Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

Layman, John / David, Peter / Bendis, Brian Michael / Hudlin, Reginald / Brubaker, Ed – House Of M (Marvel Monster Edition 13)

Im 13. Band der „Marvel Monster Edition“ widmet sich die berüchtigt Comic-Schmiede den wichtigsten Tie-ins zum gerade andauernden Crossover „House Of M“. Abseits der Hauptgeschichte wird hier gezeigt, was in der verfälschten Realität mit den Fantastischen Vier, Hulk, Hawkeye und dem Black Panther passiert. Außerdem gibt es einen kurzen Überblick auf die total veränderte Laufbahn von Captain America, der ebenfalls unter der Machtergreifung von Lord Magnus leiden muss. Kurz und bündig: jede Menge Action rund um die neue Marvel-Dimension!

_Inhalt_

Victor van Doom hat es satt, als Untergebener Magnetos zu leben. Er selber strebt nach der alleinigen Macht und einem Regime unter seinen Fearsome Four. Tatsächlich gelingt es ihm, Magneto zu überrumpeln und für kurze Zeit die Macht zu ergreifen. Doch schon kurze Zeit später bereut Victor zutiefst, dass er seinem ehemaligen Vorgesetzten bei der Übernahme der Herrschaft das Leben gelassen hat …

Unter Magnetos Führung dringen Söldner in Australien in das Buschland der Aboriginees ein. Dort treffen sie unter anderem auch auf Bruce Banner, der über den plötzlichen Angriff gar nicht erfreut ist und in Gestalt von Hulk die Eindringlinge im Alleingang überwältigt. Doch dies allein reicht dem Hulk nicht; er möchte Magneto an den Kragen und endlich wieder Frieden für sein Volk. Und dazu ist dem grünen Monster jede Waffe recht …

Hawkeye kehrt nach langer Zeit aus dem Verborgenen zurück und vertraut sich einer Reporterin an. Er erzählt ihr von seinen Vermutungen über die Entstehung des House Of M und all den Dingen, die nur einer Scheinrealität entsprechen. Dieses Wissen muss er schließlich auch nutzen, um das totale Chaos wieder zu beseitigen und die Welt wieder dorthin zu bringen, wo sie einst stand. Doch alleine scheint er machtlos, diese überwältigende Aufgabe zu erledigen …

Captain America analysiert seine glorreiche Vergangenheit und seinen anschließenden Fall. Dabei stößt er auf einige seltsame Entwicklungen, die ihn an allem Geschehenen zweifeln lassen. Doch selbst im hohen Alter hat der Captain seine Ideale und den damit verbundenen Kampfgeist nicht aufgegeben …

Außerdem: Der Black Panther liefert sich eine atemberaubende Schlacht mit Sabretooth und Apocalypse, die schließlich für ihre hinterhältigen Angriffe und die fehlene Bereitschaft, einen Pakt gegen Magneto einzugehen, teuer bezahlen müssen …

_Meine Meinung_

Die aktuelle Ausgabe der „Marvel Monster Edition“ erweitert das eh schon breite Spektrum rund um die Welt des „House Of M“ noch einmal gewaltig. Bisher unbeteiligte Kräfte werden in der irrealen Welt gefordert, wobei besonders der Einsatz des Hulk für spannende und auch überraschend tiefsinnige Unterhaltung sorgt. Zudem ist die Story um das grüne Monster mit dem Titel „Terra Incognita“ (aus „The Incredible Hulk 83-86“) auch diejenige mit dem höchsten Action-Gehalt, denn ständig verwandelt sich der friedliche Doktor Bruce Banner in sein Alter Ego und lässt seine Wut an Magneto und seinen neunmalklugen Schergen aus.

Fast noch beser gefällt die einleitende Erzählung um das Team der Fearsome Four. Die Gruppierung um den mächtigen Victor van Doom hat sich zu einem verräterischen Bund zusammengeschlossen, dessen einziges Ziel es ist, Magneto zu stürzen und an dessen Stelle selber eine tyrannische Herrschaft anzustreben. Und tatsächlich scheint van Dooms Plan aufzugehen und die Welt komplett zu verändern. Jedoch ist der neue Machthaber blind vor Selbstsucht und begeht nach seinen bestens ausgeklügelten Vorbereitungen einige taktische Fehler, die ihn am Ende beinahe selber das Leben kosten. Doch das sollte man selber gelesen haben.

Die übrigen Geschichten nehmen indes bei weitem nicht so viel Raum ein und werden inhaltlich auch nicht so richtig aufgeklärt. Irgendwie wirken vor allem die Storys um Captain America und den Black Panther wie Überbleibsel, die man aus Platzgründen noch hat verwenden können, bei denen es aber an einem klaren Abschluss fehlt. Ob und wie dieser sich noch äußern wird, muss die Zukunft zeigen, doch bis auf einige zusammenhanglose Fakten bieten gerade diese beiden Teile nichts, was den Leser im Bezug auf den Hauptplot voranbringen könnte.

Ganz anders sieht es hingegen bei der unbetitelten Erzählung um den zurückgekehrten Hawkeye aus. Der einst verschwundene Superheld hat die Scheinrealität hinter dem House Of M durchschaut und könnte eine Initialzündung für einen Umschwung zurück zur tatsächlichen Wirklichkeit veranlassen. Doch die Autoren lassen bis auf Weiteres offen, inwieweit Hawkeye diese Bestrebungen auch in die Tat umsetzt, was den Leser wiederum neugierig auf die in diesem Fall sicher irgendwo stattfindende Fortsetzung macht.

Insgesamt ist Ausgabe 13 mal wieder sehr gelungen, selbst wenn der abschließende Comic um Captain America im direkten Vergleich zu den übrigen Handlungsabschnitten ein wenig abfällt. Man bekommt noch mehr Fakten und actionreiche Ereignisse rund um das Marvel-Ereignis des Jahres aufgetischt und stößt gleichzeitig auch wieder auf mehrere Anlässe, den eigenen Horizont im Bezug auf das House Of M so zu erweitern, dass es noch einigen Nachdenkens bedarf, bis man sich an die nächste Geschichte um diese Serie herantrauen kann. Schön auch, dass hier diverse, wenn auch sicherlich nicht alle, wichtige Tie-ins zusammengefügt werden, so dass sich die spezialisierten Leser nicht jede andere Ausgabe, in der es Nebengeschichten von „House Of M“ gibt, zulegen muss.

Mit 22 €uro ist der Preis für diesen 220-Seiten-Schmöker zwar recht hoch, findet seine Rechtfertigung aber schon alleine in den Kapiteln um die Fearsome Four, Hawkeye und Hulk. Und genau deshalb kann ich all denjenigen, die bereits seit Längerem im „House Of M“ zu Hause sind, auch nur anraten, die Sammlung mit diesem Sonderband zu komplettieren und sich selber hinsichtlich der Rahmenhandlung weiterzubilden. Keine Frage: Bei diesem Crossover sind die Marvel-Autoren in Höchstform!

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Johns, Geoff / Jimenez, Phil – Infinite Crisis 1 (von 7)

Lange, lange haben |DC Comics| diesen großen Comic-Crossover angekündigt, viele Vorboten zierten in den letzten Monaten bereits den Weg, und jetzt, im Sommer 2006, kann sie endlich beginnen: die größte Krise, die das Comic-Universum des legendären Superhelden-Verlags je erlebt hat, nämlich die „Infinite Crisis“. In sieben Teilen und zahlreichen Tie-ins wird die gewaltigste Bedrohung für die Welt der Superhelden geschildert und damit auch der Grundstein für einen großen Umschwung im Hause DC gesorgt. Alte Helden und Schurken gehen, neue kommen hinzu, und wie man bereits in den zahlreichen Vorausgaben lesen konnte, nehmen die Macher wirklich keine Rücksicht auf große Verluste und opfern im Laufe der „Infinite Crisis“ einige Charaktere, die schon seit Jahren das DC-Universum bevölkern. Man darf sich also auf eine der umfassendsten Serien der letzten Jahre freuen, und nun endlich liegt der erste reguläre Band vor.

_Story_

Große Ereignisse überschatten die Welt von Superman, Batman und ihren Verbündeten. Nach dem Tod des Blue Beetle stürzt die Welt ins Chaos: Erst wurde Superman von fremden Mächten kontrolliert, dann wurde der von Batman höchstpersönlich gebaute Satellit Brother Eye fehlgeleitet und rekrutierte eine ganze Armada von Killer-Robotern und anschließend formierte sich unter der Leitung eines zweiten Lex Luthor auch noch eine Reihe von Schurken aus der zweiten Reihe, um die Welt in ihren Grundfesten zu erschüttern und über den Tod der schützenden Superhelden die Herrschaft an sich zu reißen. Ein Skandal folgt dem nächsten, und bevor man überhaupt erfassen kann, wie gewaltig die Kraft der aktuellen Bedrohung tatsächlich ist, fällt es den beteiligten Akteuren von der guten Seite schon schwer genug, sich noch gegenseitig in die Augen zu schauen – schließlich wird jedem von ihnen die Schuld an den jüngsten Ereignissen angelastet …

_Meine Meinung_

Tatsächlich, es erscheint monströs, was sich DC mit dieser seit langem geplanten Serie vorgenommen haben. Auch wenn im ersten Heft nur ein recht zähes und überaus komplexes Vorgeplänkel stattfindet, wird einem schon bewusst, wie tief die Gedanken und Verschwörungen dieser neuen Serie reichen. Über ein ganzes Jahr wollen die beteiligten Autoren die Reihe laufen lassen und dabei grundlegende Dinge ändern, welche die gesamte Zukunft des Comic-Verlags maßgeblich beeinflussen werden. Wie weit man gehen wird, kann man nach den ersten Vorgeschichten sowie dem relativ losen Plot des ersten Magazins jetzt noch nicht sagen. Dass die Angelegenheit aber alleine schon durch die unheimlich starke Position der bösen Mächte in dieser Reihe massive Auswirkungen auf die ganze Umwelt der DC-Comic-Welt haben wird, merkt man sofort.

Zudem ist die Atmosphäre des einleitenden Bandes unheimlich düster. Fast schon melancholisch wirken Superman, Wonder Woman und Batman bei ihrem anfänglichen Aufeinandertreffen, bei dem sie die jüngsten Ereignisse Revue passieren lassen, und diese Stimmung zieht sich weiterhin auch wie ein roter Faden durch den gesamten Band. Überhaupt scheint die Situation dieses Mal wirklich aussichtslos. Lag sonst in den meisten Comics von Beginn an noch ein Fünkchen Hoffnung in der Luft, dass sich schon in Kürze wieder einiges zum Guten wenden wird, treffen hier derart viele negative Szenarien zusammen, dass für keinen der mitwirkenden Helden eine Aussicht auf Besserung besteht. Gemeinsam mit dem Wissen um die anstehenden Veränderungen macht diese besonders bedrohliche Grundstimmung die Magie hinter „Infinite Crisis“ aus. Das Ganze ist einfach so unglaublich groß, dass es selbst für diejenigen Fans, die von Marvel und Co. schon einiges gewöhnt sind, nur schwer greifbar ist.

Crossover hat es ja schon viele gegeben, aber bei kaum einem anderen Konstrukt hatte man dieses stets präsente Gefühl des Überdimensionalen, die Angst wegen des großen Umschwungs, oder aber die weise Voraussicht, hier das vielleicht hoffnungsvollste und zeitgleich gewagteste Projekt, an das sich DC je herangetraut hat, in den Händen zu halten. Eins ist nämlich klar: Sollte es dem Autoren-Team nicht gelingen, über diesen großen Zeitraum dieses hohe Maß an Spannung aufrechtzuerhalten, dann wird die ganze eh schon komplizierte Welt um Batman, Superman und Co. komplett ins Chaos stürzen – und dies wäre für den in Sachen Crossover eh schon leicht gebeutelten Verlag eine totale Katastrophe. Nach der es aber bislang absolut nicht ausschaut …

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Miller, Frank / Varley, Lynn – 300

„Wanderer, kommst du nach Sparta, so verkündige dorten,
du habest uns hier liegen gesehen, wie das Gesetz es befahl.“
|Epigramm von Simonides am Thermopylen-Denkmal,
Übersetzung von Friedrich Schiller|

Ist sie Wahrheit oder Legende, die Geschichte um die [Schlacht bei den Thermopylen?]http://de.wikipedia.org/wiki/Erste__Schlacht__bei__den__Thermopylen Eine 300 Mann starke Armee von Spartanern leistet mutig bis zum letzten Mann dem zahlenmäßig weit überlegenen Heer von 120.000 Persern erbitterten Widerstand.

Der historische Hintergrund lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei klären. Welche Teile der Geschichte wahr und welche als Legenden einzustufen sind, ist umstritten. Strittig dürften die Überlieferungen auch aufgrund des unter Forschern immer wieder hinterfragten Rufes des Autors sein: [Herodot.]http://de.wikipedia.org/wiki/Herodot Schon Cicero bescheinigte dem Mann nicht nur, der „Vater der Geschichtsschreibung“ zu sein, sondern auch der „Erzähler zahlloser Märchen“. Und so wurde Herodot stets eine mangelnde Differenzierung zwischen Legenden und Wirklichkeit vorgeworfen.

Mythos oder historische Wahrheit – die Schlacht bei den Thermopylen dient so oder so als Kulisse einer Graphic Novel, die nicht ganz zu Unrecht im Laufe der Jahre einen gewissen Kultstatus erlangt hat. Autor dieses Comics ist kein Geringerer als Frank Miller, dessen Werk nicht zuletzt durch die Kinoverfilmung von „Sin City“ wieder mehr Aufmerksamkeit bekommt.

Auch „300“ wird derzeit verfilmt und soll Anfang 2007 in die Kinos kommen. Die Regie führt Zack Snyder. Grund genug, dass auch der längst vergriffene Comic noch einmal neu aufgelegt wird. Eine Sache, der man sich im Hause |Cross Cult| mit der Herausgabe einer edlen Hardcover-Edition von „300“ würdevoll gewidmet hat.

480 v. Chr. stehen die Perser unter der Herrschaft von König Xerxes I. vor den Thermopylen, einem Engpass des Kallidromos-Gebirges, bereit, Griechenland einzunehmen und zu unterwerfen. 120.000 Perser stehen etwa 7.000 teils zerstrittenen und uneinigen Griechen gegenüber – eine Übermacht gigantischen Ausmaßes. Auf griechischer Seite befehligt der spartanische König Leonidas die Truppen. Im unwegsamen und schwer zugänglichen Gelände der Thermopylen gelingt es Leonidas‘ Truppen, tagelang die Stellung zu halten und den Persern hohe Verluste zuzufügen. Die Spartaner werden zum Symbol für Heldenmut und Kampfstärke.

Als ein gewisser Ephialtes aus den Truppen Leonidas‘ Verrat begeht und zu den Perser überläuft, schlägt die letzte Stunde des Leonidas. Die Perser können dank der Informationen des Ephialtes von zwei Seiten angreifen. Leonidas kämpft mit seiner 300 Mann starken Armee aus Spartanern bis zum letzten Augenblick, kann das gigantische Heer der Perser aber letztendlich nicht aufhalten.

Die Schlacht bei den Thermopylen wurde im Folgenden immer wieder als herausragendes Beispiel für den großartigen Heldenmut und den unbändigen Kampfgeist der Spartaner herangezogen – vorzugsweise von den Spartanern selbst, versteht sich. Aus dieser Geschichte zwischen Legende und Historie hat Frank Miller ein bildgewaltiges Historienepos geschaffen.

Schon beim ersten Durchblättern wird klar, warum es irgendwann so weit kommen musste, dass „300“ verfilmt wird. Miller setzt viel Gewicht auf die Bilder und man sieht beim Lesen den fertigen Film schon fast vor sich. Miller hat ein Faible für besondere Perspektiven, versteht es, einzelne Augenblicke zu einem beeindruckenden Bild einzufrieren. „300“ wirkt wie reinstes Kopfkino.

Miller kreiert eine düstere Stimmung mit intensiven Bildern und würzt das Ganze mit knackigen Dialogen, die kein Drehbuchautor mehr zu verbessern braucht („Einhundert Völker werden über euch kommen. Unsere Pfeile werden die Sonne verdunkeln.“) Oft formuliert Miller kurz und knapp – geradezu spartanisch. Doch stets trifft er den Nagel auf den Kopf, nie werden Worte verschwendet.

Diese knappen, wohlakzentuierten Formulierungen ergeben zusammen mit den teils sehr intensiven Bildern eine nicht zu leugnende atmosphärische Dichte. „300“ ist ein Spiel aus Licht und Schatten, das sehr direkt auf den Leser einwirkt. Heldenmut und brutale Kriegswirklichkeit prallen hart aufeinander. Miller erzählt seine Geschichte mit viel Pathos, aber gleichzeitig mit einer Härte, welche die Brutalität historischer Schlachten ungeschönt darstellt.

Wie schon in „Sin City“, wird auch in „300“ viel Blut vergossen und Miller versucht gar nicht erst, den Leser vor der knallharten Brutalität der Bilder zu schützen. Allzu zart besaiteten Gemütern sei also zur Vorsicht geraten. Der potenzielle Kinogänger kann sich jedenfalls schon mal auf ein buntes Schlachtengetümmel à la „Herr der Ringe“ einstellen.

Gerade bei der erstmaligen Lektüre empfindet man die Figuren (in erster Linie die Spartaner) als geradezu unmenschlich. Scheinbar emotionslos wandeln sie durch die Handlung, mit verhärteten Gesichtszügen, unerschütterlicher Stärke und ohne den Hauch einer Schwäche. Dabei wirft Miller durchaus auch einen kleinen Blick hinter die kampferprobten Krieger Spartas. Ein wenig spartanisches Alltagsleben wird vermittelt, ein Einblick in spartanische Kriegstaktik und Lebensphilosophie vermittelt. Trotzdem tut man sich teils recht schwer, die menschliche Seite der Spartaner zu sehen. Sie leben und kämpfen, als kämen sie von einem anderen Stern.

Alles in allem ist „300“ eine sehr intensive Leseerfahrung. Zeichnungen, die vor Intensität strotzen, und wohlakzentuierte Texte, die es in sich haben. „300“ ist sicherlich ein Comic besonderer Güte, zu dem es wenig Vergleichbares am Markt gibt. Miller hat ein drastisches und intensives Historienepos kreiert, das wie geschaffen für eine [Verfilmung]http://www.powermetal.de/video/review-1048.html ist. Man darf also gespannt sein, was Zack Snyder aus dem Stoff macht. In „300“ steckt in jedem Fall ein großes Potenzial.

Cross Cult:
[www.cross-cult.de]http://www.cross-cult.de

[Offizielle Website zum Film]http://300themovie.warnerbros.com/

Ross, Alex / Krueger, J. / Braithwaite, D. – Justice (1 von 6)

Alex Ross ist ein Verfechter des Silver Ages, einer Zeit aus dem Superhelden-Universum, in dem die Geschichten noch weitaus simpler und die Szenarien nicht ganz so aufgeblasen waren, wie es heuer oftmals der Fall ist. Dementsprechend hat er auch seine neue Serie „Justice“ an diese Zeit angegliedert und eine Story geschaffen, die sehr traditionell ausgerichtet ist, dabei aber die bewährten Stilmittel der Moderne beibehalten kann.

_Story_

Ein apokalyptischer Traum verfolgt die Welt der Superhelden; das Ende der Welt droht und alle sind sie von den grausamen Nachtmahren betroffen. Auch Aquaman kann sich der grausamen Vorstellung der endgültigen Vernichtung nicht entziehen und begibt sich auf der Suche nach Antworten hinaus in seine Meereswelt. Allerdings gehorcht dort niemand mehr seinen Anordnungen. Black Manta hat in der Zwischenzeit das Kommando über die Meerestiere übernommen und lässt den einstigen Helden unbeobachtet verschwinden.

Währenddessen ist Batman dem Riddler auf der Spur, dem es gelungen ist, sich in den Hauptcomputer des Batcaves einzuhacken, auf dem sich neben der Identität aller Superhelden auch weitere Daten befinden, die die Gemeinschaft der Schurke niemals in die Hände bekommen darf. Als er den mysteriösen Bösewicht aber dann stellt, gelingt ihm die Gefangennahme ungewöhnlich leicht. Irgendetwas scheint nicht zu stimmen …

_Meine Meinung:_

„Justice“, die aktuelle Reihe von Star-Zeichner Alex Ross, wurde in den Staaten bereits Ende letzten Jahres als 12-teilige Serie gestartet. In Deutschland hingegen wird die – ausgehend vom ersten Band – sehr viel versprechende Reihe in sechs Sammelbänden auf den Markt gebracht, von denen nun der erste über |DC/Panini| erschienen ist.

Rein inhaltlich handelt es sich bei „Justice“ wiederum um einen (nicht ganz so umfangreichen) Crossover, bei dem die meisten Superhelden der JLA involviert sind. Im Mittelpunkt stehen dieses Mal zwar nicht wieder nur die üblichen Verdächtigen – sprich Batman und Superman –, allerdings sind es auch dieses Mal wieder genau diese, die die Welt vor der neuen, noch unbekannten Bedrohung retten müssen. Zu ihnen stoßen mit Flash und Aquaman zwei eher selten auftauchende Mitglieder der JLA, die jedoch im Gegensatz zu ihren schier übermächtigen Partnern nie so richtig zum Zuge kommen. Schließlich wird Aquaman entführt, wohingegen Flash lediglich als Superheld der zweiten Reihe vorgestellt wird – zumindest tritt er in den wenigen Szenen, in denen er herandarf, so auf.

Aber noch einmal zurück zur grundlegenden Ambition von Ross und seinem Co-Autor Jim Krueger. Die Idee, „back to the basics“ zu gehen, wurde vom diesem Team wunderbar umgesetzt und wirkt im direkten Vergleich zu den riesigen, umfassenden Serien dieser Zeit auch nicht kontraproduktiv. Vor allem die etwas erfahrenen Leser werden sich über die gradlinige, auch zeichnerisch relativ einfach inszenierte Handlung freuen, da man hier nie in Versuchung kommt, sich von äußeren Einflüssen vom Plot ablenken zu lassen.

Auch inhaltlich ist die neue Story wirklich sehr stark. Es liegen verschiedene, hier noch kaum fassbare Mysterien in der Luft; so zum Beispiel das genaue Verbleiben von Aquaman, die Motivation hinter dem Attentat von Black Manta sowie die sonderbare Aura des Riddlers; alles Sachen, die über mehrere Cliffhanger gekonnt zum nächsten Band überleiten und die eh schon hohe Spannung auch über die einleitenden Geschichten hinaus erhalten. Insofern kann man also auf jeden Fall von einer sehr gelungenen Umsetzung – und das in jeglicher Hinsicht – reden.

Das Fazit habe ich somit auch schon vorweggenommen. Hier reift ein neues Highlight im Universum von |DC Comics| heran, einerseits simpel, stilistisch und inhaltlich aber dennoch komplexer angelegt. Nicht zuletzt wegen der tollen Charakterzeichnungen der eher seltener auftretenden Figuren zum Abschluss des Heftes ist diese Investition absolut lohnenswert.

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Morrison, Grant / Quitely, Frank – All Star Superman 1

Mit der neuen Serie „All Star Superman“ hat sich Grant Morrison einen lange gehegten Traum erfüllt. Schon seit langer Zeit spielt der Autor solcher Comics wie „Doom Patrol“, „JLA“, „Arkham Asylum“ und „New X-Men“ mit der Idee einer eigenen Superman-Adaption, doch erst jetzt hat er seine Pläne in die Tat umgesetzt. Dieser Tage erscheint nun der erste Teil einer auf 12 Hefte ausgelegten Serie um den beliebten Superhelden, gleichzeitig aber auch eines der düstersten Kapitel in seiner Laufbahn als Retter der Menschheit.

_Story_

Bei der Rettung der Crew einer Weltraum-Sonde, die sich in unmittelbarer Nähe zur Sonne aufhielt, hat Superman eine riesige Menge Sternenstrahlung abbekommen, die seine Superkräfte noch einmal um ein Dreifaches vermehrt hat. Auch seine Intelligenz wurde durch das Übermaß der Strahlung enorm gesteigert. Allerdings hatte die Sache auch eine Kehrseite: Die Zellen des Helden konnten die gewaltige Strahlung nicht verarbeiten und sterben langsam ab. Damit ist Lex Luthor, der Superman in diese Falle gelockt hat, das gelungen, was ihm in unzähligen zuvor getätigten Versuchen nicht gelang: den Tod Supermans einzuleiten.

Vor seinem unvermeidbaren Ableben setzt sich Superman alias Clark noch einmal sehr intensiv mit seiner Kollegin Lois in Verbindung und offenbart ihr nach langen Jahren der Zusammenarbeit sein wahres Ich. Doch die Reporterin will ihm nicht Glauben schenken und glaubt bei ihrer Reise in die Festung der Einsamkeit sogar, dass sie einer Manipulation auf den Leim gegangen ist – bis sie dann tatsächlich hinter die wundersame, aber auch grausame Wahrheit blickt …

_Meine Meinung:_

Derzeit scheint der Tod verschiedener Superhelden im DC-Universum ein sehr beliebtes Thema zu sein, besonders stark durch die gerade begonnene „Infinite Crisis“ begleitet. Allerdings funktioniert diese Serie losgelöst vom gewaltigen Crossover der berühmten Comic-Schmiede. Grant Morrison hat hier eine gänzlich eigenständige, im Großen und Ganzen auch recht simple Story geschmiedet, die sich ausschließlich dem Schicksal von Superman widmet. Der immerstarke Superheld sieht sich erstmals ernsthaft mit dem Tod konfrontiert und legt nur noch auf zwei Dinge einen gehörigen Wert: Erstens muss ein adäquater Nachfolger gefunden werden, und zweitens soll die von ihm seit Jahren geliebte Lois endlich das Geheimnis seiner Identität in Erfahrung bringen.

Die Geschichte ist ganz ansprechend in Szene gesetzt worden, jedoch fehlt es dem Comic bisweilen ein wenig an Atmosphäre. Grundsätzlich ist die Handlung recht traurig, wird aber meines Erachtens besonders in den Dialogen zwischen Lois und Superman nicht immer genau so dargestellt. Zudem fehlt es der Story speziell in der zweiten Hälfte an fortschrittlichen Ideen. Die seltsame Kammer, die Lois auf Supermans Geheiß nicht betreten darf, ist der einzige echte Spannungsfaktor, wird aber anschließend ziemlich albern aufgelöst. Lediglich der Cliffhanger, der zum nächsten Band überleitet, lässt einiges erwarten und bietet auch eine echte Überraschung auf.

Davon abgesehen ist der Comic ganz ordentlich und in seiner Simplizität auch konsequent weiterentwickelt worden. Im Textepilog wird auch noch mal klar betont, dass der Autor nicht beabsichtigt hat, eine allzu komplexe Handlung zu kreieren, sondern stattdessen immer hautnah am Geschehen um Clark und Lois bleiben wollte. Diesbezüglich kann man Morrison auch ein Kompliment machen, denn das Verhältnis der beiden wird stringent bis zum Ende durchgearbeitet und bekommt durch die ständigen Zweifel von Seiten Lois’ stets neue Würze. Schade nur, dass der Mangel an Spannung dadurch nicht vollständig kompensiert werden kann, denn dieser ist – neben den ebenfalls sehr simplen Illustrationen von Frank Quitely – das einzige Kriterium, das in „All Star Superman“ nicht ganz befriedigend erfüllt wird. Ansonsten jedoch ist der Auftakt dieser neuen Reihe recht ordentlich geworden und sollte gerade für Fans der eher emotionalen Heldengeschichten ziemlich interessant sein.

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Hyung, Min-Woo – Priest – Band 9

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516
[Band 8 2575

_Story_

Getrieben von seinem unbändigen Hass treibt Ivan Isaacs seinen blutigen Rachefeldzug weiter voran und stellt sich den gefallen Engeln, die sein Gegenspielers Temozarela befehligt. Nacheinander löscht er seine Kontrahenten mit seinen Silberkugeln aus, bis er schließlich auf seinen bis dato mächtigsten Gegner Acmode stößt. Es kommt zu einem erbitterten Kampf, bei dem Acmode nicht nur seine unzähligen Handlanger ins Rennen schickt, sondern auch mentale Geschicke für sich spielen lässt, um den wiedergeborenen Zögling Belials zu vernichten. Doch Isaacs können die Angriffe seines Gegenübers nichts mehr anhaben, und als schließlich nur noch die beiden Protagonisten des Kampfes übrig bleiben, bahnt sich eine gewaltige Blutrache an …

_Meine Meinung_

Min-Woo Hyung wählt im neunten Band seiner Reihe einen sehr gewaltsamen und stellenweise auch überaus brutalen Weg, bei dem der Autor vor absolut keiner Grausamkeit mehr zurückschreckt. Dies ist teilweise ziemlich abstoßend und meines Erachtens auch übertrieben, so zum Beispiel in der Szene, in der Acmode das kleine Mädchen Christine auf seinem Opfertisch seziert und so den Hass seines Gegenspielers Isaacs nur noch weiter in die Höhe treibt. Solche Szenen fordern geradezu nach einem Verbot der Jugendfreigabe und bieten nach acht durchweg überzeugenden Werken den ersten Angriffspunkt für Hyungs viel gelobte Serie „Priest“.

Doch auch sonst hat sich einiges verändert. Mittlerweile sind Dialoge zur absoluten Seltenheit geworden und machen stattdessen Platz für gehaltvolle Monologe sowie die bereits beschriebene brutale Action. Speziell die erste Hälfte des neunten Buches ist ein wahrer Blutrausch, bei dem nicht nur Isaacs alles eliminiert, was sich ihm in den Wege stellt, sondern auch die Schergen Temozarelas für Tod und Vernichtung sondergleichen sorgen. Zeichnerisch kann Hyung hier allerdings seine ganze Klasse beweisen. Tolle kräftige Bleistiftskizzen dominieren das Bild und versinnbildlichen das Chaos, das sich im Wilden Westen jener Tage abspielt, nahezu perfekt. Das Problem besteht lediglich darin, dass der Autor und Zeichner dabei kaum noch Wert auf Details gelegt hat. Besonders die Figuren sind nur schwerlich voneinander zu unterscheiden, was man aber auch dahingehend interpretieren kann, dass Hyung bei der Darstellung der bösartigen Instinkte ein ziemlich homogenes Bild schaffen wollte. Und das ist ihm schließlich auch sehr schön gelungen.

Die Handlung schreitet indes weiterhin sehr temporeich vorwärts. Der Rachefeldzug stößt auf einen neuen ‚Endgegner‘, der nicht minder hasserfüllt ist als Isaacs selber. Ebenso wie der wiederauferstandene Rächer wurde auch Acmode von seinem Gott verlassen und kanalisiert seinen Frust nun in purer Gewalt, wie etwa in der eben beschriebenen Sezierungsszene. Ivan hingegen hat nur eines im Sinn: Alles zu vernichten, was mit Temozarela im Bunde ist, und damit auch Gena die Ehre zu erweisen bzw. seinen Pakt mit Belial zu erfüllen. Letzterer taucht als Medium auch wieder auf und führt mit Acmode eine Diskussion über die Hintergründe des jeweils verlorenen Glaubens, die nicht nur den inhaltlichen Schwerpunkt, sondern auch die Einleitung für das Finale darstellt – welches übrigens erst im nächsten Band ausgetragen wird. Zum Schluss gibt es dann noch einen kurzen, schon mehr humorvollen Epilog, in dem Hyung sich selber zeichnerisch darstellt und die Motivation zur Hinterfragung des Glaubens kurz beleuchtet, dabei auch preisgibt, dass er, ganz gleich, wie es um seine Gottgläubigkeit bestellt ist, ebenfalls hofft, eines Tages in den Himmel zu kommen. Nach all der Gewalt also doch noch ein versöhnlicher Abschluss der neunten Episode.

_Fazit_

Es geht verdammt hart zu in „Priest – Band 9“, und das kann einem auch bisweilen ziemlich bitter aufstoßen. Min-Woo Hyung geht keine Kompromisse mehr ein und widersetzt sich in den grafischen Racheakten jeglichen Tabus, manchmal auch über den guten Geschmack hinaus. Dies gilt es auf jeden Fall zu kritisieren, wenn auch losgelöst von der weiterhin fabelhaften Handlung. Das bislang makellose Gesamtbuch „Priest“ hat damit seinen ersten dunklen Farbtupfer bekommen, der jedoch noch nicht als düsteres Kapitel zu bewerten ist. Man kann es eben manchmal auch übertreiben, und das hat der Autor dieses Mal nicht berücksichtigt. Ansonsten bietet der neunte Teil aber mal wiederbeste Action-Kost und feinste Horror-Stimmung. Schade lediglich um das überflüssig vergossene Blut.

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Bendis, Brian Michael – Double Trouble (Der ultimative Spider-Man 3)

Die dritte Ausgabe der Sammelbände aus der Reihe „Der ultimative Spider-Man“ hält eine ganze Menge Highlights bereit. Unter anderem findet hier der erste Auftritt der ultimativen Gwen Stacy statt. Außerdem kehrt eine Legende aus der Welt von Spider-Man zurück: der wahnsinnige Doktor Octopus, vielen sicherlich auch bekannt aus dem zweiten Kinofilm um den mutierten Spinnenmenschen. Und als wäre dies nicht schon genug, taucht auch Kraven der Jäger in diesem schicken, 180 Seiten starken Paperback zum ersten Mal auf.

_Story_

Peter Parker scheint entlarvt – zumindest glaubt das ein Mitschüler, der einen ernsthaften Verdacht hat, wer genau hinter dem mysteriösen, in der Presse als Bösewicht verschrienen Spider-Man steckt. Im Zuge eines Wettbewerbs, bei dem sich die Schüler als Superhelden verkleiden sollen, ist die Stimmung innerhalb der Klasse von Peter eh schon ziemlich angeheizt, da nichts anderes mehr zum Thema gemacht wird.

Peter hingegen hat ganz andere Sorgen: Durch ein gescheitertes Projekt sind dem Versuchskaninchen Otto gleich mehrere Tentakel angewachsen. Der schroffe Mutant ist darüber gar nicht erfreut und trachtet bereits nach Rache, während sein Schöpfer sich anderweitig mit intriganten Machenschaften beschäftigt. Allerdings schreckt der als Doktor Octopus zu neuem Leben erwachte Otto auch nicht davor zurück, seine Opfer zu töten, was wiederum Spider-Man als Retter eines jeden Menschenlebens auf den Plan ruft. Doch dieser kann nicht so frei wie gewünscht agieren. Zum einen liegt ihm seine störrische Tante May mit belehrenden Vorwürfen im Rücken und gestattet ihm dabei kaum Freiheiten; zum anderen hat sich unlängst der gescheiterte Fernsehstar Kraven wieder ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, als er in einer neuen Show seine Jagd auf Spider-Man angekündigt hat. Harte Zeiten für einen Superhelden, der nebenbei auch noch die Beziehung mit seiner eifersüchtigen Freundin Mary-Jane und seinen Job beim Bugle-Magazin auf die Reihe bekommen muss …

_Meine Meinung:_

Den dritten Sammelband dieser Reihe muss ganz klar diffenrenziert betrachten, soll heißen, Story und Übersetzung sind getrennt zu bewerten. Leider ist es nämlich so, dass die deutsche Fassung dieses Heftes wirklich schwach übersetzt wurde und so viele moderne, zweideutige Witze enthält, dass dem erfahrenen Leser manchmal sogar richtig übel werden kann. Gerade Spider-Man lässt einige Sprüche vom Stapel, bei denen man sicherlich nicht begeistert schmunzeln, sondern eher verärgert mit dem Kopf schütteln wird. Ein Beispiel ist eine Szene aus dem finalen Kampf mit Doktor Octopus, in dem er den Gegner fragt, ob er gewisse Utensilien aus dem Otto-Katalog bestellt hat. Fast noch schlimmer ist ein Ausschnitt ganz zum Anfang der Geschichte, in dem sogar die Pop-Band |No Angels| mit einem herablassenden Kommentar gewürdigt wird. Ich kann mir dabei jedenfalls nicht vorstellen, dass Autor Brian Michael Bendis nach solchen pseudo-humorvollen Texten in der hiesigen Version getrachtet hat, und dementsprechend groß ist schließlich auch die Enttäuschung af diesem Gebiet.

Hinsichtlich der Story ist dieser dritte Band allerdings alles andere als enttäuschend, sondern im Großen und Ganzen ziemlich genial. Angefangen bei der Auferstehung des verrückten Doktors über die Grabenkämpfe zwischen FBI und der Polizei bis hin zu den vielen rasanten Showdowns entwickelt sich hier eine temporeiche Action-Handlung, bei der lediglich das überschüssige Pathos stellenweise etwas zu dick aufgetragen wurde. Doch daran sollte man sich letztendlich weniger stören als an der biederen Übersetzung. Dazu ist noch zu sagen, dass Brian Michael Bendis immer in den Momenten, in denen er abzuwschweifen droht, geschickt die Kurve bekommt. So glaubt man zum Beispiel kurz vor dem letzten Auftritt Spider-Mans, dass sich der Autor zu sehr auf die Beziehung zwischen Peter Parker und Mary Jane einlässt; an anderer Stelle liegt die Befürchtung nahe, der Streit zwischen den ausübenden Gewalten des Gesetzes würde überhand nehmen. Und wieder andernorts droht der Konflikt zwischen Doktor Octopus und seinem Gegenspieler Justin Hammer zu früh zu eskalieren. Doch all das passiert nicht, weil Bendis seiner Linie treu bleibt und diese mittels der gradlinigen Erzählung auch sehr strikt und konsequent weiterspinnt – bis zum sehr gelungenen, aber eben sehr pathetischen Ende.

Band 3, Untertitel „Double Trouble“, hat auf jeden Fall seine Schwächen, die aber keinesfalls am Original festzumachen sind. Story und auch die sehr bunten und überaus gelungenen Zeichnungen von Mark Bagley sind durchweg überzeugend; nur die Sprache mitsamt ihrer überzogen modernen Inhalte und der etwas zu sehr heroische Unterton erweisen sich zwischenzeitlich als Störfaktoren, die man aber trotzdem noch verschmerzen kann. Ultimativ ist „Double Trouble“ daher sicher nicht, lesenswert aber immer noch allemal.

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Felden, Thorsten / Meininghaus, Jan – Signum Mortis – Erinys

|Das Lack-und-Leder-Weibchen Erinys dient dem Musikmagazin |Sonic Seducer| als Maskottchen. Comicstrips in Zeitungen nicht unähnlich, tritt sie dort einmal im Monat auf und unterhält die Leser mit düsterem Gerede. Der kürzlich bei |Ehapa| erschienene Sammelband „Signum Mortis“ stellt den gegenwärtigen Höhepunkt der Serie dar. Man fragt sich allerdings, ob das wirklich sein musste.|

„Schwarz ist eigentlich keine Farbe.“ Meine Kunstlehrerin war immer recht penibel. Sie wusste, dass ich die Farbe mochte und häufig schwarze Kleidung trug. Während ich pinselte, genoss ich die Vorstellung, dass meine Hose und mein Pullover streng genommen gar keine Farbe hatten, sondern sich irgendwie abhoben. Die ihnen innewohnende Verneinung machte sie meiner Ansicht nach zu etwas Besonderem. Was ich übersah: Innen und Außen sind zwei verschiedene Dinge.

Vermutlich geht es Thorsten Felden und Jan Meininghaus mit ihrem Werk „Signum Mortis – Erinys“ ähnlich. Auf jeden Fall hat ihre Hauptfigur eine Affinität zu Schwarz. Erinys, eine junge Frau mit schweren Stiefeln, enger Lederhose und einem Lackoberteil, wandert in den Straßen einer namenlosen Stadt umher. Sie bewegt sich im Niemandsland zwischen Leben und Tod, weiß nicht so recht, woher sie kommt und wohin sie geht. Der Name Erinys erinnert nicht umsonst an die Erinyen, jene griechischen Rachegöttinnen, die überall dort auftraten, wo zu Unrecht Blut vergossen wurde.

Erinys Existenz ist ein merkwürdiger Schwebezustand, der das ganze Album über anhält. Obwohl Nebenfiguren wie die Gerichtsmedizinerin oder der Kommissar auftauchen, ist sie weitgehend mit sich selbst beschäftigt. Sie befindet sich in einer inneren Isolation und ist auf der Suche nach sich selbst. Auf ihrer Reise begegnet sie urbanen Bösewichtern wie dem Kinderschänder oder dem Drogendealer. Durch eine Berührung an der Stirn entzieht sie ihnen das Leben.

Die Geschichte wendet sich an einen pubertären Leser, gaukelt Tiefgang vor und bleibt dabei Teil der Oberfläche, die sie eigentlich durchbrechen will. Erinys ist ein Trendprodukt. Seelenlos und distanziert tritt die Protagonistin dem Leser entgegen. Von emotionaler Anteilnahme kann da keine Rede sein, die Spannung bleibt auf der Strecke. Auf gleiche Weise dümpelt der visuelle Teil des Werks vor sich hin. Die Seiten sind als Kollagen und Bilderfolgen gestaltet, überzeichnet und von dunklen Tönen geprägt. Originell oder einprägsam kann man diese Arbeit nicht nennen.

Schlagen wir den Bogen zurück zum Anfang. Schwarz ist eigentlich keine Farbe. Und „Signum Mortis – Erinys“ ist eigentlich keine tiefgreifende Geschichte über Leben und Tod und den Sinn der Welt, obwohl die Autoren diesen Eindruck gerne erwecken würden. Eigentlich ist der Band eine Foto-Love-Story, allerdings nicht für die Pop-Hörer der |Bravo|, sondern für die Gothic- und Metal-Freunde des |Sonic Seducer|. In Erinys geht es zwar nicht um Dreiecksbeziehungen und den ersten Koitus, aber die Qualitäten ähneln sich. Nichts Besonderes, eben in Schwarz.

Holguin, Brian & McFarlane, Tod – Spawn 71

_Story_

Nyx besucht den schwer verletzten Al Simmons im Krankenhaus und ringt währenddessen immer noch hart mit ihrer Entscheidung. Der Dämon mit den drei Narben über dem Auge hat sich ihrer fast gänzlich angenommen, doch Nyx ist nicht bereit, ihren Kompagnon zu hintergehen. Aber sie hat keine Wahl und muss sich ihrem Schicksal beugen. Um selber in die Hölle zu gelangen und damit auch Thea zu erreichen, geht sie einen Pakt mit dem teuflischen Dämon ein. Durch eine Verbindung mit Spawn gerät sie schließlich an den Ort ihrer Wünsche, ist sich aber gewiss, dass dieser Verrat nicht ungestraft bleiben kann …

_Mein Meinung_

Mit Band Nr. 71 wird eine neue Mini-Serie in der „Spawn“-Geschichte eingeleitet, die aber noch immer von den Auswirkungen der riesigen Verwüstung in New York aus dem letzten Band zehrt. Al Simmons hat die große Explosion schwer verletzt überlebt und ist nun dem Willen von Nyx vollkommen ausgeliefert. Doch diese nutzt die sich bietende Chance nicht sofort, schließlich sind ihre Zweifel noch zu groß. Als sie dann aber doch mit der unbewussten Hilfe von Spawn in die Unterwelt abtaucht und sich selbst in der Lebenswelt des Teufels wiederfindet, weiß sie, dass eine ganz neue Ära beginnt, sowohl für sie als auch für Spawn – und natürlich auch für die Leser, die nach der gerade abgeschlossenen Metzel-Reihe auch mal wieder etwas mehr Story eingefordert haben.

Trotzdem aber ist dieses Heft nur eine Überleitung, die noch ganz klar auf der letzten Story aufbaut. Der Zwiespalt von Nyx wird hier endlich mal adäquat wiedergegeben, und schließlich ist auch nur dessen Lösung das nötige Element, um die Serie und die durchgehende Handlung voranzutreiben und ihr neue Möglichkeiten zu eröffnen. Damit steht die 71 aber auch im ganz krassen Gegensatz zum direkten Vorgänger; stand dort noch die pure Anarchie über der Handlung, verfolgt die sehr nachdenkliche Nyx hier bisweilen sogar einige sehr weitsichtige, philosophische Gedanken, die schon fast wieder einen übertrieben breiten Raum einnehmen. Richtig Schwung bekommt die Story nämlich erst am Ende, als sich fragliche Dame tatsächlich in die Hölle katapultiert und somit erst so richtig in das neue Abenteuer hineinstartet – leider aber erst mal nur bis zum abschließenden Cliffhanger, welcher der Serie nun aber wieder eine weitaus mehr versprechende Zukunftsperspektive verleiht und somit die zwischenzeitlich ideenlosen Ansätze hoffentlich auch bald wieder ablösen wird.

Auch in Sachen Zeichnungen scheint sich etwas zu tun; bereits zum Ende hin wird Angel Medina von einem gewissen Nat Jones ersetzt, dessen weitaus düstererer Stil wunderbar zum neuen Leitthema passen will. Nach den farbenfrohen Skizzen Medinas erwarten den Leser nun wieder eine zeichnerisch weitaus skeptischere Grundstimmung und damit auch das, womit die „Spawn“-Reihe einst bekannt wurde. Und das ist natürlich sehr zu begrüßen.

Tja, es geht wieder bergauf, und zudem kommt merklich frischerer Wind in die Handlung hinein. In der neuen Welt werden wieder größere Entwicklungsräume geschaffen und möglicherweise auch ganz neue Charaktereigenschaften zum Tragen kommen. Aber man muss jetzt erst einmal abwarten, wie es weitergeht. Sollten die positiven Ansätze des aktuellen Sub-Plots „Hellbound“ im nächsten Band bestätigt werden, sollten „Spawn“-Fans fortan auch wieder zu einem höheren Prozentsatz auf ihre Kosten kommen. Und das war nach der zwischenzeitlichen Ernüchterung auch zwingend nötig!

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Holguin, Brian & McFarlane, Tod – Spawn 70

_Story_

New York droht im Chaos zu versinken. Nach Spawns Niederlage gegen den mächtigen Violator hat dieser in Gestalt des Clowns die ganze Stadt aufgewühlt und sie der Verwüstung ausgesetzt. Überall treiben die verschiedenen Inkarnationen der Clowns ihr Unwesen, verbreiten Schrecken und Anarchie und weihen die einst so stolze Stadt dem Untergang. Spawn ist derweil nur auf Schadensbegrenzung aus; er weiß, dass er nicht jeden einzelnen Bürger vor der drohenden Katastrophe retten kann. Doch er muss sich dem erneuten Zweikampf mit seinen maskierten Widersachern stellen, um zumindest die vielen Unschuldigen zu beschützen. Doch das ist leichter gesagt als getan …

Derweil steht Nyx zwischen den Fronten. Es gibt nur eine Möglichkeit, ihre verstorbene Freundin Thea zu erlösen, und die besteht darin, Spawn an den Dämon mit den drei Narben über dem Auge zu verraten. Und da ihr alle Mittel recht sind, um diesen Herzenswunsch zu erfüllen, steht Spawn ein weiterer Rückschlag bevor.

_Meine Meinung_

Im Jubiläumsband, der 70. Ausgabe der deutschsprachigen Reihe, wird die Serie um die tausend Clowns weiter fortgesetzt, damit aber auch das Gemetzel und die vielen plumpen Kampfszenen, mit denen sich die Serie bereits seit Anbeginn der neuen Sub-Reihe herumschlägt. Überall gibt’s nur Kämpfe, Kämpfe, Kämpfe, seien es nun die etwas größer angelegten Duelle zwischen Spawn und seinen schier übermächtigen Gegnern, oder aber die Straßenfights, die sich nach dem Einbruch des Chaos in New York manifestiert haben. Nun, dem Action-Liebhaber wird’s sicher gefallen, schließlich hat Angel Medina graphisch wieder einige Leckerbissen beigesteuert, von denen selbst dieser schwache bis durchschnittliche Plot noch zehren kann. Wenn es also um die Darstellung der Schlachten und Verfolgungsjagden geht, kommen Fans wieder voll auf ihre Kosten.

Jedoch kann die Story in diesem Fall kaum mithalten, zumal hier viele wichtige Handlungseinheiten nur kurz angeschnitten werden, obwohl sie eigentlich einen größeren Rahmen verdient hätten. So zum Beispiel auch die Entscheidung von Nyx, die sich nach wie vor schwer tut, Spawn in die Parade zu fahren, der aber letztendlich kaum eine andere Wahl bleibt. Im Gegensatz zur massiven Veräußerung der Duelle zwischen Clowns und Heldenfigur Spawn kommt dieser Part irgendwie viel zu kurz, so dass die sich hieraus ergebenden Resultate als selbstverständlich hingenommen werden müssen.

Es ist einfach ein bisschen lieblos aufgebaut, dieses 70. Heftchen. Die Geschichte ist viel zu simpel, die Action trotz feiner Illustrationen und Überpräsenz nach einiger Zeit gesättigt und die Atmosphäre bei weitem nicht so beklemmend wie in vielen vorangegangenen Bänden. Im gesamten Universum des populären Action-Helden ist das fünfteilige „A Thousand Clowns“ sicherlich einer der schlechtesten Serienteile, mit diesem Band aber glücklicherweise zu Ende. Daher spare ich mir jetzt auch alles Gemeckere und schaue lieber mit Freude auf einen neuen Band und damit auf eine neue Mini-Serie voraus. Eigentlich kann es nämlich jetzt nur noch bergauf gehen …

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Hyung, Min-Woo – Priest – Band 8

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515
[Band 7 2516

Nachdem Ivan Isaacs endlich wieder zur Besinnung gekommen ist und realisiert hat, dass ein Weiterleben mit seiner verstorbenen Geliebten Gena nicht mehr möglich ist, lässt er sich zunächst widerwillig, dann aber doch ohne große Gegenwehr auf einen Pakt mit Belial ein. Nur durch dieses Bündnis wird es möglich sein, den rachsüchtigen Temozarela und seine finsteren Schergen aufzuhalten und zu vernichten. Doch auf den Kopf von Isaacs sind ständig größer werdende Prämien ausgesetzt, so dass sein Rachefeldzug unter erschwerten Bedingungen stattfindet. Neben den flinken Kopfgeldjägern hat es auch Marshal Coburn auf Ivan abgesehen. Seinem Team geht es aber nicht um das Kopfgeld, sondern nur um Antworten von Ivan …

Währenddessen erforschen Lizzie und ihre Männer das Wesen Temozarelas, suchen aber gleichzeitig auch nach einem Gegenmittel für die Infektion, die Lizzie sich zugezogen hat. In ihr wächst nämlich auch langsam das Zombie-Gen heran, und sollte es ihren Freunden nicht gelingen, rechtzeitig Hilfe herbeizuholen, ist das junge Mädchen ebenso dem Tod geweiht wie vor ihr Gena …

_Meine Meinung_

Band 8 der „Priest“-Reihe steht ganz klar im Zeichen von Ivan Isaacs, der seiner Hauptrolle in dieser Manhwa-Serie nach den ganzen komplexen Zwischenfällen sowie der ausführlichen Vergangenheitsaufarbeitung wieder vollkommen gerecht werden kann. Hasserfüllt, gleichzeitig aber auch zwiegespalten, was seine zweckdienliche Verbindung mit Belial betrifft, beginnt er seinen Rachefeldzug und mutiert in Nullkommanix wieder zu der coolen abgebrühten Erscheinung, die wir zu Beginn der Geschichte kennen gelernt haben. Dementsprechend macht der ‚Horror-Cowboy‘ auch keine Kompromisse während der Kampfhandlungen und jagt seine Gegner ins Jenseits, noch bevor diese ihre üblen Ankündigungen in die Tat umsetzen können. Das Prekäre daran: Ausgerechnet die Menschen, die von Isaacs‘ Einsatz nur profitieren können und durch seine Unterstützung in naher Zukunft die eigene Haut retten könnten, widersetzen sich dem kampfeslustigen Ivan.

Die eigene Haut retten kann die verdorbene Diebin Lizzie ohne fremde Hilfe indes nicht mehr. Einige Gefährten und Priester haben sich um die Gefangene geschart und versuchen mit dem Wissen über Temozarela das Leben von Lizzie zu retten und sich selber vor der drohenden Gefahr zu schützen. Auch wenn dies hoffnungslos erscheint.

Die aktuelle Episode erzählt in zwei verschieden ablaufenden Handlungsebenen über das Schicksal der hier erkorenen Hauptpersonen Ivan und Lizzie und deren teils mageren Zukunftsaussichten. Wenn auch nur auf einem sehr oberflächlichen Level, verbindet die beide etwas, nicht zuletzt weil Lizzie und die ehemalige Geliebte Isaacs‘ eine gewisse Ähnlichkeit miteinander haben. Allerdings treffen sie in Band 8 (noch?) nicht aufeinander und lassen den Leser nur vage erahnen, inwieweit sich zwischen den beiden eine Beziehung – welcher Art auch immer – entwickeln wird.

