Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Das Geheimnis der Marie Roget“ und „Der Teufel im Glockenstuhl“ wurde die 9. Staffel innerhalb des großen POE-Epos fortgesetzt. Die Vorgeschichte findet man in den vorangegangenen 36 Folgen sowie in dem Roman „Lebendig begraben“, erschienen bei Bastei-Lübbe.
USA um 1850. Der Mann ohne Gedächtnis, einst Insasse eines Irrenhauses und Opfer einer medizinischen Behandlung, weiß nun, wer er ist: Edgar Allan Poe. In seinem Grab ruht ein namenloser Landstreicher. Bei einem Aufenthalt auf dem Lande („Morella“) hat er entdeckt, dass er Eltern und Geschwister hat. Er muss sie finden, um seine Identität doch noch zu beweisen.
In Boston hat Poe drei falsche Zeugen für seine Identität als Dichter E.A. Poe gekauft, allerdings unter mehr als dubiosen Umständen. Er erreicht New York City unbeschadet, muss jedoch dort vom Gericht erfahren, dass die Gegenseite, sein Verleger und ein Journalist, ebenfalls gekaufte Zeugen aufbieten, die das Gegenteil beschwören werden. Poe verfällt auf einen teuflischen Plan, um diese Zeugen auszuschalten und so die Oberhand zu behalten… Edgar Allan Poe – Die Gestalt des Bösen (Folge 37) weiterlesen →
Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Der Teufel im Glockenturm“ wird die 9. Staffel innerhalb des großen POE-Epos fortgesetzt. Die Vorgeschichte findet man in den vorangegangenen 35 Folgen sowie in dem Roman „Lebendig begraben“, erschienen bei Bastei-Lübbe.
USA um 1850. Der Mann ohne Gedächtnis, einst Insasse eines Irrenhauses und Opfer einer medizinischen Behandlung, weiß nun, wer er ist: Edgar Allan Poe. In seinem Grab ruht ein namenloser Landstreicher. Bei einem Aufenthalt auf dem Lande („Morella“) hat er entdeckt, dass er Eltern und Geschwister hat. Er muss sie finden, um seine Identität doch noch zu beweisen.
Poes und Leonies weiterer Weg führt sie nach Boston, wo Poe ja geboren wurde. Hier trifft er Dr. Templeton wieder, seine Nemesis. Im Austausch für die von Poe gestohlenen Notizen Templetons bietet dieser ihm an, Poes Identität von drei gekauften Zeugen bestätigen zu lassen… Edgar Allan Poe – Der Teufel im Glockenturm. (Folge 36) weiterlesen →
Die Wiedergängerin: Poe auf den Spuren seiner Mutter
Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Ligeia“ beginnt die 9. Staffel innerhalb des großen POE-Epos. Die Vorgeschichte findet man in den vorangegangenen 33 Folgen sowie in dem Roman „Lebendig begraben“, erschienen bei Bastei-Lübbe.
USA um 1851. Der Mann ohne Gedächtnis, einst Insasse eines Irrenhauses und Opfer einer medizinischen Behandlung, weiß nun, wer er ist: Edgar Allan Poe. In seinem Grab ruht ein namenloser Landstreicher. Bei einem Aufenthalt auf dem Lande („Morella“) hat er entdeckt, dass er Eltern und Geschwister hat. Er muss sie finden, um seine Identität doch noch zu beweisen.
Eine erste Spur führt ihn nach Baltimore. Dort stößt er auf einen seltsamen Buchhändler, der etwas zu wissen scheint, aber hartnäckig schweigt. Poe findet in seiner Buchhandlung versteckt eine große Sammlung von Theaterzetteln. Auf ihnen wiederholt sich immer derselbe Name: Elizabeth Poe… Edgar Allan Poe – Ligeia (Folge 34) weiterlesen →
Was macht eine Riesenschildkröte im Hochmoor von Kirrin? Und wieso ist sie einen Tag später schon wieder verschwunden? Die Fünf Freunde gehen diesem rätselhaften Geschehen nach und geraten sofort in Schwierigkeiten – vor allem Julian, der aus den Händen dubioser Unbekannter befreit werden muss. Wer waren diese Männer? Was haben sie mit der Schildkröte zu tun? Und was weiß Justin – ein Junge, der Julian zum Verwechseln ähnlich sieht? Auf der Spur der Riesenschildkröte bestehen die Freunde ein aufregendes Abenteuer, um die Wahrheit herauszufinden. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Der Klappentext ist ja wirklich so ungewöhnlich lang wie Riesenschildkröten langsam sind. Ist Kirrin jetzt Teil der Galapagos-Inseln geworden? Ich bin gespannt. Gut, dass grad Sommerferien sind, wasn Zufall, oder?
Haben die drei ??? etwas mit dem Diebstahl des „Jadekönigs“ zu tun? Eine der wertvollsten Briefmarken der Welt ist verschwunden. Auf der Suche geraten die Detektive mitten hinein in ein lang gehütetes Familiengeheimnis. Können Justus, Peter und Bob den Jadekönig retten – oder werden sie sich an diesem Fall die Finger verbrennen? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ein Philatelisten-Abenteuer? Eher langweilig oder doch ein … zackiger … Fall? Wo und wann hätten die drei Jungs sich denn die Klappentextbriefmarke besorgen sollen … und vor allem: Warum?
Der Autor wirft Hörer und Jungdetektive mitten ins Drama. Krach, platsch, rums … in einer Villa wurde randaliert … eine Menge ist zu Bruch gegangen … und Peter und Bob stehen mittendrin. Hausbesitzer und Polizei sind auch schnell da … und nicht nur der Hörer hätte jetzt gern ein paar Antworten.
Ende des Jahres 3587: Nachdem sie gefährliche Missionen in den Tiefen des Alls bewältigt haben, sind Perry Rhodan und seine Gefährten mit der BASIS auf dem Rückweg zur Milchstraße. Womit niemand rechnen konnte: In der heimatlichen Sterneninsel herrscht eine explosive Lage. Der Hordenführer Amtranik, ein uraltes Wesen, folgt einem Plan, der vor einer Million Jahren entwickelt worden ist. Amtranik will die raumfahrenden Zivilisationen der Milchstraße vernichten. Vor einer Million Jahren konnten die Ritter der Tiefe seinen Angriff stoppen. Diesmal scheint es nur einen zu geben, der sich ihm entgegenstellen kann: Es ist Jen Salik, der letzte Ritter der Tiefe. Es kommt zum tödlichen Showdown zwischen dem Mann von der Erde und dem Krieger aus der Vergangenheit …
(Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Willkommen zum Zyklus-Abschluss der KOSMISCHEN BURGEN. Es könnte dramatisch werden und gewaltig knallen, denn pauschal haben wir in der letzten SILBER EDITION fast ausschließlich dem üblen Treiben des Ex-Schläfers Amtranik gelauscht.
Folge 1: [„Das dritte Auge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3907
Folge 2: [„Der Club der Höllensöhne“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3922
Folge 3: [„Das schwarze Amulett“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6690
Folge 4: „Das Erbe der Wächter“
Folge 5: [„Das Killer-Kommando“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6701
Folge 6: [„Das Glastonbury-Rätsel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6709
Folge 7: [„Drei Gräber in Sibirien“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6711
Folge 8: „Triaden-Terror“ (erscheint am 10.12.2010)
_Mysteriös: Der Cop als Ödipus und Magier_
Don Harris ist Agent des europäischen Geheimdienstes European Special Intelligence (ESI) mit Sitz in London. Er verfügt bereits mit 15 Jahren über hellseherische Talente, von denen er aber selbst noch nichts weiß – bis zu einem gewissen Vorfall. 15 Jahre später führt ihn der Mord an einer ESI-Mitarbeiterin auf die Spur des „Clubs der Höllensöhne“, eines Geheimbundes, der die Weltherrschaft anstrebt.
Während Don den Hinweisen aus der Kanzlei von Archie Ramsay folgt und nach Glastonbury fährt, wird er von Visionen heimgesucht: Elektra, eine geheimnisvolle Frau, lockt ihn mit ihren telepathischen Kräften in ihr Landhaus. Don erkennt sie von Fotos wieder: Elektra war jahrzehntelang mit seinen Eltern befreundet – und ist in all den Jahren nicht um einen Tag gealtert! Während einer Geisterbeschwörung geraten sie und Don ins Visier der „Höllensöhne“ …
Wegen des hohen Gehalts an Gewalt und Sex (besonders in der 2. Episode) empfiehlt der Verlag das Hörspiel erst ab 16 Jahren.
_Der Autor_
Jason Dark ist das Pseudonym des Schriftstellers Helmut Rellergerd (geboren am 25.1.1945 in Dahle, Sauerland). Rellergerd wuchs in Dortmund auf, lebt heute in Bergisch Gladbach, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat die Romanfigur des Geisterjägers John Sinclair ins Leben gerufen. Die Abenteuer des englischen Helden entwickelten sich zur erfolgreichsten deutschen Gruselserie. „Don Harris, Psycho-Cop“ ist beruht auf einem Roman, dessen Buchausgabe 2006 bei |Blanvalet| in München erschien.
Die Serie „Don Harris, Psycho-Cop“ (1 & 2 bislang als Hörspiel)
Folge 1: [Das dritte Auge 3907
Folge 2: Der Club der Höllensöhne
Folge 3: Das schwarze Amulett
Folge 4: Das Erbe der Wächter
Folge 5: Das Killer-Kommando
Folge 6: Das Glastonbury-Rätsel
Folge 7: Drei Gräber in Sibirien
Folge 8: Triaden-Terror
Folge 9: Dämonicus
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_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Das Hörspiel wurde nach Rellergerds Buchvorlage von Oliver Döring gestaltet, der schon etliche John-Sinclair-Folgen inszeniert hat. Regieassistenz ist Pe Simon, Schnittassistenz Jennifer Keßler, für die Produktion zeichnet Alex Stelkens von |WortArt| verantwortlich, der sonst vor allem mit |Lübbe Audio| zusammenarbeitet. Die Originalmusik hat Florian Göbels komponiert.
|Die wichtigsten Rollen und ihre Sprecher:|
Erzähler: Douglas Welbat (General Stuart in „Gods and Generals“)
Don Harris, ESI-Agent: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don „Basher Tarr“ Cheadle, Adam Sandler, Edward Norton)
Terry Sheridan, Scotland Yard: Gerrit Schmit-Foß (Leonardo DiCaprio, Scott „Turk Malloy“ Caan)
Mac „Silver“ Sterling, Dons Ausbilder bei ESI: Frank Glaubrecht (Al Pacino, Pierce Brosnan, Kevin Costner, Jeremy Irons, Christopher Walken u. v. a.)
Elektra: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
James Fox, ein Höllensohn: Rainer Doering
Elaine Harris, Dons Mutter: Susanna Bonaséwicz (Sissy Spacek, Carrie „Leia“ Fisher, Isabelle Huppert)
Pfarrer: Martin May
Sowie Lutz Mackensy, Franziska Pigulla, Udo Schenk, Pe Simon sowie viele andere.
|Der Regisseur|
Regisseur Oliver Döring, geboren 1969, begann seine Karriere als freier Journalist, Autor und Comedy-Macher für diverse Rundfunkanstalten. Seine ersten Erfolge feierte er 1988 mit der in NRW sehr beliebten Radio-Comedy „Die EinsLive-Retter“. 1999 erhielt er ein Arbeitsstipendium im Hörspielbereich. Sein Durchbruch in dieser Branche gelang ihm im Jahr darauf als Autor und Regisseur der Hörspielserie „John Sinclair“.
Unter Verwendung hochwertiger Soundeffekte und mit einem fast ausnahmslos aus bekannten Synchronschauspielern bestehenden Ensemble betrieb er einen für eine kommerzielle Hörspielproduktion bis dato beispiellosen Aufwand. Die rasant geschnittene und mit selbstironischen Untertönen produzierte Serie fand bei Kritik und Publikum großen Anklang und eroberte mit zwei Sonderausgaben sogar die Longplay-Charts.
2006 verpflichtete Döring für seine dreiteilige Hörspielfassung des Romans [„Star Wars – Labyrinth des Bösen“ 3291 die Synchronschauspieler aus den Filmen und verwendete sowohl die originalen Soundeffekte als auch die Filmmusik von John Williams. Mittlerweile gilt Döring als einer der erfolgreichsten Regisseure des kommerziellen phantastischen Hörspiels. (Verlagsinfo)
_Vorgeschichte_
Elaine Harris, Gattin von Sir Edward of Glastonbury, stirbt bei der Geburt ihres Sohnes Don an Herzstillstand. Die Geburtshelfer holen das Baby per Kaiserschnitt. 15 Jahre später merkt der Internatsschüler Don, dass er über mehr Kräfte verfügt als andere Menschen. Er kann Ereignisse vorausahnen und psychische Verbindungen herstellen. Es ist ihm höchst peinlich, darüber mit seinem Freund Harry zu reden. Wenigstens dankt ihm der Vater der kleinen Lucy Taylor, die er vor dem Kältetod in einem zugefrorenen Teich bewahrt hat. Und Don kann alle Boxhiebe Harrys vorausahnen und ihn spielend besiegen.
Weitere fünfzehn Jahre später hat Don seine Talente in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Er arbeitet als Agent für die European Special Intelligence (ESI), wo man ihn neckisch als „Psycho-Cop“ tituliert. Sein bester Freund beim Scotland Yard ist Terry Sheridan. Der ruft ihn zum Tatort eines Mordes, der Don auf die Spur des „Clubs der Höllensöhne“ bringt.
_Handlung_
In Folge 1 rief der „Höllensohn“ Fox die Nummer von Archie Ramsay an, einem Anwalt in London. Um mehr über Ramsays Verwicklung herauszufinden, stieg Don mit seinem Mentor Mac „Silver“ Sterling in die Kanzlei Ramsays ein und Don sah sich dessen PC an. Dort stieß er auf eine komplette Biografie seiner selbst und auf ein Foto von Elektra, das sie neben seinen Eltern zeigt. Vor 30 Jahren sah sie genauso aus wie heute! Weitere Fotos zeigen Dons Gutshaus in Glastonbury sowie das nahegelegene Stonehenge. Ein Datum, der 16.4., wird mit dem Projekt „666“ in Verbindung gebracht. Das ist übermorgen …
Don und Mac trennen sich, doch als Don vor seinem Haus eintrifft, wartet ein Killerkommando der „Höllensöhne“ auf ihn. Sie macht allerdings durch eine ferngesteuerte Überwachungsdrohne auf sich aufmerksam, deren Auftauchen Don rechtzeitig warnt. Der Anschlag schlägt fehl. Mac meint zu der Drohne, dass sie bestimmt teuer war. Wer kann sich so etwas leisten – außer der ESI?
Auf dem Weg nach Glastonbury, wo er das Projekt 666 der Höllensöhne vereiteln will, trifft Don ein psychologischer Schlag. Es ist Elektra, die mit ihm telepathisch Kontakt aufnimmt und ihn zu ihrem Quartier lotst: einem Landhaus mitten in der Pampa. Don gibt seinem Beschützer Mac und dessen Truppe von Söldnern Bescheid, was Sache ist. Bestimmt sind auch die Höllensöhne irgendwo in der Gegend, wenn sie sich in Glastonbury treffen wollen, beispielsweise auf dem Glastonbury Tor, einem Burghügel, der das Land überragt.
In Elektras Landhaus erhält Don zwar keine Antworten auf brennende Fragen, dafür aber brennende Küsse auf den Mund und andere Körperteile. Nach eifrigem Bettsport richten sich Dons Sinne jedoch wieder auf die Vorgänge draußen. Er greift nach seiner Pistole, weil ihn seine Präkognition davor warnt, was gleich passieren wird: Eine MG-Salve durchlöchert die Eingangstür, dann tritt einer der Killer die Haustür ein, bereit, alles niederzumachen, was ihm in den Weg tritt. Und genau das tut Elektra. Don stockt das Blut. Schüsse fallen …
_Mein Eindruck_
Sind die Zeiten vorbei, in denen sich Hörspielgeschichten um expliziten Sex und Blutfontänen herumdrücken konnten? Offenbar schon, aber da wir nicht mehr im 19., sondern im 21. Jahrhundert leben, erscheint das vielleicht sogar angemessen. Folglich spritzt das Blut mal wieder schön hörbar, und was den Sex anbelangt, so kann sich der Fan in dieser Folge dementsprechend satthören. Zunächst hört man nur leidenschaftliche Küsse , dann Reißverschlüsse und schließlich geht es richtig gut zur Sache. Und dabei weiß Don noch nicht einmal, wie alt seine Sparringspartnerin beim Bettsport ist.
Was die Sexszene jedoch etwas grotesk wirken lässt, ist der ständige Szenenwechsel zu den sich anschleichenden Widersachern und der sich somit anbahnenden Gewalt. Dies ist ebenso grotesk wie die ständigen Ortsmeldungen, die Don an seinen vermeintlichen Beschützer Mac Silver durchgibt. Wir wissen ja inzwischen, dass Mac ein Verräter ist. Das ungerechtfertigte Vertrauen Dons, das er in Mac setzt, setzt Don in das Licht eines leichtgläubigen Idioten. Das kann wohl nicht ganz im Sinne des Erfinders sein.
Der Höhepunkt dieser Episode und der absolute Tiefpunkt an Plot-Intelligenz ist die Szene in der Burgruine auf dem Glastonbury Tor. Es ist schon schlimm genug, dass hier mittelalterliche Mystik und übernatürliche Erscheinungen mit dem Auftreten modern aufgerüsteter Söldner vermischt werden. Von Romantik kann daher keine Rede sein. Aber der Sinneswandel, den Don an den Tag bzw. die Nacht legt, als Mac ihn angreifen will, ist völlig unplausibel. Offenbar unter dem Diktat eines schnellen Szenenablaufs wird aus dem Leichtgläubigen ein Wütender, der sofort zum Angriff übergeht. Davon, dass eigentlich seine Welt ins Wanken geraten müsste, fällt kein Sterbenswörtchen. Wie auch immer: Mac findet sein verdientes Ende, wenn auch anders als erwartet. Zum Überlegen hat Don ja später noch Zeit. Die Kraft, mit der Don seinen Mentor ausschaltet – woher mag sie wohl kommen? Ein weiteres Rätsel, das der Aufklärung harrt.
Ebenfalls etwas unbefriedigend bleibt die Figur der Elektra. Wir vermuten mit Don, dass sie eine Langlebige ist. Aus welchem Grund dies so ist, bleibt (noch) im Dunkeln. Eine mystisch-archaische Gestalt ist diese Lehrerin und Geliebte, die mit so vielen Geheimnissen hinterm Berg hält, dass Don eigentlich frustriert sein müsste. Er stellt jedoch seine Neugier hintan, um diese aufregende Frau lieben zu können. Dass sie es schon mit seinem Vater getrieben hat und um ein Haar Dons Mutter geworden wäre, ist nur das Sahnehäubchen im ödipalen Inzest-Plot, der uns hier mehr oder weniger unverblümt geboten wird. Auf dem Titelbild wird sie folgerichtig mit einem aufregenden Vorbau dargestellt.
|Die Sprecher / Die Inszenierung|
Dies ist die Stunde – das Hörspiel ist 54 Minuten lang – der Pistolen und Gewehre. Schon die erste Szene endet mit Schüssen vor Dons Haus, und im Landhaus Elektras geht das Geballere weiter, um schließlich auf dem Burghügel seinen Höhepunkt zu finden. Wenigstens lässt sich bei dieser dritten Szene der Regisseur einen Trick einfallen. Die Schüsse fallen zwar, werden aber nur über das Walkietalkie Mac Silvers hörbar. Dito die Schreie von Macs Männern. Dieser schon in der antiken Tragödie eingesetzte „Mauerschau“-Effekt distanziert den Zuhörer vom blutigen Geschehen, präsentiert uns aber gleichzeitig Macs entsetzte Reaktion auf das Gemetzel an seinen Männern. Außerdem stellt es ihn und uns vor ein Rätsel: Was konnte diese hochgerüsteten Baller-Männer so leicht töten? Diese Szene ist also relativ trickreich gestaltet.
Stichwort „Walkietalkie“. „Krks! Krks!“, tönt es fortwährend in der gesamten Glastonbury-Aktion. Dieser Ton gehörte auch schon in den „John Sinclair“-Hörspielen zum Standardrepertoire in Oliver Dörings Soundeffekt-Arsenal. Zum „Krks! Krks!“ kommt der Filter hinzu, der das aus dem Walkietalkie dringende Wort elektronisch verzerrt klingen lässt. Ein weiterer Verzerrfilter wird bei der Übertragung in der Kommunikation mit dem Meister der Höllensöhne eingesetzt. All diese moderne Technik steht in groteskem Kontrast zu den mittelalterlichen Erscheinungen auf dem Burghügel, die direkt aus einer Sage über Merlin und Artus stammen könnten. Für manche Hörer könnte dieser Kontrast jedoch erst den besonderen Reiz der neuen Hörspielserie ausmachen, wer weiß?
Der Einsatz von Musik ist absolut minimal. Eine Piano-Kadenz mit einem ständig wiederholten Motiv ist beispielsweise für den Übergang in eine neue Szenenfolge zuständig. Außerdem bestreitet das Titelmotiv der Serie das Intro und das Outro. Songs wie in der 1. Folge gibt es diesmal keine, was ich wirklich schade finde.
_Unterm Strich_
„Don Harris“ ist ein Geisterjäger der modernen Art. Und wie sein Schicksalsgenosse John Sinclair, Hauptfigur einer schier endlosen Horror-Serie aus den siebziger Jahren, ist er von höheren Mächten (seinem Autor) auserkoren worden, die Übel und Schurken der Gegenwart zu bekämpfen. Seltsamerweise agieren selbige „Höllensöhne“, als befänden sie sich noch im tiefsten Mittelalter. Da ist die Rede von der „Zahl des Tiers“, das heißt: der des Antichristen. Und folglich geht es wieder mal, interpretierend gesprochen, um den alten christlichen Kampf der Engel und Heiligen mit den Vertretern und Schergen des Widersachers alias Satan alias Luzifer.
Don Harris ist als Streiter des Lichts mit besonderen Psi-Gaben versehen, doch ob diese ihm immer wieder aus der Patsche helfen, ist noch offen. Anscheinend muss er noch stärker werden. Doch je stärker er wird, desto furchteinflößender werden auch seine Gegner. Zum Glück muss er nicht alleine kämpfen, Terry und Elektra stehen ihm bei.
Das Hörspiel ist von |WortArt| und |Random House| sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der trivialen Handlung etwas Filmglamour. Die zahlreichen Soundeffekte sind Dörings Markenzeichen – er setzt sie auch gerne in seinen „John Sinclair“-Hörspielen ein, um Authentizität zu vermitteln. Schließlich hat heute jeder Cop und Bösewicht so ein Walkietalkie oder Handy, oder? Nur die Figuren und ihre intelligenzfreien Dialoge stören mich.
Da auch diese Episode mehr Fragen aufwirft als sie beantwortet, ist es höchste Zeit für die Fortsetzung.
|54 Minuten auf 1 CD|
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Dieses Buch ist das zweite Abenteuer von Alex und Nadia. Isabel Allende mischt wie schon in „Die Stadt der wilden Götter“ Realität und magisch-mystische bzw. mythische Elemente. Dazu die Autorin: „Das Leben ist voller Geheimnisse. Und das Ziel von Literatur ist es, Geheimnisse zu ergründen. Wenn du Träumen, Visionen und Vorahnungen in deinem alltäglichen Leben und deiner schriftstellerischen Arbeit Raum lässt, scheint sich die Realität zu erweitern.“
Das Jugendbuch ist ab 12 Jahren geeignet, das Hörbuch ist 598 Minuten lang, also fast 10 Stunden. Hörproben und Infos gibt es unter www.hoerverlag.de.
In ihrem ersten Jugendbuch nimmt die Bestsellerautorin den Leser mit auf die Reise ins Innere des brasilianischen Dschungels, zu Menschenwesen, die noch nie Stahl, Waffen oder weiße Haut gesehen haben. Für die beiden Kinder in der Expedition wird dies eine Reise des Wachsens und der Verwandlung.
Das Hörbuch bietet laut Verlag die vollständige Lesung ohne jedwede Kürzung.
Kanada Ende des 19. Jahrhunderts. (Fortsetzung von „Anne auf Green Gables“.) Anne genießt ihre letzten Ferientage auf Green Gables. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird sie die Lehrerstelle an der Dorfschule von Avonlea übernehmen. Für den kleinen Ort haben Anne und ihre Freunde ehrgeizige Pläne. Flugs wird ein Dorf-Verschönerungs-Verein gegründet. Überschattet werden die Spendensammel-Aktionen durch Probleme mit der Kuh Dolly und einem sehr wütenden neuen Nachbarn …
Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum gibt es die Abenteuer des sympathischen Waisenmädchens Anne Shirley als Hörspiel-Serie, geeignet für die ganze Familie, gesprochen von den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars.
_Die Autorin_
Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders durch ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.
Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.
Die erste Staffel: Anne auf Green Gables
Folge 1: [Die Ankunft 4827
Folge 2: [Verwandte Seelen 4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke 4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang
Die 2. Staffel: Anne auf Avonlea
Folge 5: Die neue Lehrerin
Folge 6: Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen
Folge 7: Eine weitere verwandte Seele
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin
Die 3. Staffel: Anne in Kingsport
Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare
_Die Inszenierung_
|Die Rollen und ihre Sprecher:|
Erzähler: Lutz Mackensy (Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Marilla Cuthbert: Dagmar von Kurmin (Bühnenschauspielerin, Hörspiel-Regisseurin für |Europa|, Stammsprecherin für |Titania Medien|)
Rachel Lynde: Regina Lemnitz (Whoopi Goldberg, Kathy Bates, Diane Keaton)
Diana Barry: Uschi Hugo (Neve Campbell)
Gilbert Blythe: Simon Jäger (Josh Hartnett)
Jane Andrews: Cathlen Gawlich (Jaime King, Amy ‚Fred‘ Acker)
James A. Harrison: Heinz Ostermann (Kammerschauspieler)
Anthony Pye: Maximilian Artajo (‚Aang‘ in „Avatar“)
Premierminister: Marco Kröger (Liev ‚Sabretooth‘ Schreiber)
Und viele weitere.
Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Aufnahme leiteten Martin Wittstock und Kazuya. Die Illustration stammt von Firuz Askin.
_Handlung_
Anne Shirley hat sich als Dorfschullehrerin qualifiziert und soll ihre Stelle bald in Avonlea antreten, also ganz in ihrer Nähe. Sie träumt davon, einstmals den künftigen Premierminister Kanadas zu unterrichten. Doch ihr Freund Glibert Blythe lacht nur darüber. Was für eine Träumerin sie ist. Sie sollte lieber ihren Vergil übersetzen.
Die Bewohner von Seven Gables, Anne und ihre Pflegemutter Marilla Cuthbert, haben einen neuen Nachbarn. Mr. James A. Harrison stammt aus New Brunswick, das an die USA grenzt. Anscheinend ist er unverheiratet und, wie Gerüchte besagen, geizig. Immer wenn Annes Kuh Dolly sein Haferfeld zertrampelt, kommt er zeternd angerannt und gibt Anne die Schuld. Doch diesmal gibt sie ihm ordentlich Kontra: Er sollte stattdessen seine Zäune reparieren, wie sich das für eine Farm gehört. Als er sie wegen ihrer roten Haare als „Karotte“ beleidigt, wirft sie ihm „Glatzkopf“ an den Kopf. Empört zieht er von dannen. Na, das ist ja ein toller Anfang. Dolly wird fortan im Stall angebunden.
Auch Rachel Lynd, die Nachbarin und Gerüchteküche auf zwei Beinen, weiß nichts Gutes von Mr. Harrison zu berichten: Er habe ihre Bitte um eine Spende für den Dorfverschönerung brüsk zurückgewiesen. Rachel berichtet zudem von Neuzugängen unter den Kindern, die Anne zu unterrichten haben werde. Darunter sei ein ganz schlimmer Junge namens Anthony Pye. Paul Irving sei aber ein ganz liebes Kind. Anne hat jetzt schon mächtig Bammel vor ihrer Feuertaufe als frischgebackene Lehrerin.
Doch zuvor gibt es wieder Ärger mit Dolly, der Kuh, die offenbar schon wieder im Haferfeld Mr. Harrisons steht. Als Anne und Diana versuchen, die Kuh einzufangen, landen beide mit ihren schönen Kleidern im Matsch. Just in diesem Moment kommt Mr. Shearer des Weges und bietet erneut an, die Kuh zu kaufen. Anne willigt für 20 Dollar ein, und Mr. Shearer kann das renitente Vieh gleich mitnehmen.
Doch wie konnte sich Dolly überhaupt aus dem Stall befreien, wundert sie sich. Als sie nachschaut, steht Dolly friedlich kauend immer noch im Stall. Au weia, erkennt Anne siedendheiß, sie hat die Kuh von Mr. Harrison verkauft! Marilla redet dem Nervenbündel gut zu: Es hilft nichts, aber sie muss bei Mr. Harrison Abbitte und Wiedergutmachung leisten. Anne kommt sich vor wie beim Gang aufs Schafott. Dieser schreckliche Mensch wird ihr bestimmt den Kopf abreißen und sie anschließend vierteilen!
Doch es kommt alles ganz anders.
_Mein Eindruck_
Auch in ihrer fünften Folge wird Anne Shirley von Missgeschicken verschont, und ein Abenteuer jagt das nächste. Wenigstens sind diese Abenteuer, im Gegensatz zu denen der Männer, ungefährlich. Sie könnte höchstens gevierteilt werden. Aber auch dazu kommt es nicht, denn das Schicksal (und die Autorin) meinen es gut mit dem Rotschopf. Mr. Harrison ist ein ganz Lieber und will eigentlich bloß spielen. Hier beginnt allerdings ein Spannungsbogen, der erst in Folge 8 seinen Abschluss findet. Er beruht auf der Frage: Wieso um Himmelswillen lebt Mr. Harrison alleine und ist so ein Griesgram?
Diese Folge sieht noch den Beginn von Annes Unterricht in der Dorfschule sowie ihre Bekanntschaft mit Paul Irving, dem sie in Folge 8 ebenfalls zu neuem Glück verhelfen wird. Sie liebt es eben, Menschen glücklich zu machen, ganz besonders Menschen, die sie als „verwandte Seelen“ erkannt hat.
Doch was zeichnet eine „verwandte Seele“ aus? Offenbar handelt es sich um Menschen, die mit ihrer Phantasie über den Tellerrand der unmittelbaren, prosaischen Wirklichkeit hinaussehen können. Sie erträumen sich eine parallele Realität, die entweder irgendwie besser ist, oder es sind Menschen, die an einem Mangel leiden, wie ihn auch Anne täglich erlebt: Sie sind Waisen, Halbwaisen, oder wie im Fall von Lavender Lewis Menschen ohne jemanden, der sie von Herzen liebt. Alle solche Menschen haben ihre Bestimmung noch nicht erreicht, jene Bestimmung, die im Kennenlernen ihres (von Gott und dem Schicksal) vorbestimmten Geliebten besteht.
Das ist eine recht romantische Vorstellung, steht aber voll im Einklang mit christlichen Grundströmungen ihrer Zeit. Hier ist nichts von |Fin de siècle|-Langeweile zu spüren, ganz im Gegenteil: Die Sache nach „verwandten Seelen“ ist eine Lebensaufgabe und wird immer wieder aufs Neue belohnt. Es ist so, als würde man in eine Menschenmenge hineinsehen und eine „verwandte Seele“ finden, weil man erwartet, sie zu finden. Es hat etwas von einer selbsterfüllen Prophezeiung an sich.
Weil die Suche aber ein quasi-göttlicher Auftrag ist und das Glücklichmachen dieser Seelen zur Aufgabe gehört, bemüht sich Anne ständig, andere Menschen, insbesondere verwandte Seelen, zu ihrem ihnen zustehenden Glück zu verhelfen. Wenn sie dabei, wie in Folge 6, frustriert wird, ist sie natürlich umso unglücklicher.
_Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die siebzehnjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.
Sehr gut gefiel mir auch Heinz Ostermann, der Sprecher des Mr. Hamilton. Er legt ihm ein ganzes Spektrum von Grantigkeit, Freundlichkeit und schließlich sogar Zärtlichkeit in den Mund, dass man fast einen gerundeten Charakter vor sich hat. Witzig fand ich den krächzenden Papagei, der immer „Karotte!“ ruft, um Anne zu triezen.
Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus. Dagmar von Kurmin muss wie Heinz Ostermann sowohl Strenge als auch Freundlichkeit verkörpern. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Außerdem scheint ihre Rachel Lynde Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins zu sein und hat entsprechend viele Sorgen um die Ohren. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in Folge 8 in ihr Haus aufnimmt.
|Geräusche|
Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1879, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander.
Auffällig häufig ist jedoch die Kombination aus Brandung und Vogelgezwitscher zu hören. Das ist eine Besonderheit der meerumtosten Inselumgebung. Selbstredend erklingen zahlreiche Vogelstimmen, wenn Anne mit ihren Freunden durch den Wald spaziert. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist natürlich kein einziges Auto zu hören, sondern nur diverse Kutschen und Karren.
|Musik|
Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer. Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Ebenso wie mit den Geräuschen darf man es nicht übertreiben.
Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?
_Unterm Strich_
Besonderen Wert hat die Dramaturgie diesmal auf die Komik gelegt. Die Kuh des neuen Nachbarn zu verkaufen, ist ja schon ein „Meisterstück“. Der Gang nach Canossa bzw. Mr. Hamiltons Farm ist die logische Folge dieser Untat, doch es stellt sich alles als halb so schlimm heraus, denn Anne wird wirklich nicht gevierteilt – sonst müssten wir ja auf ihre weiteren Abenteuer verzichten. Denn es bahnen sich etliche Veränderungen in Annes Leben auf Green Gables an.
Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht, schmollt, flüstert und quasselt, dass man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den „Spider-Man“-Filmen ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.
|Basierend auf: Anne of Avonlea, 1909
ISBN-13: 978-3-7857-3633-3|
„Darf ich den Leichnam vielleicht noch einmal sehen?“, fragte Jane Collins, die viele hundert Meilen weit gefahren war, um von ihrem väterlichen Freund Graham Saunders Abschied zu nehmen. Der Pater öffnete den Sarg und schrak zurück: Die Leiche hatte keinen Kopf mehr! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 188 gemacht, der erstmalig am 19. April 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.
Folge 1: [„Das dritte Auge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3907
Folge 2: [„Der Club der Höllensöhne“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3922
Folge 3: [„Das schwarze Amulett“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6690
Folge 4: „Das Erbe der Wächter“
Folge 5: [„Das Killer-Kommando“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6701
Folge 6: [„Das Glastonbury-Rätsel“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6709
Folge 7: [„Drei Gräber in Sibirien“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6711
Folge 8: „Triaden-Terror“ (erscheint am 10.12.2010)
_Neue Mystery-Actionserie_
Don Harris ist Agent des europäischen Geheimdienstes European Special Intelligence (ESI) mit Sitz in London. Er verfügt bereits mit 15 Jahren über hellseherische Talente, von denen er aber selbst noch nichts weiß – bis zu einem gewissen Vorfall. 15 Jahren später führt ihn der Mord an einer ESI-Mitarbeiterin auf die Spur des „Clubs der Höllensöhne“, eines Geheimbundes, der die Weltherrschaft anstrebt. Der Psycho-Cop jagt den Killer, bis es in einer verlassenen Kapelle zum Showdown kommt.
Wegen des hohen Gehalts an Gewalt und Sex (dies aber erst in der 2. Episode) empfiehlt der Verlag das Hörspiel erst ab 16 Jahren.
_Der Autor_
Jason Dark ist das Pseudonym des Schriftstellers Helmut Rellergerd (geboren am 25.1.1945 in Dahle, Sauerland). Rellergerd wuchs in Dortmund auf, lebt heute in Bergisch Gladbach, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er hat die Romanfigur des Geisterjägers John Sinclair ins Leben gerufen. Die Abenteuer des englischen Helden entwickelten sich zur erfolgreichsten deutschen Gruselserie. „Don Harris, Psycho-Cop“ ist beruht auf einem Roman, dessen Buchausgabe 2006 bei Blanvalet in München erschien.
Die Serie „Don Harris, Psycho-Cop“ (1 & 2 bislang als Hörspiel)
Folge 1: Das dritte Auge
Folge 2: Der Club der Höllensöhne
Folge 3: Das schwarze Amulett
Folge 4: Das Erbe der Wächter
Folge 5: Das Killer-Kommando
Folge 6: Das Glastonbury-Rätsel
Folge 7: Drei Gräber in Sibirien
Folge 8: Triaden-Terror
Folge 9: Dämonicus
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_Die Sprecher / Die Inszenierung_
Das Hörspiel wurde nach Rellergerds Buchvorlage von Oliver Döring gestaltet, der schon etliche John-Sinclair-Folgen inszeniert hat. Regieassistenz ist Pe Simon, Schnittassistenz Jennifer Keßler, für die Produktion zeichnet Alex Stelkens von WortArt verantwortlich, der sonst vor allem mit |Lübbe Audio| zusammenarbeitet. Der Song „Free Falling“, der in der englischen Kneipe ertönt, wird von Jemma Endersby gesungen. Zusätzliche Originalmusik hat Florian Göbels komponiert.
Die wichtigsten Rollen und ihre Sprecher:
Erzähler: Douglas Welbat (General Stuart in „Gods and Generals“)
Don Harris, ESI-Agent: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don „Basher Tarr“ Cheadle, Adam Sandler, Edward Norton)
Terry Sheridan, Scotland Yard: Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio, Scott „Turk Malloy“ Caan)
Mac „Silver“ Sterling, Dons Ausbilder bei ESI: Frank Glaubrecht (Al Pacino, Pierce Brosnan, Kevin Costner, Jeremy Irons, Christopher Walken u. v. a.)
Elektra: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
James Fox, ein Höllensohn: Rainer Doering
Elaine Harris, Dons Mutter: Susanna Bonaséwicz (Sissy Spacek, Carrie „Leia“ Fisher, Isabelle Huppert)
Pfarrer: Martin May
Sowie Lutz Mackensy, Franziska Pigulla, Udo Schenk, Pe Simon und schließlich sogar Helmut und Roswitha Rellergerd als wütende Autofahrer, sowie viele andere.
_Handlung_
Elaine Harris, Gattin von Sir Edward of Glastonbury, stirbt bei der Geburt ihres Sohnes Don an Herzstillstand. Die Geburtshelfer holen das Baby per Kaiserschnitt. 15 Jahre später merkt der Internatsschüler Don, dass er über mehr Kräfte verfügt als andere Menschen. Er kann Ereignisse vorausahnen und psychische Verbindungen herstellen. Es ist ihm höchst peinlich, darüber mit seinem Freund Harry zu reden. Wenigstens dankt ihm der Vater der kleinen Lucy Taylor, die er vor dem Kältetod in einem zugefrorenen Teich bewahrt hat. Und Don kann alle Boxhiebe Harrys vorausahnen und ihn spielend besiegen.
Weitere fünfzehn Jahre später hat Don seine Talente in den Dienst der Allgemeinheit gestellt. Er arbeitet als Agent für die European Special Intelligence (ESI), wo man ihn neckisch als „Psycho-Cop“ tituliert. Sein bester Freund beim Scotland Yard ist Terry Sheridan. Der ruft ihn zum Tatort eines Mordes. Das Opfer ist Nancy Goldman und Don kannte sie gut. Das Hotelzimmer weist nur ein einziges hervorstechendes Merkmal auf: Dons Telefonnummer ist mit Blut an die Wand geschmiert! In einer Flashback-Vision erkennt Don das Gesicht des Täters und die Automarke, die er fährt.
Sofort gibt Sheridan eine entsprechende Fahndung an die Londoner Verkehrspolizei heraus, die flugs Straßensperren aufstellt, um den flüchtigen Killer zu fangen. Da erhält Don ein altmodisches Telegramm mit der Information, dass sein Vater gestorben sei. Er muss zur Trauerfeier hinfahren. In der Grabkapelle hat Don erneut eine Vision. Er glaubt auf der Stirn seines aufgebahrten Vaters ein drittes Auge zu erblicken. Ob Don wohl auch so eines entwickeln wird? Unter den kondolierenden Trauergästen tritt eine sehr schöne Frau an Don heran. Sie stellt sich als Elektra vor und verspricht ihm, ihn durchs Leben zu begleiten. Dann verschwindet die rätselhafte Schöne. Don kehrt in die Metropole zurück.
Dort hat die Polizei inzwischen das Auto des gesuchten Killers gefunden. Es soll sich um einen Mann namens James Fox handeln. Zwei Polizisten stellen ihn vor einem Hotel am Flughafen, doch der Mann hat sie ruckzuck erledigt. Auch er ist ein Psi-Begabter und hat ein drittes Auge. Doch jetzt taucht er auf Dons psychischem Radarschirm auf und lässt sich leicht verfolgen. Eine spannende Hetzjagd folgt, bis Don James Fox stellt. Da erlebt er eine böse Überraschung: Der Killer stellt sich als Mitglied eines Geheimbundes namens „Höllensöhne“ vor und beginnt sich zu verwandeln …
_Mein Eindruck_
Der Auftakt zur neuen Hörspielserie von |Random House Audio| & |WortArt| beginnt erst einmal recht zahm. Der Held ist noch mit Selbstentdeckung beschäftigt, während er seinen nächsten Fall lösen muss. Dieser bildet den Beginn der Auseinandersetzung mit den so genannten „Höllensöhnen“, die sich den 16. April – warum auch immer – als den Festtag der Hölle ausgesucht haben. Don bleiben also nur noch zwei Tage Zeit, dieses Ende der Welt zu verhindern. Was die Brüder der Hölle natürlich gar nicht lustig finden. Fortan vermiesen Mordanschläge Don die Freude am Leben.
Doch auch die Liebe darf im spannenden, bewegten Agentenleben nicht zu kurz kommen. Die geheimnisvolle Elektra – sie hat nichts mit der verfilmten Comicfigur zu tun – verspricht amouröse Freuden der exquisitesten Art, wenn da nicht ein kleines Detail stören würde. Don stößt auf ein Foto, das sie auf dem Hochzeitsfoto seiner Eltern zeigt. Es ist 30 Jahre alt, und folglich müsste die Lady ebenfalls ein entsprechendes Alter aufweisen. Doch dem ist keineswegs so: Sie sieht keinen Tag älter aus als 25 oder 30 Jahre. Wie kann das sein?
Wie man sieht, bietet die Serie zahlreiche Geheimnisse, Rätsel und Entdeckungen sowie massig Action. Noch hält sich die Mischung ziemlich im Rahmen der vom Genre vorgegebenen Klischees, doch das wird sich schon in der nächste Episode ändern.
|Die Sprecher / Die Inszenierung|
Das Hörspiel beginnt mit einem Soundeffekt und einem Schmerzensschrei. Elaine Harris liegt in den Wehen. Das wird kontrastiert mit einer freundlich-sanften männlichen Stimme, die Elaine auffordert, mit in die Ewigkeit zu kommen. Elaine lässt los …
Der kurze Prolog deutet bereits an, dass das Hörspiel nichts an der gewohnten Dramatik einer Actionserie zu wünschen übrig lässt. Doch der Prolog ist noch harmlos im Vergleich zu dem, was noch folgen soll. Nancy Goldman wird live vor dem Mikro die Kehle aufgeschlitzt. Wir hören das Blut spritzen und Nancy gurgeln und an ihrem Blut ersticken. Kein schöner Tod, keine schöne Szene, und deshalb auch erst ab 16 Jahren empfohlen. Dass später auch geballert wird, versteht sich fast von selbst. Die 2. Episode ist hierfür geradezu berüchtigt.
Immerhin bekommen wir in der Folge 1 noch einen sehr schönen Originalsong von Jemma Endersby zu hören, der während eines Kneipengesprächs von Don und Mac Sterling (Frank Glaubrecht) weiter im Hintergrund plätschert. Diese friedliche Szene wird von zahlreichen elektronischen Tönen und Filtereffekten konterkariert, in denen diverse Geräte piepsen oder Sprachübertragungen stattfinden. Das Sahnehäubchen bilden die schimpfenden Autofahrer, die vor den Straßensperren im Stau stecken, darunter auch die des Autors und seiner Frau (siehe oben).
_Unterm Strich_
„Don Harris“ ist ein Geisterjäger der modernen Art. Und wie sein Schicksalsgenosse John Sinclair, Hauptfigur einer schier endlosen Horror-Serie aus den siebziger Jahren, ist er von höheren Mächten (seinem Autor) auserkoren worden, die Übel und Schurken der Gegenwart zu bekämpfen. Seltsamerweise agieren selbige „Höllensöhne“, als befänden sie sich noch im tiefsten Mittelalter. Da ist die Rede von der „Zahl des Tiers“, das heißt: der des Antichristen. Und folglich geht es wieder mal, interpretierend gesprochen, um den alten christlichen Kampf der Engel und Heiligen mit den Vertretern und Schergen des Widersachers alias Satan alias Luzifer.
Don Harris ist als Streiter des Lichts mit besonderen Psi-Gaben versehen, doch ob diese ihm immer wieder aus der Patsche helfen, ist noch offen. Anscheinend muss er noch stärker werden. Doch je stärker er wird, desto furchteinflößender werden auch seine Gegner. Das wird man in der nächsten Folge erleben dürfen. Zum Glück muss er nicht alleine kämpfen, Terry und Elektra stehen ihm bei.
Sind die Zeiten vorbei, in denen sich Hörspielgeschichten um expliziten Sex und Blutfontänen herumdrücken konnten? Offenbar schon, aber da wir nicht mehr im 19., sondern im 21. Jahrhundert leben, erscheint das vielleicht sogar angemessen. Folglich spritzt das Blut mal wieder schön hörbar, und was den Sex anbelangt, so kann sich der Fan in der nächsten Folge dementsprechend satthören.
|50 Minuten auf 1 CD|
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Diese DVD bietet eine technisch überarbeitete Fassung des äußerst gelungenen und stimmungsvollen Auftaktes für die Hörspielserie, in deren Verlauf der |Lübbe|-Verlag mehrere Erzählungen von Edgar Allan Poe verarbeitet – bislang acht Stück. Die Reihe wird im November dieses Jahres fortgesetzt.
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan der Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.
Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne ihn sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H. P. Lovecraft, H. G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.
_Die Sprecher_
Ulrich Pleitgen spricht die Figur des „Fremden“, der den Namen E. A. Poe annimmt.
Joachim Kerzel, bekannt aus zahlreichen Horror-Hörspielen und -Audiobooks, spricht die Rolle des Abtes. Kerzel ist die deutsche Synchronstimme von z. B. Jean Reno, Dustin Hoffman, Harvey Keitel, Sir Anthony Hopkins oder Jack Nicholson.
Klaus Jepsen: Bruder Amontillado
Till Hagen: Dr. Templeton
Viola Morlinghaus: Schwester Berenike
Gedicht am Anfang/Lied am Schluss: Heinz Rudolf Kunze
_Handlung_
Vorgeschichte: Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert wurde und jetzt, nach zehn Wochen, entlassen wird. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Leider neigt sich sein Aufenthalt dem Ende zu: Die Anstalt soll dichtgemacht werden und er wird bald entlassen. Doch in seiner letzten Nacht erlebt der Erzähler in seiner kargen Zelle einen beängstigenden Traum …
Er erwacht in der Zelle eines Mönches, die sich im Kloster von Toledo in Spanien befindet. Am Kopf hat er eine schwere Wunde davongetragen, die eine freundliche Nonne namens Schwester Berenike mit Kräutern behandelt. Hat er diese Wunde im Krieg davongetragen, der sich Toledo in Form napoleonischer Truppen nähert? Man schreibt das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, und die Situation Toledos ist alles andere als sicher.
Wie sich herausstellt, haben ihn die Mönche niedergeschlagen, weil sie ihn für einen Spion der Franzosen hielten. Im Kloster herrscht die als grausam verrufene Inquisition der katholischen Kirche, und es herrscht eine Art Torschlusspanik. Der scheinbar freundliche Abt, der das Kloster leitet, verfügt über eine bemerkenswerte Standuhr: in das Zifferblatt sind Löcher für vier Finger eingelassen und das Pendel ist rasiermesserscharf zugeschliffen. Ein Omen? O ja, und nicht nur für Schwester Berenike, die hier eigentlich nur zu Besuch ist. Kurz zuvor sei der Bruder Botanicus gestorben, erzählt sie.
Das Kloster ist in der Tat das Gegenteil eines Kurortes: Als sich der Erzähler einmal in einem Krug Wasser von einem Auslassrohr holt, bemerkt er zu spät, dass es sich um fast pures Blut handelt. Es stammt von den in den Gewölben gefolterten Opfern der Inquisition. Als er und Berenike vor Entsetzen um Mitternacht fliehen wollen, stoßen sie auf einen Leichentransport, der gerade das Kloster verlässt: Auf dem Karren liegen zerschnittene und von Ratten angefressene Körperteile. Sekunden später werden die beiden Flüchtlinge gefangen genommen und später vom Abt verurteilt, damit das Geheimnis des Klosters gehütet wird.
Der Erzähler erwacht in einem lichtlosen Gewölbe neben einem Schacht, mit Riemen auf einen Block gebunden: neben sich Ratten, über sich ein riesiges rasiermesserscharfes Pendel, das hin und her schwingt, sich dabei aber unaufhaltsam auf den Wehrlosen herabsenkt …
_Mein Eindruck: das Hörspiel_
„Die Grube und das Pendel“ treibt den Horror auf eine bis dato unerreichte Spitze: Folter durch die Inquisition, ein mysteriöser Todesfall, Gift im Wasser, ominöse Pendeluhren und schließlich der klaustrophobische Höhepunkt unter dem Pendel selbst. Kulturell gesehen herrscht im Kloster noch finsterstes Mittelalter, bis Napoleons Truppen Freiheit, Licht und Leben bringen. Der Abt verkörpert die Willkürherrschaft der katholischen Kirche in Spanien. Es herrscht Torschlusspanik und die Entwicklung der Dinge treibt auf einen Höhepunkt zu.
Die Rahmenhandlung in Dr. Templetons Anstalt taugt durchaus dazu, die Serie zu tragen, allerdings sind die Traumreisen in Poe’sche Storywelten nur mit romantischen Mitteln zu erklären, es sei denn, der Patient Poe bekäme zur Heilung ein traumförderndes Medikament.
|Die Sprecher|
Ulrich Pleitgen und Joachim Kerzel dominieren das Hörspiel mit ihren tiefen Stimmen. Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Kerzel ist als Abt nur in zwei Szenen zu hören, wirkt aber dabei bereits zwielichtig beziehungsweise kriminell – kein Wunder, denn der Abt ist einer der letzten Vertreter der grausamen spanischen Inquisition.
Klaus Jepsen ist uns inzwischen am besten als deutsche Stimme von Bilbo Beutlin vertraut, die des „Dr. Templeton“ als die Synchronstimme von Kevin Spacey, allerdings mit betonten Bässen. Meine besondere Bewunderung möchte ich Viola Morlinghaus aussprechen: Sie spielt die sympathische Botanikerin „Schwester Berenike“ absolut lebensecht, verzweifelt und schließlich niedergeschmettert, dass man mit ihr mitfühlen muss. Allerdings fällt auf, dass ihre Figur sehr oft „Ich weiß es nicht“ sagen muss.
|Der Song|
Das Stück klingt mit H. R. Kunzes Lied über E. A. Poe, dem „Weißen Raben“, aus. Es ist quasi eine Moritat, die versucht, diesen Dichter als Warner seiner Zeitgenossen in einen soziokulturellen Kontext zu stellen. Der Fünf-Minuten-Song ist zwar textlastig wie jede Moritat, aber stimmungsvoll instrumentiert und vorgetragen: schön schräg intoniert, mit „singender Säge“ unterlegt und wohligen Schauder erzeugend.
|Die szenische Musik und Klanggestaltung|
Die Musik besteht aus moderner Klassik, vermischt mit dem Kirchenlied „Dies irae, dies illa“ („Tag des Zornes, jener Tag“, oft auch übersetzt als „Tag der Rache, Tag der Sünden“) und einem Streichquartett. Getrennt werden die einzelnen Szenen durch besondere Klangelemente wie etwa eine Glocke.
Die Klangkulisse dieses ersten Teils der Serie ist im Vergleich zu den anderen Teilen ganz besonders ausgetüftelt und äußerst wirkungsvoll. Von dezenten Kirchenglocken, Chören, menschlichen Schreien bis hin zu Wolfsgeheul, Rattengefiepe und Windrauschen reicht die Geräuschpalette.
Wer über eine ordentliche Anlage verfügt, sollte jedoch die Bässe bis zum Anschlag aufdrehen: Die Szene unter dem Pendel bietet ein paar besonders basslastige Soundeffekte – man kann das Schwingen des riesigen Pendels praktisch sehen, nicht nur hören. Der Soundstandard DTS, den diese DVD anbietet, erlaubt es, diese Bässe noch stärker zu betonen. Unüberhörbar bedrohlich klingt das Pendel aber bereits mit „normalem“ Dolby-Digital-5.1-Sound.
Inszenierung und Sprecher sind von erster Güteklasse – schade, dass Kerzel nur in dieser Folge der Poe-Serie mit von der Partie ist. Die Musik und Klanggestaltung unterstützen die hervorragenden Sprecher mit wirkungsvoller Klangdarstellung. Kunzes Song am Schluss wirkt für mich etwas aufgesetzt, aber sei’s drum.
_Die DVD_
Technische Infos
Laufzeit: ca. 59 Min.
FSK: keine Altersbeschränkung
Bildformate: 16:9 anamorph
Tonformate: DD 5.1, DTS, PCM Stereo
Sprachen: Deutsch
Untertitel: keine
Extras:
– Booklet mit informativen Texten und Fotos von Simon Marsden
– Interview mit Sprecher Ulrich Pleitgen
– Vom Skript zum Hörspiel: illustrierende Demonstration in Bildern
– Komplette Novelle „Die Grube und das Pendel“
_Mein Eindruck: die DVD_
Wie bereits oben erwähnt, liefert die DVD eine sagenhafte Soundqualität, und zwar in drei Klangstandards: PCM Stereo für einfache Anlagen, DD 5.1 und DTS für hochwertigere Geräte. Nicht jeder DVD-Player verfügt über einen DTS-Dekoder. Ein Großteil der Datenmenge auf der DVD dürfte alleine auf diese Toninformationen zurückzuführen sein.
An den wenigen Bildern in der digitalen Video-Diaschau kann es nämlich nicht liegen. Vorüberziehende Gewitterwolken, eine strömender Bach, ein unheimlicher Wald – all dies ist weder sonderlich aufwändig noch besonders aufregend. Denn dafür sind die Bilder nicht gedacht. Sie haben häufig die gleiche ästhetische Qualität wie Simon Marsdens Fotos: Sie laden zur Betrachtung, wenn nicht sogar Versenkung ein, lenken aber nicht vom Hörspiel ab.
Das Interview mit Ulrich fand ich einigermaßen erhellend. Er spricht u. a. darüber, was er an Poe so interessant findet und wie er seine Rolle in „Grube und Pendel“ gestaltet hat. Seine Aussagen sind kurz, aber knackig. Er hat den Durchblick.
Der Beitrag „Vom Skript zum Hörspiel“ ist eine Demonstration dessen, was man sich schon denken kann. Irgendwo muss der jeweilige Sprecher ja seine Anweisungen her haben. Sie stehen im Skript, das einem Drehbuch doch verblüffend ähnlich sieht. Dazu hört man das Ergebnis: den gesprochenen Text. Und wenn Geräusche gefordert sind, erklingen eben Geräusche – wie sie zusammengesetzt sind, liegt im kreativen Ermessen des Toningenieurs. Im Fall von „Grube und Pendel“ haben wir den Glücksfall, dass es eine riesige Palette passender Geräusche gibt.
Wer die ursprüngliche Novelle Poes, von der das Hörspiel erheblich abweicht, nachlesen möchte, kann dies anhand des entsprechenden Beitrags auf der DVD tun. Ich habe es nicht getan, denn die Schrift war mir zu klein. Eine Zoom-Funktion wäre hier hilfreich.
|Das Booklet|
Stefan Bauer, Cheflektor beim Bastei-Lübbe Verlag, hat im März 2004 die Einleitung geschrieben. Sie ist immerhin zweieinhalb Seiten lang. In seinem Kurzessay versucht er zu erklären, warum und was uns an Edgar Allan Poe so fasziniert – und warum es das 150 Jahre nach seinem Tod immer noch tut. Offenbar hat er an Ängsten des modernen Menschen gerührt, die immer noch existieren: das Ausgesetztsein, die Fremdheit, das Ausgeliefertsein an eine fremde unsichtbare Macht, die Illusionen von Tod und Leben usw.
Dabei macht Bauer klar, dass Poe selbst ein Fremder in seiner Kultur war: statt amerikanischen Unternehmergeistes spielte er den bizarren Warner, der an morbide Gelüste appellierte. Doch genau dies übte auf Schriftsteller wie Charles Baudelaire („Die Blumen des Bösen“) und Maupassant („Der Horla“) einen ungeheuren Einfluss aus, und sie selbst wiederum hatten ihre Kopisten und Epigonen. Poes Pionierarbeit wird auch von Ulrich Pleitgen und Heinz Rudolf Kunze in je einem Zitat gewürdigt.
Kunzes Song „Der weiße Rabe“ ist im Booklet endlich auch vollständig abgedruckt. Die Zeilen haben durchaus einen gewissen Charme und passen zum Sujet. Der Text stammt zwar von Kunze, die Musik allerdings von Leo Schmidthals.
Die Seiten 8 und 9 sind den Fotos von Simon Marsden gewidmet. Der britische Fotograf outet sich als Fan von Poe, dem er eine ganze Veröffentlichung gewidmet hat: „Visions of Poe“. Er arbeitet hauptsächlich mit Infrarotfilmen und besonderen Drucktechniken. „Ich glaube, dass eine andere Dimension, eine ‚geistige Welt‘, neben unserer so genannten echten Welt existiert, und dass wir manchmal, wenn die Umstände stimmen, in diese Welt hineinblicken können und Teil werden mit dieser übernatürlichen Gegebenheit. [seltsames Deutsch, oder?] – Die mystischen Aspekte meiner Fotografien reflektieren die ehemalige Ordnung und versuchen das Ewige zu offenbaren.“
Die beiden vorletzten Seiten bringen Werbung für die Hörspielreihe und den Erzählband. Die letzte Seite führt sämtliche Mitwirkenden an diesem Hörspiel und der künstlerischen DVD-Herstellung auf – eine praktische Übersicht. Die Frontseite des Umschlags zeigt ein charakteristisches Zitat aus der Erzählung in Englisch und Deutsch: |“Ich war krank, todkrank von langer Qual. Und als sie mich losbanden und ich mich hinsetzen durfte, fühlte ich, wie mir die Sinne schwanden.“|
_Unterm Strich_
Es muss ja nicht unbedingt die DVD sein; es reicht dem, der nur das Hörspiel kennen und genießen will, die CD völlig aus. Doch die DVD liefert einiges an Bonusmaterial, von dem die Dokumentationen und das Booklet nur der offensichtlichste – und nicht der geringste – Teil sind. Der größte Vorteil besteht vielmehr in der verbesserten Akustik, die wirklich dem State of the Art entspricht. Ich halte die Darbietung in DTS einer normalen CD-Wiedergabe für haushoch überlegen, worin mir sicher nicht jeder beipflichten wird. Wahrscheinlich werde ich jetzt für einen Soundfetischisten gehalten, aber sei’s drum: Warum sollte ein Verlag gleich drei Klangspuren auf eine DVD packen? Es muss wohl etwas dran sein an diesem Aspekt.
Und obendrein ist die DVD für ein Hörspiel ein Novum: Man kann – noch – lange suchen, bis man eine ähnliche Produktion findet. Wenn sich die DVD zu diesem vertretbaren Preis durchsetzt, könnten wir künftig mit mehr solchen Produktionen rechnen. Dann müssten wir nicht mehr Discjockey spielen, wenn wir ein Hörbuch mit sechs oder zehn CDs anhören wollen. Dann reicht eine Doppel-DVD.
Freunden von Poe und dem gepflegten Horror sei diese DVD daher ans Herz gelegt. Sie mag ihre Ecken und Kanten haben, ist aber weit gehaltvoller und hochwertiger als das Hörspiel auf CD.
|Originaltitel: The Pit and the pendulum
Laufzeit ca. 59 Minuten|
_Schicht im Schacht: verzwickter Bergarbeiterkrimi_
Ungelöste Fälle sind ihre Spezialität, doch dieser führt Detective Inspector Karen Pirie an ihre Grenzen. Ein Mann wird als vermisst gemeldet – nach über 20 Jahren. Karens Ermittlungen im schottischen Glenrothes stoßen auf eine Mauer des Schweigens. Ähnlich ergeht es einer Journalistin, die einen fast vergessenen Entführungsfall recherchiert. Bald landet auch dieser alte Fall auf Karens Schreibtisch – zusammen mit einem neuen Mord … (Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Die 1955 geborene Val McDermid wuchs in Kirkcaldy, einem schottischen Bergbaugebiet nahe St. Andrews, auf und studierte dann Englisch in Oxford. Nach Jahren als Literaturdozentin und als Journalistin bei namhaften englischen Zeitungen lebt sie heute als freie Schriftstellerin in Manchester und an der Nordseeküste. Sie gilt als eine der interessantesten neuen britischen Autorinnen im Spannungsgenre – und ist außerdem Krimikritikerin. Ihre Bücher erscheinen weltweit in 20 Sprachen. Für „Das Lied der Sirenen“ erhielt sie 1995 den |Gold Dagger Award| der britischen |Crime Writers‘ Association|. (Verlagsinfo)
Val McDermid auf |Buchwurm.info|:
[„Echo einer Winternacht“ 703 (Hörbuch)
[„Der Erfinder des Todes“ 2602 (Hörbuch)
[„Das Lied der Sirenen“ 5647 (Hörspiel)
[„Das Lied der Sirenen“ 1498 (Buch)
[„Schleichendes Gift“ 5727 (Hörbuch)
_Die Sprecherin_
Andrea Sawatzki, Jahrgang 1963, reizen extreme Figuren, ihr Spiel kann in Sekundenschnelle von zarter Verlorenheit zu handfester Vitalität überspringen (FAZ). Für ihre Darstellung der „Tatort“-Kommissarin Charlotte Sänger wurde sie unter anderem mit dem Adolf-Grimme-Preis ausgezeichnet. (Verlagsinfo) Sie spielte unter anderem in Oliver Hirschbiegels „Das Experiment“ neben Mirotz Bleibtreu sehr eindrucksvoll die Rolle einer Verhaltensforscherin, die vergewaltigt wird. Diese Szene wird in TV-Ausstrahlungen stets unterdrückt. Der ganze Film geht an die Nieren, aber diese Szene besonders.
Regie führte Vera Teichmann, den Ton steuerte Christian Mevs.
_Handlung_
Am 27. Juni 2007 wird Detective Inspector Karen Peary von dem Ansinnen einer jungen Bürgerin überrascht. Michelle Gibson möchte ihren Vater Mick Prentiss als vermisst melden: nach 22 Jahren und sechs Monaten. Er sei am 14. Dezember 1984 verschwunden. Karen gehört zum Team für ungelöste Fälle im schottischen Glenrothes und fühlt sich eigentlich nicht zuständig, da ja kein Verbrechen vorliegt, geschweige denn ein unaufgeklärtes. Aber es handelt sich um einen Notfall: Michelles Sohn Luke leidet an Anämie und benötigt dringend eine Knochenmarksübertragung. Am besten natürlich von einem nahen Verwandten, und der nächste wäre zweifellos ihr Vater.
Angeblich war Prentiss ein Streikbrecher, der während des einjährigen Bergarbeiterstreiks zur anderen Seite überlief und mit fünf anderen Kumpels nach Nottingham fuhr. Dieser Verrat war für seine Frau natürlich schlimm, die danach in der Minengemeinde, in der die Gewerkschaft das Sagen hatte, fast wie eine Aussätzige behandelt wurde. Vergangene Zeiten: Die Gewerkschaft gibt es nicht mehr. Und Jenny Prentiss heiratete einen anderen Mann, einen wohlhabenden Steiger, der aber inzwischen auch tot ist, wie Karen herausfindet.
Zu ihrer Überraschung bekommen ihre Kollegen in Nottingham gesagt, dass Mick Prentiss nie mit den Streikbrechern fuhr. Wo aber blieb er dann? Merkwürdig findet Karen auch die Tatsache, dass fast zur gleichen Zeit auch Micks bester Freund Andy Kerr verschwand. Da man einen Abschiedsbrief fand, nahm man an, dass er sich umbrachte. Seine Schwester ließ ihn nach angemessener Zeit für tot erklären, um das Erbe antreten zu können, und wanderte anschließend nach Neuseeland aus, wo sie heiratete.
Karen schnüffelt mit ihrem langjährigen Kollegen Phil Pahatka herum. Während Jenny Prentiss mauert, ist ihre Nachbarin umso mitteilsamer. Ein Bild von der Prentissfamilie und ihrer Gemeinde entsteht. Mick war ein talentierter Aquarellmaler und obendrein Mitglied im Verein zur Erhaltung der Höhlen an der Küste des Landkreises Fife. Als sie ihre Freundin River Wild, eine forensische Anthropologin, bittet, mal hinter dem Einsturz in der größten Höhle nachzusehen, entdecken Rivers Doktoranden im Boden ein männliches Skelett. Doch um wen handelt es sich – Prentiss oder Kerr? Denn wenn Prentiss noch lebt, dann besteht noch Hoffnung für seinen Enkel Luke.
|Der Patriarch|
Karen bringt mit ihren unorthodoxen und vorschriftswidrigen Methoden regelmäßig ihren Chef Simon Lees zur Weißglut. Zum Glück konnte sie ihm bis jetzt vorflunkern, die Höhlenuntersuchung erfolge im Rahmen des neuen Falles, den er ihr übertragen hat: Sie soll die ungeklärten Umstände beim Tod von Catriona Grant untersuchen, der Tochter des bekanntesten Großindustriellen Schottlands, Sir Broderick Maclennan-Grant. Catriona starb nach offiziellen Polizeiberichten bei der Übergabe des Lösegeldes an ihre Entführer Anfang 1985. Angeblich erschoss einer der Entführer die Millionenerbin und flüchtete sowohl mit dem Geld als auch mit ihrem Sohn Adam.
Nun hat die britische Investigativreporterin Annabelle Richmond ein Exemplar jenes Posters entdeckt, mit dem sich die Entführer, der „Anarchistische Kampfbund Schottlands“, an Catrionas Vater wandten. Es zeigt einen Puppenspieler mit Marionetten. Interessanterweise fand Richmond das Poster nicht im Königreich, sondern in der Toskana, unweit Volterra und Siena. In einer alten, verlassenen Villa hatten Hausbesetzer gelebt, die zu einer Wandertruppe von europäischen Puppenspielern gehörten. Neben Posterstapeln fand Richmond auch einen großen Blutfleck. Fand hier ebenfalls ein Mord statt?
Während sie die italienischen Carabinieri um Amtshilfe bittet, ahnt Karen nicht, dass Brodie Maclennan-Grant sie hintergeht. Er schickt die Reporterin aus, um das Verbrechen in der Toskana aufzuklären, denn er vermutet, dass sich dort Adam, sein Enkelsohn und Erbe, befinden könnte. Was weder Richmond noch Karen noch die Carabinieri erwartet haben, ist, hier die Spur von Mick Prentiss zu entdecken …
_Mein Eindruck_
Dass es Val McDermid fertigbringt, auch die entlegensten Schauplätze und die jeweiligen Ereignisse spannend miteinander zu verknüpfen, habe ich inzwischen kapiert. Immerhin habe ich schon fünf Romane dieser Krimiautorin kennengelernt, stets in akustischer Form. Ich habe es kein einziges Mal bereut, sondern wurde stets von ihrer Sicherheit verblüfft, mit der sie ihre Ermittler durch die unwahrscheinlichsten Wendungen führt. Die Handlung war praktisch nie vorhersehbar.
Bis jetzt. Dass Mick Prentiss in Italien ebenso wieder auftauchen würde wie Catrionas entführter kleiner Sohn Adam hielt ich für höchst wahrscheinlich, auch durch die dramaturgische Notwendigkeit, die beiden auseinanderliegenden Handlungsstränge um die Toskana einerseits und das östliche Schottland andererseits zusammenzuführen. Nicht voraussehen konnte ich allerdings, wie es zu dem traurigen Schicksal Catrionas kam und was aus ihrem Sohn Adam wurde. Ich möchte hier nichts Näheres verraten, aber das Finale hat durchaus das Potenzial, recht blutig zu enden. Falls nicht doch noch die unerschrockene Karen Peary korrigierend eingreift.
Das Buch lebt von seinen Kontrasten, aus denen sich entsprechende Kritik ergibt. Auf der einen Seite erkundet Karen Peary die ehemalige Bergarbeiterstadt Weems und deren Ortsteile. Das Schicksal der mit ihrem Streik gescheiterten Bergarbeiter war bitter. Ich habe den Streik 1984 im Fernsehen selbst mitverfolgt und erlebt, wie sich Gewerkschaftsführer Arthur Scargill an die Regierung Thatcher verkaufte. Es war kaum zu fassen. Die wirtschaftlichen Folgen für die Region waren verheerend: Alle Zechen wurden nach und nach geschlossen.
Dem steht nun auf der anderen Seite ein neureicher Emporkömmling namens Broderick Maclennan-Grant gegenüber, der sein Geld vor allem durch seine Frau erwarb, sich aber nun aufführt wie ein Tyrann von altem Adel, der mit der eigenen Familie ebenso willkürlich umspringt wie mit der Polizei (etwa mit dem Speichellecker Simon Lees) und den Medien. Er ließ aus politischem Kalkül Polizeiberichte fälschen, um beispielsweise die peinliche Tatsache zu verschleiern, dass er zu der verhängnisvoll endenden Geldübergabe mit einer Pistole bewaffnet erschien. Der von Karen Peary ins Gefängnis gebrachte ehemalige Detective Inspector James Lawson packt einige Hämmer aus und schildert, was nicht im Polizeibericht stand. Karen Peary kommt ein furchtbarer Verdacht, wer Catriona in Wahrheit auf dem Gewissen haben könnte. Aber sie kann nichts beweisen.
Auftritt Annabelle Richmond. Karen bezeichnet die Reporterin tatsächlich einmal als Sir Brodies „Sklavin“, und da Richmond für sein Geld und den Presse-Ruhm fast alles tut, ist sie keineswegs ein rühmlicher Vertreter ihres Standes. Sie weiß sich wie ein Chamäleon zu tarnen und zu verstellen. Doch sie ist immens tüchtig in der Informationsbeschaffung. Dumm nur, dass sie keine Absicht hat, die Polizei an ihren Ergebnissen teilhaben zu lassen. Karen Peary setzt ihr gnadenlos die Pistole auf die Brust, und Richmond muss sich zwischen zwei Herren entscheiden. Elegant wie stets zieht sie sich aus der Affäre.
Doch wo bleibt hier die Romantik? Gemach, gemach! Es gibt ein leidenschaftliches und glückliches Liebespaar in diesem Buch, und dreimal darf man raten, um wen es sich dabei handelt. Wie schon bei D. H. Lawrence, dem Bergarbeitersohn aus Nordengland, und seiner Geliebten Frieda von Richthofen handelt es sich auch hier um eine verbotene, skandalöse Liebesbeziehung, die von dem Vater der Frau niemals abgesegnet worden wäre – und interessanterweise auch nicht von der Familie des Mannes.
Ob es jemals einen „Anarchistischen Kampfbund Schottlands“ gegeben hat oder je geben könnte, darf wohl mit Fug und Recht bezweifelt werden. Dafür sind die Schotten zu lange von den Engländern geknechtet worden, um jetzt noch etwas mit der Anarchie anzufangen. Und sie sind auch meist zu protestantisch (viele sind Presbyterianer) nüchtern in ihrem Verhalten. So machten sie selbst aus ihrer Vergangenheit noch ein Geschäft, wie ich bei meinem Besuch auf dem Schloss von Edinburgh, dem Holyrood Palace, feststellen konnte.
|Schwächen|
Den nächsten Kontrast bildet dazu die total katholische, sinnenfreudige Toskana, die bei vielen Engländern (und Deutschen) so beliebt ist. Richmond ist nur eine Vertreterin jenes Schlages Engländer, der hier „the good life“ zu genießen versteht. Greve, die Chiantistadt, ist fest in englischer Hand. Auch Sting hat hier ein Domizil. Und zufällig ist Greve neben Siena und San Gimignano einer der malerischen Schauplätze des Romans.
Ob hier die Autorin nicht ein wenig zu sehr auf ihr englisches Publikum geschielt hat? Auch die rasch wechselnden Verwandtschaftsverhältnisse zwischen den Figuren erinnern mich peinlich an Autoren vom Schlage einer Rosamunde Pilcher, in denen ja vielfach das Schicksal unverhofft zuschlägt. Dieses abgedroschene Element tritt auch noch im Epilog auf, indem ein kurzer Dialog einen weiteren Schlenker vollzieht, nur um den armen Luke Gibson vor einem üblen Tod zu bewahren.
|Die Sprecherin|
Die Kapitelüberschriften – Orte und Daten zur Orientierung – liest ein Mann mit einer sonoren Stimme vor, der aber nirgends als Mitsprecher genannt wird. Deshalb konzentriere ich mich in meiner Würdigung auf die Sprecherin.
Andrea Sawatzki ist zwar keine große Stimmkünstlerin, aber ihr gelingt der fast fehlerlose und recht flotte Vortrag dieses vielschichtigen Textes auf eine Weise, die das Verstehen einigermaßen leicht macht. Wir haben es ja hier mit Italienern, Schotten und Briten zu tun. Durchweg konnte ich die tiefere Tonlage für die männlichen Figuren leicht heraushören, wohingegen die weiblichen Figuren fast alle ziemlich gleich klingen.
Deshalb war es unabdingbar, dass die Sprecherin jeder Figur eine eigene Sprech- und Ausdrucksweise zugewiesen hat. So ist es leichter, die pedantische Assistentin von Sir Maclennan-Grant, Susan Charleson, etwa von der resoluten und verschlagenen Karen Peary zu unterscheiden. Und Karens Vorgesetzter, der dämliche Kontrollfreak Simon Lees, ist ebenso deutlich von dem Tyrannen Sir Broderick Maclennan-Grant zu unterscheiden.
Die Sprecherin legt anders als Kolleginnen wie Franziska Pigulla keinen Wert auf Sentimentalitäten oder den Ausdruck von Kurzatmigkeit, Seufzen usw. Es ist ihr wichtiger, eine Figur durch die eigentümliche Sprechweise zu charakterisieren. In diesen Charakterisierungen erweist sich die Routiniertheit der Sprecherin, die hierbei offenbar auf ihre Schauspielausbildung zurückgreift.
Das Hörbuch weist weder Musik noch Geräusche auf, so dass ich darüber kein Wort zu verlieren brauche.
_Unterm Strich_
Diesmal mischt die versierte Autorin in ihre klassische Ermittlung unter Beargarbeitern und Industriebaronen, Puppenspielern und Reportern einen gehörigen Schuss Schicksalsdrama. Die Wechselfälle in den Verwandtschaftsverhältnissen sind doch allzu auffällig häufig, besonders im letzten Drittel. Daher habe ich mich gefragt, ob die Autorin vielleicht die Leserinnen von Autoren des Schlages von Rosamunde Pilcher ansprechen will. Auch die Schilderung der ach so romantischen Toskana ist schon verdächtig, doch sie lässt ihre Reporterin über die vielen Touristen klagen. Dass sie mit Lukes Krankheit und Lebensrettung schwer auf die Tränendrüse drückt, ist ein weiteres Symptom für diesen sentimentalen Schwenk.
Immerhin aber schafft sie es, die wilde Zeit des englischen Bergarbeiterstreiks von 1984 heraufzubeschwören, die für die Entwicklung der britischen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung war. Danach ging es unter Margaret Thatchers „Reaganomics“ steil bergauf, die sich bis zu Tony Blairs Regierungsjahren weiterführen ließen. Diesen Aufschwung konnte kein einziger Streik der Gewerkschaften mehr stoppen und wurde auf Kosten der entmachteten Exgewerkschaftler erkauft – bis zum Crash 2008. Nichts davon ist in diesem Roman nachzulesen, denn dies kann die Autorin bei ihren Lesern als sattsam bekannt voraussetzen, vielleicht sogar in der jungen Generation. Immerhin schreibt die Autorin hier über ihre eigene Heimatregion Kirkcaldy (siehe den Abschnitt „Die Autorin“ oben).
Dies ist der erste Krimi McDermids, dessen Handlungsverlauf ich einigermaßen voraussehen konnte. Das war etwas enttäuschend, aber das Finale entschädigte mich dann doch wieder für die vielen Schwächen dieses Buches.
|Das Hörbuch|
Andrea Sawatzki trägt kompetent und gut verständlich vor. Mit der individuellen Charakterisierung der Figuren trägt sie zur Spannung und Unterhaltung bei, aber auch zum Humor so mancher Szene zwischen der streitbaren Karen Peary und ihrem dümmlichen Chef Simon Lees. Und Karen bekommt endlich einen Lover, was richtig sinnlich wirkt. Der einzige Fehler in der Aussprache betrifft den Namen Ian, aber das ist wirklich der einzige Fehler.
|Originaltitel: A Darker Domain
Aus dem Englischen übersetzt von Doris Styron
443 Minuten auf 6 Cds
ISBN-13: 978-3-86610-637-6|
http://www.val-mcdermid.de
Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Flaschenpost“ begann die 7. Staffel und der Auftakt zur zweiten Geschichte innerhalb des großen POE-Epos. Die Vorgeschichte finden man in den vorangegangenen 26 Folgen sowie in dem Roman „Lebendig begraben“, erschienen bei |Bastei Lübbe|.
USA um 1850. Der Mann, der sich POE nennt und kein Gedächtnis besitzt, versucht nach den schrecklichen Erlebnissen in New York City, ein neues Leben zu beginnen. Er glaubt, er ist Poe, wer sonst? Sicher ruht auf dem Friedhof von Baltimore ein Namenloser. Poe und Leonie mieten Landors Landhaus in den nördlichen Wäldern von New York. Doch sie kommen dort nicht zur Ruhe: Über dem Landhaus liegt ein Fluch. Und Leonies Vergangenheit ist dunkler, als Poe ahnt. (Verlagsinfo)
Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 26 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:
#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein
#26: Die Flaschenpost
#27: Landors Landhaus
#28: Der Mann in der Menge
#29: Der Kopf des Teufels
Das Taschenbuch ist unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.
_Die Inszenierung_
Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.
Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.
Landor: Peter Schiff
Clerk: Oliver Brod
Priester: Johannes Hubert
Büchereiangestellte: Natalie Spinell
Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Giuliana Ertl, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dicky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.
_Vorgeschichte_
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon 26 Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt.
Am Anfang rekapituliert Poe / Pleitgen sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.
_Handlung_
Nachdem ihre Abreise nach England gescheitert ist, suchen Poe und Leonie erstmal ein Zuhause, wo sie zueinanderfinden und heiraten können. Das nächste Landhaus, das sie auftreiben können, gehört einem Herrn Landor und liegt drei Stunden Fußweg außerhalb von New York City. Zunächst fährt er sie zu seinem eigenen Haus, um etwas zu holen, dann bringt er sie zum Landhaus. Sie kommen an einem seltsamen Gedenkstein in Form eines Herzens vorbei. Der Stein soll an ein junges Liebespaar aus dieser Gegend erinnern, das vor zehn Jahren verschwand, und werde „Das steinerne Herz“ genannt, erzählt Landor.
Das Landhäuschen liegt in einem schönen Tal, das sich jenseits eines dichten Waldes öffnet. Das Häuschen benötigt ein wenig Instandsetzung, aber Poe stellt schnell seine handwerklichen Fähigkeiten unter Beweis. Eine häusliche Atmosphäre kehrt nach Landors Abschied ein. Dennoch scheint etwas nicht zu stimmen. Leonie hört unerklärliche Geräusche, und in den Kaminsims ist das gleiche Zeichen wie in den Gedenkstein eingeritzt. Welcher Zusammenhang mag hier bestehen?
Als sie von einem langen Fußweg in die Stadt und zum Pfarrer einer kleinen Kapelle zurückkehren, fließt der Bach direkt durch ihr Häuschen! Die Tür ist offen – wer hat sie geöffnet? Sie rackern, um den Bach abzulenken und das Haus wieder bewohnbar zu machen. Erschöpft fallen sie ins Bett. Als Poe am nächsten Tag Landor davon erzählt, faselt dieser etwas von einem Fluch, der auf diesem Haus liege, und rät ihnen, schleunigst abzureisen. Poe beschwört ihn, Leonie nichts davon zu erzählen.
Sie ist aufs Konsulat in die Stadt gegangen, um sich Identitätspapiere auf den Namen „Leonie Sander“ ausstellen zu lassen, damit sie Poe heiraten kann. Dass sie Sander heißt, weiß er ja schon aus ihrer Zeit in New Orleans. Er besucht unterdessen die Ortsbücherei und leiht ein Buch über lokale Legenden aus. Einst habe hier im Tal eine alte Hexe gelebt, heißt es da. Doch ein Kaufmann und seine Geliebte hatten Streit mit ihr, woraufhin sie verbrannt werden sollte. Doch sterbend verfluchte sie ihn und alle seine Nachkommen. Der Kaufmann ließ an der Stelle des alten Hexenhäuschens sein Lusthäuschen errichten, doch eines Tages starb er bei einem Brand in der Scheune.
Na, das sind ja lustige Geschichten, denkt Poe noch. Da schlägt neben dem Haus der Blitz in einen großen Baum, der sofort Feuer fängt. Dieses Haus scheint wirklich verflucht zu sein: Erst Wasser, dann Feuer. Was kommt als nächstes? Hinter einem Riss in der Kellermauer stößt Poe mit Leonie auf das grausige Geheimnis dieses Hauses …
_Mein Eindruck_
Diese Episode ist eine der seltenen POE-Folgen, deren Handlung völlig auf dem Lande stattfindet. Meist liegt der Schauplatz ja in der Stadt, sei es New York oder New Orleans, oder auf und an der See. Zwar beginnt diesmal alles in einer Idylle auf dem Lande, doch auch hier endet alles in purem Horror.
Bemerkenswert komplex ist die vielsträngige Handlung, so dass die verschiedenen Schichten einander beeinflussen. Zunächst sieht es so aus, als würden beide erfolgreich aufs Land fliehen können, doch schon bald gehen mit Leonie rätselhafte psychische Veränderungen vor sich. Die Hochzeitsvorbereitungen gelingen zwar pragmatisch, und das Leitmotiv der Paare, symbolisiert durch „Das steinerne Herz“, wird hoffnungsvoll weitergeführt.
Doch etwas hat sich gegen das Glück der Verlobten verschworen. Zunächst scheint es nur die Natur zu sein: der Bach, der über die Ufer trifft, der Blitz, der den Baum in Brand gesetzt. Doch je mehr Poe über die Vorgeschichte dieses Ortes erfährt, desto mehr gelangt er zur Überzeugung, dass ein Fluch nicht nur auf diesem Haus, sondern auch auf seiner Verbindung mit Leonie liegt.
Als auch noch Landor den düsteren Hintergrund bestätigt und das Grauen im Keller erklärt, ist es mit der Ruhe auf dem Lande endgültig vorbei. Die Heirat mit Poe scheint keine Perspektive mehr zu sein. Leonie verschwindet spurlos, und Poe ist auf sich selbst angewiesen. Dies hat schlimme Folgen für ihn, wie die übernächste Folge zeigt.
_Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Mr. Poe
Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in fast jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. In dieser Episode schwankt Pleitgens Ausdruck zwischen hoffnungsvoller Aufbruchstimmung und niedergeschmetterter Grübelei – und allen Nuancen, die dazwischen liegen. Das ist eine herausragende Darstellerleistung.
Miss Leonie Goron
Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. In der neuen Staffel tritt sie nicht mehr so energisch auf, sondern erscheint uns als zwielichtige, will heißen: mehrdimensionale Figur, die es zu ergründen gilt. Die weitere Folgen legen ihre verborgenen Schichten offen und warten mit Überraschungen auf. Leonie hat uns (und Poe) beileibe nicht alles über sich erzählt.
Landor
Peter Schiff spricht zwar nur eine Nebenfigur, doch sein Landor ist von einer beeindruckenden Nuancenvielfalt. Erst erscheint Landor als eine normale Art von Landedelmann, doch je mehr sich die Natur von ihrer ungastlichen Seite zeigt, desto mehr erscheint seine Figur im Zwielicht, denn schließlich ist er der König dieses Landes. Die Wahrheit über seine Rolle trifft den Hörer ziemlich unvermutet, daher umso heftiger. Peter Schiff weiß alle diese Wandlungen dieser Figur überzeugend darzustellen – eine beachtliche Leistung.
|Geräusche|
Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.
Die Geräuschkulisse ist entsprechend realistisch und detailliert gestaltet. Ländliche Geräusche wie eine rollende Kutsche, ein schnaubendes und wieherndes Pferd sowie die allgegenwärtigen Vögel – ein sehr beliebtes Motiv der Serie – gesellen sich diesmal zu unheimlichen Wetterphänomenen wie Blitz, Donner und Regen. Je ungastlicher die Natur sich gebärdet, umso feindseliger führt sich auch die Tierwelt auf: Wespen summen und Ratten fiepen. Den Schlusschor bilden unheilvolle Nachtvögel, die schon immer als Omen des nahen Todes galten, sowie Krähen, die Aasvögel des Todes. Höchste Zeit für die unwillkommenen Menschlein, von diesem ungastlichen Ort abzuhauen.
|Musik|
Die Musik untermalt, quasi als eine Widerspiegelung, die emotionale Verfassung der jeweiligen Hauptfigur. In aller Regel ist dies die von Poe selbst, aber es gibt auch andere Erzählperspektive, so etwa die von Dr. Baker und die von Leonie. Immer wieder ist das leitmotivische Poe-Thema zu hören, das in allen möglichen Instrumentierungen erklingt, mal als Streichquartett im langsamen Tempo, dann wieder durch Hörner umgesetzt.
Diesmal erklingt der aus früheren Folgen bekannte Chor „Dies irae, dies illa“, der das Verhängnis, das über Poe hängt, beschwört. Hier waren offenbar versierte Komponisten und Arrangeure am Werk – ebenso Hagitte und Bertling vom Studio |STIL|.
Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.
|Der Song|
Der britische Schauspieler Christopher Lee singt „Elenore“, das schon auf der CD „Visionen“ zu finden ist. Hier liegt der EAP-Mix vor. Die Musik stammt wieder von Hagitte & Bertling, der deutsche Text von Marc Sieper. Sopran singen Rosemarie Arzt und Ricarda Lindner. Es spielt das Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte.
Christopher Lee wurde am 27. Mai 1922 in London geboren. Seine Schauspielkarriere begann 1947. Den meisten dürfte der britische Schauspieler als Dracula bekannt sein, den Lee 1958 das erste Mal verkörperte und damit weltberühmt wurde. Noch vor seiner Zeit als Schauspieler war Lee in diversen Opernhäusern zu hören – er genoss eine Ausbildung als Opernsänger. Einige seiner aktuellen Rollen sind die des Saruman in „Herr der Ringe“ und Count Dooku in „Star Wars“. Insgesamt wirkte Lee in über 250 Filmen mit.
Ich wusste auch nicht, wie toll Christopher Lee singen kann – bis ich seine Aufnahme auf der CD [„Visionen“ 2554 hörte. Der Gesang ist klassisch, die Orchesterbegleitung ebenso, zwei Soprane begleiten den Meister, streckenweise im Duett. Er gibt die dramatische Ballade „Elenore“, in der um die verlorene Liebste geklagt wird, zum Besten, und zwar mit viel Gefühl und Sinn fürs Dramatische. Man stelle sich eine schmissige Arie aus einem bekannten Musical vor, z. B. „Elisabeth“ – so umwerfend gut kommt das rüber. Die vorliegende Fassung wurde neu gemischt, um zur Instrumentierung des Hörspiels zu passen.
_Unterm Strich_
Poe und Leonie hätten es wie Adam und Eva haben können, doch das Land ist nicht mehr wie im Garten Eden, sondern selbst mit einem Fluch belegt. Dass es sich um den Fluch einer Hexe handeln soll, mutet dem Hörer schon etwas ungewöhnlich an, denn Hexen werden mit europäischen Märchen assoziiert. Aber es gab ja auch Hexenprozesse im Salem des 17. Jahrhunderts, und warum sollte der Hexenglaube sich nicht auch bis nach New York City verbreitet haben? Das Motiv des Hexenfluches ist schon ziemlich alt, und hier wird es mit dem Thema des Fluches, der auf Poe lastet, verknüpft. Folgerichtig kommt es zur Vertreibung aus diesem verdorbenen Paradies.
Ich fand diesen Plot ziemlich schlau ausgedacht und wurde Ohrenzeuge, wie ausgetüftelt die Szenen gestaltet wurden. Die akustische Umsetzung ist vom Feinsten, und man merkt in jeder Szene, wie viel Sorgfalt die Mitwirkenden und Macher aufgewendet haben, um die Episode reizvoll und stimmungsvoll zu gestalten. Ein Highlight ist für mich zweifellos Christopher Lees Song, auch wenn dieser eher Musical-Freunde ansprechen dürfte.
Die Reihe wird mit „Der Mann in der Menge“ fortgesetzt.
|Basierend auf: Landor’s Cottage, ca. 1848
58 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Flaschenpost“ beginnt die 7. Staffel und der Auftakt zur zweiten Geschichte innerhalb des großen POE-Epos. Die Vorgeschichte finden man in den vorangegangenen 25 Folgen sowie in dem Roman „Lebendig begraben“, erschienen bei |Bastei Lübbe|.
USA um 1850. Der Mann, der sich POE nennt und kein Gedächtnis besitzt, versucht nach den schrecklichen Erlebnissen in New York City, ein neues Leben zu beginnen. Er glaubt, er ist Poe, wer sonst? Sicher ruht auf dem Friedhof von Baltimore ein Namenloser. Eines Tages findet er eine Flaschenpost, und plötzlich legen sich die Schatten der Vergangenheit auf seinen Weg. (Verlagsinfo)
Mit der Erzählung „M.S. found in a bottle“ (M.S. = Manuscript) errang Poe anno 1833 den |Fiction Prize| der Zeitung „Baltimore Saturday Visitor“ und so seinen ersten größeren Erfolg auf der literarischen Bühne.
Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 25 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:
#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein
#26: Die Flaschenpost
#27: Landors Landhaus
#28: Der Mann in der Menge
#29: Der Kopf des Teufels
Das Taschenbuch ist unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei Bastei-Lübbe erschienen.
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.
_Die Inszenierung_
Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.
Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.
Direktor: Friedhelm Ptok
Griswold: Friedrich G. Beckhaus
Carolan: William O’Connor
Wirt: Charles Rettinghaus (dt. Stimme von Jean-Claude van Damme u. a.)
Diplomat: Arne Toost
Kapitän: Rainer Wut
Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Giuliana Ertl, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.
|Das Titelbild|
Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt eine Burg auf einer vorgelagerten Insel, mit einem großen Felsen im Vordergrund. Die Insel könnte St. Michael’s Mount an der englischen Südküste sein, das Gegenstück zum Mont St. Michel in der Normandie.
Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Aldous Huxleys „doors of perception“.
|Das Booklet|
Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E.A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.
_Vorgeschichte_
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon 25 Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt.
Am Anfang rekapituliert Poe / Pleitgen sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.
_Handlung_
Nach den schrecklichen Vorgängen auf dem Friedhof, bei denen Dr. Baker alias Templeton von Poe besiegt wurde, ist Poe unsicher, wer er wirklich ist. Wenn in seinem Grab in Baltimore, wie Baker behauptet, nur ein namenloser Landstreicher liegt, muss er der echte Poe sein. Er freut sich bereits darauf, endlich wieder schreiben und publizieren zu können, als ihm ein neuerlicher Besuch in der Irrenanstalt auf Blackwell’s Island vor New York City deutlich vor Augen führt, dass auch dies nur ein Wunschtraum ist. Nicht nur, dass Dr. Baker noch lebt und dort als namenloser Insasse eingesperrt ist, nein, der neue Direktor kennt Poe persönlich – und Poe ist mit Sicherheit nicht jener Schriftsteller. Folglich darf Poe nie mehr auftreten, will er nicht eingesperrt werden.
Im Versuch, ein neues Leben an der Seite Leonie Gorons aufzubauen, macht er ihr einen Heiratsantrag. Anzeichen dafür, dass sie etwas vor ihm verbirgt, übersieht er wie üblich. In England wartet eine Erbschaft auf Leonie. Schon am nächsten Tag geht ein Segler. Als sie an Bord gehen, begrüßt der Kapitän gerade einen Mann namens Carolan, der angibt, krank zu sein und in seiner englischen Heimat sterben zu wollen.
Einen Tag später ist Carolan zusammengebrochen, und das Schiff muss in Sandy Hook anlegen. Ein Arzt verhängt Quarantäne, was die Weiterfahrt unmöglich erscheinen lässt. Eine Flaschenpost, die Leonie auffischt, inspiriert Poe zu weiterem Schreiben – über einen Schiffbrüchigen, der auf ein Kriegsschiff gerät, auf dem sich niemand befindet: ein Geisterschiff …
Unheimliche Dinge gehen an Bord des unter Quarantäne stehenden Seglers vor sich. Schon zwei Matrosen sind gestorben, und als Leonie und Poe beschließen, sich vorsichtshalber zu verdrücken, hören sie einen weiteren Schrei des Todes. In der Strandkneipe „Zum toten Matrosen“ finden die beiden Obdach und lernen den Journalisten Griswold kennen. Als Poe ihm hoffnungsfroh sein neues Manuskript zu lesen gibt, reagiert dieser jedoch auf unangenehme Weise anders als erwartet. Er nennt Poe wütend einen Scharlatan und Nichtskönner, der nur den Stil des echten Poe nachäffe, der, wie jeder wisse, auf einer Reise verschwunden sei …
_Mein Eindruck_
Nach den ersten 25 Folgen schienen alle offenen Fragen beantwortet zu sein. Doch nun stellt sich heraus, dass dem keineswegs so ist. Erstens ist das Geheimnis Leonies zu lüften, die es ja mehr oder weniger in die Vereinigten Staaten verschlagen hat. Und zweitens ist Poes Identität zwar (halbwegs) geklärt, aber ironischerweise nicht umsetzbar. Alle Welt hält den namenlosen Landstreicher, der 1849 anstelle Poes in Baltimore begraben wurde, für den echten Poe. Jeder, der für sich nun reklamiert, Poe zu sein, muss automatisch als Hochstapler angesehen werden. Das wird dem echten Poe an Leonies Seite nur zu bald klar. Identität kann eine zweischneidige Sache sein, wie ihm in seinen philosophischen Grübeleien am Strand von Sandy Hook klar wird.
In dieser Episode scheint nicht viel zu passieren, doch das kann nur einem Menschen so vorkommen, der nicht kreativ ist. In Poe selbst passiert nämlich sehr viel. Inspiriert von dem „Manuskript in der Flasche“- so heißt der Titel einer von Poes frühesten Erzählungen (s. o.) – kann Poe endlich wieder schreiben. Das wäre schon mal für ihn und Leonie eine gute Voraussetzung, um mit der Schriftstellerei in England seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch auch dieser Plan wird zerschlagen, als Griswold ihn des Plagiats bezichtigt.
Dieser Griswold war in Wahrheit nicht Journalist, sondern Reverend und einer von Poes schlimmsten Widersachern. Ausgerechnet diesen Mann setzte der echte Poe zu seinem Nachlassverwalter ein und machte so den Bock zum Gärtner. Ob beispielsweise die berühmte Erzählung „Das Fass Amontillado“ wirklich so von Poe geschrieben wurde, darf stark bezweifelt werden, denn es gibt nur jene Fassung, die Griswold im Nachlass gefunden haben will und publizierte.
Zurück zum Hörspiel. Nach einer heftigen psychosomatischen Reaktion ist Poe wieder so weit hergestellt, dass er Leonie wiedererkennt. Sie sagt ihm, sie könnten noch nicht nach England und müssten beweisen, dass Poe wirklich er selbst sei. Das scheint eine unmögliche Aufgabe zu sein. Und der Einzige, der ihnen dabei helfen kann, ist derjenige, der Poe angeblich unter die Erde gebracht hat: Dr. Baker alias Templeton, mal wieder.
_Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Mr. Poe
Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in fast jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. In dieser Episode schwankt Pleitgens Ausdruck zwischen hoffnungsvoller Aufbruchstimmung und niedergeschmetterter Grübelei – und allen Nuancen, die dazwischen liegen. Das ist eine herausragende Darstellerleistung.
Miss Leonie Goron
Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. In der neuen Staffel tritt sie nicht mehr so energisch auf, sondern erscheint uns als zwielichtige, will heißen: mehrdimensionale Figur, die es zu ergründen gilt. Die weiteren Folgen legen ihre verborgenen Schichten offen und warten mit Überraschungen auf. Leonie hat uns (und Poe) beileibe nicht alles über sich erzählt.
|Musik und Geräusche|
Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.
Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Wie so häufig, halten sich die Outdoor-Geräusche mit denen in Wohnräumen die Waage. Wiederholt sind Vögel zu hören – seltsamerweise eine Feldlerche, wenn weit und breit weder Acker noch Wiese zu finden sind. Aber auch Pferde und Kutschen, Glocken, Türen und Riegel sind immer wieder zu vernehmen, am Strand natürlich die Brandung.
|Musik|
Die Musik untermalt, quasi als eine Widerspiegelung, die emotionale Verfassung der jeweiligen Hauptfigur. In aller Regel ist dies die von Poe selbst, aber es gibt auch andere Erzählperspektiven, so etwa die von Dr. Baker und die von Leonie. Immer wieder ist das leitmotivische Poe-Thema zu hören, das in allen möglichen Instrumentierungen erklingt, mal als Streichquartett im langsamen Tempo, dann wieder durch Hörner umgesetzt. Einmal imitiert die Musik sogar die totale Verwirrung, in die Poe durch die abweisende Reaktion Griswold gestürzt worden ist, und die Musik ist selbst ganz durcheinander, atonal und arhythmisch. Hier waren offenbar versierte Komponisten und Arrangeure am Werk, ebenso Hagitte und Bertling vom Studio |STIL|.
Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.
|Der Song|
Der britische Schauspieler Christopher Lee singt „Elenore“, das schon auf der CD „Visionen“ zu finden ist. Hier liegt der EAP-Mix vor. Die Musik stammt wieder von Hagitte & Bertling, der deutsche Text von Marc Sieper. Sopran singen Rosemarie Arzt und Ricarda Lindner. Es spielt das Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte.
Christopher Lee wurde am 27. Mai 1922 in London geboren. Seine Schauspielkarriere begann 1947. Den meisten dürfte der britische Schauspieler als Dracula bekannt sein, den Lee 1958 das erste Mal verkörperte und damit weltberühmt wurde. Noch vor seiner Zeit als Schauspieler war Lee in diversen Opernhäusern zu hören – er genoss eine Ausbildung als Opernsänger. Einige seiner aktuellsten Rollen sind die des Saruman in „Herr der Ringe“ und Count Dooku in „Star Wars“. Insgesamt wirkte Lee in über 250 Filmen mit.
Ich wusste auch nicht, wie toll Christopher Lee singen kann – bis ich seine Aufnahme auf der CD „Visionen“ hörte. Der Gesang ist klassisch, die Orchesterbegleitung ebenso, zwei Soprane begleiten den Meister, streckenweise im Duett. Er gibt die dramatische Ballade „Elenore“, in der um die verlorene Liebste geklagt wird, zum Besten, und zwar mit viel Gefühl und Sinn fürs Dramatische. Man stelle sich eine schmissige Arie aus einem bekannten Musical vor, z. B. „Elisabeth“ – so umwerfend gut kommt das rüber. Die vorliegende Fassung wurde neu gemischt, um zur Instrumentierung des Hörspiels zu passen.
_Unterm Strich_
Diese Episode ist die Geschichte einer gescheiterten Hoffnung – und als solche nicht sonderlich aufmunternd. Aber welches von Poes Erlebnissen wäre dies auch schon? Wenigstens gibt es keine besonders gruseligen Vorkommnisse. Ein wenig enttäuscht war ich von der sehr kurzen Abfertigung, die der titelgebenden Geschichte widerfährt: Die Geschichte des Schiffbrüchigen, der auf einem Geisterschiff landet, ist reizvoll, erinnert jedoch vielleicht ein wenig zu sehr an die von Arthur Gordon Pym, Poes bekanntes Romanfragment. Das hätte vielleicht zu weit geführt – und womöglich eine neue Poe-&-Pym-Reihe erforderlich gemacht (ein durchaus reizvoller Gedanke).
Die akustische Umsetzung ist wieder mal vom Feinsten, und man merkt in jeder Szene, wie viel Sorgfalt die Mitwirkenden und Macher aufgewendet haben, um die Episode reiz- und stimmungsvoll zu gestalten. Bis auf die Feldlerche an der Küste ist ihnen dies auch passend gelungen. Ein Highlight ist für mich zweifellos Christopher Lees Song, auch wenn dieser eher Musical-Freunde ansprechen dürfte.
Die Reihe wird mit „Landors Landhaus“ fortgesetzt.
|Basierend auf: M.S. found in a bottle, 1833
74 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
Die Hörspiel-Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör. Mit „Feeninsel“ beginnt die achte Staffel des großen POE-Epos. Die Vorgeschichte findet man in den vorangegangenen 32 Folgen sowie in dem Roman [„Lebendig begraben“,]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 erschienen bei |Bastei Lübbe|.
USA um 1850. Der Mann, der sich POE nennt und kein Gedächtnis besitzt, versucht nach den schrecklichen Erlebnissen in New York City, ein neues Leben zu beginnen. Er glaubt, er ist Poe, wer sonst? Sicher ruht auf dem Friedhof von Baltimore ein Namenloser. Nach seiner Flucht aus dem Irrenasyl von Blackwell’s Island hat er seine Beinahegattin Leonie wiedergetroffen und versucht, seine Identität durch seinen Verleger Graham bestätigen zu lassen – nur um in eine perfide Falle zu tappen.
Nun sucht Poe mit Leonie seine Spuren in dem kleinen Weiler Fordham in den nördlichen Wäldern, wo Poe einmal gewohnt hat. Das weiß er aus einer Kurzbiografie in einem von Poes Büchern, die Graham gedruckt hatte. Doch in Fordham will niemand etwas mit dem Namen „Poe“ zu tun haben …
Die |Edgar Allan Poe|-Serie von |STIL| bei |Lübbe Audio|:
#1: [Die Grube und das Pendel 1487
#2: [Die schwarze Katze 755
#3: [Der Untergang des Hauses Usher 761
#4: [Die Maske des roten Todes 773
#5: [Sturz in den Mahlstrom 860
#6: [Der Goldkäfer 867
#7: [Die Morde in der Rue Morgue 870
#8: [Lebendig begraben 872
#9: [Hopp-Frosch 1906
#10: [Das ovale Portrait 1913
#11: [Der entwendete Brief 1927
#12: [Eleonora 1931
#13: [Schweigen 3094
#14: [Die längliche Kiste 2510
#15: [Du hast’s getan 2518
#16: [Das Fass Amontillado 2563
#17: [Das verräterische Herz 2573
#18: [Gespräch mit einer Mumie 3178
#19: [Die Sphinx 3188
#20: [Scheherazades 1002. Erzählung 3202 (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: [Schatten 3206 (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: [Berenice 4394
#23: [König Pest 4408
#24: [Der Fall Valdemar 4420
#25: [Metzengerstein 4471
#26: [Die Flaschenpost 4946
#27: [Landors Landhaus 4966
#28: [Der Mann in der Menge 5000
#29: [Der Kopf des Teufels 5089
Achte Staffel (11/2008):
#30: [Feeninsel 5540
#31: [Teer und Federn 5569
#32: [William Wilson 5578
#33: Morella
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.
Mehr von und über Edgar Allan Poe auf |Buchwurm.info|:
[„Faszination des Grauens 554“]
[„Edgar Allan Poes Meistererzähler“ 4832 (Hörbuch)
[„Der Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11, Hörspiel)
[„Der Doppelmord in der Rue Morgue“ 2396 (Hörbuch)
[„Der Streit mit der Mumie“ 1886 (Hörbuch)
[„Die Brille“ 1885 (Hörbuch)
[„Mythos & Wahrheit: Edgar Allan Poe. Eine Spurensuche mit Musik und Geräuschen“ 2933
[„Visionen“ 2554
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon zahlreiche Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.
Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie unter anderem mit dem |Bambi| und mit der |Goldenen Kamera| ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.
Edgar Allan Poe: Ulrich Pleitgen
Leonie Goron: Iris Berben
Rick Ellis: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan)
Morella: Sabine Arnhold (Lola Glaudini, Melinda Clarke)
Alte Frau: Hannelore Minkus (Kathryn Joosten, Frances Sternhagen)
Und andere.
Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Giuliana Ertl, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dicky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.
_Vorgeschichte_
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon 32 Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt.
_Handlung_
Nach schrecklichen Erlebnissen und Träumen beschließt Poe, seine Verwandten zu suchen. Und es gibt auch einen Hinweis, den er der Kurzbiografie im Buch fand, das er in der Gruft las: Poe lebte eine Zeitlang in dem Dörfchen Fordham, das in den nördlichen Wäldern liegt – einer verrufenen Gegend, wie Poe inzwischen wohl bewusst ist. Er will sich auf Ricks Rat hin als Poes Biograph tarnen. Man weiß ja nie, wie die Leute dort auf den Namen „Poe“ reagieren.
Endlich stößt auch Leonie wieder zu ihm! Sie hat ihn bei Rick, ihrem gemeinsamen alten Unterschlupf, gefunden. Die Postkutsche setzt sie beide in Fordham ab, doch keiner will dort Unterkunft gewähren, sobald der Name „Poe“ fällt. Nach einem Hinweis gehen sie zu dem abgelegenen Haus, wo Poe mit einer Familie gewohnt haben soll. Neben dem Haus erblickt Poe eine Hütte und fragt dort eine alte Frau nach Informationen, doch auch sie sagt nichts.
Obwohl das Haus verlassen und verfallen aussieht, bleibt Poe und Leonie nichts anderes übrig, als dort zu übernachten. Die Dusche fällt Poe sofort auf: Sie ist ungewöhnlich modern eingerichtet und im Gegensatz zum Rest des Hauses blitzblank. An einer der Wände steht das Wort MORELLA. Was mag es wohl bedeuten? In der Nacht hat Poe den ersten von mehreren Träumen, in denen eine junge Frau zu ihm spricht. Wer ist sie? Hat sie hier mit dem Dichter gelebt?
Es gibt Anzeichen, dass in der Nacht jemand im Haus war. Aber die Suche muss weitergehen: Sie suchen alle Zimmer ab, sogar das Arbeitszimmer, wo sich ein verfallenes Bücherregal findet, doch keine Bücher. Nur ein verstecktes altes Foto, eine Daguerreotypie: Sie zeigt eine alte Frau, die den Betrachter freudlos anschaut. Keine Daten geben Aufschluss über das Entstehungsdatum. Im nächsten Traum kommt die junge Frau wieder zu ihm: Er solle lernen, die Frau zu achten, die er einst verschmähte.
Leonie wird das Haus allmählich ganz schön unheimlich. Da auch der Keller keine Hinweise liefert, beschließen sie, ihre Sachen zu packen und die nächste Postkutsche zu nehmen, die einmal am Tag Fordham passiert. Doch etwas hält Poe noch an diesem Ort: Er ist sicher, das Rätsel lösen zu können. Sie bleiben noch eine Nacht, und wieder erscheint ihm die Frau im Traum. Eine Totenglocke läutet, heute wird sie begraben: „Du wirst finden, was du einst verlorst“, sagt eine Stimme zu ihm. Die Zukunft liege in seiner Vergangenheit …
Als Poe erwacht, ist Leonie nicht in ihrem Bett. Als er sie im Erdgeschoss sucht, folgt er dem Geräusch des Rauschens von Wasser. Sie muss in der Dusche sein. Eine bizarre Szene bietet sich ihm: Leonie steht mit einem Messer in der erhobenen Hand vor einer nackten jungen Frau, die in der Dusche steht. Ist dies die nächtliche Besucherin?
_Mein Eindruck_
Wenn sich jemand an die berühmte Duschszene aus Hitchcocks Thriller „Psycho“ (1960) erinnert fühlt, so lag dies sicherlich in der Absicht der Macher dieses Hörspiels. Das erhobene Messer, die Dusche, das ominöse Rauschen des Wassers, das wehrlose weibliche Opfer – es ist alles angerichtet, um einen schön blutigen Mord zu zelebrieren. Doch so weit soll es (leider) nicht kommen, denn Poe ist keineswegs umnachtet, wie er vielleicht gemeint hat, sondern durchaus noch im Diesseits. Doch wer ist die junge Frau in der Dusche?
Schon in den Hörspielen zu „Eleonora“ und „Berenice“ wurden mit Poes Erzählungen über junge, schöne Frauen bekannt gemacht, die früh starben (ein sehr romantisches und poetisches Motiv), aber von jenseits des Todes ihren unheilvollen Einfluss auf ihren einstigen Geliebten ausüben. Poe hat den Tod junger Frauen, wie oben aus seiner Biografie ersichtlich wird, selbst erlebt und mehrfach in seinen Erzählungen verarbeitet. „Morella“ ist die Nr. 3, doch die beste ist Nr. 4 „Ligeia“. Auf dieses Hörspiel warte ich bereits sehr gespannt.
Morella tritt in dem Hörspiel erst nur im Traum auf, als wäre sie ein Geist. Die Traumauftritte wechseln sich mit dem relativ drögen Tagesgeschehen ab und bilden eine Sequenz, die offenbar einem Höhepunkt zustrebt. Wird Morella, die Traumfigur, persönlich auftreten? Das ist die spannende Frage, die sich der Hörer stellt. Und wenn ja, wird sich dann ihr Einfluss fördernd oder verderblich auf Mr. Poe, den Besuchten, auswirken?
Genau an diesem Punkt stellte sich mir die Frage, wie ein solches Geistwesen sowohl real als auch eine Traumfigur sein kann. Die Nagelprobe erfolgt dann wenig später, als ein Schuss fällt und es einen Toten gibt. Ist die Traumfigur für eine Pistolenkugel überhaupt erreichbar, fragte ich mich. Aber wenn es das Mädchen Morella wirklich gäbe, in welcher Beziehung stünde sie dann zu dem Dichter Poe, als dessen Reinkarnation ihr der Mann, der sich Poe nennt, erscheinen muss?
Diese Geheimnisse sollen nicht verraten werden, um die Spannung nicht zu verderben.
In dieser Episode stößt Poe auf zwei Spuren seiner Familie. Die eine führt zu seiner Mutter nach Boston, die andere zu seiner Schwester nach Baltimore. Von beiden Damen ist in den Poe-Biografien, die ich gelesen habe, sehr wenig die Rede, ganz einfach deshalb, weil sie schon früh aus seinem Leben verschwinden. Umso neugieriger macht mich nun ihr unvermitteltes Auftreten. Als nächstes ist „Das Geheimnis der Marie Rogêt“ zu lüften.
_Die Inszenierung_
|Sprecher & Figuren|
Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Aber Poe kann auch sehr pragmatisch agieren, und Pleitgen weiß die scharfe Beobachtungsgabe seiner Hauptfigur wie auch dessen Hinterlist ebenso glaubwürdig darzustellen. Sein Poe ist kein hilflos durch die Gassen torkelnder Somnambuler, sondern ein hellwacher Geist, der nur ab und zu unter ein paar Bewusstseinstrübungen leidet, die ihn in Gestalt von Träumen heimsuchen. Diese Träume, so erkennt er schließlich, sind Erinnerungen an seine eigenen Erzählungen. Aber trifft dies auch auf Morella zu?
Leonie Goron erschien uns in den ersten Staffeln als patente und zupackende Helferin und Gefährtin des manchmal recht hilflosen Poe. Doch nach dem scheinbaren Tod Dr. Templetons ändert sich ihr Erscheinungsbild. Sie hat ja zuvor schon Andeutungen gemacht, dass sie vor gewissen Ereignissen in England geflohen sei, um bei ihrer Kusine in den Vereinigten Staaten Hilfe und Obdach zu finden.
Doch offensichtlich ist ihr ihr Mann, den sie als einen verurteilten Mörder verließ, in die Neue Welt gefolgt und hat sie bereits einmal gefangen genommen. Der Schluss liegt nahe, dass es sich bei ihrem Mann, der bislang noch keinen Namen bekommen hat, um Dr. Templeton alias Baker handelt, Poes Peiniger. Das würde der Geschichte eine weitere Ebene an tragischer Ironie hinzufügen. Kein Wunder, dass Templeton sowohl seine Aufzeichnungen von Poe als auch seine entflohene Frau zurückhaben will.
Nun erscheint Leonie als gehetzte Frau auf der Flucht vor der Vergangenheit – so ziemlich das Gegenteil zu Poe. Denn Poe sucht in der Vergangenheit sein Heil, die in seiner Identifizierung als der echte Edgar Allan Poe bestehen soll, um ihm eine Zukunft zu ermöglichen. Ob dieser Glücksfall und Erfolg wirklich eintritt, ist noch abzuwarten.
Die Figur der Morella wird leider überhaupt nicht ausgebaut, sondern lebt nur in der Erinnerung der alten Frau fort, die nahe Poes Ex-Haus wohnt. Diese Alte ist Morellas Mutter und spielt eine verhängnisvolle Rolle, erweist sich aber auch als Informationsquelle.
|Geräusche|
Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.
Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Aber sie werden nur ganz gezielt dort eingesetzt, wo sie einen Sinn ergeben. Die Geräusche im Haus sind entsprechend reduziert: Stühle, Betten, Gerümpel, Schritte.Von draußen sind Regen und Wind zu hören, ab und zu auch mal ein Vogelruf (diesmal kein Wolfsgeheul).
Diese untere Schicht von Geräuschen wird von der Musik ergänzt, die eine emotionale Schicht einzieht. Darüber erst erklingen die Stimmen der Sprechen: Dialoge, aber auch Rufe und sogar Schreie. Durch diese Klang-Architektur stören sich die akustischen Ebenen nicht gegenseitig, sind leichter aufzunehmen und abzumischen. Das Ergebnis ist ein klares Klangbild, das den Zuhörer nicht von den Informationen, die es ihm liefert, ablenkt.
|Musik|
Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der jeweiligen Hauptfigur und ihres Ambientes darzustellen. Leonie hat nicht ihr eigenes musikalisches Leitmotiv, doch allenthalben stößt sie auf die Spuren Poes, der musikalisch mit seinem Leitmotiv sowie mit dem Chor „Dies illa, dies irae“ zitiert wird. Da diese Handlung jedoch auf eine Duschszene à la „Psycho“ sowie einen Schuss im Dunkeln hinausläuft, lässt die Musik die bekannten kreischenden Psycho-Geigen von Bernard Hermann erklingen.
Aber die Musik kann auch Poes Jubel über das Wiedersehen mit Leonie illustrieren, sowie die unheimliche Stimmung in Poes altem Haus, in dem Poe mit Leonie zusammen wie Ehepartner leben. Erst nach dem Schuss tritt wieder die düstere Stimmung vieler Poe-Folgen auf, und zwar mit der dramatischen Stimmung einer Tragödie. Erst durch die Geräusche des Aufbruchs zu neuen Zielen wird dieser Tiefpunkt überwunden. Und der Schluss-Song entführt den Zuhörer wieder in andere Gefilde.
Ein Streichquartett und Musiker des Filmorchesters Berlin wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht. An der Musik gibt es absolut nicht auszusetzen. Für die jüngere Generation mag sie aber zu klassisch orientiert sein.
|Der Song|
Jede Folge der Serie wird mit einem Song abgeschlossen, und in jeder Staffel gibt es einen neuen Song. Diese Staffel enthält den Song „You see“ von der deutschen Gruppe |Elane|. Die Stilrichtung entspricht einem weiterentwickelten Celtic Folk Rock, wie er von der Gruppe |Clannad| in den siebziger und achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entwickelt wurde. Auch bei |Elane| wird englische mit gälischer Sprache kombiniert.
Die Musik verbindet Romantik und sehnsuchtsvolle Mystik, was einerseits durch die Instrumentierung, zum anderen durch den mehrstimmigen Frauengesang betont wird. Zu den Instrumenten, die für Folk Rock obligatorisch sind, gehören die akustische Gitarre, die Harfe und die Flöte. Dass Drums, E-Gitarre und E-Bass eine elektrisch verstärkte Rhythmusgruppe bilden, wurde schon von |Clannad| als Standard etabliert. Besonders interessant bei |Elane| ist die Mehrstimmigkeit.
Ich konnte zwei tiefe Frauenstimmen ausmachen und eine hohe Frauenstimme, also Alt und Sopran. Die Überlagerungen machen die Harmonien zu einer kniffligen Angelegenheit der gegenseitigen Abstimmung, sonst können leicht Disharmonien oder gar Rhythmusstörungen entstehen. Soweit ich hören könnte, gelingt die Polyharmonie jedoch durchweg einwandfrei – Applaus.
