Sie sind 40 Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt und locken mit ihren Wundern: die zwölf Galaxien der Superintelligenz ESTARTU. Dorthin sind zahlreiche Menschen von der Erde – die Vironauten – mit ihren Raumschiffen aufgebrochen. Sie sehen die Wunder und treffen auf tödliche Gefahren. Auch Reginald Bull, Perry Rhodans ältester Freund, wird mit den Ewigen Kriegern und ihrer Macht konfrontiert … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Unterwegs mit der LASHAT gehts auf eine Art Piratenabenteuer, mit Suchmission und Mondumwandlungsverhinderung … oder so ähnlich. So richtig warm bin ich mit dem Anfang dieser Lesung nicht wirklich geworden.
Dann aber vielleicht etwas abseits der LASHAT? Da gibts die LOVELY BOSCYK, mit der wir anschließend unterwegs sind und Planetenabenteuer erleben. Schon irgendwo als Einzelstory interessant, aber so den Nutzen für das Große und Ganze hab ich jetzt nicht gesehen, wobei hier auch mal „Der Tross des Kriegers“ erwähnt wird und wir jemanden kennenlernen, der sich ihm anschließen will.
Tom, Charlie, Gil und Paul sind Freunde, die an der traditionsreichen Universität Princeton studieren (wo Einstein lehrte). Doch plötzlich erschüttert eine Reihe von unerklärlichen Todesfällen die heile Campus-Welt auf dramatische Weise. Alle Opfer stehen in Verbindung mit einem verschlüsselten Manuskript aus der italienischen Renaissance, dessen Dekodierung noch keinem Wissenschaftler gelungen ist, nicht einmal Toms Vater: die „Hypnerotomachia Poliphili“ aus dem Jahr 1499, eines der seltensten und wertvollsten Bücher überhaupt.
|Die Autoren|
Ian Caldwell und Dustin Thomason sind zwei amerikanische Studenten, die mit ihrem ersten Roman in den USA für eine Sensation sorgten. Bereits zwei Monate nach Erscheinen stand ihr Buch auf Platz 2 der |New York Times|-Bestsellerliste und wurde immer wieder mit Dan Browns Thriller „The da Vinci Code“ [(„Sakrileg“) 184 verglichen. Mehr Infos unter: http://www.randomhouse.com/bantamdell/theruleoffour. Die beiden Autoren schreiben bereits an ihrem nächsten gemeinsamenen Buch.
|Der Sprecher|
Tim Bergmann, in Düsseldorf geboren, besuchte von 1991 bis 1994 die Ott-Falckenberg-Schule in München. 1993/94 spielte er parallel zur Schauspielschule bereits an den Münchner Kammerspielen. 1995 wurde er in dem sehr erfolgreichen Kinofilm „Echte Kerle“ für den Bundesfilmpreis als bester Nebendarsteller nominiert.
Der Text wurde von Dr. Arno Hoven gekürzt, Regie führte Kerstin Kaiser – genau wie bei [„Diabolus“. 1115
_Handlung_
PROLOG.
Im Prolog berichtet der Ich-Erzähler Tom Sullivan, was in jenem alten Dokument stand, das das Leben seines Vater Patrick Sullivan umkrempelte, weil es ihn in den Kreisen der Literaturwissenschaftler auf einen Schlag berühmt machte: Auf die Entschlüsselung dieses „Belladonna“-Dokuments verwendete er rund 30 Jahre. Und jetzt spielt es wieder eine unheilvolle Rolle – in Toms Leben.
Es handelt sich um einen vierfach versiegelten Brief, den zwei Boten namens Rodrigo und Donato im November 1497 abliefern sollen. Auftraggeber ist ein Edelmann, der später im Buch noch des Öfteren auftaucht. Sie gelangen nachts zur römischen Kirche San Lorenzo, und ein Maurer nimmt den Brief in Empfang. Anhand eines Tests gelingt es ihm festzustellen, dass die allzu neugierigen Boten die Siegel des Briefs erbrochen, dessen Inhalts gelesen und danach neue Siegel sorgfältig wieder angebracht haben. Was aber den neuen Siegeln fehlt, ist die ursprünglich vorhandene Tinktur namens „Belladonna“, die die Pupillen erweitert – nur nicht bei den beiden Boten. Der Maurer tötet die beiden untreuen Boten und entsorgt ihre Körper vollständig bei einem Metzger.
Auf den ersten Blick geht es an der Universität von New Jersey in Princeton keineswegs so grausam zu, aber das soll sich rasch ändern.
HAUPTHANDLUNG
Tom Sullivan, Paul Harris, Charlie Freeman und Gil sind vier Freunde, die in Princeton unterschiedliche Fächer studieren. Nur Toms bester Freund Paul studiert ebenfalls Literaturwissenschaft, und die monatelange verbissene Forschungsarbeit an einem italienischen Buch aus dem Jahr 1499 hat die beiden zusammengeschweißt, bis Toms Freundin Katie Marchand und die Vernachlässigung seiner eigenen Arbeit Tom zwangen, diese Arbeit abzubrechen. Das Buch ist die seltene „Hypnerotomachia Poliphili“ – der Liebestraum des Poliphilus – und hat die Tendenz, jeden, der sich intensiver mit ihm beschäftigt, in seinen Bann zu ziehen und süchtig zu machen – derart süchtig, dass Toms reale Liebe wie die zu Katie schwer darunter leidet.
Schon Toms Vater geriet in den Bann des Buches – siehe den Prolog. Zuhause bei den Sullivans wurde es zu einem Ersatz für die Bibel. Denn es steckt voller Rätsel und kodierter Anweisungen und ist, wie Paul entdeckt, in einem genialen Code geschrieben, der eine völlig andere Geschichte erzählt als der lediglich 30 Seiten lange „Liebestraum“ über einen Mann, der seine verlorene Geliebte Polia sucht und von ihr abgewiesen wird. Reiht man zum Beispiel den jeweils ersten Buchstaben eines Kapitels aneinander, so ergibt sich folgender Satz: „Bruder Francesco Colonna hat Polia sehr geliebt.“ Colonna war der Auftraggeber des Belladonna-Briefes, und der Maurer sein Prüfer. Aber war er auch der Autor des Buches? Prof. Sullivan glaubte fest daran.
Welches Geheimnis ist jedoch so wichtig, dass Colonna die Vertrauenswürdigkeit der Boten prüfte, sie mit dem Tode bestrafte und sein zwei Jahre später veröffentlichtes Buch derart stark verschlüsselte, dass es bis heute, 500 Jahre später, nicht entschlüsselt werden konnte?
Diese Frage ließ vor rund 30 Jahren Patrick Sullivan nicht los, der sich mit Richard Curry und Vincent Taft zusammentat, um das Geheimnis zu ergründen. Sullivan starb bei einem Autounfall, als Tom 16 war, doch Curry und Taft leben. Taft lehrt sogar an der Princeton Uni, und Curry ist praktisch der Doktorvater von Paul Harris. Man kann sich leicht vorstellen, dass diese beiden mit Argusaugen über die Fortschritte wachen, die Paul an der „Machia“ macht. Was ihnen misslang, könnte er schaffen. Und dann: ewiger Ruhm! Aber auch jede Menge Geld: Fachartikel- und Buchhonorare, Vorlesungsreisen, lukrative Posten – kurzum: das akademische Paradies.
Und Paul ist so dicht davor, das letzte Rätsel zu knacken: Es gibt vier davon, denn die Vier ist die magische Zahl, die das gesamte Buch durchdringt. (Daher der O-Titel „The Rule of Four“ – „Die Regel/Herrschaft der Vier“.) Er hat nur noch 36 Stunden Zeit, seine Examensarbeit über die „Machia“ abzugeben. Doch in 36 Stunden kann sich alles Mögliche ereignen.
Nach einer Party eines der Studentenklubs muss Tom mit ansehen, wie jemand in einem hell erleuchteten Zimmer des Uni-Gebäudes angeschossen wird und sodann aus dem Fenster auf die Straße stürzt. Charlie leistet Erste Hilfe und erzählt, um wen es sich handelt: Der Mann, der im Krankenhaus stirbt, ist Bill Stein, Pauls engster Mitarbeiter an der „Machia“. Noch ein weiterer Mann wird sterben, bevor es gelingt, den Schuldigen ausfindig zu machen. In einem Hexenkessel der Verfolgung, Entschlüsselung, der Polizei-Ermittlungen und der Liebe zu Katie sieht sich Tom zu einer schwierigen Entscheidung gezwungen, die sein ganzes künftiges Leben bestimmen wird.
So oder so ähnlich muss sich Colonna in Rom und Florenz gefühlt haben, als er den religiösen Eiferer Savonarola bekämpfte, der die Schätze der Antike verbrannte, weil sie gottlos seien. Und als Colonna einige der wertvollsten Schätze gerettet hatte, verbarg er sie in einer Krypta in Florenz. Der Lageplan der Krypta ist in der „Machia“ verborgen. Und wer diese Schatzkammer findet, könnte der Welt eine neue Renaissance, eine Wiedergeburt von unschätzbarem Wert verschaffen.
Aber nur, wenn Paul und Tom die nächsten Stunden überleben. Denn der Mörder ist auch hinter ihnen her.
_Mein Eindruck_
In „Das letzte Geheimnis“ geht also um mehrere Ermittlungen. Selbst wenn das Thema „alte Dokumente“ wegen Dan Browns Bestsellern „Sakrileg“ und „Illuminati“ zur Zeit sehr in Mode ist, so erweist sich „Das letzte Geheimnis“ doch nicht als Abklatsch dieser marktführenden Titel, sondern als eigenständiges Werk. Und ich halte es für weitaus besser als Dan Browns Werke, die sich bei näherer Untersuchung als Fantasy entpuppen.
Die „Machia“ existiert jedoch wirklich und gibt bis heute Rätsel auf. Mag auch Colonna nie existiert haben, so ist dies doch letzten Endes unerheblich, denn Figuren wie Savonarola, die Medici und den damaligen Papst gab es wirklich. Ebenso die Accademia, der Colonna und seine Komplizen angehörten. „Das letzte Geheimnis“ ist vielschichtiger als Browns Bestseller und durch die Zeiten hinweg aktuell.
Denn die vordergründige Suche nach dem vierten Geheimnis der „Machia“ spiegelt sich in der Suche nach dem Geheimnis des Mörders wider, der bereits Taft und Stein auf dem Gewissen hat und sich als nächstes Opfer Paul Harris auserkoren hat. Damit aber das Vermächtnis Colonnas – der guten Seite der Renaissance – bewahrt bleiben kann, müssen die Vier dem Mörder das Handwerk legen. Wie sich zeigt, waren Stein und Taft darauf aus, Paul das Vorrecht auf die Publikation des Geheimnisses der „Machia“ zu stehlen. Und man darf vom Mörder das Gleiche annehmen. Es ist – im 15. Jahrhundert wie auch heute – ein sehr gefährliches Geheimnis.
Was das Buch für mich so bedeutend macht, ist die Frage, die sich Tom Sullivan stellt und die er immer wieder durchspielt: Die Beschäftigung mit dem Geheimnis der „Machia“ ist die gleiche Sucht nach Wissen, die jeden Wissenschaftler und Suchenden seit Dr. Faustus angespornt hat. Doch wenn der Forschungsgegenstand, wie es die „Machia“ tut, den Anspruch auf Ausschließlichkeit erhebt, gefährdet dies das Leben und die Zukunft des Forschenden. Tom Sullivan verkommt aufgrund seiner Manie zu einem nervösen Wrack, das wie ein Penner herumschlurft. Das Versprechen auf eine Zukunft wird durch seine Freundin Katie und ihre Liebe verkörpert: Sie muss ihm eindringlich zureden und vor ein Ultimatum stellen, um ihn aus seinem Wahn, seinem privaten „Liebestraum“ zu wecken. Als Preis dafür bleiben die Geheimnisse der „Machia“ unerschlossen – vorerst, bis Paul einen anderen Ansatz findet.
Tom Sullivan bremst gerade noch vor dem Abgrund. Doch für seinen Vater ging die Sache nicht so gut aus: Wie Taft Tom weiszumachen sucht, hat sich Patrick Sullivan aus Frustration selbst in den Tod gefahren, dabei den Tod seines Sohnes in Kauf nehmend. Eine ungeheuerliche Behauptung. Kein Wunder, dass Tom sofort ausrastet und Taft angreift.
Das aktuelle Quartett, das von der „Machia“ berührt wird, ist ein Spiegelung jenes Trios aus Patrick Sullivan, Vincent Taft und Richard Curry, das sich 25-30 Jahre zuvor die Zähne an der „Machia“ ausgebissen hatte. Wiederholt sich die Geschichte wie in einem zyklischen Teufelskreis? Vielleicht, aber nur, wenn man nicht bereit ist, Einsicht zu zeigen. Nur wenn man sich ganz der „Machia“ und ihrer Verlockung hingibt.
Die Spiegelungen und Entsprechungen machen für mich den größten Reiz des akademischen Thrillers aus. Der Begriff des „Liebestraums“ verwirklicht sich in vielfältiger Weise. Nicht nur, dass Poliphilus, der „Vielliebende“, in einem Traum seinen Kampf um die Liebe kämpft (so die wörtliche Übersetzung des griechischen Wortes „hypnerotomachia“), sondern auch Colonna, Tom und Paul sind in einem solchen Traum gefangen. Es ist der Traum der Liebe zu einem geheimnisvollen Forschungsgegenstand, zu Wissen und Erkenntnis. Im Grunde sieht sich jeder Akademiker dieser Verlockung gegenüber. Deshalb ist das Buch ständig aktuell.
Gibt man sich dem Traum völlig hin, wie Tom, Paul und ihre Konkurrenten es tun, ist dieser in der Lage, das reale Leben völlig zu übernehmen (siehe die „verrückten Wissenschaftler“ der B-Movies). Es kommt darauf an, die Verbindung zum Leben nicht abreißen zu lassen. Oder den Traum einem höheren Zweck zu weihen, wie Colonna es tut: die Rettung der Schätze der Antike, die Savonarola auf seinen Scheiterhaufen verbrennen will. Paul und Tom tun am Ende das Gleiche.
Auch die Scheiterhaufen haben eine Entsprechung: Das Clubhaus, in dem der Abschlussball stattfinden soll, brennt nieder. Tom und Paul befinden sich darin. Und als der Mörder auftaucht, geht es um alles oder nichts. Die Schätze der Vergangenheit sind nun nicht die Bücher, die in den Regalen des Clubhauses stehen, sondern die Geheimnisse, deren Lösung sich in den Köpfen von Tom und Paul befindet. Ob die Vergangenheit weiterlebt, damit die Welt daraus lernen kann, ist manchmal nur eine Frage des Überlebens …
|Der Sprecher|
Tim Bergmann ist ein kompetenter Sprecher, der über eine sehr angenehme Stimme verfügt. Allerdings bemüht er sich nicht um Stimmakrobatik wie manchmal Rufus Beck, er weiß aber durchaus, wie man die Stimme moduliert, um Emotionen zu vermitteln und eine Situation darzustellen. Insbesondere dann, wenn ein Buch so reich an dramatischen Situationen ist wie „Das letzte Geheimnis“.
Dann wird durch seinen eindringlichen Vortrag deutlich, wie groß der Wissensdurst ist, der Tom und Paul erfüllt, wie tief die Frustration sein muss, die die Gescheiterten niederdrückt: Curry und Taft. Sehr schön anschaulich wird die Story, wenn das Quartett hinunter in die Versorgungstunnel steigt, um dort Kampfspiele zu üben, oder wenn es zur „Nackten Olympiade“ (das gab es in Princeton wirklich) wieder an die Oberfläche steigt, um der Campuspolizei ein Schnippchen zu schlagen.
_Unterm Strich_
„Das letzte Geheimnis“ ist ein gelehrter Thriller über die Verbindung und Bedeutung der Vergangenheit mit und für die Gegenwart. Alte Schätze des Wissens zu heben, ist wichtig und wertvoll. Aber das Buch warnt auch vor den Gefahren der Verlockung, die darin liegt. Auf drei korrespondierenden Zeitebenen spiegelt sich die Geschichte, die in dem zentralen Werk, um das es geht, niedergelegt ist: Liebe – Traum – Kampf – Geheimnisse. Vielleicht ist dies die „Regel/Herrschaft der Vier“? Das Buch selbst ist wie die „Machia“ voller Geheimnisse und würde eine literaturwissenschaftliche Analyse lohnen.
Ich fand die Geschichte spannend zu verfolgen. Als Akademiker berührte sie mich auf unerwartete Weise. Manche Leute sehen sich vor die Wahl zwischen Arbeit/Erfolg oder Liebe/Lebensqualität gestellt. Manche schaffen es, beides harmonisch zu verbinden, manche aber entscheiden sich für das Eine oder das Andere und verlieren dabei in jedem Fall. In welchem Umfang der Verlust erfolgt, muss dabei jeder selbst festlegen. An einer Stelle fragt Tom Sullivan seine Mutter, warum sie seinem Vater seinen Erfolg und sein jahrzehntelanges Bemühen um die „Machia“ missgönnt habe. Sie macht ihm klar, dass er sie nie verstanden hat. Sie hat seinen Vater geliebt, obwohl dieser nie genügend Zeit für sie und den Sohn hatte. Eine Frage wie diese muss sie also tief verletzen.
Das Hörbuch gehört zu den spannenden Thrillern, für die sich Freunde von „Sakrileg“ und „Illuminati“ interessieren könnten. Allerdings ist die Struktur nicht die simple der Schnitzeljagd, sondern eine der Spiegelungen und Entsprechungen. Relativ häufig wechselt die Zeitebene, damit der Erzähler im Rückblick eine Erkenntnis daraus vermitteln kann. Bald wird klar, was die „Machia“, ihr Autor Colonna (umstritten), die drei Forscher um Patrick Sullivan sowie die vier Studenten um Tom Sullivan miteinander zu tun haben. Leider wird die Lehre, die der Ich-Erzähler daraus zieht, auf eine etwas vordergründige, aufdringliche Weise vermitteln. Es ist zwar nicht ganz der erhobene Zeigefinger (für wen auch?), aber viel fehlt nicht mehr.
_Hintergrund_
Ein paar interessante Fakten über die „Hypnerotomachia Poliphili“:
1. The title „Hypnerotomachia“ is an invented word drawn from the Greek roots for „sleep“ (as in „hypnotize“), „love/lust“ (as in „erotic“), and „struggle/strife“ (as in „naumachia,“ the mock sea-fights held by ancient Romans). The title thus literally means something like „Struggle for love in a dream,“ and describes what the main character, Poliphilo, spends the entire story doing: searching for his beloved in a dream.
2. Until 1999, no full English translation of the Hypnerotomachia existed. The only previous attempt was by a translator with the initials „R.D.“ – probably Robert Dallington, a contemporary of Shakespeare’s – who got less than halfway done before giving up. In 1999, a music professor at Colgate University named Joscelyn Godwin completed his full English translation, which is now widely available.
3. The hieroglyphics that appear in the Hypnerotomachia are not authentic. Some are borrowed from a Roman frieze that Renaissance humanists wrongly considered Egyptian; others are invented, but later Renaissance scholars (including Erasmus) mistakenly considered them genuine. The Hypnerotomachia’s author, in other words, was both a victim and perpetrator of hieroglyphic ignorance among Renaissance humanists!
Quelle: http://www.randomhouse.com/bantamdell/theruleoffour/index.html
Für Interessierte: http://en.wikipedia.org/wiki/Hypnerotomachia_Poliphili
|Originaltitel: The Rule of Four, 2004
deutsch von Rainer Schmidt
393 Minuten auf 5 CDs|
Die [Buchfassung]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3785721536/powermetalde-21 erschien ebenfalls bei |Lübbe|, in gebundener Form.
_Spannender Entführungskrimi: Nicht ohne meine Tochter!_
Die kleine Sarah ist überglücklich. Obwohl es ihre Mutter verboten hat, darf sie endlich auch zum Schlittenfahren. Wie ihre Freundinnen, auf dem großen Hügel der Stadt. Der Vater hat es erlaubt. Denn so richtig ernst nimmt der die Angst seiner Frau nicht, die alles untersagt, was „riskant“ ist. Doch plötzlich ist Sarah spurlos verschwunden.
Fünf Jahre später liegt ihr vermeintlicher Entführer im Sterben. Obwohl dem ehemaligen Priester auch das Verschwinden anderer Mädchen angelastet wird, hat die Polizei seine Schuld nie beweisen können. Sarahs Vater, der nicht an ihren Tod glaubt, versucht verzweifelt, den „Täter“ zum Reden zu bringen, bevor es zu spät ist. (Verlagsinfo)
_Der Autor_
Chris Mooney, aufgewachsen in Lynn, Massachusetts, ist laut Verlag einer der erfolgreichsten neuen amerikanischen Thrillerautoren. [„Victim“ 5226 sorgte in den USA für großes Aufsehen. Er lebt mit seiner Familie in Boston und veröffentlichte mit „Secret“ den nächsten Roman um Darby McCormick.
_Der Sprecher_
Boris Aljinovic, geboren 1967 in Berlin, war nach dem Schauspielstudium an der Hochschule „Ernst Busch“ am Berliner Renaissance-Theater und am Staatstheater Schwerin engagiert. Es folgten zahlreiche Rollen in Film und Fernsehen, so etwa 1999 in „Drei Chinesen mit dem Kontrabaß“ und 2004 in Otto Waalkes‘ Filmerfolg „Sieben Zwerge – Männer allein im Wald“. Seit 2001 spielt er den Kommissar Felix Stark an der Seite von Dominic Raacke im Berliner „Tatort“. Der Schauspieler lebt in Berlin. Er liest eine gekürzte Fassung.
Regie führte Gabriele Kreis im Eimsbütteler Tonstudio, Hamburg Januar 2009.
_Handlung_
Mike Sullivans Leben ist von Verlusten gekennzeichnet. Als er acht Jahre alt war, verließ seine Mutter seinen Vater Lou und verschwand grußlos nach Paris, von woher sie stammte. Sie schickte von dort lediglich eine Postkarte. Bevor sie ging, schenkte sie Mike eine Goldkette mit einem Anhänger des Hl. Antonius, der für verlorene Dinge zuständig ist.
1999 verliert Mike seine sechsjährige Tochter Sarah. Entgegen dem Verbot seiner Frau Jessica nimmt er Sarah mit zum Schlittenfahren. Aber es herrscht dichtes Schneetreiben auf dem Rodelhügel. Mike gibt Sarah in die Obhut von Paula, der Tochter seines besten Freundes Bill O’Malley, der zugleich Sarahs Taufpate ist. Doch Minuten später taucht Paula ohne Sarah auf. Die Suche nach dem Mädchen fördert nur ihre Brille zutage – sie hat sie verloren, neben ihrem Schlitten. Er bittet zwei Polizisten um Hilfe, doch sie berichten ihm, dass sein Vater Lou in der Stadt Bellham gesehen worden sei. Ob er sich wohl Sarah geschnappt hat? Als Jessica davon erfährt, reagiert sie erst ängstlich, dann wütend auf Mike. Das verheißt nichts Gutes für ihre Ehe.
Der zehnjährige Sammy Pinkerton, Sohn eines Polizisten, war ebenfalls auf dem Rodelhügel. Er gibt zu Protokoll, dass Sarah mit einem großen Mann fortgegangen sei, der ihr eine Decke um die Schultern legte. Sammy dachte, er sei Sarahs Vater. Im Schneetreiben konnte das nicht so genau sehen. Als Mike von dieser Aussage erfährt, besuchte er Detective Merrick von der Kripo. Es ist ja immerhin möglich, dass ein Gewaltverbrechen oder eine Entführung vorliegt.
|Fünf Jahre später|
Anno 2004 leben Jessica und Mike getrennt. Es ist der Jahrestag von Sarahs Verschwinden. Im Gegensatz zu Jess hat Mike die Hoffnung nicht aufgegeben, Sarah wiederzufinden, und legt einen Strauß Flieder auf dem Hügel, wo Sarah verschwand, nieder. Dann geht er zu seiner Therapeutin Dr. Rachel Tyler, die ihn nach Frank Jona fragt, dem mutmaßlichen Mörder Sarahs und zweier anderer kleiner Mädchen. Der ehemalige katholische Priester ist krebskrank und wird bald sterben.
Mike hat ihn einmal attackiert, als er angetrunken war. Er ist jetzt aber seit zwei Jahren trocken, arbeitet als Handwerker, doch er muss sich weiterhin auf gerichtliche Anordnung hin von Jona und seinem Haus fernhalten. Mikes Bewährungshelfer nimmt ihm regelmäßig eine Urinprobe ab. Der Richter hat Mike fünf Jahre Bewährung aufgebrummt, aber wenigstens hat Jona auf eine Anzeige verzichtet. Mike hat Kontakt zu Rose Giroux, der Mutter der verschwundenen Ashley. Rose hat ihm und Jess viel geholfen, und er hält sie über Jona auf dem Laufenden. Mike behauptet, Jona habe auch Caroline Lanville auf dem Gewissen.
Diese unerträgliche Lage, die über Jahre hinweg in der Schwebe gewesen ist, gerät eines Tages in Bewegung. Detective Francis Merrick von der Kripo führt Mike zu einer Fundstelle. Da hängt eindeutig Sarahs kleiner Anorak – über einem Holzkreuz. Eine Zeugin hat Frank Jona neben dem Kreuz zusammenbrechen sehen. Doch statt Jona zu verhaften, wartet Merrick die DNS-Tests ab. Am Abend taucht Lou, Mikes Vater, bei ihm auf. Er hat Jonas Haus verwanzt und weiß alles über ihn, z. B. dass er zwei Leibwächter hat und eine Pflegerin. Mike weigert sich, ihm ein Alibi zu geben, für was auch immer.
Am nächsten Tag ruft Merrick an: Auf Frank Jona ist ein Brandanschlag verübt worden, bei dem durch eine Verwechslung nicht Jona, sondern einer seiner Leibwächter schwer verletzt wurde. Ob Mike ein Alibi habe? Sein Haus wird durchsucht, doch Mike war bei Bill O’Malley. Als der Leibwächter seinen Verletzungen erliegt, gerät Mike dennoch unter Mordverdacht. Mike bittet die Rechtsanwältin Samantha Ellis, die vor 15 Jahren seine Sommerliebe war, um Hilfe: Kann sie ihm die Laborberichte des FBI beschaffen? Sie kann sogar mehr als das – sie engagiert für ihn eine Privatdetektivin, Nancy Childs. Im Laborbericht sind Blutflecken erwähnt.
Wenige Tage später wecken ihn die Stimme Sarahs und das Bellen seines Hundes Fang. Beide laufen in den nahen Wald. Wieder hört er Sarahs kindliche Stimme. Warum klingt sie immer noch wie vor fünf Jahren? Sie ist doch schon elf. Da entdeckt er den Kassettenrekorder neben einem Baum. An dem Baum baumelt Frank Jona …
Während Lou Sullivan wegen des Brandanschlags verhaftet wird, beginnt Mike mit Nancy Childs und Samantha Ellis seine eigene Ermittlung. Schon bald stößt er auf beunruhigende Zusammenhänge, die bislang noch niemand gesehen hat …
_Mein Eindruck_
Der Autor legte mit „Victim“ einen fulminanten Thriller als Debüt vor, dem mit „Secret“ ein weitaus weniger überzeugendes Sequel folgte. Dabei bemerkte ich zum ersten Mal die Abneigung des Autors gegen den Katholizismus in Neu-England. Angesichts der großen irischen Gemeinde in Boston gibt es dort auch viele Katholiken.
Offenbar hat der Autor negative Erfahrungen mit ihnen gemacht und eine Art Feindbild aufgebaut. Dieses kommt auch in „Missing“ negativ zur Geltung. Ich weiß ja nicht, welcher Konfession der Autor angehört, aber er muss ja nicht gleich eine bestimmte Konfession angreifen. Allerdings wirkt dadurch sein Vermissten-Thriller umso realistischer.
Es geht um eine Organisation aus der christlich-fundamentalistischen Ecke, die Kinder entführt, um sie bei Mitgliedern ihrer Organisation heranwachsen zu lassen. Der Grund besteht darin, dass die Mütter der Entführten zuvor haben abtreiben lassen und sich so als „gute Mütter“ disqualifizierten. Jedenfalls in den Augen dieser Superchristen. Mike Sullivan kann es kaum fassen, dass auch seine Jessica in diese Kategorie fallen soll. Nun ja, auch Jessica hatte wie er ein Leben vor der Ehe …
Mindestens ebenso spannend wie diese Ermittlung fand ich jedoch Mikes Nachforschungen in der eigenen Familie. Lebt seine Mutter noch – oder hat sein Vater sie bei seinem Besuch in Paris getötet? Sie ist wie Sarah eine in Mikes Leben schmerzliche vermisste Person – auch ihr gilt der Titel „Missing“. Lou ist in Mikes Augen bis zuletzt eine zwielichtige Gestalt, halb Verbrecher, halb Marinesoldat, und auf jeden Fall ein Rabenvater, der Mike im Stich ließ. Bis jetzt jedenfalls.
Als er den Spuren seiner Mutter folgt, die offenbar in Bostons bestem Viertel eine Affäre unterhielt, kreuzen sich die Spuren seiner Mutter mit der anderen Ermittlung. Alles scheint mit allem verknüpft zu sein. Und Nancy Childs, die er ebenfalls auf diesen Fall angesetzt hat, wundert sich, wieso ihr Klient ihr ständig in die Quere kommt. Aber als es darauf ankommt, können sie wenigstens parallel ermitteln.
Bevor alles gut wird, muss es erst einmal viel schlimmer werden. Unvermittelt entwickelt das letzte Drittel des Romans richtige Actiondramatik, in der Mike alles abverlangt wird, was er aufbieten kann. Und natürlich im unwahrscheinlichsten Moment.
|Der Sprecher|
Dass Boris Aljinovic einen „Tatort“-Kommissar spielt, gereicht ihm in vielerlei Hinsicht zum Vorteil. Die Aufgabe, die verschiedenen Figuren stimmlich und sprachlich auf erkennbare Weise zu charakterisieren, bewältigt der Sprecher mit Bravour – ohne sich jedoch zu Karikaturen hinreißen zu lassen. Ich bewundere, wie es ihm gelingt, die einzelnen Figuren auseinanderzuhalten und stets die gleiche Ausdrucksweise für die jeweilige Figur zu finden.
Die Männer sprechen völlig anders als die Frauen, nicht nur rauer und weniger emotional, sondern auch voller Andeutungen, insbesondere Lou Sullivan. Die Cops klingen irgendwie alle gleich, nämlich hart und autoritär, was in scharfem Kontrast zu dem einfühlsamen Mike Sullivan steht. Eine große Ausnahme bildet der todkranke Frank Jona. Da er Asthmatiker ist, spricht ihn Aljinovic mit einem ständigen Keuchen und Röcheln, was besonders in der Begegnung Jonas mit Mike dramatische Ausmaße annimmt. Denn Mike würde den mutmaßlichen Mörder seiner Tochter ja am liebsten verrecken lassen.
Die Frauen haben stets die gleiche höhere Stimmlage, so dass man sie leicht von den männlichen Figuren unterscheiden kann. Die Rechtsanwältin Samantha Ellis ist nicht die taffe Karrierefrau, wie man erwarten würde, sondern so hilfreich und einfühlsam wie eine Krankenschwester – allerdings ohne professionelle Distanz. Sie würde am liebsten Mike gleich wieder in die Arme schließen.
Völlig anders hingegen ihre Privatdetektivin Nancy Childs. Die Schnüfflerin ist taff, wenn es drauf ankommt, und einfühlsam in den seltensten Momenten. In scharfem Kontrast dazu steht Terry Russell, die Krankenpflegerin Frank Jonas, die ein verhuschtes, nervöses Wesen an den Tag legt. Aber das ist möglicherweise nur Tarnung. Man sollte auf der Hut sein. Am besten gefiel mit der französische Akzent von Mikes Mutter, den Aljinovic wunderbar nachahmt.
Alle Figuren verändern ihre Redeweise außerdem je nach Situation. Mal flüstern, mal schreien sie, mal sind sie abgeklärt, mal aufgeregt. Einmal gibt es Rundfunknachrichten, dann erklingt wieder Sarahs kindlich hohe Stimme. Alles in allem dürften sich von diesem Vortrag eher Frauen angesprochen fühlen, aber ich fand mich auch ganz gut unterhalten.
_Unterm Strich_
Vordergründig geht es in diesem Thriller darum, vermisste Menschen zu finden. Aber das eigentliche Thema besteht darin, wie Mike Sullivan es schafft, sein zerbrochenes Leben wieder zu kitten. Er muss parallel zu Polizei und Privatdetektivin zwei Ermittlungen durchführen und das Äußerste geben, um zum Erfolg zu gelangen. Die Ausgangslage ist sowohl emotional als auch kenntnisreich geschildert, und auch über sein Seelenleben erfahren wir viel, so dass wir ihn uns gut als Individuum vorstellen können.
Die Begründung für die Kindesentführung erinnert mich an einen Krimi namens [„Schwesternmord“ 1859 von Tess Gerritsen. Auch dort geht es um eine geheime Organisation, die mit Kindern Profite machen will. Doch Mooneys Superchristen sind noch viel schlimmer, weil sie nicht nur die Kinder entführen, sondern sie auch noch in einer völlig anderen Kultur als Superchristen erziehen. Das erinnert an den Bestseller „Nicht ohne meine Tochter“, der in den achtziger Jahren für Furore sorgte. Das Thema ist in Zeiten der Globalisierung stets virulent.
|Das Hörbuch|
Mit den vorherigen Sprechern der Thriller von Chris Mooney war ich nicht hundertprozentig zufrieden, aber Boris Aljinovic, der schon drei Romane des Schweden Åke Edwardson vorgetragen hat, hat mich nicht nur gut unterhalten, sondern auch emotional bewegen können.
Als Erzählerstimme nimmt er sich völlig zurück, und nur in den Dialogen der Figuren zeigt er seine wahre Kunst. Er erweckt die Figuren wirklich zum Leben. Besonders die verhuschte Terry Russell konnte ich mir gut vorstellen, denn solche scheinbar passiven alten Frauen gibt es jede Menge. Und sie sind manchmal zu allem fähig.
|Originaltitel: Remembering Sarah, 2004
Aus dem US-Englischen übersetzt von Michael Windgassen
286 Minuten auf 4 CDs
ISBN-13: 978-3869090061|
http://www.chrismooneybooks.com
http://www.hoerbuch-hamburg.de
Justus, Peter und Bob besuchen eine Auswilderungsstation für gefangene Delfine. Seit Kurzem verschwinden die schutzbedürftigen Tiere auf mysteriöse Weise immer wieder von dort.Stecken etwa fiese Diebe dahinter? (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wer klaut denn Delfine? Möchte jemand seine eigene Delfin-Show aufziehen und bekommt (verständlicherweise) keine Tiere dafür? Aber, dieses Abenteuer heißt ja nicht „Delfin-Diebe“, sondern „Delfin-Piraten“ … sollen die Meeressäuger unter Wasser nach Schätzen tauchen?
Das Hood-Anwesen unweit des schottischen Glasgow verströmt eine morbide Faszination. Die Verlobten Peter und Janet wollen hier einziehen, doch die Vorzeichen für einen Daueraufenthalt stehen schlecht. Vor hundert Jahren soll der Erbauer des ausgedehnten Gebäudes, das an einem düsteren Moor steht, sich in einen Werwolf verwandelt und von den Dorfbewohnern geköpft worden sein. Kein Wunder, dass der Dorfwirt dem Vorhaben der Städter äußerst ablehnend gegenübersteht. Er wirft sie kurzerhand hinaus. Sie hätten auf ihn hören sollen …
|Die Sprecher & die Inszenierung|
Philip Schepmann spricht: Peter Newton
Katrin Fröhlich: Janet Culver
Dascha Lehmann: Lynne
Boris Tessmann: Ron
Und 14 weitere Sprecher.
Die Gespensterkrimi-Hörbücher produzierten Alex Stelkens von |WortArt| und Marc Siper von |Lübbe Audio| sowie Pe Simon. Regie führt stets Oliver Döhring, der auch für die John-Sinclair-Hörspiele verantwortlich zeichnet.
_Handlung_
Peter Newton und Janet Culver sind frisch verlobt und wollen aus dem verrußten Glasgow hinaus aufs Land ziehen. Peter hat auch schon eine Überraschung parat: das Hood-Anwesen, das außerhalb eines Dörfchens am Rande eines Moors liegt. Die beiden reagieren ziemlich pikiert, als sie deswegen aus dem Dorfwirtshaus geworfen werden. Offenbar ist man im Dorf nicht gut auf dieses Haus zu sprechen.
Als Janet das Gebäude sieht, meint sie, es sehe aus wie „Frankensteins Ferienhaus“. Wie wahr! Sie stapfen erst einmal durchs Moor, bevor sie eintreten können. Bei der ersten Erkundung finden sie im stromlosen Keller eine Tür, die hinter einem Regal verborgen ist, und in einer Kiste, die Peter zertrümmert, einen menschlichen Schädel – mit Reißzähnen …
Nach einer unruhigen Nacht voller Geräusche und einer Vogelattacke (Achtung: ein Rabe!) erwacht Peter gerade noch rechtzeitig, um die schlafwandelnde Janet vor einem Sturz ins Moor zu bewahren. Sie kann sich nicht erinnern, wie sie auf die Veranda kam. Auf einem Gemälde, das das Haus zeigt, ist die Figur einer Frau im ersten Stock auszumachen. War sie gestern schon da?
Der alte Säufer Henry Rollins erzählt Peter ein wenig über die Vergangenheit des Hauses. Es wurde 1895 von Tom Hood erbaut, der nur zwei Jahre selbst darin lebte. Er stopfte dort selbst erlegte Jagdtiere aus und gehörte angeblich der Sekte „Die Söhne des Wolfes“ an. Als zwei Frauen aus dem Dorf verschwanden und man ihre abgenagten Knochen in den Bergen fand, töteten die Dörfler Tom Hood mit einem geweihten Schwert, denn sie hielten ihn für einen Werwolf. Und im Augenblick seiner Enthauptung soll er sich in der Verwandlung befunden haben. Peter verschweigt diesen Unsinn seiner Verlobten.
Der Ärger beginnt erst so richtig, als das befreundete Ehepaar Ron und Lynn aus Glasgow auftaucht. Ron ist ein unternehmungslustiger Bursche und erkundet den stromlosen Keller von vorne bis hinten. Ganz hinten findet er eine mit zwei Riegeln verbarrikadierte Tür, die er mit brachialer Gewalt öffnet. Die Überraschung ist beträchtlich: Hier stopfte Tom Hood vor hundert Jahren seine Tiere aus. Was aber wichtiger ist: In einem Sarg liegt ein kopfloses Skelett. „Wetten, dass der Schädel genau auf dieses Gerippe passt?“ Und ob der passt! Und er beißt mit seinen Reißzähnen auch gleich zu. Ron muss zum Arzt.
Die hereinbrechende Gewitternacht sollen die vier Freunde nicht vergessen. Das heißt: diejenigen, die überleben.
_Mein Eindruck_
Werwolfmonster haben mich schon immer fasziniert. Das liegt wahrscheinlich an ihrer Fähigkeit, sich zu verwandeln. Das zivilisierte Lamm zeigt quasi seine wahre, seine tierische Natur: das Raubtier. Es ist bezeichnend, dass es – bis vor wenigen Jahren – kaum Erzählungen über weibliche Werwölfe gab: Der Mensch-Wolf ist seit seinen antiken Anfängen, als er noch Lykanthropus hieß, immer männlichen Geschlechts gewesen. Dass die Bestie auch heute, vielleicht mehr denn je zuvor, eine morbide Faszination ausübt, belegen Erfolge von Filmen wie „Der Pakt der Wölfe“. Die beste Parodie ist und bleibt aber immer noch „American Werewolf“.
Die düsteren Moore der schottischen Lowlands eignen sich natürlich hervorragend als Schauplatz einer unheimlichen Werwolfgeschichte. Der lange Arm der Vergangenheit streckt sich nach den ahnungslosen Städtern aus, die sich hier niederlassen wollen. Die Frau hat natürlich gleich ein ganz schlechtes Gefühl dabei – Recht hat sie. Wär sie nur in der Stadt geblieben. Doch die Story hält noch viele weitere Überraschungen bereit. Bis zur letzten Sekunde.
_Die Inszenierung_
Philip Schepmann und Karin Fröhlich spielen die beiden Verlobten, während Dascha Lehmann und Boris Tessmann ihre Freunde darstellen. Nun darf man sich das Quartett aber nicht so vorstellen, als ob es brav im Studio säße und in ins jeweilige Mikro spräche. Das, was der Zuhörer vernehmen kann, ist viel mehr als vier Sprecher. Es ist auch ein Gefühl für Bewegung, Situation und vor allem Raum. Jeder der Räume in Hood Manor hat seinen eigenen Hall, ganz besonders natürlich der unheimliche Keller. Das Wirtshaus hingegen ist im Vergleich dazu richtig heimelig, mit Gläserklirren und vielen Hintergrundstimmen.
Auch die modernen Geräte wie Autos, Digitaluhren und Handys gehören zur Umgebung der Sprecher. Auch ihre „Stimmen“ hören wir ganz genau. Sie dienen dazu, das Geschehen in der Gegenwart zu verorten und so glaubwürdiger zu machen. Wenn via Telefonleitung gesprochen wird, dann also stets verzerrt, denn das ist das, was wir täglich wahrnehmen, aber leider nur noch unterbewusst.
Richtig gefordert ist der Tonmeister, pardon: Soundmixer – an jenen Stellen, an denen das Untier an sich akustisch in Szene zu setzen ist. So ein Werwolf könnte theoretisch auch „Miau!“ sagen, aber das wäre wohl seiner Wirkung und Erscheinungsweise nicht besonders angemessen. Nein, die Natur seines Erscheinens ist die des plötzlichen Angriffs, wobei Schreie, Durcheinander, Brüllen und Krachen eine chaotische Verbindung eingehen, die in ihrer Wucht die Wirkung auf den Hörer nie verfehlt. Ganz wunderbar ist die atemlose Stille vor dem Angriff, in der man die entsetzte Anspannung der Figuren fast körperlich spüren kann. Im Vergleich dazu wirkt das Knurren eines sich anpirschenden Werwolfs schon fast wieder gemütlich.
Die Musik unterstützt dieses Geschehen derart subtil, dass ich sie fast nicht bemerkt habe. Und das ist das Beste, das man über Hintergrundmusik sagen kann. Denn dann ist sie so in den Klangteppich eines Hörspiels verwoben, dass man sie nicht bewusst wahrnimmt, aber ihrer Wirkung dennoch unterworfen ist. Ihre Aufgabe ist es, die Emotionen des Hörers zu steuern: Spannung und Entspannung, Ruhe oder Action usw. Diesmal stammt sie von nicht weniger als drei Komponisten: Christian Hagitte, Simon Bertling und Florian Göbels. Prima Arbeit, meine Herrn!
_Unterm Strich_
Innerhalb der Reihe der bislang vier „Gespenster-Krimi“-Hörspiele hat mir persönlich diese CD am besten gefallen, aber das ist natürlich Geschmackssache. Ich habe eben etwas für Werwölfe übrig. Aber daran liegt es nicht allein. Auch der geschickte Aufbau der Story in mehreren Schichten ist für den positiven Eindruck verantwortlich. Dadurch bleibt es nicht bei der einfachen und etwas abgedroschenen „Wir-gegen-das-Monster“-Variation, sondern eine weitere Wendung sorgt für eine böse Überraschung in der letzten Sekunde. No-one here gets out alive.
|55:36 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.gespensterkrimi-hoerspiele.de |
Als Sherlock Holmes erfährt, dass sein Freund Sir Archibald Maitland von dem zwielichtigen Richard Mordon erpresst wird, hat er nur noch ein Ziel: Den teuflischen Erpresser zu überlisten und ihm dauerhaft sein schäbiges Handwerk zu legen. Mit Mordon hat er sich allerdings einen durchaus ebenbürtigen Gegner ausgesucht, der vor keiner Gemeinheit zurückschreckt.. (Verlagsinfo)
Eigentlich besuchen Holmes und Watson anlässlich eines Golf-Turniers bloß einen Freund in Croxton Hall, als der allseits beliebte Daniel Benton ermordet wird. Der Schuldige ist schnell gefasst, und sein Motiv lässt keinen Zweifel an der Tat zu. Der Meisterdetektiv entschließt sich dennoch, den Tatort in Augenschein zu nehmen, und macht eine Entdeckung, die den Verdächtigen entlasten könnte… (Verlagsinfo)
Eine Erzfeindin von Artemis Fowl ist aus ihrem Gefängnis in der Privatklinik des Prof. Argon ausgebrochen: Opal Koboi hat nur einen Wunsch – sich an Artemis und Holly Short von der Elfen-Polizei für das verlorene Jahr zu rächen. Bei Artemis, der gerade dabei ist, ein seltenes Gemälde aus einer Münchner Bank zu stehlen, macht sie gleich einen erfolgreichen Anfang.
_Der Autor_
Eoin Colfer, geboren 1968, ist Lehrer und lebt mit seiner Frau und seinem Sohn in Wexford, Irland. Er hat mehrere Jahre in Saudi-Arabien, Tunesien und Italien unterrichtet. 2011 erhielt er den Children’s Book Award, den wichtigsten Kinder- und Jugendbuchpreis Großbritanniens, und 2004 den Deutschen Bücherpreis in der Kategorie „Kinder- und Jugendbuch“. Seine bislang drei „Artemis Fowl“-Romane wurden allesamt Bestseller und sind von Rufus Beck kongenial ins Medium Hörbuch übertragen worden.
_Der Sprecher_
Rufus Beck, geboren 1957, ist Bühnen-, Film- und Fernsehschauspieler und hat als deutsche Stimme der „Harry Potter“-Hörbücher mit seiner vollendeten Sprechkunst die Herzen zahlreicher HP-Fans erobert. Er hat aber auch alle Bücher des Iren Eoin Colfer als Hörbücher aufgenommen, insbesondere die über „Artemis Fowl“.
Beck liest den gekürzten Text. Regie führte Margit Osterwold.
_Handlung_
Der Ärger beginnt damit, dass es Opal Koboi, einer milliardenschweren Wichtelin, gelingt, aus der Privatklinik von Professor Argon auszubrechen. Unbemerkt. Und das, obwohl sie von der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP) rund um die Uhr bewacht wurde und der Professor ständig um den Erhalt seiner wichtigsten Geldquelle, Miss Caboys Fonds, besorgt war. Laufend hatte er ihr DNS-Proben entnommen, denn er ist sicher, dass DNS nie lügt. Falsch gedacht! Insgeheim hatte die Milliardärin einen Klon von sich züchten lassen, der natürlich die gleiche DNS wie sie besitzt – und nach einem raffiniert eingefädelten Austausch anstatt der echten Koboi in der Klinik liegt – und Prof. Argon arglistig täuscht.
Das Kunststück gelingt Koboi mit Hilfe zweier Wichtel, mit deren Assistenz sie ihre finsteren Pläne zu verwirklichen gedenkt. Denn schon ein ganz Jahr ihrer kostbaren Lebenszeit musste sie in dieser öden Klinik verbringen, weil der Menschenjunge Artemis Fowl und die Elfin Captain Holly Short von der ZUP sie hinter Gitter gebracht hatten. Opal gedenkt, sich bitter zu rächen. Und zwar nicht nur an Artemis und Short, sondern an der gesamten Erdbevölkerung, sowohl über als auch unter der Erde.
So, so, Artemis Fowl ist also in Deutschland, genauer gesagt: in München. Bestimmt heckt er dort wieder etwas aus. Ganz genau! In Begleitung seines Leibwächters Butler (von dem nur zwei Menschen den Vornamen kennen) betritt Artemis gerade eine Filiale der Internationalen Bank. Er hat vor, ein seit langem verschwundenes Gemälde zu stehlen, das vor hundert Jahren von einem gewissen Pascal Hervé gemalt wurde und den seltsamen Titel „Der Elfendieb“ trägt. Kontrolle um Kontrolle passieren die beiden, die unter falschem Namen reisen, bis sie endlich im Raum der Schließfächer anlangen. Hier wird’s knifflig, denn der Raum wird natürlich rund um die Uhr per Video überwacht. Sie haben genau 180 Sekunden Zeit. Jede Menge, denkt Artemis.
Unterdessen bereitet sich Captain Holly Short bei der ZUP auf ihre Beförderung zum ersten weiblichen Major in der Geschichte der Polizei der Unterirdischen vor. Ihr Mentor, Commander Julius Root, hat sie dafür vorgeschlagen. Doch etwas kommt dazwischen. Der inhaftierte General Scaleen ist aus der Haftanstalt Howler’s Peak entwichen. Wie er das geschafft hat, ist dem Überwachungsoffizier Foley, einem Zentauren, ein Rätsel. Holly kennt sich jedoch mit Kobolden wie Scaleen aus: Sie können sich häuten, und als Scaleens Neffe Boon ihn besuchte, ließ dieser einfach seine alte Haut dort, so dass Scaleen sie überziehen und unbemerkt hinausspazieren konnte. Jemand hätte aber merken müssen, dass zwei Boones das Gefängnis verließen.
Scaleen und Co. melden sich aus Paris. Sie verlangen, Holly Short zu sprechen, die sich nicht lange bitten lässt. Zusammen mit Captain Kelp und Commander Root macht sie sich durch die Tunnel per Überschall-Shuttle auf den Weg, bis an die Zähne mit Hightech-Ausrüstung bewaffnet.
Leider nützt ihr und ihren Kollegen alle Hightech nichts, denn sie tappen direkt in eine von Opal Koboi teuflisch aufgestellte Falle, die einen von ihnen das Leben kosten wird. Und das, so viel ist sicher, ist natürlich erst der Anfang.
_Mein Eindruck_
Wer etwas genauer hinschaut, wird in den Strukturen der Handlung das Vorbild erkennen: James Bond. Nur mit dem Unterschied, dass Bond diesmal weiblich ist und über magische Heilkräfte verfügt. Aber sonst ist alles da: Hightech mit jeder Menge Gadgets und natürlich ein Schurke bzw. eine Schurkin, die nichts Geringeres als die Weltherrschaft anstrebt, um sich an ihren Widersachern zu rächen. Wie Opal Koboi dies zu Wege bringen will, ist schon ziemlich abgefahren, darf hier aber nicht verraten werden. Folgerichtig findet der Showdown weit, sehr weit unter der Erdoberfläche statt, ist aber um keinen Deut weniger explosiv als der eines jeden ordentlich gemachten Bond-Streifens.
Was die Artemis-Fowl-Romane von Bond und Harry Schotter unterscheidet, ist ja gerade die Kombination beider Welten: auf der einen Seite die Science-Fiction-mäßige Ausstattung der Guten und Bösen, auf der anderen das Personal, das jeder Fantasy entsprungen sein könnte, aber in Irland besonders natürlich wirkt. Denn dort phantasierten schon die eingewanderten Kelten anno dunnemals vom Kleinen Volk im Land Tirnanog unter den Hügeln – und genau darunter haben die Elfen von der ZUP ihr größtes Shuttle-Terminal eingerichtet. Eine ziemlich ironische Wendung der irischen Folklore, die Eoin Colfer da für die heutige technikverliebte Jugend zustande gebracht hat.
In menschlicher Hinsicht ist das Buch diesmal jedoch nur in einem Punkt interessant: Artemis Fowl ändert seinen Charakter. Kenner und Liebhaber dieser Figur dürfte das ziemlich umhauen, aber alles halb so wild. „Aurum potestas est“ lautet das Motto derer von Fowl: „Gold ist Macht“. Und das war bislang Arties Leitspruch, an den er sich bei jeder unpassenden Gelegenheit hielt.
Nun jedoch findet er seine alten Erinnerungen wieder und erkennt in Holly Short und Mulch Diggums zwei sehr nette alte Bekannte, die er diesmal nicht mit einer Rechnung traktiert, sondern mit seiner Freundschaft beehrt. Denn – tatsächlich! – sogar ein eingefleischter Fowl wie Artie hat Gefühle statt eines Steinherzens – wer hätte das gedacht! Zu behaupten, er hätte ein Herz aus Gold, würde allerdings wegen seiner Vorliebe für das gelbe Metall weit in die Irre führen.
_Der Sprecher_
Rufus Beck erhält wieder einmal Gelegenheit, seine sprachakrobatische Kunst voll auszuspielen. Während Holly und Artemis doch recht „normal“ – was ist schon normal? – sprechen, ertönt Butler in tiefstem, grollendem Bass, und Opal Koboi malträtiert mitunter in kreischendem Diskant die Hörnerven des Zuhörers.
Auch Mulch Diggums, der Held der zweiten Epiosde, ist wieder mit von der Partie und erfreut uns mit seinem beinahe (aber nur beinahe) schon urbayerischen Tonfall. Was die oberen Ränge der Zentralen Untergrund-Polizei (ZUP) angeht, so werden alle Klischees von brummigen, Befehle brüllenden oder raunzenden Vorgesetzten erfüllt. Das trifft aber auf den Zentauren Foley nicht zu, der ja nur ein Untergebener ist. Er kann es sich allzu oft nicht verkneifen, dass seine Pferdenatur durch- und er in herzliches Wiehern ausbricht.
Klangfilter bekommen wir wegen der überall eingesetzten modernen Technik allenthalben zu hören. Sei es ein Telefon, ein „Soundchip“, ein Übertragungsmonitor oder nur ein ordinäres Walkie-Talkie – stets erklingt die Stimme des jeweiligen Sprechers entsprechend blechern verzerrt. Na ja, da sind die Telefon- und Handyhersteller doch schon ein wenig weiter, will ich mal unterstellen. Aber es muss halt nach Tonübertragung klingen, und deshalb ist dieser Filter nötig.
Vor allem Jugendliche und Kinder ab 12 Jahren (Handyalter!) dürften an dieser Art der Darbietung dieser Story Gefallen finden. Erwachsene könnte es ein wenig übertrieben vorkommen.
_Unterm Strich_
Der vierte Band von Artemis Fowls Abenteuer im Umgang mit den unterirdischen Völkerschaften erfreut durch eine überschaubare Handlung mit einem eindeutigen Spannungsbogen und einigen Happy-Ends. Auch wenn immer wieder unbekannte Eigenschaften erfundener Gerätschaften das Publikum verblüffen, so ist das Verständnis der Story dadurch nicht getrübt. Das war ja in Band 3 mit seinem „Matrix“-ähnlichen Plot doch relativ frustrierend. Diesmal kennt das Publikum die meisten Elemente schon und hat weniger Mühe, sich das Geschehen vorzustellen.
Nicht nur James Bond stand Pate am neuen Plot, sondern auch die modischen Kunst-und-Klerus-Thriller à la „Sakrileg“ von Dan Brown. Daher darf Artemis diesmal auch ein Bild klauen, und die Tresor-Szene könnte direkt aus „Sakrileg“ stammen, in der Sophie und Robert Langdon vor ein neues Rätsel auf ihrer Schnitzeljagd gestellt werden. Man sieht also, dass Eoin Colfer auch nur mit Wasser kocht, das andere schon vorgewärmt haben. Dennoch bietet das Buch gute Unterhaltung.