Darüber hinaus verfolgt Autor Min-Woo Hyung eine sehr direkte Linie. Zwar wird mit der Geschichte um Lizzie ein neuer Nebenschauplatz eröffnet, doch im Großen und Ganzen lässt er die Handlung recht zügig voranschreiten und erzählt ohne größere Umschweife von der dämonischen Rückkehr des Ivan Isaacs. In diesem Sinne ist „Priest 8“ im Rahmen dieser Reihe auch vergleichsweise leichte Kost und erfüllt lediglich die Kriterien einer notwendigen Fortsetzung. Dies ist aber bitte nicht negativ zu verstehen, denn Spannung liegt zur Halbzeit der 15-bändigen Serie immer noch in erhöhtem Maße in der Luft. Und dass nicht jeder einzelne Teil den vorangegangenen übertreffen kann, ist auch klar. Daher gehen trotz reduzierter Komplexität und relativ simpler Fortschritte beim Plot nach wie vor beide Daumen steil in die Höhe!

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Mignola, Mike & Golden, Christopher & Sniegoski, Tom – Hohle Erde (B.U.A.P. 1)

Als die Behörde zur Untersuchung und Abwehr paranormaler Erscheinungen, kurz B.U.A.P., ihre auf mysteriöse Weise verschwundene Agentin Liz Sherman aus der Gefangenschaft geheimnisvoller Mächte retten muss, steht sie plötzlich ohne eine echte Führungspersönlichkeit da. Hellboy hat die Behörde nach dem „Siegerwurm“-Einsatz verlassen und den Fischmenschen Abe Sapien, den zweiten prominenten Kopf der Gemeinschaft, damit sich selber überlassen. Der wiederum bekommt aber Unterstützung von einem neuen Gehilfen, dem deutschstämmigen Johann Kraus, der nach einer gescheiterten Seance nicht mehr in seinen Körper zurückkehren konnte und deswegen in einem fremden Körper ohne Gesicht sein Leben bestreitet. Zunächst ein wenig von seinem neuen Kollegen angewidert, begibt sich Abe gemeinsam mit ihm und seinem Freund Roger ins Innere der Erde, um dort die verschwundene Agentin zu suchen. Ein Einsatz mit Folgen …

Außerdem muss sich Abe Sapien einigen Gefahren in der Südsee stellen. Unter anderem kommt hier auch der legendäre Held Lobster Johnson wieder zum Zuge, der einem verrückten, experimentierfreudigen Professor das Handwerk legen muss.

_Meine Meinung_

|Marvel| haben es unzählige Male vorgemacht, nun lässt auch Mike Mignola lange angekündigten Versprechen Taten folgen. Die Erweiterung seines Universums um den berüchtigten Hellboy nimmt in „B.U.A.P.“ zum ersten Mal konkrete Züge an. Die Geschichten um den höllischen Mutanten schienen ausgereizt, und so gönnt dieser sich erst einmal eine Auszeit, um Abe Sapien, Roger und dem neuen Verbündeten Johan Kraus das Feld zu überlassen. Gerade der Fischmensch hatte sich aber auch in einigen vorangegangenen Comics schon zu einem echten Konkurrenten für Hellboy entwickelt und bekommt jetzt seitens des Autorenteams (neben Mignola bestehend aus Christopher Golden, Tom Sniegoski und Brian McDonald) endlich seine eigene Geschichte, mit der er aus dem gewaltigen Schatten heraustreten kann – was ihm übrigens in der ersten Erzählung, dem Namensgeber „Hohle Erde“, prima gelingt.

Dieses erste Abenteuer sticht übrigens auch sehr deutlich heraus, wohingegen die drei vergleichsweise kurzen Storys lediglich ganz nett sind, aber eben nicht ganz so intensiv begeistern wie die Suche nach der verschwundenen Liz Sherman im ersten Band. Ganz gleich, wenn Zeichner Ryan Snook in „Hohle Erde“ die wohl (bewusst) unsaubersten Skizzen beisteuert und der Handlung somit auch zwischenzeitlich eine ziemlich schaurige Atmosphäre verleiht. Der Zeichner bleibt dem Stile der „Hellboy“-Comics dabei weiterhin treu und gestaltet die Illustrationen in einer schlichten S/w-Optik, bei der es lediglich manchmal schwer fällt, die Hauptcharaktere auseinander zu halten. Abe Sapien und Johan Kraus gleichen sich nämlich von ihrer Hinterseite ziemlich stark.

Davon abgesehen, ist Snook’s Werk eine weitere Augenweide, die den sechs vorherigen Werken aus der Feder von Mignola in nichts nachsteht. Für Einsteiger mag das zwar sehr gewöhnungsbedürftig sein, Kenner werden den Stil, der sich im Groben auch durch die anderen drei Kapitel zieht, sofort zu schätzen wissen.

Hinsichtlich der Story erinnert die Hauptgeschichte stellenweise an die ersten Gehversuche im Horror-Bereich und weist bezüglich der unheimlich dichten Atmosphäre eine deutliche Vorliebe für das britische Kino der Fünfziger auf. Dies mag sicher zu einem großen Teil an den S/w-Zeichnungen liegen, wird aber auch durch die grundsätzlich beklemmende Grundstimmung des Plots gerechtfertigt, und dies in allen vier Sinneinheiten. So ist es dem Autoren- und Zeichnerteam auch fabelhaft gelungen, den unkonventionellen Ansatz der ersten „Hellboy“-Comics beizubehalten, die Geschichte aber auch ohne den wichtigsten Akteur und früheren Namensgeber überzeugend weiterzuführen. „B.U.A.P. 1: Hohle Erde“ kann nämlich definitiv für sich selber stehen und braucht nicht dringend die Vorläufer zum besseren Verständnis.

Am Ende kann man daher auch ganz klar bestätigen, dass Mike Mignola sein Ziel erreicht hat. Er hat sein eigenes Comic-Universums um einige wichtige Faktoren erweitert, wichtige Fortschritte bei der allgemeinen Weiterentwicklung seiner Charaktere erzielt und sich mit nur einem Band zahlreiche neue Möglichkeiten für weitere Fortsetzungen und auch neue Serien (Abe Sapien zum Beispiel wäre doch ein Spitzen-Titelheld) geschaffen. „B.U.A.P. 1“ ist das vollkommen überzeugende Resultat einer konsequent entwickelten, schon länger bestehenden Idee und zudem die Einleitung zu weiteren neuen Themenkomplexen. Auch ohne Hellboy gibt Mignolas neuer Comic eine verdammt gute Figur ab. Aber das überrascht sicherlich nur die wenigsten …

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Jenkins, Paul & Ramos, Humberto – Offenbarung, Die

Nach dem grauenvollen Tod seiner Eltern hat Charlie Northern jeglichen Glauben verloren. Der folgenschwere Mord hat den damals erst jugendlichen Northern mit Hass gefüllt; einen Hass, der sich vor allem gegen Dogmen, Religionen und den sturen vom Vatikan propagierten Glauben richtet. Rund 30 Jahre später sucht Charlie insgeheim noch immer nach dem Mörder seiner Eltern. Jedoch ist der Detective von Scotland Yard mittlerweile nicht mehr ganz so verbissen wie einst. Seine Karriere ist in den letzten Jahren steil bergab verlaufen, und auch sein damals noch so guter Ruf ist nur noch ein lästiger Schatten, gegen den Charlie heuer nur noch vergeblich ankämpfen kann.

Sein alter Freund Marcel LeClair glaubt aber noch an den Detective. Der vor kurzem selber zum Vatikan übergetretene Neu-Kardinal bittet Northern, einen seltsamen Mord an seinen Kollegen Richleau aufzudecken und ihn ins Zentrum der katholischen Kirche zu begleiten. Ohne weitere Bedenken stimmt Charlie zu, stellt aber schon direkt nach seiner Ankunft fest, dass er es im Vatikan tatsächlich mit höheren Mächten zu tun hat. Doch um überhaupt hinter das gewaltige Komplott und die finsteren Machenschaften zu blicken, muss Detective Northern erst einmal eine enorme persönliche Hürde überwinden: Ohne den Glauben kann er nämlich weder den Mordfall aufdecken noch überhaupt verstehen und realisieren, was sich um ihn herum abspielt. Und dies ist wahrlich umfassender, als Northern es sich je hätte vorstellen können …

_Meine Meinung_

Nun haben die Verschwörungstheorien also auch im Comic-Bereich Einzug gehalten und dem Trend der momentan angesagten Literatur endlich auch mal nachgegeben. ‚Endlich‘ in diesem Fall vor allem deswegen, weil „Die Offenbarung“ ein echter Glücksfall von einem Comic ist. Unheimlich geschickt verbindet Autor Paul Jenkins hier die grundlegende Elemente eines religiösen Psycho-Thrillers mit übersinnlicher Fiktion und bettet das Ganze schließlich in eine wendungsreiche Action-Geschichte ein, deren rasantes Tempo wirklich sehr beeindruckend ist. Mit dem Hauptakteur führt der Autor zudem eine derart lässige und coole Figur ein, dass man sich bisweilen an Filmhelden wie James Bond und dergleichen erinnert fühlt. Flotte Sprüche, großes Mundwerk und völlige Distanzlosigkeit sind die manchmal auch zweifelhaften Eigenschaften von Charlie Northern, der uns aber nichtsdestotrotz sympathisch ist, denn schließlich sind seine Aussagen bei aller verbalen Härte nicht plump. Er spricht in den Dialogen mit den geheimnisvoll agierenden Obersten des Vatikans genau das aus, was viele in der individuellen Situation denken würden, oder anders gesagt: er macht keine Unterschiede zwischen seinen verschiedenen Gesprächspartner und zeigt sich ihnen gegenüber gleichermaßen respektvoll – oder respektlos, je nachdem, wie man es jetzt sehen möchte.

Tief im Inneren ist Northern aber, mit Verlaub, ein armes Schwein, dessen traumatisierende Jugend ihn im Nachhinein zu einem Wrack hat verkommen lassen. Dabei hatte er die größten Möglichkeiten, hat sich bei Scotland Yard sogar international einen Namen gemacht, ist aber schlussendlich untergetaucht, um verspätet seine Vergangenheit zu bewältigen. Aber er ist ein Profi und in den entscheidenden Momenten zur Stelle. Ein solcher ist sein Einsatz im Vatikan, mit dem sich letzten Endes ein Kreis schließt, der vor 30 Jahren geöffnet wurde – allerdings nicht in dem Maße, wie sich Northern dies vorgestellt hätte.

All diese Eigenschaften des Hauptdarstellers macht sich Jenkins zunutze, um drumherum eine superspannende, mit vielen Überraschungen gespickte Geschichte aufzubauen, bei der es definitiv lohnt, sehr konzentriert zu lesen und den wunderbaren Zeichnungen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In diesen finden sich nämlich beinahe genauso viele versteckte Andeutungen wie in den recht langen Sprechblasen (unter anderem auch aus der Perspektive von Northern), die später dann den Aha-Effekt auslösen und das verzwickte Puzzle zusammenfügen. „Die Offenbarung“ ist nämlich im Grunde genommen gar nicht so komplex, wie dies auf den ersten Eindruck zu sein scheint, erfordert allerdings zum direkten Verständnis etwas mehr Zuwendung als der ’normale‘ Comic. Doch dies sollte ja eigentlich kein Problem sein. Selbst die ziemlich gut ausgearbeiteten Hintergründe zur im Mittelpunkt stehenden Verschwörungstheorie sind eigentlich sehr leicht verständlich und (das darf sehr positiv bewertet werden) keinesfalls bei Dan Brown oder sonstigen bekannten Vorlagen abgekupfert. Schade ist lediglich, dass die Geschichte nach dem stetig aufgebauten Spannungsbogen ein recht schnelles, für meinen Geschmack nicht so ganz befriedigendes Ende findet und auch noch einige Fragen im Raume stehen lässt. Aber womöglich ist dies ja auch beabsichtigt, um die Geschichte in einem weiteren Buch endgültig abzuschließen.

Dennoch: „Die Offenbarung“ ist nicht nur eine absolute Augenweide, sondern auch im Bezug auf die Story ein echter Festschmaus. Viel besser hätte das Duo Jenkins & Ramos jedenfalls kaum in die zeichnerische Bearbeitung dieser Materie einsteigen können.

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Bocquet, Jóse-Louis / Gefe, Andreas – Gesang der Generäle, Der

Der griechische Filmemacher Vassili, bekannt durch einige poltische Dokumentarfilme, mit denen er vor allem die rechte Opposition in seinem Lande anprangert, wird 1967 von der bitteren Realität eingeholt. Ein Militärputsch hat einen Machtwechsel in seiner hellenischen Heimat hervorgerufen und bewirkt, dass sich Menschen wie der kritische Regisseur in ihrem Land nicht mehr sicher fühlen können. Vassili lässt sich in Paris nieder und plant im Exil einen Spielfilm über die Missstände in Griechenland zu produzieren. Für die Rolle der Hauptdarstellerin hat er schnell die Sängerin und Schauspielerin Melina Mercouri gewonnen, eine Landsfrau Vassilis. Nun geht es gemeinsam mit seinem neuen Kollegen Jules an die Arbeit für das Projekt „Helikopter“. Doch gleichnamiger Film stürzt schon vor den Dreharbeiten ab – nicht etwa alleine wegen des brisanten politischen Inhalts, sondern wegen fehlender Antiamerikanismen. In kurzen Rückblicken erzählt der in Frankreich seither gefangene Filmemacher von seinem Schicksal im Exil und dem fehlgeschlagenen Filmprojekt.

_Meine Meinung_

„Der Gesang der Generäle“ ist mal ein gänzlich anderer Comic. Einmal ganz davon abgesehen, dass politische Themen in Comics (wenn überhaupt) zumeist recht oberflächlich am Rande behandelt wurden, ist die beklemmende Atmosphäre, die hier in der Luft liegt, ein absolutes Novum, gerade deshalb aber auch sehr interessant. Action-Fans sollten sich daher bereits im Vorfeld Gedanken machen, ob sich „Der Gesang der Generäle“ für sie lohnt, denn die dramatische Geschichte um den ausgewanderten Filmemacher Vassili erfordert eine weitaus gründlichere Auseinandersetzung als der normale Standard-Comic – wobei dies für beide Seiten bitte nicht als Vorwurf verstanden werden soll!

Wichtig für all dies ist jedoch auch eine kurze Aufarbeitung des geschichtlichen Hintergrunds, der jedoch schon relativ ausführlich im Anschluss an den Epilog dieses Comic-Romans beleuchtet wird. Seit Ende des zweiten Weltkriegs war die Lage auf der Halbinsel mehr als kritisch, so dass mehrere kleine Bürgerkriege das Land erschütterten. Und mit dem Tod des Königs nahmen die Dinge schließlich ihren Lauf, der Kommunismus konnte kaum noch gestoppt werden und schließlich, im Jahre 1967, folgte der erste Militärputsch, dessen Folgen noch jahrelang in Griechenland zu spüren waren.

Nun, dies alles auf knapp 70 Seiten Comic aufzuarbeiten, ist natürlich ein schier unmögliches Unterfangen; ein gewisses Hintergrundwissen ist also dringend vonnöten, um die Zusammenhänge besser zu verstehen. Doch sollte ein Comic nicht eigentlich nur unterhaltsam sein? Ja, richtig, das sollte es, und zweifelsohne bietet „Der Gesang der Generäle“ auch echt gute Unterhaltung, nur eben auf einem etwas anspruchsvolleren, intellektuellen Niveau.

Im Vordergrund der Story steht der alternativ eingestellte Vassili, ein Visionär sondergleichen, der in seinen bisherigen Werken noch nie ein Blatt vor den Mund genommen hat. Als treibende intellektuelle Kraft einer politischen Gegenbewegung hat er in den vergangenen Monaten und vor allem mit seinem letzten Film große Wellen losgetreten und sogar eine bekennende Anhängerschaft gewonnen, die seinen Mut und seinen Idealismus mit höchstem Respekt belohnte. Doch nun ist er selber machtlos und muss außerhalb der Heimat im Exil gegen Hürden kämpfen, die er alleine nicht besiegen kann. Alles würde er für die Kunst geben, doch es ist ihm nicht gegeben, sein wohl gewaltigstes Projekt, den Film „Helikopter“, zu produzieren, und dies wegen vergleichsweise lächerlicher Gründe.

In den Rückblicken erzählt Vassili von den Gräueln der Militärjunta, den wahnsinnigen Foltermethoden der Griechen (der Name „Helikopter“ hat zum Beispiel auch einen sehr grausamen Hintergrund) und den verbitterten Gefühlen der griechischen Menschen, die im Exil gefangen sind und in ihrer Heimat kein echtes Zuhause mehr haben. Dabei kommen Geschichten zutage, die absolut abschreckend sind, von Bocquet aber derart authentisch wiedergegeben werden, dass eine Aufarbeitung realistischer Begebenheiten gar nicht mal so unwahrscheinlich erscheint. Gerade die Geschichte einer jungen Frau, die für ihren Idealismus mit einem Leben im Rollstuhl bezahlen musste, geht einem unter die Haut, zeigt aber auf der anderen Seite auch das immer wieder durchblitzende Genie des Comicautors Jóse-Louis Bocquet. Er erweckt in diesem Buch eines der finstersten Kapitel der jüngeren europäischen Historie erneut zum Leben und versetzt einen tatsächlich in die Zeit der späten Sechziger, in der die ganze Welt von politischen Spannungen durchzogen war.

Unterstützt durch die fantastischen, der Atmosphäre vollkommen angepassten, dennoch aber gewöhnungsbedürftigen Zeichnungen ist so ein wahrhaft fabelhafter Comic entstanden, der trotz des unkonventionellen Materials eine vorbildiche Spannungskurven mit mehrfachen sehr überraschenden Wendungen aufweisen kann. Wer sich also schon vorher fragt, ob politische Geschichte und Comic fernab der zweifelhaften ‚Großereignisse‘ der Weltgeschichte miteinander harmonieren können, sollte sich hier schnellstens bedienen. Bocquet und sein Sidekick Andreas Gefe haben in „Der Gesang der Generäle“ astreine Arbeit geleistet, und dies in der Konstellation hoffentlich nicht zum letzten Mal!

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Kawahara, Tsubasa & Oki, Mamiya – Ja-Dou 01. Empire Of Whispers

Der Ansatz dieser vierteiligen Serie war selbst für die stetig populärer werdende Zeichnerin Mamiya Oki neu. Zum ersten Mal hat sie einen Manga basierend auf einem echten Roman verfasst, und umgekehrt gilt selbiges auch für Roman-Autor Tsubasa Kawahara. Aus diesem Grunde steckte auch verdammt viel Arbeit in „Ja-Dou“, denn immer wieder galt es für das Gespann, Passagen auszugleichen und komplexere Stellen mittels der graphischen Gegebenheiten auch adäquat umzusetzen. Leider ist ihnen dies – zumindest im ersten Band – noch nicht so gut gelungen. Denn wie man auch an die Sache herangeht; „Ja-Dou 01. Empire Of Whispers“ will sich nicht so recht erschließen und bleibt in vielen Teilen der Handlung auch nach Abschluss des ersten Viertels ein Buch mit sieben Siegeln.

_Story_

Drei Regionen umfasst die große Welt – das Himmelsreich, die Hölle und die Welt der Menschen. Und genau diese Dreiteilung bewirkt auch, dass man nicht in Frieden miteinander leben kann. Zu jener Zeit nämlich herrscht Krieg zwischen den Bewohnern des Himmels und den finsteren Dämonen.

Der angehende König des südlichen Himmelsreich, Prinz Ashray, ist von diesem Unfrieden schon sehr stark erschüttert worden. Ganze sechs Adjutanten sind den Dämonen bereits zum Opfer gefallen, und nichts wäre ihm lieber, als eines Tages Rache zu nehmen. Doch Ashrays Weg ist schon vorbestimmt; er soll in naher Zukunft seinen Vater auf dem Thron beerben und bekommt zu seiner Sicherheit einen neuen Atjutanten zur Seite gestellt, nämlich den jungen Alan Soul.

Ashray ist hiervon gar nicht begeistert und lehnt seinen neuen Gefolgsmann strikt ab. Lediglich für die niederen Drecksarbeiten ist ihm Alan gut genug. Während Ashray aber mit seinem Dickkopf einen eigenen Weg gehen möchte, um endlich herauszufinden, was sich im Ostreich abspielt, baut er eine immer innigere Beziehung auf, die just in dem Moment ein Ende findet, in dem auch sein siebter Adjutant den Kampf gegen die Dämonen mit seinem Leben bezahlen muss.

Ähnlich wie Ashray klagt auch Tia, das oberste Wesen im Himmelreich, über seelische Überbelastung. Mit 17 Jahren soll er bereits die Geschicke seiner Welt führen, ist damit aber völlig überfordert. Weil darunter auch die Beziehung zu seinen Freunden leidet, sind diese ihm nicht mehr so wohl gesonnen, gerade wenn ihre Erwartungen nicht erfüllt werden. Tia bekommt diese ablehnende Haltung besonders heftig zu spüren, als Ashray sich im Streit von ihm abwendet und eigene Wege beschreitet.

Teiou, den anderen verbliebenen Schulfreund Ashrays, quälen wiederum ganz andere Probleme: Er hat sich in den Dämon Keika verliebt, wird deswegen aber von seinem Volk verstoßen. Sein Vater hegt allerdings immer noch den Wunsch, dass sein Sohn zum Generalfeldmarschall ausgebildet wird. Doch dies ist in diesen schwierigen Tagen eher unwahrscheinlich, schließlich reden auch Teious Verwandte noch ein Wörtchen mit …

_Meine Meinung_

Ich schreibe nicht gern lange Inhaltsangaben, denn letztendlich verrät man mit eben solchen schon zu viel über den Verlauf der Handlung und die Besonderheiten des Inhalts. Beim ersten Band von „Ja-Dou“ war dies aber einfach nicht zu vermeiden. Das in Schwarzweiß gehaltene Taschenbuch besitzt ein derart umfassendes Storyboard, dass am Ende nur noch die wenigsten einen echten Durchblick haben werden – zumal die verschiedenen Hauptfiguren von Mamiya Oki auch noch sehr ähnlich gezeichnet wurden. Im Groben bekommt man zwar mit, worum es in der Geschichte geht und welche Motive die einzelnen Protagonisten (allen voran Ashray) in ihrem Handeln haben, doch alles in allem ist dies auch noch so verzwickt miteinander verbunden und steht partiell so lose im Raum, dass man kaum etwas findet, an das man sich klammern kann.

Lediglich über den sturköpfigen Ashray wird ein wenig mehr verraten, dies jedoch zumeist auf der Gefühlsebene, wo er sich einerseits ziemlich cholerisch zeigt, andererseits aber auch im Verborgenen sehr viel Liebe versteckt hält, die er jedoch nicht auszuleben imstande ist.

In dieser Hinsicht gleichen sich dann auch fast alle Hauptakteure; die Beziehungen zum jeweils anderen sind auf irgendeine Weise immer gestört, sei es nun durch unerlaubte Bündnisse oder wegen verletzter Eitelkeiten. So viel erfährt man in diesem Band schon. Aber wie der Grundstock des Plots ausschaut, geschweige denn in welche Richtung sich diese überaus konfuse, deutlich zu verworrene Geschichte noch entwickeln könnte, das kann man nicht einmal im Ansatz erahnen. Es läuft wohl auf weitere Duelle zwischen Menschen und Dämonen hinaus, aber wieso, weshalb, warum, das erfährt man noch nicht.

Zu guter Letzt sind auch die Figuren dieses Mangas nicht sonderlich sympathisch. Wiederum ist es Ashray, der negativ aus der Reihe tanzt und mit seiner egoistischen Art kaum auf Gegenliebe stößt. Auch der etwas arrogante Tia ist keine Person, die einem auf Anhieb gefallen könnte, wohingegen der schleimige Alan Soul, der dieses Buch ja auch nicht überlebt, das krasse Gegenteil zu diesen beiden unsympathischen Männern ist. Am Ende sind einem nur Teiou und sein finsterer Freund sympathisch, und auch nur in ihrer unerlaubten Verbindung kann man Potenzial für die noch anstehenden drei Bände erkennen. Dies aber auch nur dann, wenn sich das Chaos schon sehr bald reguliert und eine klare Linie zu erkennen ist. Bei einer gerade mal vierteiligen Reihe und so vielen offenen Spielräumen ist dies nämlich gar nicht so einfach hinzubekommen!

Unterm Strich darf man also schon ein wenig enttäuscht sein; schließlich eilten sowohl der Zeichnerin als auch der Geschichte einige Vorschusslorbeeren voraus, denen der komplexe Plot bislang nicht gerecht werden kann. Es mag sicherlich viel Interessantes hinter „Ja-Dou“ stecken, aber solange dies nicht in geordnete Bahne gelenkt wird, stehen ‚interessant‘ und ‚Interesse weckend‘ in keiner Relation zueinander.

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Simone, Gail / Johns , G. / Eaglesham , D. / Conner, A. – Infinite Crisis Monster Edition 2

Die Identity Crisis hat das Universum der DC-Bösewichter mächtig aufgewirbelt. Man hat von der Manipulation unter den Mitglieder der JLA erfahren und ist von nun an nicht mehr bereit, sich den Helden kampflos zu ergeben. Unter der Führung von Lex Luthor organisert sich eine ganze Armada von Bösewichtern, um als „Society“ der JLA den Kampf anzusagen – nur sechs von ihnen halten unter dem Kommando von Mockingbird dagegen, weil sie sonst um das Leben ihrer Angehörigen oder sogar um ihr eigenes fürchten müssen …

Power Girl ist zwar als Mitglied der Justice Society weiterhin umstritten; noch immer verschieben sich bei ihr die Kräfte in unverhältnismäßigem Rahmen und machen sie zu einer unberechenbaren Gefährdung für ihre Gegner, aber auch für sich selber. Um endlich Klarheit über ihre Herkunft zu erlangen, stellt sich Power Girl ihrer Vergangenheit, wird aber schneller von dieser heimgesucht, als ihr dies lieb ist. Noch während sie zweifelt, ob sie nun aus Atlantis, der Zukunft oder doch einem ganz anderen Ort stammt, wird sie mit der schockierenden Realität konfrontiert.

