Einfallsreich und bewegend: Mit der Armada nach Hiroshima
„Geschöpfe der Sonne“ ist die erste Sammlung mit Geschichten des vielseitigen Science Fiction Autors Kim Stanley Robinson. Sie enthält eine wichtige preisgekrönte Story mit dem Titel „Schwarze Luft“, die seinerzeit sogar Storys von William Gibson von den ersten Plätzen verdrängte. Diese Geschichten entstanden in einem Zeitraum von zehn Jahren, wie der Autor in seiner Einleitung schreibt. In ihnen mischen sich Elemente aus Science Fiction, Fantasy und Kriminalerzählung. Kim Stanley Robinson – Geschöpfe der Sonne. Erzählungen weiterlesen →
Die Westmark-Trilogie in nach den „Prydain-Chroniken“ um Taran ein weiterer interessanter Zyklus von Lloyd Alexander. Die Neuausgabe erscheint bei |Bastei Lübbe| in einer schönen Aufmachung im Taschenbuchformat. Der Schauplatz ist diesmal nicht ein Fantasy-Wales aus grauer Vorzeit, sondern eher das 17. oder 18. Jahrhundert irgendwo in Europa. „Der Turmfalke“ setzt das Geschehen aus „Der Setzerjunge“ direkt fort.
Theo reist im Auftrag der neuen Königin Augusta durch das Königreich Westmark und lernt viel Neues über das Land. Die Armen werden von den Adligen ausgebeutet. Zwei Dinge überraschen ihn: ein Pistolenschuss, der seine Brust trifft – und der Ausbruch des Krieges mit dem Nachbarkönigreich Regia.
_Der Autor_
Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der „Chroniken von Prydain“, des Taran-Zyklus‘. Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen sprechen zu kommen.
Die Westmark-Trilogie, die der |Bastei-Lübbe|-Verlag mit „Der Setzerjunge“ beginnt, ist ebenso abenteuerlich, hat aber weitaus mehr politische Untertöne: Sie spielt in einem Phantasieland, das auf dem technischen Stand des 17. bis 18. Jahrhunderts ist und über ein Feudalsystem beherrscht wird. Der erste Band wurde laut Verlag mit dem |American Book Award| ausgezeichnet.
Die Westmark-Trilogie:
1. [Der Setzerjunge 760 (09/2004)
2. Der Turmfalke (01/2005)
3. Die Bettlerkönigin (02/2005)
_Handlung_
Im Vorgängerband gelang dem Freundespaar Theo, dem Setzerjungen, und Bohnenstange, der verloren gegangenen Prinzessin Augusta, die Palastrevolution. Sie ist mittlerweile die Thronfolgerin und er der designierte Prinzgemahl. Sobald Augustas Vater, der König, gestorben ist, werden sie zusammen das Königreich Westmark regieren. Die Prinzessin gibt Theo den Auftrag, das Land erkunden, um herauszufinden, wie die Dinge dort stehen. Sie will nämlich das Land reformieren.
Nun hat sich Theo umgesehen, und sein Fazit fällt ziemlich negativ aus. Die korrupten und moralisch verkommenen Adligen nutzen ihre in Generationen erworbenen oder geraubten Privilegien dazu aus, die eh schon arme Landbevölkerung noch weiter auszubeuten. Was Theo nicht ahnt: Augusta will diese Privilegien in Rechte auf gesetzlicher Grundlage umwandeln, aber das hat Adlige wie den Baron Montmollin in das feindliche Lager getrieben.
Montmollin und der Oberbefehlshaber des Heeres haben sich mit dem Königreich Regia verbündet, um Westmark zu erobern und ihre Machtstellung dort auszubauen. Herzog Konrad von Regia ist nur zu gern dazu bereit. Sobald er Westmark in der Hand hat, wird er die Verräter aufknüpfen lassen. Schließlich kann man ihnen nicht vertrauen, oder? Der junge König von Regia, Konstantin, wird nicht nach seiner Meinung gefragt. Er findet Krieg einfach nur aufregend. Deshalb spielt er so gern mit Zinnsoldaten. Der Krieg in Westmark dürfte höchstens ein paar Wochen dauern, denken die Regianer.
Als Theo, der gerade in einem Landgasthaus in der Provinz logiert, die Nachricht erreicht, dass der König gestorben sei, bricht er sogleich auf, um seiner „Bohnenstange“ beizustehen. Im Gasthaus hat er einen der Untergrundkämpfer aus Freyborg wiedergetroffen, doch mit den Leuten des Rebellenführers Florian will Theo vorerst nichts zu tun haben. Er will mit der Prinzessin das Land auf friedlichem Wege reformieren. Doch ein unerwarteter Schuss aus der Pistole eines Schergen der Verräter setzt seinem Weg ein jähes Ende. Die Rebellen retten ihn aus der Lebensgefahr und bringen ihn in die Hügel, wo sie ihr Lager aufgeschlagen haben. Theo fragt sie, was sie hier wollen. Ihr Anführer Justin sagt, dass etwas im Busch sei.
Was da im Busch ist, ist die regianische Invasion. Doch sie verläuft ganz anders als geplant. Denn Bohnenstange hat sich aus dem Palast geschlichen, um ihren Freund Theo zu suchen. Und als sie an der wichtigsten Brücke über den Fluss Carla angekommen ist, da sieht sie die geschlagenen Fußtruppen über die Straße und die Brücke strömen. Es sind hauptsächliche Deserteure. Aber ehrenhafte Deserteure, denn nicht sie haben ihre Offiziere verraten, sondern die Offiziere sind zum Feind übergelaufen, und bei diesem Hochverrat wollten die Soldaten nicht mitmachen.
Bohnenstange gibt sich als die neue Königin zu erkennen und übernimmt das Kommando über den führungslosen Haufen. Verfolgt von der Vorhut der Regianer, fliehen die Westmarker über die Brücke. Bohnenstange lässt die Brücke in einem tollkühnen Manöver in die Luft jagen. Der Weg nach Karlsbruch ist den Regianern nun versperrt. Schon bald müssen sie feststellen, dass sie sich zwischen zwei Fronten befinden: Bohnenstanges Truppen auf der einen Seite und die Rebellen in den Hügeln auf der anderen.
Dieser Krieg scheint kein Picknick zu werden, sondern könnte im Gegenteil ziemlich lange dauern.
_Mein Eindruck_
Nach dem eher heiter-ironischen Geplänkel im ersten Band geht es in der Fortsetzung richtig heftig zur Sache. Obwohl sich Theo und Bohnenstange einen friedlichen Wandel gewünscht hätten, so haben sich doch die politischen Kräfte in Westmark gegen sie verschworen. Es gibt Krieg, und zwar nicht den Krieg der Schlachten, in denen Armeen aufeinander eindreschen, sondern den Krieg der Partisanen, die die regianischen Invasionstruppen vom Nachschub abschneiden und sich so mit Proviant und Munition versorgen.
Doch schon bald wendet sich der Krieg gegen die Zivilbevölkerung. Die Regianer besorgen sich ihren Proviant bei den Einheimischen und wer aufmuckt, wird aufgeknüpft. Das hat zur Folge, dass die Partisanen ständig neuen Zulauf bekommen, aber es reicht nicht für die offene Feldschlacht. Die Ernte fällt aus, weil keiner mehr sät und pflügt. Der Krieg wird für die Regianer immer teurer, doch es gibt lange keinen Durchbruch, denn auch die Truppen der Königin liefern keine Feldschlacht, sondern räumen eine Stadt nach der anderen. Bohnenstange sind lebende Soldaten lieber als heldenhafte, aber tote.
|Kein Taugenichts|
Theo steckt bei den Rebellen mittendrin und er steigt bis zum Truppenkommandeur auf: Er gibt sich den Decknamen „Turmfalke“, daher der Buchtitel. Theo ist, obwohl eine Vollwaise, ein aufgeweckter Bursche, der trotz seiner Jugend schon über ein ausgebildetes moralisches Gewissen verfügt. Diese Ansichten, die im 1. Band immer wieder auf die Probe gestellt wurden, hat er sich einerseits aus den gelehrten Büchern von Lehrmeister Antons Bibliothek angelesen, andererseits auch immer wieder mit seinem Lehrmeister und Mentor diskutiert.
|Absolutismus|
Dazu gehören Grundsätze, die für uns seit der Aufklärung im 18. Jahrhundert selbstverständlich geworden sind. Doch zu Theos Zeiten ist das herrschende Gesellschafts- und Regierungsystem der absolutistische Feudalismus: Alles muss nach der Pfeife des Königs tanzen – oder zumindest nach der seines Premierministers. Die Königin hat leider nichts zu melden, und der Leibarzt des Königs, ein rechtschaffener Freidenker, wurde vom Hofe verbannt. Nun muss Dr. Torrens als neuer Premierminister zu seinem Bedauern die Freiheit von Presse und Buchdruckern einschränken, um die Moral im Lande aufrechtzuerhalten. Wie stets gilt auch hier: Im Krieg stirbt die Wahrheit zuerst.
Die Zustände in Westmark und Regia erinnern stark an die französischen Verhältnisse im 17. und 18. Jahrhundert. Natürlich versucht der Autor in seinem Jugendroman keine Gesellschaftsanalyse, geschweige die Schilderung einer Revolution. Vielmehr dürften sich die jungen amerikanischen Leser, an die sich dieses Buch zunächst richtete, an die Zeiten vor dem Unabhängigkeitskrieg erinnert fühlen, also an die Kolonien vor 1776. Die Leser dürften wie ihre Vorväter die Abschaffung des unterdrückenden Systems herbeigesehnt haben.
|Etwas Neues|
In „Der Turmfalke“ sitzen sich schließlich die siegreichen Anführer gegenüber: die Königlichen einerseits, Florian mit seinen Partisanen andererseits. Theo sitzt irgendwie zwischen den Stühlen. Sie baldowern aus, welche Staatsform Westmark künftig haben soll. Florian kassiert alte Schulden bei Theo, Bohnenstange macht wie immer unkonventionelle Vorschläge. Die Revolution findet im Sitzungssaal statt. So könnte es auch seinerzeit 1783 nach dem Sieg der amerikanischen Rebellen über die englischen Kolonialherren in Philadelphia ausgesehen haben. Man hatte sich eine Regierungsform zu geben. Und man gab sich etwas, das es seit über 2000 Jahren nicht mehr gegeben hatte: eine Demokratie.
|Fantasy? Welche Fantasy?|
Der Leser darf sich zu Recht fragen, warum dieser Jugendroman in einer Fantasyreihe erscheint. Bislang sind nämlich weder Zauberer noch Ritter noch irgendwelchen Wunderwesen aufgetreten – und das ändert sich auch in Band 2 nicht. Aber wenigstens gibt es einen – nicht ganz genau definierten – kulturellen und geschichtlichen Hintergrund, der wie für ein Märchen geschaffen ist. Der Schauplatz könnte irgendwo in den USA oder in Westeuropa liegen. Die Namen sind englisch, französisch, sogar deutsch und italienisch. Es ist eine Schnittmenge, die sich der Autor aus dem 18. Jahrhundert zusammengesucht hat. Der Vorteil für den jungen amerikanischen Leser: Er braucht sich nicht in der verworrenen Geschichte Europas auszukennen, um das Buch verstehen zu können, bekommt aber dennoch einen zutreffenden Eindruck davon, wie es damals zuging.
|Humor|
Da viele dieser kriegerischen Vorgänge ziemlich ernster Natur, gibt es einen auffallenden Mangel an Humor. Doch wie Shakespeare selbst in „Hamlet“ und „King Lear“ komische Elemente durch Nebenfiguren eingeführt hat, so lässt auch der Autor Lloyd Alexander bislang eher unscheinbar gewesene Figuren auftreten. Spatz und ihr Bruder Wiesel sind Wasserratten, die als Waisenkinder am Hafen aufwuchsen und nun von dem Journalisten Keller in seine Obhut genommen werden. Sie lieben ihn dafür. Sie sind unbedarft und naiv, völlig ohne Ausbildung. Deshalb bringt er ihnen Lesen und Schreiben bei.
Doch eines Tages schickt der Premierminister Dr. Torrens Keller mit einem geheimen Auftrag zum Anführer der Rebellen, Florian. Nun sind Spatz und Wiesel plötzlich allein, aber das lässt sich ja leicht wieder ändern. Sie müssen bloß herausfinden, in welchen Krieg Keller gezogen ist. (Wiesel weiß nicht mal, was ein Krieg ist. Spatz erklärt es ihm. Aha, denkt Wiesel: Krieg ist wie Picknick, nur länger.) Am besten fragen sie mal den Torwächter, welcher Krieg wohl in Frage käme. Doch der Torwächter nimmt sie auf den Arm. Wütend zieht Spatz mit ihrem Bruder allein los. Die beiden werden noch eine wichtige Rolle spielen. Schließlich kommt es nicht alle Tage vor, dass ein König von zwei kleinen Wasserratten gefangen genommen wird.
_Unterm Strich_
In den „Chroniken von Prydain“ siedelte der Autor seine humorvollen Helden-Geschichten noch im mythisch-überzeitlichen Raum an. In der Westmark-Trilogie verlegt er den Schauplatz der Story in den geschichtlichen Raum, obwohl weder Zeit noch Ort ganz genau festzumachen sind. Wozu andere Kriegsbuchautoren sechshundert oder noch mehr Seiten brauchen, das schafft Alexander mit nur 270 Seiten: eine spannende Handlung mit interessanten, sich entwickelnden Figuren zu erzählen und dabei jede Menge kluger , wenn auch bitterer Erkenntnisse über Krieg, Rebellen, Politik und Wahrheit einfließen zu lassen.
Diese Kombination hat mich überzeugt, die Westmark-Trilogie weiterzuempfehlen. Die Leser sollten mindestens 14 Jahre alt sein, denn es geht mitunter doch recht blutig zu.
|Die Übersetzung|
… ist Rainer Schumacher gut gelungen, doch der Korrektor, sofern vorhanden, hat ihm einige Streiche gespielt. Immer wieder finden sich Druckfehler. Auf Seite 47 heißt es zum Beispiel „Man spuckt ich aus“ statt „man spuckt ihn aus“. Auf Seite 124 heißt es „die Gefangen“ statt „die Gefangenen“. Auf Seite 92 findet sich eine Konstruktion, die so verdreht ist, dass ich mir nicht mal vorstellen kann, wie sie richtig lauten könnte. Aber das sind nur die offensichtlichsten Fälle. Es gibt noch eine Reihe weiterer, aber die aufgezählten sollen genügen, um klar zu machen, dass sich das Niveau der Textqualität noch steigern ließe.
|Originaltitel: The Kestrel, 1982
270 Seiten
Aus dem US-Englischen von Rainer Schumacher|
Für den Bauernjungen Garion ist es nur eine alte Prophezeiung, die nichts mit seinem Leben zu tun hat: Solange das Auge Aldurs, ein magisches Juwel, mit dem der Gott Aldur seinen finsteren Bruder Torak schlug, bei den Menschen von Riva ruht, können sie in Ruhe und Frieden leben. Dann aber ist das magische Juwel verschwunden, und für den jungen Garion wird aus dem alten Mythos bitterer Ernst. Das Schicksal hat ihn auserwählt, zusammen mit dem unsterblichen Zauberer Belgarath und dessen Tochter den kostbaren Stein zu finden. Denn sollte das Magische Auge dem finsteren Gott Torak in die Hände fallen, dann wäre die Welt unwiderruflich verloren. (Verlagsinfo)
Der Autor
David Eddings wurde am 7. Juli 1931 geboren. Man kann ihn schon allein deshalb als einen „Altmeister“ der Fantasyliteratur bezeichnen. Mit seiner Frau Leigh hat er seit 1973 bis heute zahlreiche Fantasyzyklen geschrieben, deren bekanntester die Belgariad-Saga ist. Er starb 2009.
Die Belgariad-Saga (bei Bastei Lübbe)
Kind der Prophezeiung. 1992, ISBN 3-404-20189-2, Pawn of Prophecy. 1982.
Zauber der Schlange. 1992, ISBN 3-404-20196-5, Queen of Sorcery. 1982.
Spiel der Magier. 1993, ISBN 3-404-20203-1, Magician’s Gambit. 1983.
Turm der Hexer. 1993, ISBN 3-404-20209-0, Castle of Wizardry. 1984.
Duell der Zauberer. 1993, ISBN 3-404-20215-5, Enchanters End Game. 1984. David Eddings – Kind der Prophezeiung (Belgariad 01) weiterlesen →
„Knochen, Lumpen und Papier! Reibstein und Geschirr, das gibt der Lumpensammler dafür!“ Als der junge Joseph diesem Ruf von seinem Fenster folgt, steht vor seiner Tür ein fahrender Händler mit dem Namen Treacle Walker, sowie sein Karren, auf dem er mit einer Kiste voller mysteriöser Gegenstände durch die englischen Lande zieht. Und so beginnt ein phantastisches Abenteuer voller magischer Begegnungen. (Verlagsinfo)
Etwas mehr als zwei Jahre lang hat Joanne K. Rowling ihre Fans warten lassen auf die Fortsetzung ihrer Harry-Potter-Reihe. Am 16. Juli war es nun so weit, endlich durfte der lang ersehnte sechste Band verkauft werden, und damit ist auch die Zielrichtung für den abschließenden Band 7 klar.
_Ein ganz normales Schuljahr?_
Nach den schrecklichen Ereignissen am Ende von [Band 5, 141 die mit dem Tod Sirius Blacks endeten und mit der offensichtlichen Rückkehr Lord Voldemorts, wurde Cornelius Fudge als Minister für Magie entlassen und durch einen offensiv arbeitenden Rufus Scrimgeur ersetzt, der nicht einmal davor zurückschreckt, unschuldige Zauberer nach Azkaban zu schicken, nur um den Eindruck zu erwecken, dass er etwas gegen die Todesesser unternimmt. Harry verbringt derweil bei seiner Tante Petunia und seinem Onkel Vernon seine Sommerferien, als ihn ein Brief von Dumbledore erreicht, der verspricht, Harry abzuholen, damit dieser für den Rest seiner Ferien bei der Familie Weasley wohnen kann. Doch bevor die beiden zu den Weasleys aufbrechen, machen sie noch einen Zwischenstopp bei Horace Slughorn, den Dumbledore gerne als neuen Lehrer in Hogwarts gewinnen möchte. Nur mit Harrys Hilfe gelingt es ihm schließlich, den ehemaligen Lehrer erneut einzustellen.
Im Hause Weasley angekommen, erreichen Harry, Ron und Hermione bald ihre O.W.L (ordinary wizarding level)-Ergebnisse, die selbst für Ron und Harry überraschend positiv ausgefallen sind. Doch muss Harry seinen Traum wohl aufgeben, Auror zu werden, denn mit seinem „exceeding expectations“ ist er leider bei Prof. Snape im Unterricht für Zaubertränke nicht zugelassen.
Der alljährliche Besuch in Diagon Alley zum Kauf aller nötigen Dinge für das kommende Schuljahr sorgt für das erste unliebsame Zusammentreffen mit Draco Malfoy, der sich unbemerkt nach Knockturn Alley zurückzieht. Harry, Ron und Hermione bleiben ihm unter dem unsichtbar machenden Umhang auf den Fersen und werden Zeuge eines merkwürdigen Gespräches. Harry vermutet sofort (zu Recht!), dass Draco etwas im Schilde führt.
Dieser Verdacht erhärtet sich, als Harry sich im Hogwarts Express in Dracos Zugabteil schleicht und einer Unterhaltung lauschen kann, doch leider wird er dort überwältigt und kann erst mit Tonks‘ Hilfe aus dem Zug befreit werden, um verspätet in Hogwarts einzutreffen. Dort beginnt das neue Schuljahr überschattet von verstärkten Sicherheitsmaßnahmen aufgrund von Voldemorts Rückkehr. Aber Dumbledore hat auch einige Überraschungen für seine Schüler auf Lager, denn Slughorn wird nicht wie erwartet die Verteidigung gegen die dunklen Künste unterrichten, sondern Zaubertränke. Nun ist Professor Snape am Ziel, denn endlich darf er sein heiß geliebtes und lang ersehntes Fach unterrichten …
Das gibt Harry die Möglichkeit, Zaubertränke weiterhin zu belegen, doch da er kein passendes Schulbuch gekauft hat, muss er sich eines leihen. Dieses gebrauchte Schulbuch verhilft ihm dank einiger handschriftlicher Anmerkungen des so genannten Halbblutprinzen zu überraschenden Erfolgen im Mischen von Zaubertränken und zu unerwartetem Ruhm in Slughorns Unterricht. Aber wer ist bloß dieser geheimnisvolle Halbblutprinz? Und was führt Draco Malfoy im Schilde, der sich immer wieder unbemerkt davonstiehlt? Harry wird immer misstrauischer und wendet sich mit seinen Vermutungen an Dumbledore, der jedoch weiterhin unbesorgt bleibt. Doch das könnte sich als großer Fehler herausstellen …
_The same procedure as every year_
Zu Beginn des Buches lernen wir den britischen Premierminister kennen, der regelmäßigen Besuch vom Minister für Magie erhält und nun auch dem neuen Minister vorgestellt wird, der nach Cornelius Fudges Rauswurf diesen wichtigen Posten besetzt. Zunächst beginnt der Roman also gemächlich, Joanne K. Rowling lässt sich viel Zeit, um die neue Geschichte beginnen zu lassen, und auch in Harry Potters Leben hat sich seit Ende des fünften Teils nicht viel getan. Doch schon früh werden wir Zeuge einer Schlüsselszene, die vieles in ein anderes Licht setzt, das wir zuvor in anderen Büchern rund um den jungen Zauberlehrling gelesen haben. Spätestens nach dieser Szene zwischen Draco Malfoys Mutter und Severus Snape wird man gepackt von der beschriebenen Handlung, da man endlich hinter ein wichtiges Geheimnis kommen möchte.
Den Einstieg in den sechsten Band empfand ich als sehr einfach, da Joanne K. Rowling zwischendurch viele Informationen aus dem letzten Buch einfließen lässt, um das Gedächtnis ihrer Leser aufzufrischen, die es vielleicht nicht mehr geschafft haben, den Vorgängerband erneut zu lesen. Einige Schlüsselszenen werden nochmals beschrieben, sodass man sich schnell wieder einfindet in die Geschichte. Normalerweise mag ich derlei Wiederholungen nicht, doch da sie sich in Grenzen halten und bei zwei Jahren Pause zwischen den beiden Büchern sehr sinnvoll erscheinen, fielen sie mir positiv auf.
Auch „Harry Potter and the Half-Blood Prince“ folgt dem gleichen Strickmuster wie alle vorigen Potter-Bücher; die jungen Zauberschüler reisen wieder einmal gemeinsam nach Hogwarts, um dort ihre Ausbildung fortzusetzen. Daran ändert sich auch nach Voldemorts Rückkehr nichts. In Hogwarts ist praktisch nichts davon zu merken, dass außerhalb der Schulmauern schreckliche Dinge vor sich gehen. Leider kommt dadurch wenig Spannung auf und auch die ganze Atmosphäre verdüstert sich nicht. Nur nebenbei erfahren wir einige schlimme Nachrichten aus einer Zaubererzeitung, doch geht der Unterricht in Hogwarts unbeeindruckt weiter. Dies allerdings finde ich sehr unwahrscheinlich, denn in solchen Krisenzeiten würden Lehrer sicherlich nicht so weitermachen, als sei nichts geschehen. Immerhin eines scheint sicher: Im abschließenden Potter-Band wird Joanne K. Rowling nicht so weitermachen können wie bisher.
Den Spannungsaufbau fand ich nicht sonderlich gelungen, denn nach der einen wichtigen Szene relativ zu Anfang des Buches plätschert die Handlung gemächlich vor sich hin, im neuen Schuljahr passiert nicht viel und auch die Bedrohung durch Voldemort und seine Todesesser bleibt doch sehr im Hintergrund. Dumbledore lässt sich hier durch nichts aus der Ruhe bringen und seine Zuversicht scheint auch auf die meisten Schüler und Lehrer abzufärben. Rein inhaltlich gibt das Buch eigentlich keinen Stoff her für seine 600 Seiten, sodass sich gerade der Mittelteil ähnlich wie in Band 5 ziemlich lang hinzieht. Erst zum Ende hin beschleunigt Joanne K. Rowling drastisch ihr Erzähltempo, dann nämlich erfährt der Leser, mit welchen Mitteln Voldemort vernichtet werden kann. Auf den letzten hundert Seiten überschlagen sich die Ereignisse förmlich, an verschiedenen Schauplätzen geschehen hier entscheidende Dinge, die die Zielrichtung von Band 7 vorgeben. Wieder einmal denke ich, dass dem Buch hundert Seiten weniger gut getan hätten, um die Erzählung zu straffen.
_Ärgernisse_
Recht früh erfahren wir, dass Draco Malfoy dunkle Pläne schmiedet und etwas ganz Besonderes vorhat, und auch Harry Potter ahnt dies bald. Die Verdachtsmomente gegen Draco erhärten sich immer mehr, doch wird Harry von niemandem Glauben geschenkt. Stets trifft er auf Zweifler, die sich seine Argumente kaum anhören wollen. Angesichts der Ereignisse innerhalb und außerhalb der Schule fand ich dies reichlich merkwürdig.
Doch auch andere Ereignisse führen zu grauen Haaren beim Leser, denn in diesem Buch wird eine wichtige Frage geklärt: Endlich erfahren wir den Grund für Dumbledors stetes Vertrauen in Severus Snape, allerdings scheinen Rowling hier die Ideen ausgegangen zu sein, denn ihre vorgebrachte Erklärung erscheint mehr als dürftig und befriedigt den treuen Harry-Potter-Leser nicht sehr.
In diesem Band tauchen nun die sich bereits vorher angekündigten pubertären Nebenerscheinungen auf. Ron, Harry und Hermione sind sechzehn Jahre alt und entdecken schließlich die Liebe. Nach Harrys unglücklicher Schwärmerei für Cho Chang verliebt er sich in ein anderes Mädchen, das allerdings bereits vergeben ist. Ron zeigt mehr als übertriebene Eifersucht seiner Schwester und ihrem aktuellen Freund Dean gegenüber und beginnt daraufhin eine ebenso übertriebene Liebelei mit Lavender Brown. Diese wiederum ist Hermione ein Dorn im Auge, da sie ihre Gefühle für Ron entdeckt zu haben scheint, doch ist dem erwachsenen Leser sofort klar, dass auch dieser eigentlich nicht in Lavender verliebt ist, sondern in Hermione. Das Liebeskarussel in Hogwarts dreht sich in diesem Buch schneller denn je und drängt viele andere Ereignisse in den Hintergrund. Während des Schuljahres passiert eigentlich nicht viel außer Dracos geheimnisvollen Ausflügen, Harrys Unterricht bei Dumbledore und dem ständigen Liebeskummer in Harrys Freundeskreis. Während diese zarten Gefühle anfangs vielleicht noch unterhaltsam wirken, nerven sie auf Dauer schließlich doch. Da erwachsene Leser bekanntlich einen großen Teil der Harry-Potter-Fangemeinde ausmachen, hätte Rowling sich etwas zurücknehmen können in ihren ausschweifenden Beschreibungen dieser Liebesverwicklungen in Hogwarts.
_Vorbereitung zum Finale_
Mit ihrem sechsten Band rund um die Abenteuer Harry Potters legt Joanne K. Rowling den Grundstein zum Finale, das uns im abschließenden siebten Band erwarten wird. Der vorliegende Roman stellt lediglich eine Überbrückung dar und klärt viele bislang offene Fragen, wirft jedoch kaum neue auf. Harry erhält auch in diesem Jahr Einzelunterricht, dieses Mal von Dumbledore persönlich, doch geht es nicht mehr um das Erlernen neuer Zaubersprüche, sondern darum, Lord Voldemorts dunkle Vergangenheit kennen zu lernen. Dazu schleichen die beiden sich in Erinnerungen ein, die viele neue Informationen aus Tom Riddles Kindheit im Waisenheim zeigen und auch beleuchten, wie es zu seiner Wandlung zu Lord Voldemort kommen konnte. Harry Potter soll dabei so viele nützliche Geheimnisse seines Feindes kennen lernen wie möglich, denn seit der Prophezeiung aus dem fünften Teil ist offenkundig, dass nur einer überleben kann, Harry oder Voldemort. Die Zielsetzung ist also klar.
Durch diesen Unterricht spielt sich allerdings ein großer Teil des Buches in der Vergangenheit ab, sodass die aktuellen Ereignisse auf der Stelle treten und Rowling inhaltlich nicht viel weiter kommt. Die Informationen über Lord Voldemorts dunkle Vergangenheit hätte man vielleicht etwas geschickter in die Erzählung einflechten können als über die gesammelten Erinnerungen anderer Leute, in die sich Harry und Dumbledore einschleichen. Harrys Treffen mit seinem Schuldirektor stellen dadurch immer wieder einen Bruch in der aktuellen Erzählung dar, was ich etwas schade fand.
_Besonderheiten_
Wie auch schon in den Vorgängerbänden, so legt Joanne K. Rowling auch hier wieder viel Wert darauf, die auftauchenden Figuren und die sich abspielenden Szenen detailliert zu beschreiben. Jede Person wird uns so vorgestellt, dass wir sie bildlich vor Augen haben, und auch viele Charakterzüge und Eigenarten finden Erwähnung, die der jeweiligen Figur ein Profil geben – gerade was die Hauptcharaktere betrifft. So erkennt der treue Leser eine stete persönliche Weiterentwicklung, die sich nicht nur in den neuerdings auftauchenden Gefühlen dem anderen Geschlecht gegenüber ausdrückt. In vielen Situationen wirkt besonders Harry Potter schon sehr erwachsen, allerdings gibt es dann auch wieder Momente, in denen er sehr kindlich reagiert und wir deutlich merken, dass er eben noch nicht erwachsen ist. Realistisch ist die Charakterzeichnung eher nicht, aber das erwarten wir in einem Fantasybuch auch gar nicht; hier wollen wir Figuren kennen lernen, die uns Vorbilder sein können und die Wesenszüge tragen, die wir uns selbst manchmal vielleicht wünschen. Diesen Wünschen wird Rowling sicherlich gerecht, denn besonders Jugendliche werden in der Harry-Potter-Reihe eine eigene Identifikationsfigur finden.
Sprachlich macht das Buch einfach Freude. Obwohl es auf Englisch geschrieben ist, vergisst man oft beim Lesen, dass die Geschichte in einer fremden Sprache erzählt wird. Nur eine ganz kurze Einlesephase ist nötig, um völlig in die Geschichte einzutauchen, und dann stören auch nicht die wenigen unbekannten Vokabeln, die zwischendurch doch einmal auftauchen. Rowling bedient sich einer sehr blumigen Sprache, in den meisten Sätzen finden sich Adjektive, die die Erzählung ausschmücken und dabei helfen, alles genau vor Augen zu haben. So entstehen richtige Bilder der Figuren und der Szenerie im Kopf, die schließlich dazu führen, dass man Harry Potter trotz zwischenzeitlich schleppender Erzählweise doch mit Vergnügen liest.
_Kindgerecht?_
Wie sich schon ab Band 4 angedeutet hat, schreibt Joanne K. Rowling nicht mehr für Kinder, sondern eher für Jugendliche. In jedem Buch kommt mindestens eine Person ums Leben, viele werden verletzt und die Bedrohung durch Voldemort und seine Anhänger wird immer offensichtlicher. Kinder unter 12 Jahren dürften somit ziemlich überfordert sein von den beschriebenen Gefahren. Gerade in diesem Buch geschehen außerhalb von Hogwarts schreckliche Dinge, wie die Schüler immer wieder in der Zaubererzeitung „Daily Prophet“ nachlesen können. Die Brutalität, mit der die Todesesser gegen die Feinde ihres dunklen Lords vorgehen, nimmt stetig zu, sodass Eltern wirklich aufpassen sollten, was sie ihren Kindern zu lesen geben. Harry Potter ist inzwischen kein Kinderbuch mehr, sondern eindeutig ein Jugendbuch, das sicherlich kein zehnjähriges Kind mehr lesen sollte!
_Was am Ende übrig bleibt_
Insgesamt habe ich auch den neuen Harry Potter Band gerne lesen. Positiv fällt auf, dass das Buch deutlich kürzer ist als sein Vorgängerband und sich die Erzählung gerade im Mittelteil dadurch nicht ganz so sehr hinzieht. Dennoch hätte Rowling ihre Geschichte noch straffen können, um den Spannungsbogen geschickter ansteigen zu lassen. Während des Schuljahres passiert erneut nicht viel, sodass die komplizierten Liebesverwicklungen in der Schülerschaft nahezu das einzig Neue sind. Obwohl Voldemort omnipräsent ist nach seiner Rückkehr, läuft das Schuljahr praktisch ab wie gehabt; kaum jemand lässt sich davon beeindrucken, was ich reichlich merkwürdig finde. Hier hätte man mehr Spannung aufbauen und eine düstere Atmpsphäre entstehen lassen können. „Harry Potter and the Half-Blood Prince“ merkt man deutlich an, dass er eine Vorbereitung auf das ausstehende Finale darstellt. Rowling bereitet hier einen Showdown vor und setzt klare Erwartungen an den abschließenden Band. Lange Passagen beleuchten Tom Riddles Werdegang und seine Entwicklung hin zu Lord Voldemort; nun endlich wird uns klar, wie es weitergehen muss. Sprachlich gefällt das Buch äußerst gut, durch ausschmückende Beschreibungen lässt Joanne K. Rowling Bilder im Kopf ihrer Leser entstehen, die sehr zum Lesevergnügen beitragen. Dennoch kann auch Band 6 nicht an die fantastische Geschichte von „Harry Potter und der Feuerkelch“ anknüpfen, obwohl natürlich auch der aktuelle Band mehr als lesenswert ist.
„Auge“ ist eine Sammlung von illustrierten Kurzgeschichten des Erfinders des „Wüstenplaneten“ und bietet einen repräsentativen Querschnitt durch Herberts Werk als Ehrung und Erinnerung an ihn: Denn am 11. Februar 1986 starb der Science-Fiction-Autor an den unerwarteten Komplikationen nach einer vorsorglichen Krebsoperation.
_Der Autor_
Frank Herbert (1920-1986) wuchs im Nordwesten der USA auf, arbeitete als Reporter und Wahlkampfhelfer, bevor und während er ab 1952 seine ersten SF-Storys veröffentlichte, denen 1956 der erste Roman „Dragon in the Sea“ folgte. 1963 -1965 wurden seine Storys um den Wüstenplaneten Arrakis in „Astounding“ publiziert, doch um seinen daraus aufgebauten Roman „Der Wüstenplanet“ unterzubringen, musste Herbert erst 20 Ablehnungen kassieren, bevor es ihm 1965 gelang, den Verlag |Chilton Book Co.| zu gewinnen, der mehr für seine Autoreparaturratgeber bekannt war. Die DUNE-Saga umfasste schließlich sechs Romane aus Frank Herberts Schreibfabrik, von denen die ersten drei verfilmt worden sind. Herbert schrieb neben 20 anderen SF-Romanen auch einen interessanten Non-SF-Roman namens „Soul Catcher“, der noch nicht übersetzt worden ist.
Die DUNE-Saga:
1) [Der Wüstenplanet 1662 (1965)
2) [Der Herr des Wüstenplaneten 1637 (1969)
3) [Die Kinder des Wüstenplaneten 1634 (1976)
4) Der Gottkaiser des Wüstenplaneten (1981)
5) Die Ketzer des Wüstenplaneten (1984)
6) Die Ordensburg des Wüstenplaneten (1985)
_Inhalte_
Der Herausgeber hat die Geschichten jeweils mit genauen Angaben zur Erstveröffentlichung versehen und in zeitlicher Reihenfolge sortiert. Die Auswahl hingegen erfolgt noch durch Herbert selbst, der das Erscheinen der US-Ausgabe noch erleben konnte. Durch den engen Kontakt, den Herbert und der bekannte Illustrator Jim Burns pflegten, entstanden realistische, eng an den jeweiligen Text angelehnte Schwarzweiß-Illustrationen.
Einen Höhepunkt dieser Arbeiten stellt sicherlich der Bilderzyklus „Auf dem Wüstenplaneten“ dar. Der nach den Illustrationen geschriebene Text dieses Kapitels (keine Story!) steht umschreibend neben der Hauptsache, dem Bild. Zu sehen sind auf diesem „Rundgang“ die Palastanlagen in Arrakeen, der Tempel Alias, ein Außenpanorama – vor allem aber mehrere Figuren aus den Romanen: Prinzessin Irulan, hier tituliert als „Mua’dibs jungfräuliche Gefährtin“ (?!), daneben auch Duncan Idaho und eine hohe Vertreterin des Bene-Gesserit-Ordens, Gaius Helen Mohiam.
Die zwölf Geschichten selbst sind von unterschiedlicher Qualität und oftmals von politischer Thematik. Ein Beispiel sei herausgegriffen. „Der Drache in der See“ ist die Vorlage zu Herberts erstem Roman „Atom-U-Boot 1181“ („The Dragon in the Sea“). Darin geht es recht spannend um die Frage, wie ein Kapitän eines Schiffstyps mit solcher Vernichtungskraft ethisch angemessen oder rechtfertigbar handeln kann. Am Ende der Geschichte bricht der Spannungsbogen leider abrupt ab. Wer wissen will, wie es weitergeht, muss sich den entsprechenden Roman im Antiquariat kaufen.
Eine gewisse Entschädigung bildet die Einführung zu dieser Sammlung. Herbert liefert hier interessante Hintergrundinformationen zur Filmproduktion von „DUNE – Der Wüstenplanet“ aus einer eigenen Sicht. Dazu gehört eine Detailliste von herausgeschnittenen, bereits fertig gedrehten Szenen. Sie und andere Szenen machen etwa drei Fünftel des Gesamtmaterials aus! Inklusive dieses Materials hätte es der Film auf eine Gesamtlänge von rund 5 Stunden gebracht. Leider wurde die damit anvisierte TV-Mini-Serie nie realisiert. Dies gelang erst Ende 2000 mit völlig anderen Darstellern. Diese DUNE-Version fand im Januar 2001 ihren Weg ins deutsche Fernsehen (|Pro7|).
Porträts des Autors, des Illustrators und weitere Erklärungen zu den Illustrationen runden die ganze Ausgabe ab. Das trägt zu einer selten anzutreffenden Geschlossenheit dieser Buchproduktion bei. Zahlreiche Geschichten dieser Sammlung sind nochmals in der Kollektion „Der Tod einer Stadt“ wiederzufinden (ebenfalls bei |Heyne|), die wesentlich umfangreicher ist.
_Unterm Strich_
Zweifellos handelt es bei diesem Buch um ein Sammlerstück. Für nur 12 Storys ebenso viele Markstücke hinzulegen, war schon 1987 recht teuer. Aber es lohnt sich: So eine geschlossene, wertvolle Buchausgabe von einem der wichtigsten Science-Fiction-Autoren und dem bestbezahlten Science-Fiction-Illustrator kommt niemals wieder.
|Originaltitel: Eye, 1985
Aus dem US-Englischen übertragen von Ronald M. Hahn
Zahlreiche Illustrationen von Jim Burns|
Zehntausend Jahre, bevor das Haus Atreides die Herrschaft über Arrakis, den Wüstenplaneten (Dune) und seine wertvollen Spice-Vorräte antritt, ereignen sich Dinge, die die Geschichte der Menschen veränderten – und die in späteren Legenden als Butlers Dschihad, der Kreuzzug der Maschinen und die Schlacht von Corrin erwähnt werden. Es ist die Zeit, in der die Künstlichen Intelligenzen (KIs) des irdischen Großcomputers Omnius die Synchronisierten Welten beherrschen, wohingegen die Liga der Edlen von Salusa Secundus aus eine Reihe freier Welt beschützt. Unter den Unverbündeten Welten befindet sich ein wüstenhafter Planet am Rande des Siedlungsgebiets: Arrakis.
Nach der Ermordung ihres kleinen Sohnes durch einen Roboter ruft die Salusanerin Serena Butler zum Heiligen Krieg, dem Djihad, gegen alle Denkmaschinen und Roboter auf. Nach der Vernichtung der Erde und des dortigen Zentralcomputers Omnius breitet sich der Djihad auf die gesamte besiedelte Galaxis aus. Eine Welt nach der anderen wird in Mitleidenschaft gezogen, bis nach zwanzig Jahren die Verluste auf beiden Seiten in die Millionen gehen. Kann es ein Ende des Djihad geben? Herbert, Brian / Anderson, Kevin J. – Der Kreuzzug (Der Wüstenplanet: Die Legende 2) weiterlesen →
„Der Hobbit“ von J.R.R. Tolkien ist eine Art Vorgeschichte zum „Herr Der Ringe“, die sich ebenfalls in der Fantasiewelt Mittelerde abspielt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass manch einem, der den „Herr Der Ringe “ bereits gelesen oder den Kinofilm gesehen hat, einige Namen und Begebenheiten bekannt vorkommen werden: So zum Beispiel der Zauberer Gandalf oder der Hobbit Bilbo, der in diesem Buch die Hauptrolle spielt. Er entschließt sich nämlich – nach vielen Tricks und Überredungskunststücken des Magiers – dazu, einen kleinen Zwergentrupp auf ein Abenteuer zu begleiten. Diese wollen zum Einsamen Berg weit hinter dem Nebelgebirge und dem Düsterwald ziehen, wo einst ihre Vorfahren lebten. Denn dort haust nun der grausame Drache Smaug, der sich all der Zwergenschätze bemächtigt hat und die Gegend dort verwüstet. Sie wollen mit Hilfe des „Meisterdiebs“ (vgl. S.29), wie sie Bilbo nennen, den Schatz ihrer Ahnen wiedererlangen und den Drachen töten. Auf der Reise begegnen ihnen mancherlei Gefahren, aber auch immer wieder eine helfende Hand und eine Portion Glück. Viele der Geschehnisse, auf die Tolkien in „Herr Der Ringe“ zurückgreift, lassen sich hier in ausführlicherer Form wiederfinden. So erfährt man zum Beispiel, wie Bilbo zu all den kostbaren Stücken, die später auch Frodo auf seiner Reise begleiten, gekommen ist. Gemeint sind Dinge wie das wertvolle Kettenhemd aus Mithril, die Elbenklinge „Stich“ und natürlich der Ring, die Bilbo in „Herr Der Ringe“ Band I alle an Frodo weitergibt. Alles in allem ist „Der Hobbit“, sowohl als Einstiegsdroge, als auch für bereits vom Tolkien-Wahn Infizierte eine spannende Ergänzung zum absoluten Bestseller „Herr Der Ringe“.
Doch leider wird die Spannung des öfteren durch Tolkien selbst eingedämmt, der sich immer wieder als Schreiber in das Geschehen einmischt und den Leser direkt und in der Mehrzahl anspricht, was sich dann ungefähr so anhört: „Sicher habt ihr schon eher daran gedacht und könnt jetzt über ihn lachen, aber ich weiß nicht, ob ihr es an seiner Stelle wirklich klüger angestellt hättet.“ (S. 190) Das erweckt zum einen den Eindruck, als würde man selbst mitten unter einer kleinen Horde Kinder auf dem Boden vor Opa Tolkien sitzen und zuhören. Zum anderen ist es vor allem dann ärgerlich, wenn er dadurch schon den Ausgang einer brenzligen Situation vorwegnimmt, über die er anschließend noch einige Seiten schreibt.
Deshalb wird das Buch aber noch lange nicht langweilig, sondern ist und bleibt ein faszinierendes Werk, vor allem wenn man bedenkt, mit wie viel Liebe zum Detail sich Tolkien ganz Mittelerde, seine Geschichte und die dort lebenden Wesen ausgedacht hat um auf dieser Grundlage seine Bücher zu schreiben.
Bei dieser Ausgabe handelt es sich übrigens um eine 1998 neu überarbeitete Übersetzung von Wolfgang Krege. Aber ob sie nun besser oder schlechter als die alte Version ist, kann ich nicht beurteilen, da ich bis jetzt nur die neuere gelesen habe.
Mit „Tochter des Feuers“ kommt der |Symphony of Ages|-Zyklus (deutsche Fassung: |Rhapsody|-Zyklus) zu einem vorläufigen Abschluss.
Rhapsody Saga
Band 1: Rhapsody: Child of Blood, Tor 1999, ISBN 0-312-86752-2
Tochter des Windes, Heyne 2003, Übersetzer Michael Windgassen, ISBN 3-453-86372-0
Band 2: Prophecy: Child of Earth, Tor 2000, ISBN 0-312-86751-4 Tochter der Erde, Heyne 2003, Übersetzerin Christine Struth, ISBN 3-453-87069-7
Band 3: Destiny: Child of Sky, Tor 2001, ISBN 0-312-86750-6 Tochter des Feuers, Heyne 2004, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87549-4
Band 4: Requiem for the Sun, Tor 2002, ISBN 0-312-87884-2 Tochter der Zeit, Heyne 2005, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87911-2
Band 5: Elegy for a Lost Star, Tor 2004, ISBN 0-312-87883-4 Tochter des Sturms, Heyne 2006, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-52067-X
Band 6: The Assassin King, Tor 2007, ISBN 0-765-30565-8 Tochter der Sonne, Heyne 2008, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 978-3-453-53256-4
Band 7: The Merchant Emperor, Tor 2014, ISBN 978-0-7653-0566-4
Band 8: The Hollow Queen, Tor 2015, ISBN 978-0-7653-0567-1
Band 9: The Weaver´s Lament, Tor 2016, ISBN 978-0-7653-2055-1
Lost Journals of Ven Polypheme
The Floating Island, Starscape 2006, ISBN 0-765-30867-3
The Thief Queen’s Daughter, Starscape 2007, ISBN 978-0-7653-0868-9
The Dragon’s Lair, Starscape 2008, ISBN 978-0-7653-0869-6
The Tree of Water, Starscape 2014, ISBN 978-0-7653-2059-9
(Quelle: Wikipedia.de)
Rhapsody, Achmed und Grunthor haben den Rakshas, das Werkzeug des Dämons, zur Strecke gebracht – zu einem hohen Preis – und sie haben das schlafende Kind, zumindest vorerst, vor dem Zugriff des F’dor bewahrt. Jetzt steht ihnen das Schwierigste bevor: den F’dor selbst zu stellen.
Rhapsody und Achmed machen sich auf die Suche nach den Kindern, die der Rakshas gezeugt hat. Achmed will vor allem die reine Essenz des F’dor aus ihrem Blut herausdestillieren, um seine Spur aufnehmen zu können. Rhapsody will außerdem auch noch die Kinder retten. Deshalb besteht sie darauf, alle Kinder zu finden, nicht nur eines, und sie lebend zu Fürst Rowan zu bringen, dem Herrn über das Reich jenseits des Lebens der Welt, den sie um Hilfe bitten will. Die Kinder aufzuspüren und nach Tyrian, ins Reich der Lirin, zu bringen, ist eine unerwartet schwierige Aufgabe.
Ashe dagegen kämpft um das Überleben von Dorndreher, einem Gefolgsmann seines Onkels Anborn. Langsam lüftet sich der Schleier seines Umhangs, der ihn zwanzig Jahre lang verborgen hat, Ashe kehrt ins Leben und ins Bewusstsein der Menschen zurück.
Währenddessen findet in Navarne der Winterkarneval, das Wintersonnwendfest, statt. Hinter der fröhlichen, ausgelassenen Kulisse spinnt der F’dor seine heimlichen Netze, bevor ein Albtraum über das Fest hereinbricht.
Als Rhapsody Achmed endlich das reine Blut des F’dor überreichen kann, hängt das drohende Gespenst des Krieges über dem Kontinent …
All das zeigt bereits, dass der letzte Band der Trilogie mit besonders vielen Handlungssträngen arbeitet: Rhapsodys Suche nach den Kindern, Ashes Wanderungen und innere Kämpfe, Llaurons Bemühungen, der Dämon, der immer häufiger auftaucht, ohne seine Identität zu verraten, Achmed und Gruthor … Vieles geschieht gleichzeitig, die Szenen wechseln rascher als bisher, jedoch verhindern gewissenhafte Ortsangaben bei jedem Wechsel, dass man durcheinander gerät. Auch Zeitsprünge kommen gelegentlich vor, so wird zum Beispiel nur die „Entführung“ des ersten und des letzten Dämonenkindes ausführlicher beschrieben, die Zeit dazwischen fehlt. Die Sprünge sind aber gut gemacht, sodass der Leser keine Schwierigkeiten hat, ihnen zu folgen.
Diesmal geht es bei den verschiedenen Handlungen allerdings weniger um das Sammeln von Informationen. Der dritte Band ist vollauf damit beschäftigt, alle bestehenden Fäden zusammenzuführen und die in den vorigen Bänden angelegten Rätsel aufzulösen und die Prophezeiungen Manwyns und die Visionen Rhapsodys zu deuten. Dementsprechend kommt in diesem Band nicht mehr allzu viel dazu. Lediglich die Finder sind ein völlig neues Element.
Eines der wichtigsten Rätsel ist natürlich die Identität des F’dor. Die Autorin hat es – fast wie in einem guten Krimi – verstanden, den Leser auf immer neue Fährten zu locken, nur um ihm dann jemand völlig Unerwartetes zu präsentieren. Der Kreis der in Frage kommenden Personen ist im dritten Band bereits auf weniger als zehn Personen beschränkt, immer wieder tauchen die freundlichen blauen Augen des Wirtes auf, die an Llauron denken lassen, aber nie lässt sich etwas eindeutig festmachen. Selbst in dem Moment, als Achmed den F’dor identifiziert und handelt, ist der Leser nicht sicher, bis schließlich der Name des Wirtes fällt.
Die Suche nach dem F’dor bildet seit mindestens eineinhalb Büchern den Kern der gesamten Handlung, folglich ist es nur logisch, dass der endgültige Kampf mit dem Dämon auch den Höhepunkt des Buches bildet. Wie auch in den beiden vorangehenden Bänden baut sich der Spannungsbogen immer weiter auf, allerdings nicht so kontinuierlich wie bisher, sondern eher wellenförmig, bis er in im Endkampf mit dem F’dor mündet. Dieser findet erstaunlich früh statt, etwa zweihundert Seiten vor Ende des Buches. Die folgenden Seiten enthalten aber immer noch genug Handlung, um das Buch bis zum Ende zu tragen, ja gegen Ende wird es noch einmal richtig spannend. Dementsprechend traten sowohl Humor als auch Romantik bei diesem Buch stark in den Hintergrund.
Das Lektorat war auch diesmal wieder nicht hundertprozentig, allerdings war die Fehlerzahl im Verhältnis zur Seitenzahl sehr gering. Meine Ausgabe ist, da |Heyne Fantasy| von |Piper| übernommen wurde, logischweise auch von Piper, allerdings hat |Piper| angenehmerweise das Design des Covers nur geringfügig verändert, sodass es fast noch besser zum Stil der Vorgänger passt als der Entwurf von |Heyne|.
Insgesamt kann man von der Trilogie getrost sagen, dass sie rundum gelungen ist. Offiziell werden die beiden Bände „Requiem for the Sun“ und „Elegy for a Lost Star“ ebenfalls diesem Zyklus zugeordnet. Ich habe die ersten drei Bände trotzdem als Trilogie bezeichnet, weil der Grundtenor des Buches, die Jagd nach dem F’dor, mit dem dritten Band abgeschlossen ist. Wem also nach über 2.500 Seiten die Puste ausgegangen ist, der hat jetzt einen guten Zeitpunkt erwischt um auszusteigen.
Wer jetzt noch nicht genug hat, für den wurden im Epilog, der wieder aus der Sicht Meridions erzählt ist, eine Menge neuer Andeutungen gemacht, aus denen die Autorin mit Sicherheit eine Menge neuer Handlungsfäden ziehen wird. Bisher gibt es die Folgebände aber nur auf Englisch.
Elizabeth Haydon lebt an der Ostküste der USA mit ihrem Mann und drei Kindern. Sie interessiert sich für Kräuterkunde und Geschichte, singt und spielt selbst Harfe. Bevor sie zu schreiben begann, arbeitete sie im Verlagswesen. Außer |Symphony of Ages| schrieb sie auch |The Journals of Ven Polypheme| für Kinder.
Unsere Rezensionen der ersten beiden Bände von |Rhapsody / Symphony of Ages:|
[Tochter des Windes 37
[Tochter der Erde 329
Homepage der Autorin: http://www.elizabethhaydon.com/
Ein erbarmungsloser Serienkiller auf der Jagd nach Rache. Die willensstärkste Ermittlerin Neuseelands auf der Suche nach der Wahrheit. Ein uraltes Verbrechen, das beide verbindet. Der Wettlauf beginnt…(Verlagsinfo) „6 Tote“ ist der erste Fall für Detective Senior Sergeant Hana Westerman, eine Maori-Polizistin bei der Kripo von Neuseelands Hauptstadt Auckland.
Der Autor
Michael Bennett arbeitet in Neuseeland als preisgekrönter Regisseur, Produzent und Showrunner für Film und Fernsehen. In seinem Thrillerdebüt „6 Tote“ (O-Titel: „Better the Blood“) verknüpft Bennett seine Leidenschaft für spannende Geschichten mit Fragen von Identität und Herkunft, die eng mit dem kolonialen Erbe seiner Heimat verbunden sind. Mit seiner Partnerin und seinen drei Kindern lebt der Autor in Auckland. (gekürzte Verlagsinfo)
Dies ist der Jubiläumsauswahlband Nummer 100 aus dem Jahr 1999, der vorletzte der traditionsreichen Reihe – und aus diesem besonderen Anlass vierfarbig illustriert!
Diese umfangreiche Fantasy-Anthologie schloss 1980 nach den Worten der Herausgeber eine Marktlücke: Sie enthält 33 erstklassige phantastische Erzählungen, die alle zuerst in einem einschlägigen Magazin veröffentlicht wurden. Das thematische Spektrum von Autoren wie Bradbury, Lovecraft und Heinlein reicht von echtem Horror bis zu verspielter Phantastik, die von realistischer Darstellung kaum zu unterscheiden wäre – gäbe es da nicht ein kleines verräterisches Detail.
Es dürfte nicht verwundern, dass Autoren wie Horace L. Gold und Anthony Boucher selbst Herausgeber solcher Magazine waren: Gold war bei „Galaxy“ und Boucher baute „The Magazine of Fantasy and Science Fiction“ auf. Ihre Hausautoren wie Sturgeon, Vance oder Leiber haben hier daher ebenfalls einen verdienten Auftritt. Die Illustrationen, die Johann Peterka extra für die deutsche Ausgabe anfertigte, runden diesen Erzählband ab. Terry Carr & Martin H. Greenberg (Hrsg.) – Traumreich der Magie. Höhepunkte der modernen Fantasy. (33 Erzählungen) weiterlesen →
Michael Swanwick ist einer der besten Story-Autoren in der Science-Fiction. Aber auch mit einfallsreichen Romanen machte er auf sich aufmerksam. Mit dem Roman „Vakuumblumen“ wagte er einen sinnlichen Ausflug in den Cyberpunk, mit „Die Tochter des stählernen Drachen“ verschmolz er Fantasy- mit SF-Motiven. Swanwick ist ein sehr wandlungsfähiger Stilist mit überraschenden Einfällen.
Als 1980 die Story ‚Das Fest der heiligen Janis‘ veröffentlicht wurde, war allen Kennern des Science-Fiction-Genres klar, dass mit Michael Swanwick ein neuer Star am Himmel der amerikanischen Science-Fiction aufgetaucht war. Die meisterhafte Erzählung gelangte prompt in die Endausscheidung des begehrten |Nebula Award| und machte Appetit auf mehr von ihm. Aber der Fan musste weit umher suchen, um zu entdecken, wo Swanwick weitere Erzählungen veröffentlichte, denn die wenigsten erschienen in den üblichen Science-Fiction-Magazinen wie |Asimov’s| oder |Analog|, sondern in |Omni| oder |Interzone|.
In dieser Collection sind nun Swanwicks beste Arbeiten, die von 1980 bis 1991 erschienen, vereint – und noch dazu ausgezeichnet illustriert. Swanwick hat bis in jüngste Zeit ausgezeichnete und preisgekrönte Storys geschrieben – es lohnt sich, sie zu suchen, u. a. in der deutschen Ausgabe von |Asimov’s Science Fiction| #53.
_Die Storys_ (in der Reihenfolge ihres Abdrucks)
|Ein Wintermärchen|
Der Titel ist täuschend harmlos und erinnert ein wenig an Shakespeares gleichnamiges Stück. Das ist nur Tarnung für eine ziemlich grausige Art, Gedächtnisinhalte weiterzugeben. Ein Larl genanntes Fremdwesen erzählt, wie es das Gehirn seines ersten menschlichen Opfers verspeiste, um seine Erinnerungen zu erhalten. So erfahren die Larls, intelligente Tiere, von der Herkunft der Menschen auf ihrem Planeten und erhalten die Sprache. Das Baby der Frau, die sich opferte, brachten sie zurück und wurden dafür als Freunde von den Menschen angenommen. Einer der Larls erzählt einem Menschenkind namens Flip davon.
Die Story zeichnet sich durch mehrere Zeitebenen und nahtlose Übergänge zwischen Bewusstseinen aus. Es reicht nicht, sie nur einmal zu lesen. Und am Schluss fragte ich mich immer noch, von wem sie eigentlich erzählt wird: von einem Mann oder einem Larl?
|Das Fest der heiligen Janis|
Dies ist die Story, in der „The Rose“ sozusagen posthum noch einmal richtig lossingen darf. Man könnte sie als Swanwicks orgiastisch-psychedelische Antwort auf den unzählige Male prophezeiten Kollaps Amerikas und den anschließenden Aufstieg der Dritten Welt betrachten.
|Der blinde Minotaurus|
… ist ein Unsterblicher auf einer Menschenwelt in ferner Zukunft. Nachdem er seinen Freund, den Harlekin bei einer Gauklertruppe, aufgrund einer Hormonmanipulation getötet hatte, riss er sich zur Strafe die Augen heraus. Geblendet nimmt ihn seine Tochter an der Hand. Später, unter den Attacken junger Tunichtgute leidend, erzählt er ihr und den anderen Bürgern der Stadt, was mit ihm geschah und wie es dazu gekommen war.
|Die Seelenwanderung des Philip K.| (The transmigration of …)
Als Philip K(indred) Dick 1982 kurz vor dem Start der von seinem Werk inspirierten Filme „Blade Runner“ und „Total Recall“ verstarb, führte dies zu einigen Spekulationen. Schließlich hatte Dick eine Art göttlicher Erleuchtung durch ein Fremdwesen namens VALIS für sich reklamiert und drei Romane (eigentlich vier) darüber geschrieben. Einer davon hieß „The Transmigration of Timothy Archer“. Darauf spielt Swanwicks Story an, in der er dem Genie Dicks huldigt – eine angemessen verschrobene Story.
|Die Kirche der göttlichen Verheißung| (Covenant of souls)
Diese Story führt die politisch-militärische Entwicklung der Amtszeit von Ronald Reagan warnend zu ihrer letzten Konsequenz: Der Atomkrieg bricht aus. Dies ist jedoch nicht der Schauplatz: In der im Titel genannten Kirche finden merkwürdige Vorgänge statt. In den Kellern hat sich ein telekinetisch begabtes Mädchen, Jennifer, einquartiert. Und über dem Altar wächst ein seltsames „Ding“. Zunehmend versammeln sich Penner und Obdachlose um die Kirche und verkünden das Ende der Welt, zur Umkehr mahnend. Schließlich kommt es zur Apokalypse und die Worte des Apostels Paulus aus dem 1. Korintherbrief werden wahr: „Wir werden alle verwandelt werden.“ An diese Prophezeiung glauben eine Menge Amerikaner.
|Die Drachenlinie|
Mit ihrem Weltbestseller „Die Nebel von Avalon“ entschleierte Marion Zimmer Bradley einen patriarchalisch besetzten Urmythos des christlichen Abendlandes: die Artus-Sage. Swanwick geht noch weiter. In „Die Drachenlinie“ versuchen Merlin, der Zauberer, und Mordred, Artus‘ missratener Sohn, in unserer Gegenwart eine Zukunft für die vom Menschen zugrunde gerichtete Erde zu finden.
|Mummenkuss|
Aus dieser Geschichte ging Swanwicks Katastrophen-Roman „Die Todesschneise“ hervor, der vor Jahren bei |Heyne| erschien. Sie entstand wohl unter dem Eindruck des größten Atomkraftwerkunfalls vor Tschernobyl, nämlich in Harrisburg, Pennsylvania (der auch Michael Douglas zu seinem Film „Das China-Syndrom“ inspirierte). Hätte man die Katastrophe nicht verhindert, dann wäre die gesamte Region Pennsylvania radioaktiv verseucht worden. Bei Swanwick hat diese bizarre Situation eine interessante neue Gesellschaftsstruktur hervorgebracht.
|Das trojanische Pferd|
… bezeichnete der Sage nach eine geniale Kriegslist des Odysseus. Heutzutage versteht man darunter eine Spezies von Computerviren, die schädliche Eigenschaften besitzen. Die vom Cyberpunk inspirierte Story Swanwicks hingegen konzentriert sich auf das Herumbasteln an der Persönlichkeit und der Beinahe-Vergöttlichung des Menschen mit Hilfe seiner totalen Digitalisierung: deus digitalis! Doch Software hat ja bekanntlich so ihre Tücken …
|Schnee-Engel|
Zunächst erinnert die Handlung an „Nevada-Pass“, einen Film, in dem Charles Bronson über die Grenze nach Kanada zu fliehen versucht, aber in den Bergen gestellt wird. Sehr stimmungsvoll schildert Swanwick die Begegnung eines vor der US-Regierung flüchtenden Mannes mit einer sonderbaren jungen Frau, die einsam in einer Berghütte lebt (die Figur des Titels). Halb Mensch, halb Maschine, war sie einst eine bekannte Skirennläuferin. Doch nun ist sie schwer auf Droge. Es ist nicht leicht, mit ihr auszukommen, aber es wird zumindest eine schöne Nacht. Beide versuchen auf ihre Art, als Ausgestoßene einen Weg zu finden, der ihnen eine Zukunft verspricht.
|Der Mann, der Picasso kannte|
Ein positiv nachschwingende Künstler-Erzählung um den Meister aller Klassen: Pablo Picasso. Obwohl er bei seinen Besuchern und Studenten ob seiner groben Gemütsart gefürchtet wurde, fragt ihn der Student Weil, warum er „La belle“ mit einem orangefarbenen Nabel gemalt habe und nicht mit einem grünen. Picasso schickt den Studenten nach Madrid in den Prado, um dort El Grecos „Dächer von Toledo“ zu betrachten und dann mit einer Erkenntnis zurückzukommen. Dieser Besuch ist von Erfolg gekrönt und so könnte der Student ein großer Meister werden, doch ach! sein Vater liegt im Sterben und er muss nun die Familie ernähren. Erst als alter Mann hätte er wieder Zeit, als Bildhauer aktiv zu werden – wenn er nur Hoffnung und Zuversicht fände. Da taucht der tote Picasso auf …
|Weit-Sicht|
Eine echt ver-rückte Story! In naher Zukunft hat ein Experiment dazu geführt, dass sich das menschliche Gedächtnis nicht vorwärts in der Zeit erinnert, also akkumuliert, sondern rückwärts. Dementsprechend erzählt Swanwick die Story von John Fox rückwärts. Das erinnert uns doch sehr an den Thriller „Memento“ und das Motto „Remember the future“. Denn John Fox wird sterben, nein, er ist gestorben, in der ersten Zeile, aber zuvor hat er noch Carolyn geliebt, die ihn verraten haben wird (oder so). Jedenfalls wusste er schon ein Jahr zuvor, dass er sterben würde, denn er schrieb sich einen Warnbrief, hatte diesen Akt aber vergessen.
