Alle Beiträge von Michael Matzer

Lebt in der Nähe von Stuttgart. Journalist und Buchautor.

Jack Kerley – Den Wölfen zum Fraß (Carson Ryder 3)

Bittere Erkenntnis: Die eine Hand gibt, die andere nimmt

Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, und sein Partner Harry Nautilus werden zum Schauplatz eines grausigen Verbrechens gerufen. Eine junge Reporterin wurde auf brutale Weise ermordet. Der Mann, dessen Fall sie untersuchte, stirbt im Gefängnis an Gift. Bei einem Hochhausbrand kommt eine Prostituierte ums Leben. Ryder und Nautilus kombinieren messerscharf – und glauben nicht an das Werk eines einzelnen Psychopathen. (Verlagsinfo)

_Der Autor_

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Brian Herbert / Kevin J. Anderson – Butlers Djihad (Der Wüstenplanet: Die Legende 1)

Space-Opera der alten Frank-Herbert-Schule

Zehntausend Jahre, bevor das Haus Atreides die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten (Dune) und seine wertvollen Spice-Vorräte antritt, ereigneten sich Dinge, die die Geschichte der Menschen veränderten – und die in späteren Legenden als Butlers Dschihad, der Kreuzzug der Maschinen und die Schlacht von Corrin erwähnt werden. Es ist die Zeit, in der die Künstlichen Intelligenzen (KIs) des irdischen Großcomputers Omnius die Synchronisierten Welten beherrschen, wohingegen die Liga der Edlen von Salusa Secundus aus eine Reihe freier Welten beschützt. Unter den Unverbündeten Welten befindet sich ein wüstenhafter Planet am Rande des Siedlungsgebiets: Arrakis.

Im Jahre 200 vor Gründung der Gilde (V.G.) wird dort erstmals Spice für den Export zu den Zentralwelten der Liga abgebaut. Doch es gibt jemanden, der einer göttlichen Vision folgt und gegen den absehbaren Raubbau einschreitet …

Die Autoren

Brian Herbert ist der Sohn des Schöpfers des Wüstenplaneten DUNE, Frank Herbert. Brian Herbert hat nicht nur selbst einige Science-Fiction-Romane geschrieben, sondern auch die Biografie seines Vaters („Dreamer of DUNE“). Er fragte Kevin J. Anderson, ob dieser an einer DUNE-Vorgeschichte mitarbeiten wollen. Anderson, selbst Autor von 12 Millionen verkauften Büchern (Akte X, Star Wars u.v.a.), sagte geehrt und begeistert zu.

Das Ergebnis der Kooperation war zunächst die Trilogie der „Frühen Chroniken“ des Wüstenplaneten, die aus folgenden Bänden besteht:

1)  Das Haus Atreides
2)  Das Haus Harkonnen
3)  Das Haus Corrino

Nun ist mittlerweile die zweite Trilogie „Der Wüstenplanet: Die Legende“ abgeschlossen. Sie besteht aus folgenden Bänden:

1) Butlers Djihad (The Butlerian Djihad)
2) Der Kreuzzug (The Machine Crusade)
3) Die Schlacht von Corrin  (The Battle of Corrin)

Ein weiterer Band namens „The Road to Dune“ ist 2005 erscheinen. Er versammelt u. a. aus dem ersten Roman“Der Wüstenplanet“ herausgenommene Kapitel. Weitere Bände befinden sich offenbar in Vorbereitung.

Vorgeschichte

Rund 1200 Jahre vor Gründung der Gilde (V.G.) übernahmen die „Maschinen“ die Herrschaft über die Menschen. Unter „Maschinen“ sind alle Roboter und KIs zu verstehen, die vom Zentralcomputer Omnius, dem „Allgeist“ gesteuert werden. Omnius hat Kopien seiner Zentraldatenbank auf den eroberten Welten installiert, die folglich als Synchronisierte Welten bezeichnet werden. Regelmäßige Updates halten sie auf dem neuesten Stand. Eine interstellare Telekommunikation gibt es nicht, daher müssen Langstreckenschiffe die Updates verteilen …

Wie konnte es zu diesem Supremat der „Maschinen“ kommen? Schuld waren die Rebellen, die das Alte Imperium stürzten. Das Imperium war alt und behäbig geworden, und ein junger Außenseiter namens Tlaloc (der Name eines antiken Regengottes) sah seine Chance und die Notwendigkeit, etwas Neues zu errichten: die Herrschaft der „Titanen“. (Diese einzelnen Vorgänge werden nicht kompakt, sondern sukzessive im Verlauf des Romans berichtet.)

Zwanzig Rebellen konnte Tlaloc für seine Sache gewinnen: Informatiker, Kämpfer, Bürokraten, Wissenschaftler, Gamer. Diese „Titanen“ hatten selbstverständlich bürgerliche Namen, die sie jedoch alsbald durch Decknamen wie Juno, Dante, Barbarossa oder Xerxes ersetzten. Nach dem Tod von Tlaloc ist inzwischen Agamemnon ihr Anführer. Er ist ein geborener Atreides. 13 Söhne hat er bis zum Jahr 200 V.G. aus seiner Samenbank gezeugt, doch zwölf davon erwiesen sich als Fehlschläge. Vorian Atreides, die Nummer 13, soll nicht nur eine wichtige Rolle im Roman spielen (und in „Der Kreuzzug“), sondern auch Agamemnons größte Enttäuschung werden. Vorian ist ein Update-Lieferant (s.o.).

Unter den Titanen erwies sich Xerxes als ein sinnenfreudiger, aber leider feiger Zeitgenosse. Nachdem die nahen Menschenwelten unterworfen waren, übertrug er immer mehr Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben an die KIs. Diese erkannten ihre Chance und übernahmen ihrerseits die Herrschaft von den Titanen. Der Coup überraschte die Titanen, und Omnius trat seine 1000-jährige Herrschaft an. Doch der Titan Barbarossa hatte die KIs darauf programmiert, aggressiv ihr Territorium auszudehnen. Dies nahmen die weiter entfernt liegenden Welten nicht hin und gründeten die Liga der Edlen mit Hauptsitz auf Salusa Secundus. Giedi Primus, spätere Hauptwelt der Harkonnen, gehört ebenfalls zum lockeren Schutzverband.

Doch die 20 Titanen haben sich unter der Omnius-Herrschaft stark verändert. Wie sonst hätten sie 1000 Jahre überdauern können? Auf den Vorschlag des Philosophen Eklo hin (der in „Butlers Djihad“ auftritt) trennten sie ihr Gehirn vom schwachen, hinfälligen Körper und versetzten es, eingehüllt in Nähr- und Kontaktflüssigkeit in auswechselbare, stabile Metallkörper. Sie sind nun Cymeks (ähnlich Cyborgs). Und natürlich müssen sie Omnius laufend ihre Loyalität unter Beweis stellen. Der Titan Ajax hat zum Beispiel die gesamte menschliche Bevölkerung der Welt Walgis ausgelöscht, um ihren Aufstand niederzuschlagen und ein Exempel zu statuieren.

Und natürlich verlangt die Programmierung von Omnius, weitere Welten zu unterwerfen. Diesmal ist Salusa Secundus an der Reihe. Wieder einmal.

Handlung

Salusa Secundus

Doch die Menschen der Liga haben technische Erfindungen gemacht, die regelmäßig von Tio Holtzman auf der Welt Poritrin geliefert werden. Sein Holtzman-Störschild – wir kennen ihn von der Arrakis-Festung – zerstört die Schaltungen in elektronischen Gehirnen, kann aber biologischen Gehirnen nichts anhaben. Deshalb fühlt sich die Bevölkerung auf Salusa recht gut geschützt, als der Angriff der irdischen Flotte der „Maschinen“ gemeldet wird.

Während die Roboter abstürzen oder abgeschossen werden, dringen jedoch zum Entsetzen der Truppenführung unbeschadet über zwei Dutzend Fluggeräte durch, die auf dem Boden ihre tödliche Fracht ausspeien. Gesteuert werden sie von Neo-Cymeks, also biologischen Gehirnen in mechanischen Robotern. Diese Neo-Cymeks – Agamemnon und Co. bleiben in sicherer Distanz – greifen nicht nur die Truppen und die Wohngebiete an, sondern haben es auf die Generatoren des Störschildes abgesehen.

Als der Tercero (oder Drittrangige) Xavier Harkonnen erkennt, befiehlt er den geordneten Rückzug seiner Truppen zu den Generatoren sowie die Konzentration der Angriffe auf die Neo-Cymeks. Da er mittlerweile durch Ausfall der Vorgesetzten zum Oberbefehlshaber geworden ist, leistet man ihm Folge. Obwohl er durch einen Gasangriff kaum noch atmen kann, führt er den Abwehrschlag erfolgreich an. Die Neo-Cymeks fliehen! Die feindlich Flotte verschwindet. Salusa ist gerettet!

Intermezzo

Xavier verlobt sich mit Serena Butler, der schönen und energischen Tochter des Parlamentspräsidenten Manion Butler. Sie setzt sich für humanitäre Hilfe auf angegriffenen und unverbündeten Welten ein und hat schon so manchen Lorbeer dafür geerntet. Auf eine Jagdpartie wird sie beim Liebesspiel schwanger. Die Empfängnis bemerkt sie angeblich erst, als sie schon im dritten Monat ist. Kein Wunder, denn sie hat viel zu tun: Salusa wiederaufbauen, Pläne gegen die „Maschinen“ schmieden und vieles mehr.

Auf der Welt Rossak ist ein eingeschworener Zirkel von telepathiebegabten Frauen unter Führung der strengen „Zauberin“ Zufa Cenva entstanden. Nur die Frauen des vielerorts giftigen und teratogenen Planeten sind in der Lage, einen Energieblitz mental zu erzeugen und so eine „Maschine“ außer Gefecht zu setzen. Dies ist der Vorläufer des Bene-Gesserit-Ordens. Nach dem erfolgreichen Einsatz wird Rossak Opfer eines Angriffs durch die Titanen …

Cenvas zwergwüchsige Tochter Norma ist eine geniale Mathematikerin, doch ihre Fähigkeiten werden von ihrer Mutter verkannt. Als ihr Vater, Zufas Lebensgefährte Aurelius Venport, ein wohlhabender Drogenhändler, ihr Tio Holtzmans Einladung überbringt, besorgt er ihr ein Ticket nach Poritrin. Norma erfindet auf dieser Sklavenwelt die schwebenden Leuchtgloben und das Suspensorfeld. Ihr gelingt die Anwendung des Holtzman-Schildes für Kriegsschiffe, während Holtzman selbst den Körperschild zur Serienreife bringt. Doch Wissenschaft muss nicht mit sozialem Gewissen gepaart sein. Die Sklaven bereiten den Aufstand gegen ihre Herren vor …

Auf Arrakis, dem Wüstenplaneten, sieht sich der ausgestoßene Zensunni-Wüstenbewohner Selim dem Tod durch Verdursten gegenüber. Oder ein Sandwurm wird ihn verschlingen. Durch Zufall gelingt es ihm, einen Sandwurm zu reiten und tief in der inneren Wüste eine botanische Teststation des Alten Imperiums zu entdecken. Er hat Wasser, Proviant und Informationen. Die Stationen bilden ein Netzwerk. Als er auch noch pure Spice-Melange isst, empfängt er eine göttliche Vision.

Giedi Primus

Der nächste Angriff der Maschinen gilt rund ein halbes Jahr später der rohstoffreichen Welt Giedi Primus. Es ist eine grüne Welt, vor dem Angriff. Giedi City verfügt über einen Störschild, doch Agamemnon hat eine List dagegen entwickelt. Er opfert ein komplettes Roboterschlachtschiff, das in seinem Sturz die Generatoren zerstört und den Planeten für den restlichen Angriff bloßlegt. Die „Maschinen“ installieren ihre Herrschaftsstruktur und beginnen, die Rohstoffe auszubeuten, mit den ehemaligen Bürgern als Sklaven.

Der Verlust von Giedi ist ein schwerer Schlag für die Liga. Xavier Harkonnen, inzwischen Segundo (Zweitrangiger) und mit künstlichen Lungen versehen, hatte die Verteidigung des Planeten selbst kürzlich inspiziert und macht sich nun schwere Vorwürfe, nicht an diese Schwäche gedacht zu haben. Doch seine Gedanken waren bei seiner Liebsten …

Serena jedoch hat einen Plan zur Befreiung Giedis vorbereitet, im Geheimen bereits einen Blockadebrecher und eine Mannschaft organisiert. Sie schleicht sich nächstens vom Liebeslager fort, um Salusa zu verlassen. Ihr Plan: Sie will den beinahe fertiggestellten Sekundärgenerator am Nordpol von Giedi instandsetzen und einen neuen Störschild errichten. Doch dieser kann natürlich nur effektiv wirken, wenn zugleich auch die Liga-Kampfflotte zu Hilfe eilt, um den Gegenangriff der Maschinen abzuwehren.

Xavier wird von Serenas geheim gehaltenem Plan ebenso überrumpelt wie das Liga-Parlament. Es ist jedoch sonnenklar, dass man Serena, immerhin eine Parlamentarierin und verdiente Bürgerin, nicht im Stich lassen kann. Xaviers Flotte trifft über Giedi ein und vernichtet die „Maschinen“, unterstützt von neuen Holtzman-Erfindungen und einer Rossak-Zauberin, die den Titanen Barbarossa besiegt. (Heoma wird später ein Schrein errichtet.)

Terra

Doch wo ist Serena abgeblieben, Xaviers Ein und Alles? Sie wurden von Robotern gefangen genommen und zur Erde gebracht. Dort soll sie dem unabhängigen Roboter Erasmus zu Anschauungszwecken dienen. Der Mengele-Nachfolger hat mit Omnius eine Wette abgeschlossen: Er will beweisen, dass man keinem Menschen trauen kann. Sollte er seine Wette gewinnen, so müsste Omnius alle Menschen auf der Erde exterminieren.

Doch bis es soweit ist, hat Erasmus noch viel Freude am Experimentieren mit Serena, die nun auf der Erde ihren Sohn zur Welt bringt: Manion Butler, Xaviers einzigen Sohn. Und schon bald registriert Erasmus zu seinem großen Missfallen, wie eine große Veränderung in dieser Menschenfrau vor sich geht …

Mein Eindruck

Zu meinem Missfallen fand ich mich gleich am Anfang mitten in einer Military-Action-Schmonzette wieder, in der sich der Schlagabtausch zwischen Menschen und „Maschinen“ in martialischen Handlungen erschöpft. Ich dachte schon, ich würde das Buch nach fünfzig Seiten in die Ecke feuern müssen, doch zum Glück kam es anders. Es ist nur eine von Kevin Andersons Standarderöffnungen, wie sie in jedem beliebigen seiner Star-Wars-Machwerke zu finden sind – und dort offenbar vom nach Action lechzenden (männlichen) Leser verschlungen werden. Wie George Lucas weiß Anderson, wie man das Publikum für ein Garn interessiert, auch wenn es noch so hanebüchen daherkommt.

Ich wage nicht, die einzelnen Kapitel jeweils einem der beiden Autoren zuzuordnen, aber ich schätze, dass ich mit der Zuweisung der Militäraction zu Anderson richtig liege. Doch was hat dann Brian Herbert geschrieben? Ich neige zu der Einschätzung, dass er sämtliche Szenen lieferte, die auf Arrakis spielen. Der Grund für meine Einschätzung liegt darin, dass diese Szenen erstens anders aufgebaut sind, keinerlei Militäraction beinhalten und – das ist der Hauptgrund – uns das Innenleben einer Figur auf das Intensivste öffnen.

Selim Wurmreiter

Daher gehört Selim Wurmreiter auf Arrakis zu den wenigen Figuren, die dem Leser nach dem Zuschlagen des Buches in Erinnerung bleiben. Obwohl er lange nicht so intim geschildert wird wie später Paul „Muad’dib“ und Herzog Leto Atreides, beginnen wir doch an Selims Schicksal Anteil zu nehmen. Sein buddhislamischer Zensunni-Glauben lässt ihn an die Vorsehung glauben und an einen Gott, der Großes mit ihm vorhat.

Diese Glaube deckt sich mit dem vieler Propheten – alle drei großen Weltreligionen kommen aus der Wüste, und das nicht ohne Grund. Die extremen Umweltbedingungen reduzieren die Wahrnehmung und Interpretation der Welt ringsum auf das Wesentliche. Und was könnte wichtiger sein, als in der lebensfeindlichen Arrakis-Wüste Methoden zum Überleben zu finden? Dazu gehört natürlich, Wasser zu finden, den Wurm zu reiten und letzten Endes die Herrschaft über die Spice-Melange zu erringen. Das ist ein volles Programm, und es dauert Jahre, bis Selim es umgesetzt hat. Ich fand es spannend, dies zu verfolgen. Aber leider geht es wie mit allen Episoden, die das Autorengespann liefert: Die Szenen sind oftmals viel zu kurz.

Erasmus

Der unabhängige Roboter – ein paradoxes Unikum schon von vornherein. Er ist das Paradebeispiel eines bösartigen Wissenschaftlers. Er stellt Experimente mit seinen menschlichen Zuchtsklaven an, um das Geheimnis menschlichen Verhaltens – vorgeblich für Omnius – herauszufinden. Und da gibt es ja bekanntlich so viele Widersprüche. Seine Lieblingsobjekte sind eineiige Zwillinge. Diese Vorliebe teilt er mit Dr. Mengele, dem grausamen Nazi-Arzt in Auschwitz, der dort tausende Opfer forderte.

Sein wichtigstes Experiment aber besteht in der Beobachtung der gefangenen Serena Butler, die in seiner feudalen Villa als Gärtnerin Sklavendienste verrichten muss und auf ihrer Heimatwelt für tot gehalten wird. Doch im Gegensatz zu den unterworfenen und vernachlässigten Sklaven hat er es bei Serena mit einer gebildeten Freien der Herrscherkaste von Salusa Secundus zu tun. Ein äußerst interessantes Objekt.

Seltsamerweise interessiert sich Erasmus (abgeleitet von Erasmus von Rotterdam, einem Humanisten des Mittelalters) nur für ihre Biologie und ihr Verhalten, nicht aber für die politischen Vorteile, die Omnius aus einer Geisel ziehen könnte. Sollen wir dieses Manko als Engstirnigkeit seitens der „Maschinen“ auffassen? Mir kommt es eher als Nachlässigkeit der Autoren vor. Andererseits: Würden die „Maschinen“ den freien Menschen von Seren erzählen, würden diese nur an eine Lüge glauben, halten sie doch Serena für tot, umgekommen auf Giedi Primus.

Vorian Atreides

Der Sohn des Agamemnon durchläuft eine Entwicklung, die ihn als Figur interessant macht, doch sein Umschwung basiert einfach auf neuem Wissen und seiner Liebe zu Serena, nicht mehr. Aus dem treuen Untertanen und Sohn, der sowohl seinen ruhmreichen Vater liebt als auch die Herrschaft der „Maschinen“ voll in Ordnung findet, wird durch diese Begegnung mit der ersten freien Frau seines Lebens ein anderer Mensch.

Eigentlich wollte er sich ja zum Neo-Cymek machen lassen und hat bereits die Langlebigkeitsbehandlung* über sich ergehen lassen, doch nun, nach seiner Konversion zum Glauben an die Freiheit der Menschen hält er wenig von einem Exoskelett. Dennoch empfangen ihn die Leute der Liga zunächst als Verräter – warum auch nicht? Besonders Xavier ist gegen ihn eingestellt. Er muss sich zunächst als Freund bewähren und verrät die militärischen Geheimnisse von Titanen, Omnius und Terra.

* Diese Langlebigkeitsbehandlung erfolgt zwangsweise durch Agamemnon. Sie ist nicht von Vorian erbeten worden. Folglich fühlt sich Vorian quasi durch seinen Vater wie vergewaltigt. Ich darf daran erinnern, dass auch in „Der Wüstenplanet“ Paul, der Sohn des Herzogs Leto Atreides, einer äußerst schmerzhaften Prüfung unter Zwang unterworfen wird (durch eine Bene Gesserit).

Beide Situationen sind nicht aus der Luft gegriffen! Sie haben ein reales Vorbild in Prüfungen, die der Autor Frank Herbert an seinem Sohn Brian vornahm und die für diesen selbstverständlich sehr schmerzhaft und demütigend waren. Frank fand die Prüfung notwendig und nahm sie in seinen DUNE-Roman auf, Brian münzt sie um und verarbeitet sie in „Butlers Djihad“. Siehe dazu besonders Brians Biografie seines Vaters: „Dreamer of Dune“ (bislang unübersetzt).

Der Djihad

Nun habe ich noch mit keinem Wort erklärt, warum dieser Roman den Titel einer Legende aus „Der Wüstenplanet“ trägt. Was ist nun mit dem „heiligen Krieg“ (‚djihad‘ heißt eigentlich „heiliger Weg“)? Und was hat das mit Serena Butler zu tun?

VORSICHT SPOILER

Im Jahre 201 V.G. wird Serenas Sohn Manion von Erasmus ermordet, ein Jahr später erscheint die Liga-Armada über Terra und vernichtet die „Maschinen“, darunter auch den Terra-Omnius (es gibt ja noch die Kopien!). Das ist aber nicht das, was man unter „heiligem Krieg“ versteht.

Um es dazu kommen zu lassen, muss es erst einen Aufstand der Menschen von Terra und anderen Planeten gegen ihre Roboterherren kommen. Die Ermordung Manion Butlers ist der Zündfunke, der das schon seit Jahren vorbereitete Pulverfass des Aufstandes endgültig zur Explosion bringt. Anführer ist auf Terra ein Vorarbeiter mit dem schönen Namen Iblis Ginjo (das arabische Wort „iblis“ bezeichnet eigentlich einen Teufel). Er hat sofort die freie Menschenfrau, die sich als Helferin der Erasmus-Sklaven profiliert hat, als potenzielle Galionsfigur erkannt und für seine Rebellion vereinnahmt. Sie ahnt davon nichts.

Doch der Aufstand gegen eine globale Maschinenkultur ist zum Scheitern verurteilt, wenn die Liga nicht eingreift. Als es endlich dazu kommt, ist dies der zweite Teil des Djihad. Nach erfolgreichem Abschluss müssen die restlichen Synchronisierten Welt befreit werden – der dritte Abschnitt des heiligen Krieges gegen die Maschinen.

Erst die Schlacht um Corrin, wohin Erasmus geflohen ist, entscheidet das Schicksal der „Maschinen“ und führt jene politischen Verhältnisse herbei, die in der Trilogie der drei Häuser und im Dune-Zyklus selbst wir vorzufinden gewohnt sind.

ENDE SPOILER

Unterm Strich

Der SF-Roman folgt wie alle Anderson-Herbert-Kooperationen dem bewährten Kochrezept eines Retorten-Bestsellers. Die Kapitel sind nicht länger als fünf Seiten, und wir bekommen daher gleich 126 Stück davon in mundgerechten Häppchen serviert. Das Glossar bewahrt den Leser vor größerer Verwirrung, selbst dann, wenn er noch nie einen Dune-Roman in der Hand gehalten hat.

Doch die Gefahr der Verwirrung ist denkbar gering: Die meisten Leser dürften DUNE-Junkies sein. Und ob der einfachen Sprache und kurzen Kapitel können schon 13- bis 14-Jährige das Buch verstehen, ohne Angst um ihre grauen Zellen haben zu müssen. (Der Sex ist jugendfrei, doch Blut – meist das Ersatzblut von Robotern – darf bis zur Decke spritzen. Amis haben mit Gewaltdarstellungen offenbar kein Problem)

Innerhalb des DUNE-Zyklus bringt der Roman noch eine weitere Vorgeschichtsebene, eben die legendäre Zeit des Djihad (den Paul und Leto Atreides ja fortsetzen sollten) mit der Schlacht um Corrin. Noch ahnen wir nicht, wie es zur Entstehung der Gilde und der Adelshäuser, zum neuen Imperator und der Blutfehde zwischen Atreides und Harkonnen kommt. Aber das soll noch in den Bänden 2 und 3 der Legenden-Trilogie nachgeliefert werden.

Fazit: durchschnittliche, aber gut gemachte Trivial-Science-Fiction im Space-Opera-Format alter Schule. Muss man nicht kennen, auch nicht als DUNE-Fan.

Originaltitel: DUNE: The Butlerian Djihad, 2002
797 Seiten
Aus dem US-Englischen von Bernhard Kempen
www.heyne.de

Pinternagel, Stefan / Neumann, Hans-Peter / Hoffmann, Christian – Kurt Vonnegut jr. und die Science Fiction

_Konziser Einstieg in Werk & Leben Vonneguts_

Dies ist der 17. Band in der Sachbuch-Reihe „SF Personality“ des Berliner |Shayol|-Verlags. Kurt Vonnegut (*1922) gilt als Humanist, Schwarzseher, Apokalyptiker, Idylliker und Zivilisationspessimist, als Satiriker „von heiterer Ironie und beklemmender Brutalität“ – oder einfach als Autor satirischer SF-Romane. Er selbst behauptete immer wieder, seine Bücher seien keine Science-Fiction, sondern weitaus fremdartiger. Nicht nur in den USA haben einige seiner Werke Kultstatus erlangt. (Verlagsinfo)

_Der Autor Kurt Vonnegut jr._

Der amerikanische Autor Kurt Vonnegut jr. wurde 1922 am Tag des Waffenstillstands von Compiègne, dem 11.11., geboren. Wie man seinem Namen schon entnehmen kann, ist er deutscher Abstammung. Seine Eltern lebten in Germantown, einem Ortsteil von Indianapolis, und entsprechend war auch sein Umfeld von deutschen Traditionen geprägt.

Wenn es nach Familientradition gegangen wäre, dann hätte auch Kurt Architekt werden müssen. Doch da die Branchenaussichten schlecht waren, zog er zunächst den Militärdienst vor. Allerdings wurde er erst 1944 in den Einsatz geschickt. Er wurde mit seinem Bomber abgeschossen und kam in Kriegsgefangenschaft nach Dresden. Dort erlebte er im Februar 1945 den alliierten Bomberangriff, der die Stadt in Schutt und Asche legte. Dies erzählt er eindrucksvoll in seinem verfilmten Roman [„Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“ 3005 sowie in „Mutter Nacht“.

Nach seiner Rückkehr in die USA heiratet Kurt am 1.9.1945 seine Jugendliebe Jane Marie Cox, zieht mit ihr nach Chicago, um Anthropologie zu studieren, beginnt als Reporter zu arbeiten und zieht 1947 nach Schenectady an der Ostküste, um als Public-Relations-Mann für den Konzern General Electric zu arbeiten. Das ist eine ganz neue, ganz andere Welt für ihn. Dass sein Bruder Bernard in der Forschungsabteilung arbeitet, hält Kurt nicht davon ab, die Atomwaffenproduktion des Rüstungskonzerns aus tiefstem Herzen abzulehnen. Ab 1949 betrachtet er sich als Schriftsteller und verkauft die ersten Storys und Artikel. Er kündigt den GE-Job 1951 und zieht nach Cape Cod, Massachusetts.

Bis heute hat Vonnegut über ein Dutzend Romane geschrieben, Dutzende von Kurzgeschichten veröffentlicht sowie einige Theaterstücke produziert. Einiges davon wurde aufgeführt, verfilmt, in eine Oper (Schlachthof 5) umgearbeitet und vieles mehr. In den neunziger Jahren erklärte Vonnegut, er wolle nicht mehr schreiben. Zuletzt erschien auf Deutsch im Jahr 2006 jedoch das Erinnerungsbuch „Mann ohne Land“ (Pendo-Verlag, München und Zürich, 170 Seiten, 16,90 EU).

_Die drei Autoren_

Stefan Pinternagel, geboren 1965 in Straubing, seit 1995 in Augsburg lebend, ist Autor düsterer Phantastik wie [„Fragmente“ 2973 und „CyberJunk“. Zuletzt erschien der SciFi-Roman „Und morgen der ganze Weltraum“. Zudem hat er weit über hundert Artikel in diversen Print- und Onlinemedien veröffentlicht. Seine Werke waren nominiert für den Kurd-Laßwitz-Preis und den Bayerisch-Schwäbischen Literaturpreis, einige kleinere Auszeichnungen hat er bereits verliehen bekommen.

Zu den weiteren Autoren dieses Buches gehören Hans-Peter Neumann, der die umfangreiche und detaillierte Bibliografie beitrug, sowie Christian Hoffmann, der Vonnegut bei einer Lesung im Münchner Schlachthof (wie passend!) begegnete.

_Inhalte_

Das Buch ist wie eine wissenschaftliche Monografie aufgebaut und folglich auch so gegliedert und durchnummeriert. Die Gliederungsebenen reichen nur bis zur 2. Ebene, lauten also maximal 11.6. Eine dritte Ebene wurde vermieden (im Gegensatz zur Bibliografie). Durch diese Gliederung wird erstens die Übersicht gewährleistet, zweitens lassen sich dadurch auch Querverweise viel leichter unterbringen und nutzen. Praktisch auf jeder Seite beginnt ein neues Unterkapitel, und so ist das Finden eines Querverweises anhand der Gliederungsangabe sehr einfach.

|Die Biografie|

Ich habe die Biografie oben gerafft wiedergegeben. Weitere Gattinnen, Kinder und Selbstmordversuche habe ich übergangen, aber sie werden in den Jahren ab 1951 ebenfalls abgedeckt. Natürlich endet die Biografie eigentlich erst mit dem Ableben des verehrten Schriftstellers. Erstaunlich ist vielleicht die Erwähnung der Tatsache, dass sich Vonnegut auch als Maler betätigt.

|Die Kurzgeschichten und Romane|

Pinternagel geht strikt nach der Chronologie vor, wenn er die einzelnen Kurzgeschichten, Romane, Theaterstücke (z. B. „Happy Birthday, Wanda June“), Memoiren und sonstigen Werke vorstellt und würdigt. Die Angaben sind möglichst detailliert. So fehlt bei den Storys weder der Monat noch das Jahr oder gar die Publikation, bei allen Werken ist stets – sofern übersetzt – auch der deutsche Titel angegeben. (Eine Ausnahme ist natürlich „Venus on a Half-Shell“, das nicht von Vonnegut stammt. Dazu unten mehr.) Stets wird auch aus dem Werk zitiert.

Sehr löblich sind die zahlreichen Illustrationen: Wiedergaben der Titelseiten der entsprechenden Magazine oder Bücher. Meist handelt es sich um die deutschen Ausgaben. Das ist für den deutschen Sammler ja auch wichtiger. Bei wichtigen Publikationen wie etwa „Katzenwiege / Cat’s Cradle“ sind beide Sprachen berücksichtigt.

|Die Bibliografie|

Dieses umfangreiche und unentbehrliche Kapitel umfasst auf 16 Seiten exakt 68 Einträge der obersten Ebene. Darunter können, etwa bei einem Erzählband, beliebig viele Untereinträge folgen, meist sind es aber nicht mehr als ein Dutzend.

Bei wichtigen Werken wie etwa den bekannten Romanen „Katzenwiege“ oder „Schlachthof 5“ werden auch die verschiedenen Ausgaben in den deutschen Verlagen aufgeführt. Hat eine Ausgabe mehrere Auflagen erlebt, wie etwa „Katzenwiege“ bei |Rowohlt|, so werden in der 3. Gliederungsebene auch die einzelnen Auflagen aufgeführt (S. 78). Dieses Phänomen ist zum Glück sehr selten, denn der geistige Nährwert solcher Listen ist sehr begrenzt, von der optischen Ödnis mal ganz abgesehen.

Da die Bibliografie nichts mit dem Buchaufbau zu tun hat, ist der Leser auf den Index angewiesen, um entsprechende Suchbegriffe zu finden, z. B. „Kilgore Trout“ auf S. 35 und 47.

|Vonneguts Lesung in München|

Christian Hoffmann erlebte diese Vonnegut-Lesung am 5. Oktober 1998. Da sie im Wirtshaus „Ottis Schlachthof“ stattfand, passte sie thematisch recht gut zu Vonneguts Roman „Schlachthof 5 oder Der Kinderkreuzzug“. Harry Rowohlt las aus den Büchern vor, insbesondere aus dem neu erschienenen Roman „Zeitbeben“. Der Eindruck, den Vonnegut beim Chronisten hinterließ, war der eines humorvollen, wenn auch etwas düsteren Zeitgenossen.

Dann kommt die Pointe seines Berichts. Um sein Gedächtnis nach 2400 Tagen wieder etwas aufzufrischen, greift Hoffmann zum letzten, absolut verzweifelten Mittel: Er ruft Kilgore Trout an. (Zur Erinnerung: KT ist eine Erfindung KVs.)

|Der Literaturhinweis auf „Venus on a Half-Shell“ von Kilgore Trout|

Dies ist ein Literaturhinweis zu Philip José Farmers SF-Roman „Venus on a Half-Shell“, der im |Knaur|-Verlag unter dem Pseudonym „Kilgore Trout“ (!) erschien. Den Namen hatte Farmer von Vonnegut entliehen. Warum der Hinweis? Der Klappentext der deutschen Ausgabe zitiert aus dem Roman. Das Zitat deckt sich in auffälliger Weise mit einem Textauszug aus der deutschen Übersetzung des KV-Roman „God Bless You Mr. Rosewater“. Auf Seite 47/48 wird Farmers Machwerk so kurz wie möglich vorgestellt, und zwei Zitate belegen den üblen Eindruck, den es hinterlässt. Auf Seite 35f wird der Rosewater-Roman vorgestellt, in dem Kilgore Trout seinen ersten Auftritt hatte.

Anhang II listet die medialen Verarbeitungen von KVs Werken auf, darunter Filme und TV-Produktionen. Nach den Quellenangaben, die auch Webadressen aufführen, folgt der Index.

_Mein Eindruck_

Wer sich einen schnellen Überblick über das Werk eines SF-Schriftstellers verschaffen möchte, der ist mit der |Shayol|-Reihe „SF Personality“ gut bedient. Man erhält konzise Informationen, ohne gleich mit Fußnoten erschlagen zu werden. Auch mit Meinungen und Spekulationen des Verfassers wird man nicht belästigt, sondern vielmehr beschränkt sich der Verfasser darauf, die wichtigsten Fakten zu einem Werk oder einer Schaffensperiode herauszuarbeiten, insbesondere auch durch Zitate. Nur bei der Darstellung von „Schlachthof 5“ hätte ich mir noch ausführlichere Informationen gewünscht, aber das ist meine persönliche Meinung – schließlich bedeutete dieser Roman KVs literarischer Durchbruch auf die Mainstream-Ebene, nachdem er jahrelang SF und Phantastik schreiben musste, um etwas zu verdienen.

Vonnegut als Mensch kommt ebenfalls recht gut zur Geltung, und ein halbwegs genaues Bild entsteht. Allerdings ergeht sich der Verfasser nicht in philosophischen Exkursen, was es mit KVs pessimistischer Weltanschauung auf sich habe. Jeder Leser mit ein wenig gesundem Menschenverstand kann sich den Rest zusammenreimen und zwar anhand dessen, was KV erlebt (im Zweiten Weltkrieg, aber auch in seinem Job bei General Electric) und geschrieben hat (also durch das vorliegende Buch).

Der umfangreiche Anhang genügt, soweit ich dies als Literaturwissenschaftler beurteilen kann, auch wissenschaftlichen Ansprüchen. Das bezieht sich aber lediglich auf die umfangreiche Bibliographie, die wie alle Bibliographien aus dem Hause |Shayol| ganz hervorragend gemacht ist (hierfür zeichnet Hans-Peter Neumann verantwortlich). Fuß- bzw. Endnoten fehlen hingegen, was bei einer wissenschaftlichen Arbeit ungewöhnlich ist. Immerhin gelingt es dem Interessenten, solche Schlagworte wie „Bokononismus“ oder „Tralfamadore“ über den Index aufzufinden und zu klären.

|Schwächen|

Es gibt ein paar bedauerliche Druckfehler, die ein Korrektor hätte finden können. Auf Seite 38 unten heißt es „benetzt“ statt „benutzt“, auf Seite 58 links ist aus „armenisch“ plötzlich „aramäisch“ geworden. Auf Seite 61f ist dreimal die Rede von einem KV-Buch namens „Fats worse than death“. Dieser Titel ergibt erst nach einem Blick in die Bibliografie (S. 74) einen Sinn, wo es „Fates worse than death“ heißt: Schicksale, schlimmer als der Tod.

_Unterm Strich_

Der Einstieg in das Werk eines der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts wird durch das vorliegende Buch sehr erleichtert. Doch es fällt mir schwer, bei einem Buchumfang von 93 Seiten von einer „umfassenden Darstellung“ zu sprechen. Das Buch erhebt auch nicht den Anspruch, sich kritisch mit KV auseinanderzusetzen, sondern will eine „ausführliche Übersicht“ über Leben und Werk KVs liefern. Das ist dem Team von Verfassern im Rahmen ihrer Möglichkeiten gut gelungen. Insbesondere die vielen Titelbilder und die ausgezeichnete Bibliografie sprechen für das Buch, das mit knapp zehn Euro noch im Bereich des Erschwinglichen für einen Studenten liegt.

|93 Seiten|
http://www.epilog.de/shayol/

Terry Pratchett – Der Winterschmied. Ein Märchen von der Scheibenwelt (Tiffany Weh 3)

Hexenromanze mit dem Winter

Tiffany Weh ist eine Hexe in Ausbildung und im besten Teenageralter. Da sie sich ungern etwas verbieten lässt, schon gar nicht das Tanzen, kann sie sich auch bei der Feier, die den Übergang vom Sommer zum Winter markiert, nicht zurückhalten. Und so passiert das Unvermeidliche – der Winterschmied selbst, Herr über Eis und Schnee, wird auf Tiffany aufmerksam und verliebt sich in sie.

Von Stund‘ an überschüttet er sie mit Schneeflocken, und Tiffany muss sich schnell etwas einfallen lassen, wenn es jemals wieder Frühling werden soll auf der Scheibenwelt … (Verlagsinfo)

Tiffany ist mittlerweile dreizehn Jahre alt. Ihre Hexenkräfte sind bereits recht beträchtlich, findet ihr Vater, besonders in der Schafzucht. Aber kann sie das LAND von dem schlimmsten Winter seit Menschengedenken befreien? Als sie sich in die Sommerkönigin zu verwandeln beginnt, ist guter Hexenrat teuer!
Terry Pratchett – Der Winterschmied. Ein Märchen von der Scheibenwelt (Tiffany Weh 3) weiterlesen

Jack A. Kerley – Krank (Carson Ryder 7)

Ein Detektiv im Bündnis mit dem Teufel

Eine Frau wird in einem Teich ertränkt, ein Pfarrer qualvoll ersäuft, ein LKW-Fahrer unter seinem Truck zermalmt. Detective Carson Ryder jagt einen Serienmörder, dessen bizarre Mordlust keine Grenzen kennt. Er sieht nur einen Ausweg und bittet heimlich seinen psychopathischen Bruder Jeremy, ein Profil des Mörders zu erstellen. Doch als dieser ihm den entscheidenden Tipp gibt, ist es scheinbar zu spät – Carson wird selbst zum Gejagten … (Verlagsinfo)
Jack A. Kerley – Krank (Carson Ryder 7) weiterlesen

Harold Brodkey – Unschuld (Lesung)

Erotisches Er(d)beben

„Unschuld“ beschreibt die Bemühungen des Ich-Erzählers, die Studentin Orra Perkins zum ersten Mal in ihrem Leben zu einem Orgasmus zu bringen. Der Autor hat die Möglichkeiten, zugleich plastisch als auch reflektiert über Sexualität zu sprechen, erweitert: Momentaufnahmen des Bewusstseins in unterschiedlichsten Zuständen.

Der Autor

Harold Brodkey, geboren 1930 in Illinois,, veröffentlichte 1958 unter dem Titel „Erste Liebe und andere Sorgen“ seinen ersten Erzählband. Erst dreißig Jahre später legte er den Band „Stories in an almost classical mode“ („Nahezu klassische Stories“) vor, dem „Unschuld“ entnommen ist. Brodkey erkrankte an AIDS und starb 1996.
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Terry Goodkind – Debt of Bones / Das Verhängnis der Schuld (Das Schwert der Wahrheit – Prequel)

Die Errichtung der Grenzen: trickreiche Zauberer

Zeddicus Z’ul Zorander, der Erste Zauberer von Aydindril in den Midlands, besteht ein Abenteuer. Sein Land befindet sich im Krieg gegen die Armeen von D’hara und die Magier des Widersachers Rahl. Als eine junge Frau ihn im Namen einer Schuld zu Hilfe ruft, bestätigt Zed seinen Ruf als Trickser: Er überwältigt die gegnerische Armee und deren Magier. Die junge Abbi erlebt einige Überraschungen.
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Indridason, Arnaldur – Kältezone (Lesung)

_Opfer des Kalten Kriegs: Der tote Spion im See_

Ein Toter wird im Kleifarsee bei der isländischen Hauptstadt Reykjavik entdeckt. Nach einem Erdbeben hatte sich der Wasserspiegel gesenkt und ein menschliches Skelett sichtbar werden lassen. Es ist an ein russisches Sendegerät aus dem Jahr 1961 angekettet. Dass es Mord war, belegt ein Loch in der Schläfe des Schädels. Wer ist der Mann?

Kommissar Erlendur Sveinssons Ermittlungen führen ihn in längst vergangene Zeiten von vor 30 und 40 Jahren. Isländer, die von einer gerechteren und besseren, sprich: sozialistischen Welt träumten, gingen in den fünfziger Jahren oft zum Studium in die ehemalige DDR. Einer von ihnen gerät unter Verdacht.

_Der Autor_

Arnaldur Indriðason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman „Nordermoor“ hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Håkan Nesser und Henning Mankell!

_Der Sprecher_

Frank Glaubrecht ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht beispielsweise so bekannten Filmstars wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere seine markante Stimme. Er hat u.a. Indriðasons Hörbücher „Nordermoor“ und „Engelsstimme“ gelesen.

Der Romantext wurde von Sabine Bode gekürzt. Für Regie und Produktion zeichnete Marc Sieper verantwortlich. Die akustischen Motive an Anfang und Schluss des Hörbuchs stammen von Michael Marianetti.

_Handlung_

Es ist Mai, als nach einem Erdbeben der Kleifarvatn-See trockenfällt und eine Spaziergängerin darin ein Skelett findet. Die Knochen sind an ein altes russisches Sendegerät aus dem Kalten Krieg gekettet. Ein klarer Hinweis auf Mord. Kommissar Erlendur Sveinsson und sein Assistent Sigurdur Oli werden eingeschaltet. Erlendur lässt Vermisste aus dem Zeitraum zwischen 1965 und 1975 suchen. Bei den Eltern eines der Vermissten aus dem Jahr 1970 liest Oli Briefe: Ist ihr Sohn Jakob der Tote aus dem See?

Oli findet heraus, dass in jenem See mehrmals Abhörsender aus Russland gefunden worden waren. Sie hatten eine Reichweite, mit der Spione den Funkverkehr des amerikanischen Luftwaffenstützpunktes in Keflavik nahe der Hauptstadt Reykjavik belauschen konnten. Da meldet eine siebzigjährige Frau, dass ihr Verlobter vor 30 Jahren verschwand. Er war Vertreter für Baumaschinen und kam daher ganz schön was rum. Die Maschinen stammten allesamt aus der DDR und der Sowjetunion. Eines Tages erschien er nicht mehr bei einem Kunden und verschwand spurlos.

Dieser Hinweis führt zu den Russen. Der Sekretär der Botschaft jedoch gibt sich freundlich, aber völlig ahnungslos. Dabei war Island ein lohnendes Ziel für sowjetische Agenten: Überall auf der Insel hielten sich Amerikaner auf. Erlendur folgt der Spur des Ford Falcon, den der verschwundene Baumaschinenvertreter unter falschem Namen gefahren hatte. Er besucht den letzten Kunden dieses „Leopolds“, bei dem er angeblich nie auftauchte: den mittlerweile 84-jährigen Bauern Haraldur. Der redet unwirsch und abweisend, gibt aber zu, „Leopold“ vor 30 Jahren in der Hauptstadt getroffen zu haben.

Endlich meldet sich auch die amerikanische Botschaft: Etwa 1967 kam ein DDR-Vertreter nach Island, verließ es aber nicht wieder, sondern verschwand im Herbst 1968 spurlos. Der Mann nannte sich Lothar Weiser, geboren in Bonn, lange Zeit wohnhaft in Leipzig, DDR. Bei der deutschen Botschaft erfahren Erlendur und Oli, dass Weiser ein Stasi-Mann war, der 1953 bis 1958 in Leipzig zwecks Observierung der Ausländer arbeitete. Dazu gehörten auch Isländer. Und „Leopolds“ Chef Benedikt Jonsson erklärt, die Baumaschinenhersteller aus der DDR hätten ihn praktisch erpresst, den Mann schwarz einzustellen. Dieser „Leopold“ rekrutierte Leute für die Stasi auf Island, damit sie die Amis abhörten. War Lothar Weiser also „Leopold“? Das ist nicht sicher.

Jetzt sieht Erlendur einigermaßen klar. Aber wer ist der Mörder Lothar Weisers – falls dieser das Skelett im See ist? War es ein Mann aus seiner Vergangenheit oder jemand aus Island? Wird der Täter erneut zuschlagen?

Höchste Zeit, dem alten Haraldur noch mal einen Besuch abzustatten …

_Mein Eindruck_

Meine Inhaltsangabe enthält nur die eine Hälfte des Romans, sozusagen den Krimi an sich. Die andere Hälfte besteht aus einem Handlungsstrang, der 45 Jahre vorher einsetzt, im Jahr 1953. Damals geht der isländische Jungsozialist Thomas nach Leipzig, um dort Ingenieurswissenschaften in einem aufstrebenden sozialistischen Staat zu studieren. Aber als er 1956 zurückkehrt, ist er total verändert und verkriecht sich als gebrochener Mann ohne Hoffnung in seinem Haus. Erst 1998, als der Tote im See gefunden worden ist, beginnt er mit der Niederschrift seiner Erlebnisse in Leipzig. Und dieses Manuskript bildet die andere Hälfte des Romans.

In der Schilderung dieser Erlebnisse legt der Autor eine große Detailkenntnis an den Tag. In der Porträtierung der einzelnen Vertreter der verschiedenen Interessensgruppen an der Universität Leipzig lässt sich die sorgfältige Recherche und der Realitätssinn des Autors ablesen. Thomas, der Ausländer, verliebt sich in eine andere Ausländerin, Ilona aus Ungarn. Obwohl sich das Misstrauen gegen die aufmüpfigen Ungarn, deren Aufstand ja 1956 blutig niedergewalzt wurde, auch in Leipzig bemerkbar macht, verschließt der verliebte Thomas die Augen vor der Realität. Er vertraut den falschen Leuten. Und selbst dann noch, als die Stasi zuschlägt und Ilona spurlos verschwinden lässt, kann er nicht glauben, dass ein „sozialistisches Bruderland“ zu so etwas fähig sein könnte.

Man sollte meinen, dass 1990 nach dem Fall des Eisernen Vorhangs und der Öffnung der Stasi-Archive Ilonas Spur verfolgbar sein müsste. Dem ist nicht so, wie Thomas bitter feststellen muss. Die Geheimdienste haben 1956 zu gründliche Arbeit geleistet. Wahrscheinlich wurde sie, gebrochen von Folter und Misshandlung, irgendwo in einem Internierungslager zwischen der DDR und der Sowjetunion verscharrt.

Aber wer waren die Verräter? Thomas muss es unbedingt wissen, bevor seine Seele Ruhe finden kann. Und er folgt dem Weg bis zum bitteren Ende. Dort erkennt er, dass er nie einen Freund in Leipzig hatte. Als die Kripo 1998 in sein Haus eindringt, ist er froh, sich erlösen zu können. Denn das Manuskript seiner Geschichte ist nun fertig. Ein trauriges Kapitel in der Geschichte von Isländern, die ihr Glück im Ostblock suchten.

Man sieht also, dass der reinen Krimihandlung eine ergreifende Geschichte zugrunde liegt, ja, dass der Krimi im Grunde nur eine Fußnote darstellt, in der die losen Fäden zusammengeführt werden. Deshalb hat der Autor noch einmal die persönliche Seite seines Kommissars hervorgehoben. Erlendur ist schon lange geschieden, doch seine Tochter hat wieder Kontakt zu ihm, und nun taucht auch noch sein Sohn Sindri bei ihm auf. Wieder werden alte Geschichten aufgewärmt und neu eingeordnet. Das bringt aber dramaturgisch gesehen nichts Neues.

_Der Sprecher_

Frank Glaubrechts sonore Stimme – man stelle sich den Klang von Al Pacino in „The Insider“ vor – trägt die Geschichte, die Indriðason spinnt, ausgezeichnet und ohne je die für die Geschichte und den Ermittler notwendige Autorität und Ruhe zu verlieren. Dennoch entwickelt sein Vortrag zusammen mit der Handlung eine tiefere psychologische Dimension, die sich in der zunehmenden Emotionalität in Glaubrechts Stimme äußert – ein gewisses zusätzliches Vibrato, das ich vernommen zu haben glaube. Das wird besonders dann hörbar, als Thomas verzweifelt nach der verschwundenen Ilona sucht und zum ersten Mal auch die Leipziger Stasi-Zentrale von innen sieht: die Stahltüren, die abgewrackten Beamten, das penetrante Misstrauen und die Arroganz der Macht. Da läuft es einem kalt den Rücken runter.

