Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Boothby, Ian – Simpsons Comics 118

_Story_

Mr. Burns und Smithers wohnen einer Kinovorstellung eines Dokumentarfilms über die Burns-Familie bei und müssen zusehen, wie die schonungslose Wahrheit über das Leben von Monty junior und senior publik gemacht wird. Noch bevor sie sich dazu äußern können, werden der Kraftwerkbesitzer und sein Helfershelfer aus dem Lichtspielhaus verjagt. Burns möchte dies natürlich nicht auf sich sitzen lassen und beschließt, in einem Museum zu schildern, welch ehrenwerte Familie die seine doch eigentlich ist. Und natürlich kaufen die naiven Bürger von Springfield ihm auch ab, dass er beispielsweise die Glühbirne erfunden oder den Krieg für die Staaten gewonnen hat.

Währenddessen sorgt der Museumsbau für ein riesiges Verkehrschaos, von dem niemand mehr genervt ist als Homer Simpson. Vor allem die lästigen Ansagen des Hubschrauberreporters Arnie Pie zehren an seinen Nerven, woraufhin Homer selber in den Helikopter steigt und Pie in der Luft den Kampf ansagt. Und der nimmt die Herausforderung natürlich dankend an …

_Meine Meinung_

Zum zehnjährigen Jubiläum der „Simpsons Comics“ warten die Macher mit einer extrem bissigen und gleichzeitig einer der bislang besten Storys dieser ersten Dekade auf. Basierend auf einer Geschichte von Ian Boothby werden hier derart viele Spitzen verteilt, dass man schon fast befürchten muss, dass die Hauptgeschichte namens „Original und Geschichtsfälschung“ ernsthafte Konsequenzen nach sich ziehen wird.

Sinnbildlich ist hierfür bereits die erste Seite, in der Mr. Burns Amerika mit Fäusten schlägt, denn genau dies macht der Autor auf den Folgeseiten permanent und nimmt die verdummte Bevölkerung, der man wahrlich alles weismachen kann, gehörig auf die Schippe. Von der Machart her gleicht das Ganze ziemlich genau den vielen Dokumentarstreifen eines Michael Moore, was sowohl für die cineastische Vorstellung zu Beginn des Heftes gilt, als auch für die von Burns betriebene Fälschung der amerikanischen Geschichte, bei der sich der Besitzer des Atomkraftwerks als großer Volksheld aufspielt. Die Würze dabei sind die zahlreichen Anspielungen, die manchmal sogar stark unter die moralische Gürtellinie gehen. So wird Burns unter anderem auf recht humorvolle Weise für das Scheitern der Titanic und die Explosion des Hindenburg-Zeppelins verantwortlich gemacht, oder aber er selber stellt geschichtsträchtige Figuren wie James Watt, Karl Marx oder Thomas Edison als Durchschnittsbürger dar, die ihm nie das Wasser reichen konnten.

Auf der anderen Seite steht das ganz normale (Verkehrs-)Chaos, ausgelöst durch Burns‘ unehrenhafte Idee. Und dies ist eigentlich nicht minder witzig eingefangen worden als besagte Geschichtsfälschung, nur eben mit dem Unterschied, dass die hier verteilten Hiebe gegen die heutige Prominenz, bestehend aus Leuten wie den Osbournes oder George Lucas, gehen. Letzterer zum Beispiel muss von Nelson die Kritik einstecken, dass die ersten beiden Teile der zweiten „Star Wars“-Generation so schlecht waren, dass er sich gefälligst mit jeglichen Äußerungen zurückhalten sollte. Und als wäre dies nicht alles schon genug, entlarvt die Handlung beinahe schon nebensächliche Skandale wie etwa den korrupten Bürgermeister. Herrlich!

„Simpsons Comics 118“ ist eine echte Zerreißprobe für die Lachmuskeln und nicht nur deswegen auch jeden einzelnen Cent wert. Obwohl es diesmal nur eine (dafür natürlich längere) Geschichte gibt, kommt der Leser hier in jeglicher Hinsicht voll auf seine Kosten, selbst wenn die gelbe Familie in diesem Fall (abgesehen von Homer) ein wenig außen vor bleibt. Angereichert wird Ausgabe Nr. 118 noch durch eine 50-teilige Stickerrolle und diverse Hintergrundinfos zu all den bösen Anspielungen innerhalb dieses Comics. Außerdem gibt’s wieder die bekannten Rubriken Leserbriefe und ‚Musikalische Gäste bei den Simpsons‘, diesmal mit James Taylor und Tito Puente, sowie eine Extraseite zum Jubiläum.

http://www.paninicomics.de

Winick, Judd / Middleton, Joshua – Superman/Shazam (100% DC 4)

_Story_

Im Thronsaal des Zauberers Shazam wurde durch Magie ein weiterer Superheld geboren, nämlich der später berüchtigte Captain Marvel, eigentlich ein Jugendlicher, der sich durch den Gebrauch des Wortes ‚Shazam‘ in sein Alter Ego und wieder zurück verwandeln kann. Schon schnell macht er in seiner Heimat Fawcett City auf sich aufmerksam und befreit die Stadt von Gaunern und Ungerechtigkeiten. Zur gleichen Zeit kämpft Superman ebenfalls gegen eine Hand voll Schurken und macht dabei zum ersten Mal Bekanntschaft mit seinem neuen Kollegen. Gemeinsam stellen sie sich gegen den hinterhältigen Mr. Sivana, der zusammen mit Lex Luthor einen finsteren Plan ausgeheckt hat. Marvel muss dies jedoch teuer bezahlen; das Verbrechersyndikat hat seine wahre Identität ausfindig gemacht und greift ihn in seinem menschlichen Dasein als Kind an. Als dabei sein bester Freund – selber auch noch ein Kind – umgebracht wird, sieht der Captain rot und widersetzt sich sämtlichen Gesetzen der guten Superhelden. Superman forscht nach den Ursachen …

_Meine Meinung_

Die im vierten Band von „100 % DC“ publizierte Story schildert das erste Aufeinandertreffen von Superman und Captain Marvel und macht dabei noch ganz klar die Unterschiede zwischen diesen beiden legendären Superhelden der Comicgeschichte deutlich. Zumindest diejenigen, die bei ihrer ersten Begegnung noch offenkundig auftreten. Im Gegensatz zum schon seit Ewigkeiten bekannten Superman ist der von der Statur her ähnliche Captain noch ziemlich naiv und in seiner Art auch seinem Alter entsprechend ein wenig kindlich. Zudem hat er seine Gefühle noch nicht ganz so gut im Griff, was vor allem in dem Moment offenbart wird, in dem er realisiert, dass sein Superheldendasein einige gefährliche, gar tödliche Nebenwirkungen haben kann. Im Gegensatz dazu tritt Superman so souverän wie gehabt auf, wirkt in seiner Art sogar ein wenig arrogant. Speziell die Stellen, an denen er mit seinen Fähigkeiten protzt, machen den geliebten Action-Star nicht gerade sympathisch, schließlich ist seine eigentliche Stärke ja die Bescheidenheit.

Auf die Handlung wirken sich diese Eigenschaften dann auch ziemlich deutlich aus. Während Superman nämlich die Szenerie stets unter Kontrolle hat, wirkt der Captain in seinen ersten heftigeren Gefechten noch ein wenig unsicher und schaut dabei immer wieder aus nächster Nähe zu seinem Idol auf. Man hat nicht den Eindruck, als stünden beide auf einer Stufe. Stattdessen wird Superman in eine Art Vaterrolle hineingedrängt, die auch in den Schlusssequenzen indirekt bestätigt wird, wenngleich es hier natürlich keine biologischen Zusammenhänge gibt. Schließlich ist Billy Batson ein Mensch von der Erde, der nicht von Natur aus zum Mutanten geboren, sondern erst durch die Magie des Zauberers Shazam dazu geworden ist.

Doch zurück zur Handlung, denn die ist in der hier aufgeführten Mini-Serie „First Thunder“ überaus spannend. Gleich in mehrfacher Hinsicht liegt eine gewisse Brisanz in der Luft, sei es nun das Kribbeln vor der ersten Begegnung der beiden Stars, oder aber im Hinblick auf die wechselhafte Fortentwicklung der Geschichte, die zum Schluss hin noch einige sehr überraschende, recht harte Wendungen nimmt, die einen trotz es fiktionalen Inhalts ein wenig berühren. Die Rede ist hierbei natürlich in erster Linie vom Tod des unschuldigen Jungen, der in Captain Marvel einige Rachegelüste lostritt und den Rang des Gesetzeshüters auch erheblich herabsetzt. Hierzu wäre es dann auch interessant zu wissen, was genau danach passiert, denn nachdem sich Superman seines neuen jungen Freundes angenommen hat, ist die recht lange Story leider mit einem unbewussten Cliffhanger beendet worden, der vielleicht ja in nächster Zeit noch einmal aufgegriffen wird. Wäre jedenfalls wünschenswert.

Unterdessen hat man aber noch genügend Zeit, sich an dieser tollen, in diesem Sammelband verewigten Miniserie zu erfreuen, denn sowohl auf emotionaler als auch auf der Action-Ebene ist „Superman/Shazam“ ein echt starker Comic, bei dem lediglich die streckenweise poppigen Zeichnungen von Joshua Middleton ein wenig gewöhnungsbedürftig sind. Aber auch dadurch hebt sich diese Serie wohlig von den herkömmlichen Comics ab und macht nicht zuletzt auch die eher durchschnittlichen Veröffentlichungen zum „Superman Returns“-Kinofilm wieder ein wenig vergessen.

http://www.paninicomics.de

Singer, Bryan / Palmiotti, J. / Kerschl, K. / Leonardi R. – Superman Returns – Verschollen

_Story_

Superman ist plötzlich verschwunden, doch dieses Mal scheint seine Abwesenheit von längerer, möglicherweise sogar von ewiger Dauer zu sein. Nach der Zerstörung seines Heimatplaneten Krypton sandten ihn seine Eltern zur Erde, um die Wurzeln der Kryptonier am Leben zu erhalten und dort eine neue Existenz aufzubauen. Wohl wissend, dass Superman dort übernatürliche Kräfte entwickeln würde, schickten sie ihren Sohn im Angesicht des Todes auf eine lange Reise, an deren Ende er von der Familie Kent aufgespürt und groß gezogen wurde.

Mittlerweile erwachsen, wurde er zum Superhelden, der nun jedoch eine neue Chance gesehen hat, den Planeten Krypton aufzuspüren – obwohl dieser bereits längst zerstört wurde. Sowohl seine Pflegemutter als auch sein Erzfeind Lex Luthor und die Kollegin und heimliche Geliebte seines Alter Egos Clark Kent, Lois Lane, erinnern sich mit gemischten Gefühlen an die Zeit vor seinem unerwarteten Abschied. Während Ma Kent sich nach der Rückkehr ihres Ziehsohns sehnt, sinnt Luthor nach Rache, immerhin hat ihn Superman kurz vor seinem Verschwinden noch ins Gefängnis gebracht.

Lois Lane hingegen ist wegen der Abkehr des Helden zerstreut. Einerseits sehnt sie sich insgeheim ebenfalls nach ihm, andererseits möchte sie ihr neues Familienglück durch seine Rückkehr nicht mehr aufs Spiel setzen. Doch eigentlich wissen alle, dass Superman eines Tages zurückkehren wird.

_Meine Meinung_

„Verschollen“ ist das Prequel zur gerade angelaufenen Kinofassung von [„Superman Returns“, 2760 die ja ebenfalls kürzlich über |DC Comics| veröffentlicht wurde, allerdings in eher biederer Form. Zu wenig Eigenständigkeit, zu sehr gequetscht, nicht sonderlich ambitioniert – im Gegensatz zum Film war der Comic eher eines der schwächeren Werke der Superman-Historie. Und leider sieht es mit der hier publizierten Vorgeschichte nicht anders aus, denn der aus vier Geschichten zusammengesetzte Sammelband „Verschollen“ ist leider Gottes ebenfalls nur Stückwerk.

Ein weiteres Mal macht man sich über die Herkunft des Superhelden und seine Reise zur Erde sowie seine anschließende Kindheit her und wiederholt damit quasi lediglich Fakten, die selbst der Comic-Laie längst irgendwo in Erfahrung gebracht haben sollte. Zwar ist die Story zeichnerisch sehr gut aufgearbeitet und zumindest einige Szenen vom Planeten Krypton sind ganz ordentlich, aber genauso gut hätte man sich dieses weit ausholende Prequel zum Prequel auch gerne sparen können.

