Alle Beiträge von Michael Matzer

Lebt in der Nähe von Stuttgart. Journalist und Buchautor.

Parker, Robert B. – Back Story – Ein Spenser-Krimi

_Zeitkritik: der Fluch der Hippies_

Die Freundin von Spensers Ziehsohn Paul Giacomin bittet den Privatdetektiv um Aufklärung, wer für den Mord an ihrer Mutter Emily Gordon verantwortlich. Emily wurde bei einem Banküberfall erschossen – vor 28 Jahren! Für sechs Donuts übernimmt Spenser den Fall. Doch als sowohl das FBI als auch ein Gangster ihn an der Ermittlung hindern wollen, weiß er, dass viel mehr dahinter stecken muss …

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet: „Alte Wunden“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Schauspielerin Daryl Gordon nennt sich Daryl Silver, als sie mit Spensers Ziehsohn Paul Giacomin, der jetzt Regisseur am Theater ist, zu Spensers Bürotür hereinspaziert. Sie hat sechs Krispy Kreme Donuts mitgebracht – Geschenk oder Bezahlung? Letzteres, wie sich herausstellt: Der Privatermittler soll herausfinden, wer Daryls Mutter Emily auf dem Gewissen hat – nach 28 Jahren!

Emily Gordon war ein Mitglied der Hippie-Generation, wie es Daryls Vater Barry heute noch ist – in San Diego. Doch Emily geriet irgendwie von der sonnigen Westküste ins neblige Boston. Dort wollte sie auf einer Bank Reiseschecks einlösen. Sie geriet in einen Banküberfall, der von der radikalen Dread Scott Brigade verübt wurde, und wurde erschossen. Spenser bohrt mehrfach nach: Emily Gordon hatte einen schwarzen Freund namens Leon Horton alias „Coyote“. Und der Anführer der Dread Scott Brigade, Abner Fancy, nannte sich Shaka, nach dem Häuptling Shaka Zulu. Es waren die Tage der Revolution.

Die Cops haben den Fall bis heute nicht gelöst. Trotz Überwachungsfotos und Zeugenaussagen. Bemerkenswert. Ein Vermerk in der Akte macht Spenser stutzig: Eine Ermittlungsakte vom FBI sollte unterwegs sein, traf aber nie ein. Er spricht mit dem FBI-Stationsleiter vor Ort, SAC Nathan Epstein, der das Fehlen der Akte auch sonderbar findet. Doch eine Andeutung macht auf Spenser Eindruck: Entweder haben die FBI-Leute mit den Akten geschlampt – sie sind nicht bekannt dafür – oder es handelt sich um eine Vertuschungsaktion der Bundespolizei.

Als zwei Typen in Spensers Büro auf ihn warten und sagen, sie seien von der Regierung, verlangen sie, er solle seine Schnüffelei einstellen. Offenbar ist er jemandem auf die Zehen getreten. Sie sollen sich verpissen. Aber dann taucht eine ernstzunehmendere Figur auf: „Harvey“ ist offensichtlich ein professioneller Killer. Und wie Spenser von Vinnie Morris und Hawk erfährt, arbeitet „Harvey“ für den Bostoner Gangster Sonny Aronofsky. Als Spenser diesen Typen besucht, schreit der ihn an, er solle die Finger von seiner „Familie“ lassen. Familie?

Jedenfalls findet Spenser es bemerkenswert, dass sowohl FBI als auch Gangster alles tun, um ihn vom Fall Emily Gordon abzuhalten. Als er den pensionierten FBI-Ermittlungsleiter von damals besucht, stellen ihm einige Killer eine Falle. Spenser entkommt mit knapper Not, doch wird ihm klar, dass an dieser Sache viel mehr dran ist, als er gedacht hat. Er tut sich mit seinem besten Freund Hawk zusammen, damit der seinen Hintern deckt.

Eine weise Maßnahme, wie sich schon bald erweist …

_Mein Eindruck_

Diese Story versetzt den Leser in die Zeit der ausgehenden Hippie-Ära und der radikalen Studentenbewegungen. Beide werden im Rückblick und in ihren Auswirkungen äußerst negativ bewertet. Dabei ist der Autor keineswegs besonders genau und legt auch keine besondere Sachkenntnis an den Tag. Er setzt das Wissen um die acht Jahre zwischen 1966 (der wahre „Summer of Love“) und dem Jahre 1974, nach Watergate, Studentenrevolution und Rassenunruhen, als bekannt voraus. Es hieße, Eulen nach Athen zu tragen, würde er die Fakten hier nochmals wiederholen.

Außerdem geht es zwar um die Bewältigung dieser Ära, aber auch um die Auseinandersetzung mit der Behandlung jener Ereignisse durch die Behörden. Im Fall des Bankraubs stellt sich heraus, dass das FBI einen sehr guten Grund hatte, um die ganze Sache zu vertuschen: Einer ihrer Informanten war der Fahrer des Fluchtfahrzeugs. Das durfte keinesfalls bekannt werden. Als Folge davon schloss das FBI einen Schutzpakt mit dem Informanten. Als dieser sich zum Drogengangster mauserte, konnte ihm kein Richter und kein Cop am Zeug flicken: Das FBI hielt die Hand über ihn. Bis Spenser kommt.

Aber nicht nur die Agenten der Bundespolizei wollen ihn deshalb um die Ecke bringen, sondern auch ein Gangster namens Sonny Karnofsky. Die Hintergründe sind Spenser und seinem Kumpan Hawk bis zum Finale unbekannt, doch sie machen Spenser das Leben sauer, und sogar Susan muss beschützt werden.

Doch Sarnofsky wohnt in Paradise, einem schick gewordenen Fischerdörfchen nördlich von Boston. Hier ist Jesse Stone der Polizeichef. Und sobald Stone einmal von Spenser und seinen Leuten bei der Staatspolizei (Healy) in die Sache eingeweiht worden ist, erweist er sich als äußerst hilfreich. Denn ihm ist die Anwesenheit eines Gangsters in seinem Städtchen ebenfalls schon lange ein Dorn im Auge. Also hilft er Spenser mit Informationen aus seiner Überwachungstätigkeit. Spenser hat Hochachtung vor dem Mann: „not a smalltown shitkicker“ lautet sein höchstes Lob.

Und so kommt es, dass Spenser endlich die beste Freundin von Emily Gordon ausfindig macht. Und auch den Grund, warum Karnofsky überhaupt von „Familie“ sprach, als Spenser ihn auf Emily ansprach. Und dabei treten die Folgen der sexuellen Freizügigkeit unter den Hippies wieder mal sehr deutlich zutage. Und auch die Gründe, warum Emily Gordon an jenem Tag in der Bank erschossen wurde.

_Unterm Strich_

Ich fand diesen „Spenser“-Krimi zwar recht spannend, aber wenig unterhaltsam. „Bad Business“ war wesentlich unterhaltsamer und lustiger, ein Thriller wie „Trouble in Paradise“ actionreicher. „Back Story“ weist zwar ein interessantes Sujet auf, doch der Autor macht zu wenig daraus. Die Kollaboration von FBI und Verbrechern auf der Ebene von Spitzeln ist sattsam bekannt und vielfach von Autoren aufgegriffen worden. (Erst gestern kam die Meldung, fünf deutsche Polizeibeamte hätten den Hell’s Angels Informationen zugesteckt.)

Die Konfrontation Spensers mit dem alten FBI und den Verbrechern sorgt zwar für jede Menge Actionszenen, doch wenn es um Wissen über die Hippies, die Studentenrevolte und die Rassenunruhen in den USA geht, liefert der Autor nichts an Hintergrundinformationen. Die muss der deutsche Leser gefälligst selbst mitbringen, oder er ist reichlich verwirrt. Es wäre recht empfehlenswert, sich über jene bewegte Zeit zu informieren. Dass die Vergangenheit nämlich keineswegs tot ist, zeigen unter anderem die Aufhebung des Strafbefehls gegen DOORS-Sänger Jim Morrison nach rund 40 Jahren und die Weiterverfolgung von Roman Polanski durch US-Gerichte, ebenfalls nach fast 40 Jahren.

Bemerkenswert ist dieser „Spenser“-Krimi auch durch den Auftritt von Jesse Stone, dem Polizeichef von Paradise. Stone stellt die Zentralfigur zahlreicher weiterer Krimis von Robert B. Parker dar, und ich habe über ein halbes Dutzend davon bereits vorgestellt. Wie stets sorgen zahlreiche Anspielungen auf Literatur und Film für Erheiterung und ironische Seitenhiebe. So ist zumindest für Amüsement gesorgt. Dies ist beileibe kein langweiliger Roman. Aber der deutsche Leser muss sein Scherflein beitragen, um seine Tiefe zu würdigen.

|Taschenbuch: 291 Seiten
ISBN-13: 978-0399149771|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Painted Ladies – Ein Spenser-Krimi

_Kunst killt – Spenser auch_

Privatdetektiv Spenser wird von einem Kunstprofessor als Leibwächter angeheuert, der Lösegeld für ein gestohlenes Gemälde übergeben will. Kurz nach der Übergabe des Lösegeldes explodiert ein Paket, das der Professor trägt, und zerfetzt ihn. Spenser betrachtet es als seine Pflicht, die für den Mord Verantwortlichen ausfindig zu machen. Doch jemand hat mächtig etwas dagegen und verübt zwei Anschläge auf ihn … So viel Blut nur für ein Gemälde, wundert sich Spenser.

Dieser Roman wurde noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Kunstprofessor Ashton Prince heuert Spenser an, um ihm dabei zu helfen, ein berühmtes gestohlenes Gemälde wiederzubeschaffen: einen alten holländischen Meister. Die Diebe fordern ein Lösegeld und Prince soll es übergeben. Spenser spielt bei der Übergabe praktisch nur den Leibwächter. Weil das nach einem einfachen Job aussieht, willigt er sofort ein.

Die Übergabe findet auf einer Autobahnbrücke statt. Weil Spenser darunter parken und nicht mitgehen soll, sieht er nicht, wie der Professor den Geldkoffer übergibt, auch nicht, an wen. Erst als Prince mit einem kleinformatigen, flachen Paket zurückkehrt, das das Gemälde sein könnte, sieht er ihn wieder. Da explodiert das Paket und zerfetzt den Mann. Spenser ist sauer: Er hat in seiner Aufgabe versagt, den Mann zu schützen. Deshalb betrachtet er es nun als seine Pflicht, dem Mord auf den Grund zu gehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen.

Das Bild gehörte dem Hammond-Museum in Boston. Doch weder deren Präsident noch sein Anwalt Morton Lloyd wollen irgendwelche Auskünfte erteilen. Und in der Versicherung der Uni arbeitet eine ehemalige FBI-Mitarbeiterin namens Winifred Minor. Auch sie hält sich bedeckt. Doch was für ein Zufall: Ihre Tochter Melissa studiert an der Waltham Universität, an der Ashton Prince lehrte. Und wie Melissas Kommilitoninnen tuscheln, war sie seine Geliebte. Ein paar Zufälle zu viel für Spensers Geschmack.

Die Frau des Professors, eine Dichterin, informiert ihn, dass Ashton Prince nicht der richtige Name des Professors war, sondern vielmehr Ascher Prinz lautete. Der Schürzenjäger des Waltham College war Jude, aber er schämte sich dieser Herkunft. Sein Vater Amos Prinz kam ins KZ Auschwitz. Dafür war Prince eine Koryphäe in Sachen alte holländische Meister und Fälschungen. Von einem Professor in New York City erfährt Spenser, dass Prince völlig unterbezahlt und überbeschäftigt war. Er hätte eine bessere Stellung haben können, warum blieb er dann an einem Provinz-College?

|Die Geschichte des Gemäldes|

Der New Yorker Professor erzählt Spenser die Geschichte des Gemäldes (und wie sich später herausstellt, hat Prince darüber seine Doktorarbeit geschrieben). Der holländische Maler Frans Hermenszoon starb mit 27 im 17. Jahrhundert und kreierte lediglich acht Bilder, wovon „Die Dame mit dem Fink“ das einzige war, das überlebte. Dementsprechend unersetzbar und wertvoll ist es. Nach zwei Jahrhunderten im Besitz der Familie wurde es an den Amsterdamer Kunsthändler Judah Herzberg verkauft.

Doch nach weiteren zwei Jahrhunderten wurden Herzberg und seine Familie 1940 von den Nazis deportiert und ins KZ Auschwitz gebracht, wo alle bis auf den neunjährigen Sohn Isaac umgebracht wurden. Er verschwand mit einem Freund namens Amos Prinz, dem Vater von Ascher Prinz alias Ashton Prince. Die Nazis hatten die reichhaltige Herzberg-Sammlung konfisziert. Aber die beiden holten das Bild aus seinem Versteck im Herzberg-Haus und verkauften es für einen Appel und ein Ei an einen unbekannten Kunsthändler in Rotterdam. Ende der vierziger Jahre tauchte es im Hammond Museum auf. Aber warum ausgerechnet dort?

|Anschlag|

Er lässt Staatsanwältin Rita Fiore Erkundigungen über Morton Lloyd einziehen. Etwas ist faul an diesem Mann, denn Lloyd war es, der Prince den Kontakt mit dem Hammond Museum vermittelte, um das gestohlene Bild wiederzubeschaffen – und so in Lebensgefahr brachte.

Spensers Nachdenken wird erheblich gestört, als zwei bewaffnete Söldner in seinem Büro auf ihn lauern. Nur sein treuer Hund Pearl warnt ihn vor den Eindringlingen. Nach einem Erkundungsgang schließt Spenser seine Bürotür vorsichtig auf, ohne einzutreten, und legt sich flach auf den Korridor davor.

Wie erwartet stürmen die Killer um sich schießend auf den Gang heraus, wo Spenser sie mit gezielten Schüssen ausschalten kann. Dass beide die gleiche eintätowierte KZ-Häftlingsnummer tragen, ist nicht gerade alltäglicher Anblick. Captain Healy von der Staatspolizei findet heraus, dass sie aus Holland kommen, der Heimat von Prinz und Herzberg – und des Bildes. Und die Häftlingsnummer war die, welche Judah Herzberg in Auschwitz tragen musste …

Der Mordanschlag involviert natürlich die Bostoner Polizei, doch Frank Belson macht ebensowenig Schwierigkeiten wie Healy oder Belsons Chef Quirk. Allerdings bleibt es nicht bei diesem ersten Anschlag. Fortan lebt Spenser gefährlich – und seine Freundin Susan ebenfalls …

_Mein Eindruck_

Der Kunstmarkt ist auch nicht mehr das, was er mal war. Zumindest der für die Beutekunst, um die es im vorliegenden „Spenser“-Krimi geht. Denn das Bild „Dame mit Fink“ wurde von den Nazis geraubt und nach dem Krieg erst verkauft und dann den Amis übergeben. Oder auch nicht, aber mehr darf nicht verraten werden. In der Tat bleiben die Umstände der Verwicklungen von Ashton Prince, Ariel Herzberg und Anwalt Lloyd bis fast zum Finale im Dunkeln. Deshalb ist mal wieder gute alte Detektivarbeit angesagt, und Spenser erledigt sie wie stets mit großer Geduld und Hartnäckigkeit.

Dass sich ein amerikanischer Krimiautor überhaupt einmal mit dem Kunstmarkt beschäftigt, finde ich ja schon lobens- und bemerkenswert. Doch wenn Parker dies tut, weiß man, darf man etwas Besonderes erwarten darf. Nämlich nicht nur fundiertes Sachwissen, sondern auch ein menschliches Drama, das zunächst hinter dem Thema steht, dann aber im Finale den Ausschlag gibt. Schließlich drehen sich alle Geschichten, die es zu erzählen wert sind, nicht um Sachen, sondern um Menschen.

Der Roman ist für einen von Parker ungewöhnlich ernst und tragisch. Zwar versuchen Spenser und Hawk wie immer, sie gegenseitig aufzuziehen, aber die Anschläge auf Spenser und die weiteren Leichen lassen auch Spenser das Lachen vergehen. Vielleicht liegt der Ernst des Tons daran, dass der Holocaust an den Juden, also die Konzentrationslager, ein zu ernstes und düsteres Element sind, als dass der Autor auf einer heiteren Note weitererzählen könnte. Zumal es bei der Beutekunst nicht nur um Menschenleben und Schicksale, sondern auch um viel Geld geht.

Die Figuren in diesem Roman verhalten sich nicht immer so, wie es sich Otto Normalbürger wünscht oder wenigstens vorstellt. Der Kunstsachverständige ist ein Betrüger, der Anwalt ein Schwindler und der Beutekunstjäger ein gemeiner Dieb. Aber auch die Ermittler haben keine weiße Weste. Winifred Minor war beim FBI, verliebte sich aber in den Kunstdieb – und ließ ihn nicht nur laufen, sondern half ihm sogar. Nicht ganz das Verhalten, das sich Edgar Hoover gewünscht hätte. Der Autor scheint sein Menschenbild weiterentwickelt zu haben: Es ist multidimensionaler geworden und lässt mehr Möglichkeiten als früher zu.

_Unterm Strich_

Wie so oft fängt Spensers neuer Fall ganz einfach an, entwickelt sich dann aber rasant zu einer Angelegenheit auf Leben und Tod. Kunst killt, im wahrsten Sinne des Wortes. Während Spenser noch den Hintergrund seines Klienten prüft, ist der Gegner schon zwei Schritte weiter. Und als sich immer weitere Merkwürdigkeiten eröffnen, kristallisiert sich mit schauriger Gewissheit heraus, was der unbekannte Mörder wirklich vorhat – und dass Spenser dies unbedingt verhindern muss.

Der einzige Grund, warum ich einen Punkt abziehe, ist der langsame Mittelteil und die Kompliziertheit des Plots. Diese Wertung ist jedoch höchst subjektiv, denn für manch anderen Leser liegt wahrscheinlich genau in dieser Unvorhersehbarkeit der Reiz eines guten Krimis. Also, jedem das Seine.

|Taschenbuch: 290 Seiten
ISBN-13: 978-1849161329|
[www.quercusbooks.co.uk]http://www.quercusbooks.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Bad Business – Ein Spenser-Krimi

_Der Sex-Guru und das Kapital_

Als die Gattin einer Managers Spenser darum bittet, ihren Mann wegen Untreue zu beschatten, ahnt der Privatdetektiv noch nicht, auf welches Schlangennest aus Betrug, Sex und Mord er stoßen wird. Er braucht jede Hilfe seiner Freunde, um diesen Fall zu bewältigen …

Dieser Roman wurde noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Eine Frau tritt in Spensers Büro und beauftragt ihn damit, ihren Mann zu beschatten, weil sie glaubt, er sei ihr untreu. Spenser bittet sie, mal ihren Namen zu verraten, damit er weiß, wen er überhaupt beschatten soll. Widerwillig gibt sie dieses Staatsgeheimnis preis: Marlene Rowley. Er soll Trenton Rowley beschatten, den Finanzchef der Firma Kinergy in Waltham. Das Unternehmen handle mit Energiekapazitäten und sei sehr aufstrebend. Ach ja, noch eine Kleinigkeit: Die Bezahlung erfolge nur über ihren Anwalt. Spenser nimmt auch dies gelassen hin.

Dem Manager Trenton Rowley zu folgen, erweist sich als einfach. Nach Büroschluss um 19:00 Uhr düst der Manager nicht etwa nach Hause zu Heim und Herd, sondern in das Nobelhotel Hyatt, um dort eine Frau zu treffen, die bereits auf ihn wartet. Nach drei Stunden erscheint er wieder, mit einer Blondine am Arm. Gerade als Spenser den beiden folgen will, wird er von einem Mann angesprochen: „Folgen Sie dem Mann? Ich folge der Blondine.“

Der Typ ist ebenfalls Privatdetektiv. Elmer O’Neill wurde angeblich von Ellen Eisens Mann engagiert. Na, fein: Spenser und Elmer teilen sich die Arbeit und die Erkenntnisse. Doch das ist noch nicht alles: Als Spenser mal Marlene folgt, stößt er auf einen weiteren Detektiv. Dieser wurde ebenfalls von einem Mann engagiert. Das ist ja der reinste Ringelpietz mit Anfassen, findet Spenser. Was steckt dahinter?

Regel Nr. 1: Wenn man im Zweifel ist, sollte man alle Beteiligten befragen. Ellen Eisen ist die Erste. Ellen ist (noch?) mit Bernie Eisen verheiratet, einem Kollegen von Trenton Rowley, der ebenfalls im Vorstand arbeitet. Sie hat einen „Berater in Dingen des Herzens“ namens Darrin O’Mara dabei, den Spenser als TV- und Rundfunkratgeber kennt. Wie sich herausstellt, propagiert O’Mara die „höfische Liebe“ des Mittelalters, die nichts weiter besagt, als dass die Ehe ein Gefängnis sei, aus dem es durch andere Liebschaften auszubrechen gelte. Nur so könne man der Herzensdame seine Zuneigung zeigen. Zwar hält Spenser dies für ausgemachten Blödsinn, doch Ellen weist ihm die Tür, als er sie dafür kritisiert, daran zu glauben.

Spenser wartet abends vor dem Firmengebäude von Kinergy darauf, dass Rowley endlich Feierabend macht. Es wird später und später. Schließlich reißt ihm der Geduldsfaden und er wendet sich an den Wachmann am Eingang: Er sei Johnny Weismuller und wollte Trenton Rowley sprechen. Nach einer Weile tauchen jedoch statt des erhofften Mannes zwei Streifenwagen auf und halten Spenser erst einmal fest. Eine Ambulanz trifft ein – kein gutes Zeichen. Schließlich taucht sogar Captain Healy von der Staatspolizei von Massachusetts auf. Der alte Bekannte Spensers klärt ihn auf, was dieser Auflauf soll: Rowley wurde mit drei Einschüssen tot aufgefunden. Ein Verbrechen aus Leidenschaft?, sinnieren die beiden. Oder steckt mehr dahinter?

Als Spenser Bernie Eisen erstmals kennenlernen will, um ihn über Rowley zu befragen, begrüßt ihn erst einmal der Sicherheitschef von Kinergy, Gavin. Der führt ihn in ein karges Büro. Als sich auch Eisen dazusetzt, ist Spenser sehr vorsichtig. Allein schon die Frage, ob Rowley ein Verhältnis mit Eisens Frau habe, führt zum Abbruch des Gesprächs. Spenser muss unverrichteter Dinge zurück. Doch er kann zumindest die anderen beiden Detektive nach ihren Erkenntnissen fragen. Dabei stellt sich heraus, dass sie nicht wie angenommen, von den Ehemännern beauftragt wurden, sondern der Beschreibung nach von Sicherheitschef Gavin. Warum sollte Gavin seinen eigenen Managern nachspionieren?

Um allem die Krone aufzusetzen, macht Gavin Spenser ein fürstliches Angebot: Eine Sinekure in der tiefsten Provinz – viel Geld fürs Nichtstun. Spenser lehnt dankend ab. Dann taucht schließlich sogar der Vorstandschef Bob Cooper – „nenn mich Coop“ – auf und macht ihm ein lukratives Angebot: Sicherheitsberater bei Kinergy. Spenser lehnt wieder ab, denn er hat ja schon einen Klienten (Mrs Rowley).

Aber als auch Gavin tot aufgefunden wird – Suizid? – , ahnt Spenser, dass das nächste Opfer bei Kinergy nicht lange auf sich warten lassen wird. Es sei denn, er unternimmt schnellstens etwas dagegen. Zusammen mit Hawk, seinem besten Freund, beginnt er, den unsichtbaren Gegner aufzuscheuchen, wer auch immer es sein mag …

_Mein Eindruck_

Selten habe ich in der Reihe der Spenser-Krimis einen so spannenden, erotischen und lustigen Roman gelesen. Vordergründig scheint es um Liebeshändel zu gehen, doch in Wahrheit geht es um eine Firmenübernahme. Dreiecksgeschichten sind Standardware in Krimis, und Ermittlungen in Scheidungsfällen sind das Brot-und-Butter-Geschäft der Privatschnüffler. Allerdings entpuppen sich die Schäferstündchen als etwas anderes: Sie wurden vom Sex-Guru höchstpersönlich arrangiert! Also ist der Seitensprung gar nicht so schlimm, oder?

|Minne und dergleichen|

Als ehemaliger Literaturprofessor kennt sich der Autor natürlich auch mit den provenzalischen Troubadouren und deutschen Minnesängern aus. Die höfische Liebe, auch „Minne“ genannt, wurde im 14. Jahrhundert in Aquitanien erfunden (vgl. dazu A. Ballhaus: „Liebe und Sex im Mittelalter“, dt. bei Lübbe, 2009). Manche ihrer Vorstellungen wirken seltsamerweise bis heute nach, so etwa die Idee, dass romantische Liebe zur „edlen Dame“ bzw. „Gentleman“ genügen würde, um eine Ehe zu begründen. Über Minne und dergleichen kann Spenser nur lachen, denn seine Beziehung zu Susan ist auf etwas ganz anderes gegründet: auf sexuelle Anziehung. Ellen Eisen und Marlene Rowley scheint es an sexueller Erfüllung jedoch eindeutig zu mangeln.

|Der Liebesguru|

Immer wieder stolpert der Schnüffler über den Sex-Guru Darrin O’Mara. Dieser hält Liebesseminare ab, und Spenser lässt seinen Kumpel Hawk seine Freundin Cecile in eines dieser Seminare einschleusen. Das Ergebnis ist ganz erstaunlich und hat reichlich wenig mit höfischer Liebe zu tun. Der Herzensberater könnte sich genauso gut Zuhälter für Kinergy nennen. Und er hat einen zwielichtigen Helfer mit unbekannten Aufgaben.

|Firma mit doppeltem Boden|

Kinergy ist eine aufstrebende Firma, wie es heißt. Der Vorstandschef Bob Cooper ist ein jovialer Bursche, der sich bei jedem anbiedert. Aber Spenser lässt sich nicht einwickeln: Das ist einfach nur Geschäftsstrategie, wie sie in jeder amerikanischen Firma zum guten Ton gehört. Spenser beginnt nach dem zweiten Mord hinter die Fassade zu blicken, als sich ihm eine junge „Geschäftsentwicklerin“ anvertraut: Mit den Finanzen der Firma könnte es nicht zum Besten stehen. In wenigen Tagen könnte sie pleite sein.

Spenser ist nun aber der Letzte, der sich mit Buchhaltung auskennt. Er kennt aber wie jeder gute Amateur Leute, die die besten auf ihrem Gebiet sind. Marty Siegel ist so einer, und er findet mit Hilfe der jungen Managerin und Einwilligung von Bob Cooper heraus, was mit den Bilanzen von Kinergy nicht stimmt: Finanzchef Rowley und sein Kumpel Bernie Eisen haben einen großen Finanztrick namens Special Purpose Entity (SPE) abgezogen, der zwar ihre Börsennotierung schönte, aber dafür sorgte, dass sie sich ihre Taschen füllen konnten: Es war eine gigantische Luftblase, denn das Vermögen der Firma stand nur auf dem Papier. Von Cash keine Spur.

|Showtime|

Soweit, so schön, Aber, woher kommen denn nun die Leichen, fragt sich Spenser. SPEs bringen keine Leute um, schon gar keine Finanzchefs. Spenser greift mit seinem Kumpel Hawk auf die beste Tugend des Schnüfflers zurück: geduldig beobachten. In welchem Zusammenhang der Liebesguru Darrin O’Mara zu Bob Cooper steht, wissen sie bereits, aber was soll Darrins Heimlichtuerei mit den Damen? In klassischer Manier entdecken die beiden Beschatter die naheliegende Wahrheit und führen eine Gegenüberstellung der wichtigsten Figuren im verzwickten Spiel herbei. Denn wo es an Beweisen mangelt, müssen Geständnisse die Wahrheit ans Licht bringen.

Die Wahrheit ist jedoch derart hässlich, dass schon bald der Adrenalinpegel ins Unerträgliche steigt und es zu emotionalen Explosionen kommen muss …

_Unterm Strich_

Ich habe diesen Krimi an nur einem Abend gelesen. Er ist nicht nur spannend und actionreich, sondern auch äußerst lustig. Die Sache mit der höfischen Liebe ist von Anfang ein verdächtiges Konstrukt, dass wir sofort einen Vorwand für sexuelle Aktivitäten vermuten. Wunderbar, wie Spenser und Hawk die Wahrheit ans Licht bringen – mit einem unwahrscheinlichen Kandidaten im Rampenlicht.

Und dann noch die Sache mit den drei Detektiven, die sich gegenseitig auf die Füße treten. Herrlich! Wunderbar die Szene, wie sich Marlene Rowley im Rekordtempo besäuft und in den Geisteszustand eines Kleinkindes zurückverfällt: „Hab Pipi macht“, meldet sie schließlich stolz ihre Verrichtung. Spenser weiß nicht, ob er lachen oder weinen soll. (In dem „Jesse Stone“-Krimi „Death in Paradise“, der längst nicht so lustig ist, gibt es eine ähnliche Szene mit einem Schriftsteller: Sein Kopf fällt ins Essen. Unterschwellig warnt der Autor seine Leser mehrfach vor den Gefahren der Alkoholsucht.)

Von großem Sachverstand zeugen die Kapitel, die der Autor dem Finanztrick der Special Purpose Entitys (SPEs) widmet. Spenser bedingt sich aus, was auch wir wünschen würden: Übervereinfachung. Tatsächlich erklärt der „weltbeste Wirtschaftsprüfer“ Marty Siegel diese komplexe Sache mit Worten, die jeder verstehen kann. Und wie schon in „Widow’s Walk“ wird aus einer unscheinbaren Finanzinstitution bzw. -abteilung ein Monster, das ohne Weiteres sein Scherflein zum Börsencrash von 2008 beigetragen haben könnte. Und zwar völlig legal.

Natürlich darf in einem „Spenser“-Krimi die Action nicht zu kurz kommen. Doch darüber darf hier nichts verraten werden. Alles in allem ein perfekter Beitrag zur „Spenser“-Reihe.

|Taschenbuch: 310 Seiten
ISBN-13: 978-0399151453|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Ludlum, Robert – Das Osterman-Wochenende

_Mittelmäßiger und überholter Cold War Thriller_

Als John Tanner vom CIA darüber informiert wird, dass seine drei besten Freunde Tremayne, Osterman und Cardone Mitglieder einer vom KGB gesteuerten Spionageorganisation seien, gerät sein Leben aus den Fugen, Alles erscheint im Zwielicht. Im bevorstehenden Treffen am Wochenende, wenn die Ostermans aus L.A. nach New Jersey kommen, soll Tanner als der Agent der CIA fungieren. Und als wäre dies nicht genug, macht die CIA seine drei Freunde durch gezielte Kontakte hypernervös. Es wird diesmal ein sehr explosives Wochenende …

_Der Autor_

Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurden in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe von Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären „Bourne“-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

1) „Die Bourne-Identität“
2) „Das Bourne-Imperium“
3) „Das Bourne-Ultimatum“
4) [„Das Bourne-Vermächtnis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5355 (von Eric Lustbader)
5) [„Der Bourne-Betrug“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5537 (von Eric Lustbader)
6) [„Das Bourne-Attentat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6125 (von Eric Lustbader, 2008)
7) „Die Bourne-Intrige“ (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2009)
8) „The Bourne Objective“ (von Eric Lustbader, Veröffentlichung 2010)

Weitere Reihen: „Der Matarese-Bund“ (zwei Bände); die „Covert ONE“-Reihe (von Ko-Autoren verfasst, die auf unveröffentlichtes Material Ludlums zurückgreifen; bislang sieben Bände, davon wurde „Der Hades-Faktor“ 2006 mit Anjelica Huston, Mira Sorvino, Colm Meaney & Stephen Dorff verfilmt).

_Handlung_

|Sonntagnachmittag|

In Saddle Valley, einem verschlafenen Villenvorort in New Jersey, 25 km von Manhattan entfernt, verläuft die Zeit am Sonntagnachmittag träge. Aber vier Familien registrieren die verstärkte Präsenz von Streifenwagen der Cops. Manche der Familienväter machen sich Gedanken:

1) Richard Tremayne, der Anwalt für Firmenübernahmen, lebt in einem Haifischbecken;
2) Joe Cardione, vormals Cardione, ist Investmentmakler für italienische „Freunde“, die Kontakte zur Unterwelt haben;
3) John Tanner, Nachrichtenchef des Senders Standard Mutual, der seiner Konkurrenz meilenweit voraus ist.

Sie alle freuen sich auf das kommende Wochenende, wenn die Ostermans, Bernie und Leila, aus L.A. einfliegen und sie alle mit ihren Familien eine Party feiern werden.

|Montag|

Unter einem fadenscheinigen Vorwand, der ihm gleich als merkwürdig auffällt, fordert die FCC, die Bundesnachrichtenkommission für die Senderkontrolle, John Tanner auf, drei Schriftstücke vorzulegen – und zwar dalli, noch heute. Oder man entzieht ihm die Sendelizenz. Wütend fliegt Tanner in die Bundeshauptstadt.

Doch statt des erwarteten FCC-Beamten empfängt ihn in leeren Büros ein Agent der Central Intelligence Agency. Dieser Laurence Fassett hat die Rückendeckung des Weißen Hauses. Und er ist fair genug, Tanner die Wahl zu lassen, ob er die Informationen, die ihm jetzt gebe, glauben wolle oder nicht. Es gibt drei Stufen der Offenlegung, die dritte ist unterschriftspflichtig und mit persönlicher Haftung verbunden.

Was Tanner zu hören bekommt, ist unfassbar: Ein Netzwerk von Agenten, die vom KGB gesteuert werden, soll binnen vier Wochen losschlagen, um in einer Welle von Erpressungen die Wirtschaft des Landes in die Knie zu zwingen. Das Netzwerk namens „Omega“ bestehe in Saddle Valley aus den beiden Nachbarn Tanners, Tremayne und Cardone sowie aus den beiden Ostermans. Diese Namen erfährt Tanner erst auf Stufe drei – ein Zurückgehen zu Unschuld und Unwissenheit ist nicht mehr möglich.

Fassett bittet Tanner, als Agent der CIA am kommenden Zusammentreffen der Omega-Organisation teilzunehmen: dem alljährlich stattfindenden Osterman-Wochenende. Aus Angst um seine Familie, aber auch um seine Existenz bei seiner Firma sagt Tanner zu, weniger also, weil er ein Patriot wäre. Dafür ist sein Unglaube noch zu groß. Fassett warnt ihn vor, dass die drei Omega-Leute durch Anrufe und andere Kontakte vor Tanner gewarnt würden, beruhigt ihn aber zugleich, dass Tanner und seine Familie völlig außer Gefahr seien. Nur 50 Meter entfernt seien CIA-Agenten in Bereitschaft: eben jene auffälligen Streifenpolizisten vom Vortag. Mit wackligen Beinen kehrt Tanner zu seiner Familie zurück.

|Dienstag bis Freitag|

Tremayne, Osterman und Cardone erhalten die angekündigten Botschaften, die sie vor Tanner warnen. Aber was hat Tanner vor? Was weiß er? Weiß er von der Sache mit Zurich?

|Mittwoch|

Tanner findet seine Familie nicht zu Hause vor. Statt dessen hängt ein unangenehmer Geruch nach Gas in seiner Garage. Wo können sie nur sein? Nach einer hektischen Suche im Hause rast er los, denn er will nicht mehr auf Fassetts Hilfe zählen. Als er Alice und seine zwei Kinder an einem verlassenen Bahnhof wiederfindet, erwachen sie gerade aus ihrer Betäubung.

Was soll diese Botschaft bedeuten und wer hat sie gesendet? Je mehr Tanner darüber nachdenkt, desto mehr zweifelt er an Fassett und der Kompetenz von dessen Leuten. Denn dieser Übergriff auf seine Familie, hätten diese auf jeden Fall verhindern müssen. Doch Fassett hat andere Sorgen: Einer seiner Männer wurde erschossen. Omega muss Tanner bereits ganz nah sein …

_Mein Eindruck_

Wie auch in den „Jason Bourne“-Thrillern ist der Agent bzw. der Komplize des Spions immer auch ein Schauspieler. Und mit diesem Metier kennt sich der Autor bestens aus. John Tanner ist ein solcher Agentenkomplize, und er spielt seine Akteursrolle recht gut. Allerdings hat er seine Probleme, besonders wenn er mit Alice spricht, seiner Frau und engsten Vertrauten. Aber er hat keine Probleme zu lügen, wenn er mit Cardone, Tremayne und Osterman bzw. deren Frauen spricht.

Tanners neues Doppelleben wird allerdings auf mehrere harte Proben gestellt, und das macht die Spannung dieses Romans aus. Zuerst die Entführung und Betäubung seiner Familie, dann Fassetts ermordeter Kollege, schließlich der tote und geköpfte Hund in Tanners eigenem Badezimmer – da können einem schon die Nerven durchgehen. Aber das ist noch gar nichts, als sich die Tanners und Ostermans in seinem Keller verschanzen müssen, um einen Feuerüberfall zu überstehen!

Immer wieder wird Tanners Haus beschossen, es gibt Attacken auf der Straße – wo ist Fassetts Truppe, wenn man sie braucht?! Doch da liegt eben der Hund begraben. Kann Tanner Fassett wirklich trauen? Als er im CIA-Hauptquartier anruft, weiß man dort nichts von einem Fassett, der für sie arbeiten soll. Hat Fassett Tanner hinters Licht geführt und ist in Wahrheit etwas ganz anderes? Und kann Tanner dem lokalen Polizeichef trauen, von dem Fassetts Mann Jenkins behauptet, er sei nicht in die Omega-Sache eingewiesen?

Wie üblich ist der Held umstellt von zwielichtigen Figuren, auf deren Loyalität er sich nur bedingt verlassen kann – sie könnten alle ebenso schauspielern wie er selbst. Natürlich nicht die eigene Frau oder die eigenen Kinder, aber der Rest. Und dieser Rest ist verdammt groß: Es wird keine weiteren Osterman-Wochenenden mehr geben. Denn nun herrscht ringsum Omega.

|Die Übersetzung|

Heinz Nagel hat diesen Roman ins Deutsche übertragen. Der Text ist leicht verständlich und die deutschen Entsprechungen erscheinen mir durchaus korrekt. Allerdings ging man in den siebziger Jahren bei der Eindeutschung wesentlich weiter als heutzutage, sodass sich weniger ursprünglich englische Bezeichnungen und Namen finden.

Die Druckfehler, die sich seinerzeit in vielen Heyne-Taschenbüchern fanden, sind auch hier zu finden, und nicht zu knapp, aber sie stören den Lesefluss nicht.

_Unterm Strich_

Ich brauchte mehrere Tage für diesen Thriller, der für Ludlum-Verhältnisse recht kurz ist. Allein schon das Setting, das in einem Nobelvorort angesiedelt ist, macht es schwer, sich mit den Figuren zu identifizieren. Dies sind keine Durchschnittsbürger mit Durchschnittssorgen, sondern die wirtschaftliche und bewusstseinsbildende Elite der Vereinigten Staaten. Und nun kommt Omega daher und will sie untergraben, um die USA vom Thron zu stürzen.

Wir befinden uns also wieder mitten im Kalten Krieg, und Omega ist ebenso gesichtslos oder austauschbar wie die Protagonisten. Deshalb erinnert der Plot so sehr an die „Jason Bourne“-Thriller: Es ist eine Schattenwelt, in der jede Identität unsicher ist. Wohl dem also, der der beste und am besten täuschende Schauspieler unter Schauspielern ist. Wird Tanner, der aufrechte Nachrichtenmann, den Test bestehen? Na, und ob, denn sein Job ist es, den Lügen grundsätzlich zu misstrauen und Alternativen in Betracht zu ziehen, die zunächst undenkbar erscheinen.

Leider hat Tanner ein Handicap: Er ist weder ein Mann der Waffe noch der Action. Das macht ihn für heutige Ludlum-Leser wenig geeignet, die so etwas wie einen Prototypen von Jason Bourne erwarten. Selbst im Keller, als er mit seinen Lieben belagert wird, steht ihm keine Feuerwaffe zur Verfügung – heutzutage ein unwahrscheinliches Charakteristikum, denn die Amis sind bis an die Zähne bewaffnet. Tanners Stärke ist das Nachdenken und Kombinieren. Das ist zwar letzten Endes erfolgreich, allerdings wenig unterhaltsam. Dementsprechend zäh kann sich die Lektüre gestalten.

|Taschenbuch: 316 Seiten
Originaltitel: The Osterman Weekend (1972)
Aus dem US-Englischen von Heinz Nagel
ISBN-13: 978-3453012653|

_Robert Ludlum bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Paris-Option“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1068
[„Die Ambler-Warnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3493

Parker, Robert B. – Hundred-Dollar Baby – Ein Spenser-Krimi

_Die Hure als Manager: April Kyles Traum und Ende_

April Kyle, vor 20 Jahren ein Schützling Spensers, bittet den Privatdetektiv erneut um Hilfe. Sie habe in Boston ein Nobelbordell aufgemacht und nun versuche jemand, sie aus dem Geschäft zu drängen, mit brutalen Methoden. Nachdem er ihr Schutz zur Verfügung gestellt hat, kommt Spenser die ganze Sache etwas merkwürdig vor. Er beginnt, in New York City Nachforschungen anzustellen und wird schon bald bei zwielichtigen Gestalten fündig …

Einfallsreicher deutscher Titel: „Hundert Dollar Baby“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Vor zwanzig Jahren war April Kyle eine 15-jährige Hure, die Spenser unter seine Fittiche nahm und in New York bei der Puffmutter Mrs Utley zurückließ (in „Taming a Sea-Horse / Wer zähmt April Kyle?“, 1986). Nun steht sie wieder vor ihm, eine elegante Erscheinung und erotisch bis zum Gehtnichtmehr. Deshalb fällt es ihr leicht, den erbetenen Schutz von ihm zu erhalten. Jemand versuche, sie abzuzocken und um ihren Anteil vom Verdienst ihres Nobelbordells zu bringen. Zwei Kerle hätten bereits die Kunden vertrieben.

Spenser bekommt von den nächsten beiden Störenfrieden schnell heraus, dass ein Typ namens Ollie DeMars sie geschickt hat. Dieser Boss von ein paar Schlägertypen will aber nicht sagen, wer ihm den Auftrag dafür gegeben hat. Wenigstens sorgen Spensers Kumpel Hawk und Tedy Sap (siehe „Potshot“) dafür, dass April nicht mehr belästigt wird. Sie behauptet, ihr Bordell sei die Dependance von Mrs. Utley, doch als Spenser dort anruft, erfährt er, dass Aprils Laden kaum etwas abwirft; die Kosten seien einfach zu hoch. Wieso wird sie also trotzdem belästigt und was erwartet sich der Hintermann davon? Etwas ist hier oberfaul.

Nachdem April nichts dazu sagen will und Spenser seinen Schutz abgezogen hat, schnüffelt er mal in New York herum. Von Mrs. Utley, Aprils früherer Chefin, erhält er eine Liste von Aprils Stammkunden. Ein gewisser Lionel Farnsworth fällt ihm auf. Und Detective Eugene Coretti (aus „Small Vices“) erzählt ihm über diesen Typen, dass er 1998 im Allenwood-Gefängnis einsaß, wegen Betrug. Und wer hätte das gedacht? Auch Ollie DeMars saß dort zur gleichen Zeit ein. Steckt also Farnsworth hinter den Übergriffen?

Doch es steckt noch viel mehr dahinter, denn bislang hat Spenser nur an der Oberfläche gekratzt …

_Mein Eindruck_

„Hundred Dollar Baby“ ist der letzte Band der „April Kyle“-Trilogie in Parkers Werk und wohl auch der traurigste. Den zweiten Band mit dem Titel „Taming a Sea-Horse“ von 1986 habe ich soeben gelesen und war sehr davon angetan. Doch welchen Titel der erste Band trägt, muss ich erst noch herausfinden. Ein guter Kandidat ist „Ceremony“ von 1982, das den vielsagenden deutschen Titel „Einen Dollar für die Unschuld“ trägt. (Diese Vermutung hat sich inzwischen bestätigt.)

April ist so etwas wie Spensers Adoptivtochter und keinesfalls seine Gegelegenheitshure. Mit Susan Silverman ist er bereits in festen Händen und setzt diese Beziehung niemals auf Spiel. Er musste die Entführte ja selbst einmal „In „A Catskill Eagle“ unter Lebensgefahr befreien. Wenn jetzt also in „Hundred Dolalr Baby“ die reife Frau Appril Kyle ihm gegenüber ihre Macht als Frau auszuspielen versucht (ähnlich wie Jesse Stones Exfrau Jenn), dann beißt sie auf Granit. Und diese Zurückweisung nimmt sie nicht gnädig auf. Dummerweise fragt sie ausgerechnet Spensers besten Freund Hawk, ob er Spenser für sie umlegen würde. Die Frau hat Nerven.

April hat sich selbständig gemacht und will mit einem Typen, von dem sie glaubt, dass er sie liebe, eine rein weiblich geführte Bordellkette aufziehen. Ähnliches hatte ja schon Perry Lehman in „Taming a Sea-Horse“ demonstriert. Leider entpuppt sich Lionel Farnham als ein windiger Bursche, der sie lieber um ihr Geld erleichtert, als sie zu unterstützen. In einem letzten Versuch, ihren Lebenstraum zu retten, wendet sich April an den Mob, das organisierte Verbrechen. Damit hat sie sich selbst verraten, wie Spenser findet.

Spenser bemüht sich aus Menschenliebe weiterhin, April vor dem Abrutschen in die Klauen der Mafia zu retten, doch sie legt genau diese Liebe als Egoismus aus: Spenser Präsenz schade ihr nur, klagt sie ihn an. Aber das ist eben ihr Problem: Wenn sie sich auf die Seite der Illegalität stellt und dann auch noch mit der Mafia einlässt, kann sie nicht mit Spensers Zustimmung und Unterstützung rechnen. Er braucht gar nichts weiter zu tun, als mal mit der New Yorker Mafia ein paar Takte Tacheles zu reden, um dafür zu sorgen, dass man April Kyle und ihren Macker mit kritischen Augen betrachtet. Schließlich geht es um Investitionen. April wird ausgebootet.

Nicht einmal Spenser hätte sich die schlimmen Folgen dieser Wendung der Ereignisse auszumalen gewagt. Und den Leser trifft die Konsequenz, die April zieht, noch viel unerwarteter und härter. Es ist von tragischer Ironie, dass eine Prostituierte ihr Leben selbst bestimmen und selbständige Unternehmerin werden will. Doch die Mittel, um diesen Lebenstraum zu verwirklichen, holt sie sich bei Männern, die sie sofort ausnutzen. Es ist diese seltsame Zwiespältigkeit, die Spenser am meisten zu schaffen macht. Zum Glück hat er in Dr. Susan Silverman eine tiefblickende Psychlogin, die ihm diesen Widerspruch erklären kann. Für April kommt jede Hilfe zu spät.

_Unterm Strich_

Dieser letzte Teil der „April Kyle“-Trilogie war mir ein wenig zu relaxt im Mittelteil, um wirklich spannend zu bleiben. Aber das erste und das letzte Drittel entschädigten mich durch spannende Konfrontationen, etwas Action und die finale Konfrontation mit Mafia und April Kyle. Der Kitt, der die Handlung zusammenhält, ist ein typisches Rätsel, das es zu lösen gilt: Was hat April wirklich mit ihrer Bordellkette vor, wer sind die wahren Angreifer und mit wem lässt sich ihr Lover, dieser windige Lionel Wer-auch-immer, ein?

Der Mittelteil besteht zwar auf realistische Weise aus Überwachung, dem bekannten Stake-out-Motiv, aber da rein gar nichts passiert außer sarkastischen Dialogen, ist das nicht sonderlich befriedigend. Es hilft wahrscheinlich, dass der Leser bereits die beiden ersten Teile kennt und dadurch ein menschliches Interesse an der ausgebeuteten Hure April Kyle auf- bzw. mitbringt.

Aber wer diesen Vorteil nicht hat, tut sich etwas schwerer mit der Langsamkeit des Plots. So erging es jedenfalls mir. Vielleicht hätte der Autor auch mal das Milieu wechseln sollen, statt immer nur die Prostitution zu beackern – selbst wenn diese sich binnen 20 Jahren ganz erheblich verändert hat. „Taming a Sea-Horse / Wer zähmt April Kyle?“ (siehe meinen Bericht dazu) ist, wie ich finde, das spannendere und lustigere Buch von den beiden.

|Taschenbuch: 308 Seiten
ISBN-13: 978-0425217559|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Taming a Sea-Horse – Ein Spenser-Krimi

_Der Sklavenhandel und die Macht des Schnüfflers_

Privatdetektiv Spenser sucht eine junge Prostituierte namens April Kyle. Doch kaum hat er sie in New York City gefunden, verschwindet sie bereits wieder spurlos. Ihr Zuhälter hat Angst davor, mit Spenser gesehen zu werden und weist Spuren eines Kampfes auf. Mit wem? Und eine von dessen Huren, mit der Spenser einen Tag lang verbracht hat, wird ermordet aufgefunden. Nachdem alle Stricke gerissen sind, bleibt Spenser nichts anderes übrig, als die Spur dieser jungen Frau aufzunehmen, in Portland, Maine …

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet: „Wer zähmt April Kyle?“ Dieser Titel ist völlig irreführend, denn bis auf zwei kurze Szenen spielt April Kyle für die Handlung überhaupt keine Rolle.

Der Originaltitel geht auf ein Gedicht des Engländers Robert Browning zurück. Man darf nicht vergessen, dass der Autor mehrere Jahre Dozent für Amerikanische Literatur war. Allenthalben tauchen auch in diesem Roman literarische Referenzen auf, so etwa zu Nathaniel Hawthorne, einem frühen Pionier der Schauerliteratur.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat April Kyle wie eine Tochter aufgezogen, nachdem er die junge Prostituierte in einem früheren Fall aufgelesen und zur New Yorker Puffmutter Patricia Utley gebracht hat. Diese nahm das verwahrloste Straßenmädchen unter ihre Fittiche und machte fast eine Lady aus ihr, natürlich ebenfalls im Puff. Jetzt ruft Mrs Utley Spenser an: April habe ihr Haus verlassen und sich einem Edelnuttenring namens Tiger Lillies angeschlossen. Aber warum?

Sobald er April endlich ausfindig gemacht hat, lädt Spenser April zum Essen ein. Sie hat sich in einen Kerl namens Robert Rambaux verliebt, der Musik studiere. Doch als Spenser den schwarzen Stutzer in Augenschein nimmt, schreit alles an dem Typ: Zuhälter! Die Andeutung, dass Rambaux kein geeigneter Umgang für sie sei, lässt April aufspringen und abhauen. Und ihr Zuhälter warnt Spenser mit einem Rasiermesser, sich von ihr fernzuhalten. Ist das die feinsinnige Art eines Musikstudenten?

Er beobachtet Rambaux und stellt fest, dass der Kerl einen ganzen Stall voller Huren laufen hat, und April hat er lediglich an ein edleres Etablissement vermittelt. Die dort verbrauchten Huren, so erklärt es Mrs Utley, nimmt er dann wieder zurück und schickt sie auf den Straßenstrich. Spenser gabelt eines der Mädchen auf; sie nennt sich Ginger. Nachdem er sich einen Tag lang um sie gekümmert hat – gegen Bares natürlich – bricht sie zusammen und erzählt ihm, wer sie wirklich ist: die zwei Jahre lang von ihrem Vater missbrauchte Tochter von Vern Buckey, dem „härtesten Kerl in Lindell, Maine“. Der Kerl habe sie an ein Bordel in Portland, Maine, verhökert. Spenser gibt ihr Geld und sie geht wieder.

Doch jemand hat Ramaux gedroht, nachdem Spenser auftauchte. Rambauxs Visage wurde poliert und er hat schreckliche Angst, mit dem Detektiv zusammen gesehen zu werden, während er ihn mit einer Pistole zu Gehen zwingt. Unverrichteter Dinge kehrt Spenser heim, nicht ihne Mrs Utley eine Rechnung zu schicken. Nach einem Wiedersehen mit seiner Freundin Dr. Susan Silverman taucht der Polizist Frank Belson auf: Ein Anruf von Detective Corsetti aus New York City – Ginger wurde ermordet aufgefunden, mit Spenser Visitenkarte in der Jacke. Das tut Spenser wirklich leid.

Die einzige gangbare Spur führt nach Lindel und Portland, Maine, zu Gingers Vater und dem Bordell, an das er seine Tochter verkauft haben soll. Doch Vern Buckey wurde von ihr nicht ohne Grund der „härteste Kerl von Lindell“ genannt. Allein schon die Absicht, die er gegenüber einer Frau dort äußert, Buckey treffen zu wollen, löst einen Lachanfall samt Raucherhusten aus. Vern Buckey mag es nicht, wenn man nach ihm fragt. Und er macht jeden platt, der ihm blöd kommt. Somit hat sich Spenser für eine Runde Catchen qualifiziert. Dennoch tritt er Vern Buckey unter die Augen. Und die ganze Stadt wartet draußen vor der Bowling-Halle, ob es Spenser wieder lebend herausschafft …

_Mein Eindruck_

Spenser folgt der Spur Ginger Buckeys. Sie führt ihn mit Hilfe verschiedenster Auskünfte bis zum Betreiber einer Kette von Nobelbordellen, die dem Yuppie sein Selbstwertgefühl aufmöbeln sollen. Sogar die Leibwächter von Perry Lehman sind Schwarze, sein Marketing macht natürlich eine Frau. Auch hier hat Ginger gearbeitet, um sich das Trinkgeld ihrer Freier zu verdienen.

Doch wer sind die Leute, die Perry Lehman das Geld geben, um seine Kette zu expandieren? Diese Leute stecken wahrscheinlich hinter dem verschwinden April Kyles und dem Mobbing von Richard Rambaux. Als Spenser den Leiter des Hurengewerbes in Boston, Tony Marcus, fragt, sagt dieser nur, dass es Leute sind, mit denen er sich nicht anlegen kann. Also muss es wohl der Mob sein, das organisierte Verbrechen.

Wenn aber der Mob bei Perry Lehman abkassiert, wer wäscht dann dieses illegale Geld? Nach einem kurzen Abstecher in die Karibik (zu einem weiteren Crown Prince Klub) und ein paar Druck machenden Aktionen gegen Lehman erfährt Spenser endlich den Namen und die Position: es ist natürlich ein Banker. Und kein unwichtiger: Seine Bank ist die Nr. 18 in den Vereinigten Staaten.

Und so schließt sich der Kreis. Die Ausbeutung junger Frauen wird vom organisierten Verbrechen in großem Maßstab betrieben. Diese Erkenntnis verwundert nicht gerade, denn der Mob hatte seine Finger schon immer in der Prostitution drin. Was aber der eigentliche Schock ist, findet Spenser am Schluss heraus: Ein angeblich wohlanständiger Banker mit weißer Weste finanziert diese Ausbeutung durch Geldwäsche.

Und er wird wahrscheinlich nicht nur vom Mob gestützt, sondern auch von „Freunden“ mit dem richtigen politischen Einfluss. Dass der Banker obendrein „gewisse Bedürfnisse“ mit jungen Frauen wie Ginger Buckey befriedigt hat, dürfte ebenfalls nicht verwundern. Eine Hand wäscht die andere. Die Verlierer sind die Frauen, die „weißen Sklaven“ Amerikas. (Was nicht heißt, dass es nicht auch Asiatinnen usw. in diesem Gewerbe gibt.)

Wie so oft führt also allein Spensers zudringliche Schnüffelei dazu, einen wichtigen Mann im Hintergrund bloßstellen zu können. Dass Spenser zusammen mit Hawk einige Einschüchterungsversuche und womöglich auch einen Anschlag abwehren muss, versteht sich von selbst. Diese Männer bzw. ihre Besitzer haben ihre Verteidigungslinien. Es ist wie im Schach (das Spenser nicht beherrscht): Wer an den König herankommen will, muss erst die Bauern, dann die Springer und Türme überwinden.

Und wenn es dann endlich zu einem „Schach dem König!“ gekommen ist, kann Spenser verhandeln. Quid pro quo. Er bekomt April Kyle, wenn er den Banker laufen lässt und seinen Namen nicht bei Polizei und Presse an die große Glocke hängt. Das ist ein gewichtiges Argument für die Vertreter des Mob, die ihren „König“ beschützen. Den Mörder von Ginger Buckey bekommt er nicht, denn der ist bereits liquidiert – als Warnung an alle anderen.

Aber dass April nach drei Jahren Sexarbeit zu Spenser zurückkehren kann, ist kein geringer Lohn. Sie hat Furchtbares durchgemacht. Auch zwanzig Jahre danach, in „Hundred Dollar Baby“, ist sie ihm noch dankbar – bis zu einem gewissen Grad. „Taming a Sea-Horse“ und „Hundred Dollar Baby“ sind die Bände 2 und 3 der April-Kyle-Trilogie. Wie der erste Band heißt, muss ich erst noch herausfinden.

_Unterm Strich_

In seiner unnachahmlich lässigen Art löst Spenser auch diesen kniffligen Fall. Der Erzzählstil ist eindeutig an Raymond Chandler orientiert, den der Autor durch einen „Philip Marlowe“-Krimi und eine Vervollständigung einer „Chandler“-Vorlage bereits auf bemerkenswerte Weise geehrt hat. Spenser ist ein aufrechter Kerl, genau wie Marlowe, und er hat ein Herz für die Underdogs, ganz besonders für Frauen. Da er April Kyle schon einmal gerettet hat (ich finde noch heraus, in welchem Roman), liegt ihm ihr Schicksal am Herzen.

Aber die Mühe, sie vor dem physischen Tod oder wenigstens vor dem seelischen Exitus zu bewahren, führt Spenser erneut auf Konfrontationskurs mit jenen Dunkelmännern, die die Ausbeutung von Frauen durch Prostitution und Pornos als Geschäft betreiben. Das Besondere an diesem Fall: Die junge Ginger Buckey, eine Schicksalsgenossin Aprils, wurde von ihrem Vater missbraucht und dann in die „weiße Sklaverei“ verkauft – gegen einen sogenannten „Finderlohn“, der natürlich nicht steuerbelastet ist.

Der Menschen verachtende Zynismus dieses Geschäfts reicht über sämtliche Ebenen der männlichen Hierarchie bis – und das ist die zweite Besonderheit – hinauf auf Bankenebene. Es wäre ja auch ein kleines Wudner, wenn eine Bank nicht an diesem Riesengeschäft, der Menschen aussaugt und wieder ausspuckt, mitverdienen würde, nämlich durch Geldwäsche und „persönliche Gefälligkeiten“ (dreimal darf man raten, was damit gemeint ist).

Dass sich Spenser mit dem Mob, dem organisierten Verbrechen, anlegt, hat er nur seinen beiden Freunden Hawk, der mit Artillerie aufkreuzt, und Susan Silverman, die ihn mit wertvollen Einsichten aufmuntert, zu verdanken. Diese beiden Figuren (und etliche weitere) machen die „Spenser“-Krimis so einzigartig: Intelligenz, Humor, Kraft, jede Menge Erotik und psychologische Einsicht.

Aber um seinen Leserkreis auszuweiten, erfand Parker mit Sunny Randall eine weibliche Variante und mit Polizeichef Jesse Stone einen Mann für Fälle auf dem Land und für die ganze Familie. Jede der drei Hauptfiguren hat eine eigene Geschichte, die ihr Profil verleiht. Jesse Stone spricht mich am meisten an, denn er ist mit Abstand die komplexeste Figur dieses Trios. Und seine Verfilmungen sind zudem die besten.

|Taschenbuch: 313 Seiten
ISBN-13: 978-0440188414
[Verlagshomepage]http://bantam-dell.atrandom.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836

Parker, Robert B. – Gunman\’s Rhapsody

_Tombstone: eine Innenansicht der Legende Wyatt Earp_

Dieser Western über historisch verbürgte Ereignisse in den 1880er Jahren in Tombstone, Arizona, schildert den entscheidenden Abschnitt im Leben der legendären Hauptfigur Wyatt Earp. Die Krise gipfelt unter anderem in der berühmten und vielfach verfilmten Schießerei am O.K. Corral. Doch nur durch einen erzählerischen Kniff verstehen wir auch, wie es dazu kommen konnte. Schuld war (wie schon in Troja) der Streit um eine Frau …

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Wyatt Earp hat die Schnauze voll vom Büffelabknallen. Er mag das Schießen und er mag das Leben in den Camps der Büffeljäger von Kansas, aber der Gestank des in der Sonne verrottenden Fleisches der Kadaver vertreibt selbst die Huren. Also verkauft er sein Büffelgewehr und zieht weiter nach Dodge City. Als Sheriff vertreibt er so manchen Revolverhelden und erblickt Josie Marcus, eine Tänzerin in einer Vaudeville-Show. Leider ist sie am gleichen Abend weitergezogen.

|Tombstone, Arizona|

Doch 1879 hat auch Dodge seinen Reiz verloren, und so zieht er mit seiner Freundin Mattie, einer Exhure und seinen Brüdern Virgil, Morgan und James nach Tombstone, Arizona. Die Silberminen bringen jede Menge Geld in den Ort, und Virgil kann hier als Deputy Marshall arbeiten. Während der kriegsversehrte James als Barmann arbeitet, geht der streitsüchtige Morgan seinen Brüdern Wyatt und Virgil zur Hand. Ihr Bruder Warren ist noch woanders zugange.

Eines Tages kommt es im Saloon zu einem Zwischenfall mit Folgen. Die drei Earps sitzen gerade friedlich an ihrem Kartentisch, als ein Gunman namens John Tyler Streit mit Doc (John Henry) Holliday anfängt. Doc Holliday ist sofort mit einer Kanone bei der Hand und will Tyler zwingen sich zu entschuldigen. Die Earp-Brüder sorgen für eine Beilegung des Streits, doch Tyler schwört Vergeltung.

|John Tyler|

Im Juli bietet der Besitzer des Oriental-Saloons, Frank Joyce, Wyatt um seine Dienste. Dafür bietet er ihm einen Viertelanteil an seinem Haus. Ein nettes Angebot, aber es gibt einen Haken: Wyatt soll John Tyler, dessen Hintermänner den Saloon feindlich übernehmen wollen, ausschalten. Aber wie? Das dürfte sich schon irgendwie ergeben. Da die Earp-Brüder in allen Dingen zusammenhalten wie Pech und Schwefel, macht sich Wyatt wenig Sorgen über den Ausgang der Sache.

Als John Tyler in der flirrenden Augusthitze materialisiert, begibt er sich in de Oriental Saloon, um Ärger zu machen. Wyatt schaut aus der Ecke, wie es beginnt: ruhig wie immer, aber er läst seine Brüder holen. Als Tyler Anstalten macht, einen Minenarbeiter nur zum Spaß abzuknallen, machen Wyatt und Virgil ihn fertig und werfen ihn raus, nach einer ernsthaften Warnung. Tyler taucht nie wieder auf.

|Behan und Josie|

Im Laufe der Zeit erwerben sich die Earp-Brüder den Ruf, für Ordnung in der Stadt zu sorgen. Als der bisherige Marshall Fred White von einem Cowboy erschossen wird und der Landkreis aufgeteilt wird, bekommt Johnny Behan den Posten des Sheriffs von Cochise County. Tombstone wird Kreisstadt. Doch Johnny ist ein Demokrat, wohingegen die Earps alle Republikaner sind. Wyatt bleibt also auf Abstand und neutral, wenn Behan ihn um Beistand bittet.

Das Wichtigste an Behan aber ist dessen Verlobte: Josie Marcus. Die ehemalige Hure und Tänzerin ist nun eine ehrbare Gattin und noch dazu Erbin eines reichen Vaters in San Francisco, eine gute Partie. Und Wyatt hat sich schon in Dodge City für sie interessiert. Jetzt beeindruckt er sie mit seiner ruhigen, potenziell gefährlichen Art. Sie sucht das Abenteuer, und Behan ist alles andere als Abenteuer. Es dauert eine Weile, bis sich Wyatt, der ja noch bei Mattie wohnt, und Josie, die noch bei Behan lebt, zusammentun können.

|Die Clantons & Co.: Der Anfang vom Ende|

Johnny Behan, der Sheriff und stets der Politiker, vertraut sich Wyatt an. Er hat die feste Absicht, die gutverdienenden Rancher, die mit Mexiko glänzende Geschäfte halbseidener Art machen, zur Steuerkasse zu bitten. Wyatt erklärt ihm ruhig wie immer, von wem Ärger droht: Da sind die McLaurys, mit denen man wenigstens vernünftig reden kann, und da sind die Clantons, die wesentlich härter drauf sind. Man müsste denen schon etwas anbieten, bevor man ihnen Steuern aufbrummt. Behan sagt, er wolle mit den Leuten reden. Wyatt schaut ihm skeptisch nach.

Zunächst gibt es einen folgenreichen Zwischenfall: Die Postkutsche wird überfallen. Auf der Suche nach den Schuldigen jagen Sheriff Behan, die Earp-Brüder, Doc Holliday und andere den Tätern hinterher, bis sie zur Ranch der Redfields gelangen. Durch einen Trick gelingt es ihnen, einen Komplizen der Räuber zum Reden zu bringen: Sie erfahren die Namen der Täter. Die drei sind aber wahrscheinlich bereits in New Mexico. Hoffnungslos. Während Behan noch ein Woche nach ihnen sucht, nutzt Wyatt die günstige Gelegenheit und geht mit Josie endlich ins Bett – ein Wendepunkt in seinem Leben. Er will sie auf keinen Fall mehr verlassen. Und als Behan zurückkehrt, weist ihm Josie die Tür. Das gibt Ärger, wissen alle.

Behan streut böse Gerüchte über die Earps und Doc Holliday: Sie hätten die Kutsche überfallen. Um dem ein Ende zu setzen, will Wyatt die Räuber schnappen. Dazu muss er sie erstmal finden. Da die Räuber Freunde von Ike Clanton sind, schließt er einen Deal mit Ike: Die Räuber kriegt er und Ike die Belohnung, die Wells Fargo ausgesetzt hat. Obwohl Ike kein gutes Gefühl dabei hat, aber Wyatt nicht durchschaut, lässt er sich wegen des Geldes darauf ein. Doch als er Ärger im Saloon macht und einen anderen Cowboy herausfordert, macht der neue Marshal, Virgil Earp, ihn vor aller Augen fertig. Das wird Ike nie vergessen.

Im Verlauf des heißen Wüstensommers hören die Earps ständig, dass Johnny Behan sich mit den Cowboys, den Clantons und McLaurys verbündet habe. Ganz besonders, nachdem Behan vergeblich versuchte, Doc Holliday wegen des Postkutschenüberfalls zu verhaften. Inzwischen hassen Behan und die Cowboys die Earps, die Gesetzeshüter. Josie hat Wyatt schon immer gesagt, dass Behan sich ihm nicht direkt gegenüberstellen werde, sondern hinten rum agitiert – eben ein Politiker.

Eine Auseinandersetzung erscheint zunehmend unvermeidbarer …

_Mein Eindruck_

Für einen Western im Groschenromanformat ist dies ein recht ungewöhnlich erzählter Western. Louis L’Amour ist der unangefochtene Topverdiener in diesem Markt und hat Maßstäbe gesetzt. Seine männlichen Hauptfiguren sind harte Kerle, die ein ebenso hartes Schicksal zu ertragen haben, um in einem harten Land zu überleben, das erobert sein will. Die Romane sind entsprechend schmal, die Charakterisierung meist dürftig, aber die Action grandios.

Aber auf Wyatt Earp trifft dies alles nicht zu. Und darum ist Parkers Western (dem noch vier weitere folgen sollten) ungewöhnlich. Denn die Geschichte von Wyatt Earp ist ebenso eine psychologische Studie wie eine Liebesgeschichte – und eine Chronik der Ära.

Der Autor geht nicht etwa her und erklärt alle vorhergehenden Porträts dieser historischen Figur für null und nichtig. Das wäre ja auch vermessen. Nein, vielmehr entwirft er die Figur des Wyatt Earp von Grund auf neu. Notwendigerweise muss er dazu auch sowohl die Bühne als auch sämtliche Nebenfiguren von Grund auf neu erfinden.

Die Handlung hingegen ist bereits größtenteils vorgegeben: Alle Taten sind niedergeschrieben worden und in den Chroniken jener Zeit (Zeitungen, Magazine usw.) nachzulesen. Doch wie sind alle diese Taten miteinander verknüpft und worin lag die Motivation der Figuren, um so und nicht anders zu handeln? An dieser Stelle kann sich die Kreativität des Künstlers entfalten, solange sie den Fakten nicht widerspricht. Von dieser Freiheit macht Parker so weit wie möglich Gebrauch.

Mehrere Faktoren führen zur ersten großen Konfrontation, der Schießerei am O.K. Corral. (Davor gab es nur Duelle und Scharmützel.) Die Schießerei ist deshalb so wichtig, weil sie ein großes Opfer fordert: Virgil Earp wird angeschossen, sodass er einen Arm verliert und nicht mehr als Marshal arbeiten kann. Wenig später wird Morgan Earp ermordet. Für Wyatt und seine zwei verbleidenden Brüder James und Warren Anlass genug, um die Mörder zu jagen.

Die zwei Hauptfaktoren sind folgende: Johnny Behan verliert seine Frau Josie an Wyatt Earp. Da er kein Mann des Duells und der Tat, sondern des Wortes ist, befleißigt er sich aller Mittel eines Politikers, um sich dafür zu rächen. Nicht nur an Wyatt, sondern auch an Morgan, der ihn einmal aus Josies Haus wirft. Das Mittel zum Zweck der Rache sind die Cowboys, Faktor Nummer 2.

Die Cowboys, allen voran die Clantons und die McLaurys, sind Diebe und Betrüger reinsten Wassers. Sie nutzen die Nähe der Grenze zu Mexiko systematisch für Viehdiebstahl und -betrug. Wenn ihnen also Sheriff Behan Vergünstigungen in Form von Haftverschonung verspricht, hören sie zu. Und wenn sie zuhören, erzählt er ihnen Lügengeschichten über die Earps, die die Silberstadt Tombstone beherrschen und die Coywboys schikanieren. Kein Wunder, dass es dann zum großen Knall kommt.

Es dauert lange, bis die Dinge endgültig aus dem Ruder laufen. Viel zu lange für so manchen eingefleischten Western-Leser, aber ich bin da nicht so festgelegt. Und wir erfahren nie, wann an welchem Tag oder in welchem Jahr etwas stattfindet. Das ist auch für die Geschichte selbst nicht so wichtig. Parker kann bei seinen amerikanischen Lesern die Details sowieso als bekannt voraussetzen.

Wichtig sind für den Autor die Figuren, allen voran Wyatt, der fast alle Szenen bestreitet, und Josie, die gestohlene Frau. Wyatt entspricht dem Standard des parkerschen Helden: In sich gekehrt, scharfsichtig, moralisch empfindlich, auf das Wohl seiner Brüder und der Wehrlosen bedacht, aber stets bereits, mit der Waffe in der Hand das „Richtige“ zu tun. Was ist das „Richtige“? Darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Er findet es nicht richtig, Sheriff Behan auf der Straße abzuknallen, aber es ist OK für ihn, den unbewaffneten Mörder seines Bruders Morgan über den Haufen zu schießen.

Josie stellt ihm immer wieder Fragen, die uns das Innenleben Wyatts enthüllen, wenn er sie freimütig beantwortet. Hier geht es nicht um die Rechtfertigung oder Verurteilung seiner Taten, sondern um unvoreingenommene Erklärung. Es ist fast wie Psychoanalyse (womit sich Parker bestens auskennt, siehe seine Krimis). Josie hat allerdings wenig Einfluss darauf, wozu sich Deputy Marshal Wyatt entschließt, wenn es ums Handeln geht. Aber sie weiß, dass sie besser seiner Bitte folgt, sich nach Frisco abzusetzen, wenn in Tombstone das Pflaster zu heiß wird.

Eine Überraschung bietet das letzte Drittel des Romans – immerhin rund 90 Seiten – NACH der Schießerei am O.K. Corral: Nachdem Morgan tot ist und Virgil schwer verwundet, macht sich Wyatt auf die jahrelange Jagd nach den Mördern. Es ist wie eine Ermittlung à la Spenser. Wyatt sucht Anhaltspunkte, sammelt Aussagen und begibt sich zu Schnittpunkte von Hinweislinien: Unweigerlich trifft er die Gesuchten an. Und das nicht nur einmal.

Sheriff Johnny Behan ist ihm mit seinen Cowboys auf den Fersen, um den Rachefeldzug zu stoppen, trifft aber auf unerwarteten, passiven Widerstand von Seiten der Freunde der Earps. Dies ist purer Western: die Landschaft (Wüste, Berge), die Männer (Rächer und Verfolger) und das sich entfaltende Drama. Das ist genug. Für einen Roman, aber auch für Legenden.

|Die Chroniken|

Eine weitere ungewöhnliche Zutat zu diesem Western sind die eingefügten Chroniken. Auf zwei bis vier Seiten findet der Leser Ausschnitte aus Zeitungen und Annalen, über Ereignisse wie Baseballspiele Theateraufführungen, aber auch Anzeigen aller Art, so etwa ein Waffenangebot und die Suche nach einer entlaufenen früheren Sklavin. Eine einzige Notiz ist mit dem Jahr datiert: 1883.

Das Fehlen der Jahresangaben fand ich wenig hilfreich, denn es beeinträchtigt die Glaubwürdigkeit der jeweiligen Angabe. Wenn aber alle Angaben aus dem Jahr 1883 stammen, so ist das Weglassen der Jahresangabe akzeptabel. Davon kann man aber nicht automatisch ausgehen.

|Der Epilog|

Dies ist nicht mehr Teil der Erzählung. Vielmehr hat der Autor hier alle Sterbedaten und Todesursachen der wichtigsten Figuren aufgelistet. Es freut uns zu erfahren, dass Wyatt noch bis zum Jahr 1929, dem Großen Börsenkrach, lebte; er wurde 80 Jahre alt. Seine Josie starb erst 1944. Die letzte Zeugin der Ereignisse in Tombstone, Allie, die Frau von Virgil Earp, starb sogar erst am 17. November 1947, kurz vor ihrem 100. Geburtstag. Johnny Behan, Josies Gatte, starb 1912 in Tucson. Tombstone wird heute nur noch von Touristen besucht. Die Silberminen sind längst leergeräumt.

_Unterm Strich_

Einer der großen Vorteile dieses historischen Westerns à la Parker ist das Fehlen aller Legenden-Beweihräucherung. Wir bekommen den nackten Menschen Wyatt Earp vorgesetzt, nicht nur im Kampf wie gewöhnlich, sondern vielfach im Bett neben Josie, die ihn einer Art milder Psychoanalyse unterzieht, um ihren Geliebten besser kennenzulernen – zu unserem Vorteil.

Für denjenigen Leser, der die Schießerei am O.K. Corral haarklein erklärt bekommen will, ist dies das falsche Buch. Der Roman erfüllt seine Aufgabe darin, die Menschen zu erklären und nicht, die Zahnräder der „Historie“ sichtbar zu machen. Das Leben ist ein Fluss, mit Stromschnellen und Untiefen. Niemand der Akteure ist sich seiner Historizität bewusst, keiner handelt wie eine historische Figur, sondern wie ein ganz normaler Mensch. Mit allen Fehlern, Schwächen und Vorlieben.

Dieses Buch ist also kein Ersatz für „Spiel mir das Lied vom Tod“ in der Moll-Tonart. Doch es ist viele Dinge: eine Chronik der Ära, die Geschichte der Familie Earp (sie stammt aus Iowa oder Illinois), eine Sittengeschichte (Prostitution usw.); eine zarte und herzerwärmende, stellenweise auch humorvolle Liebesgeschichte, und natürlich auch eine ganze Reihe von Actionszenen, von kleinen Duellen bis hin zu großen Schießereien. Da aber keinerlei Militär auftaucht (und auch keine Indianer), bleibt jede Auseinandersetzung in überschaubaren Dimensionen – keine Schlachtengemälde. Und es ist eine psychologische Geschichte der Politik: Johnny Behan mag ja „nur“ ein Sheriff sein, aber könnte es durchaus zum Gouverneur bringen. Aber das ist eine andere geschichte.

Das Buch zu lesen, bedeutet, einen Blick durch ein Fenster in eine völlig andersartige Zeit zu werfen. Wir können den Figuren in die Seele schauen, aber wir sind uns immer dessen bewusst, dass es ein Fenster gibt und dass jemand dieses Fenster gebaut und geöffnet hat. Der Autor belügt uns nicht: Es ist sein Fenster und seine Perspektive und es sind seine Figuren. Es ist an uns, dies stets zu bedenken.

|Taschenbuch: 316 Seiten
ISBN-13: 978-0425182895|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Chasing the Bear – A Young Spenser Novel

_Der junge Mörder? Die Abenteuer des jungen Spenser_

Woher kam Spenser und wie wurde er zu dem Privatdetektiv, den wir kennen und den Susan Silverman liebt? Hier erzählt sein Schöpfer diese Geschichte und ein einschneidendes Erlebnis: Wie der 14-jährige Spenser seine Freundin Jeannie vor ihrem betrunkenen Vater Luke rettete? Aber warum tat er das?

Dieser Roman wurde noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat seine Mutter bei seiner Geburt verloren und wird deshalb von seinem Vater (der natürlich ebenfalls Spenser heißt) und seinen beiden Onkeln Patrick und Cash (den Brüdern seiner Mutter) aufgezogen. Das einzige weibliche Wesen im Haus ist Pearl, die kluge Vorstehhündin. Sie leben im Westen, wo er am ländlichsten ist. Das bedeutet, Spenser lernt bald, wie man Vögel jagt und mit Waffen umgeht.

Außerdem trainieren die drei Männer mit ihm Boxen, denn er soll sich auch mal selbst zur Wehr setzen können. Sie können ihn nicht immer wie ein kleines Kind herauspauken, wenn er mal in Schwierigkeiten steckt. Der Sheriff hat schließlich noch was anderes zu tun, als zusammengeschlagene Männer wieder aufzuwecken …

Und alle drei lesen ihm nach dem Zubettgehen aus der westlichen Weltliteratur vor. Dabei unterscheiden sie nicht zwischen gut und schlecht. Und so kommt es, dass Spenser später stets ein passendes literarisches Zitat auf der Zunge hat. Für wen auch immer.

|Rahmenhandlung|

Der erwachsene Spenser sitzt mit dem Mädchen seiner Träume im Park von Boston. Susan Silvermann, die schöne Psychiaterin, möchte gerne wissen, wie er geworden ist, wer er heute ist. Er antwortet mit seiner Lebensgeschichte und mit der Erzählung von einem seiner einschneidendsten Erlebnisse.

|Jeannie Haden und der Fluss|

Die Schulfreundin Jeannie hat ihm erzählt, wie schlimm ihr Vater Luke Haden ist. Er ist nicht nur die meiste Zeit besoffen und wird dann gewalttätig, sondern er hat auch noch überall am Mississippi kleine Hütten und Verschläge auf fremdem Land errichtet. Verstecke. Dorthin nimmt er gewisse Frauen mit. Vielleicht versteckt er dort auch wirklich etwas, etwa Schmuggelgut oder gewildertes Fleisch. Jeannie weiß es nicht. Nur dass es dort stets dreckig ist und stinkt. Sie fragt sich, wie es ihre Mutter bloß mit so einem Kerl aushält. Und was dieser mit ihr, Jeannie, tun wird …

Eines Tages ist Spenser mit Pearl in der Hafenstadt, als er Jeannie im Wagen ihres Vaters sitzen sieht: Sie ruft lautlos „Hilfe!“ Klar, dass er ihr folgt. Erst mit dem Müllwagen, dann mit einem der Ruderboote am Ufer. Pearl begleitet ihn. Bis zu einer Insel im Fluss, die sie am Abend erreichen. Der Gesuchte ist dabei, sich zu betrinken. Haden entdeckt ihn allerdings sofort und fragt, was Spenser hier will. Der Junge reißt sich los und schleicht sich nachts von der anderen Seite der Insel an. Diesmal gelingt Jeannies Befreiung. Zusammen lassen sie sich den breiten Fluss hinuntertreiben.

Als Spenser am nächsten Morgen an einer Brücke den Warnhinweis auf Wasserfälle entdeckt, kommt ihm ein brillanter Einfall. Er bringt Jeannie unter der Brücke vor dem Regen in Sicherheit und macht sich auf den Weg. Er demontiert das Warnschild und wartet auf das Motorboot Luke Hadens. Wie erwartet, wird Haden nicht vor den Wasserfällen gewarnt – 20 Meilen von der Heimat entfernt scheint er den Fluss nicht zu kennen – und stürzt den Abgrund hinab, um zu ertrinken.

Das hat er jetzt von seiner Heldentat: Jeannie will seine einzige Freundin sein. Und irgendwie fühlt er sich eines Mordes schuldig. Was soll er bloß tun? Vielleicht wissen seine drei Väter einen guten Rat …

_Mein Eindruck_

Neben diesem einschneidenden und lehrreichen Abenteuer sowie der Begegnung mit einem Schwarzbären erlebt Spenser noch einiges andere. Aber er ist beileibe kein Huckleberry Finn, der sich mit Geistern, Indianern und Schwarzen herumtreibt. Vielmehr möchte der Autor mit dieser Erzählung etwas ganz anderes aussagen, als nur die Unterhaltung von Jugendlichen zu fördern. Spenser erzählt dies alles ja seiner Lebensgefährtin Susan, eine Psychologin, und die hat ein tiefes Verständnis für Menschen. Aber als Frau möchte sie auch gewisse Dinge erfahren, die Spenser über sie denkt. So wird aus dem Ganzen eine spannende, aber auch recht unterschiedliche Mischung.

|Haden: Das Urteil der Moral|

Die oben wiedergegebene Episode lehrt den jungen Spenser zwei Dinge: nämlich erstens, was Recht und Unrecht ist. Gar nicht so leicht zu beantworten. Er fühlt sich immerhin eines Mordes schuldig. Eine Antwort muss unbedingt her. Das Gesetz, verkörpert durch Sheriff Cecil, besagt, dass Spenser den Tod von Luke Haden nicht verursacht hat, also unschuldig ist. Die Moral sagt ihm jedoch, dass er mitschuldig sei. Es war richtig, Luke Haden umkommen zu lassen, um so Jeannie vor ihm zu schützen. Aber war es auch richtig, Haden irrezuführen und seinen Tod in Kauf zu nehmen? Alle sagen ihm, es war okay, also muss es wohl okay sein.

Merke: Was richtig und falsch ist, muss keineswegs mit dem Gesetz übereinstimmen. Diese Erkenntnis hat weitreichende Folgen. So etwa weigert sich Spenser, im „Rassenstreit“ zwischen „Amerikanern“ und „Anglo-Mexikanern“ eine Seite zu bevorzugen. Er entscheidet sich nur ganz individuell für den Schutz von Aurelio, einem „Mexikaner“ (der allerdings hier aufwuchs und noch nie in Mexiko war).

Für seine Neutralität muss Spenser einen Preis bezahlen: Er wird zwar vor einer finalen Schlacht seitens der „Mexikaner“ gewarnt, aber später von den „Arglos dafür zur Rechenschaft gezogen, dass er sie nicht unterstützte. Zwölf gegen einen? Das erscheint ihm nicht fair, aber ist bereit, mit dem Anführer Leo Roemer einen Faustkampf auszutragen. Als Jeannie Spensers drei „Väter“ holt und diese für Fairness sorgen, kann der Kampf beginnen. Im Handumdrehen hat Spenser den zwei oder drei Jahre älteren Leo K.O. geschlagen. Fortan ist Spensers Neutralität gesichert.

|Jeannie: Das Urteil der Liebe|

Jeannie ist die zweite Folge aus dem Flussabenteuer. Sie will zunächst unbedingt seine Freundin sein. Aber Spenser hat diese Vorstellung (vielleicht aus der „Weltliteratur“), dass er auf die Eine warten sollte. Als er Jeannie sagt, dass sie nicht die ewige Flamme seines Herzens sei, weint sie ersdt einmal kräftig, findet sich aber damit ab und bleibt eine Freundin – wie man an ihrer Unterstützung gegen Leo Roemer ablesen kann.

Aber woher weiß dann Spenser, wenn er die Eine endlich gefunden hat, will Susan Silverman neugierig (und neckisch) wissen. Die Parallele zur Erkenntnis, was richtig und was falsch ist, bietet sich an. Die Wahrheit steckt im Empfinden des Einzelnen und ist nicht verallgemeinerbar, etwa als Gesetz oder Regel. Die Antwort lautet: Spenser fand seine Eine, als er Susan zum ersten Mal begegnete. Woher er das wusste? Er wusste es einfach. Dummerweise war sie mit dem falschen Mann verheiratet. Aber das ist eine andere Geschichte.

_Unterm Strich_

Dieses Buch wurde offensichtlich für Fans von Parkers berühmtem Privatdetektiv Spenser geschrieben. Aber man braucht Spenser, den Erwachsenen, nicht zu kennen, um Spenser, den Jungen interessant finden zu können. Spenser junior erinnert ein wenig an „Huckleberry Finn“, so etwa beim Flussabenteuer, aber die Figuren sind weitaus weniger bizarr als bei Mark Twain.

Dennoch ist die obige Episode ebenso spannend durch ihre Action, wie Spensers Umgang mit den Frauen, etwa Jeannie und ihrer Mutter, sinnlich und prickelnd ist. In beiden Fällen muss Spenser jr. sich auf sein eigenes Urteils- und Handlungsvermögen verlassen. Die drei „Väter“ spielen keine Rolle, nur ihre Lehren. Und deren Gültigkeit wird stets auf die Probe gestellt.

Die dritte Episode betrifft die Auseinandersetzung zwischen Anglos und „Mexikaner“ (Spics, wie in „West Side Story“). Spenser soll sich entscheiden, welche Seite im Recht ist und sich dafür entscheiden. Da er jedoch vielfach gelernt hat, dass Regeln nur individuell gelten und nur im Kontext, erklärt er sich für neutral – und schützt einen Mexikanerjungen.

Ich habe dieses Büchlein, das in einer großen Schrifttype gedruckt ist, in nur wenigen Stunden gelesen. Für Jungs hält es einige Actionszenen bereit, für Leser jeden Alters etliche lehren über Urteilsvermögen in kniffligen Situationen. Wer will, kann mit Schülern darüber diskutieren, ob sich Spenser des Mordes an Luke Haden schuldig gemacht hat oder nicht.

|Taschenbuch: 170 Seiten
ISBN-13: 978-0425187067|
[www.penguin.co.uk]http://www.penguin.co.uk

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Melancholy Baby – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Von Lieblingsvätern und Rabenmüttern_

Privatdetektivin Sunny Randall soll die leiblichen Eltern von Sarah Markham suchen. Ihre von Sarah so genannten Adoptiveltern behaupten zwar, die biologischen Eltern zu sein, erbringen aber keinerlei Beweis dafür. Alle drei lügen, ist sich Sunny sicher und macht sich auf die Suche nach Antworten. Unterdessen begibt sie sich in die Therapie bei Dr. Susan Silverman und stößt auf einige beunruhigende Antworten auf ihre eigene emotionale Misere: Wieso kann sie nicht von ihrem geschiedenen Mann Richie lassen?

Eine deutsche Übersetzung liegt noch nicht vor.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) _“Melancholy Baby“_
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Sunny geht es so richtig dreckig – und keiner hat Verständnis dafür. Ihr geschiedener Mann Richie hat endlich geheiratet: Kathryn. Doch Sunny, die kein Anrecht mehr auf ihn hat, kann einfach nicht von ihm lassen und schiebt deshalb den Blues. Einziger Trost für ihr gebrochenes Herz ist ihre Hündin Rosie. Es kommt sie daher hart an, wenn sie Rosie in die Obhut von Richie und seiner neuen Frau geben muss. Am liebsten würde sie Kathryn umbringen. Nur Spike hat Verständnis für sie, rät ihr aber dringend zu einer Therapie. Auf diese Weise lernt sie Dr. Susan Silverman kennen, die jedem Parker-Leser aus den „Spenser“-Krimis bestens vertraut ist: schön und intelligent – und wie Sunny findet, ungewöhnlich scharfsichtig …

Eine Anwältin bittet sie, sich um den Fall Sarah Markham zu kümmern. Die Studentin Sarah behauptet nämlich, ihre angeblich leiblichen Eltern seien nur ihre Adoptiveltern. Sie unterscheide sich in ihrem Aussehen ganz erheblich von ihnen. Und da Sarah von ihrem Großvater ein Treuhandvermögen erhalten hat, kann sie auch Sunny bezahlen. Leider ist Sarah nicht nur ein Kotzbrocken, sondern auch noch eine Lügnerin. Sunny muss ihr jeden Namen von früheren Schulfreunden einzeln aus der Nase ziehen. Und ihre „Eltern“ sind ebenfalls Lügner: Was sie als Einkommensquelle angeben, ist ebenso Unsinn wie eine frühere Stelle des Vaters in Chicago. Oder doch nicht?

Sunny recherchiert in der Nähe von Chicago, um herauszufinden, was George Markham anno 1982 hier gearbeitet hat. Tatsächlich war er von 1979 bis 1984 Radiojockey in Moline – und ein Schürzenjäger. Seine Frau hatte kein Kind namens Sarah und war auch nicht schwanger. Woher stammt also Sarah? Mit diesen Infos und Fragen konfrontiert, leugnet George alles: Er sei nie in Moline gewesen.

Sarah sucht Sunny auf: Zwei Männer haben sie im Studentenwohnheim zusammengeschlagen, ein Anwalt und ein Schläger. Sie soll die Ermittlung stoppen und Ruhe geben. Sunny nimmt sie bei sich auf. Sie stellt sie unter Bewachung, als sie sich im Naturschutzgebiet mit den beiden Typen trifft. Die haben die Aufgabe, sie zum Einstellen der Ermittlung zu bewegen. Zum Glück kann Sunny sie mit Spikes Hilfe dazu „überreden“, alles auszuplaudern, was sie über ihre Auftraggeber wissen.

Dieser Auftraggeber scheint ein Anwalt in New York City zu sein. Ike Rosen verweist sie wiederum an Peter Franklin, einen charmanten Anwalt, der Leute aus der Unterhaltungsindustrie vertritt. Eine seiner Mandantinnen ist Lolly Drake, die angeblich zusammen mit George Markham in Moline zusammengearbeitet hatte. Sunny bittet Peter, ihr einen Termin bei Lolly Drake, der Talkkshow-Moderatorin, zu verschaffen.

Zwei Tage nachdem George Markham berichtet hat, er werde den DNS-Test machen, wird er erschossen aufgefunden. Brian Kelly, Sunnys früherer Lover, arbeitet jetzt in der Mordkommission und ruft sie an. Zusammen fahren sie zu Mrs. Markham. Diese beschuldigt Sarah und Sunny des Mordes, was natürlich Blödsinn ist. Auch Sarah, zu der sie als Nächstes fahren, hat einen DNS-Test machen lassen. Das Labor sagt, die beiden proben stimmten nicht überein. Sarah ist am Boden zerstört: Wenn George nicht ihr Vater war und Mrs. Markham nicht ihre Mutter, wer ist sie dann überhaupt?

Sunny ist entschlossen, dies herauszufinden.

_Mein Eindruck_

Sunny Randall entwickelt sich zusehends mehr selbst zu einer Psychotherapeutin. Von Dr. Susan Silverman, Spensers Freundin, übernimmt sie sogar gewisse Manierismen, wie etwa das leichte Neigen des Kopfes, um Interesse anzuzeigen, oder das leichte Nicken und angedeutete Lächeln. Diese Technik benötigt Sunny auch, um die harten Schalen der drei Markhams zu knacken.

Interessant ist auch die Entwicklung von Sarah Markham von einer drogenabhängigen und auf ständig Selbstbefriedigung durch Sex fixierte Studentin – hin zu einer selbständig und verantwortungsbewusst handelnden Frau. Diese erstaunliche Entwicklung wird allein durch Sunnys beispielgebendes Vorbild möglich gemacht. (Das war ja schon in „Family Honor“ so.) Deshalb ist es für Sunny auch so wichtig, sich selbst von den eigenen Macken zu befreien.

Die zentrale Figur dabei ist ihr Vater. Im Vorgängerband „Shrink Rap“ erfuhr Sunny, dass sie auf einen autoritären Männertyp fixiert ist, bei dem sie Halt und Schutz findet. „Ödipal oder was auch immer“, denkt Sunny und sagt dies Dr. Silverman auch. Aber wird Sunnys Liebe für ihren eigenen Vater auch erwidert? Das gilt es ebenso herauszufinden, wie Daddys Beziehung zu Sunnys Mutter zu qualifizieren.

Sunny denkt, er könne Em nicht lieben, weil diese immer so unqualifizierten Mist daherreden. Doch Sunny findet zu ihrem Erstauen heraus, dass Daddy Mom nicht nur geduldet hat, sondern sie vielmehr sogar immer noch liebt! Das ist vor dem Hintergrund, dass alle drei Randall-Frauen um die Liebe Phil Randalls wettstreiten und buhlen, sehr wichtig. Und wer weiß, wohin dies im nächsten Band „Blue Screen“ führen wird?! Sunny sonnt sich jedenfalls in Daddys Lob, sie sei ein „exzellente Detektivin“.

Und dann ist da natürlich immer Richie. Ihr Exmann hat wieder geheiratet – was kann es Schrecklicheres geben? Nun steht er nicht mehr zur Verfügung, höchstens für seine Vaterpflichten gegenüber der gemeinsamen Hündin Rosie. (Hinweis: In Parkers Romanen werden Haustiere niemals als „es“ abqualifziert, sondern sind Teil der Familie und somit Kinder mit Daddy und Mommy.) Sunny kommt es unglaublich vor, als Richie zugibt, dass er sie immer noch liebe. Aber er kann zwei Frauen zugleich lieben. Ist das nicht höchst sonderbar, denkt Sunny.

|Der Fall|

Sunnys neuester Fall erkundet weder Feminismus noch Straßenstrich, auch nicht den Missbrauch von Frauen durch Psychiater. Vielmehr geht es um die Definition moderner Eltern-Kind-Verhältnisse. Die Markhams erscheinen Sunny als eine sehr gestörte Familie. Recht hat sie, denn Mr und Mrs Markham erweisen sich als nicht-leibliche Eltern Sarahs. Dennoch lässt Sarah, ihre „Tochter“, ihren Daddy immer noch als ihren Vater gelten, denn er hat sie so geliebt, wie ein Vater seine Tochter lieben sollte.

Die Frage lautet natürlich, wer Sarahs wahre Eltern sind und wer sie und Sunny daran hindern will, dies herauszufinden. Bei ihren Ermittlungen in New York City stößt Sunny wiederholt auf den Namen „Lolly Drake“. Die bundesweit bekannte Talkshow-Masterin vertritt die traditionellen Werte der Vereinigten Staaten, die im „American Dream“ zusammengefasst sind: Elternliebe, keine Abtreibung, Unterstützung von Ambitionen und Zielen besonders bei jungen Menschen, Karriere, Familie, usw. Alles Werte, die in den achtziger Jahren in der Bewegung der Moral Majority propagiert wurden – mit verheerenden Folgen: Ihre Protagonisten wie Jerry Falwell desavouierten sich selbst durch außereheliche Affären. Die Saubermänner nutzten ihre Sonderstellung in den Medien aus.

Was ist also wirklich dran an Lolly Drake, fragt sich Sunny und bohrt weiter. Dabei tut sie sich mit dem uns aus dem „Spenser“-Krimi „Small Vices“ bestens bekannten Detective Sergeant Eugene Corsetti zusammen. Dieser muskelbepackte kleinwüchsige Dampfhammer macht Lolly Drake und ihre Mischpoke richtig Feuer unterm Hintern. Als dann auch noch gewisse Fotos aus Lollys Jugendtagen auftauchen, muss die Talkshow-Masterin Farbe bekennen: Ist sie Sarahs leibliche Mutter oder nicht? Und warum hat sie ihr Kind im Stich gelassen, diese Rabenmutter?

_Unterm Strich_

Dieser vierte Fall Sunny Randalls ist durchaus spannend und wird auch übersichtlich erzählt, denn es gibt in regelmäßigen Abständen immer wieder Resümees. Auch die Akteure haben mir gut gefallen, allen voran Spike und DS Eugene Corsetti sowie Susan Silverman, die die Sphinx und Beichmutter spielt. Aber dennoch wurde ich leicht enttäuscht. Denn schon auf halber Strecke ist recht deutlich auszumachen, worauf der Fall hinauslaufen wird. Dass Lolly Drake in jungen Jahren ein uneheliches Kind bekam und es irgendwie loswerden musste, wollte sie ihre gerade abhebende Karriere nicht massiv beeinträchtigen. Also wurde sie zur Rabenmutter.

Für die Qualität der Geschichte erweist sich jedoch diese Vorhersehbarkeit als nicht so schädlich, wie man erwarten sollte. Denn die Story ist lediglich der Aufhänger für ein viel grundlegenderes Thema. Es geht um die Fragestellung: Was ist der ideale Elternteil? Lolly ist sicher nicht die ideale Mutter, und Mrs. Markham erst recht nicht. Aber Sarah lässt Mister Markham durchaus als Daddy gelten, und auch Sunny muss die Frage entscheiden, ob ihr Daddy sie wirklich liebt und ihre Mutter sie womöglich hasst. Auch für sie ist Daddy der ideale Vater, ohne jedoch ödipale Konflikte auszulösen. Aber warum kann Sunny dann Richie zwar lieben, aber nicht mit ihm zusammenleben?

Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass weibliche Diskussionsrunden diese für jede weibliche Existenz grundlegenden Fragen erörtern könnten. Und nicht nur das. Allein schon die Beschäftigung mit diesen Fragen veranlasst jeden Leser dazu, es wie Susan Silverman zu machen und nach den Gründen für die eigenen Einstellungen zu suchen: Warum lebe ich als Single, warum bin ich alleinerziehend, weshalb rufe ich meine Eltern nie an, wieso gehe ich nie unter Menschen usw.

Und wir könnten Susan Silvermans Arbeit übernehmen und uns fragen, warum Sunnys Lieblingsphantasie einen sie beschützenden Mann an einem wärmenden Lagerfeuer beinhaltet, sich diese heimelige Szene aber in einer Landschaft abspielt, die in tiefstem Winter liegt. Warum gerade „tiefster Winter“, hm?

|Taschenbuch: 292 Seiten
ISBN-13: 978-0425204214|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Blue Screen – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Filmgeschäft und Zuhälterei – was ist der Unterschied?_

Die Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall erhält den Auftrag, eine Filmschauspielerin zu beschützen. Erin Flint ist eine Athletin, die demnächst in einem Film über eine Baseballspielerin auftreten soll. Ihr Produzent und Freund Buddy möchte mit ihr sein eigenes Baseballteam promoten. Als jedoch die persönliche Assistentin von Erin Flint mit gebrochenem Genick in der Turnhalle aufgefunden wird, ist klar, dass sie ermordet wurde. Erin glaubt, die Frau sei mit ihr verwechselt worden und beauftragt ihrerseits Sunny damit, den Mörder zu finden und unschädlich zu machen.

Dieser Roman wurde meines Wissens nach bislang noch nicht übersetzt.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) „Melancholy Baby“
5) _“Blue Screen“_
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Sunny Randall fährt nach Paradise, Massachusetts, und von dort auf Stiles Island, den Reichenvorort, der schon mehrfach in Parkers Romanen als Schauplatz diente. Sie besucht den Filmproduzenten Buddy Bollen, der ihr wie ein fetter Junge mit hirnamputiertem Kichern erscheint. Dessen Neubau sieht aus wie der Mont Saint Michel, wird aber viel schwerer bewacht: Überall sieht Sunny Security-Leute herumstehen. Buddy gibt ihr den Auftrag, auf seine Freundin Erin aufzupassen. Erin Flint, wissen Sie? Weiß Sunny nicht. Buddy zeigt ihr einen unsäglichen Streifen namens „Woman Warrior“, in dem die athletische Erin Flint als Amazone im Bikini durch die Pampa streicht.

Die Person Erin Flint allerdings stellt sich als arrogantes Arschloch heraus, als sie Sunny in deren Wohnung besucht. Und sie hasst Hunde, was bei Sunny ebenfalls nicht gut ankommt. Aber Geschäft ist schließlich Geschäft. Buddy hat große Pläne mit seiner Freundin („Leibeigene“ wäre der passendere Ausdruck, so wie er sie behandelt): Erin soll im nächsten Film eine weibliche Baseballspielerin verkörpern. Der Film wiederum soll sein eigenes Baseballteam, die Connecticut Nutmegs (nutmeg = Muskatnuss), promoten – und umgekehrt.

Dass mit Erins Vergangenheit etwas nicht stimmen kann, merkt Sunny schon bald. Erins persönliche Assistentin Misty Tyler erzählt, sie habe Erin schon gekannt, BEVOR diese nach L.A. kam und dort Buddy kennenlernte. Erin wiederum gibt an, sie habe Misty erst NACH dem Treffen mit Buddy kennengelernt und engagiert. Das spielt eine Rolle, als Misty Tyler mit gebrochenem Genick tot aufgefunden wird. Sie trainierte wie Erin in der Turnhalle von Buddys Prachtbau. Ein Unfall scheint ausgeschlossen. Der Paradise-Polizeichef Jesse Stone weist Sunny auf die Druckstellen an den Seiten von Mistys Kopf hin: Es war höchstwahrscheinlich Mord.

Erin Flint ist aufgebracht, denn sie hat offenbar Angst. Sie sagt, Misty sei mit ihr verwechselt worden. Eigentlich sollte sie getötet werden. Sie beauftragt Sunny mit der Aufklärung des Mordes. Nun spielt Buddys Auftrag, Erin zu schützen, keine Rolle mehr. Und Erins Bezahlung ist ebenso gut wie seine.

Sunny macht sich an die Arbeit, Hand in Hand mit Jesse Stone, den sie zunehmend eindrucksvoller und sympathischer findet. Denn nachdem sie weiß, dass ihr Ex Richie ein Baby erwartet, ahnt sie, dass sie ihn nicht zurückbekommen wird. Wozu also über verschüttete Milch jammern? Sie verliebt sich in Jesse. Und zusammen bringen sie die Ermittlung richtig in Schwung ,,,

_Mein Eindruck_

Ich befürchtete, dieser Fall könnte sich wie der Fall jener Schauspielerin im „Spenser“-Krimi „Stardust“ (siehe meinen Bericht) entwickeln, aber das ist zum Glück nicht der Fall. Natürlich bleibt es nicht aus, dass Erin Flints und Misty Tylers wahre Identität aufgedeckt wird: Die beiden sind Schwestern und waren zusammen in Los Angeles die Prostituierten des Zuhälters Gerard Basgall, der mittlerweile in einem feudalen Anwesen in Bel Air lebt. Damals hießen die beiden Mädchen aus der Provinz noch Boverini. Als Sunny Erin damit konfrontiert, erleidet diese erst einmal einen Nervenzusammenbruch.

So weit, so schön. Aber der Fall birgt noch viel mehr Dynamit. Denn wozu müsste sich Buddy Bollen mit einer kleinen Armee Leibwächter schützen? Nein, Sunny und Jesse bohren tiefer und stoßen auf die Anfänge von Bollens kleinem Firmenimperium, als er noch auf fremdes Geld aus dubiosen Quellen angewiesen war. Manche dieser „Quellen“ liegen mittlerweile unter der Erde, meist mit einem zusätzlichen Loch im Kopf. Andere hingegen sind immer noch höchst aktiv und machen Buddy das Leben schwer. War Mistys Tod am Ende nur eine „Warnung“ dieses Geldgebers an Buddy, endlich mit der Kohle rüberzukommen?

Aber warum hat dann gerade Erin solche Angst? Nachdem sie endlich gesprächig gemacht worden ist und Sunny ihr Vertrauen gewonnen hat, fällt ein wenig Licht in das Geflecht zwischen der West- und der Ostküste, wo Buddy tätig ist. Zu Sunnys Verwunderung ist Erin immer noch in ihren Zuhälter Gerard verliebt. Sie hätte es nicht für möglich gehalten. Dafür hasst Erin ihren „Freund“ Buddy in zunehmendem Maße, denn dieser verlange im Bett schweinische Sachen, die sogar der Nutte Erin zuwider sind.

