Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Brian Sibley – J. R. R. Tolkien – An Audio Portrait

Vielstimmige Einführung in Leben und Werk Tolkiens

Die meisten Menschen kennen Tolkiens Werk, insbesondere den zweimal verfilmten „Herrn der Ringe“. Wesentlich weniger Leute kennen auch den „Hobbit“ und „Das Silmarillion“, noch weniger auch Tolkiens zahlreiche Gedichte und Geschichten. Dennoch mutmaßen alle dieser Leser und Zuschauer über den Urheber all dieser Werke und stellen mitunter die abwegigsten Theorien auf. War er selbst ein Hobbit? Ja und nein. Brian Sibley will der Sache in seinem Autorenporträt auf den Grund gehen.

Die Autoren Sibley und Tolkien
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Caveney, Philip – Sebastian Dark 1: Der falsche König (Lesung)

Aus dem Palast in die Sklaverei: klischeereiche Abenteuer

Der junge Sebastian Dark ist auf dem Weg nach Keladon, um sich als Hofnarr bei König Septimus zu bewerben. Nachdem es ihm unterwegs gelungen ist, zusammen mit seinem Gefährten Cornelius Drummel Prinzessin Kerin, die Nichte des Königs, vor einem Brigantenüberfall zu retten, scheint der Weg dafür geebnet: Die Stelle als Hofnarr wird gewiss seine Belohnung sein, oder? Bald jedoch haben die Freunde das Gefühl, dass man ein falsches Spiel mit ihnen spielt. Und bei dem Versuch, Prinzessin Kerin erneut zu helfen, geraten sie in höchste Gefahr.

Ich empfehle das Hörbuch ab zwölf Jahren, obwohl die einfache Handlung jeder Achtjährige verstehen könnte.
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Fünf Freunde und das seltsame Haus in der Schlucht (Folge 157)

Die Handlung:

Kurz vor Weihnachten hat Onkel Quentin beruflich in Schottland zu tun. Er schlägt den Fünf Freunden vor, ihn zu begleiten und im Anschluss in den Bergen zu wandern. Während Quentin seinen Termin in Aberdeen wahrnimmt, fahren Julian, George, Dick, Anne und Timmy schon einmal mit dem Zug Richtung Westen. Das Cottage, das Quentin gemietet hat, liegt idyllisch in den Bergen. Und nachdem sich die Freunde dort umgesehen haben, unternehmen sie eine erste spontane Wanderung. Doch auf dem Rückweg verirren sie sich. Und dann beginnt es auch noch zu schneien. Ziellos irren die Freunde umher – da entdecken sie in einer Schlucht eine einsame Hütte und suchen Zuflucht in ihr. Sie ahnen nicht, dass sich dort ein Geheimnis verbirgt … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Auf gehts ins unverschneite Schottland. Aber, so lange scheinen die vier Freunde mit Hund laut Klappentext keinen Spaß dran zu haben. Das gemietete Häuschen ist zwar nett und der Kühlschrank gut gefüllt, aber schon die erste Wanderung verläuft dramatischer als geplant. Plötzlich fängts an zu schneien und die Kids verlieren die Orientierung.

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Die drei ??? – Die Yacht des Verrats (Folge 224)

Die Handlung:

Justus Jonas ist einmalig – oder etwa nicht? Unerwarteter Besuch und ein Diebstahl führen die drei ??? auf die Yacht des Verrats. Justus, Peter und Bob trauen ihren Augen kaum, als ihnen Ian Carew wieder gegenübersteht. Ein alter Fall verbindet die Detektive mit dem Sohn des ehemaligen Premierministers von Nanda. Kein Wunder, dass Ian erneut ihre Hilfe sucht. Er ist im Auftrag seines Landes in Rocky Beach, doch jemand verfolgt ihn und in sein Hotelzimmer wurde eingebrochen. Können die drei ??? ihrem Freund helfen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Willkommen zum ersten ???-Hörspiel mit Frühstartcharakter. Bei den Kollegen eines bekannten Download-Hörverkäufers hatte offenbar jemand bei der Eingabe des Erscheinungs- und Veröffentlichungstermins den falschen Monat eingegeben. Und so konnten sich schnelle Abonennten des Anbieters das Hörspiel schon einen ganzen Monat früher sichern. Es hat tatsächlich einige Tage gedauert, bis das aufgefallen ist und das Hörspiel dann wieder aus dem Programm genommen wurde. Irgendwer wird mächtig Ärger bekommen haben. Der Nachteil ist natürlich, dass die Schnellzugreifer jetzt einen Monat länger auf die nächste Folge warten müssen. Irgendwas is‘ halt immer.

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Lovecraft, H. P. / Orchester der Schatten – Wälder der Finsternis (Der Ruf des Dämon 2) [inszenierte Lesung

Stimmungsvoll: von Kannibalen und Außerirdischen

„Der Ruf des Dämon 2“: Auch in der zweiten Produktion des ‚Orchesters‘ werden Texte von HPL präsentiert, jedoch melden sich hier weder Cthulhu noch andere Persönlichkeiten aus seinem Kosmos des Grauens zu Wort, auch das Necronomicon bleibt dieses eine Mal verschlossen. Das Grauen erscheint vielmehr als Monstrum in Menschengestalt bzw. in Form einer mitleidslosen wie unpersönlichen Macht aus dem All, die es nicht nötig hat, sich einen Namen zu geben, und dadurch umso beängstigender wirkt.

INHALT

– Das Bild im Haus (gesprochen von Torsten Sense);
– Astrophobos / The Messenger / The House (poems; gesprochen von Simon Newby);
– Die Farbe aus dem All (gesprochen von Simon Jäger)

[Rezension zum ersten Teil 1823

Der Autor

Howard Phillips Lovecraft, 1890-1937, hatte ein Leben voller Rätsel. Zu Lebzeiten wurde er als Schriftsteller völlig verkannt. Erst Jahre nach seinem Tod entwickelte er sich zu einem der größten Horror-Autoren. Unzählige Schriftsteller und Filmemacher haben sich von ihm inspirieren lassen.

Howard Phillips Lovecraft wurde am 20. August 1890 in Providence, Rhode Island, geboren. Als Howard acht Jahre alt war, starb sein Vater und Howard wurde von seiner Mutter, seinen zwei Tanten und seinem Großvater großgezogen. Nach dem Tod des Großvaters 1904 musste die Familie wegen finanzieller Schwierigkeiten ihr viktorianisches Heim aufgeben. Lovecrafts Mutter starb am 24. Mai 1921 nach einem Nervenzusammenbruch. Am 3. März 1924 heiratete Lovecraft die sieben Jahre ältere Sonia Haft Greene und zog nach Brooklyn, New York City. 1929 wurde die Ehe, auch wegen der Nichtakzeptanz Sonias durch Howards Tanten, geschieden. Am 10. März 1937 wurde Lovecraft ins Jane Brown Memorial Krankenhaus eingeliefert, wo er fünf Tage später starb. Am 18. März 1937 wurde er im Familiengrab der Phillips beigesetzt. Nach seinem Tod entwickelte er sich bemerkenswerterweise zu einem der größten Autoren von Horrorgeschichten in den USA und dem Rest der Welt. Sein Stil ist unvergleichlich und fand viele Nachahmer. (abgewandelte Verlagsinfo)

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne sind nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman [„Der Flüsterer im Dunkeln“. 1961

Kurz und bündig mehr über Lovecraft: http://www.orchesterderschatten.de/autor.htm

Die Sprecher/Die Musiker

Simon Jäger, geboren 1972 in Berlin. Seit 1982 arbeitet er als Synchronsprecher bei Film und TV. Er lieh u. a. Josh Hartnett, James Duvall, Balthazar Getty und River Phoenix seine Stimme, aber auch „Grisu der kleine Drache“, und war auch in TV-Serien wie „Waltons“ oder „Emergency Room“ zu hören. Seit 1998 arbeitet er zudem als Autor und Dialogregisseur. (Homepage-Info)

Simon Newby, geboren 1961 in Long Eaton, England, studierte an der Guildhall School of Music & Drama (Bachelor-Abschluss in Dramatic Arts). Seit 1990 erledigte er zahlreiche Regiearbeiten an verschiedenen Bühnen Berlins, war als Voice-Over- und Synchronsprecher sowie als Dialog-Coach tätig, seine Hobbys sind Trompetespielen und Tauchen. Zu seinen Sprachkenntnissen zählt er: „Englisch (Britisch und Amerikanisch), Deutsch (perfekt)“.

Torsten Sense, Sprecher, ist Schauspieler und Komponist für moderne Kammermusik, Musiktheater und Filmmusik. Von 1972 bis 1990 spielte er an diversen Theatern, darüber hinaus lieh er als Synchronsprecher Val Kilmer in „The Doors“ und „Batman Forever“ sowie Kyle McLachlan in „Twin Peaks“ seine Stimme.

Das „Orchester der Schatten“:

„Das Orchester der Schatten präsentiert klassische Geschichten von Kultautoren wie H. P. Lovecraft und E. A. Poe, die mit ihren bizarren Welten des Grauens schon Generationen von Lesern begeistert haben. Ohne vordergründige Effekte wird von Mythen, fremden Mächten oder einfach von dem Horror erzählt, der sich in der menschlichen Seele verbirgt. Begleitet werden die Erzählungen vom Orchester der Schatten, dessen Live-‚Filmmusik‘ komponierte Scores, Klangeffekte und improvisierte Elemente vereint.“ (Homepage-Info)

Matthias Manzke:
*4.10.1971; Jazzstudium an der HdK Berlin sowie an der New School New York; Unterricht u. a. bei David Friedman, Peter Weniger, Richie Beirach, und Jane-Ira Bloom; Rumänien-Tournee 1997; Teilnahme am Jazzfestival Hradec Kralove, Engagements bei Theater- und Filmproduktionen; CD-Aufnahmen mit der Berliner Big Band JayJayBeCe (BIT-Verlag 1997), mit dem Sänger Robert Metcalf (Dt. Grammophon 1998) sowie mit dem FRAW FRAW Saxophon4tett (2002); zzt. regelmäßige Konzerttäigkeit mit dem FRAW FRAW Saxophonquartett in ganz Deutschland und mit Projekten im Berliner Planetarium am Insulaner

Stephan Wolff:
1956 in Berlin geboren; Jurastudium; Dirigierstudium, Kompositions-Unterricht bei N. Badinski; Tätig als Komponist, Dirigent, Keyboarder; seit 1994 Lehrtätigkeit an der Leo-Borchard-Musikschule; Stilübergreifende Kompositionen zwischen Klassik, Jazz und Pop. Produktion und Mitgestaltung diverser Live-Elektronik-Projekte, u. a. „Dialogues“ (1998), „Losing One’s Head“ (1999), Filmmusiken, Bühnenmusiken, Traumspiel-Oper „Abaddon“ (1998/2001); Zahlreiche Songs und Lieder, auch für Kinder, z. B. „Erdenklang & Sternenbilder“ (1996), „Songs aus dem All“ (2000/2001), „Cool & Cosi“ (2000)

Torsten Sense:
Komponist für moderne Kammermusik, Musiktheater und Filmmusik sowie Schauspieler. Er veröffentlichte vier Musiktheaterstücke, vier Orchesterwerke, 24 Kammermusikstücke, zwei Orgelwerke, 13 Bühnenmusiken sowie ca. 60 Film- und Fernsehmusiken. Er wirkte an unzähligen Synchronisationen mit, so lieh er beispielsweise Val Kilmer in „Doors“ seine Stimme und Kyle McLachlan in „Twin Peaks“.

Und andere. Mehr Info: http://www.orchesterderschatten.de.

Handlung von „Das Bild im Haus“ (gesprochen von Torsten Sense)

Ein junger Archäologe interessiert sich für die unheimlichen einsamen Gehöfte, die in Neu-England verlassen und überwuchert vor sich hin schlummern. Doch sie bergen das Grauen und das Groteske. Und ihre Fenster blicken wie Augen auf den ahnungslosen Besucher, sie erinnern sich an Unaussprechliches …

Es ist November 1896, als der junge Ich-Erzähler Zuflucht vor einem Wolkenbruch sucht. Er ist durch das Miskatonic Valley nahe Arkham (= Salem/Massachusetts) geradelt. Ein Haus unter Ulmen bietet ihm Obdach, niemand antwortet auf seine Rufe, die Tür ist offen, und der Besucher tritt in eine andere Zeit.

Zuerst fällt ihm ein widerlicher Geruch auf. Sie entsteigt dem Inventar, das offenbar aus der Zeit vor 1776 stammt, als der amerikanische Unabhängigkeitskrieg ausbrach. Auf dem Tisch fällt ihm ein aufgeschlagenes Buch aus dem 16. Jahrhundert auf, das den Titel „Beschreibung des Kongo“ trägt und auf der Tafel 12 aufgeschlagen ist. Es zeigt den Metzgerladen von Menschenfressern auf drastische Weise. Daneben steht ein Buch von Cotton Mather, der puritanischen Hauptfigur der Hexenprozesse von Salem.

Da hört er Schritte, die von oben kommen. Es ist ein alter, weißbärtiger Mann, doch erscheint er überraschend stämmig und kräftig, seine blauen Augen blicken wach, wenn auch ein wenig blutunterlaufen. Nur will sein lumpenartiges Äußeres gar nicht dazu passen. Der Besucher ist abgestoßen und verspürt Beklommenheit. Der Alte bietet höflich einen Stuhl an und erwähnt, es würden keine Postkutschen mehr von Arkham kommen und der Bezirkslehrer sei seit anno ’84 verschwunden. Er setzt eine alte Brille mit achteckigen Gläsern auf. Dann bittet er seinen Besucher, aus dem „Regnum Congo“, das in Latein geschrieben ist, zu übersetzen.

