Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Nimmo, Jenny – Charlie Bone und der scharlachrote Ritter (Die Kinder des roten Königs 8)

Band 1: [Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1992
Band 2: [Charlie Bone und die magische Zeitkugel]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2448
Band 3: [Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3308
Band 4: [Charlie Bone und das Schloß der tausend Spiegel]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3308
Band 5: [Charlie Bone und der rote König]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3468
Band 6: [Charlie Bone und das magische Schwert]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4685
Band 7: [Charlie Bone und der Schattenlord]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5670

Diesmal stecken Charlie und seine Freunde wirklich in ernsten Schwierigkeiten! Schlimm genug, dass der Stadtrat, nachdem er im letzten Band bereits die Schließung des Cafés |Zum glücklichen Haustier| verfügt hat, jetzt das Ehepaar Onimous komplett auf die Straße setzt und dass Tancred, der eigentlich nach seinem Duell mit Dagbert von den Bloors für tot gehalten wird, beinahe auffliegt, als er allein auf der Straße unterwegs ist. Aber dabei bleibt es nicht. Das Gelichter in der Piminy Street scheint sich plötzlich sprunghaft zu vermehren, im Bloor taucht nicht nur ein Magier mit einem verzauberten Schwert auf, sondern auch Dagberts Vater, und dann gerät auch noch Olivia ins Visier der Bloors und Darkwoods! Charlies Eltern sind immer noch auf See, in höchster Gefahr ertränkt zu werden, und Billy Raven befindet sich noch immer in dem Gemälde von Schloss Badlock!

Diesmal sieht es so aus, als wären es der Rettungsaktionen ein paar zu viele!

_Neuzugänge in der_ Charakterzeichnung sind diesmal nicht zu verzeichnen. Zumindest lässt sich Ashkelan Kapaldi kaum als vollwertiger Charakter bezeichnen, zu knapp ist er skizziert und zu kurz ist sein Gastspiel.

Auch was die Charakterentwicklung angeht, tut sich nicht mehr viel, allein Dagbert scheint im Zusammenhang mit der Konfrontation zwischen ihm und seinem Vater, die ihm durch den Familienfluch auferlegt wurde, noch eine gewisse Wandlung durchzumachen.

Dafür hat Jenny Nimmo diesmal auch auf Charaktere zurück gegriffen, die die Handlung längst verlassen hatten oder nur noch ganz am Rande vor kamen, darunter Alice Angel, die Schmiedin Mrs. Kettle und Tante Venetias Stiefsohn Eric.
Mit anderen Worten: sie hat fast das gesamte Arsenal aufgeboten.

Auch die Handlung bringt noch einmal eine geballte Masse an Möglichkeiten auf den Tisch, die die Autorin bisher nicht ausgeschöpft hat, sodass sich diesmal kaum sagen lässt, welches eigentlich der Hauptstrang ist. Tatsächlich ist die Gewichtung der einzelnen Aspekte ziemlich ausgeglichen. Für die Schwierigkeiten, in die Olivia gerät, hat die Autorin auf ein bereits bekanntes Detail zurück gegriffen, was aber nichts schadet, da es angesichts von Olivias Charakter einfach passend gewählt und damit schlüssig ist. Neu dagegen ist der Wasserglobus, eine interessante Idee, die mir besonders gut gefallen hat. Fast fand ich es schade, dass er nur so relativ kurz eine Rolle spielt, wenn auch eine recht spektakuläre.

Aber so ging es nicht nur diesem Punkt. Durch die große Menge an Einzelheiten ist einfach kein Platz für eine genauere Ausarbeitung. Am deutlichsten wird das spürbar in der Figur des Ashkelan Kapaldi, der so gut wie kein eigenes Profil aufweist, da er nicht auf eine Vorgeschichte aus anderen Bänden zurückgreifen kann und als erstes wieder verschwindet.

Dennoch empfand ich diese unvermeidliche Folge nicht als Manko. Denn durch die schiere Menge an Schwierigkeiten und Ärger, den die Bloors mit ihren neuesten Plänen auslösen, ist einfach immer irgendetwas los. Und obwohl Jenny Nimmo – um es grob auszudrücken – die einzelnen Bauklötze Stein für Stein erst auf- und dann wieder abbaut, lassen sich die einzelnen Bestandteile doch nicht so einfach voneinander trennen, wie es in diesem Vergleich womöglich klingt. Der Wasserglobus spielt nicht nur im Zusammenhang mit Charlies Eltern eine Rolle, sondern auch in der Auseinandersetzung zwischen Dagbert und seinem Vater und Olivias Schwierigkeiten mit den Darkwoods haben ihre Ursache in einer Aktion, deren Auslöser eigentlich das Testament war, hinter dem alle her sind.

Entscheidend ist die Wirkung, die der Bausteinvergleich beschreibt: Der Leser hat das Gefühl, dass sich Klotz für Klotz eine Schwierigkeit nach der anderen vor Charlie und seinen Freunden auftürmt, bis die Mauer fast unüberwindbar erscheint, was gehörig die Spannung hochtreibt. Auch sorgt die bröckchenweise Bewältigung für Übersichtlichkeit – immerhin ist die Zielgruppe noch immer unter den jüngsten Lesern zu suchen – und verhindert gleichzeitig, dass die Spannung zu schnell wieder abflaut. Tatsächlich kann die Autorin den Bogen bis zum endgültigen Showdown gestrafft halten, bei dem es dann nochmal so richtig wild wird und der mit einer kurzen Überraschung am Ende aufwartet. Ich weiß nicht mehr, ab wann ich das Ende ahnte, aber es war ziemlich spät!

Um es kurz zu machen: Jenny Nimmo ist zum Abschluss ihres Zyklus‘ noch einmal richtig zur Hochform aufgelaufen. Denn trotz der vielen Einzelteile, aus denen die Handlung dieses letzten Bandes zusammengesetzt ist, kommt das Buch wie aus einem Guss daher, keine Geholper, kein Stocken. Auch hat die Autorin sich nicht damit begnügt, nur auf alte Bekannte und bereits bewährte Ideen zurück zu greifen, was durchaus kein Fehler war, sondern sie hat sich auch diesmal die Mühe gemacht, sich wieder etwas Neues und Interessantes auszudenken, haben doch gerade diese Ideen – wie der Wasserglobus, die Zeitkugel oder Amorets Spiegel – einen Großteil des Zaubers ihrer Bücher ausgemacht. Beides zusammen zeigt noch einmal die Vielfalt des Zyklus‘ in Ideen und Figuren. Die Frage, warum Dagberts Launen nach der Auseinandersetzung mit seinem Vater auf einmal nicht mehr dem Mondzyklus unterworfen sein sollten, ist da ebenso rasch vergessen wie die Tatsache, dass nirgendwo so recht klar wird, wozu genau eigentlich Ashkelan Kapaldi aus seinem Gemälde geholt wurde.

_Insgesamt fand ich_ |Die Kinder des roten Königs| bunt, ideenreich, turbulent und lesenswert. Ein Beweis dafür, dass Geschichten weder Mord und Totschlag noch eklige Monster benötigen, um spannend und unterhaltsam zu sein.

_Jenny Nimmo_ arbeitete unter anderem als Schauspielerin, Lehrerin und im Kinderprogramm der |BBC|. Geschichten erzählte sie schon als Kind, Bücher schreibt sie seit Mitte der Siebziger. Unter anderem stammt der Zyklus |Snow Spider| aus ihrer Feder, sowie „Im Garten der Gespenster“, „Der Ring der Rinaldi“ und „Das Gewächshaus des Schreckens“. Der Zyklus |Die Kinder des roten Königs| hat sie auch in Deutschland bekannt gemacht.

|Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3473347841
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
Originaltitel: |Charlie Bone and the Red Knight|
Deutsch von Christa Broermann|
http://www.jennynimmo.me.uk
http://www.ravensburger.de

Banscherus, Jürgen – Jimmi Nightwalker 01. Das Rätsel der schwarzen Herren

_Pfiffige Leseratten lösen knifflige Rätsel und Probleme_

Als JoJo und seine Freunde Murat und Mai Lyn einen merkwürdigen Jungen namens Jimmi kennenlernen, steht ihr Leben plötzlich Kopf. Jimmi weiß weder, wer er ist, noch woher er kommt. Doch eines weiß er ganz genau: Er braucht ein sicheres Versteck, denn die Kakamura-Brüder, unheimliche Herren in schwarzen Anzügen, sind hinter ihm her. Und so schlittern die Freunde mitten hinein in ein atemberaubendes Abenteuer … (Verlagsinfo)

Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 – 9 Jahre.

_Der Autor_

Jürgen Banscherus, geb. 1949, arbeitete nach geistes- und sozialwissenschaftlichem Studium als Journalist, Lektor und Dozent in der Erwachsenenbildung. Er ist Mitglied im PEN und Vorsitzender der Jury beim Bundesentscheid des Vorlesewettbewerbs. Seit mehr als 20 Jahren schreibt er erfolgreich für Kinder und Jugendliche. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und sind in 19 Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau und seiner Familie im Ruhrgebiet.

Band 1: Das Rätsel der schwarzen Herren
Band 2: Der Verrat

_Handlung_

Johannes Josef, genannt JoJo, liegt in seinem Bett, als ihn ein Klopfen weckt: Eine Gestalt am Fenster begehrt Einlass. Spinnt der? Ein Junge steigt herein, in abgerissenen Jeans, Turnschuhen und T-Shirt. Seltsamerweise ist sein Haar grau, natürlich grau, nicht gefärbt. Und er nennt sich „Jim-mi“. Nachdem JoJo ihn erst rausgeworfen hat, erbarmt er sich des Jungen dann doch. Aber er wird nicht schlau aus ihm und muss sich mit seinen Freunden beraten. Am Morgen stellt er Jimmi als „Nightwalker“, also Nachtwandler, seiner Uroma Irma vor, die den Haushalt führt, während JoJos Eltern im Sommerurlaub sind. JoJo will mitkommen.

Murat lebt in der alten Villa seines Vaters, eines Psychologieprofessors. Hier stellt JoJo den seltsamen Jungen vor. Jimmi ist stärker als Murat, wie ein Wettstreit beim Händedrücken erweist. Zusammen stellen sie Jimmi ihrer Freundin Mai Lyn Minh vor, der Dritten im Bunde: der Geheime Buchclub ist vollständig versammelt. Das Trio tauscht untereinander stets die neuesten Fantasy-Bestseller aus. Jimmi schaut sich die exakt 146 Bücher in Murats Bibliothek an und referiert ohne Fehler über deren Inhalt – der Junge ist unglaublich. Kein Wunder, dass sie ihn sofort in ihren Club aufnehmen.

Da klingelt es an der Tür, und als Murat zurückkehrt, erzählt er etwas Merkwürdiges: Da war ein ganz in Schwarz gekleideter Herr Kakamura, der bot ihm für Jimmi nicht weniger als hunderttausend Euro an, die er in einer Aktenmappe bei sich trug. Kakamura gab ihm bloß seine Visitenkarte, als Murat vorgab, keinen Jungen dieser Beschreibung zu kennen. Dass Murat sich das Geld krallt, reden ihm seine Freunde gleich wieder aus. Aber dann soll Jimmi erklären, was dieser Typ ganz in Schwarz von ihm will. Jimmi kann es nicht erklären, aber es sei bestimmt nichts Gutes.

Da Jimmi ein Clubmitglied ist, muss er beschützt werden. Also lässt sich Schnelldenker JoJo etwas einfallen: Sie wollen Jimmi in der Wäscherei von Mai Lyns Eltern verstecken. Doch der Mann in Schwarz lauert immer noch irgendwo in der Nähe. Sie müssen ihn also täuschen. Den genialen Plan setzten sie gleich in die Tat um. Doch JoJo hat nicht damit gerechnet, dass sich der Mann in Schwarz verdoppeln kann …

_Mein Eindruck_

Ich habe das Buch in etwa einer Stunde gelesen. Nicht nur, weil es flott erzählt und spannend geschrieben ist, sondern auch, weil die Schrifttype wirklich groß ist und so nur wenig Text auf die Seite passt. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Zeichnungen Thilo Krapps, die unsere Helden zeigen. Die Seiten können also nur so vorüberrauschen. Aber nach ungefähr 80 Seiten ist eine kleine Pause einzulegen, bevor es zum Finale kommt.

Die Geschichte ist für acht- bis neunjährige Jungs und Mädchen geschrieben, und zwar so, dass diese alles verstehen. Allerdings wird bereits Harry Potter Band 1 bis 5 sowie „Tintenherz“ und „Tintenherz“ als bekannt vorausgesetzt, was im zarten Alter von acht Jahren vielleicht noch nicht gegeben ist. Ein wenig erinnert der Plot auch an „Momo“, und zwar ähnelt die Herren in Schwarz ein wenig den grauen Männern von der Zeitkontrolle. Vor solchen Finsterlingen ist die alsbaldige Verdünnisierung angesagt, das versteht sich von selbst.

Das größte Rätsel ist allerdings Jimmi selbst. Er scheint unter Gedächtnisverlust zu leiden, denn er weiß nicht, wie er auf die Erde kam. Von wo? Das ist die Preisfrage. Und er kam obendrein nackt! Kein Wunder, dass er nicht dran denken will … So viele Rätsel, die es zu lösen gilt, sorgen, das ist klar, für jede Menge Folgebände in dieser neuen Serie. Die Nähe zu den drei ??? und der „Ferienbande“ liegt nahe.

Gut finde ich allerdings, dass diese brandneue Reihe ganz im 21. Jahrhundert spielt und nicht auf Ursprüngen aus den sechziger und siebziger Jahren basiert. Ein durchschnittlicher Jugendlicher wie JoJo ist also standardmäßig mit MP3-Player und Kaugummis ausgerüstet. Jimmi weist nichts davon auf, was ihn schon mal bemitleidenswert macht. Genau deshalb muss man ihm helfen.

Zur Aktualität gehört auch der Multikulti-Hintergrund, vor dem der Geheime Buchclub existiert: Murats Vater ist offenbar Türke, wenn auch ziemlich wohlhabend, und Mai Lyns Eltern sind Boat People: Vietnamesen, die mit einem Boot aus ihrer Heimat flüchteten. Inzwischen sind sie in Deutschland erfolgreiche Leiter einer Großwäscherei. Hartz IV ist demnach also kein Thema. Daraus ergeben sich einige Unterschiede auch zu Amelie Frieds Kinderbuchserie [„Taco & Kaninchen“, 561 die in der Stadt in einem Problem-Viertel spielt.

_Unterm Strich_

Auch wenn sich der Plot dieser neuen Serie wohlbekannter Kniffe wie Amnesie und anonymer Finsterlinge bedient, so halten die Rätsel doch das Interesse an der Geschichte wach. Außerdem finden eine Verfolgungsjagd sowie das geniale Finale statt, bei dem JoJo mit seinen Freunden die Herren in Schwarz austrickst – aber für wie lange? Deshalb müssen die Buchclub-Freunde den Geheimnissen Jimmi Nightwalkers auf den Grund gehen – Stoff für viele weitere Bände, wie man hoffen darf. Jedes Buch lässt sich von erfahrenen Lesern in etwa einer Stunde lesen, eignet sich aber auch gut zum Lesenlernen – dank der großen Schrift.

|112 Seiten, gebunden
illustriert von Thilo Krapp
ISBN-13: 978-3570135808|
http://www.cbj-verlag.de

Doctorow, Cory – Little Brother

Google Street View, ELENA, Facebook – kritische Medien schlagen immer wieder Alarm, dass persönliche Daten heutzutage nicht ausreichend geschützt sind. Gerade in letzter Zeit scheinen sich diese Fälle zu häufen. Wohin so etwas führen kann, zeigt „Little Brother“ von Cory Doctorow, ein Jugendbuch, das aber auch für Erwachsene sehr lesenswert ist.

Als Terroristen in San Francisco die Oakland Bay Bridge sprengen, befinden sich Marcus und seine Freunde am falschen Ort. Sie werden von der Heimatschutzbehörde als potenzielle Verdächtige gefangen genommen und auf eine Insel gebracht. Dort werden sie auf brutale Art und Weise verhört. Die Ermittler scheinen es besonders auf Marcus abgesehen zu haben. Der Computercrack bastelt in seiner Freizeit gerne eigene Programme oder Geräte und lässt nichts unversucht, um die Sicherheits- und Bespitzelungsmethoden auf seinem Laptop, den er von der Schule gestellt bekommen hat, zu umgehen.

Diese Schläue wird ihm jetzt jedoch zum Verhängnis. Man verdächtigt ihn, am Anschlag beteiligt gewesen zu sein, kann ihm jedoch nichts nachweisen. Als man ihn und zwei seiner drei Freunde wenige Tage später gehen lässt, droht man ihm, ihn im Auge zu behalten. Die Jugendlichen kehren zu ihren Eltern zurück, die sie für tot gehalten haben, aber sie dürfen ihnen nicht die Wahrheit über ihre Abwesenheit erzählen. Doch einer von ihnen bleibt verschollen. Darryl, Marcus‘ bester Freund, der bei dem Anschlag verletzt wurde, kehrt nicht nach Hause zurück. Marcus ist wütend, glaubt, dass die Heimatschutzbehörde ihn auf dem Gewissen hat. Als ihm klar wird, dass der Anschlag als Grund benutzt wird, um die Überwachung der Bürger auszuweiten, beschließt er, dagegen zu kämpfen. Mit seinen Fähigkeiten gründet er eine Widerstandsbewegung im Internet, die sich „Little Brother“ nennt. Sie müssen zwar im Geheimen agieren, doch sie sind viele – und sie schaffen es tatsächlich, den „Big Brother“ ordentlich in Bedrängnis zu bringen …

Der große Bruder und der kleine Bruder – die Vergleiche mit George Orwells Werk „1984“ kommen nicht von irgendwoher, gibt der Autor es im Nachwort doch als Inspiration an. „Little Brother“ ist deswegen noch lange keine bloße Kopie. Die Handlung kann durchaus für sich alleine stehen, auch wenn sie nicht immer völlig neu wirkt. Viele der Ereignisse in der Geschichte sind die, die man in einem solchen Buch erwartet. „Little Brother“ ist schließlich nicht das erste Buch, in dem ein Einzelner gegen eine böse Regierung kämpft. Doctorow hat es allerdings geschafft, die Thematik zum Einen für Jugendliche aufzubereiten und zum Anderen durch die Computer- beziehungsweise Internetproblematik sehr aktuell zu gestalten.

Für die Jugendlichen wird die Geschichte vor allem durch den jungen Protagonisten interessant. Darüber hinaus dürften viele durch die Computerthematik angesprochen werden und wer ein bisschen Coming-Age-Roman oder Romantik braucht, der kommt ebenfalls auf seine Kosten. Eine interessante, toll geschilderte Liebesgeschichte, die völlig ohne Kitsch funktioniert, lockert die Handlung auf. Man muss nicht unbedingt ein Computerfreak sein, um das Buch zu lesen, denn Marcus ist auch nicht der typische Nerd. Er weiß zwar viel, doch dieses Wissen teilt er mit dem Leser. Immer wieder holt er aus, um Fachbegriffe zu erklären, so dass die Lektüre nebenbei noch sehr lehrreich ist. Dank des einfachen und persönlichen Plaudertonfalls, in dem diese Abschnitte verfasst sind, sind auch sie interessant und überwiegen den Rest der Handlung nicht. Dieser hätte aber trotz der Authentizität und Nahtlosigkeit etwas mehr Spannung, etwas mehr Paranoia ganz gut getan. Stellenweise dümpelt die Geschichte langsam vor sich hin.

Marcus rettet die Situation jedoch in vielen Fällen. Er erzählt locker und wendet sich dabei immer wieder an den Leser. Von der ersten Seite an wirkt er wie jemand, den man persönlich kennt. Er ist sympathisch, dabei aber kein typischer Held. Ein leichter Antiheld, das schon, aber bei Weitem kein Loser. Er wirkt eher wie ein ganz normaler Jugendlicher mit den Problemen, Stärken und Schwächen dieses Alters und es sollte Jugendlichen leicht fallen, sich mit ihm zu identifizieren.

„Little Brother“ hat leichte Schwächen in der Handlung, überzeugt aber ansonsten auf ganzer Linie. Der Schreibstil und der Protagonist sind fantastisch, doch was wirklich wichtig ist, ist die Message des Buches. Cory Doctorow schafft es, eine gewisse Sensibilisierung für das Thema Überwachungsstaat zu schaffen, ohne dabei zu sehr zu übertreiben oder dem Leser eine Meinung aufdrücken zu wollen. Er lädt zum Nachdenken ein – und das nicht nur Teenager. Auch für Erwachsene dürfte die Lektüre von „Little Brother“ lehrreich und interessant sein. Ein ausführliches Literaturverzeichnis am Ende des Buches, das vom Autor kommentiert ist, lädt dazu ein, sich tiefer in die Materie einzuarbeiten.

|Taschenbuch: 490 Seiten
Originaltitel: Little Brother
Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
ISBN-13: 978-3499215506|
http://www.rororo.de
[„Website des Autors“]http://www.craphound.com

_Mehr von Cory Doctorow beim Buchwurm:_
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Cast, P. C. & Kristin – Betrogen (House of Night 2)

Zoey Redbird hat sich mittlerweile sehr gut im „House of Night“ eingelebt und kommt mit den meisten ihrer Mitschüler und auch ihren Lehrern gut zurecht. Sie hat auch die besonderen Gaben und das außergewöhnliche Mal, das ihr die Göttin Nyx verliehen hat, anerkannt und akzeptiert, dass sie etwas Besonderes ist. Etwas Lampenfieber hat sie allerdings, da sie nun bald das erste Treffen der Töchter der Dunkelheit als Anführerin leiten muss und einige Veränderungen einführen möchte.

Probleme machen weiterhin Zoeys Mutter und ihr „Stiefpenner“, die Zoeys Wandlung mit ihrem stark religiösen Leben nicht vereinbaren können und ihre Abneigung auch überdeutlich zeigen. Aus ihrer Familie steht nur ihre indianische Großmutter treu zu Zoey.

Die Freundschaften, die Zoey geschlossen hat, sind stabil und geben ihr viel Rückhalt, den sie auch bitter benötigt. In Liebesfragen ist sie völlig verwirrt; da gibt es den unverschämt gut aussehenden Eric, der wie sie ein „Gezeichneter“ ist, doch auch ihr Exfreund Heath, den sie versehentlich geprägt hat, macht sich weiterhin Hoffnungen, und zu guter Letzt wird sie auch noch von ihrem Lehrer umworben.

Die Oberzicke Aphrodite verändert sich überraschend deutlich zum Positiven und Zoey weiß nicht so recht, was sie von deren Veränderung halten soll – ist dies nur ein Spiel? Auch ihre Mentorin Neferet ist für Zoey ein Buch mit sieben Siegeln, denn sie verhält sich so manches Mal sehr seltsam und Zoey kann ihr nicht mehr vertrauen.

Dann geschieht Furchtbares: Ehemalige Mitschüler von Zoey verschwinden und wenig später findet man deren Leichen. Alle Spuren führen ins House of Night und zu den Vampyren. Als dazu immer mehr Jungvampyre sterben, steht Zoeys Welt Kopf.

_Kritik_

Der zweite Teil der „House of Night“-Serie, „Betrogen“ von dem Autorenduo P. C. und Kristin Cast, entwickelt sich temporeich weiter. Die Probleme der Heranwachsenden sind lebensnah beschrieben und auch die Spannung lässt nichts zu wünschen übrig. Der Schreibstil der Autorinnen ist sehr flüssig und verständlich geraten. Auch die Schwierigkeiten, in denen Zoey steckt – sei es in Liebesdingen oder im Verhältnis zu den Erwachsenen – sind nachvollziehbar. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Zoey temporeich und lebendig erzählt, so dass der Leser mitfiebern kann und immer wieder hofft, dass sie den richtigen Weg für sich findet.

Besonders gut gelungen ist auch die Einflechtung der schwierigeren Themen, mit denen viele Jugendliche in Kontakt kommen, sei es die Homosexualität oder auch der Drogenkonsum, die keinesfalls nebenher abgehandelt werden, sondern auch mal in die Tiefe gehen.

Die Protagonisten haben sich überzeugend weiterentwickelt, wobei besonders die Entwicklung von Aphrodite sehr interessant ist, denn sie scheint sich von dem Dasein als Oberzicke zu verabschieden und zeigt plötzlich ganz neue Züge ihrer Persönlichkeit. Immer undurchsichtiger wird Zoeys Mentorin Neferet. Was führt diese wirklich im Schilde?

Die Sprache hat sich im Verhältnis zum ersten Teil deutlich geändert; zwar ist sie jugendlich schnodderig geblieben, dennoch nicht mehr so vulgär wie noch im ersten Teil.

_Fazit_

Hat mich schon „Gezeichnet“ überzeugen können, so übertrifft der zweite Teil der „House of Night“-Serie deutlich meine Erwartungen. Die Charaktere haben sich vorteilhaft geändert und auch die Sprache der Jugendlichen ist deutlich besser und angenehmer zu lesen. Zudem ist dieser Roman spannender konzipiert. Ich kann allen Jugendlichen und jung gebliebenen Lesern der Fantasy diesen Roman empfehlen.

Ich selber freue mich schon sehr auf den nächsten Teil der Serie, „Erwählt“, der am 1. August 2010 erscheinen wird.

_Die Autoren_

P. C. Cast und Kristin Cast sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Sie leben beide in Oklahoma, USA. Der nächste deutschsprachige Teil der „House of Night“-Serie erscheint im August 2010. Mehr zu dieser Serie unter http://www.house-of-night.de.

|Originaltitel: Betrayed / A House of Night 2
Aus dem Amerikanischen von Christine Blum
509 Seiten, gebunden
Empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre
ISBN-13: 978-3-8414-2002-2|
http://www.house-of-night.de
http://www.fischerverlage.de/page/junge__erwachsene

_Nadine Warnke_

Kinskofer, Lotte – Schwarzer Schnee

Der eigene Bruder, der Freund – eigentlich glaubt man, diesen Leuten vertrauen zu können und sie genau zu kennen. Doch Vertrauen kann enttäuscht werden, wie Lotte Kinskofer in ihrem Jugendkrimi „Schwarzer Schnee“ aus der „dtv pocket crime“-Reihe zeigt.

Lara kann sich eigentlich nicht beschweren. Ihr Freund Max liebt sie, mit ihren Eltern und ihrem fünfzehnjährigen Bruder kommt sie gut zurecht, doch dann passiert etwas, was ihr Leben auf den Kopf stellt. Simon, ihr Bruder, verschwindet. Er hatte vorher gesagt, er würde bei einem Kumpel übernachten, aber als die Familie Sonntag abend dort anruft, muss sie feststellen, dass er dort nie aufgetaucht ist. Wo ist Simon? Nichts hat darauf hingedeutet, dass er einen Grund hatte, abzuhauen. Oder hat er sich umgebracht?

Tausend Fragen beschäftigen die Familie. Als Lara und Max Simons Zimmer durchforsten, finden sie merkwürdige Computerspiele, Geld, Alkohol – alles, was sie nie im Leben bei Simon vermutet hätten. Anstatt es der Kripo zu verraten, behalten sie es für sich. Lara möchte ihre Eltern nicht noch trauriger machen. Also beginnt sie selbst zu ermitteln, aber das ist gar nicht so leicht. Simon ist wie vom Erdboden verschluckt, niemand scheint ihn gesehen zu haben. Doch dann gibt es eine erste Spur. In einem leer stehenden Haus werden eine Blutspur ihres Bruders und ein Schreibheft von ihm gefunden. Was ist dort passiert? Und lebt ihr Bruder überhaupt noch?

Das Thema, das sich durch die ganze Geschichte zieht, ist, wie man sich in Menschen, die man zu kennen glaubt, täuschen kann. Das beginnt bei Laras Bruder Simon und endet bei Charakteren, bei denen man es gar nicht erwartet hat. Die Autorin baut mit Hilfe unterschiedlicher Personenkonstellation eine wendungsreiche, spannende Handlung auf. Actionszenen sind dabei selten. Vielmehr handelt es sich um einen sehr ruhigen, nachdenklichen Krimi, bei dem nach und nach Missstände ans Tageslicht kommen. Diese Ruhe wird an der einen oder anderen Stelle zu Langeweile, doch insgesamt schlägt sich „Schwarzer Schnee“ recht gut.

Lotte Kinskofer versteht es, ihre Geschichte und die Figuren sehr detailliert und anschaulich darzustellen. Ich-Erzählerin Lara schildert die Ereignisse sehr genau und eindrücklich. Das beginnt bei den Veränderungen, die Simons Verschwinden in ihrer Familie verursachen, bis hin zu der Zusammenarbeit mit der Polizei – sowohl die Handlung als auch die Figuren sind sauber durchdacht. Lara ist ein junges, eher ruhiges Mädchen, mit dem man sich gut identifizieren kann. Die anderen Charaktere haben ebenfalls Ecken und Kanten. Sie sind gut ausgearbeitet und erwecken die Geschichte zum Leben.

Lotte Kinskofers Schreibstil passt zu ihrer Heldin. Er ist ebenfalls ruhig, intelligent, dabei aber auch gewieft. Witzig ist die Geschichte nicht, sondern zumeist sehr ernst. Trotzdem liest sich das Buch schnell und flüssig. Die anschauliche Darstellung von Gefühlen und Gedanken sorgt dafür, dass man sich direkt in Laras Kopf versetzen kann.

„Schwarzer Schnee“ ist damit ein netter Jugendkrimi mit einem starken Fokus auf Personen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Er ist anschaulich und lebensnah geschrieben und gefällt durch die authentische Hauptperson.

|270 Seiten, Taschenbuch
ISBN-13: 978-3423782371|
http://www.dtvjunior.de

Katrin Stehle – Kalte Augen

Vom Dörfchen ins gigantische Berlin – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Kira, die Protagonistin aus Katrin Stehles Jugendkrimi „Kalte Augen“, passiert das auf einer Klassenfahrt. Allerdings bekommt sie ungeahnte Hilfe von einem Unbekannten …

Alles beginnt mit einer Mutprobe. Kira möchte Lara und Jenna beweisen, dass sie cool und furchtlos ist und traut sich ganz alleine nachts in einen Berliner Park. Doch die beiden „Freundinnen“ folgen ihr nicht, wie versprochen, sondern lassen sie im Stich. Plötzlich ist Kira verloren in der Großstadt und weiß nicht, wo sich die Jugendherberge befindet. Sie irrt durch die Nacht, bis sie plötzlich von einem Jungen namens Gunnar angesprochen wird.

Katrin Stehle – Kalte Augen weiterlesen

Gier, Kerstin – Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten 2

_Weiter, weiter!_

Wenige Tage sind vergangen, seit die 16-jährige Gwendolyn Shepard erfahren hat, dass nicht ihre hochnäsige Cousine Charlotte, sondern sie selbst das Zeitreisegen ihrer Familie geerbt hat. Während Charlotte ihr bisheriges Leben lang mit Tanz- und Fechtunterricht sowie dem Pauken von diversen Sprachen, Geschichte und kulturellen Unterschieden in den verschiedenen Jahrhunderten gründlich auf ihre Zeitreisen vorbereitet wurde, tappt die unbedarfte Gwendolin von einem Fettnäpfchen ins andere, während sie tägliche Zeitreisen in ungefährliche Jahre sowie quälende Stunden Tanz- und Benimmunterricht über sich ergehen lassen und außerdem ihre Schule sowie ihr restliches Sozialleben auf die Reihe bekommen muss. Zudem traut man ihrem sorglosen und naiven Wesen nicht zu, das große Geheimnis, dessen Teil sie als „Rubin“ einnimmt, zu verstehen – geschweige denn vollständig eingeweihter Teil des Geheimbundes zu werden.

Solchermaßen unwissend, bleibt ihr beinahe nichts anderes übrig, als an Gideons Hand durch die Zeitreise-Liebesgeschichte der deutschen Autorin Kerstin Gier zu stolpern. Der gutaussehende, vielfach talentierte Gideon trägt ebenfalls das besagte Gen in sich, ist jedoch offensichtlich über alles voll im Bilde und spielt seine Überlegenheit bei jeder sich bietenden Gelegenheit aus, so dass Gwen nicht nur durch ihre Unwissenheit, sondern auch durch den inneren Zwiespalt zwischen aufkeimender Liebe und empörter Abneigung verunsichert wird. Doch ihre Freundin Leslie steht ihr mit Hilfe des Internets und ihres analytischen Verstandes bei der Erforschung des Geheimbundes und in Liebesangelegenheiten unerschütterlich zur Seite. Sie ist auch die Einzige, die weiß, dass Gwendolyn in der Lage ist, Geisterwesen zu sehen und mit ihnen zu sprechen. Als sehr nützlich erweisen sich die Bekanntschaft mit dem Schulgespenst James, welches ihr in Sachen Anstandsregeln im 18. Jahrhundert so manchen Tipp geben kann, und mit Xemerius, einem Dämon, der sich nicht nur als ein anhänglicher Nervtöter herausstellt, sondern als Spion auch gute Dienste leistet. Nicht zuletzt kann sich Gwen auf die Hilfe ihres Großvaters verlassen, mit dem sie in der Vergangenheit zusammentrifft, während man sie eigentlich Hausaufgaben erledigend in einem dunklen Kellerraum wähnt.

_Mein Eindruck_

„Saphirblau“ ist der zweite Teil der Trilogie „Liebe geht durch alle Zeiten“. Was im ersten Teil [„Rubinrot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5664 mit einem Kuss angedeutet wurde, entwickelt sich zu einer Liebesgeschichte, die mit einer Liebeserklärung des grünäugigen Gideon nur ein vorläufiges Happyend findet, denn dem zwielichtigen Graf St. German, der Gwendolyn bereits im ersten Buch verängstigt, gelingt es auch im zweiten Teil, seine undurchsichtigen Fäden so zu spinnen, dass niemand dem anderen vertraut und auch Gwen nicht an Gideons Liebe glauben kann. Ihrer Cousine Lucy und Gideons Verwandtem Paul und deren Motiven kommt man nur so weit auf die Schliche: Sie haben den ersten Chronographen, mit dessen Hilfe kontrollierte Zeitreisen möglich werden, gestohlen und halten sich in der Vergangenheit vor dem Geheimbund versteckt. Ihr Ansinnen ist es offensichtlich, den Initiator und Kopf der Loge, Graf St. Germain, töten zu lassen, weil sie Kenntnis davon haben, was der Chronograph wirklich vermag, wenn erst das Blut aller Zeitreisenden dort eingelesen worden ist. Sie wissen, welche Opfer die Macht, die dem Grafen dann verliehen werden wird, darüber hinaus fordert. Genaueres wird leider noch vorenthalten, aber eines ist ganz klar: Gwendolyn wird nicht nur verdächtigt, mit ihnen gemeinsame Sache zu machen, sondern auch ihr Leben ist in höchster Gefahr. Damit entlässt die Autorin ihre Leser in die Wartezeit auf den dritten Teil, der im Herbst 2010 erscheinen wird.

Kerstin Gier verzaubert ihre Leser mit einer Geschichte von der ersten großen Liebe mit Höhen und Tiefen, wie man sie nur als Teenager erleben kann. Alles daran ist neu und rätselhaft: das Küssen, das Sehnen, das Verhalten des Geliebten, das eigene Verhalten und nicht zuletzt das Wechselbad der Gefühle zwischen „himmelhoch jauchzend“ und „zu Tode betrübt“. Hinzu kommen die ganz alltäglichen Probleme, mit denen man sich herumschlagen muss: das allzu kritisch bewertete Aussehen, die Schule, Lehrer, nervige Verwandte und ein wenig gefestigtes Selbstbewusstsein. Als sei das alles noch nicht genug, wird Giers Hauptfigur einmal am Tag fürchterlich übel, und kurz darauf landet sie für mehrere Stunden in einer anderen Zeit.

Ihre jugendlichen Leserinnen finden sich gewiss in Gwendolyn wieder, und auch die erwachsenen erinnern sich noch an die Zeit, in der sie von Prinzessinnenroben träumten und sich einen gutaussehende Beschützer an ihre Seite wünschten. Die Zeitreisegeschichte dient in diesem Sinne als nette Verpackung und als Spannungselement. Doch die bezaubernde Naivität, die nur einem jungen Mensch wie Gwen innewohnt, die bereits so viel von der Welt und dem Leben zu kennen glaubt und dabei doch nur eine vage Ahnung von ihren Dimensionen und dem eigenen Platz im Leben hat, amüsiert den Leser und macht die Figur überaus sympathisch. Wenn Gwen trotz eines Antialkohol-Paktes mit ihrer besten Freundin auf einer Soirée im 18. Jahrhundert merklich angetrunken „Memory“ aus Cats zum Besten gibt und bei ihren Lieblingszeilen „If you touch me, you’ll understand what happiness is“ bemerkt, „dass das Lied nicht speziell für Katzen geschrieben sein konnte“, zeigt sich der wunderbare Humor der Autorin, welcher bereits den unverwechselbaren Charme ihrer ersten Bücher wie „Männer und andere Katastrophen“ oder „In Wahrheit wird viel mehr gelogen“ geprägt hat. Tatsächlich sollte man sich auch bei der Lektüre von „Saphirblau“ auf häufiges Schmunzeln und lautes Auflachen gefasst machen.

