Ein Lied von Liebe und Heilung, jetzt im Doppelherz-Paket
Seit Anbeginn der Zeit lebt das Einhorn allein in seinem Wald, doch eines Tages erfährt es von vorbeistreifenden Jägern, dass es das Letzte seiner Art sei. Also begibt es sich – begleitet vom leider nur mäßig begabten Zauberer Schmendrick und der Räuberbraut Molly Grue – auf die Suche nach seinen Artgenossen. Dabei gelangt es zu einem verwüsteten Land an der Küste, wo König Haggard mit seinem furchtbaren Roten Stier alle Einhörner der Welt in die See getrieben hat. Das seltsame Trio muss bald erkennen, dass die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. (erweiterte Verlagsinfo)
Auf dem abgelegenen Tannödhof in der Oberpfalz hüteten die Bewohner ein Geheimnis, von dem einige wussten. Nun liegen sie erschlagen in Stall und Haus: der alte Danner selbst, seine verhärmte alte Frau, die Tochter mit den beiden Kindern, die neue Magd. Ermordet mit einer Spitzhacke. Eine Familientragödie archaischen Zuschnitts und das Porträt einer von Katholizismus und Bigotterie beherrschten bäuerlichen Dorfgemeinschaft, dargestellt in Monologen, Protokollen, Gebeten.
Ein geprellter irakischer Spion startet einen Rachefeldzug gegen sein Land. Mithilfe eines «unsichtbaren» U-Boots greift er westliche Ziele an. Der Verdacht fällt auf den Irak. Wie reagiert der Westen? Kann er den Amokläufer stoppen? (Verlagsinfo)
Dies ist der zweite U-Boot-Thriller, der von dem britischen Journalisten Patrick Robinson in deutscher Sprache erscheint. Mit „Nimitz Class“ machte er schwer Eindruck: Die Detailkenntnis, die Routine im Aufbau der Handlung, der furiose Schluss brachten ihm Pluspunkte ein. Daher wagte Heyne es, den Roman „HMS Unseen“ anno 2000 bereits im Hardcover zu veröffentlichen.
Die vorliegende Sammlung von Haubolds phantastischen Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2009 enthält unter anderem die 2008 mit dem Deutschen Science Fiction Preis ausgezeichnete Geschichte „Heimkehr“.
Zu finden sind hier unter anderem:
– die Titelgeschichte, die den Lebensweg der russischen Tänzerin Lena Romanowa beschreibt, die bei einem Gastspiel in ihrem Heimatort durch ein Attentat schwer verletzt wird und erst viele Jahre später aus dem Koma erwacht. Mit unglaublicher Energie lernt sie wieder laufen und sogar tanzen und feiert schließlich ein unglaubliches Comeback zwischen den Sternen.
– die Geschichte von den Planetenplünderern, die ihrerseits einem Wächtersystem zum Opfer fielen, welches seinerseits nicht auf die Schutzmechanismen der Föderation vorbereitet ist …
Der Autor
Selbstbeschreibung: „Ich bin 55 Jahre alt und schreibe seit rund 20 Jahren überwiegend Kurzgeschichten und Erzählungen. Nach dem Abitur habe ich Informatik an der TU Dresden studiert und nach ein paar Jahren Berufspraxis an der Humboldt Universität zu Berlin promoviert. Ich bin verheiratet und lebe mit meiner Frau in einem Dorf namens Waldsachsen nahe der Stadt Meerane auf halber Strecke zwischen Gera und Chemnitz.“
Bibliographie
A) Buchausgaben:
|“Am Ufer der Nacht“| (1997), Roman in Erzählungen.
|“Der Tag des silbernen Tieres“| (mit Eddie M. Angerhuber, 1999), EDFC Passau. Unter anderem mit der Erzählung |“Das Große Rennen“|, 2. Platz beim Deutschen Science Fiction Preis 2000.
|“Das Tor der Träume“| (Phantastische Erzählungen, 2001), EDFC Passau. Der Erzählungsband wurde für den Deutschen Phantastik Preis 2002 nominiert, zwei Geschichten für den Deutschen Science Fiction Preis und für den Deutschen Phantastik Preis.
|“Das Geschenk der Nacht“| (Phantastische Erzählungen, 2003), EDFC Passau. Zwei Geschichten wurden für den Deutschen Science Fiction Preis 2004 nominiert, die Story „Die weißen Schmetterlinge“ zusätzlich für den Deutschen Phantastik Preis 2004 (2. Platz).
|“Wolfszeichen“| (Phantastische Erzählungen, 2007), Edition Lacerta. Zwölf unheimliche Kurzgeschichten und Erzählungen aus den Jahren 1997 bis 2007.
|“Die Schatten des Mars“| (Episoden-Roman, 2007), EDFC Passau. Illustrierte Liebhaberausgabe (Hardcover, Leinen), ausgezeichnet mit dem Deutschen Science Fiction Preis 2008
|“Die Sternentänzerin“| (Collection, 2009), p.machinery Murnau. Zehn Science Fiction Erzählungen aus den Jahren 2005 bis 2009, Illustrierte Paperback-Ausgabe.
|“Der Garten der Persephone“| (2001), in „Reptilienliebe“, Heyne
|“Der Mann auf der Brücke“| (2001), in „Weihnachtszauber“, Lübbe
|“Die Stadt am Fluß“| (2005) in „Der ewig dunkle Traum“, Blitz-Verlag
|“Die Legende von Eden“| (2005) in „Die Legende von Eden“, Shayol
|“Das Orakel“| (2006) in „Plasmasymphonie“, Shayol
|“Die Tänzerin“| (2007) in „Der Moloch“, Shayol
|“Heimkehr“| (2007) in „S.F.X.“, Wurdack
|“Die Gänse des Kapitols“| (2010) in „Weltraumkrieger“, Atlantis
Die Erzählungen
_1) |Der Tausendäugige|_
Ein Team von interstellaren Schatzsuchern dringt in einen gesperrten Raumsektor ein und landet schließlich auf einem seit Jahrhunderten verlassenen Planeten. Während Kommandant Nik Thornton das Unternehmen rücksichtslos vorantreibt, sorgt sich die ansonsten ehrliche Pilotin Liza Santini um die Sicherheit seiner Gefährten. Je weiter der Landungstrupp in die vergessene Stadt der Kalaniden vordringt, desto stärker werden ihre Befürchtungen. Doch die diversen Abtaster finden kein Anzeichen von Leben.
Thornton & Co. dringen mit einer Sprengung des Tores in einen Würfel der Stadt und stoßen auf einen Schatz. Als sie die Artefakte abtransportieren wollen, wird Carter von einem Pfeil aus dem Nichts beschossen und getötet. Weitere Pfeile zwingen die Plünderer in Deckung. Thornton befielt Liza, Sprengbomben zu werfen, doch ein Gegenangriff erfolgt nicht. Die Lage bleibt ruhig, was Liza umso nervöser macht. Aber es ist zu spät: Die Nanoorganismen haben bereits alle Angehörigen des Teams infiltriert. Für sie kommt jede Hilfe zu spät, doch auch Liza in der Landefähre wird schnell bewusstlos.
Der Abwehrorganismus „Argos“ hat die Eindringlinge einen nach dem anderen unschädlich gemacht. Seine kalanidischen Schöpfer haben diese Welt zwar schon längst verlassen, doch ihre Schätze sind immer noch zu bewachen. Durch den Kontakt neugierig geworden, kapert Argos das Schiff der Fremden, um zu ihrer Heimatwelt aufzubrechen und dort allerlei Unheil anzurichten. Doch der Nano-Roboter hat nicht mit den Tücken des Hypernets gerechnet, das sich ebenso als Portal wie als Falle einsetzen lässt …
|Mein Eindruck|
Der Autor hat seine Story dankbarerweise A. E van Vogt gewidmet, einem Veteranen aus der goldenen Ära der Sciencefiction. Van Vogt lieferte offensichtlich auch die Vorlage für die Ausgangssituation. In seiner berühmtesten Erzählung „Schwarzer Zerstörer“ aus dem Jahr 1939 gelangt eine Forschungsexpedition auf den Planeten des titelgebenden Raubtiers, das sich allerdings als äußerst intelligent und rücksichtslos erweist. Es infiltriert das Raumschiff, doch mit einem Trick kann man es wieder loswerden. Die Parallelen zu Haubolds Story sind verblüffend.
Diesmal tritt der Wächter einer verschwundenen Zivilisation in der Manier H.P. Lovecrafts auf, um eine Gruft und Schatzkammer vor der Plünderung zu beschützen. Natürlich wirkt der Fluch der Grabkammer wie schon bei den Pharaonen, doch funktioniert die Abwehr nicht übernatürlich, sondern auf Nanobot-Basis. Für Liza Santini sieht es aus, als griffe eine Gaswolke an. Das klingt doch schon wesentlich moderner als van Vogts Supertiger.
Die letzten zwei Szenen sind auch recht gelungen. Argos macht eine kleine Fehlkalkulation beim Eintritt in das Hypernetz, und Liza Santini findet wider Erwarten Gelegenheit, sich an dem fiesen Tippgeber zu rächen, der sie und die Plünderer auf eine so gefährliche Welt schickte. Klassische Abenteuer-SF und eine runde Sache.
