Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Ross, Alex & Krueger, Jim (Autoren) / Ross, Alex & Braithwaite Doug (Zeichner) – Justice (2 von 6)

Story

Der Traum der Superhelden hat weiterhin Bestand; die Erde wird von mehreren parallel eingetretenen Katastrophen heimgesucht, und die Mitglieder der Justice League stehen dem Geschehen ohnmächtig gegenüber. Doch was Superman, Batman und Co. noch viel stutziger macht, ist das seltsame Vorgehen der Schurken, die sich plötzlich als Weltretter aufspielen und die Bevölkerung im Glauben lassen, dass sie ihre Vorgänger nun ablösen werden. Im Hintergrund schmiedet Lex Luthor allerdings wieder einige hinterlistige Pläne; er versammelt die ‚ehemaligen‘ Schurken um sich, sorgt dafür, dass die alten Verfechter der Gerechtigkeit endgültig ausgeschaltet werden und scheut dabei auch nicht davor zurück, bei manchen von ihnen das endgültige Ende anzustreben. Doch wird es ihm auch gelingen, den bösen Traum in die Realität zu transferieren?

Meine Meinung

Nachdem ich vom ersten Teil der neuen „Justice“-Reihe noch recht angetan war, hat mich die Fortsetzung des zweiten derzeit laufenden DC-Crossovers ein wenig verwirt. Im Groben ist zwar klar, wie es um den Inhalt bestellt ist, doch irgendwie hat sich Autor Alex Ross ein wenig zu sehr in die Komplexität seiner Handlung hineingesteigert und dabei manchmal einzelne Schritte übersprungen, die das Gesamtkonstrukt „Justice“ etwas klarer darstellen würden. Weiterhin bemüht sich Ross darum, möglichst viele Helden und Bösewichte in seiner Geschichte unterzubringen, vergisst dabei aber zwischenzeitlich, dass die Story davon nicht dringend profitieren muss. Und das tut sie in diesem Fall nun wirklich nicht. Die Geschichte wird definitiv von den überladenen Gedankensprüngen beeinträchtigt und kommt nicht richtig voran, was jedoch leider ignoriert wird. Ross zieht nämlich stringent sein Ding durch, kümmert sich nicht um eventuell aufkeimende Fragen und denkt dabei meines Erachtens ein wenig zu sehr an seine persönlichen Vorlieben. Was ich sagen will: Der Mann hat klare Vorstellungen davon, was alles in die Story mit hineingehört, beachtet aber nicht, dass dies nicht alles auf so kleinem Raum unterzubringen ist. Luthors Pläne, seine Fehde mit dem Joker, Supermans hoffnungsloser Kampf, Aquamans Schwierigkeiten in der Unterwasserwelt, die Misere des Martian Manhunters, Flashs vergeblicher Einsatz, und, und, und … Irgendwann ist das Heft voll, ohne dass die Story die erforderlichen Fortschritte erzielt hat, zumindest keine nennenswerten.

Andererseits sind die Ideen des Autors sicher nicht schlecht und können sich von außen betrachtet ganz klar mit denen der „Infinite Crisis“ messen. „Justice“ ist reich an Action, hat ein reichhaltiges Repertoire an bekannten Persönlichkeiten, hat aber die Schwierigkeit, dass es sich bezüglich der Umsetzung nicht ganz mit dem großen Bruder messen kann, bei dem die vielen Elemente einfach ausgewogener verteilt sind. Beim zweiten Teil von „Justice“ hingegen fühlt man sich ein wenig erschlagen von den vielen Subplots, was sicherlich damit zu tun hat, dass die einzelnen Einheiten hier noch nicht zusammengefügt werden (können). Aber ich möchte die Serie jetzt nicht zu schnell aburteilen, denn immerhin ist sie gerade erst zu einem Drittel fortgeschritten und hat auf jeden Fall noch Gelegenheit, sich zu bewähren. Bis hierhin bin ich allerdings ein wenig enttäuscht, dass die gute Basis des Debüts nicht aufrechterhalten wurde. Machen wie es also kurz und schmerzlos: In „Justice 2“ hat Alex Ross nicht sein ganzes Potenzial abgerufen und die komplexe Handlung nicht wirklich vorangebracht. Ergo werden die Erwartungen erst einmal gedämpft – hoffentlich nur bis zur Fortsetzung!

Comic : 68 Seiten
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Way, Daniel (Autor); Dillon, Steve (Zeichner) – Supreme Power: Nighthawk

_Story_

Kyle Richmond setzt sich enorm für die Rechte der schwarzen Bevölkerung und ihre Gleichberechtigung ein. Deshalb reagiert er hinter der Maske seines Alter Egos Nighthawk auch allergisch auf jedwede Äußerung gegen dunkelhäutige Menschen und straft sie mit äußerster Brutalität und deutlichen Maßnahmen.

Einer, der ihm dabei besonders ins Auge gefallen ist, hört auf den Namen Steven Binst, ist vor etlichen Jahren wegen des Massenmords an einer schwarzen Familie und Plänen zur kompletten Ausrottung des Volks von Chicago angeklagt worden und durch eine geschickte Intrige nach jahrelanger Haft wieder aus dem Gefängnis ausgebrochen. Nun macht er sich daran, seinen Plan zu vollenden, indem er in seinem Geheimlabor neue giftige Mischungen braut und damit die gesamte Drogenszene aufmischt. Über Nacht sterben tausende Menschen an einem tödlichen Crack-Cocktail, und dies soll erst der Anfang sein.

Doch Nighthawk hat den als Clown getarnten Psychopathen bereits ins Visier genommen und mischt ihn inmitten des blutigen Schauplatzes auf, den er in nur wenigen Stunden hinterlassen hat. Allerdings endet das erste Aufeinandertreffen der beiden Kontrahenten nicht besonders glücklich für den kompromisslosen maskierten Rächer. Schwer verletzt kann er sich ins Hospital retten, wo er die Leiche seiner neuen Geliebten, Doktor Arredondo, auffindet. Erfüllt von tiefstem Hass, stürzt sich Nighthawk erneut auf die Straße, um den blutrünstigen Massenmörder endlich zu vernichten.

_Meine Meinung_

Daniel Way wird derzeit schon als neuer Stern am |Marvel|-Comic-Himmel gefeiert und hat hierzu auch einige viel versprechende Projekte wie beispielsweise „Wolverine: Origins“ zugesprochen bekommen. Außerdem hat der Mann schon Erfahrungen in Serien wie „Bullseye“ und „Punisher“ gesammelt, die ihm diesen aktuellen Status auch erst ermöglicht haben. Nun präsentiert uns Way auch den neuen „Supreme Power: Nighthawk“-Comic, kann aber, zumindest was die Storyline anbelangt, nicht die hohen Ansprüche an seinen Namen erfüllen. Der Inhalt ist einfach zu schlicht, zwar schon actionreich und lebendig, bisweilen sogar echt brutal, aber hinsichtlich der Spannung nicht wirklich ganzheitlich überzeugend.

Zu Beginn ist hiervon noch nichts zu spüren; der Autor erzählt in kurzen Abrissen die Geschichte des Massenmörders Steven Binst und berichtet von seiner spektakulären, doch anscheinend unbemerkten Flucht (zumindest kommt darauf im weiteren Verlauf nicht einmal die Rede). Gleichzeitig wird die korrupte Innenpolitik Chicagos durch einzelne Darstellungen der Gedankengänge des Bürgermeisters und eines schwarzen Richters dargestellt und in Wechselwirkung mit einigen diesbezüglichen Eingriffen Nighthawks analysiert. Und schon hier gibt es einiges zu bemängeln, denn obwohl man dem Autor ja gestatten kann, dass er die einzelnen losen Zusammenhänge zum Schluss zusammenführt, wirken manche Geschehnisse derart unabhängig voneinander, dass die Vorstellung, dass der Inhalt irgendwann einmal zu einem homogenen Konstrukt zusammenwachsen soll, schon völlig unrealistisch erscheint.

Auch durch die Schritt für Schritt gesteigerte Action kann man dieses Problem nicht beheben, auch wenn hier endlich mal die Spannungskurve nach oben zeigt. Die rasante Verfolgungsjagd kurz vor Schluss ist sogar echt stark und offenbart wenigstens in kurzen Etappen die Qualitäten des Autors, aber eben nicht in vollen Zügen. Das Ganze wirkt zu abgeklärt und irgendwie auch kalkuliert. Natürlich, dass es zum Showdown zwischen den Protagonisten der guten und bösen Seite kommen wird, liegt in der Natur eines solchen Comics und ist auch legitim, doch dass Daniel Way nur mittels überladener Action, ziemlich brutaler Inhalte und einer schwerpunktmäßigen Betonung solcher Effekte auf dieses ‚Ziel‘ hinarbeitet, spricht nicht gerade für die Souveränität dieses Mannes. Zumindest nicht in diesem Fall.

Andererseits: Action-Fans werden im vierten Band der „Supreme Power“-Reihe definitiv auf ihre Kosten kommen. Der Comic ist gezeichnet von ständigen (nicht selten heftigen) Auseinandersetzungen, straighten Fortschritten und kompromisslosen Handlungsabschnitten, und das wird demjenigen Leser, der nicht dringend nach Anspruch und komplexeren Inhalten sucht, ganz bestimmt auf Anhieb gefallen. Ich für meinen Teil hätte mir aber von einem renommierten Jungstar wie Daniel Way ein kleines bisschen mehr erwartet. Der Comic ist rasant, das sagte ich bereits, aber es fehlt eine gewisse Spritzigkeit und auch etwas mehr Einfallsreichtum. Meiner Meinung nach ist es nämlich nicht bloß damit getan, eine simple Actiongeschichte abzureißen, die zudem noch ziemlich vorhersehbar ausgefallen ist. Selbst die krassen Gewaltdarstellungen können einen nicht so recht aus der Reserve locken, denn genau dort stecken die konstruierten Effekte, die der Autor hier manchmal sehr bewusst einfügt.

Vom zeichnerischen Aspekt betrachtet ist „Supreme Power: Nighhawk“ ebenfalls nicht restlos überzeugend. Lediglich wenn das Szenario etwas blutiger wird, spielt Steve Dillon seine durchaus präsenten Fähigkeiten vollends aus, wohingegen die ’normalen‘ Charakterzeichnungen nicht mehr als guter Durchschnitt sind, bei dem man manchmal den Eindruck bekommt, als hätte der Zeichner nicht all sein Herzblut in diese Arbeit gesteckt.

Insgesamt komme ich so zu einem Resümee, bei dem sich positive und negative Eindrücke die Waage halten. „Supreme Power: Nighthawk“ ist ein arg zwiespältiges Unterfangen, ein Comic, den man sich zwischendurch mal gut und gerne einfahren kann. Aber da derartige Sammelbände ja auch ihren Preis haben, halte ich es für sinnvoller, den stolzen Betrag von immerhin 16,95 € besser für ein qualitativ hochwertigeres Produkt aus dem Hause |Marvel| zu investieren.

Softcover: 148 Seiten
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Johns, Geoff / Jimenez, Phil / Pérez, George – Infinite Crisis 4 (von 7)

_Story_

Blüdhaven, jahrelang Wirkungsstätte von Nighthawk alias Richard Graysson, fällt. Mit spielerischer Leichtigkeit vernichtet der lebende Giftmüllbehälter Chemo das Leben in der gesamten Stadt und lässt nur einige wenige Superhelden am Leben, die der gefährlichen Strahlung widerstehen können. Nighthawk ist fassungslos und trifft zum ersten Mal seit längerer Zeit wieder mit seinem ehemaligen Mentor Batman zusammen, der ihm von den Geschehnissen der letzten Tage berichtet. Nighthawk erfährt von den Plänen des seltsamen Superman von Erde-2 und schließt sich zur Bekämpfung dieser Aktivitäten wieder mit Batman zusammen.

Beide wissen aber noch nicht, wer genau hinter den aktuellen Katastrophen steckt. Doch schon bald bekommen sie Gewissheit, als Superboy-2 sich auf der Erde seinem Spiegelbild stellt und im Beisein vieler Superhelden ein brutales Gefecht austrägt. Zusammen mit Alexander Luthor hat der Superboy aus dem Paralleluniversum die Krise eingeläutet. Alex Luthor selber führt nämlich in Wahrheit die Society an, ist damit auch mitverantwortlich für die Verwüstung durch das führerlose Spectre und steht gerade erst am Anfang seiner herrischen Pläne. Und während er das völlig verblüffte Supergirl über seine Pläne informiert, tobt auf de Erde ein erbitterter Kampf zwischen Superboy und seinem Klon – der für den echten Superboy kein gutes Ende bereithält. Trotz der Hilfe der befreundeten Teen Titans ist ihm sein mächtiges Spiegelbild überlegen und tötet im Kampf gleich mehrere seiner Freunde. Erst als die Speed Force einschreitet, kehrt Ruhe ein – aber es ist die Ruhe vor dem schon drohenden, nächsten Sturm dieser Krise.

_Meine Meinung_

Der mittlere Part der „Infinite Crisis“ stellt ganz klar einen Wendepunkt der Handlung dar, weil die Karten mit einem Mal gänzlich neu gemischt werden müssen. Die ehemaligen Hoffnungsträger entpuppen sich nämlich plötzlich als fiese Schurken, deren Pläne weit über das hinausgehen, was man am Anfang noch für denkbar hielt. Die Zerstörung wird immer unüberschaubarer, und dies, obwohl sich Ausgabe 4 fast ausschließlich dem brutalen Gefecht der beiden Superboys widmet. Alleine deswegen ist dieser Band auch die bislang actionreichste Vertretung der Serie, gezeichnet vom ungleichen Kampf und den vielen unschuldigen Opfern, darunter auch einige der besagten Teen Titans. Zwar handelt es sich hierbei noch nicht um die Elite dieser Gruppe, doch alleine schon die Tatsache, dass ein Superboy einer anderen Dimension sich gegen die Vertreter des ‚Guten‘ auf der richtigen Erde stellt, ist erschreckend genug und dokumentiert ein weiteres Mal, wie unberechenbar |DC Comics| mit dieser Serie geworden sind. Die Maxime ‚Alles ist möglich‘ wird nicht nur propagiert, sondern auch ausgelebt, und allein diese Tatsache zeugt vom fortschrittlichen Denken, das sich im routinierten DC-Universum eingeschlichen hat. Gut so.

