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Hambly, Barbara / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Jagd der Vampire. Teil 1 von 2 (Gruselkabinett 32)

Mystery-Actionkrimi unter den Jägern der Nacht

London 1907. Seit Jahrhunderten treiben die Vampire in den dunklen Gassen unbehelligt ihr Unwesen. Nun jedoch sehen sie sich einer ernstzunehmenden Gefahr gegenüber. Ein Unbekannter öffnet am Tag ihre Särge und setzt sie dem todbringenden Sonnenlicht aus. Nur einer kann den Blutsaugern noch helfen: der ehemalige Meisterspion James Asher … (Verlagsinfo)

Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.

Die Autorin

Die Amerikanerin Barbara Hambly, geboren 1951, erzielte mit ihrer frühen Darwath-Trilogie – es gibt auch eine später geschriebene – den literarischen und kommerziellen Durchbruch im Fantasy-Genre. Inzwischen zählen die unter dem Titel „Gefährtin des Lichts“ zusammengefassten Romane zu den Klassikern der Fantasy-Literatur. Hambly wurde auch für ihre Vampirromane („Gefährten der Nacht“ und „Jagd der Vampire“) und zahlreichen Fantasy-Bücher bekannt, wie etwa den Wenshar- und den Sonnenwolf-Zyklus.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Prof. James Asher: Wolfgang Pampel (dt. Stimme von Harrison Ford, Larry Hagman)
Lydia Asher: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
Simon Ysidro: Nicola Devico Mamone (Gael García Bernal, Diego Luna)
Frau im Zug: Monica Bielenstein (Emma Thompson)
Bully Joe Davies: Markus Pfeiffer (Colin Farrell als ‚Alexander‘, Jeremy Piven, Adrien Brody)
Lady Anthea Ernchester: Astrid Bless (Pam Grier, Candice Bergen)
Lord Charles Ernchester: Peter Reinhardt (Jeff Daniels)
Lionel Grippen: Uli Krohm (David ‚Oirot‘ Suchet, Randy Quaid, Scott Glenn)
Chloé: Anja Stadlober (Paris Hilton, Jennifer Hudson)
Evelyn Westmoreland: Uwe Büschken (Matthew Broderick, Greg Kinnear, Hugh Grant)
Kutscher: Tobias Nath

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Handlung

London Ende des 19. Jahrhunderts. Seit der Zeit von Elisabeth I. haben die Vampire unentdeckt in der englischen Metropole gelebt. Doch jetzt werden sie, einer nach dem andern, von einem Unbekannten ermordet, indem ihre Särge im tödlichen Sonnenlicht geöffnet werden.

Da der Killer am Tage zu Werk geht, müssen sich die Vampire entgegen ihrer Tradition an einen Sterblichen um Hilfe wenden. Prof. James Asher, ehemaliger Meisterspion der englischen Krone und inzwischen als biederer Oxford-Tutor zur Ruhe gekommen, findet eines Tages seine Frau betäubt in seiner Wohnung vor. Obwohl er tatkräftig und bewaffnet ist (ein Messer steckt stets in seinem Stiefel), wird er blitzschnell entwaffnet. Unglaublich, wie schnell sich der Angreifer bewegen kann!

Der Mann, der Lydia ebenso wie die Köchin und das Dienstmädchen betäubt hat, stellt sich mit einem langen Namen vor, der in Kurzform Don Simon Ysidro lautet. Er lädt Asher kurzerhand nach London ein, um einen Auftrag auszuführen. Asher sei aufgrund seiner profunden Kenntnisse über den Balkan und dessen Volkslegenden ausgewählt worden. Obwohl ihm Ysidro beileibe nicht alles erzählt, muss Asher dennoch widerwillig akzeptieren, denn ansonsten muss Lydia für seinen Widerspruch büßen.

Die verkohlte Kurtisane

Zusammen fahren sie per Zug zum ersten Tatort. Auf der Fahrt hat Ysidro Asher ins Bild gesetzt. Vier Vampire sind bereits getötet worden. Nummer vier war Lotta Harshaw, die in einer Gruft auf dem Highgate Hill-Friedhof ruht. Oder vielmehr ruhte, denn nun ist sie völlig verkohlt. Einst sei sie eine attraktive Kurtisane der Gesellschaft gewesen, erzählt Ysidro, und deshalb war der Pflock durch ihr Herz und die Abtrennung ihres Kopfes eine höchst niederträchtige Methode, die Untote endgültig ins Jenseits zu befördern.

Während sie zu Lottas Londoner Wohnung fahren, berichtet Ysidro, dass ein französischer Vampir namens Calvert das erste solche Opfer war, dann kamen der Diener Danny King und der Schöngeist Edward Hammersmith an die Reihe. Vier Opfer in kurzer Zeit – für Asher ist klar, dass alle Vampire in großer Gefahr schweben. Aber wer steckt dahinter?

Eine Komplizin

Zurück in Oxford, fragt Asher seine Frau um ihre professionelle Meinung als Pathologin. Lottas Kopf wurde wohl mit einem Fleischermesser oder einem Skalpell abgetrennt. Deshalb kommt auch ein Arzt als Täter in Frage. Lydia besteht darauf, ihrem James zu helfen und ihn nach London zu begleiten. Sie beschließen eine Doppelstrategie: Während er mit Ysidro nach dem Killer sucht, forscht sie nach weiteren Vampiren. Das ist einfach, denn die Untoten müssen in Häusern wohnen, die seit über hundert Jahren nicht mehr den Besitzer gewechselt haben.

Ashers Konkurrent

Außerdem verkehrte Lotta in Lydias eigenem früheren Bekanntenkreis, bei den Westmorelands und Blaydons. Bertie Westmoreland starb vor wenigen Monaten, und Dennis Blaydon war als Verehrer James‘ direkter Konkurrent. Will er vielleicht zusammen mit den Vampiren James eins auswischen? Unwahrscheinlich, aber man darf keine Spur ungeprüft lassen. Sie wollen sich in gegenüberliegenden Pensionen in Londons Zentrum einquartieren. Über die Garderobe des British Museum können sie Nachrichten und Dokumente austauschen. Gut, wenn man einen ehemaligen Meisterspion zum Mann hat! Natürlich dürfen die Vampire nicht das Geringste von Lydias Ermittlung ahnen!

Französische Konkurrenz

In London merkt Asher, dass er beschattet wird, aber nicht von Ysidro, sondern von einem einfachen Kerl, der sich Bully Joe Davis nennt. Von ihm erfährt Asher von dem Meister der Vampire in London. Lionel Grippen hat die meisten Vampire als seine Zöglinge selbst gemacht, steht ihnen aber nun mit Misstrauen gegenüber, falls sie mal seine Macht begehren sollten. Doch Bully Joe wurde nicht durch Grippen zum Vampir, sondern durch den französischen Einwanderer Calvert, der Grippen seine Stellung streitig machen wollte. Was, wenn es sich bei den Morden um innere Machtkämpfe handelt? Das würde aber nicht die Methode mit dem tödlichen Sonnenlicht erklären.

Angriff aus dem Hinterhalt

Lydia ist ein Goldstück! Auf ihrer Liste alter Häuser tauchen der ermordete Edgar Hammersmith und das Haus von Lord und Lady Ernchester auf. Für sie arbeitete Danny King. Lady Ernchester, Lotta Harshaws engste Freundin, findet Ashers Besuch ganz schön kühn, denn schließlich könnte sie ihn jederzeit angreifen und bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen. Ihr Mann pflichtet ihr bei und schaut Asher gierig an. Während sie Asher mit einer schönen Geschichte vom großen Brand Londons anno 1666, als alle Vampire verbrannten, ablenken, stürzt sich unvermutet Lionel Grippen auf den ahnungslosen Sterblichen!

Doch auch für diese Eventualität hat der Meisterspion Vorsorge getroffen …

Mein Eindruck

Anders als in der traditionellen, meist europäischen Vampirliteratur (Stoker, LeFanu usw.) geht es diesmal nicht primär um die faszinierende Subkultur der Vampire, sondern um die Untersuchung der Verbrechen an den Vampiren, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die kühle deduktive Kombinationsmethode James Ashers legt dies nahe.

Aber Asher ist verheiratet und braucht keinen Dr. John Watson, Doktor der Medizin, um ihm zur Seite zu stehen. Denn er kann sich auf die Hilfe seiner klugen und gebildeten Lydia verlassen, einer der ersten Pathologinnen überhaupt. Dass Lydia eine Pathologin ist, war in der damaligen Zeit ein revolutionärer Einbruch in die rein männlich dominierte Domäne der Medizin.

Lydia ist es auch, die die wissenschaftliche Theorie aufbringt, dass es sich beim Vampirismus um die Wirkung eines Virus handelt. Viren waren erst ein Jahr zuvor, anno 1906, entdeckt worden. Was, wenn jemand versuchen würde, mit Hilfe von Viren bestimmte Vampirmerkmale zu übertragen oder gar zu verändern? Dann könnte vielleicht sogar Sonnenlichtverträglichkeit erzeugt werden!

Bis zum Beweis dieser Theorie gelangt die Geschichte im ersten Teil noch nicht. Wenn es auch manchem vorkommen mag, als ob recht wenig passieren würde, so kommt es doch zu unerwarteten Übergriffen der Vampire auf den Sonderermittler Asher, so etwa von Seiten Lionel Grippens, dem Meistervampir. Immerhin war Grippen mal ein Arzt und hat demzufolge Ahnung von Viren, was ihn in Ashers Augen doppelt verdächtig macht.

Spannend ist auch das Verhältnis zwischen Asher und Ysidro. Wie weit kann er dem alten Vampir trauen? Sie müssen einander vertrauen, um weiterzukommen, doch Asher muss erkennen, dass Ysidro ihn angelogen hat: Der Mörder ist einer aus Ysidros eigener Sippe.

Als sie in Calverts Wohnung eindringen, stoßen Asher und Ysidro bei diesem ersten Opfer der Serie auf eine Spur, die nach Frankreich führt, nach Paris, in eine ganz bestimmte Kirche. Dorthin wird sie nun ihr Weg führen.

Die Inszenierung

Die Sprecher

Die Sprecher könnten direkt aus einem viktorianischen Stück stammen, so stilecht werden sie präsentiert und so gepflegt wissen sich die meisten auszudrücken. Besonders Wolfgang Pampels Asher tritt souverän auf und hat stets eine schlagfertige, unerschrockene Erwiderung auf den Lippen. Diese Vampire jagen ihm keine Angst ein, und wenn sie noch so seltsame Fähigkeiten haben, beispielsweise telepathische Hypnose, mit der sie ihre Opfer unter ihren Willen zwingen. Pampel vermittelt mit Harrison Fords deutscher Stimme das nötige Maß an Autorität und Tatkraft – eine exzellente Sprecherwahl (Pampel las auch die Hörbücher zu „Illuminati“ und „Sakrileg“).

Don Simon Ysidro, spanischer Edelmann von annähernd 400 Jährchen, flößte mir ein leises Grauen ein, denn sein zischelnder spanischer Akzent gemahnte mich an eine Schlange, die jederzeit zustoßen könnte. Nicola Devico Mamone, die deutsche Stimme des Spaniers Gael García Bernal, ist für diese Figur eine sehr passende Wahl. Unheimlich ist seine Fähigkeit, niemals die Contenance zu verlieren und stets cool zu bleiben.

Ein weiteres Highlight, obwohl seltener gehört, ist Claudia Urbschat-Mingues, die deutsche Stimme von Angelina Jolie. Ihre Lydia Asher vermittelt Tatkraft, Intelligenz, aber auch Weiblichkeit und Emotionalität. Die restlichen Figuren sind alle nebensächlich, doch die Sprecher verleihen ihnen durch ihren Einsatz nichtsdestoweniger große Glaubwürdigkeit. Dazu gehört etwa der junge Vampir Bully Joe Davis. Dass er einen Akzent aus dem Stadtteil Holborn haben soll, hört man ihm allerdings nicht an.

Musik

Jede Auseinandersetzung mit einem der Vampire wird fein säuberlich durch musikalische Motive vorbereitet, denn schließlich handelt es sich dabei um die wichtigsten Höhepunkte der Handlung. Immer wieder ist vorher dramatische Musik von den Streichern zu hören, die sich manchmal bis zu einem Crescendo steigert.

Zwischen und nach diesen dramatischen Auseinandersetzungen darf sich der Hörer ab und zu entspannen, meist bei einem romantischen Piano-Motiv oder einer Harfe. Einmal wird sogar elegante Tanzmusik der Belle Epoque angestimmt – Lydia ist auf einem Ball der oberen Zehntausend und quetscht Evelyn Westmoreland nach der Todesursache seines Bruders Bertie aus, der Lotta Harshaws Geliebter war.

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Zugpfeifen deuten so einen Bahnhof an, knarrende Türen einen Durchgang und das Rumpeln einer Droschke eine entsprechende Fahrt von A nach B.

Sounds

Doch manchmal reichen Musik und Geräusche nicht aus. In der aktuellen Frühjahrs-Staffel der drei Gruselkabinett-Hörspiele „Die obere Koje“, „Die Jagd der Vampire“ und „Das Schloss des weißen Lindwurms“ spielen Sounds erstmals eine auffallend bedeutende Rolle, um die Atmosphäre einer Szene zu verstärken. Musik allein reicht einfach nicht mehr, um den Horror zu evozieren und zu veranschaulichen.

Nun ist die Beschreibung von Sounds stets auf Analogien angewiesen, und auch ich muss mich damit behelfen. Das erste Mal, dass Sounds eingesetzt werden, ist die Friedhofszene auf Highgate Hill. Begleitet von Hintergrundmusik ertönen unheimliche Sounds, die nicht von den üblichen Instrumenten erzeugen werden, fast schon die Klagelaute der Toten und das Heulen des Windes.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.

Diesmal sind wieder in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:

Nr. 32 + 33: Barbara Hambly: Die Jagd der Vampire (2 CDs, März 2009)
Nr. 34: F. M. Crawford: Die obere Koje (April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Oktober 2009)
Nr. 38: Hanns Heinz Ewers: Die Spinne (erscheint im November 2009)
Nr. 39: H. P. Lovecraft: Der Tempel (erscheint im November 2009)

_Unterm Strich_

Hamblys Buch wurde mit dem Leserpreis des |LOCUS|-Magazins als bester Horrorroman des Jahres ausgezeichnet. Mir schien dies bereits in der Buchform (es erschien bei |Bastei Lübbe|) einer der unterhaltsamsten und sehr flüssig verfassten Romane zum Thema Vampirismus zu sein. In der Zwischenzeit sind rund 20 Jahre vergangen, und die Flut der Vampirromane ist kaum noch zu überblicken. Die Untoten sind überall, wo „Gothic“ draufsteht.

Im Vordergrund steht bei Hambly nicht die Darstellung der sattsam bekannten Traditionen und Historie der Vampire, sondern die Untersuchung der Verbrechen, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die nostalgisch verklärt wirkende Zeit- und Ortswahl dürfte den Leser nicht aus ihrem Bann lassen.

Der Mystery-Actionkrimi lebt vom Kontrast zwischen der Kultur der Lebenden und jener der Untoten. Ganz nebenbei wird sehr schön über die Existenzbedingungen der jeweiligen Art philosophiert. Die Autorin führt einige neue Elemente ein, wie etwa die Rolle von Medizin und Wissenschaft, die zu einer Sonnenlichtverträglichkeit der Untoten führen könnte. Hier spielt die Ideenwelt von Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der neue Prometheus“ hinein. Auch das Verhältnis von Meister und Zögling wird intensiv ausgeleuchtet – es ist eine besondere Art seelischer Vereinigung und nachfolgender Abstoßung.

|Das Hörbuch|

Das Team von |Titania Medien| hat sich mal wieder ins Zeug gelegt, um ein stimmungsvolles Hörspiel zu inszenieren, das zugleich schaurig-schön und actionreich wie ein Mystery-Krimi ist. Mit Wolfgang Pampel als James Asher, dem Sprecher des Simon Ysidro und Claudia Urschat-Mingues ist eine hervorragende Besetzung gelungen. Die Nebenfiguren stimmen ebenfalls und überzeugen durch Kompetenz.

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf die verstärkt eingesetzten Sounds richten. Ich hätte mir noch ein wenig mehr Action gewünscht, doch diese kommt dann verstärkt im zweiten Teil zum Zug.