_Kritik_

Der zweite Band der „Infinite Crisis Monster Edition“ enthält die beiden Geschichten „Villains United“ und „Powertrip“, die beide noch als Einleitung zur demnächst erscheinenden Miniserie „Infinite Crisis“ gelten. Besonders spannend ist hierbei die etwas längere erste Story, die vor Bösewichten nur so strotzt. Im Zentrum des Geschehens stehen Catman, Cheshire, Ragdoll, Scandal, Paradämon und Headshot, die unter verschiedenartigen Androhungen von Mockingbird beauftragt wurden, gegen Lex Luthor und dessen Society vorzugehen, dabei aber gar nicht wissen, auf welch verzwicktes Spiel sie sich in Wirklichkeit einlassen.

Ganze Heerscharen von finsteren Kräften und heimtückischen Monstern stellen sich der Sechserbande in den Weg, die währenddessen eigentlich noch lernen muss, als Team überhaupt zu funktionieren. Besonders Catman ist von Selbstzweifeln geplagt und sich seiner Sache nicht sonderlich sicher, dabei aber die stärkste Kraft im Team der verbündeten Widersacher Luthors. Ohne seine Durchsetzungskraft hätten die sechs Mutanten schon den ersten Angriff der Society kaum überlebt, und so wachsen sie erst nach und nach als Mannschaft zusammen – und auch wieder auseinander.

Autorin Gian Simone hat hier eine sehr verworrenes, komplexes Storyboard entworfen, dessen Geheimnisse erst relativ spät enthüllt werden. Und auch erst dann erahnt man, welche Dimensionen die bald anstehende Serie einehmen wird bzw. welche Auswirkungen sie auf das gesamte DC-Universum haben könnte. Auf jeden Fall ist „Villains United“ ein wirklich sehr umfangreicher Comic, mit sehr vielen überraschenden Wendungen und einem wunderbaren Finale, weshalb sich der Kauf dieses Softcovers alleine schon wegen dieser exzellenten Erzählung lohnt.

Im Gegensatz dazu bleibt die zweite Geschichte ein wenig blass. Power Girl ist auf der Suche nach ihrer wahren Identität und wird dabei von einigen Dämonen aus ihrer anscheinend in der Zukunft liegenden Herkunft heimgesucht. Zu gerne würde die barbusige Heldin eines Tages auch das Wappen eines Superhelden über ihrem üppigen Dekolleté tragen, doch hierzu muss sie erst einmal ihre übermenschlichen Kräfte in den Griff bekommen.

Irgendwann kann sie kaum noch zwischen Realität und Halluzination unterscheiden und wird noch stärker in ihr Dilemma hineingerissen. Verschiedene Möglichkeiten ergeben sich, doch keine davon scheint die richtige zu sein. Als sich dann doch eine Richtung ergibt, ist dies jedoch nicht diejenige, die Power Girl sich gewünscht hatte.

Über ganze vier Teilfolgen erstreckt sich hier die Frage nach der wahren Identität der Superheldin, und nachdem sich unzählige Alternativen ergeben haben, keine aber so richtig greifen will, wünscht man sich irgendwann dann doch eine Lösung. Für meinen Geschmack wird die Entscheidung etwas zu sehr hinausgezögert und so ein wirklichr Höhepunkt verpasst. Das abrupte Ende macht dann zwar wieder Lust auf mehr, doch der Weg dahin ist mitunter etwas mühselig und bei weitem nicht so spannungsgeladen wie die vorangegangene Story. Es bleibt abzuwarten, was Gail Simone in der künftigen Serie aus dieser Vorlage machen wird; auf jeden Fall steht der Wunsch nach mehr Action im Raume, denn der wird im zweiten Teil dieser Monster Edition nicht erfüllt.

Trotzdem: Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und der ist im Falle der „Infinite Crisis“ schon ziemlich groß. Neben „House Of M“ steht hier das nächste ganz große Happening bevor, und glaubt man den ersten Vorzeichen (zumindest denen von „Villains United“), kann die Sache auch allen Ansprüchen gerecht werden. Man sollte allerdings nicht vorschnell urteilen und so die Erwartungen ins Unermessliche steigern. Die letzte Einleitung hat auf jeden Fall schon mal überzeugt, und mit diesem positiven Eindruck im Hinterkopf darf man auf die Dinge vorausschauen, die da schon sehr bald folgen werden.

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Riveros Silva, Migul E. / Fechner, Alex – Unheimlich 1

Mit ihrer neuen Horror-Reihe „Unheimlich“ begeben sich die beiden Comic-Autoren Alexander Fechner und Miguel E. Riveros Silva auf die Spuren des legendären H. P. Lovecraft und leiten dabei eine weitere recht interessante Serie auf dem deutschen Independent-Markt ein. Im ersten Band werden zwei Kurzgeschichten erzählt, von denen die erste, „Das Loch“, nach Angaben des südländischen Verfassers auf einer wahren Begebenheit beruht. Wirklich beängstigend ist die Story allerdings nicht. Und auch die zweite Geschichte ist alles, nur nicht wirklich spannend. Noch nicht …

_Storys_

|“Das Loch“|

Michael ist ein außergewöhnliches Kind. Statt draußen mit Gleichgesinnten herumzutoben, widmet sich der belesene Junge lieber Büchern über Geister und Dämonen. Eines Tages entdeckt er dabei einen seltsamen Fall; mitten in der Schneelandschaft Sibiriens haben Wissenschaftler bei einem Experiment ein Loch entdeckt, in dem sich ein seltsames Wesen befinden soll. Michael kann sich vor Neugierde kaum noch halten; gemeinsam mit einem Freund reist er in die russische Eiswüste und lässt sich zu der geheimnisvollen Öffnung im Boden führen. Und tatsächlich trifft er dort auf eine Gestalt, deren furchterregendes Antlitz er nie wieder vergessen wird.

|“Zwischen den Sternen“|

Ein Astronaut ist gerade dabei, seine Raumstation zu reparieren, als ein merkwürdiger Meteoritenschwarm ihn umzingelt. Neuigierig tastet er sich an die Flugkörper heran und begibt sich dabei in äußerste Gefahr. Die Meteoriten sind nämlich durchaus lebendig und reißen ihn aus seiner hilflosen Umgebung heraus, um ihn vollkommen zu vereinnahmen. Und bevor sich der Raufahrer noch überrascht abwenden kann, haben die Meteoriten bereits einen Zugang zu seinem Körper entdeckt …

_Meine Meinung_

Wirkliche Horror-Stimmung will bei den beiden kurzen Geschichten noch nicht auftreten, denn irgendwie handelt es sich sowohl bei „Das Loch“, als auch bei „Zwischen den Welten“ um Tatsachenberichte, bei denen trotz dichter Atmosphäre nie so richtig Spannung aufkommen will. Zwar gelingt es beiden Autoren, in ihren Erzählungen mit einigen sehr plötzlichen Wendungen (jeweils zum Schluss) aufzutrumpfen, aber da hier keine richtige Spannungskurve aufgebaut wurde, kann man bei diesen beklemmenden Passagen auch nicht von echten Höhepunkten reden.

Der abschließenden Info zufolge handelt es sich bei diesem Band jedoch nur um das Auftaktheft einer Serie, deren verschiedene Geschichten allesamt miteinander verknüpft sind und sich um die Person des Michael drehen – auch wenn Michael nicht in jeden Plot mit eingebunden wird. Nun, inwieweit hier Zusammenhänge bestehen, kann man bis hierher noch nicht sagen, aber das wird sich schon zeigen.
Bis dato hat mich der Lovecraftian Horror – so der Untertitel des Heftchens – aber noch nicht sonderlich gepackt; die Geschichten sind ein wenig zu einfach strukturiert und aufgebaut, die Dialoge und Texte noch recht plump und das Spannunsbarometer nicht mal in der Nähe eines Ausschlags.

Wenigstens die Zeichnr leisten gute Arbeit und entwickeln einen ziemlich eigensinnigen Stil, der die Simplitizizät der Handlung zwar bildlich widerspiegelt, aber auch die intensive Austrahlung der teils erschreckenden Sinneinheiten des Comics nachhaltig betont. Ansonsten warte ich jetzt lieber mal ab, bevor ich mir ein endgültiges Urteil erlaube. Feststeht lediglich, dass sich bis zum zweiten Band noch einiges tun muss, damit es den Leser auch wirklich an die Geschichten fesselt und er sich von der Handlung weiterhin ergriffen fühlt. Und bis dahin gilt es auch, einige peinliche Grammatikfehler auszumerzen, die hier leider ziemlich penetrant ins Auge stechen. Insgeheim bin ich mir aber wiederum sicher, dass die beiden Autoren und der Verlag dies schon irgendwie hinkriegen werden.

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Hyung, Min-Woo – Priest – Band 7

[Band 1 1704
[Band 2 1705
[Band 3 1707
[Band 4 1709
[Band 5 1720
[Band 6 2515

Ivan Isaacs hat in einem Akt des blinden Hasses die Domas Porada geöffnet und das personifizierte Böse, den abtrünnigen Engel Temozarela, aus seiner Gefangenschaft befreit. Belial, der den gefallenen Engel einst in die Festung bannte, versucht mit aller Macht, das Geschehene rückgängig zu machen, ist aber gegen die Vertreter Temozarelas machtlos. Seine einzige Chance, dem Engel Paroli zu bieten, besteht darin, den verschonten Ivan Isaacs für seine Zwecke zu gewinnen. Der jedoch hat mit seinem Leben abgeschlossen, nachdem er seine geliebte Halbschwester hat sterben sehen. Mit der Leiche von Gena in seinen Armen kehrt Ivan zurück zu seinem Anwesen zurück, muss dabei aber unablässig an seine Vergangenheit in der Obhut von Genas Vater denken. Und dies schürt Hass in dem auferstandenen Isaacs; er hasst die Schergen Raul Priestos, er hasst Temozarela, er hasst auch Belial, der sich Isaacs‘ Schwäche zunutze machen möchte. Der jedoch möchte von Belial und seinen Versprechen nichts wissen. Doch der düstere Teufel lässt ihm keine Wahl und entfesselt in Ivan auch das letzte Fünkchen Hass – bis Ivan sich endlich seiner Führung unterwirft …

_Meine Meinung_

Das siebte Buch der „Priest“-Reihe bietet einen überraschend gradlinigen Plot, der direkt an die Ereignisse aus dem letzten Band anknüpft und die Rückkehr Temozarelas auf Erden beschreibt. Der gefallene Erzengel widersetzt sich dabei allen Versuchen, in die Gefangenschaft zurückgetrieben zu werden und ist mittlerweile viel mächtiger als sein Widersacher Belial. Er trachtet danach, sein düsteres Werk zu beenden, und Belial alleine kann ihn daran kaum noch hindern, dafür sind Temozarela und seine finsteren Gefähten viel zu mächtig. Nur eine Hoffnung hat Belial noch, und dafür spielt er all seine verborgenen Trümpfe aus, lässt Ivan Isaacs gegen eine ganze Armee von Untoten antreten und holt durch deren penetrantes Auftreten aus dem stark geschwächten Isaacs die letzten Reserven heraus, die nötig sind, um den auferstandenen Schicksalsträger gegen Temozarela aufzuhetzen.

Im Grunde genommen konnte man diese Entwicklung allerdings auch schon im Vorfeld erahnen, denn nach der Ankunft des Engels stand Belial unter Zugzwang, und bis auf Ivan Isaacs, von dessen Pakt mit dem Teufel man ja bereits vorher wusste, blieb am Ende auch niemand mehr, der sich gegen den gefährlichen Rückkehrer wenden könnte. Und außerdem ist dies ja auch schon aus den ersten beiden Bänden mehr oder weniger klar geworden, bevor dann die große Aufarbeitung der Historie gestartet wurde.

Spannend ist die Fortsetzung allerdings trotzdem, schließlich ist es zunächst schwer vorstellbar, dass sich Ivan dem Teufel anschließt. Außerdem weiß man aufgrund der vielfältigen Ereignisse noch immer nicht, welche Mittel dieser einsetzen wird, um Ivan zu überzeugen, an seiner Seite zu kämpfen, denn zum einen ist Isaacs eigentlich zu intelligent, um sich auf einen unehrenhaften Deal einzulassen, und zum anderen ist Belial derart unberechenbar, dass man kaum durchschauen kann, wie sich seine Einstellung entwickeln wird. Aber natürlich ist die grundlegende Richtung vorbestimmt, und diese lässt ausnahmsweise mal keine Überraschungen zu.