Allerdings ist Heft 4 inhaltlich nicht ganz so stark wie die vorangegangene Ausgabe. Durch die heftige Action flacht die komplexere Rahmenhandlung ein wenig ab, wenngleich es sich Geoff Johns ein weiteres Mal nicht nehmen lässt, weitere Tücken einzufügen und somit jeder Limitation vorzubeugen. Dennoch: Wichtige Aspekte der Handlung müssen hier erst einmal zurückstecken, so zum Beispiel das Verschwinden von Wonder Woman oder der Konflikt zwischen dem Superman von Erde-2 und dem hiesigen Batman, der durch die neue Gemeinschaft zwischen Richard Grayson und Bruce Wayne aufgefangen wird.

Lediglich das Chaos bleibt in derselben Dimension bestehen, in diesem Fall symbolisiert durch den Untergang von Blüdhaven und den radikalen mentalen Umschwung einiger tragender Persönlichkeiten, womit natürlich in erster Linie der undurchschaubare Alexander Luthor gemeint ist. Solche Ereignisse halten die Geschichte nicht nur spannend, sondern untermauern die non-transparente Herangehensweise des Autors samt seines Zeichnerteams Jimenez/Pérez/Reis. Gleiches gilt für das recht merkwürdige Ende, inszeniert als aussichtsreicher, ungeduldig stimmender Cliffhanger, der zwar schon durch die Vorschau auf das neue Heft (erscheint am 16. November) ein wenig entkräftet wird, aber immer noch unheimlich neugierig auf das nachfolgende Geschehen macht. Schließlich sind die hier entworfenen Umstände zum Ende des Magazins bei weitem noch nicht aufgelöst oder geklärt, sondern werden nur noch zusätzlich in den großen Wust an Verzwickungen gestreut, um das totale Chaos auf Erde-1 zu bestärken. Man darf also weiter gespannt sein, ob und wie Johns diese Krise auflösen wird – oder aber ob sie wirklich endgültig und von ‚unbegrenzter‘ Wirkung bleiben wird.

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Smith, Kevin (Autor) / Dodson, Terry (Zeichner) – Spider-Man/Black Cat (100 % Marvel 24)

Bereits 2002 begann der als Kultfilm-Regisseur innig geliebte Kevin Smith eine Miniserie zu verfassen, die in den Vereinigten Staaten direkt für Aufruhr sorgte. Der Titel: „The Evil that Men do“; in der Hauptrolle: Spider-Man und seine alte Gespielin Black Cat, mit der er in der Vergangenheit bereits eine heiße Affäre hatte. Leider aber wurde die Serie in der Mitte unterbrochen. Smith zog es nach der dritten der fünf geplanten Episoden vor, seine Filmprojekte zu verwirklichen, so dass „The Evil that Men do“ vorerst aus Eis lag. Erst drei Jahre später – viele hatte das Spektakel längst wieder aus den Augen verloren – nahm sich der Autor wieder ein Herz und brachte die Reihe mit drei weiteren Ausgaben zu Ende. In Deutschland erscheint „Spider-Man/Black Cat“ nun auch endlich, und dies direkt als Sammelband in der bekannten Reihe „100 % Marvel“. Und ehrlich gesagt: Auf dieses geniale Happening sollten Comic-Liebhaber auch nicht verzichten.

_Story_

Felicia Hardy ist nach jahrelanger Auszeit wieder zurück. Ihre beste Freundin Tricia ist spurlos verschwunden, und ihre einzige Spur führt zu einem mysteriösen Drogendealer namens Mr. Brownstone. Hinter diesem ist auch Spider-Man her, als er nach dem Mörder eines jungen Highschool-Schülers sucht. Der Jugendliche starb an den Folgen einer Heroin-Überdosis, obwohl weder direkte Spuren im Blut noch Einstiche bei der Obduktion entdeckt werden konnten. Bereits vor den eigentlichen Ermittlungen trifft das ehemalige Pärchen wieder aufeinander und hat auch direkt wieder Augen für das jeweilige Gegenüber. Spider-Man ist jedoch mittlerweile verheiratet, so dass Black Cat bei ihren erneuten Annäherungsversuchen keine freie Bahn mehr hat – dabei ist sie verliebter denn je und akzeptiert endlich auch Spider-Mans Alter Ego Peter Parker.

Gemeinsam machen sie Jagd auf den Drogendealer-Ring und geraten dabei in das Umfeld des Multimillionärs Garrison Klum. Spider-Man ist sofort davon überzeugt, dass es sich bei ihm auch um den gesuchten Brownstone handelt, kann aber erst einmal nichts gegen ihn ausrichten. Und als er feste Beweise in den Händen hat, ist es bereits zu spät. Brownstone hat sich an Black Cat vergriffen, und bevor Spider-Man eingreifen kann, ist es bereits zu einem handfesten Skandal gekommen: Klum wurde ermordet und Felicia war beim Auffinden der Leiche in seiner Nähe. Nun liegt es an Peter Parker und seinem Freund Matt Murdock alias Daredevil, die Unschuld der schwarzen Katze zu beweisen.

_Meine Meinung_

Dass Kevin Smith ein erstklassiger Regisseur ist, hat er bereits des Öfteren bewiesen. Streifen wie „Dogma“, „Mallrats“ und auch „Jay & Silent Bob Strike Back“ sind bereits jetzt Kult und haben trotz ihres jungen Alters Klassikerstatus. Ähnliches könnte dem Mann nun auch mit seiner ersten echten Comicserie passieren, denn Smith weiß ganz genau, wie er den in der Hauptrolle stehenden Spinnenmenschen am besten in Szene setzen kann.

„The Evil that Men do“ ist eine enorm temporeiche Story, die sowohl große Action als auch tief greifende Emotionen bereithält und sich dabei stets Freiräume für einzelne Überraschungsmomente belässt. Smith beschreibt die bis dato unbekannten Charaktere nur sehr vage und lässt sich absolut nicht in die Karten schauen. Black Cat/Felicia Hardy zum Beispiel ist ein echtes Chamäleon, was ihr Verhalten anbelangt. Einerseits sympathisch, sexy und liebevoll, andererseits eine echte Hexe mit klarem Ziel vor Augen und nicht bereit, irgendwelche Kompromisse einzugehen. Eine gefährliche Mischung, die immer im Kontrast zum souverän auftretenden Spider-Man steht, der sich aber auch durch ihr bloßes Dasein immer mehr verunsichern lässt und schließlich ohne die Hilfe eines alten Kumpels handlungsunfähig wäre. Dies alles steht außerdem noch in Wechselwirkung mit dem undefinierten Verhältnis zwischen den beiden Hauptakteuren. Schlägt Spider-Mans Herz noch immer für seine ehemalige Geliebte? Oder steht der in der Bevölkerung ungeliebte Superheld mittlerweile solide im Leben und bleibt seiner Frau treu? Und wie geht er mit den erneuten Flirts seitens Felicia um?

Bevor aber hier ein falscher Eindruck entsteht: Die 24. Ausgabe ist prall gefüllt mir ziemlich harter, teils sogar blutiger Action, die das zwischenzeitliche Techtelmechtel wieder stark ausgleicht, eigentlich sogar ein Übergewicht erzielt, welches man nach den ‚romantischen‘ Anfangssequenzen so gar nicht erwartet hätte. Die Jagd nach dem geheimnisvollen Heroin-Schmuggler und die Frage nach dem Wie und Warum der ungeklärten Mordfälle treiben die Geschichte vorrangig an und werden dabei von der Beziehung zwischen den beiden Protagonisten lediglich unterstützt. So entwickelt sich auch die Handlung primär entlang der gemeinsamen Suche nach Mr. Brownstone und wird ausgerechnet dann noch spannender, als dieser entlarvt wird. Und was danach passiert, gezeichnet von mehreren Flashbacks, gehört zur Crème de la Crème der |Marvel|-Historie, präsentiert von einem bis dato unbedeutenden Comic-Autoren, und wirklich stark inszeniert vom langjährigen |Marvel|-Zeichner Terry Dodson, der hier eine seiner besten Arbeiten abgeliefert hat.

_Fazit_

Das zweite Aufeinandertreffen von Spider-Man und Black Cat ist ein echtes Schmankerl, welches nicht nur von seiner flott vorangetriebenen Handlung, sondern vor allem auch von seiner Unberechenbarkeit lebt. Zwei der wohl coolsten Superhelden aus dem |Marvel|-Universum erleben hier gemeinsam ein absolut lesenswertes Abenteuer, ohne Kapriolen, dafür aber mit reichlich spannender Action. Kurzum: ein angehender Klassiker in der Comicgeschichte des berühmten Spinnenmenschen.

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Johns, Geoff / Jimenez, Phil – Infinite Crisis 3 (von 7)

„Ein Heft voller Enthüllungen, voller Schlachtengetümmel, voller dramatischer Momente und Überraschungen“ – so steht es im Nachwort der dritten Ausgabe der „Infinite Crisis“, und so ist es auch tatsächlich. Endlich kommt ein wenig mehr Licht in die komplexen Verstrickungen im Multiversum, und endlich werden auch die etwas verwobenen Zusammenhänge klar. Mit anderen Worten: Jetzt kann’s richtig losgehen beim selbsternannten DC-Event des Jahres.

_Story_

In Sub Diego und Atlantis bricht die Hölle los, als ein Kontingent Society-Schurken plötzlich die Stadt und nachfolgend Atlantis angreift. Aquaman und seine Gefährten scheinen hilflos gegen die Armada der Bösewichte, die ihre Welt bedrohen, und können nur noch darauf hoffen, schnellstmöglich Hilfe von außen zu bekommen.

Währenddessen hadert Batman weiter mit dem Brother-Eye-Satelliten. Er versucht ihn davon zu überzeugen, das Geschehene rückgängig zu machen, ist aber gegen die Macht der Maschine ohne Chance. Als der Superman der Erde-2 ihn bittet, mit ihm in seiner Welt eine neue Erde aufzubauen und die fehlgeleiteten Dinge auf Erde-2 zu verbessern, widersetzt Batman sich ihm aber. Dies hieße nämlich, sein Leben auf der ‚richtigen‘ Erde zu opfern – und auch all die Personen, die dann ‚ersetzt‘ werden müssten. Doch als Batman sieht, welch verheerenden Dinge sich im Multiversum ereignen, gerät er ins Grübeln, ob seine Entscheidung die richtige war.

Auch Wonder Woman befindet sich in einer empfindlichen Schlacht. Die OMACs bedrohen das Volk der Amazonen und mit ihnen auch die Superheldin. Und Hilfe können sie nicht erwarten, denn nach außen hin wird der Krieg dargestellt, als hätte Wonder Woman ihn angezettelt. Es gibt nur eine Lösung: Die Flucht von der geliebten Paradiesinsel. Aber nicht nur hier tobt eine aussichtlose Schlacht; auch auf Erde-1 steigt eine neue Bedrohung auf: der Shadowpact, eine weitere Vereinigung von Bösewichten, die in den Vereinigten Staaten für jede Menge Unruhe sorgt. Und als wäre dies nicht schon genug, kämpft auch der Oberschurke Lex Luthor wieder – dieses Mal gegen sein eigenes Spiegelbild einer anderen Erde …

_Meine Meinung_

Ich möchte in meiner Kritik direkt noch einmal auf das oben angeführte Zitat eingehen und dabei vor allem die vielen Enthüllungen betonen, die in diesem Heft für ein gesteigertes Erzähltempo sorgen. Dies wird zwar weiterhin von den vielen Dimensionssprüngen zwischen all den handlungsbezogenen Schauplätzen bestimmt, nimmt aber gerade deswegen noch einmal Fahrt auf, weil die Hintergründe immer klarer werden. Endgültig scheinen die Rollen verteilt, und abgesehen vom ‚wahren‘ Batman, der noch immer vor einer ungewissen, persönlichen Zukunft steht, hat jeder Superheld seinen Part eingenommen. Verwirrung stiften lediglich die beiden Luthors, die hier ziemlich hart gegeneinander angehen und ihre individuellen Genies miteinander messen. Zu welchem Zweck, das muss sich erst noch zeigen.

Doch zurück zur verrufenen Erde-1, dort, wo ein monströses Inferno tobt und nach und nach auch große Teile der Zivilbevölkerung bedroht. Die dortige Welt wird immer deutlicher zum Schauplatz eines unaufhaltbaren Krieges, dessen Schlachtfelder vor allem in den großen Städten liegen. Noch können Superman und seine Gefährten sich der vielen Bösewichten erwehren, doch es ist allzu deutlich, dass ihr starker Wille nicht auf ewig die große Krise verhindern kann. Die einzige logische Lösung wäre, diese Erde sich selbst zu überlassen und an anderer Stelle ein neues Leben anzufangen, denn im Paralleluniversum scheint bereits Erde-2 ein sicherer Ort zu sein. Allerdings trügt auch hier der Schein, denn auch in dieser Welt herrscht eine bestimmte Hoffungslosigkeit, unter anderem geprägt durch die im Sterben liegende Lois Lane, deren hier lebendes Alter Ego zudem stark gealtert ist.

Zwischenzeitlich hat es den Eindruck, als hätte alleine Batman, der für die überdimensionale Krise ja mitverantwortlich ist, das Schicksal der Welt in der Hand, doch andererseits ist er absolut hilflos gegen die vielen Krisenherde, die sich um ihn herum und auf seinem Bildschirm in der Bathöhle breitmachen. Was kann er tun? Wird er dem ‚zweiten‘ Superman folgen und seinen Ratschlag beherzigen? Oder ist er ebenso wie die schon zur Hälfte zugrunde gerichtete Erde-1 dem Untergang geweiht?

Und was geschieht mit Wonder Woman? Ihre Geschichte wird mitunter zur Nebenhandlung, ist aber nichtsdestotrotz von großem Wert, denn auch sie kann und muss noch aktiv ins Geschehen eingreifen, damit das drohende Unheil abgewendet werden kann. Doch welche Möglichkeiten stehen ihr zu? Wird man ihr überhaupt noch Vertrauen schenken, wo doch die ganze Welt von dem OMACs geblendet und die Position der Superheldin somit verfälscht wurde?

Es ergeben sich weiterhin viele Fragen, unter anderem auch resultierend aus den verschiedenen Enthüllungen, die man in Ausgabe 3 antrifft. Zumindest bekommt man schon einmal in Ansätzen Klarheit über die Tragweite der „Infinite Crisis“, und das ist doch sehr angenehm, denn kurz vor Halbzeit der Serie erwartet man doch schon so etwas wie einen ungefähren Durchblick. Dieser ist nun gegeben, jedoch nicht ohne dass Autor Geoff Johns bereits neue Verstrickungen eingeführt hätte, mit denen er die Spannung weiter am Siedepunkt hält. Die Frage ist nur, wie lange ihm dies noch gelingen wird, denn der Umfang der Handlung ist bereits so immens groß, dass es schwierig sein wird, rechtzeitig die Kurve zu bekommen und auf ein homogenes Ende zuzusteuern.