Der |Arena|-Verlag hat sich entschlossen, die wunderbare Covergestaltung Eva Schöffman-Davidoffs auch für den zweiten Band beizubehalten. Dieses Mal winden sich als Schattenriss gestaltete erhabene Ranken auf dem blauen Grund der Vorder- und Rückseite um die beiden Hauptfiguren. So wird auch äußerlich ein Zusammenhang zwischen den Romanen hergestellt. Der Leser kann die fledermausartige Figur, welche zunächst nur als schmückendes Beiwerk erkennbar war, nun dem Dämon Xemerius zuordnen. Alles in allem macht sich auch dieser Band gut im Bücherregal und ist ein lesenswerter Schmöker, der trotz seiner knapp 400 Seiten nicht viel Lesezeit in Anspruch nimmt.

_Die Autorin_

Kerstin Gier (geb. 1966 bei Bergisch Gladbach) ist eine deutsche Autorin, die – auch unter den Pseudonymen Jule Brand und Sophie Bérard – überwiegend Frauenliteratur verfasst. Gier studierte zunächst Germanistik, Musikwissenschaften und Anglistik, bevor sie zur Betriebspädagogik und Kommunikationspsychologie wechselte und als Diplompädagogin abschloss. Nach mehreren Jobs begann sie 1995 mit dem Schreiben von Frauenromanen. Sie wohnt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in einem Dorf im Bergischen Land. Ihr erstes Buch „Männer und andere Katastrophen“ von 1996 wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt. 2005 erhielt Kerstin Gier den DeLiA-Literaturpreis für Liebesromane deutschsprachiger Autorinnen. Mit der auf drei Bände angelegten Reihe über die Abenteuer von Gwendolyn und Gideon in London („Rubinrot“, „Saphirblau“ und „Smaragdgrün“) verfasste sie erstmals einen Jugend- und Fantasyroman. (Quelle: |Wikipedia|)

|400 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3401063478|
http://www.arena-verlag.de
http://www.kerstingier.de
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Broach, Elise – Tote aus dem Nichts, Die

Mit „dtv pocket crime“ startet dtv eine neue Reihe Jugendbücher, die spannende Krimis für Leser ab 14 Jahren verspricht. Viele der Geschichten stammen von deutschen Autoren, aber nicht alle. „Die Tote aus dem Nichts“ von Elise Broach beispielsweise spielt im heißen Süden der Vereinigten Staaten.

Mit dem Bruder und dessen besten Freund alleine durch die USA – was nach einem idyllischen Roadtrip klingt, wird für die fünfzehnjährige Lucy bald zum Albtraum. Mitten in der Pampas von New Mexico läuft ihnen etwas während einem Unwetter vor das Auto. Sie haben zwar nicht erkannt, was es war, aber als sie zu der Stelle zurückfahren, finden sie ein totes Mädchen, kaum älter als sie.

Die drei Jugendlichen sind schockiert. Hat Jamie, Lucys Bruder, tatsächlich ein Mädchen getötet? Die hinzu gerufene Polizei ist sich nicht sicher, weshalb die drei vorerst in der Gegend bleiben müssen. Sie kommen bei Beth unter, einer zurückgezogen lebenden Künstlerin. Während Jamie versucht, seine Sorgen in einer Flirterei mit der deutlich älteren Frau zu ertränken, fühlt sich Lucy verpflichtet, den Mord an dem Mädchen zu klären. Doch dabei gerät sie selbst in Gefahr …

Als Krimiautor hat man meistens mit einem Problem zu kämpfen: Möchte man die Handlung lieber spannend oder lieber authentisch gestalten? Gerade wenn ganz normale Menschen und nicht etwa Polizisten die Hauptrolle spielen, ist es sehr schwierig, beides zu vereinen. Auch Elise Broach musste sich dieser Frage stellen und, nach der Lektüre von „Die Tote aus dem Nichts“, scheint es, als ob sie sich dafür entschieden hätte, die Spannung für die Realität aufzugeben. Ihr Jugendbuch ist deshalb nicht gleich langweilig, aber die Krimihandlung ist ein wenig uninspiriert, leicht vorhersehbar und nicht besonders originell. Dafür ist ihr Buch aber sehr authentisch. Da eine Jugendliche die Ich-Erzählerin ist, liegt der Fokus neben Lucys Ermittlungen vor allem auf Liebe und Gefühlschaos. Davon gibt es wahrlich mehr als genug. Wegen der Ermittlungen an Beths Haus gefesselt, entspinnt sich zwischen den wenigen auftretenden Personen, nämlich Lucy, ihrem Bruder, dessen Freund Kit und ihrer Gastgeberin Beth, ein dichtes Netz aus Verliebtheit, Wut und Enttäuschung. Eine kitschige Romanze darf man trotzdem nicht erwarten. Die zwischenmenschliche Ebene der Geschichte ist so trocken wie die Wüste in New Mexico, aber dabei so intensiv beschrieben, dass man die maue Handlung beinahe vergisst.

Um den Leser auf dieser emotionalen Ebene zu fassen zu kriegen, bedarf es Charaktere, mit denen er sich identifizieren kann und mit denen er gerne mit fiebert. Auch das ist der Autorin gelungen. Lucy ist eine typische Fünfzehnjährige. Ein wenig naiv, ein wenig trotzig, sie findet, dass Jungs nerven und sie kann sehr dickköpfig sein. Da aus ihrer Ich-Perspektive erzählt wird, lernt man sie am besten kennen und sieht die Welt durch ihre Augen. Dementsprechend gefärbt sind ihre Einstellungen gegenüber ihren Mitstreitern. In Jamie und Kit sieht sie die typischen Highschooljungs, die nichts anderes im Kopf haben als Mädchen. Dass sie aber auch anders sein können, ist eine neue Erfahrung für Lucy und sie beobachtet diese halb fasziniert, halb argwöhnisch und lässt den Leser in ihrer einfachen und präzisen Sprache daran teilhaben.

In der Summe ist „Die Tote aus dem Nichts“ mehr Jugendbuch als Krimi. Die Handlung punktet vor allem dann, wenn sie sich um die Gefühle der authentischen Protagonisten dreht. Diese beschreibt Elise Broach so authentisch und intensiv, dass man die langweiligeren Teile der Geschichte gerne verzeiht.

|Aus dem Englischen von Katharina Orgaß und Gerald Jung
301 Seiten, Taschenbuch
ISBN-13: 978-3423782364|
http://www.dtv.de

Ulrike Kaup und Günther Jakobs – Ein Funkelstern für Mama

Kleinkinder und Kinder auch noch im Alter von drei Jahren und mehr bekommen oft die altgedienten Bilderbücher ihrer Eltern, Großeltern, … Natürlich mit den besten Absichten, denn schließlich sind echte Schmuckstücke dabei, und fand man sie nicht selbst als Kind wunderschön und interessant? Auch auf Grund der Tatsache, dass Kinder dieser Altersgruppe ziemlich schnell wachsen, an Wissen und Verständnis gewinnen und sich so oft schnell nicht mehr für Bilderbücher bestimmter Zielgruppen interessieren, greifen Verwandte gern auf schon Vorhandenes zurück. Und dabei gibt es sooo schöne Bilderbücher neuesten Ursprungs, die den Weg in jede Kinderhand (und oft auch in die ihrer Eltern) verdient haben!

Bei Coppenrath erschien jüngst (Februar 2010) das vorliegende Bilderbuch. Schon der Titel und das, was der Verlag über das Buch schreibt, deuten darauf hin, dass es nicht nur ein schönes Kinderbuch, sondern weit mehr als das ist, nämlich ein großes Dankeschön an alle Mamas, die sich mit all ihrer Liebe ihren Kindern widmen und es verdient haben, auf diese Zuneigung eine Antwort zu bekommen …

Handelnde Person ist vor allem der kleine Waschbär. Seine Mama verreist für einen Tag und eine Nacht und verspricht, ihm etwas mitzubringen. Da überlegt sich der Kleine, ihr das schönste Geschenk zu machen, das man sich vorstellen kann. Die Bilder zeigen in humorvoller, aber kindgerechter und sehr schöner Weise, wie sich der Waschbär bemüht, die unwahrscheinlichsten Geschenke zu finden: Ein Stück vom blauen Himmel, einen Sonnenstrahl, eine Seifenblase, einen Stern vom Himmel … Schließlich fragt er die weise Eule um Rat und Hilfe, und zusammen gelingt ihnen wirklich ein rührendes Geschenk, das in Form einer Klappkarte im hinteren Teil des Buches präsentiert wird.

„Ein Funkelstern für Mama“ gefällt nicht nur den Kindern, auch die Mamas werden gerührt sein, und Väter können sich Anregungen für Mama-Geburtstage holen, wenn die Kinder vielleicht auch schon ein Geschenk machen wollen. Die Struktur der einzelnen Bilder ist klar und einfach erfassbar für die kleinen Kinder, so sind sie zwar seitenfüllend und mit liebevollen Details geschmückt, aber so auf das Wesentliche fokussiert, dass sie nicht überladen wirken und die vorgelesene Geschichte gut darstellen.

Die Farben geben dem gesamten Buch Ruhe und Freundlichkeit, es gibt keine bildlich erzeugte Hektik, keine Unruhe und keine negativen Gefühle. Vielleicht können die Kinder mitfühlen, wie traurig der kleine Waschbär ist, als seine Mama wegfahren muss, aber gleichzeitig können sie die Vorfreude miterleben, die bei der Suche nach dem perfekten Geschenk aufkommt. Warum kann man eigentlich kein Stück vom blauen Himmel oder keinen Sonnenstrahl einfangen, um ihn zu verschenken? Die Bilder zeigen zumindest, dass es nicht geht, aber sie zeigen mit Hilfe der Eule auch einen Weg auf, wie man seiner Mama trotzdem etwas ähnlich Wirkungsvolles schenken kann.

Es lohnt sich, auch neue Kinderbücher in die Überlegungen einzubeziehen, wie der Coppenrath-Verlag eindrücklich zeigt, und dabei ist „Ein Funkelstern für Mama“ nicht das einzige Buch, dem diese Aussage gilt. Erhobene Zeigefinger sieht man hier nicht, ebenso wenig wie versteckte Brutalität oder Bestrafungsvorschläge (man denke nur an den Stuwwelpeter oder ähnliche Horrorgeschichten). Hier herrscht eine absolut wohlwollende, rührende, humorvolle und sonnige Atmosphäre, ein Bildergenuss für alle Beteiligten.

Gebundene Ausgabe: 32 Seiten
ISBN-13: 978-3815768440
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 36 Monate – 6 Jahre

Leo Timmers – Tiefseedoktor Theodor

Was passiert eigentlich mit den Haien, wenn sie mal Zahnschmerzen bekommen? Oder wenn sich ein Krake die Tentakeln verletzt? Wer tröstet die großen Wale, und wer macht kastrierten Fischen den Trichter um den Kopf? Die letzte Frage wird nicht beantwortet, um die Eltern nicht in Erklärnot zu bringen.

Der Tiefseedoktor Theodor besteigt sein kleines Unterseeboot und macht sich auf den Weg, den Bewohnern des Meeres seine Fürsorge zu bringen. Sein erster Patient heute ist ein kurzsichtiges Seepferdchen, dem eine passende Brille fehlt. Dem Hai, der mit klaffendem Gebiss auf ihn zu stürmt, muss der erschreckte Doktor nur einen schmerzenden Zahn ziehen, einem Krake alle Tentakeln verbinden und einen Wal auf seine Kummercouch legen, um ihn aufzubauen. Doch dann gehen die Probleme erst richtig los: Die Antriebsschraube des U-Bootes verfängt sich in dichten Algen und lässt den Doktor nicht mehr auftauchen! Wer kann da helfen? Das Seepferdchen organisiert die Hilfe, der Hai durchbeißt die Algen mit seinen wieder gesundeten Zähnen. Aber es gibt noch andere Abenteuer zu bestehen …

Das Buch ist großformatig und regt dadurch schon die Neugierde der kleinen potenziellen Leser an, denn man weiß ja um die Gültigkeit des Spruches „Je größer, desto besser!“. Wenig Text macht es leicht, die eigene Fantasie weiter schweifen zu lassen und lässt so auch Platz für die Vorstellungen der Kinder. Im Gegensatz zu oft angetroffenen Bilderbüchern sind die Illustrationen sehr klar und schlicht, ohne die überbordende Ausschmückung mit winzigen Details oder massenhaften Ansammlung von Tieren, Menschen oder Gerätschaften. Natürlich bieten sich die Weiten des Meeres auch an, den Hintergrund schlicht zu halten und sich auf die wichtigen Handlungsträger zu konzentrieren. Und trotz der großen Seiten, die Platz bieten für verspielte Bilder mit vielerlei Gimmicks für die vorlesenden Eltern oder Großeltern (oder wen auch immer), was diese sicherlich erfreuen könnte, wirken die wenigen Objekte überhaupt nicht einsam. Sie vermitteln eher ein Gefühl der Weite, der Größe des Ozeans, und die Bilder wirken so ausgesprochen beruhigend. Sowohl diese grundsätzliche Gestaltung wie auch die Farben und der freundliche Stil bringen ein rundum positives Geschichtenerlebnis hervor.

Schon für kleine Kinder transportiert dieses Bilderbuch eine moralische Botschaft, die auf Hilfsbereitschaft und gegenseitigen Respekt abzielt, doch natürlich erhebt Timmers nirgends einen mahnenden Zeigefinger, sondern erzählt und illustriert wunderschön diese spannende Geschichte. Er bringt so auf unkonventionelle Art den Lebensraum „Meer“ in die kleinen Bewusstseine und erzeugt – man kann es im Grunde nicht anders nennen – eine umfassende Zufriedenheit.

Bei all der bildlichen Klarheit muss man doch noch ein Wort zu den Details verlieren. Es sind liebevolle Kleinigkeiten, die uns Erwachsene zum Schmunzeln bringen. Das kleine U-Boot des Doktors, das ihn scheinbar gerade so aufnehmen kann, birgt ungeahnte Inhalte, die der Doktor über seine Bedienelemente bedarfsgerecht einsetzen kann. So entfaltet sich eine Couch, auf der sogar der Wal Platz findet. Ein echter Zahnarztstuhl für den Hai mit kleinem Spuckbecken und Spülbecher sind das Highlight dieser Unterwasserwelt. Das Buch ist ein Meisterwerk.

Gebundene Ausgabe: 40 Seiten
ISBN-13: 978-3815798928
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 3 – 5 Jahre
Originaltitel: Diepzeedokter Diederik

http://www.coppenrath.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Rauchhaus, Susanne – Schattenwesen

Ferienjobs sind eine feine Sache. Zwischen zwei Schuljahren oder dem dem Abitur und dem Studium bleibt genug freie Zeit, in der man Geld verdienen kann, um in den Urlaub zu fahren. Die Heldin in Susanne Rauchhaus‘ Roman „Schattenwesen“ möchte von ihrem Verdienst ihr Studium finanzieren. Mit 25.000 Euro sollte das kein Problem sein.

25.000 Euro sind viel Geld. Genau diese Summe bietet Ruben Nachtmann, ein Freund ihres verstorbenen Vaters, der jungen Restauratorin Kira. Ihre Aufgabe ist die Restauration eines alten Freskos und während der Arbeit soll sie auf Nachtmanns Anwesen leben.

Willig lässt sie sich auf den Job ein. Doch als sie auf dem Schloss von Nachtmann ankommt, muss sie feststellen, dass sie nicht der einzige Gast ist. Die aufgetakelte Anna soll dem Fresko nach der Restauration, einen neuen Anstrich geben. Die beiden verstehen sich nicht besonders gut, denn während Kira sich vor allem für das Kunstwerk interessiert, flirtet Anna lieber mit Nachtmanns Assistenten, dem schweigsamen Cyriel. Das wiederum findet Kira eher befremdlich und sie versteht sich auch nicht besonders gut mit Cyriel. Stoisch geht sie ihrer Arbeit nach, doch dann verschwindet Anna plötzlich. Ihr Zimmer ist wie leer geräumt, von ihr gibt es keine Spur.

Doch das ist nicht die einzige Ungereimtheit in Nachtmanns Schloss. Merkwürdige Scharrgeräusche im Keller, Türen, die sich nur im Dunkeln öffnen – allmählich beschleicht Kira das Gefühl, dass die 25.000 Euro es doch nicht wert waren …

Der Verlag bezeichnet das Buch als „romantischen Mystery-Roman“, tatsächlich hat „Schattenwesen“ aber mehr von einem Mystery-Roman als von Romantik. Das Buch beginnt sehr alltäglich. Lange ist von fantastischen Wesen nicht viel zu sehen. Kira, eine bodenständige, junge Frau stürzt sich mit Feuereifer auf ihre Aufgabe und bemerkt die mysteriösen Vorgänge um sie herum erst spät. Danach akzeptiert sie sie aber recht schnell. An dieser Stelle fehlt es ein wenig an Momenten des Unglaubens, des Zögerns. Gut gemacht ist die Geschichte trotzdem. Sie ist originell und die Autorin baut interessante Ereignisse ein. Am Ende geht der Handlung jedoch ein bisschen die Luft aus durch allzu viele Wendungen. Da hilft auch die Andeutung einer Liebesgeschichte nicht, die darüber hinaus sehr schnell abgehandelt wird.

Die Geschichte ist allerdings trotz dieser kleinen Fehler lesenswert. Das liegt vor allem an Kira, einem überaus authentischen Charakter. Die junge Frau hat zum Einen mit dem Tod ihres Vaters zu kämpfen, zum Anderen ist sie sich noch immer nicht ganz sicher, was die Umstände seines Selbstmords angeht. Darüber hinaus bricht für die Abiturientin ein neuer Lebensabschnitt an. All diese Einzelheiten weiß die Autorin sicher und authentisch umzusetzen. Es macht sehr viel Spaß, Kira zu folgen und der eine oder andere erkennt vielleicht sogar etwas von sich selbst in ihr wieder. Kira erzählt aus der Ich-Perspektive, wodurch der Leser direkt Anteil an ihren Gedanken und Gefühlen hat.

Darüber hinaus lernt man auch Einiges über das Restaurieren und andere Dinge. Die Autorin hat gut recherchiert, was zur Lebendigkeit der Geschichte beiträgt. Auch sonst schreibt sie sehr sicher. Sie verfällt nicht in einen Jugendslang, sondern benutzt eine niveauvolle, aber dennoch verständliche Sprache. Dass sie nicht jeden Fachbegriff bei Kiras Arbeit ausführlich erklärt, macht überhaupt nichts. Die Geschichte ist trotzdem flüssig und schnell zu lesen.

„Schattenwesen“ ist ein schönes Jugendbuch, das den Fokus vor allem auf die jugendliche Hauptfigur legt. Dabei gerät die Handlung ein wenig ins Hintertreffen, doch der Schreibstil und Kiras Charme gleichen dies aus.

|303 Seiten, gebunden
ISBN-13: 978-3800055388|

Willkommen

_Susanne Rauchhaus beim Buchwurm:_
[Die Übersinnlichen 6015

Marx, André – Die drei ??? – Der Fluch des Drachen

André Marx gehört mittlerweile sicherlich zu den Urgesteinen der Serie, seit sie sich fest in deutscher Hand befindet. „Der Fluch des Drachen“ gehört zu den aktuelleren Beiträgen der so genannten „Neuen Ära“ und ist insgesamt der 130. Fall des Junior-Detektivtrios. Die Erstveröffentlichung aus dem Hause |Franckh-Kosmos| datiert bereits auf das Jahr 2006 zurück. Die frischere Neuauflage von 2008 ist Änderungen bei der Lizensierung geschuldet, was sich hauptsächlich im leicht geänderten Cover bzw. im Cooperate Design wider spiegelt. Inhaltlich ist der Band (wie auch alle anderen davon betroffenen Bücher) selbstverständlich mit der Urfassung identisch.

_Zur Story_

Ein junger Mann namens Johnson taucht mit einer außergewöhnlichen Bitte in Onkel Titus‘ Gebrauchtwarencenter auf: Er möchte eine chinesische Vase dort deponieren, auf dass seine Verlobte sie dann dort am nächsten Tag „zufällig“ aufspürt. Sie sei nicht sonderlich wertvoll, aber dennoch trotzdem etwas Besonderes, denn sie zeigt einen weißen Drachen auf blauem Hintergrund – normal ist es immer umgekehrt. Seine Verlobte sei schon lange auf der Suche nach einem derartigen Motiv und sie sei nicht nur Sammlerin sondern vor allem auch eine begeisterte Jägerin von kuriosen Stücken. Das Finden macht ihr fast mehr Spaß als der eigentliche Besitz, daher plane er diese kleine Inszenierung zu ihrem Geburtstag. Einfach nur Schenken läuft bei ihr wohl nicht. Familie Jonas willigt ein, ihm diesen Gefallen zu tun.

Als Justus seinen beiden Freunden die Geschichte erzählt und ihnen die Vase zeigen will, passiert das Unglück. Sie fällt vom Regal und zerbirst. Völlig verzweifelt setzt Justus alles daran, bis zum Eintreffen von Mr Johnson und seiner Verlobten irgendwie Ersatz herbei zu schaffen und das Malheur insbesondere vor Tante Mathilda geheim zu halten. Das gestaltet sich höchst schwierig, ja scheint gar unmöglich, denn das Motiv auf der Vase ist tatsächlich nicht nur selten, es verdichten sich bei der panikgleichen Recherche die Hinweise, dass es sich beim fraglichen Stück durchaus um eine sündhaft teure Ming-Vase handeln könnte. Noch dazu eine, welche kürzlich aus der Sammlung einer bekannten Schauspielerin entwendet wurde. Einige kuriose Gestalten interessieren sich zudem plötzlich für den Schrottplatz, darunter auch ihr alter Erzfeind Skinny Norris.

_Eindrücke_

Der erste Detektiv quasi als eigener Klient, das kommt nicht alle Tage vor in der Junior Detektei. Dabei gilt es zunächst einmal fest zu halten, dass im gesamten Buch nicht ein einziger Fluch, geschweige denn der eines Drachen, existiert. Diese kleinen Übertreibungen im Titel ist man mittlerweile gewohnt, es verkauft sich halt besser, wenn’s ein wenig reißerischer klingt als es in Wahrheit ist. Wobei „Die drei ??? und der weiße Drache“ sicherlich auch attraktiv und zudem wesentlich näher an der eigentlichen Geschichte gewesen wäre. Doch verlassen wir die verschlungenen Pfade des Marketing und beenden die ermüdenden Gedanken, wie oft in der nun ziemlich genau 50jährigen Geschichte der Serie wohl schon irgendein „Fluch“ auf dem Cover prangte – und das auch noch fälschlich.

André Marx ist einer der Routiniers unter den ???-Autoren und genauso souverän schaukelt er die schon recht ungewöhnlich beginnende Story nach Hause. Dazu bedient er sich erfreulicherweise nicht so sehr an ollen Kamellen aus der Klischee-Kiste. Ein paar können/dürfen/müssen aber dennoch sein, sonst wäre es kein Fall der drei Fragezeichen. Auffällig ist bei den letzten Veröffentlichungen das vermehrte Auftreten von Tunichtgut Skinny Norris und auch Rubbish George ist langsam aber sicher ein Dauergast – allerdings hat er diesmal wirklich nur eine minimale Gastrolle. Peter darf mal wieder ein paar Dollar berappen und selbstverständlich den Sportler raus hängen lassen, während Bob wie üblich eifrig recherchiert und Justus ausnahmsweise mal nicht nur kombiniert, sondern auch vor Regressangst ausgiebig transpiriert.

Die Auflösung des temporeich und humorvoll präsentierten Falles ist übrigens so ohne Weiteres nicht aus eigener Kraft zu bewältigen, allerhöchsten vielleicht zu erahnen. Marx wirft viele Nebelkerzen und installiert einige zwielichtige Figuren, um die Täterschaft sowie die entsprechenden Motive bis zum Ende effektiv zu verschleiern. Das gelingt ihm auch, wenngleich die Spannungskurve auf Grund der vergleichsweise eher unspektakulären Thematik grundsätzlich nicht sonderlich hoch angesiedelt ist. Der Plot lebt halt von Justus‘ Dilemma und wie er versucht den Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Natürlich klärt sich am Schluss alles auf und er überlebt sein persönliches Waterloo, soviel darf verraten werden, ohne von Tante Mathilda einen Kopf kürzer gemacht worden zu sein. Man weiß schließlich, was man seiner Leserschaft pädagogisch wie moralisch schuldig ist. Außerdem muss die Reihe ja weiter gehen – mit Justus.

