Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

McCann, Jesse Leon / Peyer, Tom – Bart Simpson Comics 38

_Inhalt_

|“Rektor Simpson“|

Bei einem weiteren Streich mit Ketchup und Senf stellt Bart Oberschulrat Chalmers bloß, der wiederum Rektor Skinner für seinen neuen Kopfschmuck verantwortlich macht. Als Strafe entzieht er ihm für einen Tag sein Amt als Schuldirektor und überreicht ausgerechnet Bart die Verantwortung. Während der kleine Rotzlöffel die Situation schamlos ausnutzt, beginnen für den entwürdigten Schulleiter die schlimmsten 24 Stunden seines Lebens …

|“Ralph lernt eine Lektion“|

Ralph verkauft seine wertvolle Comic-Sammlung an den berüchtigten Händler für einen Spottpreis und lässt sich daraufhin auch noch den Erlös aus der Tasche ziehen. Leichtgläubig fällt er immer und immer wieder seinen vermeintlichen Freunden und deren Gier zum Opfer, bis ausgerechnet sein tollpatschiger Vater, Chief Wiggum, ihm aus der Patsche hilft …

_Persönlicher Eindruck_

Eigenartigerweise muss man in fast jeder Kritik einer Ausgabe der „Bart Simpson Comics“ darauf eingehen, dass die Qualitätsschwankungen innerhalb der Serie häufig sehr beträchtlich sind und man auch immer wieder mal einige deutliche Enttäuschungen verkraften muss. Umso positiver ist man daher gestimmt, wenn auch mal eine Ausgabe in ihrer kompakten Form ohne jeglichen Ausfall daherkommt und in Sachen Humor locker mit der aktuellen Auflage des großen Bruders, den „Simpsons Comics“, mithalten kann.

Besonders in der ersten Geschichte beweist Autor Tom Peyer sein Gespür für gewagte Doppeldeutigkeiten, wobei ihm der Inhalt der Story – die Zwiste zwischen Chalmers und Skinner, respektive Skinner und Bart sind schließlich legendär – absolut zugute kommt. Doch auch in der Position des zeitweiligen Rektors ist der Titelheld ein wahrer Genuss und nutzt den Posten sowie auch das Humorpotenzial schonungslos aus.

Nicht ganz so witzig, aber eben auch nicht schlecht, ist der Spot in der Mitte, in dem eine Mini-Story um den charmanten Milhouse präsentiert wird. Einige gelungene Gags innerhalb des Vierseiters sprechen jedenfalls ausnahmsweise mal dafür, einen äußerlich so schmalen Band trotzdem noch einmal aufzuteilen.

Im Finale darf sich dann der bislang noch nicht in Erscheinung getretene Jesse Leon McCann dann noch einmal versuchen und trifft in seiner merkwürdigen Darstellung von Ralph Wiggum den Nagel ebenso wie den Wortwitz auf den Kopf. Auch wenn gerade hier einige typische Simpsons-Klischees greifen, ertappt man sich doch erstaunlich oft dabei, bei den obligatorischen Schenkelklopfern ordentliche Grimassen zu ziehen.

Daher ist das Fazit für die Nr. 38 auch kurz und schmerzlos: Die Ausgabe taugt definitiv einiges und gehört mit Abstand zu den besten der letzten Monate im illustrierten Simpsons-Universum.

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Alice, Alex – Siegfried 1

_Story_

Dereinst, als die Erdentage noch abzählbar waren und Göttervater Odin über die Welt herrschte, bedeutete ein kleines Stückchen Gold die vollkommene Macht. Doch um es zu erlangen, musste man der Liebe entsagen und seine Emotionen vernichten. Odin entsandte seine Tochter, um dieses verbliebene Stück Macht zu beschützen, jedoch konnte er sich nicht des intriganten Fafnirs erwehren, der seine Liebe zu jener Göttertochter aus Eifersucht und wachsendem Hass aufgab, um das zu besitzen, was selbst Odin nie besitzen konnte.

Doch mit Fafnirs Machtbestreben war auch der Untergang des Volks der Nibelungen besiegelt, die daraufhin aus der sterblichen Welt verbannt wurden. Unterdessen wird Siegfried, der Säugling, den Odins sterbende Tochter kurz vor ihrem Tod noch gebar, in die Hände des hinterhältigen Mime übergeben, der sich seiner annimmt und ihn durch seine Kindheit führt. Im Glauben, seine Eltern hätten ihn damals ausgesetzt, fügt er sich Mimes Anweisungen und verbringt ein Sklavendasein in der Behausung des schurkischen Zwerges.

Doch in Siegfrieds Visionen wird ihm immer deutlicher offenbar, dass die Wahrheit um seine Eltern nicht mit den Erzählungen übereinstimmen kann. Der junge Mann zieht aus, um in der Obhut der Wölfe heranzureifen und eines Tages die Wahrheit herauszufinden. Dabei erfährt er jedoch, dass dies nur gelingen kann, wenn er eines Tages den Drachen besiegt und aus dessen Blut die Weisheit liest …

_Persönlicher Eindruck_

Die [Nibelungensage]http://de.wikipedia.org/wiki/Nibelungensage gehört zu den wichtigsten Werken der Literatur und ist vor allem im skandinavischen Raum nach wie vor eine der wichtigsten Überlieferungen der europäischen Erzählkunst. Im vorletzten Jahrhundert gewann das gewaltige Heldenepos aber erst die Bedeutung, die ihr wegen ihres gewaltigen Inhalts auch tatsächlich zustand, bevor Richard Wagner schließlich mit dem „Ring der Nibelungen“ den wahren Wert der Materie auch in Form einer bis heute meistgeschätzten Opern aller Zeiten verarbeitete.

Während Wagners Werke im Laufe der Zeit jedoch wegen ihrer heroischen Ausstrahlung zweckentfremdet wurden, genießt die berühmte Sage bis zum heutigen Tage einen bedeutsamen, wenn auch nicht mehr makellosen Status. Dadurch bedingt, wagen sich heuer auch nur wenige Schriftsteller an das Thema heran. Und dass es nun ausgerechnet ein Comic-Autor ist, der den alten Heldenstoff nach etlichen Jahren wieder neu und ziemlich modern aufkocht, rechtfertigt dementsprechend auch den einen oder anderen skeptischen Blick. Doch gemach, werte Kritiker, denn dem Herr Alice ist völlig bewusst, an welch harten Brocken er sich da herangewagt hat.

Dennoch tut sich der Autor solch fortschrittlicher Werke wie „Das 3. Testament“ beim Aufbau seiner Story ziemlich schwer, unter anderem aber auch, weil das Original so unheimlich viel hergibt. Alice versteckt sich hierzu clevererweise ein ganzes Stück hinter der Interpretation Wagners und beginnt sein Werk mit einer stimmigen, bildgewaltigen Ouvertüre, die jedoch gleichermaßen verwirrend gestaltet ist. Rückblickend werden hier zwar elementare Teile der Story aufgegriffen, jedoch wird diese Verbindung erst nach und nach in die Handlung integriert, was angesichts der berauschenden Eindrücke des illustrativen Werks ziemlich schade ist. Lieber wäre man hier schon in voller Fahrt ins Geschehen eingestiegen.

Aber auch abseits der Rahmenerzählung, sprich im Hauptplot, agiert der Autor stellenweise sprunghaft. So mancher Dialog wird jäh unterbrochen, und auch Siegfrieds Entwicklung könnte eine Spur schlüssiger ausgearbeitet werden. Bevor man sich versieht, hat der Titelheld seine Jugend hinter sich gebracht, ohne dass dabei ein maßgeblicher Part, nämlich die kontinuierliche Entfremdung durch seinen Ziehvater Mime, ausführlich bearbeitet wird. Zudem ist die Schwerpunktverteilung an manchen Stellen ein wenig unverhältnismäßig. So wird die Vorgeschichte, quasi der Ursprung der gesamten Saga, ziemlich knapp abgearbeitet, wohingegen die Szenen, in denen Siegfried mit den Wölfen zieht, aufgrund ihrer spektakulären Zeichnungen gerne breit ausgeschmückt werden. Rein visuell ist dies sicherlich vertretbar, doch da die Nibelungensage nun mal in erster Linie von ihrer eigenwilligen Heldengeschichte lebt, sollte diese auch noch klarer eingeflochten werden.

Derartige Kritik scheint vor dem Aspekt des berauschenden, zeichnerischen Gesamtbilds und der sehr frischen Interpretation der Materie jedoch schon fast wieder bedeutungslos. Alice zeichnet im wahrsten Sinne des Wortes göttlich und beherrscht vor allem die hektischeren Szenarien aus dem Effeff. Gleich mehrfach entwirft er schier unglaubliche Panels mit vielen genialen Detailzeichnungen, erlaubt sich dabei aber auch hier und dort einige Eigenarten, bei denen er sich genügend künstlerische Freiheiten herausnimmt, um der Geschichte seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Sowohl bei den Darstellungen der Charaktere als auch im Hinblick auf die fast schon verführerischen Naturbilder ist ihm dies absolut fantastisch gelungen, bei der Inszenierung der Handlung indes noch nicht ganz so grandios, wie es die Vorlage erhoffen ließ. Allerdings ist Alice erst am Anfang einer etwas üppiger präsentierten Trilogie angelangt und hat noch alle Möglichkeiten offen, erste Ungereimtheiten in Kürze wieder auszugleichen. Vorerst bleibt daher auch in erster Linie die Macht der Bilder haften. Und dies ist für einen Comic – auch vor dem Hintergrund der hier verarbeiteten Geschichte – schließlich entscheidend!

|72 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-940864-18-5|
http://www.splitter-verlag.de

Ange / Varanda / Sieurac – Legende der Drachenritter, Die – Band 6: Jenseits der Berge

Band 1: [„Jaina“ 3349
Band 2: [„Akanah“ 3585
Band 3: [„Das leblose Land“ 3826
Band 4: [„Brisken“ 4153
Band 5: [„Schlossgärten“ 4749

_Story_

Einst, als die Drachen bereits die Menschheit tyrannisierten und von emsigen Rittern in mutigen Schlachten bekämpft wurden, lebten auch die ersten Drachenritterinnen, deren Orden gerade erst frisch besiegelt waren. Unter ihnen befand sich auch die mutige N’Aria, die während eines tödlichen Gefechts mit einem Drachen in eine Schlucht stürzt und von ihren Gefährtinnen getrennt wird. Völlig entkräftet wird sie vom Stamm der Nauris gesund gepflegt und in die Obhut des primitiven Volkes genommen. Doch die Nauris stehen in Verruf, da sie vom gleichen Übel wie die Drachenvölker befallen sein sollen und daher im Kreise der Drachenritterinnen zu Todeskandidaten bestimmt werden.

N’Aria lernt die liebevollen Stammesmenschen jedoch von einer gänzlich anderen Seite kennen und wehrt sich gegen die vorschnellen Urteile ihrer Kolleginnen. Als sie schließlich wieder auf ihre alten Gefährtinnen stößt, kommt es zu einem gehörigen Konflikt und einem Skandal innerhalb des Ordens. N’Aria scheint gezwungen, sich pflichtbewusst gegen die Nauris zu stellen. Ihr Herz und ihre Gewissen sprechen allerdings eine andere Sprache …

_Persönlicher Eindruck_

Je weiter „Die Legende der Drachenreiter“ fortschreitet, desto tiefgründiger gestaltet sich der Einblick, den die beiden unter dem Synonym Ange firmierenden Autoren ihren Lesern in das Konstrukt der Story gewähren. Im nunmehr bereits sechsten Band entführen die beiden Franzosen ihre Leserschaft an die Anfänge der unabhängigen Chronologie der Ereignisse und erinnern ganz besonders an die grundlegenden Motive des Ordens, an seine Moral, seine Riten, vor allem aber auch an seine Vorstellungen und Anforderungen, was die einzelnen jungfräulichen Mitglieder betrifft.

