Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Arden, William / Arthur, Robert – Die drei ??? und das Gold der Wikinger

Die Serie nährte sich zu Beginn der Neunzigerjahre dem Ende ihrer amerikanischen Wurzeln, bald schon sollten nur noch deutsche Autoren weitere ???-Geschichten verfassen. „Das Gold der Wikinger“ gehört jedoch noch zu jenen Klassikern, in denen immer noch Alfred Hitchcock ein Wörtchen mitzureden hat. Fiktiv, versteht sich. Der große Regisseur hatte der Serie damals seinen guten, zugkräftigen Namen verliehen oder besser gesagt: verkauft. In Deutschland erschien die vorliegende Story 1989 und bekam – obwohl die Buchveröffentlichungen anderen Gesetzen gehorchen – als |EUROPA|-Hörspiel die 45 verpasst. Das allerdings nur zu rein informativen Zwecken, um sie halbwegs zeitlich einordnen zu können, denn die Romane besitzen keinerlei Nummerierung.

_Zur Story_

Im Auftrag von Bobs Vater sind die drei Jungs mit ihrem Angelboot unterwegs, um Fotos einer lokalen Festivität zu schießen. Das soll etwas Geld in die derzeit klamme Kasse des Detektivbüros spülen. Alle fünf Jahre trifft sich die angesehene Familie Ragnarson auf der noch ihr benamsten Felseninsel „Ragnarson Rock“, um ein Spektakel zu veranstalten – dabei geht’s um die Ankunft des aus Norwegen stammenden Familiengründers, welcher 1849 auf jener Insel nach einem Schiffsunglück strandete. Mit Hilfe eines dort gefundenen Indianerkanus gelang ihm die Überfahrt zum Festland, wo ein großer Teil der Familie auch heute noch in Rocky Beach wohnt. Zwar hat er sich damals nicht wirklich mit den ortsansässigen Indianern angelegt, doch Legendenbildung fußt bekanntlich nur selten auf Tatsachen.

So hat sich die Tradition entwickelt, dass sich bei dem Fest Angehörige und Freunde teils als Wikinger, teils als Chumasch-Indianer verkleiden und einen symbolischen Kampf ums Eiland führen. Hernach bleibt man auf der Insel und feiert eine Woche lang feucht-fröhlich. Doch diese Jahr läuft einiges schief. Nicht nur, dass die drei Jungs nahe der Insel auf ein herrenloses Anglerboot stoßen, wobei die vorliegenden Spuren auf einen blutigen Zwischenfall schließen lassen. Nein, auch an Land gibt es keine Atempause. Einer der Ragnarsons fordert erst mit finanziellem Anreiz, dann unverhohlen drohend die Herausgabe der Filme mit den Bildern, muss aber mit leeren Händen abziehen, als Hauptkommissar Reynolds auftaucht.

Am nächsten Tag wird Bob von einem mysteriösen Pick-up verfolgt und letztendlich in den Straßengraben abdrängt. Die beiden Insassen können die Negative zwar in ihre Finger bekommen, doch Justus hatte im Labor der drei ??? bereits Abzüge erstellt, sodass die Juniordetektive wenigstens nicht mit leeren Händen dastehen. Bei ihren Ermittlungen stoßen die drei auf einige interessante Details der Familienvergangenheit, auf einen vermeintlichen Geist und werden von den Ragnarsons offiziell engagiert, um weitere seltsame Begebenheiten auf der Insel zu untersuchen. Dort verschwinden Gegenstände, gespenstische Gestalten taumeln durch den nächtlichen Nebel und schauriges Wolfsgeheul sowie irres Gelächter haben bereits viele Partygäste zermürbt und ihnen das Fest verleidet.

_Eindrücke_

William Arden war in der Vergangenheit immer für eine interessante Geschichte gut und auch der im amerikanischen Original „[…] Wrecker’s Rock“ (sinngemäß: Schiffbruchfelsen) treffender betitelte, doch in Deutschland in „Gold der Wikinger“ umbenannte Fall ist einer der komplexeren Art, was sich auch schon in der leicht überdurchschnittlichen Seitenzahl von 142 widerspiegelt. Für gewöhnlich hat das typische Drei-Fragezeichen-Buch davon exakt 128. Es sind eine Menge unterschiedlicher Fäden gegen Ende zusammenzuweben, was auch befriedigend schlüssig gelingt. Der Plot teilt sich in mehrere Schauplätze und Stränge auf, was grundsätzlich zu begrüßen ist, und anders als im Hörspiel tragen auch Peter und Bob ihr nicht geringes Scherflein zum Gelingen bei.

Allerdings merkt man der Serie zu diesem Zeitpunkt bereits eine leichte Ideenarmut an; es finden sich eine ganze Reihe Elemente aus früheren Fällen wieder. Ganz besonders stark fühlt man sich an „Phantomsee“, „Geisterinsel“ und „Roter Pirat“ erinnert. Ganz ohne wiederkehrende Klischees aus der eigenen Serie kommt man natürlich nicht aus, damit ist auch nicht die berühmte Karte der drei ??? gemeint, welche als absolut unvermeidlicher Running Gag in jeder Geschichte vorkommt. Es sind vielmehr das Herumreiten auf Justus‘ Leibesfülle, Peters Überängstlichkeit und die fast schon legendäre Skepsis der Erwachsenen dem Trio gegenüber – diesmal ausgerechnet von Bobs ansonsten so aufgeschlossenem Vater. Das alles ist aber weniger störend. Etwas anderes nervt aber schon länger, und das sogar immer stärker, je weiter die Reihe voranschreitet.

Die Rede ist von „Alfred Hitchcock“ und „seinen“ mehr oder minder hilfreichen Zwischenkommentaren. Waren diese früher feinsinnig und -humorig, haben sie sich im Laufe der Zeit stetig zu dösigem und im Prinzip unnötigem BlaBla entwickelt. Glücklicherweise war diese Ära alsbald vorüber. Bleibt zu erwähnen, dass die Übersetzung und Bearbeitung von Urgestein Leonore Puschert für die deutsche Ausgabe, trotz der rasch heran nahenden Neunziger, solch verbreitete Begriffe wie „Trittbrettfahrer“ lieber mit dem absolut ungebräuchlichen „Hintendransteher“ übersetzt. Auch die „Seejungfrau“ dürfte mit der Titulierung „Meerjungfrau“ lieber angesprochen werden – auch wenn es sich hier lediglich um eine tätowierte Vertreterin dieser Spezies handelt. Und die Coverillustrationen von Rasch waren auch schon mal besser.

_Fazit_

Wenn man durch das eher schludrig anmutende Hörspiel vorbelastet an das Buch herangeht, erlebt man die positive Überraschung, dass die Geschichte hier wesentlich besser aufgeht – mal abgesehen davon, dass sie um einiges detailreicher und ausgeklügelter daherkommt. Das macht unterm Strich durchaus verdaulichen und unterhaltsamen Lesestoff nicht nur für Fans der Serie. Die schamlos aus anderen Episoden zusammengeborgten Versatzstücke sorgen aber bei Letztgenannten dafür, dass das „Gold der Wikinger“ sicher nicht auf höhere Ränge in der Hall of Fame der Drei-Fragezeichen-Fälle aufsteigen wird.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

OT:“The three Investigators in the Mystery of the Wrecker’s Rock“
William Arden nach der Idee von Robert Arthur
Ersterscheinung: 1986, Random House
Deutsche Ausgabe: Franckh-Kosmos, 1989
Übersetzung und Bearbeitung: Leonore Puschert
ISBN: 3-440-05930-8 (Erstauflage)
142 Seiten Hardcover
Cover-Illustration: Aiga Rasch

aktuelle Ausgabe:

omnibus/cbj
160 Seiten Broschur
ISBN-13: 978-3-570-21177-9

http://www.omnibus-verlag.de
http://www.dreifragezeichen.de
http://www.rocky-beach.com

Erhältlich auch in anderen Formaten und Bindungen.

Gier, Kerstin – Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten 1

_Immer auf dem Sprung_

Gwendolyn Sheperd ist 16 Jahre alt und lebt in einem palastähnlichen Haus voller Geheimgänge und Verstecke. Ihre Familie ist nicht weniger geheimnisvoll, hat doch Cousine Charlotte angeblich ein Zeitreisegen vererbt bekommen, welches sie unkontrollierte Zeitsprünge in die Vergangenheit machen lassen wird. Auf das zukünftige Dasein als Zeitreisende wurde Charlotte ihr bisheriges Leben lang mit Tanz- und Fechtunterricht sowie dem Pauken von diversen Sprachen, Geschichte und Benimmregeln in den verschiedenen Jahrhunderten gründlich vorbereitet. Über diese bornierte und ehrgeizige Cousine hinaus gehören Gwens Geschwister, Gwens liebevolle aber undurchsichtige Mutter, die leicht durchgeknallte Tante „Mad“-Maddy, die aristokratisch hochnäsige Lady Arista, Charlottes Mutter (Tante Glenda) und als einziger Mann ein undurchschaubarer Butler zum Familienhaushalt.

Bereits auf den ersten Seiten wird dem Leser klar, was Gwendolyn erst nach dem ersten Viertel des Buches zu glauben bereit ist: tatsächlich ist sie es, welche das Zeitreise-Gen geerbt hat und nun völlig unvorbereitet zwischen den Zeiten hin- und herwechselt. Ihre Fähigkeit, Geister zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren, weist schon bei ihrem ersten Gespräch mit dem Schulgeist James Pimplebottom darauf hin, dass sie entgegen ihrer Selbstwahrnehmung etwas Besonderes sein muss. Und so beginnt mit ihrem Initiationssprung eine aufregende Zeit für Gwen.

Plötzlich findet sie sich inmitten einer Organisation wieder, welche seit Jahrhunderten daran arbeitet, das Blut einer bestimmten Anzahl von Genträgern zusammenzutragen. Alle Genträger sind in ihrer Bedeutung einem Edelstein zugeordnet. Demnach steht Gwendolyn für den Rubin. Leider wird der vermutlich esoterische Hintergrund dieser Edelsteintheorie nicht erklärt. Doch mit Hilfe eines edelsteinbesetzten Chronografen kann die Zeit angewählt werden, in welche die Genträger springen sollen. Das bietet zum einen eine gewisse Kontrolle über das sonst unvorhersehbare Timing der Zeitsprünge sowie Sicherheit für Leib und Leben, aber zugleich auch die Möglichkeit für den im 18. Jahrhundert lebenden mysteriösen [Grafen von Saint Germain,]http://de.wikipedia.org/wiki/Graf__von__Saint__Germain eine in diesem Band noch undefinierte Macht zu erlangen, wenn alle Blutproben gesammelt sein werden. Einmal wurde dieses Vorhaben bereits verhindert, als die Genträger Lucy und Paul sich mit Hilfe von Gwendolyns Mutter mit dem ersten Chronografen in die Vergangenheit absetzten.

Während Gwen nun von Charlotte und deren enttäuschter Familie angefeindet wird, muss sie sich außerdem mit dem schnöseligen Gideon arrangieren, der ebenfalls das Zeitreise-Gen in sich trägt und durch seinen Altersvorsprung von einem Jahr bereits zahlreiche Zeitsprünge auf der Suche nach weiteren Genträgern absolviert hat. Die Autorin versucht es vergeblich so aussehen zu lassen, als wären Charlotte und Gideon ein Paar, und auch die anfängliche Abneigung Gwens, die von Gideons blendendem Aussehen und seiner weniger freundlichen Art ihr gegenüber angezogen und gleichzeitig abgestoßen wird, nimmt man der Autorin nicht ab. Zu offensichtlich wird von Anfang an darauf hingearbeitet, dass sich Gwen und Gideon ineinander verlieben.

Ein großes Plus sind jedoch die liebevoll ausgearbeiteten Nebencharaktere wie der erwähnte Schulgeist oder Tante Maddy. Hinzu kommen eine französische Kostümdesignerin, die unter unablässiger Plauderei die entsprechende Bekleidung für die einzelnen Jahrhunderte schneidert, und Gwens beste Freundin Leslie, die plötzlich jede Menge Zeit damit verbringt, Historisches und Geheimnisvolles für Gwen im Internet zu recherchieren, während Gwen selbst versucht, ein wenig mehr Einsicht in die Geheimgesellschaft und ihre Ziele zu erhalten. Diese Charaktere tragen maßgeblich zum Witz bei, der den Roman konstant durchzieht und das Lesen trotz inhaltlicher Defizite recht vergnüglich gestaltet.

Gerade als die Handlung etwas mehr Tempo aufnimmt und der spannende Teil des Abenteuers beginnt, ist der Roman auch schon an seinem Ende angelangt. Der Leser bleibt in der Luft hängen. Warum hat Gwens Mutter sie eindringlich davor gewarnt, irgendjemandem zu vertrauen? Warum hat der Graf Gwendolyn bedroht? Wer steckt hinter dem Mordanschlag auf Gideon und Gwen? Und was steckt tatsächlich hinter Pauls und Lucys Flucht mit dem zweiten Chronografen? Der Roman wirft eine Vielzahl von Fragen auf, deren Beantwortung auf den kommenden Band verschoben wird. Solchermaßen bleibt das unbefriedigende Gefühl zurück, dass man nur eine längere Einleitung und den Beginn der eigentlichen Geschichte gelesen hat.

Die bisher vor allem durch Frauen- und Liebesromane bekannt gewordene deutsche Autorin Kerstin Gier hat mit „Rubinrot. Liebe geht durch alle Zeiten“ ein als „All-Age-Roman“ deklariertes Buch vorgelegt, das durch die originelle Idee des Plots zwar reifere Leser anzieht, bisher für diese aber nur wenig Überraschendes bietet. Lesevergnügen entsteht eher durch die lustige Schilderung der typischen Probleme eines pubertierenden Mädchens, das unter komplizierten Bedingungen die ersten Erfahrungen mit der Liebe macht.

Hingewiesen werden muss jedoch auf die liebevolle Aufmachung des Buches. Der |Arena|-Verlag hat sich für einen Schutzumschlag in der Farbe Altrosa entschieden, der zusammen mit dem erhabenen schwarzen Aufdruck von Ranken, Fledermäusen und Drachenköpfen, einem Schattenriss von Gideon und Gwendolyn und der teilweise rubinroten Aufschrift nicht nur den hochwertigen Eindruck des Hardcovers unterstützt, sondern auch optisch auf vergangene Zeiten verweist, während er zugleich haptisch sehr ansprechend ist. Das rote Lesebändchen hingegen ist beinahe nutzlos, da sich der Roman in kürzester Zeit flüssig lesen und den Wunsch nach einer baldigen Lektüre der Fortsetzung [„Saphirblau“ 6266 entstehen lässt.

|352 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3401063348|
http://www.arena-verlag.de

Start

_Kerstin Gier auf |Buchwurm.info|:_

[„Die Mütter-Mafia“ 4328
[„Die Patin“ 4344
[„Für jede Lösung ein Problem“ 4374

Feldkirchner, Jennifer – Neue Abenteuer vom kleinen Stinktier Paule

Band 1: [„Paule das kleine Stinktier“ 4931

Paule ist zurück! Nachdem wir ihn schweren Herzens kurz nach seiner allerersten Schneeballschlacht verlassen mussten, weil er sich hundemüde zum Winterschlaf hingelegt hat, treffen wir ihn nun wieder. Und Jennifer Feldkirchner hat sich neue spannende Abenteuer für Paule und seine Freunde ausgedacht, die zudem liebevoll bebildert sind.

_Aus dem Winterschlaf erwacht_

Nach monatelangem Schlaf erwacht Paule im beginnenden Frühling. Doch der Rest von Müffelsdorf ist noch nicht so auf den Beinen. So stromert er los und sucht zunächst natürlich seine Freunde. Die taffe Bella ist bereits erwacht und bald stößt auch Lisa zu den beiden. Einer der ersten Wege führt die drei zu ihrer geheimen Höhle. Dort hat sich über den Winter der Staub eingenistet, sodass sie zunächst einen gründlichen Frühlingsputz machen müssen, bevor sie es sich auf ihrem Kuschelteppich gemütlich machen können.

In der Schule warten gute Neuigkeiten auf die kleinen Stinktiere: Die Lehrerin, Frau Stinki, unternimmt einen Ausflug mit ihren Schülern. Vor einem mysteriösen Hügel bleiben die Stinktiere stehen und wundern sich, was das Besondere daran sein soll. Noch haben sie nicht bemerkt, dass es sich um einen riesigen Termitenhügel handelt, aber schnell pieken die kleinen Biester den vorlauten Fritzi, und Frau Stinki erzählt ihren Schülern viel Lehrreiches über die kleinen Tierchen. Im Traum suchen Paule in der kommenden Nacht riesige Termiten auf, aber da er im Unterricht gut aufgepasst hat, kann er vor den übergroßen Termiten fliehen.

Opa Rosenbusch weiß wieder einmal einige spannende Geschichten zu erzählen, und hier erfahren wir auch, wie er seine geliebte Frau kennengelernt hat. Besonders lustig sind aber seine Ausflüge in eine Bierbrauerei und in einen Vergnügungspark; so wird selbst Opa Rosenbusch in der Achterbahn ganz blass um die Nase, und die Geisterbahn lehrt ihn schließlich das Fürchten, sodass Opa beschließt, nie wieder in einen Vergnügungspark zu gehen

Paule und seine Freunde erleben noch viel mehr spannende, lustige und gruselige Abenteuer. So lädt der Besuch auf dem Friedhof zum Fürchten ein, und auch die Rabenplage, die Müffelsdorf heimsucht, erinnert ein kleines bisschen an Hitchcocks „Vögel“, immerhin fressen die bösen Raben den Müffelsdorfer Stinktieren alle Vorräte weg! Am Ende wird natürlich alles gut, und wir verlassen Paule dieses Mal glücklich und zufrieden – mit einem wunderschönen neuen Spielplatz in der Schule.

_Das stinkt mir nicht_

Unser kleiner stinkender Romanheld Paule erlebt wieder einmal große Abenteuer – einige erlebt er in den Erzählungen seines Opas nach und andere wiederum geschehen nur im Traum. Die Geschichten sind in diesem zweiten Buch noch turbulenter als im Einstiegsband. Da ist nicht nur der gruselige Ausflug auf den Friedhof, bei dem die kleinen Stinktiere sich furchtbar erschrecken und sich auch in Paules Stimme ein Zittern einschleicht, sondern da tauchen auch noch die bedrohlichen Raben auf, die den Stinktieren das Haar vom Kopf wegfressen und sich nur mit einer List vertreiben lassen. Auch im Traum bekommt Paule einiges auf den Deckel und muss so manch brenzlige Situation überstehen – sei es der Kampf gegen eine fiese Wucherpflanze, die Flucht vor Riesentermiten oder sein tollpatschiges Auftreten in einer völlig gläsernen Welt, die er mit seinem Buschelschwanz ganz schön aus der Bahn bringt.

Paule ist ein herrlich unperfekter Held, mit dem sich sicherlich viele junge Leser wunderbar identifizieren können. Paule hat zwei nette Freundinnen, einen großartigen Opa und eine liebe Oma, die ihm stets Kekse vorsetzt, wenn er zu Besuch kommt. Außerdem erlebt er so einiges in seinem Leben, sodass ihm sicher nie langweilig wird. Aber er hebt dabei nie ab, sondern denkt immer auch an seine Freunde. Im einen Traum macht er gar ein trauriges Gespenst glücklich, in einer anderen Geschichte rettet er ein freundliches Stachelschwein. Perfekt ist Paule dennoch nicht, immerhin hat er diese kleine sympathische Schwäche, dass ihm ab und an – wenn er ganz schrecklich aufgeregt ist – eine grüne Stinkwolke entweicht.

Die anderen Figuren stehen dem natürlich in nichts nach, auch wenn man in diesem Buch nicht mehr ganz so viel über Lisa erfährt. Bella dagegen mausert sich zu einer ebenbürtigen Partnerin, die im sportlichen Wettkampf brilliert, als Monster verkleidet für Furore sorgt und es gar schafft, für ihre beiden besten Freunde einen Kinoabend auf die Stinktierbeine zu stellen. Lisa ist zwar immer mit dabei, doch bleibt sie inzwischen etwas im Hintergrund, was mich aber gar nicht störte, da mir Bella ohnehin viel besser gefällt mit ihrer ganz eigenen Art.

_Lustig, lehrreich, liebenswert_

Die Paulegeschichten richten sich natürlich vordergründig an Kinder und eignen sich auch hervorragend zum Vorlesen, aber dennoch haben auch jung gebliebene und etwas in die Jahre gekommene Leser ihre helle Freude an den lustigen Geschichten. Für Kinder findet sich einiges Lehrreiches, so lernen sie beispielsweise gemeinsam mit Paule und seinen Mitschülern einiges über das Leben von Termiten. Aus Paules Verhalten lässt sich aber noch mehr lernen; so ist er stets hilfsbereit und freundlich. Als ihm ein Stachelschwein begegnet, das sich verlaufen hat, bietet er gleich seine Hilfe an und sorgt dafür, dass das Stachelschwein wieder den rechten Weg findet. Besonders liebenswert fand ich aber, wie Paule versucht hat, im Traum das traurige Gespenst aufzumuntern, indem er ihm klar gemacht hat, dass es nun fliegen und sich unsichtbar machen kann. Auf solche Ideen muss man erstmal kommen – herrlich!

Sehr gut gefallen haben mir auch die Vorbereitungen zur Kostümparty, die alle Stinktierkinder engagiert in Angriff genommen haben, um unterstützt von ihren Eltern und Großeltern sensationelle Kostüme zu entwerfen. Aber auch den Bau eines Spielplatzes gehen die Stinktiere gemeinsam an, so planen die Kinder zunächst mit Frau Stinki zusammen, was alles gebaut werden soll und was man dafür braucht, und anschließend veranstalten sie einen Papa-Kind-Tag, um auch alles zu realisieren. Und wie so häufig, so ziehen alle Stinktiere in Müffelsdorf an einem Strang, sodass der Spielplatz erfolgreich entstehen kann.

_Die bunte Welt der Stinktiere_

So niedlich die Geschichten auch sind, so gut mir die Charaktere gefallen, so wären sie doch nichts (oder zumindest nicht viel) ohne die fantastischen Zeichnungen, die Jennifer Feldkirchner passend zu den meisten Szenen angefertigt hat. Auf manchen Seiten finden sich gleich mehrere Zeichnungen in Schwarzweiß, aber die Highlights sind natürlich die ganzseitigen Farbzeichnungen, die uns zeigen, wie farbenfroh es in der Welt der Stinktiere wirklich zugeht. In allen Bildern gibt es wieder einmal eine Menge zu entdecken, denn mitunter hat Jennifer Feldkirchner dort Details versteckt, die nicht immer zu der Geschichte gehören, das ganze Geschehen aber auflockern. So streckt ein freches Stinktierkind hinter Frau Stinkis Rücken die Zunge raus, in einem Bild seilt sich ganz unauffällig eine Spinne ab und auf einem anderen hat sich eine kleine Maus eingeschlichen.

Die Schwarzweiß-Zeichnungen kommen wie schon im ersten Band oft mit wenigen Strichen aus, und doch verleiht Jennifer Feldkirchner ihren Figuren immer den passenden Gesichtsausdruck und die passende Geste. Besonders lustig fand ich den betrunkenen Opa Rosenbusch, um den herum die Welt sich dreht, aber auch Paules oftmals stark schielende Augen sind einfach allerliebst.

Auch die neuen Abenteuer vom Stinktier Paule lassen sich immer wieder in die Hand nehmen und durchblättern, denn an den Zeichnungen kann man sich so schnell nicht sattsehen und auch in den Geschichten kann man durchaus häufiger stöbern. Und so warte ich jetzt schon darauf, dass ich das Buch irgendwann einmal einem lieben Patenkind schenken und vorlesen kann!

http://www.stinktier-paule.de

Marr, Melissa – Gegen das Sommerlicht

_2005 begann Stephenie Meyer_ ihren Siegeszug als Jugendbuchautorin mit Hang zur Blutsaugerei. Bislang hat ihre [Reihe 5508 um Teenager Bella und ihre Vampirliebe Edward vier Bestseller und einen nicht minder erfolgreichen Kinofilm hervorgebracht. Kein Wunder, dass Geschichten mit ähnlichen Inhalten plötzlich aus dem Boden sprießen. Melissa Marr springt in ihrem Debütroman „Gegen das Sommerlicht“ zwar nicht auf den Vampir-Zug auf, aber die Geschichte, die sie erzählt, weist einige Parallelen zu denen ihrer amerikanischen Kollegin auf.

_Ashlyn besitzt ein Geheimnis_, das niemand erfahren darf, wenn es nach ihrer Großmutter geht: Sie kann seit ihrer Geburt Elfen sehen. Wer glaubt, dass es sich dabei um zarte, beflügelte Wesen handelt, der liegt allerdings falsch. Elfen sind menschengroß und es gibt sie in allen möglichen Variationen. Als Tiere, Hexen, Waldwesen oder eben als Menschenähnliche. Sie gehören nicht unbedingt zu den friedlichsten Zeitgenossen: Sie quälen sich nicht nur gegenseitig, sondern erlauben sich auch ihre Späße mit den Leuten, die sie natürlich nicht sehen können.

Ashlyn gibt nicht zu erkennen, dass sie von der Existenz der anderen weiß. Doch eines Tages wird es schwer für sie, dies zu verbergen. In einem Comicladen wird sie von Keenan, dem Sommerkönig der Elfen, angesprochen. Er versucht mit ihr zu flirten, doch Ashlyn kann hinter seinen Menschenzauber sehen. Und sie weiß, dass man Elfen nicht trauen sollte. Tatsächlich hat Keenan nicht ganz uneigennützige Hintergedanken. Das Machtgleichgewicht in seiner Welt ist aus dem Lot geraten, seit Beira, die Winterkönigin, seinen Vater getötet hat. Nun regiert sie selbst und sie ist keine besonders freundliche Monarchin. Die einzige Möglichkeit für Keenan, die Macht an sich zu reißen und damit die Welt vor der Kälte zu retten, ist das Auffinden der Sommerkönigin. Jahrhunderte verbringt er schon damit, nach der Richtigen zu suchen, aber viele haben Angst vor der letzten Prüfung oder bestehen sie nicht.

Doch bei Ashlyn glaubt er, dass sie die Richtige ist. Sie kann nicht nur die Elfen sehen, sondern widersteht auch seinem betörenden Charme. So glaubt er jedenfalls. Ashlyn hingegen klammert sich an ihr letztes bisschen Trotz, um nicht in Keenans Fänge zu geraten. Sie erhält dabei wertvolle Hilfe von Seth, ihrem besten Freund. Oder ist er sogar mehr als nur ein Freund? Eines Tages vertraut sie sich ihm an und gemeinsam versuchen sie, vor Keenan und seinen Plänen zu entfliehen. Doch ein Elf gibt nicht so schnell auf …

_Ähnlich wie bei Meyers Büchern_ fällt es auch bei „Gegen das Sommerlicht“ schwer, es in ein Genre einzuordnen. Die Elemente aus der Fantasy sind allgegenwärtig, aber die Liebesgeschichte, sie sich zwischen den Buchdeckeln findet, könnte auch in einem Kitschroman stehen. Ashlyn und der ewig geduldige Seth sind ein legitimes Pendant zu Bella und Edward. Obwohl jung an Jahren, geht es ihnen weniger um Sex, Drugs und Rock ’n‘ Roll, sondern vielmehr um wahre, romantische Liebe. Das mag man nun authentisch finden oder nicht – Tatsache ist, dass Marr die Geschichte recht schön erzählt, aber nur wenig Neues hinzufügen kann. Teilweise wirkt gerade der Teil der Handlung, der sich um Ashlyn und Seth dreht, ziemlich abgenutzt.

Lob verdient Marr für ihre Darstellung der Elfenwelt. Sie hat einen Kosmos geschaffen, der von einer Vielzahl unterschiedlichster Wesen erfüllt ist und viele Überraschungen bereithält. Manchmal hätte sie beinahe noch mehr ins Detail gehen können, obwohl ihre Darstellungen sehr bildhaft und teilweise humorvoll sind. Der Handlungsstrang, der sich mit Keenans Suche nach seiner Sommerkönigin beschäftigt, überzeugt wesentlich mehr als die Liebesgeschichte. Die Ereignisse sind nicht vorhersehbar, und immer wieder kommt es zu überraschenden Wendungen. Gerade bei der Frage, ob Ashlyn auf Keenan hereinfallen wird oder nicht und ob sie den Elfen helfen wird, kann die Autorin punkten. Sie erschafft eine quälende Ungewissheit, die dazu führt, dass man das Buch nicht mehr zuschlagen kann.

Daran ist ihr Schreibstil allerdings nicht ganz schuldlos. Mit sehr einfachen, aber wirkungsvollen Worten schmückt sie ihre Geschichte aus und zieht den Leser in ihren Bann. Leichtfüßig und sehr nah an ihrer Hauptperson schildert sie nicht nur die Handlung, sondern auch die Gedanken- und Gefühlswelt von Ash. Kursiv gedruckte Überlegungen sorgen dafür, dass man sich gut mit Ashlyn und ihren Sorgen identifizieren kann, auch wenn das Sujet der Geschichte eher ein jüngeres Publikum anspricht. Obwohl nicht aus der Ich-Perspektive erzählt wird, erzeugt die Autorin dabei eine ähnliche Beziehung zwischen Leser und Protagonistin, wie dies auch Meyer in ihren Büchern gelingt.

Die Parallelen sind vielleicht nicht beabsichtigt, aber sie sind da. Eine Liebesgeschichte mit Happy End, eine jugendliche Erzählerin mit Sympathiefaktor und ein Hauch Kitsch sind die Zutaten, die „Gegen das Sommerlicht“ mit den Büchern Stephenie Meyers gemeinsam hat. Was die Geschichte angenehm von den Bestsellern abhebt, ist zum einen die überraschend bunte Welt voller magischer Wesen, zum anderen ist die Geschichte düsterer und wesentlich näher an der heutigen Jugend. Ashlyns Freundinnen sind normale, pubertäre Gören, während Seth alles andere als der perfekte Lover ist. Er wohnt in einem Wohnwagen, zusammen mit einer Boa Constrictor, und ist gepierct und tätowiert. Dieser Hauch von Subkultur ist ungewöhnlich für ein Jugendbuch mit dieser Thematik und hätte gerne mehr ausgearbeitet werden können.

_Wem die „Bis(s)“-Bücher_ dementsprechend zu harmlos sind, der kann sich vielleicht mit Melissa Marr anfreunden. „Gegen das Sommerlicht“ ist zwar kein Überwerk, aber durchaus genießbar und macht Appetit auf mehr. Und wer weiß: Vielleicht wird Marr ja eines Tages nicht mehr Meyer, sondern mit „richtigen“ Dark-Fantasy-Autorinnen verglichen …

|Originaltitel: Wicked Lovely
Aus dem Englischen von Birgit Schmitz
347 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3-551-58168-8|
http://www.carlsen.de
http://www.melissa-marr.com

Wilks, Mike – Mirrorscape – Gefangen im Reich der Bilder

_Eigentlich ist es eine trostlose Welt_, in welcher der junge Melkin Womper lebt. Die Gilden kontrollieren im Land Nem so ziemlich alles, was irgendwie von Wert ist, und so muss der Sohn einer einfachen Weberfamilie in der Provinz sich damit begnügen, sich aus Ruß und Wasser selbst Tusche zu mixen, um seiner Leidenschaft nachgehen zu können: dem Zeichnen. Mel ist äußerst talentiert, und weil das auch sein Mentor Fra Theum erkannt hat, bekommt Mels Familie eines Tages Besuch von einem Boten aus der fernen Hauptstadt, der Mel gerne als Lehrling für die berühmte Künstlerwerkstatt von Ambrosius Blenk anwerben möchte.

Mel kann sein Glück kaum fassen, und ehe er sich versieht, tritt er im Hause Blenk auch schon seine Lehrstelle an. Als jüngster Lehrling und Provinzler hat er es nicht leicht. Er bekommt immer die unangenehmsten Arbeiten zugeschoben und wird von Oberlehrling Groot pausenlos schikaniert. Die einzigen Freunde, die er findet, sind sein Lehrlingskollege Ludo und das Küchenmädchen Wren.

Zu dritt erkunden sie häufig die verborgenen Dienstbotengänge der alten Schule und beobachten dabei eines Tages, wie ihr Meister Ambrosius Blenk in einem Gemälde verschwindet. Offenbar sind die Bilder Portale in eine andere Welt. Ludo, Wren und Mel sind höchst fasziniert und machen sich daran, die Welt hinter den Leinwänden auf eigene Faust zu erkunden. Das entpuppt sich schon bald als gefährliches Unterfangen, denn sie begegnen dort den unheimlichsten Kreaturen.

Auch die Schergen der machtgierigen Gilden scheinen ihre Finger schon bis nach Mirrorscape, die Welt hinter den Bildern, auszustrecken. Als sie eines Tages Ambrosius Blenk entführen, um Mirrorscape in ihre Gewalt zu bringen, liegt es an Mel, Ludo und Wren, ihrem Meister zur Seite zu stehen. Doch alleine sind auch sie machtlos. Sie können nur auf die Hilfe der Rebellen hoffen, die sich tief unter der Stadt vor den Häschern der Gilde versteckt halten. Mel, Ludo und Wren stehen vor dem größten und gefährlichsten Abenteuer ihres Lebens …

_Es ist eine höchst eigenwillige Welt_, die Autor und Illustrator Mike Wilks mit „Mirrorscape – Gefangen im Reich der Bilder“ entworfen hat. Man kann ein Gemälde betreten und die komplexe Welt, die sich hinter der Leinwand verbirgt, erkunden. Was den Protagonisten dort alles begegnet, zeugt von der unbändigen Fantasie des Autors. Die seltsamsten Kreaturen tummeln sich dort und die eigenartigsten Dinge passieren. Es gibt schaurige Ungeheuer, monströse Welten, in denen einem die Zeit Streiche spielt, lebende Häuser und noch vieles mehr.

Mike Wilks hat sich in seinem künstlerischen Schaffen durchaus schon einen Namen als Illustrator surrealer Traumwelten gemacht. Seine Bilder haben es unter anderem schon bis ins |Museum of Modern Art| in New York und ins |Victoria and Albert Museum| in London geschafft.

Diesem Anspruch wird er auch mit seinem bislang ersten Roman gerecht. „Mirrorscape“ ist ein Ort, der vor Fantasie nur so strotzt, und Wilks zeigt dabei, dass er seine fantastischen Ideen eben nicht nur mittels Bildern greifbar machen kann, sondern auch mit Worten. Das ist einerseits ganz schön, denn so bleibt es dem Leser überlassen, sich ein eigenes Bild von „Mirrorscape“ zu machen, andererseits wären Illustrationen sicherlich eine sehr schöne Ergänzung der Geschichte gewesen. So muss sich der Leser mit einigen wenigen Zeichnungen am Anfang des Buches begnügen. Schade eigentlich.

Wilks schafft es aber nicht nur, die Welt hinter den Bildern sehr fantasievoll anzulegen, auch das Land Nem, die reale Welt, braucht sich nicht hinter den Fantasiewelten zu verstecken. Jede Gilde kontrolliert in Nem einen der fünf Sinne. Farbpigmente sind dabei das Kostbarste, was es gibt, und so kontrolliert die fünfte Gilde dieses wertvolle Gut und hat sich damit zur mächtigsten Institution im Land aufgeschwungen. Farben verwenden darf nur, wer sich die entsprechenden Pläsiere leisten kann und dadurch eine Legitimation erwirbt. Und so sind Kunst und bunte Kleider eben ein purer Luxus, von dem Mel in seinem bisherigen Leben in der Provinz nur träumen konnte. Auch die reale Welt von Nem bringt einige skurrile Eigenarten mit sich, wie die von Menschenkraft betriebenen Straßenbahnen und die Sklaven auf der Insel Kig, die vom Abbau der kostbaren Farbpigmente mit der Zeit eine farbige Haut bekommen. Nem ist für den Leser ein ähnlich skurriler Ort wie Mirrorscape.

Klingt also nach den Zutaten eines lesenswerten fantastischen Romans, dennoch muss man der Geschichte eine nicht geringe Schwäche ankreiden. Wilks Fantasie zeichnet den Roman aus, erzählerisch weist er aber so einige Schwachpunkte auf. Dass die Figurenskizzierung eher oberflächlich bleibt, ist sicherlich nicht verwunderlich, da es sich schließlich um ein Jugendbuch handelt. Dass man aber mit der Zeit mit Mel nicht mehr so richtig mitfiebert, weil er einfach zu souverän jedes eigentlich lebensgefährliche Abenteuer in Mirrorscape besteht, ist dann doch ein wirklicher Makel.

Als Mel zusammen mit Ludo durch eine Leinwand tritt, sieht es erst noch ganz vielversprechend aus. Die beiden werden von sonderbaren Kreaturen bedroht – eine Begegnung, die Ludo beinahe das Leben kostet. Mel schafft es nur mit Mühe und Not, seinen Freund zu retten. Doch schon beim nächsten Besuch in Mirrorscape mutiert Mel dann zum Überflieger. Er stellt sich jeder Herausforderung, und nichts kann ihn aufhalten. Kein Bösewicht ist zu mächtig, keine Gefahr zu groß. Das drückt im Laufe des Romans, der sich ab etwa der Hälfte größtenteils in Mirrorscape abspielt, dann doch ziemlich die Spannung.

Sprachlich ist das Ganze recht einfach und kindgerecht gehalten. Für die jüngeren Leser dürften manche Stellen des Buches aber ziemlich harter Tobak sein. Wie schon Wilks Illustrationen, die oft einen beunruhigenden, düsteren Einschlag haben, so ist auch der Roman teils düster und sogar gruselig. Für all zu zartbesaitete Gemüter also vielleicht nicht ganz die passende Lektüre.

_Bleiben unterm Strich_ gemischte Gefühle zurück. Zwar fasziniert Wilks mit seinen fantastischen Ideen und seiner bizarren Welt, dennoch offenbart er aber vor allem mit Blick auf den Spannungsbogen erzählerische Schwächen. Zwar strebt der Spannungsbogen kontinuierlich aufwärts, aber er wird durch die Souveränität, mit der Protagonist Mel von einem brenzligen Abenteuer zum nächsten wandert, ziemlich untergraben. So geht leider einiges an Potenzial verloren, aber wer weiß, vielleicht gelingt es Wilks ja schon mit dem nächsten Band, wieder einiges an Boden gut zu machen – schließlich ist „Mirrorscape“ als Trilogie angelegt.

|Originaltitel: Mirrorscape
446 Seiten, gebunden
Einbandgestaltung von David B. Hauptmann
Mit Vignetten von Mike Wilks
Aus dem Englischen von Bettina Münch
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-7891-5125-5|
http://www.oetinger.de

Philip Reeve – Gwyna – Im Dienste des Zauberers

In Artors Welt: zwischen Illusion und Drama

Als ihr Hof von Artus‘ Kampftruppe geplündert und niedergebrannt wird, rettet sich die junge Gwyna („Maus“) mit einem Sprung in den kalten Fluss. Sie ist eine exzellente Schwimmerin und Taucherin. Artus‘ Barde Myrddin (= Merlin) findet die Halberfrorene am Ufer und nimmt sich ihrer an, denn er weiß sich ihre Tauchfähigkeit zunutze zu machen. Er ist schließlich auch Artus‘ Propagandaminister und will seinen Herrn zum Herrscher über ganz England machen.

In seinem Auftrag schlüpft Gwyna, die er als Junge verkleidet, in verschiedenste Rollen, darunter als Knappe und als Spionin am Hof der Königin. Doch dann wird die Königin Opfer eines Verrats – und Gwyna schwebt als deren Vertraute unvermittelt in Lebensgefahr …

Philip Reeve – Gwyna – Im Dienste des Zauberers weiterlesen

Die drei ??? – Zwillinge der Finsternis (Band 141)

Der Teufel in Rocky Beach?

Die Geschichte beginnt wie schon andere zuvor: Titus Jonas sitzt mit seinem Neffen bei einer Auktion, um neuen Trödel zu ersteigern. Dieses Mal geht es um den Nachlass des reichen Horace Vanderbilt. Und tatsächlich kann Titus einige Schnäppchen machen, auch wenn er sich von dem 150 Dollar teuren silbernen Klopapierhalter fernhält. Neben Stühlen findet sich in seiner Ausbeute eine Kiste mit Büchern, die bei der Auktion verramscht wurde. Als Justus seinem Onkel nach der Auktion dabei hilft, das Zeug in den Lieferwagen zu bringen, muss er zu seinem Leidwesen erkennen, dass der Wagen einen Platten hat und er sich nun nicht nur mit dem schweren Trödel abplagen muss, sondern auch noch mit einem nervigen Reifenwechsel.

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Thompson, Kate – silberne Pferd, Das

_Es waren zwei Königskinder …_

Als der jugendliche Reiter Michael den verlassenen Pfad entlangreitet, trifft er am Flussufer Annie. Annie, die mit den vielen Piercings so viel anders ist als er selbst. Eine Leidenschaft teilen sie: Beide lieben Pferde. Michael erklärt sich bereit, Annie Reitstunden zu geben, und mit der Zeit verlieben sie sich. Doch Annie umgibt ein düsteres Geheimnis, welches sie trotz ihrer Liebe nicht preisgeben kann. Er muss den tückischen Fluss durchqueren, um sie für sich zu gewinnen…

Die Geschichte basiert nach Angaben der Autorin auf dem Volkslied „Annan Water“ aus dem 17. Jahrhundert, das 1890 erstmals in schriftlicher Form veröffentlicht wurde.

_Die Autorin_

Kate Thompson, 1956 geboren, wuchs in England auf, trainierte Rennpferde in USA, studierte Jura in London und machte ausgedehnte Reisen durch Indien, bevor sie sich in Kinvara im irischen County Galway niederließ. Dort entwickelte sie ihre Leidenschaft für das Fiddlespiel. Sie hat eines ihrer Zimmer in eine Werkstatt umgewandelt, in der sie alte Instrumente restauriert.

Sie schreibt Lyrik, Drehbücher, Romane und Kinder- und Jugendbücher, für die sie bereits zweimal den |Irish Children’s Book of the Year Award| gewonnen hat. Ihr Roman [„Zwischen den Zeiten“ 3668 wurde laut Verlag mehrfach ausgezeichnet.

_Handlung_

Der etwa 14 Jahre alte Michael lebt mit seinen Eltern Jean und Frank auf einer Pferdefarm. Ursprünglich stammt die Familie aus Yorkshire, doch nach dem Tod der kleinen Tochter zogen die Eltern ins schottische Dumfries, von wo Jeans Familie stammt. Hier schuftet Michael von frühmorgens bis spätabends für eine Gewinnbeteiligung am Pferdehandel. Die Schule leidet natürlich darunter, aber Michael gelingt es, seine Eltern darüber zu täuschen, wie mies seine Leistungen in Wahrheit sind. Das wird sich bald ändern …

Bei einem Ausritt mit der lebhaften silbergrauen Stute (des deutschen Titels) und einem Wallach auf einem vergessenen Pfad gelangt Michael an einen Fluss, vor dem die Stute zurückschreckt. Angesichts des Wassers geht ihm ein Vers eines Liedes durch den Sinn, das ihm seine Großmutter in Dumfries immer vorgesungen hat: „Annan Water“. Das Wasser verkündet einem jungen Mann, der zu seiner liebsten Annie will, Unglück.

Zwei Erwachsene und ein Teenager-Mädchen begrüßen ihn. Mike wundert sich über die vielen Piercings, die das Mädchen im Gesicht trägt. Sie stellt sich als Annie vor und würde sehr gerne reiten lernen. Sie wohnt am anderen Flussufer mit ihrer Mutter, die an Multipler Sklerose leidet. Ein Nachbar namens Jimmy Souter, den Mikes Mutter noch als Nachbarn kennt, unterstützt die beiden.