_Fazit_

Der irreführende Titel verspricht mehr, als die Geschichte hergibt. Dennoch liegt der Fall selbst über dem üblichen Serien-Durchschnitt, da die Grundidee recht originell ausfällt, die Story gradlinig sowie plausibel abläuft und auf übermäßigen Gebrauch von Versatzstücken aus früheren Abenteuern verzichtet wurde. Ein paar Ähnlichkeiten und Überschneidungen bei nunmehr 150 Bänden lassen sich aber auch hier kaum verhindern. Der Stil ist modern, die Story flott und humorvoll präsentiert, allerdings eben bei genauerer Betrachtung auch ziemlich überraschungsfrei – zumindest aus der Sicht eines Erwachsenen, die eigentliche Zielgruppe mag das vielleicht anders sehen.

_Die Buchdaten auf einen Blick:_

„Die drei ??? – Der Fluch des Drachen“
Basierend auf Figuren von Robert Arthur
Erzählt von André Marx
Redaktion: Martina Zierold
(c) 2006/2008 Franckh-Kosmos, Stuttgart
128 Seiten, gebunden
ISBN: 978-3440-11698-2

Thorsten Nesch – Joyride Ost

Jugendliche Dummheit und ein Quäntchen Pech machen zwei Jugendliche in Thorsten Neschs Jugendroman „Joyride Ost“ zu Fahnenflüchtigen. Fahnenflüchtige in einem BMW mit einer Geisel im Kofferraum …

Tarik liebt Jana, aber Tarik ist ein Türke und Jana eine strenggläubige Baptistin. Keine besonders gute Mischung. Als ihre Eltern herausfinden, dass sich die beiden näher gekommen sind, gibt es Ärger. Frustriert laufen die beiden weg und treffen sich an der Tankstelle ihrer Kleinstadt. Als dort ein Mann vergisst, den Zündschlüssel seines BMWs abzuziehen, als er auf die Toilette geht, nutzen die beiden Jugendlichen die Chance für einen kleinen „Joyride“, wie sie es nennen.

Thorsten Nesch – Joyride Ost weiterlesen

Rosemary Sutcliff – Das Hexenkind

Elternlos und arm arbeitet der Junge Lovel in einem abgelegenen Dorf als Schafhirt. Niemand macht sich die Mühe, in seinem Gesicht nach Intelligenz zu suchen, denn sein Körper ist verunstaltet durch eine verkrümmte Schulter und ein hinkendes Bein. Lovel lebt mit seiner Großmutter zusammen in einer Hütte am Rand des Dorfes und erlebt die Fürsorge dieser Frau, die eine heilkundige Kräuterfrau ist, bis zu ihrem Tode.

Plötzlich vergessen die Dorfbewohner die wundersamen Heilkünste und sehen in Lovel nur noch den missgestalten Waisen, ein Hexenkind, bewerfen ihn mit Steinen und jagen ihn davon. Er sucht völlig verwirrt und orientierungslos das Weite und läuft täglich weiter der Sonne entgegen, bis ihn seine Kräfte endgültig verlassen. Ein Schweinehirt findet ihn und bringt ihn in das nahe gelegene Kloster „New Minster“, wo er gepflegt und aufgepäppelt wird. Da der Lehnsherr des fernen Dorfes keine Verwendung für ihn hat, bleibt er im Kloster und erledigt allerlei Aufgaben für die Mönche und anderen Klosterbewohner.

Bis eines Tages Rahere, des Königs Hofnarr, im Kloster erscheint und in Lovel die Heilkünste seiner Großmutter erkennt …

Sutcliff versteht es wie keine zweite, Geschichte leben und vor dem Auge des Lesers entstehen zu lassen. Stets aus dem Blickwinkel eines Jugendlichen erzählt, lässt sie den jungen Leser mit dem Protagonisten zusammen erleben, was die jeweiligen Zeiten und Gegebenheiten für die Menschen bedeuteten.

„Das Hexenkind“ spielt im England des 12. Jahrhunderts, eine Zeit, in der alles Andersartige verteufelt und gefürchtet wurde. Wenn die Furcht zu groß wurde, schlossen sich die Menschen zusammen und suchten Zuflucht in der Brutalität, die sich oft auf Unschuldige entlud. Die Furcht, welche die Menschen dieser Erzählung vor Lovels Großmutter verspüren, hindert sie zu deren Lebzeiten daran, ihren verkrüppelten Enkel zu belangen, denn Krüppel galten in der Zeit als unnütze Esser und wurden gerne wenigstens vertrieben, wenn sie überlebten. Nach ihrem Tod ist Lovel sofort der Ableiter ihrer aufgestauten Furcht und verstärkt ihre Vorurteile durch seine Krankheit.

Während seiner Zeit im Kloster beschreibt Sutcliff, wie ein religiöser Orden, der zwar die Hilfebedürftigen aufnimmt, Lovel als Krüppel allerdings auch eher missachtet, durch sein heilerisches Talent langsam umgestimmt wird und ihn als Mensch akzeptiert. Aber erst das Auftauchen des Hofnarren, einer gleichfalls von der Norm abweichenden Erscheinung, führt zu seiner Anerkennung. Sutcliff zeigt so in einer ergreifenden Geschichte, wie ein missachteter Mensch seinen Platz findet, auch wenn er ihn sich oft erkämpfen muss und es durch oft gesellschaftliche Umstände schwerer hat als andere, die durch ihre Konformität ganz andere Ausgangsmöglichkeiten erhalten.

Dies ist eine Erzählung, die zeigt, dass auch der Mut, etwas Außergewöhnliches zu wagen und sich gegen Vorurteile seinen eigenen Weg zu suchen, belohnt werden kann. Und dass jemand, der sich seinen Erfolg auf diese Art verdient hat, selbst die Möglichkeit erhält, anderen Menschen in ähnlicher Situation zu helfen, ihren Weg zu finden. Sutcliff transportiert über Lovel einen Optimismus, der den jugendlichen Leser (vielleicht auch in eigenen Krisen) bestärken kann.

Gebundene Ausgabe: 125 Seiten
Nachdruck (3. Februar 2009)
ISBN-13: 978-3772518720
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 11 Jahren
Illustrationen: Robert Micklewright
Aus dem Englischen: Elisabeth Epple

http://www.geistesleben.de

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (8 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

RICHELLE MEAD – Schattenträume (Vampire Academy 03)

Rose Hathaway, die mutige Halbvampirin in Richelle Meads Reihe „Vampire Academy“, steht kurz vor ihrem Abschluss als Wächterin, als etwas Folgenschweres passiert. „Schattenträume“ suchen sie heim …

Rose Hathaway, angehende Wächterin an der St. Vladimir’s Academy, hat gerade einen Angriff der gefährlichen Vampire, den Strigoi, überlebt, doch ihr Freund Mason ist dabei ums Leben gekommen. Jetzt sucht er sie als Geist heim. Immer wieder erscheint er ihr auf dem Campus und schaut sie traurig an. Rose glaubt, verrückt zu werden, nachdem Mason nicht der einzige Geist bleibt, der sich ihr zeigt. Doch diese „Gabe“ erweist sich als wirkungsvoll. Da sie die Geister immer dann sieht, wenn die magischen Barrieren um das Internat geschwächt sind, ahnt sie voraus, dass es einen Großangriff auf das Internat geben wird. Tatsächlich bricht wenig später eine Vielzahl der tödlichen Strigoi in die Schule ein und tötet und entführt Moroi, die lebenden Vampire, die Rose in ihrem Job schützen soll …

Doch das ist nicht das einzige Ereignis in dem bislang umfassendsten Band der Reihe. Zwischen Rose und ihrem Mentor Dimitri prickelt es immer mehr, obwohl sich eine Beziehung der beiden eigentlich verbietet. Er ist deutlich älter als sie und außerdem ihr Lehrer …

Was dem zweiten Band an Spannung und Wendungen gefehlt hat, macht „Schattenträume“ wieder wett. Neben einer packenden Haupthandlung, die einige unvorhersehbare Überraschungen parat hält, kristallisiert sich nun endlich auch eine Rahmenhandlung heraus, die auf die Folgebände neugierig macht, da sie genau zum richtigen Zeitpunkt abgeschnitten wird. Zugegeben, der erneute Strigoiangriff wirkt anfangs wie eine langweilige Kopie des zweiten Bandes. Er hat allerdings eine wesentlich größere Dimension und eine ganz andere Tragweite. Abgesehen davon gibt es noch einige kleinere Nebenhandlungen, die zwar nicht immer Spannung, aber zumindest Leben in die Geschichte bringen.

Rose ist nach wie vor ein wunderbarer Seriencharakter für die Zielgruppe von jungen Mädchen. Sie ist eine taffe Heldin mit Herz und Mut, die aus der ersten Person erzählt und ihre Gedanken und Gefühle nicht verbirgt. Im Gegenteil ist sie sehr offen und berichtet über alles, was in ihr vorgeht. Anders als in den vorhergehenden Bänden legt sie in „Schattenträume“ jedoch eine neue Ernsthaftigkeit an den Tag. Ihr Sarkasmus und ihre Bissigkeit fehlen trotzdem nicht, denn diese Entwicklung ist eigentlich nur logisch nach dem, was sie gesehen hat.

Der neue Ernst überträgt sich auf den Schreibstil, der nun weniger humorvoll ist, aber dafür umso eindringlicher und mitreißender. Richelle Mead schafft es, auch die düstersten Gedanken von Rose mitreißend und einfühlsam zu beschreiben. Vielleicht ist sie darin sogar besser als in Roses umwerfender Schlagfertigkeit.

Alles in allem ist „Schattenträume“ der bislang beste Band der Reihe. Die Hauptperson gewinnt an Tiefe und Ernst, eine packende Rahmenhandlung schält sich heraus – was will man mehr?

Originaltitel: Shadow Kiss
Aus dem Englischen von Michaela Link
378 Seiten, Taschenbuch
ISBN-13: 978-3802582035

http://www.egmont-lyx.de

Koch, Boris / Weise, Kathleen – Königsschlüssel, Der

Solange das Volk zurückdenken kann, herrscht der mechanische König über die Hauptstadt Marinth und das gesamte Reich. Er gilt als der freundlichste König überhaupt, muss aber jedes Jahr während der Schlüsselzeremonie mit dem Königsschlüssel neu aufgezogen werden, damit er für ein weiteres Jahr funktioniert und das Land regieren kann.

Vela, die Tochter des Königsmechanikers, darf jedes Jahr zur Schlüsselzeremonie ihren Vater in Marinth besuchen und freut sich immer wieder darüber, dass sie bei der Schlüsselzeremonie dabei sein kann. Doch dieses Mal soll alles anders laufen, denn während der Schlüsselzeremonie in diesem Jahr ereignet sich etwas Schreckliches: Ein riesiger Vogel greift sich den Königsschlüssel, bevor der mechanische König neu aufgezogen werden kann, und fliegt mit seiner Beute davon! Und als wäre das Unheil nicht schon groß genug, kommt es für Vela noch schlimmer: Da ihr Vater der Königsmechaniker und für den Schlüssel verantwortlich ist, wird dieser wegen des verlorenen Königsschlüssels in den Kerker geworfen und soll ein Jahr später hingerichtet werden. So verlangt es das Gesetz, und nur der mechanische König ist dazu in der Lage, ihren Vater zu begnadigen. Da dieser aber nun nicht mehr funktioniert und der Königsschlüssel für immer verloren zu sein scheint, sieht es schlecht aus für Velas Vater.

Da die bei einem speziellen Turnier auserwählten Ritter, die den Königsschlüssel wieder auftreiben sollen, nichts anderes im Kopf haben, als sich in einem Gasthaus die Birne vollaufen zu lassen und Spaß zu haben, weiß Vela, dass sie die Sache selbst in die Hand nehmen muss, wenn sie ihren Vater retten will. Sie macht sich auf den Weg, um den Königsschlüssel zu suchen, und erlebt zusammen mit dem sprechenden Bären Urs, der gerne ein Ritter wäre, und dem Jungen Cephei viele erfreuliche und unerfreuliche Abenteuer …

_Eindrücke:_

Durch den Klappentext waren meine Erwartungen an „Der Königsschlüssel“ ziemlich groß. Der Klappentext versprach eine Story, die sich wesentlich von den sonstigen Geschichten im Fantasy-Genre abheben und mal etwas ganz anderes sein würde als das, was man sonst so in die Hände bekommt. Etwas Außergewöhnliches eben. Doch diese Erwartung wurde leider enttäuscht.