Ange nutzen diese Thematik als Aufhänger für ein gesellschaftliches Fantasy-Drama, in dem durchaus Affinitäten zu aktuellen sozialen Strukturen und Problemen zu erkennen sind. Es geht um die Unterdrückung von Minderheiten, um Diskriminierung geringerer Intelligenz und um die Auslöschung kulturellen Gutes zugunsten extremer Meinungen und politischer Engstirnigkeit. Womöglich war dies zwar nicht die Intention der Autoren, jedoch lässt sich hier in allen Abschnitten ein ziemlich authentischer Vergleich zu manch brutalem Szenario des 20. Jahrhunderts ziehen, der aufgrund der direkten und unverblümten Art seinen Effekt kaum verfehlt. Gerade der gespaltene Hauptcharakter spielt hier eine essenzielle Rolle, die glaubwürdig und behutsam ausgearbeitet wird und deren Entwicklung insgesamt den wohl größten Reiz in der gesamten Geschichte ausmacht.

Letztere beginnt, wie für die jüngsten Ausgaben der Reihe schon fast gewöhnlich, recht brutal und ungeheuer direkt und schnappt geradezu überfallartig nach einem festen Strohhalm, der den Plot auffangen könnte. Dieser bietet sich auch ziemlich rasch und verhilft der Story auf günstigem Nährboden zu einer spannenden, wenn auch außergewöhnlich ruhigen Entwicklung, deren Inhalte in vielen Teilen ziemlich deutlich vom Gros der vorherigen Erzählungen abweichen. Die Drachen sind erneut nur im Hintergrund präsent (sieht man einmal vom eingehenden Gefecht ab) und die Bedrohung ist noch gar nicht greifbar. Stattdessen konzentriert sich „Jenseits der Berge“ ausschließlich auf ihre späteren Bekämpfer und deren erste Gehversuche, die bei weitem nicht so ruhmreich und beispielhaft sind wie ihre späteren Ehrenwerke im bekannten apokalyptischen Szenario der ersten Releases.

Dies zu sehen und zu erfahren, wirft die Serie erneut in ein ganz anderes Licht und sorgt wiederholt dafür, dass sich der Charakter von „Die Legende der Drachenreiter“ kontinuierlich verändert und weiterentwickelt, der Überraschungsfaktor ob der zusätzlich wechselnden Atmosphäre indes nach wie vor beständig hoch bleibt. Zwar muss der Leser stellenweise immer wieder ein paar Längen hinnehmen, wie sie sich in „Jenseits der Berge“ gerade im ersten Drittel mehrfach offenbaren, allerdings kann er schlussendlich auf eine weitere gelungene Umsetzung des Stoffes zurückblicken, welche auch den sechsten Band der Fantasy-Comicserie zu einem würdigen Vertreter seiner Art avancieren lässt.

|Originaltitel: La geste des chevaliers dragons – Par-dela les montagnes
48 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-939823-38-4|
http://www.splitter-verlag.de

Laska – Luzie aus der Hölle

_Story_

Luzie Luzifer ist nach einem Aufeinandertreffen mit einem Steinriesen völlig verblüfft. Der zermalmte Gegner hinterlässt eine weiße Feder, die augenscheinlich mit einem drohenden, neuen Konflikt zwischen Himmel und Hölle in Verbindung steht. Um herauszufinden, was genau es mit der Feder auf sich hat, reist sie durch die eigenartigsten Schauplätze der Hölle, trifft den Engel des Todes und kommt einer fürchterlichen Verschwörung auf die Schliche. Nur gut, dass Luzie auf die Unterstützung ihres kleinen Drachen Sam und des grobschlächtigen Schmied Robur zählen kann …

_Persönlicher Eindruck_

Eigentlich hatte der Urheber dieser Geschichte geplant, eine Manga-Serie in bester „Dragonball Z“-Manier zu konzipieren und diese in größerem Rahmen auszuarbeiten. Der enorme Arbeitsaufwand und die geringe absehbare finanzielle Entschädigung machten diesen Planungen jedoch einen Strich durch die Rechnung, so dass Laska kurze Zeit später auf humorvolle Phantastik umsattelte und die einst Lilli benannte Darstellerin im Comic-Underground als „Luzie aus der Hölle“ etablieren konnte. Nach einigen Magazin-Beiträgen sollte das Projekt dann aber auch wieder eingestampft werden – schade eigentlich, denn witzig sind sie allemal, die Geschichten um die ungewöhnliche Titelheldin.

Laska orientiert sich im vorliegenden Plot unterdessen ganz klar am Klassiker „Göttlicher Komödie“, jedoch auf sehr eigenwillige Art und Weise. Die Charaktere werden entweder als tollpatschige oder aber als unbeholfene Figürchen eingeführt, die Story besitzt im Zuge des kleinen Gag-Feuerwerks auch keinen wirklichen Tiefgang, bleibt aber dennoch absolut lesenswert, und wenn es schließlich an die Parallelen geht, muss man noch einmal zusätzlich schmunzeln, weil der Krieg zwischen Himmel und Hölle eben noch nie so … nun, anders dargestellt wurde.

Überraschend ist dennoch, wie viele Details Laska in den Plot eingestreut hat. Die kurzen Episoden mögen zwar schnell voranschreiten, dennoch ergibt sich hier eine enorme Fülle an versteckten Einzelheiten, seien es nun die Anspielungen auf das überdramatisch inszenierte Action-Genre im Comic, die kurzen Querschläger zum Manga-Sektor oder eben doch die netten Adaptionen aus dem Dante-Werk. Auch wenn das Ganze auf gewisse Weise oberflächlich wirkt: Hier steckt eine Menge mehr Potenzial drin, als man zunächst vermuten mag.

Schade ist lediglich, dass die Episoden so kurz aneinandergereiht und dann auch noch mit vergleichsweise langatmigen Überleitungen geschmückt werden. Dies war nicht zwingend notwendig und hemmt an manchen Stellen leider auch den Lesefluss. Ein solches Problem besteht aber nur bei den aneinander gereihten Kapiteln im Hauptplot; die angehängten One-Pager wiederum stehen komplett für sich und greifen auf das gleiche Erfolgskonzept aus Humor und höllischer Story zurück, das „Luzie aus der Hölle“ erst zu etwas ganz Besonderem macht. Ja, Besonderes hat besagter Laska hier geschaffen – hoffentlich nicht zum letzten Mal!

http://www.schwarzerturm.de/

Crisse, Didier (Autor) / Keramidas, Nicolas (Zeichner) – Luuna 3: Auf den Spuren von Oh-Mah-Ah

_Story_

Nach ihrem fürchterlichen Ausbruch und der erneuten Entfesselung ihres düsteren Ich hat die verstoßene Paumanok Luuna hart mit sich und ihrem Schicksal zu kämpfen. Eine Gruppe von Shinakas stöbert sie und ihre Gefährten im Wald auf und bemerkt die finstere Stimmung, die sich bei ihrer Ankunft in der Gegend breitmacht. Insbesondere die Indianertochter wird aufgefordert, für Wiedergutmachung zu sorgen und die Taten der letzten Nacht in einem Reueakt vergessen zu machen.

Während ihrer Buße trifft Luuna schließlich auf den letzten Großfüßler Oh-Mah-Ah, der sie in ihrem Bestreben bestärkt und ihr einen mystischen Salzkristall zeigt, der ihre Schuld aufzuheben vermag. Doch währenddessen regt sich ganz besonders ihr dunkles Totem und stellt eine noch fürchterlichere Nacht für die junge Paumanok in Aussicht …

_Inhalt_

Im dritten Kapitel von Crisses aktueller Fantasy-Reihe „Luuna“ beherzigt der Autor einmal mehr die Unberechenbarkeit seines Plots, der sich nun scheinbar selbst nicht mehr so ernst zu nehmen scheint. Zumindest wird dieser Eindruck im ersten Drittel der neuen Ausgabe immer wieder aufgeworfen, weil Meister Didier fortlaufend den Humoranteil der Story steigert und gerade die quirlige Pipintus noch intensiver in die Handlung integriert. Es kommt zu noch schärferen Wortgefechten, situativ enorm lustigen Dialogen und einigen ziemlich skurrilen Begegnungen, die darüber hinaus auch zeichnerisch sehr schön aufgefangen werden. Nicolas Keramidas hat ein außerordentliches Gespür für treffliche Grimassen und außergewöhnliche Körperformen und unterlegt den Witz der Geschichte mit einigen effektiv eingesetzten Stilmitteln zum größten Nutzen für die allgemein recht heitere Stimmung.

Andererseits hat der deutlich zunehmende Humor aber auch den Nebeneffekt, dass manche gute Ansätze vor allem beim Spannungsaufbau nicht mehr mit der nötigen Ernsthaftigkeit verfolgt werden. Nach dem ziemlich starken Cliffhanger im letzten Band fällt die Stimmung zum Einstieg in „Auf den Spuren von Oh-Mah-Ah“ wieder relativ heftig ab und wird ein wenig plakativ durch besagte Komik ersetzt. Letztere mag zwar definitiv ihren Reiz haben, jedoch ist die hier anfangs dargebotene Mischung ein wenig schwammig ausgearbeitet und wirkt in der vorhandenen Konstellation doch eher unentschlossen als zielgerichtet. Zudem gehen in diesem Umfeld auch die perfiden Anspielungen der beiden Totems ein Stück weit verloren, da ihre Tragweite bei weitem nicht so deutlich zu erahnen ist, wie es für den weiteren Verlauf der Story wichtig gewesen wäre.

Dies erweist sich gerade im finalen Übergang zum nächsten düsteren Part als fatal, da die Atmosphäre gezwungen wirkt und im Verbund mit der Plotentwicklung völlig überraschend umschlägt, dazu aber eigentlich noch gar nicht bereit ist. Ruckartig wird von witzig auf völlig bedrückend gesprungen, und bevor sich die wahre Dramatik der letzten Szenen überhaupt angemessen einprägen kann, ist der dritte Abschnitt der Serie auch schon wieder zu Ende, ohne dabei in irgendeiner Form konkret auf den Punkt zu kommen.

Über das Potenzial der Story muss man unterdessen sicher nicht streiten. Crisse hat eine fantastische Geschichte erschaffen, die vor einem begeisterungsfähigen Background kontinuierlich an Anspruch gewinnt, leider aber nicht immer in einem adäquaten Rahmen präsentiert wird. Gerade an den Übergängen zwischen den entscheidenden emotionalen Parts muss der Autor künftig noch arbeiten, um „Luuna“ schlussendlich wieder in den Bereich ‚makellos‘ zu bringen. Dass dies machbar ist, hat der renommierte Franzose bereits mit der letzten Ausgabe der Serie bewiesen. Deren Niveau kann „Auf den Spuren von Oh-Mah-Ah“ aufgrund der genannten Defizite allerdings nicht halten.

|48 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-939823-82-7|
http://www.splitter-verlag.de

Weis, Margaret / Hickman, Tracy / Dabb, Andrew (Skript) / Kurth, Steve (Zeichner) – Drachenwinter I (Die Chroniken der Drachenlanze)

_Story_

Auch wenn der finstere Drachenlord Verminaard besiegt ist, ist der Frieden in Krynn noch immer nicht gewährleistet. Auf eine düstere Ahnung des mysteriösen Raistlin hin reisen die Gefährten daher nach Tarsis, um mehr über die neuen Formen der Bedrohung zu erfahren. Und schon ihre Ankunft birgt erste Probleme; Tarsis ist bei weitem nicht mehr die Blüte Krynns und wird von einer allgemeinen Depression heimgesucht, die auch die tapfere Truppe am eigenen Leib zu spüren bekommt.

Als schließlich ein Drachenheer über die Stadt herfällt, beschließen Tanis und Co., nach den berüchtigten Kugeln der Drachen zu suchen, mit denen sie die fürchterlichen Riesen unter Kontrolle bringen wollen. Gerüchten zufolge soll eines dieser Artefakte in den Wäldern von Silvanesti verborgen sein, wohin die glücklichen Überlebenden des Anschlags auf Tarsis mithilfe einiger Greifen fliegen.

Aber auch in der verflochtenen Baumlandschaft zeigt sich die Bedrohung in ihrem vollen Ausmaß: Tanis und Co. verschwinden in einem grausamen Alptraum, in welchem sie endgültig die Kontrolle über ihr Schicksal verlieren …

_Persönlicher Eindruck_

Margaret Weis und Tracy Hickman haben sich in den vergangenen Monaten neben R. A. Salvatore zu den wichtigsten Einflüssen für den modernen Fantasy-Comic entpuppt und wurden mit wachsendem Erfolg und zunehmender Überzeugungskraft nun auch schon mehrfach erfolgreich adaptiert. Nach dem überzeugenderen Abschluss der „Drachenzwielicht“-Serie (der Auftakt gestaltete sich hingegen noch ziemlich schwierig) hat Andrew Dabb daher auch nicht lange gezögert und die Fortsetzung der legendären „Drachenlanze“-Geschichte in ein kompakteres Comic-Skript integriert – einmal mehr, ohne dabei die elementaren Grundzüge der Story auszuschmücken und in detailverliebten Kapiteln auszuwalzen.

Auffallend am ersten Teil der neuen „Drachenwinter“-Reihe ist dabei vor allem die wirklich starke Weiterentwicklung der Charaktere, die ja noch hinlänglich aus den beiden Vorgänger-Bänden bekannt sind. Gerade auf zeichnerischem Gebiet sind hier noch einmal enorme Fortschritte zu verzeichnen, insbesondere was den schwer angeschlagenen Raistlin betrifft, der in seiner persönlichen Entwicklung wohl die weitreichendsten Schritte macht. Darüber hinaus ist auch die Rollenverteilung bei weitem nicht mehr so klar wie noch zuletzt, da sich die Gefährten ein weiteres Mal vermischen und angesichts der neuen Ereignisse in Tarsis auch stellenweise abweichende Meinungen vertreten. Sturm und Tanis entfremden sich beispielsweise ein ganzes Stück, Raistlin wird immer deutlicher von einem Wahn verfolgt, und während die kampfeslustigen Ritter und Barbaren noch um die richtige Strategie streiten, steigt im Hintergrund bereits die weibliche Zunft auf, um als Entscheidungsträger der Handlung noch viel deutlicher in Erscheinung zu treten.

Derartige, bisweilen radikale Umschwünge in der Story halten allerdings auch die Frische in der recht ausladenden Serie und kompensieren das Auslassen verschiedener Details, die in der Romanvorlage noch entschiedener aufgegriffen werden, einfach aus dem Grunde, da sie hier auch stimmungsvoll und atmosphärisch beeindruckend in Szene gesetzt werden. Dies ist zu einem großen Anteil auch der Verdienst von Zeichner Steve Kurth, der selbst in den hektischen Passagen nie den Überblick verliert und dazu noch unheimlich viele Feinheiten in seine Skizzen einbringt – angemessen für einen Titel von solch bedeutendem Namen!

Aber auch sonst kann die neueste Adaption aus der |AD&D|-Welt der „Drachenlanze“ rundum überzeugen. Mit einer angenehm ausgewogenen, in dieser Form bislang überfälligen Mischung aus Action, Tiefgang und wirklich brillanter Charakterentwicklung feiert der „Drachenwinter“ ein beachtliches Comic-Debüt und unterstreicht endlich auch auf ganzer Linie, dass die beiden Welten Comic und |Drachenlanze| trotz eines schwierigen Einstiegs doch noch füreinander geschaffen sind.

|100 Seiten, farbig, Softcover
ISBN-13: 978-3-86607-557-3|
[|Dungeons & Dragons| bei |Panini|]http://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=104&t=dungeons–dragons-s104.html

|Siehe auch unsere Rezensionen zu:|

[„Drachenzwielicht I“ 3499
[„Drachenzwielicht II“ 3764
[„Die Legende von Huma“ 2417 (DragonLance 1)
[„Heimatland“ 2498 (Forgotten Realms – Die Saga vom Dunkelelf 1)

Brubaker, Ed (Autor) / Phillips, Sean (Zeichner) – Criminal 2: Blutsbande

[„Criminal 1: Feigling“ 4879

_Story_

Eine schwerwiegende Entscheidung sollte das Leben von Tracy Lawless vor 20 Jahren völlig verändern. Als Ausweg vor einer Gefängnisstrafe verpflichtete er sich für die Army und verbrachte die anschließende Zeit in den brisantesten Krisengebieten. Bei seiner Rückkehr ins zivile Leben wird Lawless dann jedoch wieder mit seiner schwierigen Familiensituation konfrontiert, nachdem ihn die Nachricht vom Tod seines jüngeren Bruders Ricky erreicht.

Unter erkaufter falscher Identität schleicht er sich in dessen einstige Bande ein und enthüllt Stück für Stück das kriminelle Leben seines Bruders. Selbst vor Rickys ehemaliger Partnerin kann er seine wahre Identität geheimhalten und sie für sich gewinnen. Doch wie schon dereinst, so verschafft sich Tracy alias Sam West auch heute nur mit Gewalt die nötigen Informationen und hinterlässt auf dem Weg zur Wahrheit eine Spur des Hasses und des Blutes.

_Persönlicher Eindruck_

Große Erwartungen und hohe Anforderungen: Ed Brubaker stand bei der Etablierung seiner jüngsten Serie vor einer enorm kniffligen Aufgabe. „Criminal“ wurde nämlich schon nach der Debütausgabe doppelt mit dem prestigereichen Eisner Award prämiert und galt folglich als beste neue Serie des vergangenen Jahres. Allerdings gibt sich der Autor von derlei Prämierungen weitestgehend unbeeindruckt und greift die Atmosphäre von „Feigling“ auch im noch wesentlich brutaleren „Blutsbande“ wieder wirkungsvoll und stimmig auf. Selbst wenn der Spannungsaufbau in diesem Zusammenhang nicht mehr oberste Priorität genießt …

Die in sich abgeschlossene Story des zweiten Bandes überzeugt unterdessen in erster Linie mit ihrer absolut düsteren Stimmung, die sicherlich nicht ohne Grund an das bessere Werk eines Frank Miller erinnert. Gerade was die Darstellung der Charaktere und die stets präsente Noir-Romantik betrifft, hat „Criminal“ einiges zu bieten, ganz zu schweigen von der erbarmungslosen Entwicklung der Handlung, im Zuge derer Brubaker auch wirklich keine Limits akzeptiert. Ganz im Gegenteil: Die Action spricht Bände, die Gewaltorgie des Hauptdarstellers ebenfalls, und gerade weil der Autor komplett auf inhaltliche Überraschungen verzichtet, fühlt man sich regelrecht von der Ereignissen überrollt, bevor man sich überhaupt noch Gedanken darüber machen muss, welchen Anteil die Spannungskurve letzten Endes für die Erzählung haben soll.

Diese verläuft nämlich vergleichsweise flach und ist insbesondere wegen des sehr linearen, konkreten Ablaufs der Story deutlich reduziert. Dies ist jedoch entgegen allen Befürchtungen kein wirkliches Manko, welches man dem Autor und dem Comic anlasten darf. „Criminal“ ist nämlich in erster Linie auf die konträren Emotionen und die Kreation einer außergewöhnlichen, mitunter auch beängstigenden Atmosphäre ausgerichtet, innerhalb derer die Geschichte zu bestimmten Anteilen nur Mittel zum Zweck ist. Aber auch dies soll das überaus gelungene Konstrukt in „Blutsbande“ in seiner Überzeugungskraft definitiv nicht mindern, sondern einfach noch einmal den elementaren Fokus der Serie schärfen und verdeutlichen, was man zu erwarten hat.

Dementsprechend klar lässt sich zu guter Letzt auch die Zielgruppe festlegen. Diejenigen nämlich, denen Action, Komplexität und schwankende Spannungsabläufe wichtig sind, werden womöglich nicht so viel mit „Blutsbande“ anfangen können. Die Comic-Leser allerdings, die „Sin City“ längst zum Kult und Frank Miller zur Legende erklärt haben, die auf kriminalistische Noir-Inhalte schwören und denen vor allem die Atmosphäre wichtig ist, die werden auch im zweiten Teil von „Criminal“ ein kleines Kunstwerk entdecken, welches den hohen Erwartungen an einen Eisner-prämierten Titel nahezu vollständig gerecht wird. Und dies nicht nur inhaltlich, sondern vor allem auch visuell!

|128 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-86607-648-8|
http://www.paninicomics.de/criminal-s10538.html

Ostrander, John / Duursema, Jan – Star Wars Sonderband 42: Legacy III – Die Klauen des Drachen

[„Legacy I – Skywalkers Erbe“ 3599

_Story_

Sieben Jahre sind bereits ins Land gezogen, seit der junge Padawan Cade Skywalker mit ansehen musste, wie sein Vater sich opferte, um das Leben Cades zu schützen. Seither sucht der Nachwuchs der berühmten Familienlinie nach seiner Bestimmung und versucht sich in erster Linie als Kopfgeldjäger, kann seinen außergewöhnlichen Instinkten und Fähigkeiten aber nicht länger aus dem Weg gehen. Es ist seine Berufung, ein weiteres Mal den Mördern seines Vaters ins Angesicht zu treten und mit ihnen abzurechnen. Doch die düstere Macht der Sith erweist sich als äußerst verführerisch, und beim Versuch, Darth Krayt und seine Lordschaften zur Strecke zu bringen, gerät der junge Skywalker in den größten Zwiespalt seiner unerforschten Jedi-Laufbahn …

_Persönlicher Eindruck_

Die „Star Wars“-Historie ist nicht nur cineastisch von ständigen Rezitationen und gleichförmigen inhaltlichen Wendungen geprägt – warum also sollte der Comic-Ableger „Legacy“ hier einen anderen Ansatz wagen? Im dritten Sonderband der Reihe lüften John Ostrander und Jan Duursema endlich die Mysterien um das neue Erbe der Sith-Lords und ihres heimlichen Anführers Darth Krayt, sorgen aber auch bei den bislang bekannten Handelnden für eine stetige Weiterentwicklung, gerade was den neuen, raubeinigen Skywalker-Schützling Cade betrifft, der in Sachen Charisma bei weitem noch nicht in der Tradition seiner ruhmreichen Vorgänger steht. Aber gerade diese Individualität und der gewisse Funken Eigenständigkeit sind auch zwingend erforderlich, um diesem Ableger auch seine Daseinsberechtigung in der großen Welt der Sternenkriege zu verschaffen.

Inhaltlich nimmt nämlich auch das dritte Kapitel viele bekannte Züge wieder auf, sei es nun in der Art Familientragödie, die sich mittlerweile intern zum Standard entwickelt hat, in der Unentschlossenheit und dem eigenwilligen Machtbestreben des Hauptdarstellers oder eben in der offenkundigen Transparenz der Erzählung, die trotz gewisser Spannungsmomente unvermeidlich auf ein klares Ziel hinsteuert. Es gibt eben Dinge, die man an dieser Stelle einfach als gegeben hinnehmen muss, auch wenn sie im großen Kontext des wachsenden „Krieg der Sterne“-Backgrounds zur ewigen Wiederholung verdammt zu sein scheinen – aber so ist das nun einmal.

Nichtsdestoweniger ist der Plot nämlich richtig stark aufgebaut und führt die Saga größtenteils würdig in ihrer Chronologie fort. Die neuen Hauptfiguren finden gerade wegen ihres sehr individuellen Erscheinungsbildes schnell Akzeptanz, die Handlung kombiniert Traditionen, Kult und Innovationen, aber auch die neu erwachsene dunkle Seite der Macht bekommt eine ganz eigenständige Position in der langen Serie und lässt sich in ihrer kompakteren Ausprägung bei weitem nicht mit dem Entwurf von Imperator Palpatine vergleichen – selbst wenn bestimmte Grundzüge ganz klar auf den alten Ideen beruhen.

Die eigentliche Kunst bestand und besteht aber eben nun ganz klar darin, die bewährten Werte einerseits aufrechtzuerhalten, ihnen aber andererseits auch für die Zukunft der unendlichen Geschichte Neues abzugewinnen, und das ist den beiden Autoren nun mit dem vorläufigen Abschluss ihrer ersten Mini-Serie sehr eindrucksvoll gelungen. Ostrander und Duursema erschaffen innerhalb der bestehenden Strukturen ein komplett neues Storyboard, das gerade im unscheinbaren politischen Teil sehr interessant erscheint, aber auch rein inhaltlich eine Menge Potenzial darbietet. Letzteres mag natürlich auch darauf zurückzuführen sein, dass man sich durchaus im eigenen Katalog bedient und wichtige Referenzen kopiert, doch ist diese Affinität zur „Star Wars“-Vergangenheit letzten Endes nicht mehr als ein kleiner Aufhänger einer wirklich großen, vollends gelungenen Erzählung.

Damit bleibt sich die „Legacy“-Reihe jetzt auch in ihrer dritten Ausgabe treu und wahrt den hohen Qualitätsanspruch mit einer sehr gelungenen Mischung aus alten Prinzipien und modernen Ansätzen. Kleinkarierte Verfechter der klassischen Serie mögen zwar ein weiteres Mal kritisieren, dass bestimmte Inhalte zum wiederholten Male wiederkehren, doch sollten auch sie sich nicht davon abhalten lassen, der überzeugenden Weiterentwicklung der Materie in Büchern und Comics wie diesem aktiv beizuwohnen.

|ISBN-13: 978-3-86607-551-1
http://www.paninicomics.de

Dixon, Chuck – Simpsons Comics 140

_Inhalt_

|“H – The Last Fat Man“|

Wieder einmal plagt Homer sein enormes Gewicht, weshalb Marge ihm einmal mehr zu einer strengen Diät rät. Tatsächlich verzichtet Homer an seinem ersten Arbeitstag während der Schlankheitskur auf alle sich bietenden Leckereien, verzieht sich dann aber in den Luftschutzbunker des Kraftwerks, um dort genüsslich einen Burger zu vertilgen. Doch seine Nachlässigkeit wird schwer bestraft: Ein nuklearer Zwischenfall überrumpelt die Bürger Springfields und beeinträchtigt ihren Stoffwechsel. Als Homer nach 28 Tagen wieder aus seinem Versteckt hervorkommt, wird er von der Bevölkerung verbissen gejagt. Er ist nämlich der letzte fette Mensch und soll seine Reserven nun spenden …

_Persönlicher Eindruck_

In der Juni-Ausgabe der „Simpson Comics“ zieht Chuck Dixon in erster Linie den Erfolgstitel [„Y – The Last Man“ 4728 seines Kollegen Brian K. Vaughan sowie den Kinoerfolg „28 Days Later“ durch den Kakao, bezieht das Ganze aber auf Simpsons-typische bizarre Weise auf seinen derzeitigen Helden Homer, dessen Übergewicht mal wieder den Aufhänger für eine äußerst witzige, mit zahlreichen neckischen Anspielungen gezeichnete Comic-Story liefert.

Dabei sind die Parallelen zum |Vertigo|-Titel nur oberflächlich und werden alleine durch die Tatsache aufrechterhalten, dass auch Homer für eine kurze Zeit der Letzte seiner Art ist. Allerdings ist die Geschichte inhaltlich mal wieder so weit hergeholt, dass dieser Vergleich schon zu Beginn kräftig entzerrt wird und die Erzählung bisweilen sogar völlig aus dem Ruder läuft, weil die weitläufig verteilten Gags einfach klasse sind und die Handlung als solche schon fast unwichtig erscheint.

Wiggum, den Bürgermeister und den mysteriösen Comicladen-Besitzer zum Beispiel völlig ausgehungert und ausgemergelt zu sehen, ist schon eine Klasse für sich, die rein visuell bereits den Humorfaktor antreibt. Ganz zu schweigen von Dixons in diesem Fall wieder sehr deutlicher ausgereiftem Wortwitz, in dessen Fahrtwasser sich der Autor auch wirklich keinen Seitenhieb verkneift. Schade ist lediglich, dass die Story auf den letzten Seiten ein schnelles Ende findet und man das Chaos nicht noch weiter ausbaut. Angesichts der vielen witzigen Szenen auf den vorherigen Seiten kann man darüber aber locker hinwegsehen und schließlich konstatieren, dass die 140. Ausgabe der „Simpsons Comics“ mit Abstand eine der besten ist! Und diese Aussage sei wohlgemerkt im Zusammenhang damit geäußert, dass der hier persiflierte Titel vom gleichen Rezensenten auf diesen Seiten in höchsten Tönen gelobt wird …

[|Simpsons| bei |Panini|]http://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=22&t=simpsons-s22.html

Wood, Brian (Autor) / Burchielli, Riccardo (Zeichner) – DMZ 2: Zwischen den Welten

[„DMZ 1: Abgestürzt“ 4017

_Story_

Matty Roth ist als Journalist in der demilitarisierten Zone mittlerweile fest etabliert, muss sich aber dennoch ständig vor den Geschützen der beiden Kriegsparteien schützen, die weiterhin um ihre Vormachtstellung kämpfen. Aber auch die schlechte Trinkwasserversorgung macht ihm zu schaffen und beschert ihm einen turbulenten Infekt, der seinen Gesundheitszustand rapide schwächt. Noch nicht ganz erholt, wird Roth schließlich von den Freien Staaten entführt und macht eine Entdeckung, die ihn erschaudern lässt: Star-Reporter Ferguson, der längst für tot erklärt wurde, lebt in Gefangenschaft der Freien Staaten und wird nun als Druckmittel verwendet, um einige Forderungen durchzusetzen.

Matty ist nun in der schwierigen Situation, die Botschaften der Partei zu vermitteln und an das restliche Amerika weiterzuleiten, erhält aber jetzt auch die Chance, wieder aus der DMZ zu flüchten. Doch nach den Verhandlungen ist sein Status nicht mehr derselbe; Roth wird zum Spielball der beiden Kontrahenten, entwickelt einen regelrechten Verfolgungswahn und weiß schließlich selber nicht mehr, wem er vertrauen soll und wem besser nicht …

_Persönlicher Eindruck_

Wow! Überwältigend! Innovativ! Und letztendlich unfassbar: Brian Wood hat auch im zweiten Band seiner gewagten „DMZ“-Serie einen echten Klassiker kreiert, der sich inhaltlich mit kaum einer anderen Serie vergleichen lässt, dazu unheimlich realistisch anmutet und gerade wegen der authentischen Darstellung auch so packend und zugleich erschreckend erscheint.

Der Autor knüpft direkt an die Geschehnisse im ersten Sammelband an und erzählt die Geschichte seines außergewöhnlichen Helden und Protagonisten in hohem Tempo weiter. Roth ist inzwischen etabliert, furchtbar abgehärmt und abgehärtet, daher aber auch skrupelloser in seiner Berichterstattung, die ihn zu einer unabhängigen Größe in der demilitarisierten Zone hat werden lassen. Und dennoch ist er im Spiel der Drahtzieher nur eine kleine Nummer, die sich den brisanten Forderungen der Mächtigen chancenlos beugen muss und letztendlich nur zum hilflosen Spielball avanciert. Doch Matty durchschaut das Spielchen, das man mit ihm treibt, lenkt die Geschicke um und bringt sich selber in eine Position, in der er die Ansagen macht, entscheidet, was getan werden muss. Und genau von diesem Zeitpunkt an wird er zum Gejagten aller Fraktionen.

Zweifelsohne integriert Autor Wood auch in „Zwischen den Fronten“ reichlich sozialkritische Inhalte, die in ihrer lebendigen Inszenierung allerdings weder aufgesetzt noch plakativ wirken. Dabei vermittelt er jedoch auch einige klare Statements wider die Dramatik des Krieges, enthüllt dessen wahres Gesicht in einer schonungslosen Darstellung und zeigt nicht zuletzt, dass im manipulativen Spiel der Rädelsführer niemand als der wahre Gewinner hervorgehen kann, selbst dann nicht, wenn er überlebt oder sich sogar im wüsten Treiben als treibende Kraft behauptet hat.

Aber auch hier gilt: Die Message ist eindeutig, wird aber nicht über die Präsentation der eigentlichen Erzählung gestellt, was ihr letztendlich aber noch mehr Ausdruck verleiht. Dezent, vorsichtig, aber in ihrer Gesamtheit klar und unmissverständlich: Wood hat ein brillantes Bild der modernen Kriegsführung und all ihrer Konsequenzen gezeichnet und mitsamt seiner charismatischen Hauptdarsteller für ein in sich geschlossenes, faszinierendes Story-Konstrukt gesorgt. Von menschlichen Emotionen bis hin zum Wahn, von Verrat und Intrigen bis hin zu verzweifelter Liebe und von hasserfüllter Dramatik bis hin zur realitätsnahen Theatralik: Im zweiten Kapitel von „DMZ“ wird auf umfassende Art und Weise Comic-Geschichte geschrieben und dazu noch bewegend präsentiert. Nichts läge daher näher, als auch im Falle von „Zwischen den Welten“ von einem erneuten Meisterwerk zu sprechen.

|128 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-86607-486-6|
[DMZ bei Panini]http://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=81&t=dmz-s81.html

Téhy / Vax / Vee – Yiu 4 – Der Schwur der Söhne

Band 1: [„Die Armee des Neo-Mülls“ 4289
Band 2: [„Die Auferstehung des Unreinen“ 4290
Band 3: [„Die Kaiserin der Tränen“ 4920

_Story_

In die Enge getrieben, sitzt Yiu mit ihrem Bruder Ji-A in einem Krankenhaus in Jerusalem fest. Die Waffen sind auf sie gerichtet, ihr Leben scheint ausgelöscht und die Zukunft ihrer Familie zerstört, als sie in einem Verzweiflungsakt den Kommandanten der gegnerischen Einheiten überwältigt und ihn davon überzeugt, dass sie nicht die wahre Bedrohung in diesem Hospital ist und er von nun an ihren Bruder zu beschützen hat. Andernfalls droht ihm der sofortige Tod durch eine virenverseuchte Infektion.

Doch auf der Suche nach der vermeintlichen Gefahrenquelle trifft Yiu auf neue Shoot-to-Kill-Söldner, die sich mit äußerster Kompromisslosigkeit durch die leergeräumten Schächte des Krankenhauses auf sie zu bewegen. Und während im Hintergrund ein teuflischer Plan von noch ungeahntem Ausmaß ausgebrütet wird, muss Yiu erneut um das Leben ihres Bruders fürchten.

_Persönlicher Eindruck_

„Yiu“ ist und bleibt eine zwiespältig zu betrachtende Serie, die sich zwar von Episode zu Episode hat steigern können, nach wie vor aber von einem außerordentlich hohen Maß an Gewalt gezeichnet ist und sich auch im vierten Band „Der Schwur der Söhne“ durch diese Brutalität definiert. Erneut ist die Szenerie von unzähligen Schusswechseln und wüsten Kampfansagen geprägt, und nicht selten ergibt sich infolge dessen ein Wechselspiel aus fließendem Blut und umherfliegenden Innereien, welches dieses Mal leider auch wieder die Grenzen des guten Geschmacks überschreitet.

Dabei ist der Plot als Fortsetzung zu „Die Kaiserin der Tränen“ dieses Mal wirklich tiefgründiger und von einer angenehmen Komplexität durchsetzt, die gerade im Vergleich zum plumpen Gemetzel des Auftaktbandes in einem starken Kontrast steht. Allerdings wird die Essenz der Handlung auch erst viel zu spät der Leserschaft offenbart, die sich vorerst mal wieder mit der äußerst breit angelegten Action befassen muss. Yiu kämpft hier, begutachtet dort Verletzungen und sieht anderswo wieder dabei zu, wie ihre Gegner das Zeitliche segnen. Zwischendurch gibt es einzelne Sequenzen eines verstörten Drillings, der seit nunmehr dreißig Jahren in der psychiatrischen Abteilung des Hospitals gefangen ist, momentan aber mit großen Visionen in die Zukunft blickt. Er ist es schließlich auch, den die Titelheldin aufspüren und eliminieren muss, wobei dieser Aspekt erst relativ spät offenbart wird und die Story bzw. deren Prioritäten erneut ein Stück weit verzerrt. Dies soll aber abgesehen von der teils übertrieben kompromisslosen Action-Darstellungen der einzige wirklich nennenswerte Kritikpunkt zur vierten „Yiu“-Ausgabe sein.

Auf der Haben-Seite kann das Autoren-Dreigestirn auf jeden Fall die tolle Atmosphäre und die stetig vorherrschende Endzeitstimmung verbuchen. Téhy und seine beiden Kollegen haben ein durch und durch apokalyptisches Szenario geschaffen, das die Entfaltungsspielräume einer Doppelausgabe zu seinen Gunsten nutzt und den One-Shots aus der Vergangenheit daher auch deutlich überlegen ist. Für Feinschmecker wird „Der Schwur der Söhne“ zwar weiterhin zu viel Gewalt enthalten, doch vergegenwärtigt man sich die deutlichen inhaltlichen Fortschritte, darf als Resümee an dieser Stelle sogar erstmals eine leichte Empfehlung für diesen Doppelband stehen. Und das ist im Hinblick auf den einleitenden Ausfall namens „Die Armee des Neo-Mülls“ mehr als beachtlich!

|Originaltitel: Yiu, permier missions – Et le serment des fils
47 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-939823-68-1|
http://www.splitter-verlag.de

Wachowski / Larry & Andy – Matrix Comics – Band 1

_Inhalt_

Als die beiden Wachowski-Brüder Anfang der Neunziger die Idee zu ihrem wagemutigen „Matrix“-Konstrukt langsam aber sicher weiterentwickeln, hätten sie sich sicher nicht träumen lassen, welche Wellen ihr Projekt schlagen würde. Bis es jedoch zur genauen Ausarbeitung des Schemas kam, dienten einige eher rohe Abrisse als Vorlage für das, was später zur vielleicht einflussreichsten cineastischen Philosophie in der Geschichte Hollywoods werden sollte.

Dass das Potenzial hinter der „Matrix“ aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft ist, zeigten zuletzt die Zeichentrick-Verfilmung „Animatrix“ und einige weiterführende PC-Games, die sich intensiver mit der Materie beschäftigten. Doch nicht genug damit: Basierend auf der Inspiration von Andy und Larry Wachowski entstanden in den letzten Jahren gleich dutzendweise Comic-Strips zum Kino-Kult, in denen einige noch ungeklärte Mysterien der Matrix näher erkundet werden sollten. Zwölf dieser Ausführungen, dargeboten von solch namhaften Autoren wie Neil Gaiman, Bill Sinkiewicz und Bill Gibbons, finden nun in der ersten Comic-Aufarbeitung des Stoffes ihren wohlverdienten Platz – und zeigen nebenbei noch einmal, warum das Phänomen „Matrix“ so ungeheuer faszinierend ist.

_Persönlicher Eindruck_

Dabei ist jedwede Erweiterung der Materie zunächst einmal grundsätzlich skeptisch zu betrachten, waren doch schon die beiden Film-Fortsetzungen nicht mehr aus demselben legendären Holt geschnitzt wie das brillante Kinodebüt und hinterließen gerade bei Verfechtern der mystischen Seiten der Matrix einen eher faden Beigeschmack. Allerdings haben sich die Wachowskis für die weitere Bearbeitung der Hintergründe durch die Bank Granaten-Autoren gesichert, die jeglichen Zweifel bereits im Keim ersticken und hier den Grundstein für ein weiteres Meisterwerk unter diesem Titel legen.

Dabei könnten die Storys teilweise grundverschiedener nicht sein. Den Beginn macht beispielsweise ein eher steriler, aber eben kunstfertiger Abriss über die emotionale Weiterentwicklung der künstlichen Intelligenz. Eine Maschine aus der Serienproduktion hat ihren Besitzer geköpft und steht nun im Fokus der Anklage – klingt merkwürdig, ist merkwürdig, passt aber genau in diese düstere Stimmung hinein, die vom gesamten Comic ausgeht. Im weiteren Verlauf mischen sich die philosophischen Anteile schließlich immer deutlicher mit der teils kompromisslosen Action. Einen angehenden Klassiker hat dabei Dave Gibbons in seinem Beitrag „Schmetterling“ geschaffen. Während in einem Teil des Plots ein Mann friedlich meditiert, beginnt in seiner Umgebung eine fürchterliche Schießerei. Plötzlich treffen hier Welten aufeinander und beschreiben den surrealen Charakter der Matrix wahrscheinlich sogar am glaubwürdigsten – und das gänzlich ohne Worte und Dialoge, sondern nur mit der erschreckenden Kraft der Bilder.

Darübr hinaus gibt es auch einige düstere Ausschnitte aus der Matrix in „Brennende Hoffnung“ von John van Fleet, eher Skurriles in „Kapiert?“ von Petr Bagge und auch einen Schuss Selbstironie in „Ein ganz besonderes Schwert“ aus der Feder von Troy Nixey. Aber auch Endzeitvisionen, apokalyptische Gedanken aus der künftigen Matrix und natürlich actionlastige, teils sogar kriegerische Stränge findet man in der erlesenen Geschichtensammlung, die schließlich von einem Erfahrungsbericht Neil Gaimans gekrönt wird, der hier das verwirrende Element des künstlichen Gebildes in einer Kurzgeschichte ohne großartige Illustrationen auf den Punkt bringt. Es ist dieser magische Funke, der sich hier durch alle Geschichten zieht, aber erst im Text des legendären „Sandman“-Entwicklers Gaiman so richtig überspringen will und auch erst hier verdeutlicht, welch erhabenen Comic man in Händen hält. Magisch, wie dieser Mann mit Worten umgehen kann!

Doch überhaupt hat sich das Konzept, die Elite der amerikanischen Comic-Industrie für ein solch schwieriges Thema heranzuziehen, im ersten Band der „Matrix Comics“ durch die Bank bewährt. Unter den zwölf Erzählungen befindet sich weder grafisch noch inhaltlich ein Aussetzer, selbst wenn die Thematiken enorm weit gestreut sind. Stattdessen wird Fans der Materie hier ein echter Gourmethappen vorgesetzt, der von der Creme de la Creme der Szene stimmungsvoll und unheimlich dicht inszeniert wurde und den Mythos nach etwas längerer Zeit wieder zum Leben erweckt. Keine Frage also: Diesen Comic darf man, ganz egal wie man zur Kino-Trilogie steht, nicht verpassen!

|157 Seiten, farbig
ISBN-13: 978-3-86607-587-0|
https://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=108&t=matrix-s108.html

Fabrice Meddour – Ganarah 2: Ein Palast, Bäume und blutrote Früchte

Band 1: „Die Tränen von Armon Surath“

Story

Mit dem schwindenden Ruf ihrer Arena verfällt die einst so ruhmreiche Stadt Armon Surath langsam ins Chaos. Die Kämpfe werden eingestellt, und die wenigen ehrbaren Menschen hat es inzwischen nach Quintanaro verschlagen, wo die Kämpfer noch mit ehrlichen Mitteln agieren und die Turniere zumindest noch ein wenig Ansehen genießen. In der dortigen Arena macht seit einigen Tagen ein mysteriöser Fremder von sich reden, der nun in einem Finalkampf gegen einen Riesen zum Champion gekürt werden soll. Doch der Kampf wird jäh unterbrochen, als einige geisterhafte Gestalten in die Stadt drängen, der Fremde seine Maske abnehmen und in Gestalt Ganarahs die Bedrohung vertreiben muss.

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Layman, John / Blanco, F. / Neves, F. / Phillips, S. – Marvel Zombies vs. Armee der Finsternis (MAX 21)

_Inhalt_

Ashley Williams hat in seiner langen Laufbahn bereits Legionen von Untoten bekämpft, als sich ihm inmitten der Straßen von New York ein neues Horror-Szenario eröffnet. Das grässliche Zombie-Virus ist auf die Superhelden-Spezies übergetreten und hat sie in mordlüsterne, kompromisslose Fleischfresser verwandelt. Lediglich die hübsche Dazzler und Scarlet Witch sind den kannibalischen Gestalten entkommen und kämpfen an Ashleys Seite für die Beseitigung des Virus. Die einzige Waffe scheint hierbei das berüchtigte „Necronomicon“-Werk zu sein, welches sich in der noch geschützten Festung von Dr. Doom befindet. Doch der denkt erst gar nicht daran, mit Williams und seinen kurzzeitigen Kolleginnen zu kooperieren …

_Persönlicher Eindruck_

Mit der zweiten Episode der „Marvel Zombies“-Serie begibt sich Autor John Layman auf riskantes Terrain. Immerhin nämlich gestaltet er hier einen Crossover mit der berüchtigten Horror-Klamotte „Army of Darkness“ (Evil Dead/Tanz der Teufel 3), deren Hauptdarsteller Ashley Williams daher auch als Hauptcharakter für den neuen |Marvel|-Plot entführt wurde. Und gerade bei der Reputation, die dieser Titel unter Horror-Liebhabern besitzt, sollte man meinen, dass solch ein Unterfangen eigentlich nur schiefgehen kann und möglicherweise an den hohen Erwartungen zerbricht.

Nun, falsch gedacht: Denn auch wenn die Story jetzt nicht bahnbrechend tiefgründig ist und Layman auf allen erdenklichen Klischees herumtanzt, so wird sie doch den Ansprüchen an den Splatter-Ableger des Comic-Verlags gerecht. Dies liegt in erster Linie sicherlich an den Charakterdarstellungen der Autors, die dieses Mal wesentlich besser funktionieren als im weniger ruhmreichen Auftakt des Titels. Vor allem Ashley Williams gibt in illustrierter Form eine richtig gute Figur ab und überzeugt als Macho, Superheld und Querkopf in Personalunion. Ähnliches lässt sich auch für die, vorsichtig gesagt, etwas anders dargestellten Gestalten aus dem |Marvel|-Universum sagen, die sich Schritt für Schritt in blutrünstige Monster verwandeln und dabei die charakteristische Naivität aufbringen, die man aus den cineastischen Zombie-Schlachten kennt. Vor allem Spiderman genießt diesbezüglich eine recht eigenwillige Vorstellung, bleibt aber wie seinen Kumpanen gegen die Macht des Virus‘ hilflos.

Die Story indes genießt ein anständiges Tempo sowie eine Menge rasante Wechsel und unternimmt letztendlich eine Entwicklung, die sich am Anfang noch überhaupt nicht absehen lässt. Vielleicht ist sie in der zweiten Hälfte auch ein wenig überfrachtet, da es den Eindruck erweckt, als wolle der Autor wirklich möglichst viele |Marvel|-Charaktere darin unterbringen. Somit fällt der Schwenk ins Lager von Dr. Doom am Ende nicht mehr ganz so glaubwürdig aus. Doch was ist im Rahmen einer solchen Geschichte schon glaubwürdig …?

Abgesehen davon hinterlässt „Marvel Zombies vs. Army of Darkness“, so der offizielle Titel der hier enthaltenen Mini-Serie, jedoch einen mehr als ordentlichen Eindruck und erweist sich wider Erwarten als richtig fein aufgemachter, grafisch exzellenter Horror-Crossover mit sehr klassischer Story. Vor allem diejenigen, die von der ersten Zombie-Ausgabe des amerikanischen Großverlags ein wenig enttäuscht war, sollte hier zugreifen, denn der „Army of Darkness“-Ableger hat es wirklich in sich.

https://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=46&t=marvel-max-s46.html

Busiek, Kurt (Autor) / Anderson, Brent Eric (Zeichner) – Astro City – Local Heroes

Band 1: [„Der gefallene Engel“ 3914

_Inhalt_

Astro City ist eine seltsame, sonderbare, aber auch außergewöhnliche Stadt. Hier leben ganz normale Menschen gemeinsam mit Superhelden und linken Schurken und schreiben mit ihnen die seltsamsten Geschichten. Da wäre zum Beispiel ein altgedienter Hotelportier, der bereits vor 15 Jahren in die Stadt zog, die eigenartigsten Begegnungen mit der Schurkenzunft machte und dennoch seiner neuen Heimat treu geblieben ist. Oder die junge Comic-Autorin, die mit größten Ambitionen zu ihrem neuen Arbeitgeber Bulldog gewechselt ist, wo ihr anrüchiger Verleger mit den mannigfaltigsten Mitteln sein Publikum ausweitet, obschon die betroffenen Schurken hierfür keine Lizenz erteilt haben. Der junge Mitch wiederum traut seinen Augen nicht, als er vom einfachen Schauspieler ohne großes Dazutun plötzlich zum Superhelden gekürt wird, nachdem er einen Supermarkt-Diebstahl vereiteln konnte. Und dann ist da noch eine frustrierte Beraterin einer PR-Agentur, die sich in einen atomaren Helden verliebt und dabei gar nicht realisiert, dass sie ihn mit ihrem herausfordernden Verhalten zutiefst verletzt. Helden, Schurken und ganz einfache Leute – das gibt es in dieser Form wohl nur in Astro City.

_Persönlicher Eindruck_

Mit dem neuen Sammelband zum „Astro City“-Ableger „Local Heroes“ holen |DC Comics/Wildstorm| dieser Tage zum ganz großen Schlag aus; in insgesamt neun Episoden lässt der Verlag Kurt Busiek von den Besonderheiten der eigenwilligen Stadt berichten, und dies so natürlich und authentisch, dass zwischenzeitlich noch nicht einmal wirklich der Eindruck entstehen mag, dass die Handlungen durchweg fiktiv sind. Busiek orientiert seine vermeintlichen Superheldengeschichten ziemlich nah an klassisch gesellschaftlichen Themen, nicht jedoch, ohne ihnen dabei das gewisse Etwas, das „Astro City“ schließlich ausmacht, einzuimpfen.

Die Themenwelt bleibt dabei unheimlich vielfältig und reicht von klassischen Action-Sequenzen zwischen Schurken und vermeintlichen Superhelden über eine ebenfalls recht ungewöhnliche Love-Story bis hin zu schlichten Erfahrungsberichten, die den Glamour und die allgemein sonderbare Ausstrahlung der Comic-Stadt noch einmal besonders hervorheben sollen. Genau dies unterscheidet „Astro City – Local Heroes“ daher auch vom Gros der übrigen illustrierten Landschaft. Der Spannungsfaktor mag zwar nicht so ausgeprägt sein wie in vergleichbaren DC-Publikationen, was unter anderem daran liegt, dass die einzelnen Kapitel recht kompakt und in sich abgeschlossen sind, jedoch ist der Inhalt mal so ganz anders und auch bei schwindender Action-Kost immer noch ziemlich aufregend.

Letzteres steht in erster Linie aber auch mit der Wortgewalt in Verbindung, die Busiek erneut auf seine Leser loslässt. Zeigte er in den „Conan“-Comics noch einen sehr reservierten Ton, der sich ganz dem Charakter des Titelhelden anschmiegte, nutzt er nun die Gunst der Stunde, um die Geschichten mit intelligenten, tiefgründigen Dialogen zu füllen, die zwar jeglicher Komplexität entbehren, dafür aber auch gleich wieder ein größeres Publikum ansprechen. Darüber hinaus schneidet Busiek einige interessante Philosophien an und hinterfragt den eigentlichen Charakter des Superheldendaseins. Was macht den Superhelden aus? Sind es lediglich seine ungeheuren Kräfte? Ist es dem entgegen doch eher sein Herz? Oder einfach nur sein Äußeres?

In „Astro City“ sind die Helden jedenfalls aus einem anderen Holz geschnitzt und erzählen von Dingen, die nicht gerade den klassischen Action-Comic-Kontext unterstreichen, dafür aber durch ihre dezente Loslösung von dieser klassischen Materie auf anderem Gebiet punkten. Die Qualitäten dieses Sammelbands liegen nämlich in erster Linie im Tiefgang der Erzählungen und dem eigenständigen Erscheinungsbild der Protagonisten. Und dies ist häufig, und an dieser Stelle definitiv, mehr wert als überproportionierte Kämpfe und Schlachten, wie sie die beiden großen Comic-Verlage von Zeit zu Zeit bringen.

Abgerundet wird „Local Heroes“ schließlich von den feinen Illustrationen Brent Andersons, der den Episoden eine feine Retro-Optik verpasst und somit die Besonderheit dieser Ausgabe noch einmal nachhaltig kennzeichnet. In Kombination mit seinem namhaften Sidekick Busiek hat er ein wahres Prachtwerk erschaffen, das der gesamten Comic-Szene einige nachdenkliche, neue Impulse geben kann – und hoffentlich auch wird.

https://www.paninicomics.de/?s=serie&gs__gruppe=92&t=astro-city-s92.html

Whedon, Joss / Jeanty, Georges – Buffy: Wie tötet man eine Jägerin? (Staffel 8, Teil 2)

[„Buffy: Die Rückkehr der Jägerin“ 4670 (Staffel 8, Teil 1)

In der siebten Staffel zeichnete sich für Buffy ab, dass sie nicht mehr die einzige Jägerin sein würde. Auch wenn ihre Erfahrungen und ihr Kampfgeschick die aller neuen Jägerinnen weit übertraf – die Auserwählte war sie nicht mehr. Wer einige Staffeln zurückblickt, und zwar bis zur dritten, wird sich daran erinnern, dass bereits viel früher in der Fernsehserie eine andere Jägerin eingeführt wurde: Faith. Während Buffy brav daherkam, adrett und höflich, mit einer klaren Moralvorstellung, war Faith die Draufgängerin, wild und ungebunden, den Tag auskostend und nach einem Kampf gegen einen Vampir wenig später schon in der nächsten Disco mit tanzen und flirten beschäftigt.

Faith kam bei den Zuschauern an und ließ die Drehbuchautoren dank großem Konfliktpotenzials zwischen Buffy und Faith zu Höchstform auflaufen. Faith blieb jedoch eine Nebenfigur und tauchte in späteren Episoden nur sporadisch wieder auf. Überraschen tut es trotzdem nicht, dass auf dem Cover zum zweiten Buffy-Comic „Wie tötet man eine Jägerin?“, die als offizielle achte Staffel daherkommt und von Buffy-Erfinder Joss Whedon persönlich konzipiert worden ist, Faith dem Betrachter entgegenlächelt – in verschmitzter und natürlich freizügiger Pose. Immerhin drehen sich die fünf enthaltenen Folgen in großen Teilen um sie, und es deutet alles darauf hin, dass der Konflikt zwischen ihr und Buffy einen neuen Höhepunkt erreicht.

_Inhalt_

Faith hat sich von Robin Wood getrennt, dem Schuldirektor aus Staffel 7, und streift wieder alleine durch die Nacht. Dort, wo sie Vampiren begegnet, lässt sie keine Gnade walten. Nach einem ihrer Kämpfe taucht plötzlich ein alter Bekannter auf: Giles, Buffys ehemaliger Wächter und Ersatzvater für die gesamte Clique. Faith ist über Giles Auftauchen weniger erfreut, registriert jedoch schnell, dass Giles sie nicht kontaktiert hätte, wäre es nicht wirklich dringend. Sein Auftrag scheint simpel, und doch gerade deshalb so schwierig. Faith soll dieses Mal keinen Vampir oder übermütigen Dämon vernichten, der mal wieder die Welt vernichten will, sondern eine andere Jägerin töten. Was Buffy nicht kann, soll Faith erledigen. Das Töten einer Jägerin wäre jedoch Mord, und das ist auch Faith zunächst eine Stufe zu hoch. Doch Giles kann sie überzeugen, denn bei der besagten Jägerin, Lady Genevieve Savidge, handelt es sich um ein extrem brutales und skrupelloses Mädchen, das zudem unter der Kontrolle eines Warlock steht, der andere Jägerinnen aus den Weg räumen will. Und das könnte gefährliche Konsequenzen haben.

Die Gesellschaft, zu der die Lady gehört, ist die der Schönen und Reichen, und so bleibt Faith nichts anderes übrig als erst einmal einen Schnellkurs in Sachen Etikette hinter sich zu bringen. Mit dem richtigen Auftreten und einem herausgeputzten Äußeren gelingt es ihr aber schnell, Zutritt zu den elitären Kreisen zu erhalten.

Natürlich läuft es nicht so, wie es sollte. Überhastet, und dann womöglich mit einem folgenschweren Fehler, will Faith nicht handeln. So freundet sie sich notgedrungen erst einmal mit Genevieve an und merkt dabei, dass ihr Gegenüber gar nicht so brutal und hinterhältig daherkommt, wie ihr Giles eingetrichtert hat. Genevieves einziges Ziel, irgendwann an Buffy heranzukommen und sie unschädlich zu machen, will Faith am Ende aber nicht unterstützen. Die letzte Konfrontation mit Buffy ist ihr noch in schmerzlicher Erinnerung. So beginnt dann doch ein Katz-und-Maus-Spiel, in dem es zwischen Faith, Genevieve, ihrem Warlord und am Ende auch Buffy hin und her geht. Über vier Episoden verläuft die Geschichte „Ohne Zukunft“ und kommt damit in ihrer Erzählweise, ihrem Humor und ihrer Action einer typischen Buffy-TV-Folge sehr nahe.

Etwas heraus fällt die letzte Folge in diesem Band: „Überall und nirgends“. Sie treibt die Haupthandlung um die Dämmerungs-Organisation wieder etwas voran, soll jedoch nach den eher ernsten Folgen etwas bunter daherkommen. Zahlreiche Anspielungen auf die Popkultur und schräge Monster unterhalten den Leser in typischer Joss-Whedon-Manier. Doch viel zu schnell geht auch diese Episode vorbei, und der Leser muss auf den kommenden Band warten, der für November angekündigt ist.

_Bewertung_

Der Buffy-Comic kommt so originell und spritzig daher, dass man sich fragt, wieso dieses Medium nicht schon viel früher genutzt wurde. Joss Whedon und sein Team verstehen es ausgezeichnet, die Abenteuer im Buffyversum weiterzuspinnen und neue Elemente auszuprobieren, die die Einschränkungen einer budgetierten Fernsehserie nicht erlaut haben. Es wird vor allem bunter und schräger, der Witz und Charme der TV-Serie gehen im Comic aber nicht verloren. Im Gegenteil, Buffy blüht in neuem Glanz auf und übertrifft in Comicform schon jetzt die meisten ihrer TV-Folgen (wobei es in den sieben Fernsehstaffeln insgesamt wenige schlechte, viele gute und einige herausragende Folgen gab). Wenn es so weitergeht, dann dürfte die achte Staffel nicht die letzte gewesen sein, in welchem Format auch immer, denn viele Geschichten wollen noch erzählt werden. In dieser Staffel gilt es, in den Folgebänden zu klären, was es mit der geheimnisvollen Dämmerung auf sich hat, welche Rolle Faith noch spielen wird, ob Giles zurück zum Team findet und ob Dawn wieder auf Normalgröße schrumpfen kann. Und selbst wenn dies alles geklärt ist, ist das Erzählpotenzial der Serie noch lange nicht ausgeschöpft.

Die Frischzellenkur hat Buffy jedenfalls gutgetan. Immerhin sind seit dem Ende der Serie in der Realzeit fünf Jahre vergangen, die auch nicht spurlos an der Buffy-Clique und ihren Feinden vorübergegangen sind. Kommuniziert wird jetzt per Handy und Knopf im Ohr, gesteuert wird das Team aus einer hochmodernen Kommandozentrale. Im Zentrum stehen trotz allem die Charaktere, und die sind flippig (Willow), sexy (Faith), trottelig (Xander), präsent (Buffy) und britisch (Giles) wie eh und je. Wer Buffy im Fernsehen mochte, kommt um den Comic nicht herum: hübsch gezeichnet, kreativ erzählt und modern aufgemacht.

Der Titel von Band 2 lautet: „Wie tötet man eine Jägerin?“. Antwort: Gar nicht, die Jägerin hat noch viel zu erledigen. Und das ist auch gut so.

http://www.paninicomics.de/?s=Buffy

Arleston, Christophe / Latil, Dominique / Labrosse, Theirry – Morea 3: Das Feuer der Zeit

Band 1: [„Das Blut der Engel“ 4350
Band 2: [„Das Rückgrat des Drachen“ 4561

_Story_

Auf der Jagd nach den befeindeten Engeln, die ein Programm zur Besiedelung des roten Planeten aus dem Fundus des DWC gestohlen haben, gerät Morea in eine Falle und wird fortan auf der orbitalen Raumstation ihrer Feinde gefangen gehalten. Die erbarmungslose Doktor Luwellyn unterzieht sie unzähligen tödlichen Tests und erprobt dabei ihre Widerstandskraft, ist aber dennoch nicht auf Moreas unsterbliche Kräfte vorbereitet. Dem Rotschopf gelingt in einem unerwarteten Moment die Flucht durch ein geheimes Portal, welches Morea sofort an die Oberfläche des Mars führt. Während sie dort erst realisiert, welche enormen Vorarbeiten die Engel bereits geleistet haben, eilt ihr verbündeter Drache Terkio bereits zur Hilfe und startet einen kompromisslosen Streifzug durch das gegnerische Schiff. Doch Morea ist nicht mehr dort …

Unterdessen wird der Zentralkomplex der DWC von vereinzelten Machtkämpfen zerrüttet. Die Verantwortlichen glauben bereits, Morea sei dahingeschieden, und streiten daher um die gemeinsame Nachfolge – nicht ahnend, dass diese Diskussion schon bald wieder hinfällig sein wird …

_Persönlicher Eindruck_

Gewohnt humorvoll und straight präsentiert sich auch der dritte Abschnitt von Arlestons aktueller Serie, wenngleich die Action hier in gegebenen Momenten noch deutlicher das Zepter in die Hand nimmt. Dazu wird’s stellenweise alles andere als jugendfrei, so zum Beispiel als Morea ihrer fiesen Kontrahentin eine Spritze ins Auge rammt, oder eben bei der Volldarstellung ihrer blanken Pracht – gerade diesbezüglich hat sich der Plot mit der gerade veröffentlichten Ausgabe ein ganzes Stück weiterentwickelt.

Dieser Umstand ist jedoch keinesfalls kritikwürdig, da gleichermaßen das Tempo der Erzählung zunimmt und auch der gesamte Komplex stetig wächst. Die Handlung spielt sich mittlerweile auf drei tragenden Ebenen ab, die nahezu allesamt gleichberechtigt sind, so dass dementsprechend auch ein ständiger Wechsel mit zahlreichen Wendungen garantiert ist. Während Morea nach ihrer Flucht den Mars erkundet und Terkio seine Rettungsmission startet, geht es in der kubanischen Heimat hinter den Kulissen mächtig zur Sache. Die verbliebenen drei Köpfe der DWC intrigieren mit allen Mitteln, bringen das gesamte Gerüst des Konzerns in Gefahr und befinden sich derweil komplett in dem Irrglauben, Miss Doloniac habe bereits das Zeitliche gesegnet. Lediglich Moreas aktueller Geliebter Theo hat die Hoffnung nicht aufgegeben und stellt sich den beiden Widersachern entgegen, doch diese schmieden im Hintergrund bereits weitere Pläne zur endgültigen Machtübernahme – die in diesem Fall auch kurz bevorsteht.

Alles in allem ist es höchst beachtlich, in welchem Maße Tempo und Spannung im dritten Band der auf fünf Alben ausgelegten Serie zunehmen. Die Story wird um einiges brisanter und härter, und das in allen drei Teilsträngen zugleich. Darüber hinaus werden auch die führenden Charaktere weiter geformt, insbesondere Morea, die den Lesern einige bislang noch unbekannte Facetten ihres Daseins öffnet. Damit sind auch die leichten Diskrepanzen der vorherigen Ausgabe wieder ausgeräumt und die weniger ästhetischen Entwicklungen vergessen. Mit „Das Feuer der Zeit“ gerät Arlestons neues Meisterstück wieder in die richtigen Bahnen und sorgt erneut für Furore. Bis dato ist die Nummer drei mit Abstand das beste Werk dieses Fünfteilers!

http://www.splitter-verlag.de/

diverse Autoren – Simpsons Classics 13

_Inhalt_

|“Die Qual der Wahl“|

Ausnahmezustand in Springfield: Die gesamte politische Abteilung des Staates macht in der Kleinstadt Halt, um vor den anstehenden Wahlen ihren Wahlkampf zu betreiben. Doch während der riesige Tross die ganze Stadt belagert und die Lebensqualität der Bürger im Zuge dessen stetig sinkt, finden die entsprechenden Diskussionen hinter verschlossenen Türen statt. Vor allem Marge und Lisa müssen schmerzlich erfahren, dass den Politikern das gemeine Volk zuwider ist …

|“Homey allein zu Haus“|

Der verfressene kleine Homer soll krankheitsbedingt das Bett hüten, nutzt aber die Abwesenheit seines Vaters, um es sich vor dem Fernseher mit Süßigkeiten bequem zu machen. Als er von einem entflohenen Sträfling erfährt, baut er sofort eine Verteidigungsmaschinerie, die ihn schützen soll. Als dann jedoch eine Pfadfinderin mit Keksen statt des Schwerverbrechers vor der Türe steht, wird der kleine Homer das Opfer seiner eigenen Aufbauten.

|“Marge Attacks“|

Marge hat es satt, sich von Talkshows und öffentlichen Selbstmitleidsbekundungen berieseln zu lassen, und geht in die Offensive. Sie fordert vom Bürgermeister, der medialen Heuchelei ein Ende zu setzen und für ein besseres Programm einzutreten. Als dieser die Forderung jedoch nicht ernst nimmt, übernimmt Marge schließlich selbst die Initiative und verdrängt selbst Nachrichtensprecher Kent Brockman von seinem Platz.

_Persönlicher Eindruck_

Die quartalsüblichen „Simpsons Classics“ gingen in diesem Frühjahr bereits in ihre 13. Runde und offenbaren ihre womöglich beste und witzigste Zusammenstellung. Insgesamt vier neue bzw. bereits erfolgreich getestete Geschichten warten auf den nimmersatten Fan der gelben Familie, wobei der letzte Plot lediglich eine kurze Abhandlung von Grausamkeiten aus dem Kabinett von Itchy & Scratchy darstellt. Dafür haben es aber die drei regulären Storys wahrhaftig in sich!

Bereits im Auftaktplot geh es richtig zur Sache: Autorin Mary Trainor schießt einige spitze Pfeile gegen das amerikanische Politsystem und dessen mangelnde Volksnähe und zeigt den krassen Kontrast zwischen modifizierter Berichterstattung und Realität auf. Natürlich muss man all dies im Kontext der herberen Simpsons-Storys sehen, doch zweifelsohne sind die Grundideen zu „Die Qual der Wahl“ nicht fiktiv an den Haaren herbeigezogen. Dass Trainor dennoch nicht zu einer sozialkritischen Tirade aufruft, sondern das Ganze immer noch in ein mit viel Wortwitz aufbereitetes Story-Arrangement einfügt, spricht für die Autorin und macht gerade diese (insgesamt auch mit Abstand längste) Geschichte zum Highlight dieser Sammelausgabe.

Die nachfolgende Anspielung auf die Filmstreifen des penetranten Kevin kann gegen diese Gewitter zwar nicht ganz anstinken, bietet aber dennoch ganz nette Abwechslung aus einer Zeit, die insbesondere in der Comic-Serie nur sehr selten aufgerufen wird. Zumindest in jüngster Zeit wurde der jugendliche Homer nur noch selten als Charakter verwendet, was „Homey allein zu Haus“ abseits der eher gewöhnlichen Handlung dennoch ein wenig Exklusivität beschert.

