Band 1: _“Ein Sukkubus in Nöten“_
Band 2: „One Way Ticket in die Hölle“ (Dezember 2010)
Band 3: „Hotter Than Hell“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
Band 4: „A Hell of a Time“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
Band 5: „Hell Is Where The Heart Is“ (noch nicht auf Deutsch angekündigt)
_Die verführerische Jezebel_ ist ein Sukkubus, der aus der Hölle fliehen musste. Auf ihren Kopf wurde ein Preisgeld ausgesetzt, das nicht nur Dämonen schwach werden lassen würde. Um ihren Häschern zu entgehen, sucht Jezebel Hilfe bei der Hexe Caitlin. Caitlin braut Jezebel, die sich fortan Jesse nennt, einen Trank, der sie in einen Menschen verwandelt. Um sicherzugehen, bekommt Jesse auch einen Schutzstein, der sie vor anderen Dämonen warnt.
Band 1: „Angels‘ Pawn“
Band 2: „Engelskuss“ („Angels‘ Blood“)
Band 3: „Angels‘ Judgment“ in „Must Love Hell Hounds“-Anthologie
Band 4: „Engelszorn“ („Archangel’s Kiss“)
Band 5: „Archangel’s Consort“ (2011)
Die Vampirjägerin Elena Deveraux wurde im ersten Teil von dem Erzengel Uram im Kampf getötet. Raphael, der Erzengel New Yorks, hat sie aus Liebe gerettet, indem er ihr Ambrosia gab und sie dadurch zu einem Engel wurde. Ein Jahr später erwacht Elena aus dem Koma und muss sich nun mit ihrem neuen Dasein sowie den körperlichen Veränderungen arrangieren. Sie befindet sich in der geheimen Zufluchtsstätte der Engel, wo sie sich erholen soll, die Geschichte der Engel lernen und ihre neuen Fähigkeiten trainieren muss.
_Dreg City:_
Band 1: _In drei Tagen bist du wieder tot_
Als ob einmal sterben nicht genug wäre … Evangeline, die Heldin in „In drei Tagen bist du wieder tot“ von Kelly Meding, erwacht nach ihrem Tod in einem fremden Körper, nur weil ihr Arbeitgeber glaubt, dass sie wichtige Informationen mit ins Jenseits genommen hat.
_Evangeline Stone arbeitet_ als Dreg-Jägerin. Ihre Aufgabe ist die Verfolgung von übernatürlichen Wesen wie Gargoyles, Feen oder Vampiren, die aus der Reihe tanzen. Bei einer ihrer Missionen stirbt sie, doch ihr Vertrauter und Vorgesetzter Wyatt lässt sie mit Hilfe eines riskanten Zauberspruchs wieder zum Leben erwecken. Vor ihrem Ableben war sie einer Verschwörung auf die Spur gekommen, die eine Gefahr für die Menschheit darstellen könnte. Die Informationen, die sie hat, sind wichtig, doch das ist nicht Wyatts einziger Grund für dieses ungewöhnliche Vorgehen. Er ist in Evy verliebt, hat es ihr jedoch nie sagen können.
Dummer Weise geht bei der Wiedererweckung etwas schief. Evy leidet an Gedächtnisverlust. An die wichtigen Informationen muss sie sich erst erinnern. Sie hat jedoch nur 72 Stunden Zeit dafür und diese drei Tage machen ihr ihre Feinde nicht besonders leicht. Viel zu schnell wird bekannt, dass sie nun in einem anderen Körper steckt und ihre Widersacher setzen alles daran, um sie auszuschalten …
_“In drei Tagen_ bist du wieder tot“ reiht sich nahtlos in die Reihe der Urban-Fantasy-Bücher mit der toughen Heldin mit großem Mundwerk ein. Evy ist eine Kämpferin, die für Gefühle nicht besonders viel übrig hat. Vom harten Leben als Waisenkind geprägt stellt sie sich jeder Auseinandersetzung und zeigt keine Furcht vor Vampiren und Co. Evy wirkt authentisch, es macht Spaß ihr zu folgen, aber Meding misslingt es, ihre Serienheldin wirklich originell zu gestalten. Sie erinnert im Kern zu stark an andere weibliche Charaktere derartiger Bücher.
Die Handlung klingt auf den ersten Blick originell. Die Autorin versucht diesem ersten Eindruck mit einer flotten Erzählweise und viel Action gerecht zu werden. Es fehlt stellenweise aber etwas an Ordnung. Die Handlung wirkt verworren, echte Höhepunkte fehlen. Dadurch bleibt die Spannung auf der Strecke. Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist ansprechend. Neben Vampiren und Feen beinhaltet sie auch eher ungewöhnliche Wesen wie Gargoyles, Kobolde oder Gremlins. Man merkt jedoch, dass es sich bei dem Buch um Medings Debüt handelt. Insgesamt wirkt die Kulisse noch nicht wirklich ausgereift. Hintergrundinformationen fehlen, auch das Düstere, das die Autorin hinein bringen möchte, wirkt noch nicht so dunkel wie es sollte.
Schreiben kann die Debütantin allerdings schon ganz ordentlich. Ihre Wortwahl ist passend, der Stil flüssig. Vereinzelte Sprachbilder und eine gute Portion Humor runden das Gesamtbild ab. Die Geschichte liest sich schnell und einfach und vermittelt einen guten Einblick in Evys Gefühlswelt.
_Kelly Medings erster_ Roman ist ein nettes Stück Urban Fantasy, dem es aber an den entscheidenden Stellen noch an Originalität und Reife fehlt.
|Broschiert: 475 Seiten
Originaltitel: |Three Days to Dead|
Deutsch von Simon Weinert
ISBN-13: 978-3426283134|
http://www.pan-verlag.de
Mit „Märchenmond“ ist dem Ehepaar Hohlbein einst der große Wurf gelungen. Seither präsentiert sich vor allem Wolfgang als äußerst produktiver Schreiberling, doch auch die Co-Produktionen mit seiner Frau Heike finden immer wieder großen Anklang. Mit „Anders“ verfassten sie ein weiteres Mal die Geschichte um einen Jugendlichen, der durch irgendwelche Umstände Zugang zu einem phantastischen Abschnitt der Welt erhält und dort gefährliche Abenteuer erlebt. Meist drehen sich diese Geschichten um nichts weniger als eine Bedrohung der Welt; ob das auch bei „Anders“ der Fall ist, bleibt nach dem ersten Band noch offen.
Anders ist anders. Natürlich. Und darüber wurden schon alle erdenklichen Sprüche geklopft, was ihn mittlerweile nicht mehr belustigt, sondern nervt. In ihm vereinigt sich sehr hohe Intelligenz mit Geld, denn sein Vater ist Führer eines großen, erfolgreichen Unternehmens. Dieses Jahr will Anders mit ihm und ihrem Angestellten Jannik Urlaub auf einer Yacht machen. Als Jannik ihn vom Internat abholt, ist er merkwürdig nervös – nicht ohne Grund, denn kaum besteigen die beiden die Privatcessna, werden sie von zwei Männern bedroht und zu einem unvorhergesehenen Kurs gezwungen. Der führt sie durch eine Gewitterfront in einem Gebirge, die selbst Jannik in Furcht versetzt.
Natürlich stürzt die Cessna ab. Nicht nur das Gewitter ist schuld, sondern auch ein merkwürdiger Hubschrauber, der im Anschluss auch eine Hetzjagd auf die beiden Überlebenden, Jannik und Anders, veranstaltet und – mit tödlichen Lichtstrahlen um sich schießt!
Außerdem hat es sie in einen unwirklichen Teil der Welt verschlagen, in eine düstere Ruinenstadt, menschenleer, ja, völlig tot erscheint sie Anders während ihrer Flucht.
Auf die Entführung sowie auf die außerirdisch anmutenden Hubschrauber und ihre schutzanzugverpackten Insassen wirft ein Geschehen ein veränderndes Licht: Einer der Männer deutet auf Anders, woraufhin kurz gestikuliert wird, ehe sie ihre tödliche Jagd umwandeln in eine Hatz, die ihn am Leben lassen soll. Und während Jannik erschossen vom Dach eines Hauses stürzt, entkommt Anders vorerst – mit Hilfe des ersten Wesens, auf das er hier stößt und das ihn in einen helleren Teil der toten Stadt bringt, in dem ihr „Volk“ lebt: grausige Missbildungen, Kreuzungen zwischen Menschen und allen möglichen Tierarten. Hier erlebt Anders den Kampf ums Überleben mit, und als eine überlegene Truppe riesenhafter Schweine auftaucht und brutal mordend durch die Stadt zieht, sucht er sein Heil in der Flucht …
Der Roman beginnt ein wenig langweilig mit der Einführung Anders‘ und seiner Eigenarten, seiner sozialen Einbindung (die eher mangelhaft ausfällt) sowie der recht unglaubwürdigen Mischung seiner Attribute. Man ist versucht, die ersten Seiten nur zu überfliegen, nur die handlungs- und dialogintensiven Abschnitte lassen die hohlbeinsche Erzählkunst durchblitzen und fangen den Leser immer wieder ein. Auch die amateurhaft durchgeführte Entführung und erst recht die zwar paranoide, aber auch gleichzeitig ahnungslose Art, mit der Anders und sein Diener in die Falle laufen, lassen einen unwillig die Stirn runzeln.
Mit dem Auftauchen der unbekannten Hubschrauber und der plötzlichen Nervosität Janniks ist dem Leser schon klar, dass hier etwas nicht mit rechten Dingen zu geht. Und sobald man die tote und versteckte Ruinenstadt erblickt, zweifelt man mit Anders an der Echtheit des Ganzen, da zumindest Satelliten von ihrer Existenz hätten wissen müssen. Hier bleibt die Erklärung, nämlich das dauerhafte schwere Gewitter, etwas mager.
Und plötzlich ist es soweit – man wird vom Strom der Erzählung erfasst und mit gerissen und findet sich, ohne es gemerkt zu haben, mitten in einer phantastischen Geschichte wieder, die es einem schwer macht, das Buch aus den Händen zu legen. Bis dahin zieht es sich gewaltig und man erwartet misstrauisch ständig neue klischierte Charakteristika, doch trotzdem schafft es das Autorenpaar, Spannung und Faszination zu erzeugen.
Bei den Charakteren sind es vor allem die beiden Schwestern, mit denen Anders eine merkwürdige Beziehung führt: Die eine, halb Katze (treffender Weise Katt genannt), rettet ihn mehrmals vor dem Tod und scheint sich auch sonst in ihn verliebt zu haben (und er natürlich umgekehrt auch). Die andere, halb Ratte (heißt natürlich Ratt), ist eifersüchtig und ärgert ihn, wo sie nur kann. Andererseits unterstützt sie ihn in seinen Versuchen, der kleinen Gruppe verstörend veränderter Wesen technische Erleichterung zu verschaffen oder auch an Informationen zu kommen, die ihm die Situation verstehen helfen könnten.
Die anderen Charaktere bleiben relativ blass, sie sind recht übliche Vertreter ihrer Stellung in solchen primitiven Gruppen: Der starke Anführer mit einem irgendwo verbuddelten Verständnis für die Protagonisten, der Stellvertreter, der ängstlich alles Neue ablehnt und mit Hass auf den Eindringling reagiert, die noch fremdartigeren Nachbarn, mit denen die Gruppe in Zwietracht liegt.
Das Eintreffen einer anderen Gruppe, die kräftiger, reicher und etwas technisierter sind, bringen eine Wendung in die Geschichte, die Anders in typischer Weise zur Flucht treibt – dass ihm dabei der Erfolg versagt bleibt und er mehr Kontakt zu den brutalen Schweinen (im wahrsten Sinne) bekommt, als ihm lieb ist, war auch keine Überraschung. Nur der radikale Cliffhanger am Ende des Buches ist so extrem, dass man das Buch auf keinen Fall eigenständig lesen kann. Es endet völlig abrupt mitten in der Handlung – warten wir also auf den zweiten Teil.
Dieser erste Teil beginnt sehr zäh, fängt sich aber überraschend und bietet ein spannendes Spektakel in einer phantastischen Umgebung. Von Anders‘ übermäßiger Intelligenz ist wenig zu bemerken, doch wird er recht sympathisch geschildert. Das radikal offene Ende ist etwas enttäuschend in diesem Moment, macht aber sehr gespannt auf den zweiten Teil, da man kurz vor einer scheinbar wichtigen Offenbarung steht.
Taschenbuch: 448 Seiten Auflage: Februar 2010 ISBN-13: 978-3453533257
Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,67 von 5)
Ein in Raum und Zeit verlorener Erdenmann landet auf einem namenlosen Planeten, der ein kosmisches Rätsel oder eine große Gefahr beherbergt; während er dieses Problem zu lösen versucht, muss er sich mit seiner Einsamkeit auseinandersetzen … – In diesem Spätwerk verzichtet Autor Simak fast vollständig auf ‚Action‘; das Rätsel bleibt mysteriös. Wenig spannend dürften viele Leser die philosophischen Einschübe finden, in denen Simak mögliche Evolutionen des zukünftigen Menschen thematisiert: SF für Leser jenseits der Knall-Bumm-Fraktion. Clifford D. Simak – Shakespeares Planet weiterlesen →
Die sechsjährige Amy Harper Bellafonte, aus einer Affäre geboren, wird von ihrer Mutter weggegeben. Das FBI greift sich das Mädchen und setzt es zusammen mit einem Dutzend Schwerverbrecher einem Experiment mit einem Virus aus, das zur Unsterblichkeit führen soll. Das Experiment schlägt katastrophal fehl und die Welt wird ins Chaos gestürzt.
Es scheint, dass Amy die Einzige ist, die die Welt jetzt noch retten kann …
Mein Hör-Eindruck:
Das Buch hat 1024 Seiten, und auch die Hör-Ausgabe, trotz Kürzung, umfasst stattliche zehn CDs. Diese Größenordnung bin ich eher von ungekürzten Lesungen der „Harry Potter“-Romane oder „Perry Rhodan“ gewohnt. Aber offenbar wollte der Verlag dem Hörer etwas Gutes tun und nicht zu sehr streichen, aber auch nicht langweilen und jedes kleine Detail vorlesen lassen. Wobei ich mich das ein und andere Mal schon gefreut hätte, wenn (problemlos) um weitere Stunden gekürzt worden wäre, an Stellen, an denen die Geschichte nicht vorankommt und die Protagonisten nicht von der Stelle.
Der Sprecher
David Nathan entwickelt sich immer mehr zu einem meiner Favoriten. Selbst die über 40 Stunden „Die Arena“ von Stephen King mit ihm waren kurzweilig, weil er es perfekt versteht, seine Stimme leicht zu modulieren, wenn es vonnöten ist. Sei es, um verschiedenen Charakteren eine eigene wiedererkennbare Stimme zu verleihen, oder um Spannung aufzubauen. Hier merkt man, dass er als deutsche Synchronstimme von Johnny Depp und Christian Bale nicht nur Texte abliest, sondern die Szenen auch vor dem Mikro spielt. Umso glaubhafter sind das Ergebnis und das Erlebnis für den Hörer. Die Geschichte klingt erzählt und nicht nur vorgelesen.
Gestört hat mich immer mal wieder eine falsche englische Aussprache Nathans. Bei „Mardi Gras“ spricht der Amerikaner das „S“ nicht, und bei „New Orleans“ liegt die Betonung auf dem „O“, nicht auf auf dem „ea“. Das allerdings hätte die Aufnahmeleitung bemerken müssen.
Das Hörerlebnis
Abgesehen davon konnte ich mal langsam, mal schnell, dann wieder mit Vollbremsung, auch mit spontanem Zeitsprung und wieder mit blutiger Action, ein postapokalyptisches Amerika erleben, das von Vampiren bevölkert wird, die eigentlich keine sind, eher eine Art Zombie. Und das nicht nur, weil „Vampir“ heutzutage nicht mehr „N-o-s-f-e-r-a-t-u“ geschrieben wird, sondern „E-d-w-a-r-d“. Die Vampire aus „Der Übergang“ sind aus einem Virus entstandene Killer, da ist nichts Romantisches dran.
Eigentlich könnte man das Buch auch als eigenständigen Roman stehenlassen. Das Ende ist offen, was nicht verwundert, es ist ja auch Teil eins von drei, und es entsteht der Eindruck, als sei der Weg das Ziel und die Geschichte steuere nicht wirklich auf ein Ende zu. Dennoch könnte das (Hör-)Buch als Ende-zum-Nachdenken und Abschluss durchgehen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, ob sich Cronin weiterhin lustig aus allem, was Rang und Namen hat, freizügig bedient, um seine Story weiterzuerzählen. Mich würde allerdings auch nicht wundern, wenn auch das dritte Buch kein wirkliches Ende hätte, und ob es happy ist, bleibt auch abzuwarten. Vielleicht sind die Hauptcharaktere um Amy (die eigentlich in „Der Übergang“ nur eine Nebenrolle spielt, auch wenn sie das Cover ziert und in der Verlagsinfo gern als Hauptperson dargestellt wird) am Ende des dritten Teils am Ozean ankommen, und es entstünde der tiefenpsychologisch wertvolle Dialog:
„Oh, guckt mal, der Ozean … wollen wir ’ne Runde schwimmen?“
„Ne, lasst mal wieder umdrehen.“
Ein paar fäkale Kraftausdrücke folgen.
Es ist halt ein Roadmovie in Buchform. Eine Geschichte, bei welcher der Weg das Ziel ist, auch wenn die Protagonisten etwas anderes behaupten.
Der zweite Teil wird 2012 erscheinen und den Titel „The Twelve“ tragen. Der letzte Teil „The City of Mirrors“ ist für 2014 geplant. Bereits vor dem Erscheinen von „Der Übergang“ verkaufte Cronin die Filmrechte an dem Buch an Fox 2000 für $1.75 Millionen. $3.75 Millionen gab es für den Autor vom Verlag für die gesamte Trilogie.
Die Verpackung – Das Booklet
In einer aufklappbaren Pappschachtel sind die zehn CDs der Lesung jeweils einzeln nochmals in Papphüllen verpackt. Das Booklet ist ein zweiseitiger Flyer, in dem das Gleiche steht, was auch auf der Rückseite der CD-Box zu lesen ist. Zusätzlich gibt es noch ein paar kurze Infos zu Autor und Sprecher.
Die düstere und abgewetzte Optik, die das Buch ziert, ist auch für das Cover der Lesung übernommen worden und passt gut zur Stimmung, die vermittelt werden soll. Die ganze Box sieht aus, als wäre sie schon eine Zeit lang unterwegs gewesen und hätte einiges hinter sich, genau wie die Protagonisten in der Geschichte.
