Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Strobel, Arno – Skript, Das (Lesung)

Eine Mordserie, die einem Kriminalroman nachempfunden ist? Nein, das ist sicherlich keine neue Idee, und dennoch hat Arno Strobel sie so überzeugend umgesetzt, dass ich von der ersten Minute an an das Hörbuch gefesselt war.

Die Studentin Nina Hartmann erhält ein mysteriöses Paket – ein Stück „Stoff“, der aussieht wie menschliche Haut und der mit dem Beginn eines Kriminalromans beschrieben ist. Sie meldet die seltsame Post der Polizei und die findet schnell heraus, dass es sich tatsächlich um menschliche Haut handelt, die da beschrieben wurde. Zur gleichen Zeit wird die Tochter eines bekannten Hamburger Verlegers vermisst – ist es etwa ihre Haut, die als Grundlage für diesen perfiden Roman diente?

Es dauert nicht lange, bis die polizeilichen Ermittler – Andrea Matthiesen und Stephan Erdmann – herausfinden, dass der Autor Christoph Jahn ein Buch geschrieben hat, das genau so beginnt. Hat Jahn etwa mit dem Päckchen an die Studentin zu tun? Jahn ist erst seit Kurzem in der Stadt, vorher hat er in Köln gewohnt, doch als ein nie gefasster Täter dort einen Roman aus Jahns Feder „nachgemordet“ hat, beschloss Jahn, die Schriftstellerei an den Nagel zu hängen und sich in Hamburg ein neues Leben aufzubauen.

_Grusel pur_

Obwohl Strobels Idee alles andere als innovativ ist und ich schon mehrere Krimis oder Thriller gelesen habe, in denen ebenfalls ein Täter die Taten aus einem Kriminalroman nachspielt, war ich sofort gepackt. Arno Strobel schafft es von der allerersten Minute an, Spannung aufzubauen. Wir lernen zunächst die Studentin Nina Hartmann kennen, kurz bevor sie dieses grausige Paket zugestellt bekommt. Und vom ersten Moment an ist klar, dass nun gleich etwas Entscheidendes geschehen wird. So fiebert man von Sekunde zu Sekunde diesem entscheidenden Moment entgegen und weiß sofort, dass es sich natürlich um menschliche Haut handeln muss, die Nina Hartmann in den Händen hält. Und schon ist man nach nur wenigen Minuten mitten im Geschehen und völlig angefixt von der erzählten Geschichte! Normalerweise muss ich mich in einem Buch oder Hörbuch immer erstmal einfinden, die Charaktere kennen lernen und wissen, worum es geht, doch aus einem mir kaum erfindlichen Grunde schaffte es Arno Strobel, mich mitzureißen, bevor ich überhaupt wusste, in welche Richtung sich sein Thriller entwickeln würde – grandios!

Und es geht nicht minder spannend weiter: Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf, befragt die unterschiedlichsten Personen und verdächtigt immer neue Figuren – alles im Wettlauf mit der Zeit, immerhin ist die Verlegerstochter spurlos verschwunden und es steht zu befürchten, dass auch ihre Haut als Grundlage für ein Buchkapitel herhalten muss.

Was uns Arno Strobel präsentiert, ist eine sehr gruselige Geschichte – nichts für schwache Nerven! Denn zwischendurch schaltet er immer wieder zu einem weiblichen Opfer, das sich in der Gewalt des Täters befindet und mit ansehen muss, wie eine andere Frau grausam misshandelt und ermordet wird. Dieses Opfer bleibt die längste Zeit über namenlos, sodass der Zuhörer nicht weiß, ob es sich bei ihr um die Verlegerstochter handelt oder ob diese womöglich bereits tot ist. Aber der Zuhörer erfährt sehr genau, was der Täter mit den Frauen anstellt, welche Qualen sie erdulden müssen und welch perfides Spiel er spielt. Und dadurch, dass er ein Buch nachspielt, erfährt der Leser mitunter sogar vorher, was noch geschehen wird.

_Verdächtige Personen_

Der Kreis der verdächtigen Personen wird mit der Zeit immer größer. Zunächst tappt die Polizei – natürlich! – völlig im Dunkeln, doch dann machen sich immer mehr Figuren verdächtig. Da wäre zum einen der Schriftsteller selbst, schließlich ist er es doch, der am meisten profitiert. Seine Bücher haben sich nur mäßig verkauft, bis in Köln jemand ein Buch nachgespielt hat, und plötzlich eroberte Christoph Jahn die Bestsellerlisten. Nun ist sein Konto leer und es käme ihm sehr zupass, würde auch sein neues Buch, an dem er aktuell schreibt, ebenso einschlagen. Doch natürlich hat auch der Verlag ein Interesse daran, dass das neue Buch sich gut verkauft. Zudem wäre da noch der frustrierte Lektor, der das mittelmäßig geschriebene Buch aus der Feder Jahns gründlich überarbeiten musste, damit es überhaupt lesbar wird. Auch er hat ein Interesse daran, dass sich das neue Buch gut verkauft und die Öffentlichkeit mal erfährt, wer der eigentliche Autor von Jahns Werken ist. Und natürlich hat Jahn auch Fans, wie eine Buchhändlerin, die ihn anhimmelt wie ein verliebter Teenager. Wer ist bloß der Schuldige? Beim Zuhören verdächtigt man selbst die unterschiedlichsten Personen und hat natürlich eine immer stärker werdende Ahnung, aber am Ende musste ich bemerken, dass mich Arno Strobel an der Nase herum geführt hat. Zwar hatte ich den wahren Täter zwischenzeitlich auch mal auf dem Schirm, sodass die Wendung am Ende durchaus schlüssig ist, aber dann scheinen doch die Ermittlungen jemand ganz anderes einzukreisen, sodass ich mich auch auf jemand anderen eingeschossen hatte. Prima, wie Strobel das gelöst hat!

Auch die anderen Figuren gefallen gut, Arno Strobel gibt all seinen handelnden Charakteren ein Profil, sodass man sie bildlich vor Augen hat. Mir persönlich breitete Strobel die Geschichte um Andrea Matthiesen etwas zu sehr aus, denn im Grunde genommen spielte es keine Rolle, welche Probleme sie mit ihrem Vorgesetzten hat und was ihr vor dem jetzigen Fall mit ihrem damaligen Partner passiert ist, aber es störte mich auch nicht weiter, dass Arno Strobel hier sehr ins Detail gegangen ist. Denn immerhin sorgte diese Nebenhandlung auch ein wenig für Spannung, da Matthiesens Partner Erdmann aufgrund des Wissens über seine Partnerin bei allen Einsätzen fürchten musste, dass diese ihn im Stich lassen könnte. Das war schon auch ein kleines Spannungsmoment.

_Hörbar_

Gelesen wird das Hörbuch von Sascha Rothermund, der mir persönlich als Sprecher bislang gar nicht untergekommen war. Rothermund ist ein deutscher Schauspieler, Hörbuchsprecher und die Synchronstimme von Lee Pace und Jon Hamm – wer auch immer diese beiden US-Schauspieler sind.

Sascha Rothermund macht seine Sache prima. Mir gefiel nicht nur seine Stimme ausgesprochen gut, sondern auch seine Interpretation der verschiedenen Charaktere und der Geschichte an sich. Er verleiht jedem Charakter eine individuelle Stimme, ohne aber je zu übertreiben und er sorgt mit seiner warmen, angenehmen Stimme für eine sehr stimmungsvolle Atmosphäre. Ich fand seinen Vortrag sehr unaufdringlich, aber total stimmig. Auch wenn ich Sascha Rothermund bislang als Hörbuchsprecher noch nicht gehört hatte, so werde ich mit großer Sicherheit künftig gezielt nach ihm als Sprecher Ausschau halten.

_Skript für einen Bestseller_

„Das Skript“ überzeugte mich auf ganzer Linie. Ich war von der ersten bis zur allerletzten Minute komplett von der Geschichte gefangen, gefesselt und fasziniert. Die Geschichte war wie ein Sog, dem ich mich nicht entziehen konnte, und zwar von Beginn an. Auch wenn Strobels Idee keine neue war, so gefiel mir die Umsetzung dennoch ausgesprochen gut.

Von Arno Strobel hatte ich noch nichts gelesen oder gehört, aber für mich gehört er schon jetzt zur persönlichen Entdeckung des Jahres, sodass ich bald weitere Bücher von ihm hören werde – hoffentlich wieder von Sascha Rothermund gelesen. Das vorliegende Hörbuch gefiel mir durchweg gut, sodass ich es uneingeschränkt jedem Thrillerfreund mit starken Nerven ans Herz legen möchte!

|Download-Version mit 9:53 h Spieldauer|
http://www.audible.de

Direkt-Link zu audible: [Arno Strobel – „Das Skript“]http://www.audible.de/pd/B006B2ZXN0

auch erschienen als:

|6 Audio-CDs
Sprecher: Sascha Rothermund
ISBN-13: 978-3839811085|
http://www.argon-verlag.de

Lini, Jana – Filly Unicorn – Gaias unendliche Träumerei (Hörspiel) (Folge 6)

Ganz weit oben im Himmel schwebt das Inselland Chrystalia. Hier wohnen die Filly Einhörner – auf jeder der Inseln eine Familie. (|Covertext|)

Insgesamt sind es deren Sieben, die von der Zentralinsel „Iridia“ aus tagsüber mit Regenbogenbrücken miteinander verbunden sind. Diese können sie nur überqueren, wenn sie ihre Kristallkronen auf dem Haupt tragen, die den Einhörnern auch ihre individuellen magischen Fähigkeiten verleihen, deren speziellen Ausrichtungen zudem davon abhängig sind, von welcher der Inseln sie stammen.

Die Einhörner Chrystalias sind jedoch nicht die einzigen Fillys im gesamten Feenland. Neben ihnen existieren noch die (Boden-)Königreiche der „Princess“, „Ice Fairys“ und „Fairys“ – allesamt haben inzwischen nicht nur ein beachtliches Merchandise zu bieten, jedes von ihnen hat auch eigene Hörspiele beim |EUROPA Mini|-Label. Zielgruppe sind Mädchen ab 4 Jahre. Bei allen Filly-Folgen sind stets zwei abgeschlossene Geschichten zu finden:

|Gaias unendliche Träumerei|

Einhorn-Mädchen Gaia soll eine besondere Ehre zuteilwerden, Prinzessin Sparkle hat sie ausgewählt die Frühlingsbotin zu sein, die eben jenen in ganz Chrystalia verkündet, wenn es endlich soweit ist, dass der Winter nicht noch einmal zurückkehrt. Dieses Amt erfordert genaue Beobachtung der Sterne und des Wetters, damit die Einhörner nicht zu früh mit der Bepflanzung beginnen und plötzlicher Frost ihre Bemühungen noch einmal zunichtemacht. Allerdings ist Gaia eine unverbesserliche Tagträumerin, die diese wichtige Aufgabe nicht mit dem gebührlichen Ernst angeht. Die Vorboten eines aufziehenden Unwetters übersieht sie. Damit sie weiter in Ruhe vor sich hinträumen kann, verkündet sie den Frühling leichtfertig auch etwas zu früh. Der folgende nächtliche Hagelschlag hat Konsequenzen für das Reich der Einhörner. Das anstehende Frühlingsfest droht diesmal weitaus weniger harmonisch zu werden, als sonst üblich.

|Romeos wundervolles Gedicht|

Der jungendliche Romeo ist der Poet unter den Einhörnern, der jeden Tag ein schönes Gedicht schreibt. Nicht immer ist dies eine leichte Aufgabe, doch meist gelingt es ihm intuitiv, doch die richtigen Worte zu finden. Nur bei einem „Problem“ scheint ihm genau diese Fähigkeit zu versagen: Er ist Feuer und Flamme für das Einhorn-Mädel Kirina. Das weiß nur keiner, die Angebetete am allerwenigsten. Bis sich Romeo gegenüber seiner Cousine Rose unfreiwillig outet. Diese Plappertasche kann nie ein Geheimnis für sich behalten, gerade dann nicht, wenn sie um Stillschweigen gebeten wird. Rose zieht ihn ein wenig mit seiner Verliebtheit auf und drängt, sich Kirina zu offenbaren. Derart in Zugzwang gebracht, versucht Romeo alles Mögliche Kirina ein Zeichen seiner tiefen Zuneigung zukommen zu lassen, bevor Rose etwas herausrutscht. Eine denkbar schwierige Aufgabe – schon ohne die permanent nervende Cousine im Nacken.

_Eindrücke_

Eingedenk des Publikums, welches mit der Filly-Serie angesprochen werden soll, verwundert die recht einfache Struktur der Geschichten und Figuren nicht wirklich. Grundsätzlich wirkt schließlich auch dieses Hörspiel eher so, als würde aus einem Märchenbuch vorgelesen (was Erzählerin Isabella Grothe auch sehr schön ruhig wie einfühlsam gelingt) und die Handlung mit entsprechenden Dialogen, Geräuschen und sanfter Hintergrundmusik weiter aufgewertet – ein „ausgewachsenes“ Hörspiel klingt sicherlich anders, da es mit weitaus weniger verbalen Erklärungen auskommt und mehr auf subtile (Geräusch-)Effekte setzt. Doch wie gesagt: Diese Produktion richtet sich schließlich an ein weitaus jüngeres Klientel, da ist es absolut legitim, dass sozusagen durch die Handlung hindurch moderiert wird – solange für die eigene Fantasie noch genug Raum übrig bleibt. Das ist, auch durch Beschreibungen scheinbar unwichtiger, kleiner Details, gegeben.

Als Erwachsener muss man sich selbstverständlich schon ein wenig daran gewöhnen, dass Einhörner (als verwandte Vertreter der paarhufigen Gattung Equus) mit Geschirr hantieren und sogar die hohe Kunst des Töpferns praktizieren, doch OK, das gelingt ziemlich problemlos. Auch die stets leicht verkitschten Geschichten, sind immer wieder dazu angetan dem leidlich erwachsenen (außerdem erschwerend hinzukommend: männlichen) Rezensenten ein mehr oder weniger gequältes „Oh, bitte! Nicht doch!“ zu entlocken. Das hielt sich bei Folge 6 aber in Grenzen, wobei es noch erstaunlicher ist, dass ausgerechnet die zweite Story mit der Liebesgeschichte überraschend realistisch präsentiert wird. Niedlich, aber nicht zu schmalzig. Allerdings dürfte diese, von Verständnis und Problematik her, schon fast etwas zu sehr in Richtung Teenager pendeln. Die jüngsten Zuhörer können sich mit Gaias Geschichte und die darin enthaltene Botschaft wohl besser und leichter identifizieren. Oder um es professioneller auszudrücken: Die titelgebende Geschichte ist zielgruppengerechter.

_Die Produktion_

Buch: Jana Lini
Regie: Thomas Karallus
Sounddesign: Christoph Gruder
Musik: CallasDesign / Titelsong: Jose Infiesta
Redaktion: Maike Nagel

_Sprecher und Figuren_

Isabella Grothe (Erzählerin), Leonie Landa (Gaia), Anne Moll (Prinzessin Sparkle), Tammo Kaulbarsch (Karkadan), Heidi Berndt (Ashia), Mathilda Charisius (Samba / Kirina), Mareike Fell (Rose), Flemming Stein (Romeo), Tim Knauer (Agnix), Thomas Karallus (männliche Stimme)

_Fazit_

Warum Prinzessin Sparkle im Hörspiel fast schon schwäbisch ausgesprochen wird (nämlich „Spark-le“) und nicht – wie phonetisch eigentlich naheliegend – Englisch (Immerhin ziert auch ein höchst anglikanisches „Unicorn“ die Titelzeile), ist zumindest diskussionswürdig. Viel mehr kann man der inzwischen sechsten Folge der Hörspielserie kaum ankreiden. Klar sind hier reihenweise Klischees am Werk, angefangen beim quietschbunten Setup mit grundguten, magischen Mini-Einhörnern aber auch allem anderen Pipapo, auf den die Zielgruppe so steht. Also kleine Mädchen ab Vier. Die haben nachweislich ihren Spaß an „Gaias unendliche Träumerei“ und auch die allerlei Kummer gewohnten Eltern konnten, bei exzessiv wiederholter (Zwangs-)Beschallung, bislang der Versuchung widerstehen den kindlichen CD-Player entweder endlich mit schalldichten Kopfhörern auszustatten oder ihn gar dezent in der Badewanne zu ertränken. Das heißt schon was, nämlich dass die CD eigentlich so übel nicht ist.

|Audio CD mit einer Spielzeit von ca. 60 Minuten
mit 2 Geschichten aus der Filly® Unicorn Welt
EUROPA Mini / Sony Music Entertainment, Februar 2012
EAN 886919220520|
[www.natuerlichvoneuropa.de]http://www.natuerlichvoneuropa.de

_Die Fillys® bei |Buchwurm.info:|_

[Folge 05 – Fairy: Oberon und das Zauberkraut]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7772
_Folge 06 – Unicorn: Gaias unendliche Träumerei_

Ernest Cline – Ready Player One

Die Handlung:

Im Jahr 2044 hat die reale Welt für Wade Watts nicht mehr viel zu bieten. Daher flieht er – wie die meisten Menschen – in das virtuelle Utopia von OASIS. Hier kann man leben, spielen und sich verlieben, ohne von der bedrückenden Realität abgelenkt zu werden. Da entdeckt Wade in einem Online-Game den ersten Hinweis auf einen unsagbar wertvollen Schatz, den der verstorbene Schöpfer von OASIS in seiner Cyber-Welt versteckt hat. Plötzlich ist Wade eine Berühmtheit, aber er gerät auch in das Visier eines Killerkommandos – in OASIS und in der Realität. Wade weiß, dass er diese mörderische Hetzjagd nur überleben kann, wenn er das Spiel bis zu seinem ungewissen Ende spielt!
(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

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Andreas Eschbach – Solarstation (Lesung)

Wohl einer der bekanntesten Sätze Eschbachs lautete etwa so: „Ihr wollt mehr Action? Sollt ihr haben!“ Und so ist „Solarstation“ seine Antwort auf die Kritiker seines Romanerstlings „Die Haarteppichknüpfer“ die ihm Langeweile vorwarfen. Die typische Umschreibung des vorliegenden Romans lautet: ‚Stirb langsam‘ im Weltraum – nur intelligenter, tiefgründiger und – actionreicher!