Die Zuhörer können sich zusätzlich noch an der Stimmakrobatik eines Rufus Beck erfreuen. Sehr schön charakterisiert er die einzelnen Figuren, von denen die meisten dem Artemis-Fan bereits bekannt sind. Wie Beck es schafft, selbst nach einem Jahr noch die gleiche Klangfarbe wie beim letzten Mal zuzuweisen, ist nicht schwer zu erraten. Er muss sich einfach nur die alte Aufnahme anhören, bevor er loslegt. Und die hat sich ja bekanntlich prächtig verkauft, kann also nicht schlecht gewesen sein.
|Originaltitel: Artemis Fowl – The Opal Deception, 2005
374 Minuten auf 5 CDs|
_Eine Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe greift ein_
„Du hast’s getan“ ist der fünfzehnte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.
Nach der Trennung von Poe bleibt Leonie Goron ein paar Tage in der kleinen Stadt Rattleborough. Doch dort geschehen sonderbare Dinge. Schon in der ersten Nacht schreckt sie hoch: Ein blutüberströmtes Pferd galoppiert herrenlos durch die Straße, aber wo ist der Reiter? Ein junger Mann wird unter Mordanklage gestellt. Aber noch immer hat man keinen Leichnam gefunden …
Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten Hörspielen der Serie mitgewirkt:
#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:
(Nr. 13 wird vorerst ausgelassen.)
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan aus Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.
Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.
_Die Sprecher_
Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.
Außerdem wirken Mathias Koeberlin als Pennyfeather, Christian Rode als Charley Goodfellow sowie andere Sprecher mit. Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Penny Shepherd, die Ansage erledigt André Sander.
_Das Titelbild_
Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt bei „Du hast’s getan“ eine englische Häuserzeile, die aus dem späten 18. oder dem 19. Jahrhundert stammen dürfte. Ein oder zwei Autodächer sind davor zu entdecken. Bemerkenswerter ist der schneebedeckte Friedhof im Vordergrund, in dem die Häuser zu versinken scheinen. Typischerweise haben diese Grabsteine keine Beete, ragen also aus dem umgebenden Weiß wie hohle Zähne heraus – und das auch noch schief. Ein eindeutiges „memento mori“.
Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Staffel: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Huxleys „doors of perception“.
_Das Booklet_
Jede CD enthält ein achtseitiges, schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch werden hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Ulrich Pleitgen wird näher vorgestellt.
Eingangs gibt es einen kleinen Abriss der Vorgeschichte. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs und die DVD von „Die Grube und das Pendel“. Die vorletzte Seite weist auf die Band „We Smugglers“ hin, die den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert hat.
_Vorgeschichte_
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon dreizehn Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.
Der Vorspann rekapituliert sehr knapp die ganze Vorgeschichte bis hin zum Inhalt von „Eleonora“, der zwölften Folge der Serie. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.
_Handlung_
Leonie ist stinkig. Sie rumpelt in der Postkutsche alleine gen New York. Dieser Schuft Poe hat sie sitzen lassen, mit einem lausigen Abschiedsbrief als Erklärung. Nun sucht sie nach dem zweiten Verräter, Doktor Baker alias Dr. Templeton, der sie in seinem Landhaus eingekerkert hatte, um medizinische Experimente an ihr vorzunehmen. Und natürlich sucht sie nach Jimmy Farrell, dem Maler jenes ovalen Porträts, das ihre verblichene Freundin (Schwester?) Lucy zeigt. Und vielleicht, nur vielleicht will sie auch Poe wiedersehen.
Ihr Weg führt sie über eine Heide zu dem einsamen Kaff, das nahe einer Kalkgrube liegt und sich den seltsamen Namen Rattleborough gegeben hat. An einer Kreuzung erteilt dem Kutscher ein freundlicher älterer Herr namens Barnabas Shuttleworthy Auskunft, wo’s langgeht. War das Scherz?, fragt sich Leonie, als sie in dem Städtchen ankommt: Es ist keine Menschenseele zu sehen! Sie muss hier mindestens zwei Tage übernachten, bis die nächste Postkutsche sie nach New York City bringt. Aber wo ist hier das Hotel?
Alle seien in der Kirche, sagt ihr ein sympathischer junger Mann, der sich schüchtern als Mr. Pennyfeather vorstellt. Zimmer gebe es nur im Saloon, falls ihr dieses Domizil nicht zu anrüchig erscheine. Barnabas Shuttleworthy ist sein reicher Onkel, stellt sich heraus, und er arbeite in dessen Krämerladen. Dabei wolle er doch viel lieber malen. Pennyfeather zeigt ihr seine Skizzen, darunter eine von jenem Baum an der Kreuzung auf der Heide, wo sie Mr. Shuttleworth sah. (Diese Skizze wird später noch wichtig.)
Leonie checkt im Saloon ein, der natürlich ebenso verlassen ist wie alles andere. Nur eine ganz in Schwarz gekleidete Alte mit einem unheimlichen schiefen Kopf begrüßt sie und zeigt ihr ihr Zimmer. Die Alte behauptet, sie sei nicht allein gekommen, aber diese Bemerkung kann sich Leonie nicht erklären, schließlich war sie die einzige Passagierin der Kutsche. Sie soll erst später die ominöse Bedeutung dieser Worte herausfinden.
Abends trinkt sie mit Pennyfeather ein Schlückchen Wein im Saloon. Er meint, er würde gerne seinen reichen, aber allzu geizigen Onkel beerben. Diese Worte werden von Mr. Charley Goodfellow übel aufgenommen, der ihn ermahnt, vorsichtiger in seinen Äußerungen zu sein. Als der junge Mann indigniert den Saloon verlässt, bedeutet dies das vorzeitige Ende von Leonies Abend.
Im Laden erzählt Pennyfeather von seiner Bekanntschaft mit einem gewissen Jimmy Farrell aus New York City. Das lässt Leonie aufhorchen, die ihren wahren Namen verschweigt. Wer weiß, was noch kommt. Der junge Mann erzählt, Farrell habe zwei Porträts angefertigt. Das eine war von Lucy, schließt Leonie, und das andere von Poe. Dieser habe in einem Asyl, einer Anstalt geschlafen, doch Farrell habe ihn mit offenen Augen malen müssen, was sicher nicht einfach war. Dieser Poe sei für irgendetwas berühmt gewesen, aber nun verschwunden. Und vor wenigen Tagen sei ein Mr. Baker bei Mr. Goodfellow gewesen, erfährt Leonie – das ist der Gesuchte.
Nach einem gemeinsamen Ausritt zum einsamen Baum und zur Kalkgrube legt sich Leonie schlafen, wohingegen Pennyfeather seine Uhr vermisst und sie suchen geht. Ein grausiger Laut schreckt Leonie auf: Ein verletztes Pferd steht vor dem Saloon. Sie geht hinaus und stellt entsetzt fest , dass dem armen Tier durch die Brust geschossen wurde. Es verendet auf der Stelle. Doch als die Zuschauer auch noch das blutverschmierte Sattelzeug bemerken, wird klar, dass hier nicht nur ein Pferd, sondern auch ein Mensch gestorben sein muss.
Pennyfeather stolpert verstaubt in den Saloon und berichtet, er habe einen Reiter mit zwei Köpfen auf der Heide gesehen, wo er seine Uhr suchte. Sofort richtet sich der Verdacht der Täterschaft gegen ihn. Er ist Shuttleworthy als Letzter begegnet, er will ihn beerben. Und als auch noch Goodfellow Pennyfeathers blutiges Klappmesser und eine leere Brieftasche präsentiert, ist der junge Mann schon so gut wie verurteilt. Ein Schnellgericht missachtet Leonies vernünftige Einwände.
Doch wie soll sie den ruckzuck zum Strang Verurteilten aus seinem Gefängnis unter der Kirche befreien und vor dem Tod bewahren? Er droht sogar, sich selbst zu töten, bevor sie ihn holen kommen. Da erinnert sich Leonie an Pennyfeathers Skizze des alten Baums. Und etwas stimmt daran nicht. Das heißt, seit kurzem nicht mehr. Sie fasst einen Plan, um den wahren Täter zu überführen.
_Mein Eindruck_
Der groteske und satirische Charakter der literarischen Vorlage kommt in dieser Verarbeitung kaum noch zum Ausdruck. Vielmehr legt die Dramaturgie Wert auf die horriblen und kriminaltechnischen Aspekte des Falls von Barnabas Shuttleworthys vorzeitigem Tod. Dass die Alte vom Saloon auch noch hellseherische Prophezeiungen über Leonie ausstößt, verleiht dem ganzen Vorgang eine mystische Aura. Man könnte die Handlung daher ohne weitere Probleme ins „finstere“ Mittelalter verlegen.
Was vielleicht angesichts der rabiaten Methoden der Rechtssprechung in Rattleborough recht passend wäre. In satirischer Absicht griff der Autor Poe hier die Lynchjustiz auf, die so heißt, weil sie von einem Mann namens Lynch in Lynchburg praktiziert wurde. Die „Gerichtsverhandlung“, die Leonie mit wachsender Konsternation verfolgt, ist eine grausige Farce. Dass Beweise und Vernunftgründe nichts gelten, sondern man vielmehr nach dem „Augenschein“ und anhand der Aussage gewisser Respektspersonen – nämlich Charley Goodfellow – urteilt, spricht dem Rechtswesen Hohn, scheint aber in gewissen hinterwäldlerischen Gemeinden Usus gewesen zu sein. (Poe war ein Zeitungsmann. Er wusste genau über die Vorgänge in den USA Bescheid und nahm sie oftmals auf die Schippe.) Es verwundert nicht, dass die Stimmung wenig später umschlägt. Poes Ton ist sarkastisch. Er zeigt auf, dass sich diese Art der „Justiz“ genauso verhängnisvoll gegen ihre „ehrenwerten Vertreter“ richten kann.
VORSICHT, SPOILER!
Nur vor diesem sonderbaren Hintergrund lässt sich erklären, dass Leonies Trick funktioniert. Wer die Story kennt, weiß zwar Bescheid, aber erst ganz am Schluss klärt uns die Ich-Erzählerin darüber auf, wie sie Mr. Goodfellow zu seinem Mordgeständnis gebracht hat. Die Szene an sich, als die Leiche Shuttleworthys sich aufrichtet, ist natürlich eines Poe würdig. Doch dass sich Goodfellow gleich durch seinen Schrecken zum Geständnis bereit findet, wirkt eher geeignet fürs Kindertheater. Wo bleiben die Vernunftgründe, die es einem Erwachsenen erlauben würden, der Szene Glauben zu schenken? Ich finde, die Dramaturgie hätte die Szene besser ausarbeiten müssen.
SPOILER ENDE
Die Antwort auf die Frage, ob Leonie den jungen Mr. Pennyfeather retten kann, werde ich nicht verraten. Bitte selbst hören! Und dann mit Leonie Goron weiter gen New York City reisen.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Miss Leonie Goron
Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. In Folge 12 hat er sich allerdings von ihr getrennt und sie schlägt sich alleine durch, mit sichtlichem Erfolg.
Mr. Pennyfeather
Der Schauspieler Mathias Koeberlin ist ja seit seinem Auftritt in „Das Jesus-Video“ kein Unbekannter mehr. Auch was Hörbücher angeht, tauchte sein Name schon mehrmals auf. Erstmals tritt er nun in der POE-Serie auf – und hinterlässt einen sehr guten Eindruck. Er spielt den schüchternen Jüngling mit einer zögerlichen, stockenden Stimme, die nur dann in eine flüssige Redeweise übergeht, wenn der Alkohol etwas nachhilft.
Andere Sprecher
Ich sollte noch Christian Rode als Goodfellow erwähnen. Häufig ist seine feste, tiefe Synchronsprecherstimme in Sherlock-Holmes-Hörspielen zu hören. Und auch Alexandra Lange soll nicht verschwiegen werden, die die Alte im Saloon spricht, sozusagen als Kassandra. Ihre heisere, etwas kurzatmige Sprechweise passt genau zu dieser ominösen Matrone.
_Musik und Geräusche_
Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet.
Da die Episode hauptsächlich auf dem Lande spielt, gehören zu den entsprechenden Geräuschen wiehernde und trappelnde Pferde, bellende Hunde, Kirchenglocken, Donnergrollen und eine Postkutsche. Kaum ist Leonie jedoch im Saloon, verstärkt ein Halleffekt ihre Stimme und Schritte. Diese relativ heimeligen Sounds werden jedoch von der Musik konterkariert.
Die Musik hat die Aufgabe, die emotionale Lage der Hauptfigur und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung zahlreichen Szenen, so etwa die im Saloon. Doch als Leonie das erste Mal einen Fuß in dieses Etablissement setzt, ist es menschenleer – dennoch ertönt ein Honkytonk-Piano, wie man es schon in tausend Western gesehen und gehört hat. Nur ist es diesmal völlig verstimmt. Es klingt schaurig tief und obendrein wird das Poe-Thema angestimmt. Die Musik unterläuft die ansonsten normalen Geräusche. Merke: Etwas ist faul im Dorfe Rattleborough …
Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Dazu gehören auch ein gesummter Choral und ein unheilvolles Requiem „Dies irae, dies illa“. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.
_Der Song_
Die Band „We Smugglers“ hat, wie erwähnt, den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert. Ihr Konzertplakat weist sie als vier recht schräg aussehende Herrschaften aus, die nichtsdestotrotz ihre Instrumente zu beherrschen scheinen. Was wir in der Länge von rund 3:30 Minuten zu hören bekommen, würde ich als balladesken Slow-Metal-Rock bezeichnen. Die Tonart ist recht ausgefallen: Cis-Dur.
Deutlich dominiert die E-Gitarre, die sich wie die von Jimmy Page anhört, als er sein berühmtes Stück „Kashmir“ für die MTV-Acoustic-Session neu arrangierte. Für mich klingt das gut und melodisch, aber kraftvoll. Der Klangteppich wird von einer deutlich zu vernehmenden Basslinie und unauffälligen Drums und Cymbals unterstützt. Der Gesang ließe sich noch verbessern, und die Lyrics könnte man auch mal abzudrucken beginnen.
_Unterm Strich_
Die wackere Leonie Goron betätigt sich hier als Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe, denn so etwas wie ein legitimes Justizwesen gibt es in dem Provinzkaff nicht, in dem sie Zwischenstation macht. Wie Poes anderer berühmter Detektiv Auguste Dupin sammelt sie Fakten und Hinweise – allerdings wirkungslos. Also muss sie zu einem faulen Zauber Zuflucht nehmen, der aber endlich die gewünschte Wirkung zeitigt. Die Bürger dieses Kaffs sind tatsächlich dem Aberglauben zugänglicher als der Vernunft. Die satirische Absicht dahinter ist unübersehbar.
In dieser solide umgesetzten Episode erleben wir auch das Seriendebüt von Mathias Koeberlin und hoffen, künftig noch viel mehr von ihm hören zu dürfen. Iris Berben wird bereits in den nächsten beiden Episoden auftreten, zunächst als „Signora“ in „Das Fass Amontillado“, später als Leonie Goron in „Das verräterische Herz“.
|Basierend auf: Thou art the man!, ca. 1845
67 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos auf http://www.poe-hoerspiele.de.|
Was für eine ungewöhnliche Einladung meines Vaters, der plötzlich in London auftauchte und mich in die Bar des Kensington Hilton bestellte! Ich konnte ja nicht ahnen, dass ein alter Gegner unserer Familie wieder aufgetaucht war: Akim Samarans Geschöpfe standen bereit, um meine Henkersmahlzeit aufzutischen! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer
359 gemacht, das erstmalig am 22. Mai 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war.
London 1907. Seit Jahrhunderten treiben die Vampire in den dunklen Gassen unbehelligt ihr Unwesen. Nun jedoch sehen sie sich einer ernstzunehmenden Gefahr gegenüber. Ein Unbekannter öffnet am Tag ihre Särge und setzt sie dem todbringenden Sonnenlicht aus. Nur einer kann den Blutsaugern noch helfen: der ehemalige Meisterspion James Asher … (Verlagsinfo)
Vom Verlag wird das Hörbuch empfohlen für Hörer ab 14 Jahren.
Die Autorin
Die Amerikanerin Barbara Hambly, geboren 1951, erzielte mit ihrer frühen Darwath-Trilogie – es gibt auch eine später geschriebene – den literarischen und kommerziellen Durchbruch im Fantasy-Genre. Inzwischen zählen die unter dem Titel „Gefährtin des Lichts“ zusammengefassten Romane zu den Klassikern der Fantasy-Literatur. Hambly wurde auch für ihre Vampirromane („Gefährten der Nacht“ und „Jagd der Vampire“) und zahlreichen Fantasy-Bücher bekannt, wie etwa den Wenshar- und den Sonnenwolf-Zyklus.
Die Sprecher/Die Inszenierung
Die Rollen und ihre Sprecher:
Prof. James Asher: Wolfgang Pampel (dt. Stimme von Harrison Ford, Larry Hagman)
Lydia Asher: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie)
Simon Ysidro: Nicola Devico Mamone (Gael García Bernal, Diego Luna)
Frau im Zug: Monica Bielenstein (Emma Thompson)
Bully Joe Davies: Markus Pfeiffer (Colin Farrell als ‚Alexander‘, Jeremy Piven, Adrien Brody)
Lady Anthea Ernchester: Astrid Bless (Pam Grier, Candice Bergen)
Lord Charles Ernchester: Peter Reinhardt (Jeff Daniels)
Lionel Grippen: Uli Krohm (David ‚Oirot‘ Suchet, Randy Quaid, Scott Glenn)
Chloé: Anja Stadlober (Paris Hilton, Jennifer Hudson)
Evelyn Westmoreland: Uwe Büschken (Matthew Broderick, Greg Kinnear, Hugh Grant)
Kutscher: Tobias Nath
Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand in den Planet Earth Studios statt und wurde bei Kazuya abgemischt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.
Handlung
London Ende des 19. Jahrhunderts. Seit der Zeit von Elisabeth I. haben die Vampire unentdeckt in der englischen Metropole gelebt. Doch jetzt werden sie, einer nach dem andern, von einem Unbekannten ermordet, indem ihre Särge im tödlichen Sonnenlicht geöffnet werden.
Da der Killer am Tage zu Werk geht, müssen sich die Vampire entgegen ihrer Tradition an einen Sterblichen um Hilfe wenden. Prof. James Asher, ehemaliger Meisterspion der englischen Krone und inzwischen als biederer Oxford-Tutor zur Ruhe gekommen, findet eines Tages seine Frau betäubt in seiner Wohnung vor. Obwohl er tatkräftig und bewaffnet ist (ein Messer steckt stets in seinem Stiefel), wird er blitzschnell entwaffnet. Unglaublich, wie schnell sich der Angreifer bewegen kann!
Der Mann, der Lydia ebenso wie die Köchin und das Dienstmädchen betäubt hat, stellt sich mit einem langen Namen vor, der in Kurzform Don Simon Ysidro lautet. Er lädt Asher kurzerhand nach London ein, um einen Auftrag auszuführen. Asher sei aufgrund seiner profunden Kenntnisse über den Balkan und dessen Volkslegenden ausgewählt worden. Obwohl ihm Ysidro beileibe nicht alles erzählt, muss Asher dennoch widerwillig akzeptieren, denn ansonsten muss Lydia für seinen Widerspruch büßen.
Die verkohlte Kurtisane
Zusammen fahren sie per Zug zum ersten Tatort. Auf der Fahrt hat Ysidro Asher ins Bild gesetzt. Vier Vampire sind bereits getötet worden. Nummer vier war Lotta Harshaw, die in einer Gruft auf dem Highgate Hill-Friedhof ruht. Oder vielmehr ruhte, denn nun ist sie völlig verkohlt. Einst sei sie eine attraktive Kurtisane der Gesellschaft gewesen, erzählt Ysidro, und deshalb war der Pflock durch ihr Herz und die Abtrennung ihres Kopfes eine höchst niederträchtige Methode, die Untote endgültig ins Jenseits zu befördern.
Während sie zu Lottas Londoner Wohnung fahren, berichtet Ysidro, dass ein französischer Vampir namens Calvert das erste solche Opfer war, dann kamen der Diener Danny King und der Schöngeist Edward Hammersmith an die Reihe. Vier Opfer in kurzer Zeit – für Asher ist klar, dass alle Vampire in großer Gefahr schweben. Aber wer steckt dahinter?
Eine Komplizin
Zurück in Oxford, fragt Asher seine Frau um ihre professionelle Meinung als Pathologin. Lottas Kopf wurde wohl mit einem Fleischermesser oder einem Skalpell abgetrennt. Deshalb kommt auch ein Arzt als Täter in Frage. Lydia besteht darauf, ihrem James zu helfen und ihn nach London zu begleiten. Sie beschließen eine Doppelstrategie: Während er mit Ysidro nach dem Killer sucht, forscht sie nach weiteren Vampiren. Das ist einfach, denn die Untoten müssen in Häusern wohnen, die seit über hundert Jahren nicht mehr den Besitzer gewechselt haben.
Ashers Konkurrent
Außerdem verkehrte Lotta in Lydias eigenem früheren Bekanntenkreis, bei den Westmorelands und Blaydons. Bertie Westmoreland starb vor wenigen Monaten, und Dennis Blaydon war als Verehrer James‘ direkter Konkurrent. Will er vielleicht zusammen mit den Vampiren James eins auswischen? Unwahrscheinlich, aber man darf keine Spur ungeprüft lassen. Sie wollen sich in gegenüberliegenden Pensionen in Londons Zentrum einquartieren. Über die Garderobe des British Museum können sie Nachrichten und Dokumente austauschen. Gut, wenn man einen ehemaligen Meisterspion zum Mann hat! Natürlich dürfen die Vampire nicht das Geringste von Lydias Ermittlung ahnen!
Französische Konkurrenz
In London merkt Asher, dass er beschattet wird, aber nicht von Ysidro, sondern von einem einfachen Kerl, der sich Bully Joe Davis nennt. Von ihm erfährt Asher von dem Meister der Vampire in London. Lionel Grippen hat die meisten Vampire als seine Zöglinge selbst gemacht, steht ihnen aber nun mit Misstrauen gegenüber, falls sie mal seine Macht begehren sollten. Doch Bully Joe wurde nicht durch Grippen zum Vampir, sondern durch den französischen Einwanderer Calvert, der Grippen seine Stellung streitig machen wollte. Was, wenn es sich bei den Morden um innere Machtkämpfe handelt? Das würde aber nicht die Methode mit dem tödlichen Sonnenlicht erklären.
Angriff aus dem Hinterhalt
Lydia ist ein Goldstück! Auf ihrer Liste alter Häuser tauchen der ermordete Edgar Hammersmith und das Haus von Lord und Lady Ernchester auf. Für sie arbeitete Danny King. Lady Ernchester, Lotta Harshaws engste Freundin, findet Ashers Besuch ganz schön kühn, denn schließlich könnte sie ihn jederzeit angreifen und bis auf den letzten Blutstropfen aussaugen. Ihr Mann pflichtet ihr bei und schaut Asher gierig an. Während sie Asher mit einer schönen Geschichte vom großen Brand Londons anno 1666, als alle Vampire verbrannten, ablenken, stürzt sich unvermutet Lionel Grippen auf den ahnungslosen Sterblichen!
Doch auch für diese Eventualität hat der Meisterspion Vorsorge getroffen …
Mein Eindruck
Anders als in der traditionellen, meist europäischen Vampirliteratur (Stoker, LeFanu usw.) geht es diesmal nicht primär um die faszinierende Subkultur der Vampire, sondern um die Untersuchung der Verbrechen an den Vampiren, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die kühle deduktive Kombinationsmethode James Ashers legt dies nahe.
Aber Asher ist verheiratet und braucht keinen Dr. John Watson, Doktor der Medizin, um ihm zur Seite zu stehen. Denn er kann sich auf die Hilfe seiner klugen und gebildeten Lydia verlassen, einer der ersten Pathologinnen überhaupt. Dass Lydia eine Pathologin ist, war in der damaligen Zeit ein revolutionärer Einbruch in die rein männlich dominierte Domäne der Medizin.
Lydia ist es auch, die die wissenschaftliche Theorie aufbringt, dass es sich beim Vampirismus um die Wirkung eines Virus handelt. Viren waren erst ein Jahr zuvor, anno 1906, entdeckt worden. Was, wenn jemand versuchen würde, mit Hilfe von Viren bestimmte Vampirmerkmale zu übertragen oder gar zu verändern? Dann könnte vielleicht sogar Sonnenlichtverträglichkeit erzeugt werden!
Bis zum Beweis dieser Theorie gelangt die Geschichte im ersten Teil noch nicht. Wenn es auch manchem vorkommen mag, als ob recht wenig passieren würde, so kommt es doch zu unerwarteten Übergriffen der Vampire auf den Sonderermittler Asher, so etwa von Seiten Lionel Grippens, dem Meistervampir. Immerhin war Grippen mal ein Arzt und hat demzufolge Ahnung von Viren, was ihn in Ashers Augen doppelt verdächtig macht.
Spannend ist auch das Verhältnis zwischen Asher und Ysidro. Wie weit kann er dem alten Vampir trauen? Sie müssen einander vertrauen, um weiterzukommen, doch Asher muss erkennen, dass Ysidro ihn angelogen hat: Der Mörder ist einer aus Ysidros eigener Sippe.
Als sie in Calverts Wohnung eindringen, stoßen Asher und Ysidro bei diesem ersten Opfer der Serie auf eine Spur, die nach Frankreich führt, nach Paris, in eine ganz bestimmte Kirche. Dorthin wird sie nun ihr Weg führen.
Die Inszenierung
Die Sprecher
Die Sprecher könnten direkt aus einem viktorianischen Stück stammen, so stilecht werden sie präsentiert und so gepflegt wissen sich die meisten auszudrücken. Besonders Wolfgang Pampels Asher tritt souverän auf und hat stets eine schlagfertige, unerschrockene Erwiderung auf den Lippen. Diese Vampire jagen ihm keine Angst ein, und wenn sie noch so seltsame Fähigkeiten haben, beispielsweise telepathische Hypnose, mit der sie ihre Opfer unter ihren Willen zwingen. Pampel vermittelt mit Harrison Fords deutscher Stimme das nötige Maß an Autorität und Tatkraft – eine exzellente Sprecherwahl (Pampel las auch die Hörbücher zu „Illuminati“ und „Sakrileg“).
Don Simon Ysidro, spanischer Edelmann von annähernd 400 Jährchen, flößte mir ein leises Grauen ein, denn sein zischelnder spanischer Akzent gemahnte mich an eine Schlange, die jederzeit zustoßen könnte. Nicola Devico Mamone, die deutsche Stimme des Spaniers Gael García Bernal, ist für diese Figur eine sehr passende Wahl. Unheimlich ist seine Fähigkeit, niemals die Contenance zu verlieren und stets cool zu bleiben.
Ein weiteres Highlight, obwohl seltener gehört, ist Claudia Urbschat-Mingues, die deutsche Stimme von Angelina Jolie. Ihre Lydia Asher vermittelt Tatkraft, Intelligenz, aber auch Weiblichkeit und Emotionalität. Die restlichen Figuren sind alle nebensächlich, doch die Sprecher verleihen ihnen durch ihren Einsatz nichtsdestoweniger große Glaubwürdigkeit. Dazu gehört etwa der junge Vampir Bully Joe Davis. Dass er einen Akzent aus dem Stadtteil Holborn haben soll, hört man ihm allerdings nicht an.
Musik
Jede Auseinandersetzung mit einem der Vampire wird fein säuberlich durch musikalische Motive vorbereitet, denn schließlich handelt es sich dabei um die wichtigsten Höhepunkte der Handlung. Immer wieder ist vorher dramatische Musik von den Streichern zu hören, die sich manchmal bis zu einem Crescendo steigert.
Zwischen und nach diesen dramatischen Auseinandersetzungen darf sich der Hörer ab und zu entspannen, meist bei einem romantischen Piano-Motiv oder einer Harfe. Einmal wird sogar elegante Tanzmusik der Belle Epoque angestimmt – Lydia ist auf einem Ball der oberen Zehntausend und quetscht Evelyn Westmoreland nach der Todesursache seines Bruders Bertie aus, der Lotta Harshaws Geliebter war.
Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit klassischem Instrumentarium produziert – keine Synthesizer für klassische Stoffe! Die Musik steuert nicht nur die Emotionen des Publikums auf subtile Weise, sondern bestreitet auch die Pausen zwischen den einzelnen Akten. Dann stimmt sie das Publikum auf die „Tonart“ des nächsten Aktes ein.
Geräusche
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut, meist aber reichen Andeutungen aus. Zugpfeifen deuten so einen Bahnhof an, knarrende Türen einen Durchgang und das Rumpeln einer Droschke eine entsprechende Fahrt von A nach B.
Sounds
Doch manchmal reichen Musik und Geräusche nicht aus. In der aktuellen Frühjahrs-Staffel der drei Gruselkabinett-Hörspiele „Die obere Koje“, „Die Jagd der Vampire“ und „Das Schloss des weißen Lindwurms“ spielen Sounds erstmals eine auffallend bedeutende Rolle, um die Atmosphäre einer Szene zu verstärken. Musik allein reicht einfach nicht mehr, um den Horror zu evozieren und zu veranschaulichen.
Nun ist die Beschreibung von Sounds stets auf Analogien angewiesen, und auch ich muss mich damit behelfen. Das erste Mal, dass Sounds eingesetzt werden, ist die Friedhofszene auf Highgate Hill. Begleitet von Hintergrundmusik ertönen unheimliche Sounds, die nicht von den üblichen Instrumenten erzeugen werden, fast schon die Klagelaute der Toten und das Heulen des Windes.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
Das Booklet
… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Die Titelillustration von Firuz Akin fand ich wieder einmal sehr passend und suggestiv.
Diesmal sind wieder in einem zusätzlichen Katalog Hinweise auf die nächsten Hörspiele zu finden:
Nr. 32 + 33: Barbara Hambly: Die Jagd der Vampire (2 CDs, März 2009)
Nr. 34: F. M. Crawford: Die obere Koje (April 2009)
Nr. 35: Bram Stoker: Das Schloss des weißen Lindwurms (April 2009)
Nr. 36+37: Oscar Wilde: Das Bildnis des Dorian Gray (erscheint im Oktober 2009)
Nr. 38: Hanns Heinz Ewers: Die Spinne (erscheint im November 2009)
Nr. 39: H. P. Lovecraft: Der Tempel (erscheint im November 2009)
_Unterm Strich_
Hamblys Buch wurde mit dem Leserpreis des |LOCUS|-Magazins als bester Horrorroman des Jahres ausgezeichnet. Mir schien dies bereits in der Buchform (es erschien bei |Bastei Lübbe|) einer der unterhaltsamsten und sehr flüssig verfassten Romane zum Thema Vampirismus zu sein. In der Zwischenzeit sind rund 20 Jahre vergangen, und die Flut der Vampirromane ist kaum noch zu überblicken. Die Untoten sind überall, wo „Gothic“ draufsteht.
Im Vordergrund steht bei Hambly nicht die Darstellung der sattsam bekannten Traditionen und Historie der Vampire, sondern die Untersuchung der Verbrechen, die Ermittlung des Täters. Es handelt sich also um einen klassischen Detektivroman. Es liegt der Verdacht nahe, dass Sherlock Holmes das Vorbild für James Asher geliefert haben dürfte. Auch die nostalgisch verklärt wirkende Zeit- und Ortswahl dürfte den Leser nicht aus ihrem Bann lassen.
Der Mystery-Actionkrimi lebt vom Kontrast zwischen der Kultur der Lebenden und jener der Untoten. Ganz nebenbei wird sehr schön über die Existenzbedingungen der jeweiligen Art philosophiert. Die Autorin führt einige neue Elemente ein, wie etwa die Rolle von Medizin und Wissenschaft, die zu einer Sonnenlichtverträglichkeit der Untoten führen könnte. Hier spielt die Ideenwelt von Mary Shelleys Roman „Frankenstein oder Der neue Prometheus“ hinein. Auch das Verhältnis von Meister und Zögling wird intensiv ausgeleuchtet – es ist eine besondere Art seelischer Vereinigung und nachfolgender Abstoßung.
|Das Hörbuch|
Das Team von |Titania Medien| hat sich mal wieder ins Zeug gelegt, um ein stimmungsvolles Hörspiel zu inszenieren, das zugleich schaurig-schön und actionreich wie ein Mystery-Krimi ist. Mit Wolfgang Pampel als James Asher, dem Sprecher des Simon Ysidro und Claudia Urschat-Mingues ist eine hervorragende Besetzung gelungen. Die Nebenfiguren stimmen ebenfalls und überzeugen durch Kompetenz.
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Augen- bzw. Ohrenmerk sollte man auf die verstärkt eingesetzten Sounds richten. Ich hätte mir noch ein wenig mehr Action gewünscht, doch diese kommt dann verstärkt im zweiten Teil zum Zug.
_Turbulente neue Welt Catan: actionreiche Abenteuer_
Die christlichen Völker schreiben etwa das Jahr 850: Die Bewohner von Elasund, einem Küstendorf im hohen Norden, leben vom Fischfang und dem, was sie ihren kargen Feldern in drei kurzen Sommermonaten abzuringen vermögen. Doch als die feindlichen Turonländer das Dorf überfallen, das Vieh stehlen und die Frauen rauben, erkennen die Ziehbrüder Candamir und Osmund, dass ihre Tage in der alten Heimat gezählt sind. Auch Osmunds Onkel Olaf, ein weit gereister Kauffahrer, plädiert dafür, im westlichen Meer ein neues Land zu suchen.
Nach einem bitteren Hungerwinter bricht die ganze Dorfgemeinschaft mit neun Schiffen zu einer beschwerlichen Seereise auf. Nach drei Wochen schließlich verschlägt ein Sturm die Auswanderer an die Nordwestküste jener Insel, die sie bislang nur aus der Sage kannten: Catan. Odin, erzählt die Legende, habe dieses Land einst erschaffen, um eine schöne Albentochter zu entzücken, und deshalb habe er es vollkommen gemacht. Voller Hoffnung erkunden die Siedler die große Insel, roden Wälder und bestellen den fruchtbaren Boden. Alle Not könnte ein Ende haben, hätten sie nicht ihre Vergangenheit und ihre Zwistigkeiten aus der alten Heimat mitgebracht … (Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Rebecca Gablé, 1964 in einer Kleinstadt am Niederrhein geboren, absolvierte nach dem Abitur eine Lehre als Bankkauffrau. Diesen Beruf übte sie einige Zeit auf einem Stützpunkt der Royal Air Force aus, wo sich ihr Interesse für England vertiefte. 1990 schrieb sie ihren ersten Roman und begann danach ein Literaturstudium in Düsseldorf, wobei sie sich zunehmend auf die Mediävistik – die Lehre vom Mittelalter – konzentrierte. Seit 1996 ist sie freie Schriftstellerin und Literaturübersetzerin.
1995 erschien ihr Krimi „Jagdfieber“, der dann auch für den „Glauser“-Krimipreis nominiert wurde. Sie trat der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur – dem Syndikat – bei, dessen Sprecherin sie derzeit ist und gehört dem Verband deutscher Schriftsteller an.
Sie lebt mit ihrem Mann unweit von Mönchengladbach auf dem Land und reist oft und gerne in die USA und nach Großbritannien. Neben dem Lesen ist Musik ihre bevorzugte Freizeitbeschäftigung. Sie spielt selbst Klavier und singt manchmal in einer Rockband. (zitiert nach: |buchkritik.at|)
Nach den Bestsellern „Das Lächeln der Fortuna“, „Das zweite Königreich“ und „Der König der purpurnen Stadt“ ist „Die Siedler von Catan“ ihr vierter historischer Roman. Der Hintergrund ist an das gleichnamige Spiel angelehnt. Im Herbst 2005 erscheint ihr fünftes Historienepos „Die Hüter der Rose“.
_Der Sprecher_
Martin May, 1961 in Coburg geboren, wurde bereits mit 18 Jahren von Rudolf Noelte als Schauspieler entdeckt. Es folgten über hundert weitere Rollen bei Film, Fernsehen und Theater, unter anderem in Wolfgang Petersens Welterfolg „Das Boot“. May lebt mit seiner Familie bei Hamburg.
_Handlung_
Die Story kommt sofort mit einer Actionszene in die Gänge: Die Turonländer überfallen das Dorf Elasung, in dem die zwei Hauptfiguren des Buches leben: Candamir Oleson und sein Freund Osmund. Sie können weder verhindern, dass es viele Tote und Verletzte gibt, noch dass die große Scheune abbrennt. Lediglich Candamirs Bruder Hakon lässt sich retten. Später taucht Candamirs Schwester Asta mit einem ungeborenen Kind auf, verstoßen vom Stamm ihres Mannes. Es wird ein verdammt harter Hungerwinter.
In den langen Nächten erinnern sie sich mancher Geschichten versprengter Seefahrer, die ein Sturm bis in den Äußersten Westen verschlagen hatte, wo sie dann auf unbekanntes, leeres Land gestoßen waren. Im Frühjahr bauen sie Schiffe, um dorthin zu gelangen. Bevor es losgeht, muss die alte Schamanin Brigitta das Runenritual ausführen, um günstige Vorzeichen zu finden. Zum Glück hat Candamir Brigittas Sohn nicht im Zweikampf getötet – sonst würden die Vorzeichen wohl ungünstig ausfallen.
Bei einem Zwischenstopp in König Knuts Land verrät dessen Frau Siglind Candamir, dass Knuts Leute Candamirs Gefährten an Land betäubt hätten, um die Schiffe zu rauben. Siglind, die einst von Knut geraubt worden war, will mit Candamir in die Freiheit segeln. Mit knapper Not gelingt die Flucht vor den Verfolgern. Auf dem Schiff unterrichtet Candamirs britischer Sklave Austin Hakon und Siglind. Wie Austin glaubt auch Siglind an den dreifaltigen Gott der Christen.
Die Fahrt führt über Norwegen, Schottland, Irland und die Bretagne auf den Atlantik hinaus, wo mehrere Stürme die kleine Flotte versprengen. Acht Tage bläst sie der Sturm nach Westen und fordert 14 Tote, danach kehrt er zurück. Candamirs Schiff läuft auf ein Riff auf und sinkt. Immerhin kann sich die Besatzung an Land retten: Catan – Odins Paradies, wie die alte Brigitta erklärt.
Und so entstand Catan einst: Göttervater Odin warb um eine schöne Frau namens Tanuri, doch sie forderte von ihm ein vollkommenes Land, in dem sie leben könne. Er schuf Tanuris Insel, doch die Umworbene fand immer weitere Mängel, weil es das perfekte Land nicht geben kann. Also entrückte Odin diese Insel der besiedelten Welt.
Ist Catan also das Paradies? Wohl doch nicht. Kommende Konflikte künden sich an. Candamirs Sklavin bekommt ein Kind von ihm und will geheiratet werden. Er will aber lieber die schöne Siglind zur Frau nehmen, was dann auch nach langem Hin und Her klappt. Da sie Christin ist und nicht dem Stamm angehört, muss Candamir nicht nur seine Glaubensüberzeugung ändern.
Außerdem landen die Mannen um Olaf und seinen Sohn Jared in Catan. Sie beharren auf der Verehrung der alten Götter und der Befolgung der überkommenen Sitten und Bräuche – wozu auch der sexuelle Missbrauch von Sklaven gehört. Candamir, Hakon und Siglind haben sehr unter Olaf & Co. zu leiden. Tatsächlich spaltet sich der Stamm in zwei Kulturen auf, von denen das Jared-Volk in Höhlen unter der Wüste lebt.
Wer Sieger bleibt, ist über Jahre hinweg offen, doch „es kann nur einen geben“, wie es so schön heißt. Und so ist für eine Menge Action, Liebe und Leidenschaft gesorgt.
_Mein Eindruck_
|Catan, das Gelobte Land|
Das klingt nach einem Abenteuergarn alter Schule, doch tatsächlich gibt es in all dem turbulenten Geschehen auch einen ernstzunehmenden Faden: Es geht um die Errichtung eines reformierten Gemeinwesens, das sich von überkommenen Werten und Sitten abkehrt. Das erinnert doch stark an die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika im 17. und 18. Jahrhundert.
|Die Revolution von Catan|
Der Unterschied ist jedoch, dass diese „Revolution von Catan“ bereits im 10. oder 11. Jahrhundert stattgefunden haben muss, als die Wikinger zahlreiche Kolonien gründeten – in der Normandie, auf Sizilien, in Russland. Der Konflikt zwischen nordischem Götterglauben und neuem christlichem Glauben war vorbestimmt und wird denn auch in Catan bis aufs Blut ausgetragen.
|Ein cooler neuer Gott?|
Es ist nun nicht so, dass die Hauptfigur Candamir über Nacht sagt: „Hey, Sklave, das ist ein cooler Gott, von dem du faselst – den übernehme ich.“ Vielmehr ist es für ihn ein langer Prozess von Versuch und Irrtum, bis er von alten Sitten und Bräuchen lässt. Er beginnt, die Werte von Austin und Siglind, den beiden Christen, zu akzeptieren. Auch Hakon, sein Bruder, ist als Austins Schüler beeinflusst. Die Kluft macht sich im täglichen Leben, wie etwa der Sklavenhaltung, bemerkbar. Auch gegen die Schamanin gilt es sich durchzusetzen. Und mit Olafs Sippe bricht offener Krieg aus. Selbst ein Exodus garantiert nicht, dass die christlich gesinnte Sippe überlebt, denn Olafs Arm reicht weit.
|Mittelalter, eine Zeit des Umbruchs|
Rebecca Gablé versteht sich als Dozentin für mittelalterliche englische Literatur auf die authentische Darstellung mittelalterlicher Denk- und Lebensweisen. Anders als man lange Zeit dachte, war das Mittelalter eine tumultreiche Epoche, in der das europäische Erbe des christlichen Königs Karls des Großen von schweren Erschütterungen wie dem Mongolensturm (ca. 1250) und dem Konflikt zwischen Kaiser und Papst während der Kreuzzüge gekennzeichnet war, während England den Wikingern bzw. Normannen (= Nordmänner) in die Hände fiel. Feudalstaaten wie Frankreich und Großbritannien bildeten sich heraus, bis die Pest im Jahr 1348 fast die Hälfte der europäischen Bevölkerung dahinraffte. Der Fortschritt verlagerte sich in die italienischen Stadtstaaten, die vom Exodus der Byzantiner nach dem Fall Konstantinopels 1453 profitierten: Die Renaissance begann.
|Jugendfrei?|
Genau wie die Sitten jener Zeit ganz schön rauh waren, so spielt sich auch das Leben in „Die Siedler von Catan“ nicht immer friedlich ab. Öffentliche Züchtigungen, Zweikämpfe, Überfälle und Vergewaltigungen scheinen selbst im gelobten Land an der Tagesordnung zu sein. Nicht, dass gegen Realismus in sexuellen Dingen etwas einzuwenden wäre, doch muss sich die nicht jugendfreie Darstellung auch auf die Vergewaltigung männlicher Sklaven erstrecken? Eltern seien entsprechend gewarnt.
|Der Sprecher|
Martin May ist offensichtlicher Routinier in Sachen Sprechen und Vortrag. Seine Lesung, die kaum einmal mit Musik oder Sound unterlegt ist, überzeugt durch eine deutliche Aussprache, hervorhebende Pausen und eine sympathische Satzmelodie. Es gibt Sprecher, die ihren Text einfach herunternudeln, ohne auf Betonung und Pausen zu achten. May gehört zum Glück nicht dazu. Die 440 Minuten (über 7 Stunden) sind solcherart durchaus zu ertragen, und mit Spannung legt man die nächste CD ein.
_Unterm Strich_
„Die Siedler von Catan“ ist die literarische Form des bekannten Spiels. Die Autorin Rebecca Gablé hat sich einen möglichen Handlungsverlauf herausgepickt und weitergesponnen. Wie schon der Beginn der Saga, ist auch der weitere Verlauf in Catan von turbulenten Konflikten gekennzeichnet. Nicht Friede, Freude und Eierkuchen herrschen hier, sondern der Zwist zwischen zwei gegensätzlichen Göttern – dem christlichen und dem nordischen – sowie ihren jeweiligen Anhängern. So war das ja schon bei den amerikanischen Pilgervätern, die vor religiöser Verfolgung in England flohen.
Gablés Buch ist besonders in der gekürzten Hörbuch-Fassung geprägt von Liebe, Leidenschaft und Kampf, aber auch die unterschiedlichen Denk- und Verhaltensweisen kommen deutlich zur Geltung. Realistische Darstellung von Sex und Gewalt jedoch veranlasst mich, Eltern entsprechend zu warnen: Diesen harten Stoff sollte man nicht unbedingt Kindern antun, sondern warten, bis diese etwa 15 oder 16 sind.
|440 Minuten auf 6 CDs
[Besprechung 258 der Buchfassung|
Die Leiche eines bekannten Politikers wird auf dem Strich von Vigata gefunden – ein Skandal erster Güte droht loszubrechen. Commissario Montalbano wundert sich. Dieser Fall verhält sich wie Wasser: Es hat immer die Form, die man ihm gibt. – Dieser Krimi war der erste, mit dem das Werk Andrea Camilleris dem deutschen Publikum vorgestellt wurde – mit größtem Erfolg, wie sich herausgestellt hat.
_Der Autor_
Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur.
Die Hauptfigur in vielen seiner Romane, Commissario Salvo Montalbano, gilt inzwischen als Inbegriff für sizialianische Lebensart, einfallsreiche Aufklärungsmethoden und südländischen Charme und Humor.
Allerdings ist der Commissario nicht der Liebling aller Frauen: Zu oft hindert ihn sein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein daran, dringende Termine mit seiner jeweiligen Freundin wahrzunehmen.
_Das Hörspiel_
Das 110 Minuten lange Hörspiel wurde beim Südwestdeutschen Rundfunk SWR produziert. Es treten acht Hauptsprecher auf sowie der Erzähler. Daneben hören wir noch 16 weitere Sprecher in Nebenrollen. Die Musik stammt von Henrik Albrecht, die Bearbeitung wie immer von Daniel Grünberg. Regie führte Leonhard Koppelmann – wie bei allen anderen Camilleri-Hörspielen:
– Die Stimme der Violine
– Das Spiel des Patriarchen
– Der Hund aus Terrakotta
– Der Dieb der süßen Dinge
_Handlung_
Der angesehene Ingenieur und Politiker Silvio Luparello wird eines frühen Morgens von zwei Straßenfegern an einem anrüchigen Strand tot in seinem Auto aufgefunden. An diesem Strand pflegen sich die Huren mit ihren Freiern zum Stelldichein zu treffen. Hatte der honorige Ingenieur so etwas nötig? Falls ja, wäre das ein Skandal ersten Grades und besonders schädlich für das Ansehen seiner konservativen Partei. Die Polizei entscheidet diplomatisch, dass der Tote einem Herzinfarkt zum Opfer fiel – wir wollen doch keinen Skandal in Vigata, oder?
Commissario Salvo Montalbano jedoch kommt die ganze Sache nicht koscher vor. Da scheint doch mehr dahinter zu stecken. Schon am nächsten Tag nämlich wird dringend ein wertvolles Collier gesucht, das an der Unfallstelle vermisst wird. Einer der Müllmänner hat das Collier gefunden und heimlich eingesteckt. Merkwürdig ist nun, dass ausgerechnet Ingenieur Luparellos schärfster politischer Gegner, der Anwalt Rizzo, danach suchen lässt…
Schon bald ereignen sich bei Montalbanos Ermittlungen unverhoffte Enthüllungen, die schaurige Einblicke in die Abgründe der lokalen Gesellschaft gestatten. Und die Lösung des Falles stellt sich je nach Blickwinkel anders dar: genau wie die Form des Wassers sich mit dem jeweiligen Gefäß ändert.
_Mein Eindruck_
Der sehr kurzweilig zu lesende Krimi macht den Leser auf unterhaltsame Weise mit dem sizilianischen Alltag bekannt, wie er sich der Polizei darstellt: Mafiabandenkriege, Morde, Intrigen und Korruption, durchgedrehte Rentner, unschuldige Attentatsopfer und vieles mehr. Ein menschliches Panorama, beobachtet mit dem scharfen Blick der Erfahrung und des Mitfühlens.
Dabei kommt jedoch die Spannung keineswegs zu kurz. Baustein für Baustein setzt der attraktive und intelligente Commissario die Kette der Zusammenhänge zusammen, die den Eindruck vermitteln sollen, das Opfer sei von alleine gestorben. Dumm nur, dass es schon lange tot gewesen war, bevor es den „Tatort“ erreicht hatte. Und welche Rolle eine gewisse hochgewachsene Schwedin namens Ingrid spielen sollte, wird ihm auch bald klar. Die ganze Sache ist höchst politisch, doch Montalbano beweist Fingerspitzengefühl.
_Das Hörspiel_
Die Sprecher sind wieder die gleichen wie bei allen Camilleri-Hörspielen und von professioneller Qualität. Hier gibt’s nichts auszusetzen, genausowenig an dem Einsatz von Geräuschen usw. Lediglich die Hintergrundmusik besteht aus dem nervenden Jazz-Gedudel Henrik Albrechts, das in den jüngeren Camilleri-Produktionen zum Glück ersetzt wurde.
Was an der Bearbeitung auffällt, sind erstens die zahlreichen witzigen Pointen und zweitens die drastischen Äußerungen, zu denen sich der Commissario hinreißen lässt und die weit unter die Gürtellinie zielen. Das dürfte zu einige hochgezogenen Augenbrauen bei den Zuhörerinnen führen.
_Unterm Strich_
„Die Form des Wassers“ verlangt zwar große Aufmerksamkeit beim Zuhören, doch der Zuhörer wird mit vielen witzigen Situationen belohnt. Besonders auf den Gerichtsmediziner hat es Salvo Montalbano abgesehen, weil der sofort alles ausplaudert, selbst wenn er hoch und heilig Stillschweigen geschworen hat. Dies nützt Salvo listig aus, um den politischen Gegner aufs Kreuz zu legen. (Polizeiarbeit ist in Sizilien immer politisch.)
Und einen Dauer-Gag bilden Assistent Gallos miserable Fahrkünste sowie die Tatsache, dass Gallo nie lernt, dass in Italien das Reifenaufschlitzen ein Volkssport ist. Außerdem ist Inspektorin Anna Ferrara hinter Salvo her. Leider versteht sie die Anwesenheit von Ingrid der Schwedin in Salvos Schlafzimmer miss…
Abgesehen davon ist „Die Form des Wassers“ eine ordentlich spannende Episode im Leben des Commissario Montalbano.
London Ende des 19. Jahrhunderts: Der Amerikaner Theodore Racksole ist einer der Reichsten – und ein Freund schneller Entschlüsse. Weil ihm das Benehmen eines Oberkellners missfällt, kauft er während seines London-Urlaubs gleich das ganze Hotel. Als Racksole allerdings den Küchenchef beim Einbalsamieren einer Leiche überrascht, beginnen er und seine Tochter Nella zu ahnen, dass seine neuen Angestellten einiges auf dem Kerbholz haben. Ein turbulentes Verwirrspiel um einen geheimnisvollen Mord beginnt.
_Der Autor_
Enoch Arnold Bennett wurde 1867 in Hanley in der Grafschaft Staffordshire geboren. Er brachte es zwar nicht zum Advokaten, aber zum Herausgeber des „Woman“-Magazins (ab 1893), bis ihm endlich die Honorare für seine über 50 Werke – Romane, Erzählungen, Dramen, Essays und Autobiografisches – das Leben eines freien Schriftstellers ermöglichten. Er starb 1931 an Typhus. Zu seinen Freunden zählten die Schriftsteller Joseph Conrad, H. G. Wells, John Galsworthy und Arthur Conan Doyle. Er ist in Großbritannien immer noch recht bekannt, hierzulande aber längst vergessen.
„Hotel Grand Babylon“ erschien in Fortsetzungen in der Zeitschrift „Golden Penny“, bevor der Roman im Jahr 1902 als Buch veröffentlicht wurde. Als wäre es eine Fingerübung, hat Bennett das gleiche Thema 1930 noch einmal aufgegriffen und zu einem riesigen Roman mit dem Titel „Hotel Imperial“ ausgebaut. Laut Armin Eidner hat das so geehrte Hotel Savoy seitdem ein „Omelette Arnold Bennett“ auf seiner Speisekarte.
_Die Sprecherin_
Katharina Thalbach, geboren 1954 in Berlin, wuchs auf der Bühne auf. Schon mit vier Jahren spielte sie Kinderrollen, im Fernsehen und im Film. Nach dem Tod ihrer Mutter, der Schauspielerin Sabine Thalbach, nahm Brecht-Erbin Helene Weigel sie in ihre Obhut und bot ihr einen Meisterschülervertrag an. Mit 15 debütierte sie in Brechts „Dreigroschenoper“ und wurde als Entdeckung gefeiert. Sie spielte am Berliner Ensemble und ab 1971 an der Volksbühne Berlin (Ost). Nach großen Erfolgen in der DDR wurde sie auch in der Bundesrepublik bekannt, als sie in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Grass‘ „Die Blechtrommel“ auftrat.
_Handlung_
Das titelgebende Hotel Grand Babylon ist ein perfekt geführtes Londoner Etablissement, in dem sich die gekrönten Häupter Europas die Klinke in die Hand geben. Geleitet wird es von einem Schweizer namens Felix Babylon. Zumindest so lange, bis sich eines Tages ein neureicher Amerikaner hierher verirrt: Theodore Racksole.
Der Tag seines Besuches ist unseligerweise auch der Geburtstag seiner Tochter Nella (kurz für Helen). Und als der schnöselige Oberkellner Jules seinen stinkreichen Gast auf freundlichste Weise brüskiert, platzt dem Ami quasi die Hutschnur. Ein kurzes Gespräch unter Bossen genügt, und Racksole hat das Hotel mit allem Drum und Dran gekauft – schlappe 400.000 Pfund genügen. Der Oberkellner kündigt von sich aus. Racksole und Nella bekommen ihre Steaks mit Bier.
Noch am gleichen Abend kommt Racksole merkwürdigen Vorgängen in seinem Hotel auf die Spur. Beim Essen hat Nella ihm einen Herrn Reginald Dimmock vorgestellt, seines Zeichens Kammerdiener eines deutschen Prinzen namens Aribert von Posen. Eigentlich sollte in Zimmer 111 Nella logieren, doch als er Einlass verlangt, öffnet eben jener Dimmock. Und was hatte der Kerl mit dem zwielichtigen Jules zu bereden? Der vorgehaltene Revolver Racksoles verlangt Auskunft: Nella war so nett, das Zimmer mit Dimmock zu tauschen, denn ein Stein hatte das Fenster zertrümmert – verständlich, oder? Jules wird gefeuert.
Prinz Aribert von Posen trifft ein und vermisst seinen Kammerdiener, der alles für ihn und seinen Regenten vorbereiten sollte. Ach, da ist Reginald ja schon! Nur, dass er mausetot ist, als man ihn findet. Die Polizei stellt Racksole unangenehme Fragen, kann aber noch wesentlich unangenehmer werden, als wenig später Dimmocks Leiche verschwunden ist. Keiner kann sich das Wie erklären.
Unterdessen lässt die aufgeweckte Nella ihren weiblichen Charme spielen und bringt den Prinzen zum Reden, der ihr alsbald sein Leid klagt (obwohl sie nur eine Amerikanerin ist). Sein Regent, der in wenigen Tagen heiraten soll, ist zwischen Brüssel und dem Kanalhafen Oostende spurlos verschwunden, möglicherweise entführt. Ob wohl Jules dahintersteckt?
Wie Racksole von einem Börsenmakler erfährt, wollte der Fürst in London eine Million Pfund leihen, um heiraten zu können. Da er den Zahlungstermin nicht einhalten kann, darf er auf Geheiß des deutschen Kaisers auch nicht heiraten. Wodurch wiederum die Auserkorene für den Heiratsantrag eines Anderen frei wird.
Nella und ihrem Vater wird klar, dass hier eine fein gesponnene Verschwörung am Werke ist. Doch was könnte sie dagegen tun? Nella hat schon eine Idee und reist nach Oostende ab, ohne ihre Vater um Erlaubnis zu fragen. Ein Abenteuer beginnt, das bis zum Schluss noch recht turbulent wird.
_Mein Eindruck_
Armin Eidherr bringt den Gehalt dieses Comedy-Thrillers und ausgewachsenen Kriminalromans auf den Punkt, wenn er im Booklet schreibt, dass im Hotel Grand Babylon – hinter dem sich das Londoner Savoy Hotel verbirgt – alte und neue Welt, überlebte Tradition und Moderne des 20. Jahrhunderts aufeinandertreffen. Die zwei schrulligen Amerikaner Racksole und Nella mischen die eingefahrenen europäischen Verhältnisse im Hotel auf. Diese Verhältnisse entpuppen sich schon recht bald als korrupt und doppelbödig, mit dem so genannten „Jules“, einem waschechten Briten, als Drahtzieher politischer Machenschaften.
Dass der Euro-Adel nicht nur moralisch, sondern auch wirtschaftlich am Ende ist, belegen die Ereignisse um Fürst Eugen von Posen, einem mit 50 Millionen Pfund verschuldeten Ministaat, der mit dem echten Posen nichts zu tun hat. Der Fürst muss zwecks Entschuldung einen Börsenmakler und inoffiziellen Pfandleiher bitten, ihm aus der Patsche zu helfen – wahrscheinlich zu horrenden Zinsen. Dass Eugens Widersacher in Sachen Heiratspolitik dies zu verhindern wissen, gehört zum üblichen Ränkespiel, mit dem sich die Alte Welt zugrunde richtet.
Aber auch die Amerikaner haben nicht viel Besseres vorzuweisen. Racksole, dem „drittreichsten Mann Amerikas“ (und damit der Welt), mangelt es an kultivierter Lebensart, die durch seine Millionen keineswegs wettgemacht wird. Er löst seine Probleme vorzugsweise mit dem Revolver, egal ob auf den Korridoren und in den Kellern des Hotels oder auf den Wellen der Themse. Für solche Probleme hat man in Europa die Polizei und die Diplomatie erfunden.
Nella ist eine interessante Figur, denn sie ist die Verkörperung der modernen Frau, die sich nicht mehr hinter einem Mann versteckt, sondern die Dinge selbst in die Hand nimmt. Das viktorianische Ideal der heimgebundenen Gebärmaschine ist ihr schnuppe, doch den Zeitgenossen Bennetts dürfte ein Stein vom Herzen gefallen sein, als auch Nella unter die Haube kommt und ihrem adeligen Männe ewige Treue schwört.
Hierin liegt auch der Grund, warum das letzte Viertel des Romans mir so sauer aufgestoßen ist, nachdem ich mich bei der Krimihandlung so gut amüsiert hatte. Um jeden Preis versuchen die beiden Amis die Angelegenheiten des ach so armen Fürsten Eugen und seines Onkels Aribert ins Lot zu bringen: ein schmieriges Melodram, das umso süßlicher wird, als auch Nella sich in Aribert verliebt hat und nun Möglichkeiten sucht, die Misere des Hauses Posen zu beenden.
_Die Sprecherin_
Katharina Thalbachs Stimme hat schon einige Anstrengungen hinter sich, und das hört man. Es ist ein gut trainiertes Organ, das sich unterschiedlichsten Anforderungen anpassen kann. Das zeigt sich am deutlichsten, wenn sie eine ausgefallene Sprechweise bemüht, um eine Figur zu charakterisieren. Und davon gibt es im Stück doch einige. Felix Babylon klingt schon superfreundlich, wenn er mit Racksole redet, so dass er geradezu zwielichtig wirkt. Doch wie sich zeigt, ist Babylon eine ehrliche Haut.
Das Gleiche trifft auf die Seeleute zu, mit denen Racksole den Hafen und die Docks von London nach Jules durchsucht. Jeder von ihnen hat eine subtil andere Klangfarbe in seiner Stimme. Auf diese Weise wird der Vortrag nicht langweilig.
Woran es Thalbach ein wenig mangelt, ist die Fähigkeit, die an vielen Stellen angebrachte Ironie so zum Ausdruck zu bringen, dass man sie auch sofort wahrnimmt. Dadurch wird ihr Vortrag weniger amüsant und und die Aussagen weniger bissig, sondern glatter.
_Unterm Strich_
Von der Titelillustration sollte man sich nicht täuschen lassen. Im Roman geht es weniger um stilechtes und kultiviertes Auftreten, als vielmehr um verschwundene Leichen, wütende Amerikaner, abstürzende Verbrecher, Liebeshändel, Entführung, eine Verfolgungsjagd auf der Themse, eine einbalsamierte Leiche und natürlich um edlen Wein (leider vergiftet). Doch statt einen der sensationsgierigen Kolportageromane der Jahrhundertwende zu fabrizieren, gelingt Bennett durchaus über weite Strecken ein genaues Porträt seiner Zeit, fokussiert im edelsten Hotel Europas.
Ich sage „über weite Strecken“, weil das letzte Viertel versucht, die Konventionen einer glücklichen persönlichen Verbindung – vulgo: Liebe – zu bedienen und dabei die Klischees des Melodrams für meinen Geschmack zu sehr strapaziert. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann dinieren sie noch heute im Hotel Savoy.
Die Sprecherin Katharina Thalbach vermag den Vortrag lebendig zu gestalten, selbst wenn ihre stimmliche Wandlungsfähigkeit eingeschränkt erscheint, vergleicht man sie etwa mit der von Franziska Pigulla oder Rufus Beck. Thalbach hat ein unfehlbares Gespür für Stil und Intonation, was ja für die Sprecher jener uns bereits fernen Zeit doch ganz wesentlich war. Das umfangreiche Booklet ist eine willkommene Hilfe für die Einsicht in den Hintergrund des Autors, seines Werkes und seiner Zeit. Betrachtet man das Hörbuch mit unverstelltem Blick, kann man einen ironischen und spannungsreichen Kriminalroman genießen. Aber eben nur über weite Strecken.
|264 Minuten auf 3 CDs
Originaltitel: Hotel Grand Babylon, 1902
Aus dem Englischen übersetzt von Renate Orth-Guthmann|
„Die längliche Kiste“ ist der vierzehnte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Rolf Hoppe, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.
Poe freundet sich mit dem Maler Wyatt an, den er am Hafen von New Orleans trifft. Sie buchen eine gemeinsame Schiffspassage nach New York. Doch kurz bevor die Passage beginnt, wird Wyatts Frau schwer krank und Wyatt selbst benimmt sich äußerst merkwürdig. Was verbirgt sich in der länglichen Kiste in seiner Kabine? Und wer treibt nachts sein Unwesen im Speisesaal des Schiffs?
Ulrich Pleitgen hat auch an den anderen Hörbüchern der Serie mitgewirkt:
#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:
(Nr. 13 wird ausgelassen.)
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
_Der Autor_
Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan aus Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.
1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.
Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.
Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Shortstory („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.
_Die Sprecher_
Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren
Außerdem wirken Rolf Hoppe als Cornelius Wyatt, Cathlen Gawlich als Mrs. Wyatt, Jürgen Wolters als Kapitän Hardy, Gerald Schaale als George Appo, Mathis Schrader als Lowden und Michael Pan als Clerk mit. Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Penny Shepherd, die Ansage erledigt André Sander.
_Das Titelbild_
Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt bei „Die längliche Kiste“ ein riesiges Portal, in dem man noch die Türhälften erkennen kann. Es ist völlig überwuchert. Der Blick dringt in einen hellen Wald, der wie ein Dschungel anmutet. Alles in allem wieder ein meisterliche Arbeit des Fotografen.
Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Staffel: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Huxleys „doors of perception“.
_Das Booklet_
Jede CD enthält ein achtseitiges, schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch werden hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Ulrich Pleitgen wird näher vorgestellt.
Eingangs gibt es einen kleinen Abriss der Vorgeschichte. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs und die DVD von „Die Grube und das Pendel“. Die vorletzte Seite weist auf die Band „We Smugglers“ hin, die den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert hat.
_Vorgeschichte_
Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?
Schon zwölf Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.
Der Vorspann rekapituliert sehr knapp die ganze Vorgeschichte bis hin zum Inhalt von „Eleonora“, der zwölften Folge der Serie. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal.
_Handlung_
Poe hat in der Episode „Das ovale Porträt“ herausgefunden, dass ein New Yorker Maler namens Jimmy Farrell ihn ebenso wie eine junge Frau namens Lucy porträtiert hat. Um herauszufinden, was Farrell über Poes wahre Identität weiß, muss Poe nach New York. Er hat schon einen Fahrschein für die Postkutsche bezahlt, als er im Hafen von Mobile, Alabama, den freundlichen Maler Cornelius Wyatt kennen lernt, der ihn überredet, mit ihm und seiner Frau per Schiff nach New York City zu segeln. Poe ist von dem Künstler sehr angetan und lässt sich überreden. Zugleich gibt er ihm Geld, um ein paar Muscheln für seine Frau zu kaufen. Wyatt scheint ihn zu kennen, kann sich aber nicht erinnern, woher.
Am nächsten Tag ist Wyatt jedoch niedergeschlagen, weil seine Frau von den Muscheln, die verdorben waren, krank geworden ist. Dennoch will er mit der „Independence“ des Kapitän Hardy segeln. Es ist das gleiche Schiff, fällt Poe auf, auf dem er Leonie Goron kennen lernte. Er bucht eine Kabine, um es ruhig zu haben. Als das Schiff einläuft, begrüßt ihn Hardy freundlich und zeigt ihm seine Kabine und den daneben liegenden Speisesaal. Wyatt ist nicht zu sprechen, und das macht Poe recht besorgt um seinen Bekannten. Ihn überkommen unruhige Gedanken, doch ein Umsteigen auf die Kutsche kommt nicht mehr in Frage: Sie ist ausgebucht.
Kurz vor dem Ablegen des Schiffes gehen Wyatt und eine verschleierte Frau an Bord. Das dürfte wohl seine Gattin sein, doch Poe wundert sich. Während Wyatts Gesicht hager und eingefallen aussieht, strahlt seine Gattin, die doch sehr krank war, vor Gesundheit. Tatsächlich ist sie sogar die Fröhlichkeit in Person! Das kommt Poe geradezu pietätlos vor. Auf einem Wagen wird eine zwei Meter lange Kiste antransportiert und in Wyatts Kabine verfrachtet. Nur dessen Name steht darauf, das Tannenholz ist noch frisch. Nächstes Kommando: Leinen los!
Nach einem heiteren Start mit einer noch heiteren Mrs. Wyatt schlägt die Stimmung jedoch um: Käptn Hardy wittert Sturm. Poe kann nicht mehr schlafen und hält sich sogar mit Kaffee wach. Irgendetwas geht in den Kabinen und dem nahen Speisesaal vor sich. Ständig hört er Geräusche und wispernde Stimmen. Einmal huscht Mrs Wyatt von einer separaten Kabine (!) in Mr. Wyatts Domizil – dort befindet sich die ominöse Kiste. Und Wyatt selbst sieht allmählich aus wie der leibhaftige Tod. Proviant verschwindet und ein Messer, das der Koch vermisst. Offenbar gibt es einen blinden Passagier an Bord – das würde einige der Rätsel erklären.
Aber nicht alle …
Als der Sturm das Schiff zum Sinken bringt und alle in die Boote müssen, kommen einige der Geheimnisse der „Independence“ ans Tageslicht. Mit fatalen Folgen.
_Mein Eindruck_
Diese Episode hält sich erstaunlich genau an die bekannte literarische Vorlage. Nur dass diesmal natürlich der Augenzeuge unser bekannter Unbekannter ist, der sich aus einer Laune heraus den Namen „Edgar Allan Poe“ zugelegt hat. Sein Rätsel bleibt bestehen. Und weiterhin wird aus dem relativ anonymen Passagier, der die fatale Kiste an Bord bringt, ein guter Bekannter, an dessen traurigem Schicksal „Poe“ großen Anteil nimmt.
Die für die Serie charakteristischen Momente der Spannung und des Grauens beschränken sich auf die mysteriösen Vorgänge unter Deck. Kein Albatross fällt unheilverkündend vom Himmel, keine Leiche wandelt gespenstisch an Deck – obwohl einmal fast so aussieht. Vielmehr ist es die klaustrophobische Enge in seiner Kabine, die Poe zusetzt und seinen labilen Geisteszustand ins Wanken geraten lässt. Leicht hätte die Dramaturgie eine Vision einbauen können, doch sie bleibt aus, hätte sie doch den begrenzten Umfang des Stückes gesprengt.
VORSICHT, SPOILER!
Wie so häufig bei Poe entsteht das eigentliche Grauen daraus, dass es einen grotesken Widerspruch zwischen der quicklebendigen angeblichen Mrs. Wyatt und ihrem sichtlich dahinsiechenden Gatten gibt. Als sich diese Rolle als Lug und Trug entpuppt, öffnet sich dahinter ein noch größeres Grauen. Die in der titelgebenden Kiste liegende echte Mrs. Wyatt ist zwar mausetot, scheint aber ihrem – noch – lebenden Gatten auf ghoulische Weise den Lebenssaft auszusaugen. Dass beide ihr Ende gemeinsam in der tiefen blauen See finden sollen, erscheint nur folgerichtig.
SPOILER ENDE
Doch genau wie die nächste Episode bringt dieser Zwischenfall auf der Reise nach New York City die Story nicht weiter und verändert auch die Hauptfigur in keiner Weise. Die Episode „Du hast’s getan“ sieht Leonie Goron in einem Provinzkaff einen Mordfall aufklären. Aber sie stößt ebenfalls auf die Spur von Doktor Baker alias Templeton und die des Malers Jimmy Farrell. Diesen müssen sie und Poe gleichermaßen dringend suchen, sobald sie in der Metropole anlangen.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Pleitgen spielt die Hauptfigur E. A. Poe, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Im ersten Teil des „Eleonora“-Traumes schwelgte sein Poe in verliebter Seligkeit. Umso gequälter klang Poe in der zweiten Traumhälfte, als ihn die tote Geliebte in seinen Albträumen heimsucht. Dieser Stimmungswandel leitete die Trennung von Leonie ein und machte sie ein wenig nachvollziehbarer. Deshalb ist Poe in diese Episode allein, und Pleitgen muss ohne Berben an seiner Seite auskommen.
_Musik und Geräusche_
Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Wir hören das Schreien der Möwen ebenso wie das unablässige Knarzen von Tauen und Dielen an Bord der „Independence“.
Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der Hauptfigur und ihres Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung ganzer Szenen, so etwa während der Sturms und der mysteriösen Vorgänge unter Deck. Diesmal ist mir insbesondere die verstärkte Rolle der Bässe aufgefallen. Sie werden nicht etwa elektrisch erzeugt, wie von einer Gitarre, sondern von einem Klavier. Doch wurden die tiefen Töne derart durch die Echokammern und Verzerrer gejagt, dass daraus ein erschütterndes Grollen herauskam, das das Gehör des Publikums auf einer unterschwelligen Ebene beeinflusst und unwillkürlich Furcht erzeugt. Raffiniert!
Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.
_Der Song_
Die Band „We Smugglers“ hat, wie erwähnt, den Titelsong „On the verge to go – Edgar Allan Poe Edit“ beigesteuert. Ihr Konzertplakat weist sie als vier recht schräg aussehende Herrschaften aus, die nichtsdestotrotz ihre Instrumente zu beherrschen scheinen. Was wir in der Länge von rund 3:30 Minuten zu hören bekommen, würde ich als balladesken Slow-Metal-Rock bezeichnen. Die Tonart ist recht ausgefallen: Cis-Dur.
Deutlich dominiert die E-Gitarre, die sich wie die von Jimmy Page anhört, als er sein berühmtes Stück „Kashmir“ für die MTV-Acoustic-Session neu arrangierte. Für mich klingt das gut und melodisch, aber kraftvoll. Der Klangteppich wird von einer deutlich zu vernehmenden Basslinie und unauffälligen Drums und Cymbals unterstützt. Der Gesang ließe sich noch verbessern, und die Lyrics könnte man auch mal abzudrucken beginnen.
_Unterm Strich_
Diese Episode bringt die Handlung zwar nicht weiter, aber den Helden wenigstens von A nach B, um nach dem Schlüssel zu seiner wahren Identität zu suchen. Unterwegs erlebt er eines von Poes weniger grausigen Abenteuern, ein Seestück sozusagen, das mehr von der Atmosphäre getragen wird als von Rationalität oder gar Action.
Doch die akustische Umsetzung ist den Machern so überzeugend gelungen, dass ich mich bei dem Wunsch ertappe, sie würden dereinst mal „Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym aus Nantucket“ orchestral zu Gehör bringen, inklusive abschließendem „tekeli-li“. Von diesem Punkt aus ließe sich sich die Geschichte entweder als Lovecrafts „Berge des Wahnsinns“ weiterführen oder als Jules Vernes „Die Eissphinx“. Beides sind herausragende Werke des phantastischen Genres. Eine weiterer Anknüpfungspunkt besteht in Michael Marraks „Imagon“. Hier könnten endlich mal deutsche Autoren Berücksichtigung finden.
|Basierend auf: The oblong box, ca. 1845
57 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos auf http://www.poe-hoerspiele.de |
Magische Lichter, geheimnisvolle Geräusche und das Erscheinen eines echten Einhorns versetzen die drei !!! in Aufruhr. Die drei begeben sich auf Spurensuche und entdecken eine rätselhafte Legende. Was hat es mit dem ‚Fluch des Einhorns‘ auf sich? Kim, Franzi und Marie beginnen zu ermitteln – denn an sagenumwobene Wesen glauben die drei Detektivinnen nicht! (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Ok, wir haben „magisch“, „geheimnisvoll“, „rätselhaft“ und „sagenumwoben“ im Klappentext stehen. Wird das jetzt eine Folge, die nur für die allerjüngsten !!!-Fans gedacht ist? Vielleicht nicht, denn wir haben auch „Fluch“ und „Einhorn“ und das klingt nach einem neuen Fall für den Detektivclub. Na dann klingeln wir doch mal am örtlichen Wasserschlösschen und fragen, obs was zu ermitteln gibt!
Die Fünf Freunde begleiten Onkel Quentin nach Bristol, wo der Wissenschaftler an einem Kongress teilnimmt. Gleich nach ihrer Ankunft werden dem Geschäftsmann Cameron teure Uhren gestohlen und der Verdacht fällt auf Duncan Jones. Der nette, junge Mann beteuert seine Unschuld und bittet die Fünf Freunde um Hilfe. Deren Ermittlungen ergeben, dass Cameron selbst hinter dem Diebstahl stecken könnte, um die Versicherung zu betrügen. Aber dann wird einer Touristin Geld gestohlen – und die Ereignisse überschlagen sich. (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Bei allem Trubel, der im Klappentext steht: Was macht einen Dieb denn mysteriös? Sind die denn nicht eigentlich immer nur kriminell und sonst nix? Wir werden es in Bristol erfahren, auf gehts!
_Ein Angebot, das Brandis nicht ablehnen kann – gibt’s das?!_
Das Jahr 2125: Die Strategische Raumflotte schickt Commander Ernest D. Scott und eine vierköpfige Crew mit einer |Delta IX| als erste bemannte Mission zum Uranusmond Oberon. Scotts Ehrgeiz, auch noch Mark Brandis‘ Geschwindigkeitsrekord brechen zu wollen, wird der Expedition zum Verhängnis: Es kommt zu einer Bruchlandung auf dem Nachbarmond Titania.
Die Besatzung überlebt zwar, doch niemand weiß, dass die |Delta IX| auf dem falschen Uranusmond gelandet ist, und früher oder später lebenserhaltende Geräte ausfallen werden. Zwei Crewmitglieder müssen 20 Kilometer hinauf zum Canyonrand klettern, um einen Sender aufzustellen – ein riskanter Auftrag …
Teil 2: Mark Brandis wird beauftragt, den neuen leichten Kreuzer Hermes zu testen – mit einer Schutzmission. Er soll unbemerkt Commander Scotts |Delta IX| zum Uranus folgen und die Gefahr einer Entführung durch die Republiken abwenden. Trotz seiner Abneigung gegen den selbstbewussten und ehrgeizigen Scott versucht Brandis, seine Pflicht zu erfüllen. Doch Scott und sein wertvolles Schiff sind unauffindbar. Eine weitere Gefahr naht, mit der niemand gerechnet hat …
_Der Autor_
Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.
Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart im Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)
|Mark Brandis| auf |Buchwurm.info|:
Folge 1: [„Bordbuch Delta VII“ 4995
Folge 2: [„Verrat auf der Venus“ 5013
Folge 3: [„Unternehmen Delphin“ 5524
Folge 4: [„Aufstand der Roboter“ 5986
Folge 5: [„Testakte Kolibri 1“ 5984
Folge 6: [„Testakte Kolibri 2“ 5985
_Die Inszenierung_
Die Macher und Regisseure sind |Interplanar.de|:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt
Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual-Reality-Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell-Momentaufnahmen-Wettbewerb ein.
Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.
Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Thomas Weichler.
|Die Sprecher und ihre Rollen: |
Prolog: Wolf Frass
Michael Lott spricht: Commander Mark Brandis
Major Frederick Young: Erich Räuker (Liam Cunningham, Elias Koteas)
Cmdr. Ernest D. Scott: Frank Glaubrecht (Pierce Brosnan, Kevin Costner, Al Pacino)
Bordcomputer: Anke Reitzenstein (Ashley Judd, Angela Bassett, Linda Fiorentino, Whitney Houston)
Col. Barclay: Kai Jürgens
Lt. Iwan Stroganow: Martin Wehrmann
Cpt. Martin van Kerk: Michael Westphal
Cpt. Roger d’Arcy: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Gary Oldman, Kevin Bacon, Tim Roth …)
Ludmilla Wolska: Tomasina Ulbricht
Lt. William Xuma: Michael Pan (Brent ‚Data‘ Spiner, Martin Short, Richard Kind)
Lt. Usko Koskinen: Julien Haggége (Eminem, Justin Long, Colin Hanks)
Bordsystem CORA: Christine Mühlenhof
Oberst Xiahou Shang: Cho See-Young
_Vorgeschichte_
Die |Delta IX| ist schneller als die alte |Delta VII|, mit der Mark Brandis einen Geschwindigkeitsrekord aufstellte. Commander Ernst D. Scott gedenkt, diesen Rekord zu brechen – als Revanche dafür, dass ihm Brandis seinerzeit bei Ruth O’Hara zuvorkam, die seinen Rivalen heiratete. Als er nun die Expedition zum Planeten Uranus leitet, um dessen Monde auf Rohstoffe zu untersuchen, gibt Scott ordentlich Gas. Ein weiterer Grund ist der, dass das Hauptquartier der Sternenflotte mögliche asiatische Konkurrenz gemeldet hat. Der will Scott zuvorkommen. Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Der Alarm schrillt – Fehlfunktion! Die Astronauten erwachen aus dem Kälteschlaf der Stasis. Jetzt kommt auch noch ein Systemausfall hinzu. Die Sicherungskopien werden geladen, aber das braucht kostbare Minuten, die ihnen nun die Kurskorrektur vermasseln. Sie werden den Mond Pberon verfehlen und stattdessen in die Gashülle des Uranus selbst stürzen – auf Nimmerwiedersehen! Damit jemand über ihr Schicksal erfährt, setzen sie eine Boje aus. Maddox behält die Nerven und gibt einen alternativen Kurs ein: auf den Mond Titania.
Doch der neu gestartete Computer fällt erneut aus, und sie müssen die |Delta IX| mit Handsteuerung runterbringen: Eine Bruchlandung ist unvermeidlich. Doch am besten nicht auf dem harten Gestein der Plateaus, sondern im weichen Staub am Grunde des riesigen Canyons, der sich 1500 Kilometer über die Oberfläche des Mondes zieht, 20 Kilometer tief und 60 Kilometer breit. Die Landung ist hart, und schließlich kracht der Flieger auf einen riesigen Felsklotz am Grunde der Schlucht.
Ein Start ist unmöglich, das Beiboot hoffnungslos verkeilt. Kein Funkempfang. Das bedeutet, dass niemand sie finden wird, weil man sie daheim auf Oberon vermutet. Also muss man einen Sender oben auf die Klippenkante der Schlucht stellen. Jemand muss 20 Kilometer hochklettern und den Sender ausrichten und aktivieren. Maddox und McIntosh melden sich freiwillig und schleppen den Sender in die Höhe, der aber wegen der geringen Schwerkraft nur wenig wiegt.
Doch dann dreht der Ingenieur Sini durch und rast mit dem freigemachten Dinghi in die Canyonwand. Diese Möglichkeit fällt also auch aus. Commander Scott trägt es mit Fassung und hört sich den Expeditionsbericht seines Beinahe-Namensvetters Robert Falcon Scott an, der 1912 den Wettlauf zum Südpol verlor und auf dem Rückweg ums Leben kam. Er ahnt nicht, dass die Chinesen der VOR-Republiken ein Störfeld um das Uranus-System aufgebaut haben. Sie wollen die |Delta IX| für sich haben, um den technischen Vorsprung der Union zu brechen …
_Handlung von Folge 8_
Commander Mark Brandis wird auf der Raumstation Porta Stellaris zu einer Geheimbesprechung gerufen. Mit seinem früheren Navigator Iwan Stroganow betritt der den Missionsraum. Er ist sicher, dass es nur um die Erprobung des Leichten Kreuzers |Hermes| gehen kann, denn das neueste Schiff der Flotte ist gerade erst fertiggestellt worden. Major Young beauftragt Brandis zwar erwartungsgemäß mit den Testflügen – schließlich hat er ja das KOLIBRI-Projekt erfolgreich zu Ende geführt -, doch zugleich mit der ersten Mission, die ihn zu den Uranusmonden führen soll. Er soll die |Delta IX| von Commander Scott beschützen. Sie sei durch ein Schiff der Drachen-Flotte der Republiken in Gefahr, entführt zu werden. Alle Einwände von Brandis weiß Young abzuschmettern. Die „Hermes“ wird bewaffnet, und ab geht die Post.
Nach einer ersten Besichtigung und der Inbetriebnahme von Antrieb und Bordcomputer nimmt Stroganow eine kleine Änderung vor: Nun klingt die Stimme des Computers wie die der guten alten CORA. Nach dem Start geht’s gleich in Stasis. Etliche Tage später weckt CORA den Commander aus seinem Schlummer, obwohl alles in Ordnung zu sein scheint. Da entdeckt die Wissenschaftsoffizierin Ludmilla Wolska eine Anomalie in den Gravitationsverhältnissen um den Uranus. Sicherheitshalber schießt Brandis eine Sonde ab, und Wolska findet heraus, dass Scott rund 58 Prozent schneller unterwegs gewesen sein muss als vorgesehen. Kein Wunder, dass nirgends eine Spur von ihm sehen ist.
Die ausgeschickte Sonde antwortet nicht mehr, was Brandis ein Rätsel ist. Kaum hat er Meldung gemacht, antwortet Major Young mit einer Änderung des Missionsbefehls: Wegen des irgendwo am Uranus herumfliegenden Drachenschiffes ist die |Delta IX| schleunigst zu orten, deren Besatzung zu retten und das Schiff nötigenfalls zu zerstören! Es darf keinesfalls in die Hände der Asiaten fallen.
Eine unsichtbare Kraft wirkt auf die „Hermes“ ein und zwingt sie durch das Trümmerfeld eines Asteroiden. Gerade schaut Lt. Xuma draußen auf der Außenhaut, ob die |Hermes| Schäden abbekommen hat, als der GAU passiert: totaler Systemausfall! Sobald CORA wieder reaktiviert ist, merkt die Crew, dass die |Hermes| 40 Millionen Kilometer am Uranus vorbeigerast ist – und von Lt. William Xuma keine Spur! Kurz darauf meldet sich ein Kreuzer der Republik bei Brandis, mit einem Angebot, von dem die Asiaten glauben, dass er es nicht ablehnen kann: Xuma im Austausch gegen die |Delta IX|. Da kennen sie Brandis aber schlecht …
_Mein Eindruck_
Also, wenn sich die Union irgendwie im Krieg befinden sollte, so ist das ein auf ziemlich merkwürdiger Art geführter Krieg. Unpersönliche Felder wirken auf die Schiffe der Union ein, seien sie gravitationeller oder elektromagnetischer Art. Und dann gibt es da noch Geiselnahmen, die wie Rettungsmissionen aussehen. Kommandanten wie Mark Brandis, so stellt sich heraus, können dieses Go-Spiel aber auch mitmachen, und so sieht sich der asiatische Kommandant bald einer völlig veränderten Lage gegenüber …
Aber auch die Bergung der |Delta IX| verläuft ganz anders als erwartet. Brandis und seine Crew sind zwar froh, dass sie Commander Scott und dessen Captain Gottwald noch lebend vorgefunden haben, doch die beiden Überlebenden sind alles andere als dankbar. Vielmehr wirft Scott seinem Retter vor, ihm um den Ruhm des tragisch gescheiterten Helden zu bringen und nun selbst die Lorbeeren für die Rettungsmission einzuheimsen. Brandis ist ziemlich konsterniert. Noch verwunderter ist er jedoch, als ich, der Bordcomputer meldet, dass Scott gar nicht an Bord der |Delta IX| gegangen sei. Vielmehr ist der gescheiterte Expeditionsleiter am Ort seines Scheiterns geblieben.
Die V-Kurve der Dramaturgie zeigt zwar durchweg wieder nach oben, doch wird sie mit einigen Knicken und Zacken unterbrochen, so dass schon ein wenig Spannung darüber aufkommt, ob denn die |Hermes| überhaupt auf Titania ankommen und die |Delta IX| bergen wird. Und selbst noch zu einem Zeitpunkt, als alles schon in Butter zu sein scheint, sorgt die Dramaturgie noch für eine überraschende Wendung. Sie passt als verzögerte Fortsetzung des ersten Teils der Doppelfolge zum Drama, das sich dort abspielte. Commander Scott ist rehabilitiert.
_Mein Eindruck: Die Inszenierung_
Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa die Triebwerke der |Hermes| oder das Öffnen und Schließen ihrer Luken und Schleuse. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte einen dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt. Der Flug durch das Asteroidentrümmerfeld ist recht dramatisch anzuhören, aber leider ziemlich kurz. Was gäbe ich für eine ordentliche Raumschlacht à la „Perry Rhodan“!
Ungewöhnlich sind eher Sounds, die Verzerrungen im Funksprechverkehr simulieren – das lässt aufhorchen. Hier haben die Macher dazugelernt. Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Die meisten SF-Serien wie etwa „Classic Star Trek“ oder „Raumpatrouille Orion“ sind viel zu alt für solchen Sound, und „Babylon 5“ oder „Andromeda“ klingen zwar toll, spielen aber in abgelegenen Raumgegenden, wo irdische Ereignisse kaum eine Rolle spielen. Dadurch hebt sich „Mark Brandis“ im Hörspiel bemerkenswert von solchen TV-Produktionen ab, von SF-Hörspielen ganz zu schweigen. Nur |Lübbe|s „Perry Rhodan“ kann in dieser Liga mitspielen. Auch das Design von verzerrten Meldungen per Funk ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.
|Die Sprecher|
Die Dialoge belegen die Verhaltensweisen von Erwachsenen statt von Jugendlichen. Man nimmt den Figuren jetzt ab, dass sie über das Schicksal von Menschen zu entscheiden in der Lage sind. Die Ernsthaftigkeit von „Raumpatrouille Orion“ ist mit der schnellen Handlung von „Perry Rhodan“ bestens kombiniert. An Bord der |Hermes| findet eine psychologische Auseinandersetzung zwischen zwei Südafrikanern statt, die noch am Knochen der Apartheid zu kauen haben.
Und Brandis hat sich mit den Asiaten auseinanderzusetzen, die ihm ein mafiöses Angebot machen: Xuma gegen |Delta IX|. Michael Lott strahlt stets unbeugsame Autorität aus, doch auch er muss ja mal schlafen. Recht eindrucksvoll macht sich auch der Austausch der Stimmmodule des Bordcomputers bemerkbar. Spricht zunächst noch Anke Reitzenstein relativ kontrolliert und unmoduliert, so wird sie durch Christine Mühlenhof abgelöst, die eine geradezu menschliche Stimmmodulation aufweist, so dass man ihr gerne zuhört. So angenehm möchte ich auch mal geweckt werden!
|Musik|
Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Outro und in den Intermezzi. Letztere haben die Aufgabe, die längeren Szenen voneinander abzutrennen und eine Emotion zu vermitteln, z. B. Beklemmung.
Ganz am Schluss erklingt ein flottes Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer langsam Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der langen Absage, bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden. Den Abschluss bildet der Hinweis auf die nächste Folge mit dem Titel „Raumsonde Epsilon“.
|Das Booklet|
Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen 1-8 der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Darüber hinaus gibt es jeweils Zusatzinformationen, so etwa über die Raumstation Porta Stellaris und die drei Besatzungsmitglieder Usko Koskinen, William Xuma – sie liegen einander in den Haaren – und Ludmilla Wolska.
_Unterm Strich_
Diese spannende und dramatische Doppelfolge führt den Hörer hinaus an den Rand unseres Sonnensystems, zu den Monden des Planeten Uranus. Nach dem tragischen Scheitern der Expedition Commander Scotts folgt nun die spannende Schutz- und Rettungsmission, die ebenfalls zu scheitern droht; durch Asteroidentrümmer, durch Systemausfall, den Verlust eines Besatzungsmitglieds und vieles mehr. Brandis tappt den gegnerischen Asiaten nichtsahnend in die Falle. Doch sie kennen eben Mark Brandis nicht! Und so findet dieser Flug doch noch ein halbwegs zufriedenstellendes Ende, auch wenn der Schluss eine recht unerwartete Wendung nimmt.
|Das Hörspiel|
„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im ersten Teil werden die Parallelen zu Scott anno 1912 durch die Tagebuchauszüge überdeutlich hervorgehoben. Scotts Ehrgeiz erscheint wie jener seines Namensvetters als überheblich und vermessen. Die Strafe, die die Götter für solche Hybris vorgesehen haben, zahlen aber zunächst Scotts Männer. Mark Brandis ist aber nicht der strahlende Retter, sondern muss selbst einen Preis zahlen.
Dieses Drama ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.
Gut finde ich, dass |Folgenreich| und |Universal Music| jetzt den Vertrieb übernommen haben. Dadurch ist der Fortbestand der Serie wohl gesichert. Und nun kann man sich mit Frank Glaubrecht (bekannt als „John Sinclair“) und Simon Jäger auch namhafte Synchronsprecher leisten, die ein wenig(?) mehr kosten als die bisher eingesetzten. Das kommt dem Wiedererkennungs- und Unterhaltungswert der Serie nur zugute.
|Hinweis|
Der Titel der Fortsetzung lautet „Raumsonde Epsilon“.
|70 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3829123167|
http://www.folgenreich.de/markbrandis
http://www.interplanar.de
http://www.markbrandis.de
http://www.universal-music.de/musik/hoerbuch/
In den vergangenen dreißig Jahren haben die Menschen die Lokale Blase rund um das Sonnensystem besiedelt. In relativer Nähe zur Erde sind neun Kolonien entstanden. Doch die genetisch angepassten Menschen streben nach Freiheit und Selbstbestimmung. Sie wollen die Unabhängigkeit von der Terranischen Union.
Was sie nicht wissen: Vor langer Zeit waren ihre Welten Teil einer gewaltigen Maschine -–des Nonagons. Diese Maschine sollte die Milchstraße vor einer furchtbaren Gefahr schützen. Als Iratio Hondro, ein Mann von der Kolonie Plophos, gegen die Erde revoltiert, löst er eine Kettenreaktion aus. Gelingt es ihm, das Nonagon zu aktivieren, gibt es nichts mehr, das ihn aufhalten kann … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Eigentlich gehen NEO-Staffel oft so los: Perry kommt nach Hause (nach Terra), findet irgendwas oder irgendwen irgendwie vor und … dann fliegt er entweder schnell wieder weg oder die nächsten zig Hörstunden spielen auf Terra.
In der Milchstraße herrscht große Unruhe. Nachdem die Konflikte mit den Loowern und den Orbitern gelöst werden konnten, kommt nun eine Bedrohung aus tiefer Vergangenheit. Der Hordenführer Amtranik mit seinem Raumschiff VAZIFAR und einer kampfstarken Flotte will einen Krieg zu Ende bringen, der vor über einer Million Jahren tobte. Das wird zur ersten Bewährungsprobe für die Liga Freier Terraner, das neue Staatsgebilde der Menschheit. Eigentlich ist die Liga dem Frieden verpflichtet, doch jetzt muss sie in den Kampf gegen die VAZIFAR ziehen … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Wir starten mit Amtranik, dem Ur-Labori, der vor 1,2 Millionen Jahren mal Chef der Hörden von Garbesch war. Seitdem hat er geschlafen … was will man auch anderes machen? Und was macht er, nachdem er aufwacht? Genau … wieder kämpfen.