Mein Fazit:
Wer postapokalyptische Erzählungen wie „The Road“ oder „I am Legend“ mag und wen es nicht stört, dass dieser Roman eine Reise ohne Abschluss ist und erst der erste von drei Teilen, der kann sich hier über 700 Minuten lang düster und teilweise actionreich-brutal unterhalten lassen. Nicht zuletzt, weil David Nathan wieder einmal gute Arbeit leistet, trotz der immer wieder eingestreuten Fäkalausdrücke. Aber dafür kann ja der Sprecher nichts. Scheiße aber auch.
Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 3: _Unternehmen Delphin_
Mit dem Namen Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) kann kaum ein Uneingeweihter etwas anfangen; bei dessen Pseudonym „Mark Brandis“ klingelts bei einigen dann doch. Zumindest wenn sie dereinst Science-Fiction-Infizierte waren. Zwischen 1970 und 1987 verfasste er 31 Bände Weltraumabenteuer mit der gleichnamigen Titelfigur. „Mark Brandis“ gilt damit neben dem Mammutprojekt „Perry Rhodan“ als eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien. Leider waren die |Herder|-Bücher lange Zeit nur noch im Antiquariat aufzutreiben und von einem halbherzigen Versuch bei |Bertelsmann| im Jahr 2000 einmal abgesehen, geriet die Serie in Vergessenheit. Bis der |Wurdack|-Verlag 2008 begann den Schleier ernsthaft zu lichten und diese Klassiker Stück für Stück wieder zu veröffentlichen: Derzeit erscheinen zwei Bände pro Quartal in neuem Glanz.
_Zur Story_
Rien ne vas plus. Nix geht mehr. Oder fast nichts. Wenigstens gilt das für Raumschiff „Delta VII“ nur in geringem Maße. Das derzeit modernste Schiff des bekannten Weltraums und glänzendes Beispiel menschlicher Ingenieurskunst funktioniert noch. Ein paar Beschädigungen hat sich das wackere Schiff im Namen der Freiheit zwar eingefangen, aber auch seit seinem Ausbau zum schweren Kreuzer hat es seiner Mannschaft zuverlässig gedient. Nun sogar als Zuhause. Mark Brandis und seine Crew sind heimatlos. Gejagte Outlaws, Banditen oder auch Partisanen des Alls. Die Invasion der letzten freien Republik Venus fand nicht mittels militärischem Schlag statt, sondern heimlich, still und leise – durch Verrat an höchster Stelle der Regierung.
Colonel Larriard hat General Smith und seiner „Reinigenden Flamme“ Tür und Tor geöffnet. Als letzten Gruß hat Brandis das Zentralbüro seines ehemaligen Arbeitgebers VEGA mit den Bordwaffen pulverisiert (siehe: „Mark Brandis: Verrat auf der Venus“) und die Flucht in den Weltraum angetreten. Vorläufiges Ziel: Raumstation „Interplanar XII“, wo sich ein letztes Widerstandsnest ehemaliger politischer Gefangener befindet, die sich aber nach außen hin als Regime treues Reparaturdock präsentieren. Die |Delta VII| wird in ein Raumgefecht verwickelt und bringt zufällig in Erfahrung, dass General Smith akut vorhat die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR), dem großen asiatischen Machtblock der Erde, mit einem Blitzkrieg zu überziehen. Die Folgen wären verheerend. Auf allen Seiten.
Smith scheut sich offenbar nicht, selbst von geächteten Massenvernichtungswaffen Gebrauch zu machen. Brandis sieht als einzige Chance die Kontaktaufnahme mit den VOR. Dem ehemaligen Erzfeind der westlichen Welt. Brandis passt ein Kurierschiff der VOR ab und lässt sich nach Peking bringen, um mit Beweisdokumenten im Gepäck bei deren Verteidigungsminister vor zu sprechen. Beinahe endet seine Mission vor einem Erschießungskommando der Asiaten – deren Geheimpolizei glaubt ihm natürlich nicht. Erst in letzter Sekunde schenkt man ihm doch Gehör. Mehr noch: Der Verteidigungsminister zeigt sich äußerst kooperativ. Allerdings wird die Zeit knapp. Der Angriff ist nicht mehr fern und wenn man es nicht schafft, ihn rechtzeitig zu stoppen, wird die VOR 24 Stunden vor Ablauf der Frist präventiv zuschlagen. „Unternehmen Delphin“ läuft an …
_Eindrücke_
Der dritte Band des „Weltraumpartisanen“-Zyklus weist eine Besonderheit auf. Zwar ist er weiterhin hauptsächlich in der Ich-Form geschrieben, allerdings übergibt Brandis bereits im Vorwort den Bericht an seinen Piloten Robert „Rob“ Monnier. Dieser schildert nun die turbulenten Ereignisse dieser spannenden, schicksalsträchtigen Geschichte aus seiner Sicht. Hatte der Leser die ersten beiden Bände es immer mit einem an sich zweifelnden und manchmal innerlich hin und her gerissenen Mark Brandis zu tun, bekommt man er nun einen Eindruck davon, wie der Commander auf seine Crew wirkt. Nämlich ganz anders, als Brandis meint wahrgenommen zu werden. Die Kapitel, in denen Brandis von der Crew getrennt ist, wurden – auch das ist ein Novum – in der dritten Person geschrieben.
Natürlich ist das ein Taschenspielertrick seitens Nikolai von Michalewsky, sein Alter-Ego (man darf annehmen, dass in Brandis eine ganze Menge Autobiographisches steckt) etwas zu erhöhen, wenn er ausgerechnet Monnier quasi vorschiebt, die Feindschaft zur Hauptfigur ab- und stattdessen Respekt aufzubauen. Diese Entwicklung der Charaktere war durchaus vorhersehbar. Das gilt (leider) für nahezu alle Figuren, die diesmal generell ein wenig schablonenhaft daherkommen. Auch die Handlung ist weitgehend überraschungsfrei, zumindest was die Grundrichtung angeht. Ein paar kleine unerwartete Wendungen sind dann doch zu verzeichnen.
Brandis ist bei nüchterner Betrachtung selbstredend nie in wirklicher Gefahr, weder beim Erschießungs-, noch beim finalen Himmelfahrtskommando – schließlich handelt es sich ja bei der Serie um seine Memoiren. Folglich hat er den ganzen Sermon logischerweise überlebt und ist in der Lage, ihn für die fiktive Nachwelt – also uns Leser – aufzuzeichnen. Dabei fällt wieder einmal auf, dass von Michalewsky/Brandis einige Lieblings-Phrasen, wie schon bei den beiden ersten Bänden zu beobachten, wiederholt drischt. Die „tastenden Lichtfinger“ begegnen uns genau wie auch die „10500 Tonnen Schubkraft“ und die „samtene Schwärze“ erneut häufiger. Wenn die Bücher irgendwann noch einmal überarbeitet und lektoriert werden sollten, dann wäre hier der dringendste Ansatzpunkt: Nämlich eine kreativere Wortwahl.
_Fazit_
Das Kreuz mit Serien ist oft, dass man ohne die Vorgänger beinahe aufgeschmissen ist. Das ist hier natürlich nicht anders. Quereinsteigern kann man Band 3 der kultigen SciFi-Reihe somit nicht wirklich empfehlen. Die Geschichte mag handlungs- sowie figurentechnisch zwar etwas vorhersehbar, vielleicht hie‘ und da einen Tick zu heroisch, stellenweise auch moralin-sauer sein, aber alles in allem doch eine würdige und lesenswerte Episode der Weltraumpartisanen. Besonders Freunde von Action respektive Raumgefechten werden sicherlich nicht enttäuscht. Man ist zudem gespannt, wie es weitergeht, denn eins haben Fortsetzungsgeschichten ebenfalls meist gemein: Den Cliff-Hanger am Ende.
Band 1: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 2: _Verrat auf der Venus_
Mit dem Namen Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) kann kaum ein Uneingeweihter etwas anfangen; bei dessen Pseudonym „Mark Brandis“ klingelts bei einigen dann doch. Zumindest wenn sie dereinst Science-Fiction-Infizierte waren. Zwischen 1970 und 1987 verfasste er 31 Bände Weltraumabenteuer mit der gleichnamigen Titelfigur. „Mark Brandis“ gilt damit neben dem Mammutprojekt „Perry Rhodan“ als eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien. Leider waren die |Herder|-Bücher lange Zeit nur noch im Antiquariat aufzutreiben und von einem halbherzigen Versuch bei |Bertelsmann| im Jahr 2000 einmal abgesehen, geriet die Serie in Vergessenheit. Bis der |Wurdack|-Verlag 2008 begann, den Schleier ernsthaft zu lichten und diese Klassiker Stück für Stück wieder zu veröffentlichen: Derzeit erscheinen zwei Bände pro Quartal in neuem Glanz.
_Zur Story_
Venus im Jahre 2070. Seit General Smith mit seiner fanatisierten Bewegung „Reinigende Flamme“ einen Staatsstreich durchzog und damit die Union der Kontinente Europa, Amerika und Afrika (kurz: EAAU) ursurpierte und sich selbst zum Regenten seines Militärregimes einsetzte, ist die Venus der letzte freiheitliche Zufluchtsort. Kurz nach seiner Machtübernahme rief sich die kleine Kolonie zur autonomen demokratischen Republik aus. Bislang hält die strategische Raumflotte unter dem Kommando Colonels Larriand die Invasionskräfte des Generals offensichtlich in Schach. Außer Drohungen und gelegentlicher Scheinangriffe passierte nichts. Noch nicht. Man ist sich sicher, dass der General irgendwann nach dem abtrünnigen Planeten der Widerständler greifen wird. Nur wann?
Nach einer beispiellosen Rettungsaktion schaffte es die Besatzung des Prototyps |Delta VII| den letzten rechtmäßigen Präsidenten Samuel Hirschmann aus einem Konzentrationslager der Geheimpolizei zu befreien (siehe: [„Mark Brandis: Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535 ). Dabei verlor man Commander Harris, und Pilot Mark Brandis führt seither das Kommando auf dem schnellsten Raumschiff der Menschheit. Dies gehört immer noch zur zivilen Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA), allerdings sagen er und seine Besatzung nicht Nein, als sie von der Venus-Regierung gebeten werden, zum Wohle der Freiheit einen Agenten zu einem konspirativen Treffen zu bringen. Die |Delta VII| ist eben das beste Pferd im Stall. Zuvor gilt es jedoch die Crew aufzustocken.
Da Brandis nach einem von ihm verursachten Unfall mit Todesfolge vor einigen Jahren degradiert wurde, freut es ihn nicht so hundertprozentig, seinen alten Rang als Commander wieder zu bekommen. Er ist immer noch traumatisiert. Die alte Wunde bricht vollends auf, als man ihm Captain Robert Monnier als neuen Piloten andient. Der wurde bei besagtem Vorfall schwer verletzt und entstellt. Zurecht gibt er Brandis dafür die Schuld. Die frühere Freundschaft der beiden ist offenbar erloschen und ständigem Gerangel gewichen. Aber: Monnier ist ein verdammt guter Pilot. Doch nicht nur seine, sondern die Fähigkeiten aller werden bald dringend benötigt. Beim angeblich geheimen Treffen auf der Rückseite des Mondes gerät die |Delta VII| in einen Hinterhalt und entkommt nur knapp. Die Hinweise erlauben nur einen Schluss: Verrat.
_Eindrücke_
Auch Band 2 ist in der Ich-Form und somit aus der Sicht von Commander Mark Brandis verfasst. Dementsprechend vertraut ist der Leser mit seiner oft widersprüchlichen Gefühlswelt – das schafft Nähe zur Hauptfigur und birgt, mehr noch als Beschreibungen aus der dritten Person heraus, deutlich erhöhtes Identifikationspotenzial. Das fällt ohnehin nicht schwer, die Figuren sind – wie die Geschichte selbst – leicht zugänglich, wenn auch die Kenntnis des ersten Bandes „Bordbuch Delta VII“ dringend anzuraten ist. Allein schon der Vollständigkeit halber, aber auch weil dort einfach eine gute, zeitlose Story erzählt wird, die hier ihre Fortsetzung findet. Dieser Abschnitt mit dem Konflikt zwischen den Partisanen und den Schergen des Generals legte den Grundstein für den späteren Erfolg – auch wenn die nachfolgenden Stories ab Band 6 eine etwas andere Richtung einschlagen sollten.
Die futuristische Technik ist bei „Mark Brandis“ durchgängig nur Kulisse und tritt gegenüber den handelnden Menschen eher in den Hintergrund. Sie ist lediglich Mittel zum Zweck. Beiwerk. Nicht mehr, nicht weniger. Technisch-überladene Wortungetüme oder dröge Beschreibungen wie irgendeine Gerätschaft funktioniert, sucht man vergeblich. Das gefürchtete „Kalte Licht“ etwa, das ab diesem Band bis zum Ende der Serie immer wieder auftauchen wird: Eine grausame, absolut tödliche Waffe. Physikalische Natur und exakte Funktionsweise bleiben unbekannt und irgendwie abstrakt. Es gibt sie. Sie ist geächtet. Punkt. Des Weiteren herrscht generell Minimalismus: Kein Überlichtflug, keine Energieschilde wie bei Star Trek, Perry Rhodan & Co.
Die Bühne ist das heimische Sol-System und die Raumschiffe sind vergleichsweise zerbrechlich. Sie sind wegen der begrenzten körperlichen Belastungsfähigkeit ihrer Crews auch nicht x-beliebig manövrierfähig. Vektoren sind das A und O. Das verleiht Raumgefechten etwas archaisches und ist dem Breitseitenaustausch segelbewährter Kriegsschiffe ähnlicher als dem modernen Luftkampf. Wiewohl neben Laserbatterien auch selbststeuernde Raketen Anwendung finden. Das Thema Technik ist ohnehin oft ein wenig paradox: Zum Einen muss der Navigator dem Piloten einen „Ausdruck“ für den Kurs reichen, statt ihm die Daten direkt auf seine Konsole zu übermitteln (wiewohl es der Kampfcomputer schafft, ein Gefecht nahezu selbstständig zu führen), zum Anderen ist man in der Lage ein menschliches Gehirn zu manipulieren, ja sogar zu transplantieren. Das passt irgendwie nicht zusammen.
Natürlich ist es vorherzusehen gewesen, dass die Dämonen der Vergangenheit Mark Brandis wieder einholen werden. Zu sehr und oft ist Michalewsky schon in Band 1 auf den Umständen der Degradierung herum geritten. Jetzt ist es schon soweit. Es überrascht dann auch nicht wirklich, dass der Verlauf der Zwistigkeiten zwischen Brandis und Monnier gegen Ende abflacht, die Feindseligkeiten fast zum Erliegen kommen und der gegenseitige Respekt voreinander wächst – immerhin gilt es, einen gemeinsamen Gegner zu bekämpfen bzw. aus einer lebensbedrohenden Gefahr zu entkommen. Das eint. Das Ganze ist nur ein Stück zu klischeehaft und vorhersehbar, des Weiteren geht der Versöhnungsprozess bei einem angeblich so tief sitzenden Groll, ja Hass seitens Monniers einen ganzen Tacken zu schnell. Frieden schließen die beiden aber erst später.
_Fazit_
Bei Band 2 überwiegt die Konsolidierung der Charaktere bei gleichzeitiger Verschärfung der Rahmenbedingungen. Eine überaus wichtige Funktion nicht nur für den weiteren Verlauf der Serie, was sich aber so richtig erst im nächsten Band entlädt. Die (kleine) Ruhe vor dem (nächsten) Sturm also. Über mangelnde Action und Spannung kann man sich dennoch nicht beklagen, vielleicht dafür mehr über die Plausibilitätslücken bei der Technologie und der etwas vorhersehbaren Figurenentwicklung bei gleichzeitig manchmal zu dick aufgetragenem Gutmenschentum. Offensichtlich kratzt der moderne Lesegeschmack doch hier und da ein bisschen am vierzigjährigen Lack des Klassikers – aber nicht soviel, um den Spaß daran zu verderben.
Band 1: [„Die Hexe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6485
Band 2: „Die Katze“
Band 3:“ Die Vampirin“
Band 4: _“Hexenküsse“_
Band 5: „Katzenkrallen“
Band 6: „Vampirliebe“
_Nach den ersten drei Bänden_, in denen die Halbblut-Schwestern Camille, die Hexe, Delilah, die Gestaltenwandlerin, und Menolly, die Vampirin, vorgestellt wurden und sich bisher erfolgreich gegen den Dämon Schattenschwinge zur Wehr gesetzt haben, geht es nun mit dem vierten Teil weiter.
Als Camille eines Abends ihren Buchladen, den Indigo Crescent, schließen will, kommt sie aus dem Staunen nicht mehr hinaus, denn vor ihr steht ein Einhorn! Feddrah-Dahns, der Prinz der Einhörner, bietet ihr und ihren Schwestern seine Hilfe und ein magisches Artefakt gegen den Kampf mit Schattenschwinge an.
Allerdings haben auch die finsteren Mächte starkes Interesse an diesem Artefakt, dem Horn des schwarzen Einhorns, und so muss Camille erst einmal mit einem Goblin, einem Grottenschrat und einer Fee fertigwerden. Anschließend muss Camille das AETT (Anderwelt-Erdwelt-Teror-Team) auf den Plan rufen, um die Straße von den Spuren des Kampfes zu befreien.
Chase, der menschliche Leiter des AND (Anderwelt-Nachrichtendienst)-Teams berichtet Camille von noch mehreren ungewöhnlichen Meldungen über Kryptonen (mystische Geschöpfe).
Sie fahren schließlich zu Camille und ihren Schwestern nach Hause, um alles Weitere zu besprechen. Dort teilt Feddrah-Dahns ihnen mit, dass er das kostbare Artefakt seinem treu ergebenen Pixie „Mistelzweig“ übergeben hat. Dieser ist verschwunden, nachdem versucht wurde, ihm das Horn zu stehlen.
Langsam beginnt Camille die Situation über den Kopf zu wachsen. Sie muss Goblins und andere nicht erwünschte Dämonen, die neue Portale nutzen, in Schach halten, den Pixie und das dritte Geistsiegel finden, und noch andere diverse „Kleinigkeiten“.
Für Camille kommt noch ihr chaotisches Liebesleben erschwerend hinzu, und auch der Drache Smoky will eine Schuld bei ihr einfordern …
_Kritik_
In dem vierten Teil von „Schwestern des Mondes“ steht wieder Camille im Vordergrund der Handlung. Um diesen Roman zu verstehen, sollten auf jeden Fall vorher die drei Vorgänger „Die Hexe“, „Die Katze“ und „Die Vampirin“ gelesen worden sein. Es dürfte sonst schwerfallen, die Handlungen nachvollziehen zu können.