Vielleicht sollte man die Geschichte von hinten nach vorne lesen, um sie gänzlich zu verstehen.
|Ginungagap|
… ist das altnordische Wort für den „gähnenden Abgrund“ in der mythischen Anderswelt. Dort lauern Ungeheuer. Bei Swanwick wird eine junge Heldin mit Hilfe von Molekültransfer durch den Mahlstrom eines Schwarzen Lochs zu den Aliens am anderen Ende verfrachtet – und, wen wundert’s, mit unerwarteten Ergebnissen, aber einem guten Ende. Eine der besten Storys in diesem Band; sie wurde von Terry Carr als Jahresbest-Story anthologisiert.
|Der Rand der Welt|
Diese Erzählung erhielt 1990 den |Theodore Sturgeon Award| für die beste Kurzgeschichte des Jahres. Der Titel ist wörtlich zu nehmen: Donna, Piggy und Russ, lauter Soldatenkinder, leben auf einem Army-Stützpunkt irgendwo in den arabischen Emiraten, und eines langweiligen Tages beschließen sie, zum Rand der Welt zu gehen. Dahinter kommt nur der Himmel – und eine Treppe. Die zwei Jugendlichen folgen dem verrückten Punk Russ die elend lange Treppe hinunter, aber weil Donna in Russ verliebt ist und Piggy in Russ seinen Anführer sieht, folgen sie ihm. Unten, nach all dem Müll der Touristen, wartet ein mystischer Tempel aus uralter Zeit auf sie. Hier sollen einst Mönche Wünsche erfüllt haben. Nach einiger Zeit gehen Donna und Piggy wieder zurück. „Russ? Wer ist Russ?“ fragt Piggy. Und selbst Donna kann sich kaum an einen gewissen Russ erinnern, der sich wünschte, er wäre nie geboren worden …
_Mein Eindruck_
Dieser Band bietet einen lohnenswerten Querschnitt durch das Werk eines Meisters der kurzen Form. Es erlaubt zuweilen die nostalgische Rückschau auf Motive und Moden (Cyberpunk etc.) der Science-Fiction der achtziger Jahre.
Von allen Zeitgeistereien mal abgesehen, gelangen Swanwick zeitlos gute, eindringliche Geschichten, die die sich wandelnden Bedingungen menschlicher Existenz beleuchten – man denke nur an die Durchquerung eines Schwarzen Loches oder die Reise durch eine radioaktive Todeszone.
Auffällig ist jedoch bei einer Betrachtung des Themas der meisten Erzählungen, dass sie ein mystisches oder spirituelles, wenn nicht sogar ein religiöses Zentrum besitzen, um das sich die Handlung oder die Gedanken der Protagonisten drehen. Dies steht in deutlichem Gegensatz zum krassen Materialismus einer Zeit, die sich durch skrupellosen Kapitalismus wie auch durch eine Expansion des militärisch-industriellen Komplexes unter Reagan und Thatcher auszeichnete.
Insofern hat(te) der Autor den Finger am Puls der Zeit, wenn er unsere verborgenen bzw. überdeckten Ängste auslotet und in Bilder fasst. Er beschreibt seine Eindrücke mit eigenständiger Vorstellungskraft und andauernder Sympathie für den Menschen, den er als weitaus komplexer wahrnimmt, als es der Materialismus wahrhaben will. Die Atmosphäre jeder Geschichte nimmt den Leser sofort gefangen. Allein dies ist bereits ein Qualitätsmerkmal.
|Originaltitel: Gravity’s Angels, 1991
Aus dem US-Englischen übertragen von Norbert Stöbe|
Mystischer Krimi: Ermittlung gegen Göttin und Mutter
Sechs Männer sterben eines „natürlichen“ Todes innerhalb nur weniger Monate auf gleiche Weise, und keiner findet das merkwürdig? Nicht so Staatsanwalt Thomas Zorski, der über den neuesten Todesfall stolpert und von seinem Amtsvorgänger eine dicke Akte mit den übrigen fünf Fällen bekommt. Immer war Vollmond, wenn man einen der sechs fand. Und alle lagen friedlich da – und völlig nackt, als ob sie träumten…
China, Ende der 1960er-Jahre: Während im ganzen Land die Kulturrevolution tobt, beginnt eine kleine Gruppe von Astrophysikern, Politkommissaren und Ingenieuren ein streng geheimes Forschungsprojekt. Ihre Aufgabe: Signale ins All zu senden und noch vor allen anderen Nationen Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Fünfzig Jahre später wird diese Vision Wirklichkeit – auf eine so erschreckende, umwälzende und globale Weise, dass dieser Kontakt das Schicksal der Menschheit für immer verändern wird…
Dies ist eine Story-Sammlung der besonderen Art, von einer der besten Autorinnen der phantastischen Literatur. Die Titelgeschichte wurde mehrfach ausgezeichnet.
Dies sind die Stories:
– Die Story vom Historiker, der eine Zeitreise in das von Luftangriffen bedrohte London des Jahres 1940 unternimmt, um die St. Pauls Kathedrale vor den Bomben zu retten.
– Die Story von der Familie, die nach dem nuklearen Holocaust zu überleben versucht.
– Die Story vom ersten getauften Affen und
– Die Story von den ko(s)mischen Eigenarten des interstellaren Tourismus;
– Und weitere. Connie Willis – Brandwache. Phantastische Geschichten weiterlesen →
Wie würde Europa aussehen, wenn das Christentum im 9. Jahrhundert nicht über die „Heiden des Nordens“ gesiegt hätte? Der bekannte Science-Fiction-Autor Harry Harrison erzählt in seiner abenteuerlichen Trilogie „Hammer und Kreuz“, wie die Mönche und Bischöfe von einem listenreichen Günstling der nordischen Götter aus England vertrieben werden und selbst ein Kreuzzug nichts mehr nützt. Erstklassige Unterhaltung mit einer tieferen Botschaft.
In dieser Storysammlung der geheimnisumwitterten SF-Kultfigur der siebziger Jahre ist endlich ihre Novelle „Dein haploides Herz“ enthalten, die in den bislang veröffentlichten Sammlungen „10.000 Lichtjahre von Zuhaus“, „Beam uns nachhaus“ und „Warme Welten und andere“ fehlte, obwohl sie bereits 1969 erschien. Außerdem ist die preisgekrönte Novelle „Houston, Houston, bitte melden!“ enthalten, in der weibliche Astronauten nach 300 Jahren auf verschollen geglaubte männliche Astronauten treffen…
Eine junge Frau der Gegenwart hat in Washington, D.C., seltsame Träume, die sie von ihrem Psychiater untersuchen lässt, doch dieser nutzt sie aus. Sie wendet sich an den Rechercheur eines Historikers, und Jeff Johnston verliebt sich in Annie. Denn wovon sie träumt, ist genau sein Spezialgebiet: der amerikanische Bürgerkrieg. Sie träumt die Träume des Oberbefehlshabers der Konföderierten, die von Robert E. Lee …
Die Autorin
Die 1945 geborene Lehrerin und US-Schriftstellerinnen Connie Willis ist seit den achtziger Jahren eine der besten und originellsten Science-Fiction-Autorinnen. Die Storys, die dies beweisen, sind in dem Band „Brandwache“ gesammelt (deutsch bei |Luchterhand|). Sie hat bereits zahlreiche Preise eingeheimst, darunter den HUGO für ihren Zeitreiseroman „Die Jahre des Schwarzen Todes“ (1991, dt. bei |Heyne|). „Lincolns Träume“ war 1987 ihr Romandebüt als Solo-Autorin, davor schrieb sie als Ko-Autorin mit Cynthia Felice. Für „Die Farben der Zeit“ (dt. bei |Heyne|) wurde Connie Willis mit dem |Hugo Gernsback Award| und dem |Locus (Magazine) Award| für den besten SF-Roman des Jahres 1997 ausgezeichnet.
Als Thomas Covenant in das LAND kommt, glaubt er nicht an dessen reale Existenz. Es muss ein Traum sein. Doch wundersamerweise heilt es seine Wunden, die ihm die Lepra zugefügt hat. Nun ist es an ihm, das selbst verwundete LAND erstens zu heilen und zweitens vor dem Zugriff Lord Fouls des Verächters zu bewahren. Die Bewohner des LANDES erblicken in ihm die Wiedergeburt von Berek Halbhand, eines legendären Helden. Und mit seinem Ring aus weißem Gold ist er in der Lage, wilde Magie auszuüben. Doch wird der Verächter Recht behalten, wenn er Thomas als ahnungslosen Nichtskönner verhöhnt, der nicht einmal an Magie glaubt? Stephen R. Donaldson – Lord Fouls Fluch (Die erste Chronik von Thomas Covenant dem Zweifler, Band 1) weiterlesen →
Geist ist geil! Seit 2002 – Ständig neue Rezensionen, Bücher, Lese- und Hörtipps