Aus den Reitstunden für Annie wird schnell mehr, als sie sich begeistert und mit Schwung an den Arbeiten auf dem Pferdehof beteiligt. Auch Jean und Frank sind von ihr begeistert, weil sie ihnen so viel Arbeit abnimmt. Doch Michael ist von ihr mehr als nur beflügelt: Er verliebt sich unversehens in sie. Doch während er sie küsst, vergisst er seine Pflichten. Seine Mutter Jean stürzt mit ihrem Pferd auf regennassem Boden. Beim Parken am Krankenhaus verursacht er einen Verkehrsunfall, den er seinen Eltern verschweigt.

Obwohl er mit Annies Motivation eine Pferdeschau nach der anderen gewinnt und sie selbst ebenfalls einen Sieg nach Hause holt, ist das dicke Ende doch unausweichlich. Und als Annies Vater aus dem Knast entlassen wird und mit Annie wegziehen will, dreht Michael vor Angst und Frust vollends durch. Darauf hat der tückische Fluss vor Annies Haus nur gewartet …

_Mein Eindruck_

Der Leser fragt sich unwillkürlich, was denn an diesem recht prosaischen Plot bitteschön „phantastisch“ sein soll. Tatsache ist jedoch, dass nirgends auf dem Umschlag das verräterische Etikett „Fantasy“ steht und es sich daher einfach um eine recht poetisch aufgemotzte Romanze handeln darf. Vielleicht sind deswegen allenthalben weiße Blümchen auf dem Umschlag zu finden.

Wer also wie ich von Kate Thompsons phantastischen Romanen wie [„Zwischen den Zeiten“ 3668 begeistert war, dürfte sich relativ enttäuscht sehen. Aufhänger der Story ist besagtes altes Volkslied „Annan Water“, das unsere zwei Königskinder trennt, so dass sie nicht ordentlich zueinander kommen können.

Wer jedoch genauer hinschaut, der entdeckt, dass die beiden Hauptfiguren Michael und Annie aus ihren jeweiliges familiären Gefängnissen ausbrechen wollen und müssen, um ihrer inneren Bestimmung folgen zu können. Michael möchte eigentlich ein Tierarzt sein, doch der Pferdehandel in der Drei-Mann-Familie nimmt ihn derartig in Beschlag, dass er sogar für die Hausaufgaben zu müde ist. In Annie steckt eine verhinderte Künstlerin oder Innenarchitektin. Sie ist jedoch durch Frust und Schuldgefühle in ihrem Unterbewusstsein so sehr gegen sich selbst gerichtet, dass sie sich pierct und ritzt, um sich spüren zu können (Borderline-Persönlichkeitsstörung).

Der dunkle Fluss stellt die Barriere dar, die die beiden sowohl buchstäblich als auch psychologisch und sozial voneinander trennt. Folglich muss einer von beiden irgendeinen Weg finden, die Barriere zu finden und so sie beide zu befreien. Der Haken dabei ist die große Gefahr, die den Versuch der Überquerung mit dem Tode bedroht.

Letzten Endes ist es, wie sich zeigt, eine Frage des Vehikels: Die quecksilbrige Stute („the bonny grey mare“ des Liedes) verweigert den Dienst, doch der brave Wallach trägt Michael gerne in das tosende Wasser, auch um den Preis des eigenen Lebens. Wie das Lied es ausdrückt: Wahre Liebe baut eine Brücke, und Treue ermöglicht das Fundament.

Bange Wochen vergehen, in denen die Familien nichts von dem verschwundenen Liebespaar hören. Haben sie es geschafft, zueinander zu gelangen, oder treiben sie mit dem Fluss dem Meer entgegen? Das soll hier nicht verraten werden. Im Lied geht der Überquerungsversuch unglücklich aus.

|Realismus|

Was mich jedoch besonders für das Buch eingenommen hat, ist nicht die recht konventionelle Liebesromanze, sondern der beeindruckend realistisch geschilderte Alltag eines Pferdehändlerhofes. Hier wird nicht gezüchtet oder aufgezogen, sondern nur gehandelt. Allerdings müssen die Ponys und Pferde zugeritten werden, um einen Mehrwert damit erzielen zu können. Die sichersten und gehorsamsten Tiere erzielen auf Pferdeschauen nicht nur Auszeichnungen, sondern in den nachfolgenden Verhandlungen auch bessere Preise.

Es gibt eine gute Episode, in der die Autorin, vertreten durch Jean und Michael, nichtsnutzige, schlechte Reiter kritisiert. Eine dünkelhafte Mittelklassemami will für ihren ebenso hochnäsigen, aber schweigsamen Sohnemann ein passendes Pony kaufen. Das Pony ist brav und gut ausgebildet, doch der junge Reiter ist viel zu ängstlich und nimmt das Tier viel zu stark an die Kandare, so dass es völlig durcheinander gerät. Die ganze Partie endet schließlich, wie es Michael hat kommen sehen: in einem Sturz. Selbstredend gibt Supermami dem Ponybesitzer die Schuld statt ihrem inkompetenten Sohn. Dass Michael Recht hat, zeigt er später bei einem Schaurennen.

_Unterm Strich_

Solche Szenen kann man sich sehr plastisch wie einen Film vorstellen. Das Buch besteht fast nur aus solchen Szenen und lässt sich daher ohne Mühe verstehen und lesen. Die Schrift ist groß gehalten, die Kapitel sind kurz wie bei James Patterson.

In Irland käme so ein Buch wahrscheinlich nur in einer winzigen Auflage als Liebhaberausgabe auf den Markt, aber die Autorin hat bei uns dank der guten Presse- und Marketing-Arbeit des Verlags ein größeres Publikum.

Dieses Publikum besteht vor allem aus weiblichen Fans, und sie dürften sich für die Romanze auf dem Pferdehof besonders begeistern. Mich selbst hat mehr die realistische Darstellung von Michaels Umwelt überzeugt. Von Annie hingegen erfahren wir nur sehr wenig, weil intensivere psychologische Szenen kaum vorhanden sind, in denen sie das Ritzen und Piercen näher erklären kann.

Für ein Buch, das die realistische und in die Gegenwart verlegte Umsetzung eines alten Volksliedes darstellt, vermag „Das silberne Pferd“ dennoch sehr gut zu unterhalten. Man darf jedoch keine höheren Erwartungen hegen. Weder Krimi- noch Fantasyliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Und der Liedtext ist auch nicht ins Deutsche übertragen worden.

|Originaltitel: Annan Water, 2004
Aus dem Englischen von Kattrin Stier
219 Seiten
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30447-1|
http://www.cbj-verlag.de

Delaney, Joseph – Spook 4 – Der Kampf des Geisterjägers

_Mittlerweile_ liegt zur „Spook“-Reihe von Joseph Delaney schon der vierte Band vor. Mit den ersten drei Teilen hat Delaney die Geschichte um den jungen Geisterjäger-Azubi Tom Ward kontinuierlich in Punkto Spannung steigern können. Stellt sich also die Frage, ob ihm das auch mit dem vorliegenden vierten Band „Der Kampf des Geisterjägers“ so gut gelingt …

_Tom Ward_ ist nun schon seit geraumer Zeit der Lehrling des alternden Geisterjägers Mr. Gregory. Zusammen mit der jungen Hexe Alice, mit der Tom Freundschaft geschlossen hat, lebt er bei dem alten Meister in Chipenden und bereist von dort das Land, wann immer die Dienste des Spooks gebraucht werden.

Mittlerweile hat Tom schon so manchen finsteren Mächten gegenübertreten müssen, doch nun stellt sich ihm und seinem Meister ein neues Problem: die Hexen von Pendle. Viel zu lange hat der alte Spook die Probleme in Pendle ignoriert, doch als er Besuch von Pater Stocks erhält, einem alten Freund und Vertrauten aus der Umgebung des Pendle Hill, wird ihm klar, dass er dem Treiben der dunklen Mächten dort schon viel zu lange tatenlos zugesehen hat.

Während der Spook beschließt, möglichst bald nach Pendle aufzubrechen, ist Tom zusammen mit Alice unterwegs zum Bauernhof von Toms Bruder Jack. Dort stehen noch immer die drei Truhen, die seine Mutter ihm anvertraut hat. Doch als die beiden am Hof ankommen, sind sie entsetzt: Die Truhen sind gestohlen und Toms Bruder mit Frau und Tochter entführt worden. Die Spur führt in Richtung Pendle und so hat der alte Spook nach der Rückkehr von Tom nach Chipenden gleich zwei gute Gründe, das Hexenproblem in Pendle nicht länger aufzuschieben. Sie machen sich unverzüglich auf den Weg.

Kaum sind sie dort angekommen und haben bei Pater Stocks Quartier bezogen, überschlagen sich auch schon die Ereignisse. Alice wird entführt und schon wenig später steckt auch Tom in ernsthaften Schwierigkeiten, als man ihn eines Schwerverbrechens bezichtigt. Währenddessen treffen die drei ursprünglich verfeindeten Hexenclans von Pendle letzte Vorbereitungen, sich zu vereinigen, um in einem gemeinsamen Ritual am Hexensabbat den Teufel heraufzubeschwören. Ob Tom und sein Meister das verhindern können?

_Der vierte Band_ der „Spook“-Reihe macht schon auf den ersten Blick einen etwas anderen Eindruck als die Vorgängerbände. Ungewöhnlich dick ist das Buch, und entsprechend komplex legt Delaney diesmal auch die Geschichte an. In keinem bisherigen „Spook“-Band sind so viele Figuren aufgetaucht und wurden so viel Erzählstränge angelegt wie in diesem Band. Immer wieder verzweigt sich die Handlung, die Wege der Protagonisten trennen sich, um sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder zu kreuzen.

Für Spannung ist dabei auch diesmal wieder reichlich gesorgt. Die Entführung von Toms Familie, die Geschehnisse in Pendle, in deren Folge Tom verhaftet wird, die Rolle der rätselhaften Truhen unbekannten Inhalts – all das sorgt für eine zügige Spannungssteigerung. Delaney versteht sich darauf, den Leser durch eine spannende Erzählweise bei der Stange zu halten. Das gelingt ihm in diesem Band ähnlich gut wie in den vorangegangenen.

Trotzdem hat man ein wenig das Gefühl, dass Delaney diesmal zu viel wollte. Er baut so viele Figuren auf und lässt so viel gleichzeitig passieren, dass ihm dabei die Figurenentwicklung immer mal wieder ein wenig entgleitet. Der alte Spook kommt in diesem Band definitiv zu kurz. Immer wieder verschwindet er von der Bildfläche und taucht dann nur kurz auf, wie zu einer Stippvisite. Dafür, dass Tom ja eigentlich immer noch der Lehrling ist, muss er erstaunlich viel im Alleingang bewältigen.

Wird mit Beginn der Handlung in Pendle noch Mistress Wurmalde, die Haushälterin des Magistrats, als die große Böse aufgebaut, die Erz-Feindin von Toms Mutter aus alten Zeiten, die noch eine offene Rechnung begleichen will und deshalb die Hexenclans von Pendle um sich schart, so geht sie am Ende ziemlich jämmerlich unter. Für die große Übeltäterin des Romans ist das ein wenig zu unspektakulär. Und so fehlt dem Roman immer wieder die Balance. Fast bekommt man das Gefühl, Delaney würde sich mit all den vielen auftauchenden Figuren ein wenig verzetteln.

Zum Ende hin baut Delaney dann noch ein großes Finale auf, pünktlich zum Hexensabbat. Es kommt zur großen Schlacht am Pendel Hill, die gleichzeitig einen entscheidenden Wendepunkt für die gesamte „Spook“-Reihe markiert. Einige Eckpfeiler der Geschichte werden manifestiert, die auch für den weiteren Verlauf der Handlung nicht unbedeutend sein dürften. Toms Rolle in der Geschichte bekommt eine neue Bedeutung, die der wachsame Leser aber schon vorausahnen kann.

Und so wird auf diesen „Spook“-Band sicherlich ein weiterer folgen und Delaney die Reihe munter weiter aufbauen. Wie er allerdings weiterhin die Spannung mit jedem Band hochhalten und Tom mit einem stets neuen und stärkeren Bösewicht konfrontieren will, ist mir im Augenblick noch schleierhaft. Ewig wird sich die Spannungsschraube nicht weiterdrehen lassen. und irgendwann kommt sicherlich der Punkt, an dem auch aus der bis dato so unterhaltsamen „Spook“-Reihe die Luft raus ist. Hoffen wir aber, dass das noch einige Bände dauern wird …

_Bleibt unterm Strich_ zwar ein positiver, aber auch leicht angeschlagener Eindruck zurück. Stellten die ersten drei Bände jeweils eine Steigerung in Spannung, Größe von Toms Gegner und Unterhaltungswert dar, so zeigen sich mit dem vorliegenden vierten Band erstmals einige Schwächen. Plot- und Figurenentwicklung wirken nicht immer gut ausbalanciert und man hat ein wenig das Gefühl, dass Delaney diesmal etwas zu viel des Guten wollte. „Spook“ ist zwar immer noch ein unterhaltsames Lesevergnügen, aber dennoch offenbart der vierte Teil der Reihe Schwächen, die die Vorgängerbände nicht hatten. Bleibt zu hoffen, dass dies nur eine kurze Phase ist, die Delaney mit dem nächsten Band wieder überwinden kann.

|Originaltitel: The Wardstone Chronicles – The Spook’s Battle, 2007
Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen
Illustriert von Patrick Arrasmith
416 Seiten, gebunden in Lederoptik mit Gold- und Reliefprägung
Empfohlen ab 10 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-13399-6|
http://www.cbj-verlag.de

_Die „Spook“-Serie in chronologischer Reihenfolge:_

[„Spook: Der Schüler des Geisterjägers“ 2303
[„Spook: Der Fluch des Geisterjägers“ 3535
[„Spook: Das Geheimnis des Geisterjägers“ 4184
[„Spook: Der Kampf des Geisterjägers“ 5314

Schweikert, Ulrike – Lycana. Die Erben der Nacht 2

Band 1: [„Nosferas. Die Erben der Nacht“ 5084

Neben den Vampiren gibt es noch andere Wiedergänger, die sich vom Blut oder Fleisch der Lebenden ernähren. In fast jeder Mythologie der Welt gibt es jene Legenden, in denen Vampire und Werwesen ihr Unwesen treiben und Letztere besondere bei Vollmond eine Gefahr für Mensch und Tier darstellen.

Warum ist der Wolf dem Menschen so nahe und wieso begegnet man ihm mit solch großem Respekt und einer gewissen Faszination? Erinnern wir uns nur an Romulus und Remus, die beiden mythischen Begründer Roms, die von einer Wölfin aufgezogen wurden, doch es gibt noch unzählige andere Legenden, die Wolf und Mensch zum Kernpunkt der Handlung machen.

Auch Vampire können sich, glaubt man alten Legenden und Mythen, in einen Nebel oder ein Tier ihrer Wahl verwandeln, auch in einem Wolf. Beide Arten, Vampire und Werwölfe, sind sich in den Legenden nicht unbedingt sympathisch, und meistens agieren die Vampire, die ja in menschlicher Gestalt auftreten, sehr abfällig und arrogant, während die Werwölfe auch „Bestien“ genannt werden, vielleicht, weil ihr ganzes Wesen zweifelsfrei mehr einem Raubtier ähnelt als einem Menschen. Doch sind sie über einige ‚Ecken‘ doch verwandt, viele Eigenschaften und Charakterzüge weisen beide Wesen auf. In vielen Filmen und Büchern gib es eine umkämpfte Erbfeindschaft zwischen Vampiren und Werwölfen und blutige Opfer auf beiden Seiten.

Die Vampire stellen sich gerne als Aristokraten dar und sehen die Werwölfe als hemmungslos wilde Bestien, die sinn- und wahllos töten. Nach „Nosferas. Die Erben der Nacht“ von Ulrike Schweikert ist bei |cbt Fantasy| nun der zweite Teil „Lycana. Die Erben der Nacht“ erschienen. Schauplatz dieser Handlung ist diesmal Irland, die grüne Insel voller Legenden, Mythen und dunkler Geheimnisse, aber auch voller Geschichte und Dramatik. Irland besitzt neben seiner rauen und gefahrvollen Küste auch andere faszinierende Orte wie Festungen und Burgen, die seit Jahrhunderten die tragischen und dramatischen Geschichten von Menschen zu erzählen wissen, deren Leben ein immerwährender Freiheitskampf war.

_Inhalt_

Nach dem Jahr in Rom sind die „Erben der Nacht“ an Reife gewachsen. Aber auch ihre Fähigkeiten haben sich weiterentwickelt. Viel wichtiger ist aber, und das war natürlich von den altehrwürdigen Vampiren geplant und erwartet, dass die jungen Erben Freundschaften zwischen den einstmals verfeindeten Clans geschlossen haben. Zarte Bande, die aber hoffentlich von Jahr zu Jahr stärker werden, um den Fortbestand der Vampire auch für die nächsten Jahrhunderte sichern zu können.

Alisa, eine junge Vampiren aus dem Clan der Vamila, die eher modern und immer neugierig ist; Luciano, ein Nosferas aus Rom, klein und gedungen, aber mit einem wachen Verstand; Franz Leopold de Draca aus Wien, ein schöner, attraktiver Vampir, der alle anderen als unter seiner Würde betrachtet, sich aber trotzdem, wenn es hart auf hart geht, loyal verhält; und zu guter Letzt Ivy, eine junge und schöne Vampirin aus Irland vom Clan der Lycaner, die immer einen weißen, geheimnisvollen Wolf zu ihrem Schutz als Begleiter führt. Dieses Quartett, inzwischen befreundet, aber doch vorsichtig und ein wenig empfindlich gegenüber den fremden Clans, reist über das Meer nach Irland.

In diesem Studienjahr soll den Erben beigebracht werden, wie man über die Tierwelt gebietet und sich beispielsweise in einen Wolf, eine Fledermaus oder gar in einen Adler verwandeln kann. Die Lycana beherrschen dies schon perfekt und ihre jungen Schüler tun sich schwer, da es hohe Konzentration erfordert, tierische Formen anzunehmen. Talentiert ist in jedem Fall Franz Leopold, der schon in Rom bewiesen hat, welche herauszuragenden mentalen Fähigkeiten er besitzt.

Doch auch in Irland, der grünen und wilden Insel, herrscht Unruhe. Die alte Fehde zwischen Werwölfen und Vampiren kann jederzeit wieder ausbrechen, der brüchige Frieden, der schon jahrelang mehr oder weniger aufrechterhalten wird, ist instabil. Eine neue Fehde könnte für jede Art die totale Vernichtung bedeuten, das wissen auch der Werwolf Peregrine und die Vampirin Àine, die ineinander verliebt sind und sich heimlich treffen.

Die Druidin Tara versucht das schwächelnde Bündnis zu stärken, doch innerhalb des Werwolfsclans regt sich Widerstand in den eigenen Reihen. Als wenig später ein Werwolf und eine Vampirin ermordet aufgefunden werden, geraten die „Erben der Nacht“ in eine mörderische Eskalation der Ereignisse …

_Kritik_

Wie schon in „Nosferas“ erschafft Ulrike Schweikert eine spannende und mystische Welt, die von Vampiren, Menschen und diesmal Werwölfen belebt wird. Schauplatz ist diesmal Irland, und diese Insel bildet für düsterromantische Vampire und die wilden Werwölfe eine fabelhafte Bühne, auf der sich beide Arten austoben können.

Die Ausbildung der Vampire wurde diesmal etwas wenig beleuchtet, stattdessen lernen sie das Verwandeln gezwungenermaßen zügig in praktischer Anwendung; etwas anderes bleibt ihnen auch nicht übrig, denn die Handlung spielt öfters in der Natur, in dunklen Höhlen und finsteren Ruinen und lässt den Erben nicht viel Deckung.

Ein großes Lob gilt dabei nicht nur der spannenden Erzählung, sondern auch der gut recherchierten Geschichte Irlands, den Sagen, Mythen und Legenden, welche die Autorin immer wieder mit der Handlung verwebt. Auch die magischen Orte, die alten Ruinen, in denen frühere Adelsgeschlechter regierten, sind vortrefflich eingesetzt, so dass man als Leser die Schauplätze fast schon vor Augen hat. Irland vereint die Schönheit und Aristokratie der Vampire ebenso wie die Wildheit der Werwölfe – eine Symbolik, die hier spiegelbildlich wirkt. Irland aber ist nicht nur eine raue Kulisse; es gibt auch romantische Begegnungen zwischen den jugendlichen Vampiren, ebenso Enttäuschungen und Verletzlichkeiten, die die Vampire nur menschlicher erscheinen lassen.

Ulrike Schweikert beschreibt im zweiten Teil der Vampirsaga geschickt die Entwicklung ihrer „Erben“. Mit dem Alter kommt die Weisheit, sagt der Volksmund, und mit Sicherheit steckt darin auch ein Fünkchen Wahrheit, aber noch lernen die jungen Vampire und zahlen ihr Lehrgeld auch in „Lycana“ mit persönlichem Schrecken, der aber für die weitere Handlung maßgeblich wichtig ist. Es gibt Überraschungen und Wendungen, die man so nicht erwartet hat; einige wirkten im Nachhinein betrachtet logisch in die Handlung eingebunden, und wenn man die eine oder andere Szene in „Nosferas“ nachliest, so bildet sich ein anschauliches Gesamtbild, das immer um weitere Puzzleteile vervollständigt wird. Man darf gespannt darauf sein, wie die Geschichte sich weiterentwickelt und was vielleicht noch kommen mag. Gewisse Theorien dazu entwickelt man bei der Lektüre automatisch, was zeigt, wie intensiv der Leser in die Erzählung eingebunden wird.

Auch wenn „Lycana“ im Genre der Fantasy zu finden ist, so gibt es historische Ereignisse und Personen, die mit ihrer ganzen Charakterisierung kleine, aber interessante Nebenschauplätze präsentieren. Oscar Wilde, Anne Devlin und auch Bram Stoker, der „Urvater“ aller Vampire, kommen in dieser Geschichte zu Wort.

„Lycana“ ist actionreicher als sein Vorgänger, und auch die Erben müssen kämpfen, nicht mit spitzen Zähnen, sondern mit Schwert und Degen, natürlich auch mit schlagfertigen Kommentaren. Der Humor kommt dabei nicht zu kurz; besonders dann, wenn sich Alisa und Franz Leopold so richtig ‚gerne haben‘, hagelt es ironische Bemerkungen. Überrascht hat mich in der Charakterentwicklung vor allem Luciano vom Clan der Nosferas, der zuvor eher am Rande auftrat und nun an Selbstbewusstsein und Stärke gewinnt.

Einziger Kritikpunkt in der Charakterdarstellung ist der geheimnisvolle Marionettenspieler im Hintergrund, der immer nur kurz erwähnt wird und kaum aus seiner dunklen Ecke hervortritt; er intrigiert, plant und stört, aber was seine eigentliche Motivation für das Ränkespiel ist, bleibt im Nebel verborgen. Vielleicht wäre es gut gewesen, diesen Strippenzieher allmählich stärker einzubinden, aber vielleicht erfüllt sich meine Hoffnung im dritten Teil, der wohl offensichtlich in der französischen Hauptstadt Paris spielen wird.

_Fazit_

„Lycana“ von Ulrike Schweikert hat mich nicht nur als Jugendroman aus der Sparte Fantasy mehr begeistert als der Erstling „Nosferas“, sondern wirkt auch deutlich routinierter und strukturierter. Die Autorin wirft dabei viele Genres in einen literarischen Eintopf; das Rezept besteht aus Spannung, Historie, Dramatik, Fantasy, etwas Romantik und einer Prise Ironie. Für alle Liebhaber fantastischer Vampirromane ist „Lycana“ ein Leckerbissen, den man nicht nur Jugendlichen empfehlen kann – auch die junggebliebenen Eltern werden von Alisa, Franz Leopold, Luciano und Ivy begeistert sein.

_Die Autorin_

Ulrike Schweikert, Jahrgang 1966, beherrscht sowohl das historische als auch fantastische Genre meisterhaft. Ihre historischen Erwachsenen-Romane sind Bestseller und ihr „Drachenkrone“-Zyklus Fantasy-Pflichtlektüre. Nach ihren beiden großen Jugendbuch-Erfolgen „Das Jahr der Verschwörer“ und „Die Maske der Verräter“ hat die vielseitige Autorin nun ihren ersten fantastischen Roman für Jugendliche verfasst: „Die Erben der Nacht“.

|542 Seiten, kartoniert
empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30479-2|
http://www.cbj-verlag.de

Liebe Besucher meiner Internetseite,

Mehr von Ulrike Schweikert auf |Buchwurm.info|:

[„Nosferas. Die Erben der Nacht“ 5084
[„Der Duft des Blutes“ 4858
[„Die Seele der Nacht“ 1232 (Die Legenden von Phantásien)

Hunter, Erin – In die Wildnis (Warrior Cats 1)

Sammy ist ein kleiner Kater, der irgendwie mit seinem Zuhause nicht so richtig zufrieden ist. Ständig träumt er vom Wald, von der Jagd auf Mäuse, und sein Lieblingsplatz ist der Zaunpfosten am Rande der Menschensiedlung, wo es so verführerisch nach Laub und Beute duftet. So kommt es, dass er eines Tages sein Revier verlässt, trotz der Warnungen seines Freundes Wulle, der glaubt, dass die wilden Katzen im Wald jede andere Katze töten.

Tatsächlich wird Sammy nicht viel später von einer solchen wilden Katze angefallen. Mit überraschenden Folgen …

„In die Wildnis“ ist der Auftakt zu einer mehrteiligen Reihe. Hauptfigur ist Sammy, der orangerote kleine Kater. Er ist neugierig, intelligent und anpassungsfähig. Er besitzt Beobachtungsgabe und vor allem Mitgefühl, und er neigt dazu, auf diese innere Stimme zu hören, selbst wenn er damit mit dem Clangesetz in Konflikt gerät.

Seine besten Freunde sind Graupfote und Rabenpfote. Sie werden gerade zu Kriegern ausgebildet, wobei Rabenpfote sich damit wesentlich schwerer tut als Graupfote. Das liegt nicht unbedingt daran, dass er ungeschickt oder feige wäre. Aber er fürchtet seinen Lehrer Tigerkralle, und das aus gutem Grund.

Tigerkralle ist ein starker, ehrgeiziger Kater, der nach dem Tod des stellvertretenden Clanführers selbst Stellvertreter geworden ist. Er geht ausgesprochen hart mit Rabenpfote um, setzt ihn massiv unter Druck. Außerdem nimmt er es mit der Wahrheit nicht so genau, wie Sammy feststellt. Aber warum lügt er?

Blaustern, die Clanführerin, weiß davon nichts. Sie ist eine sehr besonnene Katze, die ihre Urteile niemals allein aufgrund von Gerüchten oder Verdächtigungen fällt.

Natürlich kommen noch eine ganze Menge anderer Katzen vor, zum Beispiel der gütige Löwenherz, der freundliche Weißpelz, die Heilerin Tüpfelblatt, in die Sammy sich verliebt, und Gelbzahn, die Katze vom verfeindeten SchattenClan. Die meisten von ihnen sind jedoch nur Nebenfiguren, und die Charakterzeichnung ist insgesamt nicht besonders tiefschürfend.

Auch der Plot haut einen nicht gerade vom Hocker. Blaustern macht sich Sorgen um das Überleben ihres Clans, denn im Jahr zuvor gab es zu wenig Futter, und der Clan hat zu wenig Krieger. Trotzdem weigert sie sich, den Forderungen des SchattenClan-Anführers Braunstern nach Jagdrechten in ihrem eigenen Territorium kampflos nachzugeben. Es kommt zum Krieg zwischen den beiden Clans. Dieser Krieg ist allerdings am Ende des Bandes bereits abgehakt; zumindest der offene Krieg gegen den SchattenClan insgesamt.

Den roten Faden des Zyklus scheint eher Tigerkralle zu bilden. Dass dieser Kater ein falscher Fünfziger ist, der unbedingt Clanführer werden will und weder vor Erpressung noch vor Mord oder Verrat zurückschreckt, dürfte allerdings selbst jugendlichen Leser recht bald klar sein. Da fragt man sich, ob es wirklich mehrere Bände dauern kann, bis ihn jemand überführt.

Was mir gut gefallen hat, war die Darstellung der Katzenwelt. Nicht, dass die Idee, vermenschlichte Tiere zu Protagonisten einer Geschichte zu machen, neu wäre. Aber immerhin wurde sie hier stimmungsvoll umgesetzt. Die Autorinnen haben den Clans ein soziales Gefüge, Rituale, ja sogar eine regelrechte Religion gegeben. Das Verhalten der Katzen untereinander wirkt – abgesehen davon, dass Wildkatzen von Natur aus eigentlich Einzelgänger sind – sehr echt und authentisch; offenbar haben die Autorinnen ihre eigenen Katzen genau beobachtet. Das gilt sogar für die Kampfszenen.

Spannung war allerdings trotz der diversen Kämpfe nicht allzu viel zu spüren. Erst gegen Ende, als Sammy sich aufmacht, um Gelbzahn zu folgen, zieht der Spannungsbogen ein wenig an. Der Kampf, in den die Ereignisse schließlich münden, ist aber ebenso rasch vorbei wie alle anderen Kämpfe, der Konflikt löst sich erstaunlich leicht, wenn man von Braunstern einmal absieht. Aber für die Folgebände musste ja schließlich auch noch etwas übrig bleiben.