Die Autorin Yasmine Galenorn hat wieder einen spannenden, lustigen und vor Erotik knisternden Roman geschrieben. Der Spannungsbogen baut sich im Laufe des Romans kontinuierlich auf und findet zum Ende hin seinen Höhepunkt, wie es sein soll. Camilles chaotisches Liebesleben steuert einen guten Teil Erotik dazu bei und die Feuerproben, die sie, ihre Schwestern und ihre Freunde zu bestehen haben, lassen den Leser nicht so schnell los. Alle Handlungen greifen ineinander über und sind stimmig konzipiert. Der Stil und der Aufbau dieses Romans lässt ebenso wie bei den vorhergehenden Teilen nichts zu wünschen übrig.
Erzählt wird der Roman aus Camilles Perspektive. Ihre Art zu denken und zu fühlen, ihre Aufgaben und der Kampf gegen Schattenschwinge sind facettenreich geschildert. Sie bringt den Leser zum Lachen, Staunen und Mitfiebern. Auch die anderen Charaktere sind hervorragend ausgearbeitet und entwickeln sich auch im vierten Teil weiter, Eintönigkeit kommt überhaupt nicht auf. Die Beziehungen untereinander sind klar dargestellt, die Autorin verliert hier niemals ihren roten Faden.
_Fazit_
Wer schon die anderen Teile der „Schwestern des Mondes“ gelesen hat, wird sehr viel Vergnügen mit „Hexenküsse“ von Yasmine Galenorn haben. Wer diese nicht gelesen hat, sollte es unbedingt nachholen, denn die Bücher sind allesamt uneingeschränkt empfehlenswert.
Ich freue mich schon auf den nächsten Teil „Katzenkrallen“ und bin gespannt darauf, wie es mit den drei Schwestern und ihrem Team weitergeht.
_Autorin_
Yasmine Galenorn hatte sich in Amerika bereits mit einer Reihe von Romanen und Sachbüchern einen Namen gemacht, bevor ihr mit ihrer Serie um die „Schwestern des Mondes“ auch der internationale Durchbruch gelang. Sie lebt gemeinsam mit ihrem Mann Samwise und vier Katzen in Bellevue.
Als Natassjas Bruder nach einem Fledermausbiss ins Koma fällt, wird er von den „Bat People“ verschleppt. Natassja muss ihn unbedingt befreien, bevor er in der schrecklichen Blutnacht geopfert wird. Tatsächlich kann sie ihn aus den Klauen der Vampirmenschen retten, doch dabei verliert sie ihre eigene Freiheit – und ihr Herz. Sie verliebt sich unsterblich in Anwar, den Anführer der „Bat People“ …
|BAT City|
Nachdem Anwar Natassja auf ihr Drängen hin zu einer „Bat Woman“ gebissen hat, steht ihrer Liebe nichts mehr im Wege. Doch dann geraten die Vampirmenschen in einen Hinterhalt der verfeindeten Coyoteros, die sie mit vergifteten Pfeilen ausrotten wollen. Anwar bricht schwer verletzt zusammen und unaufhaltsam entfaltet das Gift seine entsetzliche Wirkung …
|BAT Woman|
Vor Mitternacht noch umgebracht? Natassja und Anwar leben glücklich mit den „Bat People“ in der goldenen Stadt Cibola. Aber dann bewahrheitet sich die dunkle Prophezeiung: Die Coyoteros brechen ihr Ehrenwort und machen erneut Jagd auf die Fledermausmenschen …
_Handlungsüberblick:_
|In Teil 1 „Bat People“|
fährt Natassja Licedei (18 Jahre, kupferrote Haare) mit Joshua, ihrem Bruder (17 Jahre) in die Carlsbad Caverns (eine 487 Meter unter der Erdoberfläche liegende Kalksteinhöhle). Dort hängen in der Bat Cave ca. eine Million Fledermäuse. Trotzdem der Zutritt zur Höhle eigentlich verboten ist, mogeln sich die beiden Geschwister hinein – und Joshua wird prompt gebissen. Verwundert fällt ihnen auf, dass der Biss jedoch so groß ist, dass er eher von einem Menschen stammen könnte. Joshua weigert sich, zu einem Arzt zu gehen, fühlt sich aber sehr schnell immer schlechter – und stirbt.
Als Natassja ihren Bruder fortschaffen will, tauchen zwei schwarz gekleidete Männer und eine sehr erotisch wirkende Frau auf. Einer der Männer ist jung und sehr attraktiv. Sie nehmen Joshuas Leichnam mit sich. Bei den beiden Männern und der Frau handelt es sich um: Gylan (Hexe und Kriegerin, tückisch, hinterhältig und hochintelligent), Batur (vernarbter Kriegsherr) und Anwar (Schönling, jugendlicher Herrscher über Bat City). Und schon ist der Leser mittendrin in der Welt der Bat People.
Natassja gerät in Erklärungsnotstand darüber, wo ihr Bruder abgeblieben ist, und entscheidet sich für die Wahrheit. Was sich als Fehler herausstellen soll, denn Sheriff Mark Burke glaubt ihre Aussage natürlich nicht und sieht sich somit einem besonderen Fall gegenüber.
Einen Monat später: Natassja träumt jede Nacht von Joshua, der immer in Begleitung von Anwar ist, der wie ein Schatten über ihn wacht. Als sie eines Nachts das Familiengrab auf dem Friedhof aufsucht, taucht Joshua plötzlich auf – er ist Anwar, dem Anführer der Bat People (halb Menschen / halb Vampire), entwischt und erzählt seiner Schwester von dem unterirdischen Stadtreich „Bat City“, wo er gefangen gehalten wird. Durch den Biss trägt Joshua Bat-Zellen in sich, da er aber nicht in den Hals gebissen wurde, kann er noch zurück in seine Welt, und dafür benötigt er Natassjas Hilfe. Sie muss nach Bat City kommen, um ihn zu befreien, denn nur Joshuas Seele kann für kurze Zeit aus Bat City entfliehen und nur ein ihm nahestehender Mensch kann seinen Körper und Seele zurückholen. Joshua kann Natassja gerade noch verraten, wie sie in die geheimnisvolle Stadt gelangen kann, bevor Anwars Jäger auftauchen.
Also macht sich Natassja auf den Weg. Sie landet in einer riesigen, uralten Tropfsteinhöhle und einer Stadt, über der auf einem Hügel ein Palast aus purem Gold thront – Bat City, eine Stadt mit altmodischem Flair. Durch List und das Quäntchen Glück gelangt Natassja in den Palast. Dieser und die Kultur der Bat People faszinieren sie und sprechen ihren Sinn für Ästhetik an. Doch sie hat natürlich Wichtigeres im Kopf. Besonders, als sie erfährt, dass ihr Bruder auf dem bevorstehenden Fest der Blutnacht (zum Blue Moon = zweiter Vollmond) geopfert werden soll. Aber durch eine Unachtsamkeit der Wachen gelangt Natassja in Joshuas Verlies, sie fliehen beide, werden aber von Bat-Jägern entdeckt. Joshua entkommt, und nun wird Natassja festgenommen.
So steht sie in Cibola, der goldenen Stadt, Anwar gegenüber und merkt schnell, dass dieser an einer friedlichen Koexistenz mit den Menschen interessiert ist – im Gegensatz zu Batur und Gylan. Besonders Letztere tritt Natassja gegenüber sehr feindselig auf. Anwar hingegen fragt sie über die Menschen und ihre Welt, aber auch ihre Familie aus, um mehr über ihre Rasse zu erfahren. Im Gegenzug erzählt er Natassja viel über die Bat People. Anwar nennt sie schon bald liebevoll „Tassja“, und Natassja verspürt eine immer stärkere Faszination für den Fledermausmann, der bestimmt, dass sie als „Gast“ an dem Fest der Blutnacht teilnehmen und nicht anstelle ihres Bruders geopfert werden soll.
Aber Batur und Gylan, die mit Anwar die „Schwarze Dreifaltigkeit“ der Bat People bilden, überstimmen ihn und beschließen Natassjas Tod. Doch Anwar opfert einen anderen Menschen an ihrer Stelle, und Natassja verliebt sich in ihn, die Bat People und die Stadt. Sie wird jedoch von Anwar als Vermittlerin zurück in ihre Welt geschickt. Dort stößt sie auf Unverständnis, besonders bei Joshua, der völlig verändert ist und voller Hass gegen die Bat People. Auch Sheriff Burke bleibt ihr auf den Fersen. Er erinnert sich daran, dass ihm sein Großvater eine Geschichte von Indianern erzählte, die sich in Fledermäuse verwandeln können, und beschließt, dem nachzugehen. Natassja wittert die drohende Gefahr, flieht zurück zu Anwar, um ihn zu warnen, und gerät in Lebensgefahr ….
|Teil 2, „Bat City“,|
setzt ein Jahr später an, in der Baboquivari Wildnis (südl. Zipfel Arizonas). Natassja liebt und lebt (mit) Anwar bei den Bat People, denen sie sich mittlerweile zugehörig fühlt. Mehr noch, sie ist selbst eine Bat Woman geworden und kann nun auch fliegen, extrem gut bei Nacht sehen, verfügt über ein Radarsystem und besitzt ein Paar scharfer, spitzer Reißzähne. Nur am Trinken von Blut findet sie keinen Geschmack. Gylan, der Kriegerin und Hexe, ist Natassja immer noch ein Dorn im Auge, mehr noch, sie hasst sie. Anwar hingegen ist als Herrscher der Bat People mittlerweile hoch angesehen. Natassja vermisst Joshua, ihren Bruder, und ihre Famile, die sie für tot hält, sehr. Da sie trotz ihrer Transformation zur Vampirin überwiegend menschliche Gene in sich hat, kann sie sich rund um die Uhr im Freien bewegen.
Die neue Idylle der Bat People wird bedroht, als Reiter in Kettenhemden, mit Helm, Schild und Lanzen bewaffnet, auftauchen. Sie ähneln Fledermäusen, ihr Gesicht hat jedoch eine spitz zulaufende Hundeschnauze. Die Coyoteros hassen die Bat People, greifen das neue Bat City an und setzen es in Flammen. Zu allem Überfluss bricht die seuchenähnliche „Antoniusfeuer“-Krankheit aus – hervorgerufen durch die Lanzenstiche der Coyoteros, die mit einer tödlichen Substanz getränkt waren. Auch Anwar wird damit verletzt, doch seine Wunde infiziert sich nicht – noch nicht? Die Bat People kehren in die goldene Stadt Cibol zurück. Auf dem Weg dorthin sterben jedoch achthundert von ihnen – eine Katastrophe für das vom Aussterben bedrohte Volk.
Sheriff Mark Burke – in der Zwischenzeit Polizeichef geworden – steht vor den Trümmern seiner Karriere und sieht sich einem starken Gegenkandidaten bei der Neuwahl zum Polizeichef gegenüber. So überlegt er sich, die zurückliegende Geschichte über die Fledermausmenschen in die Medien zu bringen, und ärgert sich, dass er Anwar nicht gefangen genommen hat. Auch der Palast aus Gold in Bat City lässt ihn gedanklich nicht los. Im Internet liest er von den sieben goldenen Städten und der Schönsten davon – Cibola im Anasazi Mountain …
Natassja darf auf Anwars Geheiß keinen Kontakt zu ihrer Familie aufnehmen, doch sie verspürt immer größere Sehnsucht nach ihnen und kann schlussendlich der Versuchung nicht widerstehen, beobachtet ihre Eltern und Geschwister heimlich und trifft auf ihren Bruder, aber Joshua wirkt verändert, kalt und emotionslos. Bald wird Natassja klar, dass sie einen großen Fehler begangen hat, sich zu erkennen zu geben. Denn schon bald ist ihnen ihr Bruder auf den Fersen und Natassja sieht sich bei den Bat People ihrer Erzfeindin Gylan ausgeliefert, die „Stimmung“ gegen sie macht und behauptet, Natassja habe die Bat People verraten.
Joshua hat immer noch Probleme mit der alten Fledermausbisswunde. Anfälle, Visionen und seltsame Träume suchen ihn heim – und er sieht in die Zukunft. Auch Anwar verändert sich, seit er durch das Coyotero-Gift infiziert wurde, und greift sogar Natassja an. Dann nimmt Gylan Joshua gefangen, der gekommen ist, um die Bat People zu warnen – vor Sheriff Burke. Aber da gibt es noch einen Menschen, der ihnen auf der Spur ist: Floyd, Burkes Hilfssheriff. Die Lage spitzt sich immer mehr zu: Anwars Anfälle mehren sich. Er bestimmt, dass Natassja im Falle seiner geistigen Umnachtung oder seines Ablebens seinen Platz auf Cibolas Thron einnehmen soll. Danach wird er zur Sicherheit seines Volkes in ein Verlies gebracht.
Nun entfacht sich Gylans Feindseligkeit noch mehr, die natürlich von Natassja keine Befehle entgegennehmen will. Auch Batur fügt sich nur widerwillig. Zwischen Joshua und Gylan entwickelt sich eine Art Hassliebe, sie stehen in telepathischem Kontakt. Joshua warnt Gylan vor Burke und seinen Männern, die auf dem Weg zur Goldenen Stadt sind. Derweil mutiert Anwar immer mehr zu einer Schreckenskreatur und entkommt aus seinem Gefängnis …
|In Teil 3 „Bat Woman“|
ist Joshua mittlerweile ein sehr talentierter Seher (mit dem Potential, der beste aller Schamanen zu werden) und hat einen Traum: Ein Bote kommt aus dem Süden, aus Feuerland, und bringt sehr schlechte Nachrichten. Bol, ein brasilianischer Bat Man, berichtet davon, dass die Coyoteros einen heiligen Krieg weiterführen und Anwar und Natassja als Zukunftsträger der Bat People töten wollen. Somit ist der Anführer der Coyoteros Karanjai Bahul wortbrüchig Anwar gegenüber geworden, und es beginnt nach einem Jahr Frieden und Wiederaufbau von Cibola (Bat City) alles von vorn.
Joshua sieht in einer weiteren Vision, dass das Volk der Bat People zu den verbliebenen sechs goldenen Städten aufbricht, um unter denen die eine zu finden, die das endgültige Zuhause der Fledermausmenschen werden soll. Doch er hat noch mehr gesehen. Der Preis für ihre Flucht wird hoch sein, weil entweder er oder Natassja sie mit dem Leben bezahlen soll. Aber damit nicht genug, denn er und Natassja entpuppen sich als direkte Nachfahren der Anasazi. Und somit lädt Raven Cross die Leser in eine immer phantastischere und turbulente Geschichte rund um Anwar, Natassja, Joshua und die Bat People ein. Aber auch Natassjas Eltern und ihre restlichen Geschwister spielen in diesem Band eine wesentliche Rolle.
_Meine Meinung:_
Raven Cross schafft mit ihrer Bat-People-Trilogie eine kurzweilige Mischung aus Vampirstory, Romancehandlung und Spannung – eingewoben in einen Indianer-Plot. Somit unterscheidet sie sich wesentlich von den Vampir-Romance-Titeln, die den Markt seit Jahren überschwemmen. Die drei Romane, die zuerst einzeln bei |Cora| erschienen sind und nun bei Tochterverlag |Mira| noch einmal in einen Band zuammengefasst wurden, sind zwar vorrangig auf jugendliche Leser ausgerichtet, aber durchaus „all age“, wenn man diese Bezeichnung bemühen möchte, und somit für alle Altersklassen geeignet.
Der Stil der Autorin ist angenehm flüssig, der Plot teils romantisch – aber nicht schmalzig, dabei turbulent, auf gleichbleibendem Niveau und so packend, dass man nach der Trilogie gerne mehr über die Bat People lesen möchte.
Die Aufmachung des Titels ist, wie bei |Mira| üblich, ohne Fehl und Tadel: Handliches Format, Papier, Druck und Bindung sind ordentlich und das Covermotiv dankenswerterweise ohne das schon beinahe standardisierte Paar, sondern eher minimalistisch.
_Fazit:_
Stimmungsvoller, kurzweiliger und sehr unterhaltsamer Vampirband, in ein Indianer-Plot-Gewand eingebettet. Die Bat People sind eine erfrischende Abwechslung zu den derzeit typischen Vampir-Romance-Bänden. Absolut empfehlenswert.
|Taschenbuch: 432 Seiten
Titelillustration und Titelgestaltung von pecher und soiron, Köln
ISBN-13: 978-3899416466|
[www.mira-taschenbuch.de]http://www.mira-taschenbuch.de
Mit dem Namen Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) kann kaum ein Uneingeweihter etwas anfangen; bei dessen Pseudonym „Mark Brandis“ klingelts bei einigen dann doch. Zumindest wenn sie dereinst Science-Fiction-Infizierte waren. Zwischen 1970 und 1987 verfasste er 31 Bände Weltraumabenteuer mit der gleichnamigen Titelfigur. „Mark Brandis“ gilt damit neben dem Mammutprojekt „Perry Rhodan“ als eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien. Leider waren die |Herder|-Bücher lange Zeit nur noch im Antiquariat aufzutreiben und von einem halbherzigen Versuch bei |Bertelsmann| im Jahr 2000 einmal abgesehen, geriet die Serie in Vergessenheit. Bis der |Wurdack|-Verlag 2008 begann, den Schleier ernsthaft zu lichten und diese Klassiker Stück für Stück wieder zu veröffentlichen: Derzeit erscheinen zwei Bände pro Quartal in neuem Glanz.
_Zur Story_
Anno 2069: Längst ist der Nahbereich des Weltalls besiedelt und wird dementsprechend bereist. Kleine Kolonien befinden sich etwa auf der Venus und dem Mars. Politisch ist der Mutterplanet Erde in zwei Machtblöcke gespalten. Auf der einen Seite die EAAU, die Union der Kontinente Europa, Afrika und Amerika, auf der anderen die VOR – Die Vereinigten Orientalischen Republiken. Man stand vor Kurzem noch am Rande eines globalen Krieges, welcher vom machtgierigen EAAU-General Bordon B. Smith beinahe vom Zaun gebrochen wurde. Das konnte soeben verhindert werden und man steckt ihn in die Verbannung, statt ihn der Gerichtsbarkeit der VOR auszuliefern. Ein folgenschwerer Fehler. Der General hat noch genügend Unterstützer, putscht sich an die Macht und errichtet seine totalitäre, faschistoide Herrschaft.
Von den düsteren Wolken am politischen Himmel bekommt die vierköpfige Besatzung des Prototyps „Delta VII“ während ihres zweimonatigen Testfluges nichts mit. Sie arbeiten für die Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik (VEGA), einem großen Forschungs- und Rüstungskonzern der EAAU. Commander John Harris, Pilot Mark Brandis, Bordingenieur Antoine Ibaka sowie Navigator Iwan Stroganow werden unfreiwillig in den Strudel militärischer Gewalt gesogen. Sie sehen sich alsbald in der Hand der neuen Regierung und mit deren Auffassung von Rechtstaatlichkeit konfrontiert. Das Regime ist scharf auf die Geheimnisse des derzeit schnellsten und höchstentwickelten Raumschiffes und die Geheimpolizei schreckt dabei auch vor Folter nicht zurück. Durch ein Husarenstück gelingt die Flucht mit „Delta VII“ zur Venus, der letzten freiheitlichen Bastion im Sonnensystem.
_Eindrücke_
Mark Brandis erzählt die Geschichte zumeist in der Ich-Form, was eine größere Nähe zur Figur schafft als die Schilderung in der dritten Person. Gelegentlich werden Kapitel aber auch von anderen Handelnden erzählt. Aufgezogen ist das Ganze als ein Tatsachenbericht, bei welchem der damalige Mittdreißer seine turbulente Laufbahn als Raumpilot rekapituliert. Diese Retrospektive hat allerdings auch manchmal ihre Tücken, recht häufig nehmen Formulierungen wie „Es sollte das letzte Mal sein, dass…“ oder dergleichen ein wenig die Fahrt aus dem Plot, verraten sie doch mehr als einmal andeutungsweise zukünftige Ereignisse, die zum Spannungserhalt vielleicht besser noch im Dunkeln verblieben wären. Das ist allerdings Geschmacksache – so mancher mag solcherlei Teaser-Einschübe als eventuelle Motivationshilfe zum Weiterlesen mögen.
Nötig wäre es indes nicht. Die Story an sich besteht zwar aus klassischen Elementen und teils Klischees, wo ein zunächst halbwegs Unbeteiligter zum (Anti-)Helden aufsteigt. Das war schon in den Siebzigern nicht besonders neu und durchaus gängige Ausgangsbasis. Die Geschichte ist aber trotz ihrer nunmehr 40 Jahre auf dem Rücken interessant, zeitlos und streckenweise sogar immer noch topaktuell. Manches davon ist bereits eingetroffen, einige (besonders technische) Entwicklungen haben sie aber dafür auch längst überholt. „Tonbandaufzeichnungen“, weitgehend unvernetzte Computer, archaisch-hölzern anmutende Funkdialoge und dergleichen sorgen, zumindest bei heutigen Lesern, vermutlich für Schmunzeln, das offen zur Schau getragene Rauchen und der Alkoholgenuss dagegen wohl eher für Empörung.
Natürlich spiegelt die Geschichte den Zeitpunkt ihrer Entstehung wider. Deutlich merkt man Michalewsky an, dass er noch zur Weltkriegsgeneration gehört und sich der kalte Krieg in der heißen Phase befand. Das Thema Unterdrückung durch eine faschistische Militärdiktatur und Big-Brother-artige Überwachung der Bevölkerung ist allgegenwärtig. Was die Machtblöcke angeht bewies er ein gutes Näschen, denn in der Realität haben sich die asiatischen Staaten in der Tat zum stärksten Gegenpol der demokratisch-westlichen Welt gemausert. Eine Entwicklung, die man damals so sicherlich noch nicht absehen konnte. Allerdings pflegte man schon Jahre früher – im Rhodan-Universum – auch schon ein ganz ähnliches (Feind-)Bild.
Apropos: Brandis ist übrigens keine Konkurrenz zu Rhodan und absolut eigenständig. Das ganze Umfeld ist im Übrigen generell nicht so übertechnisiert – dementsprechend angenehm ist das fast vollständige Fehlen von unverständlichem Techno-Gefasel. Die Raumschiffe werden noch mit Flüssigtreibstoff (Ausnahme die |Delta VII| mit ihrem neuartigen Atomantrieb) befeuert, sind allesamt Vertikalstarter bzw. -lander. Ihre Bewaffnung besteht maximal aus Laser-Batterien sowie konventionellen Raketenwerfern. Energetische Schutzschilde und anderer hochgezüchteter Schnickschnack? Fehlanzeige. Sie schaffen nicht einmal annähernd Lichtgeschwindigkeit und bewegen sich ausnahmslos im heimatlichen Sol-System. Gleichwohl wird fälschlicherweise dafür wiederholt der Begriff „Galaxis“ verwendet.
Auffällig sind zudem einige offensichtliche Lieblingsphrasen des Autors, welche einem immer wieder begegnen: „samtene Schwärze“ (das Weltall), „5300 Tonnen“ (das Gewicht der Delta VII), „nach Schwachstellen tastende Lichtfinger“ (Laserbeschuss) oder auch „10500 Tonnen Schubkraft“ (das Beschleunigungsvermögen der Delta VII). Abgesehen davon, dass dort zwischenzeitlich durchaus abwechslungsreichere Begriffe und Formulierungen hätten gefunden werden können, und einem stets mitschwingenden, leicht moralisierenden Unterton, ist die Schreibe flott, flüssig und – wie man an diesen Beispielen sieht – sehr bildhaft. Nebenbei bemerkt handelt es sich bei der Neuauflage inhaltlich um die Originaltexte – somit folgt sie konsequenterweise auch noch der alten Rechtschreibung, was für manchen jüngeren Leser vielleicht zunächst ein wenig gewöhnungsbedürftig sein dürfte. Dem Lesespaß tut dies indes keinen Abbruch.
_Fazit_
Auch nach vier Jahrzehnten hat diese Perle deutscher SciFi-Literatur kaum etwas von ihrer Faszination verloren. Natürlich wirken manche Dinge heute grundlegend überholt, auch der Lesegeschmack und Anspruch der Leserschaft haben sich sicherlich gewandelt. Dass die Serie auch heute dennoch gut funktioniert, liegt zu einem Gutteil daran, dass die Story zwar vor einem futuristischen Hintergrund spielt, hauptsächlich aber von den Menschen handelt, die versuchen zu überleben und gegen einen Unrechtsstaat aufstehen. Die technologische Komponente ist zwar wichtig, aber nicht überbewertet. Da sieht man über kleine Macken gern hinweg. „Bordbuch Delta VII“ ist der Auftakt zu einem wahren Serien-Klassiker – Schön, dass er endlich wieder erhältlich ist.
auch als Sammelband erschienen: „Omar, der Geschichtenerzähler“
Die Handlung:
Unglückliche Umstände verschlagen den Geschichtenerzähler Omar ziemlich durchgefroren in die „Jägersschenke“. Unglücklich deshalb, weil er hier im Sommer zuvor nicht nur die Zeche geprellt hat, nachdem er seine Speisen nicht bezahlen konnte, sondern auch noch den Hund des Wirts erschlagen.
Verständlicherweise möchte sich der Wirt nun rächen und Omar nackt zurück in den Winter schicken, da kommt Omar auf eine Idee. In einem Geschichtenwettbewerb will er im Wechsel gegen die anwesenden Gäste antreten und so lange seine Geschichten als die besseren anerkannt werden, darf er bleiben. Und so fängt Omar an, um sein Leben zu erzählen. (Veränderte Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Nachdem die 1992 und 1995 erschienen zwei „Omar“-Bücher bei uns bereits 2007 als Sammelband bei Otherworld veröffentlicht wurden, entschied sich Bastei Lübbe nun dazu, die beiden Romane „Die Straße der Plünderer“ und „Die Jägersschenke“ noch einmal separat als preiswerte Taschenbuchausgaben zu veröffentlichen. In beiden Büchern steht der Geschichtenerzähler Omar im Mittelpunkt und beide können auch einzeln gelesen werden, ohne die jeweils andere Geschichte zu kennen.
Die Gäste in der „Jägersschenke“, gegen die Omar antritt, sind vom Autor interessant gezeichnet und sehr unterschiedlich. Sechs Geschichten hat der Geschichtenerzähler zu erzählen und tritt dabei gegen einen Soldaten, eine Schauspielerin, einen Spielmann, einen Rechtspfleger, eine Zofe und einen Pferdehändler an.
Das klingt auf den ersten Blick nach einer Menge Abwechslung, allein auf Grund der unterschiedlichen Charaktere, aber leider erzählen sowohl die Gäste als auch Omar im Prinzip eine einzige große Geschichte um ein kriegerisches Königreich immer ein Stückchen weiter. Natürlich werden von Omar immer neue Details eingefügt und er schmückt seine Geschichten ein wenig mehr aus als seine Gegner … muss er ja auch, denn er will ja gewinnen und nicht nackt hinaus in die Kälte geschickt werden. Dennoch hätte ich von einem Geschichtenerzähler, der mit geschilderten Abenteuern handelt, nach dem Lesen des Klappentextes erwartet, dass er nicht einfach die Vorlage der anderen Gäste aufgreift und einfach nur weiter erzählt, sondern völlig eigenständige Geschichten zum Besten gibt. Hierfür fehlten dem Autor entweder die Ideen oder er sparte sie sich für andere Bücher auf.
Dennoch ist Omar ein Charakter, dem man als Leser (dem er ja nichts getan hat) nicht böse sein kann, wenn er wieder einmal die Wahrheit so hindreht, wie sie ihm zuträglich ist. Auch die Zeche hat er ja nie geprellt, er wollte ja bezahlen …
Interessant ist auch, dass der Roman keine einfache Sammlung von aneinandergereihten Geschichten ist, sondern sich auch in der Gruppe der Gäste mit zunehmender Zeit eine eigene Dynamik und Anspannung bildet. Natürlich ist Omar auch hieran nicht ganz unschuldig. Und so wird zwischen den Geschichten eifrig diskutiert.
Mein Fazit:
Der Roman über den liebenswerten Wahrheitsverdreher Omar lässt sich trotz der zum Genre passenden altertümlichen Sprache flüssig lesen. Sobald der Geschichtenerzähler in seinem Element war, stellte sich bei mir unweigerlich ein dauerhaftes Grinsen ein und ich wünschte ihm, dass er den Wettstreit gewinnen würde.
Ein Fantasy-Roman ohne Trolle, Oger, Elfen und Orks in den Hauptrollen, sondern ein Charakterroman, der seine Aufgabe erfüllt: er unterhält, und das gut. Der geneigte Leser kann anschließend wie schon erwähnt problemlos zum Vorgänger- oder Sammelband greifen.
Taschenbuch: 480 Seiten Originaltitel: The Hunter’s Haunt (1995) Aus dem Englischen von Michael Krug ISBN-13: 978-3404206261 www.luebbe.de
Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,33 von 5)
_Schwestern des Mondes:_
Band 1: _Die Hexe_
Band 2: Die Katze
Band 3: Die Vampirin
Feen, Vampire und Dämonen in der Menschenwelt? Das kann ja nur Ärger bedeuten. Um diesen zu minimieren, hat der AND, der Anderwelt-Nachrichtendienst, drei Schwestern in die Menschenwelt abkommandiert, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Doch das ist nicht immer einfach, wie die Autorin Yasmine Galenorn in „Die Hexe“, dem ersten Band der Reihe „Schwestern des Mondes“, erzählt.
Camille ist eine Hexe, wenn auch keine besonders gute. Da sie halb Mensch, halb Elfe ist, neigen ihre Zauber dazu, nach hinten loszugehen. Ihre Schwestern Delilah und Menolly, die eine ist eine Werkatze, die andere ein Vampir, haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Deshalb wurden sie von ihrem Arbeitgeber, dem Anderwelt-Nachrichtendienst AND, in die Erdwelt nach Seattle versetzt. Dort sollen sie ermitteln, falls die Anderweltwesen Ärger machen.
Und den machen sie! Jocko, ein für den AND arbeitender Riese, ist erdrosselt worden. Als ob das noch nicht genug wäre, zeigt Chase Johnson, der örtliche Detective, der zur Zusammenarbeit mit dem AND abgestellt wurde, Camille die Tatwaffe: ein Lederriemen, der nach Dämon riecht. Camille ist alarmiert, denn Dämonen haben weder in der Erd- noch in der Anderwelt etwas zu suchen. Es scheint jedoch, als ob sich einige dieser böswilligen Wesen daran nicht halten wollen. Ausgerechnet Schattenschwinge, der Fürst der Unterirdischen Reiche, hat seine Fühler ausgestreckt und drei Dämonen in die Erdwelt geschickt. Nun ist es an den drei Schwestern, diese in ihre Schranken zu weisen …
„Die Hexe“ ist ein wenig wie Bridget Jones mit Zauberkräften. Trotz einer gehörigen Portion Fantasy hat Yasmine Galenorn einen leichtfüßigen und amüsanten Chick-Lit-Roman geschrieben, an dem man Gefallen findet oder eben nicht. Ihr Buch ist sicherlich keine große Literatur, aber unterhaltsam und lustig geschrieben. Harmlos, möchte man beinahe sagen, denn auch wenn der Roman nicht besonders gehaltvoll ist, kann man ihm nicht böse sein. Das beginnt bei den Protagonistinnen. Drei Schwestern leben unter einem Dach und könnten unterschiedlicher nicht sein. Trotzdem halten sie stets zusammen und bekämpfen gemeinsam das Böse. Im Mittelpunkt dieses Buchs steht Camille, die Ich-Erzählerin mit der Vorliebe für hohe Schuhe, Make-Up von MAC und Heavy-Metal-Musik. Sie ist eine umgängliche junge Frau, die immer eine heitere Bemerkung auf den Lippen hat und ihre Zauberunglücke mit Humor erträgt. Mit ihrer manchmal sarkastischen Art erinnert sie tatsächlich an eine Light Version von Bridget Jones, was aber nicht unbedingt ein Nachteil ist. Galenorn schafft es nämlich, sie geschickt auszubalancieren, so dass sie nicht übertrieben mädchenhaft wirkt.
Die Fantasiewelt, die Galenorn erschafft, ist ganz gut durchdacht und bezieht viel Spannung aus der Gegenüberstellung mit der Erdwelt. Die Autorin greift hauptsächlich auf Altbewährtes wie Dämonen, Drachen und ähnliches zurück, bringt aber auch den einen oder anderen eigenen Einfall. Obwohl vor allem die Idee mit dem AND angenehm auffällt, wird die Kulisse echte Fantasyfans nicht zufrieden stellen. Dazu ist sie doch etwas zu einfach.
Auch bei der Handlung sollte man nichts zu Kompliziertes erwarten. Galenorn steuert geradlinig auf die Eliminierung der drei frei gelassenen Dämonen zu, legt zwischendurch noch ein paar Spuren zu möglichen Hilfsmitteln aus und garniert das Ganze mit der einen oder anderen frivolen Szene. Camilles Ex-Lover Trillian, ein überaus attraktiver Svartaner, wird zum Dienst auf der Erdwelt abkommandiert und gleichzeitig erhalten die Schwestern Hilfe von dem mysteriösen Fuchsdämon Morio. Camille steht plötzlich zwischen den beiden Männern – was sie gerade überhaupt nicht gebrauchen kann. Fans von derartigen Chick-lit-typischen Liebeswirren kommen also ebenfalls auf ihre Kosten.
Der erste Band von „Schwestern des Mondes“ von Yasmine Galenorn ist vor allem für die interessant, denen „Bridget Jones“ und „Sex and the City“ zu magiefrei sind. Mit ein bisschen Urban Fantasy, einer frechen, jungen und (eigentlich) unabhängigen Hauptperson sowie etwas Spannung und allerlei (Liebes-)Fettnäpfchen ist „Die Hexe“ ein amüsantes Büchlein, das hartgesottene Fantasyfans vermutlich nicht überzeugt, dafür aber überaus unterhaltsam ist.
Die jüngste Erzählungssammlung des interessantesten amerikanischen SF-Autors der letzten 30 Jahre präsentiert 13 Beiträge. Bis auf zwei sind alle Storys für jeden deutschen Leser mit mittleren Englischkenntnissen leicht lesbar. Doch besagte zwei Storys haben es wirklich in sich.
– Die Story einer verbotenen Liebe
– Storys über Design und Architektur der nahen Zukunft
– Über das Ende der Welt und der Menschheit
– Über die Zukunft, die jetzt Vergangenheit ist: in Alt-Ägypten, in der Türkei und in Palästina
– Über die Zukunft des Schwarzen Kontinents
– Über die Zukunft des Silicon Valley
– Und vieles mehr.
Der Autor
Bruce Sterling, der Mitbegründer der Cyberpunk-Bewegung der achtziger Jahre, ist der Autor von neun Romanen, wovon er einen, „Die Differenz-Maschine“, zusammen mit William Gibson schrieb. Er veröffentlichte drei Storysammlungen (darunter „A Good Old-fashioned Future“) und zwei Sachbücher, darunter das bekannte „The Hacker Crackdown“ (1992) über die Verfolgung von Hackern und Crackern.
Er hat Artikel für die Magazine Wired, Newsweek, Fortune, Harper’s, Details und Whole Earth Review geschrieben. Den Hugo Gernsback Award für die beste Science-Fiction-Novelle gewann er gleich zweimal, u. a. für „Taklamakan“. Er lebt in der Universitäts- und Industriestadt Austin in Texas und hat schon mehrmals Deutschland besucht. Eine seine Storys spielt in Köln und Düsseldorf. Ich habe ihn 2007 persönlich in München bei einem Interview kennengelernt.
Die Erzählungen
1) In Paradise (2002)
Felix Hernandez, ein junger Klempner, sieht das Muslimmädchen das erste Mal an der Sicherheitsschleuse zum Gebäude, in dem er einen Auftrag erledigen soll. Während ihre zwei erwachsenen Begleiter – Vater und Onkel? – auf sie warten, fällt der Strom und ihr Akku streikt. Felix ist so nett, ihr den Akku seines eigenen Handys der gleichen Marke zu geben und erhält dafür ihren. Dabei merkt er sich nicht nur ihre Telefonnummer, sondern auch ihr wunderschönes Gesicht. Sein Herz ist entflammt.
Später ruft er sie wieder an und – oh Wunder der Technik – ihr finnisches Handy übersetzt seine poetische Liebeserklärung automatisch in Farsi, also die persische Sprache. So schöne Worte hat der 19-jährigen Perserin noch niemand gesagt, und sie ist bereit, mit ihm auszureißen. Zehn paradiesische Tage im Bett und am Handy folgen. Dann kommt die kalte Dusche, sozusagen die Schlange.
Ein Agent des Heimatschutzministeriums meint es gut mit Felix, doch seine zwei Begleiter vom iranischen Geheimdienst weniger. Enttäuscht darüber, dass das Mädchen nicht da ist, stellen sie Felix’ Wohnung auf den Kopf, bevor sie wieder abziehen. Der DHS-Agent macht Felix klar, dass das Mädchen, die Tochter eines Mullahs, sich illegal in den USA aufhält und alle Ausgänge und Transportwege sowie Kreditkarten überwacht werden. Der Agent schaltet sich später sogar in das Gespräch zwischen Felix und seiner Herzensdame ein – und schaltet per Fernsteuerung ihre Handys aus!
Nun ist guter Rat wahrlich teuer, doch wahre Liebe findet stets einen Weg, sogar in einer Republik der totalen Überwachung …
Mein Eindruck
Eine warnende und ironische Story über Liebe in Zeiten der totalen Überwachung. Wenn sogar die Handys per Fernsteuerung ausgeschaltet werden können (vom Abhören ganz zu schweigen), dann haben es Adam und Eva nicht leicht, der Schlange in ihrem Eden zu entkommen. Aber es geht – mit Hilfe primitiver Mittel, auf die die Agenten nie im Leben kommen würden.
