Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Hagiwara, Kazushi – Bastard!! – Band 1: Angriff auf Metallicana

_Handlung:_

Vor 15 Jahren wandelte der Magier Dark Schneider über die Fantasywelt, um mit seinen vier Reitern der Apokalypse für Tod und Verderben zu sorgen, sowie, ganz uneigennützig, die Weltherrschaft für sich selbst zu beanspruchen. Doch er wurde in einem Kampf vom dem Oberpriester Tio Noto Soto vernichtet und im Körper eines kleinen Jungen versiegelt. Nun sind seine Gefährten auf dem Weg, das Werk Dark Schneiders fortzusetzen, und noch mehr. Sie wollen die mächtige Anthrax erwecken. Doch im Königreich von Metallicana erwartet sie Widerstand von Dark Schneider persönlich.

_Comic:_

Als „Bastard!!“ 1987 anfing, war er noch ein recht einfacher Fantasy-Manga mit einem leichten Hang zum Hentai, der nicht wirklich viel Wert auf eine Story legte. Doch der Comic hatte etwas, das faszinierte: den unglaublich egomanischen und sexistischen Charakter von Dark Schneider. Als sein Bann in der Stadt Metallicana von der Tochter Tio Noto Sotos, Tia Noto Yoko, geöffnet wird, fällt es ihm gar nicht ein, den Angriff der heranrückenden Armee aufzuhalten. Da Dark Schneider allerdings in den Körper des Adoptivbruders von Tio Noto Yokos verbannt wurde, Luzi Renren, behandelt sie ihn immer noch wie einen kleinen Bruder, ist also die Einzige, die ihn kontrollieren kann. Dieser Egoismus von Dark Schneider und das Temperament von Yoko ergeben ein gutes Paar, das wirklich amüsant zu lesen ist. Auch haben auch die kleinen Hentai-Einflüsse der ersten Bände etwas Amüsantes für sich; so ist das Siegel von Dark Schneider nur mit dem Kuss einer Jungfrau zu brechen. Dass der Kerl dann gleich nackt erscheint, kann natürlich auch niemand ahnen. Geschweige den die Ausmaße des „Auftritts“. Das andere Vergnügen sämtlicher Bände ist die Suche nach Heavy-Metal-Bands in den Namen der Charaktere und Ortschaften. Klar, was Metallicana und die Anthrax sind, des Weiteren gibt es die Zaubersprüche Venom, Damned, Golem und Striper (hier mit i geschrieben), weitere Königreiche heißen zum Beispiel White Snake oder Judas. Und das ist nur ein kleiner Teil. Wer sich die Zeit nimmt, die einzelnen Textzeilen zu übertragen, findet sicher auch weitere Bands.

_Zeichenstil:_

Der Anfang der Serie ist noch recht einfach und nicht so eigenständig wie später, weist aber bereits erste Ansätze zur Originalität auf. Wunderbare Beispiele hierfür sind ein zweiseitiges Bild, ausschließlich gefüllt mit Dark Schneiders Kopf, sowie das zweite Bild des Angreifers Osborne (huch, noch so was mit Metal) auf einem um die Ecke preschenden Pferd. Der Arbeit merkt man deutlich an, dass ein größeres Team daran arbeitet, und das nicht in einem wöchentlichen Rhythmus. Sowohl Figuren und Hintergründe legen großen Wert auf Details, was manchmal zu etwas komplexeren Bildern kommen kann, aber im Verlauf der Serie noch weitaus schlimmer wird. Kleine Details wie der Kopf des Golems, der verdächtig nach dem Maskottchen von Motörhead aussieht, sind bis ins letzte Detail ausgearbeitet, und wer bereits im Anfangsstadium des Mangas zeichnerisch versucht mitzukommen, wird überrascht sein, wie schwer es sein kann, diese Bilder zum Beispiel abzuzeichnen.

_Fazit:_

Auch wenn der Zeichenstil für Leseanfänger doch etwas schwer sein kann, so entschädigt die Story dafür hundertfach. Der schräge Charakter des Dark Schneider sowie die überall versteckten Andeutungen auf den Heavy Metal machen den Manga sehr liebenswert, und auch wenn er sich später extrem weiterentwickelt, sollte man einen Blick darauf riskieren.

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Way, Daniel (Autor) / Dillon, Steve (Zeichner) – Wolverine 36

_Story_

Wolverine startet einen blutigen Rachefeldzug gegen die amerikanische Regierung. Geplagt von den Dämonen seiner Vergangenheit, inszeniert er ein Attentat auf das Weiße Haus und erbost dabei besonders seinen Kontrahenten Colonel Dugan, der Logans Ablenkungsmanöver bei diesem Angriff nicht durchschaut hat. Auf dem Weg der Vergeltung trifft er zunächst auf die verräterische Staatssekretärin und schließlich auf eine Shiva-Rbot, der einst darauf programmiert wurde, Leute aus dem Waffe-X-Programm endgültig zu eliminieren.

Währenddessen sind die Hintermänner der Regierung nicht untätig und entfesseln ihre Geheimwaffe Nuke, einen genmanipulierten Mann, der ebenso wie Wolverine einst im Vietnamkrieg gedient hat. Auf Geheiß seiner Auftraggeber reist er zurück in ein kleines vietnamesisches Dorf, in dem es schon einmal eine blutige Auseinandersetzung zwischen ihm und Logan gegeben hat, und richtet dort ein Massaker an. Wolverine lässt sich kein zweite Mal bitten und geht dem blutigen Treiben auf die Spur.

_Meine Meinung_

„Wolverine Origins“ wurde bereits längere Zeit mit großen Vorschusslorbeeren angekündigt und gilt wohl als eine der am sehnlichsten erwarteten Serien des gesamten |Marvel|-Universums. Nach einer halben Ewigkeit wird nun endlich Wolverines Herkunft im Rahmen einer etwas opulenter inszenierten Reihe analysiert und über viele kleine Etappen aufgedeckt. Doch Autor Daniel Way lässt seine Leser zappeln. Statt eines chronologischen Ablaufs bietet er auch in der hier gestarteten Teilserie „Blutige Geburt“ nur einen weiteren Ausschnitt aus Logans Geschichte, eingefügt in einen Plot aus der Jetztzeit, in dem der Mutant wiederum mit Ereignissen ringt, die ihm lange Zeit verborgen waren.

Erst nach und nach ist sich Wolverine bewusst geworden, welchen Zweck er einst erfüllte und von welch enormer Wichtigkeit er im Waffe-X-Programm war, so dass seine Rachegelüste mit der Zeit immer heftiger wurden und in diesem recht kaltherzigen Comic nun erstmals kanalisiert werden können. Das Ganze hat dabei eine Art „einer gegen alle“-Mentalität, weil Wolverine seinem Status als Einzelgänger noch deutlicher als je zuvor gerecht wird und seinen unerbittlichen Feldzug allem anderen voranstellt. Dementsprechend konsequent und zielstrebig tritt er in der Geschichte dann auch auf, und dies sowohl in den Rückblicken in seine eigene Vergangenheit als auch beim Kampf gegen seine furchtsamen Feinde, die aus Angst davor, selbst zugrunde zu gehen, darauf drängen, dass ihr ehemaliger Schützling schnellstmöglich ausgelöscht wird.

Wolverines Position ist aber dennoch unklar. Einerseits hat er sich das Ziel gesetzt, seine Vergangenheit zu überwinden und seine schrecklichen Aktionen von damals vergessen zu machen, andererseits ist sein Auftreten skrupellos und von einem übergeordneten Hass getrieben, welcher selbst für eine Person wie Wolverine ungewöhnlich ist. Zwischendurch bekommt man sogar den Eindruck, dass unser geliebter Held nicht mehr weiß, wer er eigentlich ist bzw. wo die moralischen Grenzen sind. Insofern hat Mr. Way hier also durchaus etwas Eigenes in der breiten Welt Wolverines erschaffen.

Die Befürchtung, dass dem Mutanten dabei Sympathien abgehen, wird indes im Verlauf der Handlung als unbegründet bestätigt. Schließlich sind auch seine Gegner Fieslinge, angestachelt von einer korrupten, gleichsam erbarmungslosen Macht und im Grunde genommen erst dafür verantwortlich, dass Logan den Weg gegangen ist, der ihn zu seinen Rachegelüsten getrieben hat. Selbst wenn der Titelheld also unlautere Mittel einsetzt und auch die gesamte Story etwas unkonventionell aufgebaut ist, bleibt „Origins“ also letztendlich dennoch ein typisches „Wolverine“-Werk; dies zwar sicherlich mit einer größeren, bis hierhin noch nicht überschaubaren Tragweite, aber wider alle ungewöhnlichen Aspekte genau das, was Fans von „Wolverine Origins“ erwarten durften.

Ein genaueres Urteil über die hier gestartete Serie möchte ich mir allerdings nach diesem ersten Eindruck bzw. der ersten Episode noch nicht erlauben. Ausgehend vom bis dato Gelesenen, halte ich es zu diesem Zeitpunkt auf jeden Fall für wahrscheinlich, dass die vorab losgetretene Euphorie ihre Berechtigung hatte. Die Story ist jedenfalls recht facettenreich aufgebaut und trotz klarer Linie noch schwer durchschaubar, passt sich damit aber wunderbar dem Mysterium an, das Wolverine seit eh und je umgibt. Mal ganz davon abgesehen, dass Fans des berühmten |Marvel|-Helden sich die neue Ausgabe der „Wolverine“-Comics auf keinen Fall entgehen lassen sollten, sehe ich hier eine Chance, auch viele neue Fans anzusprechen. Die Voraussetzungen und die bisherige Umsetzung zum neuen Konstrukt aus dem |Marvel|-Universum sprechen jedenfalls Bände.

Ein Tipp noch für Sammler: Der Comic erscheint mit zwei verschiedenen Covern, die man sich beide [hier]http://www.paninicomics.de/?s=gruppen&gs__gruppe=10107 anschauen kann.

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Willingham, Bill / Buckingham, Mark – Fables 1 – Legenden im Exil

_Story_

In Fabletown, wo Märchenfiguren mit ganz normalen Bürgern New Yorks zusammenleben, ist es zu einem schrecklichen Vorfall gekommen. Im Apartment von Rose Red, der Schwester der stellvertretenden Bürgermeisterin Snow White, wurden die Wände literweise mit Blut beschmiert, während von der Eignerin der Wohnung jede Spur fehlt. Der große böse Wolf alias Detektiv Bigby geht der Sache auf den Grund und macht sich mit seinen unkonventionellen Ermittlungsmethoden nicht besonders viele Freunde in Fabletown. Unterstützt von Snow White, befragt er Verdächtige und Angehörige und beschuldigt dabei direkt jeden des Mordes. Besonders verdächtig: der gerissene Geliebte von Rose Red, Jack, und der berüchtigte Bluebeard, der mit der Vermissten einen Ehevertrag aufgesetzt hatte, der in wenigen Tagen in Kraft treten sollte.

Nun jedoch scheint es so, als sei Rose Red tot, und die gesamte Stadt wird nur von der einen Frage beherrscht, wer die Dame umgebracht hat. Bei drei Litern Blutverlust ist es jedenfalls unmöglich, dass sie die ungeklärte Tat überlebt hat – oder doch? Bigby Wolf hat auf alles eine Antwort.

_Meine Meinung_

Das nenne ich mal eine echt ungewöhnliche Comic-Story! In „Fables“ werden einige bekannte Märchencharaktere in die Moderne transferiert und benehmen sich nach der Vertreibung aus ihrer ursprünglichen Welt alles andere als angepasst auf der Erde. Während die einen sich mit magischer Hilfe ganze Schlösser haben errichten lassen, brechen andere willkürlich die Gesetze der Menschlichkeit und benehmen sich gehörig daneben.
Dies scheint jedoch auch die Grundlage der Geschichte zu sein, denn dass die betroffenen Märchenfiguren hier einige verhaltenstechnische Sonderrechte besitzen, eröffnet dem Autor die erforderlichen Freiheiten bei der Einführung seiner Charaktere.

Im ersten Band „Legenden im Exil“ übernehmen dabei die beiden Figuren Snow White und Bigby Wolf die Hauptrollen und starten eine recht ungewöhnliche Ermittlungsserie, die von Anfang an von einer Hassliebe angetrieben wird. Während die populäre Snow schon einmal öfter zu kurzen hysterischen Ausbrüchen neigt und die detektivischen Techniken ihres Kollegen mehr als nur einmal stark anzweifelt, verhält sich dieser weitestgehend smart und cool, startet aber dennoch mit jedem potenziell Verdächtigen einen Konflikt, um so dessen Bedeutung als möglicher Täter zu überprüfen. Bigby sprengt gleich mehrfach das Szenario mit seiner urplötzlich hitzigen Art und stellt seine Gegenüber permanent auf die Probe, ohne dabei je an seinem Vorgehen zu zweifeln – und ohne dabei darüber nachzudenken, ob sein Auftreten im jeweiligen Fall angemessen ist. Was die Sache aber eigentlich erst zu einem derart coolen Comic-Event macht.

Abgesehen von den originellen Charakteren ist auch die Storyline absolut überzeugend; einerseits natürlich wegen des spannenden und ungewöhnlichen Verlaufs, andererseits aber auch aufgrund des eigenwilligen, ebenfalls nicht gerade üblichen Humorstils. „Legenden im Exil“ bietet einige tolle Auseinandersetzungen zwischen Helden und Anti-Helden, Versagern und Taugenichtsen, Hexen und noch schlimmeren Hexen. Flotte Sprüche sind im Rahmen der insgesamt fünfteiligen Miniserie (die in diesem Sammelband komplett enthalten ist) demzufolge natürlich auch ständig an der Tagesordnung, beginnend mit den netten Wortduellen zwischen Bigby und seiner ‚Gefährtin‘ Snow bzw. Jack und Bluebeard, die sich einmal so richtig an die Kehle springen, aber auch bei der gesamten Interaktion der sehr unterschiedlichen Beteiligten, in der es ständig zu kleinen Sticheleien kommt – und dies auf einem absoluten Top-Niveau.

„Fables“ wurden vor einiger Zeit mit ganzen 5(!) Eisner-Awards ausgezeichnet und gilt als eine der besten modernen Comic-Serien, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Nach der Lizensierung der |Vertigo|-Comics über |Panini| wird die Serie nun auch hierzulande veröffentlicht und feiert mit diesem ersten illustrierten Roman nun die Deutschland-Premiere. Und was für eine! Zeichner Bill Willingham hat hier ein wahrliches Meisterwerk geschaffen und eine Inszenierung ohne jegliche geschmackliche Tabus kreiert, die aber dennoch das perfekte Kraftfutter für das ausgehungerte wählerische Comic-Publikum darstellt. Hinsichtlich der Illustrationen ist Willingham dabei kein Risiko eingegangen und hat mit dem philippinischen Zeichner Leo Medina einen bewährten und beliebten |Marvel|-Erprobten ins Boot geholt, der ihm sein originelles Storyboard mit stimmungsvollen Zeichnungen und einer sehr dynamischen, partiell an den Stil Frank Millers erinnernden Farbgestaltung veredelt.

Kurzum: Dies ist einer der besten Comics der gesamten Winter-Saison!

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Grant, Steven – CSI: Geheimidentität (Bd. 03)

_Story_

Kurz nachdem das einst so prestigereiche Casino „Safari“ in Las Vegas öffentlich abgerissen wird, taucht ein unscheinbarer Kameramann bei der Polizei auf und berichtet davon, wie er bei diesem Ereignis eine Leiche auf seinem Band entdeckt hat. Jedoch kann die CSI (Crime Scene Investigation = Spurensicherung) auf der Aufzeichnung des Mannes namens Benson nichts erkennen, verspricht aber, der Sache auf den Grund zu gehen. Einen Tag später wird jener Mann tot aufgefunden. Unmittelbar danach taucht auch besagte Leiche bei den Bergungsarbeiten auf. Auf den ersten Blick sieht das Skelettgerippe dabei aus wie der ehemalige, erst kürzlich verstorbene Besitzer des „Safari“, Vincent Lansing – doch dessen Leiche wurde erst vor einem Monat sichergestellt und bereits obduziert. Wer ist also wirklich die Person, welche die CSI hier entdeckt hat? Und welcher Zusammenhang besteht zu dem undurchsichtigen Mordfall an Benson?

Gil Grissom und sein Team gehen den ungewöhnlichen Vorfällen nach und graben dabei tief in der Vergangenheit Lansings. Dort entdecken sie neben einigen unlauteren Geschäften und seltsamen Verbindungen die entscheidenden Zusammenhänge. Doch wessen Leiche ist die des echten Lansing?

_Meine Meinung_

Schon beim letzten CSI-Comic [„Dominos“ 2775 war ich äußerst positiv von der Umsetzung der mysteriösen Kriminalfälle überrascht, nicht zuletzt, weil man Adaptionen von TV-Serien aufgrund vieler Erfahrungen ja eigentlich grundlegend skeptisch gegenüberstehen muss – gerade wenn es sich dabei um erfolgreiche Produktionen wie „CSI“ handelt. Dennoch ist die Aufarbeitung der illustrierten Romane wirklich sehr originell, was nun auch für den dritten Teil dieser Reihe von |Panini Comics| gilt, der Mini-Serie „Geheimidentität“, die hier in einem weiteren Sammelband publiziert wird.

Inhaltlich fügt sich die Story nahtlos in das bewährte Konzept ein; die Handlung ist durchzogen von einigen komplexeren Gedankenzügen und Zeitsprüngen und führt dabei ständig neue Charaktere ein. Autor Steven Grant geht dabei aber angenehm entspannt zu Werke und lässt die Story langsam wachsen; obwohl es hier eine ganze Vielzahl verschiedener Zusammenhänge zu erörtern gilt, bewahrt der Mann seine Ruhe und Gelassenheit und überstürzt beim Aufbau der Story keinen einzigen Schritt. Zum Ende hin wird zwar kurzzeitig mal der Eindruck vermittelt, als würde Grant Torschlusspanik bekommen und unter Druck stehen, weil er das Finale noch nicht eingeleitet hat, doch auch dies gehört zum Konzept und den weiteren erstaunlichen Wendungen, die den Schlusspunkt eines storytechnisch überzeugenden Romans setzen.

Gelungen sind auch die Charakterportraits der vielen Verdächtigen; es ist zwar schon so, dass man relativ schnell ein Gespür dafür entwickelt, wer seine Finger mit im bösartigen Spiel hat. Möglicherweise ist es nicht gerade günstig, die Sympathien klar abzustecken, aber da hier anscheinend jede Person zwei gänzlich divergierende Gesichter zu haben scheint, kann man dennoch nie sicher sein, ob man mit seinen Vermutungen richtig liegt.

Das Krimi-Flair der Fernsehproduktion kommt daher auch recht schnell auf und garantiert auch die von dorther bekannte Spannung, was hier dadurch begünstigt wird, dass die Zeichnungen speziell in den gedanklichen Tatprofilen für eine packende, teils sogar schon beinahe schaurige Atmosphäre sorgen. Die entsprechenden Illustrationen sind auf graphischer Ebene deshalb auch die Highlights in „Geheimidentität“, besonders zu Beginn, als der später ermordete Benson dank seines undeutlichen, zeichnerisch entsprechend authentisch eingefangenen Videobands schon bei der mysteriös anmutenden Ausgangssituation den grundlegenden Akzent dieser Handlung setzt. Ansonsten sind die Zeichnungen zwar weitestgehend unspektakulär und gewöhnlich, bei der Darstellung der Hauptfiguren aber dennoch sehr auf mimische Details bedacht. Schlicht, aber gut!

Weniger schlicht ist hingegen die Erzählung, deren Entwicklung tatsächlich bis zur allerletzten Seite offen bleibt und somit auch auf Seiten des Lesers viele gedankliche Spielräume ermöglicht, die durch vereinzelt angedeutete Zusammenhänge noch vergrößert werden. Damit sind auch grundlegend die Voraussetzungen für einen spannenden Comic-Thriller geschaffen, der „Geheimidentität“ auch auf jeden Fall ist. Man mag zwar ob des abschreckend billigen Covers weiterhin Bedenken haben, ob die Adaption der TV-Serie auch wirklich hält, was die Vorlage verspricht, doch mal abgesehen davon, dass manche Sinnzusammenhänge bereits vor ihrer Aufklärung offensichtlich erscheinen, ist „CSI – Geheimidentät“ ein durchweg gelungener Comic mit einer gut durchdachten, bewusst komplizierten Story – und damit eine willkommene Alternative zum üblichen Superhelden-Programm.

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Crisse, Didier (Autor) / Meglia, Carlos (Zeichner) – Canari 1: Die goldenen Tränen

_Story_

Wayne wächst als Waise auf und verbringt die meiste Zeit am Strand auf seinem Surfbrett. Das Rätsel um seine Herkunft hat er nie lösen können, und er kann sich auch kaum vorstellen, dass sich dies noch einmal ändern wird. Eines Tages erhält er einen Brief mit einer Einladung an die Küste Mexikos, um dort auch seinem Hobby nachzugehen. Und so landet der junge Mann an einem Ort, der ihn geradezu magisch angezogen hat, ohne zu wissen, was tatsächlich hinter dieser Einladung steckt.

Canari gehört einem strenggläubigen Aztekenstamm an. Eines Tages sammelt sie mit ihren Geschwistern am See Wasser, das später verkauft werden soll. Dabei verliert sie ihren kleinen Bruder Xaotil auf dem Rückweg. Trotz langer Suche finden sie ihn nicht, entdecken dafür aber einen heiligen Tempel, in dem das jüngste Mädchen der Familie einen goldenen Armreif anprobiert, diesen danach aber nicht mehr ablegen kann. Die Rückkehr zur Familie wird für die verbliebenen Geschwister zur Qual. Canaris Vater macht seine älteste Tochter für das Verschwinden des Jungen verantwortlich und ist entsetzt über das entnommene Armband. Er belegt Canari mit der Aufgabe, Xaotil noch bis zum nächsten Tag aufzuspüren und gleichzeitig den goldenen Gegenstand zurückzubringen. Sollten die Götter nämlich erfahren, dass einer ihrer kostbarsten Schätze geraubt wurde, stehen dem Volk schreckliche Tage und ein Leben in Ungnade bevor.

_Meine Meinung_

Mit „Canari“ veröffentlicht der kleine Bielefelder |Splitter|-Verlag dieser Tage die neue Serie des renommierten Comic-Gespanns Didier Crisse (Text) und Carlos Meglia (Zeichnungen). Erzählt wird hier die Geschichte eines jungen Azteken-Mädchens, welches bereits in frühester Jugend eine große Verantwortung auf seinen Schultern tragen muss, dieser aber nur bedingt gewachsen ist. So soll sie unter anderem ihre jüngeren Geschwister in ihre Obhut nehmen und sie bei den regelmäßigen Wanderungen zum Fluss beschützen. Doch Canari ist überfordert und kann sich gegen den Willen ihrer Brüder und Schwestern nicht durchsetzen. Eines Tages lässt sich darauf ein, den Rückweg durch den Fluss zu schwimmen, ohne sich dabei der Gefahren bewusst zu werden. Ihr Bruder Xaotil verschwindet währenddessen und taucht auch nach intensiver, nächtlicher Suche nicht mehr auf. Nun muss sich die Aztekin ihrer Verantwortung stellen und ihr Versäumnis wieder gut machen. Genau diese eine Nacht bleibt ihr, um Xaotil aufzuspüren, denn am nächsten Tag steht eine besondere, religiöse Zeremonie an. Canari verschwendet keine Zeit und trifft alsbald auf Personen und Dinge, von deren Existenz sie nicht mal etwas erahnt hätte.

Derweil in einem scheinbar gänzlich anderen Zeitalter: Der junge, wagemutige Wayne sucht am Abend vor seinem nächsten Surftag eine beliebte Kneipe auf. Als er sich dabei eine kleine Auszeit vor der Tür des Gasthofs genehmigt, trifft er eine ältere Dame, die ihn über seine Ursprünge und den Beweggrund für sein Kommen ausfragt. Dies findet selbst Wayne merkwürdig, denn es scheint so, als würde die Alte die Antworten schon kennen. Erst einige Zeit später realisiert Wayne, dass seine Anreise keinem Zufall unterliegt.

Über den Inhalt ist grob betrachtet schon alles gesagt, nicht aber über seinen Aufbau. Der ist nämlich zu Beginn ein wenig verwirrend. Crisse startet die Story mit der Ankunft von Wayne und einigen Freunden in Mexiko. Dann aber wechselt er ohne Vorandeutung gänzlich überraschend in die Welt von Canari, stellt die Namensgeberin adäquat vor und beschreibt schließlich ihre Geschichte, die gleichzeitig den Hauptteil des Plots ausmacht. Inwiefern hier ein Zusammenhang mit dem Schicksal von Wayne besteht bzw. was aus ihm mittlerweile geworden ist, erfährt man leider erst auf der letzten Seite, auf der die Story mit einem feinen Cliffhanger beendet wird. Um grundsätzlich etwas Verwirrung zu vermeiden, wäre es hingegen sicher besser gewesen, man hätte einzelne Verbindungen oder zumindest fließendere Übergänge entworfen, damit der Leser in der ansonsten recht leicht verständlichen Erzählung nicht den Überblick verliert. Damit wäre auch schon der nächste Punkt angesprochen, nämlich die sehr transparente, außer in besagten Punkten vollkommen schlüssige Handlung, die selbst zu einem späteren Zeitpunkt, an dem sich mit einem Mal mehrere bis dahin unbekannte Personen in den Plot einfügen, nicht in Nebensächlichkeiten verliert. Strikt und stringent entwickelt sich diese Geschichte, bis eben zum Wechsel auf der letzten Seite, der offenkundig so etwas wie die erste Verbindung zwischen den beiden Handlungseinheiten darstellt.