Seine freundliche Geschwätzigkeit vermag das gierige Glitzern in den Augen kaum zu verbergen, mit dem er seinen Gast belauert. Während des folgenden bizarren Gesprächs wächst in unserem jungen Besucher nicht nur der Ekel vor den sonderbaren Ausführungen seines Gastgebers, sondern auch die Gewissheit, dass der Alte ein böses Spiel mit ihm treibt und sein Opfer bereits in der Falle weiß …

Mein Eindruck

Diese frühe Erzählung aus dem Jahr 1920 wird selten abgedruckt, denn sie rührt an ein Tabu, das sehr unappetitlich ist: Kannibalismus. Der Alte verschlingt seine ahnungslosen Opfer, nach dem Vorbild der Bewohner des Kongo. Degeneration – ein häufig wiederkehrendes Motiv in Lovecrafts Erzählungen. Degeneration nicht so sehr im körperlichen Sinne (der Alte ist unnatürlich kräftig und gesund), sondern vielmehr im moralischen. Die Grenze zwischen Tier und Mensch existiert für den Alten nicht mehr.

Eingebettet in das Bild vom Haus des Menschenfressers ist die Warnung vor der unheiligen Vergangenheit Neu-Englands – der Verweis auf Cotton Mather spricht für den Eingeweihten Bände. Lovecraft entführt den Leser bzw. Hörer in diese andere Zeit, um ihn mit schaurigen Phänomenen zu konfrontieren und davor zu warnen.

Archäologen sind in dieser Phase seine bevorzugten Protagonisten – beispielsweise in „Der Hund“ in „Ruf des Dämon 1“, aber auch in vielen weiteren Erzählungen. Sie begegnen schrecklichen verbotenen Geheimnissen, denen ihr säkularisierter Verstand, der Gott entsagt hat, nichts entgegenzusetzen hat. Anfällig für alle Arten von „unheiligen“, blasphemischen und sonstigen Dingen, leisten sie auch selten Gegenwehr gegen die Großen Alten, von denen in der nächsten Geschichte die Rede sein soll.


Handlung von „Die Farbe aus dem All“ (gesprochen von Simon Jäger)

Es gibt eine Gegend am Miskatonic westlich von Arkham, wo die Berge steil emporsteigen, die man die „Verfluchte Heide“ nennt. Die früheren Bewohner sind fortgezogen, und Fremde werden hier nicht heimisch, weil schlechte Träume sie heimsuchen. Nur der alte Ammi Pierce, der unweit Arkhams lebt, spricht über das, was hier einst blühte und gedieh, an der alten Straße, wo die Farm von Nahum Gardner lag. Die neue Straße macht einen großen Bogen nach Süden um dieses Gebiet herum.

Möge der geplante Stausee bald die verfluchte Heide bedecken und die seltsam unnatürlichen Farben auslöschen, in denen sie funkelt. Aber ob man vom Wasser dieses Sees trinken sollte, fragt sich der Landvermesser, der diese Gegend zuerst besucht hat. Die Heide mit ihrem stinkenden Moder, den verkrüppelten Bäumen und dem verdorrten Gras breitet sich jedes Jahr weiter aus.

Folgendes erfuhr er von Ammi Pierce, dem besten Freund der Familie Gardner: Dort, wo einst die florierende Farm von Nahum Gardner stand, umgeben von fruchtbarem Weideland und Obstanbau, existiert nur noch toter Staub, der das Sonnenlicht in merkwürdigen, unirdischen Farben reflektiert.

Alles begann, nachdem 1882 der Meteorit sich in der Nähe von Nahums Brunnen in die Erde gegraben hatte. Ammi ist überzeugt: Eine fremde Macht aus dem All versank in der Erde, kurz darauf setzten rätselhafte Veränderungen bei Tieren und Pflanzen ein. Die Natur schien aus dem Gleichgewicht, die armen Menschen – zuerst Mrs Gardner – wurden von einem Wahnsinn ergriffen oder verschwanden spurlos, und alle Dinge weit und breit begannen, in unbeschreiblichen, widerwärtigen Farben zu leuchten – bis heute …

Mein Eindruck

Dies ist eine der besten Geschichten des Meisters aus Providence. Sie besticht den Leser bzw. Hörer durch ihre reportagehafte Genauigkeit, die Kühlheit ihrer genauen Beschreibungen, die trotz des horriblen Inhalts dennoch von der Vernunft gesteuert werden, als habe Edgar Allan Poe selbst die Feder des Schreibers geführt. Auch die „Einheit der Wirkung“, eine zentrale Forderung Poes von der Kurzgeschichte, ist vollständig und vorbildlich erfüllt.

Diese Geschichte steigert sich in Stufen und mit Verschnaufpausen bis zu einem solch phantasmagorischen Moment kosmischen Schreckens, dass es ein Wunder wäre, wenn der Leser bzw. Hörer nicht davon ergriffen würde. Zuerst zeigen sich nur leise Andeutungen, die sich zunehmend verdichten, je schwerer die Beeinträchtigung von Nahum Gardners Farm wird. Ammi Pierce ruft auch Wissenschaftler der Miskatonic Universität herbei, die aber auch nicht allzu viel ausrichten können. Sie finden allerdings Kugeln in einer unirdischen Farbe, und es ist anzunehmen, dass diese Substanzen ihren Weg in den Brunnen und somit ins Trinkwasser der Gardners finden.

Schon bald ändert sich der Geisteszustand von Mrs Gardner. Ihr Mann sperrt sie auf den Dachboden, ihr folgen ihre drei Söhne. Das menschliche Drama nimmt seinen Lauf, bis selbst der Alte vom Wahnsinn ergriffen wird. Erst als Ammie Pierce Nachbarn und besorgte Bürger mobilisiert, um nach ihm zu sehen, erreicht der Horror seinen Höhepunkt. Sie blicken aus dem Farmhaus hinaus auf eine Vision der Hölle. Denn nun wächst das Grauen um eine weitere Dimension: das Grauen wird kosmisch. Es kommt von den Sternen und es kehrt zu den Sternen zurück, allerdings nicht ohne ein sinistres Erbe zu hinterlassen: die sich ausbreitende „verfluchte Heide“.

Diese Heide birgt etwas, das nicht nur physisch existiert, sondern auch die Träume des Heidebesuchers heimsucht. Wie schon Nahum Gardner sagte: „Es zieht einen an, man kommt nicht weg.“ Und deswegen blieb er auf seiner Farm bis zum bitteren Ende, ähnlich wie Ammi Pierce. Und ob der Landvermesser je davon loskommt, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden.

Die Gedichte (gesprochen von Simon Newby)

Astrophobos

Das lyrische Ich beobachtet einen golden scheinenden Stern in der Nähe des Polarsterns und fabuliert von Schönheit, Heiterkeit, ja von himmlischer Herrlichkeit. Doch die Schönheit stellt sich als Trugbild heraus, als sich ein roter Schein darüber legt. Aus Hoffnung wird Hohn, aus Schönheit ein Zerrbild und aus Vergnügen Wahnsinn. Der Stern mag verschwinden, doch der Horror bleibt „forevermore“.

Das Gedicht hat in seiner gedanklichen und bildlichen Abfolge starke Ähnlichkeit mit Poes Gedicht „The Haunted Palace“, das in der Erzählung [„Der Untergang des Hauses Usher“ 2347 nachzulesen ist.

Simon Newbys langsamer und gut verständlicher Vortrag erscheint mir sowohl falsch betont als auch falsch intoniert. Der Ton müsste nicht erschreckt klingen, sondern zunächst verzückt und in der zweiten Hälfte verrückt. Über die Aussprache der altertümlichen Wörter bin ich mit ihm als Anglist ebenfalls nicht einer Meinung.

The Messenger (Der Bote)

Dieses Gedicht lässt sich nur als Replik auf einen Journalisten verstehen. Bertrand Kelton Hart lebte fröhlich in Providence, Rhode Island, und arbeitete als Autor einer Kolumne für das Providence Journal, als er entdecken musste, dass das Wohnhaus der Figur Wilcox in HPLs berühmter Story „The Call of Cthulhu“ sein eigenes in Thomas Street Nr. 7 war.

Hart war nicht auf den Kopf gefallen und revanchierte sich in seiner Kolumne mit der Drohung, HPL in dessen Domizil in der Barnes Street einen Geist oder Ghoul auf den Hals zu schicken, der ihn täglich morgens um drei mit dem Rasseln von Ketten wecken sollte.

Im Gedicht ist das lyrische Ich also vorgewarnt, glaubt aber nicht so recht an das Erscheinen des Gespenstes. Er fühlt sich vom Kreuz der Kirche (dem Elder Sign) beschützt. Die Kirchturmuhr schlägt drei, als auf einmal an der Tür ein Klirren und Rasseln von Ketten anhebt …

Simon Newby intoniert das Gedicht melodramatisch, doch ein koketter, zynischer Ton hätte zu der Haltung des Autors wohl besser gepasst.

The House

Gemeint ist das konkrete Haus auf Nr. 135 Benefit Street in Providence, Rhode Island. Dies hat HPL auch zu seiner bekannten und verfilmten Erzählung „The Shunned House“ (Das gemiedene Haus) inspiriert.

Wie so viele Gruselhäuser in der Schauerliteratur ist auch dieses Haus entsprechend ausstaffiert, doch wird es lediglich von außen gezeigt, als wäre es ein bewusstes Wesen von unermesslichem Alter, vor dem man sich fürchten sollte. Die Pointe ist jedoch die Haltung des Betrachters in der vierten Strophe. Ähnlich wie die Hauptfigur in der Story „Der Außenseiter“ wird sich der Betrachter bewusst, dass er schon einmal hier war, und zwar vor ziemlich langer Zeit. Wer oder was ist er?

Mein Eindruck

Diese Gedichte sind keine Balladen von Goethe („Erlkönig“ lässt sich auch als Grusel interpretieren) oder Schiller (der hatte mit „Der Geisterseher“ richtig guten Grusel-Trash geschrieben), sondern (außer in „The Messenger“) eine Art pseudoviktorianische Dekadenzlyrik, wie man sie vielleicht von einem Epigonen Baudelaires oder Poes erwarten könnte. Baudelaire schrieb richtig gute Vampirstorys in seinen Gedichten, die ab 1861 in [„Die Blumen des Bösen“ 553 veröffentlicht wurden.

Furcht vor den kalten und wankelmütigen Sternen gehört ebenso zu HPLs Standardrepertoire wie verfallende, sinistre Häuser und Geister. Die Gedichte bieten dem Kenner nichts Neues. Neu ist jedoch die Tatsache, dass sie erstmals in der Originalsprache auf einem deutschen Medium präsentiert werden, noch dazu von jemandem, der der englischen Sprache sehr gut mächtig ist.

Das Booklet

Das achtseitige Booklet wartet mit umfangreichen, ausreichenden Informationen zu Autor, Orchester, den Machern und mit den Gedichttexten auf. Die zweite Seite listet sämtliche Kapitelüberschriften auf, und das kann bei der langen Erzählung „Die Farbe aus dem All“ recht hilfreich bei der Orientierung sein.

Die Sprecher

Simon Jäger, die deutsche Stimme von Heath Ledger und Josh Hartnett, ist ein sehr fähiger Sprecher für diese gruseligen Texte. Genauso wie sein Kollege Torsten Sense, der „Das Bild im Haus“ liest, lässt er sich jede Menge Zeit, spricht deutlich und kitzelt die unterschwelligen Bedeutungen des Textes hervor. So entsteht ein deutliches Bild der Jahre überspannenden Vorgänge in „Die Farbe aus dem All“.

Ich konnte nur einen Fehler entdecken. Jäger liest „eine Vision von Fuseli“ [sic] statt „eine Vision wie von Füeßli“, denn Lovecraft meint den Schweizer Maler schauriger Motive wie „Der Nachtmahr“, das wohl sein bekanntestes Bild ist (ein dunkler Gnom sitzt auf dem Bauch einer ohnmächtigen, weißgewandeten jungen Frau, und hinterm Vorhang lugt ein weiterer Dämon hervor).

Auch Simon Newby, der in viel größerem Maße als Jäger als Schauspieler tätig gewesen ist, verfügt über eine ausdrucksstarke Stimme, die es ihm erlaubt, auch so schwierige Texte wie die auf alt getrimmten Gedichte HPLs vorzutragen. Über die korrekte Aussprache solcher exotischen Ausdrücke wie „Cacodaemons“ und „ere“ (= bevor) lässt sich wohl streiten.

Die Musik

Da es keinerlei Geräuschkulisse außer ein paar Spezialeffekten (Wind etc.) gibt, beruht die emotionale Wirkung der Akustik einzig und allein auf dem Vortrag des Sprechers und auf der Musik. Die Musik stellt so etwas wie ein experimentelles Novum dar (wie so einiges auf dem Hörbuch). Sie wurde nicht von einem einzelnen Komponisten zwecks Aufführung durch ein Orchester geliefert, sondern wird von einem Musikerkollektiv erstellt und zugleich aufgeführt: dem „Orchester der Schatten“.

In „Ruf des Dämon“ setzten die Komponisten noch jazzbasierte Instrumente und Musikmotive ein. Diese wurden nun durch eine mehr klassische Orchestrierung ersetzt, die dem traditionellen Feeling, das man mit Lovecraft verbindet, mehr entgegenkommt. Besonders gefielen mir die tiefen Bässe, seien sie nun vom Kontrabass, vom Cello oder dem Piano erzeugt. Ihren Gegenpart spielen häufig hohe Geigen, die durch Dissonanzen eine unheimliche Atmosphäre der Beklommenheit erzeugen. Dieses Muster wird zwecks An- und Entspannung variiert. Die Hintergrundmusik wird durch Pausenmusik ergänzt. Insgesamt bildet die Musik eine stilistische Einheit mit dem Inhalt der zwei Erzählungen. Grusel ist garantiert, vielleicht sogar Lovecrafts Markenzeichen: „kosmisches Grauen“.

Unterm Strich

„Der Ruf des Dämon 2: Wälder der Finsternis“ ist als Titel wohl eher eine Missinterpretation, denn weder in „Das Bild im Haus“ noch in „Die Farbe aus dem All“ stehen Wälder im Vordergrund, sondern eher am Rande des Geschehens. Besonders die zweite, sehr lange Erzählung ist ein Meisterstück HPLs, das jeder Fan kennen sollte. Es steht in einer Reihe mit Grundpfeilern des Lovecraftschen Werkes wie „Der Schatten aus der Zeit“ (1934) oder [„Schatten über Innsmouth“ 506 (1936), obwohl es bereits 1927 entstand. Meines Wissens ist dies die erste Veröffentlichung dieser zwei Erzählungen im Hörbuch.

Das Audiobook bietet dem Liebhaber gepflegten Grusels aus dem Hause Lovecraft eine interessante Mischung aus total Traditionellem – die Storys und Gedichte – und innovativ Neuem: die einfühlsame akustische Untermalung durch das „Orchester der Schatten“. Insgesamt also mehr etwas für Spezialisten.

151 Minuten auf 2 CDs
Aus dem US-Englischen übersetzt von Anke Püttmann (Bild im Haus), Matthias Manzke (Farbe aus dem All)

http://www.eichborn-lido.de/ (ohne Gewähr)

George MacDonald Fraser – Die Piraten (Inszenierte Lesung)

Rasantes Piratenabenteuer als trashige Parodie

England, 17. Jahrhundert: Captain Ben Avery soll im Auftrag der Regierung eine wertvolle Krone auf dem Seeweg nach Madagaskar bringen. Mit an Bord ist die schöne Admiralstochter Lady Vanity. Der schmucke Seeheld verliebt sich in sie, doch das Schiff wird von Piraten überfallen, die Krone geraubt und Vanity in die Sklaverei verschleppt. Avery obliegt es, heldenhaft einzugreifen. Allerdings muss er sich dafür mit bizarren Gestalten der Piratenkönigin Black Sheba, dem holzbeinigen Billbo und dem ewig grölenden Firebeard anlegen. Diese zerlegen die Krone kurzerhand in sechs gleiche Teile, und Averys Job ist es – unter vielen anderen -, die Kronenteile zu sammeln und sie wieder heil abzuliefern, egal wo (aber wahrscheinlich nicht wieder in Madagaskar).

Die ganze Chose ist als rasante Parodie auf das Seeräuber-Genre in Film und Literatur angelegt, wie es nach dem Erfolg von „Fluch der Karibik 1+2“ wieder en vogue ist. Der Autor Fraser vermischt dabei schon mal die Zeitebenen und die Kulturphänomene – Gucci in der Karibik? Warum nicht!

Der Autor

Der britische Autor George MacDonald Fraser ist im angelsächsischen Raum recht bekannt für seine vielen „Flashman“-Romane, die meist historische Abenteuer in Europa schildern (nicht zu verwechseln mit Bernard Cornwells Sharpe-Romanen). Fraser schrieb auch Drehbücher, so etwa für Richard Lesters „Musketier“-Trilogie aus den siebziger und achtziger Jahren, zur Verfilmung von Casanovas Leben (mit Richard Chamberlain in der Titelrolle) oder zum James-Bond-Abenteuer „Octopussy“.

Das Booklet enthält das komplette Vorwort des Autors zu seinem Roman, worin er erklärt, wie es im 17. Jahrhundert zuging und welche Ähnlichkeit seine Figuren mit historischen Persönlichkeiten jener Zeit haben.

Die Inszenierung

Die Regie führte wie bei den Terry-Pratchett-Vertonungen Raphael Burri, der auch den Text bearbeitet hat. Für den guten Ton sorgte Olifr Maurmann von StarTrack-Tonstudio Schaffhausen. Das war 1999, so dass die |Lübbe|-Ausgabe von 2006 einen Relaunch bedeutet.

Die Sprecher und ihre Rollen sind:

Amido Hoffmann: Der Erzähler
Bodo Krumwiede: Captain Ben Avery
Sylvia Garatti: Lady Vanity Rooke
Raphael Burri: Col. Tom Blood, Firebeard und ein Sklavenhändler
Rolf Strub: Calico Jack Rackham, Don Lardo, Vladimir Mackintosh Groonbaum, Wirt und Eunuch
Ruth Schwegler: Black Sheba
Roland Müller: Happy Dan Pew und Soldat
Walter Millns: Black Bilbo, Patzlqtln und Spieler
Aki Rickert: Lady Meliflua
Stefan Colombo: Enchillada, Goliath, Wache und Soldat
Armin Kopp: Admiral Rooke und Richter Jeffries
Thomas Monn: Solomon Shafto
Friedrich Schneider: Samuel Pepys
und viele andere. Alle Rollen sind im Booklet aufgelistet.
Mehr Infos und Hörproben gibt es unter http://www.bookonear.com. (ohne Gewähr)

Die Musik

Die fabelhafte Musik zum Hörspiel stammt von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957) und wurde für die beiden Swashbuckler-Klassiker „Captain Blood“ (1935) und „The Sea Hawk“ (1940), beide verfilmt mit Errol Flynn, komponiert. Etwas anderes kam als Musik für die Hörspielfassung auch nicht in Frage, alldieweil sie im Roman zitiert wird: „… Korngold-Trompete“. Ganz offensichtlich ist das musikalische Titelthema aus „Captain Blood“. Es spielt in der verwendeten Aufnahme das National Philharmonic Orchestra of London unter der Leitung von Charles Gerhardt, aufgenommen 1972 bei RCA.

Handlung

Die Handlung ist in vier Bücher und 19 Kapitel eingeteilt. Jedes der Bücher und auch jedes der Kapitel endet und beginnt mit einer fanfarenartigen Musik. Am Ende jedes Kapitels stellt der Erzähler jede Menge Fragen an den Leser bzw. Hörer, um dessen Interesse am Fortgang der Geschichte wachzuhalten.

PROLOG

Das britische Fort auf der Karibikinsel St. Barthelmy ist heute Nacht im Visier der Piraten von Calico Jack Rackham. Hinter ihm drängeln sich seine ungewaschenen Gefolgsleute Black Bilbo und Firebeard sowie Goliath, der Zwerg. Nun kommt noch eine großgewachsene schwarzhäutige Schönheit hinzu. Es ist Black Sheba, die ebenso üppige wie hochnäsige Piratenkönigin, eine wahre Sexhexe ihrer Zunft. Sie alle wissen, dass heute Zahltag ist: Die Soldaten sollen morgen ihren Sold ausbezahlt bekommen, doch vorher werden sie abkassieren. Angriff und Gebrüll, Schüsse und Degengefecht! Dann gibt es leider eine klitzekleine Panne: Ein Fallgitter sperrt Sheba mit ihrem Knöchel ein. Ihre Mannen müssen sie, gemäß dem alten Piratengesetz, leider zurücklassen: Jeder ist sich selbst der Nächste.

HAUPTHANDLUNG

Vier Monate später steht Sheba vor einem Richter Seiner britischen Majestät. Richter Jeffries hat nichts übrig für ungewaschene und vor allem verbrecherische Damen aus Westindien. Während der Gerichtsdiener mit einem österreichischen Akzent beflissen um Ruhe bittet, bietet Sheba dem Volk auf den Rängen ein sexy Spektakel. Sie wird trotzdem verurteilt: Sklaverei in Ostindien, weit weg von der Heimat. Sie und Richter Jeffries trennen sich unter wüsten Beschimpfungen.

Unterdessen erhält der schmucke und sehr männliche Held dieser Geschichte, Captain Ben Avery, einen geheimen Sonderauftrag, von dem im gesamten Königreich nur drei Leute wissen: er, der Marinebeamte Samuel Pepys und dessen Boss. Avery soll eine wertvolle, mit allerlei Juwelen und Perlen geschmückte Krone dem König von Madagaskar überbringen, denn die Briten wollen die große Insel als Sprungbrett zu ihren ostindischen Besitzungen ausbauen. Avery weigert sich nicht, eine Quittung zu unterschreiben. Er ist in bürokratischen Dingen ein wenig unbedarft, wie sich später noch zeigen soll.

An Bord

Sein Schiff, die „Twelve Apostles“, soll von Hafen Whitby aus nach Kalikut (= Kalkutta) in See stechen. Er ahnt nicht, welch ein Tunichtgut und Loser in Gestalt des irischen Colonel Tom Blood an Bord gelassen wird: ein Falschspieler und Gauner, allerdings kein notorischer Schürzenjäger (nur wenn sich eine günstige Gelegenheit bietet), und das kann einem Frauenschwarm wie Ben Avery nur recht sein. Da kommt auch schon die blonde Versuchung an: Lady Vanity Rooke, das Töchterlein des Admirals, der mitfährt. Die ist eine hübsche Puppe, die sich ihres Liebreizes wohlbewusst ist. Sofort wirft sie ein Auge auf Avery, und er wirft zurück.

Zu guter Letzt wird auch noch Black Sheba an Bord gebracht und sofort unter Deck angekettet. Was Avery und Kapitän Yardley nicht wissen: Dort unten befinden sich bereits mehrere Piraten, darunter Calico Jack. Dreimal darf man raten, was sie vorhaben. Tom Blood fällt sofort das geheimnisvolle Kästchen ins Auge, das Avery unterm Arm trägt und in seine Kabine einschließt. Was mag es wohl verbergen?

Überfall

Schon im Golf von Guinea in Westafrika knutschen Vanity und Avery wie die Weltmeister. Tom schaut bloß zu und erkennt die günstige Gelegenheit. Aber um an das Kästchen heranzukommen, braucht er einen Plan: Es ist verschlossen. Er begibt sich zu Sheba, um sie zu sprechen, doch Avery, der ihn gesehen hat, geht dazwischen. Das bringt Avery einen intensiven Kuss der Dankbarkeit von Sheba ein, die rasend eifersüchtig auf Vanity wird. Auf der Heckgalerie duellieren sich die beiden Streithähne, bis Tom aufgibt und sich lieber aufs Schmeicheln verlegt. Er wolle Averys Partner sein, nicht sein Feind. Avery, den Schuldgefühle plagen, schlägt ein. „Was für ein Trottel!“, denkt Tom.

Eine stille Vollmondnacht vor Guinea. Firebeard schleicht sich an Deck und gibt ein Signal, das von Landseite aus erwidert wird: Der Angriff kann beginnen! Während mehrere Boote sich der „Twelve Apostles“ nähern, bewaffnen sich die Piraten, die sich versteckt gehalten haben, unter ihnen die befreite Sheba, die sich sofort in Schale wirft. Im folgenden Angriff auf Mannschaft und Passagiere nimmt sie Vanitys Leben in Schutz, um sich Averys Gunst zu erhalten. Das hindert sie aber nicht daran, Vanitys Schmuck und Kleider zu rauben. Und das Parfüm, was Vanity ganz besonders erbost.

Als die triumphierenden Piraten den Admiral hängen wollen, erwähnt Tom Blood ein gewisses „wertvolles Ding“. Sheba holt die Truhe und schlägt vor, man solle für die Krone ein Lösegeld verlangen. Calico Jack hat eine bessere Idee: Um jeden Piratenkapitän zufriedenzustellen, teilt er die Krone in sechs Teile auf. Anschließend soll Vanity als Sklavin an den Araber Akbar verkauft und Avery gekielholt werden. Es sei denn, er schließe sich den Seeräuber an.

Avery macht einen großen Fehler. Er verschmäht sowohl die Partnerschaft mit den Piraten als auch die ziemlich deutlich bekundete Liebe ihrer Königin Sheba. Zur Strafe wird er mit Tom Blood auf einer Sandbank ausgesetzt, die man „des toten Manns Kiste“ nennt: Da sie bei Flut untergeht, ertrinken ihre Bewohner unweigerlich. Nur einer kann überleben, heißt es. Doch die Piraten, die sich vor einem heraufziehenden Sturm in Sicherheit bringen, haben nicht mit der Partnerschaft der beiden Männer gerechnet. Das dynamische Duo tut sich zusammen – jedenfalls für den Moment – und macht sich auf den Weg, die verschleppte Vanity zu befreien und Akbar zur Hölle zu schicken. Außerdem muss Avery die Krone wiederbeschaffen – was sich als eine wahre Schnitzeljagd entpuppen soll.

Unterdessen haben Sheba und Calico Jack große Pläne in der Karibik. Sie wollen die künftige Braut des spanischen Vizekönigs Don Lardo im kolumbianischen Cartagena entführen und Lösegeld fordern. Leider haben sie nicht mit der Boshaftigkeit von Don Lardo gerechnet und sitzen schon bald bis zum Hals in der Tinte.

Mein Eindruck

Filme wie „Fluch der Karibik“ – selbst eine Parodie – zeigen das Strickmuster recht deutlich. Was verloren wurde, muss wiedergefunden oder -beschafft werden, ganz besonders dann, wenn es sich um geliebte Ladys oder gestohlenes Gold handelt. Der Rest ist eine Achterbahnfahrt von mehr oder weniger glücklichen Zufällen und Begegnungen. Und wenn es denn einen Bösewicht gibt, so findet er unweigerlich sein verdientes Ende. Der Held des Guten mag ja recht nett sein und die Dame seines Herzens bekommen, aber mal Hand aufs Herz! Ist das nicht ein wenig langweilig? Deshalb stellen sich die meisten Leser, Hörer und Zuschauer auf die Seite der Seeräuber, Piraten, Bukaniere oder wie sie sonst genannt werden: Hauptsache, sie sind frei, furchtlos und lustig.

Anders als in „Fluch der Karibik“ stehen jedoch nicht die Anführer der Piraten im Mittelpunkt der meisten Szenen, sondern unsere beiden Schwerenöter Long Ben Avery und Colonel Tom Blood. Sie gehen dem Autor, der sich mit der Stimme des Erzählers wiederholt an uns wendet, an allen möglichen Enden der Handlungsstränge verloren. So kann es passieren, dass Long Ben als Sklave verkauft wird und in die Hände einer älteren Lady gerät, die sich von ihm ganz außergewöhnliche Liebesdienste erwartet, so als sei er eine Art Don Juan auf Knopfdruck. Zum Glück hilft ihm Tom aus dieser Kalamität heraus. Nur um schon bald wieder in die Hände von Calico Jack zu fallen.

Keinen Deut weniger turbulent ist das Schicksal von Lady Vanity. Überfallen, ausgeraubt, in die Sklaverei verschleppt, von ihrem Liebsten gerettet, auf einem Eiland den Piraten ausgeliefert: Ihr Leben ist die reinste Achterbahnfahrt. Doch während die guten Männer hinter schnödem Gold (die Krone) her sind, wollen die bösen ihr ständig an die Wäsche. Die Verteidigung ihrer Tugend – die wichtigste Aufgabe einer Jungfrau seit Adam Eva das Feigenblatt raubte – füllt Vanitys Leben aus. Doch verschärft wird ihre Not durch heftige Konkurrenz aus dem weiblichen Lager: Black Sheba, eine üppige schwarze Schönheit, versucht ihre Zähne ebenso in Ben zu schlagen wie die sechzehnjährige Meliflua, die vor ihrem Brätigam Don Lardo in Bens starke Arme flieht.

Wenn schon alle diese Figuren Karikaturen waren, so ist der besagte Don Lardo die verabscheuungswürdigste Ausgeburt einer Karikatur des Bösen, die man je gesehen oder gehört hat. Fett wie eine Kröte, hässlich wie die Nacht, besteht sein größtes Vergnügen darin, seine Mitmenschen auf möglichst einfallsreiche Weise zu foltern oder zum Tode zu befördern. Sein Schlafzimmer liegt bezeichnenderweise direkt neben der Folterkammer seines Gouverneurspalastes. Sein Assistent ist ein Schleimer namens Enchillada, der sich jedoch gegen seinen Herrn wendet, als ihm Lady Vanity zu schade für den Scheiterhaufen erscheint. Jedem Saruman sein Schlangenzunge.

So weit, so turbulent. Der Leser bzw. Hörer wird noch zusätzlich verblüfft durch Bezüge auf Phänomene verschiedenster Epochen. Obwohl die Geschichte angeblich im 17. Jahrhundert spielen soll, verschlägt es Vanity & Co. in eine Indiokultur, die starke Ähnlichkeit mit jener der Azteken hat. Diese wurde bekanntlich im bereits im 16. Jahrhundert durch die Spanier vollständig vernichtet. Don Lardo führt genau die gleichen Argumente wie jene Missionare und Heerführer jener Zeit ins Feld, um seine Jagd nach dem Gold der Indianer zu rechtfertigen. Versteckt unter dem Mäntelchen der Parodie blitzt die harsche Kritik des Autors an jenem Genozid auf.

In versteckten Hinweisen, Bildern, Vergleichen und Metaphern knüpft der Autor ein Gewebe aus kulturellen Erbstücken, meist aus der Gegend der Karibik. So wandern Jamaikaner (oder waren’s Pakistaner?) nach Bradford, England, aus. Wer dem französischsprachigen (aber ursprünglich schottischen) Seeräuber Happy Dan Pew genau zuhört, wird jede Menge französisches Kauderwelsch hören, das gar nicht ins 17., sondern mehr ins 19. oder 20. Jahrhundert gehört, wie etwa „promenade bicyclette“. Leider ist er so schlecht zu verstehen, dass das meiste an den Ohren vorbeirauscht. Die Damen schlagen sich um Accessoires von Gucci und Chanelm und die „Sonnenprinzessin“ sieht aus wie Tigerlily in einer Verfilmung von „Peter Pan“.

Die Inszenierung

Mein Leser wird schon gemerkt haben, dass dies alles recht anstrengend klingt. Dem ist auch so. Obwohl die Parodie als Spiel, Spaß und Neuinszenierung liebgewonnener Klischees wie etwa Degenduelle inszeniert ist, so will doch echtes Vergnügen an der Parodie einfach nicht aufkommen. Fehlt mir die entsprechende Unschuld? Vielleicht muss man dazu noch 14 Jahre jung sein und darf noch keinen einzigen Piratenfilm gesehen haben. Dann könnten die schlüpfrigen Scherze der Damen und Herren in der Tat recht lustig anmuten.

Dass sich mein Vergnügen in Grenzen hielt, lag an mehreren Gründen. Zum einen übertreiben es die Karikaturen in ihrem wilden Treiben entsprechend: Man knutscht wie die Weltmeister, ficht aber keineswegs bis aufs Blut. Die Regeln des Genres werden unterminiert. Denn sowohl die Figuren als auch ihr Marionettenspieler sind sich einer Tatsache sehr wohl bewusst: Dass all dies Possenspiel nur zu einem Zweck aufgeführt wird, nämlich zum Ergötzen des Publikums.

Dumm nur, dass sich der Marionettenspieler in seiner eigenen Inszenierung als „Erzähler“ in den Vordergrund spielt, als wolle er in einem elisabethanischen Schauspiel eine Allegorie verkörpern, etwa die Liebe oder die Muse des Dichters. Auf diese Weise kommentiert sich seine Schöpfung selbst und entlarvt sich als Fiktion.

Mir schien sich der „Erzähler“, der stets am Kapitelende auftaucht, auf eine unerträgliche Weise beim Publikum anzubiedern. Es ist genauso, als würde man in einem Film einem Off-Kommentar zuhören, der den Zuschauer durch den Film steuert. Das erschien mir als eine Gängelung, doch anderen Leuten mag das Erklären und Überleiten zur nächsten Szene als hilfreich erscheinen. Denn auf diese Weise kommt der Szenenwechsel an einen ganz anderen Schauplatz nicht gar so unvermittelt, wie es ohne Erzählerkommentar der Fall wäre.

Die Sprecher

Jede Rolle ist mit einem Sprecher bzw. Sprecherin besetzt, der oder die ihr am besten entspricht. Manche Sprecher haben, wie die obige Liste zeigt, sogar mehrere Rollen, die eine unterschiedliche Stimmlage erfordern. Wer kann, der kann. Und wenn dann noch die Stereotontechnik wie in diesem Fall weidlich ausgenutzt wird, so entstehen sehr schöne quasi-räumliche Szenen vor dem inneren Auge des Hörers.

In einer Szene hört man beispielsweise nur die Schritte eines Sprechers von links nach rechts, dann in den „Hintergrund“ (wird leiser) und zurück in den „Vordergrund“ (wird lauter) wandern, ohne dass er ein Wort sagt. Man weiß sofort, dass der Typ nachdenkt. Wenn einmal wirklich die Gedanken einer Figur darzustellen sind, so wird dies mit ein wenig Hall unterlegt. Das kann im Fall der ständig zugedröhnten „Sonnenprinzessin“ der Indianer auch recht amüsant wirken.

Allerdings gibt es auch mehrere Szenen, in denen ich die Figuren nicht auseinanderhalten konnte, weil sich die Stimmen zu ähnlich waren. Das war stets nur bei den männlichen Sprechern der Fall, nie bei den weiblichen. Die Anzahl der Letzteren ist nämlich wesentlich kleiner: die superblonde Vanity, sexy Sheba, die kleine Meliflua (spanisches Kauderwelsch) und schließlich Anne Bonney, eine schon etwas betagte Expiratin, sodann noch diverse Indianerinnen, die recht seltsame Namen tragen.

Dass die männlichen Figuren verwechselt werden können, spricht nicht gerade für eine gute Dramaturgie. Ironisch wird es, wenn ein Mann – es ist der Ben-Gunn-Typ Solomon Shafto – mit einer Fistelstimme spricht und klingt wie eine etwas unnatürlich klingende Frau. Die Umkehrung der Genre-Regeln gehört zur Methode der Parodie.

Für den Englischkenner mutet es irritierend an, dass zwar die Sprecher wissen, wie man „Firebeard“ korrekt ausspricht – nämlich [faia’biahd], nicht aber der Erzähler, der sich so allwissend aufführt. Er sagt [faia’bärd] und offenbart seine Ahnungslosigkeit.

Die Geräusche

Für eine richtige Inszenierung eines Piratenpossenspiels wie diesem sind natürlich sämtliche Geräusche aus der Trickkiste des Genres einzusetzen. Die eindrucksvollsten sind sicherlich die obligatorischen BREITSEITEN der Schiffe, dann natürlich jede Menge Musketenschüsse. Ebenso obligatorisch sind die DEGENDUELLE, die sich die Männer in auffällig regelmäßig Abständen liefern, und zwar aus den nichtigsten Anlässen.

Die romantische Seite darf auch nicht zu kurz kommen. So ein romantischer Kuss kann schon mal dreißig Sekunden oder noch länger dauern – mach Platz, Casanova! Der Hintergrund von Wind und Wellen gehört natürlich zum Treiben dazu wie der Käse auf die Pizza. Das Knarren der Takelage, das Klirren von Ketten – es ist alles da.

Aber ab und zu übertreibt es die Tonregie auch ein wenig. In drei Szenen werden die allgegenwärtigen Insekten durch ihr Summen so störend, dass es die Konzentration auf den Dialog stört. Dies mag dem Tonmeister aufgefallen sein, und so gibt es am Ende eine Szene bei Master Pepys, in dem er eine ständig umhersurrende Fliege kurzerhand erschlägt. Endlich herrscht Ruhe im Raum!

Die Musik

Die oben erwähnte Musik von Korngold ist so stilecht und eng mit dem Genre verknüpft, dass sie nicht wegzudenken ist. Leider wird das gleiches Fanfarenmotiv bis zum Überdruss verwendet, so dass ich mich dabei ertappte, wie ich die Sekunden zählte, bis endlich die Handlung einsetzte. Es waren schon einige.

Unterm Strich

Wie bei jeder Parodie hängt ihr Erfolg völlig vom Geschmack und der Erfahrung des Publikums ab. Es muss schon ein sattsam bekanntes Genre vorhanden sein, damit es sich parodieren lässt. Dabei werden seine Regeln so übertrieben oder auf den Kopf gestellt, dass sie der Lächerlichkeit preisgegeben werden. Dies ist von „Die Piraten“ nur zum Teil beabsichtigt, denn der andere, überwiegende Teil ist durchaus lustvolle Unterhaltung innerhalb der Regeln des Genres. Also findet der Zuhörer jede Menge Zungen- und Degenduelle, einen recht üblen Schurken, in dessen Klauen (mehr oder weniger) unschuldige weibliche Grazien – und eine Schlange stehende Garde von entschlossenen Mannsbildern, die eben diese Grazien für sich gewinnen wollen (äh, und das Gold natürlich auch).

Durch die Parodierung aller Klischees des Piratengenres suggeriert der Autor dem Publikum, dass es sich in Wahrheit wohl völlig anders verhalten hat, als es uns die Unterhaltungsindustrie weismachen will. Sein im Booklet abgedrucktes Vorwort verknüpft die Legenden mit den historisch belegten Personen und zeigt auf, was vermutlich der Wahrheit entsprach. Diese war wesentlich prosaischer und bedrückender, als uns die Piratenfilme weismachen wollen. Die Zombies der Black Pearl in „Fluch der Karibik“ sind ein übertriebenes Zerrbild der tristen, gewalttätigen Wirklichkeit. (Dazu liefert die DVD zum Film eine erhellende Dokumentation.)

Dass die Schweizer Truppe von |Bookonear| ihre Aufgabe, den Roman von Fraser zu einem Hörspiel zu verarbeiten, mit Lust und Spielfreude angepackt hat, ist nicht zu überhören. Alles ist so karikaturenhaft überzeichnet, dass sich der Hörer seines Vergnügens an diesem Trash nicht zu schämen braucht. Allerdings gibt es eine Reihe handwerklicher Schnitzer, die mir aufgefallen sind (siehe oben). Daher vergebe ich eine Empfehlung mit Einschränkung für Piratenfans. Man sollte nur nicht den Fehler machen, diese Darbietung ernst zu nehmen. Das wäre das Letzte, was die Macher erwartet hätten.

Originaltitel: Pirates, 1983
314 Minuten auf 4 CDs

http://www.luebbe-audio.de
http://www.bookonear.com

John Sinclair – Mit Blut geschrieben (Folge 165, Teil 2 von 2)

Die Handlung:

Akim Samarans grauenvoller Diener, der Homunkulus, hatte Lady Sarah Goldwyn entführt und sie gezwungen, das mit Blut geschriebene Testament des russischen Heilers Rasputin zu bergen! Als es uns gelang, Sarah zu retten, war Samaran mit dem Testament jedoch schon in die Wolga-Sümpfe geflohen – um den mörderischen Götzen Baal zu erwecken! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
405 gemacht, das erstmalig am 7. April 1986 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Ellen Weiss / Chris Van Allsburg – Der Polarexpress (Lesung)

Der amerikanische Weihnachtsklassiker hat am 25. November weltweit Premiere als Zeichentrickfilm. Dabei ist auch die deutsche Stimme von Tom Hanks zu hören. Alle kleinen und großen Träumer können sich dann vom Polarexpress auf eine magische Reise zum Nordpol nehmen lassen, um – wen wohl? – zu besuchen.

Der Autor/Die Autorin
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Eoin Colfer – Artemis Fowl (Lesung)

Der Junge Artemis Fowl ist weder Zauberer noch Hobbit oder Elf, sondern viel moderner: ein Computerfreak. Und doch hat er indirekt mit all diesen Gestalten zu tun. Dieses Hörbuch erzählt von seinem ersten Coup in Sachen Elfenschatz.

Der Autor

Aus dem Booklet über den Autor: „Bis zu seinem Welterfolg mit ‚Artemis Fowl‚ arbeitete Eoin [ausgesprochen: ouen] Colfer als Lehrer. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. Seine früheren Bücher für junge Leser standen in Irland, England und den USA an der Spitze der Bestsellerlisten. Colfer lebt mit Frau und Sohn im irischen Wexford und widmet sich gegenwärtig ganz dem Schreiben.“ Kein Wunder, dass der zweite Artemis-Band schon fertig und ebenfalls als Hörbuch zu haben ist.
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Poe, Edgar Allan – Maske des roten Todes, Die (Gruselkabinett 46) (Hörspiel)

_Poe-Grusel im Kombipack: ein unvergesslicher Maskenball!_

Italien um 1750: Im ganzen Land wütet eine tödliche Seuche, genannt der Rote Tod. Der genusssüchtige Landesfürst Prinz Prospero verschließt die Augen vor den Nöten seiner Untertanen. Er lässt sogar die Zugänge zu seinem größten Landsitz, einer alten Abtei, verbarrikadieren und feiert dort mit Gleichgesinnten ein ausschweifendes Fest nach dem anderen. Für einen Maskenball fehlt ihm indes noch die rechte Idee, um ihn unvergesslich zu machen … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Sciencefiction, Short Story. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Der Erzähler: Hasso Zorn
Roter Tod: Axel Lutter
Prinz Prospero: Ernst Meincke
Erster Minister: Uli Krohm
Zweiter Minister: Viktor Neumann
Dritter Minister: Alexander Turrek
Hopp-Frosch: Sven Plate
Tripetta: Daniela Reidies
Giulietta: Reinhilt Schneider
Kutscher: Peter Reinhardt

Das Skript schrieb Marc Gruppe, der mit Stepahn Bosenius auch Regie führte. Die Aufnahme erfolgte in den Planet Earth Studios. Die Illustration ist von Firuz Askin.

_Handlung_

Um das Jahr 1750 herum wütet der Rote Tod in Europa. Die Symptome sind grausig, denn es dauert nur eine halbe Stunde, bis das Opfer aus allen Poren blutet und elendig verendet. Es ist eine Nacht, in der das Käuzchen schreit und kein Wanderer allein unterwegs sein sollte. Doch die hübsche Tripetta hat sich mit ihrem Gefährten auf den Weg gemacht, um ein besseres Heim zu finden. Da hören sie eine Kutsche, die lärmend und peitschenknallend durch die Nacht rumpelt. Wer mag dies wohl sein und können sie sie wohl mitnehmen?

Es ist Prinz Prospero, der mit seinen drei Ministern lachend und wohlgelaunt vom Besuch eines gewissen Etablissements zurückkehrt. Als er die zwei Gestalten erblickt, lässt er halten. Der Prinz ist offen für alle Arten von Vergnügungen, und wer weiß, was hier wohl auf ihn wartet? Schon die Zwergin bringt ihn zum Kichern, doch erst recht ihr Freund, den er in einem Anfall von Inspiration „Hopp-Frosch“ tauft. Sie behaupten, sie kämen aus einem Zirkus, sie sei eine Tänzerin und er ein Luftakrobat. Als sie berichten, sie wären dem Roten Tod entkommen, tritt kurz Stille ein. Aber das war ja schon heute Morgen, es besteht also keinerlei Gefahr mehr. Sie dürfen mit. Was für ein leckeres Frauenzimmer!

Der Prinz hat – welch ein Genie – schon wieder einen Einfall: Er will dem anrückenden Roten Tod entkommen, in dem er sich und seine Gefolgsleute in der Festung der alten Abtei einschließt. Nur Geladene dürfen bei ihm bleiben, der Rest – nun ja. Und Hopp-Frosch wird sein Hofnarr, verstanden? Wenn sie nicht ausgesperrt werden, müssen Trippetta und ihr Freund wohl gute Miene zum bösen Spiel machen. Auch wenn die Ungerechtigkeit und Demütigung zum Himmel schreit.

Die neue Kurtisane des Prinzen ruft wenige Tage später die zwei Freunde zu ihrem Herrn. Er plant ein Fest, das anders als alle anderen sein soll, ein Maskenball, und dafür fordert er von seinem Hofnarren Einfälle. Na, wird’s bald! Wie alle wissen, bekommt Wein Hopp-Frosch nicht, doch er wird solange abgefüllt, bis die Ideen nur so aus ihm heraussprudeln.

Der Akrobat stellt sich sieben Zimmer vor, jeweils durch Türen abgetrennt und jedes von anderer Farbe. Zu jeder vollen Stunde dürfen die Gäste ins nächste Zimmer wechseln, doch die volle Stunde solle von einer riesigen Pendeluhr geschlagen werden. Das letzte Zimmer jedoch, das erst um Mitternacht betreten werden dürfe, soll schwarz gestrichen sein und nur ein rotes Fenster dürfe es erleuchten, um alle Gäste in blutrotes Licht zu tauchen. Dann sollten alle wie vom Prinzen vorgesehen ihre Masken abnehmen. Bravo, bravo! Welch ein Einfall, lobt der Prinz und lässt die beiden Zirkusleute alles in die Wege leiten. In einer Woche steigt die Fete!

Mit den drei Ministern hat Hopp-Frosch jedoch einen ganz anderen Plan. Sie sollen auf dem Maskenball nicht wie gewöhnliche Sterbliche auftreten, sondern sich als Orang-Utans verkleiden. So sollen sie die Gäste erschrecken, als wären sie aus ihren Käfigen ausgebrochen. Allerdings müssten die Kostüme von ganz besonderer Beschaffenheit sein, um ihren Auftritt unvergesslich werden zu lassen ….

Am Vorabend des Festes beraten sich Tripetta und Hopp-Frosch wieder einmal auf den Zinnen. Tripetta ist bang zumute und hat Zweifel an ihrem Plan, doch er ist rachelüstern. Da bemerken sie einen Unbekannten, der sie belauscht. Er bittet sie, keine Angst zu haben. Er sei ihnen dankbar für den Auftritt auf dem Fest, den sie ihm ermöglicht hätten. Als sie ihn anzweifeln, versichert er ihnen: „Ich spaße nie!“ Und weg ist er.

Der Abend ist gekommen, der Maskenball kann beginnen. Und ja, es werden wie vom Prinzen verlangt jede Menge Überraschungen geboten werden …

_Mein Eindruck_

Schon als ich die beiden Erzählungen Poes zum ersten Mal las, kamen sie mir einzeln ein klein wenig dürftig vor. Das lag daran, dass jede nur, Poes Literaturtheorie gemäß, eine einzige Idee ausspielte. Dabei passen „Die Maske des Roten Todes“ (masque bedeutet auch „Maskenball) und „Hopp-Frosch“ ausgezeichnet zusammen. In Kombination präsentieren sie vor dem Hintergrund einer einzigen Epoche eine doppelte Sensation, so dass der Gehalt dieser Inszenierung weitaus dichter und reichhaltiger erscheint. Es ist, als hätte diese Geschichte nur auf ihr Erscheinen gewartet.

Wie jeder Kenner weiß, ereilt die drei Minister schon bald ihr allzu feuriges Schicksal. Doch während sie kreischen, halten die adeligen und vergnügungssüchtigen Gäste ihr Herumhampeln für einen Teil der Attraktion. Nur die Kurtisane des Prinzen erfüllt ein Gefühl der Beklommenheit, so als stimme etwas nicht. Diese Befürchtung soll sich auf schrecklichste Weise erfüllen.

Denn schon Poe hat in seinen Vorlagen eine Kombination aus Moritat, schwarzer Romantik und Sozialkritik formuliert. Ein Herrscher, der seine Untertanen ihrem Schicksal überlässt und sich derweil dem Vergnügen widmet, hat in Poes Augen jede Legitimation verloren. Die Minister sind in dieser Haltung der Selbst- und Vergnügungssucht seine Komplizen und verdienen ein Schicksal, das keinen Deut besser ist.

Doch der Tod lässt sich vielleicht aufschieben und aussperren, doch man kann ihn nicht um seine Opfer betrügen. Schlag Mitternacht schlägt also den Anwesenden im schwarzroten Zimmer das letzte Stündlein. Und in dieser Stunde, da die Masken fallen, entpuppt sich nur der Totenschädel des roten Todes von beängstigender Authentizität, während alle anderen nur die Maske des schönen Scheins tragen. Und so ist ihr Schicksal besiegelt. Nun zeigt sich, wer in Wahrheit herrscht. Nur zwei Gestalten entkommen der alten Abtei: Die Rechtschaffenen.

Das Stück ist schon bei Poe eine Moritat über Verantwortung der Herrschaft und die Bürde der Schuld, wenn die Beherrschten im Stich gelassen werden. Doch man kann die Vorlage auch anders lesen: Sie erinnert fatal an den Holocaust während des Zweiten Weltkriegs und die neutrale Haltung des Vatikans. Sie wurde bereits von Rolf Hochhuth in seinem Stück „Der Stellvertreter“ angeprangert (und später sehr gut verfilmt).

Hochhuth stellt die Frage, ob sich Kirchenvertreter in ihren „alten Abtei“ einschließen und die Augen vor dem Schicksal der Juden verschließen dürfen. Der Rote Tod als metaphorische Vorwegnahme des Holocaust also. Die Frage von Schuld und Sühne stellt sich von alleine. Poe antwortet kategorisch: Die Schuldigen müssen sich ihrem Urteil stellen. Und für sie kann es nur eines geben.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Stimmen der Sprecher sind je nach ihrem Geschlecht, ihrem Alter und ihrer jeweiligen Rolle optimal ausgewählt. Der Prinz ist natürlich der Obermacker, und Ernst Meincke spricht ihn mit entsprechend befehlsgewohnter Autorität und Überheblichkeit. Die Minister hingegen sind namenlos und folglich sind sonderlich unterscheidbar. Meistens lassen sie bloß lüstern oder gehässig, es sei denn sie schreien wie am Spieß.

Ihnen steht der Rote Tod gegenüber, recht unheimlich gesprochen von Axel Lutter, aber natürlich auch die Zirkusleute Tripetta und Hopp-Frosch. Daniela Reidies spricht die Tänzerin recht furchtsam und zweifelnd, doch Hopp-Frosch macht eine erstaunliche Entwicklung durch, vom zurückhaltenden Akrobaten zum rachelüsternen Vernichtungsmeister. Sven Plate lässt diese Verwandlung plausibel werden.

Zwischen diesen beiden Parteien steht jedoch Giulietta, die Kurtisane Prosperos. Reinhilt Schneider spricht die Hofdame zunächst mit entsprechender Hinterlist, doch je mehr sich das Maskenfest seinem blutigen Ende nähert mehr Angst muss die Figur an den Tag legen. Einen vernünftigen Grund gibt es dafür natürlich nicht, und so bleibt die Erklärung dieses Wandels rein den Gefühlen überlassen. Die Sprecher stellt dieses entscheidende Element recht angemessen, aber nicht mit vollster Überzeugung dar. Daneben zählt das Booklet noch eine Unzahl von Sprechern auf, die die Gäste akustisch verkörpern.

|Geräusche|

Die Geräusche sind recht genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Horrorfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. So steht etwa das Wiehern von Pferden, Hufgetrappel und das Peitscheknallen für eine Kutsche, der Schrei eines Käuzchens für den Nachtwald, das Wellenrauschen das Meer am Fuße der Abtei usw.

In meinem Handlungsabriss habe ich eine Szene ausgelassen: den Besuch in einem Dorf, das dem roten Tod zum Opfer gefallen ist. Es ist, als würden die Kutschenpassagiere von Zombies angegriffen: Man kann sich das Röcheln und Lechzen nach Rettung wohl gut vorstellen, aber auch die erschrockene Fluchtreaktion der Fahrgäste.

In der alten Abtei herrscht eine ganz eigenartige Geräuschkulisse. Zwei Elemente seien besonders hervorgehoben, die neben dem üblichen Gelächter und Gläserklingen zum Tragen kommen. Das Erste ist ein unerklärliches und unerklärtes tiefes Quietschen, wie es entsteht, wenn ein großer Metallkörper an einem anderen reibt. Das Zweite ist das zischende Rauschen eines sehr großen Uhrpendels: Wuuusch! Dieses spezielle Pendel ist zwar längst nicht so groß wie jenes titelgebende in „Grube und Pendel“, aber doch von einer unheimlichen Regelmäßigkeit und Lautstärke. Den tiefen Glockenschlag kann man sich leicht hinzudenken, der dann besonders unheilvoll Schlag Mitternacht erdröhnt, und ein kalter Hauch fährt wieder einmal über die Gäste hinweg …

Eine besonders dynamische Szene ist hingegen der Auftritt der „Orang-Utans“. Die verkleideten drei Minister sind aneinandergekettet, was zu einem fortwährenden Kettengeklirr führt. Und sobald ihre Kostüme in Brand gesetzt sind, sorgt ein knisterndes Feuerchen für zusätzliche akustische Reize. Hinzukommt das panische Kreischen der Opfer.

|Musik|

Gleich zu Anfang stimmt die Musik den Zuhörer auf ein bedrohliches und unheimliches Drama ein. Mehrere Intermezzi wissen diese düstere Grundstimmung aufzulockern, und die Tanzmusik des Maskenballs weiß die Vergnügungen, denen die Gäste nachgehen, wohl anzudeuten. All dies kann natürlich das grausige Ende des Dramas nicht aufhalten. Den Ausklang bilden die klagende Kantilene einer Sängerin, eine Violine und eine Harfe – ein sanft schreitendes Adagio, das in der Ewigkeit verklingt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von Titania Medien. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Firuz Akin hat auch eine Seite Werbung für sein Buch „Illustration“ bekommen, das Mitte Dezember im Heider Verlag erscheinen soll.