Insgesamt ist dieser Band eine recht nette Lektüre, wirklich mitreißen oder fesseln kann er den Leser jedoch nicht. Zu linear, zu leicht verläuft die Handlung, zu offensichtlich und gleichzeitig langwierig zieht sich die Offenbarung von Tigerkralles Absichten hin. Das kann auch der stimmungsvolle Hintergrund nicht mehr ausgleichen. Fast möchte man das Lesealter von zwölf auf zehn Jahre absenken. Davon halten allein die vielen Kämpfe ab, bei denen durchaus Blut und Fetzen fliegen und einige Todesfälle zu beklagen sind.

Erin Hunter ist, wie oben bereits angeklungen, ein Team aus mehreren Autorinnen. Victoria Holmes, Cherith Baldry und Cate Cary sind Katzenliebhaberinnen und haben inzwischen drei Staffeln mit je sechs Bänden über die Erlebnisse der Warrior Cats geschrieben. Dabei liefert Victoria Holmes die Ideen, die ihre beiden Kolleginnen dann zu Papier bringen. Auf Deutsch erschienen sind bisher die beiden ersten Bände „In die Wildnis“ und „Feuer und Eis“.

Originaltitel: Warrior Cats. Into the Wild
299 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3-407-81041-0

http://www.warriorcats.com
http://www.beltz.de

Der Autor vergibt: (3.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (10 Stimmen, Durchschnitt: 1,80 von 5)

Joseph Delaney – Der Kampf des Geisterjägers (Spook 4)

Hexenzauber und nächtliche Action

Der 13-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher zum Geisterjäger qualifiziert. Der Spook nimmt ihn in die Lehre und zeigt ihm, was Tom über Hexen, Boggarts und Poltergeister wissen muss. Mehrere schwere Kämpfe muss Tom bestehen. Zum Glück kann sich Tom auf die Hilfe von Alice stützen. Dummerweise ist sie ebenfalls eine Hexe …

Toms Bruder Jack und dessen Familie sind von den Hexen aus Pendle verschleppt worden, mitsamt den Truhen von Toms magiebegabter Mutter, die sein Erbe sind. Während Alice sich auf die Spur der Hexen setzt, bereitet Tom mit seinem Lehrmeister Gregory und dem Priester Stocks den Angriff auf die Hexenstadt vor – nicht nur um Jacks Familie zu befreien und Alice zu helfen, sondern um dem Unwesen der drei Hexenklans von Pendle ein für alle Mal ein Ende zu bereiten. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod.
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Sonnleitner, Marco – Die drei ??? – Gefährliches Quiz

_Wer knackt die Nuss?_

Justus ist krank – ist sich zumindest Mathilda Jonas sicher, denn Justus reagiert nicht auf ihre Rufe zum Essen, obwohl er sonst schon auf der Matte steht, wenn das Essen noch nicht einmal fertig ist. Doch sie kann natürlich nicht ahnen, dass Justus sehnlichst auf Post wartet, die dann schließlich an diesem Tag auch eintrifft. Denn Justus hat ein kompliziertes Kreuzworträtsel gelöst und hofft nun, als Kandidat bei „Wer knackt die Nuss?“ auftreten zu können – einer Quizshow, bei der es eine Menge Geld zu gewinnen gibt. Und tatsächlich: Obwohl mehrere Leute das schwere Rätsel gelöst haben, wurde Justus ausgewählt.

Zur Feier des Tages lässt Justus sich gemeinsam mit seinen Begleitern Bob und Peter von Morton in der Limousine in das Studio von KTV fahren, wo die Sendung abgedreht wird. Dort herrscht bereits Hektik, und Justus wird zunächst in die Maske geschickt. Später erscheint dann auch der Moderator Nick Nobel, doch dieser verhält sich ausgesprochen merkwürdig und möchte Justus unbedingt persönlich erklären, wie die Sendung ablaufen soll. Dafür sucht er händeringend ein stilles Örtchen, wo er dann zusammenbricht und Justus erklärt, dass die Sendung an diesem Tag anders ablaufen wird als üblich, denn seine Tochter wurde entführt, und nun verlangt man von ihm, neue Fragen zuzulassen, die sein Kandidat, also Justus, unbedingt lösen müsse, damit seine Tochter am Leben bliebe! Justus ist entsetzt und schrecklich aufgeregt.

Als die Sendung beginnt, bekommt Justus daher kaum ein Wort raus, selbst zu schlauen Reden ist er nicht mehr aufgelegt (und das will etwas heißen!), denn das Leben von Nobels Tochter liegt in seinen Händen. Die ersten Rätsel sind glücklicherweise einfach, und Justus kann sie schnell lösen, nur an dem letzten beißt er sich die Zähne aus. Schließlich muss er raten, womit er natürlich alles andere als zufrieden ist.

Nur leider bleibt die erlösende Nachricht aus – die Entführer konnten mit den Antworten nichts anfangen und verlangen nun, dass Nobel das Rätsel innerhalb von 24 Stunden selbst lösen müsse. Aber hier kommen natürlich die drei Fragezeichen ins Spiel, die sofort ihre Hilfe anbieten. Mit kurzer Internetrecherche kommt Bob auch sogleich auf eine heiße Spur, denn offensichtlich sind die Entführer hinter einem Schatz her, den ein sagenumwobener Pirat, der seinen Opfern gerne schwierige Rätsel aufgetragen hat, irgendwo versteckt hat. Nur wo …?

_Schnitzeljagd_

Der vorliegende Fall nimmt auf dem Schrottplatz der Familie Jonas seinen Lauf. Mathilda ist ganz die besorgte Tante, die sich ja eigentlich auch freuen könnte, dass ihr Ziehsohn eventuell eine Diät machen möchte, doch nein, sie hat sofort erkannt: Hier stimmt etwas nicht. Und irgendwo hat sie ja auch Recht. Doch die Neuigkeit ist eigentlich eine erfreuliche, denn Justus bekommt die Möglichkeit, sehr viel Geld zu gewinnen.

Nur läuft dann praktisch alles schief. Beim Fernsehsender ist nichts so, wie Justus es sich vorgestellt hatte, doch glücklicherweise kann er die ersten Rätsel zu seiner Zufriedenheit lösen, nur am letzten beißt er sich die Zähne aus. So wundert es nicht, dass die Entführer mit seinen Antworten nicht zufrieden sind und Nobels Tochter weiter gefangen halten. Aber immerhin haben die drei Fragezeichen nach der Sendung einen neuen Fall – und hier haben schließlich auch Bob und Peter ihre Auftritte. Das dritte Rätsel nämlich kann Justus nicht lösen und beantwortet es in der Sendung gar falsch. Bob dagegen tippt kurz einige Suchbegriffe in eine Internetsuchmaschine ein und findet gleich den entscheidenden Hinweis: Der berüchtigte Pirat Jack the Riddler hat all diese Rätsel gestellt und wer sie richtig zu lösen weiß, findet seinen Schatz! Und genau den möchten die Entführer offensichtlich in ihre schmierigen Hände kriegen. Justus ist natürlich gleich verschnupft, dass er einen ganzen Morgen am Rechner verbracht hat, ohne auf die richtige Spur zu kommen, während es für Bob offensichtlich ein Leichtes war, das letzte Rätsel korrekt zu lösen. Im späteren Verlauf der Geschichte kommt sogar Peter zum Zuge, er ist es nämlich, der den entscheidenden Hinweis auf die Stelle geben kann, an der der Schatz vergraben liegt. Auf einer Fahrradtour nämlich hat er eine Halbinsel kennen gelernt, die ganz bestimmt des Rätsels Lösung ist. Nur Bob steht in dieser Szene dumm da, als er sich outen muss, weil er Rumpelstilzchen nicht kennt – das fand ich dann doch arg übertrieben, denn so dumm ist Bob nun wirklich nicht.

Nachdem die drei Fragezeichen das Rätsel um die Halbinsel gelöst haben, begeben sie sich in Begleitung Nick Nobels auf Schatzsuche im tiefsten Nebel. Sie können nur wenige Meter weit schauen, aber hören können sie dafür umso besser, und zwar merkwürdige Geräusche, als wären sie nicht allein. Und tatsächlich taucht dann auch der Geist Jack the Riddlers auf, der Nick Nobel nichts Gutes will! Die Szene im Nebel ist wirklich spannend geraten, zumal auf der Flucht vor dem Geist dann auch der Wagen der drei Fragezeichen nicht anspringen will.

Spannung und Rätsel gibt es in diesem Buch genug! Prima fand ich auch, dass tatsächlich einmal alle drei Detektive zur Lösung des Rätsels beitragen konnten, das passiert leider selten genug! Nur am Ende hat natürlich Justus wieder seinen großen Auftritt, aber das trübt den Gesamteindruck nur wenig. Das einzige, das mich nicht vollkommen überzeugen konnte, war wieder einmal die Auflösung. Wer hinter der Entführung steckt, entdecken Justus, Peter und Bob fast schon zu spät, doch der Leser hat bereits lange zuvor eine ganz genaue Ahnung, was hier Sache ist, und man liegt mit diesem Verdacht dann schließlich auch richtig. Aber immerhin war die Auflösung nicht dermaßen hanebüchen, dass man im Leben nicht drauf gekommen wäre. Etwas komisch war natürlich die Tatsache, dass jemand zufällig eine Schatzkarte aufspürt und dann auf die merkwürdige Idee kommt, einen Quizshowkandidaten die Rätsel lösen zu lassen – vor laufender Kamera. Das hätte natürlich auch schief gehen können, zumal die Hinweise so kryptisch waren, dass man selbst mit den vier gelösten Rätseln noch längst nicht den Schatz gefunden hat. Insgesamt aber immerhin noch eine überdurchschnittlich gute Folge!

_Des Rätsels Lösung!_

„Gefährliches Quiz“ gefiel mir ausgesprochen gut. Der Fall ist spannend, außerdem haben die drei Detektive so manches Rätsel zu knacken, diese Art Schnitzeljagd gefiel mir ausgesprochen gut, auch wenn ich nicht an Piraten und Geister glaube, aber immerhin. Der Rest war doch halbwegs realistisch und mir gefiel auch die Charakterzeichnung gut. Jeder der drei Detektive konnte hier seine Stärken und Schwächen unter Beweis stellen, die Mischung war hier recht ausgewogen. Mit kleinen Abstrichen dennoch sehr empfehlenswert!

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Schweikert, Ulrike – Nosferas. Die Erben der Nacht 1

Die Geschöpfe der Nacht erleben derzeit im Bereich der romantischen Urban Fantasy eine wahre literarische Auferstehung. Bram Stoker schuf mit seinem Fürst der Finsternis, „Dracula“, den Urvater des heute in Buch- und Filmform verbreiteten vampirischen Charakters.

Viele Eigenschaften und für Vampire ‚typische‘ Charaktermerkmale übernimmt der Autor moderner Phantastik gerne, und es gibt kaum neue Ideen oder Interpretationen dieses Themas. Obwohl die Aura des Bösen die „Erben der Nacht“ immer begleitet, sind wir sterblichen Menschen immer wieder aufs Neue fasziniert von der geheimnisvollen, mystischen Welt, in der diese Schattengestalten untot wandeln. Ihre Welt ist die Dunkelheit, die auch ihre Verbündete ist, sie fürchten das Licht als Sinnbild für das Reine und Gute in der Welt.

Interessant wird es erst dann, wenn die Grenzen zwischen Gut und Böse fließend werden, wenn man den Protagonisten so viel Zeit und Raum lässt, um sich zwischen diesen Welten zu bewegen. Wie interpretiert man, ob eine Handlung gut oder böse ist, aus welcher Perspektive und vor allem welcher Motivation entsprechend ver- und beurteilt man das mutmaßliche Monster? Die meisten Vampire sind im Kern grenzenlos böse und nur auf das Blut unschuldiger Menschen aus, so die allgemeine Ansicht. Gefühle und Hoffnungen, Gemütszustände – außer einem bestialischen Hunger natürlich – und die Suche nach Liebe und Geborgenheit sind ihnen fremd. Sie sind, was sie sind – unmenschlich.

Ulrike Schweikert hat mit ihrem Jugendroman „Nosferas. Die Erben der Nacht“ eine Welt erschaffen, in der Vampire nicht mehr oder minder böse sind als wir Menschen:

_Inhalt_

1877. Seit Jahrhunderten liegen die Vampirfamilien in einem stetigen Streit miteinander. Aus ganz Europa kommen die mächtigen und alten Oberhäupter zusammen, um miteinander den Ernst der dramatischen Lage zu besprechen. Da die wahren Vampire einem Alterungsprozess unterliegen und auch Nachkommen zeugen können, liegt genau im letzteren Umstand das besondere Problem. Es ist neun Jahre her, seit das letzte Kind geboren wurde und langsam aber stetig nimmt die Zahl der Greise zu. Die Clans waren verfeindet, es wurden Kriege gegeneinander geführt, und auch jetzt noch fühlt sich jeder Clan den anderen überlegen und verkehrt deswegen nicht mit clanfremden Angehörigen.

Eine alte menschliche Druidin, die diese Versammlung einberufen hat, konfrontiert die Oberhäupter mit der Gefahr auszusterben, wenn sie nicht gewillt sind zusammenzuarbeiten und dadurch zu überleben. So wird der Entschluss gefasst, dass die heranwachsenden Kinder zusammen ausgebildet werden. Endlich sollen die Clans die Größe und die Macht vergangener Zeiten zurückerlangen.

Die Altehrwürdigen schicken die jungen Vampire nach Rom. In der Ewigen Stadt beim Clan der Nosferas soll der Nachwuchs unterwiesen werden, z. B. in der Immunisierung gegen Reliquien und Zeichen der Kirche. Doch auch alte, längst schon überholte Vorurteile sollen abgebaut werden, Wissen soll vermittelt werden, an dem jeder Clan profitieren kann. Jeder Clan wird die jugendlichen Vampire seine ganz speziellen Fähigkeiten beibringen.

In Rom angekommen, merken die jungen Vampire recht schnell, dass sie unterschiedlicher nicht sein können. Alisa vom Clan der Vamila aus Hamburg ist recht modern und offen, sie interessiert sich für Bücher, für die Wissenschaft und schaut interessiert und zugleich neidisch auf die Welt der Lebenden. Ivy vom Clan der Lycaner, die als Beschützer den weißen Wolf „Seymour“ an ihrer Seite hat, ist merkwürdig introvertiert. Und der junge Vampir Franz Leopold aus der Familie der Dracas aus Österreich, ein Schönling, könnte arroganter nicht sein.

Aber nicht nur Rivalitäten untereinander machen dieser kleinen Schulklasse das Leben schwer. In den Ruinen rund um die Domus Auria, den Sitz der Nosferas, treibt ein Vampirjäger sein Unwesen und vernichtet mit Hilfe eines Lockvogels mehrere der Untoten.