_2) |Die Tänzerin. Le sacre du printemps|_
Russland ist im Jahre 2044 ein Kriegsschauplatz. Als die berühmte Balletttänzerin Lena Romanowa während einer Tournee ihre Jugendliebe Sergej wiedertrifft, folgt sie aus einer Laune heraus dessen Einladung zu einem Auftritt in ihrer Heimatstadt Melenki, die sie vor über dreißig Jahren verlassen hat. Melenki liegt in einer umkämpften Zone. Die Fahrt dorthin wird zu einer Reise in die Vergangenheit, doch Lenas Tanz auf der Bühne des alten Kulturhauses endet in einem Anschlag …
Über 18 Jahre später erwacht Lena aus ihrem Koma und bekommt neue Beine. Im Jahr 2063 tanzt sie wieder an Bord der großen Linienraumschiffe, die zum Mars fliegen. Erst als wenige Jahre später ihr deutscher Partner stirbt, sieht sie das Ende ihrer Laufbahn gekommen, sie ist nun fast siebzig Jahre alt. Doch es gibt noch eine wichtige Sache zu erledigen, flüstern die Schatten des Mars ihr zu. So wie damals in den Außenbezirken Moskaus, als sie vor den Landstreichern das „Frühlingsopfer“ tanzen wollte, muss sie noch einmal ihre Kunst zeigen …
|Mein Eindruck|
Obwohl die Geschichte chronologisch und leicht verständlich erzählt ist, ist sie inhaltlich doch recht komplex. Zahlreiche Themen werden durch Rückblenden und inneren Monolog eingefangen, insbesondere die Themen Liebe, Kunst und Krieg. Die Kunst besteht selbstverständlich in der Verbindung aus Musik und Tanz, wohingegen der Krieg lediglich in seinen Auswirkungen auf die Künstlerin zu spüren ist: Er hat ihr den Vater genommen, weshalb sich die Mutter zu Tode trank. Und er hat Lena den Geliebten genommen, der in den vorderen Reihen des Theaters saß, als der Anschlag erfolgte. Nicht zuletzt ist auch sie eine Versehrte …
Deshalb ist durchaus bemerkenswert, dass Lena nicht wie Vater und Mutter aufgeben oder ins Nichts verschwinden, sondern trotzig ihr Schicksal annimmt. Auf dem zweiten Höhepunkt ihrer Laufbahn schlägt der Tod wieder zu, reißt ihr den Partner von der Seite. Wahrscheinlich fühlt sie in diesem Moment, dass sie dem Tod ein Opfer schuldet. Später werden die Russen auf dem Mars zu „Lenas Garten“ pilgern, denn dort wächst das grünste Gras …
In der Mitte gibt es eine sehr schöne, ziemlich unheimliche Gruselszene, als Lena glaubt, im Elternhaus dem Geist ihrer Mutter zu begegnen. Das ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Autor auch sehr gut Horror und Phantastik schreiben kann.
_3) |Die Heilige Mutter des Lichtes|_
200 Jahre nach der Verwüstung Mitteleuropas. Nach dem Tod der alten Schwester Matisse wird die junge Novizin Tiana zu einer Hüterin der Schwesternschaft ernannt. Zum ersten Mal darf sie am Ritual der Weihe eines Neugeborenen teilnehmen. Im Kreise der Zwölf sieht sie sich in einem unterirdischen Kuppelsaal der „Heiligen Mutter des Lichtes“ gegenüber – einer wundertätigen Statue, der die Bewohner des „Netzes“ ihr Überleben in der Wüste verdanken.
Doch weder Tiana noch ihre Schwestern ahnen etwas von der wahren Natur ihrer Schutzheiligen. Diese offenbart sich, sobald die Hüterinnen den Saal mit dem geblendeten Neugeborenen verlassen haben …
|Mein Eindruck|
Als die heimlichen Arbeiter hinter der Statue hervorkommen und sich einige Scherze erlauben, kippt die weihevolle Stimmung der ersten Häfte der Geschichte unversehens ins Frivole um. Der ostdeutsche Autor hatte offenbar nicht die Absicht, dem Vatikan eine Heiligenlegende zu kredenzen, sondern entzaubert die ganze Ordensschwesternschaft als arme, irregeleitete Irre. Das macht den kleinen, vom Laser der titelgebenden Statue geblendeten Säugling aber auch nicht wieder sehend. Und nur männliche Babys werden so verstümmelt. Daher blieb bei mir ein bitterer Nachgeschmack.
Der Autor meint hierzu: „Das „Projekt PACEM“ dient nicht dem Amüsement der Beteiligten, sondern wurde ins Leben gerufen, um den Kreislauf von Krieg, Wiederaufbau und Krieg zu durchbrechen, den die Protagonisten in der männlichen Aggressivität verortet haben. Die Mitglieder der Wartungscrew existieren nur noch als elektronische Wesenheiten und ihr Schicksal ist eher tragisch, während die matrizentrische Gesellschaft in den Bio-Habitaten recht gut gedeiht.“
_4) |Ein gastfreier Planet|_
Der erfahrene Saatgut-Verkaufsprofi Mike Golden ist nicht glücklich darüber, dass ihm an Bord der „Demeter“ ausgerechnet eine Frau als Kommandantin vor die Nase gesetzt wurde, zumal ihm die „Kommandeuse“ Agneta Lindström unterwegs nicht viel mehr als die kalte Schulter zeigt. Das spärlich bekleidete weibliche Empfangskomitee auf GO 42 erscheint ihm daher gerade recht, um sich für die erlittenen Demütigungen zu entschädigen. Die Amazonen reiten so spärlich bekleidet auf ihren Spezial-Dildo-Sätteln, dass Mike erst die Augen aus dem Kopf fallen und dann sein Ständer tätig werden will. Doch er hält sich zurück, denn die Rede der Amazonen ist von „Wildlingen“, auf die sie mit Aggressivität reagieren. Was könnte damit gemeint sein?
Als er sich in den nahen Wald verzieht, fällt ihm eine unbewaffnete Amazone direkt vor die Füße: Sie hat sich den Fuß verstaucht. Kaum hat er sie erfolgreich beschwichtigt und fachgerecht verarztet, kann er ihrer unzweideutigen Einladung nicht widerstehen. Die Love Session in ihrer Höhle wird er niemals vergessen, denkt er. Dann bricht sie ihm das Genick und beginnt, ihn fachgerecht auszuweiden. Schließlich wollen andere auch noch was von diesem Wildling …
|Mein Eindruck|
Die Story ist Michel Hoellebecq gewidmet, dem bekannten Autor von „Elementarteilchen“, der vor keinerlei machomäßigen Schilderungen zurückschreckt. Ähnlich wie manche „Helden“ dieses Autors führt sich auch Mike Golden auf: wie im erotischen Selbstbedienungsladen. Sein Macho-Zynismus ist abstoßend, und das war wohl auch die Absicht des Autors. Deshalb erschreckt uns Mikes Ende keineswegs, sondern kommt uns wie seine verdiente Strafe für seine Amoralität vor.
Nur der Verweis auf „Arrakis’ Friend“ war mir eine Anbiederung des Autors an die SF-Fans zu viel (Arrakis = DUNE = Wüstenplanet). Jedes Universum in einer Story sollte für sich stehen, es sei denn, es ist kontingent mit dem gleichen Universum in einer anderen Story des gleichen Autors, etwa bei Asimov oder Heinlein (Future History).
_5) |Das Schiff|_
Die Armada ist die größte Sternenflotte, die die Allianz in den fünfhundert Jahren ihres Bestehens in den freien Raum entsandt hat, doch ihre Mission steht unter keinem guten Stern. Auf dem ersten Planeten, einer Wasserwelt, verschwinden zwei Trupps von Menschen und wenig später desertieren zwölf Mitreisende in einem kleinen Schiff, werden aber sofort verfolgt.
Bereits die erste Fehlentscheidung des Militärs löscht auf der Wasserwelt eine intelligente Meereszivilisation aus und ruft eine uralte Macht auf den Plan, deren Entscheidungen unumstößlich sind: Die Armada hat keine Chance, wohl aber die Flüchtlinge und ihr Verfolger …
|Mein Eindruck|
Das alte Muster von Frevel und Strafe ist in eine Art Heiligenlegende eingewoben, mit der das Schicksal der Zwölf geschildert wird. Die Zwölf ist in der Bibel eine heilige Zahl, denn es gibt nicht nur zwölf Apostel, sondern auch zwölf Brüder des Joseph und noch vieles mehr. Kein Wunder also, dass der Satz „Sie waren zwölf“ mehrfach in Bibeltonfall wiederholt wird. Mit dem Satz „Dann waren sie zwölf, und aus irgendeinem Grunde wussten sie, dass sie nunmehr vollzählig waren“, treibt der Autor den pseudobiblischen Mystizismus auf die Spitze. Dabei ist diese weihevolle Heiligenverehrung nur dadurch gerechtfertigt, dass diese Zwölf fast die einzigen Überlebenden der Erde sind.
Tja, und dann ist am Anfang und Schluss noch die Rede von einem enorm großen Schiff, das aber irgendwie überhaupt nichts mit dem Rest der Geschichte zu tun zu haben scheint. Dieses Detail hat mich ziemlich ratlos zurückgelassen. Mir kam die Story unfertig vor und in ihrem Kern wie die Überarbeitung eines Textes aus den seligen DDR-Zeiten.
_6) |Die Stadt am Meer|_
Die „Stadt am Meer“ ist ein idyllischer Ort, der dem Dichter Friedrich Grünfeld alles bietet, was er sich wünschen kann. Doch über allem liegt der Schatten einer Vergangenheit, zu der der Schriftsteller keinen Zugang mehr findet. Die apokalyptischen Bilder, die er nur im Traum-Rausch zu sehen vermag, ängstigen ihn, sind aber gleichzeitig der einzige Quell seiner Inspiration. Als ihn seine Geliebte Malia verlässt und ihm die Traum-Tickets ausgehen, trifft Friedrich eine folgenschwere Entscheidung: Er erschießt seinen Traum-Dealer Rico.
Sogleich beginnt die Welt um ihn herum in Trümmer zu fallen, bis er getroffen wird und alles in Schwärze versinkt. Eine Stimme weckt ihn. Erst sind die Worte nur bruchstückhaft zu verstehen, dann wird ein Satz daraus: „Leutnant Grünfeld, können Sie mich verstehen?“ Die Sprecherin ist eine Krankenschwester in blauem Kittel, die aussieht wie Malia. Maria? Grünfeld nickt. Wo ist er?
Sie sagt ein paar Worte, die bewirken, dass seine Erinnerung vollständig zurückkehrt. Es herrschte Krieg, und Leutnant Grünfeld führte eine Gruppe Soldaten. Wer war der Gegner noch gleich? Sogenannte „Shak“. Granateneinschläge legten das Haus hinter ihnen in Trümmer. Dann weitere Granateinschläge – und nichts mehr. Schwester Maria liest aus seinem Gedichtband vor und lächelt. Ob sie wohl mit ihm ausgeht – in eine kleine Stadt am Meer?
|Mein Eindruck|
Die Alternativwelt, die sich der bettlägerige Soldat erträumt, ist erotisch, sinnlich, entspannt. Malia nennt er seine „Katzenfrau“, und sie liebt es, ihn zu beißen. Grünfeld schlägt sich als abgebrannter Dichter durch. Jedenfalls solange bis er den Angler trifft. Der teilt ihm ein paar unangenehme Wahrheiten mit, die Friedrich nicht wahrhaben will. Die Welt beginnt an den Rändern zu bröckeln, bis es zum Kataklysmus kommt, als Rico, sein Traumverkäufer, mit ihm Russisch-Roulette spielen will.
