Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Fünf Freunde und die verlassene Villa (Folge 156)

Die Handlung:

Nach einem Sturm entdeckt George hinter einem eingebrochenen Zaun eine Villa, in der niemand mehr zu wohnen scheint. In dem verwilderten Garten gräbt Timmy zufällig einen Schlüssel aus der Erde, der jedoch nicht zu den Türen der Villa passt. Kurz darauf tauchen noch mehr Fragen auf. Wem gehört die Villa? Warum schleichen sich zwei Männer heimlich in den Garten? Warum sehen die Fünf Freunde ein und dieselbe Person zur selben Zeit an zwei verschiedenen Orten? Und was hat das alles mit dem Banküberfall zu tun, der sechs Jahre zurückliegt? Mit viel Mut und Klugheit lösen die Freunde auch dieses Rätsel. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Jetzt wirklich? Es gibt in/auf Kirrin eine Villa, deren Besitzer niemand kennt? Hier kennt doch jeder jeden, weil … so viele Leute wohnen hier doch gar nicht! Und wieso haben die Kids denn Frühjahrsferien? Die hatten sie doch noch nie (meine ich), sondern immer nur Sommerferien. Hmmm …

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Val McDermid – Schleichendes Gift (Lesung)

Zwischen Bomben und Gift ein Geheimnis

In der Stadt Bradfield bricht Panik aus: Erst wird ein Fußball-Star vergiftet, kurz darauf explodiert im Fußballstadion eine Bombe. Viele werden verletzt, Dutzende sterben. Handelte es sich um einen Terroranschlag oder um einen persönlichen Rachefeldzug? Der sympathisch-verschrobene Profiler Tony Hill soll mit seiner taffen Kollegin DCI Carol Jordan dem Wahnsinn nachgehen. Das Ermittlerduo stößt dabei in ein Wespennest aus Grausamkeit und Gewalt. (Verlagsinfo)
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Kai Meyer – Das Buch von Eden (Lesung)

Im Jahre 1257. In einem französischen Kloster wird die „Lumina“ gehütet – die letzte Pflanze des Gartens Eden. Als Schergen des Erzbischofs von Köln, der die Pflanze haben will, das Kloster überfallen, überlebt nur die Novizin Favola. Als Hüterin der Lumina obliegt ihr deren Schutz. Mit Gefährten macht sie sich auf eine gefährliche Reise gen Arabien. Sie wollen die Lumina an den Ort zurückbringen, an dem der Bibel nach einst der Garten Eden gelegen haben soll. (Verlagsinformation)
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Navarro, Julia – stumme Bruderschaft, Die

Auf den Turiner Dom wird – nicht zum ersten Mal – ein Brandanschlag verübt. Die Feuerwehr erscheint auch diesmal rechtzeitig, um das Schlimmste zu verhindern. Der bedeutendste Schatz des Doms, das heilige Grabtuch Christi, bleibt unversehrt. Allerdings wird im Kirchenschiff die Leiche eines Mannes entdeckt, dem die Zunge herausgeschnitten wurde …

Besteht ein Zusammenhang zwischen ihm und einem in Turin Inhaftierten, dem ebenfalls die Zunge fehlt? Kommissar Marco Valoni vermutet es. Bei seinen Ermittlungen unterstützen ihn u. a. die Archäologin Sofia Galloni und die Journalistin Ana Jiménez. Allmählich stellt sich heraus: Zwei konkurrierende Geheimbünde wollen das Grabtuch jeweils für sich. Dieser brutale und blutige Kampf reicht bis zu den Anfängen des Christentums zurück. Die Kontrahenten schrecken vor Mord nicht zurück.

_Die Autorin_

Julia Navarro, geboren 1953, ist „politische Journalistin“ und arbeitet für renommierte Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender Spaniens. Mit ihrem vorliegenden literarischen Debüt gelangte sie auf die Bestsellerlisten ihres Landes. (Verlagsinfo) Dass sich Felipe Gonzalez, der frühere Regierungschef, lobend äußerte, schadete sicherlich auch nicht.

_Der Sprecher_

Johannes Steck, 1966 in Würzburg geboren, studierte nach seiner Ausbildung zum Theatermaler an der Schauspielschule in Wien. In der ARD-Produktion „In aller Freundschaft“ spielt er „Dr. Achim Kreutzer“. Für den |Audiobuch|-Verlag hat er u. a. [„Welt in Angst“ 880 von Michael Crichton gelesen. (Verlagsinfo) Regie führte Heiko Schlachter.

_Handlung_

Der erste der vier Handlungsstränge beginnt keineswegs im Turin der Gegenwart, sondern im 1. Jahrhundert in Anatolien. Abgarus, der König von Edessa, schreibt an Jesus von Nazareth, um den Wunderheiler und Gottessohn zu bitten, ihn von einer Geschlechtskrankheit zu kurieren. (Natürlich drückt er sich etwas vornehmer aus.) Diesen Brief soll Abgarus‘ Jugendfreund Josar überbringen. Dieser war Zeuge des Wunders von Lazarus. Als Lohn will Abgarus sein Reich mit Jesus teilen.

In seiner Antwort, die wieder der treue Josar überbringt, erwidert Jesus wider Erwarten, er entsage der Welt, prophezeit sein eigenes Schicksal. Doch er kündigt einen Jünger an, der bald den König besuchen werde. Danach geschieht alles so, wie es bei Matthäus nachzulesen ist, und Josar wird Augenzeuge – vom letzten Abendmahl bis zur Grablegung. Der Kaufmann Joseph von Arimathia hat Jesu Leichnam in feines Tuch gehüllt. Nachdem Jesus nach drei Tagen die Fliege gemacht hat, nimmt Josar das Grabtuch an sich und bringt es seinem Freund und König nach Edessa.

Fest von seinem Glauben an Jesu Macht überzeugt, hüllt er Abgarus in das Grabtuch ein, auf dem die Gestalt und das Gesicht des Gottessohnes zu sehen sind. Das Wunder geschieht und Abgarus genest. Doch was soll nun mit der Reliquie geschehen? Das könnte ein Problem werden, denn Reliquien haben die leidige Eigenschaft, Gläubige in Scharen anzuziehen und Ungläubige zur Weißglut zu treiben. Abgarus lässt Josar zunächst einen genauen Bericht der Ereignisse anfertigen und vervielfältigen. Dieses Evangelium ist sozusagen die Echtheitsbescheinigung für das Tuch.

Für das Tuch selbst lässt der König einen Tempel errichten und die Reliquie von einer Bruderschaft bewachen. Wie notwendig dieser Schutz ist, erweist sich schon bald, als Mano, Abgarus‘ Sohn, den Sturz seines Vaters in Gang setzt …

20. Jahrhundert: Turin, Rom, New York City etc.

Spezialdezernent Marco Valloni ist erleichtert: Nach einem Brand in der Kathedrale von Turin, bei dem das Chaos ausbrach, stellt sich heraus, dass der größte Schatz der Kirche, das berühmte Grabtuch Christi, immer noch an seinem Platz ist. Was ihn jedoch stört, ist die Tatsache, dass dies bereits der dritte Brand binnen weniger Jahre gewesen ist. Einen Möchtegerndieb hat er selbst festgenommen und in den Knast geschickt. Da der Häftling allerdings weder über Zunge noch Fingerabdrücke verfügt, ist weder seine Identität festzustellen noch ein Geständnis aus ihm hervorzulocken.

Das war anno 1997, als Marco 50 Jahre alt war und schon damals das Dezernat für Kunstdelikte im römischen Innenministrium leitete. Seinem Team gehören mehrere Polizisten und Kunstexperten an. Was aber die Ermittlungen stets ein wenig behindert, ist die undurchsichtige Hierarchie der römisch-katholischen Kirche, insbesonders seitens des Turiner Kardinals und seiner Untergebenen. Wer weiß da schon, wer für welche Hintermänner arbeitet? Pater Yves Charney beispielsweise: ein Bursche, der viel zu sportlich aussieht, als dass er nur ein harmloses Mönchlein sein könnte.

