Archiv der Kategorie: Comics / Graphic Novels

You Higuri – Gorgeous Carat – Der Reiz der Finsternis (1)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts ist in Paris nichts mehr so, wie es einmal war. Der Glanz der vergangenen Tage ist längst verschwunden, und vor allem die Adelshäuser müssen naturgemäß unter dem Fall der Aristokratie leiden. Von diesem Schicksal ist auch die ehemals wohlhabende und einflussreiche Familie Rochefort geplagt. Die Madame besteht aber dennoch darauf, den bekannten Lebensstatus und den damit verbundenen Luxus beizubehalten und ist nicht bereit, das wohlbehütete Familienjuwel herauszugeben, um durch den Verkauf wieder an Geld zu kommen. Ebenso verneint sie den Wunsch ihres Sohnes, der wie ein Mann aus der bürgerlichen Gesellschaft arbeiten möchte.

Auf einem Fest im eigenen Hause des Adelsgeschlechts taucht eines Tages der berüchtigte Pfandleiher Ray Balzac Courlande auf und bietet Madame Rochefort einen recht zweifelhaften Tausch an: einen Kredit gegen ihren Sohn Floréan. Und obwohl sie sich gegen diesen Gedanken wehrt, hat sie am Ende doch keine Chance, denn als Alternative zu Floréan akzeptiert er nur noch den Familienschatz, „Die Flamme von Mougale“, ein 120-Karat-Juwel, das die Dame auf keinen Fall herausgeben möchte.

Der Graf Courlande nimmt Floréan schließlich mit und versucht aus ihm den Aufeinthaltsort des Diamanten herauszupressen. Kurze Zeit später wird Floréans Mutter nach einem Anschlag auf ihr Haus tot aufgefunden; weil auch das Schmuckstück verschwunden ist, gibt man dem abwesenden Sohn die Schuld. Maurice, sein Onkel, versteckt ihn in seinem Haus, doch schon bald wird klar, dass er ganz andere Absichten verfolgt. Aber auch sein neuer Herr gibt ihm zunehmend Rätsel auf; der stolze Ray verbirgt einige mysteriöse Geheimnisse, treibt sich mit seltsamen Leuten herum und hat nur eines im Sinn: den jungen Floréan ganz und gar zu besitzen.

Mein Eindruck

You Higuri genießt in Insiderkreisen einen sehr guten Ruf, den sie auch mit dem Beginn ihrer aktuellen Reihe „Gorgeous Carat“ bestätigen kann. Die Geschichte aus dem Frankreich des späten 19. Jahrhunderts ist zwar im Prinzip sehr simpel aufgebaut, besticht aber durch eine kluge Inszenierung, die auch an Wendepunkten nicht geizt. Faszinierend dargestellt ist dabei die Figur das Grafen Courlande. Der Mann ist ein einziges Mysterium, dessen Motive zwar ansatzweise erkennbar, aber dennoch nicht ganz klar sind.

Hugori lässt den Leser noch im Dunkeln, ob Ray nun die gute oder doch die böse Seite charakterisiert – für beide Seiten gibt es Anhaltspunkte, aber keine klaren Indizien. Eindeutig ist letztlich nur sein Interesse an Floréan, desen Beziehung zu Courlande nach der anfänglichen Folterung durch seinen neuen Herren stetig besser wird, weshalb er sich nach einiger Zeit auch ein wenig heimisch fühlt.

Floréan entwickelt sich hingegen im Laufe der Geschichte immer mehr aus der Opferrolle heraus und gewinnt auch zunehmend an Selbstbewusstsein. Er hat eine Ahnung vom speziellen Interesse Courlandes, und dies spielt er dann auch im Auftreten gegenüber seinem Besitzer aus. Andererseits steht Floréan aber auch für Ray ein und entwickelt eine innere Verbundenheit, deren Ausmaße sich zum Ende des Buches zeigen.

Eine zunächst noch unscheinbare Rolle spielt die dunkelhäutige Laila, die sehr großes Interesse an Ray hat und in Floréan einen Widersacher sieht, der ihr auch die letzte noch vorhandene Aufmerksamkeit des mysteriösen Grafen nimmt. Bei Floréans Abwesenheit erkennt sie schließlich ihre Chance, um Ray ihre Zuneigung zu zeigen.

Der vierteilige Band ist in einzelne Sub-Plots unterteilt, die jedoch allesamt aufeinander aufbauen und jedes Mal ein wenig mehr über die Hauptfiguren preisgeben.

Die düstere Atmosphäre, die sich dabei durch die Geschichte zaubert, ist allerdings auch ziemlich atemberaubend. Angefangen bei der erhabenen Erscheinung von Ray Balzac Courlande über die verschiedenen Verschwörungen und Verstrickungen, zu denen die Autorin hier noch nicht allzu viel verrät, bis hin zu den insgesamt auch sehr dunklen Zeichnungen ergibt sich bei „Gorgeous Carat“ ein fast schon beklemmendes Bild, das durch die kühle Art der Hauptfigur Courlande noch einmal verstärkt wird.

Und obwohl der Plot jetzt nicht sonderlich komplex erscheint, so verbirgt sich doch ein gewisser Anspruch hinter diesem ersten Band, dessen Tiefgang sich jedoch erst mit dem Ende so richtig zeigt und der in uns schließlich auch das Verlangen auslöst, mehr über den mysteriösen Dieb Noir, Floréan, Laila und natürlich den Grafen Courlande in Erfahrung zu bringen.

Bis dahin bleibt eigentlich nur zu sagen, dass die Autorin ihrem fabelhaften Ruf wieder einmal gerecht geworden ist und „Gorgeous Carat“ eine weitere vielversprechende Serie zu werden scheint.

Chrono, Nanae – Peace Maker Kurogane 03

[Buch 1 1888
[Buch 2 1940
[DVD]http://www.powermetal.de/video/review-584.html

_Story:_

Nach dem Yamanami aufgrund seines Verrats an der Shinsengumi Seppuku begehen musste, trauern einzelne Mitglieder der Samurai-Schutztruppe um den verstorbenen weisen Mann. Außerdem sind die genauen Umstände seines Todes nicht bekannt, doch noch weiß man nicht, was in der Vergangenheit mit Yamanami geschehen ist. Als seine heimliche Geliebte Akesato von seinem Tod erfährt, beschließt sie, ebenfalls in das Reich der Finsternis einzutauchen und Yamanami dort wiederzutreffen.

Derweil bezieht die Shinsengumi ein neues Hauptquartier, wobei der Umzug allerdings mit großen Sorgen verbunden ist. Der Krankenstand innerhalb der Schutztruppe ist bedenklich hoch; ungefähr ein Drittel ist davon betroffen. Das ruft den berühmten Arzt Dr. Matsumoto auf den Plan, der sich vor Ort ein Bild macht und die Kranken untersucht. Während er bei einem Mitglied eine tödliche Diagnose stellt, interessiert sich sein junger Kollege für das plötzliche Dahinscheiden von Yamanami …

Tetsu hingegen wird wieder von seiner Vergangenheit eingeholt. Während einer überraschenden Begegnung mit einem scheinbaren Riesen, der sich später als sein alter Freund Suzu entpuppt, spürt er, mit welchem Hass dieser geladen ist. Tetsu stellt ihn zur Rede und erfährt dabei, was sein neuer Kontrahent in der letzten Zeit getrieben hat und dass Suzu vor nichts mehr zurückzuschrecken scheint. Tetsus Bruder Tatsu hingegen stößt überraschenderweise wieder auf den geheimnisvollen Ryoma Sakamoto. Dieser zeigt ihm seine Pistole, auf die Tatsu im Folgenden ganz versessen ist. Der coole Sakamoto will ihm seine Waffe jedoch nicht überlassen – unter anderem, weil er befürchtet, dass sich der Lauf der Pistole eines Tages auf die eigenen Leute richtet, und damit auf Tatsus kleinen Bruder.

Und am Ende ist da noch Kashitaro Ito, der hinterrücks eine Intrige spinnt, um seinen Einfluss innerhalb der Shinsengumi zu steigern und schließlich selber an die Macht zu kommen …

_Meine Meinung_

Das Abenteuer geht weiter und wird im dritten Band wieder um einiges düsterer. Nach dem etwas leichter verständlichen zweiten Band wird die Handlung im dritten Manga nun wieder ziemlich komplex, weil hier erneut sehr viele Sub-Plots abgehandelt werden. Parallel zu den neuen Geheimnissen um Suzu, Sakamoto und den seltsamen Arzt bleiben die alten Mysterien jedoch bestehen. Warum musste Yamanami sterben? Welche Geheimnisse barg seine Vergangenheit, so dass er sich gezwungen sah, aus der Shinsengumi auszutreten? Und was ist mit Akesato geschehen, die nach ihrem Todesschwur nicht mehr gesehen wurde? Wie entwickelt sich die Geschichte von Tetsunosuke zu seinem Bruder bzw. zu Suzu? Wer genau verbirgt sich hinter der Person des Ryamo Sakamoto? Und was wird aus der tödlich erkrankten Soji Okita?

Nanae Chrono hat mal wieder einige Rätsel aufgeworfen und spannt den Bogen dieses Mal sehr weit – manchmal vielleicht sogar ein wenig zu weit. Bislang ist nämlich noch keine Handlungseinheit so richtig abgeschlossen worden, und es fällt immer schwerer, dem umfangreichen Plot noch zu folgen. Es geschehen in kürzester Zeit enorm viele Dinge, und manchmal ist es auch erforderlich, bestimmte Passagen ein zweites Mal durchzublättern, um ein besseres Verständnis der jeweiligen Situation zu erreichen. Es erfordert also schon eine gewisse Übung, diese Reihe zu bewältigen und die durchaus vorhandene Logik zu durchschauen. Aber – und da bleibe ich bei meinem bestehenden Fazit zum letzten Buch – sobald man sich einmal in die Geschichte der Shinsengumi hineingearbeitet hat, lohnt sich diese Reihe voll und ganz, zumal die Zeichnungen dieses Mal auch wieder sehr gut geworden sind.

Wer sich für „Peace Maker Kurogane“ interessiert, sollte übrigens auch mal die Verlagsseite von [Tokyopop]http://www.tokyopop.de ansurfen; hier findet man alle weiteren Infos.

Higuri, You – Mondkönig, Der (Ludwig II., Band 1)

Ludwig II. von Bayern – Über den Wolken kreisend wie ein Adler, der abgewandt von prosaischer Realität majestätisch seine Schwingen erhebt, und mit seinem Anmut dem Ideal der Freiheit in jeder Bewegung huldigt. Es ist die Bürde seines Schicksals und die Last seiner Geburt, dem bayerischen Volk gerecht zu werden und um ihres Wohles willen das Land zu regieren. So ruht alle Entscheidungsgewalt auf seinen Schultern. Doch Ludwig II. ist ein Gefangener im goldenen Käfig seiner politischen Macht und der Wirklichkeit des Krieges. Der „Märchenkönig“ lebt für die Oper Wagners und sehnt sich nach der Gesellschaft seiner älteren Cousine Elizabeth, Kaiserin von Österreich. Sie ist es, die einen Weg in die Traumwelt des Königs findet und sein Leid teilt. Allerdings kann auch sie ihn nicht vor der Gefahr wahren, die außerhalb der Grenzen seines Landes und innerhalb der Wände seines Schlosses auf ihn lauern. Bismarcks preußische Vorgehensweise mit „Eisen und Blut“ strebt die Institutionalisierung eines deutschen Großreiches an. Aus Loyalität zu seiner geschätzten österreichischen Verwandten und als Protest gegen den Militärstaat muss sich Ludwig dieser Konfrontation stellen. Gleichzeitig wächst der Unmut inmitten der verarmten Bevölkerung über die kostspieligen Eskapaden und Skurrilitäten des Königs. Ein enormes Vermögen investiert der Liebhaber des Schönen und Herrlichen in die Errichtung von architektonischen Meisterwerken und die Förderung der musikalischen Künste Wagners. So unvergleichlich die Oper eines der größten Komponisten sein mag, wie sehr das Schloss Neuschwanstein als imposantes Manifest monarchischer Herrschaft anrührt – ein Volk, das dem Tod näher als dem Leben ist und dessen Oberhaupt geringes Interesse an ihrem Grund und Boden zeigt, sieht in solchen Werken lediglich die vergebene Möglichkeit, den Hunger Vieler zu stillen. Doch nicht nur das scheinbar machtlose Volk äußert Missfallen an dem königlichen Verhalten, auch die elitäre, konservative Beamtenschaft formuliert Kritik an der Regierungsweise und kann auf Dauer einen solchen König nicht hinnehmen.

Dies alles liegt fernab der Wahrnehmung des Königs. Zwar beweist Ludwig entgegen seiner Natur durchaus strategisches Geschick und scharfsinnigen Verstand, doch seine Seele erblüht lediglich in Gegenwart seines Begleiters Hornig. Als Ludwig den gutherzigen Jungen beim Diebstahl erwischt, nutzt er diese Situation kaltblütig aus. Ohne Rücksicht auf Recht und Gefühle stillt Ludwig sein Verlangen an dem außerordentlich attraktiven Mann und befriedigt seine unbändige Leidenschaft. Entgegen jeder Erwartung erduldet Hornig zunächst nur aus Schuld- und Pflichtgefühl gegenüber seinem Herrscher dieses Verhalten Ludwigs. Mit verführerischer Laszivität und emotionaler Hingabe gewinnt der bayrische Herrscher schließlich das Herz des jungen Mannes. Weder die Öffentlichkeit noch Hornigs proletarischer Zwillingsbruder könnten eine solche Verbindung akzeptieren. Folglich überwindet sich Ludwig zu einer Heirat mit der Herzogin Sophie Charlotte, ihres Zeichens eine Verwandte Elizabeths von Österreich. Diese hat ihr Herz schon seit einer Ewigkeit an den glamourösen Herrscher Bayerns verloren und akzeptiert blind vor Glück diese Verbindung. Das kühle und reservierte Verhalten Ludwigs rufen in ihr mehr und mehr Zweifel an der Aufrichtigkeit seiner Gefühle hervor und dieses Misstrauen findet Bestätigung, als sie ihren Geliebten in der Gegenwart seines Begleiters beobachtet. Glühender Hass weicht im Herzen der Herzogin schon bald aufrichtigem Mitleid für das unglückselige Schicksal Ludwigs, der nie Erfüllung in seinem Schicksal erfahren wird. Nachdem die Verlobung aufgekündigt ist, scheinen sich die Ereignisse zunächst dem Guten zuzuwenden. Elisabeth besucht ihren „kleinen“ Cousin und gemeinsam hängen sie ihrem Traum von Freiheit nach. Doch die idyllische Ruhe wird von mehreren Attentaten auf die Kaiserin beeinträchtigt und empfindlich gestört. Als die Ereignisse vor ihrer Aufklärung stehen, werden düstere Geheimnisse enthüllt und provozieren Konflikte.

Dieser historische Manga ist geprägt von geschichtlicher Genauigkeit in Kombination mit einer fesselnden emotionalen Komponente. In erster Linie steht die private Person Ludwig II. im Vordergrund und weniger der politische Akteur. Die Mischung von Fakt und Fantasie entfernt den Staub von den Geschichtsbüchern und weckt das Interesse, diese Epoche genauer zu beleuchten. Abschließend muss ausdrücklich erwähnt werden, dass es auch zur expliziten Darstellung der Shonen-Ai-Beziehung zwischen Ludwig und seinem Begleiter kommt, an dem sich weniger liberale Geister stoßen könnten. Ansonsten lässt sich abschließend nur ausdrücklich eine Empfehlung für dieses Werk aussprechen. Wer Angst hat, wegen Suchtgefahr sein Vermögen in eine endlose Serie zu investieren, dem sei gesagt, dass bereits nach dem dritten Band der Vorhang für Ludwig II. fällt.

© _Stefanie Borgmann_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.X-Zine.de/ veröffentlicht.|

François Marcela Froideval & Cyril Pontet – Von Winden, Jade und Kohle (Die Chroniken des schwarzen Mondes, Band 7)

Band 1: Das Zeichen der Schatten
Band 2: Der Flug des Drachen
Band 3: Das Zeichen der Dämonen
Band 4: Die Stunde der Schlange
Band 5: Scharlachroter Tanz
Band 6: Die Krone des Schattens

Als Baron von Moork und Horkher ist Wismerhill endgültig an der Spitze der Macht angekommen, möchte seinen Status allerdings noch weiter ausbauen. Sein Bestreben nach mehr Macht und Reichtum erfüllt er sich schließlich, nachdem er im Palast des Methraton eine Audienz hatte, in der er sich einen neuen mächtigen Verbündeten hat machen können. Nach einigen Zweifeln nimmt er auch die Prüfung zum Priester des schwarzen Mondes an und darf sich nach harter Ausbildung mit diesem Titel schmücken.

François Marcela Froideval & Cyril Pontet – Von Winden, Jade und Kohle (Die Chroniken des schwarzen Mondes, Band 7) weiterlesen

Nullinger, Josef / Stock, Birgit & Rainer – Biercomic, Der (auf boarisch)

Josef Nullinger ist ein echtes bayrisches Original und auf regionaler Ebene ein bekannter und geliebter Entertainer. Manche mögen den Herren sicher schon von seiner Arbeit als „Studiotechniker“ beim Radiosender Antenne Bayern her kennen, sollte dies nicht der Fall sein, gibt es weitere Infos zum Gaudi-Garanten und Pseudonym von Mike Hager unter http://www.nullinger.de.

Mike Hager ist Jahrgang 1974 und in Passau geboren. Er lebt und arbeitet seit zehn Jahren in München, wo er seit seiner Studienzeit als freier Autor, Comedian und Moderator für verschiedene Radio- und Fernsehsender tätig ist. Seit über sechs Jahren arbeitet er im Radiobereich hauptsächlich für Antenne Bayern, wo man ihn in erster Linie in der Rolle des von ihm erdachten „Studiotechnikers Josef Nullinger“ hören kann.

Eines von Hagers bzw. Nullingers letzten Projekten war die Übersetzung des „Biercomics“. Unter seinem Künstlernamen hat der Radiomoderator die Geschichte, die im Original von Birgit und Rainer Stock stammt, ins Bayrische übersetzt und dabei wirklich ganze Arbeit geleistet. Im direkten Vergleich zur Original-Variante (die Rezension gibt es [hier]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=1848&letter=B nachzulesen) habe ich ungefähr doppelt so lange gebraucht, um die Mundart-Geschichte zu verstehen, und das, obwohl ich den Inhalt ja schon kannte. Es ist halt nun mal so, dass man die bayrische Sprache reichlich schwer verstehen kann, dies aber mit ein wenig Konzentzration und Mühe zu bewältigen ist. Das Ganze dann aber auch noch zu lesen, ist wirklich eine Sisyphosarbeit, bei der der gewöhnliche Hochdeutsche nicht umsonst eine Menge Probleme hat – und genau das war in diesem (meinem) Falle auch die große Schwierigkeit. Nullinger greift ganz tief in die Slang-Kiste der Weißwurst-Republik und verleiht der Geschichte damit schließlich auch das letzte bisschen Authentizität. Und genau aus diesem Grund würde ich die ‚boarische‘ Version im Endeffekt auch vorziehen, denn wenn man mal ganz ehrlich ist, macht es trotz der großen Anstrengung viel mehr Spaß, den Mönch und den Gaukler in dieser ‚Fremdsprache‘ fluchen zu hören – denn das und nichts anderes ist das Original!

Nullingers Humor setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf. Auch das ist typisch bayrisch, furztrocken und eine Garantie für ordentliches Lachmuskeltraining. Und selbst, wenn man es nicht vollständig versteht, reicht es schon fast aus, die Illustrationen anzuschauen oder einfach nur einen Blick auf die schwer zu entziffernden Sprechblasen zu werfen, auch das macht Spaß.

Ja, dieser „Biercomic“ ist eine echte Wonne, und selbst wenn man die normal-deutsche Version schon besitzt, so ist es dennoch die Gaudi wert, auch das übersetzte Heft in der Originalsprache zu erwerben. Viel Spaß und Prost!

Miller, Frank – Sin City 3: Das große Sterben

|Shelley versucht, cool zu bleiben. Draußen steht ihr Ex-Freund Jack. Er ist betrunken und hämmert gegen die Tür. Hoffentlich verschwindet er wieder. Reinlassen kann sie ihn nicht. Schließlich ist ihr neuer Lover Dwight hier, das gäbe eine Katastrophe. Man ahnt: Mit „Das große Sterben“ erwartet uns eine rasante Achterbahnfahrt durch die Abgründe von Sin City. Frank Millers dunkler Traum geht weiter.|

Shelley stehen Schweißperlen auf der Stirn. Die Barfrau weiß nicht so recht, was sie tun soll. Sich auf Jack einzulassen, war ein Fehler. Plötzlich steht er in ihrer Küche, begleitet von vier Kumpanen, die den Kühlschrank durchstöbern. Die Situation wird brenzlig. Jack fackelt normalerweise nicht lange, wenn er etwas will. Als Jackie-Boy zum Pinkeln geht, reißt Dwight der Geduldsfaden. Shelleys neuer Lover ist ein durchtrainierter Detektiv und nimmt die Dinge gerne selbst in die Hand.

Kaum hat Jack seine Hose geöffnet, packt Dwight den Macho, bedroht ihn mit einem Rasiermesser und macht ihm klar, dass er Shelley in Ruhe lassen soll. Er drückt Jack auf Tauchstation in die Kloschüssel. Bevor der jähzornige Ex untertaucht, stößt er eine Warnung aus: „Du machst einen Fehler, Mann, einen großen Fehler!“ Dwight wird eine ganze Weile brauchen, um dahinter zu kommen, was Jack gemeint hat. Da ist es allerdings bereits zu spät. Die Karre muss erst gründlich gegen die Wand gefahren werden, damit die Geschichte richtig losgeht. Oder gehören das Vorspiel und der harte Aufprall schon dazu?

Die Luxus-Ausgabe von Frank Millers Meisterwerk „Sin City“ ist ihr Geld wert. Hardcover, dickes Papier, guter Druck – da schlägt das Herz des Comicfreundes höher. Lediglich am Textlektorat könnte noch gefeilt werden, denn hin und wieder schleichen sich Fehler im Lettering ein. Wie schon in den vorherigen Bänden würzt der Herausgeber |Cross Cult| die Lektüre mit einigen Extras. So finden sich bei der dritten Ausgabe eine Bildergalerie am Anfang und am Ende des Bandes.

Frank Miller peitscht die Handlung voran wie ein irrsinniger Fuhrknecht. Wie Filmstreifen ziehen die schwarzweißen Bilderfolgen am Auge des Lesers vorbei. Vulgär und blutrünstig geht es zur Sache. Millers Visionen einer überzeichneten Großstadt, durchsetzt von übersteigerter Gewalt, machen „Das große Sterben“ zu einem wahrhaften Adrenalinschub. Da ist es zu verzeihen, dass die Charaktere manchmal etwas zweidimensional und stereotyp wirken. Noch hat die Freiwillige Selbstkontrolle die deutsche Comicindustrie nicht in hohem Maße erfasst. Wenn es einmal so weit kommt, müsste der Verlag für das Cover von Sin City ein Etikett entwerfen. For adults only oder Explicit comic kämen in Frage.

http://www.cross-cult.de/

Chrono, Nanae – Peace Maker Kurogane 02

Die Geschichte von Tetsunosuke, dem Burschen der Shinsengumi-Spezialeinheit, geht im zweiten Band von „Peace Maker Kurogane“ weiter und gewinnt in diesem merklich an Erzähltempo. Nachdem [Buch 1 1888 der Nachfolgereihe zu „Peace Maker“ noch sehr komplex aufgebaut war und sich hauptsächlich mit der Einführung der verschiedenen Charaktere auseinandersetzte, wird Autorin Nanae Chrono hier schon konkreter und widmet sich hauptsächlich einem Teil des Handlungsstrangs – nämlich der Geschichte des besonnenen Vize-Kommandeurs der Shinsengumi, Keisuke Yamanami.

_Story_

Im Lager der Shinsengumi herrscht Aufruhr; neue Mitglieder sind der Samurai-Schutztruppe beigetreten, und nicht jeder ist frei von Skepsis, als die frischen Leute sich vorstellen. Ganz besonders diejenige Person, die sich unter dem Namen Kashitaro Ito vorstellt, ist Teilen der Truppe nicht ganz geheuer.

Währenddessen erinnert sich Yamanami an seine finstere Vergangenheit und beschließt, endlich „raus“ zu kommen, sich von der Dienerschaft bei der Shinsengumi zu befreien und ein normales, friedliches Leben zu führen – nach Möglichkeit mit seiner heimlichen Liebe, der jungen Akesato. Doch natürlich kann der Vize-Kommandeur sich nicht so einfach aus dem Staub machen. Sofort nach seinem Verschwinden lässt die Shinsengumi nach ihm suchen und legt für den Deserteur auch den Seppuku als Strafe fest, einen rituellen Selbstmord, bei dem sich das Opfer selber die Bauchhöhle öffnen muss. Yamanami ist sich der Tatsache bewusst, dass er so oder so sterben muss – entweder wegen seiner Vergangenheit oder aber wegen seiner Flucht. Als er schließlich aufgespürt wird, stellt er sich seinem Schicksal …

Nanae Chrono weicht in diesem Band ein wenig von der eigentlichen Hauptfigur des Tetsunosuke ab und konzentriert sich hauptsächlich auf die Entwicklungen in der Schutztruppe der Shinsengumi, was dem Leser aber auch dabei hilft, sich noch mehr mit den einzelnen bedeutsamen Figuren innerhalb der Shinsengumi vertraut zu machen – genau das war ja beim ersten Band noch deutlich erschwert worden. Natürlich lässt sie aber die Nebenschauplätze (so zum Beispiel die Intrige von Suzu) nicht außer Acht, schneidet sie allerdings nur kurz an, um sich später ganz und gar auf das Leben des Vize-Kommandeurs Yamanami und dessen merkwürdige Vergangenheit zu beschränken. Das alleine reicht aber schon, um die Geschichte enorm weit nach vorne zu bringen, schließlich steht die Zeit an anderen Orten nicht still. So schwenkt Chrono zwischendurch auch ins Lager der Shinsengumi zurück, wirft zwischendurch auch mal einen Blick auf Tetsu und erörtert auch ständig die Zusammenhänge im Bezug auf Yamanami.

So hat der Wandel hinsichtlich der Entwicklung des Vize-Kommandeurs auch weit reichenden Einfluss auf das übrige Geschehen, jedoch kann man sich dessen Tragweite erst mit dem Folgeband bewusst machen, weil mit dem Tod von Yamanami Buch numero zwo abrupt endet. Allerdings hat man bis dahin wieder so viele Denkanstöße sammeln können, um sich selber die verschiedensten Visionen über den fortschreitenden Plot ausmalen zu können, dass man erst einmal eine Weile damit beschäftigt ist, die Dinge zu ordnen. Und trotzdem: Der Drang, unbedingt wissen zu wollen, wie das Ganze jetzt weitergeht, ist unheimlich groß. Ergo hat Nanae Chrono spätestens jetzt ihr Ziel erreicht und den Leser endgültig an „Peace Maker Kurogane“ gefesselt. Für mich ist die Serie bereits eine der vielversprechendsten ihrer Zunft, und ich kann jedem Manga-Fanatiker nur allerwärmstens empfehlen, hier neu einzusteigen. Und jetzt warte ich brennend auf den nächsten Band …

http://www.tokyopop.de/

|Siehe auch die [Rezension]http://www.powermetal.de/video/review-584.html zur ersten DVD der Serie.|

Miller, Frank – Sin City 2: Eine Braut, für die man mordet

_Millers dunkler Traum_

|Frank Miller gilt als Garant für knallharte Action. Daredevil bricht dem Kingpin die Nase, Batman prügelt den Joker durch ein Schaufenster – immer geht es handfest zur Sache. Die Werke aus der Feder des amerikanischen Autoren und Zeichners haben inzwischen Comic-Geschichte geschrieben. Nicht wegen ihrer Brutalität, sondern wegen ihrer Kohärenz und Tiefe. Jetzt legt Cross Cult nach und präsentiert Frank Millers Klassiker Sin City neu, in einer Luxus-Edition.|

Eigentlich ist Dwight McCarthy gerade dabei, sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Er hat ein kleines Appartement, arbeitet als Privatdetektiv und ist seit geraumer Zeit trocken. Seine Vermieterin weiß, dass er Probleme mit Alkohol hatte und hofft für ihn das Beste. Dwights Chef Agamemnon kann mehr dazu sagen. Zwei Dinge haben Dwight immer die sichere Bahn verlassen und durchdrehen lassen: Alkohol und Frauen. Und im Augenblick sieht es so aus, als hätte er sein Leben einmal wieder gegen die Wand gefahren. Besoffen war er dabei nicht.

Der Grund für sein Unglück hat die Traummaße 90-60-90 und heißt Ava. Ihr Körper wirkt wie ein Vorgeschmack auf das Paradies und verwandelt Männer in winselnde Hündchen. Obwohl Dwight ihretwegen schwere Zeiten durchgemacht und sich gerade wieder gefangen hat, kommt er nicht von ihr los. Als eines Abends das Telefon läutet und Ava am Apparat ist, klingt ihre Stimme aufgewühlt, hilflos und verzweifelt. Der Grund ihres Anrufs lässt das Blut des Privatdetektivs aufwallen. Avas Mann, ein reicher Snob aus der Nachbarschaft, foltere und martere sie. Die Ehe mit ihm sei die Hölle, Ava fürchtet um ihr Leben. Noch wehrt sich Dwight und versucht, der einfühlsamen Schönheit nicht auf den Leim zu gehen. Nach einer exzessiven Liebesnacht ist es jedoch um seinen Verstand geschehen. Er muss Ava helfen und sie vor ihrem Ehemann beschützen – koste es, was es wolle.

Der Leser ahnt, dass die Sache nicht ganz koscher ist. Aber tragische Geschichten nehmen ihren Lauf, ob das Publikum nun will oder nicht. Vielleicht entwickelt man deswegen von Anfang an Mitleid mit Dwight McCarthy, der eigentlich nichts weiter als ein einfacher Kerl mit einem großen Herzen ist. Bald muss er erkennen, dass sich hinter Avas hilfesuchender Miene finstere Absichten verbergen. Doch da ist es bereits zu spät. Dwight liegt am Boden, blutet wie ein Schwein und ist sich sicher, dass sein letztes Stündlein geschlagen hat …

Frank Millers Geschichte über den liebeskranken Dwight McCarthy und die Femme fatal Ava ist schlicht und gradlinig. Eigentlich handelt es sich um eine gewöhnliche hard-boiled Kriminalgeschichte, ohne große Schnörkel oder Rafinessen. Die Handlung rückt nach mehreren Seiten in den Hintergründ, und der Leser beginnt zu ahnen, dass stattdessen für etwas anderes Platz gemacht wird. Ein Trip durch die dunkle Hölle von Sin City.

Millers schneller, harter, punktgenauer Erzählstil verwebt sich mit den klaren Linien seiner Zeichenkunst. Rasant wechselnde Perspektiven in Schwarzweiß und dynamische, fließende Bilderfolgen leisten genau das, wozu Comics in der Lage sind: zu überzeichnen und zu stilisieren, um das Wesentliche herauszuarbeiten. Heraus kommt ein Werk, das genau auf der Grenze zwischen Comic und Graphic Novel liegt. Millers Geschichte heizt das Adrenalin an und ist spannend bis zur letzten Seite. „Eine Braut, für die man mordet“ ist absehbar, gradlinig und arbeitet mit Stereotypen. Dennoch zieht die Geschichte den Leser in ihren Bann. Man driftet von Detail zu Detail und versinkt in Millers dunklem Traum. Kohärenz und Tiefe beweisen sich auch hier als das Markenzeichen der amerikanischen Comic-Legende.

Zu guter Letzt sei den Herausgebern der deutschen Luxus-Edition von Sin City gedankt. Die Reihe besticht durch eine hohe Qualität. Darüber hinaus wurde die Gelegenheit wahrgenommen, Hintergrundmaterial zu Frank Miller und seiner Stadt der Sünde zu veröffentlichen. Im Anschluss an „Eine Braut, für die man mordet“ findet der Leser ein Interview zur Serie, das Miller im März 1993 gab. So sollten Comics sein. Da kann man nur viel Spaß beim Lesen wünschen.

http://www.cross-cult.de
http://www.sincity-derfilm.de

Chrono, Nanae – Peace Maker Kurogane 01

In „Peace Maker Kurogane“ wird die Geschichte der beiden Brüder Tetsunosuke und Tatsunosuke Ichimura erzählt, die nach dem Mord an ihrem Vater auf sich selbst gestellt sind und auf diese Situation völlig unterschiedlich reagieren. Die Handlung dieses neuen Mangas von Nanae Chrono spielt im Japan der Edo-Periode 1860 und bezieht sich vornehmlich auf die politischen Intrigen sowie den Machtkampf im alten Japan. Mitten in einer brutalen Fehde zwischen den Anhängern des Kaisers und den Gefolgsleuten der Shogun, während der sich die Bevölkerung quasi schutzlos zwischen diesen beiden Lagern ausgeliefert fühlt, bildet sich dort eine Samurai-Schutztruppe namens Shinsengumi, deren Aufgabe es ist, die Straßen von Kyoto vor Unheil zu beschützen und die gefürchteten Rebellen von Choshu zu bekämpfen. Nur die besten Samurai-Kämpfer können bei den Shinsengumi einsteigen und müssen sich hierzu einem strengen Ehrenkodex unterwerfen. Auch die Hauptfigur Tetsunosuke und sein älterer Bruder streben danach, beim Clan der Shinsengumi mitzumischen, jedoch aus unterschiedlichen Motiven heraus.

_Inhalt Band 1:_

Tetsunosuke erhofft sich durch den Beitritt zur Samurai-Schutztruppe ‚Shinsengumi‘ Informationen zum Mord an seinen Vater zu bekommen und schließt sich gemeinsam mit seinem Bruder der Truppe an. Der Hass auf die Choshu-Rebellen, die für den Tod seins Vaters verantwortlich sind, ist so groß, dass Tetsu sich schwört, blutige Rache an ihnen zu nehmen. Sein Bruder hingegen will Tetsu zur Vernunft bringen. Er ist nicht so stark von diesen Rachegelüsten befallen und möchte lieber ein ruhiges Leben als Buchhalter der Samurai-Organisation führen. Dieselbe Ruhe wünscht er sich von Tetsu, aber der lässt sich nicht mehr umstimmen. Als er dann eines Tages den ebenfalls von Rachedurst getriebenen Suzu kennen lernt, ist sich Tetsu seiner Sache noch sicherer. Schnell werden die beiden beste Freunde und kämpfen gemeinsam für ihr individuelles Ziel. Tetsu weiß jedoch nicht, dass Suzus Lehrmeister der von ihm gesuchte Mörder ist.

Derweil macht ein mysteriöser Mann mit Rasta-Zöpfen das Lager der Samurai-Kämpfer unsicher. Beim Anblick von Tetsusonuke bemerkt er sofort, dass dies der Sohn seines ehemaligen Weggefährten „Peacemaker“ sein muss. Daher beschließt er, den angehenden Samurai abzuwerben, was die „Shinsengumi“ natürlich nicht so gerne sehen – zumal der mysteriösen Fremde ein landesweit gesuchter Verbrecher ist.

Während Tetsu in der Zwischenzeit bei den Burschen von „Shinsengumi“-Vize-Kommandeur Toshizo Hijikata heranwächst, startet Suzu gemeinsam mit seinem Meister einen blutigen Rachefeldzug und entblößt sein wahres Ich.

_Bewertung_

Ich bin heilfroh, dass Nanae Chrono zu Beginn des Buches die einzelnen Charaktere und ihre jeweilige Rolle kurz vorstellt. Ansonsten hätte ich beim Lesen von „Peace Maker Kurogane“ wohl sehr schnell den Überblick verloren, weil in kürzester Zeit eine Vielzahl von neuen Personen ins Geschehen eintritt. Aber auch so wird es dem Leser nicht gerade einfach gemacht, einen Einstieg in diesen ersten Band zu bekommen. Es dauert gut die halbe Seitenzahl des Buches, bis man die individuelle Motivation der Hauptcharaktere begriffen hat und ihr Handeln verstehen kann. Das dauert deswegen so lange, weil die einzelnen Subplots teilweise nicht richtig zu Ende geführt werden und zu viele Tatsachen im Raume stehen bleiben. Der Fakt, dass die Zeichnungen darüber hinaus manchmal ziemlich hektisch und überladen wirken, erschwert die Sache schließlich noch zusätzlich.

Hat man sich daran gewöhnt bzw. hat man sich in diesem verwirrenden Strang endlich mal zurechtgefunden, entwickelt sich langsam aber sicher eine weiterhin komplexe, aber sehr spannende Story, die einmal mehr von den verschiedenartigen Charakteren lebt, deren Beziehungen zueinander in diesem Buch nur teilweise angerissen werden. Aber man ahnt bereits, dass hier noch einiges im Busch ist und noch mehrere Intrigen während der Folgebücher gesponnen werden. Alleine die Wandlung des Suzu und die rein spekulativ erfassbare Rolle des stets coolen Rasta-Mannes namens Ryoma Sakamoto sprechen schon für eine solche Vermutung. Aber die meisten Personen sind auch noch nicht richtig zum Zuge gekommen, sondern wie gesagt, nur kurz ins Geschehen eingetreten, weil sich der erste Band vorrangig damit beschäftigt, die Freundschaft von Tetsu und Suzu zu beschreiben und die sich darin befindliche Dramatik ans Licht zu bringen. Und genau dies ist Nanae Chrono auch sehr gut gelungen, sieht man mal von den genannten Kritikpunkten sowie dem manchmal unpassenden zeichnerischen und verbalen Witz ab, der irgendwie nicht mit dem ernsten Hintergrund der Handlung vereinbar scheint.

Aber da sich das Buch nach und nach fortentwickelt und zum Ende hin sogar richtig klasse ist, sieht man von den ganzen kleinen Schönheitsfehlern gerne ab und behält lieber die Faszination, die von den Hauptdarstellern ausgeht, im Gedächtnis fest. Mit Freude erwarte ich jetzt bereits die Fortsetzung im bereits erhältlichen nächsten Band. Samurai-Fans sollten sowieso einmal mit „Peace Maker Kurogane“ beschäftigen, das ist trotz mancher Hektik ziemlich starker Stoff!

http://www.tokyopop.de/

Hillenburg, Steven / u. a. – SpongeBob Schwammkopf – Der Film

Neben den drei Cine-Mangas mit einzelnen Seriennachbildungen zum Thema SpongeBob Schwammkopf haben |Tokyopop| nun auch den Kinofilm um den gelben Schwamm mit einem Comic geehrt. In diesem Comic findet man folgerichtig eine etwas kürzere Fassung des bunten Lachmuskel-Trainers, der aber wegen der wirklich schönen Zeichnungen und aufgrund des glücklicherweise nur selten verloren gegangenen Wortwitzes sehr gut geworden ist.

_Story_

Mr. Krabs eröffnet eine weitere Filiale der „Krossen Krabbe“ und benötigt eigens hierfür einen Manager. Für SpongeBob steht bereits im voraus fest, dass er wegen seiner jahrelangen Treue und diverser betriebsinterner Auszeichnungen diesen Posten verdient hat und auch bekommen wird. Als sich sein Boss jedoch dann für Thaddäus entscheidet, beginnt für den kindlichen Schwamm eine längere Frust-Periode.

Zur gleichen Zeit stiehlt der fiese Plankton die Krone des Meereskönigs Neptun und schiebt die Schuld auf Mr. Krabs. Neptuns Zorn lässt nicht lange auf sich warten, und bevor sich Krabs herausreden kann, verwandelt er den Besitzer der „Krossen Krabbe“ in eine Eisstatue. Nur wenn SpongeBob und Patrick es schaffen, in fünf Tagen die Krone aus dem gefürchteten Shell City zurückzuholen, wird die rote Krabbe begnadigt.

Plankton nutzt diese Zeit, um das geheime Rezept für die berühmten Krabbenburger zu stehlen und selber Karriere als Fast-Food-Verkäufer zu machen. Seine neue Beliebtheit nutzt das kleine grüne Monster jedoch aus, um ganz Bikini Bottom zu unterwerfen. Nur wenn SpongeBob und Patrick auf dem beschwerlichen Weg nach Shell City Erfolg haben, besteht die Chance, dass sich die Lage in der friedlichen Unterwasserwelt wieder entspannt.

_Bewertung_

Anders als bei den Büchern zur Serie hatte ich bei diesem Cine-Manga befürchtet, dass die Geschichte in einem relativ kurzen Comic nicht adäquat nacherzählt werden kann. Und in gewissem Sinne habe ich auch Recht behalten, denn gegen das Kinoereignis kann das Büchlein von |Tokyopop| nunmal nicht ankommen.

Betrachtet man das Werk allerdings als das, was es ist, nämlich einen unterhaltsamen Comic, dann wird man an „SpongeBob Schwammkopf – Der Film“ in Buchform sehr schnell seine Freude haben; immerhin haben sich die Macher alle Mühe gegeben, die Handlung in dem begrenzten Rahmen lustig, kurzweilig und trotzdem vollständig nachzuzeichnen. Dass dabei so manche Szene aus dem Film nur kurz oder auch gar nicht angerissen werden kann, liegt in der Natur der hier vorherrschenden Idee und ist nur allzu verständlich. Schade ist halt nur, dass Gags wie der penetrante „Taube Nüsschen“-Song sich nicht entfalten können oder die peinliche Aktion mit den Seifenblasen in einer Rockerkneipe ganz wegfällt. Das sind meiner Meinung nach Schlüsselszenen, die dem Film erst die notwendige (alberne) Würze geben, und abseits von diesen beiden Beispielen gibt es noch eine ganze Hand voll solcher Momente, die man sich für die Kurzfassung hier geschenkt hat.

Das ist für Fans sicher nicht akzeptabel und verdient auch berechtigte Kritik, zumal man die Sache etwas ungünstig aufgeteilt hat. Die eigentliche Action auf dem Weg nach Shell City bekommt nämlich nur einen geringen Teil des vorhandenen Raumes geschenkt, während zum Beispiel die Stelle, in der Neptun Mr. Krabs verwandelt deutlich zu viel Platz eingeräumt bekommt.

Dies muss man schon alles beachten, weshalb ich auch ganz deutlich sagen muss, dass der Comic nur als Ergänzung empfehlenswert ist, wohingegen der Film definitiv Pflichtstoff ist. Als nette Unterhaltung mit albernen Witzen und sehr schönen und ziemlich bunten Illustrationen ist „SpongeBob Schwammkopf – Der Film“ aber ebenso stark wie die themenbezogenen Begleitbücher zur Serie – er ist eben nur nicht vollständig!

http://www.tokyopop.de/

Thompson, Craig – Blankets

Smells like teen spirit – „Blankets“ ist eine autobiographisch gefärbte Geschichte. Craig Thompson wurde 1975 geboren und erzählt seine Jugendgeschichte in Wisconsin, Anfang der 90er Jahre. Es ist die Zeit von |Nirvana|, die Zeit der ersten Partys, die Zeit des ersten Joints und der ersten Liebe. Doch an Craig zieht vieles davon mehr oder weniger spurlos vorbei. Er scheint ein Mensch ohne rechte Leidenschaft zu sein. Er ist ein Außenseiter, der sich stets zurückzieht und in irgendeiner Ecke auf seinem Notizblock vor sich hinzeichnet, während seine Mitschüler sich mal wieder über seinen Haarschnitt lustig machen.

Craig hat keine Freunde und auch das Leben in seinem Elternhaus ist nicht wirklich die reinste Freude. Die Thompsons sind strenggläubige Christen und spätestens seit der Ära George W. Bush weiß man auch hierzulande, wie man sich strenggläubige Christen im Mittleren Westen der USA vorzustellen hat. Craig und sein Bruder Phil werden christlich-fundamentalistisch erzogen (Gewalt ist okay, aber Sex ist böse!).

Craigs Kindheit ist keine leichte, aber er macht niemandem einen Vorwurf dafür. „Für meine Familie, in Liebe“ steht als Widmung auf der ersten Seite. Eine Widmung, die einen seltsamen Kontrast zu den Szenen aus Craigs Kindheit bildet. Durch die Intensität der Zeichnungen und die bildhafte Art Gefühle darzustellen, wirkt Craigs Kindheit besonders bedrückend und trist. Craig steht schon in jungen Jahren mehr oder weniger am Rand, kann sich weder zu Hause noch in der Schule wirklich heimisch fühlen und flüchtet sich in seine Träume. Gemäß seiner christlichen Erziehung hat Craig schon in jungen Jahren mit seinem Leben mehr oder weniger abgeschlossen und hofft stattdessen darauf, dass im Himmel alles besser wird.

Als ein winterliches (natürlich christliches) Ferienlager ansteht, ist die Situation wieder die Gleiche: Craig bleibt außen vor, steht als Beobachter abseits, während die anderen Snowboarden und Sprüche über ihre Fortschritte beim weiblichen Geschlecht klopfen. Und doch wird in diesem Ferienlager alles anders für Craig. Er, der Außenseiter, trifft andere Außenseiter und ist zum ersten Mal in seinem Leben nicht allein. Und dann wäre da noch Raina aus Michigan. Sie sorgt für einige Turbulenzen in Craigs ansonsten so unspektakulären Leben. Sie verbringen viel Zeit zusammen, funken offensichtlich auf einer Wellenlänge und bleiben auch über das Ferienlager hinaus in Kontakt. Zwischen dem schüchternen Craig und der bezaubernden Raina entstehen die zarten Bande einer tiefen Freundschaft, die auch über die Distanz zwischen Wisconsin und Michigan Bestand hat.

Als dann Craigs Eltern auch noch wundersamerweise erlauben, dass er Raina in Michigan besucht, beginnen die zwei schönsten Wochen seines bisherigen Lebens. Raina weckt ungeahnte Gefühle in Craig und die zwei Wochen im verschneiten Michigan sind wie einer der Träume, die er immer gehegt hat. Doch auch die zwei Wochen sind irgendwann vorbei und Craig muss wieder zurück in das provinzielle Wisconsin …

Die Geschichte einer ersten Liebe, die mehr erahnt, als wirklich ausgelebt wird, vor dem Hintergrund einer christlich-fundamentalistisch geprägten Erziehung in der tiefsten amerikanischen Provinz – das ist der Kern von „Blankets“. Thompsons Zeichnungen stecken so voller Leben, die Geschichte wird so ehrlich und offen erzählt, dass man sie mehr fühlt als liest. „Blankets“ geht einem wirklich nah, und das schon nach wenigen Seiten. Kein Wunder, dass Thompson für sein Werk schon so manchen Kritikerpreis abstauben konnte. Jüngst folgte im Rahmen der diesjährigen Buchmesse in Frankfurt die Auszeichnung als Comic des Jahres – völlig verdient, denn „Blankets“ dürfte eine der wichtigsten Underground-Comic-Veröffentlichungen des letzten Jahres sein.

Und das obwohl (oder gerade weil?) der Comic dem Äußeren nach recht schlicht gehalten ist. Einfache, skizzenhafte Schwarz/Weiß-Zeichnungen, wenig Text, teilweise großformatige Szenen, mal ganz realistisch, mal emotional und abstrakt. Thompson ist sicherlich einer der wenigen Comiczeichner, die mit ganz wenigen Strichen komplexe Emotionalitäten darstellen können, egal ob er seine Gefühle für Raina zeichnet oder sein Verhältnis zum christlichen Glauben visualisiert.

Thompsons Gespür für Bilder weiß zu fesseln, aber man muss es mit eigenen Augen gelesen/gesehen haben, um es wirklich zu begreifen. Ist man erst einmal eingetaucht in die Atmosphäre, die Geschichte, die Figuren, kommt man so schnell nicht mehr davon los. Und gerade weil Thompsons Zeichnungen so intensiv und ausdrucksstark sind, könnte man gleich vorne wieder anfangen zu lesen, wenn man am Ende angekommen ist. Man kommt von „Blankets“ einfach nicht los, so faszinierend intensiv ist die Welt, die Thompson mit so wenigen Strichen aus dem Hut zaubert.

Allein in der Textur der Striche tauchen bei „Blankets“ so facettenreiche Emotionen auf, eine so erstaunliche Tiefe, dass man nur staunen kann. Mal wirken die Bilder ganz weich und zärtlich, mal wütend und aggressiv und mal tieftraurig und unsicher. Schwarz/Weiß-Zeichnungen sind in der Beziehung wesentlich ausdrucksstärker und emotionsgeladener als die kolorierten Zeichnungen der Hochglanz-Comics vom Kiosk. Die Gesichter, die Thompson zeichnet, sind einfach und mit wenigen Strichen skizziert. Umso erstaunlicher, dass er es schafft, diese Gesichter so intensiv mit Emotionen auszustatten. Die Eigenarten und die Grundstimmung jeder Figur werden schon nach wenigen Szenen deutlich und nach ein paar Seiten sind sie einem richtiggehend vertraut.

Die Geschichte, da sie nun einmal als Comic erzählt wird, wirkt viel direkter und unmittelbarer und dadurch letztendlich auch nachhaltiger. Gerade als Medium für autobiographische Themen scheint sich der Comic außerordentlich gut zu eignen (weitere Beispiele wären „Maus“ oder „Barfuß durch Hiroshima“). Gefühle werden durch die Zeichnungen (besonders auch durch die für Underground-Comics oft typische, etwas skizzenhafte Darstellung) viel plastischer und besser bzw. schneller begreifbar. Der Comic stellt Dinge dar, die sich mit Worten nur schwer beschreiben oder erklären lassen. Er vereinfacht.

Was einem in der zeichnerischen Darstellung bei „Blankets“ einleuchtend und durch und durch nachvollziehbar erscheint, lässt sich, obwohl man genau spürt, was der Autor ausdrücken will, kaum adäquat mit Worten wiedergeben. Der Comic hat mit seiner visuellen Herangehensweise einen ganz anderen Ansatzpunkt beim Leser als ein Roman. Ein Umstand, der besonders auch bei „Blankets“ sehr deutlich wird und wohl der wichtigste Grund dafür ist, dass einem die Geschichte so nah geht. Als Roman erzählt, wäre sie vermutlich nicht halb so fesselnd. Daraus entsteht letztendlich eine scheinbare Widersprüchlichkeit: Der Comic vereinfacht einerseits, übermittelt andererseits aber komplexere Dinge, als man ihm zutraut – einfach, weil er direkter ist.