Originaltitel: Those who hunt the night, 1989
148 Minuten auf 2 CDs
ISBN-13 der Doppel-CD-Ausgabe: 978-3785738238

http://www.titania-medien.de
http://www.luebbe-audio.de
_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“ 5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“ 5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“ 5505 (Gruselkabinett 31)

Gablé, Rebecca – Siedler von Catan, Die (Lesung)

_Turbulente neue Welt Catan: actionreiche Abenteuer_

Die christlichen Völker schreiben etwa das Jahr 850: Die Bewohner von Elasund, einem Küstendorf im hohen Norden, leben vom Fischfang und dem, was sie ihren kargen Feldern in drei kurzen Sommermonaten abzuringen vermögen. Doch als die feindlichen Turonländer das Dorf überfallen, das Vieh stehlen und die Frauen rauben, erkennen die Ziehbrüder Candamir und Osmund, dass ihre Tage in der alten Heimat gezählt sind. Auch Osmunds Onkel Olaf, ein weit gereister Kauffahrer, plädiert dafür, im westlichen Meer ein neues Land zu suchen.

Nach einem bitteren Hungerwinter bricht die ganze Dorfgemeinschaft mit neun Schiffen zu einer beschwerlichen Seereise auf. Nach drei Wochen schließlich verschlägt ein Sturm die Auswanderer an die Nordwestküste jener Insel, die sie bislang nur aus der Sage kannten: Catan. Odin, erzählt die Legende, habe dieses Land einst erschaffen, um eine schöne Albentochter zu entzücken, und deshalb habe er es vollkommen gemacht. Voller Hoffnung erkunden die Siedler die große Insel, roden Wälder und bestellen den fruchtbaren Boden. Alle Not könnte ein Ende haben, hätten sie nicht ihre Vergangenheit und ihre Zwistigkeiten aus der alten Heimat mitgebracht … (Verlagsinfo)

_Die Autorin_

Rebecca Gablé, 1964 in einer Kleinstadt am Niederrhein geboren, absolvierte nach dem Abitur eine Lehre als Bankkauffrau. Diesen Beruf übte sie einige Zeit auf einem Stützpunkt der Royal Air Force aus, wo sich ihr Interesse für England vertiefte. 1990 schrieb sie ihren ersten Roman und begann danach ein Literaturstudium in Düsseldorf, wobei sie sich zunehmend auf die Mediävistik – die Lehre vom Mittelalter – konzentrierte. Seit 1996 ist sie freie Schriftstellerin und Literaturübersetzerin.

1995 erschien ihr Krimi „Jagdfieber“, der dann auch für den „Glauser“-Krimipreis nominiert wurde. Sie trat der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur – dem Syndikat – bei, dessen Sprecherin sie derzeit ist und gehört dem Verband deutscher Schriftsteller an.

Sie lebt mit ihrem Mann unweit von Mönchengladbach auf dem Land und reist oft und gerne in die USA und nach Großbritannien. Neben dem Lesen ist Musik ihre bevorzugte Freizeitbeschäftigung. Sie spielt selbst Klavier und singt manchmal in einer Rockband. (zitiert nach: |buchkritik.at|)

Nach den Bestsellern „Das Lächeln der Fortuna“, „Das zweite Königreich“ und „Der König der purpurnen Stadt“ ist „Die Siedler von Catan“ ihr vierter historischer Roman. Der Hintergrund ist an das gleichnamige Spiel angelehnt. Im Herbst 2005 erscheint ihr fünftes Historienepos „Die Hüter der Rose“.

_Der Sprecher_

Martin May, 1961 in Coburg geboren, wurde bereits mit 18 Jahren von Rudolf Noelte als Schauspieler entdeckt. Es folgten über hundert weitere Rollen bei Film, Fernsehen und Theater, unter anderem in Wolfgang Petersens Welterfolg „Das Boot“. May lebt mit seiner Familie bei Hamburg.

_Handlung_

Die Story kommt sofort mit einer Actionszene in die Gänge: Die Turonländer überfallen das Dorf Elasung, in dem die zwei Hauptfiguren des Buches leben: Candamir Oleson und sein Freund Osmund. Sie können weder verhindern, dass es viele Tote und Verletzte gibt, noch dass die große Scheune abbrennt. Lediglich Candamirs Bruder Hakon lässt sich retten. Später taucht Candamirs Schwester Asta mit einem ungeborenen Kind auf, verstoßen vom Stamm ihres Mannes. Es wird ein verdammt harter Hungerwinter.

In den langen Nächten erinnern sie sich mancher Geschichten versprengter Seefahrer, die ein Sturm bis in den Äußersten Westen verschlagen hatte, wo sie dann auf unbekanntes, leeres Land gestoßen waren. Im Frühjahr bauen sie Schiffe, um dorthin zu gelangen. Bevor es losgeht, muss die alte Schamanin Brigitta das Runenritual ausführen, um günstige Vorzeichen zu finden. Zum Glück hat Candamir Brigittas Sohn nicht im Zweikampf getötet – sonst würden die Vorzeichen wohl ungünstig ausfallen.

Bei einem Zwischenstopp in König Knuts Land verrät dessen Frau Siglind Candamir, dass Knuts Leute Candamirs Gefährten an Land betäubt hätten, um die Schiffe zu rauben. Siglind, die einst von Knut geraubt worden war, will mit Candamir in die Freiheit segeln. Mit knapper Not gelingt die Flucht vor den Verfolgern. Auf dem Schiff unterrichtet Candamirs britischer Sklave Austin Hakon und Siglind. Wie Austin glaubt auch Siglind an den dreifaltigen Gott der Christen.

Die Fahrt führt über Norwegen, Schottland, Irland und die Bretagne auf den Atlantik hinaus, wo mehrere Stürme die kleine Flotte versprengen. Acht Tage bläst sie der Sturm nach Westen und fordert 14 Tote, danach kehrt er zurück. Candamirs Schiff läuft auf ein Riff auf und sinkt. Immerhin kann sich die Besatzung an Land retten: Catan – Odins Paradies, wie die alte Brigitta erklärt.

Und so entstand Catan einst: Göttervater Odin warb um eine schöne Frau namens Tanuri, doch sie forderte von ihm ein vollkommenes Land, in dem sie leben könne. Er schuf Tanuris Insel, doch die Umworbene fand immer weitere Mängel, weil es das perfekte Land nicht geben kann. Also entrückte Odin diese Insel der besiedelten Welt.

Ist Catan also das Paradies? Wohl doch nicht. Kommende Konflikte künden sich an. Candamirs Sklavin bekommt ein Kind von ihm und will geheiratet werden. Er will aber lieber die schöne Siglind zur Frau nehmen, was dann auch nach langem Hin und Her klappt. Da sie Christin ist und nicht dem Stamm angehört, muss Candamir nicht nur seine Glaubensüberzeugung ändern.

Außerdem landen die Mannen um Olaf und seinen Sohn Jared in Catan. Sie beharren auf der Verehrung der alten Götter und der Befolgung der überkommenen Sitten und Bräuche – wozu auch der sexuelle Missbrauch von Sklaven gehört. Candamir, Hakon und Siglind haben sehr unter Olaf & Co. zu leiden. Tatsächlich spaltet sich der Stamm in zwei Kulturen auf, von denen das Jared-Volk in Höhlen unter der Wüste lebt.

Wer Sieger bleibt, ist über Jahre hinweg offen, doch „es kann nur einen geben“, wie es so schön heißt. Und so ist für eine Menge Action, Liebe und Leidenschaft gesorgt.

_Mein Eindruck_

|Catan, das Gelobte Land|

Das klingt nach einem Abenteuergarn alter Schule, doch tatsächlich gibt es in all dem turbulenten Geschehen auch einen ernstzunehmenden Faden: Es geht um die Errichtung eines reformierten Gemeinwesens, das sich von überkommenen Werten und Sitten abkehrt. Das erinnert doch stark an die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika im 17. und 18. Jahrhundert.

|Die Revolution von Catan|

Der Unterschied ist jedoch, dass diese „Revolution von Catan“ bereits im 10. oder 11. Jahrhundert stattgefunden haben muss, als die Wikinger zahlreiche Kolonien gründeten – in der Normandie, auf Sizilien, in Russland. Der Konflikt zwischen nordischem Götterglauben und neuem christlichem Glauben war vorbestimmt und wird denn auch in Catan bis aufs Blut ausgetragen.

|Ein cooler neuer Gott?|

Es ist nun nicht so, dass die Hauptfigur Candamir über Nacht sagt: „Hey, Sklave, das ist ein cooler Gott, von dem du faselst – den übernehme ich.“ Vielmehr ist es für ihn ein langer Prozess von Versuch und Irrtum, bis er von alten Sitten und Bräuchen lässt. Er beginnt, die Werte von Austin und Siglind, den beiden Christen, zu akzeptieren. Auch Hakon, sein Bruder, ist als Austins Schüler beeinflusst. Die Kluft macht sich im täglichen Leben, wie etwa der Sklavenhaltung, bemerkbar. Auch gegen die Schamanin gilt es sich durchzusetzen. Und mit Olafs Sippe bricht offener Krieg aus. Selbst ein Exodus garantiert nicht, dass die christlich gesinnte Sippe überlebt, denn Olafs Arm reicht weit.

|Mittelalter, eine Zeit des Umbruchs|

Rebecca Gablé versteht sich als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur auf die authentische Darstellung mittelalterlicher Denk- und Lebensweisen. Anders als man lange Zeit dachte, war das Mittelalter eine tumultreiche Epoche, in der das europäische Erbe des christlichen Königs Karls des Großen von schweren Erschütterungen wie dem Mongolensturm (ca. 1250) und dem Konflikt zwischen Kaiser und Papst während der Kreuzzüge gekennzeichnet war, während England den Wikingern bzw. Normannen (= Nordmänner) in die Hände fiel. Feudalstaaten wie Frankreich und Großbritannien bildeten sich heraus, bis die Pest im Jahr 1348 fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Der Fortschritt verlagerte sich in die italienischen Stadtstaaten, die vom Exodus der Byzantiner nach dem Fall Konstantinopels 1453 profitierten: Die Renaissance begann.

|Jugendfrei?|

Genau wie die Sitten jener Zeit ganz schön rauh waren, so spielt sich auch das Leben in „Die Siedler von Catan“ nicht immer friedlich ab. Öffentliche Züchtigungen, Zweikämpfe, Überfälle und Vergewaltigungen scheinen selbst im gelobten Land an der Tagesordnung zu sein. Nicht, dass gegen Realismus in sexuellen Dingen etwas einzuwenden wäre, doch muss sich die nicht jugendfreie Darstellung auch auf die Vergewaltigung männlicher Sklaven erstrecken? Eltern seien entsprechend gewarnt.

|Der Sprecher|

Martin May ist offensichtlicher Routinier in Sachen Sprechen und Vortrag. Seine Lesung, die kaum einmal mit Musik oder Sound unterlegt ist, überzeugt durch eine deutliche Aussprache, hervorhebende Pausen und eine sympathische Satzmelodie. Es gibt Sprecher, die ihren Text einfach herunternudeln, ohne auf Betonung und Pausen zu achten. May gehört zum Glück nicht dazu. Die 440 Minuten (über 7 Stunden) sind solcherart durchaus zu ertragen, und mit Spannung legt man die nächste CD ein.

_Unterm Strich_

„Die Siedler von Catan“ ist die literarische Form des bekannten Spiels. Die Autorin Rebecca Gablé hat sich einen möglichen Handlungsverlauf herausgepickt und weitergesponnen. Wie schon der Beginn der Saga, ist auch der weitere Verlauf in Catan von turbulenten Konflikten gekennzeichnet. Nicht Friede, Freude und Eierkuchen herrschen hier, sondern der Zwist zwischen zwei gegensätzlichen Göttern – dem christlichen und dem nordischen – sowie ihren jeweiligen Anhängern. So war das ja schon bei den amerikanischen Pilgervätern, die vor religiöser Verfolgung in England flohen.

Gablés Buch ist besonders in der gekürzten Hörbuch-Fassung geprägt von Liebe, Leidenschaft und Kampf, aber auch die unterschiedlichen Denk- und Verhaltensweisen kommen deutlich zur Geltung. Realistische Darstellung von Sex und Gewalt jedoch veranlasst mich, Eltern entsprechend zu warnen: Diesen harten Stoff sollte man nicht unbedingt Kindern antun, sondern warten, bis diese etwa 15 oder 16 sind.

|440 Minuten auf 6 CDs
[Besprechung 258 der Buchfassung|

Andrea Camilleri – Die Form des Wassers (Lesung)

Die Leiche eines bekannten Politikers wird auf dem Strich von Vigata gefunden – ein Skandal erster Güte droht loszubrechen. Commissario Montalbano wundert sich. Dieser Fall verhält sich wie Wasser: Es hat immer die Form, die man ihm gibt. – Dieser Krimi war der erste, mit dem das Werk Andrea Camilleris dem deutschen Publikum vorgestellt wurde – mit größtem Erfolg, wie sich herausgestellt hat.

_Der Autor_

Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur.

Die Hauptfigur in vielen seiner Romane, Commissario Salvo Montalbano, gilt inzwischen als Inbegriff für sizialianische Lebensart, einfallsreiche Aufklärungsmethoden und südländischen Charme und Humor.

Allerdings ist der Commissario nicht der Liebling aller Frauen: Zu oft hindert ihn sein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein daran, dringende Termine mit seiner jeweiligen Freundin wahrzunehmen.

_Das Hörspiel_

Das 110 Minuten lange Hörspiel wurde beim Südwestdeutschen Rundfunk SWR produziert. Es treten acht Hauptsprecher auf sowie der Erzähler. Daneben hören wir noch 16 weitere Sprecher in Nebenrollen. Die Musik stammt von Henrik Albrecht, die Bearbeitung wie immer von Daniel Grünberg. Regie führte Leonhard Koppelmann – wie bei allen anderen Camilleri-Hörspielen:

– Die Stimme der Violine
– Das Spiel des Patriarchen
– Der Hund aus Terrakotta
– Der Dieb der süßen Dinge

_Handlung_

Der angesehene Ingenieur und Politiker Silvio Luparello wird eines frühen Morgens von zwei Straßenfegern an einem anrüchigen Strand tot in seinem Auto aufgefunden. An diesem Strand pflegen sich die Huren mit ihren Freiern zum Stelldichein zu treffen. Hatte der honorige Ingenieur so etwas nötig? Falls ja, wäre das ein Skandal ersten Grades und besonders schädlich für das Ansehen seiner konservativen Partei. Die Polizei entscheidet diplomatisch, dass der Tote einem Herzinfarkt zum Opfer fiel – wir wollen doch keinen Skandal in Vigata, oder?

Commissario Salvo Montalbano jedoch kommt die ganze Sache nicht koscher vor. Da scheint doch mehr dahinter zu stecken. Schon am nächsten Tag nämlich wird dringend ein wertvolles Collier gesucht, das an der Unfallstelle vermisst wird. Einer der Müllmänner hat das Collier gefunden und heimlich eingesteckt. Merkwürdig ist nun, dass ausgerechnet Ingenieur Luparellos schärfster politischer Gegner, der Anwalt Rizzo, danach suchen lässt…

Schon bald ereignen sich bei Montalbanos Ermittlungen unverhoffte Enthüllungen, die schaurige Einblicke in die Abgründe der lokalen Gesellschaft gestatten. Und die Lösung des Falles stellt sich je nach Blickwinkel anders dar: genau wie die Form des Wassers sich mit dem jeweiligen Gefäß ändert.

_Mein Eindruck_

Der sehr kurzweilig zu lesende Krimi macht den Leser auf unterhaltsame Weise mit dem sizilianischen Alltag bekannt, wie er sich der Polizei darstellt: Mafiabandenkriege, Morde, Intrigen und Korruption, durchgedrehte Rentner, unschuldige Attentatsopfer und vieles mehr. Ein menschliches Panorama, beobachtet mit dem scharfen Blick der Erfahrung und des Mitfühlens.

Dabei kommt jedoch die Spannung keineswegs zu kurz. Baustein für Baustein setzt der attraktive und intelligente Commissario die Kette der Zusammenhänge zusammen, die den Eindruck vermitteln sollen, das Opfer sei von alleine gestorben. Dumm nur, dass es schon lange tot gewesen war, bevor es den „Tatort“ erreicht hatte. Und welche Rolle eine gewisse hochgewachsene Schwedin namens Ingrid spielen sollte, wird ihm auch bald klar. Die ganze Sache ist höchst politisch, doch Montalbano beweist Fingerspitzengefühl.

_Das Hörspiel_

Die Sprecher sind wieder die gleichen wie bei allen Camilleri-Hörspielen und von professioneller Qualität. Hier gibt’s nichts auszusetzen, genausowenig an dem Einsatz von Geräuschen usw. Lediglich die Hintergrundmusik besteht aus dem nervenden Jazz-Gedudel Henrik Albrechts, das in den jüngeren Camilleri-Produktionen zum Glück ersetzt wurde.

Was an der Bearbeitung auffällt, sind erstens die zahlreichen witzigen Pointen und zweitens die drastischen Äußerungen, zu denen sich der Commissario hinreißen lässt und die weit unter die Gürtellinie zielen. Das dürfte zu einige hochgezogenen Augenbrauen bei den Zuhörerinnen führen.

_Unterm Strich_

„Die Form des Wassers“ verlangt zwar große Aufmerksamkeit beim Zuhören, doch der Zuhörer wird mit vielen witzigen Situationen belohnt. Besonders auf den Gerichtsmediziner hat es Salvo Montalbano abgesehen, weil der sofort alles ausplaudert, selbst wenn er hoch und heilig Stillschweigen geschworen hat. Dies nützt Salvo listig aus, um den politischen Gegner aufs Kreuz zu legen. (Polizeiarbeit ist in Sizilien immer politisch.)

Und einen Dauer-Gag bilden Assistent Gallos miserable Fahrkünste sowie die Tatsache, dass Gallo nie lernt, dass in Italien das Reifenaufschlitzen ein Volkssport ist. Außerdem ist Inspektorin Anna Ferrara hinter Salvo her. Leider versteht sie die Anwesenheit von Ingrid der Schwedin in Salvos Schlafzimmer miss…

Abgesehen davon ist „Die Form des Wassers“ eine ordentlich spannende Episode im Leben des Commissario Montalbano.

Umfang: 110 Minuten auf 2 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Bennett, Arnold – Hotel Grand Babylon (Lesung)

London Ende des 19. Jahrhunderts: Der Amerikaner Theodore Racksole ist einer der Reichsten – und ein Freund schneller Entschlüsse. Weil ihm das Benehmen eines Oberkellners missfällt, kauft er während seines London-Urlaubs gleich das ganze Hotel. Als Racksole allerdings den Küchenchef beim Einbalsamieren einer Leiche überrascht, beginnen er und seine Tochter Nella zu ahnen, dass seine neuen Angestellten einiges auf dem Kerbholz haben. Ein turbulentes Verwirrspiel um einen geheimnisvollen Mord beginnt.

_Der Autor_

Enoch Arnold Bennett wurde 1867 in Hanley in der Grafschaft Staffordshire geboren. Er brachte es zwar nicht zum Advokaten, aber zum Herausgeber des „Woman“-Magazins (ab 1893), bis ihm endlich die Honorare für seine über 50 Werke – Romane, Erzählungen, Dramen, Essays und Autobiografisches – das Leben eines freien Schriftstellers ermöglichten. Er starb 1931 an Typhus. Zu seinen Freunden zählten die Schriftsteller Joseph Conrad, H. G. Wells, John Galsworthy und Arthur Conan Doyle. Er ist in Großbritannien immer noch recht bekannt, hierzulande aber längst vergessen.

„Hotel Grand Babylon“ erschien in Fortsetzungen in der Zeitschrift „Golden Penny“, bevor der Roman im Jahr 1902 als Buch veröffentlicht wurde. Als wäre es eine Fingerübung, hat Bennett das gleiche Thema 1930 noch einmal aufgegriffen und zu einem riesigen Roman mit dem Titel „Hotel Imperial“ ausgebaut. Laut Armin Eidner hat das so geehrte Hotel Savoy seitdem ein „Omelette Arnold Bennett“ auf seiner Speisekarte.

_Die Sprecherin_

Katharina Thalbach, geboren 1954 in Berlin, wuchs auf der Bühne auf. Schon mit vier Jahren spielte sie Kinderrollen, im Fernsehen und im Film. Nach dem Tod ihrer Mutter, der Schauspielerin Sabine Thalbach, nahm Brecht-Erbin Helene Weigel sie in ihre Obhut und bot ihr einen Meisterschülervertrag an. Mit 15 debütierte sie in Brechts „Dreigroschenoper“ und wurde als Entdeckung gefeiert. Sie spielte am Berliner Ensemble und ab 1971 an der Volksbühne Berlin (Ost). Nach großen Erfolgen in der DDR wurde sie auch in der Bundesrepublik bekannt, als sie in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Grass‘ „Die Blechtrommel“ auftrat.

_Handlung_

Das titelgebende Hotel Grand Babylon ist ein perfekt geführtes Londoner Etablissement, in dem sich die gekrönten Häupter Europas die Klinke in die Hand geben. Geleitet wird es von einem Schweizer namens Felix Babylon. Zumindest so lange, bis sich eines Tages ein neureicher Amerikaner hierher verirrt: Theodore Racksole.

Der Tag seines Besuches ist unseligerweise auch der Geburtstag seiner Tochter Nella (kurz für Helen). Und als der schnöselige Oberkellner Jules seinen stinkreichen Gast auf freundlichste Weise brüskiert, platzt dem Ami quasi die Hutschnur. Ein kurzes Gespräch unter Bossen genügt, und Racksole hat das Hotel mit allem Drum und Dran gekauft – schlappe 400.000 Pfund genügen. Der Oberkellner kündigt von sich aus. Racksole und Nella bekommen ihre Steaks mit Bier.

Noch am gleichen Abend kommt Racksole merkwürdigen Vorgängen in seinem Hotel auf die Spur. Beim Essen hat Nella ihm einen Herrn Reginald Dimmock vorgestellt, seines Zeichens Kammerdiener eines deutschen Prinzen namens Aribert von Posen. Eigentlich sollte in Zimmer 111 Nella logieren, doch als er Einlass verlangt, öffnet eben jener Dimmock. Und was hatte der Kerl mit dem zwielichtigen Jules zu bereden? Der vorgehaltene Revolver Racksoles verlangt Auskunft: Nella war so nett, das Zimmer mit Dimmock zu tauschen, denn ein Stein hatte das Fenster zertrümmert – verständlich, oder? Jules wird gefeuert.

Prinz Aribert von Posen trifft ein und vermisst seinen Kammerdiener, der alles für ihn und seinen Regenten vorbereiten sollte. Ach, da ist Reginald ja schon! Nur, dass er mausetot ist, als man ihn findet. Die Polizei stellt Racksole unangenehme Fragen, kann aber noch wesentlich unangenehmer werden, als wenig später Dimmocks Leiche verschwunden ist. Keiner kann sich das Wie erklären.

Unterdessen lässt die aufgeweckte Nella ihren weiblichen Charme spielen und bringt den Prinzen zum Reden, der ihr alsbald sein Leid klagt (obwohl sie nur eine Amerikanerin ist). Sein Regent, der in wenigen Tagen heiraten soll, ist zwischen Brüssel und dem Kanalhafen Oostende spurlos verschwunden, möglicherweise entführt. Ob wohl Jules dahintersteckt?

Wie Racksole von einem Börsenmakler erfährt, wollte der Fürst in London eine Million Pfund leihen, um heiraten zu können. Da er den Zahlungstermin nicht einhalten kann, darf er auf Geheiß des deutschen Kaisers auch nicht heiraten. Wodurch wiederum die Auserkorene für den Heiratsantrag eines Anderen frei wird.

Nella und ihrem Vater wird klar, dass hier eine fein gesponnene Verschwörung am Werke ist. Doch was könnte sie dagegen tun? Nella hat schon eine Idee und reist nach Oostende ab, ohne ihre Vater um Erlaubnis zu fragen. Ein Abenteuer beginnt, das bis zum Schluss noch recht turbulent wird.

_Mein Eindruck_

Armin Eidherr bringt den Gehalt dieses Comedy-Thrillers und ausgewachsenen Kriminalromans auf den Punkt, wenn er im Booklet schreibt, dass im Hotel Grand Babylon – hinter dem sich das Londoner Savoy Hotel verbirgt – alte und neue Welt, überlebte Tradition und Moderne des 20. Jahrhunderts aufeinandertreffen. Die zwei schrulligen Amerikaner Racksole und Nella mischen die eingefahrenen europäischen Verhältnisse im Hotel auf. Diese Verhältnisse entpuppen sich schon recht bald als korrupt und doppelbödig, mit dem so genannten „Jules“, einem waschechten Briten, als Drahtzieher politischer Machenschaften.

Dass der Euro-Adel nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich am Ende ist, belegen die Ereignisse um Fürst Eugen von Posen, einem mit 50 Millionen Pfund verschuldeten Ministaat, der mit dem echten Posen nichts zu tun hat. Der Fürst muss zwecks Entschuldung einen Börsenmakler und inoffiziellen Pfandleiher bitten, ihm aus der Patsche zu helfen – wahrscheinlich zu horrenden Zinsen. Dass Eugens Widersacher in Sachen Heiratspolitik dies zu verhindern wissen, gehört zum üblichen Ränkespiel, mit dem sich die Alte Welt zugrunde richtet.

Aber auch die Amerikaner haben nicht viel Besseres vorzuweisen. Racksole, dem „drittreichsten Mann Amerikas“ (und damit der Welt), mangelt es an kultivierter Lebensart, die durch seine Millionen keineswegs wettgemacht wird. Er löst seine Probleme vorzugsweise mit dem Revolver, egal ob auf den Korridoren und in den Kellern des Hotels oder auf den Wellen der Themse. Für solche Probleme hat man in Europa die Polizei und die Diplomatie erfunden.

Nella ist eine interessante Figur, denn sie ist die Verkörperung der modernen Frau, die sich nicht mehr hinter einem Mann versteckt, sondern die Dinge selbst in die Hand nimmt. Das viktorianische Ideal der heimgebundenen Gebärmaschine ist ihr schnuppe, doch den Zeitgenossen Bennetts dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein, als auch Nella unter die Haube kommt und ihrem adeligen Männe ewige Treue schwört.

Hierin liegt auch der Grund, warum das letzte Viertel des Romans mir so sauer aufgestoßen ist, nachdem ich mich bei der Krimihandlung so gut amüsiert hatte. Um jeden Preis versuchen die beiden Amis die Angelegenheiten des ach so armen Fürsten Eugen und seines Onkels Aribert ins Lot zu bringen: ein schmieriges Melodram, das umso süßlicher wird, als auch Nella sich in Aribert verliebt hat und nun Möglichkeiten sucht, die Misere des Hauses Posen zu beenden.

_Die Sprecherin_

Katharina Thalbachs Stimme hat schon einige Anstrengungen hinter sich, und das hört man. Es ist ein gut trainiertes Organ, das sich unterschiedlichsten Anforderungen anpassen kann. Das zeigt sich am deutlichsten, wenn sie eine ausgefallene Sprechweise bemüht, um eine Figur zu charakterisieren. Und davon gibt es im Stück doch einige. Felix Babylon klingt schon superfreundlich, wenn er mit Racksole redet, so dass er geradezu zwielichtig wirkt. Doch wie sich zeigt, ist Babylon eine ehrliche Haut.

Das Gleiche trifft auf die Seeleute zu, mit denen Racksole den Hafen und die Docks von London nach Jules durchsucht. Jeder von ihnen hat eine subtil andere Klangfarbe in seiner Stimme. Auf diese Weise wird der Vortrag nicht langweilig.

Woran es Thalbach ein wenig mangelt, ist die Fähigkeit, die an vielen Stellen angebrachte Ironie so zum Ausdruck zu bringen, dass man sie auch sofort wahrnimmt. Dadurch wird ihr Vortrag weniger amüsant und und die Aussagen weniger bissig, sondern glatter.

_Unterm Strich_

Von der Titelillustration sollte man sich nicht täuschen lassen. Im Roman geht es weniger um stilechtes und kultiviertes Auftreten, als vielmehr um verschwundene Leichen, wütende Amerikaner, abstürzende Verbrecher, Liebeshändel, Entführung, eine Verfolgungsjagd auf der Themse, eine einbalsamierte Leiche und natürlich um edlen Wein (leider vergiftet). Doch statt einen der sensationsgierigen Kolportageromane der Jahrhundertwende zu fabrizieren, gelingt Bennett durchaus über weite Strecken ein genaues Porträt seiner Zeit, fokussiert im edelsten Hotel Europas.

Ich sage „über weite Strecken“, weil das letzte Viertel versucht, die Konventionen einer glücklichen persönlichen Verbindung – vulgo: Liebe – zu bedienen und dabei die Klischees des Melodrams für meinen Geschmack zu sehr strapaziert. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann dinieren sie noch heute im Hotel Savoy.

Die Sprecherin Katharina Thalbach vermag den Vortrag lebendig zu gestalten, selbst wenn ihre stimmliche Wandlungsfähigkeit eingeschränkt erscheint, vergleicht man sie etwa mit der von Franziska Pigulla oder Rufus Beck. Thalbach hat ein unfehlbares Gespür für Stil und Intonation, was ja für die Sprecher jener uns bereits fernen Zeit doch ganz wesentlich war. Das umfangreiche Booklet ist eine willkommene Hilfe für die Einsicht in den Hintergrund des Autors, seines Werkes und seiner Zeit. Betrachtet man das Hörbuch mit unverstelltem Blick, kann man einen ironischen und spannungsreichen Kriminalroman genießen. Aber eben nur über weite Strecken.

|264 Minuten auf 3 CDs
Originaltitel: Hotel Grand Babylon, 1902
Aus dem Englischen übersetzt von Renate Orth-Guthmann|

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – längliche Kiste, Die (POE #14)

_Bewegtes Seestück mit Leiche_

„Die längliche Kiste“ ist der vierzehnte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Rolf Hoppe, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Poe freundet sich mit dem Maler Wyatt an, den er am Hafen von New Orleans trifft. Sie buchen eine gemeinsame Schiffspassage nach New York. Doch kurz bevor die Passage beginnt, wird Wyatts Frau schwer krank und Wyatt selbst benimmt sich äußerst merkwürdig. Was verbirgt sich in der länglichen Kiste in seiner Kabine? Und wer treibt nachts sein Unwesen im Speisesaal des Schiffs?

Ulrich Pleitgen hat auch an den anderen Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

(Nr. 13 wird ausgelassen.)

#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan aus Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Die Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren

Außerdem wirken Rolf Hoppe als Cornelius Wyatt, Cathlen Gawlich als Mrs. Wyatt, Jürgen Wolters als Kapitän Hardy, Gerald Schaale als George Appo, Mathis Schrader als Lowden und Michael Pan als Clerk mit. Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Penny Shepherd, die Ansage erledigt André Sander.

_Das Titelbild_

Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt bei „Die längliche Kiste“ ein riesiges Portal, in dem man noch die Türhälften erkennen kann. Es ist völlig überwuchert. Der Blick dringt in einen hellen Wald, der wie ein Dschungel anmutet. Alles in allem wieder ein meisterliche Arbeit des Fotografen.

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Staffel: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Huxleys „doors of perception“.

_Das Booklet_

Jede CD enthält ein achtseitiges, schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch werden hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Ulrich Pleitgen wird näher vorgestellt.

Eingangs gibt es einen kleinen Abriss der Vorgeschichte. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs und die DVD von „Die Grube und das Pendel“. Die vorletzte Seite weist auf die Band „We Smugglers“ hin, die den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert hat.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon zwölf Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.

Der Vorspann rekapituliert sehr knapp die ganze Vorgeschichte bis hin zum Inhalt von „Eleonora“, der zwölften Folge der Serie. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.

_Handlung_

Poe hat in der Episode „Das ovale Porträt“ herausgefunden, dass ein New Yorker Maler namens Jimmy Farrell ihn ebenso wie eine junge Frau namens Lucy porträtiert hat. Um herauszufinden, was Farrell über Poes wahre Identität weiß, muss Poe nach New York. Er hat schon einen Fahrschein für die Postkutsche bezahlt, als er im Hafen von Mobile, Alabama, den freundlichen Maler Cornelius Wyatt kennen lernt, der ihn überredet, mit ihm und seiner Frau per Schiff nach New York City zu segeln. Poe ist von dem Künstler sehr angetan und lässt sich überreden. Zugleich gibt er ihm Geld, um ein paar Muscheln für seine Frau zu kaufen. Wyatt scheint ihn zu kennen, kann sich aber nicht erinnern, woher.

Am nächsten Tag ist Wyatt jedoch niedergeschlagen, weil seine Frau von den Muscheln, die verdorben waren, krank geworden ist. Dennoch will er mit der „Independence“ des Kapitän Hardy segeln. Es ist das gleiche Schiff, fällt Poe auf, auf dem er Leonie Goron kennen lernte. Er bucht eine Kabine, um es ruhig zu haben. Als das Schiff einläuft, begrüßt ihn Hardy freundlich und zeigt ihm seine Kabine und den daneben liegenden Speisesaal. Wyatt ist nicht zu sprechen, und das macht Poe recht besorgt um seinen Bekannten. Ihn überkommen unruhige Gedanken, doch ein Umsteigen auf die Kutsche kommt nicht mehr in Frage: Sie ist ausgebucht.

Kurz vor dem Ablegen des Schiffes gehen Wyatt und eine verschleierte Frau an Bord. Das dürfte wohl seine Gattin sein, doch Poe wundert sich. Während Wyatts Gesicht hager und eingefallen aussieht, strahlt seine Gattin, die doch sehr krank war, vor Gesundheit. Tatsächlich ist sie sogar die Fröhlichkeit in Person! Das kommt Poe geradezu pietätlos vor. Auf einem Wagen wird eine zwei Meter lange Kiste antransportiert und in Wyatts Kabine verfrachtet. Nur dessen Name steht darauf, das Tannenholz ist noch frisch. Nächstes Kommando: Leinen los!

Nach einem heiteren Start mit einer noch heiteren Mrs. Wyatt schlägt die Stimmung jedoch um: Käptn Hardy wittert Sturm. Poe kann nicht mehr schlafen und hält sich sogar mit Kaffee wach. Irgendetwas geht in den Kabinen und dem nahen Speisesaal vor sich. Ständig hört er Geräusche und wispernde Stimmen. Einmal huscht Mrs Wyatt von einer separaten Kabine (!) in Mr. Wyatts Domizil – dort befindet sich die ominöse Kiste. Und Wyatt selbst sieht allmählich aus wie der leibhaftige Tod. Proviant verschwindet und ein Messer, das der Koch vermisst. Offenbar gibt es einen blinden Passagier an Bord – das würde einige der Rätsel erklären.

Aber nicht alle …

Als der Sturm das Schiff zum Sinken bringt und alle in die Boote müssen, kommen einige der Geheimnisse der „Independence“ ans Tageslicht. Mit fatalen Folgen.

_Mein Eindruck_

Diese Episode hält sich erstaunlich genau an die bekannte literarische Vorlage. Nur dass diesmal natürlich der Augenzeuge unser bekannter Unbekannter ist, der sich aus einer Laune heraus den Namen „Edgar Allan Poe“ zugelegt hat. Sein Rätsel bleibt bestehen. Und weiterhin wird aus dem relativ anonymen Passagier, der die fatale Kiste an Bord bringt, ein guter Bekannter, an dessen traurigem Schicksal „Poe“ großen Anteil nimmt.

Die für die Serie charakteristischen Momente der Spannung und des Grauens beschränken sich auf die mysteriösen Vorgänge unter Deck. Kein Albatross fällt unheilverkündend vom Himmel, keine Leiche wandelt gespenstisch an Deck – obwohl einmal fast so aussieht. Vielmehr ist es die klaustrophobische Enge in seiner Kabine, die Poe zusetzt und seinen labilen Geisteszustand ins Wanken geraten lässt. Leicht hätte die Dramaturgie eine Vision einbauen können, doch sie bleibt aus, hätte sie doch den begrenzten Umfang des Stückes gesprengt.

VORSICHT, SPOILER!

Wie so häufig bei Poe entsteht das eigentliche Grauen daraus, dass es einen grotesken Widerspruch zwischen der quicklebendigen angeblichen Mrs. Wyatt und ihrem sichtlich dahinsiechenden Gatten gibt. Als sich diese Rolle als Lug und Trug entpuppt, öffnet sich dahinter ein noch größeres Grauen. Die in der titelgebenden Kiste liegende echte Mrs. Wyatt ist zwar mausetot, scheint aber ihrem – noch – lebenden Gatten auf ghoulische Weise den Lebenssaft auszusaugen. Dass beide ihr Ende gemeinsam in der tiefen blauen See finden sollen, erscheint nur folgerichtig.

SPOILER ENDE

Doch genau wie die nächste Episode bringt dieser Zwischenfall auf der Reise nach New York City die Story nicht weiter und verändert auch die Hauptfigur in keiner Weise. Die Episode „Du hast’s getan“ sieht Leonie Goron in einem Provinzkaff einen Mordfall aufklären. Aber sie stößt ebenfalls auf die Spur von Doktor Baker alias Templeton und die des Malers Jimmy Farrell. Diesen müssen sie und Poe gleichermaßen dringend suchen, sobald sie in der Metropole anlangen.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Pleitgen spielt die Hauptfigur E. A. Poe, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Im ersten Teil des „Eleonora“-Traumes schwelgte sein Poe in verliebter Seligkeit. Umso gequälter klang Poe in der zweiten Traumhälfte, als ihn die tote Geliebte in seinen Albträumen heimsucht. Dieser Stimmungswandel leitete die Trennung von Leonie ein und machte sie ein wenig nachvollziehbarer. Deshalb ist Poe in diese Episode allein, und Pleitgen muss ohne Berben an seiner Seite auskommen.

_Musik und Geräusche_

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Wir hören das Schreien der Möwen ebenso wie das unablässige Knarzen von Tauen und Dielen an Bord der „Independence“.

Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der Hauptfigur und ihres Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung ganzer Szenen, so etwa während der Sturms und der mysteriösen Vorgänge unter Deck. Diesmal ist mir insbesondere die verstärkte Rolle der Bässe aufgefallen. Sie werden nicht etwa elektrisch erzeugt, wie von einer Gitarre, sondern von einem Klavier. Doch wurden die tiefen Töne derart durch die Echokammern und Verzerrer gejagt, dass daraus ein erschütterndes Grollen herauskam, das das Gehör des Publikums auf einer unterschwelligen Ebene beeinflusst und unwillkürlich Furcht erzeugt. Raffiniert!

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

_Der Song_

Die Band „We Smugglers“ hat, wie erwähnt, den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert. Ihr Konzertplakat weist sie als vier recht schräg aussehende Herrschaften aus, die nichtsdestotrotz ihre Instrumente zu beherrschen scheinen. Was wir in der Länge von rund 3:30 Minuten zu hören bekommen, würde ich als balladesken Slow-Metal-Rock bezeichnen. Die Tonart ist recht ausgefallen: Cis-Dur.

Deutlich dominiert die E-Gitarre, die sich wie die von Jimmy Page anhört, als er sein berühmtes Stück „Kashmir“ für die MTV-Acoustic-Session neu arrangierte. Für mich klingt das gut und melodisch, aber kraftvoll. Der Klangteppich wird von einer deutlich zu vernehmenden Basslinie und unauffälligen Drums und Cymbals unterstützt. Der Gesang ließe sich noch verbessern, und die Lyrics könnte man auch mal abzudrucken beginnen.

_Unterm Strich_

Diese Episode bringt die Handlung zwar nicht weiter, aber den Helden wenigstens von A nach B, um nach dem Schlüssel zu seiner wahren Identität zu suchen. Unterwegs erlebt er eines von Poes weniger grausigen Abenteuern, ein Seestück sozusagen, das mehr von der Atmosphäre getragen wird als von Rationalität oder gar Action.

Doch die akustische Umsetzung ist den Machern so überzeugend gelungen, dass ich mich bei dem Wunsch ertappe, sie würden dereinst mal „Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ orchestral zu Gehör bringen, inklusive abschließendem „tekeli-li“. Von diesem Punkt aus ließe sich sich die Geschichte entweder als Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ weiterführen oder als Jules Vernes „Die Eissphinx“. Beides sind herausragende Werke des phantastischen Genres. Eine weiterer Anknüpfungspunkt besteht in Michael Marraks „Imagon“. Hier könnten endlich mal deutsche Autoren Berücksichtigung finden.

|Basierend auf: The oblong box, ca. 1845
57 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos auf http://www.poe-hoerspiele.de |

Die drei !!! – Legende der Einhörner (Folge 73)

Die Handlung:

Magische Lichter, geheimnisvolle Geräusche und das Erscheinen eines echten Einhorns versetzen die drei !!! in Aufruhr. Die drei begeben sich auf Spurensuche und entdecken eine rätselhafte Legende. Was hat es mit dem ‚Fluch des Einhorns‘ auf sich? Kim, Franzi und Marie beginnen zu ermitteln – denn an sagenumwobene Wesen glauben die drei Detektivinnen nicht! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, wir haben „magisch“, „geheimnisvoll“, „rätselhaft“ und „sagenumwoben“ im Klappentext stehen. Wird das jetzt eine Folge, die nur für die allerjüngsten !!!-Fans gedacht ist? Vielleicht nicht, denn wir haben auch „Fluch“ und „Einhorn“ und das klingt nach einem neuen Fall für den Detektivclub. Na dann klingeln wir doch mal am örtlichen Wasserschlösschen und fragen, obs was zu ermitteln gibt!

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Fünf Freunde und der mysteriöse Dieb (Folge 142)

Die Handlung:

Die Fünf Freunde begleiten Onkel Quentin nach Bristol, wo der Wissenschaftler an einem Kongress teilnimmt. Gleich nach ihrer Ankunft werden dem Geschäftsmann Cameron teure Uhren gestohlen und der Verdacht fällt auf Duncan Jones. Der nette, junge Mann beteuert seine Unschuld und bittet die Fünf Freunde um Hilfe. Deren Ermittlungen ergeben, dass Cameron selbst hinter dem Diebstahl stecken könnte, um die Versicherung zu betrügen. Aber dann wird einer Touristin Geld gestohlen – und die Ereignisse überschlagen sich. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bei allem Trubel, der im Klappentext steht: Was macht einen Dieb denn mysteriös? Sind die denn nicht eigentlich immer nur kriminell und sonst nix? Wir werden es in Bristol erfahren, auf gehts!

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Michalewsky, Nikolai von / Redeker, Jochim-C. / Weymarn, Balthasar von – Mark Brandis: Vorstoß zum Uranus, Teil 2 (Hörspiel, Folge 8)

_Ein Angebot, das Brandis nicht ablehnen kann – gibt’s das?!_

Das Jahr 2125: Die Strategische Raumflotte schickt Commander Ernest D. Scott und eine vierköpfige Crew mit einer |Delta IX| als erste bemannte Mission zum Uranusmond Oberon. Scotts Ehrgeiz, auch noch Mark Brandis‘ Geschwindigkeitsrekord brechen zu wollen, wird der Expedition zum Verhängnis: Es kommt zu einer Bruchlandung auf dem Nachbarmond Titania.

Die Besatzung überlebt zwar, doch niemand weiß, dass die |Delta IX| auf dem falschen Uranusmond gelandet ist, und früher oder später lebenserhaltende Geräte ausfallen werden. Zwei Crewmitglieder müssen 20 Kilometer hinauf zum Canyonrand klettern, um einen Sender aufzustellen – ein riskanter Auftrag …

Teil 2: Mark Brandis wird beauftragt, den neuen leichten Kreuzer Hermes zu testen – mit einer Schutzmission. Er soll unbemerkt Commander Scotts |Delta IX| zum Uranus folgen und die Gefahr einer Entführung durch die Republiken abwenden. Trotz seiner Abneigung gegen den selbstbewussten und ehrgeizigen Scott versucht Brandis, seine Pflicht zu erfüllen. Doch Scott und sein wertvolles Schiff sind unauffindbar. Eine weitere Gefahr naht, mit der niemand gerechnet hat …

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

|Mark Brandis| auf |Buchwurm.info|:

Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“ 4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“ 5013
Folge 3: [„Unternehmen Delphin“ 5524
Folge 4: [„Aufstand der Roboter“ 5986
Folge 5: [„Testakte Kolibri 1“ 5984
Folge 6: [„Testakte Kolibri 2“ 5985

_Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind |Interplanar.de|:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.

|Die Sprecher und ihre Rollen: |

Prolog: Wolf Frass
Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis
Major Frederick Young: Erich Räuker (Liam Cunningham, Elias Koteas)
Cmdr. Ernest D. Scott: Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan, Kevin Costner, Al Pacino)
Bordcomputer: Anke Reitzenstein (Ashley Judd, Angela Bassett, Linda Fiorentino, Whitney Houston)
Col. Barclay: Kai Jürgens
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Cpt. Martin van Kerk: Michael Westphal
Cpt. Roger d’Arcy: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Gary Oldman, Kevin Bacon, Tim Roth …)
Ludmilla Wolska: Tomasina Ulbricht
Lt. William Xuma: Michael Pan (Brent ‚Data‘ Spiner, Martin Short, Richard Kind)
Lt. Usko Koskinen: Julien Haggége (Eminem, Justin Long, Colin Hanks)
Bordsystem CORA: Christine Mühlenhof
Oberst Xiahou Shang: Cho See-Young

_Vorgeschichte_

Die |Delta IX| ist schneller als die alte |Delta VII|, mit der Mark Brandis einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Commander Ernst D. Scott gedenkt, diesen Rekord zu brechen – als Revanche dafür, dass ihm Brandis seinerzeit bei Ruth O’Hara zuvorkam, die seinen Rivalen heiratete. Als er nun die Expedition zum Planeten Uranus leitet, um dessen Monde auf Rohstoffe zu untersuchen, gibt Scott ordentlich Gas. Ein weiterer Grund ist der, dass das Hauptquartier der Sternenflotte mögliche asiatische Konkurrenz gemeldet hat. Der will Scott zuvorkommen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Der Alarm schrillt – Fehlfunktion! Die Astronauten erwachen aus dem Kälteschlaf der Stasis. Jetzt kommt auch noch ein Systemausfall hinzu. Die Sicherungskopien werden geladen, aber das braucht kostbare Minuten, die ihnen nun die Kurskorrektur vermasseln. Sie werden den Mond Pberon verfehlen und stattdessen in die Gashülle des Uranus selbst stürzen – auf Nimmerwiedersehen! Damit jemand über ihr Schicksal erfährt, setzen sie eine Boje aus. Maddox behält die Nerven und gibt einen alternativen Kurs ein: auf den Mond Titania.

Doch der neu gestartete Computer fällt erneut aus, und sie müssen die |Delta IX| mit Handsteuerung runterbringen: Eine Bruchlandung ist unvermeidlich. Doch am besten nicht auf dem harten Gestein der Plateaus, sondern im weichen Staub am Grunde des riesigen Canyons, der sich 1500 Kilometer über die Oberfläche des Mondes zieht, 20 Kilometer tief und 60 Kilometer breit. Die Landung ist hart, und schließlich kracht der Flieger auf einen riesigen Felsklotz am Grunde der Schlucht.

Ein Start ist unmöglich, das Beiboot hoffnungslos verkeilt. Kein Funkempfang. Das bedeutet, dass niemand sie finden wird, weil man sie daheim auf Oberon vermutet. Also muss man einen Sender oben auf die Klippenkante der Schlucht stellen. Jemand muss 20 Kilometer hochklettern und den Sender ausrichten und aktivieren. Maddox und McIntosh melden sich freiwillig und schleppen den Sender in die Höhe, der aber wegen der geringen Schwerkraft nur wenig wiegt.

Doch dann dreht der Ingenieur Sini durch und rast mit dem freigemachten Dinghi in die Canyonwand. Diese Möglichkeit fällt also auch aus. Commander Scott trägt es mit Fassung und hört sich den Expeditionsbericht seines Beinahe-Namensvetters Robert Falcon Scott an, der 1912 den Wettlauf zum Südpol verlor und auf dem Rückweg ums Leben kam. Er ahnt nicht, dass die Chinesen der VOR-Republiken ein Störfeld um das Uranus-System aufgebaut haben. Sie wollen die |Delta IX| für sich haben, um den technischen Vorsprung der Union zu brechen …

_Handlung von Folge 8_

Commander Mark Brandis wird auf der Raumstation Porta Stellaris zu einer Geheimbesprechung gerufen. Mit seinem früheren Navigator Iwan Stroganow betritt der den Missionsraum. Er ist sicher, dass es nur um die Erprobung des Leichten Kreuzers |Hermes| gehen kann, denn das neueste Schiff der Flotte ist gerade erst fertiggestellt worden. Major Young beauftragt Brandis zwar erwartungsgemäß mit den Testflügen – schließlich hat er ja das KOLIBRI-Projekt erfolgreich zu Ende geführt -, doch zugleich mit der ersten Mission, die ihn zu den Uranusmonden führen soll. Er soll die |Delta IX| von Commander Scott beschützen. Sie sei durch ein Schiff der Drachen-Flotte der Republiken in Gefahr, entführt zu werden. Alle Einwände von Brandis weiß Young abzuschmettern. Die „Hermes“ wird bewaffnet, und ab geht die Post.

Nach einer ersten Besichtigung und der Inbetriebnahme von Antrieb und Bordcomputer nimmt Stroganow eine kleine Änderung vor: Nun klingt die Stimme des Computers wie die der guten alten CORA. Nach dem Start geht’s gleich in Stasis. Etliche Tage später weckt CORA den Commander aus seinem Schlummer, obwohl alles in Ordnung zu sein scheint. Da entdeckt die Wissenschaftsoffizierin Ludmilla Wolska eine Anomalie in den Gravitationsverhältnissen um den Uranus. Sicherheitshalber schießt Brandis eine Sonde ab, und Wolska findet heraus, dass Scott rund 58 Prozent schneller unterwegs gewesen sein muss als vorgesehen. Kein Wunder, dass nirgends eine Spur von ihm sehen ist.