Auch diesmal findet sich wieder ein Mann mit herausgeschnittener Zunge und abgebrannten Fingerspitzen. Leider auch noch mausetot. Als Brandursache wird Kurzschluss ermittelt. Als Marcos Kollegin, die schlaue Dottoressa Sofia Galloni, gegen den Bauunternehmer ermittelt, stößt sie in Umberto dall’Acqua nicht nur auf einen sehr attraktiven (ledigen!) und mächtigen Firmenboss mit besten Verbindungen, sondern auch auf den Kopf einer Organisation, deren Ziele ihr vorerst verborgen bleiben. Aber alle Angehörigen dieser Bruderschaft scheinen keusch zu leben und Archäologie zu betreiben.

Es ist der Vorschlag von Sofia, den inhaftierten Stummen als Trojanisches Pferd zu benutzen, um an dessen Auftraggeber heranzukommen, die ja wohl auch mit dem neuesten Brand zu tun haben müssen. Und so kommt es, dass sich drei oder mehr Organisationen gleichzeitig auf den Tag und die Stunde vorbereiten, in der dieser potenzielle Verräter die Mauern des Gefängnisses von Turin verlässt.

Wie sich herausstellt, wird dieser Tag für viele Beteiligte nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch den Tod bringen. Auch für Marco und Sofia?

_Mein Eindruck_

Offensichtlich hat der gigantische Erfolg von Dan Browns Megaseller [„The Da Vinci Code / Sakrileg“ 184 zahlreiche Autoren und Autorinnen davon überzeugt, dass in der Verbindung aus Gegenwart und mysteriöser Vergangenheit eine wahre Goldgrube liegt. Wer findig genug ist, dem dürfte es ja wohl auch gelingen, einen weiteren Stollen in diesen Goldberg zu treiben und sein Scherflein an Tantiemen davonzutragen.

Der Roman von Julia Navarro ist lediglich ein weiterer Versuch, eine Kopie von Dan Browns erfolgreicher Kombination aus Kunstgeschichte, Zeichenlehre und Religionsmystik anzufertigen. Die „politische Journalistin“ aus Spanien mag über die Recherchefähigkeiten verfügen, um die notwendigen Fakten aus aller Herren Länder zusammenzutragen. Doch wenn es darum geht, eine knackige Thrillerstory zu zimmern, erweisen sich ihre kreativen Fähigkeiten als begrenzt. (Damit steht sie allerdings nicht allein – so viel zu ihrer Entschuldigung.)

Es ist ja alles schön und gut, wenn die Männer stark, entschlossen und verschlagen sind, doch die Frauen müssen intelligent, entschlossen und obendrein auch noch schön genug sein, um diesen Herrschaften Paroli bieten zu können. Klischees feiern ein festliches Stelldichein.

Das wäre ja gut zu ertragen, wenn der Plot ein bisschen weniger vorhersehbar wäre. Schon zu Beginn wissen wir, dass es um den Besitz oder Nichtbesitz des Grabtuches geht. Allmählich bildet sich zwei konkurrierende Bruderschaften heraus, von denen die eine die titelgebende stumme ist. Wie es zur Entstehung der beiden Sekten kam, habe ich oben zu skizzieren versucht. Die Autorin flicht die Szenen, die deren Werdegang durch zwei Jahrtausende Christentum nachzeichnen, nach und nach ein, ungefähr so, wie Sofia recherchieren würde. Am Ende ihrer Ermittlungen genügt ein Sätzchen, um all diese Szenen als bekannt vorauszusetzen und mit der Gegenwart zu verknüpfen. Das ist dramaturgisch geschickt gemacht und erspart dem Leser die langen ermüdenden Monologe, die wir aus „Sakrileg“ kennen.

Es gibt jedoch einen Aspekt, der der Autorin zur Ehre gereicht: Sie weiß ja, dass wir wissen, dass die Wissenschaft das Grabtuch als aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammend identifiziert hat. Wo also ist das echte, originale Grabtuch aus dem 1. Jahrhundert abgeblieben, das sie zu Beginn so schön eingeführt hat? Ganz einfach: Das Turiner Grabtuch muss eine Kopie sein. Damit schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens ist die Christenheit beruhigt, denn nun könnte sich das neuere Grabtuch ja doch als wundermächtig und verehrungswürdig erweisen, und zweitens eröffnet sich uns nun ein weiteres Rätsel: Wer hat das Original und wo befindet es sich heute?

Angesichts der Fülle an mysteriösen christlichen Organisationen wie den Tempelrittern (vgl. Umberto Eco etc.), den Katharern (Gralslegende), diversen Kreuzfahrern (mehr Gralslegenden) und dem Opus Dei (steckt der Vatikan dahinter?) stehen den Spekulationen Tür und Tor offen. Fortsetzung folgt?

|Der Sprecher|

Dem Sprecher gelingt es, die durch die Klischees vorgegebenen Figuren einigermaßen zum Leben zu erwecken. Marco Valloni ist stets der brummige, knurrige und unzufriedene Commissario, der sich mit nervigen kirchlichen Hoheiten herumschlagen und dennoch seinen Job ordentlich tun muss. Seine Stimme ist entsprechend tief angelegt. Sein genaues Gegenteil stellt Dottoressa Sofia Galloni dar, die in einer Gelehrtenwelt agiert, die voller Geheimnisse steckt – und unerwartete Freuden bereithält, die auch auf zwei Beinen daherkommen können (Pinguine sind leider disqualifiziert, sorry). Ihre Stimme ist entsprechend höher angelegt. Allerdings ist diese Tonhöhe durch die männlichen Stimmbänder des Sprechers sehr begrenzt. Rufus Beck könnte in dieser Hinsicht sehr viel mehr Eindruck hinterlassen.

|Geräusche|

Vielen Szenen sind kurze Einblendungen von Geräuschen oder Klängen vorgeschaltet. Das kann den Hörer manchmal etwas verblüffen. Immerhin gibt zum Beispiel eine Klangcollage aus Verkehrsgeräuschen einen Hinweise darauf, dass die folgende Szene in unserer Gegenwart spielt. Anderen Szenen ist nur eine Art künstlicher Glockenklang vorgeschaltet – die Szene könnte aus der Vergangenheit stammen. In keiner Szene stört jedoch Hintergrundmusik beim akustischen Verstehen des Textvortrags. Somit gibt es in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten.

_Unterm Strich_

Wer „Illuminati“ und vor allem „Sakrileg“ mochte, der dürfte auch für „Die stumme Bruderschaft“ Interesse aufbringen. So lautet zumindest die Kalkulation der Autorin und ihres Verlags. Allerdings wird durch die – bis auf das Finale – unblutige Durchführung des Plots stark auf eine weibliche Leserschaft Rücksicht genommen. Und dass die Leidensgeschichte Jesu als historisch abgesegneter Aufhänger vorausgesetzt wird, stellt den ganzen Roman in die Ecke der gläubigen Katholiken, wie man sie besonders in Italien, Spanien und Frankreich wohl noch etwas häufiger als in protestantisch reformierten Ländern finden dürfte.

Wer diese beiden Faktoren als Hindernis empfindet, für den dürfte die Geschichte der beiden Tuchbruderschaften wenig Interesse bereithalten. Beiden Bruderschaften unterstellt die Autorin ehrenwerte Ziele, auch wenn sie vielleicht entgegengesetzt sind. Die katholische Kirche ist stets fein raus, auch wenn sich die Sekten auf ihrem Grund und Boden kloppen. Dass es zwei Tücher gibt, weiß sie gut zu verbergen.

Das actionreiche Finale liefert zwar einen Showdown, ist aber ein wenig kurz geraten – zumindest im gekürzten Hörbuch. Nun kommt auch der Thrillerfreund zu seinem Recht. Leider viel zu spät, meiner Ansicht nach, denn es fehlt an ausreichend vielen dramaturgischen Höhepunkten in der Mitte des Buches, um die Spannung auf einem gleich hohen Niveau zu halten.

|Handhabung|

Was mich bei der Handhabung dieses Exemplars genervt hat, war von vornherein die mindere Qualität der Jewelbox. Derart klapprige CD-Aufhängungen führen dazu, dass die CDs lose herumklappern und allzu leicht herausfallen können. Der Missstand ist auch nicht durch Zurückdrücken in die Halterungen zu beheben, denn es sind ja gerade diese, die so minderwertig produziert wurden.