Im Übrigen ist die automatische Sprachübersetzung im Handy durchaus eine Technik der nahen Zukunft, und die Fernabschaltung sowie Speicherlöschung lässt sich bereits heute bei vielen Smartphones und Handys realisieren.
2) Luciferase (2004)
Vinnie ist ein Leuchtkäferchen, das in der Nacht hell leuchtet. Jedenfalls solange es nicht gefressen wird, und diese Gefahr lauert überall. Da wäre beispielsweise sein alter Bekannter Peck, die Spinne. Peck ist hungrig, aber auch unglücklich. So ein einsamer Wolf hat’s eben nicht leicht bein den Frauen. Da ist der helle Vinnie schon besser dran: Die Frauen fliegen auf ihn! Nach ein paar Ratschlägen für Peck saust er weiter.
Auf einer Nesselblüte erspäht er eine kesse Braut, die ihn besonders hell anstrahlt. Zu spät erkennt er, dass es sich um eine Falle handelt. Sie ist eine Photuris, die auf das Fressen von Photinussen wie Vinnie spezialisiert ist. Zunächst balgen sie sich, doch dann herrscht Stillstand: Matt beide. Sie heißt Dolores und ist scharf ihn. Natürlich nur auf seine Fleisch. Aber er bringt ihr bei, dass es mehr gibt als nur fleischliche Gelüste, nämlich Kunst.
Als ein männlicher Photuris eintrifft, der von Dolores verlangt, sie solle Vinnie töten und ihm die Hälfte abgeben, weil er ja so toll ist, hat Vinnie ein ausgezeichnetes Ziel, um Dolores zu demonstrieren, was er meint. Dieser Geck ist ein Dampfplauderer – und gleich darauf ein Opfer von Peck, der Spinne …
Mein Eindruck
Man könnte die witzige Geschichte für eine Fabel halten, wenn sie bloß auch eine Moral hätte, Aber davon ist weit und breit nichts zu sehen. Vielmehr unterhalten sich die Tierchen so, als befänden sie sich in einer texanischen Bar (der Autor ist Texaner) über die Frauen, das Leben und den ganzen Rest. Das tun sie im typisch amerikanischen Umgangston. Vinnie behält die Oberhand, was uns richtig aufbaut – er ist ein authentischer Künstler, nicht wie die anderen Imitatoren und Epigonen. Möge ihm eine lange Nacht vergönnt sein!
Luciferase ist übrigens eine im Text vorkommende chemische Substanz, die der biologischen Lichterzeugung dient.
(3 kurze Stücke für die Zeitschrift NATURE)
3) Homo sapiens declared extinct (1999, „Menschen für ausgestorben erklärt“)
Im Jahr 2350 wird die Menschheit für ausgestorben erklärt – na und? Kein Grund sich aufzuregen, finden die posthumanen KIs und Entitäten, schon gar nicht die Blutbader in der Oort’schen Wolke, die seit jeher auf die „federlosen Zweibeiner“ herabgeschaut haben. Eine Grabrede wäre jedoch angebracht, findet die Poetware: „Sie waren sehr, sehr sonderbar und nicht sonderlich mit Weitsicht gesegnet.“
Mein Eindruck
Nicht gerade eine Story, aber wenigstens ein Nachruf auf die Menschheit. Allerdings erfahren wir nicht, was zum Aussterben des Menschen geführt hat.
4) Ivory Tower (2005, Elfenbeinturm)
Im Jahr 2050 stürzen sich die Net-Geeks auf das Gebiet der Quantenphysik – natürlich in ihrer typischen Manier. Erst googeln sie alles Wissen zusammen, speichern alles in Storage-Einheiten, tauschen sich in sozialen Netzwerken und Blogs aus. Schließlich errichten sie irgendwo in Rajastan, Indien, ihre eigene Forschungseinrichtung, einen Teilchenbeschleuniger. Ihre Programme sind Open-Source und kostenlos, ihre Hardware ist Abfall, ebenso wie die Technik, die sie für die Errichtung des Supercolliders nutzen. Ihr Essen ist ebenso recycelt wie ihre Möbel und alles andere.
Man sollte erwarten, dass eine derart auf Lösungen fixierte, geradezu mönchische Männergemeinschaft die Frauen abschrecken würde, aber weit gefehlt! Die Ladys finden die Sache cool und machen schon bald einen großen Teil der Kolonie aus – natürlich nicht unter den Physikern. Das war ja schon immer so. Und was nachts passiert, geht keinen was an.
Das Einzige, was man hier nicht haben will, sind Typen, die an der Atombombe forschen. Diese 100 Jahre alte Technik ist nun wirklich nicht cool.
Mein Eindruck
So ein moderner Elfenbeinturm ist auch nicht mehr das, was er mal war. Diesmal haben sich die Geeks die Hochtechnologie der Teilchenbeschleunigung vorgenommen, sozusagen den teuersten Bereich der Physik – siehe CERN bei Genf. Dass man solch eine Forschungseinrichtung auch ganz anders aufziehen kann als bisher, zeigen die modernen Geeks aus Kalifornien. Dass sie das erst 2050 tun sollen, ist das einzige Unwahrscheinliche an der Geschichte.
5) Message found in a bottle (2006)
Diese „Flaschenpost“ stammt aus dem Tank eines Warmwassersboilers aus einer Bibliothek in Schottland, gefunden unter dickem Eis. Geschrieben hat sie ein Klimawissenschaftler, der uns berichtet, dass er Wissenschaftsmagazine wie NATURE verbrannt hat, um heizen zu können. Denn über Europa ist durch den Treibhauseffekt nicht die Hitzewelle gekommen, sondern die Eiszeit.
Der Grund für die Eiszeit ist ebenso simpel wie tödlich: Die Wälder Russland und Brasiliens sind niedergebrannt und haben dabei Unmengen von Ruß und CO2 freigesetzt, so dass sich daraus eine dicke Wolkendecke ergab, die keinen Sonnenstrahl mehr durchlässt – ähnlich wie ein Nuklearer Winter. Deshalb gibt es in Schottland Eis, von Deutschland ganz zu schweigen. Der wärmende Golfstrom scheint völlig versiegt zu sein, wird aber nicht erwähnt.
Die geistige Verfassung der Überlebenden sieht jetzt offenbar so aus, dass der kleine Stamm, dem der Klimawissenschaftler angehört, inbrünstig zu Gott um Vergebung seiner Sünden betet. Ein bisschen spät, findet er. Denn die Sünden wurde ja schon weit in der Vergangenheit begangen, als man den Klimawandel noch hätte dämpfen können.
Mein Eindruck
Sterling ist ein Schelm: Er schrieb diesen Text für das Magazin NATURE und lässt doch den Urheber der Flaschenpost, Magazine wie NATURE verbrennen, um heizen zu können. Ein weiteres ungewöhnliches Merkmal dieses Textes ist die Theorie, dass uns der Klimawandel nicht die große Hitzewelle bringt, sondern die Eiszeit.
Diese Prophezeiung hat durchaus etwas für sich, wenn man die ungeheuren Rußmengen bedenkt, die das Abfackeln der Wälder des Amazonas, Indonesiens und der Taiga Russlands bedenken. Dieser Prozess hat bereits begonnen, wie im Sommer 2010 in Russland beobachtet werden konnte, als dort die Wälder brannten und über 1700 Kilometer hinweg den Himmel verdunkelten. Das gleiche Schicksal könnte das Amazonesbecken ereilen, das ja ebenfalls schon unter ein oder zwei Dürren hat leiden müssen – ungewöhnlich für eine so regenreiche Region.
Obwohl die „Flaschenpost“ mit 2,5 Seiten ziemlich kurz ist, bietet sie doch eine Menge Stoff zum Nachdenken.
6) The Growthing (2004)
Im Jahr 2045 steht irgendwo im ausgetrockneten West-Texas eine sehr sonderbare Anlage: Der einzige Ort weit und breit, wo sich Feuchtigkeit findet, denn sie wird von genetisch veränderten Bakterien im Treibhaus erzeugt, der Wind wird gefangen und die Feuchtigkeit im ganzen Wohngebäude verteilt. Die ganze blasenförmige Architektur erhebt sich über einem Brennstoffreservoir, dessen Hüter Milton ist, ein Architekt und Designer.
Heute ist der letzte Tag, an dem seine Tochter Gretel ihn besuchen darf, die sonst in New Jersey bei seiner geschiedenen Frau leben muss. Der Zeppelin holt sie ab, ohne zu landen. Aber wenig später taucht ein weiteres Mädchen auf, dem Gretel eine E-Mail geschickt hat. Dieses Mädchen gehört zu einem wandernden Stamm von Westtexanern, die Wasser suchen, und sie sucht das blasenförmige Gebäude Miltons. Hier will sie Schafe züchten. Milton ist nicht abgeneigt, den Stamm aufzunehmen.
Mein Eindruck
Die Zukunft von West-Texas, die der Texaner Sterling hier entwirft, ist wahrlich nicht wünschenswert: die unterirdischen Wasserläufe sind versiegt, ebenso das Erdöl (deshalb der Zeppelin), und deshalb muss es neue Wege geben, die geringen Ressourcen zu nutzen und neue zu erzeugen. Ganz nebenbei stellt er die Objekte seines Bekannten, des Öko-Architekten greg Lyn vor. Denn dieser Text wurde für das Architekturblatt „Metropolis“ geschrieben.
7) User-Centric (1999, „Benutzerorientiert“)
Das 21. Jahrhundert lässt eine bestimme US-Firma sich fragen, was sie mit der neuen MEMS-Technologie anfangen könne. MEMS sind heute besser als RFID-Funketiketten bekannt, also als Chips, die per Funk Daten liefern, empfangen und speichern können. Das siebenköpfige Designteam wird vom Chefkoordinator dazu angehalten, an den Nutzer zu denken: Welche Nutzung wäre welchem Nutzer am liebsten – und welche Vorteile könnte man daraus ziehen? Dazu muss man erstmal eine geschichte erfinden sowie zwei Nutzertypen – nennen wir sie Al und Zelda. Er ist etwa 34 und technikorientiert, sie ist über 65 und haushaltorientiert. Zusammen sind sie daran interessiert, alle ihre Besitztümer mit Funkchips zu versehen und zu überwachen.
Soweit, so schön, doch dann setzt der Autor den Entwurf in die fiktionale „Realität“ um. Al muss eine Maske aufsetzen, die ihn älter macht als seine Zelda. Sie hat zwar einen göttlichen und stark verjüngten Body, doch wer würde ihr den jungen Gatten abnehmen, wenn sie schon Enkelkinder hat? Er spielt den Sugardaddy, der sie aushält, aber nur mit Maske. Zusammen sorgen sie dafür, dass das Haus in Tiptop-Zustand ist und alles per Funkchips überwacht wird. Al verzweifelt, hat Albträume, doch Zelda tröstet ihn: Es gibt keine Happy-Ends, Lieber, es gibt nur Methoden, mit den Dingen fertigzuwerden.
Mein Eindruck
Das Brainstorming per E-Mail zeigt eine typische amerikanische Hitschmiede, komplett mit Marketing, Programmierer, Rechtsberater, Designerin, Grafikerin und sogar einer Sozialanthropologin. Doch der ganze Prozess führt lediglich zu einem Entwurf, dessen Absurdität und Inhumanität sich sofort anhand der fiktionalen Umsetzung zeigt. Das ist Satire in Reinkultur, ohne den belehrenden Zeigefinger zu heben. Die Botschaft ist deutlich: Wer im Elfenbein entwirft, braucht sich nicht zu wundern, wenn Müll herauskommt, den niemand kaufen will, ja, der sogar antihuman ist.
8) Code (2001)
Die Gegenwart, Austin, Texas. Louis, der Hauptprogrammierer der Softwarefirma Vintelix, hat den Löffel abgegeben: Herzinfarkt. Kein Wunder bei 150 Kilo Lebendgewicht, denkt sich Van, sein wichtigster Stellvertreter. Was soll er jetzt bloß mit der Leiche machen? Da tritt das Mädchen vom Empfang ein, Julie, sie denkt praktischer: Er soll die Cops rufen. Ach ja, und den Vorstandsvorsitzenden (CEO) informieren. Aber vorher durchsuchen sie noch Louis’ massiven Schreibtisch: Bingo – Tabletten von LSD, vulgo: Acid. Sie teilen sich die 400 Trips.
Der CEO gibt ihnen frei, aufgrund besonderer psychischer Belastung. So können sie sich per Webcam und Telefon unterhalten. Julia ist wagemutig. Wie viele Trips soll sie einwerfen – vier oder fünf? Van ist eher vorsichtig und vernünftig: einer dürfte erstmal reichen. Und tatsächlich: Schon bald schüttet ihm Julia ihr Herz aus. Und wie romantisch sie ist! Liest und empfiehlt Liebesratgeber. Sie wird richtig aufgedreht. Dann muss er ins Fitness-Studio. Als er zurückkehrt, steht sie vor seiner Tür. Klar darf sie mir reinkommen. Aber sie schlafen nicht miteinander. Noch nicht.
Am nächsten Tag befördert der CEO Van zum Chefprogrammierer, was zwar mehr Aktienoptionen einbringt und einen neuen, wertlosen Titel, aber auch mehr Arbeitsbelastung. Und der Code, den Louis hinterlassen, ist ein Tohuwabohu – sein Baby. Und keiner blickt da durch. Alles auslagern, nimmt sich Van vor, bevor ihm die zwei bestellten Ehe-Ratgeber geliefert werden. „The Code“ – wertloser Schmonzes, doch „The Rules“ ist bitter und grimmig, eine wahre Gebrauchsanleitung zur Selbstbehauptung der geplagten, unterdrückten Frau gegen das brutale Regime des Mannes.
Genau das Richtige, um ein neues Betriebssystem zu schreiben und Julia zu seiner wichtigsten Mitarbeiterin zu machen, auch privat.
Mein Eindruck
Die Story könnte direkt aus einem Kapitel von Douglas Couplands Klassiker „Mikrosklaven“ stammen, so exakt werden die Arbeitsverhältnisse in der Softwarefirma beschrieben. Aber dann kommt der praktische Sterling-Touch hinzu: Wie sich menschliche Beziehungen nutzbringend mit der Arbeit verbinden lassen. Arbeit und Liebe müssen einander nicht ausschließen, ganz im Gegenteil.
(Kollaborationen)
9) The Scab’s Progress (mit Paul Di Filippo, 2001)
Nach dem Zusammenbruch der planetaren Ökosphäre und der Ölindustrie mussten die Überlebenden andere Technologien finden, um erstens Ernährung sicherzustellen und zweitens Informationstechnik. In der Verbindung aus beiden Anstrengungen entstand die fortgeschrittenste Biotechnologie, die man sich vorstellen kann.
Natürlich haben auch die Halb- und Unterwelt sowie die semilegalen Selbständigen ihren Anteil an der „Immunosance“, wie die Gesamtheit aller Bio- und Gentechniker jetzt genannt wird. Fearon und Malvern sind zwei solche halblegale „Scabs“, und als Malvern an Fearons Tür klopft, herrscht Alarmstufe Rot: In dem Slum Liberty City am Rande von Miami ist ein Biotechlabor explodiert, das ihren Kunden gehörte. Sie müssen schnell hin, um zu retten, was noch zu retten ist, bevor die Cops und Behörden Asche daraus fabrizieren, um eine Kontamination der Umgebung zu verhindern.
Wie sich schnell zeigt, ist das interessanteste Objekt bei Mixogen die Chefin. Ihr Gehirn ist, wie man an dem angeschwollenen Schädel erkennen kann, genetisch aufgemöbelt worden. Sie entnehmen dem Gehirn eine Gewebeprobe und verduften, denn schon ist der erste Cop-Späher eingetroffen. Leider ist Fearons Labor nicht in der Lage, aus der Gehirn-DANN einen Sinn herauszulesen. Deshalb schlägt Malvern, den alten Kemp Kingseed zu konsultieren. Er lebt in einer aufgelassenen Erdölraffinerie, bewacht von seiner Riesenspinne Shelon (aus „Herr der Ringe“).
Kemp Kingseed erinnert die beiden Möchtegern-Genies an jene heroischen Zeiten, als Linux, Napster und Freenet erfunden wurden – lang ists her. Aber Kemp kann die Botschaft aus der Hirn-DANN der Mixogen-Chefin lesen, mit Hilfe eines entsprechenden Raben. Demzufolge wurde die wertvollste DNA des Planeten, nämlich die der letzten Wildtiere des im Chaos untergegangenen Kontinents Afrika, in einem geheimnisvollen Gebilde namens Panspecific Mycoblastula. Sie müsse sich in Sierra Leone befinden.
Weil Fearon die Datenverbindung zu seinem gentechnisch aufgemotzten Hausschwein Weeble offengelassen hat, konnte jedoch sein härtester Konkurrent, Ribo Zombie, alles, was der Rabe sprach, mithören. Mist! Wegen Fearons Blödheit könnte ihnen der Rivale den DNS-Schatz vor der Nase wegschnappen. Kemp, der alte Kämpe, beruhigt die beiden junge Biotechkämpfer: Sein Mann vor Ort erwartet sie bereits und werde ihnen helfen.
Fearon und Malvern machen sich auf in ein Wettrennen um einen Schatz, der in einer der unzivilisiertesten Gegenden des Planeten liegt: im Herzen der Finsternis, wo unbekannte Gefahren lauern …
Mein Eindruck
Die turbulente Novelle spielt in einer radikal veränderten Welt, die vielleicht aber nur 30 oder 40 Jahre entfernt liegt und beängstigende Umwälzungen ahnen lässt. Der Treibhauseffekt hat voll zugeschlagen, die Ölindustrie ist nur noch Erinnerung, dafür hat die Biotechnologie die Informationstechnik abgelöst. Vor diesem Hintergrund rackern sich unsere zwei wackeren Helden redlich ab, um sich über Wasser zu halten – obwohl: Fearon hat mit seiner Frau Tupper, einer reichen Erbin, wirklich das große Los gezogen.
Und dennoch will er alles aufs Spiel setzen? Auf der Jagd nach etwas, was der Leser nur als eine Art MacGuffin bezeichnen kann, begegnet Fearon nicht nur Fossilien wie Kemp Kingseed und dessen afrikanischem Klon Herbie Zoster, sondern, viel schlimmer, einem Despoten, der alle Albträume von afrikanischen Tyrannen in sich vereint: menschliche DNS ist kaum noch vorhanden, sondern dominiert von Ameisen-Erbgut, ebenso wie bei seinen Untergebenen. Denn wenn eine Spezies das aufgegebene Afrika erobert hat, dann ist es die Ameise. (Diese Idee erinnert an gewisse postviktorianische „Tarzan“-Abenteuer.)
Diese Welt ist post-human, aber auch post-natürlich – komplett überarbeitet von Biotechnologie, die aus dem Ruder gelaufen ist. Die einzigen, die damit noch gut zu Rande kommen werden, sind die Kinder von Fearon und Tupper. (Siehe dazu auch die schöne Geschichte über die Nekropole von Theben.) Ach ja – Ribo Zombie! Er hat seinen großen medienwirksamen Auftritt. Mehr darf darüber nicht verraten werden.
10) Junk DNA (mit Rudy Rucker, 2003)
Silicon Valley ist auch nicht mehr das, was es mal war: das Tal der vergoldeten Träume eines digitalen Goldrauschs. Selbst Leute mit Ideen müssen sich jetzt als sterbliche Angestellte ausbeuten lassen, klagt Janna Gutierrez, die informationelle Gentechnik studiert hat. Sogar ihr Dad muss sich in der Wetware-Industrie abrackern. Der einzige Freund, den Janna abzubekommen schien, war ein Koreaner – jedenfalls solange, bis dessen Mutter eine nordkoreanische Erbin als Braut anschleppte. Die Zukunft sieht trübe aus.
Da schneit Veruschka Zipkin aus St. Petersburg in Jannas Firma herein. Obwohl Veruschkas Angebot eines gemeinsamen Gentechnikprojekts abgelehnt wird, tut sie sich doch mit ihrer neuen Freundin Janna zusammen, um eine neue Firma aufzuziehen. Veruschka zieht bei Janna und ihrem Dad ein, und als sie entdecken, dass Dad eine halbe Million Dollar für seine Rente zurückgelegt hat, dauert nicht sehr lange, bis sie den Start einer eigenen Firma finanzieren können. Alle drei sind gleichberechtigte Teilhaber.
Veros Idee besteht in folgendem: Sie kann eine formbare Biomasse mit menschlicher DNS und dem patentierten Universellen Ribosom imprägnieren und auf diese Weise süße kleine Wonneproppen erschaffen, die beliebige Eigenschaften haben können. Mit Dads Hilfe lassen sich die „Pumptis“ färben und verformen, wie es dem Benutzer gefällt. „Tamagotchis“ und „Pokémons“ sind Hühnerdreck dagegen! Das beste ist jedoch, dass die benutzte menschliche Erbsubstanz nicht diejenige ist, die einen Menschen formen – das wäre ja illegal und unmoralisch – sondern aus den unterdrückten und ungenutzten Stücken des Erbguts besteht, wie der homo sapiens sie aus seiner Evolution übrigbehalten hat: Junk-DNS. Wie sich zeigt, wird diese Art der Neuschöpfung von den Behörden genehmigt.
Nach einem vielversprechenden Start durch Straßenverkauf, Mundpropaganda und virales Marketing kommt es allerdings zu fatalen Geschäftsfehlern: Die Qualität stimmt nicht, Betrüger und Raubkopierer schnappen sich die Ideen und Profite, schon bald steht die kleine Firma Magic Pumpkins vor dem Aus. Doch wer könnte ihnen aus der Patsche helfen, wenn sich kein Risikokapitalgeber dazu bereitfindet? Die Antwort besteht in Ctenephore Industries. Janna und Vero müssen sich verkaufen – und werden nach allen Regeln der Kunst über den Tisch gezogen. Ihnen bleibt die Aussicht auf ein Angestelltengehalt mit einem nichtssagenden Titel.
Haben sie das verdient, fragen sie sich. Niemals! Dieses Unrecht schreit nach RACHE. Und Veruschkas, stets die praktische und unverwüstliche des Dynamischen Duos, hat die Lösung: Gentherapie für die beiden Feinde, Revel Pullen und Tug Mesoglea. Und nach ein paar Wochen der Rekonvaleszenz ihrer Firma – die Pumptis können auch digitale Daten empfangen, senden und verarbeiten – ist der Moment der Vergeltung gekommen. Die Wirkung ist jedoch nicht ganz die erwartete. Junk-DNS folgt eben ihren eigenen Gestzmäßigkeiten …
Mein Eindruck
Keine Angst, dieses Märchen geht wie alle Märchen gut aus, nur eben nicht auf die erwartete Weise. Denn es ist ein Silicon-Valley-Märchen, in dem Valley-Träume auf eine Russin treffen, die Erfahrung mit der russischen Mafia hat. In Russlands Genetiker-Schwarzmarkt werden die Dinge etwas anders gehandhabt als im Goldenen Westen.
Die Novelle weiß den entsprechend beschlagenen Leser, der sich mit Biotechnologie, Genetik, Mathematik und Software auskennt, mit etlichen witzigen Einfällen zu erfreuen. Dazu gehört die Idee mit der Junk-DNS, dem Universellen Ribosom und den süßen kleinen Pumptis. Der Schauplatz San Francisco ist mir bestens vertraut: Wer es hier nicht schafft, um den neuesten technischen Schnickschnack zu erschaffen, der wird es weder an der Ostküste noch in Hongkong schaffen – das sind die Orte, auf die es heutzutage ankommt. (Von Europa ist kaum die Rede, außer eben als Veruschkas Herkunft.)
Richtig bizarr sind die Ideen, die den beiden Inhabern von Ctenophore einfallen. Der eine, Pullen, will eine Hochsicherheitszone für das bürgerliche Zuhause verwirklichen; der andere will berührungsempfindliche Geldnoten entwickeln, die von ihren Benutzern DNS-Proben nehmen – wunderbar in der Verbrechens- und Terrorismusbekämpfung, oder? Zu blöd, dass heute kaum noch mit Geldscheinen bezahlt wird.
Der groteske Höhepunkt der Entwicklung, dem Janna mit Grausen entgegensieht, besteht in der Gentherapie für Tug und Revel, die beiden vermeintlichen Feinde. Hier zeigt die Junk-DNS, was sie wirklich draufhat. Mehr darf hier nicht verraten werden, um nicht das Vergnügen zu schmälern. Rudy Rucker, von Haus aus Mathematiker, lässt aber auch die Sau raus, und das gibt der Story eine unverwechselbare Note. Ich habe sie mit großem Spaß gelesen.
(Historische Fiction)
11) The Necropolis of Thebes (2003)
Am Westufer des Nils liegt die Totenstadt von Theben, und der alte Shabti-Figurenschnitzer Apepi fährt mit einem Streitwagen zum Pharaonengrab, um es wie stets seines Metalls zu berauben. Denn Apepi ist zum Steuereintreiber der Eroberer, der Hyksos, ernannt worden und muss sein Soll erfüllen. Da sein Volk aber schon längst bis zum letzten ausgequetscht ist, muss er nun auch die Toten berauben.
Das Gold ist längst fort, ebenso das Silber, aber die Shabti-Figuren wird er niemals anrühren. Nicht nur, weil sonst der Pharao niemanden hat, der ihm Jenseits dient, sondern weil die Hyksos für die ägyptischen Totenriten nur Verachtung übrig haben. Und eines Tages wird Apepis Sohn eine Shabti-Figur schnitzen, die einen Wagen und seinen Lenker zeigt und dann …
Mein Eindruck
Die Erzählung ist ein Beispiel dafür, wie der Zukunftsschock den Historiker getroffen hat, sagt der Autor in seiner Anmerkung. Die historische Erzählung zeigt nicht nur dies, sondern den Weg, wie man den Zukunftschock, den die Hyksos bedeuteten, durch eine neue Generation Kinder überwindet: Sie kennen nichts anderes. Und sie werden die neue Technologie der Eroberer dereinst gegen sie verwenden (und so geschah es auch).
12) The Blemmye’s Stratagem (2005)
Im Heiligen Land ist Jerusalem gefallen, und Saladins Krieger jagen die Kreuzritter, bis diese sich nur noch in ihren Festungen verkriechen können. Der Oberste der Assassinen, der Alte vom Berge, trägt seinen Teil dazu bei, die Christen zu verjagen, die fast 90 Jahre lang Palästina besetzten. Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass seine engste Vertraute eine Christin ist, die Äbtissin Hildegart. Sie ist nicht nur das Oberhaupt des Ordens der Hospitaller (nicht der Templer), sondern auch eine Kauffrau, die Investitionen von Sevilla bis Sumatra ihr Eigen nennt. Mit Zahlen kann sie viel besser umgehen als Sinan, der Assassine, doch der bessere Poet ist sicherlich er.
Beide stehen in Diensten jenes seltsamen Diplomaten und Kaufmanns, der ihnen vor vielen Jahrzehnten den Trank des langen Lebens zuteilwerden ließ: der Blemmye. Gerüchte besagen, dieses Wesen komme aus dem afrikanischen Königreich von Prester John. Es trägt keinen Kopf, sondern sein Gesicht im Oberkörper, mit Augen, Nase und Mund. Da es nicht sprechen kann, schreibt es alle Botschaften auf, und Hildegart ist die beste Leserin dieses Gekritzels. Mit seinen ausgedehnten Handelsniederlassungen verständigt sich der Blemmye per Brieftaube, genau wie es seine Diener Hildegart und Sinan tun.
Das Ende des Alien
Er hat sie zu sich gerufen, denn sein Ende sei gekommen, schreibt er. Was seine zwei Diener verstört, ist der Befehl, die Pferde zu töten – sie hätten dann kein Mittel mehr, aus der Wüstenei am Toten Meer, wo der Blemmye seine Oase geschaffen hat, wegzukommen. Doch das Rätsel wird gelöst, als er ihnen offenbaren will, was ihn all die Jahre hier gehalten hat: seine Geliebte von den Sternen und ihre Brut. Sie hat das Zeitliche gesegnet, doch ihre Brut vermehrt sich – unter anderem durch Futter in Form von Pferdefleisch. Hildegart traut sich nicht ins Innere der Bruthöhle, doch Sinan beschreibt es als eine Art Hölle, voller Skelette und Dämonen. Dämonen mit Panzern, scharfen Zangen und giftigen Schwänzen. Nach dieser Enthüllung seiner außerirdischen Herkunft begibt sich der Blemmye in die giftigen Wasser des Toten Meeres zum leeren Panzer seiner Geliebten.
Aber Hildegart hat ein gefährliches Problem erkannt: Die Dämonenbrut werde sich über die Erde verbreiten, sollte man ihr nicht Einhalt gebieten. Sinan ist ganz ihrer Meinung. Er kennt die alte Sage vom König, der zuließ, dass ein Schachbrett mit einer sich verdoppelnden Menge von Reiskörnern bedeckt wurde. Für das letzte Feld des Bretts wurde das ganze Königreich geplündert. Eine letzte Schlacht soll die Dämonenbrut vernichten. Doch wer wird sich bereitfinden, solch einen Kampf zu wagen? Eigentlich bloß die verzweifelten Glücksritter unter den Kreuzfahrern, oder? Aber Sinan hat einen Trumpf im Ärmel …
Mein Eindruck
Auf gänzlich unerwartete Weise behandelt der Autor in dieser Novelle das Problem des Fremden und des Fremdlings. Im Heiligen Land treffen die unterschiedlichsten Völkerschaften aus Okzident und Orient aufeinander, ohne einander zu verstehen. Und doch gibt es abseits der Schlachten und Gemetzel eine funktionierende Infrastruktur für die Telekommunikation: Brieftauben. Sie gehören dem Blemmye und seinen zwei Dienern. Sie ermöglichen Handel und Reichtum trotz des Krieges. Und dabei stört es gar nicht, dass der Blemmye ein Außerirdischer ist. Er kann sich immerhin wie ein Mensch verständigen.
All dies ändert sich mit dem Ende des Aliens. Der Handel bricht zusammen, die Investitionen lösen sich in Luft auf, die Ernten werden vernichtet und so weiter. Offenbar hat er geahnt, was der Welt fehlt. Kein Wunder, denn er ist selbst vor einem Krieg mit einer Alienrasse zur Erde geflohen, und seine Geliebte gehörte eben dieser Rasse an, quasi wie Romeo und Julia. Doch ihre Dämonenbrut, die eine Metapher für den fehlenden Frieden darstellt, droht nun die Welt zu verschlingen. Es liegt nahe, dass die Sachwalter des Blemmyes die Aufgabe ihrer Vernichtung übernehmen, damit der Erde wenigstens die Heimsuchung der gefräßigen Aliens erspart bleibt.
Die Erzählung ist leicht zu lesen, aber es lohnt sich, die Geschichte des Heiligen Landes und der Kreuzzüge wenigstens rudimentär zu kennen, um die zahlreichen Namen zuordnen zu können. Erstaunlich, welche detaillierte Sachkenntnis der Autor an den Tag legt, der doch früher für abegfahrene SF-Ideen bekannt war. Die Story unterhält selbst den SF-Freund und ist spannend bis zum Schluss.
13) The Denial (2005, „Die Leugnung“)
Die Türkei im 15. oder 16. Jahrhundert, nur wenige Jahrzehnte nach der Eroberung Konstantinopels. In Yusufs kleiner Stadt leben Muslime neben Juden, Katholiken und orthodoxen Christen friedlich zusammen. Nur die Gnostiker, christliche Ketzer, wurden in die Berge getrieben und fristen ein kümmerliches Dasein.
Als eine große Flut das Dorf überschwemmt, gelingt es Yusuf, den Fassmacher, seine Kinder auf den höhergelegenen Grund von Onkel Mehmets Hütte zu bringen und so zu retten. Doch seine Frau hat ihm den Gehorsam versagt und wurde von den Fluten mitgerissen. Er findet sie danach im Uferschlamm und bringt sie zurück ins Dorf. Dort schlägt sie plötzlich Augen auf und ist wieder quicklebendig. Sofort macht sie sich an den Wiederaufbau des Hauses und seines Unternehmens.
Doch Yusuf wird trotz des erneuten Aufschwungs immer unglücklicher. Diese Frau ist offensichtlich nicht seine Frau, denn die erste Frau war eine zeternde Furie, diese aber ist sanft und lieb wie ein Lämmchen. Diese Frau hier muss eine Wiedergängerin sein. Was ist zu tun? Nur der jüdische Rabbi weiß Rat: Yusuf soll die Gnostiker in den fernen Hügeln aufsuchen. Sie sind die einzigen, die sich mit Geistern auskennen.
Nachdem ihm der Pastor der Bogomil-Familie erklärt hat, wie der gnostische Glaube aussieht, rät er ihm, seiner Frau einen Pflock durchs Herz zu treiben. Das lehnt Yusuf kategorisch ab. Der Pastor erklärt, wie es sich mit der Trennung von Körper und Seele verhält und gibt ihm einen Talisman: eine hölzerne Handfessel.
Nach seiner Rückkehr führt Yusuf seine Frau auf den Gottesacker, der einzige Ort, wie sie ungestört sind. Er legt ihr die Fessel an, die sie wie verbrannt wieder abstreift – ein gutes Zeichen. Aber er legt sie sich aus Trotz ebenfalls an: keine gute Erfahrung. Denn nun schwant ihm, was er längst hätte erkennen müssen und was ihm seine tote Frau nun wütend unter die Nase reibt: Er ist nämlich in jener Flut ebenfalls gestorben. Tja, und wie kommen sie aus diesem Schlamassel wieder raus?
Mein Eindruck
Ist dies eine Geistergeschichte, fragt man sich. Möglicherweise, denn um Magie geht es ebenfalls. Aber die Wahrheit liegt tiefer: Das eigentliche Thema ist nämlich die Entfremdung von einer Unperson, die man nicht als sich selbst zugehörig wahrnimmt. Diese Entfremdung kann in tödlichen Hass umschlagen, wenn die richtigen Faktoren und Mittel hinzukommen. Aber hätte Yusuf einmal sein Herz erforscht, dann hätte er den Splitter im eigenen Auge erkannt – dass er genauso ist wie seine Frau.
Unterm Strich
Diese Erzählungssammlung des bekannten Autors und Beraters umfasst eine große Vielfalt von Themen und Stilen, aber die verschiedenen Sektionen sind folgerichtig aufgebaut. Von „Science Fiction“ geht die Fahrt zu „Fiction about Science“ und „Fiction for Scientists“. Danach widmet sich Sterling seinen Interessensgebieten, insbesondere Architektur und Design.
Nach einer Verschnaufpause im Mainstream dreht er jedoch voll auf: „Cyberfunk to Ribofunk“ heißt die Überschrift für seine zwei großen Kollaborationen mit den Kollegen Paul Di Filippo und Rudy Rucker. Diese zwei Storys sind sowohl in der Sprache als auch hinsichtlich ihres geistigen Hintergrunds höchst anspruchsvoll für den deutschen Leser.
Lediglich ihr Plot und ihre Aussage könnte simpler nicht sein. „The Scab’s Progress“ schildert eine Expedition in ein zukünftiges Afrika, und „Junk DNA“ ist ein Märchen über die biotechnische Zukunft des Silicon Valley, das bis dahin schon seine besten Tage gesehen hat. Auch wenn dies die beiden sprachlich anspruchsvollsten Texte der Sammlung sind, so haben sie mir doch am meisten Spaß gemacht: das Vergnügen des Intellektuellen an abgefahrenen Ideen.
Die letzte Sektion trägt den Titel „The Past Is a Future That Already Happened“. Hier finden sich also Erzählungen über die Vergangenheit. Neben der Geschichte über Apepi und Yusuf beeindruckte mich besonders die Novelle über die Kreuzfahrerzeit, in der ein Alien eine offenbar segensreiche Role spielt. Die Aussage lautet mehr oder weniger, dass richtig organisierte Kommunikation für ein gewisses Maß an Frieden sorgt. Ganz gleich, ob diese Kommunikation von einem unabhängigen Fremdwesen oder von einem parteiischen Menschen organisiert wird.
Unterm Strich liefert die Collection dem SF-Interessierten und dem, der neugierig auf neue Ideen ist, einen bunten Strauß von meist gelungenen Erzählungen, in denen Unterhaltung, Einfallsreichtum und vor allem Humor und Menschlichkeit (sogar bei Leuchtkäferchen) spannend und anrührend präsentiert werden. Obwohl der Preis mit 16 US-Dollar ziemlich hoch ist, so habe ich doch den Kauf zu keiner Zeit bereut.
Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: (4 Stimmen, Durchschnitt: 1,50 von 5)
Taschenbuch: 294 Seiten
Originaltitel: Visionary in Residence
ISBN-13: 978-1560258414
_Bruce Sterling bei |Buchwurm.info|:_
[„Inseln im Netz“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=736
[„Die Differenzmaschine“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1339
[„Brennendes Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1542
[„The Zenith Angle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1574
Es gibt ein uraltes Bündnis zwischen den Einhörnern, den Wölfen und den Menschen: Nach einem langen Krieg unter den drei Völkern gab es eine Einigung darauf, dass die Einhörner und die Wölfe den Wald bevölkern, während die Menschen aufgrund ihrer hohen Zahl das restliche Land für sich in Anspruch nehmen. Der Friedenspakt besagt auch, dass sich die drei Völker gegenseitig nicht angreifen dürfen …
Als das Einhornmädchen Nienna nachts durch den Wald streift, trifft sie auf eine Jagdgesellschaft, die sie beinahe zu Tode hetzt. Völlig erschöpft und verwundet wird sie von Ferris, einem Wolfsmenschen, zurück in ihr Dorf gebracht, wo die schreckliche Neuigkeit schnell die Runde macht. Da zudem noch Niennas Bruder Cewal vermisst wird, ist schnelles Handeln gefragt. Der Häuptling des Einhornclans beruft eine Versammlung mit den Wölfen ein und schickt daraufhin Nienna und Ferris nach Melduin, in die Hauptstadt der Menschen, um dort den Truchsess von dem Verstoß gegen das Bündnis zu unterrichten und Cewal zu finden. In Melduin erwartet die beiden allerdings eine bittere Wahrheit …
_Eindrücke_
„Einhornblut“ ist der vierte Band einer Kurzromanreihe, die beim |Arcanum|-Fantasy-Verlag unter dem Thema „Weltenwanderer“ erschien. Jeder beteiligte Autor hat, unabhängig von den anderen Kurzromanen, eine völlig eigene Geschichte dazu geschrieben, und somit sind die einzelnen Hefte allesamt als eigenständiges Werk anzusehen. Man muss also keinen der vorherigen Heftromane kennen, um „Einhornblut“ verstehen zu können.
In „Einhornblut“ erzählt Nathalie Gnann eine schöne und kurzweilige Geschichte über Einhörner und Wölfe, die sich gegen die Feindseligkeit der Menschen wehren müssen. Allerdings sind die Einhörner hier nicht nur einfache magische Pferde, genauso wenig wie die Wölfe einfache Tiere sind: Beide Völker sind dazu in der Lage, sich in Menschen zu verwandeln. Das ist zwar nicht gerade etwas völlig Innovatives im Fantasygenre, aber dennoch nichts allzu Bekanntes. Gerade Einhörner spielen, aus welchen Gründen auch immer, mittlerweile generell eher selten eine Rolle in Fantasybüchern, sodass die Autorin mit ihrer Geschichte ein klassisches, aber schon fast vergessenes Fabelwesen wieder zum Leben erweckt hat.
Die beiden Protagonisten der Erzählung sind Nienna und Ferris. Die Mühe, die sich Nathalie Gnann mit ihrer Charakterzeichnung gegeben hat, ist eindeutig erkennbar. Obwohl ihre Geschichte so kurz ist, erweckt sie ihre Protagonisten zum Leben, sodass der Leser stets mit den beiden mitfiebert. Nienna ist eine sehr zarte Kreatur, die allerdings Mut besitzt und ihren Willen durchzusetzen weiß. Ferris hingegen übernimmt die typischen Charakterzüge eines Wolfes.
Allerdings gibt es in Einhornblut auch einige Schwächen, die sich insbesondere im Schreibstil zeigen. Gnanns Erzählstil ist noch ein bisschen unsicher, und an ihm merkt man besonders, dass sich die Autorin noch am Anfang ihrer Schreibkarriere befindet. Sie vertieft sich immer wieder zu sehr in poetische Beschreibungen, die zwar an manchen Stellen noch ganz schön wirken können, irgendwann aber doch zu übertrieben und kitschig sind. In manchen Szenen, insbesondere dann, wenn ernste Angelegenheiten besprochen werden müssen, wirkt die Figurenrede auch etwas zu steif und nicht lebendig genug.
Auch Klischees findet man in „Einhornblut“ leider immer wieder. Die liebevolle und fürsorgliche Mutter, der strenge Vater. Nienna ist die Tochter des Häuptlings vom Einhornclan, Ferris der Sohn des Clanführers der Wölfe. Es gibt einen tyrannischen und bösartigen Truchsess. Wer sich in der Fantasyliteratur auskennt, der wird einige dieser Muster schnell wiedererkennen.
Was ich auch etwas schade fand, war das offene Ende. Die eigentliche Mission haben Nienna und Ferris zwar erfüllt, aber es bleibt noch sehr viel Stoff für eine Fortsetzung übrig, die es allerdings, so weit ich weiß, nicht geben wird. Die Seitenanzahl, welche die Geschichte haben durfte, war leider zu begrenzt, als dass man das Ende noch etwas besser hätte abrunden können. Auch viele Fragen, die man sich während des Lesens gestellt hat, bleiben offen.
_Fazit_
Bis auf einige Schwächen handelt es sich bei „Einhornblut“ um eine unterhaltsame Fantasygeschichte, die insbesondere Fans der klassischen Fantasyliteratur ansprechen dürfte.
_Nathalie Gnann_
Nathalie Gnann wurde am 18. Juli 1989 in Rottweil geboren. Schon früh entdeckte sie ihre Leidenschaft für phantastische Literatur, woraufhin sie sich schon bald selbst am Schreiben versuchte. Erste Erfolge erfuhr sie, als die ein oder andere Kurzgeschichte in einer Anthologie erschien. Ihr erster Heftroman, „Einhornblut“, erschien in der Kurzroman-Reihe „Weltenwanderer“, einem Wettbewerb des |Arcanum|-Fantasy-Verlags. Momentan studiert sie Musikwissenschaft und Germanistik in Bonn.
Band 1: [„Fabelheim“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5819
Band 2: „Die Gesellschaft des Abendsterns“
Band 3: „Grip of the Shadow Plague“ (bislang nicht auf Deutsch angekündigt)
Band 4: „Secrets of the Dragon Sanctuary“ (bislang nicht auf Deutsch angekündigt)
Band 5: „Keys to the Demon Prison“ (bislang nicht auf Deutsch angekündigt)
_Für die Geschwister_ Kendra und Seth Sorensen brechen die letzten Schultage vor den großen Ferien an, als in Kendras Klasse ein neuer Schüler auftaucht. Kendra kann ihren Ekel von Chase Hancock kaum verbergen, denn dieser hat einen kahlen Schädel und das mit Eiterpusteln übersäte Gesicht erinnert an eine aufgeplatzte Kartoffel. Merkwürdig, dass sich alle ihre Mitschüler um Case geradezu zu reißen scheinen. Ihre Freundin Alyssa verliebt sich augenblicklich und Kendra kann dies nur für einen schlechten Scherz halten.
Auch ihr Bruder Seth bemerkt das sonderliche Aussehen von Case nicht, was Kendra die Augen öffnet: Sie ist als Einzige in der Lage, Case‘ wahre Natur zu sehen, folglich muss Case ein Wesen Fabelheims sein. Nach den Erlebnissen im letzten Sommer ist Kendra nämlich in der Lage, Fabelwesen als solche zu erkennen, da sie von den Feen geküsst wurde.
Daraufhin versucht Kendra dringend, ihren Großvater zu erreichen, aber das Telefon scheint defekt und auch die Post, die Kendra an ihren Großvater Stan Sorensen schreibt, scheint nicht den Empfänger zu erreichen.
In ihrer Not nimmt sie die Hilfe von Errol Fisk an, einem Klabauterjäger, der vorgibt, ein alter Freund von Stan zu sein. Laut Errol soll die einzige Möglichkeit, den Klabauter Case loszuwerden, eine Froschstatue sein. Diese besagte Statue soll laut Errol die Kraft haben, Case zur Flucht zu bewegen. Der Einzige, der in der Lage ist, diese Froschstatue zu bekommen, ist Seth. Aufgrund seines Alters kann er den Zauberbann, der diese schützt, überwinden.
In der folgenden Nacht machen sich Errol, Kendra und Seth auf, diese Statue zu stehlen, was Seth auch gelingt, allerdings wird er dabei von der Statue gebissen. Errol sagt Kendra, sie solle Case die Statue als Geschenk überreichen, dann würde er augenblicklich verschwinden. Kendra tut, wie ihr geheißen, und als Case die Statue in den Händen hält, läuft er tatsächlich augenblicklich mit dieser davon.
Später meldet sich dann endlich Großvater Stan bei Kendra und Seth und es stellt sich heraus, dass Errol keinesfalls ein Freund Stans ist, sondern ein Verbündeter der Gesellschaft des Abendsterns, eine der größten Gefahren für die Welt Fabelheims. Kendra und Seth erzählen Stan sofort von der Statue und davon, dass diese Seth gebissen hat. Dies hat furchtbare Konsequenzen für Seth, und er wird nur noch in Fabelheim sicher sein. Die Froschstatue ist nichts Geringeres als ein Dämon namens Ollock der Vielfraß. Daher machen sich Kendra und Seth sofort reisefertig, und Stan schickt eine seiner Verbündeten, Vanessa, um die Kinder abzuholen.
In Fabelheim angekommen, erfahren Kendra und Seth, dass die Gesellschaft des Abendsterns versucht, an das geheimnisvolle Artefakt Fabelheims zu kommen, um die Tore für die Dämonen zu öffnen. Diese sind nur durch die verschiedenen Artefakte, die in den verschiedenen Reservaten für magische Wesen wie Fabelheim versteckt liegen, zu öffnen. Um Fabelheim und das geheime Artefakt zu schützen, hat Stan noch Vanessa, die Züchterin magischer Tiere, Tanu, der Zaubertränke brauen kann, und Coulter, einen Spezialisten für magische Artefakte, zum Schutze Fabelheims hinzugezogen. Außerdem sollen Kendra und Seth von den Dreien lernen.
Während der Suche nach dem Artefakt taucht noch ein weiteres Problem auf: Fremde sind in Fabelheim eingedrungen, unter anderem der Dämon Ollock. Dies kann nur eines bedeuten: Verrat! Das Reservat kann nämlich nur betreten werden, wenn man in das Besucherbuch eingetragen ist!
_Kritik_
Mit „Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns“ hat Brandon Mull den spannenden und fantastischen zweiten Teil seiner All-Age-Saga rund um Fabelheim geschrieben. Langsam nimmt das Buch zunächst an Fahrt auf, um, kaum in Fabelheim angekommen, rasant an Geschwindigkeit zuzulegen. Mit seinen schrägen Ideen und einem herrlich leicht zu lesenden Schreibstil erschafft der Autor eine fantastische Welt, die sich mit der Realität vermischt.
Der Spannungsbogen beginnt schön gemächlich, um sich dann bis zum Finale rasant aufzubauen und den Leser so auf eine spannende, fantasievolle und überzeugende Reise mitzunehmen. Der Plot schließt sich dem ersten Teil an, und man lernt die Bewohner, magisch wie menschlich, besser kennen, und auch neue Gesichter tauchen auf.
Die einzelnen Protagonisten sind einleuchtend konzipiert, sympathisch und anziehend ausgearbeitet. Die Helden dieser Geschichte sind die Geschwister Kendra und Seth; beide haben sich glaubwürdig weiterentwickelt und sind auch reifer geworden. Kendra, die aufgrund der Ereignisse im ersten Teil feenartig geworden ist, probiert ihre neuen Fähigkeiten aus und erlernt Neues, zudem ist sie der vernünftige Part der beiden Geschwister. Detailreich und lebendig beschrieben, macht sie einen liebenswerten Eindruck, und man fiebert mit der kleinen Heldin mit. Ihr Bruder Seth ist in diesem Teil ein wenig vernünftiger geworden und hat nicht mehr allzu viele Flausen im Kopf; so wird auch er sympathischer und sein Mut ringt dem Leser Bewunderung ab.
Die Großeltern der beiden, Stan und Ruth, sind ebenfalls herzlich in ihrem Wesen, beiden fehlt es aber dennoch etwas an Tiefe, was der Geschichte aber keinen Abbruch tut. Die neuen Charaktere Vanessa, Tanu und Coulter sind recht geheimnisvoll gezeichnet. Noch mehr Raum könnte den mystischen Fabelwesen zustehen. Die Geschichte spielt zwar in Fabelheim, trotzdem sind diese Wesen teilweise nur schwache Randfiguren, die kaum erklärt werden.
„Die Gesellschaft des Abendsterns“ ist eine äußerst gelungene Fortsetzung der „Fabelheim“-Serie, die es versteht, den Leser zu fesseln und infolge der Ereignisse bis zur letzten Seite kaum loslässt. Auch wenn manche Protagonisten noch leichte Schwächen haben, werden Fabelheim und seine menschlichen Bewohner greifbar und quicklebendig präsentiert. Der Autor versteht es, die einzelnen Geschehnisse scharfsinnig und deutlich miteinander zu verweben, so dass ein absolut lesenswertes Gesamtbild erscheint.
_Fazit_
Brandon Mull hat mit „Fabelheim – Die Gesellschaft des Abendsterns“ eine würdige Fortsetzung zu „Fabelheim“ geschaffen, die Erwachsene sowie jugendliche Leser in den Bann ziehen wird. Allen Fantasy-begeisterten Lesern kann ich diesen durch neue Ideen gewürzten Roman nahelegen. Man sollte allerdings auch den ersten Teil gelesen haben.
Ansonsten bleibt nur zu sagen: Brandon Mull versteht sein Handwerk, und ich hoffe, dass bald der nächste Teil erscheinen wird.
_Autor_
Der internationale Bestsellerautor Brandon Mull hat schon von Kindheit an davon geträumt, eines Tages ein erfolgreicher Schriftsteller zu sein – ein Traum, der sich bereits mit der Veröffentlichung seines Debütromans erfüllt hat. Sechs Monate nach Erscheinen der amerikanischen Ausgabe von „Fabelheim“ konnte er seinen Angestellten-Job an den Nagel hängen und widmet sich seither ausschließlich dem Schreiben. Mull lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in einem friedlichen kleinen Tal, unweit der Mündung eines Canyons. (Verlagsinfo)
|Taschenbuch: 448 Seiten
Originaltitel: Rise of the Evening Star
Aus dem Englischen von Hans Link
ISBN-13: 978-3764530358|
[www.randomhouse.de/penhaligon]http://www.randomhouse.de/penhaligon
3000 Jahre nach dem III. Weltkrieg sieht sich die neu entstandene Zivilisation durch mutierte Nachkommen der alten Herrscherkaste aus dem Untergrund bedroht … – Die inhaltlich bekannte Geschichte vom bedrohlichen Erbe einer gewaltreichen Vergangenheit wird als spannendes Abenteuer erzählt und angenehm kurz gehalten: kurzweilige „Post-Doomsday“-SF schon älteren Datums, die auf politisch korrektes Moralisieren gänzlich verzichtet. Charles L. Harness – Die in der Tiefe weiterlesen →
_|Hex Hall|:_
Band 1: „Hex Hall – Wilder Zauber“
Band 2: „Hex Hall – Dunkle Magie“ (erscheint im März 2011)
Band 3: „Triple Hexxx“ (vorläufiger Titel, erscheint 2012)
_Die 16-jährige Sophie Mercer_ ist eine Hexe. Sie lebt zusammen mit ihrer Mutter, einer Normalsterblichen, während ihr Vater Vorsitzender des Rates der Prodigien ist. Ihren Vater hat Spohie allerdings nie kennengelernt, da ihre Mutter sich schon vor ihrer Geburt von ihrem Vater getrennt hat.
Als Sophie für eine ihrer Mitschülerinnen einen Liebeszauber wirkt, der gründlich in die Hose geht, beschließt ihr Vater, sie in Hecate Hall, kurz Hex Hall, einer Besserungsanstalt für junge Prodigien (Hexen, Zauberer, Feen, Gestaltenwandler), unterzubringen, schließlich ist es nicht das erste Mal, dass Sophie mit einem ihrer Zauber auffällig wird. Sie und ihre Mutter mussten bereits 19-mal aufgrund fehlgeschlagener Zauber von Sophie notgedrungen umziehen.
Sophies Mutter bringt sie auf die Insel Greymalkin Island, wo das Internat Hecate Hill bereits 1854 erbaut wurde. Als Sophie dann in Hex Hall ankommt, gerät sie sofort in Schwierigkeiten, denn ein Gestaltenwandler greift sie an. Der gutaussehende Zauber Archer Cross rettet sie, nicht ohne sie danach zu verspotten, was für eine schlechte Hexe sie wäre.
Ihr Zimmer soll sich Sophie mit Jenna Talbot, der einzigen Vampirin in Hex Hall, teilen. Diese zeigt Sophie dann auch direkt ihr gemeinsames Zimmer, das zu Sophies Überraschung komplett in Pink gehalten ist. Sophie richtet sich ein wenig ein und geht dann auf Entdeckungsreise. Kurz darauf versuchen die drei dunklen Hexen Anna Gilroy, Chaston Burnett und Elodie Parrisdie, sie für ihren Hexenzirkel zu gewinnen. Diese sind Sophie allerdings nicht sehr sympathisch, so dass sie erst einmal ablehnt.
Sophie freundet sich stattdessen mit Jenna an. Dieser wird nachgesagt, ihre Freundin Molly im letzten Jahr getötet zu haben, was Jenna allerdings abstreitet. Als wieder Morde an Hex Hall geschehen, wird Jenna natürlich wieder verdächtigt. Auch diesmal besteht Jenna auf ihre Unschuld, und Sophie glaubt ihr das. Aber wer tötet auf Hex Hall?
_Kritik_
Mit „Hex Hall – Wilder Zauber“ hat Rachel Hawkins den gelungenen Auftakt zu einer neuen, mystischen Internatsserie geschrieben. Der jugendliche Schreibstil der Autorin erschafft eine mystische Welt voller Fabelwesen, in die man schnell eintauchen kann. Ab der ersten Seite wird ein Spannungsbogen erzeugt, der den Leser an die Welt von Hex Hall fesselt und nicht mehr loslässt. Trotzdem der Plot nichts wirklich Neues ist, versteht es die Autorin, eine eigene Welt zu kreieren, die mit neuen Ideen hervorsticht. Romantik und eine Prise Witz vervollständigen das Bild dieses spannenden Romans.
Die Geschichte ist leicht zu lesen und passt mit der jugendlichen, unverfälschten Sprache hervorragend zu der jungen Protagonistin Sophie. Erzählt wird das Ganze aus der Sicht von Sophie, was natürlich eine enge Bindung zu diesem Charakter schafft, und so kann der Leser den Gefühlen und Handlungen dieser Person gut folgen.
Die Figuren sind einnehmend, glaubwürdig und lebendig aufgebaut und bekommen den für die Geschichte nötigen Raum zugestanden. Manchmal fehlt es zwar bei manchen Figuren noch an Tiefe, aber da es der erste Roman dieser Reihe ist, bleibt in den weiteren Teilen hoffentlich noch Zeit, auch diese zu erreichen. Sophie, die junge Protagonistin, ist der wohl gefestigste Charakter. Liebenswert und chaotisch, wird sie sehr lebensnah beschrieben und die Leser bekommen direkten Zugang zu ihr. Ihre Freundin Jenna wird uns mit ihren Ängsten, die sie hinter viel Pink versteckt, ebenso nahegebracht. Als einzige Vampirin hat sie es nicht leicht. Sophies Retter und heimliche Liebe Archer ist ebenfalls einnehmend konzipiert, allerdings bleiben bei ihm schon ein paar Fragen offen. Die übrigen Nebencharaktere lernt man nur wenig kennen, allerdings war dies für die Geschichte annehmbar.
