückgekehrt. Ach ja: die Magie. Was soll das überhaupt sein, fragen die Bandarakaner. Und das ist gar nicht so einfach zu demonstrieren. Wieder kostet es ihn Kraft. Es grenzt an eine Wunder, dass sich Richard überhaupt noch nach Bandakar schleppen kann.

Doch dann geht die Post ab, und es ist, als wäre ein Knoten geplatzt: Es folgen fast 200 Seiten Non-stop-Action – nicht nur in Bandakar, sondern auch in Jagangs Heerlager, wo Zauberer Zedd um sein Leben bangen muss. Gewisse Momente, an denen die Kavallerie in letzter Sekunde erscheint, erhöhen die emotionale Achterbahnfahrt dieses furiosen Finales.

Ganz besonders gefiel mir jedoch ein bestimmter Trick, den der Autor einsetzt. Dem Leser und der Hauptfigur ein Rätsel aufzugeben und es dann über viele Seiten hinweg nicht zu lösen, ist zwar der älteste Kniff im Buch, aber er ist nichtsdestotrotz einer der wirkungsvollsten. Die Frage lautet ganz einfach: Woher weiß Nicholas immer so genau, welche Pläne Richard verfolgt und wo er sich befindet? Die Antwort wird nie gegeben, aber der Leser kann es sich nach ein paar Perspektivenwechsel zusammenreimen – und hat so einen wunderbaren Aha-Moment. Erst nach dieser Erleuchtung ist er nicht mehr völlig von den Socken, wenn Richard im Privatzimmer von Nicholas auftaucht, um „hallo“ zu sagen.

|Die Übersetzung|

Caspar Holz bildet die Diktion des Originals recht getreu ab – zu getreu für meinen Geschmack, aber das ist Ansichtssache. Ein ziemlich nervendes Stilmerkmal Goodkinds sind nämlich a) ellenlange vor ein Substantiv geschobene Adjektivkonstruktionen (Q.E.D.) und b) Einschübe, die eine Satzkonstruktion zwar nicht auseinanderreißen, aber doch komplizierter machen als nötig.

Druckfehler gibt es natürlich, wie in fast jedem Taschenbuch, massenhaft. Aber es gibt ein paar besonders Schlimme. Auf Seite 75 heißt es unten auf einmal „scheidend“ statt „schneidend“, wenn es um eine Stimme geht. Auf Seite 100 heißt es unten „in freundlichen, kontrastieren Tönen“, doch es müsste korrekt natürlich „in … kontrastierenden Tönen“ heißen. Und so weiter und so fort.

_Unterm Strich_

Endlich werden die Goodkind-Romane nicht mehr in zwei Teile aufgespalten! Das ist eine wahre Wohltat für den deutschen Leser. Dafür fängt nun der Verlag an, die alten halbierten Romane wieder zusammenzufügen und erneut zu günstigen Preisen auf den Markt zu werfen. Das ist reine Geldmacherei, aber ich bin sicher, Blanvalet alias Bertelsmann betrachtet dies als gutes Marketing.

Wie auch immer: Dies war jedenfalls ein nach langer Durststrecke wieder mal ein sehr guter Goodkind. Die verschachtelte Struktur mit (mindestens!) drei Handlungssträngen ist man ja von ihm gewöhnt, und so kann es nicht verwundern, dass die Szenen ständig wechseln. Das ist aber nicht so wild, wie es klingt. Im letzten Drittel, also auf nicht weniger als 200 Seiten, steigert sich die Spannung mit der Action zu einem langen Finale mit mehrfachen Höhepunkten, sodass der Leser aus dem Nägelkauen kaum herauskommt. Die Episode in Bandakar ist keineswegs unnötig, denn Richard, die Hauptfigur, lernt eine sehr wichtige Lektion. Erst dann ist er dazu in der Lage, es mit seinem größten Widersacher, Kaiser Jagang und seinen „Schwestern der Finsternis“, aufzunehmen.

Das Titelbild und der deutsche Titel haben herzlich wenig mit dem Inhalt des Romans zu tun. Die antike Seeschlacht, die auf dem Cover zu sehen ist, ist dermaßen weit hergeholt, dass ich nur den Kopf schütteln kann. Davon soll sich der Leser aber nicht abschrecken lassen, denn mit dem Roman kommt er auf jeden Fall voll auf seine Kosten, wenn es um spannende und actionreiche Fantasy geht – und das betrifft auch weibliche Leser, denn Richards Frau Kahlan gerät ebenfalls in höchste Gefahr. Lediglich die Predigt über die Natur des Bösen und die Pflicht, ihm entgegenzutreten, finde ich bedenklich, aber ein Amerikaner ist diesbezüglich sicher anderer Meinung als ein Europäer.

|Hardcover: 607 Seiten
Originaltitel: Naked Empire (2003)
Aus dem US-Englischen übersetzt von Caspar Holz
ISBN-13: 978-3809024934|
[www.randomhouse.de/limes]http://www.randomhouse.de/limes

Clarke, Arthur C. – 2001 – Odyssee im Weltraum (Lesung)

_Endlich im Hörbuch: HAL9000 und die Monolithen_

Dieser Roman erschien 1968 im gleichen Jahr wie der zugehörige Film von Stanley Kubrick. Aber die literarische Idee ist viel älter. Schon 1948 schrieb und 1951 veröffentlichte Clarke in seiner Kurzgeschichte „Der Wächter“ (|The Sentinel|) den Einfall, dass ein Sternenvolk der Menschheit zu Intelligenz verholfen habe und nach dem Ausgraben des Wächtersteins auf dem Mond erfahren würde, dass die Menschen die Raumfahrt entwickelt hätten. Ein Signal lockt eine Expedition zum Planeten Saturn, doch die Besatzung der „Discovery“ ist todgeweiht …

Dieses Hörbuch ist vollständig mit Fotos aus Stanley Kubricks Kultfilm ausgestattet.

_Der Autor_

Sir Arthur C. Clarke, geboren 1917 in England, lebte seit den fünfziger Jahren in Sri Lanka, wo er im Jahr 2008 starb. Seine besten und bekanntesten Werke sind „Die letzte Generation “ (|Childhood’s End|) und „2001 – Odyssee im Weltraum“. Ebenfalls empfehlenswert ist der Startband des RAMA-Zyklus‘: „Rendezvous mit 31/149“ (|Rendezvous with Rama|), von dem Morgan Freemans Filmproduktionsfirma seit Jahren eine Verfilmung vorbereitet. Übrigens erfand der Ingenieur Clarke schon 1947 das Konzept eines künstlichen Satelliten und später das eines Fahrstuhls in die Erdumlaufbahn. Clarke starb am 19. März 2008, also mit rund 90 Jahren.

Der |Odyssee|-Zyklus:

1) [„2001 – Odyssee im Weltraum“ (1968)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1510
2) „2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen“ (1985)
3) „2061 – Odyssee III“ (1988)
4) „3001 – Die letzte Odyssee“ (1997)

Die |Zeit-Odyssee|-Romane, mit Stephen Baxter:

1) [„Die Zeit-Odyssee“ (|Time’s Eye|, 2004)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1496
2) [„Sonnensturm“ (|Sunstorm|, 2005)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2128
3) [„Wächter“ (|Firstborn|, 2008)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5870

_Der Sprecher_

Zu Wolfram Koch liefert das Hörbuch keine Informationen.

Regie führte Simon Jaspersen, den Ton nahm Martin Freitag auf.

_Handlung_

Am Anfang ist die Erde „wüst und leer“, wie es in der Genesis heißt. Schließlich ein Menschenaffe und seine wenigen Artgenossen, die als friedliche Pflanzenfresser neben Tapiren koexistieren (das wird sich ändern). Diese Sippe ist die von Alphamännchen Mond-Schauer. Die Menschenaffen verständigen sich zwar, aber Sprache würde man das nicht nennen. Eingesetzt wird diese Kommunikation aus Beschwichtigungs-, Droh- und Wutschreien besonders dann, als Mond-Schauers Sippe vom einzigen Wasserloch weit und breit verjagt wird und eine andere, wildere Sippe das Loch übernimmt.

Mond-Schauers Sippe ist ganz klar vom Aussterben bedroht, und die Angst vor dem nächsten Angriff des Leoparden beherrscht ihn. Am nächsten Morgen steht jedoch ein schwarzer Monolith von perfekter Glätte aufrecht vor ihm, den eine merkwürdige Aura umgibt. Dem anfänglichen Schrecken Mond-Schauers weicht die Berührung dieses unnatürlichen – und in der Tat außerirdischen – Objektes. Mond-Schauer und seine Leute wandeln sich von Menschenaffen zu Affenmenschen, insbesondere durch den Erwerb von Sprache. Plötzlich verfügen die Affenmenschen nämlich über ein Gedächtnis, das ihnen ermöglicht, in die Vergangenheit zu schauen und sich eine Zukunft vorzustellen.

Schon bald triumphiert Mond-Schauer über die Tapire, schmeckt Blut, isst Fleisch und besiegt die feindliche Sippe im Kampf um das Wasserloch, Brudermord inklusive. Die Geschichte der Menschheit ist offensichtlich eine Geschichte der Gewalt, des Mordens – und der dabei eingesetzten Technik. Mond-Schauer wirft sein Werkzeug des Sieges in die Luft, den Knochen. Aber ist es wirklich sein Sieg – oder der des Monolithen?

Drei Millionen Jahre später.

Dr. Heywood Floyd, ein führender Bürokrat der Nationalen Raumfahrtbehörde, befindet sich auf dem PanAm-Flug der Raumfähre „Orion 3“ zur halbfertigen Orbitalstation. Auf der Station schlendert Floyd nach dem Sicherheitscheck am Hilton-Hotel und Howard-Johnson-Restaurant vorbei, ruft seine Tochter an, wimmelt ein paar neugierige Russen ab und trifft endlich beim Anlass seines Besuchs hier ein: eine Sitzung der Verwalter der amerikanischen Zone des Mondes. Die Amis teilen sich die Mondverwaltung mit den Russen.

Man munkelt, auf dem Mond sei eine Epidemie ausgebrochen. Ist da was dran? Seltsame Dinge gehen auf Luna vor sich, und Floyd muss die Maßnahmen der Amis rechtfertigen: In seiner Rede erneuert er die Kontrolle, die seine Behörde ausübt, indem er die Tarngeschichte einer Epidemie und die Nachrichtensperre verteidigt. Aber warum das alles?

Floyd fliegt mit dem Mondtransporter „Aries“ und zwei Kollegen weiter. Das Ritual des Essens verbindet sie mit Mond-Schauers Sippe. Der Astro-Dom der amerikanischen Mondbasis öffnet sich wie eine Blüte. Der Weiterflug führt zum Krater Tycho, wo die Ursache des Aufruhrs und der supergeheime Anlass für Floyds Reise steht: Es ist eine weitere Ausgabe des schwarzen Monolithen.

Der erstaunliche Befund: Er wurde vor drei Millionen Jahren hier verbuddelt, von wem, weiß man nicht. Aber dies ist offensichtlich der erste Beweis für außerirdische Intelligenz, wie die Proportionen 1:4:9 beweisen. Floyd kann nicht umhin, es Mond-Schauer nachzumachen: Er muss das mysteriöse Objekt berühren. Dieses stößt nicht nur einen schrillen Pfeifton aus, sondern sendet zugleich ein starkes Radiosignal – zum Saturnmond Japetus. Der Monolith ist ein Wachposten. Wen oder was warnt er?

18 Monate später.

Die „Discovery“, ein knochenförmiges Raumschiff, fliegt am Jupiter vorbei und auf den Riesenplaneten Saturn zu, um auf dessen Mond Japetus den zweiten (eigentlich den dritten) Monolithen zu suchen. Die Startvorbereitungen waren natürlich wieder mal supergeheim, sodass die zwei wachen Piloten David Bowman und Frank Poole nicht ahnen, was sie dort sollen.

Lediglich die drei im Kälteschlaf eingesargten Wissenschaftler ahnen, was der wahre Grund ihrer Reise ist, denn sie sollen den Monolithen untersuchen. Der Einzige, der ihn ebenfalls kennt, ist kein Mensch, sondern ein „Elektronengehirn“, eine künstliche Intelligenz namens HAL-9000. Dem Paar der zwei wachen Piloten entspricht das Zwillingspaar der beiden HAL-9000s, dem an Bord der „Discovery“ und dem in Houston bei der NAC. Man ist auf Ausfallsicherheit und Kontrolle bedacht. Entsprechend technisch ist der Jargon, in dem man mit der Bodenstation kommuniziert.

Das nützt aber alles nichts, als HAL Dave Bowman bekanntgibt, dass in 72 Stunden ein Bauteil der Außenantenne zu 100 Prozent und mit absoluter Sicherheit ausfallen werde. Der Grund: „ein menschlicher Irrtum/Fehler“. Eine seltsame Begründung für einen neutralen Computer, der ständig seine Verpflichtetheit gegenüber der „Mission“ beteuert. HALs Zwilling kann die Prognose nicht bestätigen. Als auch Bowman an dem ausgebauten Bauteil keine Fehler finden kann und somit HAL widerlegt, überlegen er und Poole, HAL abzuschalten. HAL und ergreift Gegenmaßnahmen.

Beim Wiedereinbau des Bauteils kappt er mit Hilfe der Greifarme des Außenbordmoduls Pooles Luftschlauch, sodass der Astronaut nicht nur erstickt, sondern auch abtreibt. Als Nächsten nimmt er sich Bowman vor. Doch Dave ist gewitzter als Poole und versteckt sich in einer Luftkammer, wo er in einen Raumanzug schlüpft. Nachdem HAL auch die drei Wissenschaftler in ihren Kühlkammern getötet hat, macht sich Dave daran, die Speichermodule HALs zu entfernen.

Was HAL dem Kapitän nicht verraten darf, ist der wahre Grund der Expedition. Man zwang ihn zu lügen, und dieses Dilemma veranlasste ihn, die menschliche Crew zu eliminieren, um nicht als Lügner entlarvt zu werden und die Mission wie vorgesehen „erfolgreich“ zu Ende zu führen. Doch nach HALs „Tod“ bekommt es Dave mit dem Monolithen zu tun und entdeckt, was es damit auf sich hat: „Mein Gott, es ist voller Sterne!“

_Mein Eindruck_

Es wird sehr wenig geredet in diesem Hörbuch, und was geredet wird, ist oft nicht der Rede wert. Die Menschen des 21. Jahrhunderts haben verlernt, auf natürliche Weise zu kommunizieren. Sie verständigen sich durch Funksignale von der Missionskontrolle, abgespielte Filmaufnahmen mit Geburtstagsglückwünschen, einem Ferntelefonat. Falls es doch einmal zu einem Mensch-zu-Mensch-Gespräch kommen sollte, was Gott verhüten möge, so endet es an einer Mauer des Schweigens: Zuerst blockiert Heywood Floyd den Versuch des Russen ab, mehr über die „Epidemie“ auf dem Mond zu erfahren, dann vergattert er selbst seine Mitbürokraten zu Stillschweigen. Selbst Bowman und Poole dürfen nur funktionieren, wenn sie sich auf knappe Anfragen und Befehle beschränken. Sie haben keine Ahnung, was Sache ist.

|Mensch gegen Maschine|

Der unentrinnbare Konflikt zwischen Mensch und Technik bzw. Maschine beginnt schon mit dem Gebrauch des ersten Werkzeugs durch Mond-Schauer und endet erst, als Bowman HALs Speichermodule deaktiviert – der erste Mord an einem äffischen Rivalen findet sein Echo in einem letzten Mord an einer intelligenten Maschine. Sind die Monolithen gute oder böse Maschinenwesen? Und: Wo sind sie alle geblieben, wenn sie uns vor Urzeiten geholfen haben? Baxter zieht Parallelen zu Romanen von Gregory Benford (|Contact|-Zyklus) und Fred Saberhagen (|Berserker|-Zyklus), die Clarke erst in seinem letzten Odysssee-Roman, „3001 – Die letzte Odyssee“, weiterführt und abschließt (siehe meinen Bericht zum Original).

Zwischen den zwei Morden liegt ein Erwachen. Es beginnt, als Bowman auf der Brücke von HAL alle Luft entzogen wird. Er soll sterben wie sein Kollege Poole. Denn HAL hat ja den Menschen an sich als Störfaktor und Bedrohung der Mission ausgemacht. Der Mensch muss kämpfen oder aussterben, abgelöst durch eine Maschinen-Evolution. (Diese hat beispielsweise der Sciencefiction-Autor und Physiker Gregory Benford geschildert.)

Das Erwachen und der Mord an HAL führen Bowman zu einer weiteren Stufe seines evolutionierenden Bewusstseins. Weiterzukommen hilft ihm das Sternentor, das der schwarze Monolith bietet. Durch Stufen der Alterung und des Todes gelangt Bowman – als erster Vertreter der Menschheit – zu einem Neuanfang: Als Sternenkind. Erst jetzt ist der Mensch nicht mehr fremd im Kosmos, sondern ein Teil davon: Ein Sternenkind. Und als der Atomkrieg die Erde zu zerstören droht (wieder ein Sieg der Maschinen und Werkzeuge?), setzt Bowman seinen neu erworbenen Willen dazu ein, die schwebenden Bomben detonieren zu lassen, bevor sie Schaden anrichten können.

|Der Film|

Clarke lieferte mit der Story „The Sentinel“ (|Der Wachtposten|) aus dem Jahr 1948 die literarische Vorlage zu Kubricks Filmsymphonie in vier Sätzen, die ursprünglich „Journey beyond the stars“ heißen sollte. Sie wurde zwischen 1964 und 1968 für die damals astronomische Summe von 10,5 Millionen Dollar realisiert. Wobei 4,5 Millionen Dollar für die Spezialeffekte und Tricks verbraten wurden – was allerdings zu Kubricks einzigem OSCAR führte, immerhin. Clarke hat das detaillierte Treatment zu seinem gleichnamigen Roman ausgearbeitet, der in zahlreichen Punkten vom Film abweicht. Diese aufzuzählen, würde hier zu weit führen.

_Der Sprecher_

Wie oben schon angedeutet, bildet Sprache einen zentralen Aspekt für die Bedeutungsebenen dieser Geschichte. Die Sprachverwalter Floyd und Halversen, der Mondgouverneur, reden ja noch ganz manierlich, ebenso die beiden Piloten Frank Poole und Dave Bowman, wenn sie gerade keine technischen Arbeiten erledigen oder mit der Bodenkontrolle reden.

Aber daneben begegnet einem ständig ein funktionaler und entpersönlichter Sprachgebrauch, so etwa von der Flugbegleiterin an Bord des Shuttle „Orion 3“, aber natürlich auch von HAL9000 selbst. Die Sprache ist zu einem Werkzeug geworden, um andere Wesen zu manipulieren, so wie es Mond-Schauer von Anfang getan hat, instruiert vom Monolithen. Ist dies also der Preis der Evolution, oder gibt es noch etwas darüber Hinausweisendes, scheint der Autor zu fragen.

Der Sprecher vollzieht diesen unterschiedlichen Sprachgebrauch sehr deutlich nach. Mal klingt er heiter und freundlich, dann wieder mechanisch, monoton und abgehackt. Neben diesen zwei Sprachregistern gibt es ein drittes: Das des Erzählers. Dieser bestreitet während des letzten Aktes von Bowmans Reise und Evolution fast den gesamten Text, denn Bowmans Tagebucheinträge sind ziemlich kurz und sachlich.

Als Erzähler versucht der Sprecher dem Hörer die Aufgabe zu erleichtern, das Erzählte zu begreifen. Denn die Wunder, die Bowman nun erlebt, sind etwas völlig Neues. Dementsprechend langsam und deutlich spricht Wolfram Koch, ohne jedoch in weihevolles Pathos zu verfallen. Das hätte ich lächerlich gefunden. Der Grat, den Koch stilistisch wandelt, ist denkbar schmal, doch er entledigt sich seine Aufgabe sehr zufriedenstellend. Ich muss an keiner Stelle lachen oder die Stirn runzeln.

|Zusatzinformationen|

Der Einsteckkarten des Hörbuchs enthält Informationen über den Autor Clarke, aber nicht über den Sprecher Koch, was ich sehr schade finde. Für den Sammler empfiehlt sich das Hörbuch unter anderem durch seine Filmbilder, die heute wie Ikonen wirken und vielfach Dave Bowman zeigen. Weitere Informationen betreffen die Verantwortlichen seitens des Verlags.

_Unterm Strich_

Sobald man sich an Clarkes betulichen Tonfall aus den sechziger Jahren gewöhnt hat – er erklärt alle Geschehnisse ganz genau – macht es richtig Vergnügen, Dave Bowmans Odyssee zum Saturnmond Japetus und darüber hinaus zu folgen. Den Spekulationen des Autors über das, was der Monolith beabsichtigt, muss man nicht unbedingt folgen, denn die Geschichte gibt an sich schon einiges an Gedankennahrung her. Ich finde nicht, dass das Eingreifen von Außerirdischen an den Haaren herbeigezogen ist. Erstens handelt es sich um Fiktion, zweitens um Clarkes Fiktion und drittens hat es wirklich Sprünge in der Entwicklung der Menschheit gegeben. Nur Anhänger des Absurden nennen Sprache einen „virus from outer space“ (William S. Burroughs).

Wie schon „Childhood’s End“ (|Die letzte Generation|) ist „2001“ ein philosophischer Roman, der das Verhältnis von Mensch und Maschine untersucht, aber auch Phänomene wie Gewalt, Sprache und Wahrheit. Wäre HAL nicht zum Lügen gezwungen worden, wäre die Expedition nicht gescheitert, indem er die Besatzung fast komplett auslöschte.

Einer (im Film) der ergreifendsten Momente ist die umgekehrte Evolution HALs, der Dave Bowman, seinen Gegner, unterwirft, indem er ihm die Speichermodule entzieht. So wie Mond-Schauer einst sein Gedächtnis gewann, so verliert nun HAL seines. Diese Gewalttat lässt sich nur sühnen, indem Dave eine Weiterentwicklung seines Bewusstseins durchmacht: Zur Transzendenz, der Grenzüberschreitung. Dann bieten sich ihm ganz neue Möglichkeiten: Gewalt ist ebenso überflüssig geworden wie Sprache und Maschinen.

|Das Hörbuch|

Die Handlung ist nur stellenweise spannend, denn der Autor setzt auf das bewährte Mittel des „sense of wonder“, wodurch Action und Humor fast überflüssig werden. Im Mittelpunkt stehen, umgesetzt in Szenen, philosophische Aussagen über Sprache, Maschinen und Evolution. Wolfram Koch trägt den vielschichtigen Text meines Erachtens kompetent, wenn auch nicht umwerfend oder gar unterhaltsam vor.

|5 Audio-CDs mit 352 Minuten Spieldauer
Originaltitel: 2001: A Space Odyssey
Aus dem Englischen von Egon Eis (1969)
ISBN-13: 978-3898137607|
[www.der-audio-verlag.de]http://www.der-audio-verlag.de

_Arthur C. Clarke bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Lied der fernen Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=649
[„Das Licht ferner Tage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1503
[„Die letzte Generation“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1511
[„Im Mondstaub versunken“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2807
[„Inseln im All“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4067
[„Rendezvous mit Rama“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4930

Interview mit Karsten Kruschel

_Buchwurm.info:_ Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Karsten Kruschel:_ Abgesehen von einer Bandscheibe unter Fluchtverdacht geht es mir gut. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer zu Hause vor dem iMac und will grade die Ideen ins neue Buchmanuskript einarbeiten, die mir im Wartezimmer der Röntgenabteilung gekommen sind.

_Buchwurm.info:_ Aus Ihrer Biografie (s. u.) ist zu erfahren, dass Sie schon früh zum Schreiben kamen, aber auch im Kabarett mitwirkten. Hing das eine mit dem anderen zusammen? Tut es das heute noch?

_Karsten Kruschel:_ Das Kabarett hatte mit dem Schreiben nichts zu tun. Allerdings ertappe ich mich beim Überarbeiten manchmal dabei, dass ich dem einen oder anderen wirklich dusseligen Witz beim Schreiben nicht widerstehen konnte. Das wird dann meist gestrichen. Spätestens beim Lektorat.

_Buchwurm.info:_ Was macht Ihnen am Erzählen den meisten Spaß?

_Karsten Kruschel:_ Das wunderbare Gefühl, wenn „es schreibt“: Wenn die Geschichte begonnen hat, sich selbst nach ihren eigenen, inneren Gesetzen weiterzuentwickeln, und ich als Autor staunend vor dem Ergebnis sitze. Natürlich hab ich anfangs einen Plan, aber an den halten sich die Figuren oft nicht. Es ist schon vorgekommen, dass ich einen Abschnitt schrieb und am nächsten Tag überrascht war, dass eine meiner Lieblingsfiguren dabei ins Gras beißen musste. Wenn ich feststelle, dass das für die Geschichte gut ist, bleibt es auch dabei.

_Buchwurm.info:_ Sie sind durch Ihre Doktorarbeit und Rezensionen ein Kenner der ost- wie auch westdeutschen Sciencefiction geworden. Ist Ihnen der literaturhistorische Hintergrund bewusst, wenn Sie schreiben oder ein Buch veröffentlichen?

_Karsten Kruschel:_ Das muss man trennen. Wenn ich schreibe (wenn „es schreibt“), ist mir die ganze Literaturgeschichte piepegal, und auch, ob jemand schon mal dieselbe Idee hatte. Was unbewusst alles mitspielt, kann ich nicht sagen.

Wenn ich überarbeite – und das ist der weitaus größte Teil des Schreibens -, ist das alles natürlich da. Da werden Sachen, die als unbewusstes Echo von Gelesenem in den Text gerutscht sind, rigoros gestrichen, oder sie werden in etwas Eigenes umgeformt, adaptiert, eingehegt.

Bei meinem Beitrag zur David-Bowie-Anthologie „Hinterland“ beispielsweise war mir schon klar, dass das Thema bereits bei Harrison vorkam, aber die Art, wie ich es verarbeitet habe, macht es zu etwas Eigenem. Das haben die Leser dann auch so gesehen.

_Buchwurm.info:_ Wer sind Ihre Lieblingsautoren und welche Ihre Lieblingsbücher in SF und Phantastik?

_Karsten Kruschel:_ Unter den Autoren natürlich Bradbury, außerdem Lem und die Strugazkis, Cordwainer Smith und James Tiptree jr., Wolfgang Jeschke und Iain Banks, J.G. Ballard, Jonathan Carroll und David R. Bunch, die Steinmüllers und die Brauns.

Bücher: Alle paar Jahre lese ich im Sommer hintereinanderweg erst den „Hobbit“ und dann den „Herrn der Ringe“. Dann fallen mir spontan ein (obengenannte Autoren ausgeschlossen): „Helliconia“ (von Brian W. Aldiss), „Die Jahre des schwarzen Todes“ (von Connie Willis), „Darwinia“ (von Robert Charles Wilson), „Das Mädchen, die goldene Uhr und der ganze Rest“ (von John D. MacDonald), „Ein Feuer auf der Tiefe“ (von Vernor Vinge), „Drachenpiloten“ (von Keith Roberts)…

_Buchwurm.info:_ Ihr in zwei Teile aufgespaltener Roman VILM hat Auszeichnungen und viel Anerkennung erfahren. Freut Sie das? Und was an dieser Anerkennung am meisten?

_Karsten Kruschel:_ Nicht übertreiben. EINE Auszeichnung hat er bekommen: Den Deutschen Science Fiction Preis.

Und natürlich freut mich das. Ich habe mich auch über den dritten Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis gefreut – da landet ein Debütroman selten so weit vorne.

Beim DSFP finde ich gut, dass dieser Preis von einer Jury vergeben wird, in der wirklich jeder Juror jedes nominierte Buch liest und in der über die Kandidaten diskutiert wird.

_Buchwurm.info:_ Wollten Sie mit VILM die Evolution einer neuen Gesellschaft schildern, einer Gesellschaft, die von ihrer Umwelt und ihrer Geschichte determiniert wird?

_Karsten Kruschel:_ Die ersten Kapitel entstanden u. a. aus dem Versuch,
a) einer als erstarrt und verkrustet empfundenen Gesellschaft eine vorzuhalten, in der ganz im Gegenteil sich ständig was bewegt und entwickelt; und
b) einer obrigkeitshörigen und obrigkeitsbestimmten Gesellschaft eine vorzuhalten, die prima ohne Obrigkeit auskommt.
Danach hat „es sich geschrieben“…

_Buchwurm.info:_ Wie wichtig sind Ihnen Ihre Figuren? Warum?

_Karsten Kruschel:_ Sehr. Die Figuren sind es, die den Leser in die Geschichte ziehen. Wenn ich einer Figur Leben einhauchen konnte, dann funktionert das auch. Übers Internet haben mir Leser geschrieben, dass sie immer noch mit Eliza mitleiden, weil das mit ihrer Pflaumenpflanzung nichts geworden ist (im letzten Kapitel von „Vilm. Der Regenplanet“) und dass sie immer noch Lafayette hinterhertrauert. Oder dass Leser auch beim zweiten Lesen vor Zorn beben, wenn sie das siebente Kapitel von „Vilm. Die Eingeborenen“ durchhaben. Ja, ich war beim Schreiben auch überrascht, dass Tom die Sache nicht überlebt.

_Buchwurm.info:_ Holen Sie auch andere Meinungen ein, bevor Sie ein Manuskript abgeben? Wie wichtig ist das?

_Karsten Kruschel:_ Gelegentlich liest meine Frau einen unveröffentlichten Text, oder jemand aus meinem Freundeskreis. Wichtig ist, dass ich den Text so lange liegenlasse, bis ich ihn als Fremder lesen kann. Dann geht das Überarbeiten los… Und dann ist da ja noch Heidrun Jänchen, die als Lektorin sehr genau hinschaut und mir schon mal vorrechnet, warum dies oder das nicht stimmen kann.

_Buchwurm.info:_ Recherchieren Sie für bestimmte Bücher? Nutzen Sie dazu Bibliotheken, das Internet oder gar Profis (so wie Peter Prange)?

Wer ist Peter Prange? Hab ich was verpaßt? Firefox an … Kurze Parallel-Recherche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und bei Wikipedia. Aha, „Das Bernstein-Amulett“… So mach ich das; sitze aber auch oft im Lesesaal der Deutschen Bücherei von Leipzig.

_Buchwurm.info:_ Würden Sie gerne mehr Bücher verkaufen? Sie haben ja schon die 4. Auflage von VILM verkauft.

_Karsten Kruschel:_ Um ausschließlich von der Belletristik leben zu können, müssten es schon noch ein paar mehr sein.

_Buchwurm.info:_ Welche Bedeutung kommt dabei dem jeweiligen Verlag zu, in Ihrem Fall Wurdack?

_Karsten Kruschel:_ Große Bedeutung. Ernst Wurdack sorgt dafür, dass die Texte ordentlich lektoriert werden; sie werden deutlich besser dadurch. Das Manuskript von Vilm ist z. B. um fast hundert Druckseiten erleichtert worden.

Der Wurdack-Verlag sorgt letzten Endes auch dafür, dass Leser überhaupt an ein Buch kommen, listet es bei Amazon und bei Libri und bei buch.de und so weiter. Außerdem ist Ernst Wurdack Grafiker und setzt den Text in einem ordentlichen, gut lesbaren Layout, in dem die Buchstaben Platz zum Atmen haben (andere kleine Verlage füllen dagegen Seiten mit Ameisengewimmel). Und Ernst Wurdack läßt mich beim Cover mitreden. Beim neuen Roman („Galdäa“) hat er sogar die Abdruckrechte für mein Wunschmotiv aus Polen herbeigeschafft.

_Buchwurm.info:_ Sie werden im April VILM 3 veröffentlichen, das den Titel „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ trägt. Bitte sagen Sie uns, worum es darin geht. Werden wir bekannten Figuren aus VILM 1+2 wiederbegegnen?

_Karsten Kruschel:_ Der neue Roman ist keine direkte Fortsetzung von Vilm, deswegen kommen keine bereits bekannten Figuren vor. Er handelt allerdings im selben Universum und bietet, eingepackt in eine Thriller-Handlung, Besuche auf Atibon Legba und einer Weltenkreuzerwerft sowie noch mehr Goldene und Karnesen. Insofern beantwortet er einige Fragen, die bisher offen geblieben waren.

Den Klappentext kann man bei Amazon nachlesen:
„Wir wollen diesen Krieg beenden. Das kann nur auf zwei Weisen geschehen. Entweder durch die völlige Harmonie der Beteiligten oder die totale Vernichtung einer der Parteien.“ – Tara SKhanayilhkdha Vuvlel TArastoydt, galdäische Konsulin auf Penta V.

Dabei behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, die Sicherheit sei schon vor Jahrzehnten wieder hergestellt worden. Allerdings geraten die Dinge in Bewegung, als ein Datenchaos die offiziellen Stellen lahmlegt und Michael Sanderstorm einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur kommt.

„Vielleicht ist die Einmischung der Goldenen Bruderschaft ein Akt der Verzweiflung und die die Maden wollen damit nur ihre Pfründe erhalten? Wie gewaltig ist eigentlich das Wespennest, in das wir da gestochen haben?“

Eine schwielige Hand packte seinen Nacken und schob ihn zu seinen Instrumenten und Rechnern hinüber. Eine leidenschaftslose, unbarmherzige Melodie, Verzweiflung und Sehnsucht, süß und scharf, unwiderstehlich, wenn jemand sie spielt, der am Rand eines glassplittergespickten Abgrunds steht.“

Kleine Abschweifung: Die Numerierung ist leider ein bißchen verwirrend geworden. Bei den ersten Galdäa-Ankündigungen stand „Dritter Roman aus dem Vilm-Kosmos“. Daraus wurde dann irgendwo als jetzige Bezeichnung „Vilm 03“ gebastelt, die sich im Internet, bei Distributoren und in Bibliothekskatalogen blitzartig ausgebreitet hat wie Tinte auf Löschpapier. Deswegen lasse ich es jetzt auch so. Viel zu aufwendig, diese Explosionswolke wieder in ihre Dynamitstange zurückzukriegen.

_Buchwurm.info:_ Woran arbeiten Sie gerade? Welche Pläne haben Sie?

_Karsten Kruschel:_ Ich schreibe gerade an dem tatsächlichen dritten Band über den Planeten des ewigen Regens – „Vilm. Das Dickicht“ (so der Arbeitstitel). Bis jetzt kommen Will, Eliza, Pak-46-erg und einige andere alte Bekannte vor …

„Emotio“ ist der Titel der nächsten Wurdack-Anthologie, die im Herbst 2011 erscheinen soll. Sie wird, wenn alles gutgeht, meine Geschichte „Violets Verlies“ enthalten.

Zu den Plänen: Eine Hörbuch-Version von Vilm, weitere Romane aus demselben Kosmos, ein in der Gegenwart handelnder Thriller phantastischer Natur, mehrere längere Erzählungen – und ein unveröffentlichtes Kinderbuch, das gerne zwischen zwei Buchdeckel möchte.

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_Biografie_

Karsten Kruschel wuchs in Magdeburg auf, wo er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist sammelte – erst mit den Kritiküßchen des legendären Erich Hengstmann, dann mit den Pfeffis des nicht minder legendären Günter Kulbe. Größter Erfolg: Der Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“. Erste Veröffentlichungen mit dreizehn (oder so) in der Pionierzeitung „Trommel“, die heute glücklicherweise kaum mehr auffindbar sind. Mitglied im „Zirkel schreibender Arbeiter“ und aktiv in der FDJ-Poetenbewegung; mehrfach Teilnehmer beim Poetenseminar in Schwerin.

In Klein Wanzleben machte Kruschel eine Facharbeiterlehre und begann 1979 ein Studium der Pflanzenproduktion in Halle/Saale, das er nach einem Semester abbrach. Er arbeitete danach als Hilfspfleger in einer Magdeburger Nervenklinik, erste Erzählungen erschienen im Magazin „Neues Leben“. 1980 bis 1984 studierte er in Magdeburg Pädagogik mit der Fachrichtung Deutsch und Geschichte. Während dieser Zeit begann er damit, Rezensionen zu verfassen, die zuerst in der Volksstimme Magdeburg, später auch in anderen Publikationen erschienen. Studienabschluss mit einer Diplomarbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR.

Kruschel arbeitete ab 1984 als Lehrer in Leipzig-Grünau und absolvierte – kurz ehe er aus Altersgründen dem Wehrkreiskommando entgleiten konnte – den Grundwehrdienst in Eilenburg und Dresden (als Stabssoldat, Lazarettinsasse, Funker, Kfz-Lagerist, Wachsoldat, Küchenlagerist, Pförtner). Die übliche Beförderung zum Gefreiten gegen Ende dieser bewegten Zeit fand wegen fortgesetzter Renitenz nicht statt. 1985 war das erste eigene Werk erschienen, eine Erzählung.

1987 ging Kruschel nach einem kurzen Lehrer-Zwischenspiel (wieder Grünau) als wissenschaftlicher Assistent an die Pädagogische Hochschule Leipzig, wo er mit einer Arbeit über die Science-Fiction-Literatur der DDR promovierte.

Nach dem „Wende“ genannten Ereignis – vermutlich nicht durch seinen 1989 veröffentlichten Band mit Erzählungen verursacht – kam ihm zusammen mit der DDR auch die Hochschule abhanden. Er arbeitete als Projektleiter am „Institut für Bildungsreform und Medienerziehung“ und mehr als ein Jahrzehnt als Chefredakteur einer Baufachzeitschrift in Leipzig. Er hatte eine Zeitlang eine Wohnung in der Berliner Eilenburger Straße und einen Job als Public-Relations-Berater, dann schlug er sich einige Jahre in verschiedenen Call-Centern durch, ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte.

Seit seiner Kindheit schreibt Kruschel Prosa und Lyrik, später auch Essays und Literaturkritiken (Volksstimme, Leipziger Volkszeitung, Science Fiction Times, Das Heyne Science Fiction Jahr) sowie Beiträge für Nachschlagewerke und Lexika.
2009 erschienen die beiden Romane „Vilm. Der Regenplanet“ und „Vilm. Die Eingeborenen“ im Wurdack-Verlag. Das Buch wurde vom Internetportal phantastik-couch.de zum „Buch des Monats“ erklärt, für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert und 2010 mit dem Deutschen Science Fiction Preis als bester Roman des Jahres ausgezeichnet; eine Leseprobe ist als Lesung von Rena Larf (mp3, 28 Min., 40 MB) und als PDF-Download verfügbar.

Ein neuer Roman „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ ist für das 1. Quartal 2011 angekündigt.

_Bibliographie (aus der Wikipedia)_

|Eigenständige Publikationen |

* Raumsprünge, Erzählung (illustriert von Karl Fischer), Neues Leben, Berlin 1985
* Das kleinere Weltall, Science-Fiction-Erzählungen (illustriert von Dieter Heidenreich), Das Neue Berlin, Berlin 1989, ISBN 978-3-360-00245-7
* Bildschirm im Gegenlicht, Texte zur Medienerziehung, 1992 (mit Ralf Hickethier).
* Spielwelten zwischen Wunschbild und Warnbild. Utopisches und Dystopisches in der SF-Literatur der DDR in den achtziger Jahren, Sachbuch, edfc, 1995, ISBN 3-924443-77-7
* Vilm. Der Regenplanet, Roman, Wurdack, Juni 2009, ISBN 978-3938065-36-5
* Vilm. Die Eingeborenen, Roman, Wurdack, 2009, ISBN 978-3-938065-54-9

|Kurzgeschichten und Erzählungen (Auswahl)|

* Aussage des Assistenten, Neues Leben, 1979.
* Theorie der Kugelblitze, Neues Leben, 1979.
* Schach mit Otto, in „Aus dem Tagebuch einer Ameise“, hrsg. von Michael Szameit, 1985.
* … und stets das Vernünftigste tun, in „Lichtjahr 5“, hrsg. von Erik Simon, 1988. ISBN 3-360-00052-8
* Ein Fall von nächtlicher Lebensweise, in „Der lange Weg zum blauen Stern“, hrsg. von Michael Szameit, 1990. ISBN 3-355-01019-7
* Großartige Party, wirklich großartig, in „Johann Sebastian Bach Memorial Barbecue“, hrsg. von Wolfgang Jeschke. 1990. ISBN 3-453-04279-4
* Herrliche Zeiten, in „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-453-14912-2
* Regendrachen sterben, wenn die Sonne scheint, in „Lichtjahr 7“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-00-005005-1
* Barnabas oder Die Vorzüge kleiner Welten, in „Lotus Effekt“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2009. ISBN 3-938065-32-X
* Ende der Jagdsaison auf Orange, in „Die Audienz“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2010. ISBN 978-3-938065-62-4
* Vierte und Erste Sinfonie, oder: Müllerbrot, in „Hinterland. 20 Erzählungen, inspiriert von der Musik David Bowies“, hrsg. von Karla Schmidt, 2010. ISBN 978-3-938065-69-3

Copyright des Fotos: Thomas Schreiter

Der Schöpfer der Regendrachen

_Buchwurm.info:_ Wie geht es Ihnen? Wo sind Sie? Was machen Sie gerade?

_Karsten Kruschel:_ Abgesehen von einer Bandscheibe unter Fluchtverdacht geht es mir gut. Ich sitze in meinem Arbeitszimmer zu Hause vor dem iMac und will grade die Ideen ins neue Buchmanuskript einarbeiten, die mir im Wartezimmer der Röntgenabteilung gekommen sind.

_Buchwurm.info:_ Aus Ihrer Biografie (s.u.) ist zu erfahren, dass Sie schon früh zum Schreiben kamen, aber auch im Kabarett mitwirkten. Hing das eine mit dem anderen zusammen? Tut es das heute noch?

_Karsten Kruschel:_ Das Kabarett hatte mit dem Schreiben nichts zu tun. Allerdings ertappe ich mich beim Überarbeiten manchmal dabei, daß ich dem einen oder anderen wirklich dusseligen Witz beim Schreiben nicht widerstehen konnte. Das wird dann meist gestrichen. Spätestens beim Lektorat.

_Buchwurm.info:_ Was macht Ihnen am Erzählen den meisten Spaß?

_Karsten Kruschel:_ Das wunderbare Gefühl, wenn „es schreibt“: Wenn die Geschichte begonnen hat, sich selbst nach ihren eigenen, inneren Gesetzen weiterzuentwickeln, und ich als Autor staunend vor dem Ergebnis sitze. Natürlich hab ich anfangs einen Plan, aber an den halten sich die Figuren oft nicht. Es ist schon vorgekommen, daß ich einen Abschnitt schrieb und am nächsten Tag überrascht war, daß eine meiner Lieblingsfiguren dabei ins Gras beißen mußte. Wenn ich feststelle, daß das für die Geschichte gut ist, bleibt es auch dabei.

_Buchwurm.info:_ Sie sind durch Ihre Doktorarbeit und Rezensionen ein Kenner der ost- wie auch westdeutschen Science Fiction geworden. Ist Ihnen der literaturhistorische Hintergrund bewusst, wenn Sie schreiben oder ein Buch veröffentlichen?

_Karsten Kruschel:_ Das muß man trennen. Wenn ich schreibe (wenn „es schreibt“), ist mir die ganze Literaturgeschichte piepegal, und auch, ob jemand schon mal dieselbe Idee hatte. Was unbewußt alles mitspielt, kann ich nicht sagen.

Wenn ich überarbeite – und das ist der weitaus größte Teil des Schreibens –, ist das alles natürlich da. Da werden Sachen, die als unbewußtes Echo von Gelesenem in den Text gerutscht sind, rigoros gestrichen, oder sie werden in etwas Eigenes umgeformt, adaptiert, eingehegt.

Bei meinem Beitrag zur David-Bowie-Anthologie „Hinterland“ beispielsweise war mir schon klar, daß das Thema bereits bei Harrison vorkam, aber die Art, wie ich es verarbeitet habe, macht es zu etwas Eigenem. Das haben die Leser dann auch so gesehen.

_Buchwurm.info:_ Wer sind Ihre Lieblingsautoren und welche Ihre Lieblingsbücher in SF und Phantastik?

_Karsten Kruschel:_ Unter den Autoren natürlich Bradbury, außerdem Lem und die Strugazkis, Cordwainer Smith und James Tiptree jr., Wolfgang Jeschke und Iain Banks, J.G. Ballard, Jonathan Carroll und David R. Bunch, die Steinmüllers und die Brauns.

Bücher: Alle paar Jahre lese ich im Sommer hintereinanderweg erst den „Hobbit“ und dann den „Herrn der Ringe“. Dann fallen mir spontan ein (obengenannte Autoren ausgeschlossen): „Helliconia“ (von Brian W. Aldiss), „Die Jahre des schwarzen Todes“ (von Connie Willis), „Darwinia“ (von Robert Charles Wilson), „Das Mädchen, die goldene Uhr und der ganze Rest“ (von John D. MacDonald), „Ein Feuer auf der Tiefe“ (von Vernor Vinge), „Drachenpiloten“ (von Keith Roberts)…

_Buchwurm.info:_ Ihr in zwei Teile aufgespaltener Roman VILM hat Auszeichnungen und viel Anerkennung erfahren. Freut Sie das? Und was an dieser Anerkennung am meisten?

_Karsten Kruschel:_ Nicht übertreiben. EINE Auszeichnung hat er bekommen: Den Deutschen Science Fiction Preis.

Und natürlich freut mich das. Ich habe mich auch über den dritten Platz beim Kurd-Laßwitz-Preis gefreut – da landet ein Debütroman selten so weit vorne.

Beim DSFP finde ich gut, daß dieser Preis von einer Jury vergeben wird, in der wirklich jeder Juror jedes nominierte Buch liest und in der über die Kandidaten diskutiert wird.

_Buchwurm.info:_ Wollten Sie mit VILM die Evolution einer neuen Gesellschaft schildern, einer Gesellschaft, die von ihrer Umwelt und ihrer Geschichte determiniert wird?

_Karsten Kruschel:_ Die ersten Kapitel entstanden u. a. aus dem Versuch,

a) einer als erstarrt und verkrustet empfundenen Gesellschaft eine vorzuhalten, in der ganz im Gegenteil sich ständig was bewegt und entwickelt; und

b) einer obrigkeitshörigen und obrigkeitsbestimmten Gesellschaft eine vorzuhalten, die prima ohne Obrigkeit auskommt.

Danach hat „es sich geschrieben“…

_Buchwurm.info:_ Wie wichtig sind Ihnen Ihre Figuren? Warum?

_Karsten Kruschel:_ Sehr. Die Figuren sind es, die den Leser in die Geschichte ziehen. Wenn ich einer Figur Leben einhauchen konnte, dann funktionert das auch. Übers Internet haben mir Leser geschrieben, daß sie immer noch mit Eliza mitleiden, weil das mit ihrer Pflaumenpflanzung nichts geworden ist (im letzten Kapitel von „Vilm. Der Regenplanet“) und daß sie immer noch Lafayette hinterhertrauert. Oder daß Leser auch beim zweiten Lesen vor Zorn beben, wenn sie das siebente Kapitel von „Vilm. Die Eingeborenen“ durchhaben. Ja, ich war beim Schreiben auch überrascht, daß Tom die Sache nicht überlebt.

_Buchwurm.info:_ Holen Sie auch andere Meinungen ein, bevor Sie ein Manuskript abgeben? Wie wichtig ist das?

_Karsten Kruschel:_ Gelegentlich liest meine Frau einen unveröffentlichten Text, oder jemand aus meinem Freundeskreis. Wichtig ist, daß ich den Text so lange liegenlasse, bis ich ihn als Fremder lesen kann. Dann geht das Überarbeiten los… Und dann ist da ja noch Heidrun Jänchen, die als Lektorin sehr genau hinschaut und mir schon mal vorrechnet, warum dies oder das nicht stimmen kann.

_Buchwurm.info:_ Recherchieren Sie für bestimmte Bücher? Nutzen Sie dazu Bibliotheken, das Internet oder gar Profis (so wie Peter Prange)?

_Kruschel:_ Wer ist Peter Prange? Hab ich was verpaßt? Firefox an… Kurze Parallel-Recherche im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek und bei Wikipedia. Aha, „Das Bernstein-Amulett“… So mach ich das; sitze aber auch oft im Lesesaal der Stadtbibliothek von Leipzig.

_Buchwurm.info:_ Würden Sie gerne mehr Bücher verkaufen? Sie haben ja schon die 4. Auflage von VILM verkauft.

_Karsten Kruschel:_ Um ausschließlich von der Belletristik leben zu können, müßten es schon noch ein paar mehr sein.

_Buchwurm.info:_ Welche Bedeutung kommt dabei dem jeweiligen Verlag zu, in Ihrem Fall Wurdack?

_Karsten Kruschel:_ Große Bedeutung. Ernst Wurdack sorgt dafür, daß die Texte ordentlich lektoriert werden; sie werden deutlich besser dadurch. Das Manuskript von Vilm ist z. B. um fast hundert Druckseiten erleichtert worden.

Der Wurdack-Verlag sorgt letzten Endes auch dafür, daß Leser überhaupt an ein Buch kommen, listet es bei Amazon und bei Libri und bei buch.de und so weiter. Außerdem ist Ernst Wurdack Grafiker und setzt den Text in einem ordentlichen, gut lesbaren Layout, in dem die Buchstaben Platz zum Atmen haben (andere kleine Verlage füllen dagegen Seiten mit Ameisengewimmel). Und Ernst Wurdack läßt mich beim Cover mitreden. Beim neuen Roman („Galdäa“) hat er sogar die Abdruckrechte für mein Wunschmotiv aus Polen herbeigeschafft.

_Buchwurm.info:_ Sie werden im April VILM 3 veröffentlichen, das den Titel „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ trägt. Bitte sagen Sie uns, worum es darin geht. Werden wir bekannten Figuren aus VILM 1+2 wiederbegegnen?

_Karsten Kruschel:_ Der neue Roman ist keine direkte Fortsetzung von Vilm, deswegen kommen keine bereits bekannten Figuren vor. Er handelt allerdings im selben Universum und bietet, eingepackt in eine Thriller-Handlung, Besuche auf Atibon Legba und einer Weltenkreuzerwerft sowie noch mehr Goldene und Karnesen. Insofern beantwortet er einige Fragen, die bisher offen geblieben waren.

Den Klappentext kann man bei Amazon nachlesen:
„Wir wollen diesen Krieg beenden. Das kann nur auf zwei Weisen geschehen. Entweder durch die völlige Harmonie der Beteiligten oder die totale Vernichtung einer der Parteien.“ – Tara SKhanayilhkdha Vuvlel TArastoydt, galdäische Konsulin auf Penta V.

Dabei behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, die Sicherheit sei schon vor Jahrzehnten wieder hergestellt worden. Allerdings geraten die Dinge in Bewegung, als ein Datenchaos die offiziellen Stellen lahmlegt und Michael Sanderstorm einer unglaublichen Verschwörung auf die Spur kommt.

„Vielleicht ist die Einmischung der Goldenen Bruderschaft ein Akt der Verzweiflung und die die Maden wollen damit nur ihre Pfründe erhalten? Wie gewaltig ist eigentlich das Wespennest, in das wir da gestochen haben?“

Eine schwielige Hand packte seinen Nacken und schob ihn zu seinen Instrumenten und Rechnern hinüber. Eine leidenschaftslose, unbarmherzige Melodie, Verzweiflung und Sehnsucht, süß und scharf, unwiderstehlich, wenn jemand sie spielt, der am Rand eines glassplittergespickten Abgrunds steht.“

Kleine Abschweifung: Die Numerierung ist leider ein bißchen verwirrend geworden. Bei den ersten Galdäa-Ankündigungen stand „Dritter Roman aus dem Vilm-Kosmos“. Daraus wurde dann irgendwo als jetzige Bezeichnung „Vilm 03“ gebastelt, die sich im Internet, bei Distributoren und in Bibliothekskatalogen blitzartig ausgebreitet hat wie Tinte auf Löschpapier. Deswegen lasse ich es jetzt auch so. Viel zu aufwendig, diese Explosionswolke wieder in ihre Dynamitstange zurückzukriegen.

_Buchwurm.info:_ Woran arbeiten Sie gerade? Welche Pläne haben Sie?

_Kruschel:_ Ich schreibe gerade an dem tatsächlichen dritten Band über den Planeten des ewigen Regens – „Vilm. Das Dickicht“ (so der Arbeitstitel). Bis jetzt kommen Will, Eliza, Pak-46-erg und einige andere alte Bekannte vor…

„Emotio“ ist der Titel der nächsten Wurdack-Anthologie, die im Herbst 2011 erscheinen soll. Sie wird, wenn alles gutgeht, meine Geschichte „Violets Verlies“ enthalten.

Zu den Plänen: Eine Hörbuch-Version von Vilm, weitere Romane aus demselben Kosmos, ein in der Gegenwart handelnder Thriller phantastischer Natur, mehrere längere Erzählungen – und ein unveröffentlichtes Kinderbuch, das gerne zwischen zwei Buchdeckel möchte.

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_Biografie_

Karsten Kruschel wuchs in Magdeburg auf, wo er auch Bühnenerfahrung als Kabarettist sammelte – erst mit den Kritiküßchen des legendären Erich Hengstmann, dann mit den Pfeffis des nicht minder legendären Günter Kulbe. Größter Erfolg: Der Titel „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“. Erste Veröffentlichungen mit dreizehn (oder so) in der Pionierzeitung „Trommel“, die heute glücklicherweise kaum mehr auffindbar sind. Mitglied im „Zirkel schreibender Arbeiter“ und aktiv in der FDJ-Poetenbewegung; mehrfach Teilnehmer beim Poetenseminar in Schwerin.

In Klein Wanzleben machte Kruschel eine Facharbeiterlehre und begann 1979 ein Studium der Pflanzenproduktion in Halle/Saale, das er nach einem Semester abbrach. Er arbeitete danach als Hilfspfleger in einer Magdeburger Nervenklinik, erste Erzählungen erschienen im Magazin „Neues Leben“. 1980 bis 1984 studierte er in Magdeburg Pädagogik mit der Fachrichtung Deutsch und Geschichte. Während dieser Zeit begann er damit, Rezensionen zu verfassen, die zuerst in der Volksstimme Magdeburg, später auch in anderen Publikationen erschienen. Studienabschluß mit einer Diplomarbeit über die Science-Fiction-Literatur in der DDR.

Kruschel arbeitete ab 1984 als Lehrer in Leipzig-Grünau und absolvierte – kurz ehe er aus Altersgründen dem Wehrkreiskommando entgleiten konnte – den Grundwehrdienst in Eilenburg und Dresden (als Stabssoldat, Lazarettinsasse, Funker, Kfz-Lagerist, Wachsoldat, Küchenlagerist, Pförtner). Die übliche Beförderung zum Gefreiten gegen Ende dieser bewegten Zeit fand wegen fortgesetzter Renitenz nicht statt. 1985 war das erste eigene Werk erschienen, eine Erzählung.

1987 ging Kruschel nach einem kurzen Lehrer-Zwischenspiel (wieder Grünau) als wissenschaftlicher Assistent an die Pädagogische Hochschule Leipzig, wo er mit einer Arbeit über die Science-Fiction-Literatur der DDR promovierte.

Nach dem „Wende“ genannten Ereignis – vermutlich nicht durch seinen 1989 veröffentlichten Band mit Erzählungen verursacht – kam ihm zusammen mit der DDR auch die Hochschule abhanden. Er arbeitete als Projektleiter am „Institut für Bildungsreform und Medienerziehung“ und mehr als ein Jahrzehnt als Chefredakteur einer Baufachzeitschrift in Leipzig. Er hatte eine Zeitlang eine Wohnung in der Berliner Eilenburger Straße und einen Job als Public-Relations-Berater, dann schlug er sich einige Jahre in verschiedenen Call-Centern durch, ehe er sich 2010 als Redakteur und Autor selbständig machte.

Seit seiner Kindheit schreibt Kruschel Prosa und Lyrik, später auch Essays und Literaturkritiken (Volksstimme, Leipziger Volkszeitung, Science Fiction Times, Das Heyne Science Fiction Jahr) sowie Beiträge für Nachschlagewerke und Lexika.
2009 erschienen die beiden Romane „Vilm. Der Regenplanet“ und „Vilm. Die Eingeborenen“ im Wurdack-Verlag. Das Buch wurde vom Internetportal phantastik-couch.de zum „Buch des Monats“ erklärt, für den Kurd-Laßwitz-Preis nominiert und 2010 mit dem Deutschen Science Fiction Preis als bester Roman des Jahres ausgezeichnet; eine Leseprobe ist als Lesung von Rena Larf (mp3, 28 Min., 40 MB) und als PDF-Download verfügbar.

Ein neuer Roman „Galdäa. Der ungeschlagene Krieg“ ist für das 1. Quartal 2011 angekündigt.