Ob der Celtic Folk Rock dem Thema „Feeninsel“ Rechnung trägt, sei dahingestellt. Aber es gibt jedenfalls schlimmere Abschluss-Songs, und „You see“ klingt sehr erträglich.
_Unterm Strich_
Diese Folge habe ich mit hohen Erwartungen antizipiert, doch die Ausführung hat mich enttäuscht. Statt zahlreicher Hinweise auf Poes Familie liefert die Handlung nur Flops und stark verzögerte Belohnungen, während man dem Eheleben der Beinahe-Poes folgt und das Haus auf den Kopf stellt.
Die Daramaturgie verfolgt ein anderes Ziel als vordergründige Action, nämlich einen psychologisch herbeigeführten, dramatischen Höhepunkt. Dass sich dieser erst aus Poes innerem Erleben ergeben kann, dürfte einleuchten. Geschickt balanciert Morellas Erscheinen im Traum in der Ungewissheit, ob es sich wirklich um einen Traum, eine Erinnerung oder gar um die Einflüsterung einer realen Figur handelt.
Umso verblüffender dann die Duschszene aus „Psycho“. Da hat man doch ein wenig stark aufgetragen, wenn auch der melodramatische Effekt sehr willkommen ist. Der Eindruck, dass sich die Entwicklung zuspitzt, wird schon von der übernächsten Szene bestätigt, als ein Schuss mit verhängnisvollen Folgen fällt.
|Das Hörspiel|
Die akustische Umsetzung ist vom Feinsten, und man merkt in jeder Szene, wie viel Sorgfalt die Mitwirkenden und Macher aufgewendet haben, um die Episode reizvoll und stimmungsvoll zu gestalten. Aber die Episode langweilt in den ersten zwei Dritteln durch ihre Taktik verzögerter Belohnungen: Die Hinweissuche ergibt fast nichts. Kein Wunder, sagt man sich hinterher, denn die wirklich wichtigen Hinweise finden sich erst im direkten Kontakt mit der Vergangenheit. Das letzte Drittel überrascht dann mit umso mehr Action, die nun jedoch unausgewogen und überstürzt wirkt, als sei sie drangeklebt worden. Wenigstens hat Poe nun zwei weitere Ziele, die er anpeilen kann.
|68 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3689-0|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.elane-music.de
Neun Männer und ein Biber landen auf einer Insel, um dort den sagenhaften Schnatz zu jagen. Doch was ist dieses Fabelwesen? Einen Schnatz zu erkennen, ist gar nicht so einfach – und ihn zu fangen noch viel schwieriger! Weit und breit taucht kein Harry Schotter® auf, um den Schnatzjägern einen hilfreichen Hinweis zu geben. Doch der furchtlose Captain ist ein Meister darin, seine Mannen zu motivieren, und so gelingt dem Bäcker, was keiner mehr für möglich gehalten hätte. Leider ist er gleich darauf auf Nimmerwiedersehen verschwunden.
Das Hörspiel ist für Kinder ab 7 Jahren geeignet, gibt der Verlag an.
Dieses wunderschön aufgemachte Hörbuch bietet auf zwei CDs eine Menge Werke, die von Edgar Allan Poe stammen oder zumindest von ihm inspiriert sind. Auf der ersten CD werden seine Gedichte vorgetragen, auf der zweiten Scheibe erklingen eine Menge interessante und völlig unterschiedliche Musikkompositionen. Ein umfangreiches Booklet liefert jede Menge Informationen, nur eine nicht: Wie lang ist das Hörbuch?
Ein rätselhafter Mord ereignet sich an der ehrwürdigen Universität von Oxford: Im rechten Auge des Studenten Justin Ascham Raleigh steckt ein Messer. Doch weder den Mörder noch seinen Fluchtweg noch das Motiv vermag Chefinspektor Pitchford herauszufinden. Wie es scheint, haben Justins fünf engste Freunde alle ein Alibi bzw. kein Motiv.
Der Familien-Ermittler der Raleighs hofft auf den technischen Fortschritt, um die Beweismittel, wo sie auch sein mögen, herbeizuschaffen, um den wahren Mörder zu finden, zu überführen und seiner gerechten Strafe zuzuführen.
In der Tat dauert es noch 206 Jahre, bis Edward dieses Kunststück gelingt, 10.000 Lichtjahre von der Erde entfernt. Und im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.
Der Autor
Peter F. Hamilton wurde 1960 in Rutland, GB, geboren. 1988 erschien seine erste Kurzgeschichte in dem Science-Fiction-Magazin „Fear“. Sein erster Roman, der erste Band der „Mindstar“-Trilogie, erschien 1993. Das Hauptwerk Hamiltons bildet bislang der (im Deutschen) sechsbändige |Armageddon|-Zyklus, eine der wichtigeren New Space Operas.
Der Sprecher
Detlef Bierstedt ist ein gefragter Synchronsprecher, der u.a. George Clooney und Jonathan Frakes (Star Trek TNG) seine Stimme leiht und mit Begeisterung Hörbücher interpretiert. Für |Lübbe Audio| hat er die Dick-Francis-Romane gelesen.
Handlung
Wir schreiben das Jahr 1832. Im englischen Oxford klingelt zu nachtschlafender Stunde das Telefon von Edward Bucahanan Raleigh, einem Ermittler der weitverzweigten Familie Raleigh. Am Apparat: Francis Haughton, der Repräsentant bzw. Unterhändler des Klans. Schlechte Nachrichten: Einer der Ihren wurde an der Uni tot aufgefunden – ermordet!
Im Elektroauto – Verbrennungsmotoren sind verboten – fahren die beiden mit dem Affentempo von 25 km/h zur Uni, ans Dunbar College. Seltsam, es sind immer noch Leute unterwegs, die Hälfte davon schwangere Frauen. Chefinspektor G. A. Pitchford empfängt die beiden Herren im Zimmer des getöteten Studenten. Es ist voller Sternkarten, Fotos und einer elektrischen Schreibmaschine. Justin Ascham Raleigh studierte hier Astronomie, nun steckt ihm ein Messer im Hirn.
Er war Mitglied einer Freundesgruppe von weiteren fünf Studenten und Studentinnen, die der Reihe nach von Inspektor Pitchford verhört werden. Peter Samuel Griffith und Carter Osborne Kenyon werden entlastet. Bethany Maria Caesar aus dem Klan der Caesars war Justins Freundin, er wollte sie heiraten und viele Kinder mit ihr haben. Sie studiert Biochemie und steht kurz vor der Entdeckung der DNS. Sie kommt ja wohl kaum als Täterin infrage.
Dann sind da noch die schwangere Christine Jayne Lockett, eine Künstlerin von lockeren Sitten, und der zwielichtige Anthony Caesar Pitt. Er macht seine Aussage nur in der Obhut des Familien-Repräsentanten Neill Heller Caesar. In der Mordnacht will Anthony in einem illegalen Spielklub des Lasters gefrönt haben. Immerhin kann Edward Raleigh Anthonys Zigarrenstummel finden und in einer Plastiktüte verstauen. Es sieht ganz so aus, als habe jeder der fünf Studenten ein gutes Alibi. Wie aber konnte der Mord verübt werden, wie konnte der Mörder entkommen? Niemand hat ihn aus Justins Zimmer kommen sehen. Ist er an der Glyzinie vor dem Fenster hinuntergeklettert?
Edward schwört bei seiner Familienehre, er werde den Mörder bis ans Ende seiner Tage verfolgen und nicht ruhen, bis er ihn – oder sie – dingfest gemacht hat. Einstweilen hinterlegt er seine Beweismittel in der Gefrierkammer des Gerichtsmedizinischen Instituts auf dem Raleigh-Hauptsitz in Southampton. Es wird von der attraktiven Rebecca Raleigh Stothard geleitet, einer klugen Frau, die zwar – wie viele der Langlebigen in den Familien — bereits über hundert Jahre alt ist, aber durch ihre Verjüngungskuren aussieht wie Mitte Zwanzig. Edward findet sie ausnehmend verführerisch. Trotz ihrer 17 Kinder.
Manhattan im Jahre unserer Herrin Maria 1853. Die anhaltende Bevölkerungsexplosion hat auch die Völker, die sich seit 1630 in Nordamerika niedergelassen haben, zu einer platzsparenden Bauweise in die Höhe gezwungen. Es gibt TV, Luft- und Raumfahrt, sogar einen Kanaltunnel. Neill H. Caesar empfängt Edward. Edward bestätigt Anthonys Alibi. Im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.
Der Jupitermond Ganymed im Jahre unserer Herrin Maria 1920. Die „Kuranda“ legt als erstes Raumschiff der Raleighs auf einer der vielen Welten der Familie Caesar an. In der Ganymed-Hauptstadt Neu-Mailand wird Edward von Bürgermeister Ricardo Saville Caesar empfangen. Die Raleighs und Percys fragen sich besorgt, was zum Kuckuck die Caesars mit all ihren Welten vorhaben.
Edward besucht Bethany Maria Caesar auf dem vulkanischen Jupitermond Io in ihrem Forschungsinstitut. Bei ihrem Anblick ist er entsetzt: Sie sieht ALT aus! Zu seiner Bestürzung hat sie Einwände gegen die Langlebigkeit der Familien: Deren Mitglieder würden sich gegen Wandel wehren. KIs nähmen ihnen die Arbeit ab, so dass sie in Trägheit verfielen. Bethany, einst Justins Braut, entwickelt die Nanotechnologie zur Biononik.
1971, das Raleigh Familien-Institut. Bethanys Biononik hat die Menschen quasi zu Göttern gemacht. Tod, Altern, sogar Arbeit gehören der Vergangenheit an. Das Wichtigste ist nun Materie, aus der man per Biononik einfach alles herzustellen vermag. Der Bevölkerungsdruck hat die Menschheit sich auf die gesamte Galaxis ausbreiten lassen, seitdem sie mit ihren Raumschiffen durch Wurmlöcher zu den fernsten Welten gelangen kann. Im Vatikan herrschen immer noch die Borgias.
Doch der Mord an Justin Raleigh ist ungelöst, ungesühnt, und Edward, nunmehr im Obersten Familienrat der Raleighs, darf nicht ruhen. Er zitiert Christine Jayne Lockett herbei. Anders als die Familien und die meisten Kurzlebigen ist sie ein Hippie und eine Naturanhängerin, die die Langlebigkeit und Rückstellung ablehnt. Gegen ihren Willen lässt er – wie in der Dick-Story „Paycheck“ – ihr Gedächtnis auslesen und nach Erinnerungen aus der Mordnacht durchsuchen. Doch die „Zeitreise“ beweist ihre Unschuld. Wäre Edward nicht bereits so mächtig, würde sie ihn vor den Kadi zitieren.
Wieder führt Edward sein Weg zu Carter Osborne Kenyon, einem der Sechs aus Oxford. Im Jahr 2000 unserer Herrin Maria besucht er ihn in der Erdumlaufbahn. Obwohl das Gehirn des Kernphysikers nach einem schweren Unfall schwer beschädigt ist, lässt er auch dessen Gedächtnis analysieren. Und diesmal findet er auf der erneuten „Zeitreise“ ins Jahr 1832 den ersten handfesten Hinweis auf den Mörder.
Wir schreiben das Jahr unserer Herrin Maria 2038. Region Eta Carinae, eines 10.000 Lichtjahre von der alten Erde entfernten Riesensterns. Edward ist gekommen, um den Täter zu verhaften und einer, wie er behauptet, „gerechten“ Strafe zuzuführen. Doch der Unterschied zwischen Humanität und Barbarei ist manchmal nur eine Frage des Standpunktes…
Mein Eindruck
Der alternative Geschichtsverlauf, den Hamilton in seiner wunderbar spannenden Detektivgeschichte klassischen Zuschnitts zeichnet, blickt auf eine ehrwürdige britische Tradition zurück. Schon in den sechziger Jahren stellte sich der britische Autor Keith Roberts ein England vor, in dem es dem Vatikan gelungen war, die vom katholischen Glauben abgefallene Königin Elizabeth I. ermorden zu lassen, In der Folge konnte die Armada des katholischen Königs Philipp von Spanien England erobern und komplett auf katholische Werte zurückstellen.
Doch anders als bei Roberts stellt sich Hamilton vor, dass diese Wende nicht zu technischem Rückschritt – statt Telefon gibt es noch Signalmasten für die Nachrichtenübermittlung – geführt hätten, sondern wegen der Bevölkerungsexplosion zu beschleunigtem technischem Fortschritt. Eine dünne privilegierte Oberschicht, die Familien der Langlebigen, treibt die wissenschaftlichen Studien voran, während die Kurzlebigen oder „Ephemeren“ niedere Arbeiten à la Morlocks verrichten. Revolutionen hat es schon lange nicht mehr gegeben, in Rom herrschen die Kaiser und der Kongress des Zweiten Imperiums, im Vatikan die Borgias. Diese vertreten die biblische Doktrin von Johannes Paul II.: Keine Verhütung, sondern vermehret euch und bevölkert die Erde – und den gesamten Weltraum am besten gleich dazu!
Das Raffinierte und wirklich Befriedigende an dieser Erfindung Hamiltons ist, dass es genau diese Kluft zwischen Lang- und Kurzlebigen ist, die das Motiv für den Mord an Justin liefert. Edward, der unermüdliche Ermittler, muss erst diesen Balken in seinem Auge finden, bevor er überhaupt dessen Bedeutung begreift. Und so das Motiv erkennt. Seine Strafe ist furchtbar und hat nicht wenig von einem Mord und ewiger Verdammnis an sich. An diesem Punkt ist es dem Hörer überlassen, ein moralisches Urteil zu fällen: Der Mord musste gesühnt werden, in Ordnung – aber wirklich um diesen Preis?
Der Sprecher/Die Inszenierung
Detlef Bierstedt liest ausdrucksvoll, leicht verständlich, nicht zu überhastet. Den verschiedenen Figuren vermag er unterschiedliche Charakteristika zu verleihen, so dass man sie unterscheiden kann. Das einzige Detail, das ein Englischkenner einwenden könnte, ist seine Aussprache des Familiennamens Raleigh. Bierstedt spricht das [rälli] aus, als handle es sich um eine Rallye statt um eine Sippe. Ich würde es [rå:li] aussprechen, so wie die Universitätsstadt in North Carolina – oder wie in „Sir Walter Raleigh“, einem der ersten Entdecker Nordamerikas zu Elizabeths I. Zeiten.
Unterschiede zum Buch
Wieder einmal konnte ich den gesprochenen Text mit dem in Peter Crowthers Anthologie „Unendliche Grenzen“ (Bastei-Lübbe 2003, Nr. 23266) vergleichen. Dabei stellte ich fest, dass etliche Seiten gestrichen worden sind. Dies betrifft zum Beispiel ein Forschungsgebiet, das Justin beackerte. Allerdings ist das nicht weiter schlimm, wie mir scheint, denn der Begriff C-60 taucht später nie wieder auf, ist also ohne Belang. Andere Kürzungen betreffen Ausführungen über die Weiterentwicklung der Menschheit während der erzählten Zeit. Dass Bethany die Biononik (= Nanotechnologie) entwickelt hatte, entging mir zunächst, das wird aber später nochmals separat erwähnt.
Unterm Strich
Schon die erste Zeile der Story verblüfft den Hörer: ein Telefon im Jahre 1832?? Und so geht es bis zum Schluss weiter. Die Geschichte ist eine Entdeckungsreise, die ihren eigenen Reiz ausübt.
Zum anderen ist sie auch eine spannende Detektivgeschichte klassischen Zuschnitts, die eines Sherlock Holmes oder Auguste Dupin (E. A. Poe) würdig wäre. Wenn man alle Möglichkeiten ausgeschlossen hatte, bleibt frei nach Ockham und Holmes nur noch eine logische Lösung übrig, so unwahrscheinlich sie auch erscheinen mag. Diese spezielle Lösung jedoch bricht einem schier das Herz. Dass sie an den Kern des Problems dieser Zukunft rührt, macht sie so zwingend und überzeugend. Sie führt uns selbst zur Frage zurück, was passieren würde, wenn jeder es dem Vatikan recht machte. Selbst wenn dort nicht die Borgias herrschen.
Das Hörbuch
Bierstedts Lesung ist ein Vortrag, dem man gerne folgt (selbst wenn man sich nicht wie ich Notizen dabei macht). Man muss schon die Ohren ein wenig spitzen, um alle ironischen Abweichungen von der uns bekannten Geschichtsschreibung zu bemerken. Dennoch: Ein ernsthafter Ermittler vom Zuschnitt eines Edward Raleigh muss auch entsprechenden Ernst auszudrücken vermögen. Es geht ihm um nichts Geringeres, als den Mörder zur Strecke zu bringen, möge es auch über 200 Jahre dauern.
Diesen Ernst glaubwürdig zu vermitteln, gelingt Bierstedt meiner Ansicht nach. Auch wenn ich über die Aussprache von „Raleigh“ ganz anderer Ansicht bin.