
Trotzdem beginnt das Buch, das sowohl mit seinem Cover als auch dem Titel auf einen Wohlfühlroman hinweist, zunächst überraschend traurig. Die Leser erleben die Protagonistin Rosa dabei, wie sie in einem raschen Auftakt ihre große Liebe Lenni findet. Doch kaum hat man Lenni kennengelernt, ist er auch schon tot. Der plötzliche Tod ihres Partners im Leben wie bei der Arbeit stürzt Rosa in eine tiefe Depression, aus der sie erst mit Hilfe ihrer Freundin Petti herausfinden kann, die sie überzeugt, komplett aus ihrem bisherigen Leben auszubrechen und auf unbestimmte Zeit auf Reisen zu gehen. Ihr Ziel findet sie mit Hilfe einer Postkarte aus dem Jahr 1999, die aus Apulien gesendet wurde und mit einem „PS. Über Apulien leuchtet die Liebe“ versehen ist — womit sich der Kreis zum Romantitel schließt.
Drei Tage braucht Rosa von Berlin bis Bari, doch nimmt sie die Erinnerung an Lenni, der selbst gern nach Italien gereist wäre, mit. Schon bei ihrer ersten Begegnung mit dem Meer trifft sie auf Mattia, der sie bittet, ein Foto von ihm zu machen. Dann trennen sich ihre Wege wieder, weil Rosa nach Bari fährt und dort einen Aperol Spritz genießt und eines der typischen Gerichte der Region auswählt: Orecchiette con cime di rapa — Öhrchennudeln mit dem Blattgrün der Rübe, ein Klassiker der süditalienischen Küche. Ein Straßensänger und ein Tiramisu als Dessert runden den ersten Abend ab.
Die Autorin streut auch im weiteren Verlauf der Handlung immer wieder typische Speisen, die Vespa und Beschreibungen apulischer Gegenden als Kulisse ein. Dazu gehört das im Hinterland gelegene Gehöft mit einer lange ungenutzten Keramikwerkstatt, das für Rosa zum Bezugspunkt wird, an dem sie Hoffnung schöpft, ihre Kreativität wiederzufinden. Darüber hinaus kommt es, wie es kommen muss: Mattia erweist sich als verständnisvoller Gentleman, der Rosa zur unschätzbaren Hilfe wird. So findet Rosa schließlich nicht nur einen neuen Lebensmittelpunkt in Apulien, sondern auch Freunde fürs Leben und vor allem zurück zur Lebensfreude sowie zu ihrer großen Leidenschaft, der Keramik.
Lene Damonte, bei deren Namen es sich möglicherweise um ein Pseudonym handelt, stellt Apulien fast durchgehend positiv dar. Und so bietet der Roman seinen Lesern genau das, was er auf seinem Umschlagbild verheißt: einen etwas mehr als 300 Seiten langen Urlaub in Apulien. Wer den Süden Italiens liebt, wird das Lebensgefühl wiedererkennen — und wer ihn noch nicht kennt, bekommt Lust, den nächsten Flug zu buchen.
Die vollständige Version der Rezension mit mehr Apulien-Insider-Bezug ist auf MeinApulien.blog erschienen.
Paperback: 320 Seiten
ISBN 13: 978-3548067391
Ullstein Verlag
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