Nun müssen Sunny und Jesse zusammen mit der Polizei von L.A. und der irischen Mafia in Boston, die Sunny bestens vertraut ist, Druck auf Gerard, Buddy und Erin ausüben. Das Ergebnis: Sie müssen Erin in einer großen Aktion aus Buddys „Schloss“ befreien und sie mit Gerard zusammenbringen. Vielleicht lässt sich jetzt endlich herausbekommen, wer an Mistys Tod schuld ist.

|Sunny und Jesse|

Jesse, findet Sunny, ist ein Typ wie ihr Richie: nach innen gewandt, in sich ruhend, selbstsicher, stets bereit zu handeln. Außerdem ist er ein großer Schweiger, wenn es darauf ankommt, kann aber auch verführerisch grinsen. Und er ist ein einfühlsamer Liebhaber. Jesse Stone hat eine gescheiterte Ehe hinter sich, aber seine Ex lebt in der Nähe – und betrügt ihn immer noch (siehe dazu die „Jesse Stone“-Krimi-Reihe und meine Berichte darüber). Wie gut stehen also die Chancen, dass Sunny und Jesse zusammenkommen?

Wie sich zeigt, stehen die Chancen ausgezeichnet. Sie waren beide beim Therapeuten und kennen sich mit ihren eigenen Macken mittlerweile einigermaßen aus. Und die erotische Anziehungskraft sorgt für den Rest. Die Bettszenen mit Sunny waren noch nie so explizit wie in diesem Band der Reihe. Und es gibt als „Höhepunkt“ eine sehr lustige und lustvolle Sexszene in der Umkleidekabine einer Edelboutique auf dem Rodeo Drive von Beverly Hills.

Doch hält Sunnys Glück in der Liebe auch? Leider nein, denn schon dem Jesse-Stone-Krimi „High Profile“ (siehe meinen Bericht) sieht Jesse wieder Land bei seiner Ex Jenn und wendet sich dieser zu. In Sunnys nächstem (und letztem) Fall „Spare Change“ ist deshalb schon keine Rede mehr vom Liebesglück mit Jesse. Schade drum!

_Unterm Strich_

Im vorhergehenden Fall „Melancholy Baby” verlor sich Parker meines Erachtens zu sehr in den Psychotherapiestunden seiner Hauptfigur. Die Lösung des Falles, mit dem Sunny beauftragt wurde, war schon lange vor dem Schluss abzusehen, denn es hab nur zwei Möglichkeiten. Im vorliegenden Krimi „Blue Screen“ hat sich Parker wieder auf die Tugenden des Krimiautors besonnen und treibt den Fall mit Energie und unvorhersehbaren Wendungen voran, die bis zum Schluss auch unvorhersehbar bleiben. Die Action bleibt zwar wie stets sehr moderat, aber die psychologische Spannung stets hoch.

Die Liebesgeschichte mit Polizeichef Jesse Stone sorgt für viele lustige und lustvolle Momente, bei denen der Leser nicht bloß schmunzeln, sondern auch lachen darf. Wir kennen ja Jesse Stones Charme und Sexappeal sowie seinen Sinn für trockenen Humor zur Genüge.

Mit einer gewissen Besorgnis registrierte ich jedoch das Auftauchen mehrerer Vaterfiguren in dieser Episode. Da ist natürlich Sunnys Vater, der seine Tochter lobt (und mit ihr zusammen in „Spare Change“ einen Fall bearbeiten wird). Dann ist da Onkel Felix, der freundliche irische Gangster von der Burke-Seite – er gibt Sunny Auskünfte über den Kredithai, der Buddy Bollen das Leben schwer macht. Und schließlich ist da noch Captain Cronjager, Jesses früherer Boss bei der Mordkommission von Los Angeles. Man fragt sich, was das soll. Aber wenigstens sind all diese Herren sehr hilfreich für die Ermittlung.

Mit „Blue Screen“ ist Parkers „Sunny Randall“-Reihe wieder in Topform, sowohl auf der Seite der Ermittlung wie auch auf der romantischen und psychologischen Seite. Die Gesellschaftskritik konzentriert sich auf die Filmindustrie: Der Übergang zwischen Prostitution, Porno und Spielfilm ist ebenso fließend wie der zwischen illegalem Geld, Geldwäsche und legaler Finanzierung von Filmen.

Die Ähnlichkeit zwischen dem Zuhälter Gerard Blasgall und dem Filmproduzenten Buddy Bollen ist unübersehbar – und sie macht für Erin Flint, ihrer beider Opfer, überhaupt keinen Unterschied. Das Filmgeschäft ist so gesehen nur eine weitere Form der Ausbeutung der Frau. Erin Flint dann im Film als Kriegerin hinzustellen, wirkt wie der blanke Hohn.

|Taschenbuch: 337 Seiten
ISBN-13: 978-0425215982|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Perish Twice – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Doppelter Verrat: zwischen Feminismus und Straßenstrich_

Die stadtbekannte Feministin Mary Lou Goddard vor einem geheimnisvollen Verfolger zu beschützen – nicht wirklich ein Traumauftrag für die Privatdetektivin Sunny Randall. Schon gar nicht, da die Frau eine Zicke ist, Sunnys Bullterrier Rosie nicht mag und offensichtlich mehr über ihren Verfolger weiß, als sie zugibt. Als dieser irrtümlich Goddards Sekretärin und kurz darauf sich selbst erschießt, ist für die Polizei der Fall erledigt. Doch nicht für Sunny Randall … Nach “Ehrensache / Family Honor“: Ein neuer Fall für Sunny Randall.

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Doppelter Verrat“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) _“Perish Twice“_
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Sunny Randall soll die Feministin Mary Lou Goddard vor einem geheimnisvollen Verfolger zu beschützen – für Bostons härteste Privatdetektivin eine leichte Übung. Sollte man meinen. Im Handumdrehen hat sie auch den Stalker ausfindig gemacht: einen ältlichen Typen namens Lawrence B. Reeves, seines Zeichens Dozent an den Abendkursen der Bostoner Uni.

Dass er zugibt, liebend gerne „Zicken eine runterhauen“ zu wollen, spricht nicht gerade für ihn, findet Sunny, selbst wenn sie keine Feministin ist. Sie zeigt ihm ihre Knarre und er macht einen Rückzieher. Sunny hat bei der Befragung Mary Lous das deutliche Gefühl, dass diese offensichtlich mehr über ihren Verfolger weiß, als sie zugibt. Aber wieso? Ist Reeves etwa ein zurückgewiesener Lover Mary Lous, der eisernen Frauenkämpferin? Das wäre ja megapeinlich.

|Die erste Leiche|

Doch schon am nächsten Morgen findet man in Mary Lous Büro eine Leiche: Gretchen Crane, die leitende Rechercheurin. Steckt also doch Reeves dahinter? Andererseits hält Sunny ihn nicht eines Mordes für fähig. Als Sunny ihre Ansicht äußert, dass Gretchen vom Mörder offenbar für Mary Lou gehalten und aus Versehen erschossen wurde, wird sie von der Feministin kurzerhand gefeuert. Was hat diese zu verbergen?

Die Frage, ob Reeves ein Alibi hat, lässt sich leicht mit Hilfe der Cops von Boston und dem angrenzenden Cambridge (wo die Harvard-Uni liegt) beantworten. Sunny, die den Bostoner Mordkommissionsinspektor Lee Farrell gut kennt (er ist allerdings schwul), darf ihn begleiten. Erst will Reeves nicht sagen, wo er die letzte Nacht verbracht hat, doch dann greift er Sunny an. Endlich hat Farrell einen Grund, Reeves Handschellen anzulegen und aufs Revier zu schleifen. Also verrät Reeves lieber den Namen seines Alibis: Bonnie Wilson.

Bonnie Wilson ist nur eine von zahlreichen Damen, die Reeves „beglückte“, nicht zuletzt auch Mary Lou Goddard. Als Sunny die Feministin knallhart damit konfrontiert, gibt diese es zu, mit Reeves ein Verhältnis gehabt zu haben. Aber das darf ihre Lebenspartnerin Natalie auf keinen Fall erfahren! Sunny muss es ihr hoch und heilig versprechen. Auch aus Rücksicht auf die Beratungskompetenz der Feministin, die ihr gutes Geld verschafft.

|Nummer 2|

Als Farrell sie am nächsten Morgen darüber informiert, dass sich Reeves die Kugel gegeben hat, ist Sunny leicht geschockt. Aber der Abschiedsbrief, den der Mann hinterließ, schließt für die Cops gleich zwei Fälle ab: Reeves bekennt sich für den Mord an Gretchen Crane schuldig, konnte mit der Schuld nicht leben und brachte sich um. Klappe zu, Affe tot. Sunny kauft das hübsch verschnürte Paket jedoch nicht und schnüffelt weiter.

Farrell verrät ihr, wo der Schlüssel für Reeves’ Haus versteckt ist. In der Junggesellenwohnung findet sie nur ein nützliches Element: Reeves’ Kalender. Darin ist von einem „J“ die Rede, den oder die Reeves jeden Donnerstag zu besuchen pflegte. Und noch ein Detail: Im gesamten Haus gibt es keine Patronen für den 357er-Revolver, die Reeves für seinen blutigen Abgang verwendet hat. Aber wer würde schon eine Knarre ohne ausreichend Munition kaufen?

Etwas ist oberfaul an diesem Mord und / oder Selbstmord. Doch es steckt weit mehr dahinter, wie Sunny in hartnäckiger Arbeit herausfindet. Schließlich muss sie sogar die Gangsterfamilie ihres Exmannes Richie einschalten, um an die Wahrheit heranzukommen …

|Unterdessen …|

Zwischendurch hat Sunny alle Hände voll zu tun, das Leben ihrer besten Freundin Julie und das ihrer Schwester in die richtigen Bahnen zu lenken. Denn beide verlassen ihre Ehegatten. Elizabeth, die ältere Schwester, hat – nicht zuletzt mit Sunnys Hilfe – entdeckt, dass ihr Mann Hal sie mit einer anderen betrügt. Elizabeth hat jedoch derart verschrobene Ansichten davon, wie eine betrogene Gattin sich zu verhalten hat, dass es Sunny wundert, wenn es keine Opfer gibt.

Und Julie, ihre beste Freundin, hält es zu Hause bei ihrer trauten Familie nicht mehr aus. Die Decke fällt ihr quasi auf den Kopf. Sie sucht Ausbruch und Selbstfindung, geplagt von fortwährenden Selbstzweifeln und Schuldgefühlen wegen ihrer Entscheidung. Als sie auch noch feststellt, dass sie von ihrem neuen Lover Robert schwanger ist, gerät ihr Leben vollends aus den Fugen. Kann Sunny alles wieder hinbiegen?

_Mein Eindruck_

Junge, Junge, diese Story ist die reinste Achterbahn! Sunny wird zunächst von ihrer großen Schwester engagiert, muss deren Mann das Händchen halten, wird aber von der älteren Elizabeth, die sich klüger dünkt, für jeden guten Rat abgekanzelt. Sunny erlebt dann eine Katastrophe nach der anderen, als Elizabeth, die sich mit der Unabhängigkeit und Betrogenheit in keinster Weise auskennt, einen Fehler nach dem anderen begeht.

|Familie und Freunde|

Absolut köstlich ist jener unsägliche Abend, als Sunny und ihr schwuler Gefährte Spike Gouvernante spielen müssen, weil Elizabeth ein Blind Date mit einem unbekannten Mann hat. Dieser stellt sich wenig später als Erpresser heraus. Arme Elizabeth, sollte man denken. Aber weit gefehlt: Die hochnäsige ältere Schwester ist unbelehrbar. Die nächste Katastrophe wartet schon.

Nervenaufreibend sind auch die Begegnungen mit Julie, die erst Heim und Herd verlässt, um dann doch nicht die große Freiheit zu finden, sondern vielmehr in einer Abtreibungsklinik landet. Sunny kann jedoch keinesfalls auf Julies Rat als Psychologin verzichten. Die gebeutelte Julie ist es denn auch, die Sunny den entscheidenden Hinweis gibt, um den Haufen Informationen, den sie angesammelt hat, richtig zu interpretieren.

|Vertrackte Beziehungen|

Da es um gleich zwei Dreiecksverhältnisse um die beiden Opfern Gretchen Crane und Lawrence B. Reeves herumgeht, ist es kein Wunder, dass sich Sunny bald in einem Irrgarten von Beziehungen wiederfindet. Sie ermittelt eine ganze Weile auf dem Straßenstrich. Da sie ja selbst mal Polizistin war, kommt ihr eine gewisse Abgebrühtheit zugute. Außerdem hat sie Rückendeckung durch Tony Marcus, den Obermacker des Prostitutionsgeschäfts in und um Boston. Marcus reicht Sunny weiter an seinen Zuhälter Jermaine Lister, der den Straßenstrich organisiert.

|Straßenstrich|

Die Gespräche Sunnys mit einer Straßennutte sind durchaus realistisch und hartgesotten. Keinerlei Illusionen über einen möglichen Glamour dieses Milieus trüben den Gedankenaustausch. Hier ist kein Platz für „Pretty Woman“, hier wird Tacheles geredet. Und wenn Sunny nicht mit der Kühle rüberkomt, dann heißt es tschüss! Aber hier stößt Sunny auf mehr als eine heiße Spur: Nicht nur war Lawrence B. Reeves Stammgast auf dem Strich – jeden Donnerstag bei „J“ – sondern Gretchen Crane, die hier für Mary Lou Goddard recherchierte, hatte eine Liebhaberin. Dieser geheimnisvollen Miss X spürt Sunny nach – und gerät dabei auf sehr heißes Territorium …

|Unerwünschte, aber nötige Familie|

Und so kommt es, dass Sunny sich wieder einmal einen Feind einhandelt und Zuflucht bei Richies Gangsterfamilie, den irischen Burkes, Hilfe suchen muss. Das war schon in „Family Honor / Ehrensache“ so. Doch Sunny ist, seit sie mit Richie verheiratet war, in die „Familie“ aufgenommen worden und kann auf den Schutz der Gangster zählen. Was für einen Privatdetektiv doch eher ungewöhnlich ist. Und was für einen aufrechten Cop von Boston niemals in Frage käme. Insofern hat Sunny einen echten Vorteil.

|Showdown|

Neben der Schießerei vor ihrem Haus bildet die finale Konfrontation den spannenden Höhepunkt der Geschichte. Tatsächlich wunderte ich mich immer wieder, auf welche Weise es Sunny gelingt, die Nerven zu behalten und nicht schreiend davonzulaufen. Okay, sie ist nur eine Romanfigur. Aber auch Romanfiguren haben sich, insbesondere in Krimis, an die Gesetze der Plausibilität und Wahrscheinlichkeit zu halten. Es sei denn, es handelt sich um eine Komödie oder Satire (was bei Janet Evanovitchs „Plum“-Krimis zutrifft).

|Keine Heulsuse|

Wie in einer Story über Frauen in Amerika nicht anders zu erwarten, wird jede Menge geweint. Aber Weinen ist besser als hysterisches Umsichschlagen, finde ich, und so entwickeln sich die beiden Frauen Julie und Elizabeth sowohl in ihren Ansichten als auch emotional weiter. Und wer sich gefragt hat, warum Sunny kein einziges Mal weint, der ahnt: Sie hat in ihrer Hündin Rosie, einem Miniatur-Bullterrier, eine wahre Herzensfreundin. Doch letzten Endes ist auch Sunny nur ein Mensch. Irgendwann wird auch sie weinen, die Frage ist nur wann. Hoffentlich nicht gerade im unpassendsten Moment …

_Unterm Strich_

Auch diesen Parker-Krimi habe ich in nur zwei Tagen verschlungen. Aber mich beschlich dabei das Gefühl, dass hier zwei Autoren am Werk waren: Der Meister himself und seine werten Gattin, der er alle seine Bücher gewidmet hat. So würde dies die zweigeteilte Handlung erklären: Auf der er einen Seite die ziemlich geradlinige vorangetriebene Ermittlung, die dann einen sehr spannenden Höhepunkt erreicht; auf der anderen Seite die ziemlich gefühlsintensiven Szenen mit Elizabeth und Julie. Wobei Elizabeth stets für einige absurde Äußerungen gut ist, die den Leser laut hinausprusten lassen.

Natürlich treten auch die schon bekannten allseits beliebten Randfiguren auf. Da ist der schwule Spike, seines Zeichens Seelenberater und Karatekämpfer sowie Restaurantbesitzer. Da ist Sunnys Exgatte Richie Burke, von dem sie zwar geschieden ist, mit dem sie aber immer noch liebend gern ins Bett geht (was für nette Bettszenen sorgt). Und da ist die unnachahmliche Hündin Rosie, die zwar stets für eine Ratte oder ein Opossum gehalten wird, aber sich doch eindeutig, wie ein Hund verhält – und ihrem Frauchen gerne das Gesicht leckt. Rosie ist es auch, die Sunny rechtzeitig vor einem Mordanschlag warnt. Es geht eben nichts über eine gute Spürnase. Aber das wissen ja alle Privatschnüffler.

Für alle weiblichen Leser scheint mir die „Sunny Randall“-Krimireihe perfekt geschaffen zu sein, um Spannung und Emotionalität, Geradlinigkeit und komplexe Beziehungen ideal miteinander zu verbinden. „Perish Twice“, der Originaltitel, bezieht sich beispielsweise auf ein Gedicht von Robert Frost (den der Autor innig liebt und häufig zitiert), in dem es um Hass und Verlangen geht, die sich wie die Elemente Feuer und Eis verhalten.

|Taschenbuch: 334 Seiten
ISBN-13: 978-0425182154|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Shrink Rap – Ein Sunny-Randall-Krimi

_Ausgeliefert: die Detektivin auf der Psychiatercouch_

Die Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall wird damit beauftragt, eine Bestsellerautorin auf deren Lesetour zu begleiten und zu beschützen. Wie notwendig dieser Schutz ist, zeigt sich schon bald, als Melanie Joan Halls Exgatte John Melvin auftaucht und sie in Angst und Schrecken versetzt. So sehr, dass die Autorin vor versammeltem Publikum in Ohnmacht fällt. Schlimmeres ahnend ermittelt Sunny in der Vergangenheit des Psychiaters. Was sie findet, gefällt ihr ganz und gar nicht. Um weiterzukommen, muss sie sich allerdings selbst von ihm untersuchen lassen …

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Schutzlos“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) „Perish Twice“
3) _“Shrink Rap“_
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
„Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Der Verlag der Bostoner Bestsellerautorin Melanie Joan Hall bittet die Privatdetektivn Sunny Randall (nach gehöriger Überprüfung, versteht sich), die Dame auf einer Lesetour anlässlich des Erscheinens eines neuen Romans zu begleiten zu beschützen. Sunny, so stellt sich heraus, hat die Aufgabe eines Chauffeurs und Kindermädchens, aber auch eines Seelenklempners und Leibwächters.

Mit gutem Grund, wie sich schon bald zeigt. Melanie Joan war dreimal verheiratet und ist zweimal geschieden. Doch einer ihrer Exgatten, der Psychiater Dr. John Melvin, hat sich offenbar mit der Scheidung nicht abgefunden und tritt als Stalker bei den Signierstunden in einer bedrohlichen Weise auf, dass die Autorin kaum weitermachen machen kann. Der zweite Auftritt ist weitaus ernster. Sunny beobachtet entsetzt, wie Melvin am Schaufenster der Buchhandlung mit blutverschmierten Händen herabgleitet – und Melanie Joan darob in Ohnmacht fällt.

Der Autorin ist zum Glück nichts passiert, aber Sunny kann sich des Verdachts nicht erwehren, dass Melvin nicht nur bei Melanie Joan Schaden angerichtet hat, sondern auch bei seinen anderen Patientinnen in Boston. Dort betreibt er nämlich eine psychotherapeutische Praxis. Sunnys Freundin Julie, selbst psychologische Beraterin (aber kein Doktor), gibt ihr Recherchetipps.

Sunny befleißigt sich einer alten Detektivtugend und legt sich einfach vor Dr. Melvins Praxis auf die Lauer. Ihre Hündin Rosie leistet ihr Gesellschaft, als sie beobachtet, wie eine Frau nach der anderen ihre 50 Minuten Therapie in Anspruch nimmt. Allesamt sehr betuchte Ladies, nach ihren Autos zu urteilen. Eine kommt sogar mit Chauffeur in einer großen Limousine. Die Praxis ist bestimmt sehr lukrativ. Sunny ist überrascht, dass Melvin sogar Abendtermine wahrnimmt: Zwei Frauen besuchen ihn hintereinander, die zweite geht erst um halb elf. Ungewöhnlich. Danach erscheinen zwei unbekannte Männer aus dem Haus und fahren mit einem Porsche Boxster weg. Auch sie scheinen nicht unvermögend zu sein. Was haben sie dort getrieben?

Mit Hilfe eines Kontaktmanns bei der Polizei findet Sunny die Adresse einer Patientin heraus. Kim Crawford wohnt geschieden in einem großen Haus. Leider sagt sie rein gar nichts Schlechtes über Dr. Melvin. Dafür ist Sunnys eigener Besucher jedoch umso unangenehmer: Dieser Barry Clay ist einer der beiden Typen, die spätabends mit dem Porsche wegfuhren. Er droht ihr: Wenn sie nicht die Finger von Melvins Patientinnen lasse, könnte Sunny etwas zustoßen. Sie zeigt ihm, was ihm zustoßen könnte – und holt ihre größte Schrotflinte heraus! Sunny engagiert ihren Kumpel Spike, um Melanie Joan zu beschützen. Diese ist sehr entäuscht zu erfahren, dass Spike schwul ist.

Fortan sieht sich Sunny beschattet. Auch als sie mit Melanie Joan in die Bostoner Innenstadt reist, um dort einen Verlag zu besuchen. Kaum hat Melanie Joan jedoch Barry auf der anderen Straßenseite erblickt, als sie fast einen Nervenzusammenbruch erleidet. Diesmal muss die Autorin mit der Wahrheit herausrücken: Barry ist einer der zwei Männer, die sie in Melvins Praxis vergewaltigen wollten – während ihr Mann dabei zusah. Sie nahm Reißaus und reichte die Scheidung ein. Kein Wunder, dass sie sich seitdem verfolgt fühlt.

Sunny nimmt das Angebot ihres Mannes Richie nicht an, Dr. Melvin und die beiden Finsterlinge einfach von seinem Onkel Felix umlegen zu lassen. Sie will erst noch herausfinden, ob es weitere Vergewaltigungsopfer gibt. Und dazu begibt sie sich undercover in die Höhle des Löwen …

_Mein Eindruck_

In diesem dritten „Sunny Randall“-Krimi setzt der Autor ganz auf psychologische Spannung. Natürlich findet zwar eine Ermittlung der Privatdetektivin statt, doch diese fördert wie üblich lediglich Verdachtsmomente und keine Beweise zutage. Und wie üblich kommt es auf die Aussagen von Zeugen und Sachverständigen an, ob diese Verdachtsmomente rechtfertigen, dass Sunny selbst gegen den Verdächtigen vorgeht oder ob sie den Fall bereits den Behörden übergeben kann – oder einer Instanz, die außerhalb des Gesetzes steht: nämlich Richie Burkes Familie. Letzteres war in den zwei bisherigen „Sunny Randall“-Romanen der Fall. Diesmal soll die Sache anders laufen.

Um dem Verdächtigen, dem Stalker und Psychiater John Melvin, auf die Pelle zu rücken, bedient sich Sunny einer doppelten Strategie. Sie lässt sich undercover auf die Therapie bei ihm ein, getarnt als „Sonya Burke“ (was tief blicken lässt, denn sie ist nur eine geschiedene Burke), und sie bespricht dieses Vorgehen und die Erkenntnisse mit einem soliden Psychiater, Dr. Copeland. Auf diese Weise gelangt sie allerdings zu verstörenden Erkenntnissen über sich selbst. Bemerkenswert sind die Einsichten in die psychologische Methode, die aus der Praxis sprechen.

Aus einer bereits außergewöhnlichen Ermittlung wegen eines Stalkers wird so unvermittelt eine Suche des Ermittlers nach sich selbst. Warum möchte Sunny beispielsweise einen starken Mann, der wie ihr Vater ist, aber keinen Mann, der sie beherrscht? Das ist wahrscheinlich ein emotionales Dilemma, in dem sich viele selbstbewusste Frauen heutzutage befinden. Die Gründe sind offensichtlich. Und keine Frau möchte freiwillig zugeben, dass sie sich gerne fremdbestimmen lässt. Besonders dann nicht, wenn ihr eigener Wille dabei durch eine Droge ausgeschaltet worden ist.

Nachdem sich Sunny (in „Perish Twice“) bereits mit Feminismus und Prostitution befasst hat, bekommt sie nun Kontakt mit geschickt getarner Mehrfachvergewaltigung, die nur eine sanftere Variante von Rohypnol-gestützter Vergewaltigung ist. Dass dieses Thema vor allem Frauen interessiert, dürfte klar sein. Erstaunlich sind nicht nur die Fachkenntnisse des Autors über die psychologische Methode, sondern auch die Feinfühligkeit, mit der Sunny den jeweiligen Opfern ihre Fragen stellt.

Dass die Schnüfflerin von den Tätern jede Menge Drohungen erhält, ist zu erwarten. In der Folge kommt es durch einen tätlichen Angriff zu einer weiteren Drehung der Spannungs-Schraube: Sunny soll durch die Droge gefügig gemacht werden. Doch um handfeste Beweise gegen die flüchtigen Täter zu erhalten, muss sich Sunny selbst in die prekäre Situation begeben, in der ihre Vorgängerinnen gelähmt und dann vergewaltigt wurden …

_Unterm Strich_

In diesem dritten „Sunny Randall“-Krimi fühlte ich mich nicht so sehr durch die Ermittlung gefesselt als vielmehr durch die wachsende Beklommenheit, die durch die steigende Gefahr für die Heldin erzeugt wurde. Waffen der Gewalt spielen diesmal nur eine untergeordnete Rolle, wichtiger sind Waffen des Geistes. Als Erzählung ist die Geschichte ein Meisterstück an psychologischer Feinarbeit.

Sunny muss nicht nur selbst feinfühlig vorgehen, sondern sieht sich obendrein selbst als Objekt der Psychoanalyse. Was sie dabei entdeckt, findet sie sehr beunruhigend: einen ausgewachsenen Ödipuskomplex ebenso wie eine rasende Eifersucht auf die neue Freundin ihres geschiedenen Mannes Richie. Zum Glück verliert sie nie den Draht zu ihm und kann sich seiner nie wankenden Unterstützung versichern. Ihr Hund Rosie, für den sich beide verantwortlich fühlen, spielt dabei wie schon bisher eine zentrale Rolle.

Nachdem sich der Autor bereits in „Perish Twice“ mit Feminismus und Prostitution beschäftigt hat, geht es diesmal um Stalking und Vergewaltigung unter dem Deckmäntelchen der Therapie. Wie stets drehen sich die Sorgen der weiblichen Figuren um Dominanz, Vertrauen und Liebe. Wie skandalös erscheint daher die Aussage, dass eine der Frauen es mochte, als sie die Unterwürfige sein konnte.

Für weibliche Leser liest sich dieser Roman deshalb völlig anders als für einen Mann: Es geht um spezifisch weibliche Themen, und dies macht den Krimi für Frauen ganz besonders interessant. Frau könnte wahrscheinlich sehr gut darüber diskutieren, welche Aussagen der Autor (oder war es seine Frau, die das Buch schrieb?) hier macht.

|Taschenbuch: 289 Seiten
ISBN-13: 978-0399149306|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Robert B. Parker – Family Honor – Ein Sunny-Randall-Krimi

Für weibliche Krimifans: Eine neue Detektivin

Mit diesem Roman führte Robert B. Parker seine Bostoner Privatdetektivin Sunny Randall ein. Sie kennt die Straße, kann schießen, ist sexy – und findet sich unvermittelt zwischen den Fronten eines Bostoner Gangsterkrieges wieder. Die Einsätze auf Seiten der Politik sind ebenso hoch wie die Moral der Mafia-Killer niedrig. Gelingt es Sunny, ihren ersten Fall zu überleben und ihre Klientin zu schützen?

Die deutsche Übersetzung trägt den nicht ganz zutreffenden Titel „Ehrensache“.

Der Autor

Robert B. Parker – Family Honor – Ein Sunny-Randall-Krimi weiterlesen

Evanovitch, Janet – Plum Lovin\‘

_Krimikomödie: ein Valentinstag mit Hindernissen_

Stephanie Plum ist Kautionsermittlerin. Gerade sucht sie Annie Hart, eine „Beziehungsexpertin“, als ihr der zwielichtige, aber gut aussehende Kerl namens Diesel Annie Hart anbietet, wenn sie ihm einen Gefallen tut: Sie soll Harts Fälle übernehmen. OK. Doch es gibt jemanden, der Annie Hart noch dringender finden will als Stephanie, jemanden mit übler Laune. Steph droht in die Schusslinie zu geraten. Zum Glück hilft ihr Beifahrerin und Lebenshelferin Lula.

Die Übersetzung „Liebeswunder und Männerzauber“ erscheint am 24. Januar 2011 bei Manhattan.

_Die Autorin_

Janet Evanovitch hat ein Dutzend Liebesromane geschrieben sowie eine Serie über Alexandra Barnaby, ist aber mit Kriminalromanen um Stephanie Plum viel bekannter geworden. Für ihre Krimis wurde sie mehrfach ausgezeichnet. Sie lebt in New Hampshire und Florida. Mehr Info unter [www.evanovitch.com]http://www.evanovitch.com

|Between the Numbers|:
1) „Visions of Sugar Plums“
2) „Plum Lucky“
3) „Plum Lovin'“

|Die Fälle|:
1) „Ten Big Ones“
2) „Fearless Fourteen“

Und viele Weitere.

_Handlung_

Stephanie Plum lebt in New Jersey bei New York. Sie arbeitet als Kautionsvermittlerin und jagt mitunter Leute, die auf Kaution freigekommen sind, sich aber etwas haben zu Schulden kommen lassen. So ein Fall ist Annie Hart. Doch wo steckt die „Beziehungsmanagerin“? Steph hat keine Ahnung. Da tritt Diesel auf, ein attraktiver Bursche in fast der gleichen Branche: Auch er sucht Leute – für jeden Auftraggeber.

Er bietet Steph Kontakt zu Annie an, wenn sie ihm hilft, einen gewissen Bernie zu finden, der die rätselhafte Fähigkeit besitzt, jedem, auf den er zornig ist, einen Ausschlag zu verpassen. Das klingt wie ein guter Deal. Er hat nur einen Haken: Steph muss alle fünf von Annies Beziehungsvermittlungen bis zum Valentinstag erledigen – und Bernie ist unauffindbar.

Hätte sie sich bloß nie auf diesen Kuhhandel eingelassen, wünscht sich Steph nach den ersten beiden Aufträgen. Der eine ist ein schüchterner Metzger, der die Kaffeeverkäuferin von gegenüber anhimmelt, aber kein Wort herausbekommt, wenn sie vor ihm steht. Der nächste Fall ist eine dreißigjährige Jungfrau, die immer noch auf ihren ersten Orgasmus wartet. Nummer drei ist eine Familienmutter mit einem Zoo, die keinerlei Chance zu haben scheint, je einen Mann abzubekommen, der es mit diesem Chaos aufnimmt. Und schließlich ist da noch Albert Kloughn, der Stephanies Schwester um keinen Preis heiraten will, weil er schon bei Erwähnung des Wortes „Hochzeit“ in Ohnmacht fällt.

Zu allem Überfluss ist Annie Hart in eine dumme Geschichte hineingeschliddert, die einen hinterlistigen Pfandleiher, einen oberfiesen Mafiakiller, eine Entführung und einen von Bernie verursachten üblen Hautausschlag umfasst. Bis Stephanie mit Diesels Hilfe alles auseinandersortiert hat, ist schon der Valentinstag angebrochen. Herrje, wie soll es nur schaffen, den schüchternen Albert mit ihrer Schwester zu verkuppeln? Steph schaut den attraktiven Diesel mit den unheimlichen Fähigkeiten an – sie hat eine geradezu geniale Idee. Denkt sie …

_Mein Eindruck_

Diese Krimikomödie ist etwas ganz anderes als die üblichen „Plum“-Kriminalfälle, nämlich eine Krimikomödie mit ganz viel Herz und Chaos. Deshalb heißt der Roman ja auch im Untertitel „Between the Numbers“ – alle von Stephanies Fällen sind durchnummeriert, so etwa „Big TEN Ones“ oder „Fearless FOURTEEN“. Will heißen: Dieser Fall ist etwas irregulär.

Aber dafür sehr lustig. Wenn der Leser weiblich ist. Ich habe nicht so viel für schmucke, mysteriöse Ermittler wie Diesel übrig, und auch eine Hochzeit als Höhepunkt des Lebens – sie erfolgt obligatorisch als Finale – kommt mir eher als ein Betriebsunfall vor. Was kann man auch sonst von einem Single erwarten?

Die Handlung wird von zwei Elementen vorangetrieben: von der Komödie der Kuppelei einerseits und von der sehr leichten Kriminalhandlung, die vor allem in einer endlosen Sucherei besteht. Wie man sich eigentlich denken kann, wenn man eingefleischter Leser von Liebesromanen ist (was auf mich wohl kaum zutrifft), endet diese Liebeskomödie mit einer Hochzeit. Allerdings ist auch diese höchst irregulär, nämlich mehr eine Art List, um Albert Kloughn unter die Haube zu bringen.

Die Kriminalhandlung mündet wie vorauszusehen keineswegs in einen Showdown, sondern in eine weitere List. Klein-Stephanie ist nicht mal bewaffnet, weil normalerweise ihre zwei Freunde Joe und Ranger die Drecksarbeit für sie erledigen – doch diesmal steht sie einem waschechten Mafiakiller gegenüber. Wird er sie über den Haufen schießen, weil sie seine Hecke demoliert hat, um ihn vom wahren Geschehn an seiner Hintertür abzulenken? Uns wird ganz bang und weh, doch nein: Delvina jammert nur über die schöne preisgekrönte Hecke und dass ihm sein Ehegespons dafür die Hölle heißmachen wird. Was für ein Waschlappen.

Ansonsten tut die Heldin das, was Frauen offenbar am besten können: Zudringliche Kerle abwimmeln, die unverschämt gut aussehen; sich um ihre Figur Sorgen machen; mit Freundinnen Tratsch austauschen; mit wildfremden Frauen Pornos als Anschauungsmaterial angucken; und natürlich Liebeständeleien anbahnen. All dies ist schlüpfriges Terrain für einen hartgesottenen Kerl wie Diesel – außer natürlich die Anmache.

_Unterm Strich_

Dieser sogenannte Krimi war offensichtlich ein Fehlkauf. Ich erwartete einen Detektivroman, bekam aber eine Komödie, die so tut, als wäre sie ein Krimi. Man merkt eben, dass die Autorin im Hauptberuf Liebesromane schreibt. Wenigstens kann man hin und wieder lachen, auch wenn die meisten Situationen von haarsträubender Unlogik geprägt sind. Allein schon die Ausgangslage mit Annie Hart und Bernie ist völlig lachhaft. Von da ab wird es nur noch abstruser. Wenigstens ist in der Liebe und im Krieg alles erlaubt, deshalb auch dieser turbulente Unsinn.

Den Roman habe ich in drei Tagen gelesen, sonst wäre er nicht auszuhalten gewesen. Dass es so schnell ging, lag zum einen daran, dass die Autorin nur 248 Seiten schrieb statt der üblichen 300, und zweitens, dass die Schrifttype derartig groß ist, dass man in einem normalen Taschenbuch dreimal so viel Text gedruckt sieht wie hier. Großmütter und andere visuell Unterprivilegierte werden den Großdruck allerdings begrüßen, schätze ich. Ich kam mir etwas auf den Arm genommen vor.

|Taschenbuch 248 Seiten plus Leseprobe
ISBN-13: 978-0312985363|
[Verlagshomepage]http://us.macmillan.com/smp.aspx

Parker, Robert B. – Small Vices – Ein Spenser-Krimi

_Kinder, Rassismus, Auferstehung: Spenser als Lazarus_

Spenser wird von Staatsanwältin Rita Fiore mit einem anderthalb Jahre alten Fall betraut, denn es bestehen Zweifel, ob der verurteilte Schwarze wirklich der Täter war. Er soll eine weiße Studentin auf dem Campus eines Frauen-College ermordet haben. Zwei weiße Graduierte identifizierten ihn, nachdem ein anonymer Tipp eingegangen war und der Schwarze verhaftet worden war. Für Spenser sieht der Fall wie eine abgekartete Sache aus. Aber welcher unsichtbare Drahtzieher will hier wen schützen?

Der deutsche Titel lautet: „Der graue Mann“. Dieser tritt zehn Jahre später im „Spenser“-Krimi „Rough Weather“ (2007) erneut auf.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
„Widow’s Walk“, „Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Die Bostoner Anwältin Rita Fiore engagiert Privatdetektiv Spenser für einen Fall, der eigentlich schon vor anderthalb Jahren mit einem Urteil abgeschlossen wurde. Der Schwarze Ellis Alves, selbst ein notorischer Verbrecher, wurde womöglich, so die schicke Anwältin, für ein Verbrechen verurteilt, das er nicht beging. Die Anwaltskanzlei möchte Gewissheit haben. Oder Gerechtigkeit?

Der Schwarze Ellis Alves soll die weiße Studentin Melissa Henderson niedergeschlagen, in sein en pinkfarbenen Cadillac (!) verfrachtet und die Strangulierte an anderer Stelle auf dem Campus ihres Colleges in den Büschen versteckt haben. Zwei ihrer Mitstudenten, ebenfalls Weiße, identifizierten Alves bei einer Gegenüberstellung der Staatspolizei von Massachusetts, die Alves verhaftet hatte. Nach einem anonymen Tipp, wie sich herausstellt. Von wem kam der Tipp – das ist die 64.000-Dollar-Frage.

Für die Anwältin mit den schönen Beinen ebenso wie für den Privatdetektiv mit der starken Bewaffnung ist klar, dass Alves höchstwahrscheinlich einer abgekarteten Sache zum Opfer gefallen ist und für den wahren Täter den Kopf hinhalten soll. Alves hat Lebenslänglich erhalten, und das ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Bereits nach anderthalb Jahren liegt in seinen Augen keinerlei Hoffnung mehr, jemals wieder rauszukommen. Spenser entschließt sich, das zu ändern.

Spenser findet es merkwürdig, dass Melissa Henderson keinen Freund gehabt haben soll. Die Präsidentin des Colleges verwehrt ihm den Zutritt zu ihren Schützlingen, aber das kümmert ihn nicht: Er spaziert trotzdem in das Wohnheim, in dem Melissa lebte. Sie war offenbar eine wilde Nummer, die alles ausprobierte, was es in ihrem reichen und strengen Elternhaus nicht geben durfte: Drogen, Sex, Discos und so weiter. Sie hatte einen Freund, der aber nur als „prince“ bekannt war.

Dann wird Spenser von der Campus-Polizei hinausgeworfen. Nicht genug damit: Vier grobschlächtige Revolvermänner möchten Spenser auf die harte Tour beibringen, dass er die Finger von der Sache lassen soll, sonst gibt’s was auf die Mütze, klar? Spenser und Hawk werfen sie raus. Spenser notiert sich ihr Nummernschild.

Alves wurde vom Staatspolizisten Tom Miller verhaftet, einem ehrgeizigen und aufstrebenden Cop, der Captain Healy, mit dem Spenser bestens bekannt ist, wohl ablösen will. Nach einem Besuch bei den zwei weißen Zeugen, die Alves, sahen und identifizierten, steht Miller auf der Matte von Spensers Büro – aber nicht um zu reden, sondern um die Fäuste sprechen zu lassen. Denn inzwischen hat Spenser den wahren Namen von Melissas Freund „Prince“ herausbekommen: Clive Stapleton, der schwarzhäutige Adoptivsohn des stinkreichen New Yorker Unternehmers Donald Stapleton und seiner Frau Dina. Nach einem harten Schlagabtausch obsiegt Spenser auch diesmal.

Doch dies ist keineswegs das Ende der Einschüchterungsversuche. Ein seltsam ganz in Grau gekleideter Mann setzt sich ungefragt zu Spenser und seiner Freundin Susan Silverman an den Restauranttisch, um eine allerletzte Warnung auszusprechen. Dann verschwindet er. In New York entgeht Spenser nur durch eine schnelle Reaktion einem Anschlag. Hat der Graue Mann zugeschlagen?

Natürlich kann dieser widrige Zwischenfall einen Kerl wie Spenser nicht davon abhalten weiterzuschnüffeln. Und das wird ihm zum Verhängnis …

_Mein Eindruck_

In diesem „Spenser“-Krimi verknüpft Parker einige heikle Themen, die bis heute gültig sind, und zwar nicht nur in den Vereinigten Staaten. Da ist der alltägliche Rassismus, der dazu führt, dass Verbrecher wie Ellis Alves für Taten verurteilt werden können, die sie gar nicht begangen haben. Die Weißen als herrschende Klasse können sich das Recht ebenso kaufen wie die Gerechtigkeit.

Und an der Ostküste sind die meisten reichen weißen Familien der WASPs (White Anglo-Saxon Protestants) sowieso alle miteinander verwandt und halten deshalb zusammen. Nicht nur gegen Schwarze und andere Minderheiten, sondern auch gegen Cops (die sich ja kaufen lassen) und andere unerwünschte Schnüffler. Das bekommt Spenser am eigenen Leib zu spüren.

Aber der Rassismus reicht viel tiefer. Die Stapletons haben einen afrikanischen Jungen adoptiert, um ihr schlechtes Gewissen zu beruhigen. Das wäre nichts Verwerfliches. Das tut ja beispielsweise Madonna die ganze Zeit. Aber die Stapletons haben es ihren Adoptivsohn ständig spüren lassen, dass er es nötig hat, beschützt zu werden und dass er ihnen etwas für seine Rettung schuldig ist: nämlich ein guter Sohn und Amerikaner zu sein, der Erfolg hat. Clive trainiert hat, um ein Tennisspieler der Weltklasse zu werden, doch wie Spenser selbst sehen kann, hat er zwar Ausdauer, aber keine Geduld, wenn er auf einen Ebenbürtigen trifft. Warum wohl? Seine Eltern haben ihn quasi entmündigt. Das ist ihr verborgener Rassismus.

Aber Spenser muss sich entscheiden, ob er und Susan selbst ein Kind adoptieren wollen. Es ist ihr ausdrücklicher Wunsch. Spenser ahnt, was das bedeuten würde, nicht nur für das Kind sondern auch für die Beziehung zu seiner Freundin, die dann Mutterpflichten zu erfüllen hätte – und für die Beziehung zu Pearl, Susans Hündin, die eh schon eifersüchtig auf Spenser ist. Aber wie soll er dies alles Susan beibringen?

Spenser ist, was er ist, und Susan möchte ihn gar nicht anders haben. Sie ist die Harvard-Absolventin mit der Psychotherapeutenpraxis, er ist ihr Schutz und ihr Lover. Als der Graue Mann Spenser bedroht und dabei Susan anschaut, ist klar, dass Susan unter Personenschutz gestellt wird: Hawk und alle andere schwerbewaffneten Freunde Spensers wachen über sie. Aber wer wacht über Spenser?

Dieser „Spenser“-Krimi unterscheidet sich von allen anderen (es sind mindestens 25) dadurch, dass der Held um ein Haar über den Jordan geht. Das wäre aber irgendwie schade und der Handlung nicht sonderlich förderlich. Also muss Spenser den Lazarus spielen. Das führt zu einem weiteren Unterschied: Die zentrale Handlung wird nach zwei Dritteln scharf unterbrochen und für zehn Monate praktisch auf Eis gelegt. Obwohl von Eis eigentlich keine Rede sein kann, wenn die Rekonvaleszenz des Helden im schönen Santa Barbara, Kalifornien, erfolgt.

Immerhin erkennt Susan jetzt, was es für ein Adoptivkind bedeuten würde, wenn sein Adoptivvater am ersten Schultag erschossen werden würde. Susan ist nicht nur wunderschön, sondern auch als Psychologin äußerst klug und einfühlsam. Solch ein Verlust wäre nicht nur für sie selbst eine Katastrophe, sondern sicherlich auch für das Adoptivkind. Dann sollte sie vielleicht besser diesen Plan fallenlassen. Findet Spenser auch. Und Pearl, der Wunderhund, sowieso.

Auf diese Weise widerlegt der Autor die Absichten der reichen Stapletons. Sie haben gedacht, ihrem Adoptivkind etwas Gutes zu tun. Und zwar so sehr, dass sie einen Totschlag vertuscht und dafür eitere Menschenloben geopfert haben. Sie haben übersehen, dass das Kind noch andere Rechte hat als gute Kleidung, Bildung und Ernährung. Es hat ein Recht auf ihre Liebe, aber auch auf eigene Freiheit. Und beides haben sie ihm verweigert. Es ist ihnen einfach nicht in den Sinn gekommen.

|Action |

Es gibt ein paar packende Actionszenen in dieser Folge der Serie. Nach dem Auftritt der grobschlächtigen Vier versucht der Cop Tom Miller sein Glück. Doch nicht nur er beherrscht Boxen, sondern auch Spenser. Man sehe sich mal die Statur von Autor Parker an – der frühere Literaturprofessor schrieb ein Fachbuch übers Gewichtheben. Und das merkt man auch an seinen fachlich kenntnisreichen Beschreibungen über den Umgang mit Gewichten, um den Muskelaufbau zu fördern.

Aber Spenser kann ebenso wie der Autor auch schießen und auf Beschuss angemessen reagieren. Als Spenser das erste Mal unter Beschuss gerät, verhält er sich wie der ehemalige Marineinfanterist Parker, der im Koreakrieg kämpfte: im Zickzack laufen, anschleichen, von der Seite angreifen. Dass es aber auch mit Köpfchen statt mit Beinchen geht, zeigt dann sein Sieg über den Grauen Mann. Hey, die Festnahme findet vor dem Nachrichtengebäude eines TV-Senders mitten in New York statt – einen größeren Menschenauflauf kann man damit kaum hervorrufen.

|Humor und Sinnlichkeit|

Wie so häufig in seinen Krimis ist sich der Autor der körperlichen Bedürfnisse der weiblichen Figuren intensiv bewusst. Er scheut sich nicht, diese Bedürfnisse mit Eleganz und Zurückhaltung zu schildern. Sie haben Anspruch darauf, auch körperlich geliebt zu werden. (In „Potshot“ lernt Spenser eine ganze Menge von „Desperate Housewives“ kennen.) Und er erwähnt die Wirkung gewisser Männer auf diese Frauen, darunter Spenser dunkler Bruder Hawk. Dass diese Männer keineswegs unter mangelndem Selbstbewusstsein leiden, dürfte einleuchten. Zum Leidwesen der freigebigen Damen befindet sich Spenser allerdings bereits in den festen Händen seiner Freundin.

Zum Thema Kinder gibt es ebenfalls eine köstliche Szene. Susan hat ihre Freundin Elayna eingeladen, die ihre neunjährige Tochter namens Erika mitbringt. Erika ist ein verzogenes Gör und stellt jede Menge Ansprüche an ihre hilflos agierende Mutter. Susan agiert ebenso hilflos, dass sich ihrer eifersüchtigen Hündin Pearl die Nackenhaare aufstellen. Spenser schaut dem Spektakel, das Erika veranstaltet, seelenruhig zu.

Er weiß, was kommen wird und muss nur Pearl davon abhalten, über Erika herzufallen. Als Erika sich Susans seidenen Morgenmantel schnappt und ihn mit Stöckelschuhen zerfetzt, ist das Maximum der Katastrophe erreicht. Erikas Mutter schleift sie nach Hause. Susan und Spenser atmen erleichtert auf. Schade um den Seidenmantel. Aber sie sind eine lehrreiche Erfahrung reicher. Außerdem muss Susan ihren Champagner jetzt unbekleidet schlürfen. Und das ist ein echter Vorteil, findet Spenser.

_Unterm Strich_

Die Handlung dieses „Spenser“-Krimis entwickelt sich mit kontinuierlich wachsender Spannung. Schon der Umstand, dass der Privatdetektiv Fragen stellt an Orten, wo er nichts zu suchen haben soll, führt dazu, dass er dreimal vorgewarnt wird, jedes Mal ernsthafter und eindringlicher. Doch nicht nur er, sondern auch Susan befindet sich in Lebensgefahr. Das kann nicht verhindern, dass es Spenser diesmal erwischt und er fast den Löffel abgibt. Das führt zu einer recht ungewöhnlichen Zäsur in der Geschichte – mit umso größerer Spannung warten wir auf den Showdown mit dem Killer und den Drahtziehern.

Thema dieses Krimis ist diesmal Rassismus in all seinen öffentlichen und privaten, bestens verborgenen Seiten, aber auch Adoptivkinder im allgemeinen. Sollte man ihnen etwas Gutes tun – oder ist das auch schon wieder herablassend? Diese Diskussion wird nur en passant eröffnet und stets in Handlung und Szenen aufgelöst. So etwas wie anstrengende Dialoge gibt es bei Parker einfach nicht. Deshalb ist auch dieser Krimi sehr flott und recht humorvoll erzählt. Die Action kommt ebenso wie Humor und Sinnlichkeit nie zu kurz.

Wer den Vorgänger „Walking Shadow“ (dt. Titel: „Die unsichtbaren Killer“) gelesen hat, wird über den Kontrast zwischen unterprivilegierten Schwarzen, Chinesen und Hispanics gegenüber den weißen Studentinnen am College erstaunt sein. Die Gleichheit und Freiheit der Bürger der USA steht wirklich nur auf dem Papier. Und die Ungerechtigkeit wird jeden Tag aufs neue zementiert, wie zurzeit (November 2010) wieder zu beobachten ist. Es gibt nicht einmal ein ALG II (vulgo: Hartz IV) wie bei uns. Nach 99 Wochen Stütze fallen die Arbeitslosen in ein Loch, wo kein soziales Netz – außer persönlichen Beziehungen – sie auffängt.

|Taschenbuch: 308 Seiten
ISBN-13: 978-0399142444|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Andreas Eschbach – Die steinernen Schatten (Das Marsprojekt 4)

_Spannendes Abenteuer: auf einer fremden Welt gestrandet_

Arianna, Ronny, Carl und Elinn – alle zwischen 13 und 15 Jahren alt – sind als erste Kinder auf dem Mars geboren worden und aufgewachsen. Doch im Jahr 2086 sollen sie gemeinsam mit anderen Marssiedlern zur Erde zurückkehren, weil machthungrige Politiker behaupten, das Marsprojekt sei gescheitert. Die Vorbereitungen zur Stilllegung der Forschungsstation laufen bereits auf Hochtouren, als die Kinder eine aufregende Entdeckung machen.

Während die Forscher noch über den Zweck der seltsamen blauen Türme grübeln, machen sich die Marskinder daran, ihr Geheimnis zu lüften. Was niemand weiß: Die Kinder halten den Schlüssel zu einer anderen Welt in der Hand. Ein kleiner Schritt, die Passage öffnet sich, die Türme sind ein Portal! Bald finden sie sich auf dem geheimnisvollen Planeten wieder und müssen feststellen, dass ihnen der Rückweg nach Hause abgeschnitten ist. Auf sich allein gestellt, schlagen sie sich auf dem unbekannten Planeten durch – einer Welt, die alles andere als verlassen ist …

Das Marsprojekt:

01: [„Das ferne Leuchten“
02: [„Die blauen Türme“
03: [„Die gläsernen Höhlen“
04: [„Die steinernen Schatten“
05: [„Die schlafenden Hüter“

_Handlung_

Elinn ist überzeugt davon, dass die Marsianer sie gerufen haben. Als sie dies jedoch im Rat der fünf Marskinder (da sind noch Carl, Ariana, Ronny und Urs), lehnen diese ihren Plan als zu gefährlich ab. Deshalb macht sie sich auf eigene Faust auf den Weg zum Löwenkopf, wo die zwei blauen Türme der Marsianer stehen. Seit Carl aus einem dieser Türme getreten ist, obwohl er 5000 Kilometer von hier eingetreten war, weiß jedes der Marskinder, dass es sich um das Tor in eine fremde Welt handelt. Nur Elinn jedoch ist überzeugt, dass das marsianische Artefakt mit ihrem Namen darauf ein Schlüssel sein muss – genau wie bei Carl.

Doch der blaue Turm ist umlagert von den Zelten, Männern und Messgeräten Professor Caphurnas, der hier die Aliens untersucht. Dennoch gelingt es ihr, unerkannt mit dem Frachtflugzeug herzukommen und bis zum Zaun vorzudringen – ein Hüpfer in der schwachen Schwerkraft, und sie ist drüber. Noch ein paar Schritte zum Turm, das Artefakt als „Schlüssel“ vorgestreckt, und sie ist durch: auf einer fremden Welt! Doch da packt sie eine gewaltige Kraft und streckt sie zu Boden. Elinn hat eines nicht bedacht: dass die Schwerkraft viel höher ist als auf dem Mars. Und wenn man sie nicht bald rettet, wird sie hier sterben.