Auch ein Booklet fehlt, doch bringt dieser Umstand der CD keinen Minuspunkt ein, denn viele andere Verlage (z. B. |Lübbe|) legen auch keines bei. Dadurch ist der Hörer auf eigene Notizen angewiesen, um sich über die Vielfalt des Personals einen Überblick zu verschaffen. Ein Booklet mit diesen Infos hätte hier aber zumindest einen Pluspunkt eingebracht.

|Originaltitel: La Hermandad de la Sábana Santa, 2004
405 Minuten auf 6 CDs|

H. P. Lovecraft – Die Farbe aus dem All (Gruselkabinett 90)

Außerirdischer Besuch auf der verfluchten Heide

Amerika in den 1930er Jahren: In den Hügeln westlich von Arkham gehen seit dem Einschlag eines Meteoriten auf dem Gelände einer Farm äußerst seltsame, geradezu beunruhigende Dinge vor. Nun soll genau dort, unter anderem in dem von den Einheimischen „verfluchten Heide“ genannten Gebiet, ein gewaltiger Stausee entstehen, um die Wasserversorgung der Stadt auf Jahrzehnte hinaus zu sichern… (Verlagsinfo)

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Stephen King – Holly (Lesung)

Die Handlung:

Privatermittlerin Holly Gibney steckt in einer Lebenskrise, da erhält sie einen Anruf: »Meine Tochter Bonnie ist vor drei Wochen verschwunden, und die Polizei unternimmt nichts.« Ihre Nachforschungen führen Holly zu einer weit zurückreichenden Liste ungelöster Vermisstenfälle. Alle spielen im Umfeld eines inzwischen emeritierten Ernährungswissenschaftlers mit dem Spitznamen »Mr. Meat«. Holly hat schon gegen grausame Gegner bestanden, aber hier begegnet sie dem schlimmsten aller Ungeheuer: dem Menschen in seinem Wahn. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Moment … Holly? Holly Gibney? Kennen wir die nicht? Klar, kennen wir die! Und wer alle drei Romane aus Kings „Mr.-Mercedes“-Reihe verschlungen hat, der hat sogar ihre komplette Entwicklung miterleben können. Von der Schüchternen, über die Partnerin, bis hin zur toughen Privatermittlerin. Stephen King sagt selbst, dass sie eigentlich nur eine Randfigur hätte werden und bleiben sollen, aber dann habe sie sein Herz erobert. Und so lässt er die Eigendynamik weiterleben, ganz zur Freude aller Holly-Fans. Er hatte auch eigentlich noch gar keine Story für sie im Kopf, nur eine Szene: Holly erlebt die Beerdigung ihrer Mutter per Zoom-Call. Traurig, aber noch keine Geschichte. Und dann las er eine Schlagzeile in einer Zeitung und schon hatte er seine Antagonisten gefunden.

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Stephen King – Puls (Lesung)

Wie Silvester in der Hölle

Das Grauen kommt nicht aus Gräbern oder aus dem Weltraum. Es ist mitten unter uns und steckt in jeder Handtasche. Das Handy ist ein moderner Heilsbringer, doch in Stephen Kings „Puls“ kommt mit dem Klingelton Wahnsinn und Tod. Der neue große Roman von Stephen King, dem „brillanten Geschichtenerzähler aus Maine“ (SPIEGEL) ist nichts für schwache Nerven. (Verlagsinfo)

Dieses Buch ist Richard Matheson, Autor der verfilmten Endzeitvision „Ich bin Legende“, und dem Zombie-Spezialisten George Romero gewidmet. Der kundige Leser ist gewarnt.

Der Autor

Stephen King, geboren 1947 in Portland, Maine, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“ (verfilmt), erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Mio. Büchern in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. (Verlagsinfo) Er lebt in Bangor, Maine, und Florida. Seine Erstleserin ist immer noch seine Frau Tabitha King.
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Sandra Brown – Crush – Gier (Lesung)

Dank der angesehenen Ärztin Rennie Newton wird der Berufskiller Lozada in Texas freigesprochen. Doch dann geschieht ein Mord, der Rennie sehr gelegen kommt, und alle Hinweise deuten auf Lozada als Täter. Steckt sie mit ihm unter einer Decke? Polizist Threadgill, der sich in die Verdächtige verliebt, hält sie für unschuldig und begibt sich in die Schusslinie zwischen der Ärztin und dem Killer, der ihr seine Liebe etwas zu aufdringlich mitteilt. Aber liegt er auch richtig?

Die Autorin
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Cornwell, Patricia – Body Farm – Das geheime ABC der Toten

_Actionfinale: Ermittlung mit Showdown_

Der grausame Mord an der elfjährigen Emily Steiner schockiert die Kleinstadt Black Mountain in North Carolina. Chefpathologin und FBI-Beraterin Dr. Kay Scarpetta steht scheinbar unlösbaren Rätseln. Was verschweigt Emilys Mutter? Hat der mysteriöse Selbstmord des FBI-Agenten Max Ferguson etwas mit dem Mord an Emily zu tun? Als sie schließlich einen Fleck auf Emilys Gesäß entdeckt, hat sie einen schrecklichen Verdacht. Scarpetta weiß, dass ihr jetzt nur noch die „Body Farm“ helfen kann: ein Labor, das menschliche Verwesungsprozesse erforscht.

Kay Scarpettas fünfter Fall erschien 1995 unter dem deutschen Titel „Das geheime ABC der Toten“. Jetzt erscheint der Roman erstmals auch im Hörbuch.

_Die Autorin_

Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, war Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia, bevor sie zu schreiben begann. Mit den Thrillern um ihr literarisches Alter Ego, die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, wurde sie zur „erfolgreichsten Thrillerautorin der Welt“ (Der Spiegel). Cornwell lebt allein in Richmond / Virginia und in Malibu / Kalifornien. (Verlagsinfo)

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla war Moderatorin bei |n-tv|, |SAT.1| und bei der |BBC| in London. Als eine der bekanntesten Sprecherinnen synchronisiert sie Gillian Anderson aus „Akte X“, Demi Moore, Fanny Ardant und Sharon Stone. Auch als Erzählerin bei „Galileo“-Dokumentation ist sie regelmäßig im Off zu hören. Für |Hoffmann & Campe| hat Pigulla bereits mehrere Romane vorgetragen:

– Blinder Passagier
– Das letzte Revier
– [Das fünfte Paar 2142
– [Brandherd 3926
– [Die Dämonen ruhen nicht 729
– [Defekt 3961
– Gefahr
– [Staub 1237

Weitere Cornwell-Hörbücher: [„Wer war Jack the Ripper? – Portrait eines Killers“; 97 „Die Tote ohne Namen“.

Der Text wurde von Rainer Scheer gekürzt. Regie führte Vlatko Kucan, die Aufnahme fand im TrueMuze Rec Studio, Hamburg, statt.

_Handlung_

Die staatliche Chefpathologin Dr. Kay Scarpetta arbeitet auf Bitte des Chefprofilers Benton Westley auch als FBI-Beraterin in der FBI-Akademie von Quantico. Heute trifft auch Captain Pete Marino von der Polizei ein, mit dem sie in Richmond / Virginia schon lange zusammengearbeitet hat. Er arbeitet für das VICAP-Forschungsprogramm des FBI, das dazu dient, Gewaltverbrecher schneller aufzuspüren und zu fassen.

Dem gleichen Ziel hat sich auch Kays 21-jährige Nichte Lucy verschrieben, die als Praktikantin im technischen Labor des FBI arbeitet, einem Hochsicherheitstrakt. Nur die Fürsprache eines Senators hat der Studentin Lucy diesen höchst begehrten Job verschafft. Sie entwickelt Software, mit der sich Fingerabdrücke und Spuren sofort erfassen und zuordnen lassen. Die Software trägt den ominösen Namen CAIN, nach dem ersten Mörder der biblischen Geschichte.

Heute, am 16. Oktober, befassen sich die führenden Köpfe von Westleys Abteilung mit dem Mordfall Emily Steiner. Die Elfjährige aus dem Bergstädtchen Black Mountain, die am 1. Oktober verschwand, wurde sechs Tage später am Ufer des Lake Tomahawk von einem Angler gefunden. Ihre Leiche war unbekleidet und immer noch mit einem orangefarbenen Band gefesselt. Ein Kopfschuss in den Hinterkopf scheint ihrem Leben ein vorzeitiges Ende gesetzt zu haben.