Die Geschichte selbst hat, abgesehen von Craigs Besuch bei Raina, einen eher episodenhaften Charakter. Thompson skizziert Bruchstücke seiner Kindheit, die zusammengesetzt ein Bild des Menschen zeichnen, der später im Ferienlager Raina kennen lernt. Auch die späteren Ereignisse werden eher episodenhaft dargestellt. Craigs Verhältnis zu seinem jüngeren Bruder wird ebenso beleuchtet wie die Weiterentwicklung im Elternhaus. Auch Craigs Verhältnis zum christlichen Glauben wird immer wieder thematisiert und bildgewaltig dargestellt. Thompson erzählt die Geschichte als eine wirklich runde Sache. Man schlägt am Ende zufrieden, aber auch wehmütig das Buch zu. Anfangs- und Endpunkt, der gesamte Handlungsbogen – alles wirkt geradezu perfekt und bis ins Detail stimmig.

Dass seine Geschichte mit recht wenigen Worten auskommt, ist sicherlich auch seinem zeichnerischen Talent zuzuschreiben, aber dass die wenigen Worte, die er wählt, jedes Mal den Nagel auf den Kopf treffen und für jede Szene wie geschaffen sind, das offenbart auch ein gewisses Erzähltalent. Die Liebesgeschichte von Craig und Raina ist so erfrischend ehrlich und unkitschig erzählt, dass einem bei der Lektüre richtig warm ums Herz wird. Nichts wirkt überzeichnet oder gekünstelt, nichts wirkt aufgesetzt oder unpassend – man muss einfach glauben, dass die Geschichte bis ins kleinste Detail so und nicht anders passiert ist. Sie wirkt so offenherzig, frei von der Leber weg erzählt, dass man wirklich spüren kann, wie die erste Liebe sich anfühlt – mit dem Schmerz, der dazu gehört.

„Blankets“ bewegt nicht nur auf visueller, sondern auch auf erzählerischer Ebene. Die Geschichte geht einem nah, die Figuren wirken unglaublich lebensecht und Craig Thompson erzählt die Geschichte einer bedrückenden Kindheit und der ersten großen Liebe vor dem Hintergrund einer streng christlichen Erziehung offen, ehrlich und mit abgeklärtem Blick. Definitiv der beste Comic, den ich seit langem gelesen habe.

Ich halte nun wirklich nichts von übertriebener Lobhudelei, geize üblicherweise mit einer persönlichen Höchstwertung und hasse Empfehlungen, die Bücher als sogenannte „Pflichtlektüre“ abstempeln, aber in diesem Fall kann ich nur den Imperativ verwenden: UNBEDINGT LESEN!

Und das meine ich sogar ernst. Auch die vermeintlichen Comic-Hasser sind angesprochen! Eigentlich jeder, der Lust auf ein Buch randvoll mit großen, ehrlichen Gefühlen und die Muße, sich darauf einzulassen, hat …

|“Alles, was im Leben schief geht in dieser Geschichte von Familie und erster Liebe funktioniert als Kunstwerk tadellos. Mr. Thompson hält sich angenehm zurück, während er uns langsam mit seinem Können überwältigt. Seine Erzählkunst, sein Gespür für Worte, Bilder und beredtes Schweigen, fesselt beim Lesen und wirkt lange nach. So etwas nenne ich Literatur.“| Jules Feiffer (Pulitzer-Preisträger)

Leseproben unter [www.speedcomics.de]http://www.speedcomics.de

Stock, Birgit & Rainer – Biercomic, Der

Fast parallel zur letztjährigen Münchener Wiesn-Saison hat das Ehepaar Birgit und Rainer Stock einen Comic gezeichnet, der sich mit der Entstehung des Münchener Hofbräuhauses befasst. Auf knapp 50 Seiten erzählen die beiden die Geschichte von einem Klosterbruder und einem Narren, die im Auftrag des Herzogs auszogen, um für den landeseigenen Hof den besten Braumeister ausfindig zu machen. Entstanden ist ein wirklich witziger Band, bei dem sich die Autoren auch einzelne Seitenhiebe auf die Münchener Promi-Szene nicht verkneifen konnten.

_Handlung:_

München anno 1589: Mal wieder ist die bayerische Staatskasse leer. Um dem Abhilfe zu verschaffen, ordnet der in Saus und Braus lebende und recht verschwenderische Herzog an, dass man sich hofintern Gedanken machen soll, wie die Kassen wieder gefüllt werden können. Dabei treten der Hofnarr Fidelius und Mönchsbruder Benedikt auf den Plan, die dem Hofrat vorschlagen, eine eigene Brauerei aufzubauen, weil auch das Bier in München recht furchtbar schmeckt. Mit Zustimmung des Herzogs zieht das ungleiche Paar durch die Lande. Bruder Benedikt platzt jedoch alsbald der Kragen, denn der unsittliche Hofnarr raubt ihm mit seinen dämlichen Kommentaren den letzten Nerv. Dennoch finden die beiden nach einigem Hin und Her ein zünftiges Bier und machen sich vereint mit dem ehemaligen Hofschneider Rudolf auf den Weg nach Geisenfeld, wo der bekannte Braumeister Heimeran Pongraz lebt. Sie können den Frauenhelden tatsächlich überzeugen, mit ihnen nach München zu kommen, und so baut der beliebte Heimeran das erste Münchener Hofbräuhaus.

Wie das Thema dieses Comics schon vermuten lässt, gibt es auf den rund 50 Seiten von „Der Biercomic“ eine ganze Menge zu lachen. Die Geschichte ist vom Aufbau her ein wenig mit den Asterix-Comics zu vergleichen, und auch der Stil der Zeichnungen scheint von den französischen Ikonen inspiriert zu sein. Dennoch ist der Wortwitz in „Der Biercomic“ um einiges eleganter und der Inhalt zusammen mit den Illustrationen weitaus witziger – und das will schon was heißen!

Einen großen Anteil daran hat die Einbeziehung der bayerischen Promi-Welt. Rudolf Moshammer als Hofschneider sowie Stoiber und TV-Ärztin Kühnemann in Nebenrollen verleihen dem eh schon genialen Comic die finale Würze. Dazu kommen einzelne Anspielungen auf die heutige Politik, zum Beispiel beim Bau eines Turmes, der von ausländischen Gastarbeitern getätigt wird, dabei aber vollkommen die deutsche Kultur außen vor lässt. Oder etwa ein gelb-rotes Wirtshaus, das sehr stark von einem großen gelben ‚M‘ inspiriert zu sein scheint und mit der Mahlzeit-Bewertung „Ich liebe es“ kommentiert wird. Das ist absoluter Kult, prächtig in Szene gesetzt und wirklich toll geschrieben.

Da sich die beiden Ideengeber auch sehr genau an die exakten Daten gehalten haben und so auch noch ein echtes Stück bayerischer Geschichte erzählen (und satirisch aufs Korn nehmen), gibt es hierfür noch ein Zusatzlob von meiner Seite. „Die Geschichte vom Hofbräuhaus in München“ ist ein einmaliger Lesespaß und unbedingt empfehlenswert – gerade jetzt nach dem Ende der Wiesn!

Mehr Infos gibt’s auf http://www.biercomic.de.

Sakuishi, Harold – Beck (Band 6)

Mittendrin in eine Manga-Serie einzusteigen, ist gar nicht mal so einfach, gerade wenn schon eine recht lange Vorgeschichte vorausgeht. Dementsprechend schwer habe ich mich bei dem mir zugesandten Exemplar damit getan, mich in die aktuelle |Tokyopop|-Reihe „Beck“ hineinzufinden, zumal mir immerhin schon der sechste Band der auf insgesamt 20 Folgen angesetzten Serie vorliegt.

Autor Harold Sakuishi erzählt in diesem Fortsetzungs-Manga die Geschichte des jungen Yukio ‚Koyuki‘ Tanaka, einem 14-jährigen Losertyp, der bis auf das Singen in einer Karaokebar absolut keine Talente vorweisen kann. Das Leben dieses jungen Mannes soll sich jedoch ändern, als er den merkwürdigen Mischlingshund Beck und dessen Besitzer Ryusuke Minami kennen lernt. Dieser ist nämlich der coole Gegenpart zu Yukio, ist in den Vereinigten Staaten aufgewachsen und hat dort auch schon mit einigen bekannten Bands zusammen gespielt. Ryusuke ist Gitarrist und für seinen jungen neuen Freund ein großer Einfluss, was das Musikalische betrifft, und so ist er auch dabei, als der coole Draufgängertyp und Frauenheld eines Tages die Band „Beck“ aus der Taufe hebt. Zusammen mit seinem neuen Kumpel erkämpft sich ‚Koyuki‘ langsam aber sicher Anerkennung und befindet sich auf dem besten Wege, seinem neuen Idol Ryusuke als Musiker nachzueifern.

_Story in Band 6_

In Yukios Schule steht ein Bandcontest an, für den der junge Gitarrist eine Band zusammenstellen möchte. Die verschiedenen Bewerber stellen sich jedoch nicht gerade als das heraus, was Yukio sich erwünscht hat, doch mangels anderer Kandidaten sagt er ihnen schließlich zu und startet mit ihnen die Band „Ciel Bleu“. Schnell muss er jedoch feststellen, dass der Wettbewerb unter keinem guten Stern steht und die Konkurrenten mit allen Mitteln versuchen, den Auftritt von „Ciel Bleu“ zum Desaster verkommen zu lassen. Verursacht durch die Hyodo-Bande, die ebenfalls mit einer Band am Start ist, gibt es so im Vorfeld bereits eine Menge Ärger. Doch Yukio und die Musiker, die nach einem Sabotage-Akt übrig geblieben sind, lassen sich davon nicht abhalten, und können trotz anfänglicher „Buh“-Rufe die Massen überzeugen. Dennoch hat der Erfolg mit der Band für Yukio ein übles Nachspiel; die verlorene Zeit als Musiker hat dazu geführt, dass seine schulischen Leistungen rapide schlechter geworden sind. Die Bewerbung für ein prestigereiches College steht auf dem Spiel. Weil der Junge allerdings Band und Schule unter einen Hut bekommen und sich gleichzeitig auch noch eine neue Gitarre finanzieren möchte, ist er rund um die Uhr wach und muss seinem anstrengenden Tagesablauf bald Tribut zollen.

Unterdessen interessiert sich Ryusuke für den angeblichen Selbstmord der schwarzen Sängerin Erika Blige und malt sich in Gedanken die Hintergründe aus. Ryusuke hat einen sehr guten Überblick über das gesamte Musikbusiness und scheint mehr zu wissen, als er zunächst zugeben will …

Wie schon oben angeführt: Es hat mir einige Schwierigkeiten bereitet, einen sofortigen Einstieg zu finden, denn immer wieder beziehen sich einzelne Passagen auf bereits Geschehenes. Zum Glück gibt es als Einleitung eine kurze Übersicht über die bisherige Geschichte von Yukio und Ryusuke, ohne die man wahrscheinlich aufgeschmissen wäre und so manchen Zusammenhang nicht verstehen würde.
Andererseits ist die Story jetzt aber auch nicht so komplex, dass sich hier noch weitere Probleme ergeben würden. Sobald man sich nämlich einigermaßen zurechtgefunden hat, ist man auch mittendrin in der Welt des jungen Gitarristen und seiner Kontrahenten und Neider.

Was dabei erst noch wie eine recht banale Geschichte typisch asiatischer Machart ausschaut, entpuppt sich nach wenigen Seiten als eine sehr weit reichende Story mit vielen Nebenhandlungen und wirklich toll dargestellten Charakteren. Vor allem der mysteriöse Ryusuke übernimmt einen sehr guten Part und wird von Sakuishi immer wieder passend und gut in Szene gesetzt. Die Illustrationen sind dem Mann hinter diesem Comic allerdings im Gesamten sehr gut gelungen, seien es nun die Hauptfiguren oder die in Yukios Visionen erscheinenden toten Musiker Freddie Mercury, Bob Marley und Kurt Cobain.

Aber noch einmal zur Story: Hier passiert innerhalb der 200 Seiten wirklich eine ganze Menge; Sakuishi wechselt sehr häufig die Szenarien, was stellenweise aber auch dazu führt, dass man kurz den Überblick verliert. Es gilt immer wieder, eine große Anzahl von Informationen zu verarbeiten, was einem, sobald man einzelne Zusammenhänge endlich begriffen hat (hier redet erneut der Neueinsteiger), aber zunehmend leichter fällt. Abes es soll halt nicht verschwiegen werden, dass die Geschichte trotz massiver Rock-Klischees alles andere als ein simpel strukturierter Kinder-Comic ist.

Insgesamt gefällt mir der sechste Band dieser Reihe sehr gut und macht auch direkt Lust auf mehr. Vorerst gilt es aber jetzt noch, die ersten Bücher zu lesen, dann wird vieles sicherlich noch gründlicher zu verstehen sein. Dies ist dann natürlich auch meine Empfehlung an die verehrte Leserschaft; von vorne anfangen und in die Welt des Rock & Roll-Mangas abtauchen – mit „Beck“ gelingt dies wirklich prima!

Einen Tipp habe ich dann auch noch: Greift möglichst schnell zu, denn der sechste Band hat in der limitierten Erstauflage noch eine Bonus-Musik-CD als Extra, auf er man fünf Songs der hier präsentierten Band nachhören kan. Und ehrlich gesagt klingt die Mischung aus Mainstream-Hardrock und alternativem Garagenrock gar nicht mal so übel … Auf geht’s!

Weitere Informationen gibt es [hier.]http://www.tokyopop.de/buecher/manga/beck/index.php

Dela Cruz, Arthur – Kissing Chaos – Nonstop Beauty

Nach dem Erfolg des [ersten Teils 1817 der Miniserie „Kissing Chaos“ hat Arthur Dela Cruz kurze Zeit später bereits eine vierteilige Nachfolgereihe erschaffen, die jedoch den rätselhaften Inhalt dieser Comics noch mysteriöser erscheinen lässt. Dela Cruz hat nämlich keinen direkten Nachfolger erstellt, sondern lässt den Plot mit völlig neuen Charakteren aufleben, folgt dabei weiterhin den komplexen Strukturen des ersten Parts und schafft es, durch versteckte Hinweise schließlich, den Zusammenhang mit der ersten Serie herzustellen. Folglich ist „Kissing Chaos – Nonstop Beauty“ ebenfalls ganz heftige Kost und daher auch gar nicht so leicht zu erfassen. Das wird man auch beim Überblick über die Handlung feststellen:

_Story_

Ashley ist gerade dabei, die Kontrolle über ihr Leben vollends zu verlieren. Als sie eines Tages eine Mail von ihrer verschollenen Freundin Angela bekommt, deren Anhang sie jedoch nicht versteht, führt sie das über einen Chatroom zu einer Person namens Everett. Dieser Kerl ist ganz wild auf diese Datei und kann Ashley dazu überreden, sich mit ihm zu treffen. Doch dieses Treffen geht über den normalen Smalltalk zweier junger Erwachsener hinaus und endet im Chaos. Zwei Männer in dunklen Anzügen tauchen plötzlich auf und verfolgen Everett. Seine Begleiterin, noch ganz verblüfft und verständnislos wegen der seltsamen Flucht vor den Unbekannten, reagiert entsprechend sauer und will sich von Everett loseisen. Doch dann entdeckt sie, dass ihre gesamte Wohnung durchwühlt und die rätselhafte Datei Angelas‘ mitsamt dem Computer gestohlen wurde. Deshalb sieht sich widerwillig dazu gezwungen, Everett erstmal zu begleiten, obwohl sie den Geschichten über Verschwörungen und Geheimorganisationen nicht ganz folgen kann. Ashley selber gehört nämlich ebenfalls einer anarchistischen Geheimorganisation an, die gerade dabei ist, eine künstlerische Revolution bei einem Rockkonzert anzuzetteln. Schließlich weiß sie nicht mehr, wo ihr der Kopf steht, und die alles dominierende Frage lautet: Kann sie ihr plötzlich so turbulentes Leben in den Griff bekommen, oder wird sie von den Ereignissen überrollt?

Wie auch schon beim ersten Teil, so hat es auch hier eine ganze Weile gedauert, bis ich die Handlung überschauen konnte. Durch die ständigen Szenenwechsel hat Aerthur Dela Cruz nämlich eine noch kompliziertere Struktur festgelegt, und da die Geschehnisse bei der Revolution, das Treffen von Everett und Ashley sowie die Annäherungsversuche von Eric und Kim (ebenfalls Mitglieder der anarchistischen Künstlerbewegung unter der Führung des egozentrischen Jersey) quasi alle parallel erzählt werden, obwohl sie zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden, verliert man schon einmal schnell den Überblick. Hinzu kommt, dass der Autor fortlaufend mit versteckten Hinweisen zur vorangegangenen Serie arbeitet, die für die weitere Geschichte der „Kissing Chaos“-Comics noch von besonderer Bedeutung sein wird. Den Namen Angela kennt man ja bereits aus dem ersten Teil, ebenfalls den seltsamen Everett, der auch dort schon hinter einem jungen Mädchen her war. Auch über Ashley hat man damals schon kurze Hinweise gefunden, die dort aber noch nicht wichtig erschienen.

Wenn man all diese Fakten ordnet und gleichzeitig hinter den neuen Plot gestiegen ist, verweben sich die Fäden allmählich, auch wenn im Nachhinein noch so vieles unklar bleibt. Doch man begreift so langsam den Zusammenhang zwischen Angela und Ashley, die Rolle von Everett, den „Matrix“-ähnlichen Trenchcoat-Gestalten und der Person des Damien, den Everett in versteckten Beschreibungen ebenfalls ins Spiel bringt.

Um diesen großen Strang herum hat Dela Cruz aber erneut ein sehr großes Augenmerk auf die Emotionen und das Gefühlsleben der einzelnen Charaktere gelegt. Neben der zerstreuten und unsicheren Ashley beschreibt er hier hauptsächlich die Verbindung zwischen dem schüchternen Eric und der selbstbewussten Kim, die zwar mit dem Bandenführer Jersey zusammen ist, aber auch Gefühle für Eric hat. Der Zeichner und Autor konzentriert sich insgesamt sehr stark auf das Zwischenmenschliche in Extremsituationen, ähnlich wie beim ersten Teil. Das macht es für den Leser allerdings nicht einfacher, den gesamten Wert dieses Werkes zu begreifen. Um eine kleine Hilfestellung zu geben, hat Dela Cruz zum Ende hin die Geschichte noch mal kurz zusammengefasst und die einzelnen Verbindungen aufgelistet. Spätestens dort begreift man dann, welche Tragweite, vor allem aber welches Potenzial „Kissing Chaos“ hat. Dela Cruz könnte die Geschichte beliebig weit ausdehnen, ihm stehen in der Tat noch viele Möglichkeiten offen, und dennoch ist es dann wahrscheinlich, dass er nicht alle geöffneten Handlungsebenen wieder vollständig abschließen kann.

Nachdem mich bereits die erste Serie begeistern konnte, bin ich nun bei „Kissing Chaos – Nonstop Beauty“ vollkomen überwältigt. Arthur Dela Cruz hat eine Welt und insbesondere Charaktere erschaffen, deren Leben den Leser so schnell nicht wieder loslässt. Man kann nur sehnlichst hoffen, dass Dela Cruz sich noch viel Raum für die Fertigstellung dieser Gesamtreihe lässt, die er zunächst für 2005 angekündigt hatte. Bis dahin kann man sich aber auch noch den Kopf über die verschiedenen unklaren Nebenstorys zerbrechen. Daher auch mein Tipp: Die ersten beiden Bände sollte man aufmerksam und in Ruhe direkt hintereinander lesen, das erleichtert das Verständnis ungemein. Zum Schluss noch einmal eine ganz deutliche Empfehlung für einen Autor, der bereits wieder an neuen Projekten arbeitet.

Mehr Infos unter http://www.kissingchaos.com.

Hillenburg, Steven u. a. – Spongebob Schwammkopf – Freunde für immer

Im zweiten Comic-Band, der begleitend zur erfolgreichen Fernsehserie veröffentlicht worden ist, dreht sich alles um die Freundschaft zwischen SpongeBob und seinem besten Kumpel, dem dicken, rosanen und dummen Patrick, der, das soll nicht unerwähnt bleiben, mein Lieblingscharakter in dieser Serie ist. Wiederum haben |Tokyopop| vier Geschichten, die sich ausschließlich mit diesem Thema auseinandersetzen, ausgewählt und in Comic-Form veröffentlicht – und wieder mal haben die Zeichner hierbei ganze Arbeit geleistet!

_Bademeister SpongeBob_
SpongeBob und Patrick liegen am Strand von Bikini Bottom und bewundern den dort tätigen und allseits beliebten Bademeister Larry. Der kleine Schamm träumt zu Patricks Erstaunen ebenfalls von einer solch rasanten Karriere, wie sie die Baywatch-Krabbe gemacht hat, und bekommt zufällig von Larry die Chance, sich als Bademeister zu bewähren. Doch der Job ist weitaus stressiger, als SpongeBob sich dies vorher erträumt hätte, und nach wenigen Minuten in Larrys Abwesenheit herrscht bereits Chaos am Strand.

_Superhelden im Ruhestand_
Patrick und SpongeBob verehren seit jeher die beiden Superhelden Meerjungfraumann und Blaubarschbube und spielen ihre Abenteuer von Zeit zu Zeit nach. Eines Tages machen sie sich auf, herauszufinden, was aus den beiden Männern geworden ist. Dabei treffen sie auf ein paar gealterte Helden, die sich bereits im Ruhestand befinden und auf Abenteuer gar nicht gut zu sprechen sind. Trotzdem gelingt es den beiden Meeresbewohnern, die Superhelden so lange zu provozieren, bis diese wieder ihr Kostüm überstreifen.

_Freunde und Nachbarn_
Als Patrick und SpongeBob eines Tages recht albern mit Seifenblasen spielen, fühlt Thaddäus sich genervt und stachelt einen Streit zwischen den beiden an. Diese jedoch wissen nicht, dass Thaddäus der Verursacher des Zwistes ist und giften sich im Folgenden immer mehr an. Dabei kämpfen sie beide darum, Thaddäus als neuen besten Freund zu gewinnen. Dieser ist sehr schnell von den ehemaligen Kumpels genervt und versucht, die Sache wieder zu bereinigen.

_Anstreicher_
Mr. Krabs beauftragt SpongeBob und Patrick damit, seine Wohnung neu zu streichen, warnt sie jedoch davor, auch nur einen Farbklecks der wasserunlöslichen Farbe an die falsche Stelle zu bringen. Der Job scheint zu gelingen, bis SpongeBob dann auf dem ersten Dollar, den Krabs je verdient hat, einen Farbstreifen entdeckt. Daraufhin versuchen die beiden alles Mögliche, um das Unglück zu vertuschen und hoffen, dass ihr Boss nichts bemerken wird. Doch der ist wie immer ziemlich wachsam …

Von den drei bislang erschienenen Mangas über SpongeBob ist dieser hier mein persönlicher Favorit, weil wirklich jede Geschichte über eine ganze Reihe von Lachern verfügt, die man aber wie immer auch nur dann lustig finden wird, wenn man die Materie an sich liebt. Alleine zu sehen, dass der dumme Patrick plötzlich mit einigen ‚gebildeten‘ Ausdrücken herausrückt, ist jedes Mal wieder eine Wonne, und das machen sich die verantwortlich Zeichnenden dieses Comics daher auch immer wieder zunutze. In diesem Fall sind es aber auch die Szenen, in denen die Kumpels die beiden gealterten Helden triezen oder in denen sie Thaddäus zum wiederholten Male zur Verzweiflung bringen, bei denen die Mundwinkel steil nach oben gehen. Oder aber die Situation, in der SpongeBob und Patrick die Strafe von Mr. Krabs fürchten – das ist einfach total komisch und von den Zeichnern wieder sehr schön und mit dem Blick fürs Wesentliche umgesetzt worden. Diese Mangas, und ganz besonders „Freunde für immer“, bieten kurzweilige Unterhaltung, und man darf sich jetzt schon auf die weiteren bereits angekündigten Bände von |Tokyopop| freuen. Viel Spaß aber erstmal mit diesem schönen Cine-Manga!

http://www.tokyopop.de/

Dela Cruz, Arthur – Kissing Chaos

„Kissing Chaos“ ist das Comic-Debüt von Arthur Dela Cruz, der 2002 für einen |Eisner Award| nominiert wurde – als Talent, das größere Aufmerksamkeit verdient hat. Die erste Miniserie, die in diesem Band gesammelt vorliegt, wurde außerdem von |Ain’t Cool News/Gray Haven Magazine| als eine der zehn besten Comic-Serien des Jahres ausgezeichnet.

Dela Cruz ist einer dieser aufstrebenden Zeichner, die in ihren Büchern Emotionen, Gewalt, Action und Tiefgang darstellen und somit auch ein gewises Maß an Melancholie kreieren. Bei „Kissing Chaos“ ist es dem Autor und Zeichner dabei gelungen, düstere Schwarzweiß-Ilustrationen mit einer wirklich sehr guten Geschichte zu verknüpfen, die darüber hinaus gar nicht mal so leicht durchschaubar ist – und das, obwohl Dela Cruz sich weitestgehend der Umgangssprache bedient.

