Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Canavan, Trudi – Novizin, Die (Die Gilde der Schwarzen Magier 2)

_Per aspera ad astra: Soneas Bewährung_

Sonea wird als Novizin in die Gilde der Magier aufgenommen – ein Privileg, das sonst nur Adligen zuteil wird. Dementsprechend wird sie angefeindet, besonders von einem Novizen namens Regin. Aber bald schon findet sie sich im Zentrum einer gefährlichen Verschwörung wieder: Akkarin, der Oberste Lord der Gilde, hütet ein düsteres Geheimnis, das Sonea vor eine schicksalhafte Wahl stellt …

_Die Autorin_

Trudi Canavan wurde 1969 im australischen Melbourne geboren. Sie arbeitete als Grafikerin und Designerin für verschiedene Verlage und begann nebenher zu schreiben. 1999 gewann sie den |Aurealis Award| für die beste Fantasy-Kurzgeschichte. Ihr Debütroman, der erste Band der Trilogie |Die Gilde der Schwarzen Magier|, erschien 2001 in Australien. Die Trilogie wurde nicht nur in Australien ein spektakulärer Erfolg, sondern entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller. Canavan arbeitet an einer weiteren Fantasy-Trilogie, von welcher der erste Band bereits erschienen ist.

Band 1: [„Die Rebellin“ 3041

_Handlung_

Das Mädchen Sonea stammt zwar aus der ärmlichen Hüttenstadt von Imardin, doch durch ihre magischen Fähigkeiten hat sie es geschafft, in die Gilde der Magier als Novizin aufgenommen zu werden – ein Privileg, das sonst nur Adligen zuteil wird. Ihr Mentor ist der verwitwete Magier Rothen, dessen Sohn weit weg als Heiler tätig ist. Sonea wird quasi zu seiner Tochter. Doch die Ereignisse, die im ersten Band der Trilogie erzählt werden, lassen bezweifeln, dass das Glück Rothens und Soneas von Dauer sein wird. Und so kommt es auch.

Nur durch eine Wahrheitslesung, bei der ihre Gedanken und Erinnerungen durchsucht wurden, ist es Sonea gelungen, ihren Widersacher Lord Fergun zu besiegen, der ihren Freund Cery als Geisel gefangen gehalten hat. Bei dieser Wahrheitslesung ist jedoch der ausführende Lord Lorlen, der Administrator der Gilde, ebenso wie zuvor schon Lord Rothen in den Besitz von Soneas größtem Geheimnis gelangt. Sie hat den obersten Magier Akkarin, den Hohen Lord, heimlich beim Praktizieren von verbotener Schwarzer Magie beobachtet. Eigentlich müsste er nach den Gesetzen der Gilde ausgestoßen werden, doch wer könnte einem so mächtigen Mann entgegentreten? Es gibt niemanden, der dazu in der Lage wäre.

Das düstere Geheimnis belastet Sonea, Rothen und Lorlen, und da Akkarin in der Lage ist, Gedanken zu lesen, wenn sie nicht besonders gut vor ihm verborgen werden, merkt er an seinem Freund Lorlen, dass etwas nicht stimmt. Lorlen verhält sich ihm gegenüber zurückhaltend und angespannt, seine Antworten sind ausweichend. Als er den Grund dafür in Lorlen liest, ergreift Akkarin sofort die Initiative. Er stellt Lorlen zur Rede und nimmt Rothen und Sonea als Geisel, um Lorlens Willfährigkeit und Schweigen zu gewährleisten. Das Gleiche macht er mit Rothen und Sonea. Denn die Alternative bestünde nur im Tod aller drei.

Sonea nimmt er aus Rothens Obhut heraus und macht sie zu seinem Schützling. Da Sonea schreckliche Angst vor dem mächtigen und unheimlichen Hohen Lord hat, weicht sie ihm so weit wie möglich aus. Und sie leidet nicht nur unter der Trennung vom lieben Lord Rothen, sondern unter einer neuen Plage, die mit dem Sommersemester begann. Der Novize Regin, Schützling von Lord Garrel, neidet Sonea ihr, wie er denkt, ungerechtfertigtes Privileg und hat die Aufgabe und Absicht, Sonea den Aufenthalt in der Gilde derart zu vergällen, dass sie von alleine geht – oder von ihren Lehrern gegangen wird.

Selbst der Wechsel in den nächsthöheren Jahrgang trägt nichts dazu bei, Regin abzuschütteln, vielmehr schafft er es, zu den jüngeren Novizen nun auch noch ältere auf seine Seite zu ziehen, so dass Sonea auf den Fluren der Gildegebäude kaum noch vor ihren Attacken sicher ist. Diese schließen den Gebrauch von Magie mit ein und treiben Sonea an den Rand ihrer Leistungsfähigkeit – und darüber hinaus. Es gelingt ihr, in einem verschlossenen Schrank eine Liste und Skizze mit den Geheimgängen zu finden, so dass sie ihren Peinigern entfliehen kann. Doch warum lässt Lord Akkarin es überhaupt zu, dass man sie so piesackt? Welchen Plan verfolgt er? Und ist er für die mysteriöse Mordserie in der Hüttenstadt verantwortlich?

|In Elyne und anderswo|

Nachdem Administrator Lorlen Lord Dannyl als zweiten Botschafter nach Elyne geschickt hat, wandelt Rothens Freund Dannyl auf den Spuren Lord Akkarins. Denn er soll herausfinden, was es mit der Schwarzen Magie auf sich hat, die Akkarin anwendet. Woher stammt sie, wie wird sie angewendet und wie mächtig ist sie? Kann man Akkarin irgendwie besiegen?

In Elyne lernt Dannyl einen eifrigen freundlichen Gelehrten namens Tayend kennen, der ihm die berühmte Große Bibliohek von Elyne zeigt. Nicht genug damit: Tayend schließt sich sogar Dannyl auf seinen Reisen nach Lonmar und zu den Vin-Inseln an, auch wenn er dabei seekrank wird. Zusammen erkennen sie mehr, als es einem Einzelnen möglich gewesen wäre – sozusagen das klassische Holmes-&-Watson-Gespann.

Doch nach einigen Wochen merkt Dannyl, dass Tayend homosexuelle Neigungen hat und dass dies nicht nur in Elyne, sondern auch in Kyralia bekannt ist, bei der Magiergilde. Nun, Dannyl hatte vor langer Zeit selbst einmal eine solche homoerotische Episode, die fast zu seinem Hinauswurf geführt hätte und die er deshalb erfolgreich verdrängt hat. Mit seinen Heilerfähigkeiten kann er auch jede erotische Regung seines Fleisches unterdrücken.

Doch in einer verlassenen Burgruine stößt Dannyl auf eine magische Einrichtung, die der Hinrichtung von Magiern dient, die Dannyl um ein Haar vernichtet. Tayend rettet ihm das Leben, und nun kann Dannyl nicht mehr die Augen vor dem verschließen, was er sein ganzes Leben zu leugnen versucht hat …

_Mein Eindruck_

Eigentlich müsste dieser Mittelband der Trilogie total deprimierend wirken. Denn ständig ist die Hauptfigur negativen Gefühlen ausgesetzt: Sie wird beleidigt, gedemütigt, gepiesackt, psychisch durchleuchtet, sabotiert, verraten und schließlich auch noch mehrfach angegriffen. Das ist nicht gerade das aufbauendste Motivationstraining, das man sich für eine angehende Magierin vorstellen kann.

Aber es gibt auch Lichtblicke, und diese sind es, die im Wechsel mit den zwei, drei anderen Handlungssträngen die Lektüre doch noch erträglich machen. So lernt Sonea beispielsweise den aufgeweckten und fortschrittlich denkenden Sohn von Lord Rothen kennen. Dorrien ist Heiler und lebt weit weg in den Bergen, aber als er mal wieder seinen Vater besucht, zeigt er Sonea einen magischen Ort voll Schönheit, der ihr ein ideales Rückzugsgebiet verschafft, um Regins Attacken zu entgehen. Und Dorrien ist es auch, der die entscheidende Lösung für das Problem mit Regin findet: eine öffentliche Herausforderung zum Duell. So etwas hat es zuletzt vor 52 Jahren gegeben, und die Magierschaft ist entsprechend aufgeregt, von Sonea ganz zu schweigen.

|Per aspera ad astra|, wie der Lateiner sagt, und so muss auch Sonea Mittel und Wege finden, um mit den Attacken Regins fertig zu werden. Sie entdeckt die Geheimgänge in den tragenden Wänden der Gildengebäude, auf denen sich sonst nur der Hohe Lord bewegt. Doch Ausweichen kann sie nicht für immer, und so ist es überlebensnotwendig, dass sie auch ihre Verteidigungsmagie stärkt und schult. Dazu gibt ihr auf Akkarins Anweisung hin Lord Yikmo Nachhilfeunterricht.

Wird das magische Duell mit Regin die Lösung all ihrer Probleme bringen? Das ist wohl kaum anzunehmen, solange Sonea um die schwarzmagischen Praktiken ihres Mentors Akkarin weiß. Denn so lange wird sie auch als Geisel missbraucht, um für das Wohlverhalten Rothens und Lorlens zu sorgen. Dennoch ist das Zaubererduell eine wichtige Station, um Sonea, der Diebin und vermeintlichen Hure aus den Slums der Hüttenstadt, endlich soziale Geltung zu verschaffen. Doch Regin wird von Lord Garrel unterstützt und vom Kriegerlord Balkan. Kann sie ihm wirklich Paroli bieten? Das Finale ist diesmal besonders spannend gelungen.

Unter den Erzählsträngen, die das Leben der Magier beleuchten, sind auch zwei kriminologische Ermittlungen, könnte man sagen. Die mysteriöse Mordserie in der Hüttenstadt wird von Lord Lorlen mit Interesse beobachtet, denn er verdächtigt seinen Freund Akkarin der Täterschaft. Denn der zuständige „Kommissar“ Baran führt ihn zu den Tatorten, zeigt ihm die Opfer, liefert Zeugenaussagen und alles, was man zu einer Mordermittlung benötigt. Das alles ist recht interessant, führt aber leider zu nichts. Es liefert aber eine Erklärung für die Position, in der sich Akkarin selbst befindet: Er selbst ist einem Angriff von dritter Seite ausgesetzt. Von Leuten, auf die erst die Ermittlung durch Dannyl stößt.

Dannyls Ermittlung in Sachen Akkarins Vergangenheit und Ursprünge der Magie in den Verbündeten Ländern ist in zweierlei Hinsicht interessant. Er stößt auf uralte Symbole der Zauberei, die darauf hindeuten, dass früher, also vor dem Magierkrieg vor 700 Jahren, auch Frauen Magie ausübten. Ja, dass es eine ausgeprägte Magiekultur gab, die sogar die Hinrichtung ungehorsamer Zauberer einschloss. Erst seit 700 Jahre bündelt und kultiviert die kyralische Magiergilde die magischen Kräfte, die hin und wieder in Bürgern der Verbündeten Länder erwachen – eine effektive Kontrollinstanz. Dass es aber immer noch sachakanische Magier gibt, erfahren Dannyl und Sonea erst am Ende dieses Bandes. Daher wird die Bekämpfung dieser Feinde den dritten Band bestimmen.

Der anderer Aspekt, den Dannyl beiträgt, ist die Homosexualität. Dieses Thema anzusprechen und durchzuspielen, ist nicht nur mutig von der Autorin. Das Thema dient auch als Lackmustest, um die unterschiedlichen moralischen Auffassungen in Kyralia, Elyne und Lonmar aufzuzeigen. Während die Elyner recht liberal damit umgehen, erweisen sich die Kyralier als intolerant, wie der Ausschluss von schwulen Magiern aus der Gilde belegt. Das ist aber noch gar nichts gegen den fundamentalistischen Rigorismus, der in Lonmar praktiziert wird.

Als Dannyl und Tayend auf ihren Reisen in der lonmarischen Hafenstadt eintreffen, werden auf dem Richtplatz gerade zwei Urteile vollstreckt. Eine untreue Ehefrau wird ausgepeitscht und ihr Liebhaber hingerichtet. Tayend wird angst und bange, als er an seine eigene Abweichung von der Norm denkt. Seine farbenfrohen höfischen Klamotten muss er gleich mal gegen „anständige“ moralkonforme Kutten austauschen.

Das Tabuthema trägt im weiteren Verlauf von Dannyls Reise zu vielen witzigen Dialogen bei, denn es geht darum, das Thema offen oder verdeckt zu erörtern, und das nicht nur mit Tayend, sondern auch mit Höflingen in Elyne. Dannyl und Tayend führen sozusagen Theater auf, um die Leute nicht auf die Idee zu bringen, sie hätten etwas miteinander. Man kann zwar an „Brokeback Mountain“ denken, aber das Versteckspiel von Dannyl und Tayend ist wesentlich witziger und unterhaltsamer. Dass es nicht ewig weitergeführt werden kann, ist klar. Als Tayend Dannyl das Leben rettet, ist der Augenblick der Wahrheit gekommen.

|Die deutsche Ausgabe|

Die beiden deutschen Ausgaben des Romans – sie haben verschiedene Titelbilder – sind mit nützlichem Beiwerk versehen. Die Karten des Landes Kyralia befinden sich in den äußeren Umschlagklappen, die Karten der Stadt Imardin und der Gilden-Universität befinden sich auf den ersten Seiten. Dadurch werden die Lage und die Grundrisse der jeweiligen Örtlichkeiten für jeden Leser leicht verständlich und er findet sich leicht zurecht, wenn die Action etwas schneller vorangeht.

In den Anhängen sind die verschiedenen Bezeichnungen von Pflanzen, Tieren, Nahrungsmitteln, Kleidern, Waffen und öffentlichen Gebäuden erklärt. Da Kyralia von verschiedenen Ländern umgeben ist (gegen die es zuletzt vor 700 Jahren Krieg führte), liefert der Anhang auch zu jedem Land eine sehr knappe Erklärung.

|Die Übersetzung|

Auf Seite 76 gibt es eine Szene, die mir Rätsel aufgab, weil mittendrin der Name einer Figur wechselt. Sonea streitet sich mal wieder mit Regin, als AHRIND auf sie zukommt und ihr sagt, sie habe heute Küchendienst. Nachdem sie ihre Überraschung verraten hat, geht er achselzuckend wieder – diesmal aber als ALEND. Beide Namen gehören zu Figuren in der Handlung, aber das sind natürlich ganz verschiedene Figuren. Entweder ist dieser Namenswechsel ein Fehler der Autorin, des Lektors, der Übersetzerin – oder ich bin zu langsam.

Auf Seite 114 benutzt die Übersetzerin wie schon in Band 1 den unüblichen Plural „Balkons“ statt „Balkone“. Eine lässliche Sünde, die ihr als Stilfrage vergeben sei.

_Unterm Strich_

Dieser Band ist dem Wachstum und der Bewährung gewidmet, was die Entwicklung der Heldin angeht. Wie stark ist Sonea wirklich, wenn es um ihre magischen Kräfte geht? Ist sie so stark wie der Hohe Lord und könnte sie der Abscheulichkeit seiner schwarzmagischen Praktiken ein Ende bereiten? Soneas Freunde und Unterstützer hoffen darauf, und der Verlauf des finalen Showdowns zwischen Sonea und ihrem Widersacher Regin (und seinen Hintermännern, den Adligen) gibt ihnen Anlass zu Hoffnung. Mehr darf nicht verraten werden.

Am Schluss wird offenbart, dass sich nicht nur die Gilde, sondern die Stadt Imardin und das Land Kyralia einer geheimen Invasion ausgesetzt sehen. Diese Invasion fordert bereits eine Menge Opfer unter den Bewohnern der Hüttenstadt. Der dritte Band muss schildern, wie diese Invasion abgewehrt wird. Aber wird auch das Schicksal des Hohen Lords besiegelt? Es bleibt spannend.

|Originaltitel: The Novice, 2004
600 Seiten
Aus dem Englischen von Michaela Link|
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/
http://www.randomhouse.de/specialskids/canavan/

[„Priester“ 4275 (Das Zeitalter der Fünf 1)
[„Magier“ 4456 ((Das Zeitalter der Fünf 2)
[„Götter“ 4621 (Das Zeitalter der Fünf 3)
[„Die Rebellin“ 3041 (Die Gilde der Schwarzen Magier 1)
[„Die Novizin“ 2989 (Die Gilde der Schwarzen Magier 2)
[„Die Meisterin“ 3065 (Die Gilde der Schwarzen Magier 3)

Dmitry Glukhovsky – Outpost: Der Posten

Russland in der nahen Zukunft. Nach dem Krieg sind ganze Landstriche verseucht, die Flüsse vergiftet. Die einzelnen Städte haben kaum noch Kontakt zur Regierung in Moskau. Schon seit Jahren harrt Jegor im Außenposten in Jaroslawl aus. Sein Stiefvater Polkan, der Kommandant des Postens, macht ihm das Leben schwer, und die schöne Michelle interessiert sich nicht für ihn. Jegor träumt von der Welt jenseits der Eisenbahnbrücke, auf der anderen Seite des Flusses. Doch schon seit Jahrzehnten ist niemand mehr über diese Brücke gekommen. Bis heute …
(Verlagsinfo)

Zumindest dem Namen nach wird man als genreaffine Lesenden nicht an Glukhovsky vorbeigekommen sein, wurde doch seine Romanreihe um die Moskauer Metro in einer postapokalyptischen Welt mit zahlreichen Preisen überhäuft und entwickelte sich zu einem Hype. Diverse Romane später entwirft er nun mit Outpost neuerlich eine postapokalyptische Situation im Moskauer Raum, diesmal und vorerst zwar unter freiem Himmel, aber gleichfalls in giftiger Umwelt. Hier liegt der letzte Posten der noch zivilisierten russischen Welt an einer der wenigen nach dem Krieg noch erhaltenen Brücken über die Wolga, deren Wasser von tödlichem Gift verseucht sind, so dass sich die Brücken auch ohne Gasmasken ob der Gase und Nebel, die vom Fluss aufsteigen, nicht überqueren lassen. Und tatsächlich ist bei unserem Eintreffen an diesem Vorposten seit vielen Jahren niemand mehr über die Brücke gekommen. Was verbirgt sich jenseits der Wolga? Ist dort alles totes Land voller unaussprechlicher Monster, oder floriert dort womöglich das wiedererwachte Leben, während die Reste der alten Menschheit sich hinter giftigem Nebel verschanzen?

Dmitry Glukhovsky – Outpost: Der Posten weiterlesen

Greg Bear – Der Fall der Foundation / Foundation und Chaos (2. Foundation-Zyklus 2)

Das Abenteuer der FOUNDATION geht weiter

Auch der 2. Band der 2. Foundation-Trilogie-Band ist endlich auf Deutsch erhältlich – ein wesentlich besser geschriebenes Buch als der erste Band! Er setzt die Handlung aus „Der Aufstieg der Foundation / Foundation’s Fear“ von G. Benford fort. Mit David Brins unter dem Titel „Der Sieg der Foundation“ veröffentlichtem Roman (Mitte Dezember 2000) wird die zweite Foundation-Trilogie komplett in Deutsch verfügbar.