Max Ferguson, ein lokaler FBI-Agent, und der Polizist Hershel Moat aus Black Mountain berichten, dass dem Verschwinden Emilys ein Überfall auf deren Mutter Denisa vorausgegangen sei, denn der Täter habe sie gefesselt und in einem Schrank eingesperrt, bevor er sich Emily schnappte. Benton Westley und Scarpetta ist der Modus Operandi bekannt und sie beschleicht ein schlimmer Verdacht. Wie Emily wurde auch der Junge Eddie Heath vor zwei Jahren – es war Marinos Fall – getötet. Der Täter war damals ein gewisser Temple Gort, der immer noch flüchtig ist.

Was aber Scarpetta stutzig macht, ist der Umstand, dass auf die beträchtliche Gewalt, die Emily zugefügt wurde, die passenden Körperraktionen fehlen. Es ist geradeso, als sei sie bereits tot gewesen, als man ihr eine Kugel durch den Kopf jagte. Außerdem scheint sie dehydriert gewesen zu sein, war also vielleicht tagelang gefangen. Sie bittet Westley, die Leiche exhumieren zu dürfen. Ist okay.

Doch als Kay, Westley und Marino Tage später in Asheville bei Black Mountain eintreffen, erleben sie eine Überraschung. Max Ferguson hat sich offenbar selbst getötet, und sein Kollege Hershel Moat fällt um ein Haar einem Herzinfarkt zum Opfer. Scarpetta kann ihn wiederbeleben, doch dann findet sie auch einiges an Fergusons Selbstmord merkwürdig. Mit Hilfe eines Spezialisten von der „Body Farm“, einem Institut zur Untersuchung des menschlichen Verwesungsprozesses, findet sie einen Fingerabdruck auf dem femininen Nylonhöschen, das Ferguson trug. Der Fingerabdruck stammt seltsamerweise von Denisa Steiner, Emilys Mutter …

Westley alarmiert Scarpetta. Lucy wurde beurlaubt, weil sie in ihrer FBI-Abteilung spioniert habe. Man fand ihren Fingerabdruck am entsprechenden Zugangsprüfgerät, einem Scanner, und ihre persönliche Kennziffer (PIN) im Computer. Scarpetta kann nur den Kopf schütteln: Wieso sollte ihre Lucy ihren Job durch Spionage gefährden und sich dann auch noch so dämlich anstellen? Doch selbst wenn Westley seit kurzem Scarpettas Liebhaber ist, so kann er doch nichts gegen die Vorschriften unternehmen. Sie macht sich selbst auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Sie hätte nicht damit gerechnet, dass mal ein Mordanschlag auf sie verübt werden würde. Leider wird dabei nicht sie das Opfer, sondern Lucy. Denn Lucy hatte sich den Mercedes ihrer Tante ausgeliehen. Nun liegt sie mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus von Richmond. Wer hat es auf Scarpetta abgesehen?

_Mein Eindruck_

Im Vordergrund dieses verzwickten Falls steht natürlich, wie es sich gehört, die Aufklärung des Mordfalls Emily Steiners. Dies ist für Scarpetta wirklich eine Herzensangelegenheit, denn wenn Kinder getötet werden, so fühlt sie sich stets besonders betroffen. Doch diesmal hat sie es, ohne es zu ahnen, mit einem richtiggehenden Monster zu tun. Ist es wirklich Temple Gort, der Emily auf dem Gewissen hat? Allmählich kommen Scarpetta Zweifel, denn Gort hat seine Opfer nie sexuell missbraucht, bevor er sie mit einem einzigen Kopfschuss hinrichtete. Und es waren stets Jungs …

Allerdings erfährt Scarpetta von Pete Marino herzlich wenig Unterstützung in diesem Fall. Aus irgendeinem Grund scheint Marino seine Hirntätigkeit eingestellt zu haben und verlässt sich nur noch auf Gerüchte und – ist es zu fassen! – auf die öffentliche Meinung. Diese Meinung richtet sich gegen den Hausmeister von Emilys Schule, einen jungen, ungebildeten Mann, der mit einem Unfall mit Fahrerflucht in Verbindung gebracht wird. Und wenn Marino nicht aufpasst, trägt er noch zu einem Lynchmord bei. Als Scarpetta diesen Hausmeister auf eigene Faust besucht, gelangt sie zu der Überzeugung, dass er nichts mit Emilys Tod zu tun hat. Er ist der Letzte, der das Mädchen an jenem Tag sah – sie ging nach Hause.

Ohne sich durch den bizarren Selbstmord Max Fergusons aus dem Konzept bringen zu lassen, lässt sie Emily exhumieren und stößt auf ein paar sonderbare Entdeckungen. Auch als sie sich Denisa Steiner einmal näher vorknöpft, kommt ihr einiges an der schönen Kalifornierin mit der attraktiven Figur merkwürdig vor. So etwa starb ihr Mann Charles, ein Religionslehrer, an einem Herzinfarkt, und sie behauptet, zwölf Jahre vor Emily schon einmal eine Tochter verloren zu haben, MaryJo. Sie sei im Alter von einem Jahr an plötzlichem Kindstod gestorben.

Nun weiß Scarpetta jedoch als Medizinerin, dass der plötzliche Kindstod durch Atemstillstand meist nur innerhalb von drei Monaten nach der Geburt, höchstens aber binnen sechs Monaten auftritt, niemals aber binnen zwölf Monaten. Kein Wunder also, dass ihre Freundin, eine Verwalterin des Geburts- und Sterberegisters von Richmond, in Kalifornien keinen Vermerk über den Tod einer MaryJo Steiner finden kann. Was verbirgt Denisa Steiner? Und wieso hat sich Pete Marino mit ihr eingelassen?

|Die Body Farm|

Die Rolle der Body Farm gibt dem Krimi seinen Titel, daher soll etwas näher auf diese einzigartige Einrichtung eingegangen werden.

Als einziger forensischer Anthropologe der Uni von Tennessee und Sonderberater der Polizei von Knoxville bekam Dr. Bill Bass sehr viele Tote zu sehen. Aber da sein Wissen eingeschränkt und nicht viel weiter fortgeschritten war als das des Chinesen Sung-Tzu 740 Jahre zuvor, musste er die empirische Methode der Body Farm anwenden. Praktische Anschauung sollte ihn lehren, was nach dem Tod wirklich mit einem Körper passiert, wenn er – unter unterschiedlichsten Umständen – verwest. Die Body Farm wurde ca. 1977 gegründet.

Die erworbenen Erkenntnisse tragen bis heute dazu bei, Art, Ursache und Zeitpunkt eines Todes festzustellen, genauso wie alle relevanten Eigenschaften eines Opfers. Alle diese Faktoren sind wesentliche Beiträge, um einen Täter für bestimmte Taten dingfest zu machen. Selbst eine Abweichung um einen Tag kann eine erhebliche Minderung des Strafmaßes zur Folge haben. Da aber Genauigkeit nicht reicht, müssen auch interdisziplinäres Teamwork und langfristige Erfahrung helfen – deshalb auch die Body Farm.

Kay Scarpetta stellt dort ein Experiment an, in dem sie prüfen lassen will, ob der Fleck auf Emilys Gesäß von einem Metallgegenstand herrühren könnte. Diese Vermutung bestätigt sich. Und als sie das entsprechende Foto untersucht, entdeckt sie auch, um welchen Metallgegenstand es sich handelt – um eine Münze …

|Münchhausen|

Es ist schwierig, auf die einzigartige Psychologie des Täters einzugehen, ohne seine bzw. ihre Identität zu verraten. Dennoch lässt sich sagen, dass Scarpetta auf ein interessantes Phänomen stößt, das sie als „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ bezeichnet. Bekanntlich hat Baron Münchhausen eine Menge Lügengeschichten erzählt, so etwa jene, wie er sich an seinem eigenen Zopf aus einem Sumpf herauszog und auf einer Kanonenkugel flog.