Was die Zeichnungen angeht, ist „Canari“ auch ein echter Leckerbissen, der mich stilistisch ein wenig an die „Asterix“-Comics erinnert, dabei aber erstens bunter, zweitens detailverliebter und drittens weicher gezeichnet ist als die Werke der französischen Konkurrenz. Eine echte Augenweide sind – im wahrsten Sinne des Wortes – die Augen der Titelheldin Canari geworden. Sobald diese geöffnet sind, verliert man sich in den entsprechenden Zeichnungen und gewinnt die Hauptdarstellerin richtiggehend lieb. Doch auch die Illustrationen aus dem düsteren Wald sind eine echte Pracht und speziell am Schluss sehr schön anzusehen, ganz besonders die tragenden Personen.

Im Gesamtpaket überzeugt „Canari“ dann auch voll und ganz. Die Geschichte ist einladend und wegen der vielen mysteriösen Inhalte mit einer garantierten Spannungskurve ausgestattet. Weiterhin hat Zeichner Carlos Meglia bei der Kombination von Zeichnungen und Farbgebung einen sehr überzeugenden Job abgeliefert und (das möchte ich noch einmal betonen) in „Canari“ mit seinen vielen stilistischen Eigenheiten mehrere Charaktere erschaffen, die eine eigenständige, ansprechende Handschrift tragen. Bleibt zuletzt die äußere Aufmachung, das i-Tüpfelchen dieses Hardcover-Bandes, über die man wirklich nur positive Worte verlieren darf. Vom Cover über das Layout ist die Geschichte mit dem Untertitel „Die goldenen Tränen“ auf höchstem Niveau dargestellt und entspricht auch inhaltlich allen Erwartungen, die vom gelungenen Äußeren bereits geschürt wurden. Kurzum: Diese Serie scheint, ausgehend von diesem ersten Teil, ein echter Gewinn für die Comic-Szene zu sein. Mir fällt spontan kein Punkt ein, über den ich mich bei diesem schönen Comic beklagen könnte – außer der Tatsache, dass die Fortsetzung noch nicht vorrätig ist. Aber erst einmal sollte man sich ja auch am ersten Band von „Canari“ laben. Dies alleine bringt ja auch schon ausreichend Freude mit sich!

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Busiek, Kurt (Autor) / Nord, Cary (Zeichner) – Conan 2 – Der Gott in der Kugel und andere Geschichten

Conan der Barbar ist eine Legende. Und er geht wieder in Serie. Seit kurzer Zeit verstricken Kurt Busiek und Cary Nord den wilden Cimmerier in neue Abenteuer. Nach dem fabelhaften [ersten Band 2840 kommt nun die Fortsetzung: »Der Gott in der Kugel«. Was Autor und Zeichner angefangen haben, entwickeln sie konsequent weiter. Zwar kein Höhenflug, dafür aber ein wasserdichtes Fantasy-Spektakel. Dämonen und Gemetzel inklusive, denn schließlich ist es Conan.

In den Dreißigerjahren erfand der Texaner Robert E. Howard die Figur Conan: Ein wilder Barbar aus dem Norden, der seine Heimat verlassen hat, um die Länder der Welt zu bereisen. Er stolpert von Abenteuer zu Abenteuer, und sein Schwert und seine Fäuste leisten ihm dabei gute Dienste. Conan ist seitdem zu einer Legende geworden. Klassische Fantasy-Literatur kann nicht mehr ohne ihn gedacht werden. In den letzten Jahren haben sich Comicautor Kurt Busiek und Zeichner Cary Nord an eine Neufassung des Helden gewagt. Im ersten Band »Die Tochter des Frostriesen« sahen die Leser eine frische und lebendige Neuinterpretation des Barbaren. Busieks und Nords großer Verdienst ist es, Conan den Cimmerier ins Heute transportiert zu haben, ohne ihn anstauben oder albern wirken zu lassen.

So hinreißend der erste Band war, so gespannt durfte man auf den zweiten sein. Es würde schwer werden, das Lesegefühl von »Die Tochter des Frostriesen« zu übertrumpfen, denn kaum etwas ist spannender als der gelungenen Neuentwicklung einer alten Figur beizuwohnen. Der nächste Schritt würde nicht einfach werden.

Der zweite Band setzt sich erneut aus mehreren, miteinander verflochtenen Haupt- und Nebenhandlungen zusammen. Will man die beiden wichtigsten Erzählstränge nennen, kommt man auf »Der Gott in der Kugel« und »Der Ibis und die Schlange«. Im ersten Teil reist Conan in die nemedische Stadt Numalia, um sich als Dieb zu versuchen. Dort leben viele reiche Händler, so auch der fettleibige Kallian Publico. Conan lässt es sich nicht nehmen, nachts in dessen Schatzhaus einzusteigen. Kaum hat er das fremde Gemäuer betreten, stolpert er jedoch über Kallians Leiche. Sie ist noch warm. Schnell sind Wachen zur Stelle, die Conan des Mordes bezichtigen.

Im zweiten Teil des neuen Conan-Bandes tritt der Barbar in die Dienste des Ibis-Priesters Kalanthes. Er begleitet ihn als Söldner auf seiner Reise in die Stadt Hanumar. Kalanthes will dort mit Hilfe uralter, namenloser Götter einen mächtigen, bösartigen Zauberstein vernichten. Thoth-Amon, der finstere Priester des Schlangengottes Set, hat jedoch etwas dagegen. Er hätte den Zauberstein gerne für sich. Mit allen Mitteln versucht er, die Vernichtung des Artefakts zu verhindern. Als sich die Ereignisse zuspitzen, muss Conan erkennen, dass auch er inzwischen in die Fehde der beiden Priester verwickelt ist.

Wer nun in dem zweiten Conan-Band zu viele textlastige Ränkespiele und Debatten vermutet, liegt falsch. Denn Conan bleibt Conan. Zwar ist er nicht ungeschickt oder dumm, aber Probleme löst er vorzugsweise auf eine Weise: Mit dem Schwert.

Obwohl die Handlungen in ihrer Wiedergabe oberflächlich erscheinen, sollte man sich nicht täuschen lassen. Den Geschichten von Busiek haftet eine beeindruckende Komplexität an, die Howards Grundlage nur gerecht wird. Denn Conan bezeichnet mehr als nur eine einzelne Figur. Der Name steht für ein ganzes Fantasy-Universum. So entsteht fast beiläufig ein detailliertes Bild des fiktiven Landes Nemedia, durch das Conan reist. Ein wenig mehr Stadtansichten wären sicherlich wünschenswert gewesen. Hyperborea aus Band 1 bleibt nach dem Lesen plastischer in Erinnerung als Numalia oder Hanumar.

Zurück zur Eingangsfrage: Was kommt nach der (Neu-)Entwicklung des Helden? Busieks Antwort lautet: Die Entwicklung seiner Gefährten und Gegner. »Der Gott in der Kugel« konzentriert sich nicht mehr so sehr auf die Charakterisierung Conans, sondern nimmt ihn zurück zugunsten anderer Figuren in seinem Umfeld. Im Hinblick auf die Fortführung der Serie scheint dieser Schritt sehr sinnvoll. Und der Leser ist dankbar. Conan kennen wir jetzt schließlich. Jetzt müssen neue, starke Charaktere her, zwischen denen er sich bewegen kann. Insgesamt vier werden davon in »Der Gott in der Kugel« präsentiert: Janissa die Witwenmacherin, die Knochenfrau, der Ibis-Priester Kalanthes und der Set-Priester Thoth-Amon. Letzterer wird Conan-Fans noch als der spätere Erzfeind des Barbaren in Erinnerung sein.

Der zweite Conan-Band »Der Gott in der Kugel« ist eine runde Sache. Die beiden enthaltenen Geschichten sind detailverliebt, actionreich und spannend. Sie öffnen dem Leser ein Fenster in die phantastische Welt des Barbaren Conan. Da möchte man gar nicht so schnell wieder zurückkehren. Der Anfang der Serie wurde konsequent weitergedacht. Es wurde viel Wert auf die Gestaltung der zukünftigen Gegner und Gefährten gelegt, was sich in den kommenden Bänden hoffentlich auszahlen wird. Dabei tritt die Titelfigur im Vergleich zum ersten Band ein wenig in den Hintergrund. Notwendigerweise wirkt die Geschichte dadurch zersplitterter, das euphorische Hochgefühl von »Die Tochter des Frostriesen« bleibt leider aus. Neueinsteigern ist daher der erste Band eher zu empfehlen. Alle anderen Fans des wilden Cimmeriers werden ihre Freude an dieser neuen Dosis Fantasy-Abenteuer haben.

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Willingham, Bill / Buckingham, Mark – Fables 1 – Legenden im Exil

Kritiker und Presse überschlagen sich förmlich vor Lob für Bill Willinghams Graphic-Novel-Reihe „Fables“. Gekrönt wird all das Lob von fünf |Eisner Awards|. Grund genug, die Reihe, die jüngst unter dem Label von |Vertigo| bei |Panini Comics| erschienen ist, einmal näher unter die Lupe zu nehmen.

Dabei verheißt eigentlich schon der Name des Autors Gutes. Bill Willingham hat vor allem seit den späten 90ern intensiv für |Vertigo| gearbeitet und dabei unter anderem auch einige Teile der „Sandman Presents“-Reihe veröffentlicht. 2003 entstand dann „Fables“. Dank des Erfolgs der „Fables“-Reihe hat Willingham dann sogar noch einen Spin-off dazu entwickelt, der seit 2006 in den USA unter dem Titel „Jack of Fables“ erscheint. Als Zeichner hat Lan Medina an „Fables“ mitgearbeitet. Aus seiner Feder stammt allerdings nur der erste Teil der Reihe „Legenden im Exil“. Einen Namen hat Medina sich bereits mit diversen Arbeiten für |Marvel| und |DC| gemacht. So viel zu den Machern.

Willinghams Arbeiten für die „Sandman Presents“-Reihe zeigen schon in etwa, was man bei ihm erwarten darf: Urban Fantasy. „Fables“ erzählt die Geschichte diverser Märchenfiguren, die unerkannt in New York im Exil leben. Böse Mächte haben sie aus der Märchenwelt vertrieben. In New York kennt niemand ihre wahre Identität und sie bleiben unter sich, um ihr Geheimnis zu wahren. Ihre neue Heimat in New York nennen sie Fabletown. Dort leben sie ein eher beschauliches Leben und schlagen sich mit den Tücken des Alltags herum, wie die Menschen auch – bis eines Tages Rose Red unter merkwürdigen Umständen verschwindet.

Zusammen mit dem Detektiv Bigby Wolf findet Rose Reds Schwester Snow White Spuren in Roses Appartement, die auf ein Blutbad hindeuten. Überall finden sie Spuren von Roses Blut und das nicht unbedingt in geringer Menge. Hat jemand Rose ermordet? Wo ist dann die Leiche? Und wer ist der Täter? Eine Botschaft an der Wand deutet darauf hin, dass der Täter aus der Fabletowngemeinde stammen muss. Bigby Wolf macht sich auf die Suche nach dem Täter …

Willingham bedient sich unterschiedlichster Märchenfiguren, um mit ihnen den „Fables“-Plot zu gestalten. Die meisten kennt man, aber manch eine Figur, wie King Cole, der aus einem englischen Kinderreim stammt und ein legendärer Keltenkönig ist, dürfte hierzulande ähnlich unbekannt sein, wie der ebenfalls einem englischen Kinderreim entsprungene Blue Boy, Jack aus der englischen Geschichte mit den Bohnenranken und den Riesen oder Grimble, der Troll, der in einem norwegischen Märchen von drei Ziegen hereingelegt wird.

Die bekannteren Gestalten von Fabletown sind: Lord Beast und Miss Beauty (Die Schöne und das Biest), Bluebeard (Blaubart), die böse Hexe (aus diversen Märchen), Flycatcher (der Froschkönig), Bigby Wolf (der böse Wolf aus diversen Märchen, wobei Bigby für Big B(ad) steht), das kultivierte Schwein (das eines der drei berühmten Schweinchen ist), Pinocchio, Prinz Charming (der jeden x-beliebigen Prinzen aus jedem x-beliebigen Märchen darstellt) und die Schwestern Rose Red (Rosenrot) und Snow White (Schneeweißchen).

Willingham kreiert aus jeder dieser bekannten Märchenfiguren eine eigenständige neue Figur, angepasst an ein unauffälliges Leben in New York. Der Wolf arbeitet als schmuddeliger, zerzauster Detektiv, Bluebeard mimt den kühlen, reichen Adeligen, und Prince Charming macht genau das, was ein Prince Charming nun mal in erster Linie so macht: Süßholz raspeln und Frauen verführen. Alle Figuren haben eine menschliche Gestalt angenommen (mit Ausnahme des kultivierten Schweins, das ganz einfach ein Schwein geblieben ist, wenngleich natürlich ein absolut kultiviertes).

Wie normale Menschen leben die Einwohner von Fabletown ihr Leben, gehen ihrer Arbeit nach, wohnen in ihren Appartements und tun ihr Möglichstes, um nicht aufzufallen. Kontakte zu Normalsterblichen gibt es nur selten, schließlich wollen die Fabelwesen ihre Identität möglichst geheim halten. Sie leben als mehr oder weniger geschlossene Gemeinschaft in einem New Yorker Appartementhaus und haben als solche ihre eigenen Gesetze und Regeln.

Grundlage ihres Zusammenlebens ist die Generalamnestie. Sie ermöglicht es, dass Bigby Wolf als mehr oder minder offizieller Ermittler von Fabletown anerkannt wird und selbst eine blutrünstige Gestalt wie der frauenmordende Bluebeard gesellschaftliches Ansehen erlangen kann. Die Märchenfiguren haben sich halt dazu entschlossen, in der Welt der Menschen noch einmal komplett bei Null anzufangen und jedem die gleichen Chancen einzuräumen.

Der Plot, den Willingham im ersten Band der Reihe entrollt, ist letztlich eine Kriminalgeschichte – die um das mysteriöse Verschwinden von Rose Red, die vermutlich ermordet wurde. Im Laufe der wölfischen Ermittlungen lernt der Leser die Gemeinde von Fabletown kennen und wird obendrein in eine zunehmend spannender werdende Geschichte gezogen. Es gibt viele Verdächtige, da in der Märchenwelt einige der jetzt so braven Bewohner von Fabletown kein so rühmliches Leben führten. Und so hegt man so manche Vermutung, wer der Täter sein könnte, ehe Bigby Wolf in klassischer Krimimanier den Täter entlarvt.

Gewürzt wird die Geschichte immer wieder mit einer humoristischen Note. Willingham hat sie mit einem ironischen Unterton und einem immer wieder durchschimmernden Augenzwinkern niedergeschrieben. So wohnt zum Beispiel das kultivierte Schwein ironischerweise beim ehemals bösen Wolf zur Untermiete. Willingham geht mit den Märchenelementen seiner Geschichte bzw. seiner Figuren ungezwungen und fantasievoll um und unterstreicht das Ganze immer wieder mit einer feinen Ironie. Das macht die Geschichte zu unterhaltsamer Lektüre. Der Brückenschlag zwischen dem ernst zu nehmenden, sehr klassisch ausgeformten Krimiplot und dem feinsinnigen Humor gelingt Willingham dabei ausgesprochen gut.

Insgesamt liest sich die Geschichte locker und flott runter. Die Lektüre macht ausgesprochen Spaß und vor allem Appetit darauf, zu erfahren wie es mit den Bewohnern von Fabletown weitergeht. Am Ende von Band 1 hängt Willingham obendrein noch eine selbst illustrierte Kurzgeschichte an, die erzählt, wie die Bewohner von Fabletown aus der Märchenwelt ins New Yorker Exil gelangten. Auch die liest sich sehr angenehm.

Medinas zeichnerische Umsetzung der Geschichte ist ebenfalls als gelungen zu bezeichnen. Die Eigenarten der unterschiedlichen Charaktere werden durch die Zeichnungen wunderbar unterstrichen. Die Handlung wirkt lebhaft und die Verrücktheit der gesamten Situation wird sehr schön betont.

Bleibt unterm Strich ein sehr positiver Eindruck zurück. Willinghams Geschichte um die in New York lebenden Märchenfiguren ist gleichermaßen unterhaltsam wie spannend. Die zu Grunde liegende Idee ist absolut wunderbar und Willingham setzt sie sowohl spannend als auch humorvoll um. Wer andere Werke der Urban Fantasy, beispielsweise von Autoren wie Neil Gaiman, mag, für den dürfte auch „Fables – Legenden im Exil“ ein vielversprechender Tipp sein. Und wer obendrein auch noch ein bisschen was für Comics übrig hat, für den könnte „Fables“ sich als absoluter Volltreffer erweisen.

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Ciencin, Scott (Autor) / Templsmith, Ben & Salman, Aadi (Zeichner) – Silent Hill 2: Innerlich sterben

_Story_

Troy Abanathy ist einer der bekanntesten und erfolgreichsten Psychiater auf der ganzen Welt. Er ist überzeugt davon, dass es tatsächlich Dämonen und Geister gibt – jedoch nur im Inneren eines jeden Menschen. Derzeit ist Dr. Abanathy mit der jungen Lynn DeAngelis beschäftigt, die sich nach einem Vorfall in der seltsamen Stadt Silent Hill immer noch in einem posttraumatischen Zustand befindet und zudem an paranoider Schizophrenie leidet. Gemeinsam mit seiner Patientin reist der Seelenarzt zurück an den Ort, an dem Lynn in diesen Zustand versetzt wurde. Er hofft, durch gezielte Ursachenforschung endlich zu ihr durchzudringen.

Doch in Silent Hill angekommen, bricht der wahre Horror über die beiden los. Troy macht Bekanntschaft mit einem kleinen Mädchen namens Christabella. Und dieses Mädchen ist grausamer als all das, was Troy im Innersten seiner Patienten je entdeckt hat …

_Meine Meinung_

Bevor ich diese Rezension verfasse, muss ich erst einmal tief durchatmen, denn noch immer packt mich das Grauen, wenn ich an diesen genialen Horror-Comic zurückdenke. Hinter der Geschichte um die unscheinbare und doch so grässliche Christabella und ihre Kontrahentin Lauryn sowie den Psychiater Troy steckt mit Scott Ciencin ein renommierter |New York Times|-Beststellerautor. Zudem basiert die Story auf dem gleichnamigen Videospiel aus der Kult-Schmiede von |Konami|. Und wo wir gerade bei den Namen sind: Verantwortlich für die abstrakten finsteren Zeichnungen ist das Top-Gespann Ben Templesmith & Aadi Salman, die mit ihren Bildern hier eine Atmosphäre kreiert haben, wie sie beklemmender und in diesem Genre eindrucksvoller kaum hätte sein können – ein echter Maßstab!

Die Geschichte beginnt sofort inmitten des schaurigen Szenarios von Silent Hill. In wenigen Strips wird hier das Schicksal von Lynn DeAngelis, einer jungen, lebensfrohen Erwachsenen wiedergegeben, um dann mit einem rasanten Schwenk in die Gegenwart zurückzukehren, wo das arme Mädchen am Rande des totalen Wahnsinn unter heftiger medikamentöser Behandlung und ohne jede Hoffnung auf ein normales Leben von einem Psychiater behandelt wird. Nachdem sie mit den krassesten sedierenden Medikamenten in einen dauerhaften Trance-Zustand versetzt wurde, soll sie durch eine gezielte Konfrontation mit dem Auslöser ihres seelischen Leidens wieder langsam zu sich kommen. Doch der Plan schlägt bereits mit dem Eintreffen in Silent Hill fehl. Abernathy wird von Visionen seiner verstorbenen Ehefrau und deren ersten, von Troy selbst ermordeten Mannes geplagt und von ihnen durch das Labyrinth-ähnliche Gemäuer der Stadt verfolgt. Gleichzeitig erwacht Lynn langsam aus ihrer Sedierung und erinnert sich auch sofort wieder an die Dämonen, die ihr hier einst den Lebenswillen genommen haben. Abernathy scheint chancenlos, doch unbewusst bleibt ihm noch eine Hoffnung.

Derweil hat nämlich in einem abgeschiedenen Raum eine Gruppe rebellierender, junger Erwachsener ein Video gefunden, in dem die Folterung Lynns dargestellt wird. Wie sich später herausstellt, hat man dieses einst aufgenommen und der zu Tode geschockten Lynn untergeschoben, damit es über sie an die Öffentlichkeit gelangt. Tatsächlich wurde es aber noch im Krankenhaus gestohlen und erst nun gesehen. Doch während die Chaoten das Video anschauen, realisieren sie, dass sich seit dem letzten Ansehen einiges verändert hat. Die Welt aus dem Video von Silent Hill scheint sich stets der Realität anzupassen. Das macht die Anführerin der Truppe, die intelligente Lauryn, neugierig. Sie motiviert ihre Freunde dazu, sie nach Silent Hill zu begleiten, um dort ein wenig Action zu erleben. Die soll die Truppe auch bekommen. Kurze Zeit später befinden sich alle in Lebensgefahr, denn ebenso wie einst Lynn und den Doktor, werden nun auch sie den grausamen Monstern der kleinen Christabella vorgesetzt. Erst ein düsteres Geheimnis gewährt ihnen die letzte Hoffnung, lebend aus Silent Hill zu entkommen.

Die Art und Weise, wie die Geschichte aufgebaut ist, darf man definitiv als phänomenal bezeichnen. Man fühlt sich permanent selber als Mittelpunkt der Handlung und fühlt mit den Charakteren, obwohl es sich ja eigentlich ’nur‘ um einen Comic handelt. Doch durch die sehr schönen, albtraumhaften Illustrationen und die raschen, genau passenden Szenenwechsel bekommt man irgendwann tatsächlich den Eindruck, man gehöre zu Lauryns merkwürdiger Truppe mit dazu. So etwas habe ich bei einem Comic bislang noch nie erlebt.

Doch auch was den Inhalt selber betrifft, ist „Silent Hill: Innerlich sterben“ ein absolut fantastisches Event, vergleichbar mit cineastischen Meisterstücken wie „The Ring“ oder „The Grudge“, allerdings mit etwas mehr Gewicht auf klassischem Horror und brutalen Effekten. Salman und Templesmith ersparen dem Leser allerdings den puren Blutrausch; unterschwellig wird zwar stets (und insgesamt irgendwie noch heftiger) angedeutet, welche Szenen sich zwischen den Monstern und den Hauptfiguren abspielen, doch durch die geschickte Verzerrung der Verletzungen wird hier einer sinnentleerten Übertreibung an den entsprechenden Stellen vorgebeugt. Dennoch sind manche Zeichnungen schockierend und sicherlich nichts für schwache Nerven. Abernathys Frau, wie sie mit blutüberströmter Krankenschwester-Montur und aufgeschnittener Kehle urplötzlich auf einem Bett sitzt oder auch die undurchdringliche, abstoßende Christabella gehen einem nachhaltig unter die Haut. So unschuldig auf der einen Seite, so erschreckend und brutal auf der anderen – das ist der Stoff, wegen dem man nachts nicht ruhig schlafen kann: super inszeniert und darüber hinaus beängstigend authentisch entworfen. Hier gebührt den Zeichnern wirklich ein dickes Lob.

Der Autor steht ihnen jedoch in nichts nach. Ciencins Story ist ein Meisterstück der modernen Comic-Literatur und nicht nur ein spitzenmäßiges Äquivalent zum bekannten Videospiel, sondern auch eine der besten Graphic-Novels, die meines Erachtens je den Markt bevölkert haben – und das sind ja nicht gerade wenige. Ich appelliere zwar an all diejenigen, die mit solch schwer verdaulicher Kost ihre Schwierigkeiten haben und mitunter schlaflose Nächte verbringen, sich den Kauf dieses graphisch verfeinerten Romans zweimal zu überlegen, komme aber nicht von meinem Fazit ab, dass man „Silent Hill: Innerlich sterben“ gelesen haben muss, um im auslaufenden Comic-Jahr mitreden zu können. Mit einem Wort: Genial!

Band 3 erscheint bereits im Januar 2007.

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Busiek, Kurt (Autor) / Nord, Cary (Zeichner) – Conan 2 – Der Gott in der Kugel und andere Geschichten

Band 1: [„Conan – Die Tochter des Frostriesen und andere Geschichten“ 2840

_Story_

Nachdem sich Conan von seinen jüngsten Abenteuern reichlich erholt hat, reist er in die nemedische Stadt Numalia, um dort neue Aufträge zu ergattern. Nach einer weiteren Demonstration seiner Kraft wird er für einen Diebstahl angeheuert. Jedoch wird Conan beim Einstieg in die Gemächer des reichen Händlers Kallian Publico überrascht. Die Leiche seines Opfers liegt schon bei seiner Ankunft im Flur seines prächtigen Hauses, und weil außer dem Cimmerier niemand anders vor Ort ist, halten die sofort herbeigeeilten Wachen ihn für den Mörder.

Nach langer Diskussion und einer weiteren Kostprobe seiner Kampfkraft verschwindet Conan aus Numalia und schließt sich dem Ibis-Priester Kalanthes an. Noch geprägt von dem dämonischen Bild, das sich ihm in Kallians Gemäuern eröffnete, verspricht er dem Geistlichen, einen magischen Zauberstein zu beschaffen und ihn anschließend zu vernichten. Doch sein Gegenspieler Thoth-Amon, der Priester des Schlangengottes Set, versucht dies zu verhindern. Immer neue Auswüchse des bösartigen Dämons stellen sich Conan, Kalanthes und deren Gefolge in den Weg und verwunden ihre Männer. Erst als Conan ein weiteres Mal kurz vor dem Tod steht, realisiert er, in welch übermächtigen Streit er hineingeraten ist.

_Meine Meinung_

Nach dem überragenden Wiedereinstieg Conans in die deutschsprachige Comic-Szene gelang |Panini| unlängst der große Wurf und mitunter eines der besten Projekte im gerade auslaufenden Jahr. Die Geschichte um den cimmerischen Barbaren und die Tochter des Frostriesen war zugleich aber auch ein enorm hoher Maßstab, an dem sich nun die nachfolgenden „Conan“-Bände die Zähne ausbeißen dürfen, und im direkten Vergleich hat bereits die zweite Folge dieser neuen Serie genau dies zu spüren bekommen.

Gleich vorweg: Auch „Der Gott in der Kugel …“ ist ein sehr ansprechender, zeichnerisch nahezu perfekter und auch inhaltlich sehr guter Comic-Roman, kann aber nicht ganz mit dem Debüt mithalten. Entscheidend hierfür ist eine kurze langatmige Phase zum Ende der ersten Hauptgeschichte, die sich vermehrt aus Diskussionen zwischen Conan und seinen Kontrahenten zusammensetzt, nicht aber aus der erwarteten und erhofften Action. Nun mag man sicherlich Argumente bemühen, wie das der gezielten Weiterentwicklung dient, doch diese ist im aktuellen Fall nicht dringend gegeben und rütteln kurzzeitig sogar an Conans Glaubwürdigkeit als unbarmherziger Krieger, die jedoch sofort wieder hergestellt wird, als er sämtlichem Reden und Diskutieren ein Ende macht und weiter seines Weges geht.

Hinsichtlich des Potenzials sind die neuen, zusammenhängenden Erzählungen indes auf einem vergleichbaren Level, am Anfang sogar fast noch höher anzusiedeln. Conan reist ohne jegliche Bestimmung nach Numeria, ohne zu wissen, was ihn dort erwarten wird. Seine Anwesenheit bleibt natürlich auch nicht lange verborgen, denn dort, wo Conan auftritt, hinterlässt er einen bleibenden Eindruck. Schnell erkennt ihn der Boss einer Gaunerbande als wertvolle Waffe und setzt sie gegen gute Bezahlung auch für den Raub eines gefürchteten Gegenstands ein. Doch Conan kann den Auftrag nicht problemlos durchführen und muss sich mit ungeplanten Ablenkungen beschäftigen.

Genau dieser Part der Geschichte wird leider etwas zu breit dargestellt. Als Conan-Fan wünscht man sich, dass der Barbar hier kurzen Prozess macht und sich nicht auf irgendwelche Verhandlungen einlässt. Schließlich hat der Mann oft genug bewiesen, dass er selbst gänzlich ausweglosen Situationen gewachsen war – warum also nicht hier?

Nun, im Nachhinein stört diese kleine Missstimmigkeit dann aber nicht mehr. Conan heuert bei Kalanthes, einem merkwürdigen Ibis-Priester, an und begibt sich mit ihm auf eine noch merkwürdigere Reise. Ohne genau zu hinterfragen, wer hinter seinem neuen Anführer steht, folgt Conan dem Priester und muss sich mit einem Mal Gegnern und Gefahren aussetzen, die er sich in solchem Ausmaß nie hätte erträumen können. Ein furchtbarer Dämon stellt sich der Truppe immer wieder in den Weg und setzt Waffen ein, die grausamer sind als die Mittel, die Conans herkömmlichen Kontrahenten zur Verfügung standen – Waffen, für die auch der Cimmerier kein Gegenmittel zu haben scheint.

Wie bereits angedeutet: Die Erzählung ist echt klasse, die vielen Ideen sind es auch und im Grunde genommen hakt das Ganze nur an der einen genannten Stelle. Dass die ganz große Euphorie indes ausbleibt, liegt vorrangig daran, dass man nach der Begeisterung für den ersten Band schon in etwa darauf gefasst war, ein weiteres Meisterwerk zu bekommen. Dies ist „Conan – Der Gott in der Kugel und weitere Geschichten“ im Grunde genommen auch geworden, nur eben ist der Überraschungseffekt des Vorläufers hier nicht mehr gegeben, wovon der Lesespaß aber natürlich nicht betroffen ist.

Kurz gefasst: „Conan“-Anhänger bekommen genau das, was sie nach dem spitzenmäßigen Einstieg in die Serie erwarten durften: ausreichend Action, einen starken Plot, viele neue tragende Figuren (Conan übernimmt schließlich nicht mehr die einzige Hauptrolle) und tolle Zeichnungen, die den epischen Rahmen des Abenteuers wortwörtlich untermalen. Keine Frage also, ob man diesen Roman haben sollte oder nicht: Man muss!

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Diverse – Bart Simpson Comics 28

_Story_

Hausmeister Willie ist der festen Überzeugung, dass Lisa eine Vampirmeuchlerin ist und als solche über die Fähigkeit verfügt, den Blutsaugern ihr Herz zu durchstechen. Bart kann sich mit dieser Vorstellung aber gar nicht abfinden und versucht vergeblich, den Schotten davon zu überzeugen, dass er der wahre Vampirmeuchler ist – vergeblich!

Milhouse hat sich von seinem Großvater überreden lassen, Kekse aus seiner Farbrik zu verkaufen. Der kleine van Houten erklärt sich sofort dazu bereit, wird aber von Freunden und Bekannten anschließend der Lächerlichkeit preisgegeben. Schließlich werden Pfadfinderinnenkekse nur von Mädchen verkauft.

Bart will dringend den neuen Horrorstreifen „Planet der Hirntoten“ im Kino sehen, doch momentan ist die Familie chronisch pleite, weil Homer sich einen Schinkenwagen zugelegt hat. Mit vielen illegalen Tricks gelingt es dem Jungen dennoch, vor die Leinwand zu kommen. Doch ausgerechnet dort taucht auch Homer mit seinem Schinkenstand auf.

Homer will einfach nur seine Hecke schneiden, als ihm eine garstige Katze das Leben schwer macht. Für den ungeduldigen, leicht reizbaren Familienvater ist das zu viel.

_Meine Meinung_

Die 28. Ausgabe der „Bart Simpson Comics“ bietet wie gehabt vier Kurzgeschichten (zwei davon wirklich sehr kurz), die in diesem Fall aber nicht ganz so witzig sind, wie man dies von den Comics der gelben Familie gewohnt ist. Lediglich die dritte Geschichte mit dem Titel „Bart geht ins Kino“ bietet ein paar echt gute Lacher, wohingegen die Auftaktstory „Lisa die Vampirmeuchlerin“ abgesehen vom freakigen, schottischen Hausmeister Willie nicht so viel Spektakuläres zu bieten hat. Homer als Heckenschneider ist auch nicht so berauschend und erinnert sehr stark an vergleichbare Inhalte aus den Lustigen Taschenbüchern, wenn Donald mal wieder mit irgendeiner Aufgabe überfordert ist.

Bleibt noch die Geschichte um Milhouse van Houten, in der sich eine ganze Reihe Klischees ansammeln, unter anderem natürlich das ungeschriebene Gesetz, dass Jungs und Pfadfinderkekse zwei Dinge sind, die nicht miteinander harmonieren können.

Nun, hier zeigt sich, dass das Konzept mit vielen kleinen Geschichten manchmal einfach nicht aufgeht. Gerade im ersten Plot zeigt sich, dass der Handlung irgendetwas Elementares fehlt und sie viel zu rasch zum Ende kommt. Was nun tatsächlich hinter der Sage um die Vampirmeuchler steckt? Nun, keine Ahnung. Wie es hingegen besser funktionieren kann, zeigt sich bei Barts Kinobesuch, der mit einigen coolen Gags veredelt wird, zum Schluss aber leider auch zu einem zu abruptem Schluss kommt. Wie gesagt, irgendwie fehlt da etwas.

Meinetwegen hätte man gut und gerne auf Extras wie die albernen Etiketten zum Ausschneiden verzichten oder die eine oder andere Story zugunsten zweier etwas liebevoller gestalteter Geschichten entfallen lassen können. Doch es ist sicher müßig, dies zu diskutieren. Fakt ist, dass die Nr. 28 dem Standard der ‚gelben‘ Comics ein wenig hinterherschleicht und das üblich hohe Niveau nicht erreicht.

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Arakawa, Hiromu – Fullmetal Alchemist 2

[Band 1 2885

_Story_

Auf der Suche nach Informationen über biologische Transmutation stoßen Edward und Alphonse auf einen weiteren Staatsalchemisten namens Shou Tucker. Tatsächlich scheint dieser Mann durch seine Experimente zu einem enormen Wissen gekommen zu sein. Doch wie die beiden Elric-Brüder schon kurze Zeit später feststellen, missbraucht er seine Erkenntnisse für moralisch nicht mehr vertretbare Versuche an anderen Menschen, was Edward beinahe dazu führt, den Kollegen umzubringen. Wenige Stunden später wird Tucker tot aufgefunden; ein geheimnisvoller Mann mit einer Narbe an der Stirn hat ihn und sein Versuchsobjekt kaltblütig umgebracht und beruft sich auf seinen Glauben. Scar, so der Name des Killers, ist jedoch schon berüchtigt, weil er in den letzten Tagen gleich mehrere Staatsalchemisten ermordet hat. Edward und Alphonse stellen sich dem Mann in einem knallharten Gefecht, in dem Ed trotz massiver Unterstützung weiterer Alchemisten seinen linken Arm verliert. Mit einem Mal ist das Bestreben der beiden Brüder nun nicht mehr bloß darauf angelegt, ihre Mutter wiederzubeleben, sondern auch dem Fullmetal Alchemist Edward in einem Ersatzteillager einen neuen Arm zu verschaffen. Und dies stellt sich als schwieriger heraus, als die beiden Jungen vermuten …

_Meine Meinung_

Auch die Fortsetzung zum Auftakt von „Fullmetal Alchemist“ bietet eine ungeheuer actionreiche Handlung, die gerade in der Mitte von zahlreichen, detailliert illustrierten Kampfdarstellungen gezeichnet ist. Überhaupt werden die Fähigkeiten der beiden Elrics hier zum ersten Mal so richtig auf die Probe gestellt, denn Alphonse und Edward müssen sich gleich mehrfach im Kampf behaupten, wobei ihre Auseinandersetzung mit dem bislang stärksten, schier übermächtigen Kontrahenten Scar für beide nicht glücklich ausgeht. Während Al schon vorab die Segel streichen muss, wird Ed schwer verwundet und muss die Suche noch weiteren Informationen zu ihrer Mission erst einmal hintanstellen. So viel zum groben Überblick der etwas komplexeren Geschichte im zweiten Band von „Fullmetal Alchemist“.

Im Mittelpunkt der Nr. 2 steht aber nicht nur die Action. Immer wieder blitzt der Humor von Autor/Zeichner Hiromu Arakawa auf, indem er zum Beispiel einige spaßige Auseinandersetzungen zwischen den beiden Brüdern entwirft, Ed das eine oder andere Mal total überreagieren lässt oder eben den Fullmetal Alchemist höchstpersönlich durch einige flotte Sprüche in Szene setzt. Dies sorgt natürlich stets für gesunde Abwechslung und eine leichte Entspannung der vergleichsweise überraschend harten Handlung. Arakawa hat sich selber keine Limits gesetzt, dennoch aber auf übertriebene Effekte verzichtet. Gut, zugegeben, die beiden Hauptdarsteller, vor allem Edward, werden manchmal etwas überdreht dargestellt, doch man kauft den beiden ihre Rollen trotzdem ab, soll heißen, es ist einfach nur ein natürlicher Teil ihres Charakters. Jedenfalls bekommt man nie den Eindruck, als müsste der Autor durch überzogen alberne Witze wieder die Aufmerksamkeit auf die Geschichte lenken, dies geschieht schon ganz alleine durch die erneut vorzeigbare Spannung.

Was mir am zweiten Teil der Serie auch noch gut gefällt, ist die Einbindung der vielen neuen Personen. Nach der Einleitung im ersten Teil sind einem die Wesenszüge der Hauptfiguren nun vertraut, so dass Arakawa genügend Freiräume hat, um viele neue Einflüsse in die Handlung einzubeziehen. Und die nutzt er auch, sei es nun durch die Einführung von Leuten wie Scar oder Dr. Marcoh oder aber mit der Zunahme von komplexen Erzählanteilen, die sich zum Beispiel durch die raschen Wechsel zwischen der aktuellen Situation der Elrics und den fiesen Plänen der düsteren Lady Lust ergeben. Komplex bedeutet in dem Sinne aber dennoch nachvollziehbar und plausibel durchstrukturiert. Die Geschichte gewinnt quantitativ an neuen Nebenplots, qualitativ indes wegen des sich daraus ergebenen Zuwachses an Spannung.

Daraus resultiert letztendlich, dass der inhaltliche Rahmen um ein ganzes Stück erweitert wurde. Die einzelnen Bände sind zwar grob betrachtet und bis zu einem gewissen Punkt ins sich geschlossen, doch durch kleine Cliffhanger (bzw. einen größeren am Ende des Buchs) werden durchgehend schlüssige Überleitungen zu nachfolgenden Bänden geschaffen und somit das nach wie vor leicht überschaubare Grundgerüst erhalten.

Leicht verdaulich, gehaltvoll, spannend und witzig – „Fullmetal Alchemist 2“ beinhaltet die besten Attribute, die ein derartiger Comic haben kann. Zu Recht gehen hier beide Daumen wiederholt nach oben!

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Wagner, Matt – Batman und die Monster-Männer (100 % DC 5)

_Story_

Sal Maroni, ein berüchtigter und kompromissloser Mafioso, kontrolliert die Unterwelt von Gotham City und presst aus den prominentesten Figuren der Stadt in regelmäßigen Abständen Schutzgeld heraus. Auch Norman Madison, einst erfolgreicher Geschäftsmann, ist ins Visier des Bandenbosses geraten, als er sich zur Bewältigung seines Schuldenbergs einen Kredit bei Maroni erfragte. Nun steht er tief in seiner Schuld und ist den Bedingungen des Fieslings schutzlos ausgeliefert. Der nämlich droht damit, Madisons Tochter Julie aufzusuchen, wenn Norman nicht seinen Forderungen nachkommt.

Julie indes ahnt nichts von den Machenschaften ihres Vaters; sie ist gerade erst neu verliebt, nämlich in den als Playboy verschrienen Bruce Wayne. Der wiederum ist momentan in seiner zweiten Rolle als Batman schwer beschäftigt und lässt seine neue Partnerin mehr als einmal ratlos zurück. Eine grässliche Mordserie erschüttert nämlich gerade die Stadt und hat gerade erst wieder ein weiteres, in Stücke zerrissenes Opfer hervorgebracht. Batman geht der Sache auf der Spur und stößt dabei auf den Wissenschaftler Hugo Strange. Und schon das erste Aufeinandertreffen der beiden wird für den maskierten Rächer zum Alptraum, denn in Stranges Laboratorien verbergen sich einige grässliche, übermenschlich große Monster, die nur allzu gerne auch die Fledermaus in Stücke reißen würden. Batman steckt in der Falle, entkommt aber gerade noch einmal. Als er dann aber noch Verbindungen zwischen Strange, Maroni und dem Vater seiner neuen Traumfrau entdeckt, ist er am Zuge und muss Schlimmeres verhindern, bevor die grässlichen Monster ein weiteres Mal zuschlagen.

_Meine Meinung:_

Matt Wagner ist ein ergebener Verfechter des sogenannten Golden Age und hat vor allem am auch hier verwendeten Superhelden Batman einen Narren gefressen. „Batman und die Monster-Männer“ ist daher auch als eine Hommage an diese Zeit zu verstehen, denn sowohl stilistisch als auch inhaltlich zitiert der Autor und Zeichner im fünften Band von „100 % DC“ eine legendäre Geschichte des maskierten Rächers, die erstmals in „US-Batman 1“ (1940) zu bestaunen war. Es handelt sich hierbei um den zweiten Auftritt des völlig durchgedrehten Wissenschaftlers Hugo Strange, dessen wilde Monster wohl zu den hartnäckigsten Gegnern gehören, denen Batman je gegenübergetreten ist.

Wagner hat die Story in ein etwas zeitgemäßeres Gewand gepackt, sie mit einer moderneren Sprache ausgestattet und die Zeichnungen auch recht deutlich an die Charakteristika der heutigen Batman-Comics angegliedert. Allerdings spielt die Erzählung in der Batman-Zeitleiste natürlich ganz zu Beginn und markiert zum Beispiel mit dem ersten Einsatz des berühmten Batmobils einen Schlüsselpunkt in der langen Historie des beliebten Helden. In Gotham City wird die unbekannte Fledermaus immer noch sehr zwiespältig aufgenommen, weil sich die Bewohner nicht sicher sind, ob der Mann mit seinen harten Methoden und der eiskalten Ausstrahlung nun auf der Seite des Guten oder des Bösen steht. Selbst einst rechtschaffene Leute wie Norman Madison haben ihre Bedenken und sehen in Batman eher einen hinterlistigen Ganoven als den Gesetzeshüter, den Kommissar Gordon längst in ihm erkannt hat. Dies unterstreicht natürlich die Brisanz der gesamten Rahmenhandlung. Batman hat es hier noch weitaus schwerer, weil ihm noch die Akzeptanz fehlt. Er muss stets verdeckt auftreten und hat neben seinem Butler Alfred nur noch Gordon als Verbündeten, der wiederum im Präsidium mit starkem Gegenwind kämpfen muss, weil er anscheinend eine dienstliche Partnerschaft mit dem mysteriösen Unbekannten eingegangen ist.

Genau jene Tatsache lässt die plötzlichen Auftritte Batmans aber noch eleganter erscheinen; die Momente, in denen er Strange oder Maroni aus dem Nichts auftauchend überrascht und verblüfft, gehören zu den Hghlights dieses Comics, unterstreichen aber auch noch mal die Aura, die Batman ausstrahlt – so undurchdringlich und gefühlsneutral wie wahrscheinlich kein anderer Comic-Held des DC-Universums. Dies darzustellen, ist Wagner in „Batman und die Monster-Männer“ auch prima geglückt. Hinzu kommt noch, dass der Zeichner Batmans nach wie vor hasserfülltes Erscheinungsbild prima auffängt; er hat seine Vergangenheit zu diesem Zeitpunkt noch nicht überwunden, und obwohl er bereit ist, eine richtige Liebschaft einzugehen, ist er immer noch verbittert und nachdenklich. Und das kann man eben nicht nur den Texten, sondern vor allem auch den superben Illustrationen entnehmen.

Zur Geschichte wurde bis hierhin noch kaum etwas gesagt, dabei ist sie ja eigentlich das Hauptanliegen dieser Kritik. Aber wie erwartet, ist auch sie ein echter Kracher, angefangen bei den seltsamen, unklaren Verstrickungen zwischen Gangstern, Wissenschaftlern und Geschäftsleuten, über die toll inszenierten Kampfszenen bis hin zum fabelhaften Spannungsaufbau, der eigentlich erst auf den letzten beiden Seiten, nach Auflösung der Angelegenheit, wieder langsam herabgefahren wird. Die Bösewichte werden außerdem glaubhaft dargestellt, sowohl der gnadenlose Maroni als auch der vollkommen besessene Strange, beide vom Gedanken übermannt, die Stadt zu unterjochen und die Macht an sich zu reißen, nur eben, dass sich ihre Mittel eklatant voneinander unterscheiden. Während der eine mit Erpressungen erfolgreich seinen Ruf festigt, manipuliert der andere die menschlichen Gene und missbraucht sie schließlich auf fürchterliche Art und Weise. Das ist der Stoff, aus dem wahre Fieslinge gemacht sind. Und das ist auch der Stoff, den der eingeschworene Batman-Fan, ganz unabhängig davon, welche Periode des Helden er nun favorisiert, lesen möchte.

„Batman und die Monster-Männer“ ist auf jeden Fall einer der besten Batman-Plots, die je geschrieben wurden, sowohl damals als auch in der nachträglichen Hommage Wagners. Der Autor hat schon versprochen, bei entsprechender Nachfrage weitere Adaptionen älterer Comic-Klassiker nachzureichen. In Planung ist derzeit „Batman & The Mad Monk“, eine Geschichte, die in den Staaten schon angelaufen ist. Nun, wenn es nach mir ginge, sollte man dem Mann freie Hand lassen. Derartige Klasse (gerade was die Spannung betrifft) ist immer gerne gesehen. Alleine schon die Tatsache, dass „Batman und die Monster-Männer“ der mit Abstand beste Teil der „100 % DC“-Reihe ist, sollte diesbezüglich Bände sprechen.

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Diverse – Simpsons Comics 121

_Story_

Nachdem Bart im Lehrerzimmer seiner Schule den entkoffeinierten Kaffee mit dem koffeinhaltigen vertauscht hat und seine Lehrerin daraufhin im Stehen eingeschlafen ist, wird der junge Simpson mal wieder zu Rektor Skinner bestellt. Der jedoch ist gänzlich desillusioniert, weil seine große Liebe Edna ihn verlassen hat, und bittet Bart darum, sich selbst zu bestrafen. Aus Sorge um seinen eigentlich ärgsten Feind unterstützt Bart Skinner bei der Suche nach einer Selbsthilfegruppe, in der sich weitere ‚gebrochene Herzen‘ regelmäßig treffen. Dort wird verschiedenen illustren Personen aus Springfield vor Augen geführt, dass sie in ihrer Lethargie wahrscheinlich auf ewig ohne Partner bleiben werden und daher dringend ihren Lebensstil ändern müssen. Als sie schließlich bei der Rettung es verunglückten Busfahrers Otto ihre wahren Lebenskräfte entdecken, schöpfen sie neuen Mut und sind plötzlich zu allerhand Action bereit. Allerdings ist ihr tollkühnes neues Erscheinungsbild nur von kurzer Dauer …

_Meine Meinung_

In „Die Gruppe ‚Ex'“, der Hauptgeschichte des neuesten Exemplars der „Simpsons Comics“, wird der Leser mal wieder mit einer herrlich überdrehten, letztendlich fast völlig sinnentleerten Handlung konfrontiert, in der sich diesmal einige Charaktere besonders in den Vordergrund spielen können, die ansonsten eher Teil der Rahmenhandlung sind. Neben Rektor Skinner, der merklich gefrustet von seinem Liebeskummer nach Hilfe ruft, kommt hier vor allem dem unscheinbaren Comic-Händler eine spezielle Rolle zu, die er fast ausschließlich dazu nutzt, die Geschichte mit einigen berühmten Zitaten aus „Star Trek“ oder „Star Wars“ zu füllen. Kult ist vor allem die Darstellung seiner Annäherungsversuche, die immer deswegen scheitern, weil die Damen in seinen Dates nicht denselben Fanatismus für den cineastischen Bereich aufbringen wie er.

Dennoch können diese tollen Begleiterscheinungen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Geschichte in der 121. Ausgabe nicht ganz so toll ist. Hier und dort wurden sicher ein paar gute Gags platziert, aber weil die Story zum Ende hin einen immer merkwürdigeren Verlauf annimmt, wird sie irgendwie nicht ‚rund‘ und kann sich in den letzten Abschnitten nur noch durch eine aus dem Zusammenhang gerissene Schlusssequenz retten.

Vielleicht hätte man gerade deswegen, weil hier einmal ganz andere Helden die Hauptrollen übernehmen, mal etwas tiefer hinter die Menschen blicken können, statt mit handlungstechnischen Extremen einen nicht ganz so glücklichen Effekt zu erzielen. Aber das ist im Falle der Simpsons sicher auch immer noch Geschmackssache. Mir hingegen hätte es besser gefallen, wären die Gags noch ein wenig besser ausstaffiert und besser in die eigentliche Geschichte eingebunden worden. Aber gelacht habe ich natürlich trotzdem …

Dafür ist diesmal die Sektion mit den Extra-Rubriken umso lohnenswerter. Neben den üblichen Infos und Hintergründen zu Ereignissen aus der vorherigen Story kann man nämlich hier den zweiten und letzten Teil der Simpsons-History mit dem Titel „Tot, aber nicht vergessen“ sehen. In dieser Rubrik gibt es aufschlussreiche, manchmal auch merkwürdige Begründungen für das plötzliche Verschwinden solcher Leute wie Troy McClure und Lionel Hutz, die zum Beispiel schon 1998 weichen mussten, weil ihr Sprecher Phil Hartman von seiner Frau erschossen wurde. Maude Flanders, das wohl prominenteste Serienopfer, hingegen wurde wegen zu hoher Gagenforderungen hinausbefördert. Und so gibt es hier noch einige weitere Storys zu lesen, in denen der unerwartete Abgang diverser Charaktere beleuchtet wird. Sehr interessant! Abgerundet wird das Ganze mit den üblichen Sparten (Leserbriefe, TV-Guide und Bildergalerie).

_Fazit_

Wo die Geschichte gerade zum Ende hin leicht schwächelt, machen die Extras auf Anhieb wieder verlorenen Boden gut. Die Nr. 121 ist sicherlich nicht die beste Episode der „Simpsons Comics“, aber immer noch eine lesenswerte und später auch sehr aufschlussreiche. Für Fans geht trotz der genannten Abstriche also auch hieran kein Weg vorbei.

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Yoshida, Sunao / Kyujyo, Kiyo / Shibamoto, Thores – Trinity Blood 2

[Band 1 2888

_Story_

Nachdem die beiden Patres Iqus und Nightroad ihre Mission in Istvan abgeschlossen haben, bereiten sie ihre Rückkehr in den Vatikan vor. Begleitet werden sie dabei von Schwester Esther Blanchett, die in Rom mehr über das mysteriöse Verhältnis zwischen Vampiren und Menschen erfahren möchte. Weiterhin erhofft sie sich mehr Informationen über ihren ehemaligen Kameraden Dietrich, der sie betrogen und verraten hat.

Der Weg in die ewige Stadt wird jedoch zum gefährlichen Abenteuer für Tres, Abel und Esther. Stets lauern neue unerwartete Gegner ihnen auf und zwingen sie gleich mehrfach, ihre Kampfkünste zu demonstrieren. Und dabei ist die lebensgefährliche Bedrohung bei weitem nicht die einzige Sorge der Gefährten …

_Meine Meinung_

Band 2 der jüngst gestarteten Manga-Reihe „Trinity Blood“ (die Geschichte gibt es übrigens auch im digitalen Format, sprich auf DVD) setzt genau dort an, wo der erste Teil gut einen Monat zuvor aufgehört hat. Nach dem Kampf gegen den vampiresken Grafen Gyula ist die Mission von Abel Nightroasd vorerst beendet, so dass der Rückkehr in die Heimat nichts im Wege steht. Er erhofft sich dabei die Gesellschaft von Esther Blanchett, die bereitwillig zusagt, zumal sie sich selber auch großen Nutzen von der bevorstehenden Reise erhofft.

Doch schon an der ersten Station kommt es zu handfesten Auseinandersetzungen im Abteil einer Eisenbahn, fortgesetzt durch Übergriffe auf Esther und gefährliche Konflikte zwischen Nightroad und einigen Vampiren, die ihr wahres Ich hinter dem Schein einer menschlichen Maske versteckt haben. Doch das Gespann um die ausschließlich rational denkende Maschine Tres, den verwegenen Pater Nightroad und die schüchterne Esther (eigentlich drei atypische Figuren für eine derartige Serie) geht seinen Weg trotz aller Gefahren und ist Rom bereits sehr nahe, als Nightroad in höchster Gefahr seine zweite Identität preisgeben muss und die von ihm begeisterte Esther mit einem Mal völlig verblüfft.

Auf inhaltlicher Ebene wird die Geschichte konsequent fortgesetzt, wobei der zweite Teil im Prinzip einen gänzlich neuen Handlungsabschnitt eröffnet, der mit der vorangegangenen Episode erst mal nur lose in Zusammenhang steht. Die Figuren und ihre merkwürdigen Eigenschaften sind hinlänglich bekannt, und nun dürfen sie auch in ihr erstes nennenswertes Abenteuer ziehen – nennenswert deshalb, weil der Kampf gegen den Grafen und seine Schergen im Vergleich zu der Vielzahl an neuen Auseinandersetzungen kaum noch ins Gewicht fällt.

Anders gesagt, geht die Story im zweiten Buch erst richtig los und entwickelt sich auch binnen kürzester Zeit zu einem wahren Action-Reißer, der sowohl von den Eigenheiten seiner Charaktere als auch von den gut getarnten Mysterien zehrt. Noch ist nicht wirklich klar, welche Ziele Abel Nightroad langfristig verfolgt, und auch das zukünftige Handeln von Esther und Tres kann nur vage erahnt werden, weil Autor Sunao Yoshida seine Erzählung immer nur um den aktuellen Moment aufbaut und sich somit auch jegliches Überraschungsmoment bewahrt. Zu komplex wird das Ganze dabei nicht, denn auch, wenn sich die Szenen im Eiltempo einer gravierenden Veränderung unterziehen, ist immer klar nachzuvollziehen, was wo warum geschehen ist bzw. geschieht.

„Trinity Blood“ bleibt somit auch spürbar spannend: zum einen, weil man wirklich noch nicht genau erahnen kann, in welche Richtung der Manga zukünftig führen wird, zum anderen eben, weil die vielseitige Action immer wieder mit Überraschungen aufwartet, die einen sehr neugierig auf mehr machen. Teil 3 dieser frisch gedruckten Serie wird aus diesem Grund bereits sehnlichst erwartet und wird hoffentlich mehr Aufschlüsse über die versteckten wesentlichen Inhalte liefern. Ich freue mich schon darauf!

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Beck – Am Strand bei Windstärke 12

Über den Namen Beck sollte eigentlich jeder schon einmal gestolpert sein. Der Mann ist in den deutschlandweit größten Printmedien seit mehreren Jahren eine feste Größe und hat sich in Publikationen wie ‚Eulenspiegel‘, ‚taz‘, ‚Brigitte‘ und ‚Die Zeit‘ als Cartoonzeichner einen tadellosen Ruf erarbeitet. Innerhalb all dieser Zeit hat sich dabei eine wahre Masse an witzigen Geschichten und Cartoons angesammelt, von der Beck nun eine recht anschauliche und zudem sehr große Auswahl in einem Sammelband veröffentlicht.

Unter dem verheißungsvollen Titel „Am Strand bei Windstärke 12“ erscheinen nun via |Carlsen Comics| mehr als 200 seiner beliebten Panels und reflektieren den wohl wichtigsten Bestandteil seines Gesamtwerks in teils bunten, teils zweifarbigen Karikaturen. Allerdings, und das sollte man bei Beck wissen, ist es bei diesem Zeichner manchmal gar nicht leicht, hinter den tieferen Sinn seiner Bilder zu schauen. Beck zeichnet auf den ersten Blick recht oberflächlich, bisweilen auch provokant, versteckt dabei aber die grundlegenden Details oft außerhalb des eigentlichen Blickfangs und kann somit gleich auf zweierlei Arten für entspannte Lachmuskeln sorgen.

Davon mal ganz abgesehen, ist es sowieso eine Kunst für sich, mit nur einem Bild eine Geschichte zu erzählen, also prompt auf den Punkt zu kommen, zusätzlich noch eine (unterschwellige) Kritik zu äußern, außerdem lustig zu sein und natürlich davon abzusehen, ausgelatschten Klischees weiteren Nährboden zu verschaffen. Wie genau dies funktioniert, demonstriert der populäre Karikaturist hier auf vielfältige Art und Weise, wobei er natürlich zum größten Teil aktuelle (politische) Themen und Missstände durch den Kakao zieht. Munter wird über Emanzipation, das Schicksal von Arbeitslosen, Korruption hergezogen, also im Großen und Ganzen doch Klischees, dies allerdings auf eine munterere, frischere und insgesamt auch intelligente Weise und auf einem Niveau, das sich nicht auf Regionen unterhalb der Gürtelschnalle herablässt.

Kurz gefasst, ist der Stoff in „Am Strand bei Windstärke 12“ Futter für all diejenigen, die von Trash-Humor der Marke „Titanic“ gerne absehen und sich lieber mittels visueller Reize und intellektuellerem Witz zu Lachanfällen hinreißen lassen. Beck schafft es in diesem überaus kurzweiligen Sammelband dementsprechend mit einfachsten Mittel zu unterhalten und entschädigt vor allem diejenigen, die nicht zur Stammleserschaft besagter Medien zu zählen sind, mit einem umfassenden Überblick über sein Gesamtwerk. So, ja genau so stelle ich mir gehaltvolle Comic-Satire vor!

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Hyung, Min-Woo – Priest – Band 14

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516
[Band 8 2575
[Band 9 2618
[Band 10 2701
[Band 11 2854
[Band 12 3002
[Band 13 3004

_Story_

Ivan Isaacs ist endlich in Windtale angekommen und bereit für das Gefecht mit Temozarela. Allerdings lässt dieser sich von seinem Diener Armand vertreten, und dies äußerst erfolgreich. Armand bringt Isaacs zu einer schmerzlichen Niederlage, die er jedoch nicht mit dem Todesstoß besiegelt. Völlig entkräftet wird Ivan an Netraphim weitergereicht, der seine Wunden heilt und dabei auch dessen Rachepläne in Frage stellt. Plötzlich ist sich Belials rechte Hand gar nicht mehr so sicher, ob er seinen Weg weiterverfolgen möchte.

Währenddessen will der Bürgermeister die drohende Gefahr über Windtale nicht wahrhaben. Er erzählt voller Stolz, wie er damals an die Macht gekommen ist und weshalb er niemals dazu bereit wäre, sein Herrschaftsgebiet freiwillig zu räumen. Auch Nera hält tapfer ihre Stellung, obwohl sie scheinbar viel mehr weiß, als sie bislang zugegeben hat. Doch dann kommen die Gesandten des Vatikans, und mit denen kann keiner mehr gedankenlos sein Spiel treiben …

_Meine Meinung_

Willkommen zum großen Showdown … oder auch nicht. Denn der große Kampf zwischen Temozarela und Ivan Isaacs findet nicht wie zunächst erwartet und erhofft statt, sondern wird von einem auf den ersten Blick unspektakulären Gefecht des hasserfüllten Rächers und Armand abgelöst. Und erstaunlicherweise legt Isaacs hierbei all seinen Antrieb ab und muss sich ohne jegliche Möglichkeit zur Gegenwehr seinem neuen Feind beugen. Eigentlich hätte Ivan sogar einen weiteren Tod sterben müssen, wäre ihm nicht das Glück beschert, dass Netraphim ihn vor dem sicheren Ende bewahrt. Doch was nun? Isaacs kommen Zweifel an seiner Mission und er denkt insgeheim darüber nach, die Seiten zu wechseln. Er ist nicht mehr von Belials Worten überzeugt und zeigt vereinzelt Bereitschaft, seiner Knechtschaft zu entfliehen. Doch kann er dies tatsächlich?

Auf der anderen Seite schürt die Niederlage gegen Armand seinen Hass nur noch umso mehr. Und dabei ist es nicht nur die Schmach als solche, sondern vor allem die Art und Weise, wie Armand den schier hilflosen Isaacs niedergestreckt hat, die dessen Rachegelüste ins Unermessliche steigen lassen. Doch nun weiß er, welche Fähigkeiten erforderlich sind, um sich mit Temozarela und seiner rechten Hand zu messen, und nach einer ewig langen, von blutigen Gefechten gezeichneten Reise ist Belials Untertan am Ende seiner Kräfte und muss den vergangenen Ereignissen nach allen souveränen Auseinandersetzungen nunmehr Tribut zollen.

Im zweiten Teil der Handlung bahnt sich auch langsam so etwas wie eine Entscheidung an. Der anfangs erwähnte Showdown wird stattfinden, nur ist auf einmal nicht mehr klar, wer alles daran beteiligt sein wird. Jedoch steuert die Geschichte unverkennbar auf ein kolossales Aufeinandertreffen in der Region von Windtale zu, in der sich bereits im 14. Band das Gros der tragenden Figuren befindet. Die Inquisitoren des Vatikans treten auf, die verwaisten Indianer, dann der Marshall und seine Gesellen, die mysteriöse Nera, der korrupte Bürgermeister und natürlich Ivan selber. Alle verfolgen sie unterschiedliche Ziele, und alle streben sie eiligst nach Erfolg, dies aber bis hierhin noch ohne klares Resultat, was natürlich schön ist, denn so steigt die Spannung auf ein Level, auf welchem man es kaum noch aushalten kann, auf die Fortsetzung bzw. die Auflösung all dessen zu warten.

Episode 14 ist meines Erachtens die am klarsten strukturierte Ausgabe der gesamten Serie. Einige wichtige Puzzlestücke fügen sich zusammen und scheinen sehr bald miteinander zu verwachsen, doch noch immer lässt sich der Autor nicht in die Karten schauen. Im Gegenteil; manche bereits offengelegte Hintergründe dürfen plötzlich wieder in Frage gestellt werden, wobei die Frage nach Isaacs weiterem Handeln diesbezüglich die alles bestimmende ist. Temozarelas Ankunft in Windtale steht unmittelbar bevor, und doch kann man nur schwerlich erahnen, welche Folgen dies für die hier versammelten Beteiligten haben wird. Es wird auf jeden Fall ein actionreiches Finale, so viel steht bereits fest, und mitunter liegt auch die Vermutung nahe, dass ein finsteres, wahrscheinlich auch blutiges Ende das Erscheinen des gefallenen Engels begleiten wird, doch dies ist Zukunftsmusik. Und außerdem möchte ich mich mit solchen Dingen jetzt auch nicht wieder zu weit aus dem Fenster lehnen, denn wie Min-Woo Hyung in dieser Folge einmal mehr bewiesen hat, ist im Bezug auf die Entwicklung von „Priest“ nichts wirklich transparent oder gar durchschaubar.

Harren wir also der Dinge, die da noch kommen werden, und harren wir besonders der Entscheidung des Protagonisten, die sich hoffentlich schon im nächsten Buch ereignen wird. Dann nämlich wird man auch wissen, ob es dem Autor tatsächlich noch ein weiteres Mal gelingen wird, den gesamten Plot auf den Kopf zu stellen und den Leser völlig zu überraschen.

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Hyung, Min-Woo – Priest – Band 13

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516
[Band 8 2575
[Band 9 2618
[Band 10 2701
[Band 11 2854
[Band 12 3002

_Story_

Nera und die Kreaturen ihres Wanderzirkus‘ sind gerade noch einmal unbeschadet aus der Stadt entkommen, lassen aber weiterhin in der Umgebung von Windtale ihre Zelte stehen. Und wie die verunstalteten Wesen auch bald erkennen müssen, stecken hinter dem trügerischen Auftreten ihrer Herrin einige finstere Pläne, die Nera selbst durch ihre unbeholfenen Lügen verrät.

Währenddessen entbrennt zwischen Temozarela und Netraphim, dem Wächter des Tores zum Himmel, ein gnadenloser Kampf, an dessen Ende sich beide Engel eingestehen müssen, zu welch erbärmlichen Geschöpfen sie in ihrem sturen Glauben geworden sind.

Und auch Ivan Isaacs ist nicht untätig; er alleine ist ausersehen, die gefallenen Seraphim aufzustöbern und auszulöschen, denn nur über sie führt der Weg zu ihrem Anführer Temozarela.