Die ausgeschickte Sonde antwortet nicht mehr, was Brandis ein Rätsel ist. Kaum hat er Meldung gemacht, antwortet Major Young mit einer Änderung des Missionsbefehls: Wegen des irgendwo am Uranus herumfliegenden Drachenschiffes ist die |Delta IX| schleunigst zu orten, deren Besatzung zu retten und das Schiff nötigenfalls zu zerstören! Es darf keinesfalls in die Hände der Asiaten fallen.

Eine unsichtbare Kraft wirkt auf die „Hermes“ ein und zwingt sie durch das Trümmerfeld eines Asteroiden. Gerade schaut Lt. Xuma draußen auf der Außenhaut, ob die |Hermes| Schäden abbekommen hat, als der GAU passiert: totaler Systemausfall! Sobald CORA wieder reaktiviert ist, merkt die Crew, dass die |Hermes| 40 Millionen Kilometer am Uranus vorbeigerast ist – und von Lt. William Xuma keine Spur! Kurz darauf meldet sich ein Kreuzer der Republik bei Brandis, mit einem Angebot, von dem die Asiaten glauben, dass er es nicht ablehnen kann: Xuma im Austausch gegen die |Delta IX|. Da kennen sie Brandis aber schlecht …

_Mein Eindruck_

Also, wenn sich die Union irgendwie im Krieg befinden sollte, so ist das ein auf ziemlich merkwürdiger Art geführter Krieg. Unpersönliche Felder wirken auf die Schiffe der Union ein, seien sie gravitationeller oder elektromagnetischer Art. Und dann gibt es da noch Geiselnahmen, die wie Rettungsmissionen aussehen. Kommandanten wie Mark Brandis, so stellt sich heraus, können dieses Go-Spiel aber auch mitmachen, und so sieht sich der asiatische Kommandant bald einer völlig veränderten Lage gegenüber …

Aber auch die Bergung der |Delta IX| verläuft ganz anders als erwartet. Brandis und seine Crew sind zwar froh, dass sie Commander Scott und dessen Captain Gottwald noch lebend vorgefunden haben, doch die beiden Überlebenden sind alles andere als dankbar. Vielmehr wirft Scott seinem Retter vor, ihm um den Ruhm des tragisch gescheiterten Helden zu bringen und nun selbst die Lorbeeren für die Rettungsmission einzuheimsen. Brandis ist ziemlich konsterniert. Noch verwunderter ist er jedoch, als ich, der Bordcomputer meldet, dass Scott gar nicht an Bord der |Delta IX| gegangen sei. Vielmehr ist der gescheiterte Expeditionsleiter am Ort seines Scheiterns geblieben.

Die V-Kurve der Dramaturgie zeigt zwar durchweg wieder nach oben, doch wird sie mit einigen Knicken und Zacken unterbrochen, so dass schon ein wenig Spannung darüber aufkommt, ob denn die |Hermes| überhaupt auf Titania ankommen und die |Delta IX| bergen wird. Und selbst noch zu einem Zeitpunkt, als alles schon in Butter zu sein scheint, sorgt die Dramaturgie noch für eine überraschende Wendung. Sie passt als verzögerte Fortsetzung des ersten Teils der Doppelfolge zum Drama, das sich dort abspielte. Commander Scott ist rehabilitiert.

_Mein Eindruck: Die Inszenierung_

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Hermes| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleuse. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt. Der Flug durch das Asteroidentrümmerfeld ist recht dramatisch anzuhören, aber leider ziemlich kurz. Was gäbe ich für eine ordentliche Raumschlacht à la „Perry Rhodan“!

Ungewöhnlich sind eher Sounds, die Verzerrungen im Funksprechverkehr simulieren – das lässt aufhorchen. Hier haben die Macher dazugelernt. Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s „Perry Rhodan“ kann in dieser Liga mitspielen. Auch das Design von verzerrten Meldungen per Funk ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.

|Die Sprecher|

Die Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über das Schicksal von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert. An Bord der |Hermes| findet eine psychologische Auseinandersetzung zwischen zwei Südafrikanern statt, die noch am Knochen der Apartheid zu kauen haben.

Und Brandis hat sich mit den Asiaten auseinanderzusetzen, die ihm ein mafiöses Angebot machen: Xuma gegen |Delta IX|. Michael Lott strahlt stets unbeugsame Autorität aus, doch auch er muss ja mal schlafen. Recht eindrucksvoll macht sich auch der Austausch der Stimmmodule des Bordcomputers bemerkbar. Spricht zunächst noch Anke Reitzenstein relativ kontrolliert und unmoduliert, so wird sie durch Christine Mühlenhof abgelöst, die eine geradezu menschliche Stimmmodulation aufweist, so dass man ihr gerne zuhört. So angenehm möchte ich auch mal geweckt werden!

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Outro und in den Intermezzi. Letztere haben die Aufgabe, die längeren Szenen voneinander abzutrennen und eine Emotion zu vermitteln, z. B. Beklemmung.

Ganz am Schluss erklingt ein flottes Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer langsam Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der langen Absage, bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden. Den Abschluss bildet der Hinweis auf die nächste Folge mit dem Titel „Raumsonde Epsilon“.

|Das Booklet|

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen 1-8 der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Darüber hinaus gibt es jeweils Zusatzinformationen, so etwa über die Raumstation Porta Stellaris und die drei Besatzungsmitglieder Usko Koskinen, William Xuma – sie liegen einander in den Haaren – und Ludmilla Wolska.

_Unterm Strich_

Diese spannende und dramatische Doppelfolge führt den Hörer hinaus an den Rand unseres Sonnensystems, zu den Monden des Planeten Uranus. Nach dem tragischen Scheitern der Expedition Commander Scotts folgt nun die spannende Schutz- und Rettungsmission, die ebenfalls zu scheitern droht; durch Asteroidentrümmer, durch Systemausfall, den Verlust eines Besatzungsmitglieds und vieles mehr. Brandis tappt den gegnerischen Asiaten nichtsahnend in die Falle. Doch sie kennen eben Mark Brandis nicht! Und so findet dieser Flug doch noch ein halbwegs zufriedenstellendes Ende, auch wenn der Schluss eine recht unerwartete Wendung nimmt.

|Das Hörspiel|

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im ersten Teil werden die Parallelen zu Scott anno 1912 durch die Tagebuchauszüge überdeutlich hervorgehoben. Scotts Ehrgeiz erscheint wie jener seines Namensvetters als überheblich und vermessen. Die Strafe, die die Götter für solche Hybris vorgesehen haben, zahlen aber zunächst Scotts Männer. Mark Brandis ist aber nicht der strahlende Retter, sondern muss selbst einen Preis zahlen.

Dieses Drama ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

Gut finde ich, dass |Folgenreich| und |Universal Music| jetzt den Vertrieb übernommen haben. Dadurch ist der Fortbestand der Serie wohl gesichert. Und nun kann man sich mit Frank Glaubrecht (bekannt als „John Sinclair“) und Simon Jäger auch namhafte Synchronsprecher leisten, die ein wenig(?) mehr kosten als die bisher eingesetzten. Das kommt dem Wiedererkennungs- und Unterhaltungswert der Serie nur zugute.

|Hinweis|

Der Titel der Fortsetzung lautet „Raumsonde Epsilon“.

|70 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3829123167|
http://www.folgenreich.de/markbrandis
http://www.interplanar.de
http://www.markbrandis.de
http://www.universal-music.de/musik/hoerbuch/

Perry Rhodan NEO – NONAGON (Folgen 240-249)

Worum gehts in der Staffel?

In den vergangenen dreißig Jahren haben die Menschen die Lokale Blase rund um das Sonnensystem besiedelt. In relativer Nähe zur Erde sind neun Kolonien entstanden. Doch die genetisch angepassten Menschen streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. Sie wollen die Unabhängigkeit von der Terranischen Union.
Was sie nicht wissen: Vor langer Zeit waren ihre Welten Teil einer gewaltigen Maschine -–des Nonagons. Diese Maschine sollte die Milchstraße vor einer furchtbaren Gefahr schützen. Als Iratio Hondro, ein Mann von der Kolonie Plophos, gegen die Erde revoltiert, löst er eine Kettenreaktion aus. Gelingt es ihm, das Nonagon zu aktivieren, gibt es nichts mehr, das ihn aufhalten kann … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Eigentlich gehen NEO-Staffel oft so los: Perry kommt nach Hause (nach Terra), findet irgendwas oder irgendwen irgendwie vor und … dann fliegt er entweder schnell wieder weg oder die nächsten zig Hörstunden spielen auf Terra.

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Perry Rhodan – Duell der Erbfeinde (Silber Edition 117)

Die Handlung:

In der Milchstraße herrscht große Unruhe. Nachdem die Konflikte mit den Loowern und den Orbitern gelöst werden konnten, kommt nun eine Bedrohung aus tiefer Vergangenheit. Der Hordenführer Amtranik mit seinem Raumschiff VAZIFAR und einer kampfstarken Flotte will einen Krieg zu Ende bringen, der vor über einer Million Jahren tobte. Das wird zur ersten Bewährungsprobe für die Liga Freier Terraner, das neue Staatsgebilde der Menschheit. Eigentlich ist die Liga dem Frieden verpflichtet, doch jetzt muss sie in den Kampf gegen die VAZIFAR ziehen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wir starten mit Amtranik, dem Ur-Labori, der vor 1,2 Millionen Jahren mal Chef der Hörden von Garbesch war. Seitdem hat er geschlafen … was will man auch anderes machen? Und was macht er, nachdem er aufwacht? Genau … wieder kämpfen.

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James, Peter – So gut wie tot (Lesung)

_Packender 9/11-Krimi: die Katastrophe als kriminelle Chance_

Zwei Frauenleichen. Die eine wird in einem Abwasserkanal nahe Brighton gefunden, die andere aus einem schlammigen Fluss in Australien gezogen. Und doch hatten beide Frauen etwas gemeinsam: Sie waren mit ein und demselben Mann verheiratet. Dieser Kleinkriminelle aus Brighton kam offenbar bei den Anschlägen vom 11. September ums Leben. Während sich der Cop Roy Grace auf die Suche nach einem Toten macht, rennt in Brighton eine junge Frau um ihr Leben. Auch sie verbindet etwas mit Ronny Wilson …

_Der Autor_

Peter James ist Schriftsteller und Filmproduzent, liebt schnelle Autos und hat ein Faible für das Übersinnliche. Er lebte lange Jahre in den USA und war dort als Drehbuchautor und Filmproduzent tätig. Mittlerweile leitet er seine eigene Filmproduktionsfirma in England. Er lebt in Sussex und in London. Mehr Info: www.peterjames.com (ohne Gewähr). (Verlagsinfo) Als Hörbücher werden bereits „Stirb schön“ und „Nicht tot genug“ von |Argon| angeboten.

Peter James auf |Buchwurm.info|:

[„Stirb ewig“ 3268
[„Stirb schön“ 3154
[„Stirb schön“ 3680 (Lesung)
[„Nicht tot genug“ 4844 (Lesung)
[„Mein bis in den Tod“ 2493
[„Wenn er fällt, dann stirbt er“ 1391

_Der Sprecher_

Hans Jürgen Stockerl studierte Schauspiel an der Neuen Münchner Schauspielschule Ali Wunsch-König. Neben seiner Theater- und Fernsehkarriere ist Stockerl als gefragter Hörbuch- und Hörfunksprecher tätig, dessen markante Stimme u. a. im Bayerischen Rundfunk, ZDF, WDR und DeutschlandRadio zu hören ist.

Regie führte Vera Teichmann.

_Handlung_

Am 11. September 2001 trifft der englische Geschäftsmann Ronny Wilson in New York City ein, um seinen früheren Geschäftspartner Donald Hatcook aufzusuchen. Ronny ist durch seine erfolglosen Geschäftsideen total abgebrannt, Donald ist seine letzte Hoffnung. Aber in seiner Aktentasche hat Ronny wie stets wertvolle Briefmarken bei sich. Um 8:47 Uhr befindet er sich noch etwa einen Block vom World Trade Center entfernt, in dessen Südturm Hatcook sein Büro hat, als ein Flugzeug in den Nordsturm einschlägt. Eine Art Erdbeben erschüttert die Straße, Rauch weht wie eine Fahne über den East River und Trümmer beginnen auf die Straße zu fallen.

Doch unverzagt zerrt Ronny seinen Rollkoffer und die Aktentasche weiter. Wenn bloß nicht die Feuerwehr und die Polizei alles absperren! Schneller! Da rast ein zweites Flugzeug in den Südturm, noch ein Erdbeben grollt durch die Straßen, es regnet Trümmer. Als ein abgetrennter menschlicher Arm Ronny vor die Füße knallt, bleibt er endlich stehen. Es regnet Menschen. Sie platzen auf dem Asphalt. Endlich kehrt Ronny um und macht, dass er wegkommt. Falls er in dem Staubsturm draußen irgendetwas sehen kann. Wenige Stunden später kommt ihm eine geniale Idee, wie er mit einem Schlag alle seine Probleme lösen und seine zahlreichen Gläubiger loswerden kann …

|Die Tote im Fluss|

Im September 2007 findet ein australisches Pärchen, das einen Ausflug macht, in einem Fluss bei Melbourne per Zufall ein Autowrack. In dessen Kofferraum findet die Polizei eine Frauenleiche, die bestialisch stinkt. Das gebrochene Zungenbein verrät den Cops, dass sie erdrosselt wurde. Durch ihre Brustimplantate kann die Gerichtsmedizin herausfinden, dass sie aus Brighton in England stammt. Schon bald wird Interpol in Brightons Polizeistation anrufen, um nach der Identität der ermordeten Schwangeren zu fragen.

|Das Skelett im Schacht|

Oktober 2007. Detective Superintendent Roy Grace von der Kripo Brighton & Hove ist schwer genervt. Ausgerechnet am jenem Freitagnachmittag, an dem er seiner Angebeteten Cleo Murray eine schöne Überraschung bescheren wollte, kriegt er einen neuen Fall zugeteilt: ein Skelett in einem Abwasserkanal. Na, prächtig. Genau das, was er fürs Wochenende brauchte. Doch das Skelett stellt sich als das einer jungen Frau heraus, die höchstens 30 Jahre alt war und vor höchstens zehn Jahren starb. Und sie wurde ebenfalls erdrosselt.

Roy Grace beschleicht ein schrecklicher Verdacht: Könnte es sich um seine vor neun Jahren spurlos verschwundene Frau Sandy handeln? Erst die Untersuchung des Gebisses der Toten widerlegt diesen furchtbaren Verdacht. Aber wer ist die Tote dann? Sie stellt sich als Joanne Wilson heraus, von der in ihrem Bekanntenkreis allgemein angenommen wurde, sie sei nach ihrer Scheidung von Ronny Wilson nach Los Angeles gezogen, um dort Schauspielerin zu werden. Nur dass sie dort offenbar nie ankam. Merkwürdig ist aber auch, dass Lorraine Wilson, Ronnys zweite Frau, Mitte 2002 von einer Kanalfähre in den Tod gesprungen sein soll. Und das, nachdem sie die Lebensversicherung für Ronny ausbezahlt bekam, der beim Einsturz des World Trade Centers am 11. September 2001 ums Leben kam.

Wenn Roy Grace die Faktenlage anschaut, beschleicht ihn der Verdacht, dass hier etwas nicht stimmt. Er beschließt, nach New York zu fliegen und schickt zwei seiner Leute nach Melbourne, um sich die dortige Tote anzusehen.

|Zwangslage|

Unterdessen gerät Abigail Dawson, 27, die gerade aus Australien zurückgekommen ist, in eine lebensbedrohliche Lage. Ihre Wohnung liegt im achten Stockwerk eines Hauses in Brighton. Das Treppenhaus ist jedoch von Handwerkern blockiert worden, weshalb sie den Aufzug nehmen muss. Kaum ist sie damit losgefahren, bricht eines der Halteseile. Der Lift stürzt ein Stück ab, bevor er sich verkeilt. Das Telefon im Lift ist defekt.

Erst neun Stunden später bekommt sie auf ihrem Handy eine Netzverbindung und versucht die Polizei oder Feuerwehr zu erreichen. Doch als Erstes entdeckt sie eine SMS auf ihrem Mobiltelefon: „Ich habe dich gefunden.“ Abby ist seit ihrer Abreise aus Melbourne auf der Flucht, mit wertvoller Beute. Wenn der Mann, vor dem sie flieht, sie gefunden hat, dann steckt sie in ernsten Schwierigkeiten.

