[NEWS] Estelle Maskame – Mila & Blake. Summer Love

Mila Harding hat alles, was man sich nur wünschen kann: einen berühmten Dad, ein Luxusleben in L.A., glamouröse Partys – und jede Menge Ärger: Als sie bei einem offiziellen Empfang aus der Rolle fällt, gefährdet sie den Ruf ihres Vaters, dessen nächste große Filmpremiere ansteht. Kurzerhand verbannen ihre Eltern sie auf die abgelegene Farm der Hardings, irgendwo in Tennessee. Hier soll Mila ihren Sommer verbringen, bei ihrer Tante Sheri, umgeben von Pferden, Feldern und den Erinnerungen ihrer frühen Kindheit. Mila erwartet völlig ereignislose Wochen – bis sie auf Blake trifft, den Sohn der Bürgermeisters. Dass Mila in Schwierigkeiten steckt, ist ihr schon nach einem Blick in seine dunklen Augen klar … (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 304 Seiten
Heyne

[NEWS] Anna Benning – Wie die Dunkelheit befiehlt (Dark Sigils 2)

Die Dark Sigils sind die mächtigsten Artefakte, die je geschmiedet wurden. Doch ihre Magie nimmt der Sigil-Trägerin Rayne alles – die eigene Freiheit und noch dazu ihre Liebe zu Adam, dem Mirrorlord. In ihrer Verzweiflung sieht Rayne nur eine Möglichkeit: Sie schließt sich den Rebellen an, um mit ihnen zu dem geheimnisumwitterten achten Dark Sigil zu gelangen. Dabei muss sie sich nicht nur einem unbekannten Gegenspieler stellen, sondern auch Adam selbst. Denn er kennt die Dunkelheit, die von der Welt Besitz ergreifen wird, wenn die Sigil-Träger sich ihrem Schicksal widersetzen … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 496 Seiten
Fischer

Christopher Priest – Die Amok-Schleife

Showdown mit dem Amokläufer

Um ihre Agenten zu schulen, setzt das FBI neuerdings ExEx ein, eine interaktive Virtual-Reality-Technik, die es ermöglicht, Feuergefechte mit Kriminellen zu simulieren. Als die ausgebildete Agentin Teresa Simons eine kleine Stadt im Süden Englands aufsucht, um vor Ort den Ablauf eines Amoklaufes zu studieren, greift sie dabei auf diese Technik zurück. Doch durch ihre Eingriffe ins ExEx-System verstrickt sie sich bald so tief in die virtuellen Realitäten, dass die Grenzen zur Wirklichkeit zunehmend verschwimmen… (Verlagsinfo) Aber einer der Killer spürt sie im Netz der ExEx auf und setzt ihr hart zu. Was steckt dahinter?

Der Autor
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Brennan, Herbie – Elfenportal, Das (Faerie Wars 1)

Man sieht es Pyrgus Malvae zwar nicht an, aber er ist ein Prinz, ein Elfenprinz. Der Kronprinz sogar. Das kümmert ihn allerdings wenig. Seine Tätigkeit als Tierschützer ist ihm wichtiger. Bis jemand versucht, ihn zu ermorden. Sein Vater schickt ihn zu seinem Schutz durch ein magisches Portal in die Gegenwelt, wo er unerreichbar für Attentäter sein sollte. Leider geht etwas schief, und Pyrgus hat Glück, dass Henry Atherton ihn davor bewahrt, von einem Kater gefressen zu werden. Gemeinsam mit Mr. Fagerty, einem etwas verrückten alten Mann, bei dem Henry sich sein Taschengeld verdient, versuchen sie, einen Weg zu finden, wie Pyrgus in seine Welt zurückkehren kann. Tatsächlich gelingt es Mr. Fagerty, ein künstliches Portal zu basteln, das Pyrgus benutzen kann. Doch damit fangen seine Schwierigkeiten erst richtig an. Henry und Mr. Fagerty folgen Pyrgus. Nur um unmittelbar darauf selbst in Schwierigkeiten zu geraten.

In „Das Elfenportal“ kontrastieren Welten. Die eine ist die von Henry: Er lebt irgendwo in einer x-beliebigen englischen Stadt. Sein Vater ist leitender Angestellter, ein überaus pünktlicher und korrekter Mensch in Anzug und Krawatte, seine Mutter ist Schuldirektorin. Außerdem hat er noch eine pferdenärrische kleine Schwester. Henry liebt es, Pappmodelle zu bauen und bessert sein Taschengeld auf, indem er Mr. Fagerty beim Aufräumen seines Gerümpels hilft oder sich einfach nur dessen leicht paranoide Geschichten anhört. Eine graue und leicht langweilige Welt – irgendwo muss sein Interesse für Mr. Fagertys abstruse Geschichten ja seinen Ursprung haben. Diese Welt gerät etwas aus den Fugen, als die Ehe seiner Eltern einen ziemlichen Knacks bekommt. Dass dieser Knacks gleichzeitig mit der Entdeckung einer Elfe auftritt, macht es nicht einfacher.

Die andere ist die der Elfen: Diese Welt ist wesentlich bunter. Hier gibt es Händler und Gaukler, Gauner und gerissene Geschäftsleute, mächtige Adlige und Spione. Und es gibt den Purpurkaiser und seine Familie, die seit mehreren Generationen das Elfenreich regieren. Sie gehören zu den Lichtelfen, und die Nachtelfen sind gar nicht davon begeistert, von Lichtelfen regiert zu werden. Kein Wunder, dass ein mächtiger Nachtelfenfürst Pyrgus‘ Vater das Leben schwer macht. Und dann gibt es noch eine dritte Welt:
die der Dämonen. Eigentlich können diese ihre Welt nicht verlassen, doch es gibt genug Nachtelfen, die einigen von ihnen gelegentlich den Wechsel durch Beschwörungen ermöglichen. Selbstredend ist dies dem Dämonenprinzen bei weitem zu wenig.

Brennan hat diese Welten mit recht originellen Charakteren bevölkert: Henry ist eigentlich ein ganz normaler Teenager, er hat gelegentlich Stress mit seinen Eltern, ist genervt von seiner kleinen Schwester. So wirklich ganz normal ist er aber auch wieder nicht, denn einer Katze einen Schmetterling abzujagen, weil man den Eindruck hat, er sei eine Elfe, setzt schon ein gewisses Maß an Verrücktheit voraus. Mr. Fagerty stellt dieses gewisse Maß an Verrücktheit jedoch mit Leichtigkeit in den Schatten. Nicht nur, dass er immer eine geladene Kanone unter dem Bett hat und generell nicht ans Telephon geht, er ist sich auch absolut sicher, dass SIE ihn irgendwann kriegen werden, wobei nicht ganz klar ist, ob er mit SIE das FBI, die CIA oder die Außerirdischen meint, die nach seiner Überzeugung bereits an die sechs Millionen Amerikaner verschleppt haben. Keine Frage, dass Mr. Fagerty auch an Elfen glaubt. Vor allem aber ist Mr. Fagerty jemand, der nahezu alles bauen kann.

Auch im Elfenreich gibt es ein paar irre Typen. Während der Kaiser und sein Torhüter ernste und vernünftige Männer sind, scheint das auf seine Kinder nicht zuzutreffen. Dass Pyrgus die meiste Zeit damit beschäftigt ist, Tierquälern ihre Tiere zu stehlen und sie freizulassen, anstatt sich um Politik zu kümmern, erwähnte ich bereits. Seine Schwester Holly Blue ist auch nicht gerade pflegeleicht. Die selbstbewusste junge Prinzessin hat ein eigenes Spionagenetz, das dem ihres Vaters beinahe ernstzunehmende Konkurrenz macht, und wenn es sein muss, spielt sie auch selbst mal die Agentin. Comma, der Jüngste, ist etwas seltsam, aber nichts Genaues erfährt man nicht. Ein besonders schräger Vogel ist Jasper Chalkhill, ein Nachtelf. Er ist Teilhaber einer Leimfabrik, aber weder sein Compagnon noch irgendwer sonst nimmt ihn ernst. Stinkreich ist er, ohne Sinn für Stil und Geschmack, aber nicht nur sein Haus und seine Kleidung sind schrill, er benimmt sich auch albern. Wie ein aufgeregt kläffender Terrier. Total abgedreht, fast schon ein bisschen zu sehr …

Sein Compagnon Silas Brimstone, logischerweise ebenfalls ein Nachtelf, ist ein verschlagener, gieriger Betrüger. Er empfindet Chalkhill gelegentlich als sehr lästig, aber er braucht ihn wegen des Geldes für die Firma. Das stört ihn ganz gewaltig, deshalb ist es sein größter Traum, den Fürst der Dämonen persönlich zu beschwören. Von ihm erhofft er sich unendlich viel Gold. Zumindest fürs Erste. Übung in der Dämonenbeschwörung hat er jede Menge, doch ein Fürst ist nicht ganz so einfach zu beherrschen, und natürlich geht prompt etwas schief. Sein Opfer an den Fürsten läuft ihm nämlich davon: Pyrgus! Und abgesehen davon wäre der Fürst der Dämonen nicht der Fürst der Dämonen, wenn er nicht bei allem mitmischen und dabei seine eigenen Ziele verfolgen würde.

So kommt es, dass mehrere Leute das gleiche Ziel haben, nämlich Pergus umzubringen. Allerdings ist es nicht unbedingt ein gemeinsames Ziel, was zu ziemlichen Verwicklungen führt. Dass das Portal Pyrgus nicht dorthin bringt, wohin es sollte, macht die Verwirrung komplett. Jeder will ihn haben, keiner weiß wo er ist, und als sein Vater ihn endlich findet, ist er schon wieder weg, allerdings wieder mal nicht dorthin, wo er hingewollt und hingesollt hätte. Wer letztendlich für welche Sabotage und welchen Hinterhalt verantwortlich ist, erfährt man nicht so schnell, und als Holly Blue und Henry die Fäden endlich entwirrt haben, ist das Komplott eigentlich schon so gut wie am Ziel. Aber nur so gut wie, und natürlich geben die beiden trotzdem nicht auf. Das macht das Buch zum Ende hin zunehmend spannend.

Auch die Kleinigkeiten am Rande zeichnen sich durch Ideenreichtum aus. So sind alle Namen der Elfen Schmetterlingsnamen, und Holly Blue wird auf einem ihrer persönlichen Agenteneinsätze von einem orangen Zwerg begleitet, der einen Kartenleserschlitz am Kopf hat, wo seine Herrin ihre Spionagedaten abrufen kann, dessen Biss giftig ist und der irrsinnig laut pfeifen kann. Brennan beschreibt die Magie der Elfen mit technischen Begriffen, während Mr. Fagertys Bastelergebnissen manchmal ein ziemlicher Hauch von Zauberei anhaftet. Und das Buch Beleth birgt ebenfalls eine Überraschung.

Es gibt also genug zu entdecken. Am Ende des Buches bleibt noch genug Potenzial, das in einer Fortsetzung weiter ausgebaut werden kann, wie zum Beispiel der Nachtelfenfürst Hairstreak, der Gegner des Kaisers, der bisher noch nicht persönlich aufgetaucht ist, oder Comma, an dem einiges sehr, sehr seltsam ist. Und der Krieg ist ja auch noch nicht aus.

Das Buch liest sich flüssig und leicht und ist trotz mehrerer Handlungsstränge mit seinen rund 350 Seiten für einen geübten Leser an einem Tag problemlos zu schaffen. Brennans Zielgruppe sind eigentlich junge Erwachsene, das merkt man natürlich, zum Beispiel an der Ausdrucksweise der Jugendlichen untereinander, vor allem aber an dem Zoff, den die beiden jungen Helden mit ihren Eltern haben, an den Szenen, in denen Henrys Schwester vorkommt und daran, wie er auf Holly Blue reagiert. Das muss aber nicht unbedingt ein Manko sein, wie man an „Harry Potter“ deutlich sieht. Und tatsächlich hat auch Brennans Buch das Potenzial, sich unter den Erwachsenen seine Leser zu sichern, selbst wenn es nicht ganz frei von kleinen Logikfehlern ist. Es ist einfallsreich, humorvoll und auch spannend, und damit wert, gelesen zu werden.

Herbie Brennan lebt und arbeitet in Irland, und das sehr fleißig. Er hat Unmengen von Büchern geschrieben, von Historik über Psychologie und Esoterik bis Fantasy, von Romanen über Kurzgeschichten bis zu Software, für Erwachsene ebenso wie für Kinder und Jugendliche. Außerdem arbeitet er fürs Radio. Die Fortsetzung zu „Das Elfenportal“ ist bisher noch in Arbeit. Voraussichtlicher Erscheinungstermin für „The Purple Emperor“ ist der Oktober dieses Jahres.

http://www.herbiebrennan.com
http://www.faeriewars.com
http://www.dtv.de/special__brennan/elfen__index.htm

Andreas Eschbach – NSA. Nationales Sicherheits-Amt

Die Liebe der Programmstrickerin

Weimar 1942: Die Programmiererin Helene Bodenkamp arbeitet im NSA, dem Nationalen Sicherheits-Amt, und entwickelt dort Komputer-Programme, mit deren Hilfe alle Bürger des Deutschen Reichs überwacht werden. Erst als sie sich in einen Deserteur verliebt und ihn in Sicherheit bringt, regen sich Zweifel in ihr. Ihre Hilfsversuche bringen sie in Konflikt mit der Staatsdoktrin, sondern sie wird auch in die Machtspiele ihres Vorgesetzten Eugen Lettke verwickelt. Dieser nutzt die perfekte Überwachungstechnik für seinen ganz privaten Rachefeldzug und überschreitet dabei zunehmend jede Grenze… (abgewandelte Verlagsinfo)

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Orson Scott Card – Enders Kinder (Ender 4)

Ender muss seine Welt retten

Einst hatte Ender Wiggin eine ganze Spezies ausgelöscht. Dann fand er einen Weg, seine Schuld zu begleichen: er brachte die „Krabbler“ nach Lusitania, wo sie seitdem mit den „Schweinchen“, den Eingeborenen, und den Menschen zusammenleben. Doch die Menschen fürchten sich vor einem Virus auf Lusitania und wollen den Planeten vernichten. Sie schicken die Waffe, die Ender einst gegen die „Krabbler“ eingesetzt hat.

Enders älteste Freundin, die KI Jane, die sich mit ihm zusammen seit ihren Tagen auf der Kampfschule entwickelt hat, müssen die Flotte unbedingt aufhalten, wenn sie ihren Planeten retten wollen. Als die Menschen davon erfahren, schalten sie Janes Netzwerk ab. Um Lusitania zu retten, muss Ender erst Jane retten – doch der Preis dafür ist hoch…
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Roger McBride Allen – Die Tiefen der Zeit

Autsch: Asimov-Jünger fabriziert Öko-Abenteuer

Um die gigantischen Entfernungen im Weltall zu überbrücken, wurden so genannte Zeitschächte geschaffen, durch welche die Raumschiffe relativ „schnell“ zu den abgelegenen Kolonien der Erde gelangen können. An den jeweiligen Ausgängen dieser Zeitschächte patrouillieren Wachschiffe. Sie sollen verhindern, dass nichts aus der Zukunft in die Vergangenheit gelangt und dort den kausalen Zusammenhang des Universums beeinträchtigt.

Als Anton Koffield, Kapitän des Wachschiffes „Upholder“, urplötzlich von einer Flotte unbekannter Kleinschiffe angegriffen wird, entscheidet er, den Zeitschacht zur Welt Solace zu schließen. Eine bisher einzigartige Maßnahme mit ungeahnten Konsequenzen … (erweiterte Verlagsinfo)

Die Fortsetzung trägt den Titel „Der Ozean der Jahre“ und erschien ebenfalls bei |Heyne|.
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Jeschke, Wolfgang & Bova, Ben (Hg.) / Anderson, P. / Campbell J. W. jr. / Smith, C. – Titan-8

_Unsichtbar & hungrig: das Alien aus dem Eis_

Die Großen der Science-Fiction sind mit ihren Meisterwerken bereits in der so genannten „Science Fiction Hall of Fame“ verewigt, welche natürlich in Buchform veröffentlicht wurde (statt sie in Granit zu meißeln). Daher können Freunde dieses Genres noch heute die ersten und wichtigsten Errungenschaften in der Entwicklung eines Genres nachlesen und begutachten, das inzwischen die ganze Welt erobert und zahlreiche Medien durchdrungen hat.

In der vorliegenden Ausgabe des Auswahlbandes Nr. 8 von „Titan“, der deutschen Ausgabe der „SF Hall of Fame“, sind Novellen von Poul Anderson, John W. Campbell jr. und Cordwainer Smith gesammelt.

_Die Herausgeber_

1) Wolfgang Jeschke, geboren 1936 in Tetschen, Tschechei, wuchs in Asperg bei Ludwigsburg auf und studierte Anglistik, Germanistik sowie Philosophie in München. Nach Verlagsredaktionsjobs wurde er 1969-1971 Herausgeber der Reihe „Science Fiction für Kenner“ im |Kichtenberg|-Verlag, ab 1973 Mitherausgeber und ab 1977 alleiniger Herausgeber der bis 2001 einflussreichsten deutschen Science-Fiction-Reihe Deutschlands beim |Heyne|-Verlag, München. Von 1977 bis 2001/02 gab er regelmäßig Anthologien – insgesamt über 400 – heraus, darunter die einzigen mit gesamteuropäischen Autoren.

Seit 1955 veröffentlicht er eigene Arbeiten, die in ganz Europa übersetzt und z. T. für den Rundfunk bearbeitet wurden. Er schrieb mehrere Hörspiele, darunter „Sibyllen im Herkules oder Instant Biester“ (1986). Sein erster Roman [„Der letzte Tag der Schöpfung“ 1658 (1981) befasst sich wie viele seiner Erzählungen mit Zeitreise und der Möglichkeit eines alternativen Geschichtsverlaufs. Sehr empfehlenswert ist auch die Novelle „Osiris Land“ (1982 und 1986). Eine seiner Storysammlungen trägt den Titel „Schlechte Nachrichten aus dem Vatikan“.

Zuletzt erschien 2005 [„Das Cusanus-Spiel“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__:book=2065 bei |Droemer|.

2) Ben Bova, Jahrgang 1932, ist schon über 70 und ein verdammt erfahrener Bursche. 1956 bis 1971 arbeitete er als technischer Redakteur für die NASA und ein Forschungslabor, bevor er die Nachfolge des bekanntesten Science-Fiction-Herausgebers aller Zeiten antreten durfte, die von John W. Campbell. Campbell war die Grundlage für das „Goldene Zeitalter der Science Fiction“, indem er mit seinem Magazin „Analog Science Fiction“ jungen Autoren wie Asimov, Heinlein, van Vogt und anderen ein Forum gab. Hier entstanden der „Foundation“-Zyklus und andere Future-History-Zyklen.

Für seine Herausgeberschaft von Analog wurde Bova sechsmal (von 1973-79) mit einem der beiden wichtigsten Preise der Science-Fiction ausgezeichnet, dem |Hugo Gernsback Award|. Von 1978-82 gab er das Technik-&-Fiction-Magazin „Omni“ heraus. 1990-92 sprach er für alle Science-Fiction-Autoren Amerikas in seiner Eigenschaft als Präsident der Berufsvereinigung. Seit 1959 hat er eigene Bücher veröffentlicht, die sich oftmals an ein jugendliches Publikum richten, darunter die Kinsman- und Exiles-Zyklen.

Ebenso wie Robert Heinlein und Larry Niven ist Bova ein Verfechter der Idee, dass die Menschheit den Raum erobern muss, um überleben zu können. Und dies wird nur dann geschehen, wenn sich die Regierung zurückzieht und die Wirtschaft den Job übernimmt. Der Brite Stephen Baxter hat in seiner Multiversum-Trilogie diese Idee aufgegriffen und weiterentwickelt.

1992 begann Bova mit der Veröffentlichung seines bislang ehrgeizigsten Projekