Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Brown, Dan – Illuminati

_Sakrale Schnitzeljagd_

Ein Teilchenphysiker wird in seinem Schweizer Labor ermordet aufgefunden. In seine Brust eingebrannt entdeckt man merkwürdige Symbole. Symbole, die nur der Harvardprofessor Robert Langdon zu entziffern vermag.

Was er dabei entdeckt, erschreckt ihn zutiefst, denn es scheint, als sei die Geheimgesellschaft der Illuminati, alte Feinde der römisch-katholischen Kirche, zurückgekehrt. Und sie haben im Labor etwas mitgehen lassen: einen Behälter mit Antimaterie, der, wenn er nicht an eine Stromquelle angeschlossen wird, binnen 24 Stunden mit der Wirkung einer großen Wasserstoffbombe explodieren wird. Welcher teuflische Plan steckt dahinter?

|Der Autor|

Dan Brown war genau wie Stephen King zuerst Englischlehrer, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. „Als Sohn eines mehrfach ausgezeichneten Mathematikprofessors und einer bekannten Kirchenmusikerin wuchs er in einem Umfeld auf, in dem Wissenschaft und Religion keine Gegensätze darstellen“, meint die Verlagsinformation. „Diese Kombination ist es auch, die den weltweiten Erfolg des Autors begründet. ‚Illuminati‘, der erste in Deutschland veröffentlichte Roman von Brown, gelangte innerhalb kürzester Zeit auf Platz 2 der Bestsellerliste.“ Auf welche, wird nicht verraten. Vielleicht weiß Ford Prefect mehr *g*. „Brown ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, einer Kunsthistorikerin, in Neuengland.“ Na, das klingt doch direkt nach einer Ko-|Autorin|!

|Der Sprecher|

Wolfgang Pampel ist die deutsche Synchronstimme von Harrison Ford. Das ist sehr passend, denn Robert Langdon erwähnt einen Zeitungsartikel, in dem er selbst als „Harrison Ford in Harris-Tweed“ bezeichnet wird. Ironisch wird’s, weil Langdon diese sensationsheischende Titulierung völlig ablehnt.

Pampel hat an der Theaterhochschule in Leipzig studiert und machte sich anschließend an den verschiedensten Bühnen von Leipzig, Düsseldorf, Berlin und Wien einen guten Namen.

_Handlung_

Zunächst hat es Harvardprofessor Robert Langdon, 45, Experte für religiöse Symbolologie mit einer sportlichen Figur, überhaupt nicht eilig, dem Ruf eines Schweizer Physikers zu folgen. Da schickt dieser ihm ein Fax mit einem Foto darauf: ein toter Mann, auf dessen Brust das Wort „Illuminati“ eingebrannt wurde. Die Illuminaten, die „Erleuchteten“, weiß Langdon, waren zunächst ein Zirkel von aufgeklärten Denkern im Italien um 1500.

Doch schon bald standen sie in Widerspruch zu den Lehren der Heiligen Mutter Kirche und waren ihr ein Dorn im Auge. Sie wurden in den Untergrund verbannt. Die Forscher Leonardo da Vinci und Galileo Galilei sollen ihnen angehört haben. Im Jahr 1686 wurden vier ihrer Mitglieder ebenso gebrandmarkt wie der Tote auf dem Faxfoto. Wollen sich die Illuminati jetzt, nach so vielen Jahren, zurückmelden?

Er lässt sich mit einem Überschalljet nach Genf fliegen, wo er das CERN besucht, die europäische Kernforschungsanlage, die Generaldirektor Maximilian Kohler leitet. Kohler hat das Fax geschickt. Langdon ist skeptisch: Echte Illuminaten hätten einen Forscher, einen Bruder im Geiste, nicht getötet. Doch wie ihm Kohler erklärt, war Leonardo Vetra sowohl Forscher als auch katholischer Priester. Er suchte den Gottesbeweis in den kleinsten Teilchen. Er hatte viele Feinde. Grausig starrt Vetras leere Augenhöhle auf die beiden Amateurdetektive. Kohler wünscht keine Polizei.

Vittoria Vetra, eine Meeresbiologin, ist die bildschöne Tochter des Ermordeten (und ganz nebenbei Yoga-Expertin). Sie berichtet, dass ihr Vater beweisen wollte, dass die Bibel Recht hat: Das Universum sei aus der Leere erschaffen worden – Materie aus Energie. Was Vetra erzeugt hatte, war jedoch Antimaterie. Sie schwebt in winzigen Mengen in Behältern, die durch Magnetfelder den zerstörerischen Kontakt der Antimaterie (AM) mit unserer alltäglichen Materie verhindern. An jedem Behälter verhindert eine Batterie 24 Stunden lang, dass die Reaktion eintritt, die so vernichtend wie eine große Wasserstoffbombe wirken würde.

In Vetras Labor wurde, obwohl es stark gesichert war, eingebrochen und ein Behälter gestohlen. Vetras Auge war für einen Netzhautabtaster missbraucht worden. Vetra hatte die Energiequelle der Zukunft gefunden – oder die schlimmste Waffe der Neuzeit. Wenn sie den Illuminaten in die Hände fiel, so wollen diese sie bestimmt gegen die katholische Kirche einsetzen. Kohler schickt Langdon und Vittoria nach Rom, in den Vatikan. Dort kontaktieren sie die Sicherheitstruppe des Vatikans, die Schweizer Garde. Man lacht sie aus. Oberst Olivetti glaubt an keine Bombenleger.

Der Papst ist tot und das Konklave der 165 Kardinäle ist zusammengetreten, um in der Sixtinischen Kapelle einen neuen zu wählen. Doch der Zeremonienmeister stellt beunruhigt fest, dass vier der Herrschaften fehlen, ausgerechnet die vier Preferiti, die Auserwählten mit den meisten Chancen, gewählt zu werden.

Auf Vittorias Bemühen hin sprechen sie und Langdon mit dem Interimspapst, dem Camerlengo. Carlo Ventresca, 30, hört ihnen zu und befielt Olivetti, die Bombe zu suchen, die irgendwo im Vatikan versteckt sein muss. Tatsächlich zeigt einer der Monitore eine LED-Anzeige, auf der ein Countdown abläuft. Nur noch sechs Stunden bis Mitternacht. Geht dann die Bombe hoch?

Da ruft der Bombenleger und Vetras Mörder beim Camerlengo an. Er sei von den Illuminati und wisse, wo sich die vier verschwundenen Kardinäle befänden. Sie sollen von ihm wie jene vier zuvor im Jahr 1686 geopfert werden. Jede Stunde werde einer davon getötet: in Kirchen und Tempeln. Diese Mordserie wäre das Ende des Papsttums – und die Bombe bedeutet die Vernichtung des Vatikanstaats.

Nur einer weiß, wo die Kardinäle gefunden werden können: Robert Langdon. Doch wird ihm die verbleibende Zeit reichen, um sie zu retten?

_Mein Eindruck_

So beginnt ein rasanter Mystery-Thriller, in dem sakral-okkulte Kunst des Illuminatenordens quasi ein Paralleluniversum an Bedeutungen öffnet, das jeden Esoteriker in Ekstase versetzen würde. Pyramiden, die Zahlenkombination 5+2 sowie jede Menge Engel weisen Langdon den Weg durch den Immobiliendschungel der Tiberstadt. Nicht nur muss er kreuz und quer (was ein Kreuz zeichnet), sondern auch ganz tief hinunter und schließlich sogar ganz hoch hinaus. Auf seiner dreidimensionalen Odyssee bekommt er es mit allen möglichen Schurken zu tun, die er sich nicht hätte träumen lassen. Aber er hat ja die treue und tapfere Vittoria an seiner Seite, die ihn anspornt, sich wie weiland Indiana Jones aufzuführen und James Bond alt aussehen zu lassen. Eine Schnitzeljagd, wie sie im Buche steht. Wer ihr zu folgen versucht, kommt aus dem Staunen kaum noch heraus.

|Charakterisierung|

Die Charakterisierung der drei oder vier Hauptfiguren ist recht schlicht gestrickt. Langdon ist unser ganz normal naiver Harvardprofessor mit einer Phobie vor engen Räumen – Fahrstühlen beispielsweise. Doch zu jeder passenden Gelegenheit enthüllt er verborgene Fähigkeiten: Er war Wasserballspieler und sogar Turmspringer. Dafür hat er leider vom Schießen keine Ahnung, was sich mitunter als verhängnisvoll erweist. Wenigstens trifft er einen Zeh, wenn schon nicht den Leib des Mörders. Manchmal mischt sich so etwas wie Komik in das abenteuerliche Geschehen.

|Die Medien – Komplizen des Terrorismus?|

Wie bei jedem terroristischen Anschlag von astroglobaler Bedeutung mischen auch hier die Medien kräftig mit. Ein BBC-Reporter mit dem schönen Namen Gunter Glick hält in vorderster Front die Linse der Kamera auf das erste Mordopfer in Rom. Ein Kardinal – und nur der erste von vier! Die Sensation des Tages. Schon bald fallen sämtliche Ü-Wagen der Tiberstadt über den Vatikan her und verlangen eine Stellungnahme des gelähmten Mini-Staatswesens. Ein Menschenauflauf ist die Folge, Scheinwerfer und Kameralinsen richten sich auf den Petersdom, hinter dessen Mauern der Countdown der Vernichtung läuft: Es ist der Jüngste Tag, das „Armageddon“, wie es der Autor beschreibt. Ob er wohl den „Zeugen Jehovas“ angehört, die jeden braven Bürger mit diesem Schreckenswort zu ihrer Lehre bekehren wollen?

Doch erst die Medienaufmerksamkeit potenziert die Bedrohung durch die Illuminati bis ins Unendliche: Der ganze Globus nimmt teil am Geschehen. Dass es sich dabei im Grunde um eine Schnitzelhagd handelt, lässt die Sache ein wenig übertrieben erscheinen, also erst richtig witzig aussehen.

|Lausige Logik|

Leider muss der Hörer beide Hühneraugen zudrücken, wenn es um die Qualität der Logik dieses Plots geht. Wie konnte die Bombe so schnell nach Rom gelangen? Wieso ist der „erleuchtete“ Killer scharf auf so weltliche Dinge wie Sex mit Vittoria? Wieviele Pyramiden und Obelisken gibt es eigentlich noch in Rom? Warum muss ausgerechnet Yoga Prof. Langdon das Leben retten?

Nicht Plausibilität ist das Ziel der Unterhaltung, sondern möglichst viele Überraschungen auf möglichst engem Raum. Und so schlägt die Handlung schließlich einen Zickzackkurs ein, der eines Hasen auf der Flucht würdig wäre. Schließlich wundert man sich kaum noch, dass Indy, pardon: Langdon Stunts abliefert, die einen James Bond erblassen ließen, und die Bösewichte im Vatikan sich wie russische Puppen hintereinander verstecken, falsche Fährten inklusive.

|Abrakadabra!|

Kurzum: Wer eine gute Show erwartet hat, kommt voll auf seine Kosten. Fehlen eigentlich nur noch die Karnickel, die aus dem Hut gezogen werden. Und am Schluss ist es keine Frage, ob der Junge das Mädchen bekommt. Es kann – angesichts der Gleichberechtigung – auch umgekehrt sein, das ist uns eh schon gleichgültig.

_Das Hörbuch_

Wolfgang Pampel ist die deutsche Stimme von Harrison Ford, und als solcher liefert er sozusagen den unverfälschten „Indiana Jones“ als Stimmlage von Robert Langdon (und des Erzählers). Jeder Hörer weiß: Hier ist Abenteuer pur garantiert. Pampels Tonlage von Generaldirektor Maximilian Kohler ist nicht nur ein gutes Stück tiefer, sondern auch noch kurzatmig aufgrund seines Asthmas. Und die Tonlage von Vittoria Vetra ist ein wenig höher als die der Figur Langdon.

Den Angehörigen der Schweizergarde haftet hingegen ein allerliebster Schweizer Akzent an, der aber keineswegs mit echtem Schwyzerdütsch zu vergleichen ist. Es handelt sich um korrektes Hochdeutsch, doch mit dem rauen „ch“ der Eidgenossen, und hin und wieder ist eine höhere Intonation von Sätzen zu bemerken, als es im Deutschen meist der Fall ist. Infolge dieser Unterschiede ist es ohne große Mühe möglich, die Figuren auseinander zu halten.

Mit einem gewissen Verdruss bemerkte der sprachlich gebildete Hörer, dass Pampel noch im Hörbuch von „Sakrileg“ etliche fremdsprachliche (meist französische) Namen und Ausdrücke falsch aussprach. Dies ist bei „Illuminati“ nicht mehr der Fall. Tatsächlich hatte ich nur mit einem einzigen Namen etwas Mühe, weil ich die Aussprache nicht richtig hörte: Der Zeremonienmeister der Kardinäle, der das Konklave leitet, heißt entweder Montati oder Mortati oder Mottati.

|Dramaturgie|

Der Text des Buches wurde von Arno Hoven bearbeitet und stark gekürzt. Das tut der Spannung aber nur gut, denn so fallen etliche Beschreibungen der Szenerie und unwichtiger Figuren weg. Dadurch schält sich der berühmte rote Faden heraus, dem der Hörer mit einiger Leichtigkeit zu folgen vermag. Es erweist sich jedoch als hilfreich, sich ein klein wenig in der heiligen Stadt auszukennen. Wichtige Landmarken wie der Petersdom, der Tiber, die Hügel, die Engelsburg und vielleicht noch die sehr schöne Piazza Navona zu kennen, ist gewiss kein Nachteil. Zumal dem Hörbuch natürlich keine Stadtkarte beiliegt.

|Die Musik|

Die dem Text unterlegte Musik von Michael Marianetti und Andy Matern finde ich recht passend, vor allem weil sie sparsam eingesetzt wird, meist als Punktuation zwischen Kapiteln. Mal kommt sie dynamisch drängend daher wie in einem Actionthriller, doch meistens getragen und feierlich wie bei einer Messe. Es geht eben sehr viel um religiöse Inhalte (was hier nicht weiter ausgeführt werden darf, ohne den Clou zu verraten!). Hier passen dann stimmungsvolle Orgeln und ein paar feierliche Chöre.

_Unterm Strich_

Im Grunde geht es dem Autor um die Erörterung des alten (scheinbaren?) Gegensatzes zwischen Vernunft / Wissenschaft und Glauben / Religion / Kirche. Die vier Kardinale werden der Reihe nach auf „Altären der Wissenschaft“ geopfert. Doch dabei handelt es sich um Orte, für die man ebenso Kunst- wie auch mystischen Verstand braucht. Am Schluss spitzt sich der Konflikt zu, doch wie auch immer der Ausgang sein mag, so lässt er sich doch ebenfalls politisch verwenden – ob für oder gegen die Kirche, soll hier nicht verraten werden.

|Engel & Dämonen|

Schrieb Dan Brown in „Sakrileg“ kurz mal die Geschichte des Christentums um, so leuchtet er in „Angels & Demons“ in die Leichenkeller des Vatikans. Er fördert Engel & Dämonen zutage, doch allmählich wird klar, dass die Unterscheidung zwischen dem, was ein Engel sein soll und dem, was ein Dämon sein könnte, gar nicht so einfach ist. Letzten Endes ist es beim Glauben wie mit der Wissenschaft: Es kommt drauf an, was man damit anstellt. Antimaterie kann – wie Atomkraft – Fluch oder Segen sein, je nach ihrer Verwendungsweise.

Das Gleiche, so suggeriert Brown, trifft auch für den Glauben zu: Er kann die Menschen erleuchten und zu erhöhter Spiritualität emporheben, er kann aber auch zur Unterdrückung von Wahrheit und Andersdenkenden benutzt werden. Und wer die Geschichte – der Kirche wie auch der Wissenschaft – nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Engel oder Dämon, der Mensch ist beides. Er muss sich lediglich in Kenntnis der Realität entscheiden.

|Der Sprecher|

Dass der Sprecher des Hörbuchs mit seiner tiefen Stimme wie Harrison Ford alias Indiana Jones klingt, kommt der Spannung und Faszination der eh schon aufregenden Geschichte zugute. In der gekürzten Fassung ist das Geschehen noch mehr auf Action um den roten Faden der Story ausgerichtet. Aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, wenn man die Logiklöcher, die übertriebenen James-Bond-Stunts und die Indiana-Jones-Schnitzeljagd hinnimmt. (Tut man dies nicht, kann man den Rest gleich vergessen.)

|Der Preis|

Der stark herabgesetzte Preis von schlappen 10,95 Euronen (bei |amazon.de| derzeit für 7,70 €) dürfte eine Menge Käufer reizen, zu einem Hörbuch zu greifen, das über sieben Stunden spannende Unterhaltung im Stil des bekannten Bestsellers bietet. Und angesichts der Komplexität der Schnitzeljagd könnte man die sechs CDs glatt noch einmal von vorn anhören. Schade, dass man dann schon weiß, wie’s ausgeht. Autofahrer, die sich das Hörbuch auf Nachtfahrten reinziehen, werden jedenfalls bestimmt nicht in Gefahr geraten, am Steuer einzuschlafen.

Fragt sich nur: Wann kommt das Hörbuch zu „Meteor“?

|Umfang: 437 Minuten auf 6 CDs|

Wagner, Jan Costin – Schweigen, Das (Lesung)

_Verhängnisvoll & spannend: die Ironie und das Schweigen_

30 Jahre lang hat Antsi Ketola im finnischen Turku für die Mordkommission ermittelt, jetzt geht er in Pension. Er nimmt einen ungelösten Fall mit. Vor 30 Jahren war ein Mädchen verschwunden, nur das Fahrrad und Blutspuren wurden gefunden. Da bekommt Ketola von seinem Ex-Kollegen Joentaa eine elektrisierende Nachricht: derselbe Tatort, ein Fahrrad, Blutspuren – und ein verschwundenes Mädchen. Gibt es einen Zusammenhang zwischen beiden Verbrechen? Hat der Täter nach 30 Jahren wieder zugeschlagen? Und wieso erst jetzt?

_Der Autor_

Jan Costin Wagner wurde 1972 in Langen/Hessen, bei Frankfurt geboren. Er studierte Germanistik und Geschichte in Frankfurt und arbeitet als freier Autor im Rhein-Main-Gebiet. Finnland, der Schauplatz von „Eismond“ und „Das Schweigen“ ist nicht nur das Land, in dem seine Ehefrau geboren wurde, sondern auch seine zweite Heimat. Er verbringt jedes Jahr mehrere Wochen an den Schauplätzens seiner Kimmo-Joentaa-Krimis.

Bei Eichborn Berlin erschien 2002 sein Debütroman „Nachtfahrt“, eine Verfilmung des Buches ist in Arbeit. Sein zweiter Roman „Eismond“ (2003) brachte den internationalen Durchbruch. Im Herbst 2005 erschien sein dritter Roman [„Schattentag“ 1903 und im Juli 2007 sein vierter Roman „Das Schweigen“.

Wagner erhielt 2001 den Marlowe-Preis für den besten Kriminalroman für sein Debüt „Nachtfahrt“. 2003 erhielt er ein Aufenthaltsstipendium des Berliner Senats im Literarischen Colloquium Berlin für „Eismond“ und 2004 den Förderpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft. Mehr Infos findet man auf seiner Homepage http://www.jan-costin-wagner.de.

_Der Sprecher_

Matthias Brandt (* 7. Oktober 1961 in Berlin) ist ein deutscher Theater- und Fernsehschauspieler. Er ist der Sohn von Willy und Rut Brandt. Brandt studierte an der Hochschule für Musik und Theater Hannover Schauspiel. Nach einem ersten Engagement am Oldenburgischen Staatstheater im Jahr 1985 gehörte er unter anderem den Ensembles folgender Theater an: Staatstheater Wiesbaden, Nationaltheater Mannheim, Schauspiel Bonn, Bayerisches Staatsschauspiel, Renaissancetheater Berlin, Schauspielhaus Zürich, Schauspielhaus Bochum und Schauspiel Frankfurt.

Seit 2000 ist Brandt regelmäßig in Fernsehrollen zu sehen. 2003 spielte er in dem Fernsehfilm „Im Schatten der Macht“, der die letzten Tage vor dem Rücktritt seines Vaters vom Amt des Bundeskanzlers schildert, die Rolle des Günter Guillaume. Er wiederum wurde hier als Kind von Cornelius Lehmann verkörpert. Sehr beeindruckend spielt er auch einen minderbegabten Vater im Fernsehfilm „In Sachen Kaminski“ (Erstausstrahlung am 15. Juli 2005 auf ARTE) neben Juliane Köhler, welche die Mutter spielt.

2006 wurde er mit dem Bayerischen Fernsehpreis als Bester Schauspieler im Bereich Fernsehspiel für „In Sachen Kaminski“ ausgezeichnet. 2007 erhielt er den Adolf-Grimme-Preis.

_Handlung_

|PROLOG|

Turku, Finnland. Es ist im Sommer 1974, als sie nach dem Anschauen eines pädophilen Erotikfilms mit Perssinens rotem Wagen losfahren und ein Mädchen suchen, irgendein Mädchen, und sie brauchen auch gar nicht weit zu fahren. Perssinen steigt aus, schnappt es sich, reißt es vom Fahrrad und zerrt es auf einen Feldweg … Sein Beifahrer ist wie gelähmt und schaut nur zu, was Perssinen tut, dieser Mann, den er heute erst kennengelernt hat. Nachdem es vorbei ist, schafft Perssinen das tote Mädchen in den Kofferraum seines Wagens. Wieder schaut sein Beifahrer nur zu, steigt aber ein, als sie wegfahren. Nachdem sie die Leiche im See entsorgt haben, packt der Beifahrer alle seine Sachen und zieht weg. Er nimmt den Bus. Beim Abschied von Perssinen reinigt dieser gerade sein Auto. Er sieht Perssinen nie wieder. Denkt er.

|Haupthandlung. 33 Jahre später.|

Im kalten Januar wird Antsi Kommissar Ketola pensioniert. An seinem letzten Arbeitstag schieß ihm ein Gedanke, eine Erinnerung von irgendwoher in den Sinn, und er besucht mit seinem langjährigen Kollegen Kimmo Joentaa den jungen Archivar der Polizeizentrale von Turku. Ob das Modell noch da sei, will er wissen. Welches „Modell“? Sie gehen in die Rumpelkammer, denn das ist der einzige Ort, wo sich der Archivar, der gerade erst seinen Dienst angetreten hat, so etwas wie ein „Modell“ vorstellen kann. Eine Modelleisenbahn ohne Eisenbahn, was soll das denn sein?

Aber da ist es, das Modell: der Tatort, wo das Fahrrad gefunden wurde, vor 33 Jahre, als Ketola gerade erst bei der Polizei angefangen hat. Es war sein erster Fall, und der steckt ihm in den Knochen. Sie fanden das Mädchen erst Monate später im See, halb verwest. Sie hieß Pia Lehtinen und war erst 13 Jahre alt. Ja, und das rote Auto da, will Joentaa wissen. Ja, das hat der einzige Zeuge gesehen, ein kleiner Junge, aber es wurde nie gefunden. Ketola lässt das Modell, das auf Rollen und einem Tisch montiert ist, in sein Auto verfrachten. Dann macht er sich ans Feiern. Abends fährt er einen Umweg. Auf dem Holzkreuz mitten im verschneiten Feld stehen Pias Name und das Datum ihres Todes. Erst daheim wagt er es zu weinen.

Am 8. Juni, ein halbes Jahr später, bringen die Spätnachrichten die Nachricht. Ein junges Mädchen, ein Teenager, sei verschwunden, nur sein Fahrrad und seine Taschen habe man gefunden. Was merkwürdig sei: Das Fahrrad liegt nahe bei dem Holzkreuz, das an Pia Lehtinen erinnert. Sofort werden an den Fall vor 33 Jahren erinnert und die alten Fotos gebracht, sogar an ein rotes Auto erinnert sich ein Zeuge.

Joentaa erinnert sich an Ketolas letzten Tag, an den Fall Pia Lehtinen und das Modell. Gibt es einen Zusammenhang? Es muss einen Zusammenhang geben, meint auch der Vater des verschwundenen Mädchens; ihr Name ist Sinikka, der ihres Vaters Kallevi Vehkasalo. Als Joentaa ihn noch am gleichen Abend besucht, identifiziert die Mutter alle Fundstücke als die ihrer Tochter. Der Vater verlangt zu wissen, ob es einen Zusammenhang gibt. Joentaa ist nicht bereit, sich festzulegen, aber er rätselt natürlich ebenfalls darüber. Und er weiß genau, wie es sich anfühlt, wenn einem ein geliebter Mensch von der Seite gerissen wird. So verlor er seine Frau Sanna, eine Architektin. Joentaa ruft Ketola an.

Die Spätnachrichten sieht auch der Beifahrer von damals. Timo Korvensuo hat nun den respektablen Beruf eines Immobilienmaklers, eine Frau (Mariatta), zwei Kinder (Aku und Laura) und Freunde, Pekka und Arvi. Aber als die Erinnerungen sich nicht mehr wie bisher verdrängen lassen, wird ihm schlecht. Er beginnt zu zittern, verspürt Brechreiz und Schwindel. Schon wieder diese Loslösung von der Welt, so wie damals, als Perssinen und er… Er zerschmettert eine Saftflasche vor Wut. Damals sah er sich mit Perssinen diesen Kinder-Porno an und dann … Als Aku ihn fragt, ob ihm auch so schlecht vom Eisessen sei, vermag er nicht aufzustehen.

Kimmo Joentaa rätselt immer noch, ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Mädchen gibt. Es gab im Jahr 1983 noch eine Vermisstenmeldung in der Nähe von Turku, ein Mädchen namens Marika verschwand spurlos. Und wieder sah ein Zeuge einen roten Kleinwagen. Möglicherweise gibt es einen Serienmörder, vielleicht aber auch nur eine Serie von Ausreißerinnen, bis auf die erste, Pia Lehtinen. Während er noch rätselt, sieht er Ketola im Fernsehen.

Ketola sitzt in einer erfolgreichen Talkshow und neben ihm – Joentaa traut seinen Augen kaum – sitzt die Mutter von Pia, Elena Lehtinen. Beide appellieren an den Täter, sich zu stellen. Offenbar gehen sie davon aus, dass es sich 1974 und jetzt um den gleichen Täter handelt. Davon ist Joentaa keineswegs überzeugt, auch wenn der Tatort und das Fahrrad das nahelegen. Als er dem Leiter der Ermittlungskommission von Ketolas Fernsehauftritt erzählt, flippt Sundström fast aus. Schließlich mischt sich der alte Knacker in ein laufendes Verfahren ein.

Timo Korvensuo hat es nicht mehr in Helsinki ausgehalten und ist nach Turku gefahren. Erst hat er die Stadt umrundet, die alten Schauplätze, wo er 1974 Mathematik studiert hatte. Seiner Frau hat er erzählt, er besuche einen potentiellen Kunden. Er rafft sich schließlich auf, Perssinen zu besuchen. Der Hausmeister ist beim Rasenmähen und seine Wohnung sieht immer noch so aufgeräumt aus wie damals, als… Und er trinkt immer noch Pflaumenschnaps und schaut sich Kinderpornos an. Timo Korvensuo kann nicht verhindern, dass ihm Perssinen so eine Porno-DVD schenkt: seinen Lieblingsfilm, Perssinen weiß es noch genau. Im Hotel schaut er sich den Film an. Ein Schmerz erfasst ihn, und Bilder von seinen eigenen Kindern, Aku, 9, und Laura, 13, überfallen ihn unvermittelt. Er beschließt, zur Mutter von Pia zu fahren. Von ihr hat Mariatta am Telefon gesprochen. Er hat sich – er weiß das nur diffus – zu entschuldigen.