Mit „Marge Attacks“ folgt dann auch schon der zweite inhaltlich deftige Plot, dieses Mal ganz alleine mit Marge in der Hauptrolle. Die kritische Mutter wettert gegen öffentliche Selbstbeweihräucherung und das anstrengende Fernsehprogramm und setzt ihren Kampf gleich auf anderer Ebene bei Bürgermeister Quimby fort. Jamie Angell nutzt dabei das Potenzial der Geschichte vollwertig aus, teilt im weiteren Verlauf einige versteckte Seitenhiebe aus und macht vor allem Marge als Hauptakteurin wesentlich sympathischer, als dies in vergleichbaren Erzählungen bislang oftmals der Fall war. Ergo: Sehr guter Abschluss einer ausnahmslos überzeugenden Sonderausgabe.

Mit der Bezeichnung Klassiker sollte man jederzeit vorsichtig sein, da nicht selten ein Kult heraufbeschworen wird, wo er überhaupt (noch) nicht angebracht ist. Im Falle der „Simpsons Classics Nr. 13“ ist der Name aber durchweg verdient; hier wurden nämlich wirklich drei potenzielle Klassiker der „Simpsons Comics“ zusammengefügt.

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Morrison, Grant / Quitely, Frank – WE3

_Story_

Hinter den Mauern einer US-Airforce Einrichtung bahnt sich Revolutionäres an: Drei Haustiere, die für eine Testreihe der Kybernetik zu Kampfmaschinen ausgebildet werden sollen, entpuppen sich in der Tat als universell einsetzbare Cyborgs, welche die Kriegsführung der Zukunft maßgeblich prägen sollen. Allerdings sollen die Tiere nur als Prototypen verwendet und im Anschluss an diese Testreihe getötet werden, was ihre langjährige Trainerin Roseanne Berry so nicht akzeptieren möchte. Heimlich befreit sie ihre Schützlinge und ermöglicht ihnen die Flucht.

Aus Furcht vor Entgleisungen und Kenntnisnahme der Öffentlichkeit setzt die Regierung sofort das Militär auf den Hund, die Katze und das Kaninchen an, muss jedoch bald feststellen, dass diese Kampfmaschinen schier unbesiegbar sind und die Angelegenheit vollkommen aus dem Ruder läuft.

_Persönlicher Eindruck_

Grant Morrison gilt gemeinhin als einer der besten und erfolgreichsten Comic-Autoren dieser Zeit, sowohl im Superhelden-Metier als auch in der Sektion der anspruchsvolleren illustrierten Kost. Demnach gehören seine Werke bereits vor dem offiziellen Erscheinungstermin zu den am heißesten ersehnten Exemplaren ihrer Art und sind quasi schon ein Garantieschein für atemberaubende Comic-Action – zumindest bislang.

Mit „WE3“ jedoch hat sich der renommierte Schreiber nun an eine Story herangewagt, die inhaltlich zwar sicherlich innovative Pfade beschreitet, in ihrer Ausarbeitung aber eher dürftig und müde ist. Es fehlt an Stimmung und Atmosphäre, wobei Letztere bisweilen apokalyptische Ausmaße annimmt, aber gerade wegen der mangelhaften Charakterzeichnungen – und hiermit ist auch die Darstellung der kybernetischen Bestien gemeint – vorwiegend steril und unnahbar bleibt.

Die Geschichte birgt dabei sicherlich einiges an Potenzial, ist auch wegen der unterschwelligen Kritik an der Forschung und in Sachen biologischer Aufrüstung sehr gewagt und riskant und könnte gerade deswegen durchaus ein Selbstläufer werden. Auch die Tatsache, dass der Autor mit seinem langjährigen Kollegen Frank Quietly zusammengearbeitet und mit ihm ein illustrativ wirklich fabelhaftes Wechselspiel inszeniert hat, ist gewissermaßen ein Garant für einen spannend strukturierten, außergewöhnlichen Comic, gereicht dem Unternehmen „WE3“ aber ebenfalls nicht zur erwünschten Faszination. Doch woran genau scheitert das Ganze nun?

Tja, die Antwort hierauf ist eigentlich leicht gefunden: Die Story besitzt schlichtweg nicht die gewohnte Tiefe und ist von Anfang an beinahe ausschließlich auf die brutale Action fokussiert. Die drei entflohenen Cyborgs liefern sich eine erbitterte Schlacht mit den ausgesendeten Regierungsbeamten und dem Militär, greifen selbst Zivilisten an, in denen sie eine Bedrohung sehen, und hinterlassen nach nur wenigen Seiten bereits ein Schlachtfeld sondergleichen. Gezüchtet, um ihre Gegner nicht nur zu töten, sondern vollkommen zu vernichten, bündeln sie den Hass auf ihre Verfolger und werden ihrem geplanten Status als Kampfmaschinen vollends gerecht.

Doch zwischen der kompakten Action bleibt letztendlich kaum noch Platz für die Weiterentwicklung der Handlung. Die Dialoge sind aufs Wesentliche beschränkt und letztendlich nur Nebensache, und auch die Charakterbildung der drei tierischen Hauptgestalten kommt im Laufe der Story nicht entsprechend voran und endet in einer Form der Stagnation, die „WE3“ bis zum Schluss nur noch auf die Action reduziert, die Grundaussage der Geschichte hingegen nur dürftig bis unbefriedigend transferiert. Selbst die halbwegs philosophische Schlusssequenz kann diesbezüglich keine Abhilfe mehr verschaffen, mag zwar im Gesamtkomplex der Handlung versöhnlich stimmen, beschreibt aber gleichzeitig auch das Dilemma der mangelnden Tiefgründigkeit, unter der Morrisons Werk leidet.

Was als Endzeit-Thriler mit durchaus realistischem und in seiner zwischenzeitlichen Authentizität auch definitiv erschreckendem Background beginnt, endet schließlich in einer nur lose zusammenhängenden Gewaltorgie, deren versteckte Emotionalität und perfide inszenierte Gesellschaftskritik nicht in dem Maße funktionieren, wie man es von diesem Autor erwarten durfte. Zumindest ist Morrison seinem Grundsatz treu geblieben, Geschichten abseits des Mainstreams zu schreiben. Hinsichtlich der enttäuschenden Durchschnittlichkeit der aktuellen Story ist dies aber nur ein schwacher Trost.

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diverse Autoren – Simpsons Super-Spektakel 2

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_Inhalt_

|“Die Liga der außergewöhnlichen Barts“|

Bartman, Törtchenboy und Stretch-Dude werden von Sideshow-Bob in eine Paralleldimension transferiert, um dort den bösen Schurken Bart zu bekämpfen und das gemeine Volk aus seiner Tyrannei zu befreien. Blöd nur, dass alle Figuren den gleichen Ursprung haben …

|“Bongos“|

Sheldon Phillips ist von Beruf Fotograf und immer auf der Suche nach dem perfekten Bild. Doch jede noch so perfekte Gelegenheit wird von einem Superhelden-Zwischenfall zunichte gemacht – und bringt den genervten Phillips auf die Idee, Comic-Karikaturen der Superhelden zu erschaffen.

|“Das Erscheinen von Gastritus“|

Gastritus befehligt seinen Herolden, ihm neues Planetenfutter zu beschaffen, um seinen großen Hunger zu stillen. Doch Silvery Skateboarder, Hairwalker und Mova vermögen nicht, ihn zufriedenzustellen.

|“Das Verbrechen der verrückten Katzenlady“|

Die verrückte Katzenlady überfällt ausgerechnet zu dem Zeitpunkt eine Bank, als Lure Lass ihren Termin im Schönheitssalon wahrnimmt. Zwar ist ihre Kollegin Weasel Woman sofort zur Stelle, zieht jedoch gegen die Ganovin den kürzeren, weil sie unter einer Katzenhaar-Allergie leidet. Zeit für Lure Lass, das Blatt zu wenden.

|“Eine Liga für sich“|

Stretch-Dude, Clobber Girl und Bouncing Battle Baby sehen schweren Zeiten entgegen: Die Liga der weiblichen Wählerinnen bringt ein Verbot für das Bestehen von Superhelden durch und entlässt die drei Nachwuchshelden in die Arbeitslosigkeit. Als die Schurken jedoch das Ruder übernehmen und die Stadt ins Chaos stürzen, packt das Trio die Kostüme wieder aus.

_Persönlicher Eindruck_

Auch im zweiten „Simpsons Super-Spektakel“ hagelt es massenhaft Parodien auf die Comic-Superheldenriege, wobei dieses Mal ganz besonders der renommierte |Marvel|-Verlag sein Fett wegbekommt. Gleich zwei Geschichten beziehen sich ziemlich direkt auf dessen Historie bzw. wichtige Stammfiguren des Superhelden-Verlags, und dies natürlich mit dem ureigenen Charme von Groenings bester Autoren- und Zeichner-Abteilung.

Den Anfang macht dabei noch die unscheinbarste Story, in der die drei Superhelden-Inkarnationen von Bart gegen diesen in einer Paralleldimension kämpfen müssen. Zwar wird dies nicht ganz so effektreich in Szene gesetzt wie die offensichtlich parodierte „Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“, doch da hier wirklich alle elementaren Figuren der TV-Serie in den Plot einbezogen werden, sei es auch nur als Sklaven oder Hilfsarbeiter, entwickelt die Story sofort einen ganz speziellen Reiz.

„Bongos“ wiederum bezieht sich auf den damals publizierten Selbstläufer „Marvels“, der mal einen Blick hinter die Kulissen des |Marvel|-Universums bot. Gleiches wird auch hier versucht, wobei die Hauptfiguren nicht Spider-Man und Co., sondern eher Radioactive Man und seine schurkischen Kontrahenten sind. Hier sticht vor allem das kunstfertige zeichnerische Gesamtbild hervor, welches sich ganz klar vom üblichen Simpsons-Stil unterscheidet und damit auch die eher langweilige Story auffängt. Ähnliches lässt sich im Übrigen auch für den Plot um den Galactus-Ableger Gastritus sagen, dessen witzigster Inhalt wohl in der humoristischen Bezeichnung der Helden besteht. Silvery Skateboarder statt Silver Surfer ermutigt schon zum Schmunzeln, Gastritus hingegen geht echt aufs Zwerchfell.

In den letzten beiden Strängen kommt dann auch ein wenig mehr Action ins Spiel, darüber hinaus aber auch gänzlich neue Figuren wie Lure Lass und Weasel Woman, denen zunächst keine vergleichbare Figur aus Springfield zugrunde liegt. Dies macht jedoch auch nichts, denn ihre Story ist womöglich auch die beste im Rahmen des zweiten „Simpsons Super-Spektakel“. Den Abschluss markiert dann ein eher gewöhnlicher Plot, in dem sich erstmals auch Lisa und Maggie kostümiert versuchen dürfen und somit eventuell auch den Grundstein für ein neues Superhelden-Trio legen. Interessant wäre es allemal, da Radioactive Man und Bartman langsam aber sicher ausgedient haben.

Nun denn, insgesamt ist diese zweite Ausgabe sicherlich ganz ordentlich und birgt eine ganze Reihe netter Ideen. Schade ist allerdings, dass den Geschichten bisweilen die Spannung fehlt und gerade die Vergleiche mit den realen Helden ein wenig bemüht wirken. Andererseits sollte der Wagemut der Autoren belohnt werden, die hier gänzlich neue Wege in der gelben Welt einschlagen und Figuren erschaffen, die durchaus Potenzial für weitere Comics besitzen und diese neue Serie auf Dauer auch halten könnten. Dieses Spektakel ist nämlich eine völlig eigenwillige Alternative zur üblichen Comic-Reihe – und angesichts solch erfrischender Ideen auch eine durchaus willkommene.

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