_Bibliographie (aus der Wikipedia)_

|Eigenständige Publikationen|

* Raumsprünge, Erzählung (illustriert von Karl Fischer), Neues Leben, Berlin 1985
* Das kleinere Weltall, Science-Fiction-Erzählungen (illustriert von Dieter Heidenreich), Das Neue Berlin, Berlin 1989, ISBN 978-3-360-00245-7
* Bildschirm im Gegenlicht, Texte zur Medienerziehung, 1992 (mit Ralf Hickethier).
* Spielwelten zwischen Wunschbild und Warnbild. Utopisches und Dystopisches in der SF-Literatur der DDR in den achtziger Jahren, Sachbuch, edfc, 1995, ISBN 3-924443-77-7
* Vilm. Der Regenplanet, Roman, Wurdack, Juni 2009, ISBN 978-3938065-36-5
* Vilm. Die Eingeborenen, Roman, Wurdack, 2009, ISBN 978-3-938065-54-9

|Kurzgeschichten und Erzählungen (Auswahl)|

* Aussage des Assistenten, Neues Leben, 1979.
* Theorie der Kugelblitze, Neues Leben, 1979.
* Schach mit Otto, in „Aus dem Tagebuch einer Ameise“, hrsg. von Michael Szameit, 1985.
* … und stets das Vernünftigste tun, in „Lichtjahr 5“, hrsg. von Erik Simon, 1988. ISBN 3-360-00052-8
* Ein Fall von nächtlicher Lebensweise, in „Der lange Weg zum blauen Stern“, hrsg. von Michael Szameit, 1990. ISBN 3-355-01019-7
* Großartige Party, wirklich großartig, in „Johann Sebastian Bach Memorial Barbecue“, hrsg. von Wolfgang Jeschke. 1990. ISBN 3-453-04279-4
* Herrliche Zeiten, in „Alexanders langes Leben, Stalins früher Tod“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-453-14912-2
* Regendrachen sterben, wenn die Sonne scheint, in „Lichtjahr 7“, hrsg. von Erik Simon, 1999. ISBN 3-00-005005-1
* Barnabas oder Die Vorzüge kleiner Welten, in „Lotus Effekt“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2009. ISBN 3-938065-32-X
* Ende der Jagdsaison auf Orange, in „Die Audienz“, hrsg. von Heidrun Jänchen und Armin Rößler, 2010. ISBN 978-3-938065-62-4
* Vierte und Erste Sinfonie, oder: Müllerbrot, in „Hinterland. 20 Erzählungen, inspiriert von der Musik David Bowies“, hrsg. von Karla Schmidt, 2010. ISBN 978-3-938065-69-3

Michelle Paver – Seelenwächter (Chronik der dunklen Wälder 6)

Chronik der dunklen Wälder:

Band 1: „Wolfsbruder“
Band 2: „Seelenwanderer“ auch „Torak – Wanderer zwischen den Welten“
Band 3: „Seelenesser“
Band 4: „Schamanenfluch“
Band 5: „Blutsbruder“
Band 6: „Seelenwächter“

_Auf dem Berg der Geister: Halloween plus Walpurgisnacht_

Die Wälder vor 6000 Jahren erstrecken sich von einem Ende der Welt zum anderen, voller lebendiger Seelen – außer einer … Der 13-jährige Torak, seine Freundin Renn und ein junger Wolf haben die Welt von einem gefährlichen Dämon befreit und auf den Inseln des Robbenclans einen Seelenesser, einen bösen Schmananen, getötet. Doch dann geriet Torak in die Hände der Seelenesser, die ihm ihr Zeichen einbrannten.

Michelle Paver – Seelenwächter (Chronik der dunklen Wälder 6) weiterlesen

Parker, Robert B. – Night and Day (Jesse Stone 8)

_Römische Sitten in Paradise: Der Night Hawk geht um_

Ein Spanner macht Paradise unsicher, und Chief Jesse Stone bekommt von ihm sogar nette Briefe. Sie sind allerdings insofern beunruhigend, als der Spanner besessen von seiner Tätigkeit ist und ahnt, dass er bald etwas Schlimmes tun wird. Dann kommt die Meldung vom ersten Hausfriedensbruch, der bald drei weitere folgen. Stone ordnet an, den Swinger-Klub von Paradise mal genauer unter die Lupe zu nehmen …

Eine deutsche Übersetzung liegt noch nicht vor.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) _“Night and Day“_
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Dieser Sommer fängt ganz harmlos an. Chief Jesse Stone wird in die Oberschule gerufen. Empörte Eltern der Schülerinnen verlangen von ihm aufgebracht, die Rektorin Betsy Ingersoll auf der Stelle zu verhaften. Diese ist allerdings nicht zu sprechen, hat sich eingesperrt. Was könnte nur passiert sein, fragt sich der Polizeichef. Blut ist jedenfalls keines zu sehen. Also ruft er die Eltern und ihre Töchter – es sind ja keine Jungs betroffen – in die Aula.

|Die Panty-Patrouille|

Erst hier stellt sich heraus, dass Betsy offenbar Sittenpolizei gespielt und alle 13-jährigen Mädchen in der Umkleide auf Höschen kontrolliert hat. Wer nur ein Bikini-Höschen anhatte oder gar – Gott bewahr! – einen String-Tanga, der wurde nach Hause geschickt. Da die Verletzung der Intimsphäre der Mädchen jedoch nach den Gesetzen des Bundesstaates Massachusetts kein strafbarer Tatbestand ist, kann Jesse niemanden verhaften und einbuchten. Ein Gespräch mit Betsy Ingersoll ist unergiebig, denn erstens ist der mächtige Anwalt des Staates ihr Mann und zweitens lässt er sie gar nicht zu Wort kommen. Sogar der Bezirksstaatsanwalt droht Jesse, die Finger von Betsy Ingersoll zu lassen. Er denkt gar nicht dran.

|Die Swinger|

Etwas weniger harmlos ist das, was ihm die 13-jährige Missy Clark erzählt, die auch in der Elternversammlung saß: Ihre Eltern gehörten einem Swinger-Klub in Paradise an und würden ihre Treffen auch mal im Hause der Clarks abhalten. Sie ekle sich vor der Orgie und ihren lüsternen Geräuschen immer, sagt Missy, und ihr achtjähriger Bruder mache völlig verstört ins Bett. Jesse verspricht Missy hoch und heilig, etwas für sie zu tun. Vielleicht holt er als Nächstes den Mond vom Himmel? Denn auch gegen das Swingen gibt es kein Gesetz.

|Der Night Hawk|

Das ist aber noch gar nichts gegen die Meldungen von aufgeregten Einwohnern, dass ein Spanner vor ihrem Schlafzimmerfenster aufgetaucht sei – mit einem Fernglas, ganz in Schwarz gekleidet, mit einer Kamera bewaffnet. Auch gegen Voyeurismus an sich gibt es keinen Paragraphen, weiß Jesse, aber wenigstens kann er eine kleine Patrouille aussenden – mit wenig Aussicht auf Erfolg.

In dem ersten Brief, den ihm der „Night Hawk“ (Nachtfalke) schickt, klingt der Bursche noch recht annehmbar und vernünftig. Er ist stolz auf seinen Taten und glaubt, dass ihn ein Dorfdepp wie Stone niemals fangen werde. Na, da sollte man aber nicht drauf wetten! Allerdings sind die nächsten Taten des Night Hawk weitaus rechtsrelevanter: Er begeht eindeutig Hausfriedensbruch, als er am hellichten Tag Häuser von Hausfrauen betritt und diese maskiert, mit vorgehaltener Waffe und gezückter Kamera zwingt, sich vor auszuziehen und fotografieren zu lassen.

Ein weiterer Brief des Spanners verrät Jesse, dass der Kerl auf der Suche nach dem „Geheimnis der Frauen“ sei. Wollen wir das nicht alle kennen, fragt sich Jesse – zumindest wir Männer. Seltsamerweise scheint die Obsession des Spanners durch keine noch so schöne Eroberung gestillt werden zu können. Brief: „Ich kann nicht aufhören, denn Mr. Obsession verlangt von mir, immer weiterzumachen und mehr Reiz herauszuholen.“ Die Serie reißt erst ab, als Gloria, die resolute Hausfrau, den Spanner kurzerhand erbost rauswirft. Wie wird der Peeping Tom auf diese Abfuhr reagieren, fragt sich Jesse besorgt. Wird er den Schritt zur Gewalt machen, um zu bekommen, was er braucht?

Jesse setzt seine Mitarbeiter Molly Crane und Suit Simpson auf die Swinger von Paradise an. Vielleicht gibt es einen Teilnehmer an deren Treffen, der einfach zusehen möchte? Das Ergebnis dieser Untersuchung ist eindeutiger als gedacht: Es gibt nur einen Namen als Verdächtigen. Jesse teilt seine kleine Truppe von gerade mal zwölf Leuten für eine Überwachung, die teils offen, teils verdeckt erfolgen soll. Wieso denn offen, fragen sich Molly und Suit. Tja, das bleibt Jesses Geheimnis.

Da kommt die Meldung, dass der Spanner eingebrochen sei und eine Frau gefesselt habe. Die Anzeige kommt ausgerechnet von Betsy Ingersoll. Beim Namen der Höschen-Kontrolleurin wird Jesse misstrauisch …

_Mein Eindruck_

Obsessionen sind bekanntlich verboten, solange sie nicht in Gewalt und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten (Promi-Bilder abdrucken, ohne zu blechen – pfui!) ausarten. Deshalb sind Frauentausch, Voyeurismus und Höschenkontrollen auch keineswegs mit Paragraphen bewehrt, sondern lediglich „nicht gern gesehen“. Ist das wirklich so? Parkers Roman lediglich eine andere Beurteilung nahe. Vielleicht sind diese Dinge nämlich Symptome für das, was mit der westlichen Gesellschaft nicht stimmt.

|Obsessionen|

Und in der Tat stößt Jesse, wiewohl nicht der oberste Moralwächter, schon bald auf besorgniserregende Missstände in den Familien und Beziehungen der Betroffenen. Missy Clark und ihr bettnässender Bruder sind nur die Spitze des Eisberges. Die Ehe ihrer swingenden Eltern ist eine Farce und wird demnächst auseinanderbrechen. Mr. Clark hat das Swingen nur als Vorwand benutzt, um seiner Sex-Obsession nachzugeben.

Wenig anders verhält es sich mit den Eheleuten Ingersoll: Er, der erfolgreiche Star-Anwalt, ist besessen von seiner Tätigkeit als Schürzenjäger. Seine Frau, die überbesorgte Rektorin, weiß um seine permanente Untreue, nimmt sie aber hin – bis Jesse Stone mit impertinenten Fragen auftaucht. Der Polizist hat, zur immensen Empörung des Anwalts, den Nerv, an der Anzeige seiner Frau gegen den Night Hawk zu zweifeln. Dabei hat er sich nicht mal das interessante Foto angesehen, dass der Spanner angeblich von seiner nackten Frau gemacht hat …

„Die Wahrheit wird euch freimachen“, war schon seit jeher der Wahlspruch Jesses – den er aber nie geäußert, sondern stets nur gelebt hat. Er selbst erkennt an sich und seiner Exfrau Jenn jede Menge Obsessionen. Er ist besessen von ihr, ihrer Nähe und dem unvergleichlichen Sex – aber keineswegs von ihrer permanenten Untreue. Sie ist besessen davon, sie den Weg nach oben zu schlafen. Auch jetzt ist sie wieder einem Produzenten – wie schon vor zwölf Jahren in L.A. – gefolgt, um eine Stufenleiter nach oben zu klettern. Als der Typ sie fallenlässt, weil seine Pläne scheitern, jammert sie, dass sie zu Jesse zurück will.

Nach mehreren Gesprächen mit seinem Therapeuten Dix (in den TV-Filmen wunderbar lakonisch vom William „Familiengrab“ Sadler dargestellt) merkt Jesse, dass er Jenn lediglich als Absicherung, als Sicherheitsnetz, als Backup dient – um von dieser Basis den nächsten Anlauf zu nehmen, um untreu sein zu können. Doch diesmal ist sie zu weit gegangen, findet Jesse. Er hat nämlich in der Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall (ebenfalls ein Geschöpf Parkers), eine kluge und hilfreiche Partnerin im Privaten wie im Beruflichen, gefunden.

|Der Night Hawk|

Und dann wäre da ja noch der Night Hawk. Was treibt ihn an? Er ist ein interessanter Fall von Mr. Jekyll und Mr. Hyde: Im Alltag ein Normalo, nachts der Night Hawk. Dass er höchst gebildet ist, verrät schon der brieflich formulierte Ausdruck „cri de coeur“. Welcher Spanne würde schon französisch ausdrücken, was ihn im Herzen plagt? Nur ein Akademiker. Und sobald Jesse den Namen des Verdächtigen hat, ist der Weg zur Uni nicht weit, wo die werte Gattin an einer Doktorarbeit schreibt. Wie sich herausstellt, ist sie gefühlskalt und egozentrisch. Sie denkt nur an ihren in Gefahr geratenen guten Ruf – und dass ihr jetzt durch diese „Störung“ die Zeit fürs Diss-Schreiben gestohlen wird. Wie es ihrem werten Gatten dabei geht, eines Sexverbrechens verdächtig zu werden, interessiert sie nicht die Bohne.

Der Autor deutet stets an, dass Obsessionen lediglich unterbewusste Reaktionen auf den Mangel an Respekt, Zuwendung und Wärme sind. Von Sex besessen zu sein, ist genau die Folge davon. Und als Erstes bekommen es die wehrlosen Kinder zu spüren. Kinder wie Missy und ihr Bruder. Aber auch die Frauen, die, um ihre Ehe zu retten, fast alles mitmachen, das Swingen inklusive. Das bedeutet aber nicht, dass es im Swinger Klub nicht auch Überzeugungstäterin gäbe. „Sind unsere Ehen nicht freier und beständiger?“ fragen sie Jesse, der weit davon ist, sie zu verurteilen.

|Showdown|

Die bange Frage, die der Night Hawk selbst in einem seiner Briefe aufwirft, ist die, ob ihn Mr. Obsession (Mr. O) überwältigen und er zum Mittel der Gewalt greifen wird. Durch den Ermittlungsdruck, den Jesse aufgebaut hat, zwingt er den Night Hawk zu einem letzten Schritt, um Jesse zu demütigen: Der Spanner muss eine Frau heimsuchen, die Jesse „am nächsten“ steht. Wer könnte dies wohl sein? Als das klar ist, trifft Jesse mit dem Köder Vorbereitungen, um dem Night Hawk eine tod-sichere Falle zu stellen …

_Unterm Strich_

Diesen Roman zu lesen, war ein pures Vergnügen. Das Garn, das Parker auf seine unnachahmliche Art spinnt, setzt dabei überhaupt nicht auf Action oder knallharte Ermittlungsmethoden, sondern entpuppt sich zum Erstaunen des Lesers zunehmend als Social Engineering. Das bedeutet, dass es genauso wichtig ist, die Psychologie zu nutzen wie die üblichen Ermittlungsmethoden.