Für etwas, das er gar nicht getan hat. Aber das wird niemand jemals erfahren …

_Mein Eindruck_

Wie der Titel schon sagt, geht es um das Schweigen, seine Bedeutung, seine Rolle, seinen Zweck. Schweigen ist in dieser Geschichte nicht zufällig, sondern ein Komplize, ein Mitspieler und – wenn es um die Ermittlung geht – auch ein Gegenspieler. Letzten Endes geht es also um Kommunikation und das mögliche Wissen, das sie mit sich bringt. Ein sehr modernes Thema, wie ich finde. Schweigen als Leerstelle, die sich vieldeutig nutzen lässt, die sich aber letzten Endes auch als trügerisch erweist.

Es gibt zwei Figuren, deren Vergangenheit und Seelenleben wir ziemlich genau kennenlernen. Das sind Kimmo Joentaa, der Polizist, der seine Frau Sanna an den Krebs verloren hat, und der ein Grübler und Zweifler geworden ist. Dadurch steht er im Gegensatz zu den Kollegen, die sich liebend gern an die Tatsachen halten, ganz besonders dann, wenn sie ihre Annahmen bestätigen. Joentaa aber weiß, dass die Dinge nicht so einfach liegen. Und deshalb fällt ihm ein winziges Detail auf, das alle anderen übersehen, und er kommt der Wahrheit im Fall Sinikka auf die Spur. Das sorgt für eine echte Überraschung.

Und da ist der Immbilienmakler Timo Korvensuo, der eigentlich immer nur zugesehen hat. Und geschwiegen, immer nur geschwiegen. Auch gegenüber seiner Familie, versteht sich. Als Ketola frech wie Oskar mal den PC von Korvensuo durchsucht, stößt er auf Unmengen von Kinderpornobildern. Von diesen Bildern hatte die Ehefrau keine Ahnung. Das Schweigen verhinderte dies.

Aber Ketola ist jetzt hundertprozentig sicher, dass er dem richtigen Mann auf der Spur ist. Die tragische Ironie ist offensichtlich. Aber klar wird auch, dass das Schweigen ebenso schuldig macht wie die Tat. Täter oder nicht, es ist ganz gleich: Korvensuo hat die Schuld mitzutragen und sucht nun Sühne dafür, indem er Pias Mutter besucht. Er macht sich Vorwürfe, weil er vermutet, dass Perssinen wieder zugeschlagen hat. Weil er das gleiche Laster wie Perssinen hat, kann er ihn nicht verurteilen. Dem Teufelskreis der Schuld, in den er nun gerät, kann er nicht entkommen.

Immer wieder stößt Joentaa auf das Schweigen, das zwischen den Eltern und ihren Kindern herrscht. Den Eltern von Sinikka geht auf, dass sie fast nichts über ihre Tochter wissen. Der Vater geht seiner Frau damit so sehr auf den Wecker, dass sie vorgibt zu schlafen, um den Schmerz ertragen zu können. Im Finale weiß sie nicht mehr, ob sie schreien oder sterben soll, so groß ist ihr Leiden.

Die von ihrem Mann verlassene Elena Lehtinen, Pias Mutter, hat ein Verhältnis mit ihrem Nachbarn. Eines Tages stürmt dessen Frau Maria zur Tür herein und ohrfeigt Elena, bevor sie einen Nervenzusammenbruch erleidet, der sie ins Krankenhaus bringt. Maria hat das schützende Schweigen durchbrochen und den Preis bezahlt. Das Schweigen ist für Elena kein Komplize mehr. Als Timo Korvensuo sie besuchen kommt und sich als Wohnungssuchender ausgibt, weiß sie gleich, wen sie vor sich hat: ihn, der das Schweigen durchbrochen und sich gestellt hat, um Verzeihung zu erbitten. Nichts davon sagt er, doch sie weiß Bescheid und sagt dies auch Ketola und Joentaa. Dass er ihr seine Visitenkarten dagelassen hat, fasst sie als Einladung auf, ihn zu kontaktieren.

|VORSICHT, SPOILER|

Das tiefste Schweigen umgibt Ketola. Und früher oder später wundert man sich darüber. Nicht aber die Ermittler, die froh sind, wenn sich der pensionierte Kommissar nicht mehr einmischt. Leider tut er ihnen diesen Gefallen nicht, sondern beginnt im Stillen eine geheime Aktion, die nur ein Ziel hat: den Mörder Pias aufzustöbern und zu überführen. Doch das Schweigen, das Ketola zu seinem Komplizen und zu seiner Waffe macht, führt wieder zu einem Missverständnis. Die Vergeltung trifft einen Schuldigen, schon gut, aber nicht den Täter.

Der Täter verbirgt sich hinter Schweigen, Anpassung und Wohlanständigkeit. Perssinen mäht jeden Tag den Rasen vor fünf Häusern, die er betreut, und führt penibel darüber Buch. Als der Polizist Hejnonen bei ihm auftaucht, weil Perssinen als ehemaliger Besitzer eines roten Kleinwagens auf zwei Listen (der von Pia und der von Marika) steht, bemerkt er, dass sich Perssinen seltsam entrückt verhält. Vielleicht die Folge eines Schlaganfalls, schließlich ist das schon ein alter Mann. Aber er nimmt Perssinens Tagebuch nicht mit, sonst wäre er im Jahr 1974 auf den Namen Timo Korvensuo gestoßen. Und so hilft das Schweigen dem Falschen. Der Schluss hält eine Menge bittere Ironie bereit. Wieder einmal scheint das Schweigen gewonnen zu haben.

|Der Sprecher|

Matthias Brandt muss gegen das Schweigen ankämpfen, aber er tut es mit einer ruhigen, beständigen Stimme, die unaufgeregt ist. Man kann sich auf die Geschichte, die er erzählt, verlassen, hört jedes Wort, jeden Satz als Einheit und Faktum. Und doch gibt es da eine beunruhigende Doppelbödigkeit, die schon in der Vorlage steckt.

Wie immer können wir in Korvensuos und Joentaas Seele nur kurz Einblick gewinnen, doch diese Momente sind mit Erinnerungen angefüllt. In Joentaas Kopf werden die Erinnerungen wie gewöhnlich unwillkürlich ausgelöst, aber dann ergeben sie komplette Bilder, ganze Szenen. Ganz anders hingegen in Korvensuo. Sein geistiger Bildschirm ist geradezu ein Schneegestöber, in dem die Schnipsel von Aku, Laura, Marietta, Pia, Elena, Perssinen durcheinanderwirbeln und ihn zu verschlingen drohen, weil er zunehmend die Kontrolle darüber verliert. Überblendeffekte assoziieren die drei Kinder miteinander.

Nur ein Strang lässt sich herauslesen: Die zunehmend deutlicher werdende Szene mit Pia. Sie am Boden, Perssinen über ihr, danach das Verstauen der Leiche, das Versenken im See. Dann die Assoziation der Hexe in dem Märchenfilm, den Aku und dann auch Timo im Kino ansehen. Sie krächzt – so auch der Sprecher -, dass ihr Opfer nicht davonkommen werde. Der helllichte Tag verwandelt sich für Timo in einen Albtraum, aus dem es kein Erwachen zu geben scheint. Das klingt chaotischer als es gelesen wird. Und natürlich handelt es sich um meine eigene Interpretation.

Nicht immer ist der Sprecher ruhig und selbstsicher, denn schließlich sind nicht all seine Figuren so, sondern lediglich der Erzähler. Sinikas Vater Kallevi beispielsweise spricht häufig stockend, atemlos in seiner Hilflosigkeit angesichts der Lücke, die seine verschwundene Tochter in seinem Leben aufgerissen hat. Auch Joentaa ist die Verlegenheit anzuhören, wenn er Mariatta Korvensuo versichert, es sei alles in Ordnung. (Natürlich ist rein gar nichts mehr in Ordnung.)

Matthias Brandt gelingt es, die Konzentration des Hörers zu erlangen und sie auf Dauer zu fesseln, einfach indem er langsam liest und deutlich und vor wichtigen Wörtern eine kleine Pause macht. Wenn Leidenschaft oder Wut angebracht ist, so kann er dies mit Tempo und Lautstärke ohne Weiteres ebenfalls ausdrücken, doch diese Ausbrüche sind selten. Sollten sie auch sein, um ihre Wirkung nicht einzubüßen.

Dieser Vortrag benötigt weder Musik (wie im Hörbuch zu „Eismond“) noch Geräusche irgendeiner Art, denn es ist ein Kammerspiel um ein zentrales Thema: Schweigen. Und diesem Schweigen gilt es durch Worte entgegenzuwirken.

Das Booklet informiert über den Autor und den Sprecher sowie über das Hörbuch „Eismond“. Das Titelbild zeigt ein Mädchen mit kurzem Haar, vermutlich Sinika.

Die CDs sind annähernd 90 Minuten lang. Mein alter CD-Spieler weigerte sich, solche CDs abzuspielen, aber mein neuerer DVD-Spieler bequemte sich doch dazu. Insgesamt bieten die vier CDs fast sechs Stunden Text, das ist eine ganze Menge.

_Unterm Strich_

Es ist ungewöhnlich, dass wir gleich zu Anfang von einem Verbrechen und den Tätern erfahren. Doch es geht nicht primär um dessen Aufklärung, sondern darum, wie die Täter und ihre kriminalistischen Gegenstücke mit diesem Fall 33 Jahre später umgehen. Hat die Zeit Wunden geheilt, die nun wieder aufgerissen werden? Ist die Schuld vergessen, oder muss noch Sühne geleistet werden?

Ist über alles Gras gewachsen, oder gibt es einen Zaubertrick, um beide Fälle, die 33 Jahre auseinanderliegen, aufzuklären? Wie sich zeigt, gibt es diesen „Zaubertrick“ tatsächlich. Das Ende ist wirklich überraschend und ebenfalls ein Teil der umfassenden Ironie. Diese Ironie ist mal bitter, mal tragisch, mal lustig. Es fällt schwer, sich nicht von diesem Plot und der Sprache, in der er erzählt wird, beindrucken zu lassen.

Matthias Brandt scheint mir der passende Sprecher für diese Art von Stoff zu sein. Ruhig, ohne einzuschläfern, aber leidenschaftlich und betroffen, wenn es nötig ist, weiß er die Aufmerksamkeit des Hörers nicht auf sich zu lenken, sondern auf die komplexe Geschichte, die er erzählt.

Wer Action und vordergründige Spannung sucht, wird sicherlich woanders fündig. Wer intensive emotionale Spannung sucht und von einer sicheren sprachlichen Stimme zu einem überraschenden und bewegenden Schluss geführt werden will, der ist bei „Das Schweigen“ an der richtigen Adresse. Den Namen Jan Costin Wagner sollte man sich merken.

|349 Minuten auf 4 CDs|
http://www.eichborn-lido.de/

Patricia Cornwell – Totenbuch. Ein Fall für Kay Scarpetta (Lesung)

Der Sandman treibt blutige Spiele

Die sechzehnjährige Drew Martin gilt als Shooting-Star am Tennishimmel. Nachdem man in Rom ihre furchtbar entstellte Leiche gefunden hat, schlägt der Fall international hohe Wellen. Deshalb bitten die italienischen Carabinieri Dr. Kay Scarpetta um Unterstützung. Bald wird klar: Der Mörder muss sich in den USA aufhalten. Und der Tennisstar war nicht sein letztes Opfer.

Die Autorin
Patricia Cornwell – Totenbuch. Ein Fall für Kay Scarpetta (Lesung) weiterlesen

Lovecraft, H. P. – Das Ding auf der Schwelle & Die Ratten im Gemäuer

Das Hörbuch kombiniert zwei bekannte und sehr wirkungsvolle Horror-Erzählungen: „Das Ding auf der Schwelle“ (1937) und „Die Ratten im Gemäuer“ (1924). Wie schon bei „Der Schatten über Innsmouth“ spricht Lars Riedel die Rolle des Erzählers. Seine Intonation wird dem Hörer unweigerlich kalte Schauder über den Rücken jagen.

|Der Autor|

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die |Großen Alten|, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber wie in den Zusatztexten zu „Innsmouth“ zu erfahren war, reicht Lovecrafts Grauen weit über die landläufige Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als Liebe spendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen. Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit.

|Der Sprecher|

Lutz Riedel ist die deutsche Stimme von Timothy Dalton („James Bond“ u. a.). Er zeigt auf diesem Hörbuch seine „herausragenden Sprecherqualitäten, die den Hörer mit schauriger Gänsehaut verzaubern“. Er war auch „Jan Tenner“ in der gleichnamigen Hörspielserie.

_Die Erzählungen_

a) |Das Ding auf der Schwelle|

„Es ist wahr, dass ich meinem besten Freund sechs Kugeln durch den Kopf gejagt habe, und dennoch hoffe ich mit dieser Aussage zu beweisen, dass nicht ich sein Mörder bin. Zunächst wird man mich einen Wahnsinnigen nennen – wahnsinniger noch als der Mann, den ich in seiner Zelle in der Heilanstalt von Arkham niedergeschossen habe.“

Also spricht Daniel Upton, der Berichterstatter des grausigen Unglücks, das seinem Jugendfreund Edward Pickman Derby zugestoßen ist. Dieser Dichter des Absonderlichen und Student des Okkulten weist, wie etwa auch Charles Dexter Ward, autobiografische Züge auf. Auch er wurde verhätschelt und in eine seltsame Familie geboren. Er trieb sich lieber mit den Bohemiens und Säufern von der verrufenen |Miskatonic Uni| in Arkham herum, statt einem ordentlichen Beruf nachzugehen.