Und erst Stunden später wird sie von der Feuerwehr herausgeholt. Kein Wunder, dass sie dem Reporter von der Lokalzeitung keinesfalls ein Interview geben will. Und seinen Fotografen lässt sie erst recht nicht knipsen. Aber alles hilft nichts, als der Briefkurier, den sie bestellt hat, sie k. o. schlägt und fesselt. Ricky will das wiederhaben, was sie ihm geklaut hat. Um jeden Preis …

_Mein Eindruck_

Peter James ist ja schon ein Routinier. Er hat sich mit unheimlichen Mystery-Thrillern einen Namen gemacht, sich aber seit wenigen Jahren aus dieser Nische herausgeschrieben, weil die Nische momentan ziemlich out ist. Horror im Alltag? Kann jeder beim Stadtausflug erleben. Bessere Ideen weisen da schon seine neuen Krimis „Stirb ewig“, „Stirb schön“ und „Nicht tot genug“ auf.

|Im Schatten der Hauptstadt|

„So gut wie tot“ ist bereits der vierte Krimi um Detective Superintendent Roy Grace, der vor neun Jahren seine Frau Sandy auf mysteriöse Weise verlor. Der Autor schildert den Schauplatz Brighton und Sussex, als ob er selbst dort leben würde. Er weiß sogar, dass es dort eine große Schwulenkolonie gibt. Und die Nähe zu London und den Vergnügungen der Metropole schimmert stets am Horizont des Geschehens in den Romanen durch.

Roy Grace kriegt so manches von den Verbrechen der Hauptstadt mit. Diesmal muss er sich mit einem von der Londoner Metropolitan Police importierten Konkurrenten herumschlagen. Cassian Pewey erweist sich als schlechter Verlierer und will Grace am Zeug flicken: Er stellt eigenmächtig Ermittlungen in Sachen Sandy an und würde sogar Graces Garten umgraben lassen. Das ist natürlich in den Augen des Betroffenen eine Ungeheuerlichkeit, und sie führt im Showdown um ein Haar zu tragischen Folgen.

|Ground Zero|

Der eigentliche Grund, warum der Autor dieses Buch geschrieben hat, ist der Dreh- und Angelpunkt der Handlung: die Szene vor dem World Trade Center zur Stunde, als die zwei Flugzeuge in die Türme fliegen. In der Tat ist diese grauenerregende Szene so deutlich und ausgedehnt dargestellt, als wäre der Leser oder Hörer selbst vor Ort und könnte das Donnergrollen hören und die fallenden Menschenleiber sehen, den Rauch riechen und die Sirenen heulen hören.

Dieser Ort wird dreimal gezeigt, was alleine schon seine zentrale Bedeutung belegt. Beim zweiten Mal ist Ronald Wilson an der Stätte der Verwüstung, um vorgeblich den Suchmannschaften zu helfen, Dinge zu finden, die der Identifikation der Opfer dienen. Doch in Wahrheit entsorgt er dort nur sein Handy und seine Brieftasche. Die Schuttberge sind meterhoch, die Szene surreal, die Wahrheit ein schattenhaftes, leicht formbares Ding. Hier kann Ronny Wilson leicht verschwinden, indem er die Identität wechselt.

Beim dritten Mal, dass uns Ground Zero gezeigt wird, ist DS Roy Grace sechs Jahre später am Ground Zero und betrachtet die gereinigte Trümmerstätte zwischen den wiederhergestellten Gebäude ringsum. Es ist ein völlig anderer Anblick, und doch gehört er in diese Dreierreihe, die eine Art Zeitlinie und dramatische Konstante in der Handlung darstellt. Anhand der Reaktionen der Angehörigen stellt der Autor dar, welchen emotionalen Eindruck dieser geschichtliche Einschnitt hinterlässt. Lorraine Wilson, Ronnys Frau, steht hierbei in erster Reihe. Es ist wichtig, dass der Leser bzw. Hörer an ihrem Schicksal Anteil nimmt, denn sie taucht immer wieder in der nonlinear erzählten Geschichte auf.

|Briefmarken als Währung|

Das zweite wichtige Element ist die beständig untermauerte Vorstellung, dass seltene Briefmarken nicht nur eine beständige Wertanlage seien, sondern zudem eine gute Methode, um steuerfrei Einkünfte zu unterschlagen und sogar um Geld zu waschen. Die Stücke sind handlich und leicht zu verstecken, etwa in Büchern. Zudem gibt es anscheinend noch keine Polizeihunde, die auf Briefmarken abgerichtet wurden, im Gegensatz etwa zu Banknoten. Daher dürfte dieser Krimi unter Briefmarkensammlern schnell Kultstatus erreichen.

Der Haken beim Sammeln und besonders beim Verkaufen sind natürlich die Experten und Händler, die den Wert der Stücke taxieren. Darunter finden sich in dem Roman etliche schwarze Schafe, aber auch rechtschaffene Leute. Immer wieder gerät Abby Dawson an die Falschen, die sie übers Ohr hauen wollen, und natürlich an den fiesen, brutalen Ricky Scaggs, der vor keiner Schandtat zurückschreckt, um das, was er „seine Sammlung“ nennt (die er selbst gestohlen hat), wiederzubekommen. Ricky führt Abby und Roy Grace in einem knifflig inszenierten Showdown zusammen – und macht es seinen Häschern alles andere als einfach, ihn zu erwischen.

Abby Dawson ist die dritte Hauptfigur neben Ronny Wilson und Roy Grace und daher mit einem separaten Handlungsstrang geehrt. Dramatische Szenen muss sie durchleiden, bevor alles wieder ins Lot kommt. Aber wie Ricky und Roy Grace fällt es uns schwer, ihr zu glauben, dass sie die millionenschwere Briefmarkensammlung nur dafür verwenden will, ihrem kranken Mütterlein Mary ein angemessenes Zimmer im Altenpflegeheim zu besorgen und zu bezahlen. Ganz recht: Auch wir sollten nicht den Fehler machen, ihr dies zu glauben. Denn Abby hat einen gerissenen Plan, um Ricky gegen Roy Grace auszuspielen …

|Der Sprecher|

Hans Jürgen Stockerl hat eine sehr angenehm klingende Stimme, sonor und tief, aber alles andere als rau. Er kann zwar nicht so gut die Tonlage variieren, um weibliche Stimmen deutlich höher klingen zu lassen, aber dieses kleine Manko macht er leicht wieder wett, indem er die Lautstärke wechselt und/oder das Tempo variiert. Außerdem gelingt es ihm recht gut, männliche Figuren durch unterschiedliche Stimmen zu charakterisieren. Der Polizist Norman Potting, der stets unangenehm durch politisch unkorrekte Bemerkungen auffällt, spricht tief, rau und etwas polternd laut.

Gerichtsmedizinerin Cleo Murray ist die Geliebte des Helden Roy Grace von der Mordkommission. Sie spricht zwar meist langsam und leise, aber dann macht sie stets auf verführerischste Weise einen netten Vorschlag, den Roy nicht ablehnen kann. Der Sprecher findet genau die richtige Tonlage, um sie echt statt klischeehaft klingen zu lassen. Man muss nur genau hinhören, um solche feinen Untertöne herauszuhören. Denn der Sprecher weiß, dass die Kunst in der Beschränkung liegt, nicht im Übertreiben. Deshalb hat es mich immer wieder gewundert, dass er sich zu lauten Rufen hinreißen lässt. Allerdings ist es schwierig, glaubwürdig um Hilfe zu schreien, wenn man dies nicht mit einer gewissen Lautstärke tut.

_Unterm Strich_

Dies ist der Thriller, den Peter James schon immer über 9/11 schreiben wollte. Endlich hat er es geschafft – und der Geschichte gleich einen interessanten Pfiff verliehen. Der 11. September 2001 war nicht nur ein geschichtlicher Wendepunkt, sondern auch eine günstige Gelegenheit für etliche Menschen, das eigene Glück zum Besseren zu wenden. Bekannt wurden Betrugsfälle, vernichtete Akten und Dateien. Ronny Wilson lässt sich gleich selber verschwinden – ein patenter Kniff, um den Gläubigern zu entgehen und neu anzufangen. Dennoch bleiben bei dieser Sache genügend Fragen offen, um den Leser bei der Stange zu halten.

Unter Briefmarkensammlern (ich bin selber einer) in aller Welt sollte dieser Roman Kultstatus erreichen, werden doch hier seltene Briefmarken nicht nur als Wertanlage präsentiert, sondern auch als einfache und handliche Methode, um Geld zu waschen und zu unterschlagen. Wer erstaunt ist, dass simple Stücke gummierten Papiers zehn- und hunderttausende von Pfund wert sein können, sollte mal in einen seriösen Katalog schauen. Wenigsten wird hier kein einziges Mal die blaue Mauritius erwähnt – das wäre dann doch zu abgedroschen.

Der Roman hat mir recht gut gefallen: eine wendungsreiche Story mit rätselhaften Funden, einem polizeiinternen Knatsch und einem clever eingefädelten Showdown. Leider kommt diesmal aufgrund der Kürzungen im Hörbuch die Erotik etwas zu kurz, die zwischen Roy Grace und seiner Gerichtsmedizinerin Cleo knistert. Dieses Element war in den vorausgegangenen Romanen stets ein ausgleichendes Gegengewicht zu Gewalt und Grauen, denen sich Roy Grace in seiner täglichen Arbeit stellen muss. Auch kommen diesmal Gewalt und Grauen außer in einer oder zwei Szenen nicht zur Geltung.

|Das Hörbuch|

Das Hörbuch wird von Hans Jürgen Stockerl kompetent gestaltet, aber auch er muss sich nicht der Sprachakrobatik eines Rufus Beck bedienen, um sein Soll zu erfüllen. Mir ist es viel lieber, wenn sich der Sprecher zurückhält und nur andeutet, wie die Figuren sich ausdrücken. Den Rest besorgt meine Vorstellungskraft. Deshalb fand ich es ziemlich auffällig, dass der Sprecher mehrmals laut ruft und sich in emotionale Aufregung versteigt. Erstaunlich war auch die Tonhöhe, in die er seine Stimme treiben kann. Diesmal stehen weibliche Figuren deutlich im Vordergrund, vor allem Abby Dawson.

|Originaltitel: Dead Man’s Footsteps, 2008
Aus dem Englischen übersetzt von Susanne Goga-Klinkenberg
397 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-86610-607-9|
http://www.argon-verlag.de

Wolfgang Hohlbein – Als der Meister starb (Gespenster-Krimi 2)

Dramatisch inszeniertes Grusel-Hörspiel

Man schreibt das Jahr 1883. Vor der Küste Schottlands zerschellt der Viermastsegler „Lady of the Mist“ auf den tückischen Riffen. Okkulte Kräfte haben ihn angegriffen. Nur wenige Menschen überleben die Katastrophe, unter ihnen befindet sich ein Mann, der die Schuld an dem Unglück trägt. Ein Mann, der gejagt wird von uralten, finsteren Göttern, aber auch von Zauberern, denen er zu entkommen suchte: Roderick Andara, den man den „Hexer“ nennt. (Verlagsinfo)

|Hinweis|

Wolfgang Hohlbein – Als der Meister starb (Gespenster-Krimi 2) weiterlesen

John Grisham – Der Polizist

Die Handlung:

Jake Brigance, Held der Bestseller „Die Jury“ und „Die Erbin“, ist zurück. Diesmal steht er als Pflichtverteidiger im Zentrum eines aufsehenerregenden Mordprozesses in Clanton, Mississippi. Sein Mandant Drew Gamble soll einen örtlichen Deputy umgebracht haben. Die Mehrheit von Clanton fordert lautstark einen kurzen Prozess und die Todesstrafe. Dabei ist Drew Gamble gerade einmal 16 Jahre alt. Jake Brigance arbeitet sich in den Fall ein und versteht schnell, dass er alles tun muss, um den Jungen zu retten. Auch wenn er in seinem Kampf für die Wahrheit nicht nur seine Karriere, sondern auch das Leben seiner Familie riskiert. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Bei der Menge an Justiz-Romanen (dies ist der 35.) ist es nicht schlimm, wenn dem einen oder anderen der Name Jake Brigance nichts sagt. „A Time to Kill“ (dt. DIE JURY) stammt aus dem Jahr 1989 und war der erste der Reihe. „Sycamore Row“ (2013, dt. DIE ERBIN, 2014) kam viele Jahre später.

John Grisham – Der Polizist weiterlesen

Michalewsky, Nikolai von / Redeker, Jochim-C. / Weymarn, Balthasar von – Mark Brandis: Vorstoß zum Uranus, Teil 1 (Hörspiel, Folge 7)

_Friss Staub, Amigo! – Tod auf Titania_

Das Jahr 2125: Die Strategische Raumflotte schickt Commander Ernest D. Scott und eine vierköpfige Crew mit einer |Delta IX| als erste bemannte Mission zum Uranusmond Oberon. Scotts Ehrgeiz, auch noch Mark Brandis‘ Geschwindigkeitsrekord brechen zu wollen, wird der Expedition zum Verhängnis: Es kommt zu einer Bruchlandung auf dem Nachbarmond Titania.

Die Besatzung überlebt zwar, doch niemand weiß, dass die |Delta IX| auf dem falschen Uranusmond gelandet ist, und früher oder später lebenserhaltende Geräte ausfallen werden. Zwei Crewmitglieder müssen 20 Kilometer hinauf zum Canyonrand klettern, um einen Sender aufzustellen – ein riskanter Auftrag … (Verlagsinfo)

_Der Autor_

Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.

Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)

|Mark Brandis| auf |Buchwurm.info|:

Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“ 4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“ 5013
Folge 3: [„Unternehmen Delphin“ 5524
Folge 4: [„Aufstand der Roboter“ 5986
Folge 5: [„Testakte Kolibri 1“ 5984
Folge 6: [„Testakte Kolibri 2“ 5985

_Die Inszenierung_

Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt

Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.

Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.

Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.

|Die Sprecher und ihre Rollen:|

Cmdr. Ernst D. Scott: Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan, Kevin Costner, Al Pacino)
Cpt. Peter Gottwald: Mark Bremer
Bordcomputer: Anke Reitzenstein (Ashley Judd, Angela Bassett, Linda Fiorentino, Whitney Houston)
Major Frederick Young: Erich Räuker (Liam Cunningham, Elias Koteas)
Lt. Winston McIntosh: Sven Hasper (Christian Slater, Michael J. Fox)
Lt. Bill Maddox: Tobias Kluckert (Seth Rogen, Gerard Butler, Tyrese Gibson)
Adjutantin: Anja Henkelmann
Tschou Lin: Oliver Siebeck (‚Vegeta‘, Christopher B. Duncan)
Oberst Lao Wu: Stefan Gossler (Jackie Chan)
Sgt. Domenico Sini: Simon Jäger (Josh Hartnett, Heath Ledger)
Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis

_Hintergrund_

|Die Venus-Kolonie|

Die Chinesen errichteten auf dem Mars die erste Kolonie, deshalb wollte die westliche Union lieber die Venus besiedeln. Erst mit der Entdeckung einer chemischen Konstante Mitte des 21. Jahrhunderts gelang ein Durchbruch, und seither macht die Zersetzung von Schwefelsäure und Kohlendioxid in der Venus-Atmosphäre Fortschritte, wird aber erst Ende des 22. Jahrhundert abgeschlossen sein. Aufgrund der hohen Oberflächentemperatur von zunächst 450 °C und der langen Venustage (1 Tag entspricht 5832 Stunden) war und ist eine Besiedlung nur in Polnähe möglich. Bis 2095 wurde eine Strafkolonie unterhalten. Ein Schirm wurde errichtet, Forscher und Zivilisten folgten. Bodenwärme wurde in Energie umgewandelt, und die Venuskolonie prosperiert. (Verlagsinfo, abgewandelt)

|VEGA|

Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde-Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.

_Handlung_

Die |Delta IX| ist schneller als die alte |Delta VII|, mit der Mark Brandis einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Commander Ernst D. Scott gedenkt, diesen Rekord zu brechen – als Revanche dafür, dass ihm Brandis seinerzeit bei Ruth O’Hara zuvorkam, die seinen Rivalen heiratete. Als er nun die Expedition zum Planeten Uranus leitet, um dessen Monde auf Rohstoffe zu untersuchen, gibt Scott ordentlich Gas. Ein weiterer Grund ist der, dass das Hauptquartier der Sternenflotte mögliche asiatische Konkurrenz gemeldet hat. Der will Scott zuvorkommen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.

Der Alarm schrillt – Fehlfunktion! Die Astronauten erwachen aus dem Kälteschlaf der Stasis. Jetzt kommt auch noch ein Systemausfall hinzu. Die Sicherungskopien werden geladen, aber das braucht kostbare Minuten, die ihnen nun die Kurskorrektur vermasseln. Sie werden den Mond Pberon verfehlen und stattdessen in die Gashülle des Uranus selbst stürzen – auf Nimmerwiedersehen! Damit jemand über ihr Schicksal erfährt, setzen sie eine Boje aus. Maddox behält die Nerven und gibt einen alternativen Kurs ein: auf den Mond Titania.

Doch der neu gestartete Computer fällt erneut aus, und sie müssen die |Delta IX| mit Handsteuerung runterbringen: Eine Bruchlandung ist unvermeidlich. Doch am besten nicht auf dem harten Gestein der Plateaus, sondern im weichen Staub am Grunde des riesigen Canyons, der sich 1500 Kilometer über die Oberfläche des Mondes zieht, 20 Kilometer tief und 60 Kilometer breit. Die Landung ist hart, und schließlich kracht der Flieger auf einen riesigen Felsklotz am Grunde der Schlucht.

Ein Start ist unmöglich, das Beiboot hoffnungslos verkeilt. Kein Funkempfang. Das bedeutet, dass niemand sie finden wird, weil man sie daheim auf Oberon vermutet. Also muss man einen Sender oben auf die Klippenkante der Schlucht stellen. Jemand muss 20 Kilometer hochklettern und den Sender ausrichten und aktivieren. Maddox und McIntosh melden sich freiwillig und schleppen den Sender in die Höhe, der aber wegen der geringen Schwerkraft nur wenig wiegt.

Doch dann dreht der Ingenieur Sini durch und rast mit dem freigemachten Dinghi in die Canyonwand. Diese Möglichkeit fällt also auch aus. Commander Scott trägt es mit Fassung und hört sich den Expeditionsbericht seines Beinahe-Namensvetters Robert Falcon Scott an, der 1912 den Wettlauf zum Südpol verlor und auf dem Rückweg ums Leben kam. Er ahnt nicht, dass die Chinesen der VOR-Republiken ein Störfeld um das Uranus-System aufgebaut haben. Sie wollen die |Delta IX| für sich haben, um den technischen Vorsprung der Union zu brechen …

_Mein Eindruck_

Die Parallelen zur historischen Südpoltragödie von 1912 sind in der Tat unübersehbar. Das fängt mit dem Ehrgeiz des Heißsporns Scott an, geht mit der Namensähnlichkeit zu Sir Ernest D. Shackleton weiter und hört mit dem fatalen Schicksal der beiden Kletterer Maddox und McIntosh nicht auf. Dass die beiden eine 20 Kilometer hohe Wand erklettern, ist in der Sciencefiction so ungewöhnlich nicht. In seiner packenden Novelle „Grüner Mars“ hat Kim Stanley Robinson, selbst ein passionierter Kletterer, die Erstbesteigung des Mons Olympus auf dem Mars geschildert, und der ist 25 Kilometer hoch – der höchste Berg des gesamten Sonnensystems.

Doch das tragische Schicksal von Maddox und McIntosh erinnert fatal an das von Robert Falcon Scott und seinen Männern. Einer nach dem anderen starben sie, durch Entkräftung oder Unterkühlung, meist friedlich – oder sie verschwanden einfach im Schneesturm. Maddox und McIntosh haben jedoch andere Probleme: Ihren Raumanzügen geht einfach die Energie aus, so dass die Heizung ausfällt, und der Proviant reicht nicht. Sie können sich ja schlecht zehn Kilometer in die Tiefe fallen lassen, damit’s schneller geht, denkt Maddox. Doch er erwacht eines Morgens, und McIntosh ist verschwunden.

Diese Folge der Reihe besticht sowohl durch die Notsituation an Bord der |Delta IX| als auch durch den beklemmenden Verlauf der Katastrophe, die sich auf Titania anbahnt. Leider ist dies alles nicht so wahnsinnig spannend, sondern vielmehr bewegend. Von Action kann keine Rede sein. Auch die eingeschobenen Szenen in den Kreisen der chinesischen Führung dienen mehr dazu, die Beklemmung zu erhöhen als die Spannung. Denn das entscheidende Manko besteht darin, dass die Chinesen nie persönlich auftauchen. Das wird der Fortsetzung vorbehalten sein.

_Mein Eindruck: Die Inszenierung_

|Geräusche|

Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Delta IX| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleuse. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt. Die Notlandung ist natürlich entsprechend dramatisch inszeniert, mit Krachen und Donnern.

Ungewöhnlich sind eher Sounds, die Verzerrungen im Funksprechverkehr simulieren – das lässt aufhorchen. Hier haben die Macher dazugelernt. Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s „Perry Rhodan“ kann in dieser Liga mitspielen. Auch das Design von verzerrten Meldungen per Funk ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.

|Die Sprecher|

Die Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über das Schicksal von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert. Frank Glaubrecht spielt den kühlen Ehrgeizling, der genauso gut über Leichen gehen könnte, wenn es nur seinem Nachruhm dient.

Allerdings tritt seine Rolle im letzten Drittel dieser Folge hinter dem Schicksal von Maddox und McIntosh zurück, die dadurch zu den eigentlichen Helden werden. Dass der Ingenieur Sini, gesprochen von Simon Jäger, durchdreht, erscheint nur als kleines Ablenkungsmanöver. Aber es ruft in Erinnerung, dass sich auch an Bord der |Delta IX| ein Drama des Überlebens abspielt und es eine Konfrontation gibt.

|Musik|

Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Outro und in den Intermezzi. Letztere haben die Aufgabe, die längeren Szenen voneinander abzutrennen und eine Emotion zu vermitteln, z. B. Beklemmung.

Dies wechselt sich ab mit dem idyllischen Vogelgezwitscher und chinesischen Lautenklängen in den eingeschobenen Szenen, in denen ein intriganter VOR-Führer mit einem Oberst seiner Raumflotte die weiteren Pläne gegen die Konkurrenz von der Union bespricht. Der Kontrast zwischen Idylle in China und dem Überlebenskampf auf Titania könnte nicht größer sein. Klar wird die Absicht der Macher deutlich, die Folgen politischer und militärischer Entscheidungen auf das Schicksal des Einzelnen zu veranschaulichen – und die Skrupellosigkeit der Politiker zu verdammen.

|Das Booklet|

Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen 1-8 der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Darüber hinaus gibt es jeweils Zusatzinformationen, so etwa über den ungewöhnlichen Planeten Uranus, dessen Achse um 90° Grad geneigt ist, sowie über die Begriffe „Dunkle Materie“ (hypothetisch), „Pulsar“ (ein Neutronenstern), „Triangulation“ (Vermessungsmethode) und die militärische Raumstation der VOR-Republiken Zhongli Quan.

_Unterm Strich_

Diese spannende und dramatische Doppelfolge führt den Hörer hinaus an den Rand unseres Sonnensystems, zu den Monden des Planeten Uranus. Auf diesen soll Commander Scott Erzvorkommen erkunde, doch natürlich soll dort auch die Flagge der Union wehen. Und Scott hat zudem den Ehrgeiz, den Geschwindigkeitsrekord von Mark Brandis zu brechen.

Es ist eigentlich kein Wunder, dass die Mischung all dieser Ziele zur Katastrophe führt: Die |Delta IX|, das schnellste Schiff der Union, legt eine saubere Bruchlandung hin und Scott droht, das gleiche Schicksal wie sein Namensvetter 1912 am Südpol zu erleiden. Die Chinesen von den VOR-Republiken (siehe „Hintergrund“) reiben sich die Hände, denn nun liegt die fette Beute hilflos am Grunde eines Canyons, reif zum Pflücken. Doch da meldet sich Mark Brandis im Äther, denn er leitet eine Rettungsaktion der Union. Aber wo ist die vermaledeite |Delta IX|?

Der dramaturgische Spannungsbogen vollführt wie so oft in Dramen eine V-Kurve: Die Ereignisse werden zusammen mit den Emotionen immer finsterer, die Hoffnung schlägt schließlich in Verzweiflung um, und es kommt zu Kurzschlussaktionen, die auch in Gewalt umschlagen. Der aufsteigende Teil der V-Kurve muss in der Fortsetzung beschrieben werden. Auf diese wartet der Hörer daher bereits ungeduldig.

|Das Hörspiel|

„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Die Parallelen zu Scott anno 1912 werden durch die Tagebuchauszüge überdeutlich hervorgehoben. Scotts Ehrgeiz erscheint wie jener seines Namensvetters als überheblich und vermessen. Die Strafe, die die Götter für solche Hybris vorgesehen haben, zahlen aber zunächst Scotts Männer.

Dieses Drama ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.

Gut finde ich, dass |Folgenreich| und |Universal Music| jetzt den Vertrieb übernommen haben. Dadurch ist der Fortbestand der Serie wohl gesichert. Und nun kann man sich mit Frank Glaubrecht (bekannt als „John Sinclair“; Stimme von Pierce Brosnan, Kevin Costner und Al Pacino) und Simon Jäger (Stimme von Josh Hartnett und Heath Ledger) auch namhafte Synchronsprecher leisten, die ein wenig(?) mehr kosten als die bisher eingesetzten. Das kommt dem Wiedererkennungs- und Unterhaltungswert der Serie nur zugute.

|59 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-8291-2315-0|
http://www.folgenreich.de/markbrandis
http://www.interplanar.de
http://www.markbrandis.de
http://www.universal-music.de/musik/hoerbuch/

Andreas Eschbach – Das Jesus-Video. Inszenierte Lesung

Hat ein Zeitreisender von Jesu Leben ein Video gedreht? Archäologen finden in Israel die Bedienungsanleitung für eine Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommt. Und befindet sich die Kamera mit dem Video ebenfalls in Israel?

Während der Projektleiter, ein Industrieller, vom Vatikan 10 Milliarden Dollar für seinen Fund haben will, kontert die römisch-katholische Kirche mit einem Kommando der Heiligen Inquisition. Steht ein Religionskrieg bevor?

Der Autor

Andreas Eschbach, geboren 1959, schrieb mit „Das Jesus-Video“ einen der erfolgreichsten deutschen Unterhaltungs-Thriller: Er wurde von Pro7 verfilmt und als Hörbuch von Lübbe vertont. Inzwischen hat er neben Science-Fiction auch den spekulativen Wirtschafts-Thriller „Eine Billion Dollar“ und die Jugendbücher „Perfect Copy“ (über Kloning) und „Das Mars-Projekt“ veröffentlicht. Im September 2003 erschien sein neuester Roman „Der letzte seiner Art“, in dem es um einen Kyborgsoldaten im Ruhestand geht. Eschbach lebt in der Bretagne.

Der Sprecher

Matthias Koeberlin, geboren 1974, spielte den Stephen Foxx in der ProSieben-Verfilmung des Bestsellers. Als ausgebildeter Schauspieler weiß er seine Stimme wirkungsvoll einzusetzen und die Sätze deutlich und richtig betont zu lesen. Aber er kennt nicht die Aussprache jedes einzelnen ausländischen Namens – wer könnte es ihm verdenken? Daher betont er beispielsweise den Namen des Papst-Agenten Scalfaro falsch: Er sagt Scalfáro statt Scálfaro.

Handlung

Gibt es Zeitreisende – und wenn ja, wo sind sie geblieben? Haben sie was mitgebracht?

Stephen Foxx, Mitglied der New Yorker Explorer’s Society, findet bei archäologischen Ausgrabungen in Israel in einem 2000 Jahre alten Grab die Bedienungsanleitung einer Videokamera, die erst in drei Jahren auf den Markt kommen soll. Es gibt nur eine Erklärung (oder?): Jemand muss versucht haben, Videos von Jesus Christus zu machen. Der Tote im Grab wäre demnach ein Mann aus der Zukunft, dem es gelungen war, in die Vergangenheit zu reisen. Und irgendwo in Israel wartet eine Kamera samt Videoaufnahmen in einem sicheren Versteck darauf, gefunden zu werden.

Aber möglicherweise ist ja alles nur ein groß angelegter Schwindel. Schließlich hat ein Medienzar, John Kaun, seine Finger im Spiel. Er finanziert die Ausgrabung, und ein dubioser britischer „Wissenschaftler“ leitet die Grabungen. Als John Kaun dem Vatikan die noch nicht einmal gefundenen Videobänder gegen eine astronomische Summe verkaufen will, beginnt ein lebensbedrohliches Katz-und-Maus-Spiel für Stephen Foxx, das ihn zuletzt an den Rand des Verdurstens in der Wüste Negev führt.

Mein Eindruck

Eschbachs große erzählerischen Vorbilder sind Konsalik und Alistair McLean. Der Leser stößt dementsprechend allenthalben auf Kniffe und effektvolle Strukturen in Eschbachs extrem spannenden Thriller. Auffallend sind die vielen Cliffhanger-Schlüsse an Kapitelenden.

Flache Figuren

Leider sind seine Figuren notgedrungen entsprechend flach, geradezu stromlinienförmig. Sie erfüllen häufig nur dramaturgisch notwendige Funktionen. Nur Stephen Foxx‘ engste Freunde wie Peter Eisenhardt, Judith & Joshua Menes erfahren deutlichere Charakterisierung. Immerhin rettet seine stellenweise auftretende Selbstironie den Erzählton vor dem Abrutschen ins pathetische Drama. Am markantesten gelungen ist wohl der eremitische Vater eines der Ausgrabungshelfer – er gibt den entscheidenden Hinweis auf den Verbleib der Videokamera, doch schließt er sich selbst vom Geschehen, ja vom Rest der Welt aus.

Bildungsreise durch Israel

Ganz nebenbei vermittelt der Erzähler eine ganze Menge an Bildungswissen und wertvollen Einsichten: nicht nur über das politische Pulverfass Israel – allein schon der PLAN für eine Grabung an der Klagemauer könnte einen Krieg auslösen! -, sondern auch über seine vieltausendjährige Geschichte, auf die sich unter anderem auch unsere abendländische Kultur gründet. Hier agiert der Erzähler mit Tonnen von Material auf leichtfüßige Weise, glänzt stellenweise mit ironischem Witz und originellen Einsichten. Dies macht dieses Hörbuch nicht nur zu einem spannendem Hörerlebnis, sondern zu einem Vergnügen, das nicht so schnell zu wiederholen ist.

Zickzack-Epiloge

In den Epilogen, die der Haupthandlung folgen, verkehrt sich das vermeintlich so traurige Ergebnis der Haupthandlung mehrfach in ihr Gegenteil. Hier stellt der Autor die Frage, ob es so wahnsinnig wichtig ist, ob das Jesus-Video „echt“ ist und dies die „Wahrheit“ für alle Christen sei. Natürlich werden diese absoluten Wertkategorien relativiert. Aber rein aus Spaß an der Freud an diesem Spiel baut sich dann doch so etwas wie eine Zeitschleife auf. Nicht von ungefähr lautet der letzte Satz des Romans „Die Geschichte beginnt.“ Und der Begriff „Geschichte“ hat an dieser Stelle natürlich mehrere Bedeutungen. Selbst wenn wir dieses Buch lesen, sind wir Teil der „Geschichte“.

Originelle Sprache

Immer wieder fällt die abwechslungsreiche und originelle Verwendung der deutschen Sprache auf. So viele passende Begriffe wird man in kaum einer Übersetzung aus dem angelsächsischen Raum finden. Wörter wie „Kugelblitz“, „Glutball“, „herumfuhrwerken“ sind außerhalb der deutschen Sprache – und sogar innerhalb – nur wenig gebräuchlich.

Logischer Fehler

Ein Fehler ist auffallend, eine Fehlkalkulation in der Zeit: Die letzte Szene findet fünfeinhalb Jahre nach der Haupthandlung statt. Dort heißt es, die Videokamera käme in drei Jahren auf den Markt. Als der Zeitreisende auftaucht, sind die fünfeinhalb Jahre vergangen, die Kamera ist bereits seit zweieinhalb Jahren erhältlich. Dennoch wurde sie vom Verkäufer als „das Neueste vom Neuen“ empfohlen. Heute erscheinen zweieinhalb Jahre als eine Ewigkeit für einen Innovationszyklus.

Die musikalische Inszenierung

Diese Romanlesung ist sehr wirkungsvoll. Zum einen trägt ein ausgebildeter Schauspieler sie vor, zum anderen wurde sie mit dem Original-Soundtrack der ProSieben-Verfilmung inszeniert. Das bedeutet, dass jede CD mit einem Intro und einem Extro versehen ist, das den Zuhörer nach Israel versetzt. Das heißt auch, dass entsprechende Stimmen und Musikinstrumente erklingen, die in das jeweilige Milieu passen. Geräusche tauchen kaum auf. Sie würden auch nur stören, denn zwei „Tonspuren“ sind das Maximum, das das menschliche Gehör als erträglich empfindet (Grundkurs Tontechnik). Jede weitere Tonebene muss, wie jeder Spielfilm zeigt, entsprechend zurückgenommen werden.

Die letzte CD weist noch ein weiteres Schmankerl auf: den originalen Abschluss-Song, gesungen von einer Künstlerin. Unter „vocals“ gibt die Hörbuchbeilage „Anna“ an, mehr nicht. Die Musik selbst wurde komponiert, arrangiert, programmiert und aufgenommen von Egon Riedel (www.ego-n.de).

Unterm Strich

Die Hörbuchfassung vereint meines Erachtens das Beste aus beiden Fassungen: Gelesen wird die Buchfassung, aber mit der Musik und der Hauptrolle der ProSieben-Verfilmung. Der Film zeigt eine Variation der Geschichte und legt viel Wert auf Action und Tempo. Wer das Buch mag, kann man über den Film wohl nur den Kopf schütteln.

Deshalb bietet die Hörbuchfassung sozusagen das Original, aber multimedial aufbereitet: eine Rundumerfahrung, die die Längen des Buches hinter sich lässt (Redaktion: S. Scheibler), um zielstrebig zur Sache zu kommen (soweit das bei einer Katz-und-Maus-Jagd überhaupt möglich ist).

Umfang: 410 Minuten auf 6 CDs

Michael Matzer © 2003ff

Ken Follett – Die Kinder von Eden (Lesung)

Kann der Mensch ein Erdbeben produzieren? Was recht unwahrscheinlich klingt, geschieht in Kalifornien: Eine Sekte von Späthippies fordert damit den Gouverneur heraus, um den Bau eines Staudamms zu verhindern, der ihr Tal überfluten würde. – Eines von Follets schwächeren Werken, aber stellenweise dennoch spannend und sogar apokalyptisch.

Der Autor

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Gaspard, Jan – Offenbarung 23 – Machiavelli (Hörbuch)

Mithras oder Wie man einen Messias produziert

Georg Brand, der Berliner Hacker „T-Rex“, ist nur der Spielball eines mächtigen und uralten Ordens, der sich im Zeichen des Gottes Mithras zum Ziel gesetzt hat, dem verstorbenen Hacker Tron einen würdigen Nachfolger zu geben. Doch Ian G. alias Jan Gaspard und seine Ordensbrüder Tom alias Mista Beat und Parish alias Tupac Amaru Shakur müssen sich mit einem zweihundert Jahre alten Widersacher auseinander setzen, der ihre Pläne durchkreuzt: mit dem Baron. Und dieser Schurke scheint seine Finger überall drin zu haben.
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Elizabeth Gaskell – Das alte Kindermädchen erzählt (Gruselkabinett Folge 165)

Der Fluch der bösen Tat

Northumberland, 1852: Nach dem Tod ihrer Eltern zieht die kleine Rosamond zusammen mit ihrem Kindermädchen Hester nach Manor House zu ihren Verwandten. Doch alsbald beginnt Hester, sich über das blasse Gesicht und die kalte Ausstrahlung ihrer Gastgeberin zu wundern. Als eines Abends die verwitterte Orgel zu spielen vermag und ein Kind an die Fensterscheibe klopft, ohne Spuren im Schnee zu hinterlassen, wird Hester klar, dass das Haus offenbar ein düsteres Geheimnis birgt … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.

Die Autorin
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Philip Ardagh – Die Kuh, die vom Himmel fiel (Lesung)


Bomben über Dreckskaff: FLUMPH machte die Kuh

Wetterprognose: Häufig Kuh-Regen! Eines Tages fällt in Bad Dreckskaff eine Kuh vom Himmel und landet mit einem ungewöhnlichen FLUMPH und einem bestürzten „MUH!“ mitten auf Limbo Gulasch und seinem Fahrrad. Schon am nächsten Tag fällt eine weitere Kuh aus allen Wolken.

Als die dritte Kuh in einem süßen Gelee-Auflauf landet, haben die Bewohner von Bad Dreckskaff endgültig genug: Ab jetzt ist jeder verpflichtet, den Himmel zu beobachten und sich vor fallenden Kühen zu retten!

Der Bürgermeister ruft eine Notfallsitzung ein, aber nur Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber können Licht ins Dunkel bringen. Und ganz nebenbei noch einen totgeglaubten Fernsehkoch finden. Doch womit niemand rechnet: Die nächste Überraschung kommt von unten … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 8 Jahren. Es handelt sich um den zweiten Band mit Geschichten aus Bad Dreckskaff.

Der Autor

Philip Ardagh ist über zwei Meter groß und trägt einen buschigen Bart – wie sein Foto belegt. Außerdem hat er mehr als 60 Kinderbücher geschrieben, für Kinder jeden Alters und unter verschiedenen Pseudonymen. „Allerdings keines, das nur annähernd so wäre wie „Schlimmes Ende“, verrät der Verlag. Er arbeitete als Werbetexter, als Krankenhausputzkraft, als Bibliothekar und als Vorleser für Blinde, bevor er aus dem Schreiben einen Fulltime-Job machte. Ardagh lebt mit seiner Frau und zwei Katzen in einem Küstenort in England.

Der Sprecher

Am 27. März 1945 wurde Harry Rowohlt in Hamburg geboren, wo er auch heute lebt. Er arbeitet als Autor, Übersetzer, Kolumnist und begnadeter Vortragskünstler. Nebenbei brilliert er unregelmäßig als Penner Harry in der Fernsehserie Lindenstraße. Bisher hat Harry Rowohlt 151 Bücher aus dem Englischen ins Deutsche übertragen, darunter A.A. Milnes Pu der Bär.

Er hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter 1999 den Johann-Heinrich-Voß-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. Im Januar 2001 erhielt er den Satirepreis Göttinger Elch. Zweimal wurde er mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichnet. Seine Lesung von „Pu der Bär“ gehört zu den erfolgreichsten Hörbuchproduktionen der letzten Jahre.

„Keine Regie“ führte Markus Langer. Für Aufnahme und Schnitt zeichnet Daniel Bongard verantwortlich.

Handlung

An dem Tag, als es beginnt, hört Polizist Grabschi Hansen ein mächtiges FLUMPH und ein bestürztes „MUH!“, als eine lebende Kuh mitten auf Limbo Gulasch und seinem Fahrrad landet. Geistesgegenwärtig ruft Hansen seinen Chef Gelatine herbei. Der Radler wird befragt. Untertänigst bittet Limbo um Entlastung von der Kuh. Aber wie?

Als Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber vorbeikommen, empfehlen sie, einen Arzt zu rufen. Der Freu kann ebenso wenig helfen wie die Markise von O, doch der Automechaniker Luminös C. Scherbe erteilt nützliche Tipps. Die Kuh erweist sich als undicht. Zum Glück ist es bloß Milch.

Hansen fragt sich unterdessen, woher die Kuh überhaupt gekommen ist. Vom Leuchtturm etwa oder aus einem Luftgefährt vielleicht? Da erscheint ein GROßER SCHATTEN. Es ist Bürgermeister Specki Gomez , mit seinem Maskottchen Gyp, dem Pelikan, unterm Arm. Er haut der Kuh einmal auf den Allerwertesten, und sie erhebt sich sogleich, um von dann zu trotten. Man bringt sie beim Bauer Christoph W. Muck unter.

Am nächsten Tag berichten die Zeitungen von Bad Dreckskaff über die vom Himmel gefallene Kuh. Da fällt eine zweite Kuh vom Himmel! Sie schlägt krachend in Violetto K’s Musikstadel ein, ist sie doch lediglich das MODELL einer Kuh. Polizist Grabschi Hansen verdächtigt Marek Magen-Darm eines „gemeinsamen Nenners“. Doch da schaut Mango genauer hin: Die Flecken dieser Kuh sind die gleichen wie bei der gestrigen Kuh. Das kann doch kein Zufall sein! Grabschi Hansen dankt dem Bürger Mango für seine Mithilfe.

Bürgermeister Specki Gomez beruft ein Notfallkomitee ein, um in einer Notfallsitzung über die fallenden Kühe zu beraten. Werden weitere fallen? Hansen will zunächst „die Himmel beobachten“, als ob es deren mehrere gäbe. Alle Bürger der Stadt geloben, achtsam und wachsam zu sein. Das heißt, alle außer der Familie Fuchs …

Am nächsten Tag bemerken Yvonne und Mango, die im Park sitzen, wie etwas, das sich vom Meer her nähert, immer größer und GRÖßER wird – noch eine Kuh!

Dieses Geschoss richtet einen immensen Schaden an. Denn zufällig (oder auch nicht) findet heute in Bad Dreckskaff das Weltbezwinger-Festival statt. Gerade als stünde er für eine weiche Landung bereit, fällt diese Modellkuh in der Welt größten Gelee-Auflauf, den man sich vorstellen kann. Alle Bürger werden rot bekleckert.

Grabschi Hansen ist schier außer sich vor Ärger. Da gibt ihm Yvonne Zängerlein den vielleicht alles entscheidenden Hinweis: Diese wiederum etwas kleinere Kuh wurde aus der Richtung des Meeres GESCHLEUDERT. Wie mit einem KATAPULT …

Mein Eindruck

Es geht offensichtlich um Terrorismus, klarer Fall. Warum sonst sollte man die Stadt mit lebenden und toten Kühen bombardieren, außer um Furcht und Schrecken zu verbreiten? Wer würde so etwas schon tun, fragt sich der Hörer. Doch wie uns die Geschichte gelehrt hat, kommt die terroristische Gefahr mittlerweile aus der Mitte der Gesellschaft, so etwa in England im Juli 2007, als islamistische Bomber in London Dutzende Menschenleben forderten.

Die Terroristen

Doch wer käme als Terrorist infrage, grübelt unser Dorfbobby Grabschi Hansen. Wir hingegen ahnen es bereits, als einzige Familie, die NICHT achtsam und wachsam den Himel beobachtet, die Familie Fuchs genannt wird. Wer so aus der Reihe der Gutbürgerlichkeit tanzt, muss etwas zu verbergen haben und womöglich sogar einen Groll hegen.

Natürlich werden die „Terroristen“ über kurz oder lang dingfest gemacht und von Grabschi Hansen in seine Grüne Minna gesperrt. Aber um was ging es denn nun den Fuchsens bei ihrem menschenverachtenden Angriff auf die friedliche Hafenstadt? Wie sich herausstellt, ist der Auslöser eine nicht angekündigte Preiserhöhung – bei Eiscremekugeln.

Allerdings könnte man daran zweifeln, ob sich die Fuchsens – sie sind natürlich rothaarig wie alle Rebellen – nicht in der Wahl ihrer Mittel etwas in der GRÖßE vertan haben. Sie bombardieren Bad Dreckskaff ja nach dem alttestamentarischen Prinzip „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ mit Kühen statt mit Eiscremekugeln. Aber das ist eben das Schlaue an diesem Angriff: Die Kühe werden immer kleiner, um zu demonstrieren, was passiert, wenn man immer weniger kriegt …

Der Meisterkoch

Als Nachklapp zu diesem Roten Faden spielt die Entdeckung einer weiteren dubiosen Aktivität eine gewisse Rolle, wenn auch eine positive. Ein ehemaliger Meisterkoch aus Bad Dreckskaff ist, als er bewusstlos im Krankenhaus lag, für tot erklärt worden. Das fand er nach seinem Erwachen wenig witzig, erblickte aber sofort die einmalige Chance, die das Totsein ihm bot: Er nahm flugs eine neue Identität an und verkroch sich vor der Welt.

Er war gerade dabei, eine neue Kreation auszutüfteln, als ihn ein Sturz von der Leiter in die Tiefen einer Höhle beförderte. Dank sei Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber, dem findigen Pärchen, das ihn findet. Natürlich erhalten sie dafür Verdienstmedaillen und kommen in die Zeitung.

Der Sprecher

Harry Rowohlt macht als Sprecher einen phantastisch guten Job. Er verleiht den meisten Figuren seine oder ihre eigene Ausdrucksweise. Dies betrifft besonders S.V.W. Forzeps, den Meisterkoch mit der falschen Identität (den ich in meiner Inhaltsangabe einfach unterschlagen habe).

Da aber reichlich wenig gesprochen wird, muss Rowohlt als Erzähler die Story tragen als auch veranschaulichen. Damit tut er sich ein wenig schwer, was wohl in der Natur der Sache liegt. Immerhin dürften sich die jungen Zuhörer über seine kuriosen Betonungen der Namen (und natürlich über die kuriosen Namen selbst) beömmeln. Unter diesen Namen ragt der von Yvonne Zängerlein heraus, denn er spricht ihn „I-wonn-ö!“ aus, als brächte sie Wonne ins Leben eines jeden Bürgers von Bad Dreckskaff.

Im Übrigen gibt die Lesung den vollständigen Text des Buches wieder. Es wurde nichts gekürzt. Musikuntermalung fehlt, wird aber keineswegs vermisst: Sie würde nur störend wirken. Es gibt ein paar Soundeffekte wie etwa ein Echo, außerdem ein herrliches MUUUUH! und ein erstaunliches FLUMPH!

Das Booklet

Im Booklet findet der Hörer neben einigen Zeichnungen aus dem Buch eine komplette Liste der Figuren, wie sie Harry Rowohlt ins Deutsche übertrug. Auf diese wertvolle Liste weist der Sprecher in der Rolle des Autors gesondert hin, wenn er die VORBEMERKUNG spricht (welche ich selbstverständlich ebenfalls unterschlagen habe, da sie ja nicht zur HANDLUNG gehört).

Unterm Strich

Das Hörbuch macht durchaus jungen Zuhörern Spaß, sofern sie es schaffen, den Überblick über die vielen Namen zu behalten. Dabei können sie sich allerdings auf die Liste im Booklet stützen. Wenn sie aber schon die erste Geschichte über Bad Dreckskaff gehört oder gelesen haben, ist das noch viel besser.

Ist diese Voraussetzung erfüllt, können sich die Zuhörer an Rowohlts wunderbarem Vortragsstil ergötzen – oder sich gehörig über die – wie bei Ardagh üblich – skurrile bis bizarre Handlung wundern. Aber das war ja in den Büchern über „Schlimmes Ende“ auch schon so.

Bis herauskommt, woher die Kühe denn geflogen kommen, vergeht eine geraume Zeit, in der der Autor seinen Spannungsbogen weidlich ausnutzt, um jede Menge Nebenhandlungen und Impressionen unterzubringen. Auf diese Weise ersteht vor unserem Geist ein Städtchen am Meer, das es mit anderen einfallsreichen Schauplätzen durchaus aufnehmen kann.

Allerdings ist dieses Dreckskaff keine Utopie, kein Krähwinkel und keine Sperlingsgasse à la Wilhelm Raabe, sondern es ist Eden nach dem Sündenfall. Deshalb auch der terroristische Angriff mit den Kühen. Aber es gibt noch Hoffnung für dieses Ex-Eden, wenn man der Liebe eine Chance gibt. Und die Liebe verkörpern niemand besser als Yvonne Zängerlein und Mango G. Laber, die am Schluss die Verdienstmedaillen bekommen. Aber für was ganz anderes als Terrhttp://www.oetinger.deoristenbekämpfung.

Das Hörbuch

Harry Rowohlts Vortrag lässt nur wenig Wünsche offen und trägt sehr dazu bei, die Geschichte auch ohne Illustrationen und Textgrafiken genießen zu können. Er arbeitet die Sprechweise der Hauptfiguren so gut heraus, dass man sie sich lebhaft in ihrem jeweiligen Charakter vorstellen kann. Ich hätte mir aber gewünscht, es gäbe wie bei „Schlimmes Ende“ mehr Dialoge und weniger Erzähltext.

Fazit: Vier von fünf Sternen.

|2 Audio-CDs
Spieldauer: 96 Minuten
Aus dem Englischen übersetzt von Harry Rowohlt
Gelesen von Harry Rowohlt
ISBN-13: 978-3837305005|
http://www.oetinger.de

_Philip Ardagh bei |Buchwurm.info|:_
[„Furcht erregende Darbietungen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=367
[„Schlechte Nachrichten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=528
[„Schlimmes Ende“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1257
[„Hoch in den Wolken“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1837
[„Unliebsame Überraschungen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1850
[„Abscheuliche Angewohnheiten. Fünftes Buch der Eddie-Dickens-Trilogie“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5478

John Sinclair – Villa Frankenstein (Folge 145)

Die Handlung:

Mord im Victoria Embankment Garden Club! Als Sir James mich an den Tatort rief, ahnte ich noch nicht, dass der Tote von einer Puppe erschossen worden war und dass die Ermittlungen mich in ein Sumpfgebiet an der englischen Ostküste führen würden … in die Villa Frankenstein! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
345 gemacht, das erstmalig am 11. Februar 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.

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