_Meine Meinung_

Erst kürzlich stellte ich mir die Frage, wann der Autor von „Priest“ den geplanten Abschluss der Serie einleiten möchte, und nachdem ich in Band 12 noch erhebliche Zweifel hatte, dass ihm dies in unmittelbarer Zukunft gelingen wird, werden die Karten nur eine Episode später wieder neu gemischt, denn die 13. Ausgabe des wunderbaren Action/Horror-Manhwas steuert kompromisslos auf den lang ersehnten Showdown zwischen Temozarela und Ivan Isaacs und damit auch auf das große Finale von „Priest“ zu.

Autor Min-Woo Hyung zeigt sich mal wieder so unberechenbar wie eh und je, löst sein zuletzt noch kreiertes Trugbild um die mütterliche Figur Nera wieder auf und zeigt zumindest schon einmal in Ansätzen ihr wahres Ich. Ihre Motivation, den Standort Windtale nicht zu verlassen, hat einen bestimmten, bereits erahnbaren Grund. Der Ort steht nämlich in einer gewissen Beziehung zu den sich nähernden Seraphim, und obwohl es anfangs noch unglaublich scheint, so gibt es anscheinend doch eine Verbindung zwischen Nera und Temozarela. Doch welche?

Der Erzengel jedoch muss erst einmal einen aussichtslosen Kampf bestehen, doch es gelingt ihm schließlich, den Wächter des Himmelstores zu überlisten, der nun nur noch auf die Hilfe des verdorbenen Priesters Ivan Isaacs hoffen kann, um die Welt vorm bevorstehenden Chaos zu bewahren.
Und während all dies geschieht, nehmen die Stammesbrüder Cairos unbarmherzige Rache an den Glaubensbrüdern, die ihren verstoßenen Gefährten durch den Märtyrertod zur Legende gemacht und die grausamen Rachegelüste der Rothäute erst geschürt haben.

„Priest – Band 13“ ist definitiv wieder actionreicher als die vorangegangenen Folgen, dabei aber auch wieder unheimlich brutal. Sowohl Ivan Isaacs als auch besagte Indianer metzeln in der Mitte des Buches, was das Zeug hält, und steigern sich in einen wahren Blutrausch, der etwas gezügelter auch beim Aufeinandertreffen von Netraphim und Temozarela inszeniert wird. Min-Woo Hyung nimmt alle Scheuklappen ab und lässt dem Hass der beteiligten Charaktere in diesen Szenen freien Lauf, übertreibt es meines Erachtens dabei aber auch wieder ein wenig. Schließlich hat es der Autor und Zeichner eigentlich gar nicht nötig, mit überzogenen Gewaltdarstellungen Effekte zu bewirken, die er eigentlich schon durch die Handlung erzielt hat. Für meinen Teil wird dies auch weiterhin die einzige Schwäche dieser Serie bleiben.

Ansonsten breitet sich in diesem Comicroman wieder eine kaum noch zu unterdrückende Euphorie aus; der große Kampf zwischen Temozarela und Ivan steht unmittelbar bevor, und mit der Gewissheit im Hinterkopf, dass es bereits im nächsten Band zu diesem unvermeidlichen Gefecht kommen könnte, neigt sich die Begeisterung über diese Serie ihrem bisherigen Höhepunkt zu. Hier wird das eingeleitet, worauf alle gewartet haben, und damit kommt der 13. Folge wohl auch eine Schlüsselposition in dieser Serie zu.

Als Fazit daher auch nur so viel: Die Spannung steigt …

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Reinhard Kleist – Cash – I see a darkness

Spätestens seit »Walk the Line« im Kino lief, kann man guten Gewissens von »Cashmania« reden. Franz Dobler verwendet diese Vokabel in seinem Vorwort zu Reinhard Kleists Comicbiographie »Cash – I see a darkness«. Cashmania. Ein Ausdruck für die allgemeine Begeisterung, die Johnny Cash posthum zuteil wird. Der schwarze Highwayman, Mister Ring-of-Fire, hat es in die Popkultur geschafft. Fast möchte man von Kult sprechen, wäre das Wort nicht so abgegriffen.

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Abuli, Enrique Sánchez / Bernet, Jordi – Torpedo 1

Wer nur für fünf Cent Ahnung hat, was in den Regalen hiesiger Comicdealer steht, der weiß, dass auch Erwachsene gerne Comics lesen. Völljährig zu sein und Bildergeschichten zu mögen, wurde in den Fünfzigern vielleicht noch als eine Charakterschwäche getadelt. Heute ist es alltäglich. Trotzdem hat man es als erwachsener Comicleser manchmal nicht leicht, Material zu finden, das dem eigenen Gusto entspricht. Zum Glück gibt es |Cross Cult|. Das kleine, aber feine Label aus Asperg nimmt die Wünsche des älteren Lesepublikums aufs Korn. Die Verleger scheinen es sich auf die Fahne geschrieben zu haben, gleichsam gute Unterhaltung, anspruchsvolle Geschichten und tolles Artwork zu bringen. Mit der Veröffentlichung des ersten Bandes von »Torpedo« – pünktlich zur Frankfurter Buchmesse 2006 – bleiben sie ihrer Linie treu.

Dabei sind die Geschichten um den Mafiakiller Luca Torelli, genannt »Der Torpedo«, keine Neuheit mehr, sondern schon über fünfundzwanzig Jahre alt. 1980 erschien die erste Episode in dem spanischen Magazin »Creepy«. Daraus entwickelte sich in den Folgejahren eine Serie, die 1986 zu höchsten Ehren gelangte und in Angoulême den Preis für das Beste Album abräumte. Auf Deutsch erschien »Torpedo« zuletzt 1988 bis 1991 bei |Carlsen|, zunächst als Album, dann als Taschenbuch. Die Reihe blieb unvollendet und geriet allmählich in Vergessenheit. Inzwischen sind einzelne Ausgaben kaum noch zu bekommen. Freunde des brutalen Mafiakillers dürfen nun aufatmen. Bei |Cross Cult| erscheint in fünf Bänden das Gesamtwerk. Der erste Band enthält fünfzehn »Torpedo«-Episoden in Schwarzweiß, die jeweils zwischen sechs und zehn Seiten lang sind.

Schauplatz der Handlung ist New York im Jahr 1936. Hauptfigur Luca Torelli ist ein eleganter Killer der Mafia, gerade kultiviert genug, um zu wissen, dass in Spanien Bürgerkrieg herrscht. Er ist ein vornehmer Schlächter im Nadelstreifenanzug, ein hartgesottener Killer, wie er im Buche steht. An seiner Seite wird dem Leser von Episode zu Episode das ganze bestehende Repertoire an Mafia-Stereotypen vorgeführt. Die Anziehungskraft der »Torpedo«-Storys geht dabei nicht so sehr von den einzelnen Plots aus. Sie sind ein wenig absehbar, wie zu erwarten bei Kompositionen aus Stereotypen. Der Leser erlebt, wie Torpedo gut bezahlte Aufträge erledigt. Manchmal macht er sich selbst zum Auftraggeber, hin und wieder gibt es Rückblenden in seine Vergangenheit. Immer geht es hart zur Sache, blutig und gnadenlos.

Vielleicht rührt die Anziehungskraft dieser Serie von dem non-charmanten Charakter Luca Torelli selbst her. Torpedo ist alles andere als der perfekte Schwiegersohn. Kein Saubermann, kein aalglatter Held, sondern ein Mistkerl. Er zögert nicht, seinen besten Freund oder seine Lieblingshure zu ermorden. Er schießt einem Mann in den Rücken, tötet einen Polizisten und vergreift sich an einer verheirateten Frau, weil sie ihn nicht bezahlen kann. Als Leser fühlt man sich merkwürdig angezogen und abgestoßen zugleich. Damit reiht sich Torpedo ein in die Reihe schräger Hauptfiguren bei |Cross Cult|, die nicht im Mainstream liegen, sondern Ecken und Kanten haben. Gut so, denn als erwachsener Leser wünscht man sich erwachsene Charaktere. Und man muss ja nicht jeden sympathisch finden.

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Hyung, Min-Woo – Priest – Band 12

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516
[Band 8 2575
[Band 9 2618
[Band 10 2701
[Band 11 2854

_Story_

Enttäuscht von der ablehnenden Haltung Ivan Isaacs, der sie nicht als Ersatz für die dahingeschiedene Gena akzeptieren will, begibt sich Lizzie auf die Suche nach einer neuen Bande, um eine Lösung für ihren Virus zu finden. Auch die Stammesbrüder des verstorbenen Cairo sind nicht untätig und arrangieren ein Treffen mit den Marshalls. Allerdings besteht noch keine Einigkeit darin, ob sie sich an den grausamen Priestern rächen werden, deren eiskaltern Händen Cairo zum Opfer gefallen ist.

Ivan Isaacs hingegen landet auf seiner Reise in Windtale, einem Ort der Verstoßenen, an dem die mütterliche Nera einige entstellte Wesen vor der drohenden Folterung durch die Menschheit bewahrt. Doch die Zigeunergruppe braucht dringend neue Nahrung und Unterstützung seitens der Stadtbewohner, so dass eine Fahrt ins Zentrum unvermeidlich ist. Dort kommt es dann zum Eklat: Nera trifft auf ihren neuen Widersacher Isaacs, und die mitgereisten Kinder werden von einigen ortsansässigen Fieslingen an den Pranger gestellt.

_Meine Meinung_

Meines Wissens war diese Serie zunächst auf insgesamt 15 Bände angesetzt, doch mittlerweile erscheint es mir utopisch, dass Autor Min-Woo Hyung innerhalb dieses Rahmens zu einem runden Abschluss kommen wird. Ein 16. Band ist daher bereits für die deutsche Ausgabe bei |Tokyopop| angekündigt. Auch im zwölften Band von „Priest“ ergeben sich durch die Einbeziehung neuer Charaktere wieder neue Ideenkomplexe, die mit dem bereits Geschehenen erst einmal in Einklang gebracht werden müssen.

Der Autor beschreitet zudem auch wieder einen gänzlich neuen Weg und lässt die Ereignisse der vorangegangenen Episoden bis auf Weiteres ruhen. Sowohl das weitere Fortschreiten Lizzies als auch die Rachegelüste von Cairos Gefährten werden nur losgelöst am Rande erwähnt, während die Geschichte von Nera und ihren verrufenen Schützlingen das Geschehen bestimmt. Einerseits gar nicht schlecht, andererseits aber auch wieder ärgerlich, weil der Autor zum wiederholten Mal einen eröffneten Komplex nicht zu Ende denkt und statt einer Übergangslösung wieder Gedanken streut, die große Teile der Handlung über den Haufen werfen.

Die Art und Weise, wie Hyung dies macht, ist allerdings wieder beeindruckend. Verschiedene bewährte Charaktere, darunter auch Ivan Isaacs selber, nehmen mit einem Mal eine vollkommen andere Position ein. Plötzlich sind es die einst bösartigen Engel, die positiv besetzt werden, wohingegen der wiederauferstandene Rächer sich gegen die mit Sympathien behaftete Nera stellt, sogar droht, ihr den Garaus zu machen. Vom moralischen Aspekt betrachtet geschehen hier Dinge, die bewirken, dass man sich von der Identifikationsfigur Isaacs löst und ihr Handeln in Frage stellt. Bereits die Auseinandersetzung mit Lizzie verhieß nichts Gutes, und jetzt scheint es geradezu so, als hätte Belials Handlanger die Seiten gewechselt und würde nun das Böse verkörpern.

Unterschwellig wird dem Leser jedoch schon eröffnet, dass Nera und ihre hässlichen Gestalten lediglich Teil einer Scheinwelt sind und ihr sympathisches, fast schon mitleiderregendes Auftreten nicht ihrer wirklichen Natur entsprechen. Jedoch handelt es sich hierbei nur um Andeutungen, die den Leser zum Nachdenken und Weiterspinnen anregen. Eben wie bei all den anderen versteckten Hinweisen, die der Autor im Laufe der Reihe in seinen Büchern platziert hat.

Es bleibt also weiterhin spannend im Kampf zwischen Ivan Isaacs und all den feindlichen Engeln und Dämonen. Min-Woo Hyung hat die Facetten seiner Manwha-Serie noch weitreichender gestaltet und dafür gesorgt, dass „Priest“ nach einem sich zwischenzeitlich anbahnenden Endspurt wieder so undurchschaubar ist wie nach der Wiederbelebung des Hauptcharakters. Angenehm beim zwölften Band der bald in Hollywood visualisierten Serie ist dabei übrigens noch der Verzicht auf überzogene Gewaltdarstellung; zwar sind manche Szenen recht brutal, dies aber mehr auf mentaler Ebene.

Und so fällt das Resümee nach anfänglichen Bedenken dann auch wieder ausgesprochen positiv aus. Die aktuelle Fortsetzung bringt die Geschichte voran, offenbart dabei aber auch, dass die Erzählung noch Potenzial für mindestens zehn weitere Episoden hat. Man darf jedenfalls gespannt sein, was Min-Woo Hyung daraus machen wird. Meinetwegen darf „Priest“ aber gerne so komplex und undurchdringlich bleiben wie in der hier rezensierten Folge.

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