Jedenfalls solange, bis er mit 38 die Frau seines Lebens (oder seines Todes?) traf und heiratete: Asenath White ist die Tochter des alten Hexenmeisters Ephraim White aus dem verrufenen Innsmouth, wo man um 1850 einen Pakt mit seltsamen Wesen aus dem Meer geschlossen hatte (vgl. dazu unbedingt [„Der Schatten über Innsmouth“ 424 ). Daniel Upton erinnert sich an White als „wölfisch“ und „gestorben im Wahnsinn“. Asenath, gerade mal 23 Jahre alt, scheint dessen Kräfte geerbt zu haben. Insbesondere als Hypnotiseurin leistet sie Ungewöhnliches, nämlich den Austausch der Persönlichkeit des Hypnotisierten, so dass dieser sich selbst durch Asenaths Augen sehen kann.

In Ed Derby hat sie ihr ideales Opfer gefunden. Sie hypnotisiert ihn und bemächtigt sich zeitweilig seines Körpers. Das geht über Jahre hinweg, und beide verändern sich so stark, dass sich Upton wundert: Während sich Derby von einem schlaffen Lethargiker zu einem dynamischen, lebensfrohen Macher entwickelt, sieht Asenath von Jahr zu Jahr älter aus. Doch die Wirklichkeit ist weitaus grauenerregender. Denn es ist nicht Asenath, die ihren Körper bewohnt, sondern ihr Vater, der sie schon im Kindesalter übernommen hat. Und dieser bemächtigt sich wiederum des Körpers ihres Mannes, Ed Derby. Sein Ziel besteht darin, wieder zum Mann und unsterblich zu werden, damit er in Kooperation mit den Großen Alten, die im Untergrund des hintersten Berglandes hausen, weiterhin seine okkulte Herrschaft ausüben kann.

Doch diesen Persönlichkeitsverlust verkraftet das zeitweilig übernommene Opfer nicht lange. Nach einem schrecklichen Zusammenbruch vertraut sich Derby seinem Freund an. Aus Verzweiflung erschlägt er schließlich seine Frau. Doch dies ist nicht ihr Ende. Aus dem Keller heraus, in dem er sie verstaut hat, zwingt sie ihn, den Körper mit ihr zu tauschen. Nun gelingt es Derby gerade noch, als „das Ding auf der Türschwelle“ bei seinem Freund zu erscheinen und ihm einen warnenden Brief zu geben, mit einer dringenden Bitte: „Töte das Wesen, das in der Heilanstalt von Arkham als Edward Derby gilt.“

b) |Die Ratten im Gemäuer|

Ein Amerikaner aus Massachusetts hat in England das seit alters her verfluchte Gemäuer der Exham-Priorei wieder bezogen. Es ist der 16. Juli 1926. De La Poer, vormals Delapore, ist der Letzte seines Geschlechts, das in der Priorei seit dem 13. Jahrhundert gelebt hatte, bis Walter de la Poer im 17. Jahrhundert (genauer: 1610) nach Virginia auswandern musste. Dort nahm die Familie die Namensform Delapore an, denn Adlige waren in der neuen Demokratie nicht gern gesehen …

Doch die Grundmauern der Priorei sind weitaus älter als das 13. Jahrhundert. Sie stammen, wie der letzte Spross herausfindet, sogar noch von den Römern des 2. Jahrhunderts. Wie an Inschriften abzulesen, wurden hier abscheuliche Riten für die „magna mater“, die Fruchtbarkeitsgöttin Kybele, und für den dunklen Gott Atys abgehalten. Wie De la Poer herausfindet, stammen die ältesten Mauern noch aus jungsteinzeitlicher, „druidischer“ Zeit, und wer weiß, was damals im Tempel alles geopfert wurde …

Nach einer Woche hört De la Poer bzw. sein treuer Kater „Nigger“ das erste Trapsen und Trippeln in den Mauern seines Schlafgemachs. Auch alle neuen Katzen sind aufgeregt. Zusammen mit seinem Nachbarn Captain Norrys untersucht er den Keller und stößt auf den Altarstein der Kybele. Doch Norrys entdeckt, dass darunter noch eine Etage sein muss. Mit mehreren Gelehrten, darunter „Archeologen“, erforscht man den Tunnel unter dem Altarstein. Massenhaft Skelette, die Knochen von Ratten zernagt, bedecken die Treppe.

Doch das Schlimmste kommt erst noch: eine unterirdische Stadt aus uralter Zeit, in der nicht Menschen, sondern die Ratten das Kommando hatten. Angeführt werden sie von Nyarlathotep, einem der Großen Alten, der im bodenlosen Abgrund haust und nun auch auf de la Poer seinen Einfluss ausübt …

Wie „Schatten über Innsmouth“ ist „Ratten“ eine Geschichte über Degeneration in einer Familie (genau wie in HPLs eigener) und was daraus wurde. Nur verstößt die Form der Degeneration gegen so große und viele Tabus, dass man es hier nicht wiedergeben kann. Sie sind im wahrsten Sinne des Wortes unaussprechlich.

_Mein Eindruck_

In diesen, seinen besten Geschichten befolgt Lovecraft konsequent die Forderung Edgar Allan Poes, wonach eine „short story“ in allen ihren Teilen auf die Erzielung eines einzigen Effektes ausgerichtet („unity of effect“) sein solle, egal ob es sich um die Beschreibung eines Schauplatzes, von Figuren oder um die Schilderung der Aktionen handele, die den Höhepunkt ausmachen (können).

Um die Glaubwürdigkeit des berichteten Geschehens und der Berichterstatter zu erhöhen, flicht Lovecraft zahlreiche – verbürgte oder meist gut erfundene – Quellen ein, die beim weniger gebildeten Leser den Unglauben aufheben sollen. Erst dann ist die Erzielung kosmischen Grauens möglich, das sich Lovecraft wünschte. In den meisten Erzählungen gelingt ihm dies, und daher rührt auch seine anhaltende Wirkung auf die Schriftsteller weltweit. Erfolgreiche Serien wie Brian Lumleys „Necroscope“ oder Hohlbeins [„Hexer von Salem“ 249 wären ohne Poe und Lovecraft wohl nie entstanden.

Das heißt aber nicht, dass Lovecraft keine negativen Aspekte eingebracht hätte. Als gesellschaftlicher Außenseiter, der nur intensiv mit einer Clique Gleichgesinnter kommunizierte (er schrieb Briefe wie andere Leute E-Mails), ist ihm alles Fremde suspekt und verursacht ihm Angst: Xenophobie nennt man dieses Phänomen. Darüber hinaus hegte er zunächst rassistische und antisemitische Vorurteile (wie leider viele seiner Zeitgenossen), so dass er von kultureller Dekadenz und genetischer Degeneration schrieb. Degeneration ist das Hauptthema in „Grauen von Dunwich“ und „Schatten über Innsmouth“, aber auch in den beiden hier gesammelten Erzählungen.

Edward Derby ist der dekadente Sprössling, der sich dem verderblichen Einfluss schwarzer Magie zuwendet und so an Asenath White bzw. ihren Vater Ephraim, den unsterblichen Hexenmeister, gerät. Der Letzte der de la Poer stößt, wie der Protagonist in „Innsmouth“, unversehens auf die schrecklichen Wurzeln seiner eigenen Familie, allerdings natürlich nicht in der Neuen, sondern in der Alten Welt, in England. Immer wieder wird bei Lovecraft das Grauen importiert: von anderen Weltgegenden, aber wichtiger noch – aus der alten Zeit. Denn in grauer Vorzeit, so HPLs Privatmythos, herrschten die Großen Alten auf der Erde, bevor sie vertrieben wurden. Daher bleiben von ihnen nur Spuren ihres Einflusses. Und wer lange genug nach seinen eigenen Wurzeln sucht, wird auf diese Wurzeln stoßen. Das „kosmische Grauen“ verschlingt den unseligen Sucher.

Ähnlich passiert dies auch Edward Derby, aber auf ganz andere Weise. Denn die verhängnisvollen Wurzeln verbergen sich in seiner Gattin Asenath, die wiederum von ihrem Vater besessen ist. Dieser wiederum ist ein Diener der Großen Alten, denen er die Unsterblichkeit per Seelenübertragung durch Körpertausch verdankt. Für den armen Ed kommt jede Hilfe, die ihm sein entsetzter Freund, unser Reporter vor Ort, gewähren könnte, häufig zu spät. Mit zwei Ausnahmen: Als Ed aus den Bergen und Wäldern Maines taumelt, fährt Dan ihn nach Hause, wobei Ed ihm die (vermutete) Wahrheit erzählt – bis zu einem gewissen Punkt, an dem Asenaths Geist ihn wieder übernimmt, sozusagen per Fernsteuerung. Die andere Ausnahme ist natürlich der Gnadenschuss für Edward Derby, das heißt: für seinen Körper.

|Der Sprecher|

Lutz Riedel liefert eine tolle, überragende Leistung ab. Sein modulationsreicher, dramatischer Vortrag hat mich sehr beeindruckt. Beide Erzählungen steigern sich in ihrer Wirkung allmählich zu einem Höhepunkt, „Die Ratten im Gemäuer“ sogar noch eindeutiger, unkomplizierter als „Das Ding auf der Schwelle“. Am Höhepunkt steigert sich Riedels Stimme in solche Höhen, dass ich sie einem Mann nicht zugetraut hätte. Doch dieses Stilmittel ist – nur in diesem Augenblick – völlig angemessen. Wer mit dem Geist zu sehen vermag, kann sich das Entsetzen der entsprechenden Szene lebhaft und geradezu wie einen Film vorstellen. Einfach fabelhaft. (Ich stelle mir dazu gerne einen schwarzweißen Stummfilm aus der Ära von Bela Lugosi und Boris Karloff vor.)

Die Musik von Andy Matern und die Ansage durch Helmut Krauss entsprechen dem Motto des Verlegers, Regisseurs, Produzenten und Dramaturgen Lars Peter Lueg ebenfalls in vollkommener Weise: „Gänsehaut für die Ohren“ hat man selten wirkungsvoller erlebt – mit Ausnahme der anderen LPL-Produktionen wie etwa „Necroscope“.

_Unterm Strich_

Ist „Das Ding auf der Schwelle“ auch vielschichtiger aufgebaut als die frühe Erzählung „Die Ratten im Gemäuer“, so bieten beide doch garantiert Grauen höchster Qualität und Wirkung, wie man es nur in den besten Erzählungen von Autoren wie Lovecraft finden kann. Ist „Das Ding …“ eine Art längerer Sinfonie, die sich in Phasen der An- und Entspannung dem Finale nähert, so besticht „Ratten“ durch die strenge Ausrichtung auf die sich stetig steigernde, absolut einheitliche Wirkung, ohne lange nach rechts oder links abzuschweifen. Die Wirkung auf mich war entsprechend größer: wie ein Schlag in die Magengrube (ich wollte gar nicht mehr hinhören!). Der Hörer sollte sie sich als krönenden Abschluss des Hörbuchs gönnen – denn Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Lutz Riedel erweist sich als optimaler Sprecher der unterschiedlichen Stimmungen in den beiden Erzählungen. Seine stimmliche Modulationsfähigkeit ist wirklich beeindruckend und verhilft den Geschichten zu optimaler Wirkung. Die Aufnahmequalität ist ausgezeichnet, die Umrahmung angemessen düster. |LPL records| hat wieder einmal eine sehr gelungene Produktion vorgelegt, die sich jedem Lovecraft- und Horror-Freund bedenkenlos empfehlen lässt.

|Hinweis|

Ein umfangreiches zweites Booklet stellt die weiteren LPL-Produktionen vor, zu denen auch eine Reihe von Erzählungen gehört, die „Alien“-Schöpfer H.R. Giger unter dem Label [„Vampirric“ 581 zusammenstellte. Diese Erzählungen stammen von bekannten Autoren wie Guy de Maupassant („Der Horla“, ein echter Klassiker) und Thomas Ligotti, einem modernen Amerikaner, der stark von Poe und HPL beeinflusst ist („Die verloren gegangene Kunst des Zwielichts“). Das Design der Hörbücher ist, einem Giger angemessen, bizarr und düster.

|Umfang: 153 Minuten auf 2 CDs|

Perry Rhodan – Atlantis 2 (Die komplette Mini-Serie in 12 Teilen)

Worum gehts?

Gut 3000 Jahre in der Zukunft: In Can Coronto leben zahlreiche Aliens unterschiedlichster Art, aber auch Menschen. Die faszinierende Metropole sprudelt vor Leben, Energie und bunten Farben – es ist die Hauptstadt von Atlantis. Der Kontinent existiert noch und hat längst eine andere Bedeutung erlangt.
Perry Rhodan und seine Freunde wissen aber, dass das nicht stimmen kann. Sie befinden sich offenbar auf einer fremden Erde, die sich stark von ihrer Heimat unterscheidet. Hat eine Zeitreise die Vergangenheit verändert und die Welten durcheinandergebracht? Und kann Perry Rhodan beide Wirklichkeiten retten – oder muss er eine für die andere opfern?
Welches Atlantis ist das wahre …? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Da ist sie also, die alljährliche Mini-Serie in zwölf Teilen. Diesmal gehts wieder nach Atlantis (in die Zukunft und nicht wie letztes Mal in die Vergangenheit) und wir wundern uns anhand des Klappentexts schon mal im Voraus, wieso Perry und seine Freunde überhaupt wissen können, dass irgendwas nicht stimmt. Sollten sie nicht eigentlich die aktuelle Realität als solche anerkennen wie offenbar alle anderen auch?

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John Sinclair – 163 – Die Werwolf-Schlucht

Die Handlung:

Werwölfe auf den Shetland-Inseln! Anders ließ sich der Hilferuf der vor Ort stationierten Wissenschaftlerin Dr. Morgana Layton kaum interpretieren. Als auch noch das Militär eingriff und bei dem Versuch, die Insel einzunehmen, scheiterte … da wussten wir, dass uns ein ganz besonders höllischer Fall erwartete! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 328 gemacht, das erstmalig am 15. Oktober 1984 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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Wolfgang Hohlbein – Dunkel (Lesung)

Vampirjagd in Neuss

Ein actionreicher Vampirroman, den uns der deutsche Bestsellerautor da auftischt: komplett mit Zweikämpfen zwischen Vampyr und Vampjäger, die meist in irgendwelchen Wohnungen oder Anlagen stattfinden. Und stets spielen ein Fotoapparat (auch digital) und ein Spiegel eine wichtige Rolle …

Der Autor

Wolfgang Hohlbein, geboren 1953, ist bekanntlich der erfolgreichste deutschsprachige Autor von Unterhaltungsliteratur für jugendliche und erwachsene Leser. Seine Heimatstadt Neuss zwischen Düsseldorf und Köln ist auch im Hörbuch Schauplatz des Geschehens.

Der Sprecher
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Brecht, Berthold / Reich-Ranicki, Marcel – Texte von und über Bertolt Brecht

_“Ungeheuer oben“: Wolken, Liebe, Gedichte_

Der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands spricht über einen seiner Lieblingsautoren und trägt dessen Lieder und Gedichte vor. Ein Booklet-Text von Hans Sarkowicz erhellt die Beziehung zwischen Kritiker und Autor auf anschauliche und informative Weise.

„Auf seine unverwechselbare Art und Weise liest Marcel Reich-Ranicki verschiedene Texte von und über den großen Dramatiker Bertolt Brecht. Der Hörer bekommt einen kleinen, aber lebendigen literaturhistorischen Überblick. Marcel Reich-Ranicki schenkt dem Lyriker Bertolt Brecht besondere Beachtung. Er rezitiert und interpretiert ausgewählte Gedichte.“ (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Bertolt Brecht, am 2. Februar 1898 in Augsburg geboren, war Dramatiker, Lyriker, Erzähler und Essayist. Schon mit seinem Debüt „Trommeln in der Nacht“ sorgte er 1922 (dem „Ulysses“-Jahr) für Aufsehen. In dem von ihm so genannten „epischen Theater“ setzte er gegen das möglichst realistische Spiel die kritische Befragung des Bühnengeschehens mit Kommentar, szenischer Montage und Verfremdung (der berühmte „V-Effekt“). Die mit dem Komponisten Kurt Weill geschriebene „Dreigroschenoper“ wurde in Berlin zum Sensationserfolg, und noch heute gibt es Theaterrestaurants, die das Stück oder Ausschnitte daraus regelmäßig aufführen (z. B. im Münchner Stadtteil Au).

1933 blieb dem bekennenden Marxisten nur die Flucht ins Exil, u. a. nach Finnland, in die Sowjetunion und die USA. Erst 1949 kehrte er zurück, nach Ost-Berlin. Weil er sich im Osten niederließ und den Aufbau der DDR mit kritischer Sympathie verfolgte, blieb er nach Angaben des Booklet-Autoren Hans Sarkowicz im Westen geächtet, auch noch lange nach dem 14.8.1956, an dem BB starb. Regelrechte Anti-Brecht-Kampagnen sollen bis in die 60er Jahre hinein die Aufführung seiner Stücke ver- und behindert haben.

_Der Leser_

Marcel Reich-Ranicki, geboren 1920, ist schlicht und ergreifend der einflussreichste Literaturkritiker Deutschlands. Ob er auch der beste usw. ist, sei dahingestellt. Er ist Bertolt Brecht persönlich begegnet, wie uns das Booklet aufklärt: 1952 in Warschau. „MRR, der Sohn polnisch-deutschjüdischer Eltern, hatte die Verfolgung durch die Nationalsozialisten überlebt und arbeitete im kommunistischen Polen als Kritiker, Übersetzer und Journalist. BB war aus seinem Exil nach Ost-Berlin zurückgekehrt und besuchte als kultureller Repräsentant den sozialistischen Bruderstaat. MRR hatte Glück. Er wurde in das Hotelzimmer des Dichters geführt und durfte mit ihm ein Interview führen. (…) Nicht erst seit dieser Begegnung, schon lange vorher war MRR ein leidenschaftlicher Verehrer BBs.“ 1958 siedelte MRR nach Westdeutschland über, wurde allmächtiger Literaturchef der FAZ und Gastgeber des „Literarischen Quartetts“ im ZDF. (Alle Abkürzungen stammen von mir, der Text stammt teilweise von Hans Sarkowicz.)

Die Hörbuchaufnahme stamme von 1998, schreibt Sarkowicz. Hier spreche MRR als „bekennender Brecht-Verehrer“ v. a. über den Dramatiker und Lyriker, dessen schönste Gedichte er auch selbst vortrage. 2001 hat MRR im Aufbau-Verlag ein Buch über BB veröffentlicht.

Wer mehr über MRR erfahren möchte, dem sei sein Buch „Mein Leben“ wärmstens empfohlen. Ein Auszug daraus ist in „Das Buch der Deutschen“ abgedruckt, das 2005 von Johannes Thiele bei |Lübbe| herausgegeben wurde.

_Inhalte_

Schon mit 22 oder 23 Jahren, noch vor dem Erfolg von „Trommeln in der Nacht“ (s. o.), will BB sich als „Klassiker“ wahrgenommen haben. Koketterie? Oder zu Recht? Woran ist der „Klassiker“ zu messen – an seiner Wirkung auf die Nachwelt oder auf seine Zeitgenossen? Wie nehmen wir ihn heute wahr: als politischen Dichter oder doch mehr als Dramatiker, als Lehrer oder als Mensch? MRR meint, zuvorderst sei BB doch auch Verführer gewesen. Ganz einfach auch deshalb, weil es die Aufgabe eines Dramatikers und des Theaters sei, den Zuschauer a) zu verführen und b) zu unterhalten, bevor es c) anfangen könne, eine Botschaft zu verbreiten. Pädagogik wirke abschreckend (und langweilig obendrein).

Den Löwenanteil an MRRs Vortrag nimmt sympathischerweise das Thema Liebe und Erotik in BBs Lyrik ein. Dieser Aspekt kommt in vielen kritischen Würdigungen BBs zu kurz, wenn er überhaupt beachtet wird. Aber BB befasste sich schon mit 18 schreibenderweise mit der ersten Liebe, erst himmelhoch jauchzend, dann zu Tode betrübt, dann zynisch. Das hat ihm die Rosa Marie angetan. In seinen Liebesgedichten verbindet BB den Wahnsinn der Liebe und das Mysterium der Sexualität mit dem, was dieser Wahn am stärksten bedroht: mit dem Intellekt. Das ist eine höchst interessante Verbindung. In seinem Gedicht „Erinnerung an die Marie A.“, das auf Rosa Marie anspielt, durchläuft das lyrische Ich im dialektischen Dreisprung These, Antithese und Synthese, um schließlich festzustellen, dass jene weiße Wolke, die so „ungeheuer oben“ erblickt wurde, immer noch in der Erinnerung herumspukt und ihn an die Marie A. gemahnt.

MRR zeigt, wie die Liebe von BB in verschiedenen Aspekten reflektiert wurde, und zieht eine interessante Parallele zu Franz Kafka. Kafka liebte „Milena“, die er um ein Haar geheiratet hätte. Er gesteht, dass sich der Liebende in dem durch die Geliebte geschenkten Leben wiederfinde, ja, selbst liebe. Liebe kann durchaus egozentrisch sein. Und BB nutzte seine Frauen (Ruth Bärlau, Helene Weigel, etc.) durchaus aus, wobei sie sich das offenbar gefallen ließen.

|Lieder|

In der „Dreigroschenoper“ tragen Mackie Messer und seine Geliebte ein klassisches Sonett vor, das aber solches kaum erkennbar ist: Die ironisierende Parodie verdeckt die altehrwürdige Form und verbirgt so auch Pathos und Poesie der Liebe, um sie zu schützen. In der Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ findet sich ebenfalls ein Liebeslied, das darin allerdings wie ein Fremdkörper wirkt: Es bedient sich ebenfalls eine uralten Form, nämlich der Terzine. Literaturkenner wissen natürlich, dass das berühmteste Gedicht, das jemals in Terzinen verfasst wurde, die „Göttliche Komödie“ von Dante Alighieri ist. Was hat das eine mit dem anderen zu tun?

In „Mahagonny“ singen die Hure „Seeräuber-Jenny“ (die später vom Schwarzen Frachter singen wird) und der Holzfäller Ackermann das Lied „Die Liebenden“. Sie tun dies ohne jede Ironie, sind jedoch von einer von Gewalt geprägten Welt umgeben. Daher erscheint das Lied so unpassend und anachronistisch. Seltsamerweise bildet es ein poetisches Gegengewicht zu dem schwermütigen Rest der Oper. Nicht zuletzt deshalb, weil Seeräuber-Jenny und Ackermann auf Dantes Vorlage verweisen. In der „Göttlichen Komödie“ schmort ein Liebespaar im Inferno (= Hölle), weil seine Liebe nicht sein darf. (Wer die genauen Details wissen will, der höre MRR genau zu oder schlage bei Dante nach.)

|Klassisch|

Mit größter Begeisterung, ja, geradezu hingerissen trägt MRR eines von BBs bekanntesten Gedichten vor, das dieser in dem Stück „Schweijk im Zweiten Weltkrieg“ veröffentlichte: „Das Lied von der Moldau“. „Es rollen die Steine am Grunde der Moldau, es liegen drei Kaiser begraben in Prag …“ Obwohl es um die Vergänglichkeit alles Irdischen gehe (die Kaiser, die Steine), so lasse uns Brecht doch Hoffnung: „denn der Tag kommt schon noch.“ Eine Bitte um Nachsicht in „An die Nachgeborenen“ und ein – natürlich lobendes – Fazit beschließen den Vortrag.

_Mein Eindruck_

Nun bin ja als Germanist einschlägig vorbelastet, was Lyrik im Allgemeinen und Brecht im Besonderen anbelangt, doch Reich-Ranicki gelang es in seinem Vortrag, meine Aufmerksamkeit über weite Strecken zu fesseln. Denn MRR hat keineswegs die Brechtianischen Schlager wie „Mackie Messer“ ausgewählt, sondern a) weitgehend weniger beachtete Texte ausgewählt („Erinnerung an Marie A.“ ist relativ bekannt, wird aber selten zitiert) und b) vor allem Liebeslyrik.

Das ist bei einem derart politisch und auch das Tagesgeschehen (17. Juni 1953!) kommentierenden Autor recht verwunderlich. Andererseits eignet sich das Thema Liebeslyrik für eine kompakte Darstellung weitaus besser als etwa eine weitgehend theoretische Erörterung dessen, was man sich unter „epischem Theater“ vorstellen kann bzw. soll. Zudem spricht es auch weibliche Hörer in gleichem Maße an wie männliche. Drittens ist es ein Thema, das politisch unverfänglich ist und an dem sich der Kritiker weder als rechtskonservativ noch als linksliberal zu erkennen geben muss.

Als Literaturfreund, der seit über 50 Jahren nichts anderes tut, als sich mit Literatur zu beschäftigen, ist MRR in der Lage, eine Argumentationskette ebenso geschickt aufzubauen wie seine Thesen mit entsprechenden Werkbeispielen zu belegen. Da Brecht zu seinen Lieblingsautoren gehört, weiß er ganz genau, welche Werke in welchen Ausgaben zu finden sind. Er teilt uns ohne Umschweife mit, welche aktuelle Werkausgabe die maßgebliche ist und dass man darin auch Gedichte aus dem Nachlass finden kann. Eines davon trägt er vor …

|Der Sprecher MRR|

MRR ist ja in manchen Kreisen berüchtigt für seine Dampfwalzenrhetorik, die das Gegenüber, das vielleicht ein paar Einwände anbringen möchte, einfach durch eine vehement vorgetragene Meinung einfach niederbügelt. Als ich die CD einlegte, befürchtete ich einen ebensolchen Vortrag, der auf apodiktische Weise keine andere Interpretation gelten lässt.

Ich wurde angenehm überrascht. Liegt es an der Vorliebe für den Dichter, liegt es am Sujet der Liebeslyrik? Jedenfalls lässt es MRR sachte angehen, und es ist einfach, seinem Vortrag zu lauschen sowie seiner Argumentation zu folgen. Wenn er Liebesgedichte vorträgt – es ist jeweils eine Pause vorgeschaltet -, so tut er dies mit sehr deutlicher Aussprache, langsam vortragend und klar betonend. Diese Vortragsweise eignet sich meines Erachtens für jede Schulklasse, die sich mit dem Thema befasst. Dabei lässt MRR keineswegs den Oberlehrer heraushängen, der ihm früher so viel Ablehnung eingetragen hat.

Die meisten Textzitate sind vollständig, es handelt sich also in der Regel nicht um Auszüge, sondern um das vollständige Gedicht. Das ist bei Lyrik natürlich besonders wichtig, weil ja die letzte Zeile oft eine Pointe bereithält. Wenn also „Erinnerung an die Marie A.“ in allen drei Strophen zitiert wird, so ist dies nicht ein ätzender Versuch des Kritikers, uns zu nerven, sondern pure Notwendigkeit, um den Text zu begreifen. Sicherlich erfordert dies von der MTV-Generation etwas Geduld, aber tut dies nicht alle Literatur, die diese Bezeichnung verdient?

_Unterm Strich_

Das Hörbuch erlaubt es dem Hörer, den berühmten Dichter Brecht von seiner allgemein zugänglichsten und doch unbekanntesten Seite kennen zu lernen: durch seine Liebeslyrik und die entsprechenden Lieder aus Opern und Stücken. Dadurch besteht keine Notwendigkeit, sich mit dem Marxisten Brecht oder dem Theatertheoretiker Brecht auseinander zu setzen. Das Thema ist allgemein verständlich und jedem erwachsenen Menschen zugänglich.

Dass dabei Brechts ganz besonderer und persönlicher Ansatz zum Tragen kommt, ist dem Kritiker Reich-Ranicki zu verdanken. Dass wir diese Gedichte zu mögen lernen, ist dem Sprecher Reich-Ranicki zu danken. Dass die Gedichte einen Platz finden in Brechts Werk und ein Beleg sind für die These „Brecht ist ein Klassiker“, können wir ebenfalls MRR danken, müssen wir aber nicht.

|Die Reihe|

Die |LübbeAudio|-Reihe „X liest Texte von und über Y“ ist eine Gelegenheit, auf schnelle und doch kompetente Weise wichtige Autoren der deutschen Literatur kennen zu lernen. In Zeiten der PISA-Misere eine willkommene Unterstützung im Bemühen vieler Pädagogen und Vermittler, den nachfolgenden Generationen etwas vom mühsam Errungenen – wie vieles wurde verbannt, zensiert, sogar verbrannt! – weiterzugeben, und zwar auf eine Weise, dass es ohne Weiteres zu begreifen ist.

|61 Minuten auf 1 CD|

Henning Mankell – Die Pyramide (Lesung)

An der schwedischen Küste stürzt ein Sportflugzeug von Drogenkurieren ab. In dem ansonsten so idyllischen Städtchen Ystad, wo Kommissar Kurt Wallander tätig ist, explodiert wenig später das Haus zweier ehrbarer Schwestern. Und zu guter Letzt wird Wallanders Vater in Ägypten wegen Pyramidenbesteigung verhaftet. Unser Serienheld hatte es offenbar schon im Jahr 1989 nicht leicht in seinem Beruf.

Der Autor
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TKKG junior – Die Geisterjagd (Folge 29)

Die Handlung:

Bei einer Freundin von Karls Mutter spukt es. Dinge verschwinden, im Haus gibt es seltsame Geräusche und nachts geht ein Gespenst um. Das klingt nach einem sehr außergewöhnlichen Fall für TKKG! Bei einem Wochenendbesuch wollen die Juniordetektive der Sache auf den Grund gehen. Aber nicht jeder der Hausbewohner ist von ihrem Besuch begeistert. Werden Tim, Karl, Klößchen, Gaby und Oskar es trotzdem schaffen, Licht in diese Gruselgeschichte zu bringen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Who you gonna call? TKKG junior! Eine Geistergeschichte hatten wir in der Kinder- und Jugendhörspielwelt (bis auf HUI BUH) von EUROPA schon länger nicht mehr, oder? Auch wenn mutmaßlich auch hier wieder ein echter Mensch mit einem echten Motiv dahinterstecken wird, ists mal wieder etwas anderes.

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Fünf Freunde und die verlassene Villa (Folge 156)

Die Handlung:

Nach einem Sturm entdeckt George hinter einem eingebrochenen Zaun eine Villa, in der niemand mehr zu wohnen scheint. In dem verwilderten Garten gräbt Timmy zufällig einen Schlüssel aus der Erde, der jedoch nicht zu den Türen der Villa passt. Kurz darauf tauchen noch mehr Fragen auf. Wem gehört die Villa? Warum schleichen sich zwei Männer heimlich in den Garten? Warum sehen die Fünf Freunde ein und dieselbe Person zur selben Zeit an zwei verschiedenen Orten? Und was hat das alles mit dem Banküberfall zu tun, der sechs Jahre zurückliegt? Mit viel Mut und Klugheit lösen die Freunde auch dieses Rätsel. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Jetzt wirklich? Es gibt in/auf Kirrin eine Villa, deren Besitzer niemand kennt? Hier kennt doch jeder jeden, weil … so viele Leute wohnen hier doch gar nicht! Und wieso haben die Kids denn Frühjahrsferien? Die hatten sie doch noch nie (meine ich), sondern immer nur Sommerferien. Hmmm …

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Val McDermid – Schleichendes Gift (Lesung)

Zwischen Bomben und Gift ein Geheimnis

In der Stadt Bradfield bricht Panik aus: Erst wird ein Fußball-Star vergiftet, kurz darauf explodiert im Fußballstadion eine Bombe. Viele werden verletzt, Dutzende sterben. Handelte es sich um einen Terroranschlag oder um einen persönlichen Rachefeldzug? Der sympathisch-verschrobene Profiler Tony Hill soll mit seiner taffen Kollegin DCI Carol Jordan dem Wahnsinn nachgehen. Das Ermittlerduo stößt dabei in ein Wespennest aus Grausamkeit und Gewalt. (Verlagsinfo)
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Kai Meyer – Das Buch von Eden (Lesung)

Im Jahre 1257. In einem französischen Kloster wird die „Lumina“ gehütet – die letzte Pflanze des Gartens Eden. Als Schergen des Erzbischofs von Köln, der die Pflanze haben will, das Kloster überfallen, überlebt nur die Novizin Favola. Als Hüterin der Lumina obliegt ihr deren Schutz. Mit Gefährten macht sie sich auf eine gefährliche Reise gen Arabien. Sie wollen die Lumina an den Ort zurückbringen, an dem der Bibel nach einst der Garten Eden gelegen haben soll. (Verlagsinformation)
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Navarro, Julia – stumme Bruderschaft, Die

Auf den Turiner Dom wird – nicht zum ersten Mal – ein Brandanschlag verübt. Die Feuerwehr erscheint auch diesmal rechtzeitig, um das Schlimmste zu verhindern. Der bedeutendste Schatz des Doms, das heilige Grabtuch Christi, bleibt unversehrt. Allerdings wird im Kirchenschiff die Leiche eines Mannes entdeckt, dem die Zunge herausgeschnitten wurde …

Besteht ein Zusammenhang zwischen ihm und einem in Turin Inhaftierten, dem ebenfalls die Zunge fehlt? Kommissar Marco Valoni vermutet es. Bei seinen Ermittlungen unterstützen ihn u. a. die Archäologin Sofia Galloni und die Journalistin Ana Jiménez. Allmählich stellt sich heraus: Zwei konkurrierende Geheimbünde wollen das Grabtuch jeweils für sich. Dieser brutale und blutige Kampf reicht bis zu den Anfängen des Christentums zurück. Die Kontrahenten schrecken vor Mord nicht zurück.

_Die Autorin_

Julia Navarro, geboren 1953, ist „politische Journalistin“ und arbeitet für renommierte Zeitungen sowie Radio- und Fernsehsender Spaniens. Mit ihrem vorliegenden literarischen Debüt gelangte sie auf die Bestsellerlisten ihres Landes. (Verlagsinfo) Dass sich Felipe Gonzalez, der frühere Regierungschef, lobend äußerte, schadete sicherlich auch nicht.

_Der Sprecher_

Johannes Steck, 1966 in Würzburg geboren, studierte nach seiner Ausbildung zum Theatermaler an der Schauspielschule in Wien. In der ARD-Produktion „In aller Freundschaft“ spielt er „Dr. Achim Kreutzer“. Für den |Audiobuch|-Verlag hat er u. a. [„Welt in Angst“ 880 von Michael Crichton gelesen. (Verlagsinfo) Regie führte Heiko Schlachter.

_Handlung_

Der erste der vier Handlungsstränge beginnt keineswegs im Turin der Gegenwart, sondern im 1. Jahrhundert in Anatolien. Abgarus, der König von Edessa, schreibt an Jesus von Nazareth, um den Wunderheiler und Gottessohn zu bitten, ihn von einer Geschlechtskrankheit zu kurieren. (Natürlich drückt er sich etwas vornehmer aus.) Diesen Brief soll Abgarus‘ Jugendfreund Josar überbringen. Dieser war Zeuge des Wunders von Lazarus. Als Lohn will Abgarus sein Reich mit Jesus teilen.

In seiner Antwort, die wieder der treue Josar überbringt, erwidert Jesus wider Erwarten, er entsage der Welt, prophezeit sein eigenes Schicksal. Doch er kündigt einen Jünger an, der bald den König besuchen werde. Danach geschieht alles so, wie es bei Matthäus nachzulesen ist, und Josar wird Augenzeuge – vom letzten Abendmahl bis zur Grablegung. Der Kaufmann Joseph von Arimathia hat Jesu Leichnam in feines Tuch gehüllt. Nachdem Jesus nach drei Tagen die Fliege gemacht hat, nimmt Josar das Grabtuch an sich und bringt es seinem Freund und König nach Edessa.

Fest von seinem Glauben an Jesu Macht überzeugt, hüllt er Abgarus in das Grabtuch ein, auf dem die Gestalt und das Gesicht des Gottessohnes zu sehen sind. Das Wunder geschieht und Abgarus genest. Doch was soll nun mit der Reliquie geschehen? Das könnte ein Problem werden, denn Reliquien haben die leidige Eigenschaft, Gläubige in Scharen anzuziehen und Ungläubige zur Weißglut zu treiben. Abgarus lässt Josar zunächst einen genauen Bericht der Ereignisse anfertigen und vervielfältigen. Dieses Evangelium ist sozusagen die Echtheitsbescheinigung für das Tuch.

Für das Tuch selbst lässt der König einen Tempel errichten und die Reliquie von einer Bruderschaft bewachen. Wie notwendig dieser Schutz ist, erweist sich schon bald, als Mano, Abgarus‘ Sohn, den Sturz seines Vaters in Gang setzt …

20. Jahrhundert: Turin, Rom, New York City etc.

Spezialdezernent Marco Valloni ist erleichtert: Nach einem Brand in der Kathedrale von Turin, bei dem das Chaos ausbrach, stellt sich heraus, dass der größte Schatz der Kirche, das berühmte Grabtuch Christi, immer noch an seinem Platz ist. Was ihn jedoch stört, ist die Tatsache, dass dies bereits der dritte Brand binnen weniger Jahre gewesen ist. Einen Möchtegerndieb hat er selbst festgenommen und in den Knast geschickt. Da der Häftling allerdings weder über Zunge noch Fingerabdrücke verfügt, ist weder seine Identität festzustellen noch ein Geständnis aus ihm hervorzulocken.

Das war anno 1997, als Marco 50 Jahre alt war und schon damals das Dezernat für Kunstdelikte im römischen Innenministrium leitete. Seinem Team gehören mehrere Polizisten und Kunstexperten an. Was aber die Ermittlungen stets ein wenig behindert, ist die undurchsichtige Hierarchie der römisch-katholischen Kirche, insbesonders seitens des Turiner Kardinals und seiner Untergebenen. Wer weiß da schon, wer für welche Hintermänner arbeitet? Pater Yves Charney beispielsweise: ein Bursche, der viel zu sportlich aussieht, als dass er nur ein harmloses Mönchlein sein könnte.

Auch diesmal findet sich wieder ein Mann mit herausgeschnittener Zunge und abgebrannten Fingerspitzen. Leider auch noch mausetot. Als Brandursache wird Kurzschluss ermittelt. Als Marcos Kollegin, die schlaue Dottoressa Sofia Galloni, gegen den Bauunternehmer ermittelt, stößt sie in Umberto dall’Acqua nicht nur auf einen sehr attraktiven (ledigen!) und mächtigen Firmenboss mit besten Verbindungen, sondern auch auf den Kopf einer Organisation, deren Ziele ihr vorerst verborgen bleiben. Aber alle Angehörigen dieser Bruderschaft scheinen keusch zu leben und Archäologie zu betreiben.

Es ist der Vorschlag von Sofia, den inhaftierten Stummen als Trojanisches Pferd zu benutzen, um an dessen Auftraggeber heranzukommen, die ja wohl auch mit dem neuesten Brand zu tun haben müssen. Und so kommt es, dass sich drei oder mehr Organisationen gleichzeitig auf den Tag und die Stunde vorbereiten, in der dieser potenzielle Verräter die Mauern des Gefängnisses von Turin verlässt.

Wie sich herausstellt, wird dieser Tag für viele Beteiligte nicht nur neue Erkenntnisse, sondern auch den Tod bringen. Auch für Marco und Sofia?

_Mein Eindruck_

Offensichtlich hat der gigantische Erfolg von Dan Browns Megaseller [„The Da Vinci Code / Sakrileg“ 184 zahlreiche Autoren und Autorinnen davon überzeugt, dass in der Verbindung aus Gegenwart und mysteriöser Vergangenheit eine wahre Goldgrube liegt. Wer findig genug ist, dem dürfte es ja wohl auch gelingen, einen weiteren Stollen in diesen Goldberg zu treiben und sein Scherflein an Tantiemen davonzutragen.

Der Roman von Julia Navarro ist lediglich ein weiterer Versuch, eine Kopie von Dan Browns erfolgreicher Kombination aus Kunstgeschichte, Zeichenlehre und Religionsmystik anzufertigen. Die „politische Journalistin“ aus Spanien mag über die Recherchefähigkeiten verfügen, um die notwendigen Fakten aus aller Herren Länder zusammenzutragen. Doch wenn es darum geht, eine knackige Thrillerstory zu zimmern, erweisen sich ihre kreativen Fähigkeiten als begrenzt. (Damit steht sie allerdings nicht allein – so viel zu ihrer Entschuldigung.)

Es ist ja alles schön und gut, wenn die Männer stark, entschlossen und verschlagen sind, doch die Frauen müssen intelligent, entschlossen und obendrein auch noch schön genug sein, um diesen Herrschaften Paroli bieten zu können. Klischees feiern ein festliches Stelldichein.

Das wäre ja gut zu ertragen, wenn der Plot ein bisschen weniger vorhersehbar wäre. Schon zu Beginn wissen wir, dass es um den Besitz oder Nichtbesitz des Grabtuches geht. Allmählich bildet sich zwei konkurrierende Bruderschaften heraus, von denen die eine die titelgebende stumme ist. Wie es zur Entstehung der beiden Sekten kam, habe ich oben zu skizzieren versucht. Die Autorin flicht die Szenen, die deren Werdegang durch zwei Jahrtausende Christentum nachzeichnen, nach und nach ein, ungefähr so, wie Sofia recherchieren würde. Am Ende ihrer Ermittlungen genügt ein Sätzchen, um all diese Szenen als bekannt vorauszusetzen und mit der Gegenwart zu verknüpfen. Das ist dramaturgisch geschickt gemacht und erspart dem Leser die langen ermüdenden Monologe, die wir aus „Sakrileg“ kennen.

Es gibt jedoch einen Aspekt, der der Autorin zur Ehre gereicht: Sie weiß ja, dass wir wissen, dass die Wissenschaft das Grabtuch als aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammend identifiziert hat. Wo also ist das echte, originale Grabtuch aus dem 1. Jahrhundert abgeblieben, das sie zu Beginn so schön eingeführt hat? Ganz einfach: Das Turiner Grabtuch muss eine Kopie sein. Damit schlägt sie zwei Fliegen mit einer Klappe. Erstens ist die Christenheit beruhigt, denn nun könnte sich das neuere Grabtuch ja doch als wundermächtig und verehrungswürdig erweisen, und zweitens eröffnet sich uns nun ein weiteres Rätsel: Wer hat das Original und wo befindet es sich heute?

Angesichts der Fülle an mysteriösen christlichen Organisationen wie den Tempelrittern (vgl. Umberto Eco etc.), den Katharern (Gralslegende), diversen Kreuzfahrern (mehr Gralslegenden) und dem Opus Dei (steckt der Vatikan dahinter?) stehen den Spekulationen Tür und Tor offen. Fortsetzung folgt?

|Der Sprecher|

Dem Sprecher gelingt es, die durch die Klischees vorgegebenen Figuren einigermaßen zum Leben zu erwecken. Marco Valloni ist stets der brummige, knurrige und unzufriedene Commissario, der sich mit nervigen kirchlichen Hoheiten herumschlagen und dennoch seinen Job ordentlich tun muss. Seine Stimme ist entsprechend tief angelegt. Sein genaues Gegenteil stellt Dottoressa Sofia Galloni dar, die in einer Gelehrtenwelt agiert, die voller Geheimnisse steckt – und unerwartete Freuden bereithält, die auch auf zwei Beinen daherkommen können (Pinguine sind leider disqualifiziert, sorry). Ihre Stimme ist entsprechend höher angelegt. Allerdings ist diese Tonhöhe durch die männlichen Stimmbänder des Sprechers sehr begrenzt. Rufus Beck könnte in dieser Hinsicht sehr viel mehr Eindruck hinterlassen.

|Geräusche|

Vielen Szenen sind kurze Einblendungen von Geräuschen oder Klängen vorgeschaltet. Das kann den Hörer manchmal etwas verblüffen. Immerhin gibt zum Beispiel eine Klangcollage aus Verkehrsgeräuschen einen Hinweise darauf, dass die folgende Szene in unserer Gegenwart spielt. Anderen Szenen ist nur eine Art künstlicher Glockenklang vorgeschaltet – die Szene könnte aus der Vergangenheit stammen. In keiner Szene stört jedoch Hintergrundmusik beim akustischen Verstehen des Textvortrags. Somit gibt es in dieser Hinsicht keine Schwierigkeiten.

_Unterm Strich_

Wer „Illuminati“ und vor allem „Sakrileg“ mochte, der dürfte auch für „Die stumme Bruderschaft“ Interesse aufbringen. So lautet zumindest die Kalkulation der Autorin und ihres Verlags. Allerdings wird durch die – bis auf das Finale – unblutige Durchführung des Plots stark auf eine weibliche Leserschaft Rücksicht genommen. Und dass die Leidensgeschichte Jesu als historisch abgesegneter Aufhänger vorausgesetzt wird, stellt den ganzen Roman in die Ecke der gläubigen Katholiken, wie man sie besonders in Italien, Spanien und Frankreich wohl noch etwas häufiger als in protestantisch reformierten Ländern finden dürfte.

Wer diese beiden Faktoren als Hindernis empfindet, für den dürfte die Geschichte der beiden Tuchbruderschaften wenig Interesse bereithalten. Beiden Bruderschaften unterstellt die Autorin ehrenwerte Ziele, auch wenn sie vielleicht entgegengesetzt sind. Die katholische Kirche ist stets fein raus, auch wenn sich die Sekten auf ihrem Grund und Boden kloppen. Dass es zwei Tücher gibt, weiß sie gut zu verbergen.

Das actionreiche Finale liefert zwar einen Showdown, ist aber ein wenig kurz geraten – zumindest im gekürzten Hörbuch. Nun kommt auch der Thrillerfreund zu seinem Recht. Leider viel zu spät, meiner Ansicht nach, denn es fehlt an ausreichend vielen dramaturgischen Höhepunkten in der Mitte des Buches, um die Spannung auf einem gleich hohen Niveau zu halten.

|Handhabung|

Was mich bei der Handhabung dieses Exemplars genervt hat, war von vornherein die mindere Qualität der Jewelbox. Derart klapprige CD-Aufhängungen führen dazu, dass die CDs lose herumklappern und allzu leicht herausfallen können. Der Missstand ist auch nicht durch Zurückdrücken in die Halterungen zu beheben, denn es sind ja gerade diese, die so minderwertig produziert wurden.

Auch ein Booklet fehlt, doch bringt dieser Umstand der CD keinen Minuspunkt ein, denn viele andere Verlage (z. B. |Lübbe|) legen auch keines bei. Dadurch ist der Hörer auf eigene Notizen angewiesen, um sich über die Vielfalt des Personals einen Überblick zu verschaffen. Ein Booklet mit diesen Infos hätte hier aber zumindest einen Pluspunkt eingebracht.

|Originaltitel: La Hermandad de la Sábana Santa, 2004
405 Minuten auf 6 CDs|

H. P. Lovecraft – Die Farbe aus dem All (Gruselkabinett 90)

Außerirdischer Besuch auf der verfluchten Heide

Amerika in den 1930er Jahren: In den Hügeln westlich von Arkham gehen seit dem Einschlag eines Meteoriten auf dem Gelände einer Farm äußerst seltsame, geradezu beunruhigende Dinge vor. Nun soll genau dort, unter anderem in dem von den Einheimischen „verfluchten Heide“ genannten Gebiet, ein gewaltiger Stausee entstehen, um die Wasserversorgung der Stadt auf Jahrzehnte hinaus zu sichern… (Verlagsinfo)

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Stephen King – Holly (Lesung)

Die Handlung:

Privatermittlerin Holly Gibney steckt in einer Lebenskrise, da erhält sie einen Anruf: »Meine Tochter Bonnie ist vor drei Wochen verschwunden, und die Polizei unternimmt nichts.« Ihre Nachforschungen führen Holly zu einer weit zurückreichenden Liste ungelöster Vermisstenfälle. Alle spielen im Umfeld eines inzwischen emeritierten Ernährungswissenschaftlers mit dem Spitznamen »Mr. Meat«. Holly hat schon gegen grausame Gegner bestanden, aber hier begegnet sie dem schlimmsten aller Ungeheuer: dem Menschen in seinem Wahn. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Moment … Holly? Holly Gibney? Kennen wir die nicht? Klar, kennen wir die! Und wer alle drei Romane aus Kings „Mr.-Mercedes“-Reihe verschlungen hat, der hat sogar ihre komplette Entwicklung miterleben können. Von der Schüchternen, über die Partnerin, bis hin zur toughen Privatermittlerin. Stephen King sagt selbst, dass sie eigentlich nur eine Randfigur hätte werden und bleiben sollen, aber dann habe sie sein Herz erobert. Und so lässt er die Eigendynamik weiterleben, ganz zur Freude aller Holly-Fans. Er hatte auch eigentlich noch gar keine Story für sie im Kopf, nur eine Szene: Holly erlebt die Beerdigung ihrer Mutter per Zoom-Call. Traurig, aber noch keine Geschichte. Und dann las er eine Schlagzeile in einer Zeitung und schon hatte er seine Antagonisten gefunden.

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Stephen King – Puls (Lesung)

Wie Silvester in der Hölle

Das Grauen kommt nicht aus Gräbern oder aus dem Weltraum. Es ist mitten unter uns und steckt in jeder Handtasche. Das Handy ist ein moderner Heilsbringer, doch in Stephen Kings „Puls“ kommt mit dem Klingelton Wahnsinn und Tod. Der neue große Roman von Stephen King, dem „brillanten Geschichtenerzähler aus Maine“ (SPIEGEL) ist nichts für schwache Nerven. (Verlagsinfo)

Dieses Buch ist Richard Matheson, Autor der verfilmten Endzeitvision „Ich bin Legende“, und dem Zombie-Spezialisten George Romero gewidmet. Der kundige Leser ist gewarnt.

Der Autor

Stephen King, geboren 1947 in Portland, Maine, ist einer der erfolgreichsten amerikanischen Schriftsteller. Schon als Student veröffentlichte er Kurzgeschichten, sein erster Romanerfolg, „Carrie“ (verfilmt), erlaubte ihm, sich nur noch dem Schreiben zu widmen. Seitdem hat er weltweit 400 Mio. Büchern in mehr als 40 Sprachen verkauft. Im November 2003 erhielt er den Sonderpreis der National Book Foundation für sein Lebenswerk. (Verlagsinfo) Er lebt in Bangor, Maine, und Florida. Seine Erstleserin ist immer noch seine Frau Tabitha King.
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Sandra Brown – Crush – Gier (Lesung)

Dank der angesehenen Ärztin Rennie Newton wird der Berufskiller Lozada in Texas freigesprochen. Doch dann geschieht ein Mord, der Rennie sehr gelegen kommt, und alle Hinweise deuten auf Lozada als Täter. Steckt sie mit ihm unter einer Decke? Polizist Threadgill, der sich in die Verdächtige verliebt, hält sie für unschuldig und begibt sich in die Schusslinie zwischen der Ärztin und dem Killer, der ihr seine Liebe etwas zu aufdringlich mitteilt. Aber liegt er auch richtig?

Die Autorin
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Cornwell, Patricia – Body Farm – Das geheime ABC der Toten

_Actionfinale: Ermittlung mit Showdown_

Der grausame Mord an der elfjährigen Emily Steiner schockiert die Kleinstadt Black Mountain in North Carolina. Chefpathologin und FBI-Beraterin Dr. Kay Scarpetta steht scheinbar unlösbaren Rätseln. Was verschweigt Emilys Mutter? Hat der mysteriöse Selbstmord des FBI-Agenten Max Ferguson etwas mit dem Mord an Emily zu tun? Als sie schließlich einen Fleck auf Emilys Gesäß entdeckt, hat sie einen schrecklichen Verdacht. Scarpetta weiß, dass ihr jetzt nur noch die „Body Farm“ helfen kann: ein Labor, das menschliche Verwesungsprozesse erforscht.

Kay Scarpettas fünfter Fall erschien 1995 unter dem deutschen Titel „Das geheime ABC der Toten“. Jetzt erscheint der Roman erstmals auch im Hörbuch.

_Die Autorin_

Patricia Cornwell, 1956 in Miami geboren, war Polizeireporterin und Computerspezialistin am Gerichtsmedizinischen Institut von Virginia, bevor sie zu schreiben begann. Mit den Thrillern um ihr literarisches Alter Ego, die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta, wurde sie zur „erfolgreichsten Thrillerautorin der Welt“ (Der Spiegel). Cornwell lebt allein in Richmond / Virginia und in Malibu / Kalifornien. (Verlagsinfo)

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla war Moderatorin bei |n-tv|, |SAT.1| und bei der |BBC| in London. Als eine der bekanntesten Sprecherinnen synchronisiert sie Gillian Anderson aus „Akte X“, Demi Moore, Fanny Ardant und Sharon Stone. Auch als Erzählerin bei „Galileo“-Dokumentation ist sie regelmäßig im Off zu hören. Für |Hoffmann & Campe| hat Pigulla bereits mehrere Romane vorgetragen:

– Blinder Passagier
– Das letzte Revier
– [Das fünfte Paar 2142
– [Brandherd 3926
– [Die Dämonen ruhen nicht 729
– [Defekt 3961
– Gefahr
– [Staub 1237

Weitere Cornwell-Hörbücher: [„Wer war Jack the Ripper? – Portrait eines Killers“; 97 „Die Tote ohne Namen“.

Der Text wurde von Rainer Scheer gekürzt. Regie führte Vlatko Kucan, die Aufnahme fand im TrueMuze Rec Studio, Hamburg, statt.

_Handlung_

Die staatliche Chefpathologin Dr. Kay Scarpetta arbeitet auf Bitte des Chefprofilers Benton Westley auch als FBI-Beraterin in der FBI-Akademie von Quantico. Heute trifft auch Captain Pete Marino von der Polizei ein, mit dem sie in Richmond / Virginia schon lange zusammengearbeitet hat. Er arbeitet für das VICAP-Forschungsprogramm des FBI, das dazu dient, Gewaltverbrecher schneller aufzuspüren und zu fassen.

Dem gleichen Ziel hat sich auch Kays 21-jährige Nichte Lucy verschrieben, die als Praktikantin im technischen Labor des FBI arbeitet, einem Hochsicherheitstrakt. Nur die Fürsprache eines Senators hat der Studentin Lucy diesen höchst begehrten Job verschafft. Sie entwickelt Software, mit der sich Fingerabdrücke und Spuren sofort erfassen und zuordnen lassen. Die Software trägt den ominösen Namen CAIN, nach dem ersten Mörder der biblischen Geschichte.

Heute, am 16. Oktober, befassen sich die führenden Köpfe von Westleys Abteilung mit dem Mordfall Emily Steiner. Die Elfjährige aus dem Bergstädtchen Black Mountain, die am 1. Oktober verschwand, wurde sechs Tage später am Ufer des Lake Tomahawk von einem Angler gefunden. Ihre Leiche war unbekleidet und immer noch mit einem orangefarbenen Band gefesselt. Ein Kopfschuss in den Hinterkopf scheint ihrem Leben ein vorzeitiges Ende gesetzt zu haben.

Max Ferguson, ein lokaler FBI-Agent, und der Polizist Hershel Moat aus Black Mountain berichten, dass dem Verschwinden Emilys ein Überfall auf deren Mutter Denisa vorausgegangen sei, denn der Täter habe sie gefesselt und in einem Schrank eingesperrt, bevor er sich Emily schnappte. Benton Westley und Scarpetta ist der Modus Operandi bekannt und sie beschleicht ein schlimmer Verdacht. Wie Emily wurde auch der Junge Eddie Heath vor zwei Jahren – es war Marinos Fall – getötet. Der Täter war damals ein gewisser Temple Gort, der immer noch flüchtig ist.