Ich bin schon sehr gespannt, was er in den noch folgenden vier Ausgaben daraus machen wird, und ob es ihm gelingt, die Sache ‚rund‘ zu bekommen. Zwar habe ich daran an dieser Stelle noch absolut keine Zweifel, doch ist mir wohl bewusst, dass es keine einfache Aufgabe ist, ein derart gewaltiges Comic-Epos wieder in die rechten Bahnen zu lenken. Mit Band 3 hat er zumindest schon einmal einen wichtigen Anfang gemacht und für vorübergehende Klarheit gesorgt. Hoffentlich baut er in Zukunft darauf auf und löst die Geschichte weiterhin etappenweise auf. Bis dato ist die „Infinite Crisis“ trotz der anfänglichen Verworrenheit nämlich ein echter Erfolg.

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Haberlin, Brian (Autor) / Anacleto, Jay (Zeichner) – Athena Inc. 1

_Story_

Gwen ist ein glückliches, verwöhntes Mädchen, welches in seinem Alltag bislang selten über Hindernisse gestolpert ist. Doch bis heute hat Gwen auch noch nie etwas von ihrer Vergangenheit erfahren. Mary hingegen ist eine brutale Auftragskillerin, eine Agentin, die nicht lange fackelt und dafür auch innerhalb ihrer geheimen Organisation sehr geschätzt wird. Ihr Geheimnis: Sie teilt ihren Körper mit einer zweiten Person, einem Menschen, der von seinem Schicksal noch nichts ahnt, bis plötzlich die Athena Inc., Marys Ausbildungsstätte, beide Frauen verfolgt.

Langsam aber sicher wird sich Gwen bewusst, welch grauenvolles Geheimnis ihre Person umgibt. Sie ist der zweite Teil, nicht nur psychisch sondern auch physisch, und soll nun für die Taten ihres Schattens mitbestraft werden. Den anderen Teil ereilt nämlich der Ruf des ‚Manhunters‘, und als solcher hat sich Mary im Laufe der letzten Jahre zahlreiche Feinde gemacht, was ihr und auch Gwen nun zum Verhängnis werden soll.

_Meine Meinung_

Brian Haberlin verfolgt im ersten Teil seiner „Athena Inc.“-Reihe einen unheimlich interessanten Ansatz, sowohl strukturell als auch inhaltlich. „The Manhunter Project“ ist nämlich in keiner Weise das, was man unter einem gewöhnlichen Comic versteht, sondern schon ein sehr eigenwilliger Thriller, der alleine bezüglich des Aufbaus sämtliche Grenzen sprengt – was ja beim |Infinity|-Verlag mittlerweile kein Novum mehr ist.

ALl dies beginnt schon damit, dass es in „Athena Inc.“ keine handelsüblichen Sprechblasen gibt. Die düsteren, futuristischen Zeichnungen werden stattdessen mit längeren Textfeldern belegt, deren Anordnung zunächst einmal sehr konfus erscheint. Es ist nämlich nicht so, dass jeder geschriebene Abschnitt auch gleich einem entsprechenden Bild zuzuordnen ist. Vielmehr bekommt man, jedenfalls zu Beginn, den Eindruck, als würden Zeichnungen und Dialoge unabhängig voneinander agieren, so dass man sich schon sehr genau konzentrieren muss, um den Überblick zu behalten – zumal es ja auch hinsichtlich des Inhalts gar nicht mal so einfach ist, der Entwicklung der beiden Protagonistinnen und ihrer Zusammenhänge zu folgen.

Aus diesem Grunde wollte ich mich nach den ersten gelesenen Seiten auch schon zu der Aussage hinreißen lassen, dass diese neue Reihe ausschließlich für absolute Freaks geeignet ist, allerdings konnte dieser Eindruck nach und nach relativiert werden, weil sich die Ereignisse immer deutlicher zusammenfügen lassen und man nach gut der Hälfte dieses ersten Bandes den Blick fürs Wesentliche bekommen hat. Bis dorthin ist „The Manhunter Project“ aber eine verdammt harte Nuss, von der man ständig in die Irre geführt wird, und deren unkonventionelles Erscheinungsbild die gesamte Dauer über gewöhnungsbedrüftig bleibt.

Nachdem man diese Hindernisse allerdings übersprungen hat, wird man Zeuge einer wahrhaft rasanten Action-Handlung, deren schizophren anmutende Charaktere ebenso wie der Comic an sich absolut einzigartig sind. Man weiß irgendwie alles und nichts über Mary und Gwen, glaubt vor allem, das Handeln der Erstgenannten zu durchschauen, fällt aber wieder in ein Loch, während ihr Kontrapart noch hart mit sich kämpfen muss, ihre ‚böse‘ Seite zu erfahren, kennen zu lernen und zu akzeptieren bzw. zu tolerieren. Für sie scheint mit einem Mal alles so sinnlos zu sein; ihr Leben, ihre falsche Vergangenheit und ihre manipulierte Identität, von der sie tagein, tagaus durch ihre Scheinwelt geführt wurde.

Dieser Zwiespalt wurde auch von Zeichner Jay Anacleto sehr gut eingefangen, dessen finstere Charakterprofile in „Athena Inc.“ zum besten gehören, was der Comicmarkt dieser Tage zu bieten hat. Mit seinen düsteren Illustrationen verschärft er von Seite zu Seite die dichte Atmosphäre dieses spannenden Agenten-Thrillers und erlaubt sich bei all seiner unterschwelligen Detailverliebtheit nicht einen Patzer. Mit einem Wort: Stark!

Überhaupt funktionieren Anacleto und Haberlin als Team sehr gut und ergänzen sich an den erforderlichen Stellen nahezu perfekt. Für den Zeichner muss diese Arbeit aber auch eine sehr schwere Aufgabe gewesen sein, denn sein Kollege hat ihm auf manchen Seiten derart umfangreiche Texte zur Verfügung stellt, deren Dramatik Anacleto wiederum in nur ein oder zwei Darstellungen aufarbeiten musste. Aber wie gesagt, seine Zeichnungen sind über alle Zweifel erhaben!

Dies ist im Grunde genommen auch der gesamte Comic, wenngleich die anfangs leicht kritisierte Aufmachung zu einem echten Stolperstein werden könnte. Die komplexe Geschichte ist die eine Sache, die schwer überschaubare Darstellung die andere. Wer „Athena Inc.“ verstehen und genießen möchte, muss daher auch ein wenig Zeit investieren, um die Kombination aus Bild un Text auf sich wirken zu lassen, denn andernfalls wird man hier schnell den Faden verlieren. Dass es sich aber lohnt, seinen Horizont mit diesem ersten Band zu erweitern, steht außer Frage. So ambitioniert und fortschrittlich, aber auch derart wagemutig wie Haberlin gehen heute nur wenige Autoren an ihre Arbeit heran, und genau das gilt es auch reichlich zu honorieren.

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Yoshida, Sunao / Kyujo, Kiyo – Trinity Blood 1

_Story_

In einer fernen Zukunft: eine feindliche Lebensform, eine moderne Variante des klassischen Vampirs, deren Ziele jedoch noch unklar sind. Der Vatikan ist die erste Instanz, die sich gegen diese neue Bedrohung aufzulehnen vermag und sie überhaupt erst erkennt. Und so wird von Rom aus der geheimnisvolle Pater Abel Nightroad entsandt, um die Gefahr zu analysieren und schließlich auch abzuwenden. Als Agent der Spezialeinheit Ax ermittelt er verdeckt gegen den zwielichtigen Graf Gyula Kádár, der in der Stadt Istvan sein Unwesen treibt und als Vorhut dieser Vampir-Spezies gilt.

Bei diesem Auftrag lernt Nightroad auch bei einem zufälligen Zusammenstoß die gläubige Schwester Esther und ihren Gefährten Dietrich kennen, die wegen ihrer grausamen Vergangenheit beide Rache an den Vampiren geschworen haben. In ihnen findet der Pater willkommene Verstärkung gegen den undurchschaubaren Grafen, ist aber schließlich doch auf sich alleine gestellt. Während Esther sich nämlich als zu schwach erweist, um sich gegen die ungerechten Begleiterscheinungen dieses Kampfes zu behaupten, entwickelt sich der verräterische Dietrich zu einem gefürchteten Gegner, dessen Motive ebenso rätselhaft sind wie die des Grafen. Und das macht das ungleiche Gefecht zwischen dem Vatikan und den befeindeten Vampiren nicht gerade leichter.

_Meine Meinung_

Mit „Trinity Blood“ beginnt dieser Tage eine neue Manga-Serie auf dem |Panini|-Sublabel |Planet Manga|, und dazu eine von Beginn an äußerst vielversprechende. Autor Sunao Yoshida hat mit dieser Serie eine etwas eigenwillige, teils auch humorvolle Vampirstory entworfen, bei der es direkt zum Auftakt schon ordentlich zur Sache geht und der Leser auch sofort mitten ins actionreiche Geschehen hineinbefördert wird, noch bevor er sich überhaupt mal ein Bild über die Rahmenbedingungen machen kann – und das ohne jegliche Hektik. Nicht schlecht, wird man denken, allerdings ist „Trinity Blood“ aufgrund ihrer vielfältigen Charaktere keine herkömmliche Vampir-Serie, sondern schon eine etwas verzwicktere Sache, die auf den ersten Blick leicht überschaubar scheint, im Nachhinein aber dann doch komplexer ist, als der Fortschritt der Handlung dies vermuten lässt.

Feststeht am Beginn lediglich, wie einzelne Rollen verteilt sind, und in diesem Sinne weiß der Leser erstmal nur, dass sich Nightroad als menschlicher Vertreter des Vatikans und Gyula als unbekannte, vampirische Macht gegenüberstehen. Doch was bezweckt der vermeintliche Schwächling Dietrich? Was steckt hinter der schüchternen Esther? Und wie ist ihre leidenschaftliche Hingabe zur Bischöfin zu verstehen, deren Tod sie völlig aus der Bahn wirft?

Ungeklärte Fragen gibt es bereits im ersten Band von „Trinity Blood“ genügend und ihre zwischenzeitlichen Lösungen sind auch durchaus befriedigend, lassen einen nicht schon am Anfang verwirrt und grübelnd zurück, obwohl sie eigentlich auch weiter offen bleiben. Der Autor macht dies äußerst geschickt, indem er Spannung kreiert, diese ausbaut, ihre Hintergründe kurzzeitig aufdeckt, aber auch weiterhin noch Hintertürchen offen lässt, die das Ganze nicht endgültig erscheinen lassen, was es ja dann auch nicht ist.

Lediglich ein Problem ergibt sich hieraus, und das sind die manchmal überzogenen Ausschmückungen der Szenarien. Aus dem stetigen Hin und Her ergeben sich vor allem im direkten Aufeinandertreffen von Gyula und dem Pater einige Längen, welche die Konfliktlösung nur sinnlos aufschieben, aber keine Gründe liefern, warum dies jetzt noch nötig ist. Jeder kündigt x-mal an, dass er sich des jeweils anderen jetzt entledigen wird, es kommt zu mehrfachen Kampfhandlungen, aber es passiert nichts Konkretes. Und das hemmt die Entwicklung des Plots doch ganz ordentlich. Erst zum Schluss hin, eigentlich erst mit dem sich langsam andeutenden Cliffhanger, erlangt Yoshida die vorab erzielte Spannung wieder zurück, kommt wieder deutlicher auf den Punkt und bringt der gesamten Geschichte auch das Potenzial zurück, das zwischenzeitlich ein wenig auf der Kippe stand.

Ganz zufrieden sein darf man wegen dieser etwas zu ausgiebig gestreckten Abläufe im dritten von insgesamt vier Kapiteln daher auch noch nicht mit „Trinity Blood“. Die Story ist interessant, ebenso die Charaktere, und man hat auch sofort den Eindruck, als würde der Autor von der ersten Seite an ziemlich zielgerichtet auf eine Entwicklung hinarbeiten. Doch er verliert für eine kurze Zeit die ansonsten sehr stringente Spur, zerrt so ein wenig an der Geduld und rettet sich durch einen dennoch befriedigenden Übergang geschickt über die Zeit, um zum Schluss dann wieder das Tempo zu steigern.

Keine schlechte Sache, klarer Fall, aber (zumindest gilt dies für den ersten Band) auch noch nicht das, was man einen überragenden Auftakt nennen darf. Dank der starken Zeichnungen, die besonders die Hauptfiguren sehr vielseitig und individuell erfassen, ist „Trinity Blood“ aber dennoch sehr zu empfehlen, nicht zuletzt, weil man innerlich weiß, dass in dieser Serie noch jede Menge Potenzial schlummert, das erst noch ausgereizt werden muss. Gerade erschien auch Teil zwei, dann wird man hierzu mehr sagen können.

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Arakawa, Hiromu – Fullmetal Alchemist 1

_Story_

Die beiden Brüder Alphonse und Edward Elric ziehen durch die Welt, um ihr alchemistisches Grundwissen noch weiter auszubauen. Während der eine unter dem Makel eines verlorenen Beins leidet, steckt der zweite in einer riesigen Stahlrüstung – beides Konsequenzen von Grenzübertretungen in ihrem Job als Alchemisten. Doch die jungen Männer haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, an ihrem Zustand etwas ändern zu können.

Zumindest Alphonse glaubt immer noch daran, dass er eines Tages wieder seine Rüstung ablegen kann, auch wenn er gemeinsam mit Edward schon nicht mehr ihre Mutter wiederbeleben konnte. Ein Problem haben die beiden jedoch: Wirklich überall, wo sie auftauchen, ist Ärger garantiert.

Vor allem Edwards Stellung als Staatsalchemist sorgt immer wieder für Unruhe, weil die Ganoven, die den ungleichen Brüdern begegnen, genau wissen, dass sie ihnen kaum gewachsen sind. Und so ist die Reise der beiden Alchemisten geprägt von Rangeleien, Hinterlisten und Schmierereien. Edward und Alphonse machen sich aber deswegen keinen Stress, denn wo ihre vermeintlichen Gegner ziemlich cool auftreten, sind die zwei Alchemisten noch einen ganzen Tick abgezockter …

_Meine Meinung_

Der Auftakt der neuen Manga-Serie „Fullmetal Alchemist“ ist recht ungewöhnlich ausgefallen. Zwei völlig obskure Typen ziehen umher, kämpfen in gewissem Sinne für Gerechtigkeit (oder besser gesagt gegen Ungerechtigkeit) und kümmern sich dann doch wieder um kaum etwas anderes als sich selbst.

Der erste Band ist in mehrere Kapitel unterteilt, die grundsätzlich für sich selber stehen könnten, aber auch in einem gewissen Zusammenhang zueinander stehen. Anders gesagt: Es gibt einen roten Faden, der die einzelnen Episoden zusammenhält, aber nicht notwendig verfolgt werden muss. Zu Beginn werden auch direkt die gesamten Eigenheiten der Handlung bzw. ihrer Charaktere offenbar. Große Klappe vs. große Klappe, sprich ständige Wortgefechte sind an der Tagesordnung, meist geführt vom Staatsalchemisten und Unruhestifter Nummer eins, Elric, der sich hier als Moralapostel aufspielt und einen betrügerischen Pater entlarven will – aber nicht mit aller Konsequenz.

Dieser Schein-Geistliche gibt vor, er könne Menschen wiederbeleben, allerdings wissen die beiden aus eigener Erfahrung, dass dies nicht möglich ist. Mit dem Grundwissen der Alchemie ausgestattet, bekämpfen sie seine Theorien, leisten permanent Widerstand, rufen den Zorn des Paters und seiner verbrecherischer Helfershelfer auf sich herab. Und urplötzlich bekommen die beiden auch Anerkennung bei den Bürgern der Stadt, doch bevor ihnen dies nahe gehen kann, lassen sie die Leute dort wieder mit ihren Problemen links liegen, selbst ein Mädchen, das sehr großes Vertrauen in den Pater gesetzt hat und nun dringende Unterstützung braucht.

Im nächsten Abschnitt wollen Alphonse und Edward eigentlich nur einen Zwischenstopp in einem Gasthaus machen, bekommen sich aber – wieder mal wegen der Position des Staatsalchemisten – mit den Eignern in die Wolle. Dann aber lernen die beiden den Grund für den dortigen Unmut kennen. Der korrupte Leutnant presst haufenweise Steuergelder aus den unschuldigen Bürgern heraus, muss aber einlenken, als er die beiden Elric-Brüder antrifft. Diese nämlich haben sich schon einen Plan zurechtgelegt, wie sie in der Ortschaft wieder für Gerechtigkeit sorgen und den falschen Politiker überlisten können.

Im letzten Kapitel kämpfen die Elric-Brüder gegen eine Bande von Geiselnehmern an, die zudem einen ganzen Zug in Beschlag genommen haben. Gewieft wie immer setzen sie sich zur Wehr und sprengen die Situation mit taktischer Raffinesse und einer guten Spürnase.

Insgesamt sind alle drei Geschichten ziemlich stark und bieten kurzweilige, teils auch sehr humorvolle Unterhaltung. Lediglich im letzten Teil namens „Kampf im Zug“ gerät die Action zu Ungunsten der Spannung ein wenig außer Kontrolle, was aber ebenfalls durch viele lustige Szenen und Dialoge wieder locker ausgemerzt werden kann. Dies ist auch der mitunter wichtigste Aspekt dieser frischen Serie: Es ist leichte Kost, hat aber trotzdem von allem etwas und ist überdies auch sehr ausgewogen. Und noch viel wichtiger: Die Charaktere sind echt sympathisch, cool und fördern den Spaß umso mehr.

„Fullmetal Alchemist“ ist sicherlich kein innovativer Überflieger in seinem Genre, aber eine echte Bereicherung. Das kann ich zumindest für den ersten Band unterschreiben. Die beiden Elric-Brüder haben Witz und sind super illustriert, soll heißen, auch die Rahmenbedingungen stimmen. Auf den Punkt gebracht, heißt dies, dass der Einstand absolut gelungen ist und man auf jeden Fall noch einiges von dieser Serie erwarten darf. Die Fortsetzung folgt im November 2006. Hoffentlich dann auch wieder mit so lässigem Manga-Entertainment.

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Miller, Frank (Autor) / Mazzucchelli, David (Zeichner) – Batman (Das erste Jahr)

_Story_

Bruce Wayne ist seit dem Mord an seinen Eltern Vollwaise. Gleichzeitig ist er aber auch der reichste Mann der Stadt, was ihm sowohl zahlreiche Freunde als auch Feinde beschert. Bei seiner Rückkehr in die Verbrechermetropole Gotham City schwört er eines Tages Vergeltung für das Attentat auf seine Familie. Verkleidet als Dunkler Ritter Batman macht er schon bald Schlagzeilen, wird aber ebenfalls zum größten Feind des Police Departments, denn Batmans rätselhaftes Auftreten ist nicht zwingend der guten Seite zuzuordnen. Vor allem der neue Lieutenant Gordon beschäftigt sich ausführlich mit dem Phänomen Batman; er macht Jagd auf den Mann im Fledermauskostüm und versucht, mehr über seine Motivation in Erfahrung zu bringen. Erfolglos. Sowohl die Cops als auch die höherrangigen Beamten sind machtlos gegen Waynes zweites Gesicht, und obwohl sie einen dringenden Verdacht haben, wer hinter der Maske steckt, können sie dem Millionär nichts nachweisen.

Währenddessen hat Gordon aber auch noch mit seinen familiären Problemen zu kämpfen; seine Frau Barbara liegt von Depressionen gequält kurz vor der Entbindung schwanger im Hospital und gerät andauernd mit ihrem Mann aneinander. Der wiederum kann der Versuchung einer Affäre kaum noch widerstehen und gerät in einen moralischen Zwiespalt. Sein Leben scheint ihn zu überfordern, doch Gordon wehrt sich vehement dagegen. Schließlich gilt es, Batman dingfest zu machen und die korrupten Elemente innerhalb der Polizei zu entlarven …

_Meine Meinung_

Vor genau 20 Jahren, 1986, hatte Comic-Legende Frank Miller die Idee, Batmans Ursprungsgeschichte neu zu verfassen, und schrieb in Kooperation mit Zeichner David Mazzucchelli eine Art Tagebuch des Dunklen Ritters mit dem Titel „Das erste Jahr“. Im Original entstand dabei ein Vierteiler, der nun, wo eben jene Geschichte wieder mehrfach in den Fokus der aktuellen Ereignisse im DC-Universum gerät, nach etlichen Jahren neu aufgelegt wurde. In Deutschland erscheint die Serie sogar direkt als Sammelband und bildet als solcher eines der Highlights der diesjährigen Verlagssaison.

Miller konzentriert sich in seiner Fassung der Erzählung zugleich auf zwei verschiedene Charaktere, die sich in ihrer Zerrissenheit allerdings sehr ähnlich sind. Zum einen ist da natürlich Bruce Wayne, millionenschwerer Erbe mit unheimlich großen, bislang versteckten Kräften und einem arg zweifelhaften Ruf. Sein Geld ist beliebt, hält für den reichen Waisen aber auch alle Nebenerscheinungen bereit, die ein solch schweres Vermögen im ungünstigsten Fall mit sich bringt. Wayne ist ein arroganter Schnösel, hält sich für unantastbar und glaubt auch in seiner zweiten Haut als Batman, vollkommene Freiheit zu genießen. Er ist seinen Verfolgern zwar auch immer einen Schritt voraus und kann ihnen im direkten Kräftemessen auch immer Paroli bieten, lernt aber in seiner anderen Verkörperung auch seine Grenzen kennen und muss akzeptieren, dass er trotz seines Reichtums vor der Bedrohung der Unterwelt nicht sicher ist.

Fehlende Sicherheit ist auch eine Misere, von der Lieutenant Gordon befallen wird, sobald er seinen Job in Gotham City angetreten hat. Er ist ein Workaholic und als solcher von seinen Kollegen auch gefürchtet. Seine übergenauen Ermittlungen und der Erfolg im Kampf gegen das Verbrechen machen ihn auch in den Medien zum gefeierten Helden, senken seinen Status bei der Chefetage aber in gleicher Weise. Dort sind nämlich korrupte Persönlichkeiten an der Macht und decken die schmierigen Geschäfte ihrer Untergebenen, so dass Gordon trotz mehrfacher Beweise gegen Windmühlen ankämpft. Außerdem leistet er sich einen groben Fehler, als er seine Frau mit einer Kollegin betrügt, was natürlich nicht unbeobachtet bleibt und fortan als Druckmittel gegen ihn benutzt wird.

Das Leben dieser beider Männer wird in chronologischer Folge innerhalb eines Jahres beschrieben, und damit sowohl ihr Aufstieg als auch ihr Schicksal. Miller nimmt dabei jeweils die Perspektive der Protagonisten ein, schildert ihr Handeln und beschreibt ihre meist sehr persönlichen Gedanken, angefangen bei der stetigen Skepsis des Beamten bis hin zum immer kompromissloseren Erscheinungsbild Batmans. Dabei dringt er sehr tief in ihr Innerstes ein und entwickelt eine sehr dramatische Geschichte mit unsicherem, spannendem Verlauf und vielen genialen Ideen. Im Gegensatz zu Millers neueren Werken ist der Plot auch relativ simpel gestrickt und basiert auf einem temporeichen, stringenten Aufbau.

Unnötige Komplexität weicht einem Mehr an Action, die in diesem Fall sogar teilweise recht brutal ist, allerdings nie übertrieben dargestellt wird. Mazzucchelli konzentriert sich in den Zeichnungen nämlich auch auf das Wesentliche und erweist sich dabei als die perfekte Ergänzung zu Millers basischem Stil. Das düstere Gesamtbild, Millers Charakteristikum Nummer eins, prägt die Geschichte unheimlich und zehrt sehr stark von den oftmals enorm finsteren Zeichnungen. Diese sind ein perfekter Spiegel der Atmosphäre des Inhalts; bedrückt, düster, pessimistisch, aber doch sehr lebendig, oder um es auf den Punkt zu bringen: Hier ist alles miteinander im Einklang, weshalb man auch mit Fug und Recht von einem Klassiker reden darf.

Einer von vielen aus Millers reichhaltig bestückter Biografie, der nun endlich auch als gesammeltes Werk in Deutschland erhältlich ist. Fans des Autors erzähle ich sicher nichts Neues mehr, wenn ich sage, dass seine Geschichten durchweg genial sind. Wer den Autor solcher Serien wie „Sin City“ und „300“ indes noch immer nicht kennen und lieben gelernt hat, bekommt mit diesem Comic eine optimale Chance, Verpasstes nachzuholen und sich von Millers eigenwilliger Eleganz vereinnahmen zu lassen. Eine Chance, die man sich meines Erachtens keinesfalls entgehen lassen sollte!

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Miller, Frank / Varley, Lynn – 300

_Story_

Leonidas war nie ein Mann der großen Worte; bereits seit Kindestagen ließ er stattdessen Taten sprechen, so zum Beispiel als er vollkommen ausgemergelt siegreich gegen eine überlegene Bestie focht und bereits dadurch zur Legende wurde. Dies ist nun vierzig Jahre her, und Leonidas ist inzwischen zum König Spartas aufgestiegen. Eine unglückliche Rolle, denn das Land wird bedroht und scheint dem Untergang geweiht.

Zu groß sind die persischen Truppen um den göttlichen Xerxes, die schnurstracks auf Griechenland zusteuern, um das Land zu erobern und sein Volk zu unterwerfen. Doch noch ist Sparta frei. Noch steht zwischen dem Überfall der Perser eine Armee von 300 tapferen Spartanern, angeführt von niemand Geringerem als Leonidas selber, einem Motivationskünstler sondergleichen, der seine Soldaten wider die Ermahnung durch das Orakel in den Krieg schickt. In einen Krieg, in dem es nicht nur um Ehre, Ruhm und Macht geht, sondern vor allem um Stolz. Lieber nämlich würde Leonidas sterben, als Xerxes den Frieden durch einen symbolischen Kniefall zu bescheren. Und so ziehen die Spartaner in den Krieg; 300 Mann, stolz und kampferprobt, aber gleichzeitig auch dem Tode geweiht.

_Meine Meinung_

Frank Miller ist derzeit wohl der meistgefragte und vielleicht auch beste Autor, den die amerikanische Comic-Szene ihr Eigen nennen darf. Spätestens mit der cineastischen Adaption der von ihm geschaffenen Serie „Sin City“ hat sich der Mann unsterblich gemacht, behält seinen arbeitsreichen Kurs aber weiterhin strikt bei. So folgt bereits kurze Zeit nach dem durchschlagenden Erfolg des Kinofilms ein weiterer Höhepunkt in Millers Karriere, nämlich die Geschichte der 300 Männer, die mit letzter Kraft ihr Heimatland Sparta verteidigten.

Und wie es sich für Miller gehört, wird das Ganze auch wieder in einer sehr edlen Fassung veröffentlicht, deren Aufmachung wohl zum Opulentesten gehört, was der gesamte Bereich aufzubieten hat. „300“ erscheint als DIN-A4-Hardcover mit luxuriösem Einband und der mittlerweile schon berüchtigten hochwertigen Papierqualität im |Cross Cult|-Verlag und stellt wohl auch für das junge Label das bisherige Highlight des eigenen Katalogs da. Der Haken: „300“ kostet in dieser Form knapp 30 €, ist also nicht wirklich erschwinglich, aber auf inhaltlicher Basis absolut jeden einzelnen Cent wert.

Bei Leonidas’ Kampf gegen die Perser greift Miller auf sein gesamtes stilistisches Repertoire zurück und überzeugt einmal mehr mit einer atmosphärisch enorm dicht illustrierten Geschichte, die zudem von der Eindringlichkeit des übergeordneten Erzählers geprägt wird. Seine Worte wirken zunächst wie Metaphern, ihre ständigen Wiederholungen gar heroisch, doch ihre Wirkung ist schlichtweg atemberaubend. Man wächst als Leser selber in die Rolle des griechischen Anführers hinein, fühlt seinen Stolz (der auch von den Zeichnungen spitzenmäßig eingefangen wurde), spürt seinen eisernen Willen und fühlt sich seinen Zielen verbunden. Seine Worte sind Gesetz und werden trotz ihrer bedenklichen Folgen als solches akzeptiert und verinnerlicht. Er leitet die Geschichte, er bestimmt den Verlauf, und in ihm alleine lebt Miller auf.

Obwohl der Autor die Handlung in die Hände von Leonidas’ Sprachrohr Dilios legt, wächst der Autor immer stärker in die Rolle des heldenhaften Kriegsherrn hinein und entwickelt ihn zu seinem Alter Ego, zum unnahbaren Helden und sicherlich auch zu einem ideologischen Vorbild, dessen Grundzüge rückblickend auch in manchen von Millers anderen Geschichten zu finden sind. Auch er ist ein stolzer Vertreter seiner Zunft, dabei ein echter Eigenbrödler und in seinem Handeln erfolgreich – hier bestehen tatsächlich massive Ähnlichkeiten zwischen Autor und Protagonist, vielleicht auch gewollt, aber auf jeden Fall sehr auffällig.

Doch im Mittelpunkt stehen natürlich nicht diese Vergleiche, sondern die exzellente Story, und diese fesselt einen von Beginn an. Obwohl der Leser ganz genau weiß, wohin sich die Sache entwickeln wird, und auch schon gezielt erahnen kann, welches Ende Miller in Betracht zieht, bleibt die Story spannend bis zum Schluss, weil sie eben nicht nur auf die kriegerischen Akte zielt, sondern auch einen sehr dominanten Fokus auf die einzelnen Hauptakteure wirft. Zwischenzeitlich gerät die Verteidigung Spartas sogar ins Hintertreffen, weil vorrangig wichtig ist, was mit den führenden Personen, aber auch mit den einprägsamen Charakteren in ihrer Umgebung geschieht. Aber trotzdem ist diese Spannung nicht vergleichbar mit den herkömmlichen Erklärungen dieses Begriffes. Vielmehr ist es die Spannung, die nur auf eine endgültige Explosion wartet, quasi auf den vorbestimmten und nur zeitmäßig nicht festgelegten Knall, der – wie soll es anders sein – erst zum Schluss eintritt. Dafür aber umso majestätischer!

„300“ ist zweifelsohne ein echter Glanzakt und mit Abstand Millers elegantestes Werk. Nichts wurde dem Zufall überlassen, denn alles scheint strikt durchgeplant. Das gibt der Handlung Sicherheit und den Aktionen Bestimmung und Richtung. Eigenschaften, die der Autor auch auf die tragenden Figuren übertragen hat, um ihnen so ein vergleichbares Profil zwischen den individuell so unterschiedlichen Eigenheiten zu schaffen. Und das wäre dann schon wieder eine weitere von vielen, noch ungenannten Besonderheiten, die dieses edle Stück (wenn auch nicht auf den ersten Blick) auszeichnen.

Wie bereits erwähnt, das noble Comic-Paket ist mit 30 € ein sehr kostspieliges Unterfangen und prinzipiell auch nur dann zu empfehlen, wenn man Stil und Stärken des Autors bereits anderweitig kennen gelernt hat. Denn auch wenn „300“ ohne Wenn und Aber ein echtes Meisterwerk der illustrierten Buchkunst geworden ist, so ist es noch immer Voraussetzung, dass man den bizarren, finsteren Stil des Urhebers mag. Sollte dies der Fall sein, und davon ist prinzipiell auch auszugehen, ist das Geld für diesen Comic echt gut angelegt. Sehr gut sogar!

http://www.crosscult.de/
[Offizielle Website zum Film]http://300themovie.warnerbros.com/

Hyung, Min-Woo – Priest – Band 11

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516
[Band 8 2575
[Band 9 2618
[Band 10 2701

_Story_

Mit letzter Kraft und großer Mühe hat Ivan Isaacs den Kampf gegen Acmode überlebt, ist jedoch noch immer schwer von dem ungleichen Gefecht angeschlagen. Dennoch begibt er sich auf die Flucht vor den Marshalls, die weiterhin nach seinem Leben trachten. Obwohl sich Isaacs seiner Überlegenheit bewusst ist, weicht er ihnen aus und stößt dabei auf die junge Lizzy, die ebenfalls vom grauenvollen Zombie-Virus befallen ist. Doch diese Begegnung nimmt für die Dame kein glückliches Ende; Ivan will sich ihrer nicht annehmen und gerät außer sich, als sie einen Vergleich mit seiner geopferten Gefährtin Gena bemüht. Erschüttert von der Reaktion ihrer Ikone entzieht sich Lizzy der scheinbaren Obhut des kompromisslosen Rächers und gerät dabei in den Einfluss einer Bande von Banditen, die ebenfalls schon reichlich Erfahrung mit dem Virus hat.

Währenddessen sendet der Vatikan einen Geheimbund aus, der alsbald mit den Marshalls aufeinander trifft. Es ist der St.-Vertinez-Orden, eine mächtige Gemeinschaft, die einzig und allein für Temozarelas Rückkehr verantwortlich zeichnet. Schon bald müssen Coburn und seine Mannen schmerzlich erfahren, mit welch grauenvollen Gegnern sie es hierbei zu tun haben …

_Meine Meinung_

Die „Priest“-Reihe geht in die finale Phase, jedoch nicht ohne kurz vor Ende noch einmal mächtig Verwirrung zu stiften. Zum einen werden wieder einige bedeutsame Charaktere in die Story integriert, und zum anderen überraschen die bekannten Personen durch unerwartete, überraschende Handlungen, die den Plot mit einem Mal wieder völlig umkrempeln.

Die mysteriöseste Tat ist dabei sicherlich das Einschreiten von Temozarela und seiner Gefolgschaft, denen allein Ivan sein Leben und seine Freiheit zu verdanken hat. Sie haben ihn vor der Sklavschaft des Belial und dem Tod im Kampf gegen Acmode bewahrt und so ihre grundsätzlichen Motive scheinbar verworfen. Aber auf wessen Seite stehen sie nun?

Die Transparenz der Motivationen der einzelnen Charaktere ist im elften Band quasi nicht gegeben, was dazu führt, dass man zwischenzeitlich gar nicht mehr weiß, was nun tatsächlich Realität, Vergangenheit, Zukunft oder was auch immer ist. Selbst der Einzelkämpfer Isaacs bleibt ein Mysterium, begründet durch seine seltsame Zusammenkunft mit Lizzy, welche wiederum hasserfüllt aus dieser Begnegung hervorgeht und Rache für all die unschuldigen Opfer dieses diabolischen Glaubenskrieges schwört. Und dabei muss sie auch noch gegen das brutale Virus ankämpfen, das sich langsam aber sicher in ihrem Organismus breit macht. Isaacs hätte hier auch eine Chance zu einem Bündnis ergreifen können, um sich ihrer Rache anzuschließen, doch er wählt den einsamen Weg, weil er nach all den Enttäuschungen keine Nähe mehr ertragen kann – besonders nicht, wenn Gena mit ins Spiel kommt.

Nehmen wir als anderes Beispiel die Marshalls; sie sind grob gesehen gar nicht an der Geschichte beteiligt, sieht man mal von ihren Gefechten mit den Zombies ab; erst als einer von ihnen die harten Methoden der Kirche von St. Vertinez kennen lernt, werden sie in die Sache mit hineingezogen, sind sich der Tragweite all dessen aber gar nicht bewusst. Auch ihnen wird demnächst noch eine ganz andere Rolle zukommen, doch bleibt die Motivation hinter ihrem Handeln erst einmal völlig unklar.

Und so kann man trotz des vergleichsweise knappen Umfangs noch zahlreiche weitere Unklarheiten nennen, die das eh schon komplexe Gerüst noch einmal gewaltig sprengen und daher auch nicht gerade zum besseren Verständnis beitragen. Nach Abschluss der Nr. 11 herrscht so etwas wie eine „Alles ist möglich“-Stimmung vor, die ja grundsätzlich gar nicht verkehrt ist, würde es einen deutlichen roten Faden geben, der die Sache zusammenhält. Aber alleine schon durch die vielen Sprünge und Neuvorstellungen ist es kaum möglich, diesen auch als solchen zu erkennen, selbst wenn er in groben Zügen vorhanden sein mag.

Konstant geblieben ist lediglich die Action, denn davon gibt es auch in diesem Comic mehr als ausreichend. Vom blutigen Pfad ist Autor Min-Woo Hyung indes ein wenig abgekommen, so dass „Priest 11“ nicht ganz so brutal wie seine beiden Vorgänger ausgefallen ist. Eine begrüßenswerte Entwicklung, denn irgendwie drohte die rohe Gewalt ein wenig zu entgleisen.

Ansonsten ist der Gesamteindruck dieses Mal ein wenig zwiegespalten, weil der Aufbau des Buches arg konfus ist und es dem Leser kaum ermöglicht, sich adäquat am Geschehen zu orientieren. Dies kann zwar von der nach wie vor erstklassigen Erzähl-Atmosphäre (erschaffen durch den eigenwilligen Zeichenstil des Autors) weitestgehend gerade gebügelt werden, ist aber trotzdem ein elementarer Kritikpunkt. Beim nächsten Mal bitte wieder etwas stringenter, Mr. Hyung!

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Salvatore, R. A. (Exzerpt) / Dabb, Andrew (Autor) / Seeley, Tim (Zeichner) – Exil (Forgotten Realms – Die Saga vom Dunkelelf 2)

Band 1: [„Heimatland“ 2498

_Story_

Zehn Jahre sind ins Land gezogen, seit Drizzt Do’Urden seiner Heimat Menzobarranzan den Rücken gekehrt hat. Zehn Jahre, in denen er an der Seite seiner befreundeten Pantherin zum gefährlichsten Kämpfer des Unterreichs aufgestiegen ist und als die größte Bedrohung seines alten Hauses empfunden wird.

Herrin Malice lässt daher auch weiterhin keine Ruhe, bis ihr Sohn endgültig getötet und der Fortbestand des Hauses Do’urden gesichert wurde, doch ihre Suche nach dem gewieften Drizzt scheint aussichtslos. Mit Hilfe der Spinnenkönigin, um deren Gunst sie nach wie vor buhlt, kreiert sie in einem teuflischen Zauber die Reinkarnation von Drizzt’s Vater, dem ermordeten Waffenmeister Zaknafein, und entsendet diesen auf die tödliche Jagd nach seinem abtrünnigen Sohn.

Doch Drizzt ist seinen Häschern stets eine Spur voraus und findet vorzeitig Unterschlupf beim Volk der Gnome, das ihn trotz einer alten Fehde bereitwillig empfängt. Aber auch dort findet er nur kurze Zeit Ruhe, denn als die Kunde von der Bedrohung durch die Dunkelelfen in die Stadt gelangt, muss der dritte Sohn des Hauses Do’Urden erneut fliehen. Zusammen mit seinem neuen Verbündeten Belwar sucht er nach Schutz in den Höhlen des Unterreiches, wo die neue Gemeinschaft auf den verzauberten Peck stößt, der in die Gestalt eines Hakenschrecken verwandelt wurde und sich den Gefährten anschließt.

Obwohl sich Drizzt unter seinen neuen Freunden so wohl wie nie zuvor fühlt, ist er sich bewusst, dass er der Rache seiner ehemaligen Herrin und Mutter nicht entfliehen kann und sich früher oder später der von ihr ausgehenden Bedrohung stellen muss. Allerdings wusste der junge Dunkelelf bis dahin nicht, was genau ihn die ganze Zeit über verfolgt hat …

_Meine Meinung_

Diese Graphic Novel kurz und bündig mit einem Wort zusammenzufassen, würde wohl auf Superlative wie ‚atemberaubend‘ oder ‚umwerfend‘ hinauslaufen.

Ähnlich wie schon im ersten Teil der illustrierten Adaption von R. A. Salvatores legendärer Saga um die Völker der Dunkelelfen, ist auch der mittlere Part der Trilogie ein echter Festschmaus in Sachen bebilderter Fantasy und besticht einmal mehr durch eine mitreißende, wahrlich sagenhafte Atmosphäre.
Dabei geht Salvatore in seinem zweiten Band sogar noch einen Schritt weiter, was die Kompromisslosigkeit seiner Protagonisten betrifft, und hat in „Exil“ eine ziemlich brutale, mitunter auch schwer verdauliche Handlung entworfen, die an Spannung jedoch kaum noch übertreffbar scheint.

Buch- und Filmadaptionen sind im Comic-Bereich ja bekanntermaßen meist schwierige Fälle, weil es einfach nicht gelingen will, die Stimmung der jeweiligen Vorlage in den Zeichnungen und vergleichsweise kürzeren Texten einzufangen. Bei „Die Saga vom Dunkelelf“ aus der Welt “Vergessene Reiche“ ist jedoch das genaue Gegenteil der Fall. Die düstere Stimmung ist teils noch bedrohlicher als das Original und jagt einem gleich mehrfach wohlige Schauer über den Rücken. Auch die Charaktere werden von Zeichner Tim Seeley sehr eigenständig in Szene gesetzt und lassen eine deutlich eigene Note erkennen, die sich zwar an Salvatores Skript hält, vom Stempel des Zeichners aber deutlich mitgeprägt wird. Eine wichtige Angelegenheit, die als eines von vielen Puzzleteilen beweist, dass die Comic-Variante weit mehr ist als eine zeichnerische Nacherzählung des Fantasy-Klassikers.

Doch zum Inhalt des zweiten Buches: Im Mittelpunkt steht noch deutlicher als zuvor der Konflikt zwischen Drizzt und seiner Familie, oder besser gesagt der fürchterlichen Inkarnation, die den Jungen einst verbittert aufgezogen, dann aber die Kontrolle über seine Emotionen verloren hat. Nach mehr als zehn Jahren im Exil hat der immer noch junge Dunkelelf mit seiner Vergangenheit abgeschlossen und sucht nach einem Leben in Frieden. Die Angst vor der Verfolgung durch seine verhassten Angehörigen lastet jedoch immer noch sehr stark auf seinen Schultern, weshalb er sein Schicksal in die Hände des damals noch gegnerischen Volks der Gnome in Blindgenstein legt.

Dort findet er Zuflucht, Unterstützung und Bestätigung, erfährt jedoch auch dieselben biederen Hindernisse, die ihm zum ewig Flüchtigen haben werden lassen. Er gehört einem miserablen, bösen Volk an, einer Sippe, der man nicht über den Weg trauen kann, und die für ihre Ziele über die Leichen eines jeden Einzelnen gehen würde, und genau dies kann man in Blindgenstein nicht akzeptieren. Schon wieder ist sein Leben geprägt vom ständigen Weglaufen, von der Flucht vor einem häufig unsichtbaren, doch nur allzu bekannten Feind, der dazu noch aus demselben Fleisch und Blut wie er selber ist.

Die Tragödie setzt sich fort, über bittere Kämpfe, gefährliche Pfade und unsichere Abenteuer bis hin zur gefürchteten Konfrontation, der Drizzt schließlich nicht mehr ausweichen kann. Doch der bevorstehende Kampf richtet sich gegen einen Geliebten, den einzigen Dunkelelfen, der Drizzt je seine Gunst erwiesen hat, und letztendlich auch die einzige Figur, gegen die er das Schwert nicht erheben möchte – obwohl er dies zum Überleben einfach tun muss.

R. A. Salvatore hat mit dieser Serie sein Meisterstück abgeliefert und dementsprechend auch reichlich Anerkennung für „Die Saga vom Dunkelelf“ bekommen. Gleiches wäre den Machern des gleichnamigen Comics auch zu wünschen, denn ein sphärisch so dichtes, gleichzeitig böses und euphorisches und bis zum Schluss unberechenbares Epos hat die Comic-Welt selten erlebt. Die Geschichte von Drizzt Do’urden und seinem bösartigen Volk ist an Dramaturgie kaum noch zu übertreffen, bietet aber zur gleichen Zeit auch genügend Action-Kost, um genreübergreifend das berechtigte Interesse zu wecken. Für mich persönlich ist „Exil“ als zweiter Teil dieser Reihe die beste und wohl kaum noch zu übertreffende Episode aus der übergeordneten Reihe „Vergessene Reiche“. Meine Empfehlung daher: Sofort zuschlagen, am besten im Paket mit der ab Oktober veröffentlichten Hörspiel-Trilogie aus dem Hause |Lausch|, die fast exakt an die Comic-Vorlage angelehnt ist.

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Busiek, Kurt (Autor) / Nord, Cary (Zeichner) – Conan 1 – Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten

Man durfte beim Anblick des neuen Conan-Comics durchaus skeptisch sein. In den Dreißigerjahren verstrickte Robert E. Howard seinen barbarischen Archetypus erstmals in Abenteuer und hauchte ihm Leben ein. Seitdem haben sich zahllose Fantasy-Autoren bemüht, Conan gerecht zu werden und Howards Grundton zu treffen. Inzwischen wird der Barbar aus Cimmeria als klassischer Vertreter des Genres gehandelt, der nicht hinter Gandalf und Konsorten zurücktreten muss. Ein gewisse Meisterschaft im Erzählen darf also erwartet werden, wenn sich ein neuer Autor mit Conan dem Barbaren auseinander setzt.

Erinnerungen an die guten, alten Conan-Comics aus den Siebzigerjahren kehren zurück (»Savage Sword Of Conan«). Rauhe Panels in Schwarzweiß, teilweise so konventionell, dass man meinen konnte, die Zeichner der »Illustrierten Klassiker« hätten ihre Finger im Spiel gehabt. Die Mischung aus klassischem Stil und rauer Oberfläche passt gut zu Conan und gab den Klang der Geschichten optisch treffend wieder. Noch heute macht es Spaß, die alten Sachen zu lesen.

Die Bildwelten des neuen Zeichners Cary Nord sprechen da eine ganz andere Sprache. Sehr farbenfroh und glatt, lassen sie Gedanken an Spider-Man und andere Strumpfhosenträger erwachen. Das gibt der anfänglichen Skepsis weiteren Nährboden. Hinzu kommt der neue Conan-Autor Kurt Busiek, der sich bisher vornehmlich im Superhelden-Universum herumgetrieben hat. »X-Men«, »Daredevil«, »Marvels« – und jetzt Conan? Kann das gut gehen? Ausgerechnet Busiek und Nord sollen dem wilden Cimmerier neues Leben einhauchen?

Zugegeben: Mit der Gestaltung der Hintergründe hat Cary Nord es nicht so. Aber irgendetwas trübt das anfängliche Urteil. Beim genauen Hinsehen sind seine Zeichnungen nicht so glatt, wie sie zunächst erscheinen. An den Rändern schleicht sich eine gewisse Unschärfe ein. Der Strich wird unruhig und nervös, ungeduldig und wild. Als wolle er aus den Bahnen ausbrechen. Ebenso Busieks Geschichte. Anfänglich plätschert eine ruhige, kleine Fantasy-Erzählung so dahin. Der Leser ist dabei, als Conan die Aesir kennen lernt und hilft, ihr Dorf gegen die feindlichen Vanir zu verteidigen. Eine kleine Intrige, eine kleine Liebelei, eine blutige Prügelei mit einem Eisriesen – bis dahin eine durchaus unterhaltsame Comic-Lektüre, aber nicht mehr.

Doch spätestens, als die längere Episode in Hyperborea beginnt, ahnt der Leser, dass Busiek nicht unter der Last des Conan-Universums stöhnt und ächzt, sondern dass er die notwendige Ruhe aufbringt, um die phantastische Welt auszubreiten, die einst von Robert E. Howard erdacht wurde. Direkt vor den Augen des Lesers, ganz locker, so dass es fast unbemerkt bleibt, definiert Busiek Conan neu, gibt seinem Charakter Gestalt, wie es für den ersten Band einer Reihe angemessen ist. Conan als Rächer, Conan als Kämpfer, Conan als Liebender und treuer Freund – alle wichtigen Facetten das Fantasy-Barbaren kommen vor, frisch und lebendig inszeniert.

Die anfängliche Skepsis ist verflogen. Nachdem Conan mit seinen Verrätern kurzen Prozess gemacht hat, ist die Geschichte bald vorbei. Man schlägt den Comic zu und bleibt noch einen Augenblick gebannt sitzen. Wild und phantastisch war der Strudel, der einen auf Conans Schulter durch Hyperborea gespült hat. Und man fletscht mit den Zähnen: Der nächste Band kommt erst im November!

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Busiek, Kurt (Autor) / Nord, Cary (Zeichner) – Conan 1 – Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten

Die einst von Robert E. Howard erfundene Fantasy-Figur |Conan| gilt als eine der ersten Heldengestalten des so genannten „Sword & Sorcery“-Genres und war gleichzeitig eine der wichtigsten Figuren, die der 1936 nach tragischem Suizid verstorbene Kultautor zu Lebzeiten etabliert hat. Während die meisten mit Conan sicherlich erst einmal die Filme mit Arnold Schwarzenegger assoziieren (und dabei hoffentlich auch an den genialen Soundtrack von Basil Poledouris denken), werden Comic-Freunde sich auch der längst etablierten illustrierten Geschichten und legendären Bücher um den Cimmerier entsinnen.

Vor ungefähr drei Jahren entstand in Amerika eine weitere Comic-Reihe um den barbarischen Kämpfer, dieses Mal gezeichnet von Cary Nord und geschrieben von Kurt Busiek, der unter anderem auch schon für |Marvel| Comic-Storys zu „Green Lantern“ oder „Power Man“ schrieb, also seit einiger Zeit kein Unbekannter mehr in diesem Genre ist. Hierzulande musste man sich hingegen, wie so oft im Bereich der Comic-Zunft, eine ganze Weile gedulden, bekommt aber via |Panini| direkt in einem Rutsch die absolute Vollbedienung. Im Juli ist der erste Sammelband der ’neuen‘ „Conan“-Comics erschienen, im November erscheint bereits die Fortsetzung. Kein Grund zum Meckern also, trotz sehnsüchtigen Abwartens!

_Story_

Bei ihrer Reise treffen ein orientalischer Prinz und sein Gefolge auf eine rätselhafte Statue – die Statue des legendären Barbaren Conan, dessen Geschichte der Hoheit im Folögenden erzählt wird.

Einst ritt Conan aus seiner Heimat aus, um das sagenumwobene Land Hyperborea kennen zu lernen. Tagein, tagaus ritt er vorwärts gen Norden und traf alsbald auf das Volk der Aesir, die mitten im Krieg gegen die befeindeten Vanir eine weitere bittere Niederlage haben einstecken müssen. Frauen und Kinder fielen dem heimtückischen Angriff zum Opfer, und selbst Conan konnte die Schreckenstat nicht mehr abwenden. Statt ihm Dank für seinen Einsatz zu zollen, greifen ihn die Aesir jedoch an, sind sich aber schnell darüber im Klaren, dass sie in diesem mächtigen Kämpfer einen wertvollen Verbündeten gefunden haben.

Conan zieht mit den Aesir fortan in die Schlacht, wenngleich er sein Ziel Hyperborea nie aus den Augen verliert. Allerdings ist er bei seinen neuen Freunden nicht überall gerne gesehen. Man neidet ihm seine Ausstrahlung und seinen Einfluss und spinnt im Hintergrund bereits eine Intrige, die ihn das Leben kosten soll. Doch statt Conans Tod müssen viele Leute des eigenen Heers ihr Leben lassen, und statt Frieden, den sich Conan auch zwischenzeitlich bei seiner Begegnung mit der mysteriösen Tochter des Frostriesen versprochen hatte, geraten alle Überlebenden nach dem überraschenden Angriff der Soldaten aus Hyperborea in die Sklaverei.

Nach und nach stellt Conan fest, dass seine Vorstellung des paradiesischen Ortes ein Trugbild war; zwar sind die Einheimischen unsterblich und leben genau das Leben, das Conan sich einst ersehnte, doch besteht der Preis dafür in zahlreichen unschuldigen Menschenleben, die den Hyperboreern geopfert werden. Der Barbar wehrt sich vehement gegen die auferlegte Fessel und stößt alsbald auf die hübsche Sklavin Iasmini, die ihm nach einer kurzen Liebelei ein Gegenmittel gegen die magischen Drogen des hyperboreeschen Volkes beschafft. Insgeheim plant Conan die Befreiung seiner Gefährten und eine letzte blutige Schlacht. Doch trotz gründlicher Beobachtung hat er die Kraft seiner übermenschlichen Gegner unterschätzt …

_Meine Meinung_

Diese Serie ist die erste Zusammenarbeit des Teams Busiek/Nord, brachte dem Autor der wiederbelebten Serie aber auf Anhieb den |Eisner Award| für die beste Kurzgeschichte ein. Zu Recht, wie ich nach dem Genuss dieses gigantischen Auftaktepos berichten kann, denn was vor allem Busiek hier entworfen hat, ist in kreativer Hinsicht eine absolute Wucht und verdient selbst unter Kritikern, die dem Neustart der Reihe eher skeptisch gegenüber stehen, den größten Respekt.

Mal abgesehen vom unnötigen Prolog um den orientalischen Prinzen, dem die eigentliche Geschichte erzählt wird, glänzt dieser insgesamt siebenteilige Sammelband (im Original zwischen November 2003 und August 2004 veröffentlicht) durch einen ungeheuer spannungsvollen Aufbau, dessen Ausmaß sich erst im Laufe der Handlung offenbart. Vermutet man anfangs nicht mehr als eine ’normale‘ Abenteuerreise, wird dem Leser schon beim ersten Aufeinandertreffen von Conan und den Aesir bewusst, wie umfassend und spektakulär Busiek seine Geschichte aufgezogen hat. Wichtig ist hierbei, dass es ihm von Abschnitt zu Abschnitt von Neuem gelingt, Überraschungen zu platzieren, sei es nun die Finte der beiden intriganten Betrüger, die Liebschaft zu Iasmini, das ständige Hin und Her im Lande Hyperborea, oder, oder, oder …

Dabei schreckt der Autor auch nie davor zurück, sich genreübergreifender Stilmittel zu bedienen. Die Begegnung mit der Riesentochter beispielsweise hat schon fast etwas Horrormäßiges, mit den magischen Formeln der hyperboreeschen Zauberer driftet Busiek gar in die düstersten Bereiche der Fantasy ab, während die gesamte Reise des Cimmeriers ohnehin einem einzigen, historisch inspirierten Mythos gleicht, das gleich mehrere geschichtliche Generationen inhaltich abdeckt. Was die Story betrifft, ist „Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten“ ein vollkommen stimmiges, gar überragendes Werk und selbst über das vorzeitige Ende hinaus noch immer unheimlich spannend.

Hinsichtlich der Illustrationen kann man dies im weitesten Sinne ebenfalls behaupten, wobei man jedoch nicht verleugnen darf, dass der ureigene Stil von Cary Nord gerade zu Beginn ein wenig gewöhnungsbedürftig ist. Der Mann verfolgt einen recht groben Stil, der besonders in den Winterlandschaften des Frostriesen, aber auch in den dunklen Höhlen Hyperboreas in einigen recht schwammigen Hintergrundbildern gipfelt. Dies sind allerdings auch die einzigen negativen Aspekte seiner Zeichnungen, die ansonsten sehr schön der Stimmung der Handlung angepasst sind und gerade bei den Darstellungen der finsteren Szenarien zu überzeugen wissen. Ebenfalls sehr gelungen sind die Momentaufnahmen der Kampfszenen, insbesondere diejenigen, die Conan beim Töten seiner Gegner zeigen. Hier wird, speziell zum Schluss, die gesamte gebündelte Wut und anschließend eben auch der Hass auf das ungerechte Leben bzw. das unmenschliche Ungleichgewicht in Hyperborea in fesselnden Bildern zusammengefasst, in denen einem dann doch die Gewissheit kommt, dass Cary Nord nach anfänglichen Bedenken ob seiner eigensinnigen Skizzen genau der richtige Mann für diese Arbeit gewesen ist.

Am Ende gibt es dann neben einigen graphischen Leckerbissen auch noch ein kurzes Interview mit dem Zeichner, der hier in wenigen Sätzen über seine Beziehung zum Vermächtnis von Original-Autor Howard und die Zusammenarbeit mit dem als Eigenbrödler bekannten, komplizierten Kurz Busiek berichtet. Eine schöne Ergänzung, die diesen genialen Sammelband würdig abschließt.

_Fazit_

Ohne große Worte: „Conan“ ist wieder zurück, und dies so eindrucksvoll wie eh und je. Dieser edel aufgemachte Comic ist eine der Top-Ausgaben der gesamten Saison.

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Brubaker, Ed (Autor) / Hairsine, Trevor & Woods, Pete (Zeichner) – X-Men – Tödliches Erwachen (Marvel Exklusiv 63)

Noch immer stehen die Mutanten nach den Ereignissen des M-Days unter Schock, erhoffen sich jedoch schnellstens Rehabilitation. Doch hierfür benötigen sie die Unterstützung des nach wie vor vermissten, schon tot geglaubten Charles Xavier. Die X-Men, allen voran Logan und Hank, begeben sich erneut auf die Suche nach ihrem Anführer und stoßen dabei auf eine geheime Botschaft von dessen Gefährtin Moira Mactaggert, die neben einer Spur des Professors auch noch einige seltsame Geschehnisse aus der Vergangenheit Xaviers offenbart und seine Ehre gewaltig in Frage stellt. Wie sich später herausstellt, hat das glatzköpfige Oberhaupt vor einiger Zeit vier Jugendliche rekrutiert und sie auf eine Mission ausgesandt. Doch die Mission geriet außer Kontrolle, und die Fähigkeiten dieser vier Schüler wurden auf den einzigen Überlebenden übertragen, der seine neue Macht schließlich gebrauchten, um sich an Xavier zu rächen. Werden die X-Men ihren Anführer vor der neuen Bedrohung beschützen können? Oder bleibt er für ewig verschollen?

Außerdem: Die außergewöhnliche Vergangenheit der vier neuen X-Men Petra, Sway, Darwin und Gabriel. Was bewog sie dazu, sich Charles Xavier anzuvertrauen, und welche Perspektiven versprach er ihnen, um ihre düstere Kindheit vergessen zu können?

_Meine Meinung_

Das „House Of M“ ist Geschichte, seine Nachwirkungen sind aber immer noch überdeutlich präsent. Vor allem der neue Status der Helden, die plötzlich nicht mehr Mutanten, sondern normalsterbliche Menschen sind, verändert die momentane Situation im Universum der X-Men aufs Äußerste und hemmt auch ihre übermenschlichen Kräfte. Nur ein Mann kann ihnen aus ihrer Misere heraushelfen, doch dieser ist nicht auffindbar.

Seit dem Aufstieg Magnetos ist Charles Xavier vom Erdboden verschluckt, und da er selbst durch mentale Mächte nicht mehr aufzuspüren ist, liegt nahe, dass er sein Leben gelassen hat. Doch weder die X-Men noch ihre Verbündeten, aber auch Xaviers Gegner wollen sich mit dieser Tatsache nicht abfinden und suchen weiterhin an allen Winkeln der Erde nach dem berühmten Wissenschaftler. Doch die Motivation wird getrübt, als Hank eine Botschaft entschlüsselt, die eine andere, negative Seite des Anführers zeigt. Xavier hat nämlich vor gar nicht langer Zeit gegen jegliche Moral und auch gegen den Willen seiner Gefährtin Moira verstoßen und dabei Helden erschaffen, die ihrer Rolle eigentlich noch gar nicht gewachsen sind. Zudem ist das Abenteuer, in das er seine neuen Untergebenen schickt, zweifelhaft und beinahe aussichtslos, was die X-Men auch zu Bedenken führt, ob Charles Xavier seine Mutanten für höhere Zwecke opfern würde.

Doch bevor sie sich näher damit auseinander setzen können, bekommen sie die direkte Auswirkung seines vermeintlichen Fehlers zu spüren, denn Gabriel, der die Mission als Einziger überlebt hat, schwört Rache und fordert Genugtuung, was nicht nur in mehreren tödlichen Anschlägen gipfelt, sondern die Suche nach Xavier auch zu einem Wettlauf mit der Zeit macht. Denn sollte Gabriel ihn eher finden als die X-Men, dann ist zu befürchten, dass Xavier ebenso brutal ermordet wird wie Gabriels bisherige Gegenspieler. Und angetrieben davon finden die ehemaligen Mutanten dann endlich auch das, was sie so lange gesucht haben – jedoch nicht in der Form, wie sie es sich gewünscht hätten.

Es ist schwer, diesen Comic zu rezensieren, ohne dabei zu nahe auf die Entwicklung der Geschichte einzugehen, zu viel zu verraten und somit auch einen Teil der Spannung zu nehmen. Nur so viel: „X-Men – Tödliches Erwachen“ ist gespickt mit zahlreichen Überraschungen, unvorhergesehenen Wendungen und unheimlich vielen, irreführenden Szenen, sodass man definitiv von einer vollkommen atemberaubenden Fortführung der „House Of M“-Saga sprechen darf. Vielleicht sogar noch von einer gewaltigeren.

Der nunmehr 63. Band aus der Reihe „Marvel Exklusiv“ knüpft unmittelbar an den Untergang von Magnetos Regentschaft an und wirft im selben Zuge auch schon die nächste bedrohliche Situation auf, wenngleich die Sache dieses Mal nicht ganz so weit reichend zu sein scheint. Zwar wird das Ganze zu Beginn noch recht komplex dargestellt, doch weil man im Nachhinein immer schnell die Erklärungen für das bisher Geschehene nachgereicht bekommt, fällt es etwas leichter, den Durchblick zu behalten. Zumal die Suche nach Charles Xavier den roten Faden der Story beschreibt.

Erfrischend wirkt das Ganze vor allem wegen der neuen Charaktere sowie die neuen Eigenschaften der bekannten Protagonisten. Deutlich geschwächt treten sie einem übermächtigen Gegner gegenüber und lösen sich somit erstmal gehörig von den bekannten Strukturen. Es hat den Anschein, als würde der Sprung in eine neue Generation unmittelbar bevorstehen, und wo „House Of M“ schon revolutionär schien, ist es die mit „Decimation M“ untertitelte Serie nun tatsächlich. Nichts, aber auch wirklich nichts anderes würde mir deshalb in den Sinn kommen, als diesen immerhin 192 Seiten starken Band dringend weiterzuempfehlen!

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Ambrosio, Stefano / Rigano, Giovanni (Zeichner) – Fluch der Karibik 2: Der Comic zum Film

_Story_

Jack Sparrow hat ein Problem; vor einiger Zeit hat er sich dem Fliegenden Holländer verpflichtet, weil er so zu Kapitänsehren gekommen ist, doch damit hat er sich selber an sein Schiff gebunden und kann seine Suche nach dem großen Schatz nicht weiter fortsetzen. Als sein alter Weggefährte Will Turner ihn aufsucht und nach seinem berüchtigten Kompass verlangt, sieht Jack die Chance, sich dem Gehorsam des Fliegenden Holländers zu entziehen und wieder auf Schatzsuche zu gehen. Sparrow nutzt seine Chance, macht einen Deal mit Turner und sticht in See. Doch so leicht, wie der raffinierte Jack sich sein neuestes Abenteuer vorgestellt hat, ist es weder für ihn noch für Turner. Denn sowohl für ihn als auch für Will steht viel auf dem Spiel; Letzterer bangt sogar noch um seine Verlobte Elizabeth, die nach ihrer Gefangenschaft nun nach Turner sucht.

_Meine Meinung_

Mittlerweile dürfte es wohl kaum noch jemanden geben, der das aktuelle Abenteuer von Captain Sparrow und Co. nicht in den Kinos gesehen hat. Bereits jetzt gehört der zweite Teil von „Pirates Of The Caribbean“ zu den zehn erfolgreichsten Produktionen aller Zeiten, und wer sich des spannenden Endes samt gemeinem Cliffhanger bewusst ist, der wird sicherlich auch wissen, dass sich dies mit dem dritten und letzten Teil der Saga kaum ändern wird.

Weniger erfolgsversprechend ist hingegen die lyrische Adaption des großen Piratenspektakels. Der kürzlich veröffentlichte Roman zum Film war ein echter Flop, der selbst Fantasy-Koryphäe Wolfgang Hohlbein in ein ziemlich düsteres Licht gerückt hat. Dass es allerdings auch anders geht, beweisen nun die Mailänder Disneystudios bzw. die dort tätigen Zeichentrick-Beauftragten Stefano Ambrosio und Giovanni Rigano, die dem Kinostreifen einige bislang unentdeckte Seiten abgewinnen können und trotz der – im Vergleich zum Film – knapp bemessenen Dauer mehr herausholen als eine plumpe Nacherzählung.

Allerdings ist der Comic zum Film anfangs auch recht komplex aufgebaut und erfordert schon eine gewisse Vorkenntnis. Ich würde mal behaupten, eine Verinnerlichung der Inhaltsangabe des Kinodebüts ist Pflicht, um dem Lauf der Dinge auf Anhieb folgen zu können. Und sicher ist es auch nicht von Nachteil, die beteiligten Gesichter zu kennen, denn die sind den realen Schauspielern originalgetreu nachempfunden.

Und dennoch ist die Adaption alles andere als eine normale Zusammenfassung des Films. Die Zeichnungen sind wirklich sehr erfrischend und humorvoll, eben ganz im Disney-Stil gehalten, und machen den Comic zum einen insgesamt sehr eigenständigen Unterfangen. Vor allem was die Mimik der betroffenen Protagonisten anbelangt, holt Zeichner Giovanni Rigano noch einmal eine ganze Menge heraus und sorgt selbst an Stellen, die inhaltlich nicht sonderlich witzig sind, für den ein oder anderen (bewussten?) Lacher. Vergleichbar ist das Ganze irgendwie auch mit dem Stil des französischen Comics, lediglich mit dem Unterschied, dass die Gesichter runder sind. Doch die feine Hochglanzästhetik und die größtenteils lustige Bildersprache scheinen von dort aus inspiriert und mit den typischen Elementen der Disney-Comicschmiede kombiniert worden zu sein.

Zuletzt noch einmal zum Inhalt: Auch hier setzt der Comic andere Schwerpunkte und konzentriert sich fast ausschließlich auf die Hauptfigur Jack Sparrow. Die Vorgeschichte, die im Kinostreifen noch weitaus intensiver beleuchtet wird, lässt man hier zugunsten eines schnellen Spanungsaufbaus fallen, wenngleich es sich der Autor nicht nehmen lässt, blitzschnell zwischen den Szenarien zu springen und allen wichtigen Eckpunkten der Story gerecht zu werden. Beim Ende agiert er sogar noch ein ganzes Stück geschickter als der Regisseur der Kinovorgabe, indem er die Geschichte nicht abrupt abbrechen lässt und so dieses knapp 50-seitige Vergnügen zu einem runden, allerdings ebenfalls offenen Schluss bringt. Somit wurde selbst der einzige gewichtige Kritikpunkt raffiniert umschifft.

Graphisch ein Leckerbissen, inhaltlich eine Wucht und zudem noch sehr humorvoll illustriert und inszeniert – „Fluch der Karibik 2“ ist mehr als der sinnbildliche Comic zum Film und eine der ganz wenigen Ausnahmen derartiger Projekte, bei denen die Begeisterung für beide Genres auf gleichem Niveau ist. Ganz gleich, ob man sich in den Lichtspielhäusern bereits mit dem Inhalt vertraut gemacht hat – diese tolle Zeichentrick-Geschichte sollte man sich als Fan der Piraten-Saga keineswegs entgehen lassen.

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Pak, Greg / Tocchini, Greg – 1602 – Die neue Welt (100 % Marvel 23)

Neil Gaiman ist ein hervorragender Geschichtenerzähler. Mit »1602 – Die neue Welt« tritt Greg Pak nun in seine Fußstapfen. Die neue und farbenfrohe Miniserie von |Marvel| verpufft jedoch. Was da Siedler, Superhelden und Dinos im frühneuzeitlichen Roanoke so treiben, lässt den Leser kalt.

Entgegen der Gewohnheit, dass im Superhelden-Universum alles immer gigantischer, bunter und ausgeflippter werden muss, schaltet |Marvel| mit »1602« einen Gang zurück. Das Leserauge freut sich über Abwechslung. Statt Hochhausschluchten oder Raumstationen dient die junge Siedlung Roanoke als Hauptort der Handlung. Eine kleine Anzahl Hütten, ein paar Siedler im besten Pilgrim-Look und ein paar Indianer – fertig ist das Setting von »1602«.

Nun gut, ganz so einfach ist es nicht. Es fehlen schließlich noch die Superhelden. Die grundsätzliche Idee von »1602« folgt dem inzwischen altbekannten Motto »Alte Helden in neuem Gewand«. Die Idee ist ganz erfrischend, Spider-Man, Hulk und Ironman in die frühe Neuzeit zu versetzen, als Amerika noch Kolonie war, als noch niemand den Dollar kannte und als die ersten Stars-and-Stripes noch genäht werden mussten.

Erfinder dieses Paralleluniversums war Neil Gaiman (Sandman, Die Bücher der Magie), seines Zeichens begnadeter Comicautor und Schriftsteller. In einer achtteiligen Miniserie (100 % Marvel 4 und 6) erzählte er die Geschichte, wie Captain Marvel an den Anfang des 17. Jahrhunderts geschleudert wurde und die Realität veränderte. Durch seinen Zeitsprung schuf er eine neue Zeitlinie: Colonization goes Superhero. Ach ja, und die Dinosaurier leben noch.

Mit »1602 – Die neue Welt« hat Gaiman bestenfalls noch so weit zu tun, dass er die Weichen für das neue |Marvel|-Universum gestellt hat. Was Greg Pak und Greg Tocchini mit ihrer fünfteiligen Fortsetzung geschaffen haben, ist nur noch mäßig unterhaltsam. Irgendwie beschleicht den routinierten Comicleser das Gefühl, einem Produkt aus der Retorte gegenüberzustehen. Da wird ein Eingangskonflikt angerissen, der am Ende aufgelöst wird. Da werden verschiedene Nebencharaktere eingeführt, und einer nach dem anderen entdeckt seine übernatürlichen Kräfte. Schließlich kommt es zu einem großartigen Zusammenstoß zwischen den Engländern und den Indianern, einem Showdown mit viel Feuerwerk. Die Superhelden geben ihr Bestes, und am Ende bekommt sogar noch der fiese König James im fernen England auf die Mütze.

»1602 – Die neue Welt« leidet daran, dass es den Leser bis zur letzten Seite darüber im Unklaren lässt, wohin die Geschichte eigentlich will. Es fällt schwer, einen Hauptprotagonisten auszumachen. Ständig springt das Auge hin und her, ohne zu wissen, was es eigentlich suchen soll. Die frühe Neuzeit dient dabei als Lokalkolorit, nicht mehr. Was nach dem Lesen übrig bleibt, ist das vage Gefühl, dass Autor Grag Pak selbst nicht genau wusste, was er eigentlich mitteilen wollte. Und wer nichts zu sagen hat, sollte besser schweigen.

Groening, Matt / Morrison, Bill / Diverse – Bart Simpson Sonderband 5: Das bunt-bewegte Bart Simpson Buch

|“Legenden der Bartman-Familie“|

Bart alias Bartman ist auf der Suche nach einem Gauner, der es auf elektronische Kinderspielzeuge abgesehen hat. Grandpa Simpson ist davon jedoch gar nicht angetan und berichtet Bart von seinen Erfahrungen als maskierter Verbrecherjäger. Dennoch gehen beide gemeinsam auf die Jagd nach dem Dieb und machen dabei eine ungewöhnliche Entdeckung.

|“Bart Simpson in geheimer Mission“|

Bart hat im schuleigenen Chemielabor ein geheimes Experiment gewagt und dabei Teile der Schule in die Luft gejagt. Rektor Skinner ist davon gar nicht angetan. Jedoch wird er von einer mysteriösen Dame überrumpelt, die Bart zu ihrem neuen Geheimprojekt einlädt und ihm den Auftrag überreicht, nach dem hochexplosiven Element Macguffium zu suchen. Tatsächlich begibt sich Bart auf die Suche, zweifelt aber immer mehr an seinen Auftraggebern.

|“Isst du das auf?“|

Die Lebensmittel in der Grundschule von Springfield sind wegen zu langer Lagerung verdorben. Für Rektor Skinner ist dies allerdings kein Grund, die schimmelige Ware zu entsorgen. Unter dem Vorwand, die Schüler für ihr gutes Benehmen zu belohnen, organisiert Skinner einen All-you-can-eat-Buffet, das Nelson und Bart dazu ausnutzen, einen Ess-Wettbewerb zu starten. Schließlich wollen die beiden nicht einsehen, sich gut benommen zu haben …

|“Die mittelmäßigen Abenteuer von Martin und Milhouse“|

Martin und Milhouse würden gerne mit Bart etwas unternehmen, doch der widmet sich lieber seinen Streichen. Ein wenig gekränkt ziehen die beiden durch die Stadt und bemühen sich, auch ohne ihren Kumpel Spaß zu haben. Nach einiger Zeit müssen sie jedoch resigniert feststellen, dass sie ohne Bart nicht sein können …

|“Der große Springfielder Donut-Krieg“|

Bart hat den gesamten Vorgarten verwüstet und steht kurz davor, Homers Zorn zu erfahren, als er seinen Vater in letzter Sekunde daran erinnert, dass dieser in seiner Jugend ähnlichen Unfug veranstaltet hat. Homer lässt sich davon tatsächlich ablenken und erzählt davon, wie er seinem Vater zum ersten Mal einen Schaden ersetzen musste – und zwar als Aushilfe in einem kleinen Donut-Laden.

|“Kino-Chaos“|

Bart und Milhouse drehen trotz des Widerstands ihrer angestrebten Sponsoren einen eigenen Horror-Film. Nachdem die beiden genügend Stoff gesammelt haben, präsentieren sie die Premiere des Streifens in der Aula ihrer Schule. Allerdings sind die eingeladenen Zuschauer nicht sonderlich vom seltsamen Inhalt des Films angetan. Noch nicht …

_Meine Meinung_

„Das bunt-bewegte Bart Simpson Buch“ ist der Titel des fünften Bart-Simpson-Sonderbands, der sich aus den mittlerweile vergriffenen Exemplaren der „Bart Simpson Comics 17 – 20“ zusammensetzt. Diese Ausgaben erschienen im Original zwischen Februar und Juni 2005 und sind demnach auch noch nicht wirklich lange auf den Markt, weshalb es schon verwunderlich ist, dass man auf offiziellem Wege nicht mehr an diese Comics herankommt.