_Unterm Strich_

Dass Island ein Brennpunkt des Kalten Krieges war, hätte ich nicht erwartet, obwohl es doch die Logik nahe legt: Hier eine Luftwaffenstützpunkt der Amis, dort, nur wenige Kilometer entfernt, die Russen in Murmansk in der Arktis. Es war eine Atmosphäre der gegenseitigen Bespitzelung und des Misstrauens. Dies ist die negative Seite des Sozialismus, den die Isländer kennen lernten.

Dabei gab es offenbar 1953 allen Anlass, den Sozialismus von seiner positiven Seite kennen zu lernen: offene Universitäten, preisgünstige Agrarmaschinen, Knowhow-Transfer. Diese Seite wollte Thomas, die Hauptfigur des zweiten Erzählstrangs, kennen lernen und nutzen. Doch der Traum wurde zum Albtraum, der nie zu enden schien. Dann aber bekam er Hinweise auf DDR-Spione auf Island – eine neue Chance, mit den alten Geschichten reinen Tisch zu machen. Hier findet die Handlung zu einem abschließenden Finale voller Spannung und unerwarteter Enthüllungen.

Kommissar Sveinsson wird quasi zum Nachlassverwalter dieses Dramas, das aus dem Kalten Krieg erwuchs und etliche Opfer forderte. Aber als praktisch denkender Gemütsmensch sieht er auch die positive Seite des abgeschlossenen Kapitels: Er kauft den Ford Falcon, den jener verschwundene „Leopold“ zurückgelassen hatte.

|Originaltitel: Kleifarvatn, 2004
251 Minuten auf 4 CDs
Aus dem Isländischen übersetzt von Coletta Bürling|

Gregory Benford – Cosm. SF-Roman

Classic Hard SF: Verbotene Entdeckungen

Beim Versuch in einem Teilchenbeschleuniger kommt es zu einem unerklärlichen Nebenprodukt in Form einer Kugel undefinierbarer Substanz. Erst allmählich begreifen die Forscher, dass diese Kugel ein Fenster in ein Universum ist. Dank beschleunigter Zeitverhältnisse lassen sich dort ungeahnte Ereignisse kosmischen Ausmaßes beobachten — und Antworten auf Fragen finden, die bisher im Bereich der Spekulation lagen… (Verlagsinfo) Als die amerikanische Jungphysikerin Alicia den Supercollider nutzt, hätte sich nicht träumen lassen, deswegen einmal als Gotteslästerin angefeindet und verfogt zu werden…

Der Autor
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H.P. Lovecraft – Der Schatten über Innsmouth. (Teil 2, Gruselkabinett 67)

Der Horror der Gene

Im Winter 1927/28 führten Beamte der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika eine streng geheime Untersuchung in dem alten Hafenstädtchen Innsmouth in Massachusetts durch. Während dieses Einsatzes wurde eine große Anzahl morscher, wurmstichiger Häuser im verlassenen Hafenbezirk niedergebrannt oder sogar gesprengt.

Warum dies nötig wurde, davon weiß ein junger Mann zu berichten, der nun endlich sein Schweigen bricht. „Denn das ist nicht tot, was ewig liegt …“

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.
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James Patterson – Vor aller Augen. Ein Alex-Cross-Thriller (Band 9)

Weiße Sklavinnen

Moderner Sklavenhandel in den respektabelsten Kreisen der US-Gesellschaft? Der „russische Wolf“ macht es möglich in Pattersons neuestem Thriller mit dem frischgebackenen FBI-Agenten Dr. Alex Cross.

„Vor aller Augen“ ist wesentlich spannender als etwa „Mauer des Schweigens“ und besticht durch seine gesellschaftliche Aktualität und Relevanz. Denkt man ein kleines Weilchen über die verschiedenen Ebenen des Buches nach, so läuft es einem kalt den Rücken hinunter. Denn Menschenhandel gibt es überall, nur wird er nicht so bezeichnet.
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Régine Deforges – Zärtliches Tagebuch. Erotischer Roman

Der Aufstand der Wildkatze

Léone ist fünfzehn, sie ist ein hübsches Mädchen, lebhaft, frech und mutig, und sie ist verliebt. Zärtlich und leidenschaftlich verliebt – in Mélie – ihre Mitschülerin, die fünfzehn ist wie sie. Die Jungen verschmäht sie. Einer von ihnen stiehlt aus Wut und Eifersucht ihr Tagebuch, dem sie ihre geheimsten Sehnsüchte und Phantasien anvertraut hat, und entfesselt damit in der französischen Kleinstadt einen ungeheuerlichen Skandal… (Verlagsinfo)
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Friedel Wahren (Hg.) – Isaac Asimovs Science Fiction Magazin, 30. Folge

Erlesene Vielfalt klassischer SF-Erzählungen

Dieser Auswahlband aus dem Jahr 1987 enthält Erzählungen von Isaac Asimov, Orson Scott Card, Lucius Shepard, Rudy Rucker & Bruce Sterling, Walter Jon Williams, Mary Jane Engh sowie von dem deutschen Autor Reinhard Köhrer.

Hier findet man unter anderem:

1) Die Story von dem Roboter, der die Gabe des Träumens besitzt und für dieses Verbrechen gnadenlose Strafe erleidet;
2) Die Story von der galaktischen Söldnerin, deren private Mordmaschine ein tödliches Eigenleben entwickelt;
3) Die Story von der Revolutionärin, die in die Vergangenheit reist, um dem Schicksal ihres Landes auf die Sprünge zu helfen;
4) Die Story von den russischen Beatniks, die die Eroberung des Weltraums auf ihre Weise fördern.
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[Feature] Jutta Weber-Bock über die Recherche von historischen Texten

Versteckte Flaschenpost
Von Jutta Weber-Bock

Über die Recherche von historischen Texten

Jutta Weber-Bock

„Nur ein kleiner Teil von dem, was einem Roman an Recherchen vorausgeht und was der Autor dabei lernt, zeigt sich am Ende im Text. Und all das Verborgene ist nicht weniger aufregend und kostbar als das Sichtbare“, hat Pascal Mercier 2020 über seinen Roman „Das Gewicht der Worte“ gesagt.

Von so mancher Kostbarkeit konnte ich mich nicht trennen und habe sie als Flaschenpost im Text versteckt. Bei den Recherchen hat sich mir eine Tür nach der anderen geöffnet. Es war verblüffend, wie Orte eine Handlung in Gang gesetzt haben, die ich mir vorher nicht hätte ausdenken können. Plätze wurden so zu Schauplätzen.

Ganz besonders in Erinnerung geblieben ist mir bei meinem ersten historischen Roman „Das Mündel des Hofmedicus“ der Pfarrgarten in Metzingen. In einer Ecke stand eine Schubkarre. Im meiner Phantasie sah ich Kinder miteinander spielen und hatte sofort das berühmte Gedicht vom roten Schubkarren von William Carlos Williams im Kopf. Der rote Schubkarren ist in der Handlung gelandet und tatsächlich haben mich einige Leser auf die versteckte Flaschenpost angesprochen.

Das Mündel des Hofmedicus

Auf das Schicksal meiner Hauptfigur, der Giftmörderin Christiane Ruthardt, bin ich zufällig bei Recherchen im Landesarchiv Baden-Württemberg gestoßen. Eckpunkte ihres Lebens sind durch die Gerichtsakte überliefert, aber viele Fragen sind offen geblieben und haben mich gereizt weiterzudenken.

Søren Kierkegaard hat gesagt, dass man das Leben nur rückwärts verstehen kann. Diesen Weg zurück bin ich mit meiner Romanfigur gegangen. Ich bin ihr gefolgt in ihre Kindheit, um zu zeigen, was sie prägt und formt. Ich wollte aber nicht ihr Leben nacherzählen, sondern habe mich gefragt, wie es ihr in den einzelnen Lebensphasen, vor allem in der frühen Kindheit, ergangen ist. Welchen Einfluss hatte die frühkindliche Erziehung auf ihr späteres Leben?

Bei Recherchen stieß ich auf das Stichwort »Fatschen« und dachte an ein historisches Phänomen. Die meisten von uns kennen die Abbildungen vom Jesuskind aus Gemälden oder in Skupturen, das wie ein Engerling eng eingeschnürt, das heißt gewickelt ist. Leider musste ich feststellen, dass das Fatschen hoch aktuell ist. Der Kinder- und Jugendpsychologe Ralph Frenken hat die Auswirkungen des strammen Wickelns untersucht, das heute unter dem englischsprachigen Ausdruck »Pucken« bekannt ist. Ich konnte mich also nicht bequem zurücklehnen, sondern musste Stellung beziehen. So wurde die Erziehung zum zentralen Thema im „Mündel des Hofmedicus“.

Erstaunt hat mich bei den Recherchen, wie mobil die Menschen schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts vor Einführung der Eisenbahn waren. Für Stuttgart habe ich in der Landesbibliothek einen detaillierten Fahrplan gefunden für die ankommenden und abgehenden Postkurse. Detailliertere Recherchen aber erzählten mir – damals wie heute – von überfüllten Kutschen und überfülltem Nahverkehr.

In der Kutsche durch Europa

Bei der Handlung des „Mündels“ habe ich mich inspirieren lassen von Geschichten aus dem Sammelband „In der Kutsche durch Europa“. Zwar haben Reisende sich auch damals beklagt – überfüllte Kutschen und Verspätungen waren an der Tagesordnung – aber manches scheint besser organisiert gewesen zu sein als heutzutage. Magistralen, also Hauptverkehrswege, durch Stuttgart gab es einige, zum Beispiel nach Salzburg, Basel, Berlin oder Prag. Und auch die Verbindung Stuttgart–Paris ist keine neue Erfindung, sondern durch die Carlsruher Diligence (Expresspostkutsche) en detail historisch verbürgt. Ich konnte mich nicht zurückhalten und habe bei der Schilderung der Kutschfahrten eine weitere Flaschenpost versteckt….

Régine Deforges – Der schwarze Milan. Erzählungen

Geschichten von Erfahrung, Entgrenzung und Heimkehr

Diese freimütigen Erzählungen spielen auf den französischen Inseln der Antillen, in Hongkong, Griechenland, Spanien, Italien und der französischen Provinz: Unerschrocken erforscht Régine Deforges die Variationen und Vergnügungen des erotischen Abenteuers. (bearbeitete Verlagsinfo)…

Die Autorin

Régine Deforges (* 15. August 1935 in Montmorillon, Département Vienne; † 3. April 2014 in Paris) war eine feministische französische Schriftstellerin und Erotikliteratur-Verlegerin. Sie begann als Journalistin in Paris, bevor sie mit ihren Büchern „Zärtliches Tagebuch“ (rororo Nr. 4493) und „Der schwarze Milan“ (rororo Nr. 4926) als Autorin erotischer Romane Aufsehen erregte. (Wikipedia & Verlagsinfo)
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Jack Kerley – Bestialisch (Carson Ryder 4)

Cop & Killer als Team: spannend bis zur letzten Seite

Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, wird nach New York City beordert, wo eine Psychiaterin auf grausame Weise getötet wurde. Dr. Evangeline Prowse betreute einen psychopathischen Serienmörder, der nun auf der Flucht ist. Ryder verschweigt, dass er den Verdächtigen kennt – es ist sein Bruder Jeremy. Und die neuesten Morde passen nicht zu Jeremys Schema. In einem Katz-und-Maus-Spiel versucht Ryder, den echten Mörder zu finden und Jeremy zu retten. (Verlagsinfo)

Der Autor
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Lovecraft, H. P. – Schatten über Innsmouth, Der (Teil 1, Gruselkabinett 66) (Hörspiel)

_Apocalypse Now über Neu-England_

Im Winter 1927/28 führten Beamte der Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika eine streng geheime Untersuchung in dem alten Hafenstädtchen Innsmouth in Massachusetts durch. Während dieses Einsatzes wurde eine große Anzahl morscher, wurmstichiger Häuser im verlassenen Hafenbezirk niedergebrannt oder sogar gesprengt. Warum dies nötig wurde, davon weiß ein junger Mann zu berichten, der nun endlich sein Schweigen bricht …

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

_Der Autor_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als Liebe spendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen.

Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman „Der Flüsterer im Dunkeln“.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Ansage: Hasso Zorn
Robert Olmstead: Louis Friedemann Thiele
Regierungsbeamter: Benjamin Kiesewetter
Funker: Peter Reinhardt
Passantin: Jessy Rameik
Fahrkarten-Verkäufer: Hans-Jürgen Wolf
Anna Tilton: Reinhilt Schneider
Joe Sargent: Ronald Nitschke
Hotel-Rezeptionist: Hans-Jürgen Dittberner
Verkäufer: Dirk Petrick
Zadok Allen: Peter Weis

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand bei Titania Medien Studio und in den Planet Earth Studios statt. Die Illustration stammt von Ertugrul Edirne.

Hörprobe: http://www.titania-medien.de/audio/hoerspiele (ohne Gewähr)

_Handlung_

Wie konnte es nur zu dem massiven Einsatz von Regierungstruppen im herbst und Winter 1927/28 in dem kleinen Küstenstädtchen Innsmouth kommen? Wir hören Funkbefehle für den Zugriff in der Operation „Triton“. Ganz besonders das Hafenviertel wurde dabei praktisch dem Erdboden gleichgemacht. Doch warum galt der Angriff mit Torpedos auch dem Riff, das dem Städtchen vorgelagert ist? Die Öffentlichkeit, die mit Meldungen über Alkoholschmuggel abgespeist wurde, ließen die Regierungsbehörden über die Gründe im Dunkeln. Bis jetzt Robert Olmstead das Geheimnis um Innsmouth lüftet. Denn er war der Auslöser für den Angriff.

Es ist der 14. Juli 1927, als der gerade volljährig (21 Jahre) gewordene Amateurhistoriker Robert Olmstead in Newburyport eintrifft. Er will nach der Schule seine Mutter an der Küste von Neuengland besuchen, verfügt aber nur geringe Geldmittel. Daher beschließt er, die kürzeste Busstrecke zu fahren, um ebenso zeitig wie billig voranzukommen. Um von Newburyport nach Arkham zu gelangen, muss er über Innsmouth fahren.

Von den Einwohnern hört er allerdings warnende Gerüchte und Geschichten über Innsmouth und recherchiert in der Bibliothek. Aber erst der Besuch des Museums von Newburyport überzeugt ihn, dass an den Innsmouth-Bewohnern etwas recht Merkwürdiges und Unheimliches ist. Dort ist eine Tiara oder Priesterkrone ausgestellt, auf der Fischgötter in ein unbekanntes Metall eingraviert sind. Die Innsmouth beherrschende Familie der Marshs wolle diese Krone zurückhaben, seit sie vor über 50 Jahren von einem betrunkenen Seemann versetzt wurde, erzählt die Museumsführerin Anna Tilton. Olmstead läuft ein Schauder über den Rücken.

Der Busfahrer Joe Sargent ist eine selt- und schweigsame Gestalt: Mit einem watschelnden Gang, vorstehenden Augen, einer Hautkrankheit und sonderbaren Falten an den Halsseiten erinnert er an eine Kreuzung aus Fisch und Frosch. Und Joe Sargents Hände sind nicht etwa rosa, sondern blaugrau. Sein Geruch ist abstoßend. Es gibt nur drei Fahrgäste außer Olmstead, und alle sehen aus wie Sargent. In Innsmouth selbst, das am Fluss Manuxett liegt, fährt Olmstead an der Kirche des Dagon vorbei, in der der Priester eine Tiara trägt. Christliche Kirchen kann der Besucher nicht entdecken.

Olmstead steigt im einzigen Hotel ab, dem Gilman-House, denn der nächste Bus fährt erst am Abend nach Arkham. Ein freundlicher Lebensmittelhändler, der aus Arkham stammt, zeichnet ihm eine Straßenkarte, warnt ihn aber vor dem Armenviertel, wo in vielen Häusern, obwohl sie verschlossen sind, merkwürdige Geräusche erklingen. Zum Glück ist weder Walpurgisnacht (30.04.) noch Halloween (31.10.), an denen für die Leute aus Innsmouth hohe (heidnische!) Festtage sind. Als Historiker ist Olmsteads Neugier geweckt.

In den Straßen sind weder Katzen noch Hunde zu sehen, die wenigen Kinder sehen ebenfalls fischfroschartig aus, die Kirchen sind leer und verfallen, vom Hafen weht ständig Fischgeruch herüber, denn die Fischgründe sind außergewöhnlich reich, und fremde Fischer werden ferngehalten. Am Horizont ist das sogenannte Teufelsriff zu sehen, in dem eine Höhle fremde Kreaturen beherbergen soll, die aus der Tiefe hinter dem Riff stammen.

Genau das bestätigt ihm auch der fast neunzig Jahre alte Säufer Zadok Allen, den Olmstead, gewitzt durch Tipps des Krämers, endlich mit Whisky zum Reden bringt …

_Mein Eindruck_

Das Hörspiel baut die globale Dimension der Bedrohung, die in Innsmouth lauert, Stufe um Stufe auf. Dazu gehört nicht nur die genetische Degeneration und konsequente körperliche Veränderungen an Betroffenen eines vorerst unbekannten Einflusses, sondern auch der in der Stadt sichtbare, totale Kollaps der bisherigen kulturellen Errungenschaften. Letztere werden vielmehr ersetzt durch antihumane Bedingungen, wie etwa Menschenopfer am 30.4. und 31.10., die Verehrung eines Großen Alten (Cthulhu) und die Verfolgung all seiner Feinde. Es ist ein Rückfall in alttestamentarische Zeiten, und der zuständige Gott ist nicht Jahwe, sondern Cthulhu bzw. Dagon. (Über Dagon schrieb Lovecraft bereits 1917.)

Die Erzählung ist ein Meisterstück des stimmungsvollen Grauens, wie sie Lovecraft von Anfang beabsichtigte. Da sich Beklemmung, Grauen und Wahnsinn nicht aus Aktion, sondern vielmehr aus Befindlichkeit ergeben, ist der Held der Story stets Bedrohter und Opfer, fremd in einer seltsamen Welt, die plötzlich anderen Regeln gehorcht. Genau diese Befindlichkeit ist die des Autors zeitlebens gewesen. Daher erzählt Lovecraft, wenn er von Olmsteads Expedition ins Herz der Finsternis berichtet, zugleich auch von sich selbst – der Welt möglicherweise zur Warnung.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

In diesem ersten Teil kommen vor allem warnende Stimmen zu Wort. Die braven Einwohner von Newburyport warnen Olmstead vor der Fahrt ins verfluchte Innsmouth. Ganz besonders Anna Tilton, gesprochen von Reinhilt Schneider, ist in ihrer Rolle als Museumsleiterin glaubwürdig, wenn sie die Tiara des Dagon-Priesters beschreibt. Joe Sargent, der Busfahrer, ist ihr genaues Gegenteil: abstoßend, barsch und nur halb menschlich. Er vermittelt einen Vorgeschmack auf das, was Olmstead in Innsmouth erwartet.

Louis Friedemann Thiele spricht den jungen naiven Ich-Erzähler. Doch der „Student“ der genealogie hat es doch, wie jeder Yankee, faustdick hinter den Ohren, was sich in seiner raffinierten List zeigt, mit der er Zadok Allen ködert und zum Erzählen bringt. Außerdem zeigt sich Olmstead im zweiten Teil entschlossen und einfallsreich. Gegen den genetischen Dämon in seinem Innern ist aber auch er machtlos.

|Geräusche |

Nach einem Lockruf aus der Tiefe, der an den Ich-Erzähler gerichtet ist, unterbrechen Kanonenschüsse, Gewehrfeuer und Flugzeugmotoren den anfänglichen Zauber. Das brutale 20. Jahrhundert schlägt erbarmungslos zu, mit den Tötungsinstrumenten des Jahres 1927. Diese wurden ja bekanntlich im Ersten Weltkrieg zu erster Perfektion entwickelt. Funksprüche und Feuerbefehle folgen: „Torpedos Feuer frei!“ ruft eine militärische Stimme, und gleich darauf explodiert das Teufelsriff. Oder so scheint es dem Zuhörer zumindest.