Was aber Scarpetta stutzig macht, ist der Umstand, dass auf die beträchtliche Gewalt, die Emily zugefügt wurde, die passenden Körperraktionen fehlen. Es ist geradeso, als sei sie bereits tot gewesen, als man ihr eine Kugel durch den Kopf jagte. Außerdem scheint sie dehydriert gewesen zu sein, war also vielleicht tagelang gefangen. Sie bittet Westley, die Leiche exhumieren zu dürfen. Ist okay.

Doch als Kay, Westley und Marino Tage später in Asheville bei Black Mountain eintreffen, erleben sie eine Überraschung. Max Ferguson hat sich offenbar selbst getötet, und sein Kollege Hershel Moat fällt um ein Haar einem Herzinfarkt zum Opfer. Scarpetta kann ihn wiederbeleben, doch dann findet sie auch einiges an Fergusons Selbstmord merkwürdig. Mit Hilfe eines Spezialisten von der „Body Farm“, einem Institut zur Untersuchung des menschlichen Verwesungsprozesses, findet sie einen Fingerabdruck auf dem femininen Nylonhöschen, das Ferguson trug. Der Fingerabdruck stammt seltsamerweise von Denisa Steiner, Emilys Mutter …

Westley alarmiert Scarpetta. Lucy wurde beurlaubt, weil sie in ihrer FBI-Abteilung spioniert habe. Man fand ihren Fingerabdruck am entsprechenden Zugangsprüfgerät, einem Scanner, und ihre persönliche Kennziffer (PIN) im Computer. Scarpetta kann nur den Kopf schütteln: Wieso sollte ihre Lucy ihren Job durch Spionage gefährden und sich dann auch noch so dämlich anstellen? Doch selbst wenn Westley seit kurzem Scarpettas Liebhaber ist, so kann er doch nichts gegen die Vorschriften unternehmen. Sie macht sich selbst auf den Weg, um der Sache auf den Grund zu gehen.

Sie hätte nicht damit gerechnet, dass mal ein Mordanschlag auf sie verübt werden würde. Leider wird dabei nicht sie das Opfer, sondern Lucy. Denn Lucy hatte sich den Mercedes ihrer Tante ausgeliehen. Nun liegt sie mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus von Richmond. Wer hat es auf Scarpetta abgesehen?

_Mein Eindruck_

Im Vordergrund dieses verzwickten Falls steht natürlich, wie es sich gehört, die Aufklärung des Mordfalls Emily Steiners. Dies ist für Scarpetta wirklich eine Herzensangelegenheit, denn wenn Kinder getötet werden, so fühlt sie sich stets besonders betroffen. Doch diesmal hat sie es, ohne es zu ahnen, mit einem richtiggehenden Monster zu tun. Ist es wirklich Temple Gort, der Emily auf dem Gewissen hat? Allmählich kommen Scarpetta Zweifel, denn Gort hat seine Opfer nie sexuell missbraucht, bevor er sie mit einem einzigen Kopfschuss hinrichtete. Und es waren stets Jungs …

Allerdings erfährt Scarpetta von Pete Marino herzlich wenig Unterstützung in diesem Fall. Aus irgendeinem Grund scheint Marino seine Hirntätigkeit eingestellt zu haben und verlässt sich nur noch auf Gerüchte und – ist es zu fassen! – auf die öffentliche Meinung. Diese Meinung richtet sich gegen den Hausmeister von Emilys Schule, einen jungen, ungebildeten Mann, der mit einem Unfall mit Fahrerflucht in Verbindung gebracht wird. Und wenn Marino nicht aufpasst, trägt er noch zu einem Lynchmord bei. Als Scarpetta diesen Hausmeister auf eigene Faust besucht, gelangt sie zu der Überzeugung, dass er nichts mit Emilys Tod zu tun hat. Er ist der Letzte, der das Mädchen an jenem Tag sah – sie ging nach Hause.

Ohne sich durch den bizarren Selbstmord Max Fergusons aus dem Konzept bringen zu lassen, lässt sie Emily exhumieren und stößt auf ein paar sonderbare Entdeckungen. Auch als sie sich Denisa Steiner einmal näher vorknöpft, kommt ihr einiges an der schönen Kalifornierin mit der attraktiven Figur merkwürdig vor. So etwa starb ihr Mann Charles, ein Religionslehrer, an einem Herzinfarkt, und sie behauptet, zwölf Jahre vor Emily schon einmal eine Tochter verloren zu haben, MaryJo. Sie sei im Alter von einem Jahr an plötzlichem Kindstod gestorben.

Nun weiß Scarpetta jedoch als Medizinerin, dass der plötzliche Kindstod durch Atemstillstand meist nur innerhalb von drei Monaten nach der Geburt, höchstens aber binnen sechs Monaten auftritt, niemals aber binnen zwölf Monaten. Kein Wunder also, dass ihre Freundin, eine Verwalterin des Geburts- und Sterberegisters von Richmond, in Kalifornien keinen Vermerk über den Tod einer MaryJo Steiner finden kann. Was verbirgt Denisa Steiner? Und wieso hat sich Pete Marino mit ihr eingelassen?

|Die Body Farm|

Die Rolle der Body Farm gibt dem Krimi seinen Titel, daher soll etwas näher auf diese einzigartige Einrichtung eingegangen werden.

Als einziger forensischer Anthropologe der Uni von Tennessee und Sonderberater der Polizei von Knoxville bekam Dr. Bill Bass sehr viele Tote zu sehen. Aber da sein Wissen eingeschränkt und nicht viel weiter fortgeschritten war als das des Chinesen Sung-Tzu 740 Jahre zuvor, musste er die empirische Methode der Body Farm anwenden. Praktische Anschauung sollte ihn lehren, was nach dem Tod wirklich mit einem Körper passiert, wenn er – unter unterschiedlichsten Umständen – verwest. Die Body Farm wurde ca. 1977 gegründet.

Die erworbenen Erkenntnisse tragen bis heute dazu bei, Art, Ursache und Zeitpunkt eines Todes festzustellen, genauso wie alle relevanten Eigenschaften eines Opfers. Alle diese Faktoren sind wesentliche Beiträge, um einen Täter für bestimmte Taten dingfest zu machen. Selbst eine Abweichung um einen Tag kann eine erhebliche Minderung des Strafmaßes zur Folge haben. Da aber Genauigkeit nicht reicht, müssen auch interdisziplinäres Teamwork und langfristige Erfahrung helfen – deshalb auch die Body Farm.

Kay Scarpetta stellt dort ein Experiment an, in dem sie prüfen lassen will, ob der Fleck auf Emilys Gesäß von einem Metallgegenstand herrühren könnte. Diese Vermutung bestätigt sich. Und als sie das entsprechende Foto untersucht, entdeckt sie auch, um welchen Metallgegenstand es sich handelt – um eine Münze …

|Münchhausen|

Es ist schwierig, auf die einzigartige Psychologie des Täters einzugehen, ohne seine bzw. ihre Identität zu verraten. Dennoch lässt sich sagen, dass Scarpetta auf ein interessantes Phänomen stößt, das sie als „Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom“ bezeichnet. Bekanntlich hat Baron Münchhausen eine Menge Lügengeschichten erzählt, so etwa jene, wie er sich an seinem eigenen Zopf aus einem Sumpf herauszog und auf einer Kanonenkugel flog.

Nun muss man sich aber fragen, wozu jemand solche Geschichten erzählen sollte. Die erste Wirkung ist die der Aufmerksamkeit, die dem Erzähler sofort geschenkt wird. Wenn es sich um eine tragische Geschichte oder ein betrübliches Ereignis handelt, so ist dem Erzähler nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch noch Mitgefühl sicher. Der Erzähler braucht also nur die nötigen Ereignisse und Menschen so zu manipulieren, dass die maximale gewünschte Wirkung erzielt wird, von der er dann emotional profitiert. Eine solche Person kommt im Roman vor, ein Monster von unvorstellbarer Grausamkeit.

|Die Sprecherin|

Franziska Pigulla macht aus dem spannenden Buch der Cornwell ein Hörerlebnis, an das man sich noch gerne erinnert. Dabei ragen mehrere Figuren, die sie ausgezeichnet charakterisiert, heraus. Am meisten im Gedächtnis ist mir Pete Marino geblieben. Er redet mit einer tiefen grollenden Stimme, bei der man sich fragt, wie die Pigulla sie wohl hinkriegt. In seinem umgangssprachlichen Deutsch drückt er sich stets ein wenig grantig aus, und je mehr Streit er mit Scarpetta hat, desto wütender klingt. Er ist auch der Einzige, der so etwas wie Humor in die Handlung einbringt, selbst wenn sein Humor mehr von der sarkastischen Sorte ist.

Marinos Macho-Stil steht im krassen Gegensatz zu Benton Westley, der sich einer kultivierten und stets kontrollierten Ausdrucksweise befleißigt. Ähnlich klingt auch Senator Frank Lord. Mehr wie Marino klingt der verdächtigte Hausmeister Creed Lindsay, der eine richtige Hinterwäldlertype ist. Ähnlich wie Lindsay klingt der Bestattungsunternehmer Lucius Ray, der an gewisse Gschaftlhuber aus Oberbayern erinnert, denn er ist stets auf seinen eigenen Profit und Vorteil bedacht.

Unter den weiblichen Figuren ist es schwierig zu unterscheiden, welche Ausdrucksweise zu welcher Figur gehört. Scarpetta klingt ziemlich männlich tief, doch nicht unähnlich ihrer Nichte, für die sie wie eine Mutter sorgt (Lucys eigene Mutter Dorothy, Kays Schwester, ist verglichen damit ein richtiges Rabenaas). Sehr erfreulich ist die Figur der Notarin Gloria Lovings, eine Energie und Frohsinn ausstrahlende Matrone.

Der schwierigste Part für die Sprecherin war sicherlich die Figur der Denisa Steiner. Wie spricht man eine sinnlich-verführerische Mutter, die eine ziemlich undurchsichtige Rolle spielt? Man muss schon genau hinhören, um die anzüglichen Untertöne herauszuhören, mit denen Denisa Steiner ihre Rivalin Kay Scarpetta (beide stehen in einem Verhältnis zu Marino und zu Emily) herausfordert.

Alle diese Figuren setzt die Sprecherin zusätzlich noch bestimmten Situationen aus. Ganz besonders betroffen hat mich dabei die Darstellung des Polizisten Hershel Moat berührt, der in einem geschockten Zustand Meldung über den Tod seines Kollegen Max Ferguson zu machen versucht und dabei nur stockend hervorzustoßen vermag, was seine Augen sich wahrzunehmen weigern.

Auch die tränenreichen Gefühlsausbrüche von Denisa Steiner und Lucy gehören zu den bewegendsten Szenen. Sie stehen im direkten Kontrast zu den vielen aggressiven Szenen. Diese finden teils zwischen Scarpetta und Marino statt, aber auch zwischen Scarpetta und jener Frau, die Lucy die Spionageaffäre in die Schuhe geschoben hat. Hier ist die Sprecherin mit ihrer bedrohlichsten Stimmlage zu hören, und ein kalter Schauder lässt sich im Hörer wohl kaum vermeiden.

Es gibt bei dieser Hörbuchproduktion weder Geräusche noch Musik, nicht einmal Intro und Outro, so dass ich darüber keine Worte verlieren muss. Aber man fragt sich doch, warum dann die sechs CDs so teuer sind.

_Unterm Strich_

„Body Farm“ ist ein Thriller aus der Frühphase von Cornwells umfangreichem Werk. Hier weiß sie noch wirklich Action zu inszenieren: Autounfälle, Shootouts, Begegnungen mit lebenden Mördern, von Exhumierungen ganz zu schweigen, die ihren eigenen „Action“-Charme entwickeln. Auch an handfester Liebesromantik mangelt es nicht, denn Scarpetta geht mit einem verheirateten Mann ins Bett, und was Marino so treibt, wollen wir lieber nicht wissen.

Im Mittelpunkt steht jedoch immer die Ermittlung um Emily Steiners Tod. Steinchen um Steinchen setzt die Autorin mit ihrem Alter Ego Kay Scarpetta das Mosaik zusammen, bis sich ein schockierendes Bild ergibt, das aber nur einen unausweichlichen Schluss zulässt. Dies führt dann zur finalen Konfrontation. Statt also wie in „Defekt“ die Action auszublenden, wird diese hier noch gezeigt, und zwar mit einem richtigen Knalleffekt.

|Das Hörbuch|

Die Sprecherin Franziska Pigulla ist der entscheidende Faktor, der aus dem wie stets verzweigten Plot so etwas wie ein reales Szenario schafft, indem sie die Figuren durchweg sehr gekonnt und engagiert zum Leben erweckt. Seltsamerweise gelingt ihr dies mit Kay Scarpetta weniger gut, so dass es keine echte Hauptfigur gibt. Auch Benton Westley taugt nicht zum Helden – das ist noch am ehesten Pete Marino, der Polizist auf Abwegen. Er ist auch der Einzige, der für etwas Humor in der Geschichte beiträgt, und das weiß die Sprecherin sehr gut hervorzuheben.

Die Emotionalität, die Pigulla in ihren Vortragsstil investiert, ist nicht jedermanns Geschmack, rührt sie doch direkt an unsere eigenen Gefühle. Aber sie ist mittlerweile ein unverkennbares Kennzeichen der Cornwell-Hörbücher, das ich nicht mehr missen möchte, und wertet sie stets auf, wie ich finde.

|Originaltitel: The Body Farm, 1994
Aus dem US-Englischen übersetzt von Monika Blaich und Klaus Kamberger
435 Minuten auf 6 CDs|
http://www.hoca.de