Andreas Eschbach wurde geboren, erlebte eine Kindheit, studierte Luft- und Raumfahrttechnik und arbeitete als Softwareentwickler, ehe es ihn nach Frankreich zog. Dort lebt und arbeitet er mit seiner Familie an der Bretagne im Urlaub.

Die Nippon ist eine Raumstation mit Forschungsaufgaben, ihr Hauptzweck ist die Entwicklung der Solarenergiegewinnung und -übertragung für und auf die Erde. An Bord ist eine ständige, rotierende Besatzung, zumeist Asiaten, da sich die Station von der ursprünglich internationalen Planung zu einem Projekt Japans entwickelte. Der derzeit einzige Nichtasiat ist Leonard Carr, der als Reinigungsfachkraft, Mädchen für alles und Securitybeauftragter angestellt ist.

Die Sicherheit war bisher kein Problem, so dass sich Carr vor allem um die Dinge des täglichen Lebens kümmerte. Bis sich eine als unplanmäßig ausgestiegen erklärte Raumkapsel der Europäer auf Kollisionskurs nähert, ein interner Saboteur die Funkanlage unbrauchbar gemacht hat und ein Mord an Bord geschieht.

Leonard Carr ist der Ich-Erzähler der Geschichte. Er führt sich selbst mit teils tiefgründigen, teils wehmütigen Gedanken über Sex im Weltraum im Allgemeinen und seine Affäre mit der Japanerin an Bord im Besonderen ein, ehe es schnell zur Sache geht. Eschbach beginnt also seine Geschichte mit einem erotischen Abenteuer mit direkter Überleitung zum Sabotageverdacht an Bord, der die ganze Mission gefährdet, so dass der Konsument erstens gleich eingefangen wird und zweitens ersten Kontakt mit dem Spannungspotenzial der Grundidee bekommt, ohne dass Eschbach dabei zu ausschweifenden Erklärungen genötigt wäre, denn der Konflikt durch den Saboteur thematisiert die Problematik auf spannende Weise.

In diesem Abschnitt hat Carr eine eher beobachtende Rolle, in der er uns das Leben und Arbeiten an Bord einer schwerelosen Raumstation näher bringt. Dass er dabei schon erste Puzzleteile zur Lösung des Konflikts einsammelt, wird erst später deutlich, doch insgesamt hat seine Arbeit als Mädchen für alles den Vorteil, dass er sich überall ungehindert und unbeobachtet bewegen kann. So wird er Zeuge einer Unterhaltung, die eines der Crewmitglieder im späteren Mordverdacht belastet. Eschbach inszeniert noch ein paar Zusammentreffen, die später eine Rolle spielen werden. So lernen wir die Crew gleichermaßen kennen wie die Station und die Aufgaben, die hier von Wichtigkeit sind.

Richtig spannend wird es, als die europäische Raketenstufe auf Kollisionskurs mit der Station geht und sich schließlich heraus stellt, dass es ein geplantes Rendevous ist, um die Nippon zu überfallen und zu übernehmen. Hier treffen wir auf eine recht typische Gruppierung von Extremisten, wobei die einzelnen Personen fast alle Klischees bedienen, die durch einschlägige Filme von derlei Situationen geschaffen wurden. Der schieß- und mordwütige Handlanger, der Technikfreak, der Verräter und der überlegene, ausgefuchste Anführer der Bande sind mit von der Partie.

Eschbach schafft hier eine ausweglos scheinende Situation, in der die überlebende Mannschaft der Station Zeit zum Nachdenken bekommt – und auf den wahren Sinn des Überfalls stößt, der wiederum bei Leonard einen unüberwindbaren Grund, ein absolutes MUSS erzeugt. Ein Muss, dem er sich unter allen Umständen und unter jedem Risiko stellen muss, denn die Besatzer bedrohen mittels des hochenergetischen Übertragungsstrahls der Solarstation seinen Sohn … Der suggestive Begriff des „Stirb langsam im Weltraum“ entsteht in diesem letzten Abschnitt der Geschichte, denn Carr begibt sich auf eine Einzelmission, deren Erfolgschancen gleich Null zu sein scheinen und während der er immer wieder in Kämpfe, Verletzungen, blutige Szenen getrieben wird, bis er sich mit dem überaus zähen und übermächtig scheinenden Anführer der Bande hoch über der Erde einen fanatischen, in jeder Hinsicht rücksichtslosen Kampf liefert.

Ist eigentlich der Spinnenroboter „Nummer Vier“, der seit Entstehung der Solarstation unermüdlich an der Erhaltung und Erweiterung der Solarfläche arbeitet, ein Deus ex machina? Mit seiner Hilfe erst gelingt Carr nämlich die Flucht aus ihrem Gefängnis. Doch seine Anwesenheit ebenso wie die des toten Wissenschaftlers an Bord der Raketenstufe wird von Eschbach plausibel in die Geschichte eingeflochten, so dass sich diese Frage nur auftut, wenn man im Zuge einer Kritik auch nach Schwachpunkten sucht. Und trotz der stark gekürzten Ausgabe als Hörbuch sind mir derer keine aufgefallen.

Das Hörbuch ist so geschickt eingekürzt, dass sich eine stringente und logische Handlung ergibt, die vollauf zu befriedigen weiß. Und nervenzerreißende Spannung ist Eschbach hier in höchster Qualität gelungen, so dass man als Fazit sagen kann, er hat den Mund mit seiner Ankündigung bei Weitem nicht zu voll genommen!

Sascha Rotermund ist als Sprecher im ersten Moment eine strittige Wahl, denn seine Modulation ist recht unauffällig, so dass man während der ersten Personenwechsel Probleme hat, die Stimmen zuzuordnen. Im Laufe der Geschichte gelingt es dem Hörer immer besser, zwischen den Personen zu unterscheiden, und schlussendlich bleibt auch hier ein rundum zufriedener Eindruck zurück. Dieses Hörbuch ist umfassend gelungen.

6 Audio CDs
Spieldauer: 450 Min.
Sprecher: Sascha Rotermund
ISBN-13: 978-3785746028
www.luebbe.de
andreaseschbach.de

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

 

Arthur Conan Doyle – Ring des Thot, Der (Gruselkabinett 61)

Für die Ewigkeit: eine Liebe und ein Fluch

John Vansittart Smith war eine merkwürdige Gestalt – sicherlich wäre er der Welt noch heute, so viele Jahre nach seiner Forschungstätigkeit am Ende des 19. Jahrhunderts, ein Begriff, wenn er sich nicht durch unvorsichtige Reden über das, was er an einem trüben Oktobertag in der ägyptischen Sammlung des Louvre in Paris erlebt haben will, für alle Zeiten unmöglich gemacht hätte … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Sir Arthur Conan Doyle lebte von 1859 bis 1930 und gelangte mit seinen fast 50 Erzählungen und Romanen um den Meisterdetektiv Sherlock Holmes zu Weltruhm. Dabei begann der Mediziner, der eine eigene Praxis hatte, erst 1882 mit dem Schreiben, um seinen Einkommen aufzubessern.

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Michael Crichton / Richard Preston – Micro

_Die Handlung:_

Eine Gruppe von Studenten wird von einem Unternehmen für den Einsatz an der Front der Mikrobiologie rekrutiert. Die streng geheime Arbeit führt die Forschungstalente nach Hawaii. Hier sehen sie sich nicht nur einer erbarmungslosen Natur, sondern auch einer radikalen neuen Technik gegenüber, die die Gruppe schnell beherrschen lernen muss, will sie nicht für immer in den undurchdringlichen Wäldern Oahus verschwinden … (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

Das ist es nun, das wirklich letzte Buch, an dem Michael Crichton bis zu seinem Tod im Jahr 2008 gearbeitet hat. Gut ein Drittel hatte er zu diesem Zeitpunkt fertiggestellt. Sein Verlag engagierte Richard Preston, um aus den restlichen Aufzeichnungen und Notizen einen kompletten Roman zu fertigen.

Aber, hatte Michael Crichton nicht schon mal einen Roman über winzige Naniten geschrieben, die im Rudel gejagt haben? Hat er und das Ergebnis hieß BEUTE. Nun wollte Crichton aber nach eigenen Angaben mal wieder eine Geschichte erzählen, die in Richtung JURASSIC PARK geht und deshalb wurden seine sieben Helden auch in einen Urwald verfrachtet, in dem sie ums Überleben kämpfen müssen. Von großen Uraltmonstern also hin zu winzigen neumodernen Monstern. Die Größenverhältnisse aber bleiben dennoch, denn im Laufe der Geschichte werden die Protagonisten geschrumpft und jedes Insekt wird zur Bestie.

Ob sich Crichton bei seinem Teil von MICRO von „Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft“ hat inspirieren lassen oder von Klassikern des SciFi-Films wie „Die unglaubliche Geschichte des Mr. C“, wir werden es nie erfahren. Parallelen sind aber schon zu erkennen. Zumindest bei den Teilen mit dem Schrumpfen und den Kämpfen gegen die Insekten. Denn das beschert der Bösewicht des Romans, der irre und machtbesessene Chef einer Hightech-Firma, denen, die nicht so spuren, wie er das gern hätte. Er schrumpft sie einfach und überlässt sie ihrem Schicksal.

Und so darf man hier keine epischen Charakterentwicklungen oder Beziehungsgeschichten erwarten, sondern ein „Dschungelabenteuer“ auf Oahu, einen bösen Wissenschaftler und jede Menge Spannung. Gewürzt mit den üblichen schulmeisterlichen Kurzvorträgen über das recherchierte Fachwissen des Autors, trauert der Leser im Anschluss dem Tod von Michael Crichton noch einmal nach. Denn er konnte wirklich kurzweilig unterhalten, was er hier (wenn auch nur zu einem Drittel) posthum wieder unter Beweis stellt. Die wirklich vielen und kurzen Kapitel helfen dabei auch und halten die Handlung spannend und knackig.

|Das Hörerlebnis|

Womit wir beim großen „Aber“ dieser Hörbuchumsetzung wären: dem Sprecher. Gordon Piedesacks Art des Vortrags klingt von Anfang an irgendwie genervt, gelangweilt, einschläfernd und nörgelig. Das, zusammen mit einer Prise „überarbeiteter Großstadt-Cop“. Auch legt er zum Teil in den Sätzen seltsam lange Sprechpausen ein … wohl um die Dramatik der Szene zu steigern oder die Aufmerksamkeit und die Geduld des Hörers auf die Probe zu stellen. Das würde hervorragend zu einem New-York-Krimi der 70er Jahre, als Synchronstimme für Robert De Niro oder Peter Falk als Columbo passen, dieser Story kommt es aber nicht zugute, sondern lässt das Szenario häufig leblos wirken und bremst die an sich spannende Handlung aus. Und immer wieder verschwindet im Kopfkino des Hörers der Dschungel, wenn er denn schon da war und man sieht einen Sprecher in einer abgedunkelten Kabine mit einer kleinen Lampe, der ein Skript vorliest.

Wo andere Sprecher zur besseren Unterscheidbarkeit zwischen den Charakteren mit der Stimmfarbe spielen, wird Piedesack fast ausschließlich erstmal pauschal unangenehm lauter beim Sprechen. Das hat er gar nicht nötig … und der Hörer würde sich weniger oft erschrecken … denn er kann auch fremdsprachige Akzente und weibliche Figuren gut umsetzen.

|Die Ausstattung|

Die mit dem Titelmotiv bedruckten CDs stecken in einem Jewel-Case. Im Bookletfaltblatt finden wir ein paar Vorschusslorbeeren des Verlags für die Autoren, Infos zu den Autoren selbst und auch ein paar Hinweise zum Sprecher. Außerdem gibts noch etwas verlagsinterne Werbung für weitere Hörbücher zu sehen.

_Die Autoren und der Sprecher_

|Michael Crichton| wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard Medizin; seine Romane, die in über 36 Sprachen übersetzt werden, verkauften sich mehr als 200 Millionen Mal, dreizehn davon wurden verfilmt. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen „Next“, „Welt in Angst“, „Timeline“, „Jurassic Park“ und „Andromeda“. Crichton, Schöpfer der Serie Emergency Room, ist bis heute der einzige Künstler, der es schaffte, mit Film, Fernsehserie und Roman gleichzeitig die ersten Plätze der Charts zu belegen. Crichton, der seit Mitte der Sechzigerjahre Romane schrieb, griff immer wieder gekonnt neueste naturwissenschaftliche und technische Forschungen auf. Im November 2008 starb Michael Crichton im Alter von 66 Jahren. Bis zuletzt hat er an seinem neuen Wissenschaftsthriller „Micro“ geschrieben. (Verlagsinfo)

|Richard Preston| studierte am Pomona College in Claremont, Kalifornien und graduierte summa cum laude in Englisch. Anschließend studierte Preston an der Princeton University, wo er 1983 seinen Doctor of Philosophy machte. Während des Studiums nahm er an dem Kurs The Literature of Fact teil, welcher von dem amerikanischen Schriftsteller John McPhee gehalten wurde. Dieser Kurs über das Schreiben nichtfiktiver Bücher ebnete Prestons Weg zu seiner späteren Schriftsteller-Karriere. Für sein erstes Buch „First Light“ erhielt er 1988 vom American Institute of Physics den Science Writing Award. Der Asteroid Preston ist nach ihm benannt. Richard Preston ist verheiratet und hat drei Kinder. Sein jüngerer Bruder Douglas ist ebenfalls Schriftsteller. (Wikipedia)

|Gordon Piedesack|, geboren 1972, ist professioneller Sprecher für Hörspiele, Hörbücher und Synchron. Fernsehzuschauern ist er als Station-Voice von 3sat bekannt. Für Random House Audio hat er die Hörbücher zur Kultreihe „Shaft“ von Ernest Tydiman gelesen. (Verlagsinfo)

_Mein Fazit:_

Geschrumpfte Studenten kämpfen gegen die Probleme, die man an als reiskorngroßer Mensch so hat. Wer JURASSIC PARK mochte, der könnte auch hier seinen Spaß haben, wenn die durchaus spannende Story nicht vom Sprecher gebremst würde. Wenig fesselnd und irgendwie gelangweilt wirkt er die ganze Zeit über, egal wie dramatisch die Ereignisse grad sind. Ein lebendigerer Vortrag mit mehr Schauspiel vor dem Mikro hätte diesem wirklich packenden Roman besser getan und hätten der Hörbuchumsetzung mehr Feuer und fühlbares Abenteuer verliehen. So aber sitzt der Hörer in einem Kopfkino, in dem in schwarz-weiß ein Super-8-Film läuft, der von einem Sprecher mit einer Kurbel im immer gleichen Tempo abgespult wird … das ist bei Super-8-Filmen auch nötig, im Kopfkino aber wirds schnell langweilig.

|6 Audio-CDs mit insg. 64 Tracks
Laufzeit: 7:33 Std.
Originaltitel: Micro
ISBN-13: 978-3837109009|
[www.randomhouse.de/randomhouseaudio]http://www.randomhouse.de/randomhouseaudio/index.jsp

_Michael Crichton bei |Buchwurm.info|:_
[„Next“ 3300
[„Welt in Angst“ 880
[„Sphere – Die Gedanken des Bösen“ 698
[„Timeline“ 360
[„Gold – Pirates Latitudes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6108

Perry Rhodan – Menschheit am Scheideweg (Silber Edition 80, Teil 4 von 4)

Menschheit am Scheideweg:

Teil 1: 351 MB, 4:09 h, 47 Tracks
Teil 2: 370 MB, 4:22 h, 53 Tracks
Teil 3: 363 MB, 4:18 h, 52 Tracks
Teil 4: 415 MB, 4:53 h, 59 Tracks

Die Handlung:

Das Jahr 3460. Die Milchstraße steht unter der Herrschaft des technisch überlegenen Konzils der Sieben. Leticron, der oberste Helfershelfer der Invasoren, erstickt jeden Widerstand mit eiserner Faust. Die wenigen Menschen, die seinen Truppen entkommen konnten, haben sich in den Schutz einer Dunkelwolke geflüchtet. Da keimt unerwartet neue Hoffnung. Kroiterfahrn, der todkranke Angehörige des bislang unbekannten Konzilvolks Greikos, trifft in der Galaxis ein. Er glaubt, eine Insel des Friedens und des Wohlstands vorzufinden, geschaffen von der gütigen, gerechten Hand des Konzils. Wird es den Menschen gelingen, ihm die Augen für die Wahrheit zu öffnen? Erde und Mond treiben währenddessen nach der misslungenen Flucht durch den Hyperraum weiter im »Mahlstrom der Sterne«, einer unendlich weit entfernten Region des Alls. Noch wärmt das Licht hunderter Atomsonnen die Urheimat der Menschen – doch Perry Rhodan weiß, dass er eine neue Sonne für sie finden muss. Rhodans einzige Hoffnung sind die erklärten Feinde der Terraner. (Verlagsinfo für die komplette Silber Edition 80)

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Lissa Price – Starters (Starters 1)

_Die |Starters|-Dilogie_:

01 _“Starters“_
02 „Enders“ (Herbst 2012)

_Die Handlung:_

Nach dem Ausbruch eines tödlichen Virus gibt es nur noch sehr alte und junge Menschen. Mittellos kämpfen die 16-jährige Callie und ihr kleiner Bruder auf der Straße ums Überleben. Callie entschließt sich daher zu dem Undenkbaren: Sie verleiht ihren Körper an einen alten Menschen, dessen Bewusstsein übernimmt ihren Körper und kann so wieder jung sein. Doch alles verläuft anders als geplant … (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

Seit Jugend-Dystopien hoch im Kurs stehen, wird jeder neue Roman, der auch nur annähernd in diese Richtung schaut, mit den „Hunger Games“ verglichen. Das ist eine Art „Herr der Ringe“-Phänomen. Wenn man aber das Genre mal zur Seite schiebt und auf die Idee schaut, die hinter dem Roman steckt, dann gibts doch so einige erhebliche Unterschiede und das macht „Starters“ interessant. Die Weichen für die aktuellen gesellschaftlichen Probleme bereitete ein dem Roman vorangegangener Krieg, der offenbar ohne Rücksicht auf Verluste geführt wurde, bei dem es keine Sieger gab und der die USA isoliert zurückgelassen hat. Dabei starben alle Menschen, die nicht schnell genug gegen die eingesetzten Sporen geimpft wurden … und die Geimpften waren die Jungen (die Starters) und die Alten (die Enders).

Ein wenig unlogisch erschien mir aber die Tatsache, dass die Enders reich wurden, durch den Verkauf von Dingen, die aufgrund der vielen Tode in der produzierenden Altersschicht keiner mehr produzieren oder reparieren konnte und daher immer neu gekauft werden müssen … wer aber stellt die denn dann her, wenn die Enders alle so alt sind, dass sie sich junge Körper mieten müssen, um wieder ein wenig Action im Leben zu haben?

Nehmen wirs halt mal so hin und schauen auf die Situation. Die Enders, werden also immer reicher und viele der Starters, die keine Familie mehr haben, immer ärmer … das sorgt schon mal grundsätzlich für Spannung, in die man seine Protagonisten werfen und um die man eine interessante Story wickeln kann. In die wird der Hörer auch sofort hineingezogen, denn sowohl die Autorin als auch die Sprecherin tun dazu ihr Übriges.

Zusammen mit Callie erfahren wir gleich zu Anfang, was es mit der ominösen und bestimmt nicht ganz legalen „Body Bank“ des Unternehmens Prime Destinations auf sich hat und welch verlockenden Angebote sie Teenagern in Not machen. Und schnell fragt sich der Hörer, was er an ihrer Stelle tun würde, um für die zu sorgen, die ihm noch geblieben sind … würde er nicht alles tun? Selbst wenn dies bedeutet, seinen Körper anderen zur Verfügung zu stellen … Menschen, die man nicht mag und denen man nicht mal vertraut? Das klingt nach einer Kreuzung aus moderner Prostitution und Sklaverei.

In dieses Setting baut die Autorin noch einen interessanten Twist ein, denn es geht nicht alles glatt bei der finalen Körper-Ausleihe von Callie. Und aus einem anfänglich grinsenden „Oh, cool!“ im Kopf des Hörers wird schnell ein „Oh, oh!“ und schließlich ein „Oh mein Gott!“, wenn Callie und ihm die Hintergründe bewusst werden und sich die Ereignisse abzeichnen, die es nun zu verhindern gilt. Aber auch dieser Twist birgt noch einen weiteren Twist und die Intensität steigert sich immer weiter, denn in „Starters“ ist nichts so, wie es auf den ersten Blick erscheint und auch bei den Menschen kann man sich da nie so sicher sein. Und immer, wenn der Hörer sich an eine neue Situation gewöhnt hat, setzt die Autorin noch einen drauf und zieht die Spannungsdaumenschrauben weiter an. Und das geht bis zur letzten Minute so weiter … sogar bis zur letzten Sekunde!

Und auch wenn dies der erste Teil einer Dilogie ist, so hat es die Autorin geschafft, sowohl ein befriedigendes Ende zu schaffen, als auch die Lust darauf zu wecken, sofort den nächsten Teil in den CD-Player zu werfen … wenn er denn nur schon erschienen wäre.

|Das Hörerlebnis|

Annina Braunmiller gelingt es von der ersten Minute an, das Gefühlsleben von Callie eindrucksvoll zu vermitteln. Ihre ganze Wut, Verwirrung, Liebe, die Verzweiflung und das Misstrauen den „alten Säcken“ gegenüber kommen so lebendig im Ohr des Hörers an, als würde die Sprecherin selbst diese Gefühle teilen. Und schon kurz darauf hat man das Gefühl, Callie erzählt ihre Geschichte selbst, so authentisch wirkt der Erzähltstil von Annina Braunmiller. Ihre Stimmlage und Stimmfarbe passen perfekt zur Protagonistin und sie kann auch auch prima damit spielen. Hier macht sich bemerkbar, dass sie ihr Talent als Synchronsprecherin auch in dieser Lesung einzusetzen weiß, was dem Hörer ein fesselndes Kopfkinoerlebnis bietet.

_Die Autorin und die Sprecherin_

|Lissa Price| ist Drehbuchautorin und lebt nach mehreren Aufenthalten in Japan und Indien heute mit ihrem Mann und gelegentlichen Rehen im Süden Kaliforniens. Ihr Roman »Starters« ist das höchstgehandelte Debüt der letzten Jahre. (Erweiterte Verlagsinfo)

|Annina Braunmiller|, Jahrgang 1985, ist die Synchronsprecherin von Kristen Stewart, der Bella Swan aus den „Twilight“-Verfilmungen. Sie absolvierte an der Stage School Hamburg eine Ausbildung zur Bühnendarstellerin für Gesang, Tanz und Schauspiel. Als Sprecherin ist sie u. a. auch die deutsche Stimme von „Camp Rock“-Star Demi Lovato. Sie lebt und arbeitet in München. (Verlagsinfo)

_Mein Fazit:_

„Starters“ ist eine Jugend-Dystopie, die sich durch die spannende Grundidee von den anderen Romanen des Genres abhebt. Der Hörer erlebt mithilfe der genialen Annina Braunmiller Callies Gefühle hautnah mit und sitzt in einem Kopfkino, das auf eine Gefühlsachterbahn montiert wurde. Die Spannung steigt kontinuierlich an und ein Twist folgt dem Nächsten. Bis zur letzten Sekunde gibts hier fesselnde Unterhaltung, die mit zum besten gehört, was das Genre derzeit zu bieten hat.

Marketingtaktisch klug geplant, dass der Roman in Deutschland genau zum Kinostart der HUNGER GAMES erscheint.

|6 Audio-CDs
Laufzeit: 7:29 Minuten
Originaltitel: Starters
ISBN-13: 978-3492702638|
[www.osterwold.de]http://www.osterwold.de
[www.lissaprice.com]http://www.lissaprice.com

Nicholls, David – Zwei an einem Tag (Lesung)

Es klingt nach Romantik pur: Auf ihrer Abschlussfeier lernen sich Emma und Dexter kennen, verbringen die Nacht zusammen und fragen sich dann, wo und wie sie wohl in 20 Jahren, also im stolzen Alter von 40, sein würden. Und tatsächlich beginnt in dieser Nacht eine ganz besondere Beziehung, obwohl Emma und Dex doch so unterschiedlich sind: Emma ist zwar ausgesprochen hübsch, ist sich dessen aber nicht bewusst. Sie würde zu gerne bei einem Verlag arbeiten und Karriere machen, doch klappt das nicht so recht. Dexter lässt dagegen nichts anbrennen, er landet mit allen Frauen im Bett, arbeitet später als Moderator und bereist die Welt. Die beiden schreiben sich Briefe – sie lange, gefühlvolle Briefe, er dagegen obercoole Postkarten, die in den meisten Fällen im Alkoholsuff entstanden sind. Treffen sich Emma und Dexter mal persönlich, so geht das meistens schief – sie beleidigen sich und merken nicht wirklich, was sie am anderen haben. Doch insgeheim denken sie immer intensiver über den anderen nach.

Emma beginnt eine Beziehung mit einem eher weniger erfolgreichen Comedian, zieht mit ihm zusammen, fragt sich aber dennoch dauernd, ob das wirklich die richtige Entscheidung war und wie es wohl mit Dexter (gewesen) wäre. Der dagegen hat ständig wechselnde Freundinnen, moderiert immer schlechtere Sendungen im Fernsehen. Aber schließlich lernt er eine ganz besondere Frau kennen, die ihm endlich klar macht, dass das Leben keine immer dauernde Party ist. Er trinkt weniger und versucht, seiner neuen Freundin alles Recht zu machen. Als er Emma auf einer Hochzeit wiedersieht, überreicht er ihr schließlich die Einladung zu seiner eigenen Hochzeit … Gibt es für Emma und Dexter noch eine Chance??

_Schicksalhafte Begegnung_

Die Geschichte von Emma und Dexter beginnt wie im Märchen: Beide feiern ihren Abschluss und starten ins richtige Leben. Die beiden verstehen sich gut und verbringen irgendwie die Nacht miteinander. Und obwohl sie doch so unterschiedlich sind und Dexter bereits eine Reise ins Ausland geplant hat, beginnen die zwei, über ihre (gemeinsame?) Zukunft zu philosophieren. Dexter versucht, sich Emma in 20 Jahren vorzustellen. Wie wird sie aussehen, was wird sie wohl machen? Und wird er noch eine Rolle in ihrem Leben spielen?

Aus diesem Gedankenspiel wird eine jahrelange Freundschaft, die allerdings nicht immer unter einem guten Stern steht. Dexter nimmt diese Freundschaft nicht immer ernst und schreibt Emma meist nur sehr oberflächliche Postkarten, die ihm hinterher schrecklich peinlich sind. Doch irgendwie kommen die zwei nicht voneinander los. Ein magisches Band zieht sie immer wieder zueinander. Aber dennoch kommen sie nie zusammen, immer kommt jemand anderes dazwischen – meist hat Dexter eine neue Flamme, deren Name es sich laut Emma gar nicht zu merken lohnt.

Es ist zunächst ein ewiges Hin und Her. Der Beginn der Geschichte findet praktisch ausschließlich im Schriftwechsel zwischen Dexter und Emma statt, ohne dass die beiden sich mal persönlich treffen. Und irgendwie kommt die Geschichte am Anfang auch gar nicht von der Stelle. In der ersten Hälfte des Hörbuchs musste ich mich voran quälen, denn mich packte die Geschichte einfach nicht. Über weite Strecken wird nicht klar, worauf David Nicholls eigentlich hinaus will, außerdem vermisste ich irgendwie seinen ganz besonderen witzigen Schreibstil, der mich in seinen Büchern immer an Nick Hornby erinnert hat und der mir beim Lesen immer wieder ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass ich erstmals eine Geschichte von David Nicholls gehört statt gelesen habe, aber ich fand seinen Schreib- bzw. Erzählstil in diesem Fall nicht sonderlich gelungen. Wortwitz habe ich praktisch keinen erkannt, was ich etwas schade fand. Und auch seine Charakterzeichnung überzeugte mich zunächst nicht. Dexter wirkt schablonenhaft für den unreifen Mann aus gutem Hause, der nichts mit sich und seinem Leben anzufangen weiß und der glaubt, das Leben sei eine einzige, immerwährende Party. Lange dauert es, bis Dexter aus Emmas Schatten tritt und Profil entwickelt. Die erste Hälfte der Geschichte krankt aber meiner Ansicht nach an allen Ecken und Enden.

Glücklicherweise kriegt David Nicholls irgendwann die Kurve, lässt die Beziehung zwischen Dexter und Emma reifen, Dexter scheint endlich erwachsen zu werden und auch Emma beginnt zu wissen, was sie eigentlich vom Leben möchte – ein Mann scheint es nicht zu sein. Etwa ab der Hälfte war ich plötzlich in der Geschichte versunken, zumal mir wirklich nicht klar war, ob die beiden tatsächlich mal zusammen kommen werden und eine Chance als Paar haben. Diese Frage zog mich immer weiter mit, hier hatte David Nicholls mich endlich gepackt. Aber dann gibt er seiner Geschichte eine Wendung, wie ich sie nicht vorhergesehen hatte und die ich natürlich auch nicht verraten möchte. Nur so viel: Wer wie ich am Anfang seine Probleme mit „Zwei an einem Tag“ hat und wer nicht so recht in die Geschichte hinein findet, soll unbedingt bis zur Hälfte warten, denn dann wird die Story immer spannender und faszinierender und auch die Charakterzeichnung reift deutlich. In der zweiten Hälfte war ich plötzlich sehr begeistert!

_Auf die Ohren_

Die Kapitel sind wechselweise aus Dexters bzw. Emmas Sicht erzählt und je nachdem, wer gerade den momentanen Teil der Geschichte erzählt, spricht entweder Andreas Fröhlich für Dexter oder Nina Petri für Emma. Beides sind bekannte und anerkannte Hörbuchsprecher und obwohl ich persönlich Nina Petris Stimme nicht besonders mag, macht sie ihre Sache im Prinzip doch gut. Sie verleiht Emma Profil und bringt ihre Gefühlsschwankungen gut rüber. Andreas Fröhlich mag ich ohnehin sehr gern und natürlich überzeugt er wieder auf ganzer Linie, doch es gibt ein ganz großes Aber: Andreas Fröhlich hat eine sehr sanfte und gefühlvolle Stimme, Nina Petri dagegen eine tiefe, fast schon männlich wirkende Stimme – und meiner Ansicht nach passen beide Stimmen nicht zu den Rollen, die sie zu sprechen haben. Emma ist die unsichere junge Frau mit mangelndem Selbst- aber großem Sendungsbewusstsein – hier hätte ich mir eine höhere und vor allem zartere Stimme gewünscht, vielleicht Marie Bierstedt, die meist als Synchronsprecherin von Kirsten Dunst zum Einsatz kommt.

Dexter ist der obercoole Draufgänger, der eine Frau nach der anderen flach legt und dazu passt irgendwie die sanfte Stimme Andreas Fröhlichs nicht. Dexter hätte ich eine männlichere und viel rauere Stimme gegeben.

So bemühen sich sowohl Andreas Fröhlich wie auch Nina Petri sehr, ohne aber zu ihren Rollen passen zu können. Sehr schade, aber ich konnte mich bis zum Ende nicht mit den Stimmen und den zugehörigen Charakteren anfreunden, das passte einfach nicht.

_Es waren einmal zwei junge Menschen ,.._

Die Idee zur Geschichte ist sicherlich nicht so neu, dennoch macht David Nicholls, zumindest in der zweiten Hälfte, eine ausgesprochen gute Story daraus. „Zwei an einem Tag“ ist die Geschichte zweier junger Menschen, die sich zufällig begegnen und fortan zwar nicht recht zueinander finden, aber auch nicht voneinander lassen können. Irgendwie ist die Geschichte schon recht kitschig, wenn sie auch nie so trieft, wie man es aus den ZDF-Sonntagabendfilmen kennt, aber ich denke, David Nicholls hat hier schon eher für Frauen geschrieben. Die Geschichte beginnt zunächst schleppend und reißt nicht recht mit, dreht dann aber richtig auf und überzeugte mich im zweiten Teil auch sehr.

Leider krankt die Umsetzung als Hörbuch daran, dass die beiden Stimmen überhaupt nicht zu den beiden Hauptcharakteren passen. Nina Petri und Andreas Fröhlich sind ausgezeichnete Sprecher, aber nicht in den hier zugedachten Rollen. Ich denke, „Zwei an einem Tag“ sollte man vielleicht besser lesen, dann kann man in der ersten Hälfte auch mal quer über einige langatmige Passagen hinweg blättern und hat nicht das Problem, dass man sich mit den Stimmen nicht anfreunden kann. Für Liebhaber einer gut gemachten Liebesgeschichte ist „Zwei an einem Tag“ definitiv eine gute Wahl.

|Download-Version mit 7:58 h Spieldauer|
http://www.audible.de

Direkt-Link zum Titel bei audible: [Daniel Nicholls – „Zwei an einem Tag“]http://www.audible.de/pd/B004V3EYMW

auch erschienen als:

|6 Audio-CDs
Sprecher: Nina Petri & Andreas Fröhlich
ISBN-13: 978-3899033120|
http://www.hoerbuch-hamburg.de

_Daniel Nicholls bei |Buchwurm.info|:_

[„Keine weiteren Fragen“ 3258
[„Ewig Zweiter“ 4696

John Sinclair – Das Ölmonster (Folge 72)

Die Handlung:

Alarm in der saudi-arabischen Botschaft in London! Menschen verwandeln sich in blutrünstige Bestien und fallen über die Botschaftsangehörigen her. Doch dies ist nur der Anfang, denn aus dem Wüstensand nahe Riad erhebt sich ein Heer von Untoten, um die Menschheit für ihr Vergehen an der Natur zu bestrafen. Können Geisterjäger John Sinclair und sein Kollege Suko die Apokalypse aufhalten? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dieses Gruselabenteuer ist die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 215, der erstmalig im Jahr 1982 an den Kiosken zu kaufen war. Somit haben die Produzenten einen „Heftsprung“ von acht Romanen nach vorn gemacht.

Es geht in dieser Geschichte zwar um einen Dämon, El-Chadd, aber um einen, der einen Öko-Touch hat. Ist doch sein Hauptanliegen, die Erde vor der Ausbeutung durch den Menschen zu schützen. Und dass grad richtig tief und viel gebohrt wird, das passt ihm gar nicht. Und so gibts eigentich auch nicht nur ein Ölmonster, wie der Titel verheißt, sondern El-Chadd schickt eine ganze Menge schleimig, glitschige Gegner los, gegen die sich der Geisterjäger wehren muss. Ölmonster-Zombies sozusagen. Und das wars eigentlich auch schon, was die Handlung anbetrifft.

Wir erleben eine soundtechnisch prima umgesetzte Massenpanik in einem Hotel und lernen, dass Johns Gemme Ölmonster zum Platzen bringen kann, Sukos Dämonenpeitsche und auch Silberkugeln sind diesmal keine besonders hilfreiche Wahl. Der abschließende Show-down im Einkaufszentrum ist dann aber leider weniger dramatisch und packend, als die Musik es im Hintergrund gern vermitteln möchte.

Und dann gibts noch einen vorgeschobenen Drei-???-Abschlusslacher zwischen John und Suko, bei dem der Hörer auch grinsen muss … mehr, als er sich vielleicht vorher im Geisterbahnschauder gegruselt hat.

Die Sprecher

Da es hier so einige Arabisch sprechende Rollen zu besetzen gab, hat der Verlag sich entschlossen, dies nicht ausschließlich mit Deutschen zu tun, die einen (doch oftmals) schlechten oder in diesem Fall von Kai-Henrik Möller als Djamal Faruk überhaupt keinen Akzent auflegen. Laut Sprecherliste hat man für die Folge auf Sprecher zurückgegriffen, die ihre Wurzeln zumindest dem Namen nach nicht in Deutschland haben. Das tut der Authentizität der jeweiligen Rolle sehr gut.

Die Erzählerin führt mit gewohnt verrucht-rauchiger Liebes-Roman-Stimme durchs Programm und macht recht früh ihren ersten Aussprachefehler: Der Name „Liam“ (leitet sich von „William“ ab) wird nicht „Leiem“ ausgesprochen, sondern „Li-äm“. Aber, auch John Sinclair höchst persönlich und sein Chef sprechen den Namen falsch aus. Dann wirds wohl eine Regieanweisung gewesen sein.

Ansonsten sorgt das Sprecherensemble für ein lebendiges Glitschmonster-Kopfkino, das von reichlich Effekten und dramatischer Musik unterstützt wird.

Die Sprecher und ihre Rollen:

Erzählerin – Alexandra Lange-Behr
Erzähler (Intro) – Ronald Nitschke
John Sinclair – Frank Glaubrecht
Suko – Martin May
Djamal Faruk – Kai-Henrik Möller
Iskandar Chalid – Karim Chamlali
Liam Farell – Frank Jordan
Halim – Imtiaz ul-Haque
Raimond Jones – Erik Schäffler
Sir James Powell – Karlheinz Tafel
Page – Tim Kreuer
Ishaq – Frank Gustavus
Glenda Perkins – Ilya Welter

sowie: Romanus Fuhrmann, Shristian Gaul, Silke Haupt, Jürgen Holdorf, Hussein Saad und Chadi Soueidan

Technik-Credits:

Hörspielskript und Regie: Dennis Ehrhardt
Sounddesign, Schnitt und Mischung: ear2brain productions
Musik: Andreas Meyer
Gitarren im John-Sinclair-Theme: Jan Frederik
Produktion: Marc Sieper (Lübbe Audio)

Die Ausstattung:

Die komplett schwarze CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt enthält eine Liste der bereits veröffentlichten Folgen der „2000er“-Serie und der „Classic“-Serie. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.

Mein Fazit:

Zwar kämpft der Geisterjäger diesmal mit seiner Gemme gegen einen echten Dämon, der aber lässt sich recht einfach besiegen. Ölmonster statt Zombies, Öko-Grusel statt Horror. Eine durchschnittliche Folge, die dennoch phasenweise durch gutes Sounddesign und dramatische Musik Akzente setzen kann.

Audio-CD
Spieldauer: 54 Min.
Tracks: 10
1. Auflage, März 2012

ISBN-13: 978-3-7857-4551-9
www.luebbe-audio.de

Wallace, Edgar / Herwald, Hans-Joachim – Edgar Wallace – Der Unheimliche (Folge 3) (Hörspiel)

Fast jeder kennt den englischen Dramatiker, Regisseur und Kriminalschriftsteller Richard Horatio Edgar Wallace (1875 – 1932), unter dessen Namen grade im deutschen Kino der Spätsechziger eine ganze Reihe inzwischen berühmt-kultige Filme entstanden. Sein Werk ist voller Evergreens der Krimiliteratur, an welche sich auch MARITIM bereits in den Achtzigern in Form von Hörspiel-Adaptionen machte. Damals noch mit Manfred Krug. Ab 2004 erfuhr die Serie dort eine Frischzellenkur und wurde noch einmal neu aufgelegt. Das heißt, andere bekannte Sprecher hinzugezogen und die Soundkulisse aufgepeppt. Lediglich die Musik blieb weitgehend unverändert. Inzwischen werden diese Hörspiele auch als Downloadfassung angeboten und es gibt sie entweder einzeln oder in einer Edition zu vier Folgen zusammengefasst.

_Zur Story_

Eigentlich arbeitet Elsa Marlowe gerne als Sekretärin für die Firma „Amery & Amery“ für die auch ihr Onkel und Vormund Maurice Tarn seit 35 Jahren tätig ist. Doch seit Major Paul Amery aus Indien zurückkam, um die Geschäftsführung zu übernehmen, weht dort ein anderer, barscher Wind. Obendrein scheinen er bzw. die Firma irgendwie in Drogengeschäfte verwickelt, worum sich zwei rivalisierende Londoner Rauschgiftbanden balgen: Die „Amateure“ und eine mächtige wie skrupellose Organisation namens „Soyoka“. Die ist bemerkenswerterweise erst so aktiv gegenüber der Konkurrenz, seit sich Amery – der offenbar über jede Menge Insider-Wissen verfügt – wieder im Lande befindet. Zufall?

Tatsächlich stellt sich heraus, dass Elsas Onkel einer der beiden Köpfe der „Amateure“ ist. Maurice Tarn will nach vermehrten Drohungen seitens „Soyoka“ aussteigen, bezahlt seinen Kompagnon aus, gedenkt Elsa zu heiraten (die davon überhaupt nichts hält) und sich nach Übersee absetzen. Tarn wird jedoch ermordet, just als ihn Inspector Bickerson von Scotland Yard befragen will. Major Amery, der überall seine Nase und Finger im Spiel zu haben scheint, wird nicht zuletzt wegen seiner rigiden Art und auch seines mysteriösen chinesischen Assistenten firmenintern hinter vorgehaltener Hand nur „Der Unheimliche“ genannt. Doch gehört er wirklich zum Syndikat, ist vielleicht dessen rechte Hand oder gar „Soyoka“ selbst?

_Eindrücke_

Eine Vorstellung der Figuren oder irgendwelches einleitendes Geplänkel gibt es nicht – es geht gleich in die Vollen. Ohne zu wissen, wer, wie, was und warum, sieht sich der Zuhörer gleich mit einer Vielzahl von Personen und Fakten konfrontiert, die zu sortieren zunächst unmöglich scheint. Das wird dadurch noch erschwert, dass ein paar der Stimmen recht nah beieinanderliegen, sodass es beim ersten Hören schwerfällt, die Charaktere auseinanderzuklamüsern, da man vorrangig darum bemüht ist, die ganzen Zusammenhänge irgendwie auf die Kette zu kriegen. Dabei sind nämlich einige handlungs- bzw. szenentechnische Rösselsprünge zu verdauen, die zunächst zusätzlich verwirren, sich später aber zumindest zum Teil zu einem stimmigen Gesamtbild zusammensetzen lassen. Spätestens beim zweiten Anlauf hat man dann den Durchblick und muss der recht komplexen Geschichte Respekt zollen. Sie geht letzten Endes ganz gut auf.

Auch wenn man vor Klischees und einer gewissen Grundnaivität nicht sicher ist. Etwa die junge, hübsche Dame, welche ausnahmslos auch stets (und meist gleichzeitig umstrittenes) Love-Interest ist, sowie natürlich häufig in Gefahr befindlich, selbstredend gerettet werden muss. Irgendwelche fiesen, undurchsichtigen Dunkelmänner (hier besonders passend der englische Originaltitel: „The Sinister Man“ – sinngemäß also: „Der Finstere“) flitzen ja praktischerweise immer durch Edgar-Wallace-Geschichten. Quasi als Standardausstattung. Genau das wollte das Publikum damals (und selbst heute noch) so haben und ist alles in allem natürlich auch ein absolutes Spiegelbild der Gesellschaft der Zwanzigerjahre bzw. ihrer Ideale. Das Hörspiel versucht dieses Flair einzufangen und es gelingt ihm sogar recht ordentlich – besser jedenfalls als einigen anderen Vertretern der Serie. Diesmal gibt es keine wirklichen Patzer in Sachen epochalem Kontext, sieht man einmal davon ab, dass die im Tanzclub zu hörende Musik nicht in diese Zeit gehört.

„Der Unheimliche“ ist keine der so bekannten Geschichten von Edgar Wallace, was angesichts der heute noch aktuellen, ja zeitlosen, Thematik schon etwas verwundert. Das Verwirrspiel um Soyoka und die Person Major Amerys ist bis zuletzt undurchsichtig. Erst kurz vor Toresschluss fallen die letzten Puzzleteile an ihren Platz. Dann aber recht hastig – vielleicht sogar schon eine Spur zu hastig. Die Erzählstruktur wirkt ohnehin zuweilen leicht konfus und so manchen Haken, den die Story schlägt, kann man nicht immer ganz nachvollziehen – speziell das Auftauchen und die endgültige Gewichtung einiger Figuren, die man bis zum späten Zeitpunkt ihres Erscheinens und Agierens in der Handlung kaum – oder überhaupt nicht – auf dem Radar hatte. Mr. Tame etwa, oder auch Yard-Inspector Bickerson, der die ganze Zeit immer wieder mal kurz auftaucht, aber irgendwie bis zum Showdown nicht viel zu beizutragen hat. Eckhart Dux als routinierter Erzähler hat dafür im Gegenzug eine ganze Menge zu erklären.

_Die Produktion_

Regie & Bearbeitung: Hans-Joachim Herwald
Musik: Alexander Ester
Buchadaption: Mik Berger

_Sprecher und Figuren:_

Eckhart Dux (Erzähler), Robert Missler (Major Paul Amery), Eva Michaelis (Elsa Marlowe), Michael Bideller (Dr. Ralph Hallam), Traudl Sperber (Luise Trene Hallam), Mark Bremer (Inspector William Bickerson), Marco Sand (Mr. Tupperwill), Christine Pappert (Jessie Tame), Kai Henrik Möller (Mr. Tame), Wolf Frass (Maurice Tarn)

_Fazit_

Atmosphärisch wie thematisch sicherlich der bislang authentischste Kriminalfall der neu aufgelegten Edgar-Wallace-Serie von MARITIM. Und spannend obendrein. Sprecherisch können alle Rollen diesmal voll überzeugen, auch die Musik (übrigens seit der Erstauflage der Reihe in den seligen Achtzigern unverändert) steuert ihren Teil dazu bei, dass dieses Hörspiel trotz einiger Schönheitsfehler beim Storytelling, dennoch Freude macht. Auch mehrfach, wenns beim ersten Mal mit dem Verständnis der kniffligen Zusammenhänge nicht so hinhaut. Schön, dass auch mal wieder ein Roman zum Zuge kommt, der (unverdient) nicht einen solchen Bekanntheitsgrad genießt wie etwa „Der Hexer“ oder andere des gleichen Kalibers. „Der Unheimliche“ braucht sich dahinter beileibe nicht zu verstecken.

|Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 64 Minuten
nach dem Roman „The Sinister Man“ (1924) von Edgar Wallace|

Erhältlich als:
CD/MC (Maritim 2006)
Download (Audible 2008), ungekürzte Hörspielfassung – ca. 60 MB, AAX-Format

|Direktlinks zu Audible:|

Als Einzeltitel – [Edgar Wallace – Der Unheimliche]http://www.audible.de/pd/B004V5F226?ref__=sr__1__1

Als Teil einer Sammlung – [Edgar Wallace – Edition 1]http://www.audible.de/pd/B004UW3DXA?ref__=sr__1__1

_Die Edgar-Wallace Hörspiel-Serie von MARITIM bei |Buchwurm|:_
01 – [Das Gesicht im Dunkeln]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2051
02 – [Bei den drei Eichen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2094
03 – _Der Unheimliche_
04 – [Der Banknotenfälscher]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3229

Wallace, Edgar / Herwald, Hans-Joachim – Edgar Wallace – Bei den drei Eichen (Folge 2) (Hörspiel)

Fast jeder kennt den englischen Dramatiker, Regisseur und Kriminalschriftsteller Richard Horatio Edgar Wallace (1875 – 1932), unter dessen Namen grade im deutschen Kino der Spätsechziger eine ganze Reihe inzwischen berühmt-kultige Filme entstanden. Sein Werk ist voller Evergreens der Krimiliteratur, an welche sich auch MARITIM bereits in den Achtzigern in Form von Hörspiel-Adaptionen machte. Damals noch mit Manfred Krug. Ab 2004 erfuhr die Serie dort eine Frischzellenkur und wurde noch einmal neu aufgelegt. Das heißt, andere bekannte Sprecher hinzugezogen und die Soundkulisse aufgepeppt. Lediglich die Musik blieb weitgehend unverändert. Inzwischen werden diese Hörspiele auch als Downloadfassung angeboten und es gibt sie entweder einzeln oder in Editionen zu jeweils vier Folgen zusammengefasst.

_Zur Story_

Kriminologe Socrates „Soc“ Smith besucht übers Wochenende, zusammen mit seinem Bruder Lexington, den ehemaligen Yard-Inspector John Mandle in dessen Landhaus, welches der durch Rheuma an den Rollstuhl gefesselte Ex-Polizist mit seiner Stieftochter Molly bewohnt. Mandle hat scheinbar vor irgendetwas Angst, denn sein Haus ist mit Alarmanlagen gesichert und überall sind Revolver deponiert. Molly behandelt der alte Bärbeiß wie einen Hund. Es passt ihm auch gar nicht, dass „Lex“ an seiner Stieftochter ganz offenbar Gefallen gefunden hat. In der Nacht bemerken Soc und Lex geheimnisvolle Morse-Lichtzeichen aus einer nahen Villa: „Komm. Drei Eichen“. Dort entdecken die Brüder morgens die Leiche John Mandles. Erschossen im Baum hängend. Einer von Mollys Schuhen findet sich am Tatort. Und was haben die beiden einzigen Nachbarn – der einsiedlerische Mr. Jetheroe und Mandles zeitgleich pensionierter Ex-Kollege Bob Stein – damit zu tun? Um das Rätsel zu lösen, muss Socrates in der Vergangenheit wühlen, bevor noch mehr passiert. Immerhin wird Stein überfallen, Jetheroe angeschossen, Mandles Haus abgefackelt und letztendlich verschwindet Molly auch noch spurlos.

