Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Swanwick, Michael – Engel der Schwerkraft. Storys

_Ausgezeichnete Science-Fiction-Storys_

Michael Swanwick ist einer der besten Story-Autoren in der Science-Fiction. Aber auch mit einfallsreichen Romanen machte er auf sich aufmerksam. Mit dem Roman „Vakuumblumen“ wagte er einen sinnlichen Ausflug in den Cyberpunk, mit „Die Tochter des stählernen Drachen“ verschmolz er Fantasy- mit SF-Motiven. Swanwick ist ein sehr wandlungsfähiger Stilist mit überraschenden Einfällen.

Als 1980 die Story ‚Das Fest der heiligen Janis‘ veröffentlicht wurde, war allen Kennern des Science-Fiction-Genres klar, dass mit Michael Swanwick ein neuer Star am Himmel der amerikanischen Science-Fiction aufgetaucht war. Die meisterhafte Erzählung gelangte prompt in die Endausscheidung des begehrten |Nebula Award| und machte Appetit auf mehr von ihm. Aber der Fan musste weit umher suchen, um zu entdecken, wo Swanwick weitere Erzählungen veröffentlichte, denn die wenigsten erschienen in den üblichen Science-Fiction-Magazinen wie |Asimov’s| oder |Analog|, sondern in |Omni| oder |Interzone|.

In dieser Collection sind nun Swanwicks beste Arbeiten, die von 1980 bis 1991 erschienen, vereint – und noch dazu ausgezeichnet illustriert. Swanwick hat bis in jüngste Zeit ausgezeichnete und preisgekrönte Storys geschrieben – es lohnt sich, sie zu suchen, u. a. in der deutschen Ausgabe von |Asimov’s Science Fiction| #53.

_Die Storys_ (in der Reihenfolge ihres Abdrucks)

|Ein Wintermärchen|

Der Titel ist täuschend harmlos und erinnert ein wenig an Shakespeares gleichnamiges Stück. Das ist nur Tarnung für eine ziemlich grausige Art, Gedächtnisinhalte weiterzugeben. Ein Larl genanntes Fremdwesen erzählt, wie es das Gehirn seines ersten menschlichen Opfers verspeiste, um seine Erinnerungen zu erhalten. So erfahren die Larls, intelligente Tiere, von der Herkunft der Menschen auf ihrem Planeten und erhalten die Sprache. Das Baby der Frau, die sich opferte, brachten sie zurück und wurden dafür als Freunde von den Menschen angenommen. Einer der Larls erzählt einem Menschenkind namens Flip davon.

Die Story zeichnet sich durch mehrere Zeitebenen und nahtlose Übergänge zwischen Bewusstseinen aus. Es reicht nicht, sie nur einmal zu lesen. Und am Schluss fragte ich mich immer noch, von wem sie eigentlich erzählt wird: von einem Mann oder einem Larl?

|Das Fest der heiligen Janis|

Dies ist die Story, in der „The Rose“ sozusagen posthum noch einmal richtig lossingen darf. Man könnte sie als Swanwicks orgiastisch-psychedelische Antwort auf den unzählige Male prophezeiten Kollaps Amerikas und den anschließenden Aufstieg der Dritten Welt betrachten.

|Der blinde Minotaurus|

… ist ein Unsterblicher auf einer Menschenwelt in ferner Zukunft. Nachdem er seinen Freund, den Harlekin bei einer Gauklertruppe, aufgrund einer Hormonmanipulation getötet hatte, riss er sich zur Strafe die Augen heraus. Geblendet nimmt ihn seine Tochter an der Hand. Später, unter den Attacken junger Tunichtgute leidend, erzählt er ihr und den anderen Bürgern der Stadt, was mit ihm geschah und wie es dazu gekommen war.

|Die Seelenwanderung des Philip K.| (The transmigration of …)

Als Philip K(indred) Dick 1982 kurz vor dem Start der von seinem Werk inspirierten Filme „Blade Runner“ und „Total Recall“ verstarb, führte dies zu einigen Spekulationen. Schließlich hatte Dick eine Art göttlicher Erleuchtung durch ein Fremdwesen namens VALIS für sich reklamiert und drei Romane (eigentlich vier) darüber geschrieben. Einer davon hieß „The Transmigration of Timothy Archer“. Darauf spielt Swanwicks Story an, in der er dem Genie Dicks huldigt – eine angemessen verschrobene Story.

|Die Kirche der göttlichen Verheißung| (Covenant of souls)

Diese Story führt die politisch-militärische Entwicklung der Amtszeit von Ronald Reagan warnend zu ihrer letzten Konsequenz: Der Atomkrieg bricht aus. Dies ist jedoch nicht der Schauplatz: In der im Titel genannten Kirche finden merkwürdige Vorgänge statt. In den Kellern hat sich ein telekinetisch begabtes Mädchen, Jennifer, einquartiert. Und über dem Altar wächst ein seltsames „Ding“. Zunehmend versammeln sich Penner und Obdachlose um die Kirche und verkünden das Ende der Welt, zur Umkehr mahnend. Schließlich kommt es zur Apokalypse und die Worte des Apostels Paulus aus dem 1. Korintherbrief werden wahr: „Wir werden alle verwandelt werden.“ An diese Prophezeiung glauben eine Menge Amerikaner.

|Die Drachenlinie|

Mit ihrem Weltbestseller „Die Nebel von Avalon“ entschleierte Marion Zimmer Bradley einen patriarchalisch besetzten Urmythos des christlichen Abendlandes: die Artus-Sage. Swanwick geht noch weiter. In „Die Drachenlinie“ versuchen Merlin, der Zauberer, und Mordred, Artus‘ missratener Sohn, in unserer Gegenwart eine Zukunft für die vom Menschen zugrunde gerichtete Erde zu finden.

|Mummenkuss|

Aus dieser Geschichte ging Swanwicks Katastrophen-Roman „Die Todesschneise“ hervor, der vor Jahren bei |Heyne| erschien. Sie entstand wohl unter dem Eindruck des größten Atomkraftwerkunfalls vor Tschernobyl, nämlich in Harrisburg, Pennsylvania (der auch Michael Douglas zu seinem Film „Das China-Syndrom“ inspirierte). Hätte man die Katastrophe nicht verhindert, dann wäre die gesamte Region Pennsylvania radioaktiv verseucht worden. Bei Swanwick hat diese bizarre Situation eine interessante neue Gesellschaftsstruktur hervorgebracht.

|Das trojanische Pferd|

… bezeichnete der Sage nach eine geniale Kriegslist des Odysseus. Heutzutage versteht man darunter eine Spezies von Computerviren, die schädliche Eigenschaften besitzen. Die vom Cyberpunk inspirierte Story Swanwicks hingegen konzentriert sich auf das Herumbasteln an der Persönlichkeit und der Beinahe-Vergöttlichung des Menschen mit Hilfe seiner totalen Digitalisierung: deus digitalis! Doch Software hat ja bekanntlich so ihre Tücken …

|Schnee-Engel|

Zunächst erinnert die Handlung an „Nevada-Pass“, einen Film, in dem Charles Bronson über die Grenze nach Kanada zu fliehen versucht, aber in den Bergen gestellt wird. Sehr stimmungsvoll schildert Swanwick die Begegnung eines vor der US-Regierung flüchtenden Mannes mit einer sonderbaren jungen Frau, die einsam in einer Berghütte lebt (die Figur des Titels). Halb Mensch, halb Maschine, war sie einst eine bekannte Skirennläuferin. Doch nun ist sie schwer auf Droge. Es ist nicht leicht, mit ihr auszukommen, aber es wird zumindest eine schöne Nacht. Beide versuchen auf ihre Art, als Ausgestoßene einen Weg zu finden, der ihnen eine Zukunft verspricht.

|Der Mann, der Picasso kannte|

Ein positiv nachschwingende Künstler-Erzählung um den Meister aller Klassen: Pablo Picasso. Obwohl er bei seinen Besuchern und Studenten ob seiner groben Gemütsart gefürchtet wurde, fragt ihn der Student Weil, warum er „La belle“ mit einem orangefarbenen Nabel gemalt habe und nicht mit einem grünen. Picasso schickt den Studenten nach Madrid in den Prado, um dort El Grecos „Dächer von Toledo“ zu betrachten und dann mit einer Erkenntnis zurückzukommen. Dieser Besuch ist von Erfolg gekrönt und so könnte der Student ein großer Meister werden, doch ach! sein Vater liegt im Sterben und er muss nun die Familie ernähren. Erst als alter Mann hätte er wieder Zeit, als Bildhauer aktiv zu werden – wenn er nur Hoffnung und Zuversicht fände. Da taucht der tote Picasso auf …

|Weit-Sicht|

Eine echt ver-rückte Story! In naher Zukunft hat ein Experiment dazu geführt, dass sich das menschliche Gedächtnis nicht vorwärts in der Zeit erinnert, also akkumuliert, sondern rückwärts. Dementsprechend erzählt Swanwick die Story von John Fox rückwärts. Das erinnert uns doch sehr an den Thriller „Memento“ und das Motto „Remember the future“. Denn John Fox wird sterben, nein, er ist gestorben, in der ersten Zeile, aber zuvor hat er noch Carolyn geliebt, die ihn verraten haben wird (oder so). Jedenfalls wusste er schon ein Jahr zuvor, dass er sterben würde, denn er schrieb sich einen Warnbrief, hatte diesen Akt aber vergessen.

Vielleicht sollte man die Geschichte von hinten nach vorne lesen, um sie gänzlich zu verstehen.

|Ginungagap|

… ist das altnordische Wort für den „gähnenden Abgrund“ in der mythischen Anderswelt. Dort lauern Ungeheuer. Bei Swanwick wird eine junge Heldin mit Hilfe von Molekültransfer durch den Mahlstrom eines Schwarzen Lochs zu den Aliens am anderen Ende verfrachtet – und, wen wundert’s, mit unerwarteten Ergebnissen, aber einem guten Ende. Eine der besten Storys in diesem Band; sie wurde von Terry Carr als Jahresbest-Story anthologisiert.

|Der Rand der Welt|

Diese Erzählung erhielt 1990 den |Theodore Sturgeon Award| für die beste Kurzgeschichte des Jahres. Der Titel ist wörtlich zu nehmen: Donna, Piggy und Russ, lauter Soldatenkinder, leben auf einem Army-Stützpunkt irgendwo in den arabischen Emiraten, und eines langweiligen Tages beschließen sie, zum Rand der Welt zu gehen. Dahinter kommt nur der Himmel – und eine Treppe. Die zwei Jugendlichen folgen dem verrückten Punk Russ die elend lange Treppe hinunter, aber weil Donna in Russ verliebt ist und Piggy in Russ seinen Anführer sieht, folgen sie ihm. Unten, nach all dem Müll der Touristen, wartet ein mystischer Tempel aus uralter Zeit auf sie. Hier sollen einst Mönche Wünsche erfüllt haben. Nach einiger Zeit gehen Donna und Piggy wieder zurück. „Russ? Wer ist Russ?“ fragt Piggy. Und selbst Donna kann sich kaum an einen gewissen Russ erinnern, der sich wünschte, er wäre nie geboren worden …

_Mein Eindruck_

Dieser Band bietet einen lohnenswerten Querschnitt durch das Werk eines Meisters der kurzen Form. Es erlaubt zuweilen die nostalgische Rückschau auf Motive und Moden (Cyberpunk etc.) der Science-Fiction der achtziger Jahre.

Von allen Zeitgeistereien mal abgesehen, gelangen Swanwick zeitlos gute, eindringliche Geschichten, die die sich wandelnden Bedingungen menschlicher Existenz beleuchten – man denke nur an die Durchquerung eines Schwarzen Loches oder die Reise durch eine radioaktive Todeszone.

Auffällig ist jedoch bei einer Betrachtung des Themas der meisten Erzählungen, dass sie ein mystisches oder spirituelles, wenn nicht sogar ein religiöses Zentrum besitzen, um das sich die Handlung oder die Gedanken der Protagonisten drehen. Dies steht in deutlichem Gegensatz zum krassen Materialismus einer Zeit, die sich durch skrupellosen Kapitalismus wie auch durch eine Expansion des militärisch-industriellen Komplexes unter Reagan und Thatcher auszeichnete.

Insofern hat(te) der Autor den Finger am Puls der Zeit, wenn er unsere verborgenen bzw. überdeckten Ängste auslotet und in Bilder fasst. Er beschreibt seine Eindrücke mit eigenständiger Vorstellungskraft und andauernder Sympathie für den Menschen, den er als weitaus komplexer wahrnimmt, als es der Materialismus wahrhaben will. Die Atmosphäre jeder Geschichte nimmt den Leser sofort gefangen. Allein dies ist bereits ein Qualitätsmerkmal.

|Originaltitel: Gravity’s Angels, 1991
Aus dem US-Englischen übertragen von Norbert Stöbe|

Klaus Bädekerl – Die Frau der Träume

Mystischer Krimi: Ermittlung gegen Göttin und Mutter

Sechs Männer sterben eines „natürlichen“ Todes innerhalb nur weniger Monate auf gleiche Weise, und keiner findet das merkwürdig? Nicht so Staatsanwalt Thomas Zorski, der über den neuesten Todesfall stolpert und von seinem Amtsvorgänger eine dicke Akte mit den übrigen fünf Fällen bekommt. Immer war Vollmond, wenn man einen der sechs fand. Und alle lagen friedlich da – und völlig nackt, als ob sie träumten…

Der Autor
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Cixin Liu – Die drei Sonnen (The Three-Body Problem. Trisolaris 1)

Die Rache der Astronomin

China, Ende der 1960er-Jahre: Während im ganzen Land die Kulturrevolution tobt, beginnt eine kleine Gruppe von Astrophysikern, Politkommissaren und Ingenieuren ein streng geheimes Forschungsprojekt. Ihre Aufgabe: Signale ins All zu senden und noch vor allen anderen Nationen Kontakt mit Außerirdischen aufzunehmen. Fünfzig Jahre später wird diese Vision Wirklichkeit – auf eine so erschreckende, umwälzende und globale Weise, dass dieser Kontakt das Schicksal der Menschheit für immer verändern wird…

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Connie Willis – Brandwache. Phantastische Geschichten

Ausgezeichnete, einfallsreiche Phantastik-Erzählungen

Dies ist eine Story-Sammlung der besonderen Art, von einer der besten Autorinnen der phantastischen Literatur. Die Titelgeschichte wurde mehrfach ausgezeichnet.

Dies sind die Stories:

– Die Story vom Historiker, der eine Zeitreise in das von Luftangriffen bedrohte London des Jahres 1940 unternimmt, um die St. Pauls Kathedrale vor den Bomben zu retten.
– Die Story von der Familie, die nach dem nuklearen Holocaust zu überleben versucht.
– Die Story vom ersten getauften Affen und
– Die Story von den ko(s)mischen Eigenarten des interstellaren Tourismus;
– Und weitere.
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Harry Harrison / John Holm – Der Hammer des Nordens (Hammer und Kreuz 1)

Wie würde Europa aussehen, wenn das Christentum im 9. Jahrhundert nicht über die „Heiden des Nordens“ gesiegt hätte? Der bekannte Science-Fiction-Autor Harry Harrison erzählt in seiner abenteuerlichen Trilogie „Hammer und Kreuz“, wie die Mönche und Bischöfe von einem listenreichen Günstling der nordischen Götter aus England vertrieben werden und selbst ein Kreuzzug nichts mehr nützt. Erstklassige Unterhaltung mit einer tieferen Botschaft.

Handlung
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James Tiptree jr. – Sternenlieder eines alten Primaten. SF-Erzählungen

Psychosexuelle Alpträume: klassische SF-Erzählungen

In dieser Storysammlung der geheimnisumwitterten SF-Kultfigur der siebziger Jahre ist endlich ihre Novelle „Dein haploides Herz“ enthalten, die in den bislang veröffentlichten Sammlungen „10.000 Lichtjahre von Zuhaus“, „Beam uns nachhaus“ und „Warme Welten und andere“ fehlte, obwohl sie bereits 1969 erschien. Außerdem ist die preisgekrönte Novelle „Houston, Houston, bitte melden!“ enthalten, in der weibliche Astronauten nach 300 Jahren auf verschollen geglaubte männliche Astronauten treffen…

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Connie Willis – Lincolns Träume

Robert E. Lee und Abe Lincoln, im Traum vereint

Eine junge Frau der Gegenwart hat in Washington, D.C., seltsame Träume, die sie von ihrem Psychiater untersuchen lässt, doch dieser nutzt sie aus. Sie wendet sich an den Rechercheur eines Historikers, und Jeff Johnston verliebt sich in Annie. Denn wovon sie träumt, ist genau sein Spezialgebiet: der amerikanische Bürgerkrieg. Sie träumt die Träume des Oberbefehlshabers der Konföderierten, die von Robert E. Lee …

Die Autorin

Die 1945 geborene Lehrerin und US-Schriftstellerinnen Connie Willis ist seit den achtziger Jahren eine der besten und originellsten Science-Fiction-Autorinnen. Die Storys, die dies beweisen, sind in dem Band „Brandwache“ gesammelt (deutsch bei |Luchterhand|). Sie hat bereits zahlreiche Preise eingeheimst, darunter den HUGO für ihren Zeitreiseroman „Die Jahre des Schwarzen Todes“ (1991, dt. bei |Heyne|). „Lincolns Träume“ war 1987 ihr Romandebüt als Solo-Autorin, davor schrieb sie als Ko-Autorin mit Cynthia Felice. Für „Die Farben der Zeit“ (dt. bei |Heyne|) wurde Connie Willis mit dem |Hugo Gernsback Award| und dem |Locus (Magazine) Award| für den besten SF-Roman des Jahres 1997 ausgezeichnet.

„Lincolns Träume“ wurde 1988 mit dem John W. Campbell jr. Award für den besten Roman eines Newcomers ausgezeichnet.
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Stephen R. Donaldson – Lord Fouls Fluch (Die erste Chronik von Thomas Covenant dem Zweifler, Band 1)

Antiheld im Kampf gegen den Verächter

Als Thomas Covenant in das LAND kommt, glaubt er nicht an dessen reale Existenz. Es muss ein Traum sein. Doch wundersamerweise heilt es seine Wunden, die ihm die Lepra zugefügt hat. Nun ist es an ihm, das selbst verwundete LAND erstens zu heilen und zweitens vor dem Zugriff Lord Fouls des Verächters zu bewahren. Die Bewohner des LANDES erblicken in ihm die Wiedergeburt von Berek Halbhand, eines legendären Helden. Und mit seinem Ring aus weißem Gold ist er in der Lage, wilde Magie auszuüben. Doch wird der Verächter Recht behalten, wenn er Thomas als ahnungslosen Nichtskönner verhöhnt, der nicht einmal an Magie glaubt?
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Jane Gaskell – Der Turm der Göttin (Atlantis Band 1)

Göttliche Irrfahrt nach Atlantis

Mitten im Meer, umgeben von einem Ring aus luftleerem Raum liegt eine geheimnisvolle Insel…

Das Mädchen Cija ist von göttlicher Herkunft. Aufgrund einer Prophezeiung bei ihrer Geburt, die voraussagt, dass sie großes Unheil über ihr Land bringen wird, muss sie die ersten Jahre ihres Lebens von der Welt abgeschlossen in einem Turm verbringen — bis eines Tages ein mächtiger Feldherr aus dem Nordreich ihr Heimatland verwüstet und Cija ihm als Geisel ausgeliefert wird. Es gibt für sie nur einen Weg, sich vom Fluch der Prophezeiung zu befreien: sie muss den Feldherrn töten. Damit beginnt eine atemberaubende Folge von Abenteuern, die aus dem schüchternen, weltfremden Mädchen eine starke, selbstbewusste junge Frau machen. (Amazon.de)
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Terry Brooks – Der Ausgestoßene von Shannara

Bestseller-Autor Terry Brooks erzählt die Vorgeschichte seines bekannten Fantasy-Zyklus‘ um das Königreich Shannara. Er verrät, wie es zum ersten König von Shannara kam.

Die Shannara-Saga

„Der Roman Das Schwert von Shannara (1977) wurde in einer Zeit geschrieben, als das moderne Genre der Fantasy sich gerade erst entwickelte und noch stark von dem Erfolg Tolkiens beeinflusst war. Das Buch von Terry Brooks ist dafür einer der deutlichsten Beweise: Es ist über weite Strecken hinweg fast eine detailgetreue Kopie der Handlung und Motive des Herrn der Ringe. Dies gipfelt in einer Szene, in der der weise Berater der Abenteuer-Gemeinschaft im Kampf mit einem Schergen des Bösen in eine Schlucht stürzt und erst später wieder auftaucht (eine Kopie des Kampfes zwischen Tolkiens Figur Gandalf und dem Balrog). Auch die Figur des herumwandernden Königs, der seinen Thron zurückerobert, taucht in der Figur eines Balinor Buckhannah auf.

Erst in seinem zweiten Teil der Reihe Die Elfensteine von Shannara emanzipierte sich Brooks deutlicher von seinem Vorbild, indem er beispielsweise stärker weibliche Handlungsträger als Protagonisten aufbaute.“ (Wikipedia.de)

Unterserien und Chronologie

Schwert von Shannara-Trilogie

I Schwert von Shannara befasst sich mit den letzten 100 Jahren vor dem Verschwinden des letzten Druiden Allanon.
II Die Elfensteine von Shannara ist zeitlich ca. 50 Jahre nach dem Schwert von Shannara angesiedelt.
III Das Zauberlied von Shannara ist zeitlich ca. 20 Jahre nach den Elfensteinen von Shannara angesiedelt.

Erben von Shannara-Tetralogie
Die Tetralogie ist zeitlich ca. 300 Jahre nach dem Zauberlied von Shannara angesiedelt.

First King of Shannara – Der Ausgestossene von Shannara (Prequel-Einzelroman)
Die Vorgeschichte zum Schwert von Shannara spielt ca. 500 Jahre vor diesem. Da das Buch später verfasst wurde, sind Informationen enthalten, die man zu Beginn der Schwert-von-Shannara-Trilogie noch nicht hat.

The Voyage of the Jerle Shannara – Die Reise der Jerle Shannara
Die Reise der Jerle Shannara ist zeitlich ca. 130 Jahre nach der Erbe-von-Shannara-Tetralogie angesiedelt.

High Druid of Shannara – Die Magier von Shannara
Die Magier von Shannara ist zeitlich ca. 20 Jahre nach der Reise der Jerle Shannara angesiedelt. (Wikipedia.de)

Die Legende von Shannara
Die Legende von Shannara ist zeitlich ca. 500 Jahre nach den Großen Kriegen angesiedelt.

Die dunkle Gabe von Shannara
Die dunkle Gabe von Shannara ist zeitlich ca. 100 Jahre nach Die Magier von Shannara angesiedelt.

The Fall of Shannara
Geplant als Tetralogie sollen diese Romane den chronologischen Abschluss des Shannara-Zyklus bilden, wobei Brooks nicht ausschließt, dass noch weitere Geschichten veröffentlicht werden. Neue Romane würden entsprechend zeitlich zwischen den vorhandenen Abschnitten spielen.

Handlung

Während des ersten großen Krieges hatten die Druiden von Paranor in Shannara mitansehen müssen, was geschehen konnte, wenn Magie in die falschen Hände geriet. Seitdem widmeten sie sich nur noch dem Studium der herkömmlichen Wissenschaften. Nur einige wenige von ihnen, darunter der Druide Bremen, befassten sich noch mit Magie und den alten Geheimlehren. Und die Druiden waren sich schnell einig, was mit dem Frevler zu geschehen hatte – sie schlossen Bremen aus ihrer Gemeinschaft aus.

Doch der nunmehr Ausgestoßene macht eine Entdeckung, die nur allzu deutlich darauf hinweist, dass man sich in Paranor in falscher Sicherheit wiegt. Aus den Nordlanden fallen Trolle in die Vier Länder ein, und ihre Späher sind Schädelträger – abtrünnige Druiden, die sich der Schwarzen Magie verschrieben haben. Ihr Anführer ist der Dämonenlord Brona, und sein Ziel ist die endgültige Unterwerfung der Vier Länder mitsamt der Vernichtung ihrer Völker. Doch die Druiden haben längst die Macht verloren, um seinen Armeen zu widerstehen.

Also macht sich Bremen nach Paranor auf, um Hilfe gegen Brona zu holen und die Druiden zu warnen. Er wird nicht ernstgenommen außer von zwei alten Freunden, Risca und Kinson. Wenig später schließt sich ihm eine junge Frau an, die über empathische Kräfte verfügt, sie aber nicht zu kontrollieren versteht. Mit Hilfe eines Orakels vom Geist eines Toten erfährt Bremen mehr über die Zukunft. Es steht nicht zum Besten.

In einer breit angelegten Rettungsaktion begeben sich die Gefährten zu verschiedenen Völkern, um sie vor Bronas Horden zu warnen und zum Widerstand aufzurufen. Doch Bremen begibt sich mit einem magischen Schwert zum Schädelberg, um dort eine weitere Geheimwaffe zu holen. Es gelingt ihm mit knapper Not, denn Bronas Trolle sind bereits überall. In einer über hundert Seiten beschriebenen Schlacht – genauer: eine Reihe davon – wird Brona schließlich von den vereinten Völkern bekämpft. Die Führung haben Bremen und der künftige König von Shannara. Wie’s ausgeht, will ich hier nicht verraten.

Unterm Strich

Der Roman ist gut und übersichtlich strukturiert, wird nicht überhastet, sondern wohlverständlich erzählt. So hat der Leser Muße, über die Motivationen der verschiedenen Beteiligten nachzudenken. Die mehreren Höhepunkte werden daher umso intensiver erlebt, bis schließlich der üble Brona verjagt ist. Diese Punkte täuschen allerdings nicht darüber hinweg, dass sich in menschlicher Hinsicht nichts Neues oder Aufregendes ergibt. Man hat den Eindruck, als habe Brooks mit dieserm Vorgeschichte-Roman eine Pflichtübung absolviert – dieser Aufgabe hat er sich mit Anstand entledigt. Seine später folgenden Landover-Romane, die in der Gegenwart spielen, sind weitaus besser und ausgereifter.

Taschenbuch: 608 Seiten.
Originaltitel: First King of Shannara, 1996
Aus dem US-Englischen übertragen von Susanne Gerold.
ISBN-13: 9783442247172

Ward, J. R. – Todesfluch (Black Dagger, Band 10)

_Die |Black Dagger|-Reihe:_

(Die englischen Originale sind in jeweils zwei deutsche Bücher aufgeteilt worden.)

01 [„Nachtjagd (1/2)“ 5283
02 [„Blutopfer (2/2)“ 5301
03 [„Ewige Liebe (1/2)“ 5358
04 [„Bruderkrieg (2/2)“ 5565
05 [„Mondspur (1/2)“ 5582
06 „Dunkles Erwachen (2/2)“
07 „Menschenkind (1/2)“
08 „Vampirherz (2/2)“
09 „Seelenjäger(1/2)“
10 „Todesfluch (2/2)“
11 „Blutlinien (1/2)“
12 „Vampirträume (2/2)“
13 „Die Bruderschaft der Black Dagger: Ein Führer durch die Welt von J.R. Ward’s BLACK DAGGER“
14 „Racheengel (1/2)“
15 „Blinder König (2/2), August 2010“
16 „Vampirseele (1/2), November 2010)“
17 „Mondschwur (2/2), Februar 2011)“

_Inhalt:_

Düster, erotisch, unwiderstehlich

Im Dunkel der Nacht tobt ein unerbittlicher Krieg zwischen den Vampiren und ihren Verfolgern. Die besten Krieger der Vampire haben sich zur Bruderschaft der BLACK DAGGER zusammengeschlossen, um sich mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Ihr grausamster Kampf ist jedoch die Entscheidung zwischen unbarmherziger Pflicht und glühender Leidenschaft …
(Verlagsinfo)

„Grandios! Wenn es eine Göttin der modernen Mystery gibt, dann ist es J. R. Ward.“
|Nicole Jordan|

_Meinung: _

Wie in jedem BD-Band, beginnt auch dieser mit dem Glossar der Begriffe und Eigennamen und stimmt somit Neueinsteiger informativ ein.

Und weiter geht es mit der Geschichte um Vishous „V“ und Jane. V schläft mir ihr und somit der ersten Frau, die er liebt, die er aber gehen lassen muss. V bringt Jane zurück in ihre Welt und löscht ihre Erinnerung an ihn und alles, was sie mit ihm erlebt hat, aus ihrem Gedächtnis.

Auch Dr. Manuel Manello, Janes Kollege, hat es auf sie abgesehen. Es gibt auch weitere spannende Rückblicke in Vs Vergangenheit und Jane erzählt von ihrer Kindheit.

Ebenso wird auch Cormias (Vs Auserwählte, V soll vierzig auserwählte Frauen zur Erhaltung der Art schwängern) Geschichte weitergesponnen. Weder Cormia noch V wollen die von ihnen verlangte Vereinigung. Als Cormia ihm nackt präsentiert wird, ist Phury als Zeuge dabei – und reagiert augenblicklich sexuell auf sie. (Und der Leser ahnt sofort, dass sich das nächste „Paar“ anbahnt.) V bricht das Zeremoniell ab, da er sich immer noch an Jane gebunden fühlt. Phury bietet sich an, statt V die auserwählten Frauen zu „befruchten“, damit V seine Jane zu sich holen kann – doch das ist natürlich ein steiniger Weg.

Manuel Manello taucht in Janes Wohnung auf, und trotzdem sie sich an nichts mehr erinnert, hat sie doch das Gefühl, jemandem untreu zu sein. Sie glaubt bald (auch weil V sie nachts „aufgesucht“ und mit ihr Sex hatte), sie leide an Schizophrenie. Doch dann kehrt V zu ihr zurück, ihre Erinnerungen ebenfalls und sie gestehen sich ihre Liebe ein. Alles könnte nun rosarot sein, wäre da nicht Manuel Manello, der V und den Black Daggern auf die Spur kommt. Als V ihm begegnet, blitzt in ihm das unerklärliche Wort „Bruder“ auf.

John erlebt seine Wandlung und erste sexuelle Erfahrungen (mit Layla), die darin münden, dass er „versagt“.

In diesem Band gibt es keinen „Lesser-Plot“, was ihn ein wenig einseitig werden lässt und ein wenig zu viel des Guten in Sachen Romance und Herzschmerz bedeutet. Die Geschichte von V und Jane rutscht zudem leider zum Schluss ins Kitschige ab. Hier wäre weniger mehr gewesen! Einzig amüsant sind die Dialoge/Szenen zwischen V und Butch.

_Fazit:_

Todesfluch ist ein „Black Dagger“-Band ohne „Lesser Plot“ und mit zu viel Herzschmerz/Romancegetue. Die sonst übliche Mischung zwischen Action und Romance fehlt hier gänzlich.

|Taschenbuch: 352 Seiten
Originaltitel: Lover Unbound (Part 2)
Aus dem Amerikanischen von Astrid Finke
Titelfoto von Dirk Schulz / Titelgestaltung von Animagic Bielefeld
ISBN-13: 9783453533059|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de

Marion Zimmer Bradley – Dämonenlicht (Truth Jourdemayne 3)

Die weiteren Abenteuer der Magierin Truth Jourdemayne

In das verschlafene Bergnest Morton’s Fork in den Appalachen verirrt sich selten ein Fremder. Bis zu diesem Sommer, als Truth, die Tochter des Magiers Thorne Blackburn und von Beruf Parapsychologin, mit einem Forscherteam dorthin kommt.

Unheimliche Dinge geschehen an diesem Ort – Menschen verschwinden auf unerklärliche Weise. Truth findet heraus, dass das Tor zur ‚Anderwelt‘ offen steht und demnächst ein weiteres Opfer fordern wird. Sie gerät in ihrem Kampf gegen die Zeit in einen tödlichen Strudel von Ereignissen.

Dies ist die eigenständige Fortsetzung von „Geisterlicht“. Es schadet aber nichts, wenn man „Geisterlicht“ kennt, denn dort wird die Heldin Truth Jourdemayne sowie ihr gesamter Hintergrund gut eingeführt. Dennoch scheint eine Lücke zum neuen Roman zu klaffen. Es fehlen etwa ein bis zwei Jahre sowie ein Großteil der esoterischen Lehrzeit Truths. Sie werden von dem Roman „Die Engel der Dämmerung“ (s.u.) abgedeckt.
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Alan Dean Foster – Die Echsenwelt. Ein Flinx-Abenteuer

Das geschieht:

Philip Lynx, genannt Flinx, folgt weiterhin den Spuren der eigenen Geschichte (s. zuletzt „Der grüne Tod“). Seine Existenz und seine telepathische Gabe verdankt er den grausamen eugenischen Experimenten der „Meliorare-Society“, die für ihre Untaten von der „Vereinigten Kirche“ des Homanx Commonwealth – dem Bund der Menschen mit den insektoiden Thranx – zerschlagen und verboten wurde. Seither unterliegen sämtliche Informationen über die Society dem Kirchenbann.

Trotz strengster Sicherheitsmaßnahmen gelingt Flinx auf der Erde der Einbruch in die Datenbank der Kirche. Das Unternehmen endet als Katastrophe: Die einzige Datei, die Flinx seine Fragen beantworten könnte, wurde von einer unbekannten fremden Macht so manipuliert, dass die Nachforschungen eine gewaltige Explosion auslösen. Flinx muss die Erde fluchtartig verlassen.

Wenigstens kann er den Weg rekonstruieren, den die Datei genommen hat. Sie wurde in den Bordcomputer eines angeblichen Handelsschiffs kopiert, das eine Reise in die Außenbezirke des Commonwealth führt. Pyrassa, der Zielplanet, liegt im Kaiserreich der AAnn, jener expansionswütigen und feindseligen Reptilrasse, die nur die Macht des Commonwealth vor einem offenen Kampf zurückschrecken lässt. Im Untergrund tobt dafür umso erbitterter ein ‚kalter‘ Krieg, was kluge Zeitgenossen die AAnn ausdrücklich meiden lässt.

Den wissbegierigen Flinx kann die Gefahr nicht schrecken. Doch Pyrassa droht ihm zum Grab zu werden. Er strandet auf der Oberfläche des öden und von gefräßigen Kreaturen heimgesuchten Planeten, stolpert über ein uraltes galaktisches Artefakt und fällt den AAnn in die Hände. Freilich hat er buchstäblich ein Ass im Ärmel: Pip, die fliegende Drachenschlange, die ihrem Herrn mit prall gefüllten Giftdrüsen zur Seite steht und denen, die Flinx in der Falle wähnen, eine böse Überraschung beschert …

Unendliches Abenteuer oder nur ein Drehen im Kreis?

Wenn dir als Autor zu einem von dir geschaffenen, auf dem Buchmarkt lukrativen und deshalb wertvollen Helden nichts mehr einfallen will, lass‘ ihn nach den eigenen Wurzeln graben. Das Ergebnis ist eine Odyssee, die sich unendlich auswalzen und mit modulhaft angeflanschten Standard-Episoden bestreiten lässt.

Das ist die böse, aber auch objektive Interpretation der Abenteuer von Flinx und Pip, die mit der „Echsenwelt“ in die achte Runde geht, ohne dass die Gesamthandlung auf der letzten Seite entscheidend vorangeschritten wäre. Foster-SF war und ist routiniert abgespulte Action mit dem Wissen um jene Ingredienzien, die der typische Leser dieser Romane erwartet. Flott muss das Geschehen sein, der Plot darf nicht komplex werden. Politische, gesellschaftliche oder kulturelle Extrapolationen bzw. Gedankenspiele, die eine ‚literarische‘ Science-Fiction prägen (und sie zu Recht ehren), bleiben außen vor. Der Kosmos à la Foster ist zwar gewaltig, aber simpel strukturiert.

Eigentlich ist er nur ein großer Abenteuerspielplatz. Hightech, über die sich der Verfasser Gedanken machen müsste, beschränkt sich auf recht wenige Schauplätze. Die Erde der Zukunft wirkt bei Foster wie die koffeinfreie Version der „Neuromancer“-Visionen eines William Gibson – oberflächlich hipp, aber aus zweiter Hand und ziemlich keimfrei, wie überhaupt das Commonwealth arg an das „Star Wars“-Universum erinnert.

Schnell wechselt Foster deshalb in den ‚Wilden Westen‘ des Commonwealth und präsentiert die alten, zeitgemäß leidlich aufgerüsteten Elemente des „Goldenen Zeitalters“ der SF: bizarre Außerirdische, gefräßige Ungeheuer, Weltraum-Schurken, kosmische Rätsel und andere Widrigkeiten, die stets für einen turbulenten Zwischenstopp taugen.

SF und die Furcht vor dem Unbekannten

Foster ist Profi. Action-SF schreibt bzw. produziert er seit Jahrzehnten. Er weiß, was sein Publikum von ihm erwartet, und er liefert es. Auch „Die Echsenwelt“ ist anspruchsloses, aber unterhaltsames Lesefutter – wenn es denn gelingt, die Ereignisse der sieben früheren Flinx/Pip-Romane sowie die Tatsache, dass „Die Echsenwelt“ eine Melange aus Fosters „Eissegler von Tran-ky-ky“ (Wunder & Schrecken eines Bizarr-Planeten) und „Das Tar-Aiym-Krang“ (Schrecken & Wunder aus der Vergangenheit) ist, zu ignorieren.

Was den Telepathen und seine Drachenschlange einst interessant machte, ist längst erfunden, entwickelt und erzählt, Flinx‘ Suche nach der eigenen Identität wirklich nur ein Vorwand, damit Foster die eingeführte Serie fortsetzen kann. Immer wieder stoßen wir auf Bekanntes: Flinx kämpft mit seiner unzuverlässigen Mutantenkraft, deren Versagen ihn zuverlässig in aufregende Bredouillen bringt, aus denen ihn die giftspuckende Pip befreit. Flinx ist wieder auf der Erde, wo er bereits früher nach seiner Herkunft forschte. Flinx stößt in die Tiefen des Raums vor und dort auf Gegner, die er und wir ebenfalls schon kennengelernt haben … So beginnt es und so setzt es sich fort.

Die Wiederkehr des Bekannten macht die Flinx/Pip-Romane zum kalkulierbaren Risiko für Leser, die vorab wissen möchten, worin sie ihre Lektürezeit investieren. Diesen Markt bedient natürlich nicht nur Foster; Neal Asher oder Alastair Reynolds beuten auf ähnliche Weise die Claims aus, die sie einst schufen.

Somit ist „Die Echsenwelt“ zwar ein Roman voller überraschender Wendungen, kann aber keine echten Überraschungen bieten. Flinx wird weiter suchen und um sein Leben kämpfen müssen. Unter aufgedecktem Wissen werden nur neue Fragen zum Vorschein kommen, die weitere Fortsetzungen vorbereiten. Mit „Flinx Transcendent“, dem 14. (!) Abenteuer der Serie, werden alle offenen Fragen gelöst, verspricht Foster; kann oder mag man ihm das glauben …?

Der Autor

Alan Dean Foster wurde am 18. November 1946 in New York City geboren, wuchs jedoch in der Filmstadt Los Angeles auf. Dort studierte er Politikwissenschaften und Film und arbeitete für eine kleine Werbeagentur. Als Schriftsteller erlebte Foster seine erste Veröffentlichung bereits 1968 mit einer Kurzgeschichte. 1972 erschien ein erster Roman („The Tar-Aiym Krang“), gleichzeitig der Auftakt zu einer inzwischen quantitativ eindrucksvollen Reihe von Romanen, die in Fosters ureigenem literarischem Kosmos, dem „Homanx Commonwealth“, spielen: einem Sternenreich, das gemeinschaftlich von den Erdmenschen und den Thranx, intelligenten Großinsekten, regiert wird.