Rachel Hawkins hat eine zauberhafte Welt geschaffen, in der einige Fabelwesen ihr Zuhause finden. Hex Hall und seine Bewohner werden anschaulich und für den Leser begreifbar beschrieben und zeigen einiges an neuen Ideen auf. Auf jugendliche Leserinnen ab 14 Jahren ausgerichtet, bietet dieser Jugendroman alles, nötig ist, um zu fesseln und Lust auf mehr zu machen. Aber auch bereits erwachsene Leser können an diesem Roman viel Freude und kurzweiligen Lesespaß haben.
_Fazit_
Rachel Hawkins hat mit „Hex Hall – Wilder Zauber“ ein fantastisches Debüt vorgelegt, das den Leser zu fesseln weiß. Dieser Roman bietet neben dem spannenden Hauptplot Witz und Romantik in der richtigen Mischung.
Auf den im März 2011 erscheinenden zweiten Teil „Hex Hall – Dunkle Magie“ kann man sich nach diesem spannenden ersten Teil nur freuen.
_Die Autorin_
Rachel Hawkins wurde in Virginia geboren und ist in Alabama aufgewachsen. Nach dem Studium arbeitete sie zunächst als Englischlehrerin und begann 2007 zu schreiben. „Hex Hall – Wilder Zauber“ ist ihr Debüt als Fantasy-Autorin. (Verlagsinfo)
|Taschenbuch: 295 Seiten
Originaltitel: Hex Hall
Aus dem Englischen von Michaela Link
ISBN-13: 978-3802582394|
[www.egmont-lyx.de]http://www.egmont-lyx.de
[www.rachel-hawkins.com ]http://www.rachel-hawkins.com
_Der Sohn des Sehers:_
Band 1: [„Nomade“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6314
Band 2: _Lichtträger_
Band 3: Renegat (September 2010)
_Awin ist es gelungen_, den Heolin zurückzuerlangen. Doch der Preis, den er dafür zahlen muss, ist hoch: Die Kette, die die Göttin Xlifara Slahan in der Wüste festgehalten hat, ist gerissen. Die Göttin ist über das Land der Hakul hergefallen und hat in ihrem Zorn zahllose Lager der verschiedensten Klans und Stämme vernichtet. Aber nicht alle Bewohner wurden dabei getötet. Einige hat die Göttin verschleppt, darunter Awins Schwester Gunwa. Nun ist Xlifara Slahan auf dem Weg nach Osten. Aber … was will sie dort?
_Inzwischen hat Awin_ längst erkannt, dass Curru ein miserabler Seher ist und vor allem, dass er die Wahrheit ständig zu seinem eigenen Vorteil zurechtbiegt. Dennoch ist Awins Selbstbewusstsein erneut schwer angeschlagen, denn seit seiner Begegnung mit der Göttin der Wüste hat er keinen einzigen Traum gehabt, und alle seine Versuche, eine Seelenreise zu unternehmen, sind fehlgeschlagen. Außerdem ist er noch immer sehr jung und wird deshalb von vielen erwachsenen Kriegern nicht ernst genommen.
Curru dagegen entwickelt noch wesentlich mehr Ehrgeiz, als ich am Ende des letzten Bandes befürchtete. Nicht nur, dass er ein Auge auf den Heolin geworfen hat, er hat sich auch in den Kopf gesetzt, den unausgeglichenen und eingebildeten jungen Eri an Stelle des grausamen Horket zum Heredhan aller Horkul zu machen.
Harmin, der Schmied des Fuchsclans, der im ersten Band seinem eigenen Yaman so viel Scherereien gemacht hat, kann Curru nicht ausstehen, Awin dafür umso mehr. Er bietet ihm sogar seine Enkelin und eine Aufnahme in den Fuchsclan an. Einerseits kann Awin die Unterstützung des geachteten und einflussreichen Mannes gut gebrauchen, andererseits ist Harmin ein misstrauischer Hackklotz, der – ganz gleich, in welcher Situation – immer als allererstes daran denkt, sein Gegenüber ins Jenseits zu befördern!
So ist die Charakterzeichnung insgesamt etwas durchwachsen geraten. Awin ist gut gelungen, hat sich aber nicht übermäßig stark entwickelt. Curru dagegen ist zielsicher ins Klischee abgerutscht, allerdings weniger in das des kaltschnäutzigen Bösewichts als in das des größenwahnsinnigen. Dieser Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass der Leser von seinen Gedanken nichts erfährt, da die Erzählsicht konsequent jederzeit bei Awin bleibt. Harmin war vor allem anstrengend, aber das sind alle Hakul.
Die Nebencharaktere – wie zum Beispiel Raschek Mahuk – reichen kaum über Skizzen hinaus. Das war schade, denn die geballte Masse an Hakul, die in diesem Band auftauchte, reizte mich auf Dauer doch ziemlich.
_Die Handlung_ entwickelt sich zu Beginn recht viel versprechend; der Autor knüpft geschickt an das Ende des ersten Bandes an, ohne selbiges noch einmal genauer nachzuerzählen. Als Awin sich auf den Weg macht, die verschleppten Stammesbrüder zu befreien, stellte ich mich auf eine Menge Abenteuer ein, wurde aber zunächst enttäuscht. Eine dieser selbsterfüllenden Prophezeiungen, die mich immer den Kopf schütteln lassen, sorgte dafür, dass Awin mit seinen Begleitern zur Versammlung der Hakul reitet, wo sofort alles in einem Sumpf von Gezänk und Intrigen versank. Eigentlich hab ich ja nichts gegen eine gut gemachte Intrige, aber die Art und Weise von Curru und einem anderen Seher namens Isgi, die Wahrheit bis hin zur glatten Lüge zu verdrehen und zu verbiegen, kombiniert mit der hakul’schen Streitsucht, ging mir bald gehörig auf die Nerven. Uderzos und Goscinnys Korsen sind harmlos dagegen!
Erst als Awin die Versammlung wieder verließ, wurde die Handlung erträglicher, denn jetzt war Harmin wenigstens der einzige Streitsüchtige! Der Showdown war dann durchaus lebhaft und actiongeladen, und der überraschende Schluss verlieh diesem zweiten Band zusätzlichen Pfiff. Auch wenn ich nicht behaupten kann, dass ich mir vor lauter Spannung die Fingernägel abgekaut hätte, fand ich diese letzten Seiten doch ganz gelungen.
Für einen Ausbau des mythologischen und geschichtlichen Hintergrundes war diesmal offenbar kein Platz, was ich ebenfalls schade fand. Einige Infos mehr über die Riesen, über die Alte Macht oder die Festung Pursu wären angenehmer gewesen als das Gegifte einer Horde Streithähne und hätte die Handlung etwas bunter und abwechslungsreicher gestalten können. Auch Verbindungen zur Trilogie |Die Tochter des Magiers| waren hier sehr dünn gesät. Nur eine einzige Andeutung könnte sich eventuell auf Maru beziehen, bisher spielt sie selbst aber keinerlei Rolle in Awins Geschichte, und inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher, ob sie das überhaupt tun wird. Noch gibt es keinen Grund dafür oder gar eine Notwendigkeit. Der Autor hat sich in dieser Hinsicht sämtliche Möglichkeiten offen gehalten; dem Leser bleibt also nichts anderes übrig als sich überraschen zu lassen.
_Alles in allem_ fand ich diesen zweiten Band nicht ganz so gut wie den ersten. Das liegt aber weder an den sprachlichen Qualitäten des Textes noch an seinem Inhalt. Objektiv betrachtet, sind die Verwicklungen auf der Versammlung durchaus nicht uninteressant, und meine Abneigung gegen diesen Teil entspringt vor allem der Tatsache, dass ich all den Händel, den die Hakul wegen jeder Kleinigkeit ständig vom Zaun brechen, einfach unerträglich kindisch finde. Allein die Entwicklung Currus, der von einem eitlen und hochmütigen Mann zum Größenwahnsinnigen wird, gefiel mir nicht so gut. Zwar hat der Autor diesen Vorgang so gut beschrieben, wie es auf der Basis seines Erzählmodus‘ möglich war. Dennoch gibt es einfach zu viele größenwahnsinnige Bösewichte, und Curru entwickelt durch seine fehlenden Gedanken und Gefühle nicht genug eigene Persönlichkeit, um aus diesem Klischee herauszuragen. Damit wird der Leser nun wohl leben müssen. Ich hoffe daher, dass sich der dritte Band etwas mehr auf Eri als auf Curru konzentriert, obwohl Letzterer sicherlich noch einmal auftauchen wird.
_Torsten Fink_ war Journalist und Texter, unter anderem für literarisches Kabarett, ehe er 2008 sein erstes Buch „Die Insel der Dämonen“ veröffentlichte. |Die Tochter des Magiers| war sein erster Mehrteiler, an den |Der Sohn des Sehers| anknüpft. Der letzte Band der Trilogie |Der Sohn des Sehers| erscheint im September 2010 unter dem Titel „Renegat“.
Vorgeschichte: _1_ [Der letzte Wunsch 3939
Vorgeschichte: _2_ [Das Schwert der Vorsehung 5327
_Roman 1_: [Das Erbe der Elfen 5334
_Roman 2_: [Die Zeit der Verachtung 5751
_Roman 3_: [Feuertaufe]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5966
_Roman 4: Der Schwalbenturm_
Ciri hat sich, wie es scheint verlassen von aller Welt, einer Bande jugendlicher Krimineller angeschlossen. Aber letztlich kann auch ihre neue Identität als Falka und die Freundschaft der anderen Bandenmitglieder sie nicht vor den Scharen an Häschern schützen, die alle möglichen Leute auf sie angesetzt haben.
Geralt weiß, im Gegensatz zu anderen, immer noch nicht, wo Ciri eigentlich steckt. Auf seiner eher planlosen Suche muss er sich nicht nur mit diversen Heeren – freundlichen wie feindlichen – herum schlagen, es wartet auch ein Hinterhalt auf ihn. Wobei an diesem Hinterhalt wesentlich mehr dranhängt als nur eine persönliche Rechnung.
Yennefer schließlich hat sich geweigert, sich Philippa Eilharts Loge anzuschließen, und versucht, Ciri auf eigene Faust zu finden. Mit fatalen Folgen …
Leider spielt Philippas Loge in diesem Band eher eine Nebenrolle, weshalb die beiden nilfgaardischen Zauberinnen Assire und Fringilla kein einziges Mal auftauchen. Statt dessen gibt es zwei weitere Neuzugänge, auf die der Autor zumindest ein wenig genauer eingeht.
Vysogota ist ein alter Einsiedler. Der gelehrte Mann war einst Arzt und unterrichtete an der Universität von Oxenfurt, ehe er sich mit seinen philosophischen Ansichten sowohl im Norden als auch in Nilfgaard unbeliebt machte. Aber abgesehen von seinem medizinischen Wissen ist es vor allem seine Güte, die Ciri das Leben rettet. Trotz aller Unbill, die Vysogota widerfahren ist, ist er ein Menschenfreund und ein Verfechter humanitärer und ethischer Grundsätze.
Bonhart ist das genaue Gegenteil von Vysogota. Der Kopfgeldjäger scheint nur weniger Gefühle fähig zu sein, dazu gehören Zorn, Häme und Lust an der Gewalt. Abgesehen davon ist er nicht dumm. Dass er außerdem in der Lage ist, Ciri trotz ihrer Hexerausbildung im Zweikampf zu besiegen, macht ihn zu einem ausgesprochen gefährlichen Gegner. Und auch zu einem recht geheimnisvollen, denn wie kommt es, dass Bonhart |noch| schneller ist als Ciri?
Echte Charaktertiefe aber lässt sich diesen beiden wohl ebenso wenig bescheinigen wie Assire und Fringilla. Vysogota ist hauptsächlich damit beschäftigt, Ciri zuzuhören. Für ihn selbst blieb da nicht allzu viel Raum, so dass er über den gütigen, alten Retter nicht hinaus kommt. Bonhart dagegen hat schlicht nicht genug Charakter für so etwas wie Tiefe, abgesehen davon liegen seine Herkunft und seine Motive noch im Dunkeln, so dass er außer Grausamkeit und Hartnäckigkeit nur Fragen bietet.
Es mag allerdings auch daran liegen, dass das Gesamtgeschehen allmählich ziemlich ausufert. Tatsächlich haben sich die Handlungsfäden inzwischen derart weit aufgefächert, dass es einfach nicht mehr möglich ist, alle gleich stark zu gewichten. So hat zum Beispiel die bisher so geschlossen wirkende Gesellschaft der Nilfgaarder einen tief gehenden Riss bekommen. Außerdem mischt sich Vilgefortz, der nach den Ereignissen auf Thanned in der Versenkung verschwunden schien, wieder öfter ein. Und das Gewirr von Intrigen und Interessen wird dadurch, dass diverse Opportunisten lustig die Seiten wechseln, nicht gerade einfacher.
Endgültig kompliziert wird das alles durch die Art, wie Sapkowski erzählt: Mal in Rückblenden, mal in Echtzeit, und so gut wie niemals gleichzeitig. Die Szenen auf den Skellige Inseln gegen Ende des Buches zum Beispiel liegen zeitlich vor den Ereignissen um Geralt, um die es in der Mitte des Buches geht. Und der Zeitpunkt, zu dem die junge Häscherin namens Kenna vor Gericht aussagt, liegt fast ein Jahr |nach| dem Zeitpunkt der Echtzeit.
In diesem vierten Band hat der Autor seinen Lesern nichts geschenkt.
Betrachtet man hingegen das, was sich im Laufe des Buches tatsächlich ereignet hat, so ist das nicht allzu viel. Jedenfalls nicht, wenn man es auf die verschiedenen Handlungsstränge verteilt betrachtet. Ciri erzählt, wie sie von der Bande der Ratten zu Vysogota gekommen ist. Von diesem Zeitraum, der gerade mal zwei Wochen umfasst, werden nur Ausschnitte genauer geschildert. Der Handlungsstrang um Geralt umfasst teilweise eine Rückblende auf das Ende des Vorgängerbandes in Form von Rittersporns Erinnerungen, die er zu Papier bringt. Der Rest spielt zeitgleich dem Handlungsstrang um Ciri, umfasst aber ebenfalls nur Ausschnitte dieses Zeitraums und beschäftigt sich größtenteils mit dem Hinterhalt. Der Handlungsstrang um Yennefer ist der kürzeste und scheint eher als Cliffhanger zum nächsten Band zu dienen.
Aber obwohl sich die Handlung nicht allzu sehr weiterentwickelt, geht es doch recht heftig zur Sache. Der Strang um Geralt beinhaltet, neben einigen verbalen Geplänkeln, hauptsächlich das übliche Hauen und Stechen. Ciris Handlungstrang dagegen wartet diesmal mit ausgesprochen drastischer Brutalität auf, nicht nur, was spritzendes Blut und hervorquellende Gedärme angeht. Bonhart ist schon ein ganz besonders unangenehmer Bursche. Zusammen mit Vilgefortz liefert er sich ein heißes Rennen um den Titel der unbeliebtesten Figur im ganzen Zyklus. Diese geballte Ladung an Brutalität empfand ich als äußerst grenzwertig. Eigentlich schon darüber. Vor allem, weil sie in keiner Weise dazu beitrug, Spannung zu erzeugen.
Tatsächlich war Spannung in diesem Band eher spärlich gesät. Der Anfang zog sich ein wenig, es dauerte, bis ich mich so weit eingelesen hatte, dass ich wirklich in die Geschichte eintauchte. Das lag vor allem an den vielen unterschiedlichen Erzählzeiten, die nicht nur bei jedem neuen Handlungsstrang wechselten, sondern auch meist nicht parallel zum vorigen verliefen. Der Handlungsstrang um Geralt und den Hinterhalt beginnt auf Seite fünfundneunzig, und ganze einhundert Seiten später und nach drei kurzen und einer sehr langen Unterbrechung kommt die Angelegenheit allmählich in Fahrt – nachdem der Autor diesem Strang endlich mehrere zusammenhängende Seiten widmet. Kein Wunder, dass erst die Verfolgungsjagd auf den letzten vierzig Seiten echte Spannung bringt, und selbst die ist noch durch Rückblenden unterbrochen. So interessant die vielen Verwicklungen der einzelnen Stränge untereinander auch sind, der komplexe und zeitlich komplizierte Aufbau bremst den Fortschritt innerhalb der Handlung einfach zu sehr aus.
Dazu kommt, dass gelegentlich aus der Perspektive von Personen erzählt wird, die teilweise nicht einmal als Nebenfiguren bezeichnet werden können, so zum Beispiel Hotsporn, aber auch Kenna oder Rience. Diese Personen sind nur grob skizziert und bieten daher kaum Identifikationspotential. Wer fiebert schon mit einer völlig unwichtigen Randfigur mit?
Alles in allem hat mir dieser vierte Band nicht so gut gefallen wie seine Vorgänger. Eine Vielzahl an Handlungssträngen ist für mich kein Problem, aber die häufigen Wechsel zwischen ihnen, kombiniert mit verschiedenen Zeitebenen, machten das Lesen doch etwas mühsam. Und die Menge an brutalen Einzelheiten war kein Ersatz für das etwas zähe Fortschreiten der Handlung und die fehlende Spannung. Bleibt zu hoffen, dass die Fortsetzung zumindest ein paar interessante Antworten auf die vielen neuen Fragen aus diesem Band bietet. Wenn sich außerdem noch ein paar der vielen feinen Fäden wieder zu etwas dickeren, und dafür weniger Fäden zusammen fänden, täte das dem Erzähltempo und damit auch der Spannung wahrscheinlich nur gut. Und vielleicht fände sich dann auch noch etwas mehr Raum für ursprünglich interessant angelegte und dann etwas vernachlässigte Charaktere wie die beiden nilfgaardischen Zauberinnen.
Andrzej Sapkowski ist Literaturkritiker und Schriftsteller und nebenbei Polens bekanntester Fantasy-Autor. Der Hexer-Zyklus diente bereits als Grundlage für einen Kinofilm und eine Fernsehserie sowie für das polnische Rollenspiel „Wiedzmin“. Auch das Computerspiel „The Witcher“ stammt von Sapkowski, ebenso die Narrenturm-Trilogie um die Abenteuer des jungen Medicus Reinmar von Bielau.
|Taschenbuch: 543 Seiten
ISBN-13: 978-3423247863|
Originaltitel: |Wieza Jaskolki|
Aus dem Polnischen von Erik Simon
http://www.der-hexer.de