_Eindrücke_

Wallace hatte 1924 inzwischen Routine im Verfassen von Kriminalgeschichten und wusste ziemlich genau, was das Publikum von ihm erwartete. So legte er mit „The Three Oaks Mystery“ auch eine Punktlandung hin. Düster, geheimnisvoll und spannend wird die Geschichte präsentiert – stets geschieht irgendetwas, das die Story vorantreibt. Längen gibt es de facto nicht, sieht man einmal von Socrates‘ ständiger Geheimnistuerei und seinen – ein klein bisschen überheblich-aufgesetzt wirkenden – Monologen bezüglich irgendwelcher Tatort-Spuren sowie seiner Vermutungen möglicher Zusammenhänge, die er auf der anderen Seite dann lieber doch „erst einmal für sich behalten möchte“, ab. Agatha Christies „Hercule Poirot“ könnte dies so nicht besser machen. Endgültig abgerechnet wird dann üblicherweise beim Showdown. Oder doch nicht? Nun ist die Liste der Verdächtigen nämlich sehr überschaubar. Aber mit der Aufklärung der Täterschaft, noch ein gutes Stück vor dem eigentlichen Ende, sind die Probleme noch lange nicht gelöst.

Von der Umsetzung her zeigt sich die Produktion auch von ihrer gekonnten Seite. Sprecher, Geräusche und Musik gehen allesamt in Ordnung – wiewohl Smith (Achim Schülke) und Stein (Volker Bogdan) stimmlich doch recht nah beieinander scheinen, was zumindest beim ersten Hören ein bisschen für Verwirrung sorgte. Die Pistolenschüsse klingen ein wenig zu „dünn“, es wird aber immerhin zwischen Revolver und Selbstlader ein Unterschied (auch tonal) gemacht. Ansonsten hat der ewig nörgelnde Rezensent nur sehr wenige und eher subjektive Kritikpunkte ausgraben können. Ein paar Anachronismen, die nicht so recht in die Zwanzigerjahre passen wollen, etwa: Auto(s), Telefon (zumindest in Privatnutzung) und auch ein (Motorrad-)Kurier dürften zu dieser Zeit wohl höchst unüblich wenn nicht gar utopisch gewesen sein. Auch die derart rasche Identifizierung der Fingerabdrücke bei Scottland Yard gehören eher in die heutige iPad-Generation, wiewohl jene Technik tatsächlich erstmals vom „Yard“ bereits sehr früh als Standardprozedur eingeführt wurde. Also Fingerabdrücke – nicht das iPad.

_Die Produktion:_

Regie & Bearbeitung: Hans-Joachim Herwald
Musik: Alexander Ester
Buchadaption: Mik Berger

_Sprecher und Figuren:_

Eckhart Dux (Erzähler), Achim Schülke (Socrates Smith), Till Endemann (Lexington Smith), Kai Hendrik Möller (Ex-Subinspector John Mandle), Volker Bogdan (Ex-Sergeant Bob Stein), Tanja Dohse (Molly Templeton), Marc Bremer (Detective Frank Weldon), Wolfgang Hartmann (Mr. Jetheroe)

_Fazit_

Zeitgleich mit „Das Gesicht im Dunkeln“ vertont und veröffentlicht, macht man hier jedoch nicht die gleichen Fehler wie dort, sondern eigentlich alles richtig. Die kleineren Kürzungen gegenüber der Vorlage (übrigens einem der besten bzw. spannendsten Wallace-Romane überhaupt) stören den Erzählfluss wie die Logik keineswegs und das durchweg sauber produzierte MARITIM-Hörspiel schafft es die dichte Atmosphäre des temporeichen, ausgeklügelten Kriminalromans über nahezu die gesamte Länge hinüberzuretten. Selbst die heute doch ziemlich naiv wirkende Liebesgeschichte im Hintergrund lässt sich schmerzfrei ertragen. Hände … Pardon … Daumen hoch.

|Hörspiel mit einer Laufzeit von ca. 71 Minuten
nach dem Roman „The Three Oaks Mystery“ (1924) von Edgar Wallace|

Erhältlich als:
CD/MC (Maritim 2004)
Download (Audible 2008), ungekürzte Hörspielfassung – ca. 72 MB, AAX-Format

|Direktlinks zu Audible:|

Als Einzeltitel – [Edgar Wallace – Bei den drei Eichen]http://www.audible.de/pd/B004UWXM1S?ref__=sr__1__1

Als Teil einer Sammlung – [Edgar Wallace – Edition 1]http://www.audible.de/pd/B004UW3DXA?ref__=sr__1__1

_Die Edgar-Wallace Hörspiel-Serie von MARITIM bei |Buchwurm|:_
01 – [Das Gesicht im Dunkeln]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2051
_02 – Bei den drei Eichen_
03 – [Der Unheimliche]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3770
04 – [Der Banknotenfälscher]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3229

Alexander-Burgh, Eberhard – Hui Buh … und das wilde Geisterheer (Folge 17) (Hörspiel)

Auch wenn die „Neue Welt“ ihr auf den Fersen ist, so kommt der „klassischen“ HUI BUH Serie doch eher Kultstatus zu. Insgesamt 23 Folgen erschienen seit den Siebzigerjahren und machten das Schlossgespenst mit der rostigen Rasselkette, von Hörspielautor Eberhard Alexander-Burgh (1928 – 2004) bekannt und beliebt. Nicht zuletzt wegen des stets rumorenden, krakeelenden Hans Clarin in der Titelrolle. Im Zuge der Verfilmung 2006, kamen die alten Vinyl-Folgen von |EUROPA| noch einmal zu Ehren, respektive auf Polycarbonat: Sie wurden auf CD gepresst. Inzwischen sind auch sie vom aktuellen Markt der physischen Tonträger verschwunden und nur noch antiquarisch zu beziehen oder auf einschlägigen Anbieterseiten als kostenpflichtiger Download zu haben.

_Zur Story_

Es ist die letzte Raunacht des Jahres und die ist eigentlich wunderschön mild und klar. Bis sich just zu Mitternacht über Schloss Burgeck düstere Wolken zusammenschieben. Diese bestehen allerdings nicht aus Wasserdampf, sondern werden vom „wilden Geisterheer“ gebildet. Vier buchstäbliche Plagegeister der Elemente Feuer, Wasser, Luft und Erde auf der Suche nach unbespukten Gemäuern. Burgeck hat zwar sein „einzig behördlich zugelassenes Gespenst“, doch HUI BUH hat sich vor lauter Schreck den Kopf verrenkt und kriegt ihn nicht wieder gerade. Daher ist der ohnehin als tollpatschig bekannte Geist zusätzlich gehandicapt und somit nicht in der Lage den Einfall des Geisterheeres zu verhindern oder es in die Flucht zu schlagen. Im Gegenteil: Arg gebeutelt schickt er nacheinander die sterblichen Schlossbewohner als Spukgestalten kostümiert ins Feld – die jedoch ebenfalls glücklos sind. Einzige Chance ist nun nur noch ein Fläschchen mit „Mitternachtsbalsam“, welches der schusselige HUI BUH aber irgendwo verkramt hat.

_Eindrücke_

Mit Folge 17 hat die Serie nun das letzte Drittel satt erreicht, dementsprechend routiniert bringt die Crew um Heikedine Körting das (nicht nur wegen Einschränkung der damaligen Wiedergabemedien, namentlich LP und MC) recht kurz geratene Hörspiel auch nach Hause. Getreu dem erprobten Rezept, dass der planlos herumpalavernde und -lamentierende Schlossgeist zunächst wieder einmal mächtig einstecken muss, bis ihm in letzter Sekunde die Rettung gelingt. Meist durch Zufall – warum sollte es hier anders sein? Ist es auch nicht. Die Idee Julius, Konstanzia und sogar den alten Kastellan an die Geisterfront zu schicken, geht aber witzig auf. Natürlich steckt auch in dieser Folge das eine oder andere Serien-Klischee drin, welches fleißig bedient wird bzw. sogar bedient werden muss. Ebenso selbstverständlich unter Verwendung jeder Menge erinnerungswürdiger HUI-BUH-typischer Zitate betsehend aus heute längst nicht mehr gebräuchlichen Redewendungen, Begriffen und Floskeln. Allein die machten stets einen großen Teil des Charmes aus.

_Die Produktion_

Buch und Konzeption: Eberhard Alexander-Burgh (1928 – 2004)
Künstlerische Gesamtleitung: Prof. Dr. Beurmann
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Coverillustration: Firuz Askin

|Sprecher und Figuren|

Hans Clarin (Hui Buh), Peter Kirchberger (König Julius der 111.), Ingrid Andree (Königin Konstanzia), Andreas von der Meden (Kastellan), Hans Paetsch (Erzähler), Gottfried Kramer (Wassergeist), Lothar Grützner (Feuergeist), Volker Bogdan (Erdgeist), Rüdiger Schulzki (Luftgeist)

_Fazit_

In rund einer halben Stunde kommt das Hörspiel auf den Punkt. Das lässt keinen Raum für eine wirklich komplexe Geschichte, dennoch ist die Story flott und spaßig. Es muss ja nicht immer so opulent zugehen, wie im moderneren Nachfolger, wo es manchmal scheint, dass der Mehrwert hauptsächlich von der Lauflänge abhängig sei. Damals tickten die Uhren eben noch anders (und weitaus bescheidener), die zumeist junge HUI BUH Zielgruppe freute sich auch über solche kurzen, knackige Episoden – wenn sie denn zu unterhalten wussten. Und das tut „Das wilde Geisterheer“ zweifellos.

|Audio CD mit einer Laufzeit von ca. 31 Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, 2004
EAN: 82876548432|
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_Hui Buh bei |Buchwurm.info|:_
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Samdereli, Yasemin – Hui Buh – Neue Welt: Das unheimliche Internat (Folge 07) (Hörspiel)

„Manche Leute sagen ‚Es gibt Gespenster!‘, manche Leute sagen ‚Es gibt keine Gespenster!‘ – Ich aber sage: HUI BUH ist ein Gespenst!“ Diese berühmte, von Hans Paetsch gesprochen Zeile ist nicht nur in die Annalen der Hörspielgeschichte fest eingebrannt, sie ist auch heute noch der Opener zu jeder Folge. Auch wenn die Serie heute etwas anders gestaltet ist, als das längst eingestellte Original aus den Siebzigern, welches es auf stolze 23 Titel brachte. Die „Neue Welt“ HUI BUHs, welche ab 2008 bei |EUROPA| das Erbe antrat, ist moderner und lehnt sich stärker an den 2006er Kinofilm an und durfte im Februar 2012 immerhin schon seine 15. Folge feiern. Ob das beim Release von „Das unheimliche Internat“ anno 2009 schon abzusehen war, ist nicht überliefert.

_Zur Story_

Die Sommerferien hatte sich Tommy ganz anders vorgestellt. Doch statt diese mit Sophie und vor allem HUI BUH zu verbringen, der mit ihm unbedingt das Kopfschmeißen trainieren will, muss der junge Adlige auf ein Sommer-Internat. Burgenkunde, Ahnenforschung und auch höfische Tänze gehören halt dazu in diesen Kreisen – finden jedenfalls König Julius und Gemahlin Konstanzia. Doch so todsterbenslangweilig ist es in dem alten Klostergemäuer dann doch nicht, denn scheinbar geht’s hier nicht mit rechten Dingen zu. Anfangs meint Tommy noch, dass hinter den unerklärlichen Vorfällen im Internat der Schlossgeist von Burgeck steckt, der ihm vielleicht nachgeeilt sei. Doch der sitzt genau dort und piesackt beleidigt die daheim Zurückgebliebenen, die ihm partout nicht verraten wollen, wo das Internat ist, damit er eben nicht da auftaucht und Tommy mit irgendwelchem Schabernack vom Lernen abhält. Der findet derweil heraus, dass der Spuk des alten Klosters das Geistermädchen Lala ist, welches ihm eine traurige Geschichte erzählt und um Hilfe bittet.

_Eindrücke_

Vorbei die Zeiten, in denen die Serie fast ausschließlich in Schloss Burgeck spielte. Heutzutage haben auch Königs ihre alltäglichen, realitätsnahen Probleme, die es zu bewältigen gilt. Sie sind sogar eine richtige Patchwork-Familie, denn Julius ist nicht Tommys Vater, was hier noch einmal betont wird, als er erstmalig in den sieben Folgen der Neuauflage „mein Sohn“ sagt und Konstanzia dies wohlwollend registriert. Überhaupt ist die Gewichtung der Figuren inzwischen angepasst worden, im Mittelpunkt steht nicht mehr HUI BUH, wenngleich sein Name immer noch die Serie ziert. Das tollpatschige Gespenst ist längst nicht mehr die lautstarke, omnipräsente One-Man-Show, die einst ein Hans Clarin pflegte. Stefan Krause ist da doch etwas zurückhaltender zugange und verkörpert einen anderen Typ HUI BUH, der sich zudem neuerdings den Charakteren der Kinder – Tommy und Sophie – unterordnen muss, welche nun die unbestreitbaren Haupt- und Identifikationsfiguren sind.

Die Veränderung zur Moderne lässt sich auch an der verwendeten Sprache gut festmachen, die altertümlichen Ausdrücke, welche früher gerne fielen, sind durch markige Sprüche und Ausdrücke der Jetztzeit ersetzt worden. So haben die Wortgefechte – von denen es hier mal wieder eine ganze Menge gibt – eine etwas andere Qualität. Der altgediente Fan vermisst die ursprüngliche archaische Sprechweise schon ein bisschen, doch würde sie zu diesem Ensemble und Kontext nicht mehr passen – es wäre der berühmte Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Ein positiver Effekt der Frischzellenkur ist sicherlich die komplexere Storygestaltung, die weitaus weniger naiv und nahezu ohne Plotholes auskommt. Speziell diese rührige Geschichte ist fluffig und gut umgesetzt. Der Spannungsbogen und der Witz kommen dabei nicht zu kurz. Das Berliner Filmorchester tut in Zusammenarbeit mit beiden Sound-Tüftlern von STIL (die auch gleichzeitig Regie führen) sein Übriges, um die Atmosphäre passend zu gestalten.

_Die Produktion_

Buch: Yasemin Samdereli
Nach Motiven von Eberhard Alexander-Burgh (1928 – 2004)
Serienkonzeption: Hilla Fitzen, Dirk Eichhorn, Elisa Linnemann
Regie, Ton und Musik: Christian Hagitte und Simon Bertling (STIL)
Score: Das Berliner Filmorchester
Redaktion: Hilla Fitzen

_Sprecher und Figuren_

Andreas Fröhlich (Erzähler), Stefan Krause (Hui Buh), Christoph Maria Herbst (König Julius der 111.), Ulrike Stürzbecher (Königin Konstanzia), Maximilian Artajo (Tommy), Marie-Luise Schramm (Sophie), Jürgen Thormann (Kastellan), Daniela Hoffmann (Roswitha Rosenbach), Anaïs Bertling (Lala), Tobias Kluckert (Dr. Siegesmann), Astrid Bless (Antonia Hohelied), Marius Clarén (Anoop Arjuna Singh), Rainer Müller (Nepomuk Ivan Ivanowitsch), Mathis Schrader (Herr Büchers), Hannelore Feger (Frau Weiss) u.a.

– sowie: Mike Gliese, Sophie Mühlenberg, Tony Winter, Lisa Jaschke, Vanessa Kellner, Erik Fiebig, Guiliana und Serafina Ertl, Claire Bertling, Ela Oskina, Nora Eberhardt, Dilay Dollnick.

_Fazit_

Ein opulent ausgestattetes, flottes Hörspiel, bei dem eigentlich alles stimmt, es sei denn, man kann sich vom „alten“ HUI BUH nicht trennen. Lässt man sich aber darauf ein, wird man mit einer gut durchdachten, spannenden und auch zu Herzen gehenden Geschichte belohnt – mit einem Happy End, das vielleicht einen kleinen Tick pathetisch daherkommt. Aber: So what?! Thematik und Setup sind vergleichsweise originell und die Dialoge zuweilen ungewohnt bissig, jedoch stets charmant. Einer der wirklich hörenswerten Vertreter der „Neuen Welt“ und bestimmt mit ein Grund, warum die Serie auch weiterhin erfolgreich läuft. Der totenbleiche Daumen zeigt klar nach oben.

|Audio CD mit einer Spielzeit von ca. 67 Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, Oktober 2009
EAN 886972356327|
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Ahner, Dirk – Hui Buh – Neue Welt: Adolars Rückkehr (Folge 9) (Hörspiel)

Nachdem die kultige Hörspielserie nach insgesamt 23 Folgen eingestellt wurde, herrschte jahrelang Stille um „HUI BUH – das Schlossgespenst“, dem der unvergessliche Hans Clarin seinerzeit ein so markantes Profil verlieh. Bis der gleichnamige Kinofilm von 2006 die Figur wieder mehr in den Fokus rückte. Es dauerte aber noch weitere zwei Jahre, bis sich |EUROPA| entschied die Reihe des kettenrasselnden, einzig behördlich zugelassenen Gespensts auf Schloss Burgeck neu aufzulegen – moderner ausgerichtet und mehr an den Film angelegt, als das von Eberhard Alexander-Burgh (1928-2004) erschaffene Original. In Folge 9 der „Neuen Welt“, überschneiden sich die beiden Serien sogar wieder einmal, wie der Titel schon unheilvoll verrät.