Mit einer Veröffentlichungsrate von zwei bis drei Büchern pro Jahr gehört Foster zu den Handwerkern der Unterhaltungsliteratur. Er ist in zahlreichen Genres zu Hause und schrieb außer Science-Fiction auch Fantasy-, Horror-, Kriminal-, Western- oder Historienromane. Hinzu kommen zahlreiche Kurzgeschichten sowie Drehbücher für Film & Fernsehen, Scripts für Hörspiele, Computerspiele und andere Unterhaltungsmedien.

Fosters Arbeitstempo sowie seine Entscheidung für die eher kommerzielle Seite der Schriftstellerei ließen bisher kein Werk entstehen, das den Rang eines literarischen Klassikers beanspruchen könnte. Generell dominieren anspruchslose, allerdings sauber geplottete, mit lebendigen Figuren besetzte und flott geschriebene Geschichten, wobei der Anteil missratener und langweiliger Werke angesichts des Ausstoßes erstaunlich gering ist.

Privat liebt Alan Dean Foster ausgedehnte Reisen in entlegene Winkel der Welt. Er ist Sporttaucher und schreibt auch Artikel darüber. Mit seiner Familie lebt Foster in Prescott im US-Staat Arizona. Über sein Leben und Werk informiert er auf seiner lobenswert aktuell gehaltenen Website: http://www.alandeanfoster.com.

Hier liefert der Autor zudem ausführliche Hintergrundinfos (und Karten!) zum „Homanx Commonwealth“ und seiner Geschichte.

Die Flinx/Pip-Romane von Alan Dean Foster (Stand: Dezember 2008):

(1972) The Tar-Aiym Krang (dt. „Das Tar-Aiym-Krang“) – Heyne SF Nr. 3640
(1973) Bloodhype (dt. „Vorposten des Commonwealth“) – Moewig SF Nr. 3597
(1977) Orphan Star (dt. „Der Waisenstern“) – Heyne SF Nr. 3723
(1977) The End of the Matter (dt. „Der Kollapsar“) – Heyne SF Nr. 3736
(1983) For Love of Mother Not (dt. „Flinx“) – Heyne SF Nr. 4219
(1988) Flinx in Flux (dt. „Long Tunnel“) – Heyne SF Nr. 4657
(1995) Mid-Flinx (dt. „Der grüne Tod“) – Bastei-Lübbe SF Nr. 24367
(2001) Reunion (dt. „Die Echsenwelt“) – Bastei-Lübbe SF Nr. 24375
(2003) Flinx’s Folly (dt. „Stimme des Nichts“) – Bastei-Lübbe SF Nr. 24378
(2004) Sliding Scales
(2005) Running From The Deity
(2006) Trouble Magnet
(2007) Patrimony
(2009) Flinx Transcendent

Taschenbuch: 398 Seiten
Oktober 2008 (Bastei-Lübbe-Verlag/SF-TB Nr. 24375)
Originaltitel: Reunion, 2001)
Übersetzung: Michael Neuhaus
Cover: Arndt Drechsler
ISBN-13: 9783404243754

http://www.luebbe.de

Mehr von Alan Dean Foster auf |Buchwurm.info|:

[„Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“ 645
[„Aliens – Die Rückkehr“ 665
[„Alien 3“ 674
[„Herr der Plagen“ 216
[„Am Ende des Regenbogens“ 882
[„Die Eissegler von Tran-ky-ky“ 3294
[„Die Reise der Basset“ 4244

Marion Zimmer Bradley – Geisterlicht (Truth Jourdemayne 1)

Dem Magier auf der Spur

Was zuvor geschah: Das Tor zu den Göttern zu öffnen, Menschenwelt und Götterwelt wieder zu vereinen und dadurch unermessliche Macht zu erreichen, ist sein Ziel. Julian Pilgrim weiß genau, dass er dazu ein Ritual wiederholen muss, das vor dreißig Jahren der charismatische Magier Thorne Blackburn vorbereitet hatte. Doch in jener stürmischen Gewitternacht brach in Shadow`s Gate das Chaos aus, und Blackburns Lebensgefährtin kam damals unter mysteriösen Umständen ums Leben. Was Julian Pilgrims Pläne jedoch durchkreuzt: Blackburns Tochter Truth Jourdemayne will den Geschehnissen von damals auf die Spur kommen. (Verlagsinfo)

Die Autorin von „Die Nebel von Avalon“ begann mit „Geisterlicht“ einen neuen Zyklus. Im Mittelpunkt steht eine Magierin, die an sich und ihren Fähigkeiten zweifelt. Kein Wunder, denn schließlich ist Truth eine ausgebildete Wissenschaftlerin für statistische Parapsychologie an einer angesehenen Privatuniversität. Wie sie im ersten Band herausfindet, hat sie einen richtigen Magier zum Vater. Und sie hasst ihn. Mit Recht?
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Andrzej Sapkowski – Der Schwalbenturm (Geralt-Saga 4)

Die Geralt-Saga:

Vorgeschichte: _1_ [Der letzte Wunsch
Vorgeschichte: _2_ [Das Schwert der Vorsehung

_Roman 1_: [Das Erbe der Elfen
_Roman 2_: [Die Zeit der Verachtung
_Roman 3_: [Feuertaufe
Roman 4: Der Schwalbenturm

»Was ist mit dem Mädchen? Ihr dürft nicht zulassen, dass sie den Turm betritt! Hörst du? Lasst nicht zu, dass sie den Schwalbenturm betritt …«

Hexer Geralt und seine Gefährten sind bei der Suche nach Ciri, der verschwundenen Prinzessin von Cintra, bisher erfolglos geblieben. Jetzt will die rivische Königin sie als Partisanenkämpfer in dem blutigen Krieg gegen Nilfgaard verpflichten. Doch sie setzen sich ab, um ihre unterbrochene Reise zu den Druiden wieder aufzunehmen. Bei einem Überfall gerät Geralts Wolfsmedaillon, das Insignium seines Hexertums, in fremde Hände… Ciri, die so hartnäckig Gesuchte, ist von dem gelehrten Einsiedler Vysogota aufgenommen worden. Ihr ganzes Sinnen und Trachten richtet sich jetzt auf den legendären Schwalbenturm, denn dies muss der Ort sein, von dem in der alten Prophezeiung die Rede ist. Allerdings ist der Schwalbenturm nur noch eine Ruine … (Verlagsinfo)

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Wolfram Fleischhauer – Die Verschwörung der Engel (Die Legenden von Phantásien)

Nadil ist ein junger Schmetterlinger. Schmetterlinger sind eng mit den Riesenschmetterlingen befreundet, sie bemalen deren Flügel mit Sternenstaub und dürfen auf ihnen reiten. Den Sternenstaub erhalten die Schmetterlinger von den Sternenputzern, und dorthin sind Nadil, seine Freunde Piri, Beliar und Masía mit Meister Toralon unterwegs. Als sie aber in Mangarath ankommen, der riesigen Stadt des Klangs, die in den letzten Jahren um das Sternentor herum gewachsen ist, wird ihnen von den Stierwächtern der Stadt vorboten, das Sternenputzerviertel zu betreten! Und überhaupt ist noch einiges andere äußerst merkwürdig!
Wolfram Fleischhauer – Die Verschwörung der Engel (Die Legenden von Phantásien) weiterlesen

Haydon, Elizabeth – Tochter der Zeit (Rhapsody / Symphony of Ages)

Rhapsody Saga

Band 1: Rhapsody: Child of Blood, Tor 1999, ISBN 0-312-86752-2
Tochter des Windes, Heyne 2003, Übersetzer Michael Windgassen, ISBN 3-453-86372-0
Band 2: Prophecy: Child of Earth, Tor 2000, ISBN 0-312-86751-4
Tochter der Erde, Heyne 2003, Übersetzerin Christine Struth, ISBN 3-453-87069-7
Band 3: Destiny: Child of Sky, Tor 2001, ISBN 0-312-86750-6
Tochter des Feuers, Heyne 2004, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87549-4
Band 4: Requiem for the Sun, Tor 2002, ISBN 0-312-87884-2
Tochter der Zeit, Heyne 2005, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-87911-2
Band 5: Elegy for a Lost Star, Tor 2004, ISBN 0-312-87883-4
Tochter des Sturms, Heyne 2006, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 3-453-52067-X
Band 6: The Assassin King, Tor 2007, ISBN 0-765-30565-8
Tochter der Sonne, Heyne 2008, Übersetzer Michael Siefener, ISBN 978-3-453-53256-4
Band 7: The Merchant Emperor, Tor 2014, ISBN 978-0-7653-0566-4
Band 8: The Hollow Queen, Tor 2015, ISBN 978-0-7653-0567-1
Band 9: The Weaver´s Lament, Tor 2016, ISBN 978-0-7653-2055-1

Lost Journals of Ven Polypheme

The Floating Island, Starscape 2006, ISBN 0-765-30867-3
The Thief Queen’s Daughter, Starscape 2007, ISBN 978-0-7653-0868-9
The Dragon’s Lair, Starscape 2008, ISBN 978-0-7653-0869-6
The Tree of Water, Starscape 2014, ISBN 978-0-7653-2059-9
(Quelle: Wikipedia.de)

Nachdem Rhapsody zusammen mit Gruntor und Achmed den F’dor vernichtet und endlich ihren Ashe geheiratet hat, sollte eigentlich alles in Butter sein. Ist es aber nicht.

Esten, die Herrin der Rabengilde in Yarim Paar, ist immer noch rachsüchtig auf der Suche nach denjenigen, die eine Handvoll ihrer Gesellen töteten und ihren Tunnel zerstörten, den sie unter die Entudenin, den Wasserquell der Stadt, getrieben hat. Als eine Gruppe Bolg-Handwerker in die Stadt kommt, um die Entudenin wiederzubeleben, erhält sie endlich, nach jahrelanger, ergebnisloser Suche, einen Hinweis.

In Sorbold sind binnen einer einzigen Nacht die Kaiserin und ihr unverheirateter Sohn verstorben und haben den Thron verwaist zurückgelassen. Nun droht das Reich in mehrere Kleinstaaten zu zerfallen. In einem höchst ungewöhnlichen Verfahren werden die weitere Zukunft des Reiches und ein neuer Kaiser bestimmt. Die Erleichterung über diese Rückkehr zur Stabilität in Sorbold ist allerdings nur von kurzer Dauer.

Während Achmed und Ashe in Sorbold weilen, befindet sich Rhapsody auf der Reise zu Elynsinos. Seit sie Ashes Kind trägt, ist ihre Gesundheit angeschlagen, und sie hofft, bei Elynsinos Rat und Ruhe zu finden. Doch unterwegs wird sie überfallen – von ihrer Vergangenheit! Nur durch einen Akt der Verzweiflung kann sie sich dem Zugriff ihres Gegners entziehen. Während der Feind auf der Suche nach Rhapsody nahezu die gesamte Westküste einäschert, sind Ashe und Achmed auf dem Weg zu ihrer Rettung. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.
Unterdessen schleicht Esten sich in Ylorc ein und stellt Achmed eine tödliche Falle …

Elizabeth Haydon erzählt ihre Geschichte wieder mit Geschick und Eleganz. Gleich zu Anfang legt sie mehrere Bedrohungen an, die im Laufe der Handlung langsam aber unaufhaltsam auf die Protagonisten zukriechen.

Die eine kommt aus der Vergangenheit in Gestalt einer Person, die lediglich im ersten Band kurze Zeit auftaucht: Michael, der Wind des Todes, wie er sich selbst zu nennen pflegte. Nach Rhapsodys Flucht schien dieser Mann abgehakt. Nun stellt sich heraus, dass er es nicht nur vor dem Untergang von Serendair nach Nordland geschafft hat, sondern auch noch Wirt eines F’dor ist, und das auf höchst ungewöhnliche Art. Denn der F’dor hat in diesem Fall, ganz entgegen der sonstigen Vorgehensweise, den Wirt nicht seinem Willen unterworfen und seine Persönlichkeit bis zum Erlöschen ausgesaugt, um seine eigene Stärke und Macht zu vergrößern. Stattdessen begnügt er sich mit dem an Feuer, Gewalt und Tod, was sein Wirt ihm freiwillig bietet.
Warum der F’dor in diesem Fall offenbar nicht in der Lage war, seinen Wirt vollständig zu übernehmen, ist nicht ganz klar. Michael ist ein grausamer und bösartiger Charakter, gleichzeitig aber auch ein Feigling voller Minderwertigkeitskomplexe. Um gegen einen F’dor zu widerstehen, hätte ich als notwendige Eigenschaften eher innere Stärke und einen gefestigten Charakter genannt, wovon Michael schlichtweg überhaupt nichts besitzt. Hier sitzt ein kleiner Knacks in der Logik, oder zumindest eine mangelhaft erklärte Frage.
Durch reinen Zufall hat Michael schließlich erfahren, dass Rhapsody entgegen seinen Erwartungen noch lebt. Nun will er sie wiederhaben! Gegen den Willen des F’dor verlässt er Argauth und seine dortige Machtposition, um nach Osten zu segeln und Rhapsody zu entführen. Bei sich hat er Faron, seinen Sohn, ein missgestaltetes Geschöpf, das im Wasser lebt und aus Drachenschuppen lesen kann.

Die unmittelbarste Gefahr stellt Esten dar. Die absolute Herrscherin der Unterwelt, deren Macht beinahe der des Herzogs gleichkommt, ist es nicht gewohnt, Misserfolge oder Rückschläge einstecken zu müssen! Dementsprechend nachtragend verhält sie sich im Hinblick auf den zerstörten Tunnel. Als dann auch noch die Bolg das erreichen, was sie selbst zu erreichen hoffte, nämlich das Wasser der Entudenin wieder fließen zu lassen, kennt ihre Wut keine Grenzen. Kein Wunder, dass sie ihre Rache mit völliger Unbeirrbarkeit verfolgt und sich dafür auch in die Höhle des Löwen wagt.
Estens Charakterzeichnung ist außerordentlich gelungen. Sie ist kalt, skrupellos, machthungrig und absolut furchtlos. Mit dem Messer ist sie ebenso schnell und präzise wie mit Dietrichen und Werkzeug. Der größte Teil ihres Einflusses beruht auf der Furcht, die alle anderen vor ihr haben, ihr engster Vertrauter Dranth eingeschlossen. Diese Furcht ist nicht ganz unberechtigt. Diese Frau ist ein Raubtier!

Sorbolds neuer Kaiser wirkt dagegen vorerst wie ein Waisenkind. Seine Person wird ganz allmählich eingeführt, seine Handlungen wirken vorerst noch diffus und verwirrend. Erst bei der Entscheidung der Waage wird überhaupt klar, um welche Person es sich dabei handelt.
Bis zum Ende des Buches ist jedoch immer noch nicht ganz klar, was nun genau so bedrohlich an der Entwicklung in Sorbold sein soll. Denn das Hauptaugenmerk liegt auf den beiden Erzählsträngen um Esten und Michael. Dass beide am Ende des Buches tot sind, muss jedoch nicht das Ende dieses Erzählstranges bedeuten, zumal über Michaels Schicksal keine klaren Aussagen getroffen wurden. Auch über den Verbleib seines Kindes erfährt der Leser nichts. Die Gilde ist ebenfalls noch nicht wirklich geschlagen. Esten hat eine Menge Geheimnisse Ylorcs ausspioniert und die Informationen an Dranth weitergeleitet. Die Nutzung derselben eröffnet eine ganze Reihe weiterer Möglichkeiten im Hinblick auf den Fortgang des Geschehens. Wie weit an diesen Fäden tatsächlich noch gesponnen wird, bleibt abzuwarten.
Vorerst steht zu erwarten, dass die Gewichtung sich nun zunehmend Richtung Sorbold neigt. Außerdem muss bei Elizabeth Haydon auch ständig mit der Eröffnung neuer Handlungsstränge gerechnet werden.