In den drei folgenden Storys stellt sich dies dann auch ähnlich dar. Mama Kent trauert um ihren verschwundenen Jungen und besinnt sich früherer Zeiten, in denen man noch ein harmonisches Familienleben führte. Im Grunde genommen ja ganz in Ordnung, aber was wird hier offenbart, was nicht längst aus der Nachfolgestory, sprich der Filmgeschichte hervorgeht? Jedenfalls nichts Bedeutungsschwangeres, das den Leser vom Hocker reißen könnte. Denn dass Mama Kent nicht wohl beim Gedanken an ihren verschollenen Sohn ist, dürfte wohl klar sein.

Weiter geht’s mit Lex Luthor, der einmal mehr seinen Rang ausnutzt, um dem Gefängnis zu entgehen und anschließend eine kurze, mehr zu sich selbst gesprochene Kampfansage an Superman loswird, infolge derer dann die im Film vorgenommene Rache folgen wird. Auch hier gilt: Unspektakulär und prinzipiell nichts sagend, wenngleich man hier zumindest etwas über den Beginn der Beziehung zwischen Lex Luthor und seiner neuen Angetrauten Catherine alias Kitty erfährt.

Lediglich die Gedanken von Lois Lane, die noch immer mit ihren Gefühlen für Superman ringt, bieten Interessantes, so zum Beispiel auch ihre Einstellung zum später zur Diskussion gestellten Artikel über die Notwendigkeit eines Superhelden wie Superman. Außerdem wird hier – leider auch nur sehr knapp – ihre erste Begegnung und die anschließende Beziehung zu ihrem später geheirateten Mann Richard geschildert, die ja für den weiteren Verlauf noch von immenser Wichtigkeit ist. Aber herausragend ist selbst dies auf keinen Fall.

Leider wird man beim Lesen dieses neuen Sammelbands den Gedanken nicht los, als wollten die Macher dieser Comics hier schnell auf den gerade angelaufenen Rummel-Zug um den neuen Kinostreifen aufspringen und diesen dazu ausnutzen, schnelles Geld mit einem bzw. zwei eher zweifelhaften Werken zu machen. Eigentlich eine Unart für die ansonsten geniale Comicschmiede |DC Comics|. Aber letztendlich ist „Verschollen“ nichts anderes als ein willkürlich zusammen gepuzzeltes, eher dröges und dem bekannten Standard vollkommen unangemessenes Magazin, das wir besser ganz schnell wieder vergessen – trotz der wiederum guten Illustrationen. Erneut mein Rat: Geld besser fürs Kino reservieren!

http://www.paninicomics.de/

Pasko, Martin / Haley, M. – Superman Returns – Der offizielle Comic zum Film

_Story_

Als Superman vor fünf Jahren sang- und klanglos von der Erde verschwand, hat sich in seiner ehemaligen Umgebung einiges geändert: Lex Luthor ist mittlerweile durch eine gewaltige Erbschaft zu einem der reichsten Männer der Welt geworden und seine Angepriesene, Lois Lane, hat inzwischen geheiratet, mit ihrem Mann einen gemeinsamen Sohn und ist zu einer weltbekannten Reporterin geworden. Für eines ihrer Projekte steht ihr sogar die Verleihung des Pulitzer-Preises bevor, nämlich für einen Artikel, der sich damit beschäftigt, dass die Welt Helden wie Superman nicht braucht.

Just in dem Moment, wo dieser jedoch von seiner Suche nach Krypton wieder auf die Erde zurückgekehrt ist, bereut Lois aber auch schon wieder die Fertigstellung dieses Artikels. Lex Luthor hat sich nämlich ein weiteres Mal daran begeben, die Welt zu unterjochen. Ausgerechnet mit den Kristallen aus Supermans Festung der Einsamkeit will er die Macht an sich reißen. Nun ist es an Superman selber, zu beweisen, dass die Welt auch weiterhin einen Superhelden wie ihn benötigt …

_Meine Meinung_

Das Adäquat zum gerade erst angelaufenen Kinofilm um den seit Ewigkeiten von der Leinwand verschwundenen Superhelden ist im Grunde genommen nicht schlecht, aber wegen seines (im direkten Vergleich) recht mageren Umfangs dennoch ähnlich umstritten wie die Kinorückkehr der blauroten Legende. Dort wo nämlich das cineastische Vergnügen zu großen Teilen auf den zahlreichen Effekten aufbaut und gar nicht mal so besonders auf der teils langatmigen Story, hat der von allen derzeitigen Ereignissen im DC-Universum losgelöste Plot des Comics nur vergleichsweise wenig aufzubieten, was in diesem Fall vor allem daran liegt, dass man an vielen Ecken sehr deutliche Kürzungen vorgenommen hat. Mal ganz abgesehen von der noch immer heiß diskutierten Frage, ob man nach den eher durchwachsenen Filmen aus den Achtzigern und den gescheiterten (weil nie realisierten) Wiedergutmachungsversuchen überhaupt einen weiteren Superman-Film hätte abdrehen sollen, ist die gesamte Geschichte einfach zu durchsichtig; eben typisches Hollywood-Popcorn-Kino mit transparenter Storyline, wenig Überraschungen und – das sollte wohl jedem klar sein – typischem Happy-End. Weil dies bei der Leinwandfassung zumindest noch sehr gut umgesetzt und auch von Anfang bis Ende (selbst in den handlungsarmen Szenen) prächtig inszeniert wurde, kann ich eigentlich auch nur empfehlen, dieser Tage mal die Kinosäle aufzusuchen und sich das große Action-Spektakel anzusehen – warum der gleichnamige und zugehörige Comic jedoch nicht damit mithalten kann, nun, dazu eine kurze Aufzählung:

1. zu große Sprünge: Manchmal ist man selber überrascht, wie hektisch Martin Pasko von Situation zu Situation schlendert. Obwohl die Handlung keine riesigen Gedankensprünge vollzieht, gelingt es dem Autor tatsächlich noch, hier und dort Verwirrung auszulösen, weil er die Fäden nicht konsequent zusammenführt und die einzelnen Haldndlungsabläufe nebeneinander herlaufen lässt. So gerät er nach und nach in die Enge und kann nur noch mit teils irritierenden Schauplatzwechseln das Gesamtkonstrukt erfassen.

2. ungünstige Gewichtung von Details: „Superman Returns“ ist eigentlich ein Action-Spektakel sondergleichen, bei dem das Verhältnis zwischen dem Superhelden und Lois Lane sicherlich weit im Vordergrund steht, aber nicht die eigentliche Handlung verdrängen darf. Im Film ist dieses ständige Techtelmechten zwar auch zugegen, aber die Omnipräsenz im Comic zerstört dann doch den eigentlichen Strang und entlarvt die Handlung zunehmend als verkappte Lovestory. Gut, ist vielleicht etwas übertrieben, aber es ist eben nicht das, was man erwartet.

3. der Begleitbuch-Effekt: Wenn eines mal klar ist, dann, dass die Idee der Geschichte absolut nicht ihrer eigentlichen Entsprechung gemäß zum Ausdruck kommt. Mit anderen Worten: Der Comic kann sich wegen seiner Vorgabe nicht wirklich entfalten und wird durch die vergleichsweise knapp bemessene Seitenzahl noch zusätzlich eingeschränkt. Details bleiben außen vor, Fixpunkte werden nur kurz angeschnitten und irgendwie geht alles schneller voran, als es sollte. Es ist eben eine Beilage zum Film, leider nicht mehr.

4. neue Wege, große Erwartungen: Wie bereits gesagt, die Geschichte beschreitet abseits der aktuellen Ereignisse im DC-Universum (man denke nur an die „Infinite Crisis“) gänzlich neue, unabhängige Pfade, was natürlich unwiderruflich hohe Erwartungen hervorruft – sowohl an den Comic als auch an den Film. Während die Kino-Variante diese zu Teilen auch ganz geschickt befriedigen kann, ist die zeichnerische Variante ganz klar unterlegen und abgesehen von den einmal mehr tollen Illustrationen sicher nicht das, was man von einem Comic dieses tragenden Charakters der Actionwelt erhofft hat.

_Fazit_

„Superman“-Fans haben dem gesamten Ereignis „Superman Returns“ heißblütig entgegengefiebert und werden im Kino momentan auch ansprechend belohnt. Comic-Freunde indes werden von der Comic-Adaption ob ihres uneigenständigen Stils und der arg gekürzten Handlung nur wenig Freude an dieser Geschichte haben. Mein Tipp: Geld für’s Magazin besser in die Kinokarte investieren.

http://www.paninicomics.de

Alberti, Mario / Enoch, Luca – Morgana 1 – Die Himmelspforte

_Story_

Die Kriegerin Morgana reist gemeinsam mit ihrem rattenköpfigen Begleiter Rosso durch den Weltraum, um die verschiedenen Bestandteile des geheimnisvollen Artefakts zusammenzutragen. Nur derjenige, der im Besitz aller Elemente ist, wird über große Macht gebieten. Doch auch ihr Gegenspieler Vorrt, ein mächtiger und kampferprobter Magier, verlangt nach der Vollendung des Artefakts. Auf einem ritterlichen Planeten gelangen beide Parteien in einen erbitterten Kampf zwischen dem Volk der Sieth und den tromakischen Angreifern, die schon seit einer halben Ewigkeit die Festung der verteidigenden Krieger belagern. Lediglich das Arkanum schützt die Festung der Sieth vor dem Untergang. Und auf genau jenes haben es Vorrt und Morgana abgesehen.

_Meine Meinung_

Science-Fiction meets Mittelalter – in „Morgana“ ist dies tatsächlich möglich und verträgt sich zudem auch noch außerordentlich gut miteinander. Die beiden Autoren Mario Alberti und Luca Enoch haben im ersten Band ihrer neuen Comicserie eine etwas futuristischere Fassung eines mittelalterlichen Schlachtenepos entworfen und lassen die kriegerischen Völker nicht nur mit Schwertern und Kanonen, sondern auch mit verschiedenen Spionagesatelliten und Robotern kämpfen und vermischen so zwei völlig unterschiedliche Welten recht geschickt und treffend miteinander.

In Folge 1, „Die Himmelspforte“, besteht allerdings das Problem, dass die Umschreibungen des Duos noch relativ oberflächlich sind, soll heißen, die Geschichte will nicht so richtig in die Gänge kommen. Nach einer recht schmalen Einleitung, die kurz und knapp eine Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen beschreibt, stürzt sich das Team zwar mit einem Zeitsprung von 15 Jahren direkt in die Action hinein, belässt es dabei aber mit Entwicklungsschritten, die kaum Informationen über die Hintergründe der zentral agierenden Figuren hinterlassen. Der Leser tappt noch ziemlich tief im Dunkeln und erfährt lediglich, dass die beiden Hauptfiguren die Bestandteile des Artefakts jagen und dass irgendeine spezielle Verbindung zwischen den beiden besteht. Welche genau dies ist, kann man bereits nach der Einleitung erahnen, wobei ich damit auch falsch liegen könnte, denn schließlich wird diesbezüglich noch nichts aufgedeckt.

Und damit wären wir beim nächsten Punkt: Es geht einfach zu vage voran. Alberti und Enoch entwickeln den Plot viel zu zimperlich, ganz so, als ob sie sich nicht trauten, die vorhandene Substanz schon im ersten Buch gänzlich auszureizen. Beispiele hierfür gibt es viele, wie zum Beispiel die Fehde zwischen Morgana und dem Hauptmann der Sieth, die genaue Beziehung zwischen eben jenem Volk und den Vertretern Vorrts oder aber das Mysterium um die Herkunft der beiden Reisenden bzw. die Bedeutung des geheimnisvollen Artefakts.

Beim Versuch, bereits zu diesem Zeitpunkt ein wenig tiefer in die Materie einzutauchen, entsteht ein wenig Unruhe. Selbst Spekulationen sind bis auf wenige Einzelheiten zum Scheitern verurteilt, weil noch absolut gar nicht ersichtlich ist, wohin uns die beiden Autoren mit ihrer Geschichte führen wollen. Lediglich eines kann man schon mal festhalten, und das ist die Tatsache, dass Enoch und Alberti die Vermischung verschiedener fiktiver Genres sehr gut gelungen ist. „Morgana“ hat etwas Historisches, etwas Phantastisches und einen satten Schuss Science-Fiction – und dies schon an dieser Stelle sehr ausgeprägt.