_Zur Story_

König Julius der 111. verhält sich seit Tagen recht seltsam. Er ist früh auf und verschwindet rasch geschäftig, wobei er Königin Konstanzia wo es geht ausweicht und stets herumdruckst. Diese stellt sich die Frage, ob ihr Göttergatte vielleicht Zweifel an ihrer Liebe hegt und macht sich Sorgen um die Beziehung. HUI BUH kann über solche Albernheiten der Sterblichen nur lachen. Liebe. Bah! So was Törichtes. Dass aber auch ein Gespenst davor nicht gefeit ist, soll er erfahren, als Burgeck Besuch von einer Spukgestalt erhält: Salvia von Schlotterstein, ihres Zeichens die legendäre Erscheinung der „Weißen Frau“. Der angeblich liebesresistente Schlossgeist ist hingerissen und turtelt mit ihr durch das Gemäuer. Dabei ahnt er nicht, dass seine Herzensdame buchstäblich in Gefilden herumspukt, in denen sie nichts zu suchen hat. Sie kann das – bereits schon einmal für Unheil verantwortliche und daher unter Verschluss befindliche – Geisterbuch an sich bringen und an jemanden übergeben, der einen abgrundtiefen Groll gegen HUI BUH und die derzeitigen Schlossbewohner hegt: Adolar, welcher unlängst aus dem Geisterknast ausbüxen konnte.

_Eindrücke_

Schon der Film setzte auf den alten Erzfeind HUI BUHs, der nebenbei bemerkt auch für seine damalige Verwünschung vom Ritter Balduin in das Schlossgespenst verantwortlich ist. Adolar, der dort dingfest gemacht wurde, taucht hier also wieder auf, um Unfrieden zu stiften – ja, die Herrschaft über Burgeck und dann die ganze Welt an sich zu reißen. Wunderschön energisch gesprochen von Helmut Krauss, dessen dröhnender Bass der finsteren Gestalt den nötigen und glaubhaften Nachdruck verleiht. Derart düstere Plots ist man neuerdings schon fast gewohnt, die „Neue Welt“ ist längst nicht mehr so naiv gestrickt wie die Klassik-Serie, wiewohl auch jetzt immer noch manchmal die Frage im Raum steht, wie sich ein Geist so häufig den Kopf stoßen kann. Und wieso überhaupt. Witzig an genau jenem Thema ist, dass Tommy – die heimliche Haupt- wie Identifikationsfigur (zumindest was das männliche Publikum angeht) – exakt diese Frage auch schon einmal stellte.

Selbstironie stand bei HUI BUH schon immer hoch im Kurs, genauso wie der Humor generell. Damit grade das jüngere Klientel (offiziell von 6-99 Jahre geeignet) von der doch recht gruselig getrimmten Geschichte nicht zu sehr ins Bockshorn gejagt wird, muss ein solcher Ausgleich auch fast zwangsläufig stattfinden. Das geschieht einerseits durch die Ausrichtung von HUI BUH als Charakter, der gewohnt unbekümmert-tollpatschig von einem Schlamassel in den nächsten tappt. Andererseits hat’s speziell in dieser Folge den herzfrischend schwäbelnden Geister-Ritter Sebastian alias Dominik Kuhn. Auch Jürgen Thormann als betagter Kastellan bekommt so manche (witzige) Szene mehr als üblich ab. Natürlich darf auch eine rührige Message nicht fehlen, insbesondere die jungen Hörer sollen ja auch was pädagogisch Sinnvolles aus dem Hörspiel mitnehmen können, bei dem die älteren Semester vermutlich wissend nicken: Freundschaft und Liebe sind die höchsten Güter – Sie überwinden letztendlich alles Üble, auch wenn sie gelegentlich blind machen.

_Die Produktion_

Buch: Dirk Ahner
Nach Motiven von Eberhardt Alexander-Burgh
Serienkonzeption: Hilla Fitzen, Dirk Eichhorn, Elisa Linnemann
Redaktion: Hilla Fitzen
Regie, Ton und Produktion: Christian Hagitte und Simon Bertling
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Das Berliner Filmorchester
Schnitt und Nachbearbeitung: Sonja Harth

|Sprecher und Figuren|

Stefan Krause (Hui Buh), Christoph Maria Herbst (König Julius der 111.), Ulrike Stürzbecher (Königin Konstanzia), Maximilian Artajo (Tommy), Marie-Luise Schramm (Sophie), Jürgen Thormann (Kastellan), Helmut Krauss (Adolar), Nadine Schreier (Salvia von Schlotterstein), Daniela Hoffmann (Roswitha Rosenbach), Dominik Kuhn (Ritter Sebastian), Engelbert von Nordhausen (Obergeist) sowie Andreas Fröhlich als Erzähler mit einem Intro von Hans Paetsch.

_Fazit_

Bislang eins der besten – wenn nicht gar das Beste – Hörspiel aus der neuen Welt HUI BUHs. Die Gratwanderung aus Spannung, kindgerechtem Grusel, Humor und letztendlich Vermittlung einer allgemein gültigen wie moralisch einwandfreien Botschaft ohne mahnend erhobenen Finger ist gelungen. Dabei gibt es für ein vermeintliches Kinderhörspiel, welches in erster Linie unterhalten will und soll, erstaunlich viele Zwischentöne, die auch den erwachsenen Zuhörer noch zum Sinnieren einladen. Die Produktion ist auf sehr hohem Niveau, nicht nur was die Sprecher und Soundkulisse angeht, vor allem die Musik ist schon so filmreif, wie es der Orchestername unzweifelhaft nahelegt. Beide Daumen hoch.

|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 68 Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, April 2010
EAN: 886972356525|
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Milbers, Paul J. – Hui Buh – Neue Welt: Das verzauberte Schwert (Hörspiel) (Folge 15)

Das Schlossgespenst mit der rostigen Rasselkette erlebt inzwischen seinen dritten Frühling, nachdem die originale Hörspiel-Serie nach insgesamt 23 Folgen in den Neunzigern endete. Im Nachgang zu dem Kinofilm, von und mit Michael „Bully“ Herbig, im Jahre 2006, fasste man bei EUROPA zwei Jahre später den Entschluss HUI BUH auch als Hörspiel wieder aufleben zu lassen. Moderner und vor allen von den Figuren her mehr auf dem Film basierend, als die alten Zeiten von Hans Clarin & Co. einfach nur zu kopieren und fortzuführen. Mittlerweile ist HUI BUHs „Neue Welt“ der Classic-Serie schon recht dicht auf den Fersen. Im Februar 2012 erschien unlängst Folge 15 „Das verzauberte Schwert“.

_Zur Story_

Tante Agathe hat sich auf Schloss Burgeck angekündigt, um nach dem Rechten zu sehen – sprich: ob ihr Neffe König Julius der 111. den altehrwürdigen Familienbesitz auch ordentlich pflegt und in Schuss hält. Julius graut vor dem Besuch der buckligen wie pingeligen Verwandtschaft, doch wat mutt, dat mutt. Adel verpflichtet eben. Währenddessen treibt sich ein alter Bekannter und Widersacher auf Burgeck herum – und sein Unwesen: Ex-Burgherr Graf Morticor führt für gewöhnlich nichts Gutes im Schilde und lässt keine Gelegenheit aus, Julius und den seinen in die Suppe zu spucken. Das macht er schließlich nicht zum ersten Mal. Diesmal kommt der Geist als Rabe getarnt und veranlasst mit einem Zaubertrank einen rapiden Wuchs von Rosenranken, die allmählich drohen die ganze Burg zu überwuchern. Das einzig wirksame Gegenmittel liegt angeblich im sagenumwobenen Spiegelsaal, von dem nicht einmal HUI BUH weiß, ob er überhaupt existiert und vor allem wo. Er, Tommy, Sophie und der alte Kastellan müssen sich beeilen, das verborgene Zauberschwert rechtzeitig an sich zu bringen.

_Eindrücke_

Inzwischen hat man sich an die neuen Figuren und Stimmen gewöhnt. Stefan Krause ist nicht Hans Clarin und das ist auch gut so. Der neue HUI BUH ist eben anders. Frischer und zurückhaltender kommt das früher einmal stets lauthals palavernde Schlossgespenst daher – aber immer noch tollpatschig genug, um für Schmunzler zu sorgen. Auch bei den anderen Charakteren wurden Anpassungen an die heutigen Lebensrealitäten vorgenommen, so ist Tommy – Königin Konstanzias Sohn aus erster Ehe – sicherlich die eigentliche Haupt- wie Identifikationsfigur für die männliche Zielgruppe, während seine Freundin Sophie die Mädels bedient. HUI BUH steht demnach nicht mehr ganz so im Vordergrund, die Kinder laufen der Figur den Rang ab. Christoph Maria Herbst als Julius und Jürgen Thormann als Kastellan haben sich als prima Griff für ihre jeweiligen Rollen erwiesen. Das gesamte Ensemble spielt wie aus einem Guss. Unterstützt von der tragenden Musik des Berliner Filmorchesters unter Leitung von Simon Bertling und Christian Hagitte.

Nun ist die Story diesmal nicht ganz so originell geraten und erinnert streckenweise nicht nur an das altehrwürdige Märchen vom „Dornröschen“, sondern vielmehr höchst frappant an einen gewissen bebrillten Zauberlehrling, der im Deutschen Harald Töpfer heißen müsste. Sowohl der verborgene Spiegelsaal, als die Sache mit dem magischen Schwert könnten nämlich geradewegs aus Hogwarts, respektive der dortigen „Kammer des Schreckens“ stammen, die jenem zweiten Teil der „Potter“-Reihe auch ihren Namen verschaffte. Zauberspiegel und wild rankende Pflanzen gab’s dort übrigens in ähnlicher Form auch schon, hoffentlich fühlt sich Miss Rowling da nicht irgendwie ideentechnisch beklaut. Naja, sie kann sich eigentlich entspannt und gnädig lächelnd zurücklehnen, denn sie braucht die Konkurrenz nicht wirklich zu fürchten, dafür ist die Story trotz – oder gerade wegen? – vieler Ähnlichkeiten zu vorhersehbar und mit allerlei Längen sowie Unlogik geschlagen. Warum – beispielsweise – spricht der Geisterpolizist seinen Vorgesetzten Sebaldus unpassend mit dem englischen „Sir“ an?

_Die Produktion_

Buch: Paul J. Milbers
Nach Motiven von Eberhardt Alexander-Burgh
Serienkonzeption: Hilla Fitzen, Dirk Eichhorn, Elisa Linnemann
Redaktion: Hilla Fitzen
Regie, Ton und Produktion: Christian Hagitte und Simon Bertling
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Das Berliner Filmorchester
Schnitt und Nachbearbeitung: Sonja Harth

|Sprecher und Figuren|

Stefan Krause (Hui Buh), Christoph Maria Herbst (König Julius der 111.), Ulrike Stürzbecher (Königin Konstanzia), Maximilian Artajo (Tommy), Marie-Luise Schramm (Sophie), Jürgen Thormann (Kastellan), Kaspar Eichel (Graf Morticor), Ben Hecker (Servatius Sebaldus), Karen Schulz-Vorbach (Tanta Agathe), Thorsten Bretzinger (Geisterpolizist) sowie Andreas Fröhlich als Erzähler mit dem Intro von Hans Paetsch.

_Fazit_

„Chamber of Secrets Light meets Dornröschen“ flüstert der Zyniker im Hinterkopf des Rezensenten und so Unrecht hat die leise Stimme damit sicher nicht. Der königliche Rosenkrieg weist zu viele Parallelen zur britischen Erfolgsserie auf, als dass sie rein zufällig sein können. Leider ist das Ganze nicht annähernd so gut durchdacht und so verpuffen zuweilen einige der fraglos vorhandenen, guten Ideen in unnötigem Geplänkel, was die Story zuweilen etwas ausbremst. „Das verzauberte Schwert“ ist vielleicht nicht grade das Top-Aushängeschild für die Serie, aber immerhin unterhaltsam und weit genug davon entfernt nervig oder gar kitschig zu sein. Damit kann sie sich im oberen Mittelfeld positionieren. Es gibt aber eben bessere Vertreter in den eigenen Reihen, bei denen der Funke schneller überspringt.

|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 66 Minuten
EUROPA / Sony Music Entertainment, Februar 2012
EAN: 886978194329|
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[„Hui Buh … spukt lustig weiter (Folge 3)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7540
[„Hui Buh … und das Geheimnis im Burgbrunnen“ (Folge 4)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7577
[„Hui Buh … und die große Spukschau“ (Folge 5)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7608
[„Hui Buh … fährt Geisterkarussell“ (Folge 6)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7613
[„Schlotterbox (13-15)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3478
[„Neue Welt: Der Geist der Weihnacht“ (Folge 13)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7471
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Nevis, Ben (Autor) / Minniger, André – Die drei ??? – Skateboardfieber (Folge 152) (Hörspiel)

Während die Buchserie im |KOSMOS|-Verlag die 160er-Marke längst hinter sich gelassen hat, bemüht man sich bei |EUROPA| den in den Jahren angewachsenen Abstand permanent zu verringern. Dabei drängt sich der Vergleich von Hase und Igel irgendwie manchmal schon auf. Wie dem auch sei: Die literarische Version von „Skateboardfieber“ aus der Hand von Ben Nevis, dem ???-Autor mit dem geheimnisvollen Künstlernamen, stammt aus dem Jahre 2010 und musste immerhin geschlagene zwei Jahre auf seine Vertonung warten. Im Februar 2012 hatte der 152. Fall des berühmten Detektiv-Trios aus Rocky Beach nun auch sein Hörspiel-Roll-Out.

_Zur Story_

Es war nicht Peters Tag. Eigentlich wollte er an der Küste nur ein paar Fotos einer seltenen Möwenart schießen und sich danach gemütlich mit Kumpel Jeffrey im Hafencafé treffen. Doch Jeffrey sagt nicht nur ab, während des Telefonats mit ihm wird dem derart abgelenkten Peter auch noch seine Digicam gemopst. Vor lauter Frust geht der zweite Detektiv darauf hin am Strand joggen, um sich den Frust aus der Seele zu wetzen. Allerdings wird ihm auch dieses Unternehmen von unangenehmen Gesellen vergällt, die ihm dort auflauern und sogar das Feuer auf ihn eröffnen. Nur mit Mühe kann er sich in sein Auto retten und den Typen einstweilen die Rücklichter zeigen. Seine Flucht zum Polizeipräsidium von Rocky Beach erweist sich jedoch als keine gute Idee – kaum den Parkplatz erreicht, wird bei seinem Anblick schon wieder eine Waffe gezogen. Nur mit einer List erreicht er schließlich die vermeintliche Sicherheit bei Justus und Bob in der Zentrale. Diese ist aber trügerisch, denn schon am nächsten Morgen hat der Geheimdienst die Zentrale durchwühlt und Peter verhaftet.

_Eindrücke_

Noch stärker als beim Buch ist hier zu bemerken, dass der offenbar auf Marketing gedrillte Titel der Geschichte, im Prinzip nichts bzw. nur minimal mit dem Inhalt zu tun hat. Ein Skateboard-Event in Rocky Beach bildet zwar die Kulisse für Peters (überdies ziemlich haarsträubend konstruierte) Flucht aus den Krallen der Vollblut-Klischee-Geheimdienstagenten und den Showdown, doch so wirklich fiebrig ist die Sache mit den Rollbrettern nun wahrlich nicht geraten. Zu bemängeln gäbe es auch eine ordentliche Portion Realitätsferne insbesondere was Peters Verhör angeht, bei dem die Agenten erst die alte „Guter Bulle/Böser Bulle“-Masche abziehen, um dann kumpelhaft leutselig fast alle ihre Geheimnisse vor ihm auszubreiten – wohlgemerkt einem Siebzehnjährigen, den sie zudem dringend des Landesverrats verdächtigen (!). Nun gut, irgendwie muss man die Geschichte ja spannend gestalten, zu dick sollte man aber bitte nicht auftragen, sonst fühlt sich auch die offenbar angepeilte, jugendliche Zielgruppe veralbert.

Das Hörspiel ist aber storytechnisch und von der Erzählgeschwindigkeit her nicht zuletzt wegen einiger Kürzungen etwas im Vorteil, da weitere Böcke des Buches nicht übernommen wurden. So entfallen eine ganze Reihe Nebenkriegsschauplätze entweder ganz oder die betreffenden Stellen wurden zurechtgestutzt. Insgesamt ist das Hörspiel mit knapp einer Stunde Laufzeit überhaupt erstaunlich kurz geraten, funktioniert aber generell immer noch recht reibungslos, wiewohl Kenner der Vorlage einige zusätzliche wie hilfreiche Informationen zur Verfügung haben. Unter anderem hat „Rubbish“ George einen weitaus größeren Anteil an der Geschichte und auch Ex-Agent Bert Young („Silberne Spinne“) wird ausführlicher dargestellt. Hier wirkt das alles zuweilen ziemlich Hoppla hopp und sein Verhalten ist dadurch schwerer nachvollziehbar. Schön in diesem Zusammenhang übrigens mal wieder Horst „Commander Perkins“ Stark in einer Rolle zu hören. Sprecherisch sicher eins der Highlights, was man nicht von allen (Neben-)Figuren sagen kann.