Da die ursprüngliche FOUNDATION-Trilogie von Altmeister Isaac Asimov nur 500 der 1.000 Jahre der Übergangszeit abdeckt, baten die Nachlassverwalter Asimovs Gregory Benford, einen weiteren Foundation-Roman zu schreiben. Hieraus wurde, zusammen mit je einem Roman von Greg Bear und David Brin, die zweite Trilogie, die chronologisch vor der ersten steht.
(Quelle: WIKIPEDIA)

Diese Trilogie umfasst die Romane:

6031 – Der Aufstieg der Foundation – 667 Seiten – ISBN: 3453179269
6302 – Foundation und Chaos / Der Fall der Foundation*** – 473 Seiten – ISBN: 3453179323 / 3453521579
6303 – Der Sieg der Foundation – 441 Seiten – ISBN: 3453179382
***: Der Verlag hat den Titel der Paperback-Ausgabe in der TB-Ausgabe geändert!

Im letzten Band ist eine Zeittafel für das Roboter- und Foundation-Universum vorhanden.
Greg Bear – Der Fall der Foundation / Foundation und Chaos (2. Foundation-Zyklus 2) weiterlesen

Frank Herbert – Die Ketzer des Wüstenplaneten (DUNE 5)

Geheimnisse sexueller Kriegsführung

Unter dem Gottkaiser Leto II. wurde die Menschheit über die Galaxis verstreut. 5000 Jahre später kehren ihre Abkömmlinge aus der Diaspora zurück. Neue Kräfte haben sich entfaltet, neue Technologien wurden entwickelt. Der uralte Orden der Bene Gesserit, der seit vielen Jahrtausenden über die Geschicke des Reiches wacht und die Fäden des genetischen Erbes der Atreides in der Hand hält, sieht sich mit Mächten konfrontiert, wie es sie bisher nicht gab.

Von Arrakis selbst, dem Wüstenplaneten, ist wenig Hilfe zu erwarten. Eine zerstrittene Priesterschaft, die den Gottkaiser Leto, den „Zerlegten Gott“, in Gestalt des Shai-Hulud, des gigantischen Sandwurms, anbetet, und Einheimische, die nur noch Schatten der einstigen stolzen Fremen sind. Doch da kommt ein Mädchen aus der Wüste, das mit geheimnisvollen Kräften über den Shai-Hulud gebietet und ihm seinen Willen aufzwingt. (Verlagsinfo)
Frank Herbert – Die Ketzer des Wüstenplaneten (DUNE 5) weiterlesen

Tom Arden – Der goldene Baum (Der Kreis des Orokon Band 4)

Die Drachenschlacht

Dies ist der zweite Teil des zweiten Romans in Tom Ardens Zyklus „Der Kreis des Orokon“. Da der Held, Jemany, insgesamt fünf göttliche Kristalle, die verloren gingen, suchen muss und er in jedem ganzen Roman nur einen findet, gibt es entsprechend auch fünf Bände dieses Zyklus‘ – und zumindest ist nach dem deutschen Band 10, „Der fünfte Kristall“, kein weiterer Teil mehr erschienen.

Der Autor

Tom Arden (* 1961 in Mount Gambier, Australien; † 15. Dezember 2015 in London, England; bürgerlich David Christopher Rain) war ein australischer Fantasy-Schriftsteller.
Tom Arden – Der goldene Baum (Der Kreis des Orokon Band 4) weiterlesen

Blake Crouch – Upgrade. Near Future Thriller

Genthriller: Showdown im versunkenen Manhattan

Amerika in der nahen Zukunft: Special Agent Logan Ramsay kommt bei einem Einsatz mit einer unbekannten Substanz in Berührung. Zunächst ohne Folgen, wie Logan erleichtert feststellt. Doch dann beginnt er Veränderungen an sich zu bemerken: Seine Sinne sind geschärfter, sein Erinnerungsvermögen unschlagbar, er ist körperlich fitter. Dass ausgerechnet er dieses »Upgrade« erfährt, hat einen Grund, der weit in die Vergangenheit zurückreicht. Zu einem schrecklichen Familiengeheimnis, das Logan am liebsten vergessen würde. Doch damit nicht genug:… (Verlagsinfo)

Blake Crouch – Upgrade. Near Future Thriller weiterlesen

Robin Hobb – Der Adept des Assassinen (Die Legende vom Weitseher 1)

Startband: Die Legende vom Weitseher

Fitz ist KEIN gewöhnlicher kleiner Junge. Er ist der Bastard von Prinz Chivalric, dem Thronerben des Königshauses der Weitseher, und dieser Fehltritt war es, der denselben zumindest vordergründig zum Rücktritt bewegt hat. Wenig später stürzt der Prinz unglücklich vom Pferd…

Chivalric gab zuvor seinem treuesten Gefolgsmann, dem Stallmeister Burrich, die Aufgabe Fitz großzuziehen. Doch nicht nur dieser hat Interesse an Fitz: Er ist einfach ein Politikum. Um der Gefahr eines von Fürsten für ihre Zwecke als Thronerben aufgebauten Bastards zu entgehen, beschließt König Listenreich, ihn in seine Dienste zu nehmen. So wie er es schon mit seinem eigenen Bastard-Halbbruder tat… Chade.

Robin Hobb – Der Adept des Assassinen (Die Legende vom Weitseher 1) weiterlesen

Novik, Naomi – Drachenbrut (Die Feuerreiter Seiner Majestät 1)

Die Saga von Temeraire, dem edlen Drachen

Anno 1805, England befindet sich im Krieg mit Napoleon. Der englische Seekapitän Will Laurence traut seinen Augen nicht: An Bord einer gerade gekaperten französischen Fregatte befindet sich tatsächlich ein echtes Drachenei! Er ahnt noch nicht, das dieser kostbare Fund sein Leben unwiderruflich verändern wird. Denn als der kleine Drache, den er Temeraire tauft, schlüpft, erwählt er ausgerechnet Laurence zu seinem menschlichen Gefährten – als glorreichen Feuerreiter Seiner Majestät …

Peter Jackson („Herr der Ringe“-Trilogie, „King Kong“, „Heavenly Creatures“, „Forgotten Silver“) will den Roman verfilmen, vielleicht sogar die ganze Trilogie um die Feuerreiter.

Die Autorin

Naomi Novik wurde 1973 in New York City geboren und ist mit polnischen Märchen, den Geschichten um die Hexe Baba Yaga und mit Tolkiens Werken aufgewachsen. Sie hat englische Literatur studiert, im Bereich IT-Wissenschaften gearbeitet und war zudem an der Entwicklung von erfolgreichen Computerspielen beteiligt. Dann schrieb sie ihren Debütroman, mit dem sie Kritiker und Leser gleichermaßen begeisterte. Mehr zu der Welt der Feuerreiter findet man unter http://www.temeraire.org/. Novik lebt mit ihrem Mann in New York.

Die Trilogie „Die Feuerreiter Seiner Majestät“ besteht aus den Bänden:

Naomi Novik: Drachenbrut. Blanvalet, Berlin Juni 2007, ISBN 978-3-442-24443-0.
Naomi Novik: Drachenprinz. Blanvalet, Berlin August 2007, ISBN 978-3-442-24444-7.
Naomi Novik: Drachenzorn. Blanvalet, Berlin Oktober 2007, ISBN 978-3-442-24445-4.
Naomi Novik: Drachenglanz. Blanvalet, Berlin April 2008, ISBN 978-3-442-26572-5.
Naomi Novik: Drachenwacht. Penhaligon, München Februar 2009, ISBN 978-3-7645-3015-0.
Naomi Novik: Drachenflamme. Penhaligon, München Oktober 2010, ISBN 978-3-7645-3016-7.
Naomi Novik: Drachengold. Penhaligon, München Juni 2012, ISBN 978-3-7645-3073-0.
Naomi Novik: Drachenfeind. Penhaligon, München Juli 2014, ISBN 978-3-7645-3074-7.
Naomi Novik: Drachensieg. Penhaligon, München März 2017, ISBN 978-3-7645-3075-4.

Einzelromane

Naomi Novik: Das dunkle Herz des Waldes. cbj, München November 2016, ISBN 978-3-570-17268-1.
Naomi Novik: Das kalte Reich des Silbers. cbj, München März 2019, ISBN 978-3-570-16549-2.

Handlung

Anno 1805 befindet sich das stolze Albion im Krieg mit Napoleon. Der englische Seekapitän Will Laurence hat gerade im Südatlantik eine französische Fregatte gekapert. Unter dem Beutegut befindet sich auch eine recht große Kiste. Als sie untersucht wird, stellt sich heraus, dass sie ein Drachenei beherbergt. Und das Junge ist kurz davor zu schlüpfen.

Drachenflotte

Nun geraten die britischen Offiziere in Aufregung. Dass es überall auf der Welt seit Urzeiten Drachen gibt, ist nichts Ungewöhnliches. Aber England, das von Napoleon belagert wird, braucht dringend eigene Drachen, um den Franzosen am Ärmelkanal Paroli bieten zu können. Die Flotte zur See, die von Admiral Nelson geführt wird, hat Napoleons Flotte vor dem Nildelta einmal besiegt, aber das reicht nicht. Die Briten brauchen auch eine Luftflotte von Drachen, um den französischen Drachenangriffen standhalten zu können. Einen eigenen Drachen zu haben, wäre eine willkommene Verstärkung der Drachenflotte. Es gibt nur einen Haken: Wer Drachenpilot sein will, kann nicht mehr in der Marine dienen.

Die Wahl

Die Offiziere stellen sich um das Ei auf, als das Junge schlüpft. Wen wird das Drachenjunge zu seinem Reiter wählen? Der Freiwillige verliert die Nerven und Laurence muss selbst das Junge auf sich aufmerksam machen. Die Bindung beginnt, und aus einem Geistesblitz heraus tauft er das schwarze Drachenjunge auf den Namen „Temeraire“. Der Drache ist einverstanden. Er kann von Anfang sprechen und versteht und spricht Englisch ebenso wie Französisch. Aber was für ein Typ Drache ist er?