Jetzt gilt es, auch die Geschichte etwas gradliniger und vor allem zielgerichteter in Gang zu bringen und dem exzellenten Eindruck des optischen Erscheinungsbilds auch hinsichtlich der Storyline gerecht zu werden. An den vielen Ideen sollte dies genauso wenig scheitern wie an den tollen Charakteren. Ob „Morgana“ allerdings wirklich so genial wird, wie es hier schon partiell angedeutet wird, wird sich erst in den nachfolgenden Bänden zeigen, in denen das Erzähltempo noch um einiges gesteigert werden muss. Allein auf den Rahmen bezogen ist „Die Himmelspforte“ jedenfalls schon mal sehr viel versprechend!

http://www.carlsen-comics.de/

Pak, Greg / Tocchini, Greg – 1602 – Die neue Welt (100 % Marvel 23)

_Story_

Captain Americas Zeitsprung ins 17. Jahrhundert veränderte die gesamte Realität nachhaltig. Sein Handeln in der vergangenen Zeit erzeugte eine Parallelwelt, in der die Dinosaurier noch nicht ausgestorben sind. Inmitten der Kolonie Roanoke entdeckt der junge Peter Parquah seine heimlichen Superkräfte, die er ebenso wie die mysteriöse Mutantin Virginia O’Dare zunächst für sich behält.

Zur gleichen Zeit wird der Geheimagent von König James von England, David Banner, ausgesandt, um den Verräter Nick Fury zu töten. Doch auch Banner verfügt über geheime Kräfte, die aus ihm den riesigen Hulk machen, ein Wesen, das zu dieser Zeit noch als Hexenbrut verschrien ist und von allen Seiten gejagt wird. Keiner jedoch weiß, woher diese Energien, die sowohl Parquah als auch Banner in etwas ‚Anderes‘ verwandelt haben, wirklich stammen …

_Meine Meinung_

Mit „1602 – Die neue Welt“ knüpft Greg Pak genau dort an, wo die von Neil Gaiman ins Leben gerufene, achtteilige Maxiserie „1602“ vor einiger Zeit endete. Allerdings greift Pak nicht mehr exakt die vorangegangenen Geschehnisse auf, sondern steigt sofort in der neuen Welt ein, in der noch Chaos und allerorts Verwirrung vorherrschen. Und dies überträgt sich auch auf den Leser, der zunächst einmal gar nicht weiß, wie und woran er sich orientieren soll, um die verschiedenen Ereignisse in der fünfteiligen Folgereihe von Beginn an begreifen zu können, denn im Grunde genommen wird der Plot um die Zeitreise von Captain America schon als bekannt vorausgesetzt. Zudem bemüht sich der Autor zu Beginn auch kaum, das selber initiierte Durcheinander langsam aber sicher mal aufzulösen, sondern breitet es durch einige Gedanken- und Zeitsprünge sowie eine übertrieben lange Wiederholung eines Traumes – der in Worten und Bildern über mehrere Seiten eins-zu-eins wiedergeben wird – noch weiter. Dementsprechend wenig Zeit bleibt ihm auf der Ziellinie, um all die Geschehnisse angemessen aufzuklären, so dass selbst nach dem Ende noch einige Fragen offen bleiben.

Man muss sich außerdem arg konzentrieren, um dem Plot überhaupt folgen zu können. Die Motivationen der einzelnen Hauptfiguren werden bis zum Schluss nicht deutlich, und auch die jeweiligen Handlungsschritte seitens Banner und Parquah sind nicht wirklich transparent dargestellt. So entstehen über den gesamten Sammelband „1602 – Die neue Welt“, der übrigens in der Reihe „100 % Marvel“ erscheint, viel zu viele Schauplätze, die dann auch noch von Erinnerungen an Vorangegangenes überschattet werden und schließlich den roten Faden aus der Hand geben.

Dabei ist das Ganze inhaltlich superinteressant! Zwar ist das Umkrempeln des |Marvel|-Universums in der heutigen Zeit kein gänzlich unbekannter Akt, allerdings wird er hier vor einem komplett neuen Hintergrund erprobt. Statt beklemmender Zukunftsvisionen wird hier eine Vergangenheitsperspektive entworfen, die sich mit keiner der bislang kreierten Parallelwelten aus der Welt der |Marvel|-Comichelden beißt und wegen des urtümlichen Flairs so gänzlich anders ist als das, was man aus der amerikanischen Top-Schmiede gewohnt ist.

Zeichnerisch wird dies von Paks Namensvetter Greg Tocchini ebenfalls super in Szene gesetzt, wobei besonders die neu illustrierten Helden gut gefallen. Lord Iron alias Iron Man zum Beispiel wurde hier als imposante Riesenfigur eingeführt, die der schwarzen Inkarnation des Hulk durchaus die Stirn bieten kann. Spider-Man, hier ‚Die Spinne‘ genannt, hingegen kann in seinem schlichten Outfit nicht so ganz punkten, kommt aber auch in der Geschichte nicht so ganz zum Zuge und wird trotz tragender Rolle eher in die Position eines Komparsen gedrängt. Dies wiederum kann man dem Team nun je nach individueller Sichtweise als Stärke oder Schwäche auslegen. Zum einen nämlich schlüpft hier niemand so richtig in die Rolle des Hauptdarstellers, so dass viele Personen sich in den Vordergrund spielen können; zum anderen fehlen „1602 – Die neue Welt“ damit aber auch echte Persönlichkeiten, die mit den Helden von ‚heute‘ und deren Status verglichen werden können. Selbst dem Hulk gelingt dies nicht.

Dies sagt letztendlich auch einiges über die Unschlüssigkeit des Autors aus. „1602 – Die neue Welt“ wirkt ein wenig ziellos und verfängt sich zwischenzeitlich auch in zu vielen Nebensächlichkeiten, welche die eigentliche Erzählung kurzzeitig unterbrechen. Erst zum Schluss hin kommt die Geschichte langsam in Fahrt, erfährt dann aber auch schon wieder ein abruptes, nicht ganz zufrieden stellendes Ende, das man mit etwas Liebe zum Detail und einer gradlinigeren Vorgehensweise weitaus gefälliger hätte gestalten können. Alles in allem kann dieser Sammelband damit auch nicht ganz den hohen Standard der meisten Hefte aus der Serie „100 % Marvel“ halten. Wer aber schon die Vorgänger-Geschichte gelesen hat, sollte sich dennoch mal mit der hier nun abgeschlossenen Serie beschäftigen. Ein gewisses Niveau wird ja schließlich bei |Marvel| immer geboten.

http://www.paninicomics.de/

Hillenburg, Stephen u.a. – SpongeBob Schwammkopf – Schwammiges Alibi

_Inhalt_

|“Ganoven“|
SpongeBob und Patrick entdecken in der ‚Krossen Krabbe‘ einige Gegenstände, die unrechtmäßig von Mr. Krabs ergaunert wurden. Der jedoch macht ihnen weis, dass diese Dinge nur geliehen sind. Der Schwamm und der Seestern nehmen dies zum Anlass, einen Ballon zu leihen und nach Gebrauch wieder zurückzugeben. Doch der Ballon platzt und die beiden ‚Ganoven‘ flüchten. Und das am Ballon-Umsonst-Tag …

|“Der Schrecken der Straße“|
Mrs. Puff reißt langsam der Geduldsfaden. Einen Versuch will sie ihrem Fahrschüler SpongeBob noch gewähren, ansonsten muss er die Fahrschule ein weiteres Jahr besuchen. Als dieser auch die letzte Chance verfehlt, greift die Lehrerin in die Trickkiste, um den Schwamm endlich loszuwerden. Doch sobald SpongeBob den Führerschein besitzt, wird sie von Gewissensbissen geplagt und sucht nach Wegen, ihren leichtsinnigen Fehler wieder auszubügeln …

|“Besuch vom Gesundheitsamt“|
Mr. Krabs ist der festen Überzeugung, dass der gerade eingetroffene Gast ein Inspektor des Gesundheitsamtes ist. Gemeinsam mit SpongeBob kümmert er sich besonders um diesen Kunden, bis im Fernsehen die Rede von einem Betrüger, der sich als Gesundheitsinspektor verkleidet sein Essen erschleicht, ist. Natürlich glauben die Angestellten der ‚Krossen Krabbe‘, dass ihr Gast der gesuchte Gauner ist und bereiten ihm einen besonders ekligen Burger zu. Dann jedoch erscheint im Fernsehen ein erstes Bild des Betrügers, und das sieht dem Verdächtigen gar nicht ähnlich …

|“Blaubarschbube rebelliert“|
Blaubarschbube hat es satt, ständig im Schatten von Meerjungfraumann zu stehen. Also wechselt er zum Bösen über und schließt sich der Bande von Mantarochen und Drecksackblase an. Als Blaubarschmann macht er mit seinen neuen Verbündeten das friedliche Bikini Bottom unsicher und genießt seine neue Freiheit. Doch Meerjungfraumann hat längst ein schlagkräftiges Team zusammengestellt, um den alten Kumpel wieder auf den Pfad der Tugenden zurückzubringen …

_Meine Meinung_

Nach längerer Zeit gibt es endlich wieder einen neuen Cine-Manga aus Bikini Bottom, der sich dieses Mal ausschließlich mit Gaunereien und übertretenen Verboten auseinander setzt. Selbst die besten Freunde des vorlauten Schwammes kommen in diesem Band mit dem Gesetz in Konflikt und verleiten ihn und seinen Kumpan Patrick ebenfalls dazu, illegale Handlungen durchzuführen. Dabei sind die Vergehen des kindlichen Dreamteams allerdings eher harmloser Natur, werden aber natürlich trotzdem völlig überspitzt dargestellt. Ein Ballon-Diebstahl zum Beispiel wird von den beiden selber als katastrophales Verbrechen geahndet, das selbst eine Flugzeugentführung übertrifft.

In anderen Folgen muss SpongeBob selber nach dem Rechten sehen. In der letzten Geschichte zum Beispiel verbündet er sich mit seinem Helden Meerjungfraumann, um den unzufriedenen Blaubarschbuben wieder zu besänftigen. Der nämlich durfte sich in der ‚Krossen Krabbe‘ keinen Erwachsenenburger leisten und ist nicht mehr bereit, sich von seinem Vorgesetzten unterbuttern zu lassen. Dabei verhält sich der Kerl noch kindischer als der Schwammkopf und sein rosaner Freund. In „Der Schrecken der Straße“ hingegen wird SpongeBob selber durch einen Gesetzesübertritt begünstigt. Mrs. Puff verhilft ihm ohne bestandene Prüfung zum Führerschein und bringt so das Leben der Bürger von Bikini Bottom in Gefahr. Um dies wieder rückgängig zu machen, begeht sie ein richtiges Verbrechen, das sie teuer zu stehen kommt.

Der Höhepunkt des aktuellen Sonderbandes ist jedoch die Geschichte um den vermeintlichen Gesundheitsinspektor, dem Krabs und SpongeBob auf einmal nicht mehr trauen. Als sie ihren Irrtum dann aber einsehen, müssen sie den Mann dringend beseitigen, um das Weiterbestehen des Lokals zu sichern. Und dabei scheut der geschäftige Mr. Krabs nicht einmal vor Mord zurück. Plötzlich sitzen die beiden so richtig in der Klemme.

In „Schwammiges Alibi“ wird der freche Schwammkopf mal wieder von seiner betsen Seite dargestellt. Auch wenn es sich mal wieder um einen relativ kurzen Band handelt, währt der Spaß ziemlich lange, weil man über manche Gags auch nach dem Lesen immer wieder lachen muss. Beispiel gefällig? Nun, in der ersten Episode entzünden die beiden selbst ernannten Verbrecher inmitten des Ozeans ein Lagerfeuer. Aus heiterem Himmel fragt Patrick, warum dies unter den Bedingungen überhaupt möglich ist, und zack, geht das Feuer aus. Genial! Und das ist erst der Anfang …

„Schwammiges Alibi“ setzt damit auch gekonnt die Tradition der vorherigen Bände fort und sammelt einige der besten Momente der TV-Serie in einem kleinen aber feinen Hochglanzcomic. Freunde der Serie finden zwar mit diesem Band keinen gleichwertigen Ersatz für das gut 20-minütige TV-Vergnügen, aber beste Unterhaltung ist auf jeden Fall garantiert.

http://www.tokyopop.de/

Anne Guillard – Valentine 1

Story

Valentine leidet unter sämtlichen Schönheitsfehlern, die ein weiblicher Körper mit sich bringen kann. Haare auf den Beinen, eine birnenförmige Figur, eine unvorteilhafte Kopfform und ein Selbstvertrauen, das gen Null tendiert. Bewaffnet mit ihren Epiliergeräten, arbeitet sie fast permanent daran, ihre Unzufriedenheit vergessen zu machen, was ihr jedoch auch deswegen nicht einfach fällt, weil sie von allen Seiten benutzt wird. Ihre Mutter zum Beispiel lässt ihren Hund zur Pflege bei ihr und geht im Dialog mit ihrer Tochter zu keiner Sekunde auf deren Probleme ein. Gleiches gilt für ihre Nachbarin, die ebenfalls ganz unverhofft ihre Tochter zum Babysitten abliefert und die gereizte Valentine ihrem Schicksal überlässt. In einer Welt voller Schönheitsideale hat man es als Frau eben nicht leicht. Besonders wenn man nicht einmal eine einzige Freundin, geschweige denn einen Liebhaber hat …

Anne Guillard – Valentine 1 weiterlesen

Hyung, Min-Woo – Priest – Band 10

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516
[Band 8 2575
[Band 9 2618

_Story_

Ivan Isaacs und sein bislang mächtigster Konkurrent, der gefallene Engel Acmode, stehen sich bei einem letzten Duell gegenüber. Allerdings hat Isaacs dieses Mal seinen Meister gefunden; alle Tricks und Finten sind gegen diesen Gegner unnütz, so dass Ivan schnell das Nachsehen hat und kurz davor steht, ein zweites Mal zu sterben. Sein Verbündeter Belial nutzt die Gunst der Stunde und schlägt dem rachsüchtigen Isaacs einen weiteren Deal vor: Er wird Acmode vernichten, sobald Ivan ihm auch den letzten Part seiner Seele überlässt. Doch damit müsste Ivan auch das einzige Überbleibsel seines menschlichen Daseins opfern.

Währenddessen sucht Sheriff Coburn immer noch nach dem flüchtigen Rächer. Gemeinsam mit der infizierten Lizzy und dem Priester Lucian jagen sie Ivan hinterher, weil sie sich in ihren individuellen Nöten von ihm Unterstützung versprechen. Doch keiner von ihnen begreift so recht, was eigentlich in ihrer Umgebung vor sich geht.

_Meine Meinung_

Mit der Nummer zehn erfährt die Handlung der „Priest“-Serie einen weiteren wichtigen Wendepunkt, der von einer erneuten elementaren Entscheidung des Protagonisten Ivan Isaacs gezeichnet ist. Er ist dem Tode geweiht, weil ihm Acmode im Duell keine Chance lässt, und kann seine Haut nur noch mit der Hilfe Belials retten. Doch der Teufel ist mit allen Wassern gewaschen und stellt weitere Forderungen an seinen Schützling. Ivan bleibt jedoch nicht viel Zeit, sich für das eine oder andere Übel zu entscheiden, denn der Kampf schreitet unerbittlich voran und jedes Hadern könnte schon zu einem vorschnellen Ende führen. Acmode ist nämlich zu allem bereit.

Der andere Part der Geschichte beschäftigt sich mit den einst noch unwichtig erscheinenden Personen, die Ivan dicht auf den Fersen sind, eigentlich aber gar nicht wissen, was sie sich von seiner Gefangennahme versprechen. Lediglich Lizzy ist fest entschlossen, dem kompromisslosen Rächer zu folgen, denn sie sieht in ihm den einzigen Weg, vor dem endgültigen Ausbruch des Zombie-Virus geheilt zu werden. Deshalb ist sie auch weitaus entschlossener als das Großmaul Coburn und der ängstliche Priester Lucian, der allerdings mehr über Isaacs zu wissen scheint als seine Weggefährten. Er steht für die Vernunft in diesem ungleichen Verbund, kann sich aber schlussendlich nicht gegen den starken Willen seiner Verbündeten durchsetzen.

Mit gleichbleibender Härte und einem erneuten Schuss leicht überzogener Gewalt setzt Min-Woo Hyung die Handlung fort, macht aber langsam auch Anstalten, das Finale der Serie vorzubereiten. Der Bund zwischen Isaacs und Belial wird immer stärker, und ihre rachsüchtige Hetzjagd gegen Temozarela schreckt auch vor unmenschlichen Zügen nicht mehr zurück. Selbst Ivan, der einst als Mensch geboren wurde, legt mit stetigem Fortschritt all seine humanen Tugenden ab, um die Prophezeihung zu erfüllen und endgültig Rache für die erfahrenen Ungerechtigkeiten zu nehmen. Zwar hat er in diesem Band einen herben Rückschlag in Kauf nehmen müssen, doch durch die neue Stärkung seitenes Belials wirkt er noch entschlossener, wobei sich aber noch nicht herausgestellt hat, inwiefern er sich tatsächlich mit dem Verrat an der Menschlichkeit arrangieren kann.

Weiterhin ist es dem Autor sehr schön gelungen, die Verbindung zwischen dem Sub-Plot um Coburn, Lizzy und Co. und der eigentlichen Handlung um die höheren Mächte zu verbinden. Nach anfänglicher Unklarheit ergeben sich nun endlich Zusammenhänge, die der Handlung noch einmal neue Freiräume schaffen und neue Spekulationen zulassen.

Zu kritiseren sind lediglich die Zeichnungen. Nicht selten verliert man bei den verworrenen Belistiftzeichnungen den Überblick, was sich gerade beim Kampf zwischen Acmode und Ivan Isaacs sehr negativ äußert. Man muss schon sehr genau hinsehen, um einzelne Details des jeweiligen Vorgangs auch genau zu erkennen, was den Lesespaß gerade in der ersten Hälfte des Buches ein wenig mindert. In späteren Abschnitten findet der Autor und Zeichner dann aber wieder zu seiner präzisen Handschrift zurück, so dass diese Kritik auch nur bedingt angebracht ist, aber eben nicht übersehen werden darf.

Davon einmal abgesehen, geht Min-Woo Hyung gemeinsam mit seinen Protagonisten zielgerichtet seinen Weg und bereitet sich mit behäbigen Schritten auf das schon lange erwartete Finale vor. Und dennoch lässt er sich bei der weiteren Gestaltung nicht in die Karten schauen. So varianten- und abwechslungsreich wie die bisherige Geschichte ist, so flexibel arbeitet der Mann auch in Nr. 10. Man ahnt zwar in groben Zügen, in welche Richtung „Priest“ tendiert, doch wagt man nicht, voreilige Schlüsse zu ziehen. Schließlich hat Hyung uns schon zu oft auf die falsche Fährte geführt. Es bleibt also weiter spannend, weil der Autor es wie kaum ein zweiter im Horror-Bereich versteht, bei bestehendem rotem Faden neue Handlungseinheiten in die Erzählung einzuflechten, ohne dabei den grundlegenden Rahmen zu verlassen. Daher lautet das Fazit auch dieses Mal wieder: unbedingt lesenswert.

http://www.tokyopop.de

Johns, Geoff / Jimenez, Phil – Infinite Crisis 2 (von 7)

[Band 1 2633

_Story_

Es herrscht ein riesiges Durcheinander in der Unendlichkeit des Universums. Lex Luthor hat seine Schurken versammelt, um Donna Troy alias Power Girl aufzuhalten, nachdem sie zahlreiche Superhelden rekrutiert hat, um die verschiedenen Anomalien, die sich in der jüngsten Vergangenheit aufgetan haben, zu untersuchen. Dabei stößt sie unter anderem auch auf den lange Zeit verschollenen Alexander Luthor und das Geheimnis der verschiedenen Parallelwelten, die ebenfalls über ihre eigenen Superhelden verfügten. Als sich diese Welten jedoch zu einer einzigen vermischten, beging man einen riesigen Fehler: Die falsche Erde wurde nach der Wiedergeburt des Universums gerettet. Nun liegt es an Power Girl und Superman, diesen Missstand erneut zu verändern und damit auch die stark gealterte Lois Lane vor ihrem natürlichen Tod zu bewahren.

_Meine Meinung_

Nach wie vor spielt sich die „Infinite Crisis“ auf unheimlich vielen Ebenen ab, so dass es dem Leser immer noch sehr schwer fallen wird, einen etwaigen Durchblick zu bekommen. Überall macht sich die jüngste Krise bemerkbar, und da man fast von Seite zu Seite die Szenerie wechselt und zudem enorm viele Helden aus dem DC-Universum an der Geschichte beteiligt sind, fehlt es auch dem zweiten Comic der siebenteiligen Reihe an einer klaren Linie.

Allerdings ist es Geoff Johns in der Fortsetzung seines ersten Verwirrspiels schon einmal gelungen, eine erste Verbindung zur legendären „Crisis On Infinite Earth“ herzustellen, deren Hintergründe nun auch die Auslöser des neuesten Chaos’ sind. Die Folgen, die sich aus dem Zusammenfügen der verschiedenen Terrarien ergeben haben, werden erst jetzt in vollem Maße offenbar, doch nun scheint es schon fast zu spät, um die verheerenden, drohenden Veränderungen, die noch bevorstehen, abwenden zu können.

Batman zum Beispiel hadert noch immer mit seinen Gefühlen, nachdem er herausgefunden hat, dass es sich bei dem OMAC-Killerrobotern um ausgewählte Menschen handelt, deren Schicksal er indirekt mit auf dem Gewissen hat. Superman hingegen sorgt sich um Lois Lane, die mit der Reise auf die neuen Erde und den Auswirkungen auf ihren Gesundheitszustand zu kämpfen hat. Er ist es auch, der Power Girl über die wahre Geschichte nach der längst verjährten ersten Krise aufklärt und so auch erst den Stein zu einer weiteren einschneidenden Veränderung in der verrotteten Welt ins Rollen bringt. Verrottet vor allem deswegen, weil schon zahlreiche Helden aus der Eliteklasse ihren Einsatz für die Gerechtigkeit haben bezahlen müssen, darunter zum Beispiel vertraute Charaktere wie der Blue Beetle, und sich nun schon Schurken zweiter Klasse unter der Führung eines zweiten Lex Luthor daran machen, das große Chaos zu nutzen, um den weltweiten Umschwung nach ihren Vorstellungen zu lenken.

In „Infinite Crisis“ bewegen sich Mächte ungeahnten Ausmaßes, was ja alleine schon bei der prominenten Besetzung des riesigen Crossovers deutlich wird. Mit der zweiten Ausgabe der deutschsprachigen Auflage kommt nun auch langsam eine Linie in die umfassende und überaus komplexe Story hinein. Die einzelnen Protagonisten können sich besser in Szene setzen, die Ursachen der Krise werden etwas konkreter dargestellt und die eventuellen, in diesem Falle auch weit reichenden Folgen werden dem Leser mit steter Entwicklung immer deutlicher bewusst. Jetzt muss es Autor Geoff Johns nur noch gelingen, die zahlreichen Handlungsstränge zusammenwachsen zu lassen und aus ihrer umfangreichen Verbindung eine gradlinige Storyline zu entwickeln.

Keine leichte Aufgabe, wenn man bedenkt, wer und was bereits nach zwei Heften in das Geschehen mit einbezogen wurde. Doch kurz vor Abschluss des ersten Drittels der Serie befindet sich der Verantwortliche schon auf einem sehr guten Weg, denn jetzt, wo das Vorgeplänkel überstanden ist und man erahnen kann, welche Wege die Geschichte gehen wird, zeichnet sich schon ab, dass „Infinite Crisis“ sowohl inhaltlich als auch qualitativ ein ähnlich genialer Kraftakt wie die gerade abgeschlossene |Marvel|-Reihe „House Of M“ werden wird. Und mit dieser Referenz sowie einem lauten Applaus für das Zeichner-Dream-Team Phil Jimenez & George Pérez, welches hier einen sehr feinen, detailverliebten Strich führt, möchte ich diese Kritik auch schon schließen und eine deutliche Empfehlung für diesen neuen DC-Hoffnungsträger aussprechen.

http://www.paninicomics.de

Bendis, Brian / Coipel, Olivier – House Of M 4 (von 4)

[Band 1 2494
[Band 2 2495
[Band 3 2680

_Story_

In den Straßen von Genosha starten die Mutanten ihren Rachefeldzug gegen den mächtigen Magneto und dessen Komplizen, um der initiierten Scheinrealität endlich ein Ende zu bereiten. Wanda, die Verursacherin des ganzen Übels, hingegen nimmt gar nicht wahr, was außerhalb ihres Einflusses geschieht. Diese trägt den Geist von Charles Xavier in sich und kann mit nur einem Gedanken jegliche Kreatur auslöschen. Als sie herausbekommt, dass ihr eigener Vater sie verraten hat, beschließt sie tatsächlich, der Spezies der Mutanten ein Ende zu bereiten, um so ein Exempel an Magneto zu statuieren. Kurze Zeit später treffen die Superhelden im Rächer-Hauptquartier aufeinander und stellen fest, dass jeder von ihnen seine bzw. ihre außergewöhnlichen Kräfte verloren hat. Ihr Leben ist ihnen geblieben, jedoch müssen sie nun als normalsterbliche Bürger mit ansehen, wie die Erde wegen des Ungleichgewichts der Anziehungskräfte in ein heilloses Chaos stürzt. Sind die Mutanten damit tatsächlich für immer ausgelöscht?

_Meine Meinung_

Es ist soweit: Das große Finale des wohl umfassendsten Comic-Crossovers der letzten Jahre wird mit diesem vierten und letzten Band der dazugehörigen Miniserie beendet, hält aber für die Zukunft noch einige Überraschungen offen, die sich aus den ungewöhnlichen Ereignissen nach der Herrschaft des „House Of M“ ergeben. Doch kommen wir erst einmal zur Story der aktuellen Ausgabe, denn die hat es nach dem etwas zu vorschnell vorangeschrittenen Vorgängerband noch einmal so richtig in sich und bleibt auch bis zum Ende (und darüber hinaus) in alle Richtungen offen.

Endlich wird Wanda wieder in die Handlung mit einbezogen und muss nach den vielen Erschütterungen nun selber dafür sorgen, dass die Realität wieder ins rechte Licht gerückt wird. Dabei hatte sie niemals erahnt, dass Magneto sie nur als Mittel zum Zwecke seiner machtsüchtigen Pläne benutzt hat, was schließlich auch zu einem weiteren Wendepunkt in der ohnehin so abwechslungsreichen Erzählung führt. Wanda sieht klar und lässt sich nicht mehr von ihrer Gutgläubigkeit täuschen. Wohl wissend, welche gewaltigen Kräfte in ihr stecken, vollzieht sie einen geschichtsträchtigen Schritt in der Historie der Marvel-Comics und raubt den Superhelden und Mutanten ihr spezielles Gen, so dass diese von ihrer Sonderstellung nicht mehr Gebrauch machen können. Mit der Rückkehr zur Normalität wird somit dennoch das größtmögliche Chaos entfacht und nicht nur für die Mutanten selber das befürchtete Ende vorbereitet. Denn auch wenn sie vorerst gerettet sind, steuert die Erde auf direktem Wege in eine gewaltige Kollision hinein, die nur noch dann abgewendet werden kann, wenn die übermenschlichen Kräfte wieder ins Gleichgewicht gebracht werden. Doch auch dies liegt einzig und allein in der Macht von Wanda, wird aber hier noch nicht aufgelöst.

Stattdessen bietet Teil 4 nur wenige endgültige Fakten. Wolverine zum Beispiel hat nun endlich die fehlenden Puzzleteile, die zur Aufklärung seiner Vergangenheit fehlten, zusammengesetzt und kann sich komplett an die bislang ungeklärten damaligen Ereignisse erinnern. Hawkeye hingegen, lange Zeit einer der beliebtesten und bekanntesten Helden, wird plötzlich (obwohl sich so etwas bereits andeutete) tot aufgefunden und fällt dem „House Of M“ als vorläufig Erster zum Opfer. Denn wie gesagt: Auch wenn die Geschehnisse hier bereits überhand nehmen und die Reihe eigentlich abgeschlossen ist, ist dies alles nur der Anfang für einen langfristigen Umschwung im Marvel-Universum, der in naher Zukunft mit weiteren zugehörigen Serien und Nachzüglern bedacht und dann auch vollstreckt wird. Während diese Reihe nun also äußerst nachdenklich und auch erschreckend zu Ende gebracht wird, deuten sich schon weitere spezifische Serien wie „Generation M“ und „Son Of M“ an, in denen die Geschichte ebenso wie in den Episoden der ‚herkömmlichen‘ Marvel-Comics stringent weitergeführt und zu einem noch ungewissen Ende gebracht wird.

Bis hierhin bleiben jedoch erst einmal die umfassenden und im Falle des letzten Parts sehr positiven Gesamteindrücke des „House Of M“ haften. Es hat sich etwas getan in der Welt unserer Superhelden, und die Autoren haben tatsächlich Wort gehalten, indem sie selbst vor der Darstellung der dunkelsten Stunden der Mutanten-Geschichte nicht zurückgescheut haben. Das beseitigt zum Ende hin auch wieder die etwas unglaubwürdigen Ansätze, die man in Teil 3 noch verfolgte, und macht den Crossover dann doch noch zum Comic-Ereignis des Jahres. Wichtig nur: Man sollte bis hierhin auch alle Tie-ins verfolgt haben, denn sonst wird man Schwierigkeiten bekommen, den komplexeren Gedankengängen des Autors Brian Michael Bendis bis zuletzt folgen zu können.

Fazit zur Gesamtserie: Ein Muss, das in keiner Jahrgangssammlung fehlen darf!

http://www.paninicomics.de/

Daniel Way, Craig Kyle, M. Texeira, Javier Saltares – Wolverine 31

„Anfang & Ende, Teil 1“

Wolverine macht sich auf die Suche nach einem seiner ältesten Gegner und geht dabei kompromisslos seinen Weg. Obwohl er von verschiedenen Agenten beschattet wird und sich ihm zahlreiche dubiose Schmierfinken in den Weg stellen, zieht er durch den Untergrund und kämpft sich durch einen Tunnel an den behüteten japanischen Premier heran. Während die übrige Armada der Superhelden schon vermutet, dass Wolverine die Seiten gewechselt hat, bewältigt dieser seine Vergangenheit, indem er seinen alten Kontrahenten, den Silver Samurai, inmitten dieses Tunnels zum Duell herausfordert. Doch auch beim Geheimdienst herrscht Unruhe, nachdem man dort erfährt, dass Wolverine sich wieder an seine Vergangenheit erinnert.

_“Verlorene Unschuld, Teil 6″_

Daniel Way, Craig Kyle, M. Texeira, Javier Saltares – Wolverine 31 weiterlesen

Sung-Gyu, Kari & Lee / Kim, Young-Bin – Zeitalter des Todes, Das (1)

_Story_

Der junge Yangban-Sohn Mok leidet unter einer schweren Krankheit, deren Heilungsaussichten äußerst gering sind. Dabei hat der Junge, dessen Markenzeichen sein Kopftuch ist, einige besondere Fähigkeiten, von denen er allerdings erst im Delirium erfährt, als ihn der geheimnisvolle Han aufsucht. Bei seiner Rückkehr in die Welt der Lebenden kann er plötzlich Dinge sehen, die ihm vorher verborgen waren, und damit auch die Welt der Geister! Jedoch ist der Umgang mit den unwirklichen Gestalten alles andere als einfach, und nur mit Hans Hilfe kann es Mok gelingen, sich überhaupt durch dieses neue Erlebnis hindurchzuschlagen. Doch vor einem kann ihn selbst sein Kumpan Han nicht bewahren; als der junge Yangban nämlich mitten an der Schwelle zwischen Menschen und Geistern angelangt, erwachen die Geheimnisse der Vergangenheit – und diese sind im Fall von Mok alles andere als erfreulich …

_Meine Meinung_

„Das Zeitalter des Todes“ ist eine neue Serie beim |Panini|-Subverlag |Planet Manga| und rein zeichnerisch eine echte Pracht. Lee Sung-Gyu, der hier für die Illustrationen verantwortlich zeichnet, hat zwar viele Szenen mit Inhalten überfrachtet, es dabei aber trotzdem geschafft, die Handlungsschwerpunkte deutlich zu kennzeichnen, so dass der Leser mit den ziemlich runden Zeichnungen niemals überfordert wird. Weniger dienlich sind diesbezüglich schon die stellenweise sehr großen Sprechblasen, die mancher schönen Situationsdarstellung den Raum nehmen und die beiden Protagonisten Han und besonders Mok nicht selten sehr hysterisch erscheinen lassen. Ansonsten ist der äußere Rahmen des ersten Bandes dieser neuen Reihe wirklich sehr gut. Die Texte sind einerseits leicht verständlich, eröffnen aber an den entscheidenden Stellen durch versteckte Hinweise die Basis für eine immer komplexere werdende Handlung, die aber wiederum eine klar erkennbare Linie beibehält, die dabei hilft, dem Plot trotz einzelner Verwirrspielchen doch noch folgen zu können. Insofern ist der Manga inhaltlich also schon einmal gut ausbalanciert.

Die Story an sich kann indes noch nicht so recht überzeugen. Nach einem sehr spannenden Beginn, der nach der ersten Reise von Han und Mok in die Welt der Geister schon einen ersten Höhepunkt erreicht, widmet sich Autor Kim Young-Bin fortan zu sehr den einzelnen Auseinandersetzungen zwischen Han und den zahlreichen Widersachern, die sich bei der partiellen Vergangenheitsbewältigung auftun. Das ist anfangs noch ganz nett und vor allem zeichnerisch sehr gut umgesetzt, verliert aber mit der Zeit ein wenig Substanz. Zwar steckt hinter dem rachsüchtigen Verhalten letztendlich mehr – und das ergibt sich schließlich auch aus dem Verlauf der Geschichte -, doch ist der Weg dorthin ein wenig unglücklich gewählt worden. Es fehlt hier und dort ein wenig an Zielstrebigkeit, doch dafür entschädigt Kim Young-Bin zu seinem Glück immer wieder mit einigen Überraschungen.

Eine endgültige Meinung möchte ich mir nach diesem ersten, einleitenden Band natürlich noch nicht bilden. „Das Zeitalter des Todes“ bietet gute Ansätze, sehr gute, wenn auch nur hinreichend frische Ideen, sympathische Hauptfiguren und rundum gefällige Illustrationen. Und – das darf man trotz der leichten Kritik nicht vergessen – auch noch ein hohes Maß an Spannung, welche aber erst dann so richtig aufkeimt, wenn man nach den letzten Seiten ein wenig mehr über die Hintergründe des Geschehenen erfahren und einen ersten groben Überblick erlangt hat. Eine zwingende Empfehlung auszusprechen, wäre deshalb jetzt nicht angebracht, aber darauf hinweisen, dass „Das Zeitalter des Todes“ ein gewisses Potenzial in sich birgt, möchte ich am Ende dieser Rezension auf jeden Fall. Ich warte jetzt mal auf die im August folgende Fortsetzung, bin aber schon ziemlich gespannt, wie sich die Geschichte um Mok und Han noch entwickeln wird.

http://www.paninicomics.de

Boothby, Ian – Futurama Comics 24

_Story_

Bender heckt mal wieder einen neuen fiesen Plan aus: Er glaubt, dass er mit seiner speziellen, ungenießbaren Diätkost den Markt erobern und sich so auf einfachste Weise bereichern kann. Fry und Leela halten allerdings nicht viel von dieser Idee und sind arg skeptisch, als Bender seine neuen Produkte im Fernsehen anpreist. Doch tatsächlich bekommt er aus dem Oval Office sehr positive Resonanz und wird zum Sonderbeauftragten für körperliche Fitness ernannt. Währenddessen hat Fry ganz andere Sorgen. Die Röhre, die ihn jeden Tag zur Arbeit befördert, ist regelmäßig verstopft, so dass er kaum noch pünktlich erscheint. In diesem Sinne könnte ihm Benders neues Fitnessprogramm auch zugute kommen, falls die Menschen fortan tatsächlich dünner werden würden. Doch natürlich läuft nicht alles so wie geplant …

_Meine Meinung_

Der 24. „Futurama“-Comic beschäftigt sich auf außergewöhnliche Weise mit dem Thema Fitness und geht mal wieder über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus. Ich könnte es mir einfach machen und schreiben, dass die darin enthaltene Geschichte „Die fitten Jahre sind vorbei“ ein absolut typischer Vertreter der Serie ist, gerade weil Bender mal wieder wider jede Vernunft die Kontrolle über sein Handeln verliert, doch dies wäre nun zu leicht.

Es sind mal wieder die verqueren Eigenheiten, die diesen neuen Comic zu etwas Besonderem machen. So ist zum Beispiel die Darstellung von Präsident Richard Nixon, der Bender hier einen völlig neuen Status verschafft, eine harte Probe für die Lachmuskeln, zumal sein zweigeteilter Körper voller Überraschungen ist. Weiterhin ist die komische Eigenart von Frys Chef, bei Verspätungen dessen Klamotten zu verspeisen, wirklich komisch, weil sie im Gesamtzusammenhang letztendlich überhaupt keinen Sinn ergibt. Und auch die Bilder, in denen Fry und seine zu dicken Kollegen in der Röhre feststecken, sind eine Augenweide – das Titelbild verspricht hier nicht zu viel –, bei der das Zeichner/Autoren-Team mal wieder den etwas abgedrehten Humor zur Schau stellt.