Papst Pius IX., dass Oberhaupt der katholischen Kirche, schlägt sich derweil mit innerpolitischen Problemen herum. Der Vatikan befindet sich derzeit in einer geschwächten Situation und wird außenpolitisch nicht als souveräner Staat anerkannt; auch das Papsttum selbst macht eine Krise in der Anerkennung der Völker durch. Pius IX. fühlt sich in seinem kleinen vatikanischen Palast inmitten Roms wie ein Gefangener, und ein ehrgeiziger Kardinal, der um das Geheimnis der Vampire weiß, nutzt diese Situation aus, um die Kirche wieder in eine weltpolitischen bedeutsame Position zu bringen.

Als unterdessen auch die anderen Clans von dem Vampirjäger erfahren und die Bedrohung auch die jungen Vampire erreicht, müssen diese zusammenarbeiten, um die Gefahr auszuschalten …

_Kritik_

„Nosferas. Die Erben der Nacht“ ist ein spannender Jugendroman, der wie so viele seiner Genrekollegen eine magische Komponente bereithält. Diesmal sind es keine Zauberer oder Hexen, auch kein Internat von Schülern, nein – diesmal spielen junge Vampire die Hauptrolle. Das Gerüst des Plots ist damit bekannt, aber Ulrike Schweikert hat in der Umsetzung dieser Grundidee erfreulicherweise ihre kreative Individualität beibehalten.

Der Schauplatz der Geschichte, die ewige Stadt Rom, ist vortrefflich ausgesucht für das Debüt der jungen Vampire. Vor 130 Jahren war Rom zwar bereits eine moderne Metropole, jedoch strömen die historischen Stätten wie das Forum Romanum, das Kolosseum oder die Engelsburg seit jeher eine mystische und geheimnisvolle, zeitlose Aura aus. Wer Rom und die alten Ruinen und Plätze bei Nacht durchstreift hat, weiß um die besondere Stimmung, in der man förmlich Geschichte und vergossenes Blut erspüren kann, in jedem Stein, in jeder Säule.

„Nosferas. Die Erben der Nacht“ ist zwar im phantastischen Genre anzusiedeln, macht aber durch seine Genre-Vermischung und das Zusammenspiel verschiedener historischer Persönlichkeiten viel an Authentizität wett. Nicht nur die Spannung der erzählten Handlung wirkt auf dem Leser begeisternd, sondern auch die Geschichte Roms birgt viel Interessantes und Wissenswertes. Insgesamt hat die Autorin intensiv recherchieren müssen, um ihre Erzählwelt derartig fundiert präsentieren zu können, und auch dieser Punkt ist für einen Roman, der historische Fakten aufgreift und dessen Handlung sich in der Historie abspielt, unabdingbar.

Die Protagonisten, wie untot sie auch sein mögen, sind erfrischend lebendig und menschlich beschrieben. Weder sind sie klischeehaft grausam noch besonders schön von Gestalt, auch sind sie keine verzweifelten, melancholischen Schatten ihrer selbst. Nein, die Fürsten der Finsternis sind mit allen menschlichen Eigenarten gesegnet und geschlagen. Gerade die jungen Vampire ergänzen sich innerhalb der Gruppe gleichmäßig und wirken sehr sympathisch und – menschlich.

Auch wenn sich Ulrike Schweikert die hier zu erwartenden und typischen erzählerischen Elemente bedient, so weiß sie doch durch den Spannungsaufbau zu überzeugen. Ihr sprachlicher Stil ist dem Thema und dem Genre eines Jugendromans angemessen, und nicht zuletzt durch die verschiedenen Schauplätze, die in späteren Bänden noch auftauchen werden, ist für Abwechslung und dauerhaftes Leserinteresse gesorgt.

Etwas ungewöhnlich, aber deswegen nicht weniger unterhaltsam, sind die Geschichten der Vampire und ihre typischen, besonderen Kräfte. Dass Vampire bei Schweikert altern, auch wenn der Alterungsprozess sich verlangsamt, ist durchaus unüblich; ebenso, dass infizierte Vampire, die früher Menschen waren, als zweitklassige Vampire ihr Leben als Sklave oder Diener ihrer aristokratischen Herren ableisten. Daran wird sich jedoch im Verlauf der nächsten Bände etwas verändern, wie es scheint.

_Fazit_

Ulrike Schweikert erschafft mit „Nosferas. Die Erben der Nacht“ eine ganz eigene Welt mit Vampiren, die in den nächsten Romanen zeigen werden, aus welchen Holz sie letztlich geschnitzt sind.

Konzipiert sind die Charaktere zunächst recht einfach, aber mit dem Alter und ihrer Ausbildung kommt auch die Reifeprüfung ihrer Persönlichkeit. Der Schwerpunkt der Handlung ist auch noch lange nicht erreicht; zwar endet der Roman recht schlüssig, doch gleich einem Marionettenspieler zieht ein großer Unbekannter die Fäden. Welche Motivation ihn antreibt, ob er nun Mensch oder Vampir ist oder welcher Sinn hinter seinen Aktivitäten steckt, wird dem Leser noch nicht klar.

Da die jungen Vampire ihre Elternhäuser in vielen Metropolen Europas haben, kann der Leser mit Spannung darauf warten, was in Irland, Österreich oder Deutschland gelehrt werden wird, und auch hier besteht die Hoffnung, dass die Autorin ebenso viel Wert auf Authentizität legt, wie sie es hier und auch in ihren bisherigen historischen Romanen bewiesen hat. Es gibt viele Geheimnisse, die in dem ersten Band angedeutet werden; sicherlich ein bewusstes Mittel, um den Leser in den zweiten Band zu locken, aber dieser Kniff ist gekonnt ausgeführt und gern willkommen.

_Die Autorin_

Ulrike Schweikert, Jahrgang 1966, beherrscht sowohl das historische als auch fantastische Genre meisterhaft. Ihre historischen Erwachsenen-Romane sind Bestseller und ihr „Drachenkrone“-Zyklus Fantasy-Pflichtlektüre. Nach ihren beiden großen Jugendbuch-Erfolgen „Das Jahr der Verschwörer“ und „Die Maske der Verräter“ hat die vielseitige Autorin nun ihren ersten fantastischen Roman für Jugendliche verfasst: „Die Erben der Nacht“.

|446 Seiten
empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-30478-5|
http://www.cbj-verlag.de

Liebe Besucher meiner Internetseite,

Mehr von Ulrike Schweikert auf |Buchwurm.info|:

[„Der Duft des Blutes“ 4858
[„Die Seele der Nacht“ 1232 (Die Legenden von Phantásien)

Dean Lorey – Das Portal des Barakkas (Monsterjäger-Akademie 1)

Dämonen durchstreifen die Finsterwelt: kleine Gremlins im ersten Kreis, Drachen im vierten Kreis und die Dämonenfürsten im inneren Kreis. Portaler bewachen diese Welt und schützen die Menschen davor, wenn einer von ihnen durch ein Portal hinüberschlüpfen will. Dumm nur, wenn ein kleiner Junge unwissentlich Tore in diese Welt öffnet – keine Tore in die äußeren Kreise, sondern gleich direkt ins Innere, wo Riesenspinnen und ausgewachsene Dämonen die Einladung in die Menschenwelt dankenswert annehmen.

Inhalt

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Bruce Coville – Mr Morleys Monster

Ein altes Gemäuer, ein gute bewahrtes Geheimnis und zwei neugierige Kinder auf der Suche nach Abenteuern: Aus diesem Stoff bastelt Bruce Coville eine Gruselgeschichte für Kinder. Der Name ist Programm: „Mr Morleys Monster“ warten darauf, endlich losgelassen zu werden.

Inhalt

Fox Hill, eine Kleinstadt irgendwo in Nebraska, wie es sie in ganz Amerika gibt. Viel Interessantes passiert nicht, und wenn doch, dann ist die ganze Stadt in Aufruhr. So auch beim Tod von Mr Morley, den alle nur Mumie Morley nennen. Weniger bedeutsam ist dabei Mr Morleys Tod, viel eher ist es sein Haus, das er hinterlässt. Denn mit seinen hohen Türmen, der maroden Fassade und den unheimlichen Geschichten, die jedes Kind in Fox Hill kennt, steht es im Zentrum des Interesses.

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Chris Mould – Geist von Sleepy Hollow, Der

Gruseln können sich schon die Kleinsten. Davon zumindest ist der Autor und Illustrator Chris Mould überzeugt, der in dem Band „Der Geist von Sleepy Hollow“ zehn Schauergeschichten zusammengestellt, zum Teil selbst geschrieben und mit passenden Zeichnungen kindgerecht aufbereitet hat.

Der großformatige Band, erschienen in der Jugendbuchsparte des |Ravensburger Buchverlags|, richtet sich explizit an junge Leser. Die zehn enthaltenen Geschichten sind kurz, selten mehr als ein paar Seiten lang und in großer, gut lesbarer Schrift abgedruckt. Eingerahmt werden sie von zumeist bunten Bildern, welche die Geschichte miterzählen. Da ist von dem kopflosen Reiter aus Sleepy Hollow die Rede, von Ritterrüstungen, die des Nachts zu Leben erwachen, oder von morbiden Geisterfahrern, die die Straße unsicher machen – im wahrsten Sinne des Wortes. Blutig geht es nicht zu Sache, unheimlich sind die Kurzgeschichten aber schon. Auch die Abbildungen sind harmlos, zeigen aber überwiegend finstere Gesellen und dunkle Gemäuer, nichts also für die ganz schwach Besaiteten.

Wer sich auf angenehme Weise einen Schauder über den Rücken laufen lassen möchte, dürfte mit dem Buch gut beraten sein, vor allem in den anbrechenden kalten Herbsttagen: Ein gemütlicher Leseabend vor dem Kamin statt Dauerberieselung vor dem Fernseher. Wer nicht selbst lesen möchte, findet vielleicht auch einen geeigneten Vorleser (da müssen wohl wieder die Eltern oder Großeltern ran), denn die Erzählungen sind einfach gestrickt, leicht verständlich und kommen am Ende mit einer vorhersehbaren, für junge Leser aber vielleicht doch überraschenden Wendung daher. Gut erzählt, sind den Kurzgeschichten auf diese Woche noch einige weitere Facetten abzugewinnen.

Die Hälfte der Geschichten stammt direkt aus der Feder von Chris Mould. Er versteht es, die Ängste der Kinder in prägnanter, durchweg liebevoller Art umzusetzen. In der „Gutenachtgeschichte“ sind es die nächtlichen Geräusche, welche die Zeit kurz vor dem Einschlafen so unheimlich machen. Sie könnten das Werk eines Mister Mitternacht sein, der sich im Dunkeln auf das Bett setzt und nur darauf wartet, dass der Träumende die Augen aufmacht, um seine grässliche Fratze zu erblicken. Nicht weniger angenehm erscheint der Autoraser, der Nacht für Nacht lebensmüde über die Straße düst. Wehe dem, der sich als Anhalter von ihm mitnehmen lässt, wie es Mould in „Der Fremde“ erzählt. Denn in dem Wagen geht es nicht mit rechten Dingen zu.

Die andere Hälfte der enthaltenen Geschichten basiert auf Erzählungen, unter anderem von Edgar Allan Poe, Washington Irving und Charles Dickens. Entnommen hat Mould aber nur wenige Motive, die er für Nacherzählungen umsetzt und neben seine eigenen Geschichten stellt. Sie dienen eher dazu, auf die großen Namen zu verweisen als wirklich den Charme der Klassiker zu erhalten. Als Kurzgeschichten reichen sie aber allemal.

An Leser ab zehn Jahren richtet sich der Sammelband „Der Geist von Sleepy Hollow“. Der Band ist hübsch aufgemacht, wenngleich mit 96 Seiten schnell durchgelesen. Für ein paar schaurig-schöne Herbstabende am Kamin – selbst gelesen oder vorgelesen – aber genau das Richtige. Nebenwirkungen beim Einschlafen sind allerdings nicht ausgeschlossen, denn Mister Mitternacht oder die lebenden Ritterrüstungen könnten ja gerade an diesem Abend neben dem Bett stehen.

|Originaltitel: Dust ’n‘ Bones
96 Seiten, farbig illustriert|
http://www.ravensburger.de

Jones, Frewin – Elfennacht. Die verlorene Königin (Band 2)

Band 1: „Die siebte Tochter“

Wenn man der Buchwelt Glauben schenken darf, gibt es in London unzählige Fantasy-Parallelwelten, allen voran natürlich die Zauberwelt von Harry Potter. Frewin Jones‘ Buch „Elfennacht. Die verlorene Königin“ beinhaltet zwar auch Magie, ist aber mit den Bestsellern von Joanne K. Rowling nicht zu vergleichen. Erstens ist die entsprechende Parallelwelt das Elfenreich und zweitens gehört zu einem Bestseller ein bisschen mehr als das, was die Autorin im zweiten Band ihrer Reihe „Elfennacht“ bietet.

Die sechzehnjährige Anita Palmer hat an ihrem Geburtstag etwas schier Unglaubliches erfahren. Ihr eigentlicher Name ist Tania und sie ist die Tochter des Elfenkönigs Oberon. Lange Zeit galt sie als verschollen, weil sie auf der Erde nie alt genug wurde, um ihre magische Gabe – das Wandeln zwischen den Welten – zu entwickeln und so ins Elfenreich zurückzukehren. Im ersten Band der Reihe hat Tania genau dies gemacht: Sie ist gemeinsam mit ihrem Freund Evan, der in Wirklichkeit ein Elf namens Edric ist, ins Elfenreich zurückgekehrt.

Im zweiten Band „Die verlorene Königin“ hat Tania es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Elfenmutter Titania zu suchen. Diese ist vor vielen Jahrhunderten in die Menschenwelt gereist und nicht mehr zurückgekehrt. Ihre Suche wird dadurch erschwert, dass ihre besorgten Menscheneltern ihr den Umgang mit Evan alias Edric verbieten. In ihren Augen ist der Junge schuld daran, dass Tania im ersten Band weggelaufen ist. Trotzdem finden die beiden eine Spur, die sie zu einer Anwaltskanzlei nach Richmond führt. Titania befindet sich allerdings momentan auf Geschäftsreise in Peking.

Doch nicht nur das behindert die Mission von Tania und Edric. Eines Abends platzen Tanias fünf Elfenschwestern in ihr Zimmer und bringen schlechte Nachrichten. Ihre sechste Schwester Rathina, eine bösartige Verräterin, hat den König von Lyonesse aus dem Gefängnis befreit. Dessen Ziel ist es, sowohl die Welt der Elfen als auch die der Menschen zu beherrschen, und dazu ist ihm jedes Mittel recht. Er schickt seine grauen Ritter nach London, um Tania und ihre Schwestern zu töten. Wird es den Elfen gelingen, den Feind zu besiegen?