Jesse Stone, durch seinen Therapeuten Dix gewitzt, setzt subtile Mittel ein, um hier ein wenig Druck auszuüben und dort ein paar Andeutungen fallenzulassen. Aber er braucht natürlich da, wo handfeste Beweise fehlen – das ist die Regel – vor allem Aussagen und Geständnisse.

|Der Peeping Tom|

Das klappt auch ganz hervorragend, um die meisten Rätsel zu lösen, doch es gibt natürlich kaum ein Mittel, um den Night Hawk, der ja seiner speziellen Besessenheit nicht entkommt, zur Aufgabe zu bewegen. Dabei muss man sich als Leser schon fragen, worin denn der spezielle Reiz von Hausfriedensbruch und Voyeurismus bestehen soll. Auch Jesse fragt sich zusammen mit der feinfühligen Molly Crane, ob der Kick nicht vielmehr im Machtgefühl besteht, das der Night Hawk sich durch das Bedrohen und Abknipsen des Opfers verschafft – der Fotoschuss als symbolische Tötung? Warum nicht gar? Diese Handlungsweise ist vielleicht nur eine Art, es seiner gefühlskalten, egozentrischen Frau heimzuzahlen – eine Übertragung des Wunsches nach Vergeltung.

|Die Lehre|

Der Night Hawk ist ein Spiegel, in dem sich Jesse selbst erblickt. Er spricht mit seinem Therapeuten darüber und mit Sunny Randall, die selbst eine ausgezeichnete Therapeutin konsultiert: Susan Silverman, die Gefährtin der Hauptfigur aus fast allen „Spenser“-Krimis Parkers. (Zusehends verschränken sich die fiktionalen Universen Parkers.) Diese Spiegelsicht Jesses ermöglicht ihm die Selbsterkenntnis, dass er von seiner Ex nur ausgenutzt worden ist. Diese Erkenntnis haben bislang seine Schuldgefühle ihr gegenüber verhindert. Jetzt befreit er sich davon. Ganz im Gegensatz zum Night Hawk: Den kann nur der Tod befreien.

|Bonus|

Für den fleißigen „Parker“-Leser (wie mich) hält dieser Band einige Schmankerln bereit, so etwa den wiederkehrenden Hinweis Stones, dass seine Mitarbeiterin, die brav verheiratete Mutter Molly Crane, es einmal mit einem gewissen Apachen getrieben habe. Der Hinweis gilt Crow, dem bemerkenswerten Apachen in „Trouble in Paradise“ und „Stranger in Paradise“ (das „Night & Day“ vorausgegangen ist). Sogar Spike, der bärenartige Freund Sunny Randalls, spielt eine Rolle in Jesses Plänen: Spike eröffnet ein neues Restaurant in Paradise – und eignet sich bestens zur Einschüchterung renitenter Ehemänner.

|Taschenbuch: 307 Seiten
ISBN-13: 978-0425232996|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Thin Air – Ein Spenser-Krimi

_Unter Räubern: Jungfer in Not befreit sich im Do-it-yourself-Verfahren_

Die junge Frau des Bostoner Cops Frank Belson ist spurlos verschwunden und Privatdetektiv Spenser soll sie finden. Seine Ermittlungen führen ihn bis nach Los Angeles und wieder zurück ins verregnete Massachusetts, in eine aufgegebene Industriestadt namens Proctor, vom lieben Gott verlassen, von irischen Cops verkehrsgeregelt und von zwei rivalisierenden Latino-Gangs beherrscht. Hier irgendwo könnte Lisa St. Claire, Belsons Gattin, über deren Vergangenheit so wenig bekannt ist, stecken. Oder auch nicht.

Titel der Übersetzung: „Brutale Wahrheit“ (1996 bei Rowohlt).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
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[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Frank Belson ist ein Inspektor der Bostoner Mordkommission, mit dem Privatdetektiv Spenser schon seit 20 Jahren zusammenarbeitet. Als Belson ihm also sagt, dass seine junge Frau Lisa St. Clair verschwunden sei, macht sich Spenser Gedanken: Er war ihr Brautführer bei der Hochzeit. Frank will Lisa, seine zweite Frau, jedoch erst einmal alleine suchen.

Sorgen macht sich Spenser jedoch, als Belson mit drei Einschüssen im Rücken im Krankenhaus landet, und zwar auf der Intensivstation. Offenbar hat jemand etwas gegen Belsons Schnüffelei einzuwenden. Sein Freund beauftragt ihn explizit damit, mit der Suche fortzufahren. Leichter gesagt als getan, denn Frank weiß über seine junge praktisch nichts, außer dass sie als Radio-DJ gearbeitet hat – Prinzip Tabula rasa.

Ist Lisa entführt worden? In ihrer Wohnung fehlt zumindest die Handtasche, ebenso ihr Adressbuch. Auf dem Anrufbeantworter sind vier Nachrichten, darunter von einem Arzt, einem College, einer Freundin und einem fremden Mann. Im College hört Spenser erstmals von Lisas abgelegtem Freund Luis Deleon und von Lisas Freundin, dass Lisa mit Luis geschlafen haben muss, bevor sie Frank Belson heiratete. Aber woher stammt dieser Luis?

Captain Quirk von der Mordkommission, Franks Chef, hat die Fakten: Luis Deleon ist ein ganz schwerer Junge, der schon mehrere Male vor Gericht stand, u. a. wegen Vergewaltigung, aber seltsamerweise nie verurteilt wurde – die Zeugen zogen stets ihre Aussage zurück. Luis scheint mit seiner Hispano-Gang die eine Hälfte der heruntergekommenen Industriestadt Proctor zu beherrschen, während ein Typ namens Freddie Santiago die andere Hälfte sowie den Bürgermeister und die Polizei beherrscht. Luis wird nachgesagt, so Quirk, er zeige Anzeichen von paranoider Schizophrenie – ein netter Bursche …

Quirk weiß auch, wer Lisa St. Clair in Wahrheit ist: Abgesehen davon, dass es für ihre Jahre vor 1990 keine Einträge gibt, heißt sie offenbar Angela Richard und stammt aus Los Angeles, wo sie einem zweifelhaften Beruf nachging: Als Prostituierte und Pornodarstellerin. Soll Spenser das seinem Freund berichten? Besser nicht.

Zusammen mit seiner Freundin Susan Silverman, der Psychotherapeutin, fliegt Spenser nach L.A., um mit seinem Kontaktmann Samuelson vom LAPD zu sprechen. Und um Chollo zu kontaktieren, den spanisch sprechenden Killer, der ihm schon mehrfach beigestanden hat. Zusammen können sie es vielleicht wagen, Luis Deleons Hauptquartier in Angriff zu nehmen, um die dort vermutete Lisa herauszuholen. Aber sie werden Hilfe brauchen. Illegale Hilfe …

_Mein Eindruck_

Zunächst dachte ich – ähnlich wie einer der Kritiker – die Handlung dieses „Spenser“-Krimis würde den üblichen Verlauf nehmen: Eine Dame zweifelhaften Rufes verschwindet, Spenser muss sie unter großen Mühen finden und stößt auf unappetitliche Details; aber natürlich muss er sie vor sich selbst retten, weil sie sich mit einem Mann zweifelhaften Rufes eingelassen hat. So lief das schon in der „April Kyle“-Trilogie („Ceremony“, „Taming a Sea-Horse“ und „Hundred-Dollar Baby“) sowie in „Stardust“.

Auch die andere Hälfte des Plots meinte ich bereits zur Genüge zu kennen, nämlich die Belagerung und Erstürmung der „Festung“ eines Verbrechers, ähnlich wie in „Cold Service“ (das allerdings erst zehn Jahre später veröffentlicht wurde). Dabei bieten Spenser und seine jeweilige Gefährte, sei es Hawk, sei es Chollo, auch die Hilfe anderer Elemente wie etwa Polizisten oder gegnerische Verbrecher auf.

Um die Wahrheit endlich zu verraten: Ganz so läuft es diesmal in „Thin Air“ nicht, aber der Plot ist nicht weit davon entfernt. Die Burg wird belagert, um die „Jungfer in Not“ vor Blaubart zu retten. Doch die Jungfer ist längst keine mehr, und der Blaubart entpuppt sich als etwas anderes. Aber Spenser und Chollo erstürmen die Burg mit einem Trick und einer Ablenkung dennoch. Gerade noch rechtzeitig, bevor das Gebäude in sich zusammenbricht.

|Selbstherapie|

Das Besondere an der weiblichen Hauptfigur in „Thin Air“: Lisa St. Clair alias Angela Richard hat in Kalifornien eine Psychotherapie durchlaufen und sich selbst viel besser kennengelernt. Sie war auf dem Weg der Selbstverbesserung, um nicht auf den Strich gehen und Pornos drehen zu müssen. Sie heiratete sogar einen Cop, um aus dem Sumpf der Halbwelt herauszukommen. Nun hat diese sie wieder zurückgeholt, in Gestalt von Luis Deleon. Als geschulte Therapierte ist Lisa jedoch in der Lage, Luis‘ Psyche und Motive zu durchschauen. Und Luis hat eine Therapie offenbar dringend nötig …

|Das Leben als Film|

Lisas Erlebnisse in dem Gefängnis, in das Luis sie in seiner „Burg“ steckt, machen fast ein Drittel des Romans aus und sind kursiv gesetzt, also leicht zu erkennen. Ihr Blick ist subjektiv und dieser fällt auf das Auffälligste, was ihr Zimmer vorzuweisen hat: Bildschirme! Und auf jedem der Bildschirme sind die Filmszenen zu sehen, die Luis mit ihr in der Hauptrolle gedreht hat, selbst jene, als sie gefesselt und geknebelt im Lieferwagen ihres Entführers lag.

Nun geht Luis noch einen Schritt weiter und inszeniert sein und Lisas Zusammenleben als Filmromanze à la Hollywood. Er steckt sie in Südstaatenkostüme, um als Galan auftreten zu können. Er tritt als reicher mexikanischer Rancher auf – er ist ja Latino (eigentlich Puertoricaner). Fehlt nur noch, dass sie die Jane für seinen Tarzan spielen soll. Der Haken, sagt sie ihm, bei diesen Inszenierungen: Sie liebt ihn nicht, findet diese verlogene Maskerade zum Kotzen und will nach Hause!

|Schocktherapie|

Es kommt endlich, nach einer versuchten Vergewaltigung, zu einem Austausch von Geständnissen. Mit ihrem geschulten Blick erkennt Lisa die Wahrheit in Luis: Er überträgt einfach die Gefühle, die er für seine geliebte MUTTER hegte (und die an einer Überdosis starb), auf Lisa, ohne die Eigenständigkeit Lisas auch nur zur Kenntnis zu nehmen. Der Haken an Luis‘ Verehrung für Mutter und Lisa: Beide waren Huren und alles andere als die Engel, für die er sie immer noch hält. Also muss sie etwas dagegen unternehmen …

|Der tägliche Rassismus|

Das vierte Element ist eindeutig Rassismus. Spenser stößt nicht nur in Proctor auf Schritt und Tritt auf das „Dilemma Amerikas“, wie der Autor es nennt: Dass die USA den Freiheitssuchenden eine Zufluchtsstätte bieten wollen, aber nicht verstehen, die unterschiedlichen Völkerschaften friedlich miteinander leben zu lassen. Im Gegenteil: Anglos und Latinos tun alles, um die Abgrenzung aufrechtzuerhalten, wobei die Sprachbarriere natürlich sehr hilfreich ist. Lisa hat diese Barriere überschritten und befindet sich nun quasi in Feindesland – in einem hispanischen Teil von Proctor, wo die Latinos am abweisendsten und stolzesten sind, sogar gegen ihre eigenen „Brüder“.

Freddie Santiago erklärt es Spenser: So etwas wie „die Altinos“ gibt es gar nicht. Schließlich kommen diese Menschen aus völlig unterschiedlichen Ländern, aus Puerto Rico oder Guatemala, aus Mexiko oder Kolumbien usw. Wie sollen sie da jemals zu einer Volksgruppe verschmelzen können? Da könnte man ja gleich verlangen, dass sich England und Norwegen zusammenschließen!

_Unterm Strich_

„Spenser“-Krimi Nr. 22 verbindet die bekannte Elemente Suche, Ermittlung, Action und menschliches Drama in neuer Variation. Statt die jammernde Jungfer in Not zu spielen, rettet sich die entführte Polizistengattin vor dem Blaubart selbst. Nicht etwa durch handfeste Prügeleien, sondern durch ein Gespräch, in dem sie durch psychologische Einsicht in ihren Entführer dessen grundlegenden Fehler erkennt und zur Sprache bringt. Mit anderen Worten: Sie therapiert ihn und rettet sich selbst aus der Patsche. Die handfeste Action, also den nötigen Rest, erledigen dann zu ihrer Zufriedenheit Spenser und Chollo. Doch Luis, den Entführer, erwartet ein weitaus traurigeres Schicksal als die Entführte.

Neben den Standardelementen wie Elementen und Action erwartet den Leser als eine unerwartete Zutat: Ungefähr ein Drittel des Romans wird von Lisas Erlebnissen bestritten, die in Kursivschrift gesetzt und somit von deutlich anderer Natur sind als Spensers Erlebnisse. Erst durch die Ergänzung der Informationen aus Lisas Erleben und Spensers Ermittlungsergebnissen ergibt sich ein vollständiges Bild von Lisas Leben. Der amerikanische Traum – sieht er wirklich so aus?

Ich habe für diesen Krimi zwei Tage mehr als sonst (einen Tag) gebraucht. Mit erschien das Thema nämlich zu abgedroschen und die Lösung des Konfliktes als zu lange hinausgezögert. Doch dann entpuppte sich Lisas Erzählstrang als weitaus aufregender und interessanter als erwartet. Sie ist weitaus aktiver, als das Klischee vom Gangsterweibchen es verlangt. Dem Autor gelingt es zudem, in uns Mitgefühl für den Entführer Luis zu wecken. Und der Showdown um Luis‘ Burg ist ebenfalls vom Feinsten.

|Taschenbuch: 293 Seiten
ISBN-13: 978-0425152904|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Professional, The – Ein Spenser-Krimi

_Mittelgut: der Detektiv gegen den Gigolo_

Als ein Gigolo zum Erpresser wird, wenden sich vier Frauen der oberen Zehntausend von Boston an Privatdetektiv Spenser, um den Mann zu stoppen. Leichter gesagt als getan, wie sich herausstellt. Noch dazu, wenn eine der Damen einen ganz anderen Plan dabei verfolgt. Und der Gatte dieser Dame scheint den Gigolo selbst fertigmachen zu wollen. Spenser muss den Mann wohl selbst dazu überreden aufzuhören …

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Über eine Anwältin wenden sich vier junge Gattinnen von reichen Männern an Spenser. Die Angelegenheit ist höchst delikat und erfordert höchste Diskretion. Sollte etwas davon an die Öffentlichkeit dringen, wären die Karrieren der Gatten der Damen gefährdet, und sie selbst stehen natürlich für eine Zeugenaussage oder Anzeige bei der Polizei zur Verfügung. Kompliziert, gibt Spenser zu.

Um was geht es überhaupt, fragt er die vier Grazien. Sie haben alle mit dem gleichen Liebhaber geschlafen, einem überaus gutaussehenden Kerl, der sich Gary Eisenhower nennt. Zunächst ohne Bezahlung, doch kürzlich habe er angefangen, sie alle zu erpressen. Mit Ton- und Videoaufzeichnungen, die er veröffentlichen oder an die Gatten schicken könnte. Seine Geldforderung ist nicht von Pappe: 25.000 Dollar pro Monat. Nicht viel für wirkliche Reiche, aber wenn die Dame nicht selbst darüber verfügen kann, dann wird das zum Problem – der Gatte darf ja nichts merken.