Nun muss man sich aber fragen, wozu jemand solche Geschichten erzählen sollte. Die erste Wirkung ist die der Aufmerksamkeit, die dem Erzähler sofort geschenkt wird. Wenn es sich um eine tragische Geschichte oder ein betrübliches Ereignis handelt, so ist dem Erzähler nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch noch Mitgefühl sicher. Der Erzähler braucht also nur die nötigen Ereignisse und Menschen so zu manipulieren, dass die maximale gewünschte Wirkung erzielt wird, von der er dann emotional profitiert. Eine solche Person kommt im Roman vor, ein Monster von unvorstellbarer Grausamkeit.

|Die Sprecherin|

Franziska Pigulla macht aus dem spannenden Buch der Cornwell ein Hörerlebnis, an das man sich noch gerne erinnert. Dabei ragen mehrere Figuren, die sie ausgezeichnet charakterisiert, heraus. Am meisten im Gedächtnis ist mir Pete Marino geblieben. Er redet mit einer tiefen grollenden Stimme, bei der man sich fragt, wie die Pigulla sie wohl hinkriegt. In seinem umgangssprachlichen Deutsch drückt er sich stets ein wenig grantig aus, und je mehr Streit er mit Scarpetta hat, desto wütender klingt. Er ist auch der Einzige, der so etwas wie Humor in die Handlung einbringt, selbst wenn sein Humor mehr von der sarkastischen Sorte ist.

Marinos Macho-Stil steht im krassen Gegensatz zu Benton Westley, der sich einer kultivierten und stets kontrollierten Ausdrucksweise befleißigt. Ähnlich klingt auch Senator Frank Lord. Mehr wie Marino klingt der verdächtigte Hausmeister Creed Lindsay, der eine richtige Hinterwäldlertype ist. Ähnlich wie Lindsay klingt der Bestattungsunternehmer Lucius Ray, der an gewisse Gschaftlhuber aus Oberbayern erinnert, denn er ist stets auf seinen eigenen Profit und Vorteil bedacht.

Unter den weiblichen Figuren ist es schwierig zu unterscheiden, welche Ausdrucksweise zu welcher Figur gehört. Scarpetta klingt ziemlich männlich tief, doch nicht unähnlich ihrer Nichte, für die sie wie eine Mutter sorgt (Lucys eigene Mutter Dorothy, Kays Schwester, ist verglichen damit ein richtiges Rabenaas). Sehr erfreulich ist die Figur der Notarin Gloria Lovings, eine Energie und Frohsinn ausstrahlende Matrone.

Der schwierigste Part für die Sprecherin war sicherlich die Figur der Denisa Steiner. Wie spricht man eine sinnlich-verführerische Mutter, die eine ziemlich undurchsichtige Rolle spielt? Man muss schon genau hinhören, um die anzüglichen Untertöne herauszuhören, mit denen Denisa Steiner ihre Rivalin Kay Scarpetta (beide stehen in einem Verhältnis zu Marino und zu Emily) herausfordert.

Alle diese Figuren setzt die Sprecherin zusätzlich noch bestimmten Situationen aus. Ganz besonders betroffen hat mich dabei die Darstellung des Polizisten Hershel Moat berührt, der in einem geschockten Zustand Meldung über den Tod seines Kollegen Max Ferguson zu machen versucht und dabei nur stockend hervorzustoßen vermag, was seine Augen sich wahrzunehmen weigern.

Auch die tränenreichen Gefühlsausbrüche von Denisa Steiner und Lucy gehören zu den bewegendsten Szenen. Sie stehen im direkten Kontrast zu den vielen aggressiven Szenen. Diese finden teils zwischen Scarpetta und Marino statt, aber auch zwischen Scarpetta und jener Frau, die Lucy die Spionageaffäre in die Schuhe geschoben hat. Hier ist die Sprecherin mit ihrer bedrohlichsten Stimmlage zu hören, und ein kalter Schauder lässt sich im Hörer wohl kaum vermeiden.

Es gibt bei dieser Hörbuchproduktion weder Geräusche noch Musik, nicht einmal Intro und Outro, so dass ich darüber keine Worte verlieren muss. Aber man fragt sich doch, warum dann die sechs CDs so teuer sind.

_Unterm Strich_

„Body Farm“ ist ein Thriller aus der Frühphase von Cornwells umfangreichem Werk. Hier weiß sie noch wirklich Action zu inszenieren: Autounfälle, Shootouts, Begegnungen mit lebenden Mördern, von Exhumierungen ganz zu schweigen, die ihren eigenen „Action“-Charme entwickeln. Auch an handfester Liebesromantik mangelt es nicht, denn Scarpetta geht mit einem verheirateten Mann ins Bett, und was Marino so treibt, wollen wir lieber nicht wissen.

Im Mittelpunkt steht jedoch immer die Ermittlung um Emily Steiners Tod. Steinchen um Steinchen setzt die Autorin mit ihrem Alter Ego Kay Scarpetta das Mosaik zusammen, bis sich ein schockierendes Bild ergibt, das aber nur einen unausweichlichen Schluss zulässt. Dies führt dann zur finalen Konfrontation. Statt also wie in „Defekt“ die Action auszublenden, wird diese hier noch gezeigt, und zwar mit einem richtigen Knalleffekt.

|Das Hörbuch|

Die Sprecherin Franziska Pigulla ist der entscheidende Faktor, der aus dem wie stets verzweigten Plot so etwas wie ein reales Szenario schafft, indem sie die Figuren durchweg sehr gekonnt und engagiert zum Leben erweckt. Seltsamerweise gelingt ihr dies mit Kay Scarpetta weniger gut, so dass es keine echte Hauptfigur gibt. Auch Benton Westley taugt nicht zum Helden – das ist noch am ehesten Pete Marino, der Polizist auf Abwegen. Er ist auch der Einzige, der für etwas Humor in der Geschichte beiträgt, und das weiß die Sprecherin sehr gut hervorzuheben.

Die Emotionalität, die Pigulla in ihren Vortragsstil investiert, ist nicht jedermanns Geschmack, rührt sie doch direkt an unsere eigenen Gefühle. Aber sie ist mittlerweile ein unverkennbares Kennzeichen der Cornwell-Hörbücher, das ich nicht mehr missen möchte, und wertet sie stets auf, wie ich finde.

|Originaltitel: The Body Farm, 1994
Aus dem US-Englischen übersetzt von Monika Blaich und Klaus Kamberger
435 Minuten auf 6 CDs|
http://www.hoca.de

Perry Rhodan NEO – Chronopuls (Folgen 300-309)

Worum gehts in der Staffel?

Mitten in Terrania, der Hauptstadt der Erde, wächst eine gigantische Stele aus dem Nichts. Sie spuckt einen geheimnisvollen Mann aus, der sich Peregrin nennt. Er weist der Menschheit den Weg zu einer neuen Bedrohung – Perry Rhodan muss zu den Magellanschen Wolken aufbrechen, den rund 200.000 Lichtjahre von der Erde entfernten Zwerggalaxien.
Rhodan reist mit der SOL, dem mächtigsten Raumschiff der Menschheit. Am Rand der Galaxis stoßen die Menschen auf den Chronopuls-Wall, eine Barriere aus Sternen und Zeit. Sie soll die Milchstraße vor einer bislang unbekannten Gefahr beschützen.
Der mysteriöse Peregrin erweist sich als Gesandter einer fremden Macht. Im Zentrum der Großen Magellanschen Wolke wartet seine scheinbar unüberwindliche BURG. Wird sie von den falschen Kräften aktiviert, ist alles verloren … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Finde nur ich es ein wenig naiv, einem Hinweis eines einzelnen und vor allem unbekannten Fremden nach in die tiefsten Tiefen des Universums aufzubrechen? Was, wenn er genau das erreichen wollte, um dann mit mutmaßlichen Nachzöglingen bequem das SOL-System einzunehmen? Wäre ja nicht das erste Mal!

Perry Rhodan NEO – Chronopuls (Folgen 300-309) weiterlesen

Edgar Allan Poe – Der Doppelmord in der Rue Morgue (Lesung)

Spannend: der Meisterdetektiv bei der Arbeit

Auguste Dupin erfährt von einem mysteriösen Mord an einer Frau und ihrer Tochter in der Rue Morgue. Die Frauen sind bestialisch zugerichtet worden und die Polizei kann sich keinen Reim auf den Hergang der Tat machen, da Türen und Fenster des Zimmers von innen verschlossen waren. Doch dann berichten Zeugen von einem Streit zweier Fremder unmittelbar vor der Tat – und alle widersprechen einander. (Verlagsinfo)

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Die drei !!! – Luftballonküsse (Folge 84)

Die Handlung:

Liebe, Leben, Luftballons
Ein ungeklärter Fall aus dem Polizeiarchiv hält die drei !!! in Atem: Vor 30 Jahren sorgte eine Einbruchserie für Aufruhr, bei der der Täter stets einen Luftballon am Tatort hinterließ. Als sich die Hinweise verdichten, dass Davids Opa in die Ereignisse verwickelt ist, nehmen die drei !!! die Ermittlungen auf. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Manche Einbrecher sind schon echt seltsam, was die Auswahl an Dingen angeht, die sie hinterlassen … Herzluftballons? Früher wars noch vermehrt rohe Gewalt und Handarbeit, um an Geld und Wertsachen zu kommen. Heutzutage werden über VPNs Server gehackt und Textdateien hinterlassen mit „Wir waren hier!“ … oder Schlimmeres. Da lässt sich schneller viel mehr verdienen. Aber, vor 30 Jahren war das noch ein bissi anders.

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H. P. Lovecraft – Das gemiedene Haus (Gruselkabinett Folge 162)


Geisterjäger gegen das Unheil im Keller

Providence, 1919: Was ist dran an den unheimlichen Gerüchten um das Haus der Familie Harris, das nach unzähligen Todesfällen, die es dort gab, nun nicht mehr bewohnt wird? Dr. Elihu Whipple und sein Neffe Howard wollen dem Rätsel auf die Spur kommen und beschließen, eine Nacht im Keller des Gebäudes zu verbringen, um das vermeintliche Böse auszurotten. Ihr Gegner erwartet sie dort bereits… … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
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Wilde, Oscar / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Bildnis des Dorian Gray, Das (Gruselkabinett 36/37)

Kunst oder Leben: schaurig-schöne Parabel

Teil 1: London in den 1890er Jahren: Basil Hallward, ein talentierter Maler, verliebt sich in den jungen Dorian Gray und will seine faszinierende Jugend und Schönheit in einem Porträt festhalten. Dorian, durch den Anblick seiner selbst hingerissen, äußert den kühnen Wunsch, dass er nie altern, sondern das Bild dieses Schicksal auf sich nehmen solle. Dafür wäre er sogar bereit, seine Seele zu opfern …

Teil 2: Dorian Gray gibt sich, verführt durch den charismatischen Lord Henry Wotton, ganz den sinnlichen Gelüsten eines zügellosen Lebens hin und fällt in einen Strudel der Leidenschaften. Doch weder die Zeit noch die Exzesse hinterlassen Spuren auf seinem jugendlichen Gesicht. Einzig sein Porträt verändert sich auf eigentümliche Weise. Doch wer es zu Gesicht bekommt, ist des Todes … (abgewandelte Verlagsinfo)
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Wolfsheart – Kitchi Manitou. Märchen, Legenden und Lieder der Indianer (inszenierte Lesung)

Von Traumfänger, Lichtbringer und warnenden Fröschen

„Frei überlieferte Legenden, Geschichten, Mythen und Lieder der Indianer Nordamerikas entführen in längst vergessene Zeiten und warten darauf entdeckt zu werden. Nacherzählt von Wolfsheart (bürgerlich Bernhard Weilguni), der bereits verschiedene Preise für seine herausragenden Beiträge zur Native American Music erhielt und zwei Mal als erster Europäer mit dem weltweit höchsten Preis für indianische Musik, dem Native American Music Award in den USA geehrt wurde und sich für den Erhalt der Kultur der amerikanischen Ureinwohner einsetzt. Ein besonderes Anliegen ist es ihm auch, Kindern diese Kultur erlebbar zu machen.

Diese Sammlung, untermalt mit Flöten-, Trommel- & Naturklängen, bringt einen Einblick in das magische Weltbild der Ureinwohner Amerikas und vermittelt Kindern wertvolles, kulturelles Wissen.“ (Verlagsinfo)

Laut Verlag ist diese Sammlung für Kinder ab sechs Jahren geeignet.
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Lester Powell – Die Dame im Nebel (Hörspiel)

Dieses Hörspiel bietet den ersten Fall in der legendären „Damen-Krimi“-Reihe aus den 1950er Jahren. Philip Odell, Privatschnüffler und ehemaliger Mitarbeiter des Secret Service, wird von der charmanten Heather McMara gebeten, den Tod ihres Bruders Ricky zu untersuchen. Der war zwar auch ihrer Meinung nach „ein Lump oder Schlimmeres“, an Selbstmord kann sie jedoch nicht glauben.

Bald schon bekommen Heather und Philip eine Ahnung davon, dass Ricky vielleicht nur der Strohmann in einem gefährlichen Netz aus Intrigen, Eifersucht und schmutzigen Geschäften war. Und auch für die beiden Ermittler wird der Fall immer bedrohlicher … (Verlagsinfo) Diese Lady-Krimi wurde verfilmt.

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G. K. Chesterton / Wakonigg, Daniela – Mann, der zu viel wusste; Der

_Geniale Spürnase mit Macken_

Während eines friedlichen Angelausflugs fällt Horne Fisher ein Auto direkt vor die Füße. Das Auto ist von einem Abhang gestürzt. Der Fahrer ist tot. Was ist geschehen? Zusammen mit seinem Begleiter, dem Journalisten Harold March, geht er der Spur des Autos nach und stellt fest: Es war gar kein Unfall …

_Der Autor_

Gilbert Keith Chesterton wurde 1874 geboren und starb 1936. Nach seiner Ausbildung arbeitete er als Journalist, doch bekannt wurde er mit seinen Romanen, den anarchistischen Phantasien „The Napoleon of Notting Hill“ (1900) und „The Man who was Thursday“ (1908). Insgesamt veröffentlichte er mehr als hundert Werke. Da er ein Liberaler war, geißelte er in seinen Schriften Dekadenz und Nihilismus und kritisierte Imperialismus, Konservativismus, Skeptizismus und Sozialismus, also praktisch alles, was damals in Mode war. Zu seinen Gegnern gehörte der Sozialist und Dramatiker George Bernard Shaw.

Ein bedeutender Einfluss ist seinem Freund John O’Connor zuzuschreiben, einem Priester, der ihn dazu brachte, 1922 zur römisch-katholischen Kirche überzutreten. (Deshalb rechnet ihn die Inklings-Gesellschaft zur Gruppe um J. R. R. Tolkien und C. S. Lewis.) O’Connor lieferte auch das Vorbild für einen von Chestertons größten Erfolgen: den gleichermaßen liebenswerten wie schlauen [Father Brown. 2362 Als einer der fleißigsten Schreiber aller Zeiten veröffentlichte Chesterton von 1925 bis zu seinem Tod seine eigene Zeitung, die „G. K.’s Weekly“. G. K. Chesterton war kinderlos verheiratet mit Frances Blogg. Er hatte ein große Vorliebe für Zigarren und gutes Essen, Letzteres ließ sich auch an seiner stattlichen Leibesfülle ablesen.

„The man who knew too much“ eröffnete 1922 die Serie mit Geschichten um Fischer und March. Das Ungewöhnliche an Fisher ist, dass er eigentlich gar kein Detektiv ist. Die kriminalistischen Geheimnisse kreuzen einfach zufällig seinen Weg und werden von ihm mit charmanter Trägheit enträtselt. Untertitel dieser ersten Episode: „Das Gesicht auf der Zielscheibe“.

_Der Sprecher_

Karlheinz Tafel liest die ungekürzte und mit Geräuschen und Musik angereicherte Textfassung.

Regie führte die Übersetzerin Daniela Wakonigg, die Tontechnik und Musikeinspielungen steuerte Peter Harrsch.

_Handlung_

Die 1920er Jahre: Der Journalist Harold March wandert zu dem Landsitz Torwood Park, um einer Einladung des Finanzministers nachzukommen. Der Minister will einige Sozialreformen initiieren, was einige politische Folgen haben dürfte. Doch die wunderbare Naturszenerie lenkt March von dem Objekt seiner beruflichen Neugier ab.

Die Schlucht eines Baches neben der Straße ist so malerisch, dass er sie sich genauer anschaut. Sein Blick fällt auf einen Zeitgenossen, der sich einer merkwürdigen Beschäftigung hingibt. Er fängt Fische mit einer Art Kescher, wirft sie aber alle wieder zurück ins Wasser. Der Mann bemerkt March und antwortet in einem sonderbar teilnahmslosen Tonfall, dass er das Phänomen der Phosphoreszenz untersuche, also die biologische Leuchtkraft bei Fischen usw. Dass er gebildet ist, belegt er durch einen kenntnisreichen und kritischen Vortrag über die Kubisten.

Allerdings wird sein Redeschwall jäh unterbrochen, als ein Quietschen, Scheppern und Krachen ertönt, erst oben von der Straße, dann den Steilhang herab, um sodann in einem Mordskrach zu ersterben. Das Auto verfehlt Mr. Fisher, wie er sich vorstellt, nur um Meter. Gleichmütig schaut er sich die Sache genauer an. Ein Toter liegt im Auto, so, so, offenbar Schädelfraktur, hm. Der Visitenkarte entnimmt Fisher unschwer den Namen des geräuschvoll zu Tode gekommenen Opfers: Sir Humphrey Turnbull, seines Zeichens ehemaliger Richter in London, der sich besonders für die Verfolgung von Ausländern einsetzte.

Fisher ersteigt den Steilhang und verfolgt oben die Spuren des Autos zwischen Felsen. Handelt es sich um Selbstmord oder um einen Unfall, fragt sich March. Haben die Bremsen versagt – oder wollte Turnbull seinem Leben ein Ende setzen? Weder das eine noch das andere, meint Fisher, erläutert das aber nicht weiter. Die Frage sei vielmehr, was Turnbull – oder „Puggy“, wie er neckisch genannt wurde – in Torwood Hall wollte. Der Landsitz gehört nämlich nicht dem Finanzminister, sondern einem der von Turnbull gehassten Ausländer, dem Kanadier Jefferson Jenkins, der sich für eine Grundstücksreform einsetzt.

Fisher geht auf das Haus zu, aber das ist eine Meile entfernt. Sie passieren einen Großwildjäger, der zur Jagd hier ist: John Burke. An dem Jäger und einem Wäldchen vorbei betreten sie eine Wirtschaft. Hier ließ sich der Verunglückte ein Paket Sandwiches machen. Warum, so fragt sich March, wenn Turnbull doch erwarten musste, dass er auf Torwood Hall ein Abendessen bekommen würde? Fisher gibt March Recht, aber was, wenn Turnbull nicht damit rechnete und die Sandwiches für den Notfall einpackte?

Der Finanzminister tritt ein. Auch er war auf der Jagd und lästert über seinen Gast Jenkins (wohlgemerkt: den Hausbesitzer), der ein miserabler Schütze sei. Doch die Beispiele, die er anführt, legen eher das Gegenteil nahe, findet Fisher. Zu Marchs Erstaunen behauptet Fisher dann ein Stück weiter die Straße hinauf: „Hier wurde Puggy wohl erschossen“. Auf Schleichwegen begibt sich Fisher sodann nicht zum Haupteingang, sondern in den hinteren Garten des Landsitzes, wo die zwei Besucher auf einen seltsam antiquierten Anblick stoßen: eine uralte Zielscheibe. So etwas benutzten nur die längst verschwundenen Viktorianer.

Aber etwas ist merkwürdig daran. Die Einschusslöcher sind frisch – und sie ergeben ein Muster: ein Gesicht. March beobachtet verdutzt, wie Fisher ein Fläschchen aus seiner Tasche holt und eine chemische Substanz in eben diese Einschusslöcher schmiert. Sodann begibt sich Fisher dahin, wo auch Marchs Bestimmungsort liegt: ins Innere des Hauses. Er benutzt jedoch nicht die Tür, sondern ein Fenster. Kuck an: eine Waffenkammer voller Gewehre. Was mag Fisher wohl noch alles finden, fragt sich March. Und wann er wohl endlich damit anfängt, ein paar Erklärungen für sein sonderbares Benehmen zu liefern.

_Mein Eindruck_

Henry Fisher ist zwar ein genialer, aber auch ein rätselhafter Schnüffler. Er scheint jede der hochgestellten Persönlichkeiten selbst zu kennen, und diese reden auch ungeniert mit ihm, doch welchem Beruf Fisher nachgeht, erfahren wir nicht. Auch scheint er ungewöhnlich teilnahmslos gegenüber den kriminellen Machenschaften auf Torwood Hall zu sein. Das hindert ihn aber nicht daran, dem Journalisten genau nachzuweisen, dass Humphrey Turnbull a) ermordet, b) gezielt erschossen, c) der Mord aber von niemandem bemerkt wurde und d) von niemandem aufgeklärt werden wird – außer von ihm. Und er könne nichts beweisen. Kein Wunder also, so Fisher, wenn er angesichts der Unantastbarkeit des Mörders – und seiner Komplizen? – jedes Interesse an dieser Klasse, diesem Fall und der Politik im Allgemeinen verloren habe.

Es ist schon ein trauriges Los, das Fisher gezogen zu haben scheint. Er verfügt über den nötigen Scharfsinn, um den Verbrechern auf die Schliche zu kommen, kann aber nichts gegen sie unternehmen, genauso wenig wie die Polizei, falls man sie einschaltet. Doch die Verbrecher sind nicht irgendwer. Es handelt sich um einen Sozialreformer und um den Finanzminister, der ebenfalls – wohl nicht ohne Grund – eine Reform plant. Beides sind Politiker, die sich vordergründig der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse verschrieben haben, aber im Hintergrund offenbar nicht vor der skrupellosen Beseitigung eines lästigen Kritikers zurückschrecken. Das lässt nichts Gutes für die Zukunft der politischen Klasse erwarten.

Der Liberale Chesterton hatte für Sozialisten (s. o.) wie George Bernard Shaw und H. G. Wells (beide Mitglieder der Fabian Society) nichts übrig, er selbst befürwortete die Bodenreform und Umverteilung des Eigentums aus einer katholischen Perspektive (und stand deshalb gedanklich den Inklings um Tolkien und Lewis nahe, wenn er auch nicht zum Kreis dieser Autoren gehörte).

Andererseits stellt er aber Humphrey Turnbull, das Mordopfer, als einen Kritiker – er war Ex-Richter – dieser feinen Herrschaften hin. Warum beschreibt er ihn aber dann so negativ, indem er ihm das Gesicht eines „intellektuellen Affen“ verleiht? Chestertons Sympathien scheinen bei niemandem zu liegen, und das ist der hauptsächliche Schwachpunkt der Story.

Chestertons bekannteste Spürnase ist Father Brown, doch anders als Fisher hat Brown wenig mit Politikern zu tun, sondern mehr mit ganz „gewöhnlichen“ Bürgern (obwohl sich dazu ebenfalls Gegenbeispiele finden ließen). Unter seine verirrten Schäflein gerät aber ab und zu auch mal ein gestandener Verbrecher, z. B. in „Das blaue Kreuz“. Brown hat zwar keine Bekehrungsabsichten, aber doch eine enge Beziehung zu Moralvorstellungen der christlichen Lehre.

Dies geht Horne Fisher offenbar völlig ab. Er scheint im Gegenteil ein richtiger Nihilist zu sein. Und gegen diese Leute hatte Chesterton ebenfalls etwas. Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass ein Autor seinen Schnüffler der Kritik preisgibt. Aber nicht Fisher liefert die Perspektive auf diesen Fall, sondern ein Journalist. Dieser hält sich zwar mit kritischen Bemerkungen zurück, aber seine Distanziertheit ist nicht zu übersehen. Wenn Fisher abschließend sagt: „So laufen die Dinge eben“, so dürfte March und dem Hörer fast der Kragen platzen. Genau dies liegt in der Absicht des Autors.

|Der Sprecher|

Da in dieser Geschichte keinerlei weiblichen Figuren auftreten, hat der Sprecher Karlheinz Tafel relativ leichtes Spiel. Er muss lediglich den diversen männlichen Figuren eine jeweils markante Sprech- und Ausdruckweise verleihen, damit der Hörer sie auseinanderhalten kann. Klingen der Finanzminister und John Burke eigentümlich wie „alte Knaben“ à la Sir John in den Edgar-Wallace-Verfilmungen, so bietet Horne Fishers Stimme das Kontrastprogramm: Er spricht langsam, müde, schwach und völlig teilnahmslos, als habe er gerade einen Schlaganfall überlebt. Das ist aber gerade das Trügerische an ihm. So verdeckt er seinen Scharfsinn und überlistet besagte Herrschaften, indem er sie aus der Deckung lockt. Bis er dann den Schockeffekt einsetzt, und sie sich verraten. Eine raffinierte Taktik, die man diesem teilnahmslosen Schnüffler nicht zugetraut hätte.

Ein erhebliches Verständnisproblem konnte auch der ausgezeichnete Vortrag nicht verhindern. Wie heißt denn nun der Finanzminister? Mal heißt er Hoggs, dann wieder Howard Horn. Und mal heißt Turnbull „Puggy“ und John Burke einmal „Jack“. Wenigstens Jenkins bleibt stets Jenkins. Und was ich als „Tallwood Park“ notierte, heißt eigentlich laut Booklet „Torwood Park“. So habe ich es auch in der Inhaltsangabe geschrieben.

|Geräusche und Musik|

Der Vortrag wird von klassischen Instrumenten untermalt, die aber ungewöhnlich eingesetzt werden. Oboe oder Klarinette spielen ruhige, melancholische Kadenzen, aber die Streicher zupfen Pizzicati. Dann gibt es noch ein Instrument – vermutlich ein elektronisches – das ich mal als „Glasharfe“ bezeichnen möchte und das für die Erzeugung einer geheimnisvollen Stimmung zuständig ist.

Die Geräusche sind teils der Natur entnommen und teils der Technik. Der Kontrast ist zutiefst symbolisch und vom Autor sicherlich gewollt. Die idyllische Szenerie aus Insektengezirpe und Froschgequake wird jäh unterbrochen durch ein Quietschen, Scheppern und Krachen. Dabei fällt mir auf, dass das Qietschen – vermutlich von Bremsen – völlig unlogisch ist. Wenn Turnbull nämlich schon tot war, als sein Wagen in einer Kurve die Straße verließ, geradeaus weiterfuhr und den Abhang hinabraste, kann er auch keine Bremsen getreten haben. Auch die Reifen scheiden aus, weil sie nur quietschen, wenn eine Auto in die Kurve geht. Genau dies tat es aber nicht. Wie können sie also quietschen?

Sehr hübsch wird das Vergehen des Tages durch die sich ändernde Geräuschkulisse der Natur nachgebildet. In der Schlucht sind kaum Vögel zu hören, oben im Wald um Torwood herum aber jede Menge, insbesondere die diebischen Elstern (sehr passend). Als es Abend wird, ruft in der Dämmerung – reichlich früh – das Käuzchen. Sobald Fisher und March wieder in die Schlucht zurückgekehrt sind, sind wieder keine Vögel zu hören, weil es Nacht ist. Stattdessen erschallen das Quaken von Fröschen und das Zirpen von Insekten.

|Das Booklet|

Das vierseitige Booklet erfreut mit umfassenden Informationen über den Autor Chesterton (s. o.) und einer Inhaltsangabe, die nicht zu viel verrät. Als i-Tüpfelchen verrät das Booklet auch, wann und wo der Text zuerst erschien und gedruckt wurde – so viel Service findet man bei 1-CD-Hörbüchern selten. Ob der Text etwas mit der von Hitchcock zweimal verfilmten Story „Der Mann, der zu viel wusste“ zu tun hat (hat er nicht), wird nicht einmal der Erwähnung für würdig befunden.

Die Titelillustration zeigt einen Mann, der mit Pfeil und Bogen auf eine bemalte Zielscheibe zielt. An diesem Bild stimmt so einiges nicht. Der Mann zielt meilenweit vorbei, und der Winkel, in dem die Zielscheibe zu ihm steht, ist zu weit nach links gedreht. Der Bogen erscheint mir zu klein und die Sehne zu dick – allerdings fällt dies unter „künstlerische Freiheiten“.

_Unterm Strich_

Diese inszenierte Lesung hat mir wenig Spaß gemacht und einige Probleme bereitet – mehr dazu in den obigen Ausführungen. Horne Fisher ist allerdings ein Schnüfflername, den man sich merken sollte. Der Mann ist als Spürnase genial und in seinem Charakter ziemlich einmalig, wenn ich mich auch ein wenig an den behäbigen Nero Wolfe erinnert fühlte. Aber Wolfe verkriecht sich in seiner Wohnung und lässt seine(n) Assistenten die Fußarbeit erledigen – Fisher kraucht selbst durchs Unterholz und steigt in Häuser ein, die ihm nicht gehören. Dafür, dass er, wie er behauptet, „zu viel weiß“, wirkt er aber noch relativ ungefährdet. Vielleicht liegt es an seinem Nihilismus. Sympathisch ist er mir jedenfalls nicht. Aber der Autor hat es ja sowieso auf kritische Distanz zu ihm angelegt.

Das Hörbuch mit der inszenierten Lesung hat zwar einen hervorragend Sprecher zu bieten, aber verstanden habe ich den wirklichen Namen des Finanzministers dennoch nicht auf Anhieb. Und das Geräusch quietschender Bremsen oder Reifen ist völlig unlogisch, weil im Stück niemand lebendig genug ist, um auf das Bremspedal treten oder die Reifen in eine Kurve lenken zu können. Das Einzige, was inhaltlich für das Hörbuch spricht, sind der Fall, der Ermittler und der Sprecher, sonst aber wenig.

|Originaltitel: The man who knew too much, 1922
Aus dem Englischen übersetzt von Daniela Wakonig
60 Minuten auf 1 CD|
http://www.stimmbuch.de

Lester Powell – Die Dame ist blond (Hörspiel)

Wenn eine Romanfigur zum Leben erwacht

Dies ist der zweite Fall der legendären „Damen-Krimi“-Reihe aus den 1950er Jahren. Philip Odell, Privatschnüffler und ehemaliger Mitarbeiter des Secret Service, sucht mal wieder Arbeit …

„Junger Mann mit bewegtem Vorleben gesucht“ – klar, dass sich Odell auf diese Annonce meldet. Und prompt mit seiner Freundin Heather MacMara in einen neuen Fall verwickelt wird, der sich als reichlich turbulent herausstellt und Heather viel Anlass gibt, eifersüchtig zu werden.

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TKKG – Auf den Schwingen des Totenvogels (Folge 229)

Die Handlung:

Während der Dichter Dante Dannewitz in der Bibliothek der Kleist-Villa seine düsteren Verse vorträgt, werden aus dem Safe im Schlafzimmer die wertvollen Familienjuwelen gestohlen. Am nächsten Tag nehmen Tim, Karl, Gaby und Klößchen die Spur in der Nachbarschaft der Familie Sauerlich auf. Sie rekonstruieren den Tathergang, legen verdeckte Motive frei und haben bald drei verdächtige Personen ausfindig gemacht. Aber ob unter ihnen wirklich der Täter ist? Wie sich herausstellt, muss Tim erst noch seine größte Angst überwinden, bevor die vier Detektive den kniffligen Fall lösen können. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bevor sich der Hörspielfan.in ans Hören machen kann, schauen er und sie sich erst mal die neue Cover-Gestaltung an. Warum jetzt, nach unrunden 228 Folgen eine Neue und nicht direkt damals, als der Verlag die Serie in TKKG und TKKG JUNIOR aufgeteilt hat? Man weiß es nicht. Auf den ersten Blick siehts klinischer aus, unlebendiger, gradliniger, steriler und nüchterner. Das Logo mit der TKKG-Bande ist weg (auch auf der CD) und es steht nur noch „TKKG“ da. Laaaaaaaaaaangweilig! Die übliche Comic-Zeichnung des Covers gefällt mir vom Stil her allerdings gut, das ist auf jeden Fall moderner und wirkt plastischer als die alte Version. Auch aus dem alten TKKG-Blau ist jetzt ein dunkles Navy-Blau geworden (auch auf der CD).

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