Die Luftflotte

Nach und nach freunden sich die beiden grundverschiedenen Wesen miteinander an. Laurence hat sich damit abgefunden, dass er die Marine verlassen muss, und bittet die Admiralität per Drachenpost um seine Entlassung. Er hat aus dem Prisengeld und von seinem begüterten Vater genügend Vermögen, um sich als Drachenpilot ein angenehmes Auskommen zu sichern. Er entsagt seiner Verlobten, die in England auf ihn gewartet hat, denn für Drachenpiloten kann es keine Ehe nach herkömmlichem Muster geben. Sie werden dort stationiert, wo sie gebraucht werden, und dort wird das Leben als zu rau für eine Frau erachtet, zumal für eine Adelige.

Ausbildung

Die Ausbildung im schottischen Hochland bereitet ihn und Temeraire auf Kampftaktik und Telekommunikation (mittels Signalflaggen) vor. Inzwischen ist sein schwarzer Drache zu den Ausmaßen eines Jumbojets angewachsen. Eine komplette Schützenmannschaft kann auf und unter ihm in Netzen Platz nehmen. Ein erster Kampfeinsatz lässt sie Bekanntschaft mit französischen Drachen machen, wobei sich Temeraire als einer der schnellsten und wendigsten Drachen der Einheit auszeichnet. Temeraire ist noch mit sich selbst unzufrieden, denn er kann weder Gift noch Feuer spucken. Welche Waffe hat ihm Mutter Natur mitgegeben?

Die Bewährung

Doch die eigentliche Bewährungsprobe steht dem Paar noch bevor. Sie werden am Ärmelkanal stationiert. Auf der französischen Seite hat Napoleon eine Invasionsflotte zusammengezogen, die zweifellos bald in See stechen wird. Der Seekrieg gegen Napoleon findet einen ersten Höhepunkt, als Admiral Nelson die französische Flotte, die durch Dracheneinwirkung aus Toulon entkommen konnte, vor Kap Trafalgar stellt und in eine Seeschlacht verwickelt. Ohne die britischen Drachen vom Ärmelkanal hätte Nelson einen schlechten Stand, doch er siegt.

Temeraire und Laurence, die nicht nach Trafalgar abkommandiert wurden, entdecken eines Morgens, dass die Invasionsflotte der Franzosen losfährt. Und zwar nicht nur auf dem Wasser, sondern auch in der Luft. Nun wird’s ernst! Nach der Enttarnung eines Verräters verfügen die Drachenpiloten über gute Kenntnisse, was Napoleon vorhat. Laurence erkennt frohlockend, dass er es in Temeraire mit einem der raren kaiserlichen Drachen aus China zu tun hat, und Temeraire kann endlich zeigen, worin seine eigentliche Waffe besteht: im „göttlichen Wind“ …

Mein Eindruck

Der ganze Plot dreht sich um den ungewöhnlichen Drachen Temeraire und seinen erwachsenen Reiter Will Laurence. Ich stelle mir Will immer als eine Variante von Russell Crowes Kapitän in „Master and Commander“ vor. Es ist die richtige Zeit, die richtigen Schiffe und die gleiche geistige Kultur. Mit dem Unterschied, dass es in diesem Buch Drachen gibt. Viele Drachen, überall.

Da gibt es die gewöhnlichen Pascalblauen und die Langflügler, doch die größten Drachen sind die Himmelsdrachen und Königskupfer. Sie alle sind stationiert auf dem Stützpunkt, auf dem auch Will Laurence und Temeraire Dienst tun. Temeraire ist ein unglaublich kluger Drache, der vor lauter Wissensdurst seinen Reiter ganz schön fordert, denn dieser muss Temeraire alle möglichen Bücher vorlesen. Darunter sind sogar mathematische Fachbücher, und diese vorzulesen, kann ganz schön anstrengend werden.

Seine große Bildung macht Temeraire aber keineswegs zu einem arroganten Schnösel. Vielmehr bewahrt er sich in seiner Jugendlichkeit eine große Anhänglichkeit zu seinem Reiter, seinem engsten Freund: Will Laurence. Außer brennt Temeraire darauf, endlich in einen „richtigen“ Kampf zu ziehen, um zeigen zu können, was er draufhat. Die Theorie eines Feindes, den er nur selten sieht und meist auch nicht in Scharmützeln jagen kann, behagt ihm nicht.

Die finale Schlacht, welche die Handlung dieses Bandes krönt, gibt Temeraire endlich Gelegenheit, seinen Reiter mit einer neuen Fähigkeit zu überraschen. Endlich wird der Drache zu einer vollwertigen Waffe. Andere Drachen mögen Feuer oder Säure spucken, doch Temeraires Waffe ist auch nicht zu verachten (und ich werde nicht verraten, worin sie besteht). Und sie steht nur den alleredelsten Drachen zur Verfügung.

Probleme

Dieser Umstand entpuppt sich jedoch auch als ein Problem. Denn bei Temeraires Drachenei handelte es sich um ein Geschenk des chinesischen Kaisers an Napoleon, also um etwas ganz Besonderes. Wenn die Briten, allen voran Will Laurence, erkannt hätten, womit sie es zu tun haben, hätten sie Temeraire ganz anders behandelt, ja, ihn vielleicht nicht mal ausgebildet. Deshalb ist über weite Strecken dieses Bandes unabdingbar, dass Temeraires wahre Qualität verborgen bleibt. Folglich wird er wie sein Reiter wie ein gewöhnlicher Rekrut behandelt und genießt keine Sonderbehandlung. Seine Stellung in der Truppe ist daher eine ganz normale und ruft keinen Neid hervor.

Doch als die Katze aus dem Sack ist und Temeraire als kaiserlicher Drache erkannt wird, dauert es nicht lange, bis eine hohe chinesische Delegation die Rückgabe des kaiserlichen Geschenks fordert.

Romantik

Nun mag sich so mancher Leser fragen, wo denn hier, bitteschön, die Romantik bleibt. Wie erwähnt, muss Will Laurence seiner Verlobten entsagen und das einzige weibliche Wesen, das für ihn in Frage kommt, ist eine Drachenreiterin, die er in Schottland kennen lernt. Allerdings ist die Reiterin von Lily noch ziemlich jung, sie könnte glatt seine Tochter sein. Deshalb stolpert er gewissermaßen in die Beziehung zu einer gestandenen Drachenreiterin namens Jane Harcourt hinein, die ihn auch körperlich befriedigt. Und deren Tochter Emily ist Mitglied in seiner Mannschaft.

Nur für Erwachsene?

Was mich immer wieder erstaunte und mir zunehmend besser gefiel, ist die erwachsene Verhaltensweise von Laurence und Co. Diese Leute nehmen Rücksichten aufeinander, die unsereins heutzutage nicht einmal mehr in den Sinn kommen würde, aber damals achtete man beim Militär noch sehr auf gutes Benehmen und Etikette sowie auf respektvolle Behandlung. Einmal begeht Laurence einen kapitalen Fehler, indem er sich mit einem Drachenreiter anfreundet, der seinen Drachen misshandelt. Infolgedessen grenzt er sich selbst von den Truppenoffizieren ab, die diesen Drachenmisshandler ablehnen. Er erkennt seinen Fehler gerade noch rechtzeitig, bevor er seinem Ruf bei der Truppe Schlimmeres zufügt.

Verfilmung

Auf diesem Niveau werden Geschichten leider nur noch sehr selten erzählt, schon gar nicht in sogenannter Jugendliteratur. Und in dieser Hinsicht hat die Autorin offenkundig von ihren Studien englischer Literatur profitiert. Wer einmal Jane Austen, Hardy, Fielding oder Thackeray gelesen hat, weiß, woher eine solche Erzählhaltung rührt. Kein Wunder, dass sich Peter Jackson so begeistert von dieser Trilogie zeigte, und ich freue mich auf seine Verfilmung dieses vielversprechenden Stoffes.

Die Übersetzung

… ist nahezu fehlerfrei. Nur auf Seite 353 fiel mir ein grober Schnitzer auf. Da heißt es „und ihre gemeinsame Zeit näherte sich SEINEM Ende“. Die Zeit ist hierzulande immer noch weiblich. Es muss daher „IHREM Ende“ heißen.

Zum Buch gehören übrigens nicht nur eine Leseprobe und eine Tafel mit grafischen Darstellungen von vier Drachentypen, sondern auch eine wissenschaftliche Abhandlung über die weltweit vertretenen Drachentypen. Darin finden sich auch Informationen über den raren Drachentyp, die Temeraire vertritt: die Kaiser- und Himmelsdrachen.

Unterm Strich

Der erste Band der Trilogie um die Feuerreiter schildert die Lehr- und Wanderjahre des edlen Drachen Temeraire und seines Herren und Freundes Will Laurence, Ex-Seekapitän. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, insbesondere die Schlacht gegen die französische Invasionsarmee am Ende, in der Temeraire wieder mal mit einer faustdicken Überraschung aufwartet. Die Figuren verhalten sich wie Erwachsene, und das ist in Jugendliteratur selten genug, eine angenehme Abwechslung im Fantasy-Genre.

Ironie

Außerdem fand ich zu meiner Freude jede Menge Humor von feiner und feinster Ironie vor. Beispielsweise interessiert sich Temeraire in seiner jugendlichen Unschuld lebhaft für das, was er als „Dirnen“ beschreibt. Laurence klingen die Ohren. Sein Drache hat diesen Ausdruck für Prostituierte von gewöhnlichen Soldaten der Garnison gehört, und Laurence windet sich vor Verlegenheit, um seinem Freund zu erklären, was es damit auf sich hat…

Insbesondere die Kampfszenen sind allesamt recht lebhaft und lebendig geschildert, so dass sie sich gut für die geplante Verfilmung eignen, die Peter Jackson vorhat. Ich kann den ersten Band jedem empfehlen, der etwas für Drachen übrighat. Und ich hoffe, dass die zwei nächsten Bände ebenso gut sein werden, hoffentlich dann mit etwas mehr Action in der Mitte.