Also muss der amouröse Erpresser gestoppt werden. Soll Spenser ihm gut zureden, ihn zusammenschlagen oder gar töten? Die Damen scheinen wenig von den Gesetzen zu halten und würde auch Mord in kauf nehmen. Bevor es dazu kommt, will Spenser den Erpresser selbst unter die Lupe nehmen. Da er weder korrekte Telefonnummer noch eine Adresse des Erpressers hat, schreibt er sich im Fitness-Club ein, den alle Damen frequentierten. Bingo, wenige Wochen später taucht ein passender Typ auf.

Eisenhower nennt sich auch E. Herzog und lebt in einem Wohnblock, zu dem er ihm leicht folgen kann, nachdem Eisenhower ihn, Spenser, beschatten wollte. Und Eisenhower hat in keinster Weise die Absicht, mit seinem Treiben aufzuhören. Warum auch? Es läuft alles wie geschmiert und keiner kann ihm am Zeug flicken. Aber Spenser bekommt Besuch von einem Schläger namens Boo und einem Mietkiller namens Zel: Sie wollen wissen, was Spenser wegen Beth Jackson neugierig gemacht hat, der Frau ihres Auftraggebers Chet Jackson. Spenser kann sie von seinen lauteren Absichten überzeugen.

Chet Jackson ist nicht überrascht darüber, dass seine Frau fremdgeht. Anderseits kann er sie auch nicht davon abhalten, ohne die Ehe zu gefährden. Und an die Polizei will er sich auch nicht wenden, denn offenbar sind seine Geschäfte weit jenseits von „koscher“. Das zwingt Spenser dazu, eine härtere Gangart einzuschlagen: Er bittet den Gangsterboss Tony Marcus um einen Gefallen.

Marcus droht Jackson damit, seine Geschäfte in Boston zu beenden, sollte er nicht seine Frau zurückpfeifen. Jackson denkt, Zel und Boo würden ihm was nützen, doch ein rechter Haken von Spenser setzt den Schläger außer Gefecht. Und Zel, der Shooter, wird von Marcus’ eigenen Schützen in Schach gehalten. Jackson muss klein beigeben. Aber wird ihm seine Frau gehorchen?

Wenige Tage später findet man die Leiche Jacksons tot in seinem Parkhaus. Beth Jackson hat jedoch ein hervorragendes Alibi: Sie befand sich zur Tatzeit bei Spenser, um ihm eine Morddrohung zu zeigen und ihn um Schutz zu bitten. Jetzt aber, nach der Tat, will sie von Spenser plötzlich nichts mehr wissen. Das gibt dem Detektiv sehr zu denken. Und Beth Jackson vögelt ihren Gigolo munter weiter, nachdem sie die 80 Millionen ihres Mannes geerbt hat.

Doch dann taucht die nächste Leiche auf …

_Mein Eindruck_

In seinen letzten „Spenser“-Krimis vor seinem Tod im Januar 2010 beschäftigte sich der Autor verstärkt mit Verbrechen, die auf Abweichungen vom „normalen“ Verhalten basieren – er selbst würde solche Festlegungen niemals treffen. Nicht zufällig sind diese Abweichungen Auswüchse des modernen Lebens seit dem 20. Jahrhundert.

Auf der einen Seite leben junge Frauen an der Seite von älteren oder gar schwulen Männern, verschaffen sich aber geduldete sexuelle Vergnügungen in den Armen eines Gigolos wie „Gary Eisenhower“ alias Gary Pappas. Diese Frauen sind keineswegs zu bedauern oder gar zu bemitleiden. Sie verwöhnen ihren Lover auch gerne mit Zuwendungen, jedenfalls solange wie er sie nicht erpresst.

Der Gigolo wiederum findet überhaupt nichts dabei, die Früchte von den Bäumen anderer Leute zu pflücken. Er würde es nicht mal Mundraub nennen, sondern er nimmt lediglich das, was sich ihm in Hülle und Fülle darbietet, ohne auch nur über Gefühle und dergleichen nachzudenken. Gary Eisenhower ist rund um die Uhr beschäftigt, wie Spenser durch Observation feststellen kann. Estelle, eine Trainerin im Fitness Clubs, treibt ihm die „Klientinnen“ sozusagen zu, und das schon zehn Jahre lang: Eine lukrative Partnerschaft, um die reichen Schnepfen auszunehmen.

Selbst noch dann, als Spenser den hoffnungslosen Fall längst abgegeben hat, verfolgt er die Schicksal von Eisenhower, Estelle und Beth Jackson. Es ist sein absurd wirkender Versuch, eine unkorrigierbare Sache zu korrigieren, mit unzulänglichen Mitteln. Denn er ist weder Papst noch Präsident, weder Polizist noch Richter. Erst als die Leichen auftauchen, kann er auf die Unterstützung der Cops rechnen, besonders auf Quirk, den Leiter der Mordkommission.

Was ihm am meisten zu schaffen macht, ist die Verlogenheit und Heuchelei der reichen Klasse. Die erpressten Damen und gatten wollen keinesfalls Öffentlichkeit, weil sie die Bloßstellung fürchten. Dabei gibt es einen positiven Fall, wie gerade durch die Öffentlichmachung von Eisenhowers Treiben das Verbrechen beendet und das Opfer aus seinen Klauen befreit werden konnte: Die Rektorin eines kleinen Colleges tat dies selbst. Spenser und seine Freundin Susan Silverman sind von Clarise Richardson immens beeindruckt. Sie nahm das Ende ihrer Karriere und die öffentliche Ächtung in Kauf, um sich selbst zu befreien und ihre Ehe zu retten.

Doch solches Vorgehen kommt für Beth Jackson, die Millionenerbin, nicht in Frage. Sie hat als echte Goldgräberin Erfolg auf der ganzen Linie: Das Geld ihres Gatten, die Freiheit der Witwe (obwohl sie natürlich Trauer heuchelt) und noch dazu den Spaß im Bett ihres Lovers Eisenhowers. Könnte es besser laufen? Und doch wird ihr genau dies zum Verhängnis, denn sie hat nicht damit gerechnet, dass sie jemand einen Gefallen für die Drecksarbeit schuldet, die er für sie erledigt hat. Gefühllosigkeit und Verantwortungslosigkeit werden der „treulosen Tomate“ zum Verhängnis …

_Unterm Strich_

„The Professional“ (gemeint ist wohl der Gigolo) ist einer der ersten Parker-Krimis, die ich nicht in einem Sitz durchlesen konnte. Die Handlung ausgebreitet über fast ein halbes Jahr, zieht sich nicht nur in die Länge, sondern dreht auch – zunächst jedenfalls – um ein fast vernachlässigbares Verbrechen: das Erpressen untreuer Ehefrauen. Eine fast schon absurde Szene ist jene in Chet Jacksons Büro, als ein Gangsterboss von Jackson verlangt, die Untreue seiner Ehefrau zu beenden, wolle er weiterhin im Geschäft bleiben.

Hat sich Spenser jetzt selbst zum Moralapostel ernannt, fragte ich mich. Doch dann tauchen doch noch die leichen auf, und Spenser erledigt seine Arbeit: Er schnüffelt in der Vergangenheit von Beth Jackson nach. Sie kommt aus einem Kaff im Nirgendwo, wie so viele der Schauspielerinnen in den „Spenser“-Krimis – mehr Schein als Sein, gewissenlos, aber zielbewusst. Es ist im Grunde nur eine Frage der Zeit, weiß der „Spenser“-Kenner, bis ihr diese Skrupellosigkeit das Genick brechen wird. Nicht immer obsiegt die Gerechtigkeit in den Krimis, allenfalls der poetischen Gerechtigkeit wird Genüge getan.

Insgesamt also nicht der flotteste „Spenser“-Krimi, aber ein reifes Alterswerk. Dennoch ragt selbst ein mittelguter Parker immer noch weit über die Masse der Krimiliteratur weltweit hinaus.

|Taschenbuch: 289 Seiten
ISBN-13: 978-1849162234|
[Verlagshomepage]http://www.quercusbooks.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Playmates – Ein Spenser-Krimi

_Ungewöhnliche Lösung für manipulierte Spiele(r)_

Der Bostoner Privatdetektiv Spenser wird von der Leitung der Taft University gebeten, der Anschuldigung auf den Grund zu gehen, dass die Spiele des erfolgreichen und renommierten Basketball-Teams der Uni manipuliert seien. Schon bald bestätigt sich dieser Verdacht. Allerdings taucht auch ein New Yorker Gangster auf, der Spenser nahelegt, diese Erkenntnis nicht weiterzugeben – wenn ihm sein Leben lieb ist. Was tun?

Deutscher Titel: „Spießgesellen“ (bei Ullstein, 1990).

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Leitung der Taft University nahe Boston bittet Spenser, der in der Studentenzeitung geäußerten Anschuldigung nachzugehen, dass die Spiele des renommierten Basketball-Teams manipuliert seien. Zunächst schaut sich Spenser das Team an, das sich unter dem Trainer Dixie Dunham anschickt, die Liga zu gewinnen. Dunham will nichts von diesem Verdacht wissen und warnt nicht nur Spenser vor voreiligen Schlüssen, sondern auch seine Spieler davor, mit dem Schnüffler zu reden.

Unerschrocken spricht Spenser mit dem besten Mann des Teams, einem hochaufgeschossenen Schwarzen namens Dwayne Woodcott. Der spricht mit einem New Yorker Akzent, ist seit vier Jahren mit einem Stipendium an der Uni und bekommt Zensuren zwischen Zwei minus und Drei plus. Swayne lässt sich das Maul nicht verbieten, aber auch er warnt Spenser-unmissverständlich vor Andeutungen, die Spiele der Mannschaft könnten verschoben sein. Das macht Spenser erst recht stutzig.

Von dem Buchmacher Lenny bekommt er eine Liste von sechs Spielen, deren Ergebnisse nicht den Erwartungen entsprachen. Mit einem Experten vom Fach schaut er sich die Videos dieser sechs Spiele an. Der Befund ist eindeutig: Dwayne hat das Spielergebnis jedesmal beeinträchtigt, meist dadurch, dass er seine Mitspieler ihre Punkte nicht machen ließ. Und sein Teamkollege sieht ebenfalls verdächtig aus.

Konfrontiert mit diesem Befund, wird Dwayne wütend und droht Spenser, der jedoch ebenfalls kampfgeübt ist. Bei dieser Begegnung findet Spenser heraus, dass Dwayne nicht einmal lesen kann. Woher bekommt er also seine guten Noten? Und seine Freundin Chantel muss ihm alles vorlesen und erklären. Spensers Freundin, die Psyschologin Susan Silverman, legt ihm nahe, Verständnis für den angehenden Basketball-Star aufzubringen: Er komme schließlich aus dem miesesten Ghetto von ganz New York.

Spenser hat sich noch nicht entschlossen, zur Uni-Leitung zu gehen, die ihn schließlich ja bezahlt, als ein interessanter Typ mit Rolex und Goldkettchen in sein Büro marschiert kommt. Bobby Deegan will über Dwayne sprechen. Fein. Spenser soll keine schlafenden Hunde wecken und die Finger davon lassen, dann bekommt er auch eine hübsche Belohnung. Wenn er das jedoch nicht tut, kann er sich bald die Radieschen von unten betrachten. Spenser liebt klare Alternativen.

Aber er will den potenziellen Großverdiener Dwayne auch nicht reinreiten, wenns nicht sein muss. Dessen Freundin Chantel liebt ihn wirklich und will mit ihm eine Familie in L.A. gründen. Wozu den jungen Mann zurück ins Ghetto schicken und die Uni bloßstellen? Vielleicht gibt es einen anderen Weg. Spenser beginnt mit Dwaynes Uni-Betreuerin, Dr. Madeleine Roth. Zu seinem Erstaunen und Verdruss behauptet sie abweisend, keine Ahnung von Dwaynes Analphabetismus zu haben. Später überprüft Spenser ihren Hintergrund und stößt auf einen interessanten Kontakt …

Zuvor kommt aber sein bester Kumpel Hawk zu ihm, um ihm mitzuteilen, dass Bobby Deegan ihn, Hawk, anheuern wollte, um Spenser umzulegen. Na, wenn das nicht eine hohe Ehre ist. Hawk lehnte dankend fünf Riesen ab. Es ist also davon auszugehen, dass Deegan andere Killer anheuern wird. Aber wer hat Deegan überhaupt den Tipp gegeben, sich an Hawk zu wenden? Sie stoßen auf den Namen eines alten Bekannten: Gerry Broz, der Sohn eines Gangsters, mit dem sie schon mehrfach zu tun hatten …

_Mein Eindruck_

Ja, wenn es um Millionen im Profisport geht, hört der Spaß auf: Ein Menschenleben ist dann noch einen Dreck wert, besonders wenn sich die Hintermänner in Sicherheit bringen wollen. So ergeht es auch Dwayne und seinem Komplizen Davis. Nachdem Spenser und Hawk Deegan durch Bloßstellung unter Druck gesetzt haben, kennt der Gangster keine Grenzen der Gewalt mehr. Nur durch Hawks Eingreifen können Deegans Killer abgewehrt werden, doch Davis muss ins Gras beißen.

Als Krimi ist diese Geschichte insofern ziemlich ungewöhnlich, als der Handlanger Deegans, Dwayne Woodcock, von Ermittler Spenser in Schutz genommen wird. Der Schnüffler könnte es sich ja einfach machen und Dwayne seinen Auftraggebern, der Unileitung, ausliefern – und nach ihm die Sintflut. Stattdessen verhält er sich sehr ungewöhnlich und zerstört in mühseliger Kleinarbeit das Band der Abhängigkeit zwischen dem Spieler und seinem Manager Deegan.

Dazu konfrontiert er Dwayne und Chantel mit Deegan und dessen Geliebter und Komplizin (man kann sich denken, um wen es sich handelt). Spenser hat seine Freundin Susan Silverman als psychologische Beraterin bei sich, um dieses Band zwischen Dwayne und Deegan zu zerschneiden. Als Deegan beginnt, Chantel zu beleidigen, wird selbst Dwayne stutzig und begehrt auf.

Aber warum lässt sich Dwayne überhaupt von so einem durchsichtigen Windbeutel wie Deegan verführen und korrumpieren, fragen sich Spenser und Susan. Vor allem, wo doch Dwayne in dem taffen Brooklyn aufgewachsen ist und öfters mal mit harten Typen wie Deegan zu tun hatte. Der Grund ist einerseits, dass Deegan einen auf gebildet und vornehm macht, was ihm ein gewisse freundliche Autorität verleiht. Der andere Grund: Der schwarze Dwayne blickt zu Deegan, dem Weißen, auf, weil er es nicht anders kennt. Es spielt auch ein rassistischer Aspekt eine Rolle.