_Story:_

Angela, Damien und Raevyn könnten von ihrer Ausstrahlung her kaum verschiedener sein. Erstere strahlt eine fast schon unheimliche innerliche Ruhe aus und spricht nicht ein Wort. Doch der äußere Schein trügt, denn Angela trägt ein schreckliches Geheimnis in sich, von dem nicht mal ihr Engel, der geliebte Damien, weiß. Damien ist ein ziemlich übler Draufgänger-Typ, dem jedes Mittel recht zu sein scheint – egal in welcher Hinsicht. Angela hat er nur zufällig getroffen, doch hat diese kurze Zeit schon gereicht, um ein Zeichen in ihrem Leben zu hinterlassen, das sich nicht mehr entfernen lässt. Raevyn hingegen ist eine ziemlich eigenbrödlerische Zicke mit einem übertriebenen Selbstbewusstsein, die ab und zu durch ihre flotten Sprüche Ärger provoziert. Sie war zudem einfach nur zur falschen Zeit am falschen Ort und gerät mitten in eine recht chaotische Geschichte hinein.

Doch jetzt haben die drei Charaktere eines gemeinsam: Allesamt sitzen sie in einem gestohlenen Auto und fliehen darin vor der jüngeren und älteren Vergangeheit – und vor der Polizei, die den Mörder eines älteren Geschäftmannes sucht und ihn in diesem Wagen vermutet. Doch ihre Flucht verläuft alles andere als problemlos: Alle drei werden wieder von ihrer Vergangenheit eingeholt, treffen dabei auf skrupellose Killer, Personen, die sie eigentlich nie wieder sehen wollten und geheimnisvolle Männer in Trenchcoats, die scheinbar überall anzutreffen sind. Und alle beherbergen sie nach wie vor ein individuelles, unheimliches Geheimnis …

Arthur Dela Cruz hat mit diesem Werk eine ziemlich komplexe und sehr tief greifende Geschichte entwickelt, bei der ich jetzt schon froh darüber bin, dass ich sie in diesem Sammelband komplett vorfinde. Ansonsten hätte man sicherlich ziemlich schnell den Faden verloren, denn der Autor und Zeichner wechselt fast beständig die Szenarien und schwenkt dabei immer wieder zwischen Vergangenheit, Illusion und Gegenwart hin und her.

Im Mittelpunkt steht dabei ganz klar die verlegene Angela, die unsterblich in ihren Begleiter Damien verliebt ist. Warum das so ist, kann man anfangs nur erraten, jedoch wird man im Laufe der Erzählung immer mehr mit dem gemeinsamen Geheimnis und ihrer seltsamen Verbindung konfrontiert. Angela spricht in diesem Buch nicht einen Satz, bekommt aber durch die verschiedenen illsutrierten Gedankengänge genügend Raum, um ihre Gefühle und Emotionen darzustellen. Die von Dela Cruz charakterisierte hübsche Frau wirkt dabei sehr zerbrechlich; erst blind aus Liebe, dann immer mehr von Selbstzweifeln geplagt und schließlich zu allem bereit, um die Illusion ihres Helden, ihres Engels aufrecht zu erhalten.

Und genau dieses Dilemma ist auch der Kernpunkt der Geschichte und wird durch die einzelnen Zwischenüberschriften beziehungsweise die poetisch vorgetragenen Übergänge zwischen den Kapitel deutlich verstärkt.

Es geht nämlich nicht in erster Linie um die fast schon oberflächlich erscheinende Flucht, sondern eher um die Umstände, die dazu führten. Sehr wohl beschäftigt sich „Kissing Chaos“ aber in gewisser Weise mit der Flucht vor Vergangenem und somit auch vor der Realität, und genau das wird durch die Gegenwartshandlung symbolisch geschildert.

Dela Cruz hat dabei als Autor, vor allem aber auch als Zeichner, der einen sehr guten Blick fürs Wesentliche hat und sich nicht mit unwichtigen Details aufhält, ganze Arbeit geleistet. Dies verraten auch die ganzen Hintergrundinformationen, die diesem Sammelband angehängt wurden. Hier bekommt Dela Cruz Gelegenheit, die einzelnen Charaktere noch einmal aus seiner Sicht vorzustellen und ihre Entstehungsgeschichte darzulegen. Dazu gibt es einzelne entfallene und alternative Sequenzen, welche die Geschichte dann nochmal in ein etwas anderes Licht rücken und Anlass zum Nachdenken geben.

Schlussendlich muss man jedenfalls sagen, dass hier das gesamte Paket ausgezeichnet ist, sowohl die Zeichnungen und die Story als auch die Aufmachung dieses edlen Bandes. Wer über den normalen Comic hinaus eine komplexe Story mag, der findet in „Kissing Chaos“ sicherlich das, wonach er sucht.

http://www.eidalon.de/

Kubert, Joe – Yossel, 19. April 1943

Vor einiger Zeit hat es schon einmal die Diskussion gegeben, ob man ein so brisantes Thema wie den Holocaust durch die Darstellung in einem Comic verharmlosen darf. Auslösender Faktor war damals der Band „Auschwitz“ von Pascal Croci, den die Comic-Schmiede |Ehapa| seinerzeit veröffentlichte und damit in Teilen der Fangemeinde – immerhin werden auch die Geschichten von Micky Maus und Donald Duck über diesen Verlag auf den Markt gebracht – für Entrüstung sorgte. Völlig unsinnig, wie ich finde, denn wer die Intention der Geschichte begriffen hat, sollte wissen, dass man erstens mit Comics keine realen Fakten verharmlost, zweitens lediglich seine Fantasie in Bilder fasst und drittens nicht gleich politisch Stellung bezieht, wenn man sich einem schwierigen Thema widmet. Eigentlich spielt meine Meinung diesbezüglich hier nur eine zweitrangige Rolle, aber ich finde ganz und gar nicht, dass schwarze Flecken in der Geschichte auf ewig ein Tabuthema bleiben sollten, und deswegen kann ich gegen eine derartige, in gewisser Hinsicht sicher außergewöhnliche Herangehensweise auch absolut nichts einwenden.

Das hat sich wohl auch Joe Kubel, ein gebürtiger Pole, der bereits 1926 im Alter von gerade mal zwei Monaten in die Vereinigten Staaten auswanderte, gedacht und zum 60. Jahrestag des Aufstands im Wahrschauer Ghetto einen ganz besonderen Comicband erstellt, der teils auf realen Fakten basiert, teilweise aber auch fiktiv inszeniert wurde.
In „Yossel, 19. April 1943“ beschreibt Kubert nämlich die Situation im Wahrschauer Ghetto, in der er selbst damals zwar nicht gewesen ist, er versetzt sich allerdings auch selber in die Lage der dort zusammengepferchten Juden und erzählt die Geschichte aus der Perspektive eines gefangenen Juden. Im Mittelpunkt steht der „Was wäre wenn“-Gedanke, der Kubert wohl sein ganzes Leben begleitet hat. Womöglich befände dieses Buch jetzt gar nicht in meinen Händen, wären Kuberts Eltern nicht damals ausgewandert, und alleine diese Tatsache mutet schon ziemlich seltsam an, verdeutlicht aber auch, welches Glück der Autor und Zeichner einerseits hatte, auf der anderen Seite aber auch, dass die grausame Gefangennahme von zwei Millionen Menschen damals auch den sehr wahrscheinlichen Tod bedeutete. Dies alles sind Themen, die man ja heutzutage gerne von sich schiebt, doch in Person dieses fast 80-jährigen Mannes, dessen glückliches Schicksal ihm damals unwissend das Leben gerettet hat, noch einmal auf eine recht seltsame Weise vor Augen geführt bekommt und die nicht weniger schockieren als vergleichbare Bände der allgemeinen Literatur.

_Geschichte:_

Joe Kobert alias Yossel wird infolge des deutschen Angriffs mitsamt seiner Familie von den Nazis ins Warschauer Ghetto gesperrt und dort unter menschenunwürdigen Bedingungen am Leben gelassen. Tagtäglich beobachtet er, wie Leute in seinem direkten Umfeld in deutsche Arbeitslager gebracht werden, denen man nachsagt, dass sie gleichzeitig auch Todeslager seien. Währenddessen hat sich der Junge, der ein besonderes Talent im Zeichnen hat, auch einer Gruppe von jungen Rebellen angeschlossen, die insgeheim schon Fluchtpläne schmieden.

Bei einer Routinekontrolle entdecken die Gefängniswächter das Talent von Yossel und laden ihn ins Hauptquartier der Polizei ein, wo seine Darstellungen von Heldenfiguren als Symbol für den arischen Übermenschen interpretiert und gut geheißen werden, woraufhin Yossel von nun an Tag für Tag zu diesen Menschen gebeten wird, um sie mit seinen Zeichnungen zu unterhalten. Die übrigen Menschen im Ghetto mögen die plötzliche Sonderstellung des jungen Zeichners gar nicht und beäugen ihn misstrauisch, sehen teilweise sogar einen Verräter in ihm. Doch seine Familie ermutigt ihn, seiner Bestimmung zu erfolgen und so dem kaum vermeidbaren Tod zu entrinnen – diese Option bleibt ihnen nämlich nicht mehr, denn trotz Yossels Bemühungen um einen weiteren Verbleib werden seine Angehörigen allesamt nach Auschwitz gebracht.

Im Folgenden beteiligt sich Yossel mehr und mehr an den Aktivitäten der von einem gewissen Mordacai geführten Rebellengruppe und nutzt seine Kontakte zu den Deutschen, um als Spion tätig zu werden. Gemeinsam und von Angst vor dem Tod getrieben, plant man den Aufstand im Ghetto, auch wenn er für den größten Teil der eingesperrten Juden mit dem Todesurteil gleichzusetzen ist.

Grundsätzlich gefällt mir die Idee, Realität und Fiktion miteinander zu verknüpfen, in diesem Fall sehr gut; was mir aber nicht so gut gefällt, ist die Tatsache, dass Joe Kubert die von ihm verkörperte Hauptfigur Yossel anfangs zum Helden einer Geschichte machen will, die einen solchen Typen gar nicht verlangt, und der dabei die eigentliche Tragik und das unglaubliche Verbrechen der Nationalsozialisten (so unsinnig das im Hinblick auf den grausamen Hintergrund auch klingen mag) auf eigene Faust zu aufzulösen versucht.

Kubert stellt dabei immer wieder sein zeichnerisches Talent in den Mittelpunkt der Handlung und erwähnt auch wiederholt, wie fabelhaft dies alle Menschen in seinem Umfeld fanden, und irgendwann nervt das und führt dazu, dass die notwendige Ernsthaftigkeit hinter diesem Thema verloren geht. Ein fataler Fehler, den ich hier ganz stark krisieren möchte, denn die eigentliche Absicht wird hier teilweise ad absurdum geführt.

Es ist zu begrüßen, dass Kubert bemüht ist, einen Comic zun entwerfen, in dem er Historisches mit fiktiven Einschüben kombiniert, aber er hat sich dort an ein Themengebiet herangewagt, in dem die künstlerischen Freiheiten sehr stark limitiert sind, und mir persönlich sagt die Art und Weise, wie er sich an dieses Thema heranwagt, nicht besonders zu, auch wenn dieses Bild im Verlauf der Geschichte immer besser wird. Ich möchte nicht außen vor lassen, dass mich die von ihm entworfenen Bleistiftzeichnungen zum Aufstand im Warschauer Ghetto zutiefst berührt haben, auch nicht, dass die schrecklichen Bilder den Schrecken von damals ziemlich authentisch widergeben, aber sobald der Wahl-Amerikaner seine eigene Note in die Handlung einbringt, leistet er sich grobe Schnitzer und dreht die Geschichte in seiner Erzählung in eine Richtung, die zumindest in den Texten des Comics nicht einmal ansatzweise den Schrecken des Lebens in dieser Nazieinrichtung originalgetreu reflektiert. Lediglich die Zeichnungen sind voller Tiefgang, aber da der Text hier größtenteils das Geschehen überlagert, geht dieser Aspekt sehr häufig unter.

Vielleicht ist dieser Punkt nun auch eine allzu harte Kritik, denn es ist sicherlich nicht Kuberts Ziel, die eigene Person zu rühmen und die Zustände im Warschauer Ghetto durch den fiktiven Einbezug des jungen Helden Yossel herunterzuspielen (und das tut er besonders in der zweiten Hälfte ganz bestimmt nicht, eher im Gegenteil), aber wir haben es hier nun einmal mit einem Thema zu tun, das nach wie vor nicht einfach ist, und an das man zu Recht mit einer gespannten Erwartungshaltung und gänzlich anderen Kriterien herangeht als an eine ’normale‘ Geschichte. Und wenn man das berücksichtigt, dann hat der Mann hinter diesem Hardcover-Band abgesehen von den Zeichnungen ein wenig das Ziel verfehlt.

Zu erwähnen wäre noch, dass der Text in „Yossel, 19. April 1943“ an zu vielen Stellen eine gewichtigere Rolle spielt als die bewusst grob gehaltenen Zeichnungen, und das ist ein weiterer Punkt, den man kritisieren könnte, vor allem, weil Kubert durchaus in der Lage wäre, seine Bilder ganz für sich sprechen zu lassen. Ich kann einfach nicht oft genug betonen, dass der Mann tatsächlich aus diesem Buch eine bewegende und mit vielem Emotionen geschmückte Erzählung hätte kreieren können, und ich merke, dass ich während dieser Rezension doch noch versuche, die positiven Aspekte dieser Schöpfung irgendwie herauszustellen, aber schlussendlich muss ich mir vielleicht auch eingestehen, dass ich ein wenig davon enttäuscht bin, dass Kubert das Potenzial hinter seiner Idee nur in seinen Zeichnungen, nicht aber im Gesamtwerk ausgelebt hat. Eine zwiegespaltene Angelegenheit also, ich empfehle jedoch Interessenten dieses Themenbereichs, mal einen Blick in das Buch zu werfen, die Texte erstmal außen vor und sich von den Bildern leiten zu lassen. Zumindest das wird einem unter Garantie ein paar atemberaubende Momente bescheren, von denen der Autor locker noch mehr hätte erschaffen können. Wie gesagt, im Endeffekt finde ich es schade um die ungenutzte Chance.

Froideval, François Marcela / Pontet, Cyril – Krone des Schattens, Die (Die Chroniken des schwarzen Mondes 6)

Band 1: [Das Zeichen der Schatten 1625
Band 2: [Der Flug des Drachen 1638
Band 3: [Das Zeichen der Dämonen 1697
Band 4: [Die Stunde der Schlange 1767
Band 5: [Scharlachroter Tanz 1768

Mit dem sechsten Band von „Die Chroniken des schwarzen Mondes“ tat sich in dieser Serie eine gewichtige Änderung auf. Von nun an war Cyril Pontet für die grafische Gestaltung der Comics zuständig und löste den etatmäßigen Olivier Ledroit ab.

Cyril Pontet wurde 1971 in Marseille geboren und begann nach dem Abitur Psychologie zu studieren. Doch mittendrin brach er das Studium ab, um Comics zu zeichnen. Seine Inspiration holte er sich sowohl von amerikanischen Comics als auch aus der Fantasy-Literatur von Tolkien, Fritz Leiber, Michael Moorcock sowie Lovecraft und Ramsey Campbell. „Die Chroniken des schwarzen Mondes“ ist seine erste Serie.

_Story:_

Der Krieg scheint beendet und der Kaiser wähnt sich nach der offensichtlichen Niederlage und dem Tod von Hazeel Thorn und dem Baron von Moork als sicherer Sieger. Doch mit der Eintracht ist es nicht lange her, denn von Neuem werden Intrigen gesponnen, um dem Landesherren die Macht streitig zu machen. Der eigens von Kaiserhand entmachtete Fratus Sinister schwört ebenso Rache wie der sich verraten gefühlte Parifal, und auch Hazeel Thorn und der Baron von Moork, die ihr Leben irgendwie dennoch haben retten können, schmieden bereits neue Pläne, um den schwarzen Mond an die Macht zu bringen.

Wismerhill kann die beiden dazu ermutigen, erst einmal eine Zeit lang von der Bildfläche zu verschwinden und ihn über Moork herrschen zu lassen. So können sie fernab des Kaiserreichs einen neuen Angriff vorbereiten und den Kaiser schließlich gänzlich in die Knie zwingen. Der jedoch weiß nichts von diesen Machenschaften und entsendet Graf Horkher nach Moork, um ihm die Macht über das Gebiet des ehemaligen Barons zu überlassen. Horkher glaubt zu träumen, als er in Moork von einer netten Bevölkerung begrüßt und herzlich aufgenommen wird.

Doch der Schein trügt; Wismerhill hat dem Grafen einen Hinterhalt gelegt und überfällt sein Gefolge in einem blutigen Attentat. Den Grafen verschont er unter der Bedingung, dass er ihm seine Stadt überlässt und als Graf abdankt. Horkher bleibt keine andere Wahl, und in einem weiteren blutigen Anschlag nimmt Wismerhill seine Stadt ein – aus weiter Ferne wird er allerdings von Hazeel Thorn und dem Baron von Moork beobachtet, die seinem Treiben mit Wohlwollen zuschauen. Auch der Kaiser bekommt von Wismerhills Feldzug Wind, und als der Ritter schließlich vor ihn tritt, um dem Kaiser Treue und Gefolgschaft zu schwören, erahnt der alte Herrscher den erneuten Hinterhalt und schwört sich insgesheim, Wismerhill und seine Helfershelfer teuer bezahlen zu lassen.

In „Die Krone des Schattens“ legt François Froideval ein gehöriges Erzähltempo vor, was leider, wie auch schon im vorangegangenen Band, dazu führt, dass es nicht immer leicht ist, dem wilden Treiben im Kaiserreich Lhynn zu folgen. Dieses Mal ist es sogar noch ein ganzes Stück schwerer, weil zum Beispiel die Rolle des Succubus und der plötzliche Sinneswandel Wismerhills, der hier immer mehr zum brutalen Räuber und machtgierigen Herrscher avanciert, nicht eindeutig dargestellt werden. Er allein weiß von der weiteren Existenz Hazeel Thorns, doch erklärt das noch lange nicht den kompromisslosen Machtmissbrauch und seine kaltherzige Herrschaft, der selbst seine eigenen Leute zum Opfer fallen. Es wird also mal wieder komplex, was gleichzeitig bedeutet, dass der Autor erneut weitere Nebenhandlungen aufbaut, die jedoch hier noch nicht mal ansatzweise gelöst werden. Man muss also weiterhin auf seinen langen Atem vertrauen und sich bis zur Fortsetzung im nächsten Buch vertröstet lassen, ist sich andererseits aber auch irgendwie sicher, dass später wieder alles logisch zusammenfällt, man selber sich aber gleichzeitig ärgert, dass man diverse Hintergründe nicht schon früher durchschaut hat. Aber genau das ist ja auch in gewissem Maße die Stärke von „Die Chroniken des schwarzen Mondes“ und ihrem Schöpfer François Marcela Froideval.

Andererseits gehen die Zeichnungen des neuen Grafikers Cyril Pontet genau die umgekehrte Richtung und sind ein wenig runder und simpler dargestelt, als dies bei seinem Vorgänger der Fall war. Andererseits hat er aber ganz klar den Schriftzug von Olivier Ledroit übernommen, nur dass Pontet nicht ganz so viele Details in seinen Zeichnungen unterbringt. Aber ich muss zugeben, dass es auch sehr schwer fällt, die einzelnen Unterschiede, die sich wirklich auf Feinheiten beschränken lassen, festzustellen und der Leser dies wahrscheinlich auch nicht sehen würde, wenn er nicht wüsste, dass hier ein neuer Zeichner am Werk ist. Der Wechsel der Zeichner hat also nur minimale Änderungen hervorgerufen, die aber für die weiterhin geniale, dieses Mal wieder weniger brutale Serie quasi gewichtslos sind. Als Fan kann und muss man die Geschichte mit „Die Krone des Schattens“ in aller Ruhe weiterlesen.

Feldhoff, Robert / Schulz, Dirk – Berlin 2323

In einer fernen Zukunft. Berlin ist am Boden. DJs heizen der Menge auf den Straßen ein. 24 Stunden täglich Dauerberieselung. Der Rest besteht aus Hinterhöfen, Müll und Hundekacke. Über allem schwebt ein Tyrann, der den Stadtstaat an außerirdische Eroberer verschachern will. Autor Robert Feldhoff will in seinem Comic „Berlin 2323“ richtig loslegen und ausflippen. Leider kommt er nicht einmal vom Start weg.

In Berlin ist die Hölle los. Die Zukunft hat der Hauptstadt übel mitgespielt. Im Jahre 2323 ist die Metropole zu einem überdimensionalen Karnevalsverein verkommen. Die halbe Galaxis feiert hier ein munteres Stelldichein. Nach der Party wird unter der Siegessäule gebumst, wenn sich kein anderes Plätzchen findet. Und der amtierende Bürgermeister – ein fetter Despot namens Quentin – schwebt in einer Sänfte über den Dingen. Er trägt zum allgemeinen Unwohlsein bei, indem er die Invasion der gefürchteten Schwarzen Magier vorbereitet. Von den Feiernden kümmert das allerdings niemanden so richtig.

Zum Glück gibt es Scilla und ihre Freunde. Die Blondine mit der großen Oberweite gehört zu einer Untergrundorganisation, die das fiese Stadtoberhaupt ausschalten will. Mit dabei sind Ratte, ein tätowierter Revolverheld, und Indigo, ein Pavian-Alien, der verflucht große Ähnlichkeit mit Klaus Meine von den |Scorpions| hat. Angeführt wird die Möchtegern-Guerilla-Truppe von dem rechtmäßigen Bürgermeister, der in den Untergrund fliehen musste und sein Amt zurückhaben will.

Die Fronten sind so weit geklärt. Was folgt, ist eine Hetzjagd vorbei an den Touristenmagneten der Stadt. Vom Brandenburger Tor geht es nach Schloss Sanssouci und weiter in den japanischen Garten. Weil wir aber einen Comic und keinen Reiseführer lesen wollen, wurden die Sehenswürdigkeiten für das Jahr 2323 billig aufgepeppt. Der Plenarsaal des Reichstages hat sich in ein Pornokino verwandelt, im Funkturm befindet sich ein Bordell, und das Stadion des Hertha BSC schwebt – getragen von mehreren Ballons – über dem Erdboden.

|Carlsen|s neues Produkt macht optisch einiges her. Wie schon zuvor der französische Comic-Roman „Jenseits der Zeit“ erscheint auch Berlin 2323 in einem neuartigen Format. Hardcover, dickes Papier, einhundert Prozent Farbe und eine handliche Größe (17,5 cm x 24,5 cm) lenken den Blick im Laden auf sich. Der Zeichner Dirk Schulz – Designer, Grafiker und Schöpfer von „Indigo“, „Chiq und Chloe“ und „Parasiten“ – beschert dem Leser abwechslungsreiche Seitenaufteilungen. Volle, runde Bildwelten und eine tolle Kolorierung zeichnen den Band aus.

Die optischen Qualitäten alleine machen Berlin 2323 leider noch zu keinem Lesevergnügen. Autor Robert Feldhoff, hauptberuflich Chef der SF-Romanreihe |Perry Rhodan|, hätte sich ein bisschen mehr ins Zeug legen sollen. Zusammenhanglos stehen die Elemente der Geschichte nebeneinander, nur verbunden durch einen harmlosen Plot, der nicht gerade vor Einfallsreichtum sprüht. Wie der Welt, so fehlt auch den Figuren ein ausgearbeiteter Hintergrund, der ihren Charakter formen und der Geschichte mehr Tiefe verleihen könnte. Stattdessen werden sie zu Stichwortgebern und Handlungstreibern degradiert. Eine Identifizierung seitens des Lesers bleib da selbstverständlich aus.

Offensichtlich sind auch Feldhoff diese Mängel aufgefallen. Statt einer gründlichen Überholung hat er jedoch einen schnellen Anstrich vorgezogen. Damit der Leser nicht ins Grübeln gerät und seiner eigenen Langeweile gewahr wird, wechseln sich die schnöden Themen des Bandes kontinuierlich miteinander ab: Sehenswürdigkeiten, Sex, Gewalt und Party. Herausgekommen ist ein geistloses Hochglanzprodukt von der Stange. Wem das reicht, der kann bei „Berlin 2323“ guten Gewissens zugreifen. Allen anderen sei geraten: Finger weg!

http://www.berlin2323.de

Steven Hillenburg u. a. – SpongeBob Schwammkopf – Krosse Krabbe-Abenteuer

Im ersten Teil der Cinemanga-Reihe zum Thema „SpongeBob Schwammkopf“ beschäftigen sich alle Mini-Comics mit dem Arbeitsplatz des kleinen gelben Schwamms, der so genannten „Krossen Krabbe“. Hier treibt er unter der Leitung des geldgierigen Mr. Krabs von morgens früh bis abends spät sein Unwesen und bringt seinen Kollegen Thaddäus Tentakel dabei jedes Mal wieder zur Verzweiflung.
„Krosse Krabbe-Abenteuer“ enthält wiederum vier Hochglanz-Comics, bei denen erneut alle Freunde und Widersacher von SpongeBob mit von der Partie sind.

Chef werden ist nicht schwer

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