_Die Produktion_

Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Morgenstern, George, Conrad

_Sprecher und Figuren_

Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Thomas Fritsch (Erzähler), Holger Mahlich (Inspector Cotta), Horst Stark (Bert Young), Gabriele Libbach (Mrs. Johnson), Sascha Rotermund (Chapman), Reent Reins (Tony), Wolfgang Rositzka (Blake), Henry König (Mr. Andrews), Utz Richter („Rubbish“ George), Rasmus Borowski (1. Mann), Jo Kappl (2. Mann), Marcus Schönhoff (Verkäufer), Rainer Schmitt (Sunny), Jannik Schürmann (TV-Sprecher), Francesco (Anton Sprick), Heikedine Körting (Papagei „Blacky“)

_Fazit_

Wieder ein solide produziertes Hörspiel, dem die vergleichsweise drastischen Kürzungen gegenüber der Vorlage überraschenderweise kaum etwas anhaben konnten – allein das Setup an sich ist doch ein bisschen arg weit hergeholt und zumindest was die Geheimdienstgeschichte angeht nicht wirklich realistisch dargestellt, geschweige denn schlüssig. Dafür kann das Hörspiel allerdings nichts, das ist im Buch identisch. Dennoch ist der schwungvolle, Peter-lastige Fall einer der etwas Besseren der Serie. Vielleicht auch gerade weil Oberschlaumeier Justus diesmal nicht so übermächtig im Fokus steht, wie es sonst üblicherweise Usus ist.

|Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 56 Minuten
Erzählt von Ben Nevis nach Figuren von Robert Arthur
EUROPA / Sony Music Entertainment, Februar 2012
EAN: 886979232228|
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Glattauer, Daniel – Ewig dein (Lesung)

Alles beginnt wie eine ganz normale Liebesgeschichte: Ein gut aussehender Mann fährt Judith in einem Supermarkt in die Hacken. Sofort ist ihr klar, dass dieser attraktive Mann verheiratet sein und eine Familie haben muss, denn für wen soll er sonst die halbe Bananenstaude in seinem Einkaufskorb mitbringen? Dennoch will ihr der Mann nicht aus dem Kopf gehen. Kurz darauf taucht er in dem Lampengeschäft auf, das sie selbst betreibt. Er habe sie in den Laden kommen sehen, lautet seine Ausrede. Die beiden verabreden sich, treffen sich immer häufiger und kommen sich schnell näher. Nicht lange dauert es, bis Hannes – so heißt der gut aussehende Mann, der als Architekt Apotheken umgestaltet – der verdutzten Judith einen großen Ring überstreift, um ihr seine Liebe zu bekunden. Sie ist völlig überrumpelt und traut sich nicht, ihm zu gestehen, dass sie Bernstein überhaupt nicht ausstehen kann.

Judith genießt die Zweisamkeit, und als dann auch noch ihre Familie und der gesamte Freundeskreis begeistert sind von dem neuen Mann an ihrer Seite, scheint alles perfekt. Doch irgendwann wird ihr die ganze Zweisamkeit zu viel. Mehrmals am Tag besucht Hannes sie in ihrem Geschäft, um einen Kaffee mit ihr zu trinken, abends gehen sie zusammen weg und verbringen dann auch noch die Nacht miteinander. Eine gemeinsame Reise führt schließlich zum Bruch: Judith fühlt sich dermaßen bedrängt, dass sie sich kurzerhand von Hannes trennt.

Doch der kann sie nicht aus dem Kopf bekommen. Nach der Trennung liegen überall gelbe Rosen mit geheimnisvollen Botschaften von Hannes herum – selbst in ihrem eigenen Bett findet sie einen Strauß Rosen, den ihre Freunde dort in Hannes‘ Auftrag versteckt haben. Judith fühlt sich verfolgt – bis in die Träume hinein, in denen sie immer häufiger Hannes‘ Stimme hört. Ihr macht die Situation immer mehr zu schaffen, zumal Hannes sich hinten rum mit Judiths Freunden und ihrer Familie verbündet. Irgendwann kommt es zum Zusammenbruch, Judith wird in die Klinik eingeliefert und psychiatrisch behandelt – wer ist nun verrückt? Hannes, der sie bedrängt und verfolgt? Oder womöglich doch Judith, die sich alles eingebildet hat?

_Auf immer und ewig_

Daniel Glattauer war mir kein Begriff – bis „Gut gegen Nordwind“ in den deutschen Bestsellerlisten eingeschlagen sind und mir meine Zahnärztin dieses wunderbare, kleine Büchlein ans Herz gelegt hat. Mit wachsender Begeisterung habe ich es verschlungen und anschließend sofort auch „Alle sieben Wellen“ gelesen. Doch damit nicht genug: Meine Begeisterung war immer noch nicht gestillt, und so habe ich mir beide Bücher von Christian Berkel und Andrea Sawatzki noch mal vorlesen lassen. Und da ich von der Lesung des frisch gebackenen Ehepaars total begeistert war und mir Andrea Sawatzki neulich in ihrer Lesung von „Ich.darf.nicht.schlafen“ ebenfalls sehr gut gefallen hat, habe ich bei Glattauers jüngstem Werk „Ewig dein“ gleich zur Lesung gegriffen – und habe diese Entscheidung nicht bereut.

Der österreichische Autor Daniel Glattauer hat mich mit seiner Wortgewandtheit und seinem unvergleichlichen Formuliertalent schlichtweg von den Socken gehauen. Immer wieder erfindet er Wortwendungen, die mir leider im Leben nicht eingefallen wären, die aber so treffend und schön sind, dass ich bei ihm jede Zeile gern gelesen habe. Genau in dieser Tradition beginnt auch „Ewig dein“ – in der wachsenden Liebe zwischen Judith und Hannes tobt sich Glattauer mit seinen wunderbaren Formulierungen richtig aus. Er schafft es wieder einmal, einen ganz normalen Sachverhalt in so fantastische Worte zu verpacken, dass außer der reinen Wortbedeutung immer noch mehr dahinter steckt. Und Andrea Sawatzki trägt diese großartigen Sätze überzeugend vor, sodass man ihr von Beginn an sehr gern und auch aufmerksam zuhört. Sie moduliert fein ihre Stimme und verleiht Judiths Gefühlsschwankungen ihre Stimme. Allerdings ist ihr Vortrag sicherlich Geschmackssache, denn Andrea Sawatzki hat eine sehr hohe Stimme, die sie auch entsprechend einsetzt. Wenn Judith ängstlich wird, weil sie sich von Hannes verfolgt fühlt, wird Sawatzkis Stimme dermaßen hoch, dass man meinen könnte, ein Kind trage diese Passage vor. Das gefällt sicherlich nicht jedem, ich persönlich fand es sehr gelungen, da Andrea Sawatzki es dadurch überzeugend geschafft hat, Judiths Gefühlschaos herüberzubringen.

Die Lesung war sicherlich nicht ganz einfach, denn in den Szenen, in denen Judith im Schlaf Hannes‘ Stimme hört, muss sie stottern, da Hannes‘ Stimme hängt wie eine defekte Schallplatte, auch dies schafft Andrea Sawatzki sehr überzeugend, auch wenn ihre Stimme in diesen Momenten natürlich unweigerlich ein enormes Nervpotenzial entfaltet, aber so ist es ja auch gedacht. Andrea Sawatzki hat es geschafft, dass ich völlig in der Geschichte eintauchen und alles um mich herum vergessen konnte – und das ist beileibe nicht selbstverständlich. Ihr Kollege Detlef Bierstedt dagegen hat es meistens geschafft, dass ich seine Lesung oft minutenlang ignorieren konnte, ohne dass ich gemerkt habe, dass er mir irgendwas ins Ohr geflüstert hat. Und wenn ich dann wieder aufgehorcht habe, hatte ich komplett den Faden verloren. Das ist mir bei „Ewig dein“ nicht einmal passiert – und: Das lag nicht immer an der Geschichte.

_Gut mit Schwächen_

„Ewig dein“ beginnt zwar wie die klassische Liebesgeschichte, doch schnell merkt man, dass sich hier etwas anbahnt, das nicht normal ist. Hannes will schnell sehr viel und erreicht dadurch eigentlich nur, dass Judith verschreckt zurückweicht. Dieses Zuviel an Nähe, das zu mehr Distanz zwischen den beiden führt, baut Daniel Glattauer noch sehr gekonnt auf. So entwickelt sich das Hörbuch mit der Zeit zu einem richtigen Thriller. Man ahnt, dass hier das dicke Ende noch kommen muss, dass hier etwas nicht koscher ist und der Autor uns ganz sicher noch mit einer riesigen Pointe überraschen wird. Und so fiebert man mit, verliert sich ganz in Andrea Sawatzkis Worten, fiebert mit und leidet mit, wenn Judith schließlich in der Klinik landet, eine Psychiaterin trifft und Psychopharmaka schlucken muss, um wieder in die Realität zurückzufinden.

Nicht lange dauert es, bis auch Hannes wieder die Bühne betritt, denn Judith hat noch nicht mit ihm abgeschlossen, sie will ihn unbedingt noch mal sehen und stellt dann fest, dass sie vielleicht doch etwas missverstanden haben könnte. Wer ist hier eigentlich wirklich verrückt? Diese Frage habe ich mir beim Zuhören immer häufiger gestellt, und das hat Daniel Glattauer mit Sicherheit beabsichtigt. Doch leider schafft er es aus meiner Sicht nicht rechtzeitig, den Bogen zu kriegen und seine Leser bzw. Zuhörer zum großen Finale zu lenken. Die Geschichte plätschert eine Weile vor sich hin, mäandert mal in diese Richtung, mal in jene. Mal ist Judith die Verrückte, dann hat sie wieder ihre hellen Momente und Hannes scheint der Stalker par excellence zu sein. Als dann schließlich die letzte Szene eingeläutet wird und alle Protagonisten (und noch eine wichtige Figur mehr!) aufeinandertreffen, kommt es nicht etwa zum großen Knall, sondern allerhöchstens zum kleinen Plopp. Und das finde ich ausgesprochen schade. Daniel Glattauer baut über weite Strecken gekonnt Spannung auf, führt seine Leser oder Zuhörer zwischendurch in die Irre und lässt ein großartiges Finale erwarten, doch was dann passiert, war zu dem Zeitpunkt gar nicht mehr überraschend, und so verpufft in diesem Moment die meiste Spannung – sehr schade.

_Ewig dein Fan_

Was am Ende übrig bleibt, ist mit Andrea Sawatzki eine überzeugende Sprecherin, die jeder Gefühlsschwankung gekonnt ihre zarte und weibliche Stimme verleiht. Und natürlich überzeugt Daniel Glattauer auch wieder mit seinem Formuliertalent, wobei er sich aber leider ab der Hälfte der Geschichte nicht mehr ganz so sehr austobt wie in seinen beiden E-Mail-Romanen oder zu Beginn von „Ewig dein“. Nichtsdestotrotz beginnt die Geschichte ausgesprochen vielversprechend, wird dann immer spannender und spannender. Nur das Finale konnte mich nicht vollauf überzeugen, aber dennoch fühlte ich mich sehr gut unterhalten! Und natürlich werde ich jederzeit wieder zu einem neuen Buch oder Hörbuch von Daniel Glattauer greifen – diesen Autor darf man einfach nicht verpassen!

|Download-Version mit 5:14 h Spieldauer|
http://www.audible.de

Hier gehts direkt zum Titel bei audible: [Daniel Glattauer – „Ewig Dein!“]http://www.audible.de/pd/B0073TG2LM?ref__=sr__1__1

auch erschienen als:

|4 Audio-CDs
Sprecher: Andrea Sawatzki
ISBN-13: 978-3-89903-349-6|
http://www.hoerbuch-hamburg.de

_Daniel Glattauer bei |Buchwurm.info|:_
[„Gut gegen Nordwind“ 5649
[„Alle sieben Wellen“ 5668

Mark Brandis: Sirius Patrouille – Teil 2 (Folge 20)

_Showdown im Weltall: Kommisskopf gegen Pazifist_

Man schreibt das Jahr 2130: Mark Brandis leitet als Repräsentant der VEGA den letzten Flug der INVICTUS, eines neuen Schweren Kreuzers. Mit an Bord ist der renommierte Journalist Martin Seebeck, der einen Reisebericht verfassen soll. Unter dem Kommando des Unions-Majors Jonas Degenhardt ist der Testflug zugleich eine Patrouille, die Piraten aufspüren soll. Die INVICTUS fliegt als Wolf im Schafspelz die Route ab, auf der schon mehrere unbemannte Sonden verschwunden sind.

Folge 2: Die „Sirius-Patrouille“ hat die Besatzung der INVICTUS in Kampfhandlungen geführt. Der Journalist Martin Seebeck hat seinen Verbündeten verloren. Ohne Mark Brandis, der schwerverletzt mit dem Tode ringt, liegt nun die Leitung des Einsatzes bei Major Degenhardt, der einen erbitterten Kreuzzug gegen Piratenschiffe führt. Schnell stellt sich heraus, dass auch er seine Gegner unterschätzt hat … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 12 Jahren.

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den „Mark Brandis“-Büchern, der bis heute (nach „Perry Rhodan“) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual Reality Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell Momentaufnahmen Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Tommi Schneefuß und Sven-Michael Bluhm.

|Die Rollen und ihre Sprecher: |

Prolog: Wolf Frass
John Harris: Gerhart Hinze
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Lt. Iwan Stroganoff: Martin Wehrmann
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Martin Seebeck: Felix Isenbügel
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Major Jonas Degenhardt: Thomas Schmuckert
Cpt. Esko Tuomi: Martin May
Lt. Louise Demnitz: Tanya Kahana
Cpt. Harbatkin: Matthias Brodowy
Dr. Yun Haneul: Luis Abril Romero
Bordsystem CORA: Mira Christine Mühlenhof
sowie Regina Schleheck, Jochim-C. Redeker, Georg Matthias

_Hintergrund und Vorgeschichte_

Die Mark Brandis – Hörspielreihe begann 2005-2007 mit Bordbuch Delta VII. Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;
* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

VEGA: Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.

_Handlung_

Commander Mark Brandis wird nach dem Feuerüberfall auf die INVICTUS schwerverletzt und bewusstlos von Seebeck an Bord gebracht. Der Journalist hätte auch nicht erwartet, dass er mal Feuerwehr spielen würde, noch dazu im luftleeren Raum. Unterdessen scheint eine ganze Armada von gegnerischen Schiffen anzugreifen. Einer von drei Volltreffern lässt den Antrieb ausfallen, und Dr. Levy, die sich besorgt um Brandis kümmert, muss mit Notstrom zurechtkommen. Captain Romen meldet erleichtert das Abflauen der Kämpfe.

Doch statt nun, wie die Ärztin verlangt, Brandis in eine gut ausgestattete Medstation zu bringen, brennt der Kommisskopp Jonas Degenhardt darauf, den Angreifer seinerseits fertigzumachen. Erst als er den schon einmal verhafteten Piratenkapitän Harbanski auffischt und dieser ihn warnt, den unsichtbaren Gegner anzugreifen, kommt es zur Krise. Denn nun hat er es nicht mehr mit Piraten zu tun, sondern mit Chinesen von der republikanischen Raumflotte. Sollte er angreifen, käme es zum Kriegsfall.

Als Degenhardt den Gegner erneut ohne Rücksicht auf Verluste angreift und scheinbar schwer trifft, muss er feststellen, dass es zwei Leute gibt, die klüger sind als er: der Kommandant des gegnerischen Schiffes – und Commander Mark Brandis …

_Mein Eindruck_

Der Militär hat die wahre Lage im Weltraum völlig falsch eingeschätzt, wie wir nicht ohne Befriedigung erfahren. Die Chinesen auf dem anderen Schiff, das ebenfalls ein raffinierter Prototyp ist, sind ebenfalls auf Piratenjagd und mussten daher zwangsläufig der INVICTUS in die Quere kommen. Blöd, wenn man dann nicht übers gemeinsame Geschäft redet, sondern den jeweils anderen für den eigentlichen Feind hält. Das Reden übernimmt dann unser Oberpazifist Mark Brandis (der durchaus auch mal ballern kann, wenn’s sein muss), der lieber sein Köpfchen anstrengt, als den Abzug zu betätigen.

Merkwürdig ist nur die Sache mit dem gegenerischen Schiff, das den poetischen Namen „Himmlischer Frieden“ trägt und an unselige Pekinger Plätze gleichen Namens denken lässt. Erst haben es die Chinesen gebaut, dann wurde es von der INVICTUS aufgebracht, die dort nur Piraten, aber keine Asiaten vorfand. Kaum ist es wieder fort, kaperten also die Chinesen ihr eigenes Schiff zurück, wodurch Piraten-Captain Harbanski sich aus dem Staub machen musste. Die Chinesen am Steuer trafen dann wieder auf die INVICTUS.