Als Carl das Verschwinden seiner Schwester entdeckt, schlägt er Alarm. Seine Mutter erleidet einen Nervenzusammenbruch, doch Tom Pigrato, der Gouverneur, behält die Nerven. Er ruft bei Caphurna an. Der ist überrascht, bestätigt aber bald, dass er Elinn jenseits der Barriere auf dem Boden liegen sehen kann. Pigrato bittet Carl und Urs, Elinn zu retten, denn sie sind die Einzigen, die ebenfalls über diese „Schlüssel“ der Aliens verfügen. Ein Versuch von anderen Helfern, zu Elinn vorzudringen, scheitert.

Urs und Carl schleppen ein in aller Eile vorbereitetes Messgerät durch die Barriere. Dann streckt auch sie die hohe Schwerkraft nieder: 1,06 g zeigt das Messgerät, aber auch Sauerstoff, Stickstoff und Kohlendioxid. Dieser fremde Planet hat eine Atmosphäre, doch es herrscht Nacht, während auf dem Mars die Sonne aufgeht. Erleichtert stellen sie fest, dass Elinn noch lebt, aber sie atmet schwer. Jeder auf dem Mars weiß seit den Tests, die Pigrato durchführen ließ, dass Elinns Lunge nicht unter Erdbedingungen arbeiten kann. Sie hat höchstens zwei Wochen zu leben. Und sie können alle drei nicht zurückkehren: Die Schlüssel funktionieren nur in einer Richtung – und der Turm ist von ihrer Seite aus nicht zu sehen. Sie brechen auf, um diese Welt zu erkunden – und erleben eine große Überraschung!

|Unterdessen …|

Auf dem Mars herrscht große Aufregung wegen der verschwundenen Kinder, die in der fremden Welt gestrandet sind. Und seit der Turm die Barriere geschlossen hat, sind sie auch nicht mehr zu sehen. Da bemerkt Prof. Caphurna, dass auch der andere Turm sich verlangsamt – in sieben Wochen wird auch er zum Stillstand kommen. Wird sich dann ein weiteres Tor öffnen? Leider zu spät, um Elinn zu retten.

Um sicherzugehen, dass keine weiteren Türme mit Tarnvorrichtungen auf dem Mars existieren, lässt Pigrato jenen Motorsegler starten, mit dem der Tarnschirm der Türme zuerst unterflogen wurde. Der einzige Pilot, der das Ding fliegen kann und leicht genug ist, ist Ronny, das Fliegerass. Ronny findet es absolut „galaktisch“, diese Chance erneut geboten zu bekommen und sagt sofort zu. Wenige Stunden später steigt er vom Löwenkopf auf, um den Flieger zur zerstörten Asiatischen Marsstation zu steuern, wo es noch ein Startkatapult für solche Flieger gibt.

|Die fremde Stadt|

Doch bei der Erkundung und Überführung passiert Ronny etwas Merkwürdiges. Als er eigentlich über den Valles Marineris sein sollte, der großen Marsschlucht, fällt sein Blick auf eine große Stadt voller Licht, in der sechs blaue Türme stehen. Da senkt sich ein riesiges Raumschiff auf den Zentralplatz zwischen den Türmen und eröffnet das Feuer. Alles im Umkreis wird zerstört. Dann schließt sich der Blick auf dieses Spektakel wieder. Ronny gelingt es, den Flieger sicher zu landen, als wäre nichts gewesen.

Doch als Pigrato diese Szenen auf den Aufnahmen der automatischen Kamera des Fliegers sieht, bekommt er Zweifel, ob es eine so gute Idee war, alles alleine machen zu wollen. Er wird die Erde informieren müssen, das heißt den Chef der Raumfahrtbehörde, den strengen, zwielichtigen Senator Bjornstadt. Und wenn die „Heimwärtsbewegung“ von den Vorgängen auf dem Mars Wind bekommt, wird sie Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um jegliche Raumfahrt zum Stillstand zu bringen und die Marssiedler zur Erde zurückzuholen. Dem Statthalter Pigrato stehen schwere Zeiten bevor. Von der Ungewissheit über den Verbleib seines einzigen Kindes Urs ganz abgesehen.

Einige Stunden später erhält Ariana DeJones, Urs’ Freundin, eine erstaunliche, kurze Mail von ihrem Freund …

_Mein Eindruck_

Ich habe diesen spannenden Abenteuerroman in nur zwei Tagen gelesen und bin sicher, man kann ihn auch in nur einem Tag schaffen. Die Geschichte entwickelt sich wendungsreich und unvorhergesehene Richtungen, sodass man stets gespannt ist, wie die Handlung weitergeht. Wird Elinn überleben? Wo befinden sich die Marskinder überhaupt? Wird es für sie eine Rückkehr geben?

Gut fand ich, dass der Autor nicht auf den bisherigen Funden herumreitet und die Leute ewig rätseln lässt, wie die Technik der Aliens auf dem Mars funktioniert. Das bringt nämlich einfach nichts und wäre nur Anlass zu endlosen Diskussionen gewesen, wie sie noch im ersten Band zu finden waren. Stattdessen ergreift wie schon zuvor jeweils eines der Marskinder die – mehr oder weniger vernünftige – Initiative und macht sich daran, eben diese Technik zu nutzen.

Für Elinn könnte dies allerdings fatale Folgen haben. Deshalb müssen ihr Carl und Urs, als personalisierte Inhaber der „Schlüssel“, ihr folgen und helfen. Natürlich macht auch Carl die hohe Schwerkraft zu schaffen, aber Urs hat die Erdschwerkraft noch nicht lange verlassen (er ist erst zwei Monate auf dem Mars) und hält sich am besten auf der fremden Welt, die sie betreten haben. Was das Trio dort vorfindet, soll hier nicht verraten werden, damit die Überraschung erhalten bleibt.

Ziemlich witzig bemerkte ich, dass sich der Autor à la Hitchcock selbst in die Geschichte hineingeschrieben hat. Der Astronaut Peter Eisenhardt ist an Bord eines den Mars umkreisenden Raumschiffs und erzählt seinem Kollegen von einem Großvater, der Science-Fiction-Romane schrieb, darunter auch Zeitreisegeschichten. Da kam mir doch gleich „Das Jesus Video“ in den Sinn. So was nennt man bei Filmen einen Cameo-Auftritt, aber diesmal ist er selbstironisch gemeint.

Außerdem gibt es einen ziemlich witzigen Auftritt eines afrikanischen Künstlers, der sich Kibbi nennen lässt. Wieder mal hat der Autor seine Kultur- und Geschichtskenntnisse ausgegraben und angewandt. Dieser Kibbi hat die Kunst für ein Museum geschaffen, das die Menschheitsgeschichte darstellt, aber mit einer so innovativen Konzeption, der er jeden Handwerker einzeln anleiten muss, um alles richtig zu machen.

Das Museum steht nahe der kenianischen Olduvai-Schlucht, die unter Anthropologen als Ursprung der Menschheit gilt, seit die Familie Leakey hier Knochen von Frühmenschen fand. Doch nun hat man hier einen verstörenden Fund gemacht, der die ganze schöne Theorie von der Entstehung des Menschen über den Haufen wirft: die titelgebenden „steinernen Schatten“ …

_Unterm Strich_

Ich fand diesen vierten Teil des Zyklus‘ fast noch spannender und witziger als den Vorgänger, obwohl der auch schon ziemlich haarsträubend ist. Für Jugendliche ab zwölf bis vierzehn Jahren (und natürlich erwachsene Junggebliebene) bietet der Roman einige überraschende Wendungen, sodass ich mich gut unterhalten fühlte.

Immer wieder beeindruckte mich der Kenntnisreichtum des Autors in der Luft- und Raumfahrttechnik – Kunststück, hat er doch beides studiert. Außerdem finde ich seine süddeutsche Umgangssprache immer sympathischer. Das hebt seinen Erzählstil nämlich wohltuend von den Übersetzungen aus dem Englischen ab, mit denen der deutsche SF-Markt regelmäßig überflutet wird. Genauso würde ich als Schwabe auch erzählen, wenn ich die Zeit (und den Mut) dazu hätte.

|Zur Taschenbuch-Ausgabe|

In dieser Taschenbuchausgabe des 2007 bei Arena veröffentlichten Romans fehlen allerdings die Illustrationen. Trotzdem behauptet der Bastei-Lübbe Verlag, diese Ausgabe sei „Vollständig“. Wahrscheinlich bezieht sich diese Behauptung nur auf den Text.

Die Umschlaginnenseiten der Leinenausgabe bieten nämlich zwei hilfreiche Zeichnungen. Die Hintere ist dem Löwenkopf-Areal gewidmet. Eigentlich hätte sie an den Anfang gehört, weil dort die Handlung einsetzt. Im vorderen Umschlag ist die Raumstation MIR-3 abgebildet, die dem reichsten Mann der Erde, dem Erfinder Yules Whitehead, gehört, und die im letzten Viertel der Handlung eine kleine Rolle spielt. Sie dient als Habitat für Leute, die zum Mars wollen oder von dort kommen. Sie verfügt über einen Mechanismus zur Erzeugung künstlicher Schwerkraft, wie man ihn aus dem Film „2010 – Das Jahr in dem wir Kontakt aufnehmen“ kennt (der Mittelteil der „Leonov“ rotiert).

Aber dennoch kann sich der Leser freuen: Die Taschenbuchausgabe ist mit knapp neun Euro einen Fünfer billiger als die Leinenausgabe. Obendrein weist sie ein viel schöneres Titelbild auf, als es die Arena-Ausgabe zu bieten weiß. Natürlich könnte sich der kundige Astronom fragen, was das für ein Riesenplanet sein soll, der da am Himmel hängt. Aber man sollte Titelbilder sowieso nur als poetische Interpretationen des jeweiligen Künstlers auffassen.

Taschenbuch: 334 Seiten
ISBN-13: 978-3404243952
www.arena-verlag.de

Parker, Robert B. – Widow\’s Walk – Ein Spenser-Krimi

_Prophetische Warnung: Wenn Banker und Immohaie abzocken_

Mary Smith, die junge Witwe des erschossenen Finanziers Nathan Smith, wird des Mordes verdächtigt. Spenser soll im Auftrag der Verteidigung ihre Unschuld beweisen. Der Haken: Mary Smith erbt nicht nur das Vermögen, sondern auch die Lebensversicherung in Höhe von 10 Millionen. Ein Motiv?

Der deutsche Titel lautet „Die blonde Witwe“. Die Übersetzung ist bei Pendragon erhältlich.

Hinweis: „Widow’s Walk“ ist übrigens ein architektonischer Fachausdruck und bezeichnet eine Dachplattform mit Geländer.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
„Widow’s Walk“, „Hugger Mugger“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser hat früher mal für die Staatsanwältin Rita Fiore gearbeitet, und auch jetzt noch sieht sie atemberaubend aus. Kein Wunder also, dass er ihre Bitte, für ihren neuen Arbeitgeber Cone & Aokes (Anwälte), zu ermitteln, nicht ablehnen kann. Eigentlich hat er schon eine Dame seines Herzens, nämlich Susan Silverman. Aber Freunde wie Rita Fiore zu haben, zahlt sich immer aus.

Mary Smith ist die frischgebackene Witwe des Finanzmaklers Nathan Smith, mit dem sie sieben Jahre verheiratet war. Er wurde in seinem Bett in der dritten Etage ihres gemeinsamen Stadthauses in Boston erschossen, während sie im Erdgeschoss Fernsehen schaute. Sie hörte keinen Schuss, und als sie den Toten entdeckte, habe sie die Polizei angerufen, sagt sie aus. Die Alarmanlage war noch eingeschaltet, und sie kenne sich mit derlei „mechanischen Dingen“ nicht aus. Wie also kam der Mörder ins Haus?

Das sieht doch schon mal recht merkwürdig aus für Mary. Leider deuten die Schmachspuren auf den Händen darauf hin, dass Nathan seine Hände abwehrend vor sein Gesicht hielt, er also den Mörder ansah, als er erschossen wurde. Es war somit kein Selbstmord. Es sieht so aus, als hätte die Anklage die besseren Karten. Nicht nur, dass der kleine Gauner Joe deRosa von ihr mit 25.000 Dollar für den Mord bezahlt worden sei, spricht laut Polizei gegen Mary. Auch der Umstand, dass sie nicht das Vermögen erbt, sondern auch die Lebensversicherung in Höhe von 10 Mio. Dollar einstreichen wird, spricht für ein sehr gutes Tatmotiv.

Dass Joe deRosa abstreitet, jemals den Auftrag ausgeführt zu haben, obwohl er Marys Geld nahm, findet Spenser ein wenig verwirrend. Noch merkwürdiger findet er allerdings, dass eine so feine und bekannte Anwaltskanzlei wie Kiley (Anne) & Harbaugh einen solchen Schmalspurgauner wie Joe vertritt. Und wenn Joe nicht schoss, dann vielleicht der mysteriöse „Chuck“, der ihm den Job anbot? Irgendjemand sagt nicht die Wahrheit – wie üblich.

Kaum beginnt sich Spenser für den Hintergrund von Mary – sie hat nur einen Oberschulenabschluss – und Nathan Smith, den Bankier, zu interessieren, merkt er, dass er beschattet wird. Die Frage ist natürlich, wo für die Gegenseite der Schmerzpunkt ist, also beginnt er, noch mehr zu schnüffeln. Nachdem Brinkman Tyler, den Börsenmakler des Bankiers Smith, aufgesucht hat, stellen sich ihm zwei seiner Beschatter in den Weg. Er macht sie beide fertig. Sie zu fragen, wer sie geschickt hat, wäre zwecklos: Sie wissen nichts. Und Spenser weiß bereits, dass sie für Felton Shawcross arbeiten, den Boss einer Immobilienfirma.

Einer der Namen auf der Gästeliste für Marys letzte Wohltätigkeitsgesellschaft lautet Marvin Conroy. Wieso hat Nathan Smith diesen Typen gebraucht, um seine Bank zu führen? Amy Peters ist Conroys PR-Dame und sehr nett, weiß aber nichts. Sie kommt zu Spenser, um ihm zu sagen, sie habe Angst vor Conroy, der alles über ihr Gespräch wissen wollte. Wenig später wird sie tot aufgefunden – angeblich Selbstmord. Genau wie bei Nathan Smith. Offensichtlich geht hier jemand über Leichen. Aber um welches Geheimnis geht es, das so wichtig ist, dass Leute dafür sterben müssen?

_Mein Eindruck_

Die Geschichte beginnt täuschend einfach, indem uns der Autor mit einem alten Klischee ködert: die dumme sexy Blondine. Tatsächlich ist Mary, obwohl Gattin eines reichen Bankiers, dumm wie Bohnenstroh, denn sie hat lediglich die Oberschule geschafft und hing danach bloß mit irgendwelchen Versagern herum. Sie schläft sogar immer noch mit ihrem Oberschulenverhältnis Roy. Denn ihr Gatte Nathan war ganz anders gepolt: Er stand auf kleine Jungs, denen er angeblich zu einem guten Start ins Leben verhelfen wollte.

Das Problem, das Spenser zunehmend hat, ist, wie üblich, ein großer Haufen Lügen und zu viele Informationen. Selbst der Rat seiner Dauerfreundin Susan wirft nur ab und zu einen Lichtstrahl in dieses Dickicht widersprüchlicher Hinweise. Doch eines scheint immer klarer zu werden: Während Mary, Roy und ihr „PR-Manager“ Larson Graff (noch ein Schulfreund) etwas mit der Vertuschung von Nathan Smiths Mord/Selbstmord zu tunhaben, ist Smith doch die Verbindung zu Marvon Conroy und Felton Shawcross. Joe DeRosa und seine angeheuerten Schläger und Killer sind bloß die Handlanger dieser beiden Finsterlinge.

Aber um was geht es diesen beiden Drahtziehern überhaupt, fragt sich Spenser zwangsläufig. Conroy sitzt in der Bank, und Shawcross besitzt eine Immobilienfirma – die von einem Tag auf den nächsten aus ihren Büroräumen verschwunden ist. Folglich muss es um einen Immobilienbetrug gehen, den Nathan Smiths und Conroys Bank finanzieren sollte. Dabei wäre natürlich ordentlich Reibach zu machen. Fragt sich nur, für wen. Und warum war Nathan Smith schließlich jemandem im Weg?

Die Auftritte von Spenser und seinem schwarzhäutigen Alter Ego Hawk sind wie immer ein Hochgenuss an Ironie und unausgesprochenen Zwischentönen. Außerdem kabbeln sich die beiden über Fragen der Rasse und der Bildung. Während Spenser wirklich belesen ist und gerne mit Zitaten um sich wirft, macht Hawk ihn gerade zum Tort, einen dummen Ghettodussel, der nicht mal eins und eins zusammenzählen kann. Doch das ist nur Show. Die beiden sind im gleichen Boxklub und trainieren, wann sie nur können. Deshalb beeindrucken sie auch regelmäßig die Damenwelt.

Spenser ist aber auch ein Gourmet, der gerne auch einfallsreiche Speisen für seine Liebste zubereitet. Diese will es ihm gleichtun und bereitet mit der kräftigen Hilfe von Miracle Whip auch mal Sandwiches zu. Die beiden haben schon einiges miteinander durchgemacht. Sie kennen sich seit 25 Jahren, waren aber zwischendurch anderweitig liiert. Diese andern Beziehungen tauchen immer wieder auf, und nur der wahre Spenser-Fan, der alle Romane gelesen hat, kennt die Hintergründe. Wer erst in die Serie einsteigt, sollte diese Hinweise einfach ignorieren und sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Denn natürlich steht am Schluss der Ermittlung ein zünftiger Showdown. Nachdem Spenser schon fast alle Zusammenhänge erfahren hat, warnt er die Überlebenden vor der Rache Felton Shawcross‘. Dieser Finstermann will sicherlich alle umlegen, die ihn mit Nathan Smith in Verbindung bringen könnten. Im Zuge dieser Aufklärung lässt Spenser durchaus mal Gnade vor Recht ergehen, aber Showcross muss irgendwann dran glauben. Fragt sich nur, ob Spenser dieser Begegnung überlebt.

_Unterm Strich_

Dieser Spenser-Fall hat mich ebenfalls – wie schon „Walking Shadow“ – vollständig zufriedengestellt. Man kann das Taschenbuch ohne Weiteres an einem halben Tag lesen, und ich habe die ersten 200 Seiten (von 325) in nur einer Sitzung geschafft. Der Rest war ein Kinderspiel. Ich habe besonders die Schilderung des Showdowns genossen.

Während die Ermittlung immer wieder durch handfeste Actionszenen in Atem gehalten wird, gibt es doch immer wieder Aussprachen, die für Auflockerung sorgen. Die Dialoge mit Hawk und Susan sind köstlich und voller Hintersinn. Ich hoffe nur, dass die Übersetzung diese Untertöne ebenfalls erfasst. Die Begegnung mit der titelgebenden Witwe sind jedoch alles andere als eine Freude, es sei denn, man hat einen Sinn für Masochismus: Wenn Dummheit wehtun würde, dann müsste Mary Smith, geborene Toricelli, Schreikrämpfe kriegen. Und diejenigen, die ihrem ahnungslosen Gerede zuzuhören gezwungen sind, brauchen danach einen doppelten Scotch.

Die wahre Aussage des Romans bezieht sich natürlich auf die dunklen Machenschaften zwischen Banken und Immobilienfirmen. In diesem Gemauschel lässt sich nicht nur eine Bank total ausnehmen, sondern auch der Staat, denn der zahlt gegen Hypothekenausfälle eine Versicherung – noch mehr Reibach. Indirekt warnt der Autor also sowohl Banken als auch die Behörden vor Betrüger im Häusermarkt – und das bereits sechs Jahre vor dem großen Hypotheken-Crash von 2008.

|Taschenbuch: 325 Seiten
ISBN-13: 978-0425189047|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066

Parker, Robert B. – Walking Shadow – Ein Spenser-Krimi

_Zwielichtige Geschäfte in Port City_

Eigentlich soll Spenser in Port City nur herausfinden, wer der Stalker ist, der dem Direktor des einzigen Theaters nachstellt. Doch als Spenser die Aufführung eines politisch umstrittenen Stücks besucht, wird ein Schauspieler auf offener Bühne erschossen. Nun hat er noch einen Auftrag. Allerdings bekommt er von Lonnie Wu, dem Anführer einer chinesischen Gang, unmissverständlich klargemacht, dass er sich von Port City fernhalten soll, sonst … Natürlich tut Spenser genau das Gegenteil. Und so kommt eine verhängnisvolle Kette von Ereignissen in Gang, die drei Menschenleben fordert.

Der Titel der deutschen Übersetzung lautet „Die unsichtbaren Killer“.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818 , „Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Privatdetektiv Spenser hätte nicht gedacht, dass seine Freundin, die Psychotherapeutin Susan Silverman, im Aufsichtsgremium eines veritablen Theaters sitzt. Und das ist der Grund, warum sie ihn nach Port City mitnimmt, dem Sitz des Theaters. Er soll den Stalker aufspüren, der dem Theaterdirektor das Leben schwer macht.

Port City ist ein heruntergekommener Hafen, über dem es ständig zu regnen scheint. Die Bevölkerung besteht zu sechzig Prozent aus Chinesen und Portugiesen, den früheren Arbeitern in den Fischfabriken, und der weißen Oberschicht. Die lebt oben auf dem Hügel, der Rest unten am Hafen. Kein Wunder, dass das Theater, das dort unten errichtet wurde, sich keiner sonderlich sicheren Nachbarschaft erfreut.

Das erste Gespräch ist ergebnislos, also setzen sich Spenser und Susan in die Aufführung, zu der sie eingeladen wurden. Das Stück ist kontrovers und fordert alle Vorurteile heraus. Als der Schauspeiler Craig Sampson den Song „Lucky in Love“ anstimmt, trifft ihn die Kugel eines Scharfschützen ins Herz. Spensers sofort geleistete Erste Hilfe kommt zu spät. Nun hat er einen zweiten Auftrag an der Backe. Wer erschoss den Schauspieler? Und das alles ohne Bezahlung.

In der anschließenden Vorstandssitzung bittet er das Aufsichtsgremium um Mithilfe bei der Aufklärung. Pustekuchen! Die Chinesin Rikki Wu bringt sogar deutliche Vorbehalte und Einwände gegen eine Ermittlung vor. Sheriff DeSpain sucht in alle Richtungen. Der frustrierte Spenser lädt sie in das Restaurant ihres Mannes Lonnie Wu ein, doch auch hierbei erfährt nichts. Der Grund wird klar, als Spenser in der Wohnung des Ermordeten etwas findet, was DeSpains Beamte geflissentlich übersehen haben, obwohl es sich an einem offensichtlichen Versteck befand, an der Unterseite einer Schublade: Fotos von Rikki Wu und Craig Sampson.

Doch vor diesem erhellenden Fund hat bereits Lonnie Wu Spenser einen Besuch abgestattet. Er verbot Spenser, jemals wieder einen Fuß in Port City zu setzen. Die beiden vietnamesischen Totschläger in Wus Begleitung versuchen diesem Wunsch Nachdruck mit Pistolen zu verleihen, doch Spenser reagiert schneller, indem er Wu einen geladenen und gespannten Revolver unter die Nase hält. Wu zieht wieder ab, doch wenige Tage später tauchen die beiden Vietnamesen wieder in Spensers Wohnung auf …

Nachdem auch diese Problem erledigt ist, wagt sich der fortan wütende Spenser nur noch mit Begleitschutz in die offenbar von einer chinesischen Tong beherrschte Stadt, einer Verbrecherbande. Und er vermutet, dass sie auch den Sheriff bereits eingesackt haben. Als Spenser mit seinem Freund Hawk und dem Exknacki Vinnie Morris im Restaurant sitzt, setzt sich die Schauspielerin Jocelyn Colby zu Spenser, um ihn um Hilfe zu bitten. Ihr Auftritt ist wahrlich sehenswert, stammt aber aus einem Melodrama. Sie habe Angst vor einem Stalker. Schon wieder Einer, denkt Spenser genervt.

Das Blatt wendet sich, als kurz darauf eine Salve Kugeln das Restaurant durchsiebt und Tage darauf Spenser eine Videocassette ins Büro flattert: Darauf sitzt die verschwundene Jocelyn Colby gefesselt und geknebelt auf einem Stuhl. Wurde sie entführt? Wo ist dann die Lösegeldforderung? Und etwas an diesem Video kommt Spenser verdächtig bekannt vor …

_Mein Eindruck_

In diesem „Spenser“-Krimi führt Meister Parker zwei ziemlich unwahrscheinliche Welten zusammen und lässt sie aufeinanderprallen: das Theater und chinesische Verbrecherbanden. Die Nahtstelle zwischen den Welten bilden einerseits Rikki Wu, Lonnies Wus untreue Ehefrau, und zum anderen die Schauspielerin Jocelyn Colby, die eine alte Verbindung zu Sheriff DeSpain hat, der wiederum von Lonnie Wu bezahlt wird. Diese Dreiecksgeschichten führen zu explosiven Konflikten, wie man sich unschwer vorstellen kann.

Port City scheint fest in chinesischer Hand zu sein, aber dass darf natürlich keiner merken. Deshalb spielen Rikki Wu, Jocelyn und der Sheriff allesamt Theater. Allerdings merkt dies Spenser erst nach und nach, denn er zu Anfang immer noch mit den zwei Stalkern und anderen „wandelnden Schatten“ befasst, wie sie am Theater durchaus üblich sind. Die Scheinwelten durchdringen einander, die falschen Identitäten ebenso.

|Die Chinesen|

Spenser muss natürlich herausfinden, womit Lonnie Wu am meisten Geld macht. Sind es Drogen, ist es Prostitution, Schutzgelderpressung? Nein, durch Zufall erfährt er, dass auf der Brant-Insel nächtens bis zu hundert Chinesen heimlich an Land gehen: illegale Einwanderer, so unwirklich wie Geister, und doch höchst lukrativ. Der Schleuserlohn beträgt mehrere tausend Dollar pro Nase, und Lonnie bekommt natürlich einen erklecklichen Anteil daran.

Die Einwanderer arbeiten für einen Hungerlohn, um es sich vom sauer Ersparten leisten zu können, den Rest der Familie nachzuholen. Mit Spenser als Alter Ego stößt der Autor seine Leser mit der Nase auf diese Misere und fordert sie auf, etwas dagegen zu unternehmen. Spenser erreicht bei Lonnie Wus Boss Little Eddie, dass die illegale Einwanderung aufhört. Zumindest in Port City. Wir erhalten einen tiefen Einblick in die chinesische Kultur und Mentalität.

|Die Schauspielerin|

Jocelyn Colby macht hingegen jede Menge: Sie hat es auf Spenser abgesehen. Wie ein kleines Mädchen, das auf Vaterfiguren steht, um mit ihnen ins Bett zu gehen – solange es etwas Verbotenes ist. Diesmal hat sie es auf ihn abgesehen, doch er befindet sich zum Glück bereits in festen Händen, wie er Susan versichert.

Doch eine enttäuschte Jocelyn lässt das nicht auf sich beruhen, sondern rächt sich. Dass ihr Verhalten mehr als einen Mann ins Unglück gestürzt hat, muss auch Port City feststellen: Die geisteskranke Frau, wie Spenser und Hawk sie nennen, hat mehr als einen Mann auf dem Gewissen. Ihre Krankheit besteht darin, dass sie nicht zwischen Realität und der Scheinwirklichkeit des Theaters trennen kann. Ihre Anmache wirkt deshalb stets so unecht wie eine Performance.

|Action|

Sobald Lonnie Wu auftritt, ist Action angesagt. Die Sprache der Waffen wirft die spannende Frage auf, wann die vietnamesische Todesschwadron, die für den Bandenchef arbeitet, Spenser erwischen wird. Der Privatdetektiv wagt sich nach Port City nur noch mit seinem eigenen, schwer bewaffneten Kommando, und die Patrouille, begleitet von einer Dolmetscher, könnte jederzeit zu einer Schießerei eskalieren. Diese Spannung muss sich schließlich entladen. Das passiert jedoch ganz anders als erwartet.

|Humor|

Ich habe bislang keinen „Spenser“-Krimi ohne Humor gelesen. Stets sorgen die ironischen Dialoge zwischen dem Helden und seiner „Jewish American Princess“ Susan Silverman für ironie-induzierte Schmunzeln. Und wollen sie sich einmal körperlich näherkommen, so zwängt sich garantiert die eifersüchtige Hündin Pearl dazwischen. Sie hängt sehr an ihrem Frauchen.

Nicht so witzig fand ich hingegen Spensers Bildungsgeprotze mit all den Zeilen, die er aus unterschiedlichsten Stücken Shakespeares oder aus T.S. Eliots Gedichten zitiert. Ich weiß ja schon, dass er schrecklich belesen ist, aber dass er nun auch noch am Theater den Geek raushängen muss, finde ich übertrieben. Ein Gutes hat die Sache allerdings: Seine Sprüche und Anspielungen verwirren den geistig minderbemittelten Gegner regelmäßig – mit Ausnahme von Susan natürlich.

_Unterm Strich_

Nach dem recht mittelmäßigen und klischeebeladenen Krimi „Stardust“ (dt. Titel „Starallüren“) konnte ich mit „Walking Shadow“ wieder richtig aufatmen. Die wendungsreiche Story wird durch mehrere Actionszenen und erotische Anmachen aufgepeppt und mündet in der mysteriösen Entführung der Jocelyn Colby, die mehrere Männer auf dem Gewissen hat. Gerade wenn der Leser – wie der Held – meint, die Geschichte sei an einem toten Punkt angelangt, besinnt sich Spenser wieder auf seine Tugenden – und entdeckt den entscheidenden Hinweis, wie üblich in der Vergangenheit.

Während der Autor das Theater, abgesehen von den Klassikern, nicht sonderlich ernstnimmt, so widmet er sich doch dem Problem der illegalen Einwanderung aus China umso ernsthafter. Er zeigt nicht nur die Ausbeutung der Eingewanderten, sondern auch die Korruption, die die Schleuser und Gangsterbanden (Tongs) verursachen und fördern – auch unter den einheimischen Behörden. Sowohl durch die Anklage dieser Verbrechen als auch durch einen Blick auf das Elend, in dem die Einwanderer schuften müssen, fordert der Autor den Leser auf, etwas gegen beides zu unternehmen. Mehr kann ein Buch nicht tun, will es nicht zu einem Pamphlet verkommen.

|Taschenbuch: 270 Seiten
ISBN-13: 978-0399139611|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/putnam.html

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Parker, Robert B. – Paper Doll – Ein Spenser-Krimi

_In Boston wie im Süden: die Tyrannei weißer Männer_

Die Frau eines angesehenen Bostoner Anwalts wird mitten in der Stadt unweit ihres Hauses mit einem Hammer erschlagen. Nach erfolglosen Ermittlungen hält die Polizei den Fall für die Tat eines Verrückten und kommt nicht weiter. Deshalb bittet der Witwer den Privatdetektiv Spenser um Hilfe. Schon bei seiner ersten Nachforschung in der Heimat der Ermordeten, bekommt Spenser mordsmäßig eins auf die Mütze. Jemand will nicht, dass er den Mord aufklärt. Aber warum?

Deutscher Titel: „Schmusepuppe“. Das trifft den Sachverhalt nicht wirklich.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

Spenser ist ein Privatdetektiv in Boston. Er lebt mit der Psychotherapeutin Susan Silverman und dem „Wunderhund“ Pearl zusammen, die er beide gerne mit Kreationen aus seiner Küche verwöhnt. Heute kommt der wohlhabende Anwalt Loudon Tripp-Nelson zu ihm. Offenbar hat er Spensers Hintergrund gründlich überprüft. Er kommt zu ihm auch nur, weil die Polizei überhaupt nicht weiterkommt: Seine Frau Olivia wurde von einem Unbekannten mit einem Zimmermanshammer erschlagen, mitten auf einem Platz im Nobelviertel Beacon Hill, wo Tripp-Nelsons Haus steht. Der von ihm ausgestellte Scheck ist beträchtlich, und Spenser nimmt den Fall deshalb gerne an.

Der Polizeileutnant hat keine großen Erkenntnisse beizutragen, ebenso wenig der eigentliche Bearbeiter des Falles, Farrell. Tripp-Nelson und seine Frau seien offenbar Heilige gewesen und ihre zwei Kinder Loudon junior und Meredith ebenfalls kleine Heilige. Die zwei gehen aufs College. Als Spenser das Haus in Augenschein nimmt, stellt er fest, dass die Eltern getrennte Schlafzimmer haben. Zudem sehen die Zimmer von Olivia und den Kindern wie Gästezimmer aus: unbewohnt, ausgestellt, präsentabel. Sehr merkwürdig. Junior wirft Spenser raus. Was hat denn der für ein Problem, fragt sich der Privatdetektiv.

Noch merkwürdiger ist Tripp-Nelsons Sekretärin. Ann Summers ist eine Wucht und einem Abenteuer zwischen den Laken sicher nicht abgeneigt. Wenn Spenser seine Susan nicht hätte … Aber Ann Summers will nichts über die Familie ihres Brötchengebers sagen und auch nicht verraten, warum sie zwischen neun und vier praktisch nichts zu arbeiten hat. Sie liest stattdessen, gut für ihre Bildung. Aber was macht sie in Wahrheit den lieben langen Tag?

Dass Senator Bob Stratton sich für den Fall interessiert, hat Spenser schon gehört. Als er ihn im Club seines Klienten trifft, macht der Senator schlüpfrige Bemerkungen über junge Damen, bevor er Tripp-Nelson sein Beileid ein wiederholtes Mal ausdrückt. Eine interessante Figur, ohne Zweifel.

|Im tiefen Süden|

Da es weder einen Täter noch ein Motiv gibt, gräbt Spenser in der Biografie des Opfers. Hatte es jemand aus der Vergangenheit auf sie abgesehen? Also fliegt er nach Alton, South Carolina, und quartiert sich dort ein. Kaum ist er von einem Besuch an Olivias Schule zurück, merkt er schon, dass sein Hotelzimmer durchsucht worden ist. Nichts fehlt, aber vor dem Hotel steht ein blauer Buick, der sofort wegfährt, wenn er auf ihn zugeht. Wird er von der Polizei überwacht?

Ja, so ist es, erklärt der schwarze Hoteldiener Sedala, der Sheriff war da. Offenbar hat ihm jemand aus Boston einen Tipp gegeben, jemand, der hier viel zu sagen hat. Und Spenser hat da schon eine Ahnung, wer das sein könnte. Sedala gibt ihm noch einen Tipp: Sich mal eine kleine Frittenbuden anzusehen. Tatsächlich ist dort das Essen nicht nur besser und herzhaft, sondern es hängt dort auch ein Foto von Olivia Nelson an der Wand. Nur, dass die weiße Frau, die dieses Mädchen ihre Tochter nennt, gar nicht Nelson heißt, sondern Rankin. Das Foto zeige ihre Tochter Cheryl Anne. Spenser ist perplex.

Um sich Klarheit zu verschaffen, fährt er, stets überwacht, raus zu Olivias Vater Jack. Der war zu seiner Zeit nicht nur ein toller Jäger und Reiter, sondern auch ein Frauenheld, der laut seinem Pferdehalter alles besprang, das keinen Penis hatte. Allerdings ist Jack Nelsen inzwischen ein Halbtoter, der nur noch übergewichtig vor der Glotze hängt und Whisky süffelt. Als Spenser seine Tochter Olivia erwähnt, wehrt Nelsen ab: Er habe keine Tochter. Und sein alter Diener Jefferson erklärt es: Olivia heiratete einen Afrikaner und zog nach Kenia. Nelson hat sie quasi enterbt. Als der völlig überraschte Spenser ihn nach Cherryl Anne Rankin fragt, lügt Jefferson. Aber warum?

Kaum zurück im Hotel, erstattet Spenser einem ebenso erstaunten Polizeileutnant in Boston Bericht. Und da sieht er aus dem Fenster, wie die komplette Polizei vor seinem Hotel eintrifft. Die kommen bestimmt nicht, um eine Disco aufzumachen. Spenser bittet den Leutnant noch, ihm zu helfen, da wird er auch schon abgeführt, und zwar auf höchst illegale Weise. Aber das ist erst der Anfang seines Martyriums im tiefen Süden …

_Mein Eindruck_

Dies ist der erste „Spenser“-Krimi, den ich gelesen habe, und ich muss sagen, dass ich keineswegs enttäuscht bin. Anfangs sah der Plot wie ein Fliegengewicht aus, doch in seiner unnachahmlich lässigen Art führt der Autor seine Figuren immer weiter auf einer Spirale der Verzweiflung und Aufklärung. Genau so, als sei die Ermittlung eine andere Art des Exorzimus.

Im Brennpunkt der Ermittlung stehen erst zwei Familien: die von Olivia Nelson, die gar nicht Olivia Nelson ist, und die ihres angeblichen Vaters, der sich als ihr tatsächlicher Vater entpuppt. Olivias Mann Loudon Tripp ist ein Meister im Verdrängen der Wirklichkeit, wie Spenser mit wachsender Bestürzung feststellen muss. Olivias Bett war deshalb so sauber und präsentabel, weil praktisch nie darin schlief, sondern sich lieber in den Betten anderer Männer herumtrieb. Und seine Tochter Meredith ist deswegen so still, weil sie ein schreckliches Geheimnis zu verbergen hat.

Nur gut, dass Spenser eine Psychotherapeutin zur Freundin hat. So bekommt er eine Erklärung für die massive Realitätsverdrängung Loudon Tripps, ebenso für die von Jack Nelson, Olivias Vater. Und er findet jede Menge Erholung von seinen strapaziösen Ermittlungen im Süden und Boston, wenn er mit Susan ins Bett geht. Sie ist die Lauren Bacall für seinen Philip Marlowe – und hat genauso schlagfertige Antworten. Das sorgt für subtilen Yankee-Witz, für eine feine Ironie, die elegant an der Grenze zum schwarzen Humor entlangsegelt.

Doch abgesehen von den Tripp-Nelsons geht es auch um Senator Stratton. Der Mann, der sich zum Präsidentschaftskandidaten aufstellen lassen will, unternimmt einiges, damit Spenser seine Finger vom Fall „Olivia Nelson“ lässt. Nicht ohne Grund, hat er doch „Livvie“ viele Male nicht nur sexuell benutzt, sondern auch noch um all ihr Geld gebracht – „Parteispenden“ von seiner ehemaligen Wahlkampfhelferin. Doch dann ist er zu weit gegangen …

Natürlich ist es lachhaft, auch nur daran zu denken, dass ein Bostoner Cop sich an einem SENATOR vergreifen könnte. Ein SENATOR, der den Polizeipräsidenten locker in die Tasche stecken könnte. Und doch gelingt Spenser dieses kleine Wunder, und zwar auf seine unnachahmlich menschliche Weise, die zeigt, wie moralisch integer der Ermittler ist. Und als auch die Tripps der Wahrheit ins hässliche Medusenauge sehen müssen, hat auch Senator Stratton keine Worte mehr. Und uns bleibt die Spucke weg. Aber heißt dies auch, dass er der Mörder ist? Das soll hier nicht verraten werden.

|Der Buchtitel|

Die Übersetzung des Buchtitels „Paper Doll“ mit „Schmusepuppe“ trifft nur die halbe Wahrheit, nämlich „doll“, das umgangssprachliche Wort für „junge attraktive Frau ohne feste Bindung“, vulgo: „Schlampe“. Aber was ist mit „paper“? Die Titelillustration des Originals gibt schon einen Hinweis: Eine Papierpuppe lässt sich wie ein Abziehbild ausschneiden, sodass sie keinen eigenen Charakter hat. Oder sie hat den Charakter eines anderen Menschen angenommen, der fortan nur noch auf dem Papier existiert. Es geht also um eine falsche Identität – genau die Täuschung, die Spenser so zu schaffen macht.

_Unterm Strich_

In einer zunehmend spannenderen und beklemmenderen Ermittlung, die aber auch keiner Verschnaufpausen entbehrt, deckt der Autor die repressive Herrschaft des weißen Mannes auf – die „Tyrannei alter Männer“ („Pulp Fiction“ von Tarantino) vor allem. Im alten Süden, in South Carolina, hat Jack Nelson alles besprungen, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Die Tyrannei gegenüber Frauen ist nur die andere Seite der Tyrannei gegen die Schwarzen, deren Folgen Spenser allenthalben antrifft.

Doch was wir und Spenser nicht erwartet haben: Die Tyrannei des weißen Mannes setzt sich auch im Norden fort. Und nicht bei irgendwelchen Leuten, sondern bei einem Senator, also dem gewählten Vertreter eines Bundesstaates. Senator Stratton weiß sich in der sexuellen und finanziellen Ausbeutung von Frauen und ihren Familien jedoch völlig auf einer Linie mit anderen „Kameraden“, die seine schlüpfrigen Witze – besonders über Jungfrauen – lustig finden. Im Gegensatz zu Spenser. Und er befindet sich als Angehöriger der politischen Elite des Landes in „bester“ Gesellschaft, zum Beispiel in der der Kennedys Anfang der sechziger Jahre. Was sagt dies über ein politisch-kulturelles System aus?

Mich hat die Lektüre nie gelangweilt und ich fand sie zunehmend spannender, je mehr beklemmende Enthüllungen mir Spenser bzw. Parker offenbarten. Der Held würde heulen, wenn er nicht solch einen Rückhalt in seiner besten Freundin hätte – der weiblichen wie der hündischen.

Dieser „Spenser“-Krimi lässt sich nur schwer mit den „Jesse Stone“-Krimis vergleichen. Aber auch hier ist der lakonische Witz der Dialoge (Einzeiler am laufen Band) und die moralische Integrität und Unerschrockenheit des Ermittlers unverkennbares Markenzeichen des 2010 verstorbenen Autors Robert B. Parker.

|Taschenbuch: 279 Seiten
ISBN-13: 978-0425141557|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

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Parker, Robert B. – Death in Paradise (Jesse Stone 3)

_Eine Kugel für Pretty Baby_

Polizeichef Jesse Stone hat mit dem Mord an einem Teenager-Mädchen zu tun. Natürlich sucht er dessen Mörder. Aber wieso will in seinem Städtchen Paradise niemand der Angehörige des Mädchens sein, um die Leiche zu bestatten?

Dieser Roman wurde für die „Jesse Stone“-Serie mit Tom Selleck eindrucksvoll verfilmt. Allerdings weist die Fernseh-Episode eine Unmenge an Unterschieden auf. Diese erörtere ich weiter unten.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, 1932-2010, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Parker lebte in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen fast alle seine Krimis.

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) „Night and Day“
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) „Family Honor“
2) „Perish Twice“
3) „Shrink Rap“
4) „Melancholy Baby“
5) „Blue Screen“
6) „Spare Change“

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die derzeit 39 Romane umfasst, erschienen:

„Widow’s Walk“, „Potshot“, „Hugger Mugger“, „Potshot“, „Small Vices“, „Bad Business“, „Back Story“ …

Und viele Weitere.

Außerdem schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) „und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten „Chandler“-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O.K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.

_Handlung_

In einem nahen See wird die Leiche eines Mädchens gefunden. Sie muss sich schon einige Zeit darin befunden haben, denn die Verwesung hat eingesetzt. Sie wurde ermordet: Eine Kugel durch den Kopf, wahrscheinlich aus einer 38er. Polizeichef Jesse Stone Mitarbeiter finden am Ufer einen Schulring an einem Goldkettchen: Der recht umfangreiche und reich verzierte Ring stammt von der Swampscott High School und zwar aus dem Jahr 2000.

Das Mädchen könnte den Ring ihres Freundes an dem Kettchen getragen haben, sinniert Stone. Der Mörder schleppte die Leiche von seinem Auto durchs Unterholz bis in den See hinein, beschwerte sie dort mit Seil und Steinen, um sie am Aufsteigen zu hindern und versenkte sie dort. Wenig später finden Stones Mitarbeiter auch den Stein und das Seil – ein erster Hinweis. Er schickt gleich Arthur Angstrom los, um alle entsprechenden Läden abzuklappern. Vielleicht war der Mörder dumm genug, mit seiner Kreditkarte zu bezahlen.

Höchste Zeit, der Swampscott High School einen Besuch abzustatten. Die Rektorin ist Lilly Summers, DOKTOR Lilly Summers, eine adrette Lady – und derzeit unverheiratet. Jesse lädt sie sofort zum Mittagessen ein, sodass sie über den Fall des ermordeten Mädchens reden können. Wie sich herausstellt, könnte es sich um Elinor Bishop handeln, die von allen nur Billie genannt wurde und wohl so etwas wie eine Nymphomanin war. Sie schlief mit allen, doch nur einer war ihr wahrer Freund: William Royston, genannt Hooker, der Held des Jahrgangs, ein Vorzeigejunge.

Doch warum war Billie eine Nymphomanin und ihre Noten so schlecht, dass sie kaum die Versetzung schaffte? Sie war apathisch und interesselos. Jesse vermutet gleich, dass sie seelisch etwas aus der Bahn geworfen haben muss. Auch ihre Eltern sind sonderbar: Sie leugnen standhaft, dass sie eine Tochter namens Elinor oder Billie hätten. Was durch die Zahnarztunterlagen widerlegt wird. Dennoch beharrt die Mutter darauf, dass Billie für sie tot sei. Der Vater hat gefälligst die Klappe zu halten. Ebenso die dritte Tochter, Carla.

Aber wenigstens die zweite Tochter, Emily, redet mit Jesse. Sie hat eine Telefonnummer: Billie ging zu den Nonnen in Boston. Die Nonne, Schwester Mary John, hat ebenfalls eine Telefonnummer. Diese gehört dem Bostoner Gangster Gino Fish. Fish, der bekanntermaßen schwul ist und erst recht nichts sagt, habe nichts mit Prostitution am Hut, sagt die Bostoner Polizei, verkörpert durch Brian Kelly (den wir schon aus den Sunny Randall-Krimis kennen). Also legt sich Jesse mit seinem Mitarbeiter Suitcase Simpson und Kelly auf die Lauer. Nach Wochen entdecken sie: Es ist Fishs Rezeptionist Alan Garner, der den Prostituiertenring betreibt. Und die Huren sind blutjung – genau wie Billie. Hat einer der Freier Billie umgebracht?

Doch die Verbindung zu Paradise fehlt. Diese wird hergestellt durch die Verbindung von Gino Fish mit dem angesehenen Autor Norman Shaw, ein Alkoholiker mit einer sexuell frustrierten Frau, die sich an Jesse ranschmeißt. Shaw soll im Auftrag von Fish eine Biografie des Gangsters schreiben, gegen einen ansehnlichen Vorschuss. Jesse fragt sich, was Shaw für Fish getan haben könnte …

_Mein Eindruck_

Wie sich herausstellt, hat Gino Fish keine Ahnung von den Nebengeschäften seines Rezeptionisten Alan Garner, der einen Ring von minderjährigen Huren führt. Gut für Fish, schlecht für Garner. Denn wenn Fish die Wahrheit über seinen Lover herausfindet, bringt er ihn um. Das wissen auch die beiden Cops Stone und Kelly, als sie Garner schließlich in die Mangel nehmen. Aber sie lassen ihm ein winziges Schlupfloch: Wenn er Shaw verpfeift, kommt er ihne Mordanklage davon. Und die würde sich in seinem Lebenslauf – der durch Fish drastisch abgekürzt werden könnte – gar nicht gut ausnehmen.

Doch Stone und Kelly geht es um den Mörder von Billie Bishop. Wenn es weder Fish noch Garner war, dann kommt vorderhand nur Shaw in Frage. Ihr Problem ist allerdings, dass sie Shaw seine pädophilen Neigungen nachweisen müssen. Das kann eine der geschiedenen Gattinnen besorgen. Und sie müssen Billie mit ihm in Verbindung bringen. Wie ginge das besser als über Garner?

Dieser „Jesse Stone“-Krimi nimmt sich wie schon „Sea Change“ und „Paper Doll“ des heißen Eisens der Pädophilie an, diesmal aber auch des Themas Prostitution von Minderjährigen. Beide Themen entfachen in Jesse Stone sowohl Depression als auch Wut. Er hat Billie gegenüber ein heimliches Versprechen abgegeben, ihren Killer zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Bis ihm dies gelingt, besteht ein langer Spannungsbogen, der vier kleine Nebenhandlungen mühelos stützt.

Diese Nebenhandlungen umfassen 1) eine Liebschaft mit Lilly Summers, von der er Jenn informiert; 2) weitere Treffen mit Jenn; 3) Jesse besucht erstmals eine Psychotherapeuten, dem ihn Jenn empfiehlt: Dix soll Jesse von seiner Alkoholsucht befreien; und 4) Mr Snyder, ein Alkoholiker wie Jesse, schlägt seine Frau, doch Jesse verhilft ihr zur Freiheit – was zu einer Geiselnahme in einem Supermarkt führt. In Snyder entdeckt Jesse einen Aspekt seiner selbst, der ihm gar nicht gefällt. Und zum ersten Mal findet er selbständig heraus, was damit nicht stimmt.

|Unterschiede zur Verfilmung|

Dieser Roman wurde für die „Jesse Stone“-Serie mit Tom Selleck eindrucksvoll verfilmt. Allerdings weist die Fernseh-Episode eine Unmenge an Unterschieden auf. Während die „Snyder“-Episode relativ unangetastet blieb, sondern fordert der blutige Abschluss der Geiselnahme ein bedauernswertes Opfer. Die Ermittlung in Boston dauert längst nicht so lange, wie sie im Buch dargestellt wird. Vielmehr findet Jesse Stone im Film in Billies Zimmer (!) ein Buch von Norman Shaw – quasi ein Wink mit dem Zaunpfahl.

Signifikanter ist eigentlich der Abschluss des „Fish/Garner“-Strangs. Im Film spielt Garner praktisch keine Rolle, wenn ich mich recht entsinne. Vielmehr läuft alles auf eine Konfrontation zwischen Fish, seinem Schützen Vinnie Morris (bestens aus den „Spenser“-Krimis bekannt) und Stone hinaus. Davon kann im Buch nicht die Rede sein. Im Film wird plötzlich Fish zum Mörder von Billie gemacht, was Shaw ziemlich entlastet. Das widerspricht auf eklatante Weise der Absicht des Autors, der alle Schuld an Billies Tod auf Shaw ablädt.

Wie man sieht, ist der Drehbuchautor mit der Vorlage regelrecht Schlitten gefahren. Die Abkürzungen und Verdrehungen sind wirklich ärgerlich. Ich musste mich erst von diesen Verfälschungen freimachen, um die Romanvorlage wirklich genießen zu können. Wohl dem also, der die Verfilmung noch NICHT kennt!

_Unterm Strich_

Ich habe diesen Krimi an zwei Tagen gelesen. Wie bei allen „Jesse Stone“-Romanen Parker sorgt die Verbindung aus Verbrechen, sozialem und menschlichem Drama sowie erotischer Nebenhandlung dafür, dass sowohl männliche als auch weibliche Leser gut unterhalten werden. Parker prangert die Ursachen der Prostitution von Minderjährigen genauso an wie die verlogene Moral der Freier, die die Minderjährigen ausnützen. Der Regisseur Louis Malle hat mal eine Minderjährige zum „Pretty Baby“ hochstilisiert, doch der Film ist ebenso verlogen wie die Freiermoral.

Was mir diesmal fehlte, was die Action, die beispielsweise die „Stone“-Romane „Trouble in Paradise“ und „Stranger in Paradise“, aber vor allem die „Spenser“-Krimis zu liefern wissen. Außerdem fehlte mir die Erklärung für Billies nymphomanisches Verhalten und dessen Auslöser. Deshalb gibt es einen Punktabzug.

Der Leser sei ausdrücklich vor der verfälschenden TV-Verfilmung gewarnt. Sie verhinderte, dass ich diesen Roman so gut genießen konnte, wie ich von den „Stone“-Krimis gewohnt bin. Denn die TV-Bilder überlagerten immer wieder die Darstellung im Buch. Und letzten Endes widerspricht die Aussage des Films der Absicht des Autors. Während Parker mit dem Schriftsteller hart ins Gericht geht, ist im Film der Gangster der Böse – das Klischee ist mal wieder bestätigt.

|Taschenbuch: 289 Seiten
ISBN-13: 978-0425187067|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/berkley.html

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066