Originaltitel: His Majesty’s Dragon, 2006
480 Seiten
Aus dem US-Englischen von Marianne Schmidt

http://www.temeraire.org/
http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/

Charles Stross – du bist tot. SF-Thriller

Die nahe schottische Zukunft: nur für Gamer und IT-Freaks

„Stell dir vor, du lebst in einer Welt, in der Realität und Internet nicht mehr voneinander trennbar sind. Eine Welt, in der jemand ein scheinbar perfektes Verbrechen verübt – und du steckst mittendrin! Dann gib acht, denn … DIES IST KEIN SPIEL!“ (Verlagsinfo)

Der Autor
Charles Stross – du bist tot. SF-Thriller weiterlesen

John Brunner – Morgenwelt

Vision von morgen – ein Buch wie ein Film

In „Morgenwelt bzw. Stand on Zanzibar“ verwirklichte John Brunner ein gewagtes stilistisches Experiment: die Welt von morgen einzufangen wie in einem Film. „Morgenwelt“ ist ein ernst zu nehmender Roman für Erwachsene. „Wenn John Dos Passos Science Fiction geschrieben hätte – ein Buch wie dieses wäre das Ergebnis gewesen.“ (Washington Post)

Das ist sicherlich nicht jedermanns bevorzugte Lesekost: Actionfans kommen zwar auch auf ihre Kosten, doch ist die Action in so viel Kontext eingebettet, dass sie – und das ist volle Absicht – keinen Spaß mehr macht. Also mehr ein Roman fürs Hirn.
John Brunner – Morgenwelt weiterlesen

Arden, Tom – Geheimnis im Spiegel, Das (Der Kreis des Orokon Band 3)

Zeitreise ins 18. Jahrhundert

Dies ist der erste Band des zweiten Romans um den „Kreis des Orokon“. Der zweite Teil hat den Titel „Der goldene Baum“.

Der Autor

Tom Arden (* 1961 in Mount Gambier, Australien; † 15. Dezember 2015 in London, England; bürgerlich David Christopher Rain) war ein australischer Fantasy-Schriftsteller.
Arden, Tom – Geheimnis im Spiegel, Das (Der Kreis des Orokon Band 3) weiterlesen

Madelaine L’Engle – Der Riss im Raum

Zäher, pseudo-religiöser Fantasy-Brei

Meg Murry kann nicht schlafen: Sie macht sich Sorgen um ihren Vater, einen Wissenschaftler, denn er ist seit einem Jahr spurlos verschwunden. Und sie ist zutiefst beunruhigt, als ihr kleiner Bruder Charles Wallace von einer Schar Drachen im Garten erzählt – schließlich ist er schwer krank. Aber die Drachen gibt es wirklich. Sie sind gekommen, Charles Wallace zu retten. Doch damit das gelingt, müssen Meg und ihr Bruder es schaffen, die Echthroi zu besiegen, die alles Sein in der Welt bedrohen…(Verlagsinfo)

Madelaine L’Engle – Der Riss im Raum weiterlesen

Adrian Tchaikovsky – Die Augen der Galaxis (Scherben der Erde Trilogie, Band 2)

Nach 80 Jahren des Friedens sind die Architekten, eine feindliche Alien-Zivilisation, wieder zurück. Sie vernichten ganze Planeten, und sie haben einen Weg gefunden, die Verteidigung der Menschheit auszuschalten. Idris, der Held aus dem ersten Krieg gegen die Architekten, sucht nach einem Weg, sie aufzuhalten – doch dazu muss er sich tief in den feindlichen Raum begeben. Was er dort entdeckt, wird das Schicksal der gesamten Galaxis für immer verändern …

(Verlagsinfo)

Die direkte Fortsetzung von „Die Scherben der Erde“ lässt nach dem großartigen ersten Band der Trilogie einiges erhoffen. Das interessante World-Building, die unterschiedlichen Charaktere, die Konflikte und nicht zuletzt das Rätsel um die unheimliche Präsenz im Unraum wecken hohe Erwartungen.

Adrian Tchaikovsky – Die Augen der Galaxis (Scherben der Erde Trilogie, Band 2) weiterlesen

Roger McBride Allen – Der Ozean der Jahre

Das Ende einer Utopie oder: Der gute Verbrecher

Um die gigantischen Entfernungen im Weltall zu überbrücken, wurden sogenannte Zeitschächte geschaffen, durch die die Raumschiffe relativ „schnell“ zu den abgelegenen Kolonien der Erde gelangen können. An den jeweiligen Ausgängen dieser Zeitschächte patrouillieren Wachschiffe. Sie sollen verhindern, dass nichts aus der Zukunft in die Vergangenheit gelangt und dort den kausalen Zusammenhang des Universums beeinträchtigt.

Als im 53. Jahrhundert Anton Koffield, Kapitän des Wachschiffes „Upholder“, urplötzlich von einer Flotte unbekannter Kleinschiffe angegriffen wird, entscheidet er, den Zeitschacht zur Welt Solace zu schließen. Eine bisher einzigartige Maßnahme – mit ungeahnten Konsequenzen. Nach seinem Besuch auf der terraformten Welt Solace kommt er nun im zweiten Band dem Urheber dieser unbekannten Flotte auf die Spur. Und diese Spur führt ihn zur Entdeckung des größten Geheimnisses der Menschheit. (Verlagsinfo)

„Der Ozean der Jahre“ ist die Fortsetzung von „Die Tiefen der Zeit„.

Roger McBride Allen – Der Ozean der Jahre weiterlesen

Christopher Priest – Die Amok-Schleife

Showdown mit dem Amokläufer

Um ihre Agenten zu schulen, setzt das FBI neuerdings ExEx ein, eine interaktive Virtual-Reality-Technik, die es ermöglicht, Feuergefechte mit Kriminellen zu simulieren. Als die ausgebildete Agentin Teresa Simons eine kleine Stadt im Süden Englands aufsucht, um vor Ort den Ablauf eines Amoklaufes zu studieren, greift sie dabei auf diese Technik zurück. Doch durch ihre Eingriffe ins ExEx-System verstrickt sie sich bald so tief in die virtuellen Realitäten, dass die Grenzen zur Wirklichkeit zunehmend verschwimmen… (Verlagsinfo) Aber einer der Killer spürt sie im Netz der ExEx auf und setzt ihr hart zu. Was steckt dahinter?

Der Autor
Christopher Priest – Die Amok-Schleife weiterlesen

Brennan, Herbie – Elfenportal, Das (Faerie Wars 1)

Man sieht es Pyrgus Malvae zwar nicht an, aber er ist ein Prinz, ein Elfenprinz. Der Kronprinz sogar. Das kümmert ihn allerdings wenig. Seine Tätigkeit als Tierschützer ist ihm wichtiger. Bis jemand versucht, ihn zu ermorden. Sein Vater schickt ihn zu seinem Schutz durch ein magisches Portal in die Gegenwelt, wo er unerreichbar für Attentäter sein sollte. Leider geht etwas schief, und Pyrgus hat Glück, dass Henry Atherton ihn davor bewahrt, von einem Kater gefressen zu werden. Gemeinsam mit Mr. Fagerty, einem etwas verrückten alten Mann, bei dem Henry sich sein Taschengeld verdient, versuchen sie, einen Weg zu finden, wie Pyrgus in seine Welt zurückkehren kann. Tatsächlich gelingt es Mr. Fagerty, ein künstliches Portal zu basteln, das Pyrgus benutzen kann. Doch damit fangen seine Schwierigkeiten erst richtig an. Henry und Mr. Fagerty folgen Pyrgus. Nur um unmittelbar darauf selbst in Schwierigkeiten zu geraten.

In „Das Elfenportal“ kontrastieren Welten. Die eine ist die von Henry: Er lebt irgendwo in einer x-beliebigen englischen Stadt. Sein Vater ist leitender Angestellter, ein überaus pünktlicher und korrekter Mensch in Anzug und Krawatte, seine Mutter ist Schuldirektorin. Außerdem hat er noch eine pferdenärrische kleine Schwester. Henry liebt es, Pappmodelle zu bauen und bessert sein Taschengeld auf, indem er Mr. Fagerty beim Aufräumen seines Gerümpels hilft oder sich einfach nur dessen leicht paranoide Geschichten anhört. Eine graue und leicht langweilige Welt – irgendwo muss sein Interesse für Mr. Fagertys abstruse Geschichten ja seinen Ursprung haben. Diese Welt gerät etwas aus den Fugen, als die Ehe seiner Eltern einen ziemlichen Knacks bekommt. Dass dieser Knacks gleichzeitig mit der Entdeckung einer Elfe auftritt, macht es nicht einfacher.

Die andere ist die der Elfen: Diese Welt ist wesentlich bunter. Hier gibt es Händler und Gaukler, Gauner und gerissene Geschäftsleute, mächtige Adlige und Spione. Und es gibt den Purpurkaiser und seine Familie, die seit mehreren Generationen das Elfenreich regieren. Sie gehören zu den Lichtelfen, und die Nachtelfen sind gar nicht davon begeistert, von Lichtelfen regiert zu werden. Kein Wunder, dass ein mächtiger Nachtelfenfürst Pyrgus‘ Vater das Leben schwer macht. Und dann gibt es noch eine dritte Welt:
die der Dämonen. Eigentlich können diese ihre Welt nicht verlassen, doch es gibt genug Nachtelfen, die einigen von ihnen gelegentlich den Wechsel durch Beschwörungen ermöglichen. Selbstredend ist dies dem Dämonenprinzen bei weitem zu wenig.

Brennan hat diese Welten mit recht originellen Charakteren bevölkert: Henry ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, er hat gelegentlich Stress mit seinen Eltern, ist genervt von seiner kleinen Schwester. So wirklich ganz normal ist er aber auch wieder nicht, denn einer Katze einen Schmetterling abzujagen, weil man den Eindruck hat, er sei eine Elfe, setzt schon ein gewisses Maß an Verrücktheit voraus. Mr. Fagerty stellt dieses gewisse Maß an Verrücktheit jedoch mit Leichtigkeit in den Schatten. Nicht nur, dass er immer eine geladene Kanone unter dem Bett hat und generell nicht ans Telephon geht, er ist sich auch absolut sicher, dass SIE ihn irgendwann kriegen werden, wobei nicht ganz klar ist, ob er mit SIE das FBI, die CIA oder die Außerirdischen meint, die nach seiner Überzeugung bereits an die sechs Millionen Amerikaner verschleppt haben. Keine Frage, dass Mr. Fagerty auch an Elfen glaubt. Vor allem aber ist Mr. Fagerty jemand, der nahezu alles bauen kann.

Auch im Elfenreich gibt es ein paar irre Typen. Während der Kaiser und sein Torhüter ernste und vernünftige Männer sind, scheint das auf seine Kinder nicht zuzutreffen. Dass Pyrgus die meiste Zeit damit beschäftigt ist, Tierquälern ihre Tiere zu stehlen und sie freizulassen, anstatt sich um Politik zu kümmern, erwähnte ich bereits. Seine Schwester Holly Blue ist auch nicht gerade pflegeleicht. Die selbstbewusste junge Prinzessin hat ein eigenes Spionagenetz, das dem ihres Vaters beinahe ernstzunehmende Konkurrenz macht, und wenn es sein muss, spielt sie auch selbst mal die Agentin. Comma, der Jüngste, ist etwas seltsam, aber nichts Genaues erfährt man nicht. Ein besonders schräger Vogel ist Jasper Chalkhill, ein Nachtelf. Er ist Teilhaber einer Leimfabrik, aber weder sein Compagnon noch irgendwer sonst nimmt ihn ernst. Stinkreich ist er, ohne Sinn für Stil und Geschmack, aber nicht nur sein Haus und seine Kleidung sind schrill, er benimmt sich auch albern. Wie ein aufgeregt kläffender Terrier. Total abgedreht, fast schon ein bisschen zu sehr …

Sein Compagnon Silas Brimstone, logischerweise ebenfalls ein Nachtelf, ist ein verschlagener, gieriger Betrüger. Er empfindet Chalkhill gelegentlich als sehr lästig, aber er braucht ihn wegen des Geldes für die Firma. Das stört ihn ganz gewaltig, deshalb ist es sein größter Traum, den Fürst der Dämonen persönlich zu beschwören. Von ihm erhofft er sich unendlich viel Gold. Zumindest fürs Erste. Übung in der Dämonenbeschwörung hat er jede Menge, doch ein Fürst ist nicht ganz so einfach zu beherrschen, und natürlich geht prompt etwas schief. Sein Opfer an den Fürsten läuft ihm nämlich davon: Pyrgus! Und abgesehen davon wäre der Fürst der Dämonen nicht der Fürst der Dämonen, wenn er nicht bei allem mitmischen und dabei seine eigenen Ziele verfolgen würde.

So kommt es, dass mehrere Leute das gleiche Ziel haben, nämlich Pergus umzubringen. Allerdings ist es nicht unbedingt ein gemeinsames Ziel, was zu ziemlichen Verwicklungen führt. Dass das Portal Pyrgus nicht dorthin bringt, wohin es sollte, macht die Verwirrung komplett. Jeder will ihn haben, keiner weiß wo er ist, und als sein Vater ihn endlich findet, ist er schon wieder weg, allerdings wieder mal nicht dorthin, wo er hingewollt und hingesollt hätte. Wer letztendlich für welche Sabotage und welchen Hinterhalt verantwortlich ist, erfährt man nicht so schnell, und als Holly Blue und Henry die Fäden endlich entwirrt haben, ist das Komplott eigentlich schon so gut wie am Ziel. Aber nur so gut wie, und natürlich geben die beiden trotzdem nicht auf. Das macht das Buch zum Ende hin zunehmend spannend.

Auch die Kleinigkeiten am Rande zeichnen sich durch Ideenreichtum aus. So sind alle Namen der Elfen Schmetterlingsnamen, und Holly Blue wird auf einem ihrer persönlichen Agenteneinsätze von einem orangen Zwerg begleitet, der einen Kartenleserschlitz am Kopf hat, wo seine Herrin ihre Spionagedaten abrufen kann, dessen Biss giftig ist und der irrsinnig laut pfeifen kann. Brennan beschreibt die Magie der Elfen mit technischen Begriffen, während Mr. Fagertys Bastelergebnissen manchmal ein ziemlicher Hauch von Zauberei anhaftet. Und das Buch Beleth birgt ebenfalls eine Überraschung.

Es gibt also genug zu entdecken. Am Ende des Buches bleibt noch genug Potenzial, das in einer Fortsetzung weiter ausgebaut werden kann, wie zum Beispiel der Nachtelfenfürst Hairstreak, der Gegner des Kaisers, der bisher noch nicht persönlich aufgetaucht ist, oder Comma, an dem einiges sehr, sehr seltsam ist. Und der Krieg ist ja auch noch nicht aus.

Das Buch liest sich flüssig und leicht und ist trotz mehrerer Handlungsstränge mit seinen rund 350 Seiten für einen geübten Leser an einem Tag problemlos zu schaffen. Brennans Zielgruppe sind eigentlich junge Erwachsene, das merkt man natürlich, zum Beispiel an der Ausdrucksweise der Jugendlichen untereinander, vor allem aber an dem Zoff, den die beiden jungen Helden mit ihren Eltern haben, an den Szenen, in denen Henrys Schwester vorkommt und daran, wie er auf Holly Blue reagiert. Das muss aber nicht unbedingt ein Manko sein, wie man an „Harry Potter“ deutlich sieht. Und tatsächlich hat auch Brennans Buch das Potenzial, sich unter den Erwachsenen seine Leser zu sichern, selbst wenn es nicht ganz frei von kleinen Logikfehlern ist. Es ist einfallsreich, humorvoll und auch spannend, und damit wert, gelesen zu werden.

Herbie Brennan lebt und arbeitet in Irland, und das sehr fleißig. Er hat Unmengen von Büchern geschrieben, von Historik über Psychologie und Esoterik bis Fantasy, von Romanen über Kurzgeschichten bis zu Software, für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Außerdem arbeitet er fürs Radio. Die Fortsetzung zu „Das Elfenportal“ ist bisher noch in Arbeit. Voraussichtlicher Erscheinungstermin für „The Purple Emperor“ ist der Oktober dieses Jahres.

http://www.herbiebrennan.com
http://www.faeriewars.com
http://www.dtv.de/special__brennan/elfen__index.htm

Andreas Eschbach – NSA. Nationales Sicherheits-Amt

Die Liebe der Programmstrickerin

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene Bodenkamp arbeitet im NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt, und entwickelt dort Komputer-Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Deutschen Reichs überwacht werden. Erst als sie sich in einen Deserteur verliebt und ihn in Sicherheit bringt, regen sich Zweifel in ihr. Ihre Hilfsversuche bringen sie in Konflikt mit der Staatsdoktrin, sondern sie wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Eugen Lettke verwickelt. Dieser nutzt die perfekte Überwachungstechnik für seinen ganz privaten Rachefeldzug und überschreitet dabei zunehmend jede Grenze… (abgewandelte Verlagsinfo)

Andreas Eschbach – NSA. Nationales Sicherheits-Amt weiterlesen

Orson Scott Card – Enders Kinder (Ender 4)

Ender muss seine Welt retten

Einst hatte Ender Wiggin eine ganze Spezies ausgelöscht. Dann fand er einen Weg, seine Schuld zu begleichen: er brachte die „Krabbler“ nach Lusitania, wo sie seitdem mit den „Schweinchen“, den Eingeborenen, und den Menschen zusammenleben. Doch die Menschen fürchten sich vor einem Virus auf Lusitania und wollen den Planeten vernichten. Sie schicken die Waffe, die Ender einst gegen die „Krabbler“ eingesetzt hat.

Enders älteste Freundin, die KI Jane, die sich mit ihm zusammen seit ihren Tagen auf der Kampfschule entwickelt hat, müssen die Flotte unbedingt aufhalten, wenn sie ihren Planeten retten wollen. Als die Menschen davon erfahren, schalten sie Janes Netzwerk ab. Um Lusitania zu retten, muss Ender erst Jane retten – doch der Preis dafür ist hoch…
Orson Scott Card – Enders Kinder (Ender 4) weiterlesen

Roger McBride Allen – Die Tiefen der Zeit

Autsch: Asimov-Jünger fabriziert Öko-Abenteuer

Um die gigantischen Entfernungen im Weltall zu überbrücken, wurden so genannte Zeitschächte geschaffen, durch welche die Raumschiffe relativ „schnell“ zu den abgelegenen Kolonien der Erde gelangen können. An den jeweiligen Ausgängen dieser Zeitschächte patrouillieren Wachschiffe. Sie sollen verhindern, dass nichts aus der Zukunft in die Vergangenheit gelangt und dort den kausalen Zusammenhang des Universums beeinträchtigt.

Als Anton Koffield, Kapitän des Wachschiffes „Upholder“, urplötzlich von einer Flotte unbekannter Kleinschiffe angegriffen wird, entscheidet er, den Zeitschacht zur Welt Solace zu schließen. Eine bisher einzigartige Maßnahme mit ungeahnten Konsequenzen … (erweiterte Verlagsinfo)

Die Fortsetzung trägt den Titel „Der Ozean der Jahre“ und erschien ebenfalls bei |Heyne|.
Roger McBride Allen – Die Tiefen der Zeit weiterlesen

Jeschke, Wolfgang & Bova, Ben (Hg.) / Anderson, P. / Campbell J. W. jr. / Smith, C. – Titan-8

_Unsichtbar & hungrig: das Alien aus dem Eis_

Die Großen der Science-Fiction sind mit ihren Meisterwerken bereits in der so genannten „Science Fiction Hall of Fame“ verewigt, welche natürlich in Buchform veröffentlicht wurde (statt sie in Granit zu meißeln). Daher können Freunde dieses Genres noch heute die ersten und wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung eines Genres nachlesen und begutachten, das inzwischen die ganze Welt erobert und zahlreiche Medien durchdrungen hat.

In der vorliegenden Ausgabe des Auswahlbandes Nr. 8 von „Titan“, der deutschen Ausgabe der „SF Hall of Fame“, sind Novellen von Poul Anderson, John W. Campbell jr. und Cordwainer Smith gesammelt.

_Die Herausgeber_

1) Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im |Kichtenberg|-Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science-Fiction-Reihe Deutschlands beim |Heyne|-Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z. T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Sein erster Roman [„Der letzte Tag der Schöpfung“ 1658 (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

Zuletzt erschien 2005 [„Das Cusanus-Spiel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__:book=2065 bei |Droemer|.

2) Ben Bova, Jahrgang 1932, ist schon über 70 und ein verdammt erfahrener Bursche. 1956 bis 1971 arbeitete er als technischer Redakteur für die NASA und ein Forschungslabor, bevor er die Nachfolge des bekanntesten Science-Fiction-Herausgebers aller Zeiten antreten durfte, die von John W. Campbell. Campbell war die Grundlage für das „Goldene Zeitalter der Science Fiction“, indem er mit seinem Magazin „Analog Science Fiction“ jungen Autoren wie Asimov, Heinlein, van Vogt und anderen ein Forum gab. Hier entstanden der „Foundation“-Zyklus und andere Future-History-Zyklen.

Für seine Herausgeberschaft von Analog wurde Bova sechsmal (von 1973-79) mit einem der beiden wichtigsten Preise der Science-Fiction ausgezeichnet, dem |Hugo Gernsback Award|. Von 1978-82 gab er das Technik-&-Fiction-Magazin „Omni“ heraus. 1990-92 sprach er für alle Science-Fiction-Autoren Amerikas in seiner Eigenschaft als Präsident der Berufsvereinigung. Seit 1959 hat er eigene Bücher veröffentlicht, die sich oftmals an ein jugendliches Publikum richten, darunter die Kinsman- und Exiles-Zyklen.

Ebenso wie Robert Heinlein und Larry Niven ist Bova ein Verfechter der Idee, dass die Menschheit den Raum erobern muss, um überleben zu können. Und dies wird nur dann geschehen, wenn sich die Regierung zurückzieht und die Wirtschaft den Job übernimmt. Der Brite Stephen Baxter hat in seiner Multiversum-Trilogie diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt.

1992 begann Bova mit der Veröffentlichung seines bislang ehrgeizigsten Projekts: die Eroberung des Sonnensystems in möglichst detaillierter und doch abenteuerlicher Erzählform.

_Die Erzählungen_

1) _John W. Campbell jr: Wer da?_ (Who goes there?, 1938)

Dies ist die literarische Vorlage für Howard Hawks‘ SF-Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ – und natürlich auch für dessen Remake von John Carpenter!

Die Besatzung der amerikanischen Südpol-Station ist im ewigen Eis auf ein außerirdisches Raumschiff gestoßen, das seit 20 Millionen Jahre hier liegen muss – es hat einen zweiten magnetischen Südpol verursacht. Um eindringen zu können, sprengten sie das U-Boot-förmige Vehikel mit Thermit – und setzen es dabei in Brand, weil sie zu spät merkten, dass es vor allem aus Magnesium bestand. Doch ein Insasse ist entkommen, nur um jedoch sogleich zu Eis zu gefrieren. Und diesen Eisblock haben sie nun auf einem Tisch in ihrer Basis liegen.

Was ist damit zu tun, lautet nun die Frage, die die Wissenschaftler zu entscheiden haben. Bringt der Außerirdische Mikroben mit, die Menschen schaden könnten? Nachdem man sich entschieden hat, den Block aufzutauen, ist schließlich zu erkennen, dass das Fremdwesen drei rote Augen in einem blauen Fell hat und sich Tentakel am „Kopf“ bewegen – es lebt! Doch keiner hat daran gedacht, dass es Gedanken lesen oder beeinflussen könnte. Noch ahnt auch keiner, dass es die Gestalt von organischen Lebensformen annehmen könnte.

Als das Alien auf einmal verschwunden ist und es nicht gefunden werden kann, dämmert Kommandant Garry und seinem Vize McReady die schreckliche Wahrheit: Das Alien kann sich in jeden der Männer verwandelt haben, indem es dessen Zellsubstanz imitiert. Und ebenso schnell kann es sich mit der zusätzlichen Zellmasse vermehren und andere Lebewesen, etwa Schlittenhunde, übernehmen und imitieren.

Die Frage ist nun: Gibt es einen endgültigen Test, der beweist, dass ein menschlich aussehender Proband mit absoluter Sicherheit kein Alien ist?

|Mein Eindruck|

Anfang und Ende des Textes sind der Action gewidmet, und Hawks dürfte wohl alles bis Seite 30 verwendet haben. Doch dann kommt eine Zäsur, die einen ruhigen Mittelteil einleitet, in dem fast nur geredet wird. Das ist ziemlich ermüdend, wenn auch notwendig, um die Lage zu begreifen, in der sich die Leute nach dem Verschwinden des Alien befinden (man denke an den Alien-Film von Ridley Scott). Sie haben zudem nicht viel Zeit, denn das Alien wird versuchen, die ganze Erde zu erobern und mit seiner Art zu bevölkern.

Mir hat das Lesen nicht viel Spaß gemacht, denn die Szenen sind wie gesagt nicht sonderlich anschaulich, bis auf das Finale, und die Erzählmethode derartig antiquiert, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Am Anfang berichtet McReady seitenlang in einem ununterbrochenen Monolog von den Ereignissen beim Raumschiff der Aliens. Dann treten die einzelnen Wissenschaftler auf, und allein schon die Aufgabe, sich deren Namen zu merken, ist anspruchsvoll.

Noch seltsamer ist jedoch die Methode der Charakterisierung. Das war wohl der damalige Groschenheftstil, aber so holzschnittartig trieben es selbst Asimov und Heinlein nicht. McReady ist ein bronzener Riese und ein anderer Mann scheint nur aus Stahl zu bestehen. Klar, dass wir diesen Typen trauen sollten. Aber nur weil das behauptet und mehrmals wiederholt wird, muss es noch lange nicht glaubhaft klingen. Wahrscheinlich hielt der Autor seine (meist jugendlichen) Leser für begriffsstutzig.

Uwe Antons Übersetzung ist von minderer Qualität. Aus einem Ofenrohr wird eine „Ofenpfeife“ und aus einem Kirchenlied eine „Hymne“. Außerdem wurden Kapitel zusammengezogen, so dass zeitliche Pausen nur dann zu bemerken sind, wenn man ganz genau mitdenkt. In der Übersetzung durch Rosemarie Hundertmarck, die sich in „Fragezeichen Zukunft“ (Moewig Nr. 6736, 1984) findet, wurden alle Kapitel säuberlich nach Sinn- und Zeiteinheiten getrennt, so dass es zwei mehr sind als in „Titan-8“; vierzehn statt zwölf.

2) _Poul Anderson: Nenn mich Joe_ (Call me Joe, 1957)

Die Menschen erforschen den Riesenplaneten Jupiter. Auf dessen Oberfläche herrscht unter den Gaswolken ein extrem hoher Druck, unter dem sich die bekannten Elemente wie Methan und Wasserstoff auf drastische Weise verändern. Doch wie kann man diese menschenfeindliche Gegend erkunden, wenn die Technik komplett versagt? Deshalb hat die bionische Wissenschaft einen Pseudojupitermenschen entwickelt, und nach zahlreichen Fehlschlägen haben sie das optimale Modell geschaffen. Sie nennen ihn Joe. Und er kennt sich selbst nur unter diesem Namen.

Joe ist ein grauer, sehr widerstandsfähiger Zentaur und weiß sich der Raubtiere des Jupiter durchaus zu erwehren. Wie bei Frankensteins Ungeheuer wurde seine Intelligenz aber lediglich angelegt – sie anzuwenden erfordert einen geistigen Steuermann. Hier kommt Edward Anglesey ins Spiel. Ed ist ein von der Brust abwärts gelähmter Telepath, der an Bord eines kleinen Jupitermondes lebt, den man zu einer Forschungsstation ausgebaut hat. Mit Hilfe seiner psi-verstärkenden Technik kann sich Ed ins Bewusstsein Joes hineinversetzen und ihn sich intelligent verhalten lassen.

Allerdings gibt es in letzter Zeit ein technisches Problem. Die K-Röhre (Transistoren sind noch nicht erfunden), die seine Gedanken bei der Psi-Kommunikationen verstärkt, brennt immer öfter durch. Die Ursache ist unbekannt. Deshalb hat die Station den Psitechniker Jan Cornelius angefordert. Cornelius setzt sich mit dem Problem auseinander, findet aber keinerlei technischen Fehler. Die Ursache vermutet er im psychologischen Bereich. Die Überlastung der K-Röhre könnte durch eine Art negative, sich verstärkende Rückkopplung herbeigeführt werden. Doch welche Faktoren sind dafür verantwortlich?

Zunächst wendet Cornelius simple Freudianische Psychotheorie an, denn von „Analyse“ kann bei einem so cholerischen Menschen wie Anglesey keine Rede sein. Der Widerspruch zwischen Joes perfektem, starkem Körper und Eds schwachem Krüppelkörper könnte eine Rolle spielen. Aber Ed sagt, er finde es herrlich, Joe sein zu dürfen. Was er sich wünsche, seien Gefährten. Diese wurden bereits vorbereitet und sollen nun zur Oberfläche geschickt werden.

Als Cornelius sich in dieser entscheidenden Phase des Projekts mit einem Psiprojektor in die Kommunikation zwischen Ed und Joe einklinken kann, führt er eine Krise herbei, die endlich zur gesuchten Erkenntnis führt, aber gleichzeitig für Ed eine Katastrophe bedeutet. Und doch ist nichts verloren, wie der Forschungsleiter von einem aufgeregten Cornelius erfährt: Dies ist nicht das Ende von Ed und Joe, sondern der Anfang von Joe Anglesey …

|Mein Eindruck|

Poul Anderson schafft es immer wieder, seine unmöglichen Konstellationen von Problemen zu einem positiven, menschlich zufriedenstellenden Ende zu führen. So auch hier, wenn die altbekannte Horrorstory von Frankensteins Ungeheuer zu einer Vision gewendet wird, die nicht nur die unmittelbar Beteiligten befriedigt, sondern auch der Erde selbst eine verheißungsvolle Zukunftsperspektive bietet.

Denn wenn nun Krüppel und alte Menschen und Behinderte eine zweite Chance benötigen, brauchen sie nicht lange zu suchen: Sie lassen ihren Geist in einen von Joes Verwandten übertragen. Die Übertragung ist zwar etwas völlig anderes als das Verschicken einer E-Mail, wie man an Ed Angleseys Beispiel sieht, aber sie eröffnet ein zweites, völlig andersartiges Leben, voller Vitalität und Schönheit.

Der Text ist zwar relativ leicht verständlich, richtet sich aber dennoch an Leser, die etwas mit Physik, Chemie und Psychologie anfangen können. Ohne diese Wissensbereiche wäre die Erzählung nur romantisches Wischiwaschi, aber so ist sie eine mit menschlichen Dimensionen ausgestattete wissenschaftliche Vision. Sehr amüsant fand ich dabei die King-Kong-Allüren, die Ed seiner „Marionette“ Joe eingibt. In den Anspielungen auf das Elisabethanische Zeitalter (Prosepero, Caliban und andere Heroen, die auch in Dan Simmons SciFi-Epos [„Ilium“ 346 auftauchen) erweist sich Anderson als ausgezeichneter Shakespearekenner.

3) _Cordwainer Smith: Die Ballade der verlornen K’mell_ (The ballad of lost C’mell, 1962)

In ferner Zukunft wird die Erde von den Herren der „Instrumentalität“ beherrscht. Die Lords sind langlebige Telepathen, sorgen für Recht und Ordnung, lenken die Geschiche einer sehr veränderten Menschheit. Neben Menschen-Lords und Menschen-Ähnlichen (Hominiden) gibt es noch die rechtlosen Untermenschen. Sie wurden aus Tieren wie etwa Stieren, Hunden oder Katzen gezüchtet. Katzenmenschen tragen das Kürzel K vor dem Namen, so wie K’mell.

K’mell ist eine Hostess, deren Aufgabe darin besteht, den Besuchern der Erde ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, in jeder Hinsicht. Sie hat feuerrote Haare und grüne Augen. Eigentlich kommt es nie zu Kontakten zwischen Untermenschen wie ihr und den hohen Lords, die in ihrem 25 Kilometer hohen Turm leben. Und deshalb ist die Begebenheit, die die Ballade erzählt, umso erstaunlicher.

Lord Jestocost ist ein ungewöhnlicher Lord, mit einem großen Sinn für Gerechtigkeit. Deshalb sieht er es nicht gern, wenn die Untermenschen so entrechtet sind und ausgebeutet werden. Ein berühmter Weitspringer ist gestorben und wird bestattet. Es handelt sich um K’mells Vater K’macintosh. Als der Lord der Bestattung beiwohnt, liest er K’mells Geist und was er dort findet, haut ihn um: Sie betet einen anderen Geist an und erfleht von diesem Beistand.

Mit diesem höheren Wesen will er Bekanntschaft schließen und lässt K’mell zu sich in sein riesiges Büro kommen. Per Telepathie und Hypnose gelingt es ihm, direkten Kontakt mit dem höheren Wesen aufzunehmen. Und er geht noch einen Schritt weiter: Er gewährt diesem Einblick in seinen eigenen Geist, wenn auch nur in diejenigen Bereiche, die mit den Untermenschen zu tun haben. Er will zeigen, wie sehr er sich um das Schicksal der Untermenschen sorgt. Würde er sich an einer Rebellion beteiligen? Unter Umständen ja. Sie trennen sich.

K’mell ahnt nicht, was ihr Geist mit dem von Jestocost ausgetauscht hat, doch sie weiß eines: Sie liebt den Lord, so wie eine Frau einen Mann liebt (und sie weiß alles über beide Geschlechter). Aber liebt der Lord auch K’mell? Er ahnt es vielleicht, doch noch mehr als Menschen liebt er die Gerechtigkeit.

Wie auch immer: Der Tag der Intrige kommt, der entscheidende Moment dauert nur wenige Minuten, in denen der Geist K’mells durch Jestocosts Augen in die Datenbank der Lagezentrale der Lords blickt und sich alles merkt. Dann bricht der Kontakt ab und K’mell kann gehen. Es dauert nicht lange, und die Untermenschen sind in der Lage, sich den Todesschwadronen der Wächter zu entziehen, weil sie nun die Daten des Geistes besitzen und ausweichen können. Über kurz oder lang gelingt es ihnen, Bürgerrechte zu erlangen. Der Sieg der Gerechtigkeit ist endlich herbeigeführt.

Doch was wird aus dem Paar Jestocost und K’mell?

|Mein Eindruck|

Das ist eine recht ungewöhnliche Rebellionsgeschichte, und sie wurde von einem Briten im diplomatischen Dienst geschrieben. (Paul Myron Anthony Linebarger, 1912-1966, war Politologe und amerikanischer Regierungsberater mit Erfahrungen im China vor der Mao-Revolution und während des zweiten Weltkriegs.) Deshalb kennt er sich mit den Verwicklungen zwischen Herren und Beherrschten gut aus. Der Autorenname ist natürlich ein Pseudonym, und unter diesem Namen veröffentlichte der Autor einen ganzen Zyklus von Erzählungen, die als Norstrilia- oder Instrumentalitäts-Zyklus bezeichnet wird. Sie sind bei |Suhrkamp| erschienen.

Die vorliegende Story ist geschickt erzählt, mit Vorausverweisen, um das Interesse des Lesers zu wecken und wachzuhalten. Außerdem gibt es zwei faszinierende Hauptfiguren: eine sehr erotische Frau, der personifizierte Sex, und ein asexueller langlebiger Lord, der mit persönlichen Dingen nichts mehr zu tun haben will, sich aber brennend für Ideale wie Gerechtigkeit interessiert. Wie können solche Gegensätze konstruktiv zusammenwirken – das ist das Gedankenspiel, das der Autor anstellt.

Das Ergebnis ist bis heute interessant, wenn man bedenkt, dass sich der Geist in K’mell durch andere Kommunikationstechniken wie etwa drahtlose Internetverbindungen ersetzen ließe. Doch überzeitlich gültig wird die Story erst durch die anrührende Liebesgeschichte zwischen Jestocost und K’mell. Diese Affäre überdauert den Aufstand der Untermenschen, bis über K’mells Tod hinaus und bis zum Ende Jestocosts. Doch über sein Ende hinaus erzählt die Ballade, was die beiden taten, um die Untermenschen zu Bürgern zu machen. Und so sind sie unsterblich geworden.

_Unterm Strich_

Von den drei Erzählungen hat mich vor allem die von Poul Anderson zu überzeugen gewusst. Sie ist überzeitlich gültig und hat die Flut ständig neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über den Jupiter relativ gut überstanden. Die Freudianische Psychologie mag heute überholt erscheinen, doch darauf kommt es letzten Endes nicht an, um die Story funktionieren zu lassen.

„Wer geht da?“ offenbart jedoch furchtbare Mängel in der Wirkung auf den heutigen Leser. Ich habe diese Defizite oben bereits aufgelistet. Mag die Grundstory auch schon zweimal erfolgreich verfilmt worden sein, so ist doch dieser Abklatsch eines Lovecraft-Mythos nur noch schwer erträglich. Wer einmal Lovecrafts [„Berge des Wahnsinns“ 3652 gelesen oder als Hörspiel gehört hat, dem kommt Campbell recht steif und hölzern vor. Gut, dass sich der Autor später vor allem auf die Herausgeberschaft von |Astounding Stories| und |Analog| beschränkt hat.

Für die Story von „Cordwainer Smith“ (das Pseudonym eines Chinakenners) braucht man, denke ich, eine romantische Ader. Damit kann man sich in die Beziehung zwischen Lord Jestocost und der Hostess K’mell einfühlen und ihr wünschen, sie habe eine Zukunft. Die Sprache des Autors ist unverwechselbar und bildet einen weiteren Anreiz, seine Erzählungen über die Instrumentalität zu lesen, z. B. „Alpha Ralpha Boulevard“ oder „Das Spiel von ‚Ratte und Drache'“.

Wie alle „Titan“-Auswahlbände bildet auch dieses Buch einen qualitativ guten und leicht verständlichen Einstieg in die frühen Jahre des Science-Fiction-Genres.

|Originaltitel: Science Fiction Hall of Fame Band 2/A, 1973
140 Seiten, aus dem US-Englischen von Uwe Anton|