Im direkten Vergleich mit Harry Potter zieht das Buch von Frewin Jones eindeutig den Kürzeren. Das liegt vor allem daran, dass es der Geschichte an Atmosphäre mangelt. Sowohl die Handlung als auch die Personen wirken oberflächlich und beliebig. Es mangelt an Tiefe und Originalität. Elfen sind beileibe nicht selten in der Fantasyliteratur, und Jones kann ihnen nur wenig Neues hinzufügen. Ihr Roman wirkt bei der Einfachheit der Handlung wie der hundertste Aufguss der „Das Gute gegen das Böse“-Geschichte. Einzig Tanias Reinkarnationen auf der Erde wirken frisch, alles andere scheint bereits dagewesen zu sein, einschließlich des Elfenreichs. Die Handlung schreitet zwar flott voran, aber es entsteht kaum Spannung. Die Erlebnisse der Elfenschwestern reißen den Leser trotz ein paar netter Ideen nicht vom Hocker, da hier erneut der Mangel an Originalität hineinspielt.

Die Charaktere sind ebenfalls sehr oberflächlich. Sie offenbaren durchschnittliches Jugendbuchniveau und es fehlt schwer, sie auseinanderzuhalten. Abgesehen von einer sehr deutlichen Schwarz-Weiß-Zeichnung sind es die Nebenfiguren, denen es gelingt herauszustechen. Tanias freche Freundin Jade und ihr Widersacher, der boshafte Lord Drake, bleiben dem Leser wesentlich besser im Gedächtnis als die Schwestern, Edric oder gar Tania selbst.

Die Geschichte wird aus Tanias Perspektive in der dritten Person erzählt, aber die geschilderten Gefühle und Gedanken ermöglichen keine Identifikation mit dem jungen Mädchen. Dafür ist das Buch zu unpersönlich geschrieben, was seine Ursache sicherlich auch in dem durchschnittlichen Schreibstil hat. Dieser lässt sich zwar flüssig lesen, ist aber nicht besonders individuell und hinterlässt keinen bleibenden Eindruck.

Schlussendlich ist „Elfennacht. Die verlorene Königin“ ein Fantasybuch, das sich vornehmlich an junge Mädchen richtet und keinen generationsübergreifenden Effekt wie Harry Potter hat. Die Geschichte von Frewin Jones kann leider weder mit ihrer Handlung noch mit den Personen hervorstechen. Alles wirkt sehr beliebig und es fällt schwer, so etwas wie Originalität auszumachen.

|Originaltitel: The Lost Queen
Aus dem Englischen von Janka Panskus
349 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3-473-35289-0|
http://www.ravensburger.de

Wallner, Michael – Zeit des Skorpions, Die

Unser Lebensraum auf dem blauen Planeten ist, wie sich zunehmend zeigt, recht begrenzt, und es zeichnet sich ab, dass auch unsere Erde keineswegs unerschöpfliche natürliche Stoffe und Ressourcen für uns bereithält. Das Erdöl wird von Jahrzehnt zu Jahrzehnt weniger; auch wenn man das eine oder andere Reservoir noch findet, so wird es in nicht einmal hundert Jahren zum letzten Mal gefördert werden.

Es gibt noch brisanteren vom Menschen betriebenen Raubbau. Die Regenwälder in Südamerika werden – ganz gleich, welche Mahnungen von Wissenschaftlern aus aller Welt uns deshalb auch erreichen mögen – weiter abgeholzt. Der Lebensraum für hunderte von Tierarten wird eingeschränkt und vernichtet. Dass die globale Erderwärmung von Jahr zu Jahr ansteigt und die Luftverschmutzung eine der Ursachen hierfür ist, wird gleichsam gerne ignoriert.

Die Europäische Gemeinschaft macht sich indes Gedanken und es werden auch Alternativen gefunden. Solar- und Windenergie bieten vielleicht die Möglichkeit, Strom- und Wasseraufbereitung zu kompensieren, so dass natürliche Ressourcen längerfristig genutzt werden können bzw. die Zeit bekommen, sich wieder zu regenerieren.

Doch wenn die internationale Gemeinschaft nicht zusammenarbeitet, so tickt die biologische Uhr mit dramatischer Beharrlichkeit gegen uns. Schon jetzt gibt es Kriege wegen des Erdöls, und die Eskalationsspirale dreht sich weiter. Welches werden die nächsten Bodenschätze und Lebenselemente sein, um die Staaten gegeneinander kämpfen?

Der Autor Michael Wallner hat mit seinem Roman „Die Zeit des Skorpions“ einen Ökothriller um das Thema der letzten Wasserreservoirs unseres Planeten verfasst:

_Inhalt_

Europa in einer nahen Zukunft. Durch die globale Erwärmung hat sich der Kontinent fast gänzlich in eine Wüste verwandelt. Gegen Ende des 21. Jahrhunderts hatte sich das Erdklima erschreckend verändert, und es war für den Menschen zu spät, die katastrophalen Folgen abzuwenden. Die Pole schmolzen auf dem erhitzten Planeten und der Wasserspiegel des Meeres stieg immer weiter gewaltsam an. Ganze Städte wurden überflutet und versanken im Meer.

Noch katastrophaler allerdings verhielt sich eine andere Naturerscheinung. Die Wüste Sahara breitete sich unerbittlich aus. Sie kroch wie ein Geschwür über das Land und begrub ohne Gnade zwei Drittel des Festlands unter sich. Über Spanien, Griechenland und Süditalien bewegte sich die Wüste unaufhaltsam weiter, erst am Südrand der Alpen wurde sie von dem Gebirge aufgehalten, doch die Gefahr ist noch nicht gebannt.

Die gerade erst vierzehnjährige Tonia lebt zusammen mit ihrer kleinen Familie in einem Dorf im südlichen Italien. Gerne erinnert sich Tonias Vater an vergangene Zeiten, die sein Großvater selbst noch erlebt hat. Die Region war grün und fruchtbar, die Weinhänge trugen volle Trauben, das Gemüse war schmackhaft und es gab alles in verschwenderische Fülle. Kühe, Ziegen und Schafe wurden gehalten, die Natur meinte es gut und die Menschen genossen ihr Leben in der Bergwelt, es glich einem Paradies.

Eines Tages kommt ein Sandsturm auf und Tonias Vater fällt ihm zum Opfer, als dieser ihr kleines Haus zerstört und alles unter sich begräbt. Für Tonia, ein vaterloses Mädchen, ist in dem von Dürre gebeutelten Dorf kein Platz mehr, und sie weiß, dass sie nun an auf sich allein gestellt ist.

Mit der Wüste hat sich das Verständnis der Religion der kritischen Situation und Wasserknappheit angepasst. Die „Heilige Rückgewinnung“ sieht vor, dass der tote Körper dehydriert wird, also quasi ausgepresst. Die Nüchternheit der Prozedur hat mit Gottes Gnade und Segen nicht viel zu tun. Tonia will ihren eigenen Weg gehen, und als zwei Tuareg die kleine Ortschaft besuchen, wendet sich die junge Frau voller Hoffnung an die Wüstennomaden. Als Mädchen hat sie aber in den Augen der beiden Krieger wenig Respekt und Akzeptanz zu erwarten, und so gibt sie sich als Mann aus und versteckt sich bei den beiden Männern, die, wie sie vermutet, eine gefährliche Mission vor sich haben. Sie wird entdeckt und notgedrungen bleibt den Reisenden nichts anders übrig als die junge Frau in ihrer Gesellschaft aufzunehmen. DSabei erfährt sie, dass Dula und Muganabe auf dem Weg nach Rom sind, im Auftrag und auf Bitte des Vatikans.

Die beiden Wüstenkrieger fühlen sich in der Wüste in ihrem Element. Sie wissen, wie man überlebt, sich ernährt und versteckt. Doch es gibt Parteien, welche die beiden Männer stoppen wollen: Der junge dänische General Noradt Finsokker, der fast ganz Europa militärisch mit allen Mitteln wie ein Diktator in seinem Griff hält, ist nicht gewillt, seine Machtstellung aufzugeben. Er kontrolliert die Wasserverteilung in den von Sand eingeschlossenen Gebieten, und sollten neue Wasserreservoirs gefunden werden, so könnte er in Gefahr laufen, seine Vormachtstellung zu verlieren. Auch die anderen ‚freien‘ Menschen, die „Schützentrachtler“, welche die neuen Grenzen nicht akzeptieren und sich nicht als Wüstenbewohner sehen wollen, haben ihre eigenen Interessen, und diese sind sie auch gewillt mit Waffengewalt zu durchzusetzen.

Als ein Anschlag auf die Reisenden vorgenommen wird und diese in Notwehr die Tochter des Anführers der Schützentrachtler töten, wird die Schicksalsgemeinschaft zu Gejagten und steht zwischen allen Fronten. Es bleibt ihnen nur die Flucht nach vorne, durch die Weiten der erbarmungslosen Wüste.

_Kritik_

Michael Wallner erzählt in „Die Zeit des Skorpions“ von einer düsteren Zukunft, die vielleicht gar nicht so abwegig ist. Schon jetzt werden die Rohstoffe unverhältnismäßig teuer und fragt sich der eine oder andere, wohin dieser Weg noch führen kann. Der Autor schildert mit dramatischen Emotionen in Rückblenden, wie es zu den Naturkatastrophen kam und wie sich einzelne Staaten hinsichtlich der Krise verhielten.

Die Tuareg auf geheimer Mission nehmen in der Handlung eher die Rolle des Richters und Lehrers ein. Leider erfährt man nicht viel über ihre Vergangenheit und ihre Motivation zu helfen. Trotzdem sind sie der Schlüssel zur Geschichte, die Kreuzung, an der alle einzelnen Erzählstränge zusammenlaufen. Neben ihrer Ritterlichkeit und Weisheit sind sie auch mystisch mit der Wüste verbunden und retten sich und ihre Verbündeten dadurch immer wieder.

Die Schützentrachtler, besessen von alten, längst schon überholten Traditionen, übernehmen den Gegenpart. Sie verachten alles Fremde und sehen sich immer als benachteiligt an, leider ohne darüber nachzudenken, vielleicht etwas toleranter zu sein und sich wirklich der Wüste mit den neuen Lebensbedingungen anzupassen. Ihre Wut macht sie blind dafür, richtige Entscheidungen zu treffen.

Europa befindet sich im Krieg, und die beiden Gegner sind die nordischen Länder unter General Noradt Finsokker und die mitteleuropäische Fraktion unter Erich Rexeisen. Die beiden charismatischen Männer kämpfen um die fruchtbaren Länder in Europa, jeder kriegerische Schlagabtausch endet mit tausenden von Toten. Das Kräfteverhältnis scheint im Gleichgewicht zu sein, doch beide Staaten sind nicht gewillt, miteinander zu verhandeln.

Der Vatikan spielt seine Sonderposition aus und ist zusammen mit den beiden Tuareg der neutrale Spieler in diesem Kampf um die letzten Wasserreservoirs in Mitteleuropa. Sollte sein Plan gelingen, so kann die Wüste zwar nicht besiegt, aber aufgehalten werden.

Zwischen diesen ganzen Gruppen sieht es eher so aus, als spielte das junge Mädchen Tonia eher eine Neben- als eine Hauptrolle, und das ist auch fast der Fall. Sie koordiniert ungewollt diese Interessengruppen, kann sie aber nicht kontrollieren oder lenken. Sie war einfach am falschen Platz zur falschen Zeit, und ihr jugendliches Alter macht alles noch komplizierter, als sie sich in einen der Tuareg verliebt. Diese Liebesgeschichte wirkt manchmal leicht deplatziert, findet aber doch ein positives Ende. Zu viel Romantik hätte dieser ernsten und spannenden Geschichte auch nicht gutgetan.

Gut durchdacht und mit zunehmender Spannung schildert Michael Wallner seine Geschichte. Besonders den Rückblenden und Erklärungen zur Vergangenheit, aber auch dem aktuellen Kriegsverlauf widmet der Autor besondere Zuwendung. „Die Zeit des Skorpions“ erinnert ein wenig an den Film „Waterworld“ und einige Passagen wie die Verwertung der toten Körpern weisen Ähnlichkeiten auf. Der Roman ist im Grunde ein Jugendroman, aber auch junge Erwachsene werden ihren Lesespaß daran haben. Neben einer spannenden Handlung und einer seichten Priese Romantik kommt auch die Action nicht zu kurz – die Tuareg verstehen zu kämpfen, und sogar der Vatikan hat die Vokabel „Pazifismus“ faktisch über Bord gehen lassen.

_Fazit_

„Die Zeit des Skorpions“ ist ein sehr spannender Jugendroman mit einer beklemmenden Geschichte, die zum Nachdenken, vielleicht zum Umdenken anregt. Der Kampf um die wahren Bodenschätze wie Energie und Wasser hat schon längst begonnen; noch ist daraus kein Orkan entstanden, aber sollte dieser in den nächsten Jahrzehnten entfacht werden, so könnte er sich als globaler Killer in mehrerlei Hinsicht erweisen.

Detailreich und mit einem faszinierenden, erzählerisch dichten Stil dargeboten, hat mich der Öko-Thriller „Die Zeit des Skorpions“ sehr positiv überrascht. Es ist ein Roman, der zur Diskussion anregen wird, über den gesprochen und nachgedacht werden wird; hoffentlich nicht nur in der noch jungen Generation, die ihren Einfluss auf die Zukunft richten kann.

_Der Autor_

Michael Wallner wurde 1958 in Graz geboren. Er hat als Schauspieler und Regisseur an verschiedenen Theatern gearbeitet und lebt seit 1997 als Roman- und Drehbuchautor in Berlin, Italien und dem Schwarzwald. Sein |Luchterhand|-Bestseller „April in Paris“ wurde in mehr als 20 Länder verkauft.

|320 Seiten, gebunden
Empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-570-16001-5|
http://www.cbj-verlag.de

Beatrix Gurian – Prinzentod

Dass verbotene Liebe unschöne Konsequenzen haben kann, weiß man spätestens seit Shakespeares „Romeo und Julia“. Diese Erfahrung muss auch Lissie machen, die Heldin in Beatrix Gurians Thriller „Prinzentod“.

Lissie lebt in München und soll nun zu ihrer Freundin Bernadette ziehen, da ihr Vater, ein Koch, für längere Zeit mit einem Kreuzfahrtschiff unterwegs ist. Bernadette hat eine eigene Wohnung im Haus ihrer Eltern, so dass die beiden Mädchen ihre Ruhe vor den Erwachsenen haben. Oder besser gesagt: haben sollten. Bereits bei ihrem Einzug läuft Lissie Kai, Bernadettes Stiefvater, über den Weg und es kommt zu einem verhängnisvollen Kuss zwischen Umzugskartons. Obwohl Kai deutlich älter als Lissie ist, verlieben sich die beiden ineinander, und bald wird mehr aus den romantischen E-Mails, die er ihr schreibt.

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