Umgarnt werden diese selbst für „Futurama“-Verhältnisse vielen Lacher von einer sehr kurzweiligen, erneut mit vielen versteckten Anspielungen gespickten Handlung, bei der alle Fans voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Bender und Fry geben ein echtes Dreamteam ab, wenn es darum geht, das perfekte Chaos zu gestalten, und lassen sich in diesem Fall natürlich auch von nichts und niemandem davon abhalten, ihren Eigensinn voranzutreiben – wobei man sich bei Fry nie so sicher sein kann, ob seine Aktionen auch so beabsichtigt sind. Bender hingegen sieht mal wieder nur die blanken Dollarnoten und wechselt eigens hierfür sogar seine Augen aus. Geld und Macht treiben ihn an und beschreiben mal wieder die wesentlichen Züge seines Roboterherzens. Und Leela? Nun, die muss mal wieder unter den Missetaten ihrer Kumpane leiden und nimmt sich diese dann auch zur Brust.

‚Mal wieder‘, ‚erneut‘, aber nicht ‚wiederholt‘. Eine „Futurama“-Episode wird charakterisiert durch einige festgelegten Bestandteile, die man auch hier wieder allesamt antrifft. Deswegen auch die Andeutung, dass es sich hierbei um einen typischen Comic dieser Serie handelt. Dass es sich dabei allerdings auch um ein echtes Qualitätsmerkmal handelt, darf man nicht vergessen, weshalb ich die neue Geschichte auch wieder allen Freunden der Zukunftsvisionen von Matt Groening wärmstens ans Herz legen möchte. Und dies nicht ohne zu erwähnen, dass es sich bei „Die fitten Jahre sind vorbei“ um eine der besten Folgen dieser Comic-Reihe handelt.

http://www.paninicomics.de

Clay & Susan Griffith, Tom Peyer, James Bates – Bart Simpson Comics 26

_Story_
Bart und Milhouse entdecken beim Spielen im Baumhaus, dass der tragende Baumstamm krank ist. Bevor sie überhaupt etwas unternehmen können, nimmt sich der Agent Darke der Sache an, diagnostiziert Stammfäule und ordnet an, dass der Baum umgehend gefällt wird. Bart und Milhouse wollen dies aber nicht akzeptieren und wehren sich mit Händen und Füßen gegen die Entscheidungen des zweifelhaften Agenten.

Homer bekommt von Marge die Aufgabe, die freie Zeit für Maggie zu verwenden und diese zu füttern. Damit ist Homer zunächst gar nicht einverstanden, doch als er entdeckt, welch leckere Schätze sich in den Babygläschen befinden, verfällt er in eine wahre Fresssucht, die in einen ziemlich finsteren Traum übergeht.

Bart sitzt bereits seit zwei Tagen vor dem Fernseher, um den Krusty-Marathon anzuschauen. Als Marge hinzustößt und Bart auf seine mangelnde Körperpflege anspricht, reagiert dieser patzig und verweigert das Bad, um seine Filme nicht zu versäumen. Als Marge dies nicht akzeptiert, tritt Bart in einen Stink-Streik, der bei seiner strengen Mutter aber nicht den gewünschten Effekt zeigt.

_Meine Meinung_

Stammfäule – Waldarbeitern und aufmerksamen Hobbygärtnern mag diese Krankheit sicherlich ein Begriff sein. Jedoch wird jeder Kenner bestätigen können, dass es sich dabei um keinen Virus handelt, der auch den Menschen befallen kann. Was dies betrifft, wird im ersten Kapitel der neuen „Bart Simpsons Comics“ ein wenig geschwindelt, um so den Konflikt zwischen den Bauarbeitern im Garten der Simpsons und den beiden widerspenstigen Jugendlichen zu initiieren. Einmal mehr ist der junge Simpson – diesmal jedoch unschuldig – das Opfer einer zielgerichteten, seltsamen Kampagne eines schmierigen Geschäftsmannes und hält sich dabei gewohnt tapfer und stur. Und wieder einmal sind es einige unkonventionelle Entwicklungsschritte, die diese Kurzgeschichte zu einem weiteren Highlight der Simpsons-Historie machen. Auffällig hierbei: der bissige Wortwitz des rotzfrechen Bart, der seinen blauhaarigen Kumpanen mehr als einmal ordentlich zusammenbügelt und sich letztendlich fast alleine als Helden feiert. Aber dies ist ja gerade so witzig.

In der zweiten und kürzesten Geschichte wird ein Traum von Homer widergespiegelt, der nach einem üppigen Mahl aus Maggies Babynahrung eine Vision von purer Anarchie in Springfield hat. Plötzlich sitzt Homer im Babystuhl und Maggie arbeitet als Bürgermeisterin mit Schnuller inmitten des Zentrums der Kriminalität. Wegen Maggies fehlender Sprachkenntnis entwickelt sich das Ganze fast ausschließlich über die von Lautierungen begleiteten Zeichnungen fort, so dass der bissige, ironische Humor nicht ganz so gut durchkommt. Weil die Moral von der Geschichte ebenfalls recht unspektakulär ist, lohnt sich diese Story auch tatsächlich nur zum kurzen Zwischenschmökern.

Im letzten Plot geht Bart dann aber noch mal in die Vollen. Der junge Simpson hat nur noch Augen für seinen Lieblingsclown Krusty, dessen komplette Filmografie im TV ausgestrahlt wird. Bart möchte natürlich vom Anfang bis zum Ende dabei sein und lässt sich auch auf keine Kompromisse mit seiner Mutter ein. Als er schließlich den Kürzeren zieht und dem Fernsehgerät fernbleiben muss, versucht er, Marges Willen zu brechen, indem er gar nicht mehr duschen geht. Als er dann jedoch zum Gespött der ganzen Schulklasse wird, muss er nach anderen Wegen suchen, sich gegen die strenge Erziehung durchzusetzen. Doch so übel wie der Kerl nach einigen weiteren Bädern in Mülltonnen riecht, kann ihm dies nicht gelingen.

In diesem Comic ist Bart noch einmal im Mittelpunkt, und dies in seiner wohl bekanntesten Rolle als Querulant und Sturkopf. Wider aller Vernunft tritt er in einen Stink-Streik, der selbst berüchtigten Leuten wie Busfahrer Otto oder Schulkamerad Nelson übel aufstößt. So hat er auch keine andere Wahl und muss sich schnellstens um Alternativen kümmern, ist dabei aber kaum erfinderisch. Lediglich Forderungen bleiben, und nachdem er diese nicht durchsetzen kann, ist Bart wieder der Dumme. Cool. Witzig hier: Marge als Übermutter und Halb-Tyrannin, die sich selbst von den ungewöhnlichsten Methoden ihres Sohnes nicht von ihrer Richtung abdrängen lässt – und natürlich Homer, der in Sachen Erziehung mal wieder absolut gar nichts peilt.

_Zusammengefasst_

Drei Geschichten, darunter zwei echte Highlights und eine kurzweilige Zwischenerzählung ohne großartige Handlung – Ausgabe 26 der „Bart Simpsons Comics“ kann sich mal wieder voll und ganz sehen lassen und sorgt mit frischen Ideen für neue Lacher. Seltsame Ereignisse dienen den Autoren in diesem Heft als Inspiration für eine mit Humor überladene Minisammlung, aus der Bart als Hauptfigur auch ganz deutlich hervorsticht und mit flotten Sprüchen überragt. Außerdem beweisen die Macher dieser Ausgabe, dass selbst schon öfter angerissene Ansätze (zum Beispiel Maggie in der Rolle der Erwachsenen) noch nicht ausgelutscht sind und insgeheim noch eine ganze Menge Potenzial in sich bergen. Dies sollte man bei der riesigen Masse an mittlerweile existenten Geschichten zur gelben Familie nie vergessen und auch im aktuellen Heft lobend erwähnen.

Erweitert wird der Lesespaß zudem noch durch ein weiteres Poster des Protagonisten. Kurz und bündig: Bart-Fans sollten die Nr. 26 nicht verpassen.

Comic: 32 Seiten
http://www.paninicomics.de

Kirkman, Robert / Adlard, Charlie – Ein langer Weg (The Walking Dead 2)

Buch 1: [„Gute alte Zeit“ 2257

Die Zombies leben weiter, und für Rick Grimes und seine Gefährten geht das Abenteuer nach der plötzlichen Invasion der Untoten in die nächste Runde. Endlich ist der Nachfolger des ersten, sehr viel versprechenden Sammelbandes von Autor Robert Kirkman erhältlich – leider aber mit einem etwas bitteren Beigeschmack: Zeichner Tony Moore ist nämlich abgesprungen und überließ die vakante Stelle dem weitaus grober zu Werke gehenden Charlie Adlard. Somit sind zumindest rein optisch einige Abstriche in Kauf zu nehmen. Harte Arbeit für Kirkman, der jedoch mit einer fulminant voranschreitenden Story die Kohlen wieder aus dem Feuer holt. Und wie …

_Story_

Nachdem Shane unter unglücklichen Umständen ums Leben gekommen ist, beschließt die junge Gemeinschaft, ihren mittlerweile unsicheren Standort zu verlassen und sich in unbestimmter Ferne einen neuen Platz des Schutzes zu suchen. Unterwegs trifft die von Ex-Cop Rick Grimes angeführte Truppe auf die Familie des dunkelhäutigen Tyreese, die im einbrechenden Winter fast verhungert und erfroren wäre. Das kleine Team wird von Rick im Kampf gegen die herumstreunenden Zombies willkommen geheißen, selbst wenn die eigenen Nahrungsvorräte dadurch eine noch kürzere Haltbarkeit haben. Doch schon kurze Zeit später dankt Tyreese ihm diese freundliche Geste im Kampf gegen eine ganze Armada von Zombies, die eine komplette Geisterstadt vereinnahmt haben.

Bei der vereinten Suche nach einem neuen Unterschlupf wird Ricks Sohn Carl von einem Jäger angeschossen, der im ersten menschlichen Kontakt seit langer Zeit eine Bedrohung befürchtet hatte. Carl wird sofort auf einen umliegenden Bauernhof verfrachtet, wo tatsächlich noch Menschen in Ruhe leben, die Carl auch wieder gesund pflegen. Auch Rick und die übrigen Überlebenden dürfen auf dem Hof ihre Zelte aufschlagen und ihre hungrigen Mägen füllen. Plötzlich scheint alles vergessen, denn die Idylle des Farmhauses strahlt eine herrliche Ruhe aus und steht im krassen Gegensatz zu den derzeitigen Ereignissen in den großen Städten. Doch der Schein trügt, denn als Rick und seine Mannschaft gegen den Willen des Farmbesitzers einen Blick in dessen abgesperrte Scheune werfen, stellen sie fest, dass man doch nicht so alleine ist, wie man es sich anfangs erhofft hatte …

_Meine Meinung_

Robert Kirkman hat sich nach dem guten Start im ersten Teil mit „Ein langer Weg“ noch einmal gehörig steigern können. Wirkte der Auftakt noch wie eine indirekte Hommage an die großen Zombie-TV-Produktionen aus den Siebzigern und Achtzigern, hat der Autor mittlerweile seinen eigenen Stil gefunden, welcher der fortlaufenden Geschichte auch wesentlich besser zu Gesicht steht als die vielen abgekupferten Inhalte aus dem vorangegangenen Sammelband. Zudem ist es Kirkman diesmal auch noch besser gelungen, die bedrückte Stimmung innerhalb der flüchtenden Gruppe samt ihrer Ängste zu beschreiben. Werden viele Zombie-Geschichten noch mit einem bitterbösen, ironischen Unterton begleitet, der nicht selten auch noch mit einem gewissen schwarzen Humor einhergeht, ist die Lage hier wirklich auch so ernst dargestellt, wie der Kampf ums nackte Überleben in einer solchen Situation real wäre. Es gibt keine Beschönigungen, keine dummen Sprüche und erst recht keine aufgesetzt heiteren Momente, die den Inhalt ad absurdum führen könnten, sondern einfach nur einen gradlinigen, konsequenten und in seiner Wirkung schon fast beängstigenden Plot, dessen Stärken (und das will bei einer Horror/Fantasy-Handlung schon etwas heißen) in der Authentizität der Erzählung liegen.

Kirkman beschreibt in der rasant vorwärts getrieben Handlung die verschiedenen Emotionen, die mit der Angst vorm Tod bzw. mit der Auseinandersetzung mit dem plötzlichen Ableben nahe stehender Personen verbunden sind, und lässt diese von seinem Zeichner Adlard auch gekonnt illustrieren. In diesem Punkt kann der Mann dann übrigens auch überzeugen, wohingegen die von ihm gezeichneten Figuren manchmal etwas sehr grob eingefangen werden.

Doch zurück zur Handlung: Emotionen sind in „Ein langer Weg“ sehr vielfältig beschrieben. Nächstenliebe und Konkurrenzkampf stehen sich hier immer wieder gegenüber und treiben die einzelnen Charakteren in ihrer nackten Angst auch ständig zu unmenschlichen Zügen an. Der Wille, dem anderen zu helfen, ist bei jedem Betroffenen vorhanden, doch erst in Extremsituationen zeigt sich, dass letztendlich doch nur jeder um seine eigene Haut kämpft. Besonders offensichtlich wird dies in der Person des Farmbesitzers Hershel repräsentiert, als dieser sich am Ende nicht mehr bereit zeigt, seinen sicheren Lebensraum mit seinen Mitmenschen zu teilen, obwohl er hierdurch ihr Weiterleben – zumindest für einen überschaubaren Zeitraum – sichern könnte.

Die Fehden untereinander spielen im zweiten Band dann auch eine recht große Rolle. Lange bestehende Freundschaften werden auf eine harte Probe gestellt, das eigene Verantwortungsbewusstsein gerät auf den Prüfstand, und selbst die Ehe zwischen Rick und seiner Frau scheint aus den Fugen zu geraten, als sich andeutet, dass das ungeborene Kind vom umgekommenen Shane stammen könnte. Die Gruppe lebt jedoch von diesen Konflikten und gewinnt fast ausschließlich durch die hieraus resultierenden unkonventionellen Umgangsformen mit ihrer jeweiligen Lage wieder an Zuversicht für den nächsten Tag. Jeder ist sich darüber im Klaren, dass ihre Mission bereits am folgenden Tag zu Ende sein kann, und die dabei mitschwebende Panik wird von Kirkman auch auf erstklassige Art und Weise beschrieben – wenn auch in einer äußerst subtilen Form. Ganz große Klasse.

Fassen wir also zusammen: Kirkman hat die Story in „Ein langer Weg“ absolut spitzenmäßig weiterentwickelt und dem Kampf gegen die Untoten auch weiteren, sehr erfrischenden Nährboden gegeben, indem er den direkten Kampf gegen die Zombies durch eine intensivere Auseinandersetzung mit den inneren Spannungen in der Gruppe der Überlebenden ersetzt. Kirkman geht mehr auf das Seelenleben der angsterfüllten Flüchtlinge ein und widersetzt sich so auch geschickt den gängigen Klischees der plumpen Zombie-Geschichten. Zudem finden die Dialoge auf einem übermäßig hohen Niveau statt und sind selbst dann noch tiefsinnig, wenn die überschwingenden Emotionen schon einmal verbal unter die Gürtellinie gehen. Summa summarum sind es also nur die etwas groberen Zeichnungen, die negativ ins Gewicht fallen, letztendlich aber auch von der superstarken Handlung wieder gänzlich geschluckt werden. Fans der Zombie-Thematik werden diesen üppigen Sammelband wahrscheinlich schon kennen und ggf. auch besitzen. Sollte dies noch nicht der Fall sein, empfehle ich dringend, den bisher erschienenen beiden Bänden etwas Aufmerksamkeit zukommen zu lassen und sich anschließend die jeweils 16 € für die üppig bestückten Bücher aus der Geldbörse zu kratzen. So viel Spaß haben Zombie-Comics jedenfalls noch nie gemacht – trotz des sehr ernsten Untertons!

http://www.cross-cult.de

Bendis, Brian & Coipel, Olivier – House Of M 3 (von 4)

[Band 1 2494
[Band 2 2495

_Story_

Emma Frost gelingt es, Layla dazu zu ermutigen, den Mutanten aus der realen Vergangenheit ins Gewissen zu reden und ihnen wieder die Erinnerung an ihre Superheldenzeit zurückzubringen. Tatsächlich gelingt es den beiden Damen mit Hilfe von Wolverine, das verlorene Gedächtnis der meisten Helden wieder neu aufzufrischen, was besonders beim glücklich verheirateten Peter Parker mit argen Schwierigkeiten verbunden ist. Der nämlich will sich nicht so leicht damit abfinden, dass sein idyllisches Leben lediglich Fiktion ist und von Magneto alias Magnus so initiiert wurde. Doch über den Zweifeln steht der Hass, und von diesem angetrieben, ziehen die Mutanten in den Kampf gegen Lord Magnus und seinen Verbündeten Victor von Doom.

Währenddessen macht sich Emma Frost auf die Suche nach dem verschwundenen und vielleicht schon toten Charles Xavier und macht dabei eine schreckliche Entdeckung …

_Meine Meinung_

Langsam aber sicher steuert Marvels derzeit gewaltigster Kraftakt auf das Ende zu, hat aber alleine bis hierhin schon so viele bestehende Tatsachen umgeworfen, dass der Leser wohl kaum noch weitere verheerende Änderungen wird verkraften können. Dies haben sich Brian Michael Bendis und Olivier Coipel bei der Kreation des dritten Banes auch zu Herze genommen, so dass die Geschichte hier schon ins Finale überleitet, welches schließlich im vierten und letzten Teil der Miniserie stattfinden wird. Leider aber gerät der Autor beim Fertigstellen seines umfassenden Konstrukts ein wenig in Hektik. Nachdem in zahlreichen Tie-ins sowie in der andauernden Reihe ein immer größer werdender Handlungsspielraum ershaffen wurde, fügen sich die vielen Subplots hier in rasantem Tempo wieder zusammen, und als wäre es das Normalste der Welt, können sich die Mutanten mit einem Mal wieder an ihre Vergangenheit erinnern. Gemach, Mr Bendis, das hätte man doch jetzt auch noch etwas ausschmücken können.

Jedenfalls ist es nicht ganz verständlich, warum der Autor die Erzählung so plötzlich zusammenfallen lässt. Wenn alles so einfach wieder rückgängig gemacht werden kann, warum muss dann überhaupt so weit ausgeholt werden? Was die etwas zu simple Lösung bezüglich der Rückkehr der Superhelden anbelangt, haben sich die beiden Köpfe hinter dem „House Of M“ in diesem Teil etwas unglaubwürdig gemacht. Und der unbeholfene Versuch, durch einige komplexe Dialoge und Gedankensprünge die eigene Ideenlosigkeit zu kaschieren, macht das Ganze erst recht nicht besser.

Eigentlich schade um das sehr verzwickte Komplott des Lord Magnus, das man sich mit mühevoller Kleinstarbeit Stück für Stück aufgebaut hat. An so vielen Nebenschauplätzen wurde gefochten, so viele Grabenkämpfe wurden ausgetragen, und dann sollen Laylas Kräfte schon ausreichen, um den geblendeten Mutanten ihr tatsächliches Dasein zu eröffnen? Nun, ganz ehrlich, ich finde diese Lösung weniger toll.

Gott sei Dank gelingt es Bendis dann aber doch noch, die Spannung durch die Wahrung einiger Geheimnisse und den Cliffhanger um das Verschwinden von Charles Xavier aufrecht zu erhalten. Hier zeigt sich dann nach den unverständlichen Zwischenereignissen auch wieder die Klasse der Initiatoren, die im Grunde genommen jedes kleine Detail bedacht haben. Selbst die Konflikte mit der Bewältigung der bis dato unklaren Vergangenheit, gerade im Falle von Spider-Man, haben Bendis und Coipel berücksichtigt und es so letztendlich doch noch hinbekommen, das gesamte Marvel-Universum ein weiteres Mal auf den Kopf zu stellen.

Nach diesen Geschehnissen wird es nämlich für die Superhelden tatsächlich schwierig sein, wieder zur Normalität zu finden, und wenn man dies mal in Betracht zieht, ist das hier bisweilen als unrealistisch erachtete Ziel, im Anschluss an diese Serie völlig neue Wege einzuschlagen, dennoch zu erreichen. Trotz einzelner Schwachstellen darf man also mit großer Vorfreude auf das Ende von „House Of M“ vorausschauen, denn auch wenn Brian Michael Bendis es in der dritten Ausgabe der regulären Serie versäumt hat, das Mysterium um die Scheinrealität zu wahren, so ist die Spannungskurve nach wie vor auf einem sehr hohen Niveau angesiedelt. Ob „House Of M“ allerdings auch bis zum Ende eine runde Sache bleibt, wird man erst mit dem vierten und letzten Band in Erfahrung bringen können, der übrigens seit dem 6. Juli ebenfalls schon erhältlich ist.

http://www.paninicomics.de/

Straczynski, J. Michael / Kirkman, T. / Garney, R. – Spider-Man 27

_Story_

Tony Stark hat in mühevoller Kleinarbeit eine gänzlich neue Uniform für Peter Parker entworfen, die dieser bereits in seinem nächsten Kampf als Spider-Man erfolgreich zur Schau stellt. Doch Parker weiß genau, dass sein Freund und Chef bei solchen Aktionen meist einen Hintergedanken hat. Tatsächlich offenbart Stark ihm ein neues Geheimnis, das Peter noch vorm Rest der Crew verheimlichen soll.

Es handelt sich um eine wichtige Debatte in Washington, zu der Stark vorgeladen wurde und zu der er sich Spider-Mans Begleitung wünscht. Es geht darum, dass sich die Armada der Superhelden ebenfalls offiziell registrieren lassen soll, damit sie bei einem Missbrauch ihrer Fähigkeiten ebenso zur Rechenschaft gezogen werden kann wie die vermeintlichen Schurken. Stark möchte dies aber nicht akzeptieren und wehrt sich vehement gegen die Forderungen des Senats. Als dann nach einer weiteren Vertagung Titanium Man auftaucht, um Stark zu vernichten, werten die Richter dies als Angriff auf den Staat – und finden somit ein gefundenes Fressen für ihre weitere Argumentation …

_Meine Meinung_

Nach der mehrteiligen Serie „Das Andere“ bekommt Spider-Man keine Ruhe. Herrscht zuerst noch die Freude über seine neue Uniform vor, tun sich schon bald neue Konflikte auf, doch dieses Mal sind die Gegner keine Mutanten oder bösartigen Schurken. Vor dem Senat müssen Tony Stark und Peter Parker ihre Rechte als Superhelden vertreten und für ihre eigene Intimsphäre sorgen. Während Starl als Iron-Man bereits entlarvt ist, sieht die Sache bei Parker noch ganz anders aus. Er tritt quasi inkognito für den Schutz des privaten Heldentums ein, verrät dabei aber schon mehr, als er sollte. Durch seine Worte gibt er der fordernden Fraktion gänzlich neue Angriffspunkte, die Stark wiederum in seiner Argumentation gegen den so genannten „Registration Act“ arg zurückwirft. Und dies scheint erst der Anfang eines großen Staatsakts zu sein, der hier mit einem finalen Militärstreich eröffnet wird.

Bereits die Überschrift der hier neu beginnenden Mini-Serie verrät, dass sich mal wieder Großes im Marvel-Universum anbahnt. „Auf dem Weg zum Bürgerkrieg“ lautet der Titel, und nach dem Verlauf des ersten Bandes, der mit zwei Dritteln des amerikanischen Originals „Amazing Spider-Man – Mr. Parker goes to Washington“ gefüllt ist, bekommt man auch schon eine etwaige Vorstellung vom großen Chaos, das unseren Helden hier bevorsteht. Und überhaupt werden die Ereignisse hier wieder rege Diskussionen hervorrufen.

Das Für und Wider der Anonymität der meisten Superhelden wurde ja schon oft zur Rede gestellt und bekommt auch in „Spiderman 27“ wieder eine verstärkte Brisanz. Natürlich will die konservative Fraktion des Leserstamms auch weiterhin die Geheimidentität der Lieblinge wahren, doch würde eine erste Auflockerung den Serien mit all ihren Tie-ins nicht wieder komplett neue Perspektiven eröffnen? Oder wäre es im Falle solch großer Namen wie Batman, Superman und in diesem Falle Spider-Man der Anfang vom Ende eines Mysteriums, das die verschiedenen Reihen jahrelang nährte und oftmals die Basis für die einzelnen Geschichten lieferte? Gute Frage, nächste Frage.

Die Entscheidung liegt letztendlich sowieso bei den Autoren, die vertreten durch J. Michael Straczynski, dem Schöpfer von „Babylon 5“, aber auch sehr interessante Ansätze verfolgen, deren abschließender Auflösung man sich allerdings keinesfalls sicher sein kann. Happy-Ends scheinen einigen Leuten ja in letzter Zeit eh ein Greuel zu sein, und deswegen sollte man sich vor Prognosen, was den Verlauf der neuen Serie angeht, auch vornehm zurückhalten. Feststeht lediglich, dass die Protagonisten auf einen jetzt schon unausweichlichen Bürgerkrieg zusteuern, dessen Ausmaße jedoch noch nicht ersichtlich sind. Spannung pur ist also weiterhin in der „Spider-Man“-Reihe von Marvel Deutschland angesagt, die hier durch einen weiteren fabelhaften Handlungsabschnitt bereichert wird. Und sei es auch nur wegen der neuen Kostümvarianten des Hauptdarstellers, die sowohl optisch als auch vor allem technisch einiges hergeben.

http://www.paninicomics.de

Dixon, Chuck – Simpsons Comics 117

|“Clownstherapie“|

Krusty ist mal wieder mit den Vorgesetzten seines Senders aneinandergeraten, die ihm fortan den Inhalt seiner Sendungen vorschreiben wollen. Den Clown schert dies jedoch nur ziemlich wenig, weshalb er auch sein Programm normal weiterführt. Als es bei der nächsten Show dann aber zu einem Zwischenfall kommt, wird Krusty nahe gelegt, seine Arbeit als Clown niederzulegen. Während sein Sendeplatz an eine Teenie-Serie vergeben wird, heuert Krusty im Atomkraftwerk an. Bart will sich damit allerdings nicht abfinden.

|“Verti-Go-Ariino“|

Als Ned Flanders beim Teppichkauf glaubt, den Satan gesehen zu haben, braucht er im nächsten Café erst einmal eine Abkühlung. Als er dabei aber eine Fau vorbeifahren sieht, die haargenau seiner verstorbenen Gattin Maude gleicht, bekommt er Zweifel an seinem Verstand. Flanders sucht Rat bei seinem Nachbarn, der ihn prompt zum Gespräch in die Kneipe bittet. Zusammen mit Homers Trinkkumpanen werden Pläne geschmiedet, wie man die offensichtliche Doppelgängerin zur Rede stellen kann.

_Meine Meinung_

Die neueste Auflage der „Simpsons Comics“ bietet zwei Geschichten, die sich eher im Umfeld der Familie abspielen. In „Clownstherapie“ wird hierbei ein schon öfter durchgekautes Thema abgerufen, nämlich das Ende von Krustys Karriere, welches ja auch schon in diversen Episoden der TV-Serie prophezeiht und doch wieder widerrufen wurde. Dieses Mal liegt die Ursache in den niedrigen Einschaltquoten begündet, infolge derer die Fädenzieher des Senders dem Clown ins Programm reden wollen. Nichts Neues also. Wirklich interessant wird das Ganze daher erst, als Krusty nach seinem Besuch bei einer Psychologin als einfacher Arbeiter im Atomkraftwerk von Mr. Burns eingestellt wird, wo Homer gerade eine Kernschmelze provoziert hat. Erst als er dort wieder von seinen Qualitäten als Entertainer überzeugt wird und selbst Menschen in höchster Not zum Lachen bringt, erkennt er seine wahre Berufung.

„Clownstherapie“ ist ein typischer Moral-von-der-Geschicht-Plot, von denen es bei den Simpsons ja nach wie vor zahlreiche gibt. Steht meistens Lisa bei diesen Folgen im Mittlpukt, ist es diesmal der rotzfreche Clown, der eine weitere Midlife-Crisis erleidet und diese mit Barts Unterstützung löst. Leider bleibt es im Großen und Ganzen aber nur beim Attribut ‚ganz nett‘, denn wirklich witzig ist diese Geschichte nicht, und bis auf ein paar wenige Anspielungen (so etwa ein leichter Hieb auf den unverkennbaren Humor der „Garfield“-Strips) fehlt es dem Autor hier auch an Gift und Galle. Aber als Überbrückung zur vermutlichen Hauptstory geht das schon in Ordnung.

Diese folgt dann auch mit „Verti-Go-Ariino“, in der Homer seinen Nachbarn Ned Flanders mal wieder unbewusst ins Chaos stürzt. Der streng religiöse Flanders ist hin- und hergerissen ob seiner Sekunden-Begegnung mit einer bekannt aussehenden Dame und braucht dringend Rat. Doch statt ihm hier unter die Arme zu greifen, probiert Homer lieber neue Frisurtrends mit seinem Rasierschaum aus und lädt seine Freunde in Mo’s Taverne schließlich zum kostenfreien Drink auf Neds Deckel ein. Der jedoch ist weiterhin so verwirrt, dass er den Schwindel gar nicht bemerkt und brav das Alkoholikerkonsulat von Springfield unterhält.

Diese zweite Episode ist ein weiteres Meisterstück aus der Feder von Chuck Dixon. Gleich mehrfach werden hier die Lachmuskeln bis aufs Äußerste strapaziert, wobei der Auftritt in der Kneipe wohl der absolute Höhepunkt ist. Den Machern fallen aber tatsächlich auch immer noch dümmere Aktionen ein. Ned muss sich zum Beispiel anhören, ob er nun einen Geist, einen Zombie oder doch einen sexy Geist aus der Zukunft gesehen hat. Göttlich! Und dafür liebt man schließlich auch den steifen Witwer.

Zum Ende des Comics gibt es noch einige kurze Erläuterungen zum Inhalt und der Wortwahl des Comics sowie Informationen über zwei Musiker (James Brown und Robert Goulet), die im Laufe der Jahre zu Simpsons-TV-Ehren gekommen sind. Ergänzt wird das Ganze mit Leserbriefen, einem Malwettbewerb samt Gewinnspiel zur Fußball-WM und einer kurzen Vorschau auf das anstehende 10-jährige Jubiläum der „Simpsons Comics“ in Deutschland.

_Fazit:_ Eine anständige und eine richtig starke Geschichte gibt’s in #117 zu lesen. Auch wenn man dieses Mal auf besondere Extras verzichten muss, lohnt sich der Kioskabholpreis von 2,50 € mal allein schon wieder voll und ganz, um Ned Flanders in peinlicher Mission zu sehen. Wie sagt Krusty so schön: Juk-Juk-Juk-Ahuu-Huu-Huu!

http://www.paninicomics.de

Vehlmann, Fabien / Bodart, Denis – Green Manor 1: Mörder und Gentlemen

_Inhalt_

Sechs Kurzgeschichten zum Thema Mord, das bietet „Green Manor 1: Mörder und Gentlemen“, der erste Sammelband einer Reihe über intelligent inszenierte Verbrechen, denen stets eine teils ironische, teils sarkastische Moral voraus- oder nacheilt. Vorab schon einmal eine kurze Übersicht über die enthaltenen Geschichten von Mördern und Gentlemen:

* Angenehmes Schaudern
* Postskriptum
* Modus Operandi
* 21 Hellebarden
* Sutter 1801
* Der letzte Weg des Doktor Thompson

_Story_

Ein Professor sucht zum Ende des 19. Jahrhunderts eine psychiatrische Klinik in der Nähe Londons auf und trifft dort auf einen fast 100 Jahre alten Patienten, der während seiner Zeit im Green Manor’s Club so manch seltsames Verbrechen miterlebt hat. So erzählt das ehemalige Clubmitglied seinem interessierten Zuhörer von einer Sitzung, in der es um Morde ohne Opfer und Mörder geht. Das Thema wird heiß diskutiert, bis schließlich der alternde Redner seiner Audienz eröffnet, dass sie bereits komplett vergiftet wurde. Ein unvollzogener Mord an noch lebenden Opfern, aber ohne Mörder. Weiterhin erzählt er die Geschichte eines Detektivs, der einen bereits fest eingeplanten Mord vereiteln soll. Er kennt Zeit und Ort, schaut aber ziemlich dumm drein, als er zum falschen Zeitpunkt an eben jenem falschen Ort steht. Außerdem plante man in Green Manor den Mord an Conan Doyle, dem Urheber der „Sherlock Holmes“-Geschichten, der mit den von ihm verulkten „Hellebarden“ erledigt werden sollte. Zu einem anderen Zeitpunkt wird ein Mörder namens John Smith gesucht, der jedoch anscheinend gar nicht existiert. Und der letzte Weg des Dr. Thompson wird so lange analyisert, bis der Mord dann doch auf dem offensichtlichsten Weg festgestellt wird.

_Meine Meinung_

Die Vermengung von mehreren Kurzgeschichten in einem Sammelband ist oftmals eine brisante, leider auch nicht selten unzufrieden stellend gelöste Angelegenheit, die in den ungünstigen Fällen daran scheitert, dass die einzelnen Erzählungen zu oberflächlich gestaltet wurden. Nicht so bei Fabien Vehlmann. Der Autor der in „Green Manor“ enthaltenen Kriminalgeschichten geht in enorm kurzer Zeit sehr detailliert in die Tiefe und lässt alle sechs Dramen rund um den berüchtigten Club wie kleine Epen erscheinen, deren Substanz schier unerschöpflich ist. Es ist dabei schon fast beängstigend, wie abgeklärt der Autor mit dem Thema Mord umgeht. In „Mörder und Gentlemen“ werden langjährige Bekannte um die Ecke gebracht, Rachepläne ausgeübt und vollzogen, geliebte Freunde getötet und vom Volke verehrte Helden ins Jenseits befördert – und das meist gänzlich ohne Skrupel und Reue.

Der Aufbau ist hierbei stets verschieden; Vehlmann geht die Sache zunächst bedächtig an, entführt den Leser dann urplötzlich und rasant in die zugrunde liegende Thematik und bereitet währenddessen schon die Pointe vor, die in allen Fällen mit einem bittersüßen, schwarzen Humor gezeichnet ist, den man eigentlich schon als typisch britisch bezeichnen müsste. Dabei ist bis auf den Schauplatz der einzelnen Akte hier gar nichts britisch.

Sherlock Holmes scheint dem Autor allerdings ein großes Vorbild gewesen zu sein; vielleicht auch gerade deshalb plant er in „21 Hellebarden“ den vorzeitigen Tod des Schöpfers des wohl berühmtesten Detektivs aller Zeiten. Wobei es fraglich erscheint, dass dieser in den hier vorgestellten Fällen etwas hätte ausrichten können. Zumindest das Verhindern der einzelnen Tathergänge wäre aufgrund der stets feinstens durchdachten Mordpläne unmöglich gewesen.

Statt Holmes sind nun andere die Helden; jedoch sind diese nicht alle so sympathisch wie die bekannte Spürnase. Es sind Gauner, Rachsüchtige, Irrsinnige und Schurken, aber auch Betrunkene, geistig Kranke und Taugenichtse, denen Vehlmann hier ein Forum gibt. Somit liefert er auch ein sehr schönes Bild von der Klassengesellschaft im Großbritannien des 19. Jahrhunderts ab, obwohl er sich bei der Wahl seiner Protagonisten schon deutlich bei der gerissenen und hinterhältigen Oberschicht bedient. Lediglich in „Modus Operandi“ wählt er ein ganzes Sammelsurium an potenziellen Mördern aus den mittelständischen Kasten aus, die die erstbeste Gelegenheit nutzen, um sich eines überdrüssigen Anhängsels zu entledigen und darauf folgend – wenn auch als Inkognito-Figur – einmal im Rampenlicht zu stehen. Genauso gewieft und kongenial geht man in Green Manor vor!

Die zeichnerisch exzellente Aufarbeitung des historischen Hintergrunds (Denis Bordart zeigt sich hier als Meister seines Faches), kombiniert mit der kühlen Atmosphäre und dem jedes Mal aufs Neue bewiesenen erzählerischen Genie von Autor Fabien Vehlmann, liefert schließlich die Basis für einen absolut genialen Sammelband, in dem die Kurzgeschichten deutlich mehr Farbe bekommen, als dies im ‚Normalfall‘ üblich ist. In gerade mal (jeweils) acht Seiten werden hier superspannende Mordgeschichten aus dem viktorianischen England erzählt, allesamt mit dem Ziel, die Planung und Durchführung des perfekten Mordes darzustellen. Enstanden sind sechs packende Erzählungen, die lustig, mitreißend und in gewisser Hinsicht auch sarkastisch zugleich sind und auf jeden Fall Lust auf mehr machen. Ein zweiter Band ist derzeit schon in Vorbereitung. Ich freue mich bereits riesig drauf!

http://www.zack-magazin.com