Die Sache mit dem mechanischen König, der jedes Jahr aufgezogen werden muss, damit er wieder für ein weiteres Jahr regieren kann, ist interessant und wirklich mal was Neues – das war es dann aber leider auch an neuen Ideen. Ansonsten verfolgt die Story das typische Held(in)-zieht-los-um-das-ganze-Königreich-zu-retten-Schema, nach dem sich schon so viele Bücher aus dem Fantasy-Genre richten. Der Protagonist (in diesem Fall: die Protagonistin), dem man anfangs nicht allzu viel zutrauen würde und der in manchen Fällen sogar noch ein halbes Kind ist, zieht los, besteht beinahe mit links die aufregendsten Abenteuer und kämpft sich quer durch das Land, um einen Gegenstand wiederzubeschaffen, der das ganze Königreich retten soll. Dabei erhält der Protagonist von dem ein oder anderen Begleiter Beistand gegen einen (angeblich) übermächtigen Gegner. Kommt das bekannt vor?

Wahrscheinlich, doch da heutzutage sehr viele Fantasybücher eben diesem Schema folgen und es nicht mehr ganz so leicht ist, etwas zu schaffen, das mal etwas Neues ist |und| der breiten Masse gefällt, sollte man die solcherart aufgebauten Geschichten fairerweise nicht zu hart kritisieren. Was man allerdings erwarten kann, ist, dass der Autor aus einer altbekannten Struktur wie dieser etwas macht, das vielleicht nicht komplett neu, allerdings mit ein paar guten Ideen, einer liebevollen und tiefgehenden Charaktergestaltung, einem fesselnden Erzählstil und anderen Mitteln angereichert ist, damit das Buch den Leser trotzdem fesseln kann und gut unterhält. Das ist Boris Koch mit „Der Königsschlüssel“ allerdings nur bedingt gelungen.

Beispielsweise konnten die Charaktere mich nicht wirklich überzeugen. Sie besitzen allesamt sehr wenig Tiefgang und wirken sehr oberflächlich. Zudem fiel es mir schwer, zu den Charakteren und auch zu der Protagonistin Sympathie aufzubauen, da ich sie hauptsächlich als nervend empfand. Vela fand ich in dieser Hinsicht am schlimmsten, da sie ziemlich zickig und pubertär auftritt. Ebenso wenig ansprechend fand ich Cephei. Von den drei Hauptcharakteren fand ich noch Urs, den sprechenden Bär, am sympathischsten, der kommt allerdings nur in einem Teil der Geschichte vor und ist trotz allem immer noch zu oberflächlich geraten.

Dann kommt noch hinzu, dass keines der Abenteuer und keine der Gefahren, auf die Vela und ihre Begleiter treffen, wirklich so bedrohlich sind, dass man sie nicht mit links bestehen oder überwinden könnte. Alles, was im ersten Moment furchtbar gefährlich zu sein scheint, stellt sich letztendlich als nicht ganz so bedrohlich heraus (da ja letztendlich nie wirklich etwas passiert), und für jedes Problem, das sich bei ihrer Reise auftut, lässt sich auch innerhalb kürzester Zeit eine Lösung finden, welche die Gefährten wieder weiterbringt. Auch der Dieb des Königsschlüssels, der übermächtig und böse sein soll, ist letztendlich gar nicht so ein Schlimmfinger, und auch hier passiert im Endeffekt wieder nichts, das für Vela und ihre Freunde eine ernsthafte Gefahr bedeutete. Das macht die Lektüre an manchen Stellen etwas langweilig, da nie wirkliche Spannung aufkommen kann. Schließlich weiß man immer, dass die drei sowieso ohne ernsthaften Schaden davonkommen werden.

Womit ich auch schon beim nächsten Punkt wäre. Die Geschichte ist an einigen Stellen, insbesondere was das Ende anbelangt, ziemlich vorhersehbar, was der ihr noch zusätzlich Spannung nimmt, da man sich immer schon im Voraus denken kann, was ungefähr als Nächstes passiert.

Bei „Der Königsschlüssel“ handelt es sich wider Erwarten um ein Jugendbuch (obwohl |Heyne| es als Fantasy einordnet, während die auf dem Cover ungenannte Ko-Autorin Kathleen Weise das Werk selbst sogar als Kinderbuch ab 10 Jahren einstuft), und das merkt man der Geschichte leider auch an. Der Schreibstil ist ziemlich einfach gestrickt, was zwar an sich nichts Negatives ist, aber trotzdem hat er mir einfach nicht gefallen. An einigen Stellen fand ich ihn zu schlicht geformt und ebenso nervig wie die Charaktere.

Allerdings ist nicht alles an „Der Königsschlüssel“ Zeitvergeudung. Einige Stellen im Buch waren wirklich gut gemacht und auch interessant zu lesen. Nur schade eben, dass das nicht bei der kompletten Geschichte der Fall ist.

_Fazit:_

Alles in allem hat mir „Der Königsschlüssel“ leider nicht gefallen. Die Charaktere sind zu flach, die Grundgeschichte ist altbekannt und an den meisten Stellen fehlte mir die Spannung. Allerdings kann ich mir vorstellen, dass Jugendliche oder noch jüngere Leser, die noch nicht allzu viele Bücher aus dem Fantasy-Genre kennen, eher mit dem vorliegenden Roman etwas anzufangen wissen.

_Der Autor:_

Boris Koch wurde 1973 geboren und wuchs auf dem Land im bayerischen Schwaben, südlich von Augsburg, auf. Er studierte Alte Geschichte und Neuere Deutsche Literatur in München und lebt heute als freier Autor in Berlin. Zu seinen Werken gehören unter anderem der All-Age-Roman „Der Drachenflüsterer“ und „Gebissen“.

|400 Seiten, gebundenes Buch im Pappband
ISBN-13: 978-3-453-52534-4|
http://www.boriskoch.de
http://www.kathleenweise.de
http://www.heyne.de

_Boris Koch auf |Buchwurm.info|:_

[„Interview mit Boris Koch“]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=91
[„StirnhirnhinterZimmer“ 4957
[„Der Schattenlehrling“ 3296
[„Der adressierte Junge“ 3249
[„Dyonisos tanzt“ 1926

RICHELLE MEAD – Blaues Blut (Vampire Academy 02)

Im ersten Band der Reihe „Vampire Academy“ von Richelle Mead hat die junge Wächterin Rose ihre beste Freundin Lissa aus den Fängen eines lebenden Vampirs gerettet. Im zweiten Band „Blaues Blut“ sind es die Strigoi, die toten Vampire, gegen die sie sich wehren muss.

Die siebzehnjährige Rose Hathaway lebt in einer gefährlichen Welt. Sie ist ein Dhampir, eine Halbvampirin, und geht auf die St. Vladimir’s Academy, auf der sie zum Wächter ausgebildet wird. Ihre Aufgabe wird es später sein, die Moroi, lebende Vampire, vor den wesentlich stärkeren und gefährlichen Strigoi zu beschützen. Als sie zusammen mit ihrem Mentor Dimitri zu einer wichtigen Qualifikationsprüfung fährt, erfährt sie, wie das in der wahren Welt aussehen kann. Strigoi haben mit der Hilfe von Menschen die magischen Barrieren eines Moroihauses durchbrochen und alle Moroi sowie die Wächter getötet.

Die Möglichkeit, dass die sonst so ungeselligen Strigoi nicht nur miteinander, sondern auch mit Menschen kollaborieren, versetzt die Schule in helle Aufregung. Ziel der Strigoi ist nämlich die Auslöschung der Moroi. Zum Schutz der Schüler fährt die gesamte Schule in ein speziell gesichertes Skigebiet in den Weihnachtsurlaub. Als Freunde von Rose erfahren, dass sich Strigoi im nahen Spokane aufhalten, machen sie sich auf eigene Faust auf den Weg. Sie wollen die ermordeten Moroi rächen, doch Rose ahnt, dass sie da nicht heile heraus kommen können. Sie folgt den vieren, doch dann eskaliert die Situation …

Das Beste an der Reihe ist die Protagonistin. Rose erzählt aus der Ich-Perspektive und ist ein interessanter, junger Charakter, der ein wenig an die Erzähler der Chic-Lit erinnert. Frech, manchmal sogar frivol, dabei aber trotzdem überlegt und intelligent berichtet sie aus ihrer Sicht. Sie macht dabei selten einen Hehl aus ihren Schwächen. Sie gibt sich offen, ehrlich und selbstreflektiert, was es einfach macht, sich mit ihr zu identifizieren und ihr in der Geschichte zu folgen. Zusätzlich tritt in diesem Band ihre Mutter, eine sehr bekannte Wächterin, zum ersten Mal in Person auf. Das Verhältnis zwischen ihr und Rose ist sehr gespannt und Rose, die dazu neigt, über die Stränge zu schlagen, legt sich mehr als einmal mit ihr an. Gerade diese neue Personenkonstellation verleiht sowohl der Handlung als auch der Hauptperson mehr Tiefe.

Die Handlung selbst ist spannend und annehmbar, aber kein wirkliches Highlight. In diesem Punkt ist „Vampire Academy“ – trotz aller Bemühungen – nur eine Serie. Bislang ist keine buchübergreifende Rahmenhandlung erkennbar. Einzelne Handlungsstränge wiederholen sich zwar, können aber keine dauerhafte Spannung aufbauen, die den Leser sehnsüchtig auf den nächsten Band warten lassen. Die Beziehungen zwischen den Personen bieten zwar Abwechslung, aber noch nicht genug Zündstoff.

Momentan sind es nur Rose und der Schreibstil von Richelle Mead, die die „Vampire Academy“-Reihe über den Durchschnitt hieven. Der Schreibstil ist so wie die Hauptfigur: bissig, häufig witzig, aber genauso oft auch nachdenklich oder sogar melancholisch. Die Autorin benutzt dafür ein gehobenes Vokabular, dank dem Rose wie eine intelligente junge Frau wirkt. Sie überfordert ihre jugendlichen Leser dabei aber nicht, sondern fördert sie im Gegenteil sogar. „Blaues Blut“ ist definitiv erwachsener als viele Jugendbücher und besitzt den nötigen Ernst, um auch Älteren zu gefallen.

„Blaues Blut“ ist handlungstechnisch kein Höhepunkt in der Reihe. Die sympathische Hauptfigur und der ansprechende Schreibstil sorgen allerdings dafür, dass Fans von Twilight und Co. diese Gelegenheit nicht an sich vorbeiziehen lassen werden.

Originaltitel: Frostbite
Aus dem Englischen von Michaela Link
290 Seiten, Taschenbuch
ISBN-13: 978-3802582028

http://www.egmont-lyx.de

Feth, Monika – Teufelsengel

Monika Feth ist dem breiten Publikum vor allem durch ihren Bestseller „Erdbeerpflücker“ bekannt, der 2004 veröffentlicht wurde. Dabei hat die Autorin mittlerweile zahlreiche weitere Thriller geschrieben, in deren Mittelpunkt zumeist junge mutige Frauen stehen. Der neuste trägt den Titel „Teufelsengel“.

Anders als in den Büchern, in denen Jette Weingärtner die Hauptrolle spielt, ist die Hauptperson in diesem Roman nicht unschuldig in einen Kriminalfall geschlittert. Im Gegenteil: Die neunzehnjährige Romy, die ein Volontariat bei einer Kölner Zeitung macht, beginnt von sich aus auf eigene Faust zu ermitteln, weil sie glaubt, dass in Köln ein Serienmörder sein Unwesen treibt. Vier unaufgeklärte Mordfälle hat es in letzter Zeit gegeben, doch niemand anders scheint einen Zusammenhang zu sehen. Auch Romy muss lange suchen. Sie befragt Freunde und Verwandte der vier Verstorbenen, die unterschiedlicher nicht sein können: Ein verträumter Teenager, eine alleinstehende Übersetzerin mittleren Alters, ein Student, ein älterer Mann – was verbindet sie bloß?