Wozu all dieses Hin und Her, fragt man sich? Den Autor kann man nicht mehr fragen, wohl aber die Macher. Aber der Zickzackkurs trägt nicht gerade zur Klarheit des Handlungsverlaufs bei. Und hinterher wissen es natürlich alle Figuren besser. Jedenfalls dürfte Martin Seebeck einiges zu berichten haben.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Die Sprecher erfüllen ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit. Es handelt sich um die immer wieder in der Serie auftauchenden Hauptfiguren wie der Titelheld, die Ärztin, sein Freund Romen und natürlich der Journalist. Diesmal hat sich Brandis permanent gegen Degenhardt durchzusetzen, und er tut dies mit innerer Autorität, ohne rumzuschreien – was man von Degenhardt nicht behaupten kann. Daneben ergeben sich immer wieder neue Nebenfiguren, darunter auch chinesisch klingende Sprecher. CORA, das Bordsystem, ist von Degenhardt abgestellt worden und hat leider nichts zu melden. Das ist wirklich schade, denn ihre Stimme wirkt immer ein wenig beruhigend.

Felix Isenbügel als Martin Seebeck wirkt zunächst hölzern und lahm, aber man kann das auf die Desorientierung der Figur zurückführen. Später wirkt Seebeck/Isenhügel engagiert und aufgeweckt, obwohl er ja eigentlich Distanz wahren soll. Im Unterschied zu ihm bietet Claudia Mingues-Urschat als Dr. Levy eine durchweg überzeugende und engagierte Darbietung. Wer sich dem Kapitän entgegenstellt, verdient wahrlich unseren Respekt.

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa Triebwerke oder Luken und Schleusen. Auch das Waffensystem der INVICTUS weiß mit einer Vielzahl neuer Töne aufzuwarten, die jedem Gamer vertraut vorkommen dürften. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien und Games ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen, Schleusen und Schotts ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt.

Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend. Im zweiten Teil gibt es eine Gefechtsszene, in der ein Tonfilter alle menschlichen Stimmen auf höchst sonderbare Weise verzerrt. Das fand ich recht faszinierend in seiner surrealen Wirkung, so als würden sich die Figuren in einer anderen Dimension befinden.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den Intermezzi. Selten ist die Musik mal im Hintergrund zu hören, denn der Dialog soll nicht überdeckt werden. Die Musik erweist sich als eminent wichtig, um Stimmung zu erzeugen und den Übergang zwischen Szenen zu signalisieren.

Ganz am Schluss erklingt ein Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer langsamen Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der relativ langen Absage (etwa zwei Minuten), bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden.

|Das Booklet|

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen der Serie, über die Macher und über die Sprecher. In den Zusatzinformationen wird die Sirus-Patrouille vorgestellt und ein moderner Raumanzug beschrieben.

_Unterm Strich_

Der zweite Teil der Doppelfolge, die ingesamt rund 100 Minuten lang ist, löst den Cliffhanger ein, mit dem der erste Teil endete. Außerdem werden die diversen Rätsel gelöst, die sukzessive die Spannung aufbauten. Nun wird klar, dass hier eine Art Kalter Krieg simuliert wurde, in dessen Mitte die Piraten beide Seite gegeneinander ausspielen konnten.

Deshalb kommt es aufgrund von Degenhardts martialischer Sturheit fast zu jenem Zwischenfall, der den kalten in einen heißen Krieg verwandeln könnte. Nur dem Eingreifen von Mark Brandis und seinem Insistieren auf Verhandlungen – er muss seine Identität nachweisen – ist es also (wieder mal) zu verdanken, dass die Nationen an einer militärischen Auseinandersetzung vorbeischrammen.

Andererseits ist der Plot so schlangengleich angelegt worden, dass am Schluss schon einige Erklärungen nötig sind, um das Hin und Her beim Besitz des Schiffes „Himmlischer Friede“ begreiflich zu machen. Diese Erklärungen kann man akzeptieren oder nicht; ich bin da eher skeptisch.

Hinweis: Die nächste Doppelfolge trägt den Titel „Lautlose Bombe“.

|1 Audio-CD
Spieldauer: 48 Minuten
Tracks: 10
Empfohlen ab 12 Jahren
UPC: 0602527804200|
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[www.markbrandis.de]http://www.markbrandis.de
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_|Mark Brandis| als Hörspiel:_
01 [„Bordbuch Delta VII“ 4995
02 [„Verrat auf der Venus“ 5013
03 [„Unternehmen Delphin“ 5524
04 [„Aufstand der Roboter“ 5986
05 [„Testakte Kolibri 1“ 5984
06 [„Testakte Kolibri 2“ 5985
07 [„Vorstoß zum Uranus 1“ 6245
08 [„Vorstoß zum Uranus 2“ 6246
09 [„Raumsonde Epsilon 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
10 [„Raumsonde Epsilon 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468
11 „Die Vollstrecker 1“
12 „Die Vollstrecker 2“
13 [„Pilgrim 2000 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7059
14 [„Pilgrim 2000 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7060
15 [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7128
16 [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7129
17 [„Alarm für die Erde“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7479
18 [„Alarm für die Erde“ (Teil 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7480
19 [„Sirius Patrouille (Teil 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7760
20 [„Sirius Patrouille (Teil 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7763
21 „Die lautlose Bombe“ (angekündigt)

_Mark Brandis in Buchform bei |Buchwurm.info|:_
Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [„Kurier zum Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
Band 15: [„Die lautlose Bombe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6962
Band 16: [„PILGRIM 2000“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7167
Band 17: [„Der Spiegelplanet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7194
Band 18: [„Sirius-Patrouille“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7267
Band 19: [„Astropolis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7390
Band 20: [„Triton-Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7391

Mark Brandis: Sirius-Patrouille – Teil 1 (Folge 19)

_Eine ganz besondere Pressereise: ins Piratengebiet_

Man schreibt das Jahr 2130: Mark Brandis leitet als Repräsentant der VEGA den letzten Flug der INVICTUS, eines neuen Schweren Kreuzers. Mit an Bord ist der renommierte Journalist Martin Seebeck, der einen Reisebericht verfassen soll. Unter dem Kommando des Unions-Majors Jonas Degenhardt ist der Testflug zugleich eine Patrouille, die Piraten aufspüren soll. Die INVICTUS fliegt als Wolf im Schafspelz die Route ab, auf der schon mehrere unbemannte Sonden verschwunden sind. Doch im interplanetaren Raum ist das Recht schnell auf der Seite des Stärkeren … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 12 Jahren.

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den „Mark Brandis“-Büchern, der bis heute (nach „Perry Rhodan“) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual Reality Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell Momentaufnahmen Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Tommi Schneefuß und Sven-Michael Bluhm.

|Die Rollen und ihre Sprecher: |

Prolog: Wolf Frass
John Harris: Gerhart Hinze
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Magnus Sauerlein: Stefan Peters
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
Lana Swanson: Sabine Ehlers
Stroganoff: Martin Wehrmann
Martin Seebeck: Felix Isenbügel
Magnus Sauerlein: Stefan Peters
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Major Jonas Degenhardt: Thomas Schmuckert
Cpt. Esko Tuomi: Martin May
Lt. Louise Demnitz: Tanya Kahana
Cpt. Harbatkin: Matthias Brodowy
sowie Regina Schleheck, Jochim-C. Redeker, Georg Matthias

_Hintergrund und Vorgeschichte_

Die Mark Brandis – Hörspielreihe begann 2005-2007 mit Bordbuch Delta VII. Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.

* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;
* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;

EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.

Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis

VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking

VEGA: Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.

_Handlung_

Pulitzer-Preisträger Martin Seebeck bekommt von VEGA-Direktor John Harris die Genehmigung, das VEGA-Schiff INVICTUS auf seiner Testfahrt zu begleiten, damit der Journalistin eine Reportage darüber schreiben kann. Es soll eine denkwürdige Pressetour werden…

An Bord teilen sich nämlich zwei Leute das Kommando: von Seiten der VEGA ist dies Mark Brandis, doch von Seiten der Raumflotte führt Commander Jonas Degenhardt den Befehl, sollte etwas passieren, was Brandis‘ Befugnisse übersteigt. Was sollte auf einem Testflug schon passieren, wundert sich Seebeck?

Allerdings, so erfährt, begibt sich die INVICTUS ins Piratengebiet, das sich offenbar zwischen Luna und dem Asteroidengürtel erstreckt, ein riesiges Gebiet, in dem inzwischen drei Sonden der Union verschwunden sind. Bei einem Außenbordeinsatz bringt Seebeck zusammen mit Captain Grischa Romen eine Sonde auf der getarnten Außenhaut an, quasi als Köder.

Alarm! Eine als entführt gemeldete Jacht namens „Der Bolide“ wurde entdeckt. Doch statt wie befohlen beizudrehen, flüchtet die Jacht Richtung Luna und somit in neutrales Gebiet. Nach drei Wochen ergebnisloser Suche stößt die INVICTUS auf ein havariertes Frachtschiff. Alle Anzeichen deuten auf schweren Beschuss hin, doch es könnten auch Folgen einer inneren Explosion sein. Wenig später stößt die INVICTUS auf ein unbekanntes Schiff in Rochenform. Degenhardt lässt es mit einer Strahlenwaffe beschießen, die die Besatzung lähmt.

Doch das Verhör von Kapitän Harbatkin erbringt nichts, und sie müssen ihn wieder laufen lassen. Als sie auf ein weiteres Schiffswrack stoßen, geht Brandis mit Seebeck an Bord, um eine Materialprobe zu entnehmen. Kaum haben sie den Rückweg angetreten, als die INVICTUS unter schweren Beschuss gerät …

_Mein Eindruck_

Dies ist der Auftakt zu einem weiteren Zweiteiler der mittlerweile recht actionbetonten SF-Hörspiel-Reihe MARK BRANDIS. Eigentlich würde man erwarten, dass die INVICTUS ihre neuartigen Fähigkeiten zur Schau stellt, doch das ist eher nicht der Fall. Lediglich die VSI-Waffe wird vorgeführt, eine Mischung aus EMP-Pulsgeber à la „MATRIX“ und Strahlenkanone. Sie ist allerdings mit neuesten Waffensystemen der Raumflotte bestückt, was den friedliebenden VEGA-Leuten gar nicht schmeckt. Mark Brandis protestiert vergeblich gegen die kriegerische Haltung des Raumflottenkapitäns Degenhardt – nomen est omen. Und dessen Haltung erweist sich im zweiten Teil um ein Haar als verhängnisvoll …

Martin Seebeck ist eigentlich bloß als Beobachter und Gast an Bord, doch wie sich bald zeigt, wird er dringend benötigt. In mancher Hinsicht erinnert Degenhardt nämlich an Kapitän Ahab, der wie besessen Jagd auf den legendären weißen Wal Moby Dick macht. Und Ishmael, der Matrose auf dem Walfänger „Pequod“, spielt in Melvilles Roman den Beobachter, der alles getreulich berichtet – und um ein Haar mit der „Pequod“ untergeht.

Seebeck berichtet von der Einsamkeit im Weltraum und dass es keine Zeit zu geben scheint. Der Raum ist eben menschenfeindlich, und das Piratengebiet eine zwielichtige Zone, in dem sich Republiken und Union misstrauisch belauern, genau wie bei uns im Kalten Krieg. Die Action hält sich noch in Grenzen, doch das ist bei Zweiteilern immer so: Der erste Teil verspricht mit einem Cliffhanger-Ende, was der zweite Teil einzulösen hat.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa Triebwerke oder Luken und Schleusen. Auch das Waffensystem der INVICTUS weiß mit einer Vielzahl neuer Töne aufzuwarten, die jedem Gamer vertraut vorkommen dürften. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien und Games ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen, Schleusen und Schotts ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt.

Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend. Im zweiten Teil gibt es eine Gefechtsszene, in der ein Tonfilter alle menschlichen Stimmen auf höchst sonderbare Weise verzerrt.

|Die Sprecher|

Die Sprecher erfüllen ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit. Es handelt sich um die immer wieder in der Serie auftauchenden Hauptfiguren wie der Titelheld, die Ärztin, sein Freund Romen und natürlich der Journalist. Diesmal hat sich Brandis permanent gegen Degenhardt durchzusetzen, und er tut dies mit innerer Autorität, ohne rumzuschreien – was man von Degenhardt nicht behaupten kann. Daneben ergeben sich immer wieder neue Nebenfiguren, darunter auch chinesisch klingende Sprecher. CORA, das Bordsystem, ist von Degenhardt abgestellt worden und hat leider nichts zu melden. Das ist wirklich schade, denn ihre Stimme wirkt immer ein wenig beruhigend.

Felix Isenbügel als Martin Seebeck wirkt zunächst hölzern und lahm, aber man kann das auf die Desorientierung der Figur zurückführen. Später wirkt Seebeck/Isenhügel engagiert und aufgeweckt, obwohl er ja eigentlich Distanz wahren soll. Im Unterschied zu ihm bietet Claudia Mingues-Urschat als Dr. Levy eine durchweg überzeugende und engagierte Darbietung. Wer sich dem Kapitän entgegenstellt, verdient wahrlich unseren Respekt.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den Intermezzi. Selten ist die Musik mal im Hintergrund zu hören, denn der Dialog soll nicht überdeckt werden. Die Musik erweist sich als eminent wichtig, um Stimmung zu erzeugen und den Übergang zwischen Szenen zu signalisieren.

Ganz am Schluss erklingt ein Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer langsamen Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der relativ langen Absage (etwa zwei Minuten), bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden.

|Das Booklet|

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen der Serie, über die Macher und über die Sprecher. In den Zusatzinformationen wird das Projekt INVICTUS von John Harris vorgestellt. Außerdem finden sich drei Biografien: zu Degenhardt, Demnitz und Tuomi.

_Unterm Strich_

Der Auftakt zu dem Zweiteiler ist wie üblich hinsichtlich der Action zurückhaltend. Vielmehr besteht seine Aufgabe eher darin, Spannung aufzubauen, indem etliche Rätsel präsentiert werden. Deren Lösungen muss der zweite Teil ebenso liefern wie die Auflösung zum Cliffhanger-Schluss dieses ersten Teils.

Wie man dem Booklet des 2. Teils entnehmen kann, hat die sogenannte „Sirius-Patrouille“ wirklich existiert. Sie wurde ab 1933 von den Dänen eingerichtet, um deren Gebietsanspruch auf Ostgrönland zu dokumentieren und zu untermauern. Die mit 80 Schlittenhunden (daher „Sirius“ nach dem Hunde-Stern) ausgerüstete Polizeitruppe stieß im Zweiten Weltkrieg auf mehrere illegale Wetterstationen der deutschen Marine und griff sie an.

Der Kniff, einen unbeteiligten Journalisten als Chronisten einzusetzen, erweist sich als sinnvoll, um als neutraler Unparteiischer den zentralen Bordkonflikt zwischen den beiden Kommandanten objektiv beurteilen zu können. Denn am Schluss kommt es darauf zu entscheiden, wer recht hat: die Kriegspartei Degenhardts oder die Friedenspartei der VEGA, vertreten von Mark Brandis.

|Das Hörspiel|

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den ersten Folgen wurden nun mindestens zwei größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann.

Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

|1 Audio-CD
Spieldauer: 62 Minuten
Tracks: 10
UPC: 0602527804194|
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[www.markbrandis.de]http://www.markbrandis.de
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_|Mark Brandis| als Hörspiel:_
01 [„Bordbuch Delta VII“ 4995
02 [„Verrat auf der Venus“ 5013
03 [„Unternehmen Delphin“ 5524
04 [„Aufstand der Roboter“ 5986
05 [„Testakte Kolibri 1“ 5984
06 [„Testakte Kolibri 2“ 5985
07 [„Vorstoß zum Uranus 1“ 6245
08 [„Vorstoß zum Uranus 2“ 6246
09 [„Raumsonde Epsilon 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
10 [„Raumsonde Epsilon 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468
11 „Die Vollstrecker 1“
12 „Die Vollstrecker 2“
13 [„Pilgrim 2000 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7059
14 [„Pilgrim 2000 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7060
15 [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7128
16 [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7129
17 [„Alarm für die Erde“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7479
18 [„Alarm für die Erde“ (Teil 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7480
19 [„Sirius Patrouille (Teil 1)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7760
20 [„Sirius Patrouille (Teil 2)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7763
21 „Die lautlose Bombe“ (angekündigt)

_Mark Brandis in Buchform bei |Buchwurm.info|:_
Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [„Kurier zum Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
Band 15: [„Die lautlose Bombe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6962
Band 16: [„PILGRIM 2000“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7167
Band 17: [„Der Spiegelplanet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7194
Band 18: [„Sirius-Patrouille“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7267
Band 19: [„Astropolis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7390
Band 20: [„Triton-Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7391