Diesmal sind in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 48: Bram Stoker: Die Squaw (November)
Nr. 49: Frederick Marryat: Der weiße Wolf (November)
Nr. 50: Das Gespenst von Canterville (März 11)
Nr. 51: Arthur Conan Doyle: Die Mumie (März 11)
Nr. 52: Robert E. Howard: Tauben aus der Hölle (April 11)
Nr. 53: William Hope Hodgson: Die Herrenlose (April 11)
Nr. 54 + 55: Alice & Claude Askew: Aylmer Vance – Abenteuer eines Geistersehers (Mai 11)

_Unterm Strich_

Regisseur Marc Gruppe hat in seinem Drehbuch die beiden Poe-Erzählungen „Die Maske des roten Todes“ und „Hopp-Frosch“ miteinander verbunden. Die thematische Verbindung legt nahe, dass man die beiden Storys verknüpft, und doch findet dies meines Wissens erstmals in diesem Hörspiel statt. Die wirkungsvolle Inszenierung verhilft der Aussage zu einer Eindringlichkeit, die nicht auf taube Ohren stoßen dürfte. Der Aussage nämlich, dass es sich nicht auszahlt, die Not der Untertanen zu ignorieren und zu glauben, dem Tod ein Schnippchen schlagen zu können. In sozialkritischer Weise erinnert das Stück deshalb ein wenig an „Final Destination“.

|Das Hörspiel|

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Diesmal sind der Grusel des Maskenballabschlusses und die Dynamik des Racheaktes an den Ministern zu einer wirkungsvollen Mischung kombiniert, die keinen Hörer kalt lassen dürfte.

|Audio-CD mit 65 Minuten Spieldauer
Originaltitel: The Masque of the Red Death; Hop Frog, 1845/46
ISBN-13: 978-3785743898|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“ 5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“ 5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“ 5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“ 5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“ 5752 (Gruselkabinett 33)
[„Jagd der Vampire“ 5828 (Gruselkabinett 32+33)
[„Die obere Koje“ 5804 (Gruselkabinett 34)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“ 5807 (Gruselkabinett 35)
[„Das Bildnis des Dorian Gray (Gruselkabinett 36/37)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5919
[„Die Maske des roten Todes“ (Gruselkabinett 46)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6735
[„Verhext“ (Gruselkabinett 47)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6734

Patricia Cornwell – Dämonen ruhen nicht. Ein Kay Scarpetta Thriller (Lesung)

Ein Serienkiller verbreitet in Louisiana Angst und Schrecken. Das Seltsame: Seine Opfer sehen wie Abziehbilder der Ex-Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta aus. Als diese dann einen Brief aus dem Todestrakt eines Gefängnisses bekommt, ahnt sie, dass die Dämonen der Vergangenheit keine Ruhe geben.

Die Autorin

Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, war Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia, bevor sie zu schreiben begann. Mit den Thrillern um ihr literarisches Alter Ego, die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, wurde sie zur „erfolgreichsten Thrillerautorin der Welt“ (Der Spiegel). Cornwell lebt allein in Richmond/Virginia und in Malibu/Kalifornien. (Verlagsinfo)
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Drake, Ernest / Steer, Dugald A. – Expedition in die geheime Welt der Drachen

_Heimelig: Ein Abend mit den Drachenforschern_

Der Buchhändler Roger Warwick bekommt Besuch von dem Studenten Howard Greenstreak, der auf der Suche nach einem verschollenen Buch über Drachen von Sir Ernest Drake ist. Warwick besitzt tatsächlich ein Exemplar, kann sich aber unmöglich davon trennen. Doch er kann Howard helfen: Er nimmt ihn zu Besuch zu Sir Ernest Drake höchstpersönlich mit! Und so erleben die beiden allerhand Abenteuer und lernen Erstaunliches über die sagenumwobenen Lebewesen.

|Der Hörverlag| empfiehlt dieses Hörspiel ab 10 Jahren.

_Der Autor_

Dr. Ernest Drake lebte angeblich in St. Leonard’s Forest, England, Er veröffentlichte nach seinen zahlreichen Expeditionen, die ihn u. a. 1882 nach Schottland und 1887 nach Ostafrika führten, ein Buch über Drachologie. Es trägt den Titel „Expedition in die geheime Welt der Drachen“. Es wurde 1896 in einer Auflage von nur 100 Stück gedruckt. Nachdem im 21. Jahrhundert ein Exemplar davon in einem Londoner Antiquariat wieder aufgetaucht ist, machte dankenswerterweise Dugald A. Steer, B. A., die Aufzeichnungen des Forschers einem breiten Publikum zugänglich.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Zu den Sprechern gehören Stefan Kaminski (Greenstreak, Abramelin), Robert Missler (Warwick), Christine Pappert (Elodie und Chin Chan Hsi). Ben Hecker leiht dem legendären Drachenforscher Dr. Ernest Drake seine Stimme und entführt den Hörer in die geheimnisvolle Welt der Drachologen.

Stefan Kaminski wurde 1974 in Dresden geboren. Sein Schauspielstudium absolvierte er an der Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ in Berlin. Seit 1996 ist er beim SFB/ORB als freier Schauspieler, Sprecher und Autor tätig. Am Deutschen Theater in Berlin spielte er zunächst als Gast, seit Januar 2003 gehört er fest zum Ensemble. Im |Hörverlag| ist er vor allem als Stimme von „Marvi Hämmer“ bekannt.

Hörspielbearbeiter, Regisseur und Macher ist Volker Präkelt, von dem auch die Rahmenhandlung stammt. Er produziert die mehrfach ausgezeichnete TV-Reihe „Marvi Hämmer präsentiert National Geographic World“. Zudem ist er Regisseur und Autor der Marvi -Hämmer-Reihe des |Hörverlags|.

Die Musik steuerten Volker Präkelt, Frank Tschöke und am Cello Antje Harders bei. Die Tonaufnahme erfolgte durch Martin Langer, der Tonmeister war Svenno Nakielski.

_Handlung_

Kalter Februarwind bläst durch den Londoner Stadtteil Notting Hill. Hier hat Roger Warwick sein Buchantiquariat: „Warwicks wundersamer Buchladen“. Ein junger Mann tritt ein, der etwas für sein Studium sucht. Er nennt sich Howard Greenstreak. Und er weiß genau, was er sucht: Ernest Drakes „Dr. Drakes Drachologie“. Der freundliche Buchhändler zeigt es ihm, sein einziges Exemplar. Ein Brief gehört dazu: Der Autor beschreibt den Auftrag von Drachologen. Er bestehe nicht im Töten, sondern im Erforschen und Beschützen der geheimnisvollen Kreaturen. Er als Drachenmeister wolle zudem sein Wissen gerne an einen Würdigen weitergeben.

Der junge Mann fühlt sich sofort angesprochen und will das Buch haben. Doch Warwick lehnt ab: Es sei unverkäuflich. Denn er sei Mitglied der Geheimgesellschaft der Drachologen. Da wird der Student regelrecht verzweifelt, denn er benötige das Buch, um eine Wette gegen einen Kommilitonen zu gewinnen und ebenso die Hand einer schönen jungen Dame – sie heißt Elisabeth. Er muss beweisen, dass er eine Elle Drachenhaut mitbringen kann, und zwar von einem Knucker: einem Höhlendrachen. Roger Warwick lässt sich erweichen. Der Student könne Drake am 16. Februar 1904 gerne in seinem Landhaus kennen lernen. Denn dann wird das chinesische Neujahr gefeiert. Und was beginnt am 16. Februar? Es ist bekanntlich das Jahr des Drachen!

Mit dem Zug fahren die beiden nach Wales, doch auf einer hohen Talbrücke heißt es plötzlich: „Aussteigen!“ Ein Erdrutsch blockiere die Strecke, sagt der Schaffner. Greenstreak erweist sich als nicht ganz schwindelfrei, doch Warwick führt ihn in Sicherheit. Fachmännisch erkennt er die Spuren der Tätigkeit eines Knuckers: Der Erdrutsch wurde von einem Drachen verursacht. Ein Werbeschild beweist: Es ist nicht mehr weit bis zu Dr. Drakes Landhaus.

Als sie ein seltsames Horn hören und einen gereimten Ruf, merken sie, dass es sich um einen Drachenmeister handeln muss: um Dr. Drake himself. Er lockt gerade Drachen an. Freundlich heißt er seine zwei Besucher willkommen und fährt sie mit seinem Automobil tuckernd nach Hause. Die Drachenforscherkollegen aus China und Kasachstan seien bereits eingetroffen.

Der kasachische Drachenbändiger Abramilin (nicht mit Borat verwandt oder verschwägert) ist mit seinem europäischen Flugdrachen Thorfax gelandet, welcher nun natürlichen Hunger verspüre. Mit Dr. Drakes Erlaubnis bekommt Thorfax sowohl Wildschweinbraten als auch Kopfsalat. Drachen stehen drauf. Von der Chinesin Chin-Chan Hsi ist hingegen wenig zu sehen. Der Grund ist einfach: Sie hat Hong-Weis Unsichtbarkeitszauber gewirkt, der nun etwa vier Stunden anhält. Als Einziges ist ihre hübsche Hand zu sehen. Sie verrät, wie Drachen in Wirklichkeit Feuer speien können und widerlegt damit die abenteuerlichsten Theorien.

Drake stellt zu guter Letzt Elodie, seine hübsche, aber recht schüchterne Nichte vor. Ihre Sprache sei die Musik, und prompt trägt sie ein schönes Drachenlied vor, zu dem ihr Onkel sie auf dem Cembalo begleitet. Nachdem Drake Greenstreak verraten hat, wie er an eine Stück Knucker-Haut kommen könnte, übt der Student fleißig die Zähmungsformel, die ein wahrer Zungenbrecher ist.

Am nächsten Morgen fährt Drake ihn und Warwick zur Schlucht, wo der Knucker namens Draco seine Höhle hat. Drake sagt, Greenstreak habe das Zeug zum Drachenmeister. Schön, aber wird er dieses Abenteuer überleben? Was, wenn der Drache Feuer speit? Der hypernervöse Student versucht sich krampfhaft auf seine Zähmungsformel zu besinnen, aber da kommt auch schon die schuppige Schnauze des Drachen aus der Höhle …

_Mein Eindruck_

Es ist, als würde man eine Zeitreise in die gute alte Zeit der Viktorianer unternehmen – oder zumindest einen Film aus dieser Zeit hören. Die Bilder muss man sich natürlich dazudenken. Aber das ist ja gerade der Reiz eines Hörspiels: Es weckt die eigene Vorstellungskraft, um das Gehörte mit Bildern zu verbinden. Wer die Enthüllungen über Drachen und Drachenforscher nachlesen möchte, schlage das schön gestaltete Booklet (siehe unten) auf.

Für Kinder ist es vielleicht nicht so wichtig, aber mich hat an der Geschichte der Mangel an Handlung gestört. Die einzige „Story“ besteht darin, dass ein Student ein Stück Drachenhaut besorgen will, um eine Wette zu gewinnen. Alles andere ist streng genommen Brimborium. Sicher, es ist für den wackeren Drachenforscher Greenstreak von Vorteil, wenn er dieses Wagestück auch überlebt und zu diesem Zweck auch Unterricht in Drachenangelegenheit erhält.

Aber wenn sich Howard auch noch in die hübsche Nichte von Ernest Drake verliebt hätte, wäre das der Geschichte sicher nicht schlecht bekommen. Und sicherlich hätte die junge Dame dann wesentlich mehr Anteilnahme am Schicksal des angehenden Drachologen gezeigt. Doch sollte Howard wirklich Drakes Nachfolger werden, so besteht noch Hoffnung für die beiden. Dieser Aspekt verlangt nach einer Fortsetzung der Geschichte.

So aber ist das Hörspiel vor allem eine Sammlung von Kuriositäten, von denen die bemerkenswerteste sicherlich das Ei eines asiatischen Lung ist, das im Drake-Haus ausgebrütet wird. Mit viel Humor werden einige strittige Fragen geklärt wie jene, warum Drachen gerne Kopfsalat fressen – und Wildschwein.

_Das Booklet_

Allein schon das Äußere des stabilen Booklets ist beeindruckend: In den dunkelroten Kartoneinband sind nicht nur metallisch wirkende Ecken eingelassen, sondern auch eine Art Siegel in der Mitte der Frontseite. Um das Siegel wickelt sich ein eingravierter Drache, dessen Gravurlinien rötlich schillern. Des Drachen Klaue greift nach einer Kugel, die mit einem verschlungenen Muster gefüllt ist, wie es die alten Kelten zu zeichnen pflegten.

In dieser Hülle findet der Leser bzw. Hörer in Ringheftung (!) zwölf Seiten, die ihn mit den wichtigsten Informationen versorgen. Dazu gehören die Kapitelüberschriften, Infos über den fiktiven Autor und die real existenten Mitarbeiter an diesem Projekt. Erst ab Seite sechs geht es mit den Drachen los: Was ist Drachologie? Darauf folgen die „goldenen Regeln der Drachologie“, darunter jene, die wirklich beherzigenswert ist ist: „Unfallvermeidung ist der erste Schritt zu einer erfolgreichen Karriere.“ Könnte eigentlich nicht nur für Drachologen gelten.

Noch einen Tick interessanter sind die zwei Seiten Drachenkunde, die folgen: Der Asiatische Lung gesellt sich hier zum Europäischen Drachen, der als einziger Vertreter über enorme Schwingen verfügt. In puncto Flügel kann der Knucker nicht mithalten: Sie würden in seinem Höhlendomizil alias „Knuckerlock“ nur stören.

Dass man Drachen beikommt, ist durch die Anwendung der niedergeschriebenen „Zaubersprüche und –formeln“ zu schaffen. „Dr. Dees Drachenruf“, „Abramelins Zähmungsformel“ und „Der Hong-Wie-Unsichtbarkeitsspruch“ dürften den gebildeten Drachologen mit jedem Lindwurm fertig werden lassen. Da in der Handlung mehrere Rätsel zu hören sind, kann man ihren Text auch im Booklet nachlesen.

Und wer sich nun fragt, wo denn nun die CD im Booklet versteckt sein soll, dem sei verraten, dass auf der Innenseite des vorderen Bookletumschlags eine Tasche eingeklebt ist, die sich wie ein Briefumschlag öffnen und schließen lässt. Darauf steht ein Text, der auf den Ursprung des Buches hinweist.