Im Hinblick auf Ideen und Gestaltung sind einige neue Aspekte hinzugekommen oder erweitert worden, so zum Beispiel die Idee der Bruderschaft des Windes, zu der auch Anborn gehört, die Waage in Sorbold und sowie Michaels Kind und die bunten Drachenschuppen. Besonders wichtig scheint alles zu sein, was mit den Glasarbeiten in einem von Ylorcs Türmen zu tun hat. Wohlweislich hat die Autorin aber nur einen Bruchteil dessen verraten, worum es dabei geht.
Waren Teile der Handlung bei der Vorgänger-Trilogie noch in Prophezeiungen verschlüsselt, so hat die Autorin dafür diesmal Lieder und Gedichte herangezogen, an denen der Leser während des Geschehens herumrätseln kann.

Der trockene Humor, der den Umgang von Rhapsody, Achmed und Gruntor untereinander auszeichnete, ist in diesem Band endgültig verschwunden. Das mag auch daran liegen, dass die drei sich diesmal kaum sehen. Abgesehen davon muss ich sagen, dass die ursprünglichen Charaktere einiges von ihrer Anziehungskraft verloren haben. Von Rhapsodys Bennener- und Gesangsmagie ist diesmal nicht viel zu spüren, außer bei einer kurzen Sequenz in Yarim, wo sie die Massen beruhigt, und einer kurzen Erwähnung in der Höhle, als sie ihr ungeborenes Kind die Melodien des Meeres lehrt. Das reduziert die eigentliche Heldin auf eine eindimensionale Rolle als schwangere Frau und nimmt dem Buch viel von dem Flair seiner Vorgänger. Achmed ist seit seinem Aufstieg zum König auch um einiges blasser geworden. Auf die Frage, warum er sich so viel mit dem Aufbau einer Glaskuppel beschäftigt, lässt sich vielleicht in späteren Bänden eine Antwort finden, wenn weitere Einzelheiten erkennbar werden. Was ich jedoch nicht verstehen konnte, war, warum der Firbolg-König eigentlich persönlich die Bohrungen an den Entudenin beaufsichtigen muss. Das hätte Gruntor auch allein fertig gebracht. Wo ist der düstere Dhrakier geblieben, dessen Lebensinhalt ursprünglich die Jagd auf die F’dor war? Von dem früheren Feuer dieses Mannes ist nicht einmal dann viel zu spüren, als er tatsächlich wieder auf Jagd geht. Es scheint, als hätte die Autorin wegen der großen Mühe, die sie auf ihre Nebenfiguren verwendet hat, diesmal die Hauptfiguren ein wenig zu sehr vernachlässigt.

So bleibt dieser vierte Band doch ein Stück hinter den ersten dreien zurück, wenn er auch nicht wirklich schlecht ist. Der Aufbau der Konflikte erfolgt allmählich und langfristig, was sich in den ersten Bänden bereits gut bewährt hat, und es wird durchaus Spannung geboten. Bleibt zu hoffen, dass das Potenzial, das Haydon in diesem Buch angelegt hat, sich in den Fortsetzungen entfaltet und dabei auch die Hauptpersonen wieder etwas mehr mitreißt! Der fünfte Band erscheint auf Deutsch allerdings erst nächstes Jahr unter dem Titel „Tochter des Sturms“. Der sechste Band ist noch nicht fertig, soll aber auf Englisch ebenfalls nächstes Jahr erscheinen unter dem Titel „The Assassin King“.

Elizabeth Haydon lebt an der Ostküste der USA mit ihrem Mann und drei Kindern. Sie interessiert sich für Kräuterkunde und Geschichte, singt und spielt selbst Harfe. Bevor sie zu schreiben begann, arbeitete sie im Verlagswesen. Außer |Symphony of Ages| schrieb sie auch |The Journals of Ven Polypheme| für Kinder.

http://www.elizabethhaydon.com/

Patricia McKillip – Schatten über Ombria

Sprachgewaltige Fantasy

Der König ist tot, lang lebe der König – doch wie lange noch? Unter dem wachsenden Schatten der zaubermächtigen Regentin muss der junge Thronerbe überleben, oder die Stadt wird untergehen. Die Freunde, die Kyel lieben, beschließen ihn unter Lebensgefahr zu retten, doch sie haben nicht mit der Macht der Regentin gerechnet.

Die Autorin
Patricia McKillip – Schatten über Ombria weiterlesen

Sheckley, Robert – Aliens – Blutige Ernte

_Mit Aliens ist nicht gut Kirschen essen _

Die ALIENS-Reihe – erfunden nach dem gleichnamigen James-Cameron-Film – bietet literarische Massenware, die ohne viele Schnörkel das Bedürfnis nach gruselig-spannender Unterhaltung befriedigt. Robert Sheckley hingegen, der Autor dieses Bandes, ist als Klassiker der satirischen SF in die Annalen eingegangen – da darf man schon etwas mehr Stil erwarten.

_Handlung_

Stan Myakovsky war einst ein berühmter Kybernetiker, der Roboter baute und Patente erwarb, doch die Zeiten des Ruhms sind vorbei. Die Behörden konfiszieren sein Raumschiff, die |Dolomite|, und der Arzt sagt ihm, er habe Krebs und nur noch wenige Monate zu leben.

Da taucht Julie Lish auf. Sie ist nicht nur schön und geheimnisvoll, sondern auch eine ausgezeichnete Diebin. Sie hat einen unglaublichen Plan: Mit Stans Hilfe will sie an Gelee Royal von den Aliens herankommen. Gelee Royal verfüttern diese Insekten an ihre junge Brut. Gleichzeitig lindert es die Schmerzen, die man zum Beispiel im Endstadium von Krebs erleidet. Kein Wunder, dass Stan nicht lange braucht, bis er mitmacht – auch wenn die Chancen minimal sind.

Mit Dreistigkeit kommt man weit – Stan kapert die Dolomite, besetzt sie mit einer Mannschaft aus Verbrechern auf Bewährung, und ab geht die Post zum gottverlassenen Planeten AR-32. Zusammen mit seinen Begleitern und seinem treuen Roboter Norbert, der genau wie ein Alien-Krieger aussieht (und nach dem Begründer der Kybernetik, Norbert Wiener, benannt ist), dringen sie in das ausgedehnte Nest der Aliens ein. Leider läuft alles schief, was nur schief gehen kann …

_Mein Eindruck_

Der Könner Sheckley zeichnet die beiden Gestalten von Stan und Julia mit geübten, aber für die ALIENS-Buchreihe ungewohnt detailreichen, fast liebevollen Strichen. Der Leser kann zu weiten Teilen der inneren Entwicklung im Liebesverhältnis der beiden folgen, auch wenn gegen Ende die Psychologie unter der Action leidet. Es stehen gegen Schluss – also auf den letzten 100 Seiten – die spannenden Handlungselemente im Vordergrund. Dennoch ist der Tod von Stan und Norbert von geradezu tragischer Größe – keine geringe Leistung des Autors. (_SPOILER_ Nur Julie und der Kapitän der Dolomite überleben das Massaker – Frauen und Selbstmordgefährdete dürfen das, quasi zum Trost. _SPOILER ENDE_)

|Originaltitel: ALIENS – Alien harvest, 1995
288 Seiten
Aus dem US-Englischen übertragen von Michael Nagula|

Richard Schwartz – Das Erste Horn (Das Geheimnis von Askir 1)

Gemütlich: Untote im Keller, Magier im Bett

Ein Wintersturm hält die bunt zusammengewürfelten Gäste eines Gasthofs gefangen. Neben zwielichtigen Söldnern und Soldaten befinden sich auch der alte Soldat Havald und die magisch begabte Halbelfe Leandra unter den Anwesenden. Als bereits in der ersten Nacht des Eingeschlossenseins ein bestialischer Mord am Stalljungen geschieht, geraten Havald und Lea in Gefahr. Denn unter dem Gasthof verbirgt sich ein uraltes Geheimnis, das in längst vergangene Zeiten zurückweist: in die Ära des legendären Reiches Askir. Zunächst versucht sich Havald als Meisterdetektiv, doch mit Logik ist Magie nicht viel beizukommen …

Der Autor

Richard Schwartz – Das Erste Horn (Das Geheimnis von Askir 1) weiterlesen