Die Geräusche sind in etwa die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Nicht so in diesem furiosen Auftakt.

Diese Wucht ist aber nötig, um den Rest des doch recht aktionsarmen 1. Teils zu tragen. Eine Stimmung wird aus Informationen und Warnungen aufgebaut. Diese Stimmung findet ihre erste Steigerung in dem ersten Satz von Zadok Allen. Dann bricht der 1. Teil ab: ein echter Cliffhanger. Es bleibt nichts anderes übrig, als gleich die zweite Disc einzulegen.

Da das Element des Wassers durchgehend bestimmend ist, nämlich als Verlockung und Bedreohung, dominieren Geräusche des Gurgelns, Rauschens und Brausens den Hintergrund der Handlung. Schon im Prolog sind solche Sounds zu hören, und sobald der zweite Teil beginnt, überspannen diese Geräusche die gesamte Handlung. Tatsächlich ist die lockende Tiefe die finale Destination des Helden. Denn dort wartet das ewige Leben auf ihn.

|Musik|

Der massive Militärangriff auf Innsmouth ist mit dramatischer Musik unterlegt. Meist jedoch begnügt sich die begleitende Hintergrundmusik mit Andeutungen, die eine Stimmung erzeugen. Sie kann unheimlich, ahnungsvoll und sogar gefahrverheißend klingen, selten jedoch idyllisch. An einer Stelle konnte ich sogar orientalische Anklänge vernehmen. Denn ein Teil von Zadok Allens Erzählung spielt in der fernen Südsee – dort, wo die Kannibalen zuerst Dagon verehrten, bevor Obed Marsh auftauchte und ca. 1831 den Kult nach Neuengland brachte.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle (außer an einer, siehe oben) wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 66 + 67: Lovecraft: Der Schatten über Innsmouth Teil 1+2 (9/12)
Nr. 68: W. Irving: Die Legende von Sleepy Hollow (10/12)
Nr. 69: W.H. Hodgson: Stimme in der Nacht (10/12)
Nr. 70: Robert E. Howard: Schwarze Krallen (11/12)
Nr. 71: M.R. James: Der Eschenbaum (11/12)
Nr. 72: R.L. Stevenson: Markheim (03/12)
Nr. 73: A. Conan Doyle: Das Grauen im Blu-John-Stollen (03/12)
Nr. 74: E. Nesbit: Die Macht der Dunkelheit (04/12)
Nr. 75: Mary Fortune: Weiß (04/12)
Nr. 76: Bram Stoker: Das Teufelsloch (05/12)
Nr. 77: R. E. Howard: Das Feuer von Asshurbanipal (05/12)

_Unterm Strich_

Schön, dass diese bekannte Erzählung des Einsiedlers aus Providence endlich dramatisch aufbereitet wird – und dies sogar im XXL-Format innerhalb der GRUSELKABINETT-Reihe. Nun steht der Text auf einer Stufe mit Klassikern wie DRACULA und FRANKENSTEIN, also dort, wo er hingehört.

Der erste Teil des Zweiteiler-Hörspiels baut den Spannungsbogen auf, der in dem Rätsel besteht, warum es zu diesem groß angelegten Militärangriff auf ein kleines, unscheinbares Küstenstädtchen in Neuengland kam. Der Geräuschkulisse nach zu urteilen findet dort gerade der Dritte Weltkrieg stat, zumindest aber „Apocalypse Now 2.0 Special Extended Edition“. Was kann bloß der Grund dafür sein?

Einer muss es ja wissen – der Auslöser dieser Aktion, welcher kein Geringerer als unser Chronist ist. Die unglaubliche Ironie an dieser Erzählsituation, die der Autor am Schluss offenbart, besteht nun darin, dass Olmstead ja ein Nachfahre der Mischlinge ist, die sich mit den Fischwesen Dagons gepaart haben. Eben jenen Wesen, die vom Militär vernichtet werden sollten. Merke: Der Horror geht weiter. „Und was ewig liegt“ kann auch jederzeit wieder zurückkehren …

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen.

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.

Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Grusel-Dosis verabreichen. Schade, dass sie längst eingestellt worden ist.

Hinweis: Lovecrafts Oeuvre umfasst noch zwei, drei weitere solche XXL-Kandidaten, so etwa „The Dunwich Horror“. Dazu wird in Kürze im BLITZ-Verlag eine Sherlock-Holmes-Pastiche erscheinen, die den Horror von Dunwich fortschreibt.

|1 Audio-CD, ca. 60 Minuten Spieldauer
Originaltitel: The Shadow Over Innsmouth (1931)
ISBN-13: 978-3-7857-4723-0|

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_Das |Gruselkabinett| bei |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“ 5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“ 5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“ 5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“ 5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“ 5752 (Gruselkabinett 33)
[„Jagd der Vampire“ 5828 (Gruselkabinett 32+33)
[„Die obere Koje“ 5804 (Gruselkabinett 34)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“ 5807 (Gruselkabinett 35)
[„Das Bildnis des Dorian Gray“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5919 (Gruselkabinett 36/37)
[„Berge des Wahnsinns“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6736 (Gruselkabinett 44)
[„Berge des Wahnsinns“ (Teil 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6737 (Gruselkabinett 45)
[„Die Maske des roten Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735 (Gruselkabinett 46)
[„Verhext“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734 (Gruselkabinett 47)
[„Die Squaw“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6774 (Gruselkabinett 48)
[„Tauben aus der Hölle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7050 (Gruselkabinett 52)
[„Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7119 (Teil 1) (Gruselkabinett 54)
[„Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7120 (Teil 2) (Gruselkabinett 55)
[„Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7643 (Teil 1) (Gruselkabinett 56)
[„Aylmer Vance – Neue Abenteuer eines Geistersehers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7644 (Teil 2) (Gruselkabinett 57)
[„Pickmans Modell“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7524 (Gruselkabinett 58)
[„Das violette Auto“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7510 (Gruselkabinett 59)
[„Der Grabhügel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7801 (Gruselkabinett 60)
[„Der Ring des Thot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7802 (Gruselkabinett 61)
[„Rappaccinis Tochter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7832 (Gruselkabinett 62)

Sharon Green – Der Rebellenprinz

Space-Operette mit nervenden Wortgefechten

Überraschend wird Regan Edolin, erfolgreichste und cleverste Geschäftsfrau des Sternen-Clusters der Menschen, von ihrem Vater nach Plateau zurückgerufen, ihrer Heimatwelt. Ihre adelige Familie hat Regan einst verstoßen, als sich bei ihr keines der ‚Talente‘ zeigte, welche die adligen Frauen des Planeten gewöhnlich aufweisen.

Ein zweites Mal wird Regan gedemütigt, indem man sie – als angebliche Telepathin – gewaltsam mit dem verhassten Emporkömmling Gareth verheiratet, der aus der Unterschicht stammt. Doch schon bald erweist sich diese Intrige als der verheerendste Irrtum, der den Mächtigen von Plateau je unterlief. Denn zusammen sind Regan und Gareth unschlagbar… (erweiterte Verlagsinfo)

Die Autorin

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Charles Stross – Singularität. SF-Roman

Ironische Space-Opera: Die Viktorianer bekämpfen die Zukunft

400 Jahre in der Zukunft: Die Menschen der Neuen Republik leben 250 Lichtjahre entfernt von der Erde unter der Knute eines totalitären Feudalregimes, das alle modernen technischen Erfindungen, von Künstlicher Intelligenz über Nanos bis zur Zeitreise, ächtet.

Doch eines Tages regnet es auf einer der Kolonien der Neuen Republik Telefone vom Himmel und wenn man fragt, wer da anruft, erhält man die Aufforderung: „Unterhaltet uns!“ Es ist das „Festival“. Und im Austausch für Geschichten und Ideen bekommt man das Neueste vom Neuesten. Cool! Von da an ist nichts mehr so wie zuvor.

Der Autor
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David Baldacci – Simply Lies (Mickey Gibson 01)

Gewitzte Frauen auf Schatzsuche

Mickey Gibson ist eine alleinerziehende Expolizistin, die nun für die globale Ermittlungsfirma ProEye arbeitet. Eines Tages erhält sie den Anruf einer scheinbaren Kollegin namens Arlene Robinson, die sehr viel über Mickey und ihren Chef weiß. Also vertraut sie Arlene – ein Fehler. Die Anruferin bittet Mickey, das verlassene Anwesen eines abgetauchten Waffenhändlers zu untersuchen, ob es für Gläubiger dort etwas Verwertbares gibt. Statt Wertgegenständen findet Mickey eine Leiche.

Die Leiche befindet sich in einem verborgenen Raum, der aber extra für sie zugänglich gemacht wurde. Der Kriminalbeamte Wilson Sullivan, der Mickey als Hauptverdächtige vernimmt, erklärt, dass es den Waffenhändler gar nicht gibt, und diese Arlene Robinson ebenso wenig. Die Leiche gehört einem Dan Pottinger, doch das ist nicht sein richtiger Name: Er war in Wahrheit Harry Langhorne, ein Mann im Zeugenschutzprogramm wegen seiner Kontakte zum organisierten Verbrechen. Dann meldet sich „Arlene Robinson“ erneut. Sie bittet Mickey, Dan Pottinger Tod zu untersuchen, obwohl Mickey gar kein Cop mehr ist. So beginnt ein Katz-und-Maus-Spiel. Doch was will „Arlene Robinson“ – und warum hat sie gerade Mickey ausgewählt, um ihr Werkzeug zu sein? (Verlagsinfo)
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