Auch die Art und Weise, wie Spenser sich Deegans entledigt, ist ziemlich ungewöhnlich. Denn es gibt keinen blutigen Shoutout auf irgendeiner Wiese oder in einem verlassenen Schuppen, wie dies andere Autoren praktizieren. Stattdessen spannt Spenser die Strafverfolgungsbehörden von New York, Boston und dem Bund (FBI) ein, die sich schon lange für Deegan interessieren. Und so muss Deegan nicht ins Gras beißen, sondern verschwindet im Zeugenschutzprogramm der Feds – für wie lange, weiß keiner, denn schließlich hat auch die Mafia einen langen Arm …

_Unterm Strich_

„Playmates“ ist ein doppeldeutiger Titel, der sowohl „Spielgefährten“ als auch „Spießgesellen“ (und für manche auch PLAYBOY-Bunnys) bedeutet. Parker wirft in seinem Krimi ein Schlaglicht auf die Mauscheleien im hochdotierten Profisport bzw. in dessen Vorstufe, dem College-Sport. So wie bei uns Bundesligaspiele verschoben werden (das Thema ist gerade heiß), so können auch in den USA Basketballspiele manipuliert werden. Und wer sich den Jahresverdienst von Dirk Nowitzki anschaut, weiß, dass hier um hohe Summen gepokert wird. Es geht um keine Kavaliersdelikte, schon gar nicht, wenn eine Uni den guten Ruf zu verlieren hat.

Jeder andere Ermittler (außer vielleicht Maigret und Montalbano) würde den Schummler dingfest machen und seinem Schicksal überlassen. Doch Spenser sieht Dwayne als Opfer finsterer Machenschaften und will ihn nicht nur befreien, sondern auch diese Hintermänner den behörden übergeben. Gerade diese Befreiung gestaltet sich unvermutet schwierig, denn der Spieler will sich unbedingt weiter ausbeuten lassen – er hängt einem Traum vom Ruhm aus der Hand des weißen Mannes an.

Während die Ermittlung erfreulich unerwartete Haken schlägt, wartet dieser frühe „Spenser“-Krimi (Nummer 16 von 39) mit einer Menge Action auf. Diese spielt sich leider meist offscreen ab, trägt aber mit zur erheblichen Spannung bei. Auch die Gegenüberstellung bei Deegan ist von einer beträchtlichen Spannung gekennzeichnet, doch sie erweist sich vor allem als psychologisch begründet. Mögen andere Autoren wilde Schießereien inszenieren – Spenser hält seine Weste (meist) sauber. Und so kommen auch Humor und Erotik stets zu ihrem Recht.

|Taschenbuch: 257 Seiten
ISBN-13: 978-0425120019|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Spare Change – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Ay, caramba! Spiel um Mord und Spaß_

Vor 20 Jahren ermittelte der Vater der Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall gegen einen Serienmörder, der von den Zeitungen als „Kleingeld-Möder“ bezeichnet wurde: The Spare Change Killer. Nun haben sich wieder zwei solcher Morde ereignet. Phil Randall wird von den Bostoner Polizeibehörden als Berater hinzugezogen, und er bittet seine Tochter, ihm zu helfen. Wird es ihnen endlich gelingen, den Killer zu schnappen?

Dieser Roman wurde meines Wissens nach bislang noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
„Hugger Mugger“, „Small Vices“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Bostoner Privatdetektivin ist geschmeichelt und aufgeregt, als ihr Vater, ein ehemaliger Polizeicaptain, sie bittet, ihm dabei zu helfen, einen Serienmörder zu fangen. Dieser Spare-Change-Mörder trieb bereits vor 20 Jahren sein Unwesen in der Stadt. Und obwohl der Unbekannte dem Cop eine Reihe von Briefen schrieb, als wäre er sein bester Kumpel, gelang es Phil Randall nicht, den Kerl dingfest zu machen. Eine Reihe von Menschen starben, bis der Unbekannte aufhörte.

Jetzt hat er – oder nur sein Nachahmer? – wieder angefangen zu töten. Phil Randall berät die höchsten Polizeikreise, die mit einer Task Force die Ermittlung betreiben. Nach einem ersten Opfer, einem jungen Mann, hat es nun einen 55-jährigen Homosexuellen namens Eugene Nevins erwischt. Der Lebenspartner von Nevins findet keinerlei Anhaltspunkte, die Eugene zu einem Opfer gemacht hätten.

Sunny überlegt, was die erneut zugeschickten Briefe an Phil Randall und was das Kleingeld zu bedeuten haben. Der Täter ist sehr selbstsicher. Will er etwa gefangen werden und fordert ihren Vater heraus? Ihr Vater steht in allen Zeitungen, und sie ebenso. Als der dritte Mord passiert, hat die Polizei Glück: Es passiert mitten im Park, der sofort abgesperrt wird: Alle Passanten, die man innerhalb der Parkgrenzen angetroffen hat, werden registriert. Und die Tatwaffe liegt in einem Blumenbeet: Sie ist identisch mit derjenigen Waffe, die bei den vorhergehenden Morden benutzt wurde.

Alle in Frage kommenden Registrierten werden von den Cops interviewt; es sind über dreißig. Als den Finanzberater Bob Johnson an der Reihe ist, fällt er Sunny und Phil Randall sofort durch seine leutselige Art auf. Sunny will ihn verhören, und tatsächlich: Der Typ fährt total auf sie ab. Er weiß erstaunlich viel über den Spare-Change-Killer, auch über die Mordserie vor 20 Jahren, und er produziert sich nicht nur vor Sunny: Er genießt es auch, sie herauszufordern.

Ihre weibliche Intuition sagt Sunny: Er ist es. Dumm nur, dass sie ihn nicht festnageln können. Also muss man ihn beschatten und durchleuchten. Doch der Polizeichef hat zu wenig Leute, um Bob Johnson rund um die Uhr zu beschatten: Er schüttelt seine Verfolger immer wieder ab.

Sunny bricht bei Johnson ein und fotografiert nicht nur sein Adressbuch, sondern auch das Foto einer jungen Frau, das im Schlafzimmer auf einem Ehrenplatz steht. Während die Cops sämtliche Adressen abklappern, macht sich Sunny mit Johnsons Familiengeschichte vertraut: Sein Vater war Professor an der Taft University, einer der Elite-Unis im Land. Merkwürdig findet Sunnys Daddy, dass Johnson senior genau dann an einer Herzattacke starb, als die erste Mordserie des Spare Change Killers aufhörte. Sunny glaubt nicht an Zufälle. Zusammen geht sie diesem verdächtigen Todesfall auf den Grund.

Zugleich trifft sie sich mit Bob Johnson auf einen Drink. Vorsichtshalber hat sie den Treff in die Bar ihres besten Freundes Spike gelegt. Johnson zeigt sich nicht nur aufregt über das Treffen und lädt sie gleich zu sich ein – er ist auch bestens informiert über die Fortschritte der Polizei. Und er will alles wissen, was Sunny und die Cops herausgefunden haben. Leider ist er zu vorsichtig und haut wieder ab.

Sunnys Vater und ihr Exmann sind gar nicht sicher, ob sie sich über Sunnys Vorgehen freuen sollen. Der Mörder ist schließlich gefährlich. Und er macht weiter: Es gibt eine Serie von drei weiblichen Opfern. Ihr gemeinsames Merkmal: Sie sehen alle Sunny äußerst ähnlich. Soll Sunny wirklich weitermachen? Denn es ist klar, dass auch sie im Visier des Täters ist. Aber was, wenn Johnson unschuldig ist? Und was treibt den Verdächtigen überhaupt an? Sunny muss weitermachen und nach der jungen Frau auf dem Foto suchen …

_Mein Eindruck_

Es ist ja ziemlich ungewöhnlich, dass ein Mörder mit der Ermittlerin anbandelt, aber auch nicht das erste Mal. Außergewöhnlicher ist hingegen, dass diese Ermittlerin das ganz genau weiß, statt sich hinters Licht führen zu lassen. Und dass sie in kauf nimmt, dabei gekidnappt oder getötet zu werden. Das verleiht der ganzen Geschichte einen erhöhten Nervenkitzel.

Da die Lösung aller Rätsel erst in der allerletzten Szene erfolgt, sind wir gespannt, welchen Hintergrund der mutmaßliche Mörder Bob Johnson aufweist. Sein Job als Finanzberater scheint nur eine Fassade zu sein: An den Tagen, an denen der Spare Change Killer zuschlägt, sind in seinem Kalender keine Termine eingetragen … Aber warum ist Johnson ohne menschliche Bindung – und überhaupt: Wer ist dieser Chico Zarilla, der als letzter Name in seinem Adressbuch steht?

Sunnys Besuch bei der jungen Frau auf dem Schlafzimmer-Foto ist höchst aufschlussreich: Sie war einmal Johnsons Freundin. Doch sie gab ihm zugunsten eines anderen den Laufpass, denn Bob war sehr schüchtern und gehemmt. Das Gespräch ist erstaunlich offen, bis in die intimsten Details. Dies dürfte nur unter Frauen möglich sein.

Doch wer ist Chico Zarilla? Sunny und ihr Vater stoßen auf diesen Namen, als sie dem angeblichen Herzanfall von Johnson senior nachforschen. Dessen Sekretärin sah nämlich Blut auf der Leiche. Und hätte schon mal von einem Herzinfarkt gehört, bei dem das Opfer blutete? Eben. Es handelt sich um einen klassischen Fall von Vertuschung durch die Uni-Leitung, und als sie den damaligen Campus-Sicherheitschef befragen, präsentiert dieser ihnen nicht nur die Tatwaffe bei Johnsons Selbstmord, sondern auch den Abschiedsbrief. Darauf steht nur: „ADIOS; CHICO ZARILLA“. Sehr merkwürdig.

Wie sich in Johnsons Zweitwohnung, dem Wohnsitz von „Chico Zarilla“, herausstellt, war der mexikanische Bandit die zweite Persönlichkeit von sowohl Johnson senior als auch von Johnson junior. Da er keine Erfüllung in der Liebe fand, tötete er als Ausgleich, um das Gefühl der Macht über die Menschen zu genießen: „Das macht Spaß“, sagt der Killer. Bis er sich in Sunny Randall verliebt …

Einer der besten Spannungshöhepunkte der ganzen „Sunny Randall“-Reihe – dies ist der letzte Band – findet sich hier als Abschluss der nervenaufreibenden Liebelei zwischen dem Mörder und der Ermittlerin. Der Schauplatz ist – wieder einmal – bei Sunnys Freund Spike im Restaurant. Als Johnson kapiert, was gespielt wird, nimmt er Sunny als Geisel. Doch ihr Vater, stets vor Ort, spielt nicht nach Johnsons Regeln …

|Väter & Söhne, Väter & Töchter|

So wie der Autor die Wechselwirkung zwischen der Erfüllung bzw. Nichterfüllung in der Liebe und dem Bedürfnis nach ausgleichender Macht auf subtile Weise darstellt, so einfallsreich stellt er auch das Beziehungsgeflecht zwischen Vätern und Söhnen sowie Vätern und Töchtern dar.

Im Fall der beiden Johnsons eifert der Junior seinem Vater nach, aber auf der Schiene des Verbrechens. Mrs Johnson ist eine frustrierte, abweisende Person, keine liebende Mutter. Im Falle der drei Randall-Frauen – Mutter, Elizabeth und Sunny – wetteifern sie alle um Vaters Gunst. Doch er gibt sie ihnen uneingeschränkt und bedingungslos, statt ihnen gegenüber durch die Drohung von Liebesentzug kontrollieren zu wollen.

Die drei Frauen sind mit faszinierenden Porträts versehen worden. Mutter Randall ist in vielen Dingen auf die Hilfe ihres Mannes angewiesen (aber sie und er würden dies niemals zugeben), eine Bourbon-Trinkerin und lausige Köchin. Elizabeth ahmt ihre Mutter nach, denn eine Frau ist ohne Mann nur eine halbe Person. Doch der neue Verlobte stellt sich Sunny gegenüber als selbstverliebter Theoretiker mit faschistischem Gedankengut dar – ein Literaturprofessor, um Himmels willen!

Sunny selbst setzt auf Erfahrung als Wert, genau wie ihr Vater. Doch auch sie benötigt eine Therapie, um sich mit Richie, der seine Frau verlassen hat, wieder eine Zuklunft aufzubauen. Auch wenn sie ihren Vater liebt und mit ihm eng zusammenarbeitet, erhebt sich im Finale die Frage, wie sie damit umgeht, dass er bei ihrer Geiselnahme nicht den Forderungen des Geiselnehmers nachgibt, sondern lieber Sunnys Tod in kauf nimmt?

_Unterm Strich_

In „Spare Change“ überzeugte mich der Autor restlos mit seiner These, dass Verbrecher in der Keimzelle der Gesellschaft entstehen, in der Familie. Ein Sohn eifert seinem Vater aus frustrierter Liebe nach, wird dabei ein anderer, eine Traumfigur, nur um dann beim wahllosen Töten ein Machtgefühl erleben zu können. Doch dann kommt diese hübsche Ermittlerin namens Sunny und wird für ihn zu einer Honigfalle …

|Showdown|

Den privaten Szenarien steht das berufliche Umfeld der Cops gegenüber, in dem sich Sunny bewegt. Ihr Vater war ein Cop und er ist es wieder, um den alten Fall des Spare-Change-Killers aufzuklären. Im Showdown kommen diese beiden Felder von Sunnys Existenz zu einer kritischen Kollision: Als sie zur Geisel genommen wird, stellt sich ihr die bange Frage, ob sie zu einem in Panik geratenen Nervenbündel wird, als ihr Vater auf sie zielt – oder ob sie die Nerven behält und ihrem Daddy vertraut. Das ist einfach meisterlich zusammen-, herbei- und ausgeführt. Erst nach dem Abschluss kann der Leser erleichtert aufatmen.

|Ausblick|

Es ist wirklich schade, dass es keine weiteren „Sunny Randall“-Krimis geben wird. Es folgen zwar im Januar und Mai noch zwei Romane posthum, doch soweit ich sehen kann, sind die Hauptfiguren dabei Spenser („Sixkill“) und Jesse Stone („Split Image“). Zu gegebener Zeit werden meine Berichte dazu folgen.

|Taschenbuch: 323 Seiten
ISBN-13: 978-0425221921|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Mark Haddon – Boom!

Spadwetsch! Die Aliens sind unter uns

Das ziemlich eintönige Leben des 13-jährigen Jim ändert sich schlagartig, als er und sein Freund Charlie einer mysteriösen Verschwörung auf die Spur kommen. Warum reden die Lehrer in einer Geheimsprache miteinander? Als Jim und Charlie ihnen folgen, landen sie plötzlich in einer fremden Galaxie, auf dem Planeten Plonk. Und damit beginnt das Abenteuer: Denn sie müssen nicht nur ihre Lehrer retten, sondern die ganze Welt … (Verlagsinfo)

Der Autor

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