Wie auch immer, rein inhaltlich bieten die vielen Teilepisoden inklusive der ergänzten Kurzgeschichten ein sehr breites Repertoire rund um den kleinen gelben Flegel. Auffällig ist lediglich, dass Bart in diesem Sonderband gleich mehrfach als potenzieller Held auftritt, nämlich einmal in der Rolle seines Alter Egos Bartman sowie in der Episode „Bart Simpson in geheimer Mission“, bei denen Bart individuell nach verschiedenen Verbrechern fahndet. Wobei noch in Frage gestellt werden darf, ob Bart als Ermittler tatsächlich etwas taugt, zumal er sich in der letztgenannten Geschichte auch richtig fein an der Nase herumführen lässt.

Auf der anderen Seite stehen eher schräge Storys, wie beispielsweise die finale Folge, bei der Bart und Milhouse einen ziemlich abgedrehten Film kreieren, der schlicht und einfach schlecht ist. Aber dennoch ist es für den Leser ein wahrhaftes Vergnügen, das endgültige Produkt anzuschauen, denn die Dinge, die die beiden Kumpels hier miteinander kombiniert haben, sind so abstrus, dass es schon wieder genial ist.

Dennoch: Ganz so überzeugend ist dieser Sonderband letztendlich nicht, denn obwohl das Gros der enthaltenen Geschichten wirklich lustig ist, fallen einige Teile hinsichtlich des Humors durchs Qualitätssieb. So zum Beispiel ist der bereits genannte Part „Bart Simpson in geheimer Mission“ eher dröge; irgendwie will der Funken nicht überspringen, und die moralische Pointe ist auch nicht wirklich gelungen. Ebenso ist die Episode, in der Bartman den Elektrospielzeug-Dieb ausfindig machen möchte, nicht so toll. Die wenigen Lacher sind vergleichsweise unspektakulär, der Verlauf langweilig, aber zumindest das Ende recht gut. Aber verglichen mit den letzten Ausgaben dieser Serie ist dies eher zweite Wahl.

Von diesen leichten Ausfällen abgesehen, ist „Das bunt-bewegte Bart Simpson Buch“ aber dennoch recht annehmbar und kann sich sowohl bezüglich des Humors als auch im Hinblick auf den generellen Inhalt der Geschichten in der zweiten Hälfte deutlich steigern, wenngleich man nicht abstreiten darf, dass Bart Simpson auch schon in besserer Form war. Weil der Endpreis mit 9,95 € aber relativ verbraucherfreundlich ausgefallen ist und man doch noch immer wieder etwas zum Lachen bekommt, sollten sich Simpson-Fans, sofern sie die Original-Ausgaben noch nicht besitzen, dennoch mal nach diesem 120 Seiten starken Buch umschauen.

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Miller, Frank / Lee, Jim – All Star Batman 2

_Story_

In einer verruchten Gegend von Gotham City, in der sich nur die übelsten Gesichter der gesamten Stadt aufhalten, hält eine ganze Riege junger Männer Ausschau nach der hübschen Kellnerin eines Pubs. Bei dieser handelt es sich um die wohlgeformte Black Canary, die während des abendlichen Trubels mit einem Mal völlig ausrastet und das Lokal, in dem sie arbeitet, zu einem einzigen Schlachtfeld ummodelliert. Derweil wird der erst 12-jährige Richard Grayson weiterhin vermisst, wobei den Ermittlern klar ist, dass sich der gerade erst ins Rampenlicht getretene Batman des Jungen angenommen und ihn entführt hat. Dies wiederum erzürnt einen anderen Helden, nämlich Clark Kent alias Superman, der aufgrund der aktuellen Ereignisse langsam rot sieht. Außerdem hängt an der Geschichte um die Entführung nämlich noch das Leben der Reporterin Vicky Vale, die bei Batmans Verfolgung schwer verunglückt ist und nun im Krankenhaus mit ihrem Leben ringt. Der arroganten Fledermaus kann all dies jedoch nichts anhaben. Er ist sich sicher, im jungen Grayson den richtigen Komplizen entdeckt zu haben, und bringt ihm trotz des Widerstands seines Butlers Alfred auf äußerst harte Art und Weise Disziplin bei – und fühlt sich dabei ziemlich sicher …

_Meine Meinung_

Wie auch schon in den anderen Comics der „All Star“-Reihe wird auch im zweiten Teil von „All Star Batman“ ein sehr eigenwilliger Ansatz verfolgt, der sich ziemlich deutlich von den derzeitigen Ereignissen im DC-Universum abhebt. Besonders die im Mittelpunkt stehenden Charaktere – in diesem Fall natürlich vorrangig Batman, aber auch der kurz eingebundene Superman – unterscheiden sich in ihrem Verhalten enorm von ihrem aktuellen Erscheinungsbild, wobei natürlich erwähnt werden sollte, dass sich „All Star Batman“ mit den Anfängen der berüchtigten Fledermaus auseinandersetzt. Erfahrene Leser mögen zwar jetzt gelangweilt gähnen, speziell wenn sie in der Inhaltsangabe erfahren, dass die Entstehungsgeschichte von Robin ein weiteres Mal thematisiert wird, doch man sollte dabei nicht vergessen, dass mit Frank Miller und Jim Lee zwei absolut renommierte Routiniers hinter der Serie stecken, und dieses Dream-Team wird seinem Ruf dann auch voll und ganz gerecht.

Wie eigentlich von beiden gewohnt, ist die Story sehr düster und wird von Lee auch dementsprechend zeichnerisch aufgearbeitet. Und wie man es von Miller kennt, so werden die Hauptdarsteller als raubeinig und kompromisslos dargestellt, was natürlich bei der Betrachtung von Batman erst einmal überrascht, denn bei ihm sind noch keine Anzeichen dafür auszumachen, dass er der ‚guten‘ Seite angehört. Erst die Entführung, dann sein niederträchtiges Verhalten gegenüber dem jugendlichen Grayson – das ist nicht der Batman, den wir kennen, sondern vielmehr das überhebliche Abbild des Multimillionärs Bruce Wayne, welches in jedem Charakterzug Batmans sehr prägnant zur Geltung kommt. Interessant wird sein, wie Frank Miller dieses enorm abstoßende Bild des Helden irgendwann auf die rechte Spur bringt, denn in diesem Zustand traut man Batman einen ehrlichen Wandel weder zu, noch würde man ihn glaubhaft annehmen können.

Bei Superman verhält sich die Sache eher anders; er steht natürlich für Gerechtigkeit, allerdings ist man von ihm kaum gewohnt, dass er gänzlich aus der Haut fährt. Sieht man ihn indes in „All Star Batman“, wird man erstmal über seine zornige Erscheinung verwundert sein. Der Superheld mit dem breiten S auf der Brust wirkt längst nicht so souverän, wie man ihn aus anderen Geschichten kennt, was jedoch auch auf die Chronologie der Ereignisse zurückzuführen ist, denn wie bereits erwähnt: Die hier beschriebene Story liegt im Rahmen der Welt von |DC Comics| schon einige Jahre zurück.

Insofern ist „All Star Batman“ definitiv kein weiterer Abklatsch von Robins Herkunftsgeschichte, sondern stattdessen ein sehr interessanter Ansatz hinsichtlich der Betrachtung des ‚frühen‘ Batman und der Schatten, die die Ermordung seiner Eltern auf sein Verhalten geworfen haben. In dieser Serie, und in Band 2 noch wesentlich klarer als zuvor, sehen wir einen verbitterten, fast schon brutalen Titelhelden, der sich einen feuchten Kehricht um die Geschehnisse um ihn herum, sondern nur um sich und seine Rache schert. Batman tritt als fürchterlicher Egoist auf und bewegt sich jenseits jeglicher bekannter Werte; der Effekt: anfangs schockierend, später aber dann unheimlich interessant und weit von dem entfernt, was der Leser zunächst erwartet hat. Und wer hätte sich hierfür schließlich besser geeignet als Frank Miller? Wahrscheinlich niemand. Ergo: alles richtig gemacht, alles prima umgesetzt, und dazu noch super illustriert. Diese Serie sollte man als Fan daher auch keinesfalls verpassen!

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Oprisko, Kris / Rodriguez, Gabriel / Perkins – CSI: Dominos (Bd. 02)

_Story_

In den Straßen von Las Vegas tobt ein wilder Bandenkrieg zwischen zwei namhaften Mafia-Familien, der alsbald auch einen ersten Mordfall mit sich bringt. Am Tatort wird ein gewisser Joseph Bucca nebst einer riesigen Blutlache tot aufgefunden, die jedoch darauf schließen lässt, dass es ein weiteres Opfer geben muss, das wiederum noch rechtzeitig fliehen konnte.

Gil Grissom und seine Spezialisten vom Las Vegas Metro Police Department gehen der Sache nach und finden kurze Zeit später die Leiche des Dons der Zazzera-Familie, der trotz eines chirurgischen Eingriffs seine Identität nicht vor dem Mörder geheim halten konnte. Weitere Morde erschüttern die Stadt, und ganz gleich, ob der Täter seinen hilflosen Opfern nun das Genick bricht oder ihnen aus kürzester Distanz eine Kugel durch den Kopf jagt, jedes Mal ist seine Vorgehensweise äußerst brutal.

Erst die Hilfe eines überlebenden Mafiosi bringt Grissoms Team auf eine heiße Spur und führt sie an einen Menschen heran, der offenbar keine Seele mehr hat. Selbst die Mitglieder der Spezialeinheit müssen um ihr Leben fürchten.

_Meine Meinung_

Einige Zeit, nachdem die beliebte TV-Reihe mit dem Team aus Miami ihren Einstand im Comic-Bereich feiern durfte, folgt nun eine weitere Episode, in der das CSI-Team aus Las Vegas auf die Probe gestellt wird. Kris Oprisko, als Comic-Autor längst kein Unbekannter mehr, hat sich der Sache angenommen und einen unheimlich spannenden, allerdings auch ziemlich harten Fall dargestellt, der durchaus mit der bekannten Vorgabe aus dem Fernsehen Schritt halten kann. Im hier vorliegenden Band handelt es sich dabei um eine zusammengefasste, fünfteilige Serie, die für den deutschen Markt in Romanlänge veröffentlicht wird, was natürlich sehr begrüßenswert ist. Allerdings trägt dies auch mit sich, dass zum Beginn eines jeden neuen Kapitels noch einmal kurz die bis dato erfolgten Ereignissen rekapituliert werden und die hier vorliegende Mordserie ein weiteres Mal scharf analysiert wird – was den Fluss leider manchmal ein wenig stört.

Dies ist jedoch bis auf Weiteres der einzige kleine (und natürlich leicht zu verkraftende) Schönheitsfehler in diesem Comic-Roman, der ansonsten sowohl inhaltlich als auch vor allem graphisch ein echter Leckerbissen ist. Ein besonderes Lob geht an Gabriel Rodriguez, der sich als Zeichner hier in allerlei Hinsicht bewährt hat. Speziell die seitens der Polizisten entworfenen Rückblicke der vermuteten Verbrechensabläufe werden vom Tuschezeichner super eingefangen und bieten einen herrlichen Kontrast zu den glänzenden Illustrationen des ’normalen‘ Inhalts, in denen der Mann die sechs Protagonisten des CSI-Teams recht realitätsnahe nachempfunden hat.

Bezogen auf den Inhalt fällt vor allem das hohe Erzähltempo auf; Oprisko geht absolut schonungslos mit seinen Lesern um und lässt ihnen kaum Zeit zum Luftschnappen. Ein Mord folgt dem nächsten, und bevor man sich überhaupt Gedanken über die Zusammenhänge machen kann, wird man auch schon wieder ins nächste Szenario geworfen, was zwischendurch auch schon mal für (beabsichtigte?) Verwirrung sorgt. Ein Nebeneffekt dessen ist, dass kaum Raum für ausführlichere Details bleibt und man als Leser kaum eigenständig Spekulationen über Mörder und Motive anstellen kann. Man ist stets auf die Ermittlungen der Spezialeinheit angewiesen und kann nicht, wie man sich dies manchmal bei derartigen Thrillern wünscht, selber in die Rolle des Detektivs schlüpfen. Doch dies kann man dem Autor dennoch nicht zum Vorwurf machen, denn die stetig wachsende Dramaturgie sowie das hohe Maß an Spannung sprechen ganz klar dafür, dass Oprisko die Sache richtig angepackt hat und weitere Ausschmückungen gar nicht nötig gewesen wären, eventuell sogar den Fortschritt der Handlung beeinträchtigt hätten. Keine Kritik also diesbezüglich.

Was bleibt also mehr zu sagen, als dass „Dominos“, so der Titel des zweiten Comic-Romans, ein wirklich gelungener, spannender und graphisch erstklassig umgesetzter Thriller geworden ist, dessen erfrischende Art neuen Wind in die mittlerweile leicht angestaubte CSI-Welt bringt. Speziell Fans der TV-Reihe sollten sich dieses kurzweilige Ereignis nicht entgehen lassen.

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