Auch Bert Melzig, der Neue bei der Kölner Kripo, glaubt, dass es eine Verbindung zwischen den Fällen gibt. Er hat keine Beweise aber ein Bauchgefühl, was ihm Spott der Kollegen einbringt. Erst als er am Handgelenk des neusten Opfers eine sonderbare Tätowierung entdeckt, hat er eine erste Spur, doch die forsche Romy scheint ihm bereits einen Schritt voraus zu sein und mischt sich ganz frech in seine Ermittlungen ein …

Bücher, in denen Privatpersonen ihre Nase in Kriminalfälle stecken, sind eine prekäre Angelegenheit. Viel zu häufig wirken die Laien-Ermittlungen an den Haaren herbeigezogen und die Ergebnisse davon glänzen höchstens durch ihre Absurdität. Monika Feth gelingt es, diese gefährlichen Klippen meisterhaft zu umschiffen. Romy besitzt nicht nur den richtigen Job, sondern auch die passenden Charakterzüge, um ihr Vorgehen zu rechtfertigen. Sie geht den Dingen gerne auf den Grund und ist eine leidenschaftliche Journalistin. Trotz allem verhält sie sich nie unnatürlich. Feths große Stärke, authentische Figuren zu zeichnen, lässt das Buch auch dieses Mal zu einem echten Genuss werden. Kaum ein anderer deutscher Autor schafft es derart versiert, die Gefühls- und Gedankenwelt junger Menschen wiederzugeben. Sogar für die allerkleinsten Nebenfiguren nimmt sich die Autorin die Zeit, sie als unverwechselbar zu beschreiben.

Die Handlung der Geschichte ist solide, aber nicht besonders innovativ. Durch mehrere parallele Erzählstränge wird dem Leser schnell klar, wo der Täter zu suchen ist. Die Jagd nach ihm folgt einem bekannten Muster. Nachdem Romy eine heiße Spur gefunden hat, übersieht sie das Wesentliche und macht den Täter auf sich aufmerksam. Am Ende gibt es eine nette, aber leider vorhersehbare Actioneinlage. Auch das Potenzial, dass sich durch die zwei auftretenden Ermittler – Bert Melzig und Romy – ergibt, wird nicht ausgeschöpft. Die beiden kommen sich viel zu selten in die Quere und es entsteht auch keine richtige Konkurrenz. Dabei hätte gerade das sicherlich für Spannung sorgen können.

Trotz allem ist „Teufelsengel“ überaus lesenswert, denn Monika Feth schreibt so gut, dass man ihr einiges verzeiht. Dicht, intensiv und stets mit mehr Fokus auf dem Innenleben ihrer Personen als auf der Handlung baut sie Seite um Seite eine angenehme Atmosphäre auf. Jeder, der etwas älter ist, wird sich in gute alte Zeiten zurück versetzt fühlen, die Jüngeren hingegen werden sich gut mit Romy und Co. identifizieren können. Die Autorin benutzt keine Slangausdrücke. Sie schreibt nüchtern und einfach, doch sie schafft es, ein unglaublich spannendes, dichtes und authentisches Ambiente zu schaffen.

„Teufelsengel“ steht Feths anderen Büchern damit in nichts nach. Ein toller Schreibstil, eine fantastische Hauptperson – lesenswert ist die Geschichte allemal, auch wenn die Handlung Potenzial verschenkt.

|410 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3570160459|
http://www.cbt-jugendbuch.de
http://www.monikafeth-thriller.de

_Monika Feth auf Buchwurm.info:_

[Der Scherbensammler 3816

Lake, Nick – Im Königreich der Kälte

Wem es in unseren Breitengraden im Winter noch zu warm und unweiß ist, der bekommt mit freundlicher Hilfe von Nick Lake und dem |PAN|-Verlag die Möglichkeit, in die eiskalte Antarktis zu reisen, an der Seite einer wunderbaren kleinen Heldin … „Im Königreich der Kälte“ ist das erste Buch des Autors, doch laut Klappentext sollen weitere folgen.

Light Fitzwilliam ist nicht gerade ein normales Mädchen. Ihr Vater ist ein irischer Adliger und ihre Mutter war eine Inuit. Sie selbst ist ein Albino mit schlohweißen Haaren und heller Haut. Sie lebt in Irland in einem großen Schloss, hat einen eigenen Butler und ein Geist wohnt in ihrer Hauswand. Eines Tages verschwindet ihr Vater bei einer seiner Expeditionen in der Antarktis und wird für tot erklärt. Doch Light ist fest davon überzeugt, dass er noch lebt und dass etwas nicht mit rechten Dingen zu geht.

Als sie nach der notdürftigen Beerdigung ihres Vaters (ohne Leiche) einen Waldspaziergang macht, wird sie von einem Mann fast bis nach Hause verfolgt. Sie kann es sich nicht genau erklären, aber sie hatte das Gefühl, dass der Mann nicht menschlich war. Doch Butler, ihr Vormund, zeigt sich unbeeindruckt – bis sie am gleichen Abend von dem Mann in ihrem Schloss angegriffen werden. Ein merkwürdiges Wesen – halb Eisbär, halb Haifisch – rettet sie. Es heißt Tulipak und Butler scheint sein Freund zu sein. Light hat plötzlich das Gefühl, in etwas sehr Merkwürdiges hinein zu rutschen, doch als sie und Butler beschließen, ein Schiff zu kaufen und in die Antarktis zu fahren, um Lights Vater zu suchen, muss sie feststellen, dass alles noch viel seltsamer wird. Alte Göttinnen, grausame Monster und ein kleiner Eskimojunge – in der schneeweißen, eiskalten Einöde wird das junge Mädchen erwachsen und lernt, dass das Leben mehr ist als in einem riesigen Schloss in einem langweiligen irischen Dorf zu wohnen.

Nick Lake hat mit „Im Königreich der Kälte“ ein selten wunderbares Jugendbuch geschrieben, das auch Erwachsene begeistert. Sein Witz, die tollen Hauptfiguren und die zauberhafte Handlung vor schneeglitzernder Kulisse geben der Geschichte etwas ganz Eigenes, das sie von anderen Büchern dieser Art unterscheidet.

In seinem Buch vermengt Lake Legenden und Geschichten der Inuit mit Fantastischem und einer Handlung, die zwar im Alltag spielt, aber trotzdem etwas Magisches hat. Es beginnt mit der Beschreibung von Lights Schlossleben. Sie hat einen eigenen Butler, eine Köchin und ein Rohrpostsystem in ihrer Behausung. Schon an dieser Stelle überschreitet der Autor die Grenze zwischen realistisch und fantastisch und das zieht sich so durch das ganze Buch. Ohne Berührungsängste packt er alles in seine Handlung, was er finden kann. Doch diese Menge an Personen, Wesen, Schauplätzen und Legenden ist nicht zu viel. Im Gegenteil strukturiert der Autor dies so gut, dass eine spannende Geschichte daraus entstanden ist, voller unvorhersehbarer Wendungen und Überraschungen. „Im Königreich der Kälte“ ist ein reinrassiger Abenteuerroman, allerdings erfreulicherweise ohne dabei andere Abenteuerromane zu kopieren.

So bunt wie die Handlung ist auch der Personenkreis. Auch hier verschwimmen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie. Jede Figur hat ihre Geheimnisse und Besonderheiten, die ihr Tiefe verleihen. Die Geschichte wird aus Lights Perspektive erzählt, weshalb sie auch im Vordergrund steht. Anfangs wirkt sie wie ein normales, etwas langweiliges Mädchen, aber schnell wird klar, dass nicht nur ihre Umstände sie zu etwas Besonderem gemacht haben. Sie ist mutig und altklug, gleichzeitig sehr liebenswert und clever, doch zu allererst ist sie ein junger Mensch, noch mehr Mädchen als junge Frau. Dies weiß Lake sehr gut darzustellen, indem er den Leser durch eine kindlich-naive Brille schauen lässt, die dem Buch eine ganz eigene Note gibt.

Light hat eine recht ungewöhnliche Erziehung erhalten. Weil sie auf der Dorfschule wegen ihrem Aussehen gehänselt wurde, haben ihr Vater und Butler sie zu Hause unterrichtet. Philosophie, fremde Sprachen, Codes und Überlebenstraining – es ist kein Wunder, dass Light bei dieser Masse an unterschiedlichsten Eindrücken ein bisschen altklug wirkt. Vermengt mit ihrer naiven Weltsicht ergibt sich daraus ein wirklich reizvoller Schreibstil, der häufig an die Einfachheit eines Märchens erinnert. Als ob das nicht schon genug wäre, sprühen die Dialoge außerdem nur so vor Humor, Schlagfertigkeit und Skurrilität. Manchmal verleiten sie nur zum Schmunzeln, manchmal aber auch zu lautem Auflachen.

Alles in allem ist „Im Königreich der Kälte“ das perfekte Weihnachtsgeschenk für Groß und Klein. Light tritt mit ihrer spannenden und fantasievollen Reise in die Fußstapfen von Philip Pullmans „Lyra Belacqua“.

|Originaltitel: The Secret Ministry of Snow
Aus dem Englischen von Sabine Reinhardus
381 Seiten, Hardcover
ISBN-13: 978-3426283035|

http://www.pan-verlag.de

Katharina Siegers – Die Weihnachtsgeschichte

Das Weihnachtsfest naht mit immer schnelleren Schritten, so scheint es zumindest uns Eltern, die wir für unsere Kleinen auf der Suche nach den passenden Geschenken sind. Wenn die Kinder schon das dritte Lebensjahr erreicht oder überschritten haben, stellt sich für viele Eltern die Frage, wie man ihnen kindgerecht die Herkunft des Weihnachtsfestes erklärt und warum es an diesem Tag Geschenke für alle gibt. Und spielt in einer Familie der christliche Glauben keine wesentliche Rolle, so ist es jetzt dennoch an der Zeit, zumindest die Sage um Jesu Geburt zu erwähnen – ist doch das Christentum noch immer in keiner Weise aus unserer Gesellschaft wegzudenken. Bei |Coppenrath| erschien unlängst ein Bilderbuch, das sich des Themas spielerisch annimmt:

_Das Buch_

Als fester Bestandteil unserer Kultur ist die Weihnachtsgeschichte weithin bekannt: Maria und Joseph wandern mit einem Esel von Nazareth nach Bethlehem, um sich zwecks Volkszählung in die Steuerliste ihrer Geburtsstadt (in diesem Falle Josephs) eintragen zu lassen. Maria ist hochschwanger, doch sind die beiden so mittellos, dass sie nach ihrer Ankunft keine Unterkunft finden – außer in einem Stall. Dort gebärt Maria ihr Kind, das sie Jesus nennt und in die Krippe bettet.

Ein geschweifter Stern kündet von dieser Geburt und führt drei Könige aus dem Morgenland, Hirten mit ihren Herden und Tiere des Waldes an die Krippe, wo sie ihre Geschenke darbringen.

_Die Krippe_

Zweiter Bestandteil des Produkts ist eine aus fester Pappe gestanzte Krippe mit gleich gearbeiteten Figuren. In spielerischer Form kann man den Kindern die Geschichte erzählen oder vorlesen und gleichzeitig vorspielen, wenn sie Letzteres nicht selbst übernehmen. Und so ergibt sich schließlich das Krippenbild aus den Figuren und kann eine Bereicherung für die Weihnachtsdekoration werden.

_Erfahrungen_

Kinder lassen sich gerne Geschichten erzählen und vorlesen. Sie lehnen in diesem Alter grundsätzlich nichts Neues ab, sondern sind mit Spannung und großen Augen dabei. In wenigen, reichhaltig und schön illustrierten Worten wird die Weihnachtsgeschichte erzählt und lässt viel Platz zu eigener Ausgestaltung, wenn noch Erklärungsbedarf besteht. Mit Hilfe der Figuren und Bilder ist sie jedem Kind anschaulich nahbringbar, und gerne spielen sie selber die Reise von Maria und Joseph oder den Königen nach. Dabei ist das Material der Figuren fest genug, um auch unvorsichtige Kinderhände zu überstehen.

Die Illustratorin versteht es geschickt und mit sicherer Hand, die Motive der kurzen Textpassagen mit den ganzseitigen Bildern zu erfassen und ihnen einen schönen, ruhigen und anheimelnden Ton zu geben. Ein wichtiger Punkt ist die Knappheit der Texte, so dass die Kinder nicht von großartigen Erklärungen überfordert werden, sondern eine geradlinige einfache Geschichte hören. Erstaunlich, mit welch geringem Aufwand sich hier eine Geschichte skizzieren lässt.

_Fazit_

Die Komposition ist ausschlaggebend. Kindgerechte Bilder, einfache, aber wirkungsvolle Figuren und die leicht verständlich gehaltene Geschichte entwerfen die Grundlage des Weihnachtsverständnisses, die mit eigener Kreativität und spielerischem Spaß ausgebaut werden kann.

|Gebundene Ausgabe: 12 Seiten
mit Figuren und Krippe zum Mit- und Nachspielen
Herstellerangabe: ab 3 Jahre|
http://www.coppenrath.de