Die Handlung ist schrittweise und konsequent aufgebaut, doch muss der Leser auch entsprechend viel Geduld aufbringen, weil so wenig passiert. Dafür verändert sich in der Hauptfigur um so mehr. Endlich kommt dann die Wende, und der Träumer erwacht. Dieses Motiv findet sich zahllose Male in der literarischen und cineastischen Phantastik: Das Leben ist ein Traum. Zuletzt etwa in „Inception“ von Christopher Nolan.
Worauf es ankommt, ist der Nutzen, den der Träumer hat, und die Ursache des Traumas, das im Traum überwunden werden soll. Diese Erklärung muss die Pointe liefern. Hier hätte ich von der Geschichte einen schockierenden Tiefschlag erwartet, beispielsweise dass Grünfelds Körper teilweise amputiert wurde, doch ich wurde mit einem pseudo-versöhnlichen Schluss abgespeist.
_7) |Das ewige Lied.| Rilke gewidmet_
Der Pilot Christoph ist jung wie die meisten der Freiwilligen, die die Admiralität rekrutiert hat. Auf dem Weg zum Einsatzort durchqueren sie lichtlose Abgründe und begegnen ausgebrannten Nomadenstädten, bevor sie auf Pendragon, der letzten Bastion der Menschheit vor dem Niemandsland, zur Flotte stoßen. Von einem Seher wird Christoph als Aufklärungsflieger ausgewählt. Als die Armada aufbricht, fliegt er mit seinen Gefährten voran, bis sie auf eine Nomadenstadt treffen, die wie durch ein Wunder verschont geblieben ist. Man teilt ihm mit, dass es sich um Joyous Gard handelt, ein „Kunstwerk“.
Tatsächlich ist diese durchs All treibende Stadt unter ihrem Kraftfeld anders. Statt hoher Wolkenkratzer, zwischen denen Verkehr strömt, finden die Piloten in ihren Kampfjets hier eine ländliche Idylle vor, über der ein Schloss emporragt. Dort werden sie freundlich zu einem Fest empfangen, als ob die Herrschaften schon auf sie gewartet hätten. Wie seltsam.
Dennoch lässt sich Christoph den Wein schmecken, und O’Brien tanzt mit einer Blondine. Christophs Blick fällt auf die edle Genevra, die ihm später in den Hof folgt, um ihn in ihre Kemenate einzuladen. Dort spenden sie einander Trost, Liebe und Wärme. Doch Christoph erwacht allein und umringt von einem Flammenmeer. Es gelingt ihm gerade noch, dem Brand zu entfliehen und in seinem Kampfjet aufzusteigen. Da entdeckt er den Feind. Ist es ein … Drache?
|Mein Eindruck|
In dieser allegorischen Erzählung sollte man kein Wort wörtlich nehmen, denn dies würde in die Irre führen. Vielmehr erinnert die Geschichte mit ihren deutlichen Bezügen (Pendragon, Lancelot, Genevra) an nichts so sehr wie an die Artus-Legende vom Grünen Ritter. Darin muss der Ritter der Tafelrunde mehrere Treueprüfungen bestehen, bevor er sich dem schrecklichen Grünen Ritter stellen kann.
Christoph allerdings versagt in seiner Prüfung. Er ist seiner Freundin Magdalena nicht treu. Von dieser träumt er, sie wäre wie Jesus ans Kreuz genagelt, doch wenn er sie befreit, beißt sie ihn wie ein Vampir. Ihre Doppelnatur bzw. seine ambivalente Haltung zu ihr ist offensichtlich. Er fürchtet, sie zu verraten. Und das tut er dann auch, wen wundert’s.
Nach Angaben des Autors handelt es sich bei der Geschichte um eine „fast 1:1 SF-Nacherzählung von Rilkes seinerzeit wohl berühmtestem Werk, der „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“. Siehe [hier]http://de.wikisource.org/wiki/Die__Weise__von__Liebe__und__Tod__des__Cornets__Christoph__Rilke .
Der Besuch des Ritters auf dem Schloss, wo ihn die Liebe erwartet, ist ein typisches Motiv des Fin de siècle. Am Schluss bleiben zahlreiche Fragen unbeantwortet, und ich fand mich wieder einmal unzufrieden zurückgelassen. Und die Idee mit den fliegenden Städten hat der Autor von James Blish geborgt. Deshalb sollte die Widmung vielleicht nicht Rilke gelten, sondern Blish.
_8) |Heimkehr|_
Wie jedes Jahr vor den Weihnachtstagen besucht der Wissenschaftler Prof. Bernhard Kravitz den kleinen Ort Niederlahr, in dessen Nähe er früher gelebt und in dessen Institut er bis 2012 gearbeitet hat. Im Restaurant „Zum Löwen“ trifft er auf den UN-Ermittler Mulders, der noch immer versucht, das Geheimnis der mysteriösen Barriere aufzuklären, die das Institut seit jenem Ereignis vor acht Jahren von der Außenwelt trennt. Mulders vermutet, dass Professor Kravitz in den Fall verwickelt ist, hält sich aber mit Schuldzuweisungen zurück. Denn auch Kravitz‘ Frau Miriam ist hinter der unsichtbaren Mauer eingeschlossen.
Zu Kravitz‘ Erstaunen befinden sich Mulders und sein Assistent Kwang auf der richtigen Spur. Kravitz hat am Vorabend des Ereignisses anno 2012 tatsächlich den russischen Geologen Sergei Komarov in Boston getroffen. Dem Treffen war aber bereits eine geheime Materialübergabe vorausgegangen. Komarov hatte ihm vier kleine Kügelchen übergeben, die jedoch von einer fremden Substanz waren: sehr schwer und von einem sibirischen Meteroiten stammend. Kravitz sollte sie, da die Analyse Komarov nicht gelungen war, mit seinem Synchrotron beschießen und das Ergebnis analysieren. Gerade als Kravitz seinen Kollegen in Boston traf, erfolgte dieses Experiment – und das Ereignis war das Resultat: die Barriere ….
Was Mulders nun nahelegt, ist der Umstand, dass es bei diesem Material nicht um außerirdisches Material im herkömmlichen Sinne handelt, sondern um Produkte einer außerirdischen Zivilisation, also um ein technisches Produkt. Doch zu welchem Zweck? Als Kravitz zum richtigen Schluss gelangt, ereignet sich eine entscheidende Wende in Realität …
|Mein Eindruck|
Endlich mal eine rundum zufriedenstellende Geschichte! Sie liest sich wie das Exposé zu einem Science-Fiction-Roman, der von Andreas Eschbach stammen könnte. Die Handlung bringt Elemente aus „Armageddon“, Robert Sawyers „Flash Forward“ und Stephen Kings „Die Arena“ zusammen, um eine recht menschliche Geschichte zu erzählen. Auch die Aliens wollen bloß heimkehren, genau wie Kravitz. Das Phänomen des Robinson-Syndroms liefert dabei einen psychologischen Hinweis: Die Bewohner der Stadt verlassen ihr Zuhause, so dass die Barrieren-Zone zu einer Insel wird.
Eine Romanfassung müsste allerdings Miriams Standpunkt miteinbeziehen, um so eine emotionale Wärme in die sachliche und ziemlich kühle, eben wissenschaftliche Atmosphäre dieser Geschichte einzubringen.
_9) |Der Wunderbaum|_
Dreißig Jahre nach dem mysteriösen Verschwinden seiner Tochter Jasmin kehrt Gabriel Grünberg an den Ort des Geschehens zurück. Im örtlichen Gasthof erfährt er von der jungen Wirtin Hanna, dass das alte Forsthaus wieder vermietet ist – an einen Geologen und Meteoritenexperten namens Fehrmann, der am Amselsee seinen Forschungen nachgeht. Nach einer wunderbaren Nacht an der Seite von Hanna in seinem Bett macht sich der Schriftsteller auf den Weg zum Forsthaus. Vielleicht kann er endlich mit der schrecklichen Last der Vergangenheit abschließen.
Doch das Forsthaus, in dem seine Familie bis zu Jasmins Verschwinden lebte, ist verlassen und die Bohrstelle am nahegelegenen Amselsee verwaist. Der Geologe bleibt wie Jasmin unauffindbar, und nur ein am Boden liegender Camcorder verspricht Aufschluss zu geben über das, was hier geschehen sein mag. Am Waldrand fällt Gabriel eine große Silberweide auf, die geradezu zu leuchten scheint, als rufe sie ihn. Die Filmaufnahmen auf dem Camcorder bestätigen seinen Eindruck. Er hätte aber nie erwartet, dass der Filmende auf den Baum zulaufen und dabei „Vera!“ rufen würde …
|Mein Eindruck|
Diese gelungene und sehr stimmungsvolle Erzählung ist der Beweis, dass der Autor auch Urban Fantasy ohne Probleme schreiben kann. Da fällt mir der Name des Kanadiers Charles de Lint ein, über den ich schon mehrmals geschrieben habe („Yarrow“, „Grünmantel“, „Into the Green“). Die phantastische Begebenheit ist eingebettet in eine realistisch eingefangene Gegenwart, doch der Naturraum und seine spezielle Stimmung bilden die Brücke – um jenen schrecklichen Verlust der Tochter zu erklären und so eine Lösung des Problems zu ermöglichen. Kein Wunder also, dass auch Gabriel Grünberg spurlos verschwindet …
_10) |Die Legende von Eden|_
Folgendermaßen beginnt die LEGENDE: Als Gegenleistung für ihre Begnadigung verpflichten sich die beiden Sträflinge David Green, ein Kybernetiker, und William Jefferson, ein Exsoldat, das Schicksal des Prospektorenschiffes „Argo“ aufzuklären, zu dem schon vor Monaten der Kontakt abgebrochen ist. Im Zielsystem angekommen finden sie die „Argo“, die der Merkantilen Allianz MEDEA gehört, äußerlich unversehrt, aber verlassen vor.
Dave und Bill sind schockiert: Aus den Videoaufzeichnungen geht hervor, dass einige Besatzungsmitglieder vor Ort Selbstmord begangen haben, doch der Schlüssel zu den Ereignissen liegt anderswo – auf dem Planeten Eden, den das verlassene Schiff noch immer umkreist. Also müssen sie mit der zweiten Fähre „Castor“ hinunterfliegen. Sie landen unweit der „Pollux“, doch diese ist leer.
Mit dem Landrover folgen sie den Spuren eines anderen Landrovers zum Meer und fragen sich, was ihre Vorgänger dort gesucht haben mögen. Dave fällt auf, dass das Meer viel zu blau ist und die Wiesen viel zu grün – etwas stimmt hier nicht. Ist alles nur eine Vorspiegelung, die ihnen jemand vorgaukelt, um sie in eine Falle zu locken? Am Strand sind sie auf einen Angriff gefasst. Doch dann nähert sich ihnen aus dem Meer eine Gefahr, der sie nichts entgegenzusetzen haben …
Mein Eindruck
Sofort kommt dem SF-Freund angesichts solcher Szenarien Stanislaw Lems Roman „Solaris“ in den Sinn, aber auch einige frühe Romane und Stories von Philip K. Dick. Natürlich ist das Mädchen, das Dave (nein, nicht Bowman!) in seiner Illusion trifft, dunkelhaarig und heißt Lisa – und natürlich essen sie Eis zusammen. Sie ist seine jüngere Schwester – genau wie bei Dick, der seine Zwillingsschwester im Alter von nur wenigen Tagen verlor und zeit seines Lebens vermisste (siehe Lawrence Sutins Dick-Biografie).
Aber die fremde Intelligenz, die Daves Innerstes kennt und ihm zeigt, hat nicht nur Trost auf Lager. Als er zu Bill zurückkehrt, wartet dieser mit einigen neuen Informationen auf. Nun da sie nicht mehr von der MEDEA-Zentrale abgehört werden – Bill hat die „Castor“ gesprengt und der Sender der „Pollux“ ist tot – kann er es Dave ja sagen: Rachels Tod war eine abgekartete Sache und somit auch Daves Veurteilung als ihr vorgeblicher Mörder. Nun haben die beiden ein Motiv, um es der MEDEA heimzuzahlen, denn deren Verbrechen sind zahl- und namenlos …
Die Novelle wirkt ebenfalls wie ein Romanentwurf, wie so viele dieser Geschichten. Der Autor behilft sich am Schluss mit dem plumpen Trick, die Legende von Bill und Daves Heldentaten von einer Dokumentation herunterrattern zu lassen statt sie à la DUNE ausführlich in Szene zu setzen. Dafür wäre ja auch gar kein Platz gewesen.
Schwächen des Textes
Seite 25: „mon capitan“: eine Mischung aus Frz. und Spanisch. Richtiger: „mon capitaine“.
Seite 81: „unter eine(r) Idee fixe“.
Seite 147: „Dann waren sie zwölf, und aus irgendeinem Grund wussten sie, dass sie vollzählig waren.“ Grammatisch völlig korrekt, aber ganz schlechter Stil.
Seite 155: „voll Vertrauen, das(s) ihnen nicht geschehen konnte …“
Unterm Strich
Die meisten Erzählungen dieser Sammlung sind auch für Leute leicht zu lesen, die nichts mit Zukunftsliteratur am Hut haben, sondern vielleicht nur mal etwas lesen möchten, das über den Bezirk der gewohnten Wirklichkeit hinausgeht. Es muss ja nicht gleich Fantasy à la Harry Schotter sein. Auch eine Urban Fantasy in der Tradition von Charles de Lint ist von Haubold durchaus stilvoll realisiert worden, siehe „Der Wunderbaum“, der Anfang von „Die Hl. Mutter des Lichtes“ und „Heimkehr“. Ich könnte mir sehr gut einen entsprechenden Roman vorstellen.
Die zweite Kategorie von Erzählungen umfasst allegorische Geschichten wie die Artus-Pastiche „Das ewige Lied“, „Die Tänzerin“ und vor allem „Die Stadt am Meer“. Während „Die Tänzerin“ noch am realistischsten davon ist (trotz der Geisterszene), überschreiten die beiden anderen Geschichten doch die Grenzen der jeweiligen Realität um einiges. „Die Stadt im Meer“ stellt heilsamen Traum und traumatische Krieg einander gegenüber, in „Das ewige Lied“ ist eine Ritterlegende über Treue und betrogene Jugend umgesetzt. Alle diese Erzählungen sind ungewöhnlich stimmungsvoll umgesetzt und fast immer spannend bis zum Schluss. Allerdings war ich mit den Schlüssen nicht immer einverstanden. Am gelungensten ist zweifellos der in der Titelgeschichte „Die Tänzerin“.
Die genremäßig ausgeführte Sciencefiction bildet die dritte und letzte Kategorie von Erzählungen. Dazu gehören „Der Tausendäugige“, der van Vogt zitiert, „Ein gastfreier Planet“, der an Robert Sheckley erinnert und schließlich „Die Legende von Eden“, indem sich „Solaris“, DUNE und Philip K. Dick die Hand zu reichen scheinen. Diese Storys sind für den Kenner ganz passabel, aber oftmals mit einem Makel behaftet. Das liegt wahrscheinlich, dass nichts an die gewohnten Klassiker heranreichen darf. Eine Ausnahme bildet „Das Schiff“, das ich keinem Vorbild zuordnen konnte, das aber in seiner bibelhaften Pseudomystik schwer verdaulich ist.
Der Autor verfügt also, wie man sieht, nicht nur thematisch über eine große Bandbreite, sondern auch stilistisch. In puncto Stil kann er sich noch erheblich verbessern, und wenn die Produktionsbedingungen und der deutsche Markt für SF ein wenig günstiger wären – etwa so wie in Großbritannien – dann könnte Haubold mehr Mühe in seine SF-Geschichten stecken. Und er könnte aus seinen noch besser gelungenen phantastischen Erzählungen auch diejenigen Romane formen, die in ihnen stecken – sofern sie jemand hierzulande lesen (und drucken) möchte. Ich zumindest würde sie sehr gerne lesen.
London in den 1880er Jahren: Die junge Frau von Dr. Ferguson wird wiederholt dabei ertappt, wie sie ihrem Kind das Blut aussaugt. Ist sie ein Vampir?
Im zweiten Fall werden der Meisterdetektiv und sein Freund Dr. Watson mit dem Rätsel um „Das gefleckte Band“ konfrontiert: Helen Stoner befürchtet, dass ihr bald ein schrecklicher Tod drohen könnte.
_Der Autor_
Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen Erzählungen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um seinen Einkommen aufzubessern. Neben mystischen und parapsychologischen Themen griff er 1912 auch die Idee einer verschollenen Region (mit Dinosauriern und Urzeitmenschen) auf, die von der modernen Welt abgeschnitten ist: „The Lost World“ erwies sich enorm einflussreich und wurde schon 13 Jahre später von einem Trickspezialisten verfilmt. Schon 1913 ließ Doyle eine Fortsetzung unter dem Titel „The Poison Belt“ (dt. als „Im Giftstrom“, 1924).
_Die Sprecher_
Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
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In „Der Vampir von Sussex“:
Robert Ferguson: Charles Rettinghaus (dt. Stimme von Robert Downey jr.)
Isabella Ferguson: Evelyn Maron (dt. Stimme von Ornella Muti)
Jack Ferguson: Lucas Mertens
Dolores: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman)
Mrs. Mason: Gisela Fritsch (dt. Stimme von Vanessa Redgrave)
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In „Das gefleckte Band“:
Helen Stoner: Arianne Borbach (dt. Stimme von Uma Thurman)
Julia Stoner: Rita Engelmann (dt. Stimme von Kim Novak)
Dr. Roylott: Heinz Ostermann
Die orchestrale Musik stammt von Manuel Rösler, Ko-Produktion, Buch & Regie steuerten Marc Gruppe und Stephan Bosenius bei, Aufnahme und Abmischung erfolgten durch Kazuya @ Bionic Beats.
_Handlung von „Der Vampir von Sussex“_
Holmes erhält zeitgleich zwei Briefe, in denen er um seinen professionellen Rat gebeten wird. Er erklärt sich mit dem Besuch des Teehändlers Robert Ferguson einverstanden, obwohl er zunächst das Thema Vampirismus ins Land der Märchen verwiesen hatte. Doch ihm scheint hier etwas anderes vorzuliegen.
Robert Fergusons Familie und Ehe ist nach den zurückliegenden Vorfällen zerrüttet. Zweimal hat die Kinderfrau Mrs. Mason die Herrin Isabella dabei ertappt, wie sie sich über den kaum ein Jahr alten Sohn James beugte, an dessen Hals blutende Wunden zu sehen waren – und ebenso war Blut an den Lippen der Dame zu sehen! Der wegen dieses Berichts besorgte und entsetzte Familienvater verbietet seiner Frau notgedrungen jeden Kontakt mit James, woraufhin sich Isabella einschließt und in ein Fieber verfällt.
Als Holmes, Watson und Ferguson in dessen Heim eintreffen, fällt Holmes nicht nur der an den Hinterbeinen lahmende Hund Carlo auf, sondern sein Blick auch auf die Fenster. Daraufhin erscheint Jack, der 13-jährige Sohn Fergusons aus dessen erster Ehe. Isabella ist Jacks Stiefmutter, James somit sein Stiefbruder. Jack hat seit einem Sturz einen verkrümmten Rücken. Er war es, der zuerst behauptet hatte, seine Stiefmutter sei eine Vampirin. Da sie aus dem katholischen Peru stammt, könne sie wer weiß was glauben. Außerdem hat sie ihn gezüchtigt.
Auch Holmes fallen die seltsamen Waffen auf, die die junge Frau aus ihrer fernen Heimat mitgebracht hat, darunter Pfeil und Bogen von den Ureinwohnern. Watson bietet an, die Frau zu untersuchen, doch als er vorgelassen wird, kann er keine Grippe oder Ähnliches feststellen. Das Fieber scheint vielmehr geistigen Ursprungs zu sein. Sie fantasiert etwas von einem „Teufel“ …
Daraufhin bittet Holmes Ferguson, zu Isabella vorgelassen zu werden. Er habe die Lösung des Falles bereits gefunden, könne sie aber nur im Beisein Isabellas enthüllen …
_Handlung von „Das gefleckte Band“_
Holmes weckt Watson aus dessen Schlummer, denn sie haben wieder eine Klientin. Im Wohnzimmer hat eine tief verschleierte Frau Platz genommen, die sich als Helen Stoner vorstellt. Als sie den Schleier lüftet, blickt ihnen ein kaum dreißigjähriges, leidgeprüftes und blasses Gesicht entgegen. Das Haar wird bereits von grauen Strähnen durchzogen. Was hat so viel Leid hervorgerufen?, fragt sich Watson, der Chronist.
Sie habe Todesangst, erzählt sie. Dabei will sie in zwei Monaten heiraten. Ihr Verlobter hält ihre Ängste für Einbildung, doch sie hat guten Grund dafür: Ihre Schwester Julia ist bereits an einer unbekannten Ursache im Zimmer nebenan gestorben. Niemand weiß, wodurch. Helen bittet Holmes um Rat.
Der Detektiv sagt sein Kommen zu, denn er nimmt den Fall ungewöhnlich ernst. Und mit Recht, denn kaum ist die junge Frau wieder gegangen, erscheint Dr. Royston, ihr Vater, unter dem sie offenbar zu leiden hat. Sein jähzörniges und grobes Auftreten sowie die Drohungen, die er gegen Holmes, sollte er sich einmischen, ausstößt, charakterisieren ihn vollständigen als gefährlichen Choleriker. Und wer weiß, was er an gefährlichen Dingen aus Indien, wo er Helens Mutter kennen lernte, mitgebracht hat?
Als Holmes mit Watson und Miss Helen den Tatort untersucht, fallen ihm verschiedene Merkwürdigkeiten auf. Es werden noch sehr viel mehr, als es ihnen gelingt, auch Dr. Roylets Arbeitszimmer in Augenschein zu nehmen. Durch Renovierungsarbeiten, die lediglich einen Vorwand bilden, ist Helen gezwungen, im gleichen Zimmer wie das Todesopfer zu nächtigen. Als sich Watson mit Holmes nachts auf die Lauer legt, ist ziemlich klar, dass der Detektiv mit einem weiteren Mordanschlag rechnet. Vorsichtshalber hat er einen Revolver mitgenommen – bei Leuten wie Dr. Roylet kann man nie wissen.
Im entscheidenden Moment dringen seltsame Laute und Schreie aus den Zimmern. „Vorsicht, Watson – es besteht höchste Gefahr!“ flüstert Holmes, als sie ins Haus eindringen. Denn natürlich kennt Holmes bereits die Lösung des Rätsels.
_Mein Eindruck_
|“Der Vampir von Sussex“| ist im Grunde eine Story über das Aufeinandertreffen zweier unterschiedlicher Kulturen, was man heutzutage einen „culture clash“ nennt. Robert Ferguson hat sich eine Peruanerin ins Haus geholt, die a) katholisch ist – was bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in England verpönt war – und b) Kontakte zu den Ureinwohnern, den so genannten „Indios“, hatte. Daher brachte sie deren Waffen mit nach merry old England, wo sie leider missbraucht werden. Sie ist ein Fremdkörper in Fergusons Haushalt, nicht nur in seiner Familie.
Hinzu kommt das uralte Problem, das jede Stiefmutter hat: Nicht nur hat ihre Rolle ein schlechtes Image, sie und ihr Kind werden obendrein noch von den vorhandenen Nachkommen der ersten Frau abgelehnt. Sie als „Vampirin“ zu denunzieren, ist ein erfolgversprechendes Mittel, sie aus dem Haushalt zu entfernen. Das Ergebnis ist ein regelrechtes Familiendrama, das Fergusons Existenz bedroht – das intakte Familienleben war bei den Viktorianern ein ganz wesentlicher Baustein in der öffentlichen Fassade, die einen der Grundsteine des geschäftlichen Erfolgs darstellte.
Es spricht für Holmes‘ intuitives Einfühlungsvermögen, dieser Konstellation im Handumdrehen auf die Spur zu kommen, so als wüsste er darüber aus eigener (leidvoller?) Erfahrung Bescheid. Umso erstaunlicher erscheint sein Verhalten dem guten Dr. Watson, als Holmes auf Schritt und Tritt beteuert, wie sehr Emotionalität abzulehnen sei, weil sie den Verstand benebele.
|“Das gefleckte Band“|
Mit großer Freude habe ich diese Story angehört, denn auch hier handelt es sich wieder einmal um ein Beispiel des „Locked room mystery“, das bei Autor Doyle so beliebt war (siehe [„Das Zeichen der Vier“): 1234 Obwohl Helen Stoners Schwester wohlbehütet eingeschlossen war, ist sie am nächsten Morgen mausetot. Um dieses Rätsel zu lösen, ist natürlich kein Geringerer als Sherlock vonnöten.
Bei seinem Vorgehen wirkt Holmes diesmal allerdings recht unorthodox, ja geradezu versessen darauf, ein wenig Action zu genießen. Obwohl er das Rätsel in Nullkommanix gelöst hat, muss er noch dem Täter das Handwerk legen. (Sicher spart die Polizei dadurch eine Menge Kosten für den Einsatz vor Ort.) Dazu ist a) eine Falle aufzustellen und b) der Köder zu platzieren. Sodann haben sich die beiden Jäger Holmes und Watson auf die Lauer zu legen, wobei sie der aggressiven lokalen Fauna ebenso aus dem Weg gehen müssen wie den in der Nähe kampierenden Zigeunern. Im entscheidenden Augenblick gilt es dann noch, dem Köder – die zähneklappernde Helen Stoner – das Leben zu retten und dem Mordinstrument sorgfältig aus dem Weg zu gehen. Eine Menge Aufregung für nur eine Nacht!
Daher hat mir diese Story wesentlich besser gefallen als die erste, stehe ich doch auf Geschichten, in denen etwas passiert und die Handlung ordentlich vorankommt. Auch diese Erzählung basiert wieder einmal auf „culture clash“, denn der Arzt Dr. Roylet hat eine Menge Fremdkörper aus Indien mit in seine Heimat gebracht, und das sind keineswegs seine beiden hübschen Töchter …
|Die Sprecher|
Das dynamische Duo Holmes und Watson wissen J. Tennstedt und D. Bierstedt (wie viele Namen auf -stedt kann es eigentlich geben?) kongenial darzustellen. Leider haben sie bei diesen kurzen Erzählungen kaum Gelegenheit, ihre Figuren voll zur Darstellung zu bringen. Das gelingt ihnen in langen Storys wie „Das Zeichen der Vier“ wesentlich besser.
Wenn sich – auf der Rückseite der CD-Hülle – der Verlag mit den Namen von SynchronsprecherInnen bekannter SchauspielerInnen brüstet, so ist dies eigentlich Augenwischerei. Außer Tenn- und Bierstedt sind alle anderen SprecherInnen etwas unterfordert, um nicht zu sagen: Sie tauchen nur in Nebenrollen auf. Eine Ausnahme scheint mir Arianne Borbach zu bilden, die als Helen Stoner eine tragende Rolle auszufüllen hat. Wie auch immer: Es gibt keine Schwächen seitens der Sprecherriege.
|Musik und Geräusche|
Manuel Rösler steuert die Musik bei, die ein ganz wesentlicher Bestandteil jedes erfolgreichen Hörspiels sein sollte – und dieses Ziel bei beiden Geschichten auch erreicht. Dass es sich dabei hauptsächlich um die im Booklet angegebenen Samples orchestraler und choraler Werke handelt, tut der Wirkung keinen Abbruch. Originalität liegt oftmals im geeigneten Einsatz vorhandener Mittel.
Leider kommen Geräusche in der ersten Geschichte kaum zum Einsatz, alldieweil sich alle Geschehnisse in Innenräumen abspielen. Das Klappern von Teetassen und das Knarren von Türen haben eben nur einen begrenzten akustischen Nährwert. Das ist in der zweiten Story ganz anders.
Nicht nur spielt ein ominöses „Pfeifen“ in Helen Stoners albtraumerfüllten Nächten eine wichtige Rolle, auch die Geräusche, die Holmes und Watson lauernderweise im Garten des Stoner-Hauses wahrnehmen, sind nicht von Pappe. Im Gegenteil, sie stammen von wildgewordenen Affen und einem leibhaftigen Geparden, von irgendwelchen Nachtvögeln ganz zu schweigen. Nur die allfälligen Schreie diverser Frauen hätte man vielleicht vom Staub des Sample-Archivs befreien sollen. Sie klingen einfach nicht echt, sondern wie aus einem alten Edgar-Wallace-Film herausgeschnitten.
_Unterm Strich_
Wer Gefahr läuft, auf der Jagd nach neuen Sherlock-Storys zu verhungern, kann gerne zu diesen wenig bekannten Erzählungen greifen. Der wahre Holmes ist das noch nicht, sondern eher ein – oder besser gesagt: zwei – Appetithäppchen. Dennoch kann das Hörbuch Vergnügen bereiten, wenn man sich auf einer kurzen Fahrt von 75 Minuten Dauer befindet. Für den bescheidenen Preis von acht Euronen erhält man immerhin keinen Aufguss einer uralten Radiosendung von anno dunnemals, sondern neue Hörspiele mit aktuellen Sprechern, die etwas von ihrem Handwerk verstehen.
Weibliche & andere Helden: das Ende eines Zeitalters, lebendig erzählt
Der Trojanische Krieg geht in die letzte Runde. König Priamos, dem trojanischen König, geht langsam das Gold aus, um neue Waffen produzieren oder Söldner kaufen zu können. Doch genau nach diesem Schatz gieren die 8000 Mykener unter König Agamemnon.
Unterdessen gerät Andromache, die Gattin Hektors, in einen seelischen Zwiespalt, weil sie sich zunehmend zu Helikaon (Aeneas) hingezogen fühlt, der ihr das Leben rettete – ihr Kind Astyanax ist nicht von Hektor, und dieser weiß es.
Im dritten Band nun treffen endlich die Mykener unter Agamemnon ein, doch sie wollen nicht die schöne Helena, sondern Gold – und Blut. Kassandra orakelt etwas von einem hölzernen Pferd, doch wie üblich hört mal wieder keiner auf die kleine Irre… David & Stella Gemmell – Königssturz (Troja 3) weiterlesen →
Die Großen der Science-Fiction werden mit ihren Meisterwerken bereits in der so genannten „Science Fiction Hall of Fame“ verewigt, welche natürlich in Buchform veröffentlicht wurde (statt sie in Granit zu meißeln). Daher können Freunde dieses Genres noch heute die ersten und wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung eines Genres nachlesen und begutachten, das inzwischen die ganze Welt erobert und zahlreiche Medien durchdrungen hat.
Der Autor erhielt für diesen Roman 1998 den British Science Fiction Award. Banks ist inzwischen der erfolgreichste SF-Autor von den Britischen Inseln.
Exzession (englischer Originaltitel Excession) ist ein 1996 erschienener Science-Fiction-Roman von Iain M. Banks. Auf Deutsch erschien der Roman zuerst 1997 als Hardcover unter dem Titel „Die Spur der toten Sonne“, erst die Taschenbuchausgabe von 2002 hieß „Exzession“. „Exzession“ ist der vierte Roman, den Banks innerhalb seines Kultur-Zyklus veröffentlichte.
Dieses Buch erschien anno 1997 als Hardcover-Ausgabe in der normalen |Heyne|-Kategorie – natürlich wurde es dort ein ziemlicher Flop. Bei diesem Roman handelt es sich um pure Science-Fiction – dementsprechend erschien es nun bei Heyne in der richtigen Reihe. Außerdem wurde dem Titel eine schöne neue Illustration spendiert, die durchaus zum Lesen animiert. Sie erinnert im Stil an die Planetenromane Ben Bovas – keine schlechte Empfehlung.
Der Autor
Iain Banks ist der wahrscheinlich bedeutendste schottische Schriftsteller der Gegenwart. Seine Mainstream- und Science-Fiction-Romane befassen sich mit aktuellen Themen, sein SF-Zyklus über das Culture-Universum gehört zu den wichtigsten Werken des Genres. Er starb 2013.
Folgende Bücher gehören zum Kultur-Zyklus (deutsch alle im Heyne Verlag erschienen) (Quelle: Wikipedia.de):
Consider Phlebas (1987)
Deutsch: Bedenke Phlebas. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Heyne SF&F #4609, 1989, ISBN 3-453-03479-1.
The Player of Games (1988)
Deutsch: Das Spiel Azad. Übersetzt von Rosemarie Hundertmarck. Heyne SF&F #4693, 1990, ISBN 3-453-04275-1.
Use of Weapons (1990)
Deutsch: Einsatz der Waffen. Heyne SF&F #4903, 1992, ISBN 3-453-05826-7.
The State of the Art (Erzählungen, 1991)
Deutsch: Ein Geschenk der Kultur. Übersetzt von Irene Bonhorst. Heyne SF&F #4904, 1992, ISBN 3-453-05827-5.
Excession (1996)
Deutsch: Die Spur der toten Sonne. Übersetzt von Irene Bonhorst. Heyne, 1997, ISBN 3-453-12909-1. Auch als: Exzession. Heyne SF&F #6392, 2002, ISBN 3-453-19679-1.
Inversions (1998)
Deutsch: Inversionen. Übersetzt von Irene Bonhorst. Heyne SF&F #6346, 2000, ISBN 3-453-16198-X.
Look to Windward (2000)
Deutsch: Blicke windwärts. Übersetzt von Irene Bonhorst. Heyne SF&F #6443, 2003, ISBN 3-453-87066-2.
Matter (2008)
Deutsch: Sphären. Übersetzt von Andreas Brandhorst. Heyne SF & F #52500, 2008, ISBN 978-3-453-52500-9.
Surface Detail (2010)
Deutsch: Krieg der Seelen. Übersetzt von Andreas Brandhorst. Heyne, 2012, ISBN 978-3-453-52871-0.
The Hydrogen Sonata (2012)
Deutsch: Die Wasserstoffsonate. Heyne, 2014, ISBN 978-3-453-31546-4.
Handlung
Das Buch hat eine Haupt- und eine Nebenhandlung. Im Universum der „Kultur“ leben biologische und elektronische Intelligenzen einträchtig/utopisch zusammen, meistens. Die KIs werden als „Minds“ bezeichnet und kommt vor allem in Form von Raumschiffen vor, die es natürlich in verschiedenen Funktionsklassen gibt. Wie jede Regierung hat die Kultur auch eine Art Geheimdienst, die Abteilung für Besondere Gegebenheiten, kurz BG. Der sogenannte Diplomat Byr Gen-Hofoen – zur Zeit der Handlung gerade ein Mann – wird auf eine Mission geschickt, um einerseits ein Alien-Objekt – die Exzession – zu untersuchen und andererseits an Bord des Raumschiffes „Sleeper Service“ (Schlafwagen/Schläfer-Service) eine alte Freundin zu besuchen: Dajeil Gelian. Sie ist seit 40 Jahren von ihm schwanger. An Bord soll er außerdem die eingelagerte Seele einer Kapitänin wiedererwecken, die vor über 2000 Jahren schon einmal auf das Alien-Objekt gestoßen war, um ihm Infos zu liefern. Alles ganz einfach. Leider wird Byr von einer BG-Aspirantin bei der Arbeit erheblich behindert, ist also nicht sonderlich produktiv.
Allerdings belässt es Banks nicht dabei. Schließlich betrifft die Exzession, die fünfzigmal älter als das bekannte Universum ist, die ganze Kultur. Die Fraktionen der Minds verdächtigen sich gegenseitig, Vorteil aus dem Exzessionskontakt schlagen zu wollen, und behindern sich. Hinzu kommt, dass die abstoßende Zivilisation der Affronter einen Krieg gegen die Rest-Kultur vom Zaun bricht, um sich gleichzeitig die Exzession anzueignen. Es stellt sich heraus, dass sie dazu verleitet wurden, um ihre Flotte zu vernichten und sie so zur Räson zu bringen.
Zahlreiche fein gesponnene Handlungsfäden laufen am Ende zusammen. Finale: Die „Sleeper Service“ hatte sich ihrer Fracht entledigt, nun setzt sie auch noch Dajeil und Byr aus und konstruiert in Nullkommanichts 80.000 Mini-Kriegsschiffe, um damit mit Karacho die Exzession anzugreifen!
+++ SPOILER-ALARM! +++
Obwohl der Leser um die vernichtende Kraft der Exzession weiß – es scheint sich um ein intelligentes Schwarzes Loch beziehungsweise Wurmloch zu handeln -, kommt es nicht zur Zerstörung der „Sleeper Service“ – die Exzession zieht sich zurück und verschwindet vollends. Damit ist auch das kleine Fahrzeug mit Byr und Dajeil außer Gefahr. Nach einem klärenden aber tränenreichen Gespräch haut Byr wieder ab, doch Dajeil schenkt bald danach einem Mädchen das Leben.
+++ Ende des SPOILER-ALARMs +++
Mein Eindruck
Die erzählten Handlungen sind leider wesentlich verschachtelter als meine Darstellung. Immerhin ist der Roman weitaus stringenter erzählt als etwa „Bedenke Phlebas“ oder „Einsatz der Waffen“. Der Humor ist häufig von feiner Ironie. Er spiegelt sich beispielsweise in den ungewöhnlichen Namen der Minds wider: „Erschieß sie später“ und „Wundersame Wege des Schicksals“ sind nur zwei harmlose Beispiele (Banks-Fans dürfen weitere Namen vorschlagen). Auch die in Computerschrift gesetzten Dialoge der Minds entbehren nicht der Ironie. Lästig sind allerdings die jeweils vorangestellten Daten über eine Übertragung, die für viele Leser unverständlich sind.
Die menschlichen Romanfiguren sind allerdings weniger lebendig als die Minds, wohl weil sie weniger zu sagen haben. Einzige Ausnahme ist die BG-Aspirantin Ulver Seich, eine verzogene junge Jetset-Lady, die sich als Agentin betätigt, um daheim mal wieder im Gespräch zu sein. Wie bitter sie enttäuscht ist, als sie herausfindet, dass sie aufgrund ihrer langen Reise schon lange kein Thema mehr ist!
Von Krähen und Kultur
Und natürlich gibt es mal wieder eine Krähe in diesem Buch, wie stets bei Banks – Gravious ist ein Spion und berichtet an eine Fraktion der Minds, die den BG nicht gerade loyal gegenübersteht. Wenigstens kommen keine Schotten vor! (Banks ist Schotte und lebt bei Edinburgh.)
Die Exzession hat eine Parallele im schwarzen Monolithen in Arthur C. Clarkes „Odyssee 2001“ – an diesem Rätsel scheiden sich die Geister. Das „Kultur“-Universum erinnert an das „Low-Down“-Universum, das Altmeister Vernor Vinge in „Ein Feuer auf der Tiefe“ (|Heyne|-SF) entwarf.
Taschenbuch: 656 Seiten
Originaltitel: Excession, 1996
Aus dem Englischen von Irene Bonhorst.
ISBN-13: 978-3453196797 www.heyne.de
Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: (No Ratings Yet)
Dies ist die Romanvorlage für die japanische und die US-amerikanische Verfilmung „The Ring“: ein Gruselschocker, der in Japan eine Renaissance des Psychohorrors auslöste und acht Millionen Exemplare von der Ring-Saga verkaufte. Die Unterschiede zur US-Verfilmung, die ich kürzlich gesehen habe, sind erheblich. Ich gehe in meinem Bericht darauf ein. Wer den US-Film kennt, wird die Unterschiede interessant finden.
Das Kriegsschiff „Thomas Jefferson“ ist ein Wunder moderner High-Tech und eine eigene Stadt im Meer. Doch eines Tages geschieht das Unvorstellbare – eine atomare Explosion versenkt den Flugzeugträger. Welches U-Boot hat den Nukleartorpedo abgefeuert? Die Jagd beginnt. Patrick Robinson – Nimitz Class. Seekriegs-Thriller weiterlesen →
Carson Ryder, Alabama-Polizist mit Psychologieausbildung, nimmt Urlaub in Kentucky – und findet sich alsbald in eine Ermittlung von grausen Serienmorden verwickelt. Nicht genug damit, dass sein halbseidener Bruder nebenan wohnt, so verliebt sich Ryder auch noch in die Lokalpolizistin Donna Cherry. Kein Wunder, dass sie schon bald in höchster Lebensgefahr schwebt und er sein Leben einsetzen muss, um sie vor dem Rachefeldzug des Psychopathen zu bewahren.
Witzig und kenntnisreich: Ein Druide im Clinch mit den Göttern
Der junge Ire Atticus hat sich mit seinem Wolfshund Oberon im Südwesten der USA niedergelassen. Er betreibt eine Buchhandlung mit okkulten Schriften und verkauft allerlei magischen Krimskrams. An Arizona schätzt er vor allem »die geringe Götterdichte und die fast vollständige Abwesenheit von Feen.« Ein verhängnisvoller Irrtum … (Verlagsinfo)
Das Buch eignet sich für Jugendliche ab 12-14 Jahren.
Im Provinzkaff ist der Teufel los – oder was anderes?_
In den Provinzstädtchen Weyharrow ist der Teufel los – buchstäblich, wie manche meinen. Die Menschen sind von ungehemmter Aggressivität und begehen Gewalttaten. Selbstmorde und Forderungen nach Todesstrafe sind an der Tagesordnung. Reporter der nationalen Presse schnüffeln schon bald nach dem Grund dieses seltsamen Verhaltens, auch Hippies und Neoheiden lassen sich im Ort unweit von Stonehenge nieder.
Dr. Steven Gloze, ein junger Arzt, und Jenny Severance, eine Lokalreporterin, glauben, dass hinter den Ereignissen nichts Übernatürliches steckt, wie manche gern glauben möchten, sondern ein merkwürdiger Nebel, der einige Nächte vorher über dem Fluss lag. Könnte dieser Nebel die Ursache für die Verhaltensstörungen sein? John Brunner – Schnittstelle. Phantastischer Roman weiterlesen →
Fünfzig Skandinavier und Briten verschlägt das Schicksal bei einem Flugzeugabsturz auf eine einsame Insel in der Südsee. Klingt nach Paradies? Wird es auch. Aber erst nach der Einführung von Demokratie und Sozialismus.
Die Morde an drei türkischen Frauen erschüttern das Pariser Türkenviertel. Die Kripo traut sich nur mit unorthodoxen Methoden, in dieser Schattenwelt zu ermitteln. War es ein Serienmörder? Keineswegs: Eine Frau wird von den Killern der türkischen Mafia gesucht, eine Verräterin. Doch sie suchen anhand des falschen Bildes …
_Der Autor_
Jean-Christophe Grangé ist der Franzose, der die literarische Vorlage zu dem Thriller [„Die purpurnen Flüsse“ 936 geliefert hat. Weitere Romane sind „Der Flug der Störche“ und das packende Buch „Der steinerne Kreis“.
Sein besonderes Markenzeichen ist das jeweils sehr spannend verarbeitete außergewöhnliche Thema. In „Purpurne Flüsse“ war es die Elite-Uni, die als genetisches Experimentierfeld und Zuchtanstalt missbraucht wurde. In [„Der steinerne Kreis“ 1349 ging es unter anderem um geheime russische Atomanlagen. Auch in „Imperium der Wölfe“ geht es um eine furchterregende Geheimorganisation, die sich aus nationalistischen Großmachtträumen speist.
Und praktisch immer bei Grangé geht es um Identität und Anonymität. In „Purpurne Flüsse“ treten Zwillinge auf. In „Imperium der Wölfe“ ist das nicht mehr nötig: ein einzelner Mensch kann zwei Identitäten oder mehr besitzen. Und nicht nur an der Oberfläche …
_Handlung_
Anna Heymes hat sich bislang für eine kultivierte Pariserin gehalten und sah auch so aus: äußerst schlank, blasse Haut, schwarzes Haar, große Augen und modische Kleidung. Ihr Mann Laurent ist ein hohes Tier bei der Polizei und lädt Anna gerne zu den Herrenrunden der Oberbullen ein, die Philippe Charlier, der Chef der Anti-Terror-Einheiten, veranstaltet. Anna besteht darauf, einer Arbeit nachzugehen: Sie arbeitet Teilzeit in einem Schoko-Laden an einem schicken Boulevard.
In letzter Zeit plagen Anna ein wiederkehrender Albtraum und seltsame Erinnerungslücken. Sie kann sich nicht mehr an Gesichter erinnern, die sie noch kurz zuvor gesehen hat. Selbst ihr eigener Mann bereitet ihr Angstzustände, wenn unvermittelt sein Gesicht auftaucht. Der besorgte Polizist schickt sie zu einem Neurologen in einer Militärklinik. Eric Ackermann durchleuchtet ihr Gehirn, findet aber nichts Ungewöhnliches. Doch als er eine Gewebeprobe von ihrem Hirn nehmen möchte, rastet Anna beinahe aus.
Sie vertraut sich einer Psychiaterin an: Die geschiedene Mathilde Wilcrau ist zwar schon ein älteres Semester, doch körperlich total fit. Und sie kennt sowohl Eric Ackermann als auch die Uni, wo er studiert hat. Das lässt sie das Schlimmste befürchten. Dass Ackermann Anna in einer Militärklinik untersucht hat, macht sie stutzig. Und tatsächlich bringt es ein Anruf bei Mathildes Exmann ans Licht: Jede Frage nach Annas Geheimnis ist wie der Schritt in ein Minenfeld. Was sie herausfindet, ist schrecklich:
Laurent ist nicht Annas Mann.
‚Anna Heymes‘ ist nicht Annas wahrer Name.
Dies ist nicht Annas Gesicht.
Dies ist nicht Annas Leben.
Wer ist Anna dann? —
Im Pariser Türkenviertel, wo eingeschmuggelte Arbeitskräfte unter unmenschlichen Bedingungen in „sweatshops“ schuften, geschehen drei schreckliche Morde. Die Opfer: junge türkische Frauen, alle rothaarig, von gleicher Gesichtsform – und natürlich nicht gemeldet. Allen wurde das Gesicht zerstört, der Körper weist Spuren einer grausamen Folter auf. Jemand hat Informationen gesucht, aber welche? Und warum gleich dreimal?
Paul Nerteux ist eigentlich ein engagierter Polizist und er hält sich für erfahren. Doch nicht erfahren genug, um es mit der abgeschotteten Schattenwelt der Pariser Klein-Türkei aufzunehmen. Also spannt er einen alten Experten ein: Jean-Louis Schiffer. Der bullige Ex-Bulle, der jetzt im Altenheim wohnt, trägt zwei Spitznamen. Nerteux will, wie alle Polizisten, das „Eisen“, doch was er bekommt, ist lediglich „Chiffre“. Mit einem Wort: Man kann Schiffer nicht trauen.
Doch Chiffres unorthodoxe Methoden führen schnell zu Erfolg: Schon bald sind die drei Toten identifiziert und mit Wohnort und Foto versehen. Eine hat beim ungekrönten König der Klein-Türkei gearbeitet, mit dem Schiffer sehr vorsichtig redet, eine andere hat mit Schiffers Ex-Frau, einer türkischen Unternehmerin, zu tun gehabt. Alle Zeugen kriegen es mit der Angst und warnen Schiffer: Sie schützen die Täter.
Bis endlich einer redet: „Boskurt“, die „Grauen Wölfe“. Schiffer gefriert das Blut in den Adern. Die Terroreinheit der türkischen Mafia in Paris? Kein Wunder, dass alle Angst haben! Und diese skrupellosen Killer suchen eine ganz bestimmte Frau. Eine Frau, die etwas mit Drogenschmuggel zu tun hat, Verrat beging und zu viel weiß.
Eine Frau wie Anna Heymes?
_Mein Eindruck_ [Vorsicht, Spoiler!]
Zwischen Paris und Istanbul, zwischen Gehirnmanipulation und türkischer Mafia bewegt sich Grangés neuester Thriller. Die Zutaten sind so ungewöhnlich und doch in ihrem Zusammenspiel so wirkungsvoll, dass es mir schwer fallen würde, den Autor nicht dafür zu bewundern, wie er das wieder hingekriegt hat. Schon in „Purpurne Flüsse“ entwickelte er das verblüffende Szenario aus zwei völlig verschiedenen Richtungen, die erst dann zusammen einen Sinn ergaben, wenn man die einzige Lösung akzeptierte, die noch logisch erscheint, und sei sie auch noch so exotisch.
Genauso verfährt Grangé auch diesmal. Doch statt sein bekanntes Rezept selbst zu kopieren, nämlich nach drei Morden einen Serientäter zu präsentieren, geht er diesmal ganz anders vor. Das Ergebnis ist aber genauso furchteinflößend und beklemmend wie „Purpurne Flüsse“, wenn auch schwer zu glauben. Totale Gedächtniskontrolle, das Ersetzen einer Identität – was bislang nur der Science-Fiction vorbehalten war, ist in Grangés Thriller in der militärischen Forschung bereits Wirklichkeit. Der Autor nimmt sich die Freiheit des Poeten, das Mögliche weiterzuspinnen. Bis zur letzten schrecklichen Konsequenz.
|Fundament aus Fakten|
Das Mögliche muss jedoch stets auf bekannten Fakten aufgebaut sein, sonst hängt es als Fantasie in der Luft. Und was der Autor alles über die türkische Mafia zu berichten weiß, kann auf keinen Fall an den Haaren herbeigezogen sein, sondern dürfte ziemlich genau der Realität entsprechen.
Es geht weniger um die Organisation selbst, als vielmehr um die terroristische Einheit, die als „Graue Wölfe“ in der zweiten Romanhälfte die Hauptrolle spielt. Ursprünglich waren sie lediglich die „Idealisten“ und kämpfen für die nationalistischen Konservativen unter Arpaslan Türkes. Nach dem Militärputsch 1980 spannte Türkes seine alten Helfer nicht als Parteischlägertruppe ein, sondern als Ausführungsgehilfen bei politischen Morden, an Kurden und Armeniern etwa. Und da er zwecks Geldbeschaffung die türkische Drogenindustrie aufbaute, setzte er die „Grauen Wölfe“ als Schmuggler und Agenten ein, die Heroin etc. nach Westeuropa schmuggelten.
So wie alle drei getöteten Frauen aus Anatolien kamen, so stammen auch die meisten „Grauen Wölfe“ aus der kargen, extrem konservativen Osttürkei. Und einer von ihnen ließ sich von einem der „Paten“, die hier „Babas“ heißen, einfangen, trainieren und strategisch einsetzen. Dumm nur, dass er zu viel Geschmack am Töten fand. Folgerichtig führt am Ende die Spur zurück nach Anatolien, wo der letzte einer ganzen Reihe von Showdowns stattfindet.
|Auch Humor gibt’s hier|
Doch ist nicht alles grimmig hier: Paul Nerteux, der Otto Normal in diesem verrückten Plot, wirkt in seiner Hilflosigkeit komisch und sympathisch. Er wirkt umso sympathischer, als er von seiner kleinen Tochter Céline getrennt lebt und doch gerne alles für sie tun würde. Er wirkt auf mich wie Kerkorian (gespielt von Vincent Cassel) neben Kommissar Niémans (Jean Reno) in „Die purpurnen Flüsse“, sozusagen der Sidekick des Helden.
|Die Übersetzung|
Bei der Beurteilung der Übersetzung von Christiane Landgrebe schwanke ich zwischen „gewöhnungsbedürftig“ und „ein Ärgernis“. Einige Fehler sind eindeutige Sachfehler. So schreibt sie beispielsweise „überirdisch“ statt „oberirdisch“, wenn es um simple Stadtbahnen geht. Sie schreibt „Explosionsmotor“ statt „Verbrennungsmotor“ (200) und „Fell-“ statt „Pelzhändlerin“ (213) sowie „übersah“ statt „überschaute“ (218).
In einem anderen Fall kann man sich über den korrekten Terminus streiten. Niemand in Deutschland außer einem totalen Experten würde wohl „Ästhetische Chirurgie“ statt „Plastische Chirurgie“ sagen (286 ff). Aber Ersteres ist offenbar der gängige Ausdruck im Französischen, um Gesichtschirurgie zu bezeichnen – Französisch ist ja so viel feiner in der Ausdrucksweise, nicht wahr?
_Unterm Strich_
Ebenso wie in [„Die purpurnen Flüsse“ 936 erzeugt Grangé auch diesmal eine beklemmende Atmosphäre der Paranoia, die sich erst allmählich aufbaut, um sich dann – besonders im zweiten Handlungsstrang – explosiv in brutaler Action zu entladen.
Es ist faszinierend, wie sich diese beiden Elemente gegenseitig ergänzen und verstärken. Dennoch wirken sie nicht als Show, sondern stehen auf einem soliden Fundament an bekannten Fakten. Es gibt lediglich eine Stelle, an der mein Unglauben nicht aufgehoben wurde: die Sache mit der Gehirnmanipulation. Gestern noch Science-Fiction, heute schon Wirklichkeit? Da müsste man die Experten fragen.
Kaum eine der Hauptfiguren erreicht die Ziellinie, und doch ist ihr Kampf nicht vergebens. Es bleiben keine losen Enden übrig, und der Leser kann das Buch getrost beiseite legen: Gerechtigkeit, die gibt es auch hier. Ein spannendes, beklemmendes und sehr zufriedenstellendes Buch, finde ich. Aber nichts für zarte Gemüter, so viel steht fest.
Gebundene Ausgabe : 446 Seiten
Originaltitel: L’empire des loups, 2003
Aus dem Französischen übersetzt von Christiane Landgrebe
Ein Serienmörder macht Bostons Frauenwelt unsicher: „Der Chirurg“ beraubt sie ihres weiblichsten Organs. Die Kripo ist ratlos, doch bald stößt sie auf ein überlebendes Opfer: eine Chirurgin.
_Die Autorin_
Tess Gerritsen war eine erfolgreiche Internistin, bevor sie mit dem Medizinthriller „Kalte Herzen“ einen großen Erfolg errang. Es folgten mehrere mittelmäßige Thriller wie „Roter Engel“, die durchaus spannend zu unterhalten wissen.
Mit dem Bestseller „Die Chirurgin“ ist ihr auch der Durchbruch in Deutschland gelungen, denn dieser Thriller ist noch eine ganze Klasse härter: Der Mörder entfernt seinen weiblichen Opfern die Gebärmutter. Die Fortsetzung trägt den Titel „Der Meister“, und [„Todsünde“ 451 ist der dritte Roman mit Detective Jane Rizzoli vom Boston Police Department.
Die Autorin lebt mit ihrem Mann, dem Arzt Jacob Gerritsen, und ihren beiden Söhnen in Camden, im US-Bundesstaat Maine.
_Handlung_
Es ist ein ungewöhnlich heißer und schwüler Sommer in Boston. Detective Thomas Moore ist schon auf dem Weg zu einem kühlen See in den Bergen, um dort Urlaub zu machen, als er zum Dienst zurückgerufen wird, um einen Aufsehen erregenden Fall zu übernehmen: Bevor das Opfer Elena Ortiz mit einem glatten Schnitt durch die Kehle getötet wurde, hat ihr Mörder sie einer gynäkologischen Operation nach allen Regeln der Kunst unterzogen. Ihr Martyrium hatte Stunden gedauert.
Sowohl der ruhige, über 40 Jahre alte Moore als auch seine extrem ehrgeizige Kollegin Jane Rizzoli fühlen sich bald an einen ähnlichen Fall aus der Vergangenheit erinnert: Die junge Diana Sterling, Tochter aus reichem Hause, war auf die gleiche Weise ermordet worden; auch sie wurde vor dem Gnadenstoß operiert. Den Polizisten wird klar, dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben: Er besitzt offensichtlich medizinische Fachkenntnisse und wird von der Presse bald „Der Chirurg“ genannt. Die Zeit drängt: Wahrscheinlich hat der Killer bereits sein nächstes Opfer auserkoren.
Eine Computerrecherche bringt das Ermittlerteam auf die Spur einer ähnlichen Mordserie, die aber bereits drei Jahre zurückliegt und sich im südlichen Savannah ereignete. Der Täter Andrew Capra wurde allerdings von seinem letzten Opfer in Notwehr erschossen. Dennoch suchen Moore & Rizzoli Dr. Catherine Cordell in der städtischen Klinik auf. In der Szene, in der wir sie kennen lernen, rettet sie einem gerade eingelieferten Verkehrsopfer das Leben. Offensichtlich verfügt sie über Nerven aus Stahl.
Doch die Polizisten haben herausgefunden, welche Qualen Catherine erlitt, als sie sich in der Gewalt des Savannah-Killers befand. Kein Wunder, dass sie zunächst unter keinen Umständen an jenes Geschehen erinnert werden möchte. Aber dann erfährt sie, dass Elena Ortiz Mitglied einer Selbsthilfegruppe im Internet war, der auch sie selbst angehört: Hier schildern vergewaltigte Frauen ihre Erlebnisse, in der Hoffnung, psychologischen Beistand und Verständnis zu finden, denn in der patriarchalischen Gesellschaft werden Vergewaltigungsopfer immer noch stigmatisiert und ausgestoßen. Solche Frauen schweigen lieber, statt sich zu offenbaren. Auch Catherine Cordell.
Merkwürdige Unstimmigkeiten treten in Catherines Alltag auf: Laborkittel und Stethoskop sind verlegt, und jemand scheint sie zu beobachten und ihren Dienstplan ganz genau zu kennen. Und der Beobachter scheint auch ihre Vergangenheit zu kennen: Aber Andrew Capra ist doch tot, oder nicht? Oder hatte er einen Partner, der ihn nachahmt? Falls ja, würde dieser Partner nicht danach streben, sich an Catherine für ihre Tötung Capras zu rächen?
Während sich Moore in Catherine verliebt und mit ihr schläft (was ihm eine Strafmission einbringt), macht Rizzoli eine aufregende Entdeckung und begibt sich in höchste Gefahr. Doch für Catherine, die schöne, nervenstarke Chirurgin, ist die Zeit abgelaufen: Der „Chirurg“ schnappt sie sich.
_Mein Eindruck_
Krimiautorinnen wie die britische Mo Hayder und die Amerikanerin Tami Hoag sind mit mir einer Meinung: Dies ist Krimistoff erster Güte, der nicht nur den Schlaf raubt, sondern auch Fingernägel in existenzielle Gefahr bringt. Ich habe das Buch in zwei Tagen durchgelesen – es geht sicher noch schneller.
|Glaubwürdigkeit|
Mal abgesehen von der raffinierten Konstruktion des Plots mit zwei Mordpartnern, von denen der eine in nächster Nähe des Hauptopfers arbeitet, baut die Autorin auf zwei wichtige Grundsteine: die authentische, geradezu akribische Schilderung des Chirurgenalltags einerseits und zweitens glaubwürdige, lebendige Figuren wie Catherine, Moore und Rizzoli. Daran hatte ich nicht das Geringste auszusetzen.
|Der Mörder|
Probleme hatte ich zeitweilig aber mit dem Täter. Seine Gedankengänge sind in beinahe aufsatzartigen Sequenzen dazwischengeschaltet. In diesen Gedanken und Fantasien scheint er sich und sein Tun zu rechtfertigen. Er verweist auf alte, antike Rituale wie etwa Agamemnons Opferung seiner Tochter vor dem Beginn des Trojanischen Krieges. Das scheint mir lediglich eine mythologisierende Überhöhung zu sein, um sein brutales Tun ins rechte Licht zu rücken. Außerdem begründet dies keineswegs, warum er seinen weiblichen Opfer die Gebärmutter entfernt: Trophäen?
Raffinierter sind da schon seine Beobachtungen von seinem Arbeitsplatz aus. Wir wissen lange Zeit nicht, wo er arbeitet und warum er so leicht und unerkannt an geeignete Opfer herankommt. Er erfährt von ihnen durch Aufträge von den Ärzten vergewaltigter Frauen, deren Blut auf Infektion mit HIV oder Geschlechtskrankheiten zu untersuchen.
Solche Frauen, so weiß der Killer, sind seelisch geschwächt: leichte Opfer. Auffallend ist der wiederholte Vergleich dieser Frauen mit Gazellen, die zur leichten „Beute“ des männlichen Raubtiers werden, das im Dschungel der Großstadt auf Pirsch geht. Auch dies ist in meinen Augen eine unzulässige, zumindest aber unangemessene Symbolisierung bzw. Metapher. Sie könnte sogar als sexistisch betrachtet werden: Der Täter ist hier immer ein Mann.
_Unterm Strich_
Man muss mit der Präsentation des Killers nicht hundertprozentig einverstanden zu sein, um diesen guten Thriller genießen zu können.
Zwar reicht er noch lange nicht an psychologische Meisterwerke wie „Das Schweigen der Lämmer“ heran, doch Gerritsen hat eine Kombination aus Psycho- und Medizinthriller geschrieben, die auf mehr hoffen lässt.
|Originaltitel: The Surgeon, 2001
Aus dem US-Englischen übertragen von Andreas Jäger|
Vor den Toren des antiken Karthago entbrennt der Streit zwischen der Seerepublik und rebellierenden Söldnertruppen. Im Mittelpunkt des Konflikts steht die tragische Liebe zwischen der Priesterin Salambo, Tochter des umstrittenen Staatsmanns Hamilkar, und dem Söldnerführer Matho.
In der Verbindung von politischen und religiösen Themen schildert der französische Schriftsteller Gustave Flaubert in seinem historischen Roman die Grausamkeit der Vernichtung, die bis in intimste Bereiche vordringt. „Emma Bovary noch einmal, nur in barbarische Vorzeiten versetzt.“ Die FAZ.
Spannend und dramatisch: Pathologin, hilf dir selbst!
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