Selbst eine starke Reihe wie „Priest“ braucht mal Bände, die nicht ganz so spektakulär sind, die Geschichte aber dennoch mit gleichem Tempo voranbringen. Weil sich die inhaltlichen Geschehnisse nach wie vor in der Vergangenheit abspielen und man demzufolge schon eine etwaige Vorstellung hat, was passieren muss, lässt es sich eben nicht vermeiden, dass der Überraschungseffekt mal ausbleibt, aber das ist wirklich vollkommen legitim. Die Spannung flaut jedenfalls nicht ab, und das ist doch im Endeffekt die Hauptsache. Für mich ist „Priest“ jedenfalls immer noch die beste aktuelle Manhwa-Serie, und jetzt, wo ich weiß, dass der Stoff schon sehr bald verfilmt werden wird, ist meine Begeisterung direkt noch mal gestiegen. Und für euch gibt’s noch einen weiteren Grund, bei dieser Serie dringend am Ball zu bleiben …

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Azzarello, Brian / Lee, Jim / Williams, Scott – Superman – Die Rückkehr 1

„Superman – Die Rückkehr“ ist eine neue Kurzserie aus dem Marvel-Universum, in der die Reihe „Für das Morgen“ (aus „Die Rückkehr von Superman 1-3“) aufgearbeitet wird. Die eher nachdenkliche und weniger actionbeladene Serie wurde von niemand Geringerem als Kult-Autor Brian Azzarello erschaffen, der sich mit Jim Lee und Scott Williams zudem prominente Unterstützung hinzuholte. |Panini Comics| veröffentlicht das Ganze nun in zwei Sammelbänden; der erste ist frisch auf dem Markt.

_Story_

Superman geht hart mit sich ins Gericht; auf der ganzen Welt sind Millionen Menschen verschwunden, und der Superhald gibt sich selber für dieses fürchterliche Ereignis die Schuld. Der beliebte Mann mit den überirdischen Kräften zieht sich daraufhin vollkommen zurück und bemüht sogar die Hilfe eines Priesters, mit dem er über eine verheerende Sünde spricht. Ein Jahr ist es nun her, seit eine ganze Bevölkerungsschicht wie vom Erdboden verschluckt ins Jenseits befördert wurde, und immer noch stellen sich für den stählernen Helden viele Fragen, primär die Frage nach dem Warum.

In mehreren Rückblicken erinnert er sich an kriegerische Auseinandersetzungen und Kämpfe mit einem seltsamen Wesen namens Equus, einem Monster, dessen wahre Identität selbst den furchtlosen Superman in Schock versetzt. Gleichzeitig erzählt er dem Pater von seinen Bedenken und den daraus resultierenden Selbstzweifeln, bis sich die Lage dann für beide Parteien immer mehr zuspitzt. Ist Superman tatsächlich für das Verschwinden von Millionen Menschen verantwortlich? Was ist in der Vergangenheit wirklich geschehen? Und welche Rolle spielt die Justice League, die sich in dieser kritischen Zeit gegen den blau-roten Helden stellt? Superman steht vor seinem vielleicht schwerwiegendsten Kampf überhaupt.

_Meine Meinung_

Der erste Band von „Die Rückkehr“ beginnt bereits relativ vielversprechend. Nachdem Autor und Zeichner in einem Vorwort ihre Ambitionen verdeutlicht haben, steigt die Geschichte mit sehr schönen Hochglanz-Illustrationen ziemlich rasant ein und zeigt den bekannten Actionhelden von einer überraschend nachdenklichen Seite. Superman hat viel von seiner heroischen Ausstrahlung einbüßen müssen und wirkt fast zerbrechlich, wenn er mit dem sehr ruhigen Priester kommuniziert. Ihm liegt eine Last im Genick, der er alleine nicht mehr Herr werden kann, und so holt sich ausgerechnet der unbesiegbare Superman Unterstützung bei einem Geistlichen.

Doch die Angelegenheiten, die in diesem Gespräch erörtert werden, bringen das Gemüt des Superhelden kaum wieder in Wallung; man blickt gemeinsam zurück auf die Zeit des Krieges, der durch Manipulation ein vorläufiges Ende genommen hat. Erste Zweifel werden wach, und je mehr sich Superman an die Details erinnert, desto deutlicher wird auch wieder die Erinnerung an eine bestimmte Maschine, die er mit den rätselhaften Ereignissen in Verbindung bringt – bis ihm dann das tatsächliche Ausmaß der Katastrophe ein weiteres Mal vor Augen geführt wird.

Ich will nun gar nicht an den Qualitäten eines Brian Azzarello zweifeln, aber die Storyline für diesen Comic ist jetzt nicht gerade berauschend. Erst einmal wird der Autor dem Heldencharakter des Superman in keiner Weise gerecht. Die zurückgezogene Darstellung des Hauptdarstellers will auch gar nicht so richtig zu ihm passen und schadet auch dem Wert der Identifikationsfigur, die Superman ausgehend von diesem Comic auch nicht sein kann. Er ist ein schwacher Held, überall unbeliebt und sehr stark mit sich selbst, nicht aber mit dem Leid anderer Leute beschäftigt.

Damit einher geht, dass die Geschichte nur eher schleppend voranschreitet. Ob es nun am Mangel an Action oder am komplexeren Aufbau der Serie liegt, irgendwie kommt Azzarello nicht so richtig in die Gänge und verkompliziert den Plot zusätzlich auch noch durch zahlreiche Einsprengsel aus der storybezogenen Vergangenheit. „Die Rückkehr 1“ hat bisweilen mehr von einer melancholischen Erzählung als von der Story eines Actionstars an sich und lässt somit auch die meisten Versuche, einen annehmbaren Spannungsbogen zu kreieren, im Sande verlaufen.

Natürlich will man zum Schluss wissen, welche Pläne Superman hat und wie weit er „Für das Morgen“ gehen wird, aber weil sich innerhalb des Buchs so viele unzureichend beantwortete Fragen auftun und man sich über die einzelnen Flashbacks an zu vielen Nebenschauplätzen aufhält, statt die Handlung mal adäquat voranzutreiben, ist das Interesse an der Geschichte nur noch der Vollständigkeit halber geblieben. Eine wirklich innovative Idee, geschweige denn eine allzu fortschrittliche Story bietet dieser neue Superman-Sammelband jedenfalls nicht. Und auch wenn der zweite Band logisch betrachtet mehr Action aufbieten müsste als der behäbige erste Comic, kann ich mir schwer vorstellen, dass die Handlung noch mal richtig Fahrt aufnehmen wird.

Superman funktioniert also doch nur, wenn er seine Körperkräfte gegen einige widrige Monster einsetzen darf; ist seine Rolle aber nicht die einer Identifikationsfigur, so wie in diesem Band, fällt es unheimlich schwer, mit dem von Lee sehr detailgetreu gezeichneten Helden zu sympathisieren und ihn auch als gebeuteltes Vorbild zu akzeptieren. Klar, es ist sicherlich einen Versuch wert gewesen, mal näher in die Psyche des Protagonisten zu schauen und ihn in Phasen zu betrachten, in denen sein Seelenleben stark angeschlagen ist, aber dann wäre es auch wünschenswert gewesen, wenn die Story dann doch irgendwann mal Fahrt aufgenommen hätte. So hingegen ist es ein interessantes Projekt, dessen magere Umsetzung weder dem Charakter des (Anti?-)Helden noch dem Ruf des Autors gerecht wird. Lediglich die beiden Zeichner agieren in „Superman – Die Rückkehr 1“ auf gewohnt hohem Niveau.

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Verdini, Tony / Mutti, Luigi / Quesada J. / Middleton, J. / Teranishi, R. – NYX (100 % Marvel 22)

Kiden Nixon ist ein ziemlich schwieriger Teenager. Das junge Mädchen ist mangels richtiger Erziehung schon relativ früh auf die schiefe Bahn geraten und experimentiert auch schon seit einiger Zeit mit Drogen herum. Vor allem der Tod ihres Vaters, der in einem Kugelhagel von Gangstern ermordet wurde, hat ihr zu Schaffen gemacht und diese Entwicklung begünstigt. Andererseits ist der frechen Göre so ziemlich alles gleichgültig. So hat sie nicht nur eine lockere Zunge, sondern ist auch nie abgeneigt, wenn es darum geht, Mitschüler zu provozieren.

In einer der jüngsten Fehden kommt es dabei zu einer wüsten Prügelei mit dem Ghetto-Jungen Hector, der bei nächster Gelegenheit eine Waffe zieht und damit auf Kiden zielt. Wie durch ein Wunder kann Kiden noch ausweichen, und die Kugel trifft ihre Lehrerin. Doch das Mädchen begreift, dass dieses Wunder eigentlich eine ganz andere Ursache hat; Kiden wird sich bewusst, dass sie über ganz besondere Kräfte verfügen muss und taucht auch sofort nach dieser beinahe tödlichen Auseinandersetzung unter, um diese ungeahnten Mächte in sich selber zu erforschen.

Ruhe findet Kiden aber nicht, denn plötzlich taucht der Geist ihres verstorbenen Vaters auf und fordert sie dazu auf, ihre Lehrerin aufzusuchen und zu ihm zu bringen. Diese wiederum ist nicht begeistert, das geflohene Mädchen wiederzusehen, lässt sich aber dennoch auf ein erstes Friedensangebot ein. Kiden erzählt ihr daraufhin von ihren verborgenen Kräften und der Vermutung, eine Mutantin zu sein. Doch ihre mittlerweile sehr melancholische Lehrerin glaubt ihr nicht, zumal die Vorstellung auch recht merkwürdig ist. Dann aber gerät das Leben der beiden ein weiteres Mal aus den Fugen, und bevor sie sich versehen, zeigt ihnen die Realität ein Bild ihrer selbst, von dem sie vor wenigen Tagen noch nicht mal zu träumen gewagt hätten …

_Meine Meinung_

Teil 22 der „100% Marvel“-Reihe spielt ein wenig abseits des gewöhnlichen Marvel-Universums und präsentiert auch keine der bekannten Charaktere innerhalb der Handlung. „NYX“, eine abgeschlossene Serie, die hier mit allen sieben Episoden komplett aufgefahren wird, wirft stattdessen einige sozialkritische Themen auf und beschäftigt sich mit dem Leben in den New Yorker Ghettos und dem Umfeld in dieser Region. Natürlich treiben sich hier allerhand finstere Gestalten herum, allerdings ist auch die eigentliche (Anti-)Heldin in dieser Umgebung aufgewachsen und mitten in das Zwielicht aus Drogen und High-School-Bandenkriegen geraten, das ihre Entwicklung maßgeblich geprägt hat. Der Mord an ihrem Vater hat ihr schließlich den Rest gegeben und ihr gleichzeitig jegliche Hoffnung auf eine friedliche Zukunft genommen.

Kiden ist immer mehr vom rechten Kurs abgekommen, legt sich grundsätzlich mit jedem an und wird wegen ihres rebellischen Charakters zum gemiedenen Außenseiter. Selbst in ihrer Familie findet sie keinen richtigen Anschluss mehr, nicht zuletzt weil sie den neuen Freund ihrer Mutter nicht respektiert und akzeptiert. Ihr Leben steht auf der Kippe und scheint auch plötzlich ausgelöscht, als Kiden einer tödlichen Kugel ausweichen kann und diesen Moment wie in Zeitlupe an sich vorbeiziehen sieht.

Da entdeckt sie ihre geheimen Kräfte, entdeckt, dass Dinge in ihr stecken, mit denen sie ihr
Schicksal positiv beeinflussen und vielleicht doch noch auf ihrem tristen, vorbestimmten Lebensweg etwas bewegen kann. Doch Kiden gerät auch weiterhin von einer Verlegenheit in die nächste, zieht Probleme magisch an und stürzt auch ihre bereits gebeutelte Lehrerin in das nächste Chaos – und das ist dieses Mal tatsächlich tödlich.

Eins vorweg: Keiner der hier vorgestellten Charaktere kann auch nur im Geringsten mit den ‚richtigen‘ Helden des Marvel-Universums mithalten, und deswegen finde ich es auch ziemlich unglücklich, die Serie innerhalb der „100 % Marvel“-Reihe zu bringen, denn an diese hat der geneigte Leser doch ganz andere Erwartungen. Dabei ist der Comic gar nicht mal so schlecht und aufgrund der vielen Szenenwechsel partiell auch ziemlich komplex, lässt es andererseits aber auch ein wenig an Flair vermissen. Die Atmosphäre ist nämlich weder richtig düster noch wirklich beklemmend, zur gleichen Zeit aber auch weit davon entfernt, euphorisch zu werden. „NYX“ liegt stimmungstechnisch irgendwo dazwischen und kommt deswegen auch irgendwie nie so richtig in Fahrt. Zudem sind die Sub-Plots auch nicht wirklich gut ausgereift und wirken streckenweise wie ein Klotz am Bein der Geschichte. Zar fügt sich zum Ende hin alles logisch zusammen, aber da die Spannung eigentlich immer nur in der direkten Nähe der Hauptfigur Kiden präsent ist, wären Nebenschauplätze wie die Geschichte von Bobby Soul und seinem kranken kleinen Bruder nicht wirklich nötig gewesen – es sei denn, dem Autor ist es ausschließlich darum gegangen, das miese Leben im Ghetto näher zu beleuchten.

Schade finde ich auch, dass Kiden als Mutantin nie so richtig ins Spiel kommt. Ihre Kräfte werden offenbar, aber sie setzt sie nicht immer in den richtigen Momenten (wenn denn überhaupt mal) ein. Zusammenhänge zu den „X-Men“ erfordern aus diesem Grunde auch eine größere Fantasie, selbst wenn der Name der beliebten Mutantentruppe auf dem Cover prangt. Verwandtschaften sind jedenfalls ausgeschlossen …

Nun, schlecht ist „NYX“ nun auch nicht, immerhin ist die Handlung zu keiner Zeit vorhersehbar, und auch das Mindestmaß an Spannung wird erreicht. Aber mit dem Hintergrund, in dieser Reihe schon weitaus bessere Comics gelesen zu haben, kann ich Band 22 trotzdem nur bedingt weiterempfehlen.

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