Alles in allem ist dieses ausgezeichnete Booklet ein dicker Pluspunkt dieses Hörspiels für Zehnjährige, die scharf auf Drachen sind.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Sprecher, die Geräusche und die Musik machen dem jungen Hörer die oben genannte Zeitreise wirklich leicht. Die Musik ist klassisch instrumentiert, mit Cello, Cembalo und Geigen. Die Geräusche könnten aus einem Film stammen und wirken durchgehend realistisch, von der Pfeife der Dampflok bis zum Horn des Drachenmeisters, vom Feuerwerk bis zum Rattern eines alten Automotors. Insgesamt ist die Atmosphäre bei Dr. Drake, als würde man Bilbo Beutlin in seiner Wohnhöhle besuchen. In der Tat ist die Stimmung recht tolkienesk und Hobbit-artig, komplett mit Trinksprüchen, Rätseln und Liedern. Das Auenland liegt bestimmt gleich um die Ecke.

Deshalb gibt es auch Szenen, die das Hörspiel zum Musical machen. Eines der Lieder wird von Drakes Nichte Elodie gesungen und handelt natürlich – na, von was wohl? – von Drachen. Weil das Lied nicht im Booklet abgedruckt ist, sollte man die Ohren spitzen, um die Worte zu verstehen. Am Schluss wird es wiederholt, um so einen schönen Ausklang zu bilden.

Wer sich die obige Liste der Rollen und Sprecher durchschaut, wird feststellen, dass zwei Sprecher je zwei Rollen gestalten. Christine Pappert spricht sowohl den Part von Elodie (der winzig ist) als auch den der Chinesin Chin Chan Hsi, deren Part wesentlich umfangreicher ist. Ben Hecker ist die Autoritätsperson Ernest Drake in Person, und an einer Stelle ist er sogar durch einen Filter verzerrt zu hören (als sein Telegramm von Warwick vorgelesen wird). Stefan Kaminski ist als Allroundtalent bekannt, und so verwundert es nicht, dass er zwei so gegensätzliche Figuren wie Howard Greenstreak und den Kasachen Abramelin darstellen kann.

Abramelin ist vom Gimli-Typ: tiefe grollende Stimme, mit gutturaler Ausdrucksweise, aber sehr leutselig und immer für leibliche Genüsse aufgeschlossen. Warwick, gesprochen von Robert Missler, steht ihm in dieser Beziehung in nichts nach, doch der Drache hat sich schon den Wildschweinbraten geschnappt, so dass er in die Röhre guckt. Die Nöte der Drachologen sind manchmal einfach, aber einschneidend.

Die Drachen sollen nicht vergessen werden. Thorfax und Draco, der Knucker, knurren und fauchen recht bedrohlich – nun ja, singende Drachen wären einfach lächerlich, nicht wahr?

_Unterm Strich_

Wer sich für eine gute Stunde mal ins Phantasiereich der Drachenforscher und ihres Forschungsgegenstands entführen lassen möchte, erhält mit diesem Hörspiel das ideale Zeitreisevehikel. Das Kino für die Ohren entführt in eine tolkieneske Welt, wo Bilbo Beutlin seine Besucher bewirten könnte. Es ist aber ein waschechter Drachenmeister, und deshalb nimmt die Versammlung der Drachologen zum chinesischen Neujahrsfest einen ganz anderen Verlauf als Bilbos berühmte Geburtstagsfeier.

Die Produktion ist stilecht und dürfte Kindern Spaß machen, aber ein Mangel an Handlung lässt sich Erwachsenen wohl schnell langweilig erscheinen. Das Booklet spricht ebenfalls mehr Kinder an, beeindruckt aber durch eine schöne Ausstattung. Kurzum: ein ideales Weihnachtsgeschenk – aber nicht mehr für 14-Jährige. Die brauchen anderes Futter für die Phantasie.

|Original erschienen 2003, bei Templar Publishing
Aus dem Englischen übersetzt von Cornelia Panzacchi
76 Minuten auf 1 CD|
http://www.hoerverlag.de

TKKG junior – Kletterhalle in Gefahr (Folge 30)

Die Handlung:

TKKG haben sich in den Sommerferien für einen Kurs im Kletterverein von Susanne Ehrlicher angemeldet. Die sympathische Trainerin ist eine wahre Kletterkünstlerin. Doch dann entdeckt die Polizei bei einer Durchsuchung der Kletterhalle in Susannes Ehrlichers Umkleideschrank einen wertvollen Diamantring, welcher kürzlich gestohlen worden ist. Ein anonymer Anrufer hatte Kommissar Glockner einen Tipp gegeben. TKKG glauben fest an die Unschuld ihrer Trainerin und übernehmen den Fall! Doch der ist viel verzwickter, als sie zunächst vermutet haben – und bei ihren Ermittlungen, geraten die Freunde in große Gefahr … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bei TKKG waren in der Vergangenheit ja schon mehrere Lebewesen „… in Gefahr“, aber eine Kletterhalle ist mal was Neues. Und wenn man dem Klappentext glauben kann, wirds für die vier (plus Hund) selbst auch ganz schön eng.

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Daniel Defoe – Robinson Crusoe (Hörbuch)

Abenteuerlich: Vom Schiffbrüchigen zum Vizekönig

Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe, eines Seemannes aus York, welcher 27 Jahre ganz allein auf einer unbewohnten Insel vor der südamerikanischen Küste nahe der Orinoco-Mündung lebte. Ein Schiffbruch, bei dem die ganze Besatzung ums Leben kam, verschlug ihn auf dieses selbst von Kannibalen nur selten besuchte Eiland.

Der Autor
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Jonathan Stroud – Bartimäus – Das Amulett von Samarkand (Lesung)

Der Dschinn Bartimäus, ein uralter orientalischer Geist, bekommt eines Tages den Auftrag, dem hochnäsigen Zauberschüler Nathanael zur Seite zu stehen: ein Auftrag, der Bartimäus zunächst alles andere als glücklich macht. Dann aber beginnt ein Abenteuer, das die zwei aneinander schweißt. Nathanael versucht, sich für den Tod seines Ziehvaters am mächtigen Zauberer Simon Lovelace zu rächen und ihm das berühmte Amulett von Samarkand zu stehlen. Mit Bartimäus‘ Hilfe gelingt das auch – aber es löst eine ganze Reihe von Problemen aus … (Verlagsinfo)

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Gerdt von Bassewitz / Marc Gruppe – Peterchens Mondfahrt (Hörspiel)

Magisches Hörspiel: Märchenhafte Mondfahrt

Der tapsige Maikäfer Sumsemann gehört zu einer schwer vom Schicksal geplagten Sippe, die vor Generationen ihr sechstes Beinchen eingebüßt hat. Unterstützt durch die Geschwister Anneliese und Peterchen, denen er in einer magischen Vollmondnacht flugs das Fliegen beibringt, will er es nun todesmutig vom Mond zurückholen. Ein großes Abenteuer im nächtlichen Himmel steht den dreien bevor. Denn sie treffen auf den Sandmann, die Nachtfee und ihre Freunde und schließlich auf den bösen Mondmann … (Verlagsinfo)

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Lovecraft, H. P. – Der Flüsterer im Dunkeln (Lesung)

_Dagmar Berghoff: ein Gewinn für die Hörbuchszene_

Schauderhafte Kadaver außerirdischer Kreaturen in den Bergen Neuenglands?! Was wollen die Aliens auf der Erde? Die umfassende Korrespondenz zwischen dem Erzähler Wilmarth und Mr. Akeley fesselt den Zuhörer. Man fühlt, wie der Wahnsinn leise hereinkriecht. Der unterschwellige suggestive Horror dieser Erzählung lässt einen stellenweise den Atem anhalten. Spannend ohne Entspannung – bis zum grausigen Höhepunkt. Aber „besser als jeder Horrorfilm“, wie die Verlagsinfo behauptet? Mal sehn.

|Der Autor|

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman „Der Flüsterer im Dunkeln“.

|Die Sprecher|

David Nathan, geboren 1971 in Berlin, gilt laut Verlag als einer der besten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht seine Stimme Darstellern wie Johnny Depp, Christian Bale und Leonardo DiCaprio. In „Der Flüsterer im Dunkeln“ erweckt er die Spannung und den Horror zum Leben.

Torsten Michaelis ist der Synchronsprecher von Wesley Snipes. Durch sein Spektrum an verschiedenen Klangfarben wird er für die unterschiedlichsten Rollen eingesetzt. Er kann auf über 400 synchronisierte Filme zurückblicken.

|Die Sprecherin|

Dagmar Berghoff erlangte große Bekanntheit als die erste „Tagesschau“-Sprecherin Deutschlands. Von 1995 bis zum 31.12.1999 war sie die Chef-Sprecherin der ARD-Nachrichtensendung. Die gelernte Schauspielerin wurde zweimal mit dem „Bambi“ und einmal mit der „Goldenen Kamera“ ausgezeichnet.

|Regie, Produktion & Dramaturgie| übernahm Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|.

|Schnitt, Musik und Tontechnik| lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern.

_Handlung_

Man schreibt das Jahr 1927, als große Hochwasser die Flüsse des bergigen US-Bundesstaates Vermont anschwellen lassen. Dabei werden merkwürdige Kadaver angeschwemmt, die vage an Krebse mit Schwingen erinnern. Die Zeitungen sind voll von Spekulationen, doch der Ich-Erzähler Albert Wilmarth, seines Zeichens Uni-Dozent in Arkham, will sich diesen Spinnereien nicht anschließen. Dennoch zählt er gewissenhaft all die einheimischen Legenden sowohl der Kolonisten wie auch der Indianer auf. Demnach haben sich in den unzugänglichen Bergen Außerirdische niedergelassen, um nach Metall zu schürfen, das sie sonst nirgendwo bekommen.

Im April 1928 erhält Wilmarth den ersten Brief von Henry Wentworth Akeley, einem geachteten Privatgelehrten aus uralter angesehener Familie. Er bestätigt, dass diese Berichte und Legenden einen Funken Wahrheit enthielten. In einem zweiten Brief schickt er Dokumente wie etwa Fotos sowie einen schwarzen Stein mit einer unbekannten Inschrift mit. Der Höhepunkt ist jedoch ein Tondokument, das eines der Phänomene wiedergibt, die in jener Gegend am Dark Mountain wahrzunehmen waren: Eine menschliche Stimme und eine summende, nichtmenschliche Stimme preisen ein Wesen namens Shub-Niggurath, die „Schwarze Ziege aus den Wäldern mit den tausend Jungen“.

Wilmarth läuft ein kalter Schauder den Rücken hinunter und ein namenloses Grauen erfasst sein Herz. Soll er den Phänomenen auf den Grund gehen? Der immer ausgedehnter werdende Briefwechsel mit Akeley drängt ihn dazu, sich in größte Lebensgefahr zu begeben. In den Bergen um den Dark Mountain wartet man bereits auf sein Erscheinen, und es wird denn auch durch Akeleys seltsamen letzten Brief ausgelöst.

Akeley äußert sich darin voller Verständnis und keineswegs mehr grauenerfüllt gegenüber den Außerirdischen, verrät sogar einige ihrer Geheimnisse: Sie hätten eine Operationsbasis auf dem Planeten Yuggoth errichtet, der jenseits des Neptun seine Kreisbahn ziehe und von irdischen Astronomen erst in Kürze entdeckt werde (der Pluto). Akeley drängt Wilmarth, schnellstens zu kommen und dabei keinesfalls sämtliche Beweisstücke zu vergessen. Diese würden noch gebraucht. Wilmarth nimmt den Zug und wird am Zielbahnhof von einem schweigsamen jungen Mann abgeholt.

Um Akeleys Haus herrscht zwar eine Grabesstille – keine Spur von Vieh oder Wachhunden – doch der Mann selbst lebt noch, wenn er auch unter einem asthmatischen Fieber leidet und so stark vermummt ist, dass nur sein Gesicht aus dem Halbdunkel hervorschaut, in das das Zimmer getaucht ist.

Mit wachsender Verwunderung lauscht Wilmarth dem halb gesummten Monolog Akeleys, während eine seltsame Vibration sein Gehirn erfüllt. Dann schlägt die Verwunderung in wachsendes Grauen um.

_Bonusmaterial_

|- Muriel E. Eddy: Eine persönliche Erinnerung an Howard Phillips Lovecraft (veröffentlicht 1996) (ca. 27:00 Minuten).|

Es war im heißen August 1923, als die Chronistin Eddy mit ihrem Mann den „Gentleman alter Schule“ Howard Phillips Lovecraft persönlich kennen lernte. Eddy erinnert sich an dunkelbraune Augen und fast schwarzes Haar. Er hatte ein Paket Manuskripte dabei, denn er schrieb – kostenlos – für diverse Amateurmagazine. Die Eddys sind Lyriker, und HPL ist so freundlich, ihnen ein paar Tipps zu geben. Da Mr. Eddy zudem die Horrorstory „The Beloved Dead“ (Die geliebten Toten) schrieb, gerät man bald ins Fachsimpeln. Lovecraft schreibt seit seinem vierzehnten Lebensjahr, und er zeigt ihnen seine Story „The lurking fear“. Dabei erklärt seine Ästhetik: Es komme darauf an, die Vorstellungs- und Einbildungskraft des Lesers anzuregen, aber niemals banale Fakten aufzutischen.

Bei seinem nächsten Besuch brachte er die Geschichte [„Die Ratten im Gemäuer“ 589 mit und las sie selbst vor. Das wurde für Muriel Eddy zu einem unvergesslichen Erlebnis, denn Lovecraft steigerte sich in das Vorlesen hinein, als ob er selbst bei den erzählten Geschehnissen dabei gewesen sei. Da wurde Muriel klar, dass sie es mit einem Genie vom Kaliber eines Edgar Allan Poe zu tun hatte.

Vor seiner Eheschließung mit der Schriftstellerin Sonia Haft Greene, die im Frühjahr 1924 stattfand, unterrichtete er die Eddys kaum davon, und dass er von Providence nach New York City zog, kam auch etwas überraschend. Aus seinen Briefen wurden Postkarten, und seltsamerweise kamen diese von allen möglichen Orten. Lief es mit seiner Ehe etwa nicht so gut? (Sonia wurden von HPLs Tanten abgelehnt, die ein strenges Regiment führten.) Nach seiner Scheidung 1929 bringt er aus New York nur die wunderbare Erzählung „Das Grauen von Red Hook“ mit, die er seinen Freunden vorliest. Muriel Eddy hält sie für eine seiner besten Geschichten.

Lovecraft ist als Korrektor, Lektor und sogar als Ghostwriter für Prominente wie Harry Houdini, den Zauberkünstler, tätig. Er geht sehr sparsam mit Papier um, was es für Muriel Eddy, die seine Handschriftmanuskripte abtippte (er fasste weder Schreibmaschine noch Telefon an) schwierig machte, seine Anweisungen zu entziffern. Einmal verlor er sogar am Bahnhof ein getipptes Manuskript für Houdini, aber zum Glück hatte er noch das Original.

Im März 1937 erhielten die Eddys die Nachricht von seinem Tod und besuchten den Trauergottesdienst auf dem Swan Point Friedhof mit seinen anderen Freunden. Ein zweideutiger Wunsch zum Schluss: „Möge der Geist (!) von Howard Phillips Lovecraft, Gentleman, lange leben!“

|- „Soundtrack des Schreckens“ (14:40 Minuten) umfasst zehn Tracks, darunter „Der Cthulhu-Mythos“, „Der Flüsterer im Dunkeln“, „Die Sprechmaschine“, „Von einem anderen Stern“, „Am Gipfel des Dark Mountain“ und „Mr. Akeley’s Sessel“.|

Die meisten dieser Stücke sind nur ein bis zwei Minuten lang und eignen sich dadurch am besten als Intros, Extros und Pausenfüller. Manche sind komplexer, polyphon und mit Stimmen versehen, andere hingegen sehr einfach. Während der Erzählung selbst werden sie nicht als Pausenfüller eingesetzt, daher ist ihre Zusammenfassung auf der Bonus-CD willkommen.

_Mein Eindruck_

Der Übergang von der Horrorstory zur Science-Fiction-Erzählung ist – wie in „Die Farbe aus dem All“ – fließend. Wie schon oben erwähnt, handelt es sich bei den Monstren auf Akeleys Grundstück und in den Bergen ringsum tatsächlich um Außerirdische. Sie haben, so erfährt Wilmarth aus dem letzten merkwürdigen Brief Akeleys, eine Basis auf dem Planeten Pluto errichtet, den sie Yuggoth nennen.

Und sie haben eine Technik entwickelt, um das Gehirn vom restlichen Körper abzutrennen und auf Reisen schicken zu können. Tatsächlich begegnet Wilmarth in Akeleys Haus einem dieser mobilen Gehirne, das mittels dreier Schaltungen zu sprechen, zu sehen und zu riechen in der Lage ist. Akeley offeriert Wilmarth, sein Gehirn auf diese Weise zu mobilisieren und zu unbekannten, immens weit entfernten Welten mitzunehmen. Wilmarth fasst dies als Drohung auf: Will man ihn erst seines Körpers und dann seiner Menschlichkeit berauben? Eine ähnliche Anordnung habe ich auch bei Stanislaw Lem gelesen, allerdings als erkenntnistheoretisches Experiment.

Die Story ist so ungemein geschickt erzählt, dass die Pointe erst ganz am Schluss, im letzten Satz, gesetzt wird, so dass sie den Leser mit voller Wucht trifft. Allerdings ist die Erzählweise nicht kunstvoll genug, um den Leser daran zu hindern, schon frühzeitig die richtigen Schlüsse zu ziehen. Der Schluss kommt also für den gewieften Leser nicht allzu überraschend.

Es gibt auch einen kleinen Insiderwitz, den ich meinem Leser nicht vorenthalten möchte. Im letzten Drittel erwähnt Akeley einen „Hohepriester Klarkash-ton“. Damit ist kein anderer als Clark Ashton-Smith gemeint, einer der engsten Schriftstellerfreunde von H. P. Lovecraft. Die großen Jungs machten sich ein Späßchen daraus, einander in ihre jeweiligen Geschichten einzubauen, denn Kunst und Leben waren für sie eins.

|Bonusmaterial|

Während die Musik eine nette Zugabe darstellt, so liefert die „Erinnerung an H. P. Lovecraft“ wertvolle Informationen für denjenigen Leser, der noch nichts bis wenig über den Menschen Lovecraft weiß. Der Gentleman scheint zwar ein netter Zeitgenosse gewesen zu sein, aber warum, um Himmels willen, hat er solch schreckliche Geschichten geschrieben? Das erfahren wir leider nicht.

Aufgrund von Muriel Eddys Angaben können wir allenfalls spekulieren, dass Lovecraft meist ein sehr einsamer Mensch war, um dessen Gesundheit es nie zum Besten stand. Er litt unter der Kälte – einmal brach er sogar auf der Straße zusammen, doch Mr. Eddy rettete ihn. Dass HPL Katzen über alles liebte, erklärt deren häufiges Auftauchen in seinen Storys, so etwa in „Die Ratten im Gemäuer“ und natürlich in „Die Katzen von Ulthar“.

Weil der Cthulhu-Mythos, der ihn unsterblich gemacht hat, mit keinem Wort erwähnt wird, erhalten wir ein Bild von ihm, das ihn uns als sympathischen Anachronismus belächeln lässt: den romantischen Lovecraft, der mit dem Kurzroman „Die Traumsuche nach dem unbekannten Kadath“ den Höhepunkt seiner ersten Schaffensphase erreichte (auch davon kein Wort). Lovecraft lehnte die Technik der Moderne ab: keine Schreibmaschine, kein Telefon, kein Auto wollte er benutzen (höchstens im Notfall). Dass seine Außerirdischen solche Teufelsdinger benutzen – wie etwa die Sprechmaschine in „Flüsterer im Dunkeln“ – passt genau ins Bild: Es charakterisiert sie als böse und menschenfeindlich.

|Zur Übersetzung|

Der erste deutsche Übersetzer Lovecrafts war H. C. Artmann in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Doch sie ist heute obsolet. Ein Vergleich mit Andreas Diesels Übersetzung etwa von „Cthulhus Ruf“ zeigt, dass Artmanns Fassung unvollständig, altertümelnd (absichtlich?) und stellenweise sogar verfälschend ist. Für moderne Leser, die ohne Vorbereitung darauf stoßen, ist sie stellenweise wohl unverständlich.

Zum Glück liegen mit Festas und Diesels Fassungen mittlerweile praktisch alle Lovecraft-Erzählungen in lesbarer, moderner Diktion vor. So kann es gelingen, dass die unzähligen Adjektive wie unheilvoll, grausig, finster, düster, modrig usw. usf. nicht völlig veraltet daherkommen, sondern halbwegs modern. Nun stellt sich dem Leser zumindest kein Sprachproblem mehr entgegen. Der Inhalt ist natürlich etwas anderes.

|Die Sprecher|

David Nathan: Er spricht den Ich-Erzähler Albert Wilmarth. Wie so oft gelingt es Nathan auch diesmal, die Bedeutungshöhepunkte des Textes mit großem Gespür herauszuarbeiten. Wo also Action angesagt ist und Autorität, da spricht er flüssig und laut. Doch wo es um eine höchst zwielichtige Versammlung der Außerirdischen und ihrer Schergen geht, sinkt sein Vortrag fast zu einem Flüstern ab, so dass die Anspannung im Leser unwillkürlich steigt. Hier ist offensichtlich Verbotenes zu vernehmen, das nicht für Wilmarths, d. h. unsere Ohren bestimmt ist, und tatsächlich fallen die Namen diverser Großer Alter wie Nyarlathotep und Azathotep. (Warum diese Namen an sich bereits „blasphemisch“, also gotteslästerlich sein sollen, wird nicht ohne Weiteres klar. Dazu muss man wohl schon ein streng gläubiger Christenmensch sein. Jedenfalls klingt das Wort „blasphemisch“ schon ziemlich horrormäßig.)

Torsten Michaelis: Er spricht den titelgebenden Flüsterer, also Mr. Henry Akeley. Oder doch nicht? Das ist eben die Pointe der Story, und die darf nicht verraten werden. Jedenfalls jagte mir seine krächzende Sprechweise Schauder über den Rücken. Akeley hält einen ellenlangen Vortrag über die Geschenke der Außerirdischen, die sie nicht nur Akeley gemacht haben, sondern auch Wilmarth anbieten. Aber nach dem antiken Motto „Timeo Danaos et dona ferentes“ (Ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen) ist Wilmarth das Angebot nicht ganz geheuer, und wie ihm seine finale Entdeckung enthüllt, liegt er damit ganz richtig.

Dagmar Berghoff: Mit ihrer samtweichen, melodiösen und relativ tiefen Stimme eignet sich Berghoff als Sprecherin von Texten, die besonders mit menschlichen Schicksalen zu tun haben. Daher wirkt es auch keineswegs peinlich, wenn sich Muriel Eddy am Schluss zu ein wenig Pathos aufschwingt und der Besuch des Trauergottesdienstes zu einer Manifestation der Ehrerbietung gegenüber einem literarischen „Genie“, wie sie HPL nennt, wird. Ich könnte mir daher Berghoff nicht als Interpretin eines knallharten Sexualmord-Thrillers vorstellen (wahrscheinlich bekäme ich Mitleid mit dem Killer). Iris Böhm erledigt diesen Job bereits auf eindrucksvolle Weise.

Berghoff bemüht sich redlich, die zahlreichen englischsprachigen Bezeichnungen und Namen des Textes korrekt auszusprechen, und in 99,99 % aller Fälle gelingt ihr dies auch. Allerdings nicht im Falle von „The lurking fear“. Dieser Storytitel kommt zweimal vor, und beide Male spricht sie das Wort „lurking“ nicht korrekt aus. Das U spricht sie wie ein A aus statt wie ein offenes Ö. Auch langjährige Profis lernen eben nicht aus.

_Unterm Strich_

Die Erzählung ist einer der Höhepunkte im Zyklus um den „Cthulhu-Mythos“, auch wenn sie meiner Ansicht nach schwächer ist als etwa [„Schatten über Innsmouth“. 424 Das liegt zum Teil daran, dass Wilmarth nicht vorbelastet, sondern im Gegenteil geradezu ein Saubermann ist. So bleibt die Grenzlinie zwischen uns (Wilmarth & Co.) und Denen (Aliens & Handlanger) durchweg aufrechterhalten, wohingegen sie in „Schatten über Innsmouth“ komplett zusammenbricht, was doch einen beträchtlich größeren Horroreffekt auf den Leser ausübt.

Während „Innsmouth“ den Alien IN UNS aufspürt, zeigt uns Akeley den Alien da DRAUSSEN. Dort draußen, das ist Yuggoth alias Pluto, wo die Aliens ihren Stützpunkt errichtet haben, quasi einen Umsteigebahnhof für reisende Gehirne, aber auch Umschlagplatz für auf Erden abgebautes Eisenerz. Deshalb ist der Science-Fiction-Aspekt in dieser Erzählung viel gewichtiger als in den anderen Cthulhu-Storys. Wie bei den mobilen Hirnen (vgl. St. Lem) nimmt auch die Idee einer Alien-Operationsbasis viele spätere Space-Operas vorweg.

Wie kam HPL auf solche visionären Einfälle? Aus der „Erinnerung an HPL“ erfahren wir es nicht, aber diese Reminiszenz ist dennoch von einem gewissen Reiz. Neulinge im Lovecraft-Universum lernen den Autor solcher Horrorschocker wie „Die Ratten im Gemäuer“ als einen netten „Gentleman alter Schule“ kennen, der nur ein wenig verschroben auftritt, aber ansonsten ein sehr umgänglicher und zuvorkommender Zeitgenosse war, der, nach Muriel Eddys Worten, keinen Neid kannte, sondern allen Freunden auf selbstlose Weise half.

Die drei Sprecher erweisen sich als kompetente Ausführende in diesem ausgezeichnet und professionell produzierten Hörbuch. Berghoff, Nathan und Michaelis decken drei verschiedene Aspekte aller Texte ab (s. o.) und ergänzen sich somit in optimaler Weise. Berghoff als Sprecherin im Hörbuchbereich zu gewinnen, ist nicht nur ein Geniestreich, sondern eine echte Bereicherung der Szene.

|Originaltitel: The Whisperer in the Dark, 1931; Howard Phillips Lovecraft: A Reminiscence“, 1996, Necronomicon Press, USA
Aus dem US-Englischen übersetzt von Andreas Diesel und Frank Festa
243 Minuten auf 4 CDs|

J. R. R. Tolkien – Der Herr der Ringe. Die Komplettlesung

Der Fantasyklassiker schlechthin, endlich komplett vorgelesen

Ein verlängertes Wochenende in Mittelerde – hier ist das Ticket zu lösen! Fast 60 Stunden Eintauchen in den Kontinent der Phantasie, den Professor Tolkien mit dem „Herrn der Ringe“ geschaffen hat. Mögen auch die Meinungen über die Aussage auseinandergehen und vor allem der Mangel an weiblichen Figuren beklagt werden, so bleibt doch dieses Epos die Urmutter aller Fantasy in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Und immer noch wird an der Verarbeitung dieses Stoffs gestrickt. 2011 soll die Verfilmung des „Hobbits“ in unsere Kinos gelangen.

In dieser Audio-Box bekommt der Tolkien-Fan die ungekürzte Lesung von zwei der besten Sprechkünstler deutscher Zunge geboten: Achim „Gandalf“ Höppner und Gert Heidenreich.
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Jean-Louis Glineur – Todesangst in der Nordeifel

Spannend: Rasante Verfolgungsjagden in der Eifel

Euregio, Eifel. Gegenwart. Eine junge Mutter wird zwischen den Eifel-Dörfern Hammer und Dedenborn überfallen und fast erwürgt. Kurz danach wird eine ermordete Jugendliche in der Nähe Schleidens zwischen Broich und Wintzen aufgefunden. Dem Ehemann der ersten überfallenen Frau arbeitet die Polizei zu langsam, und er beauftragt die Privatdetektive Alwin Schreer und dessen Kollegin Anne-Catherine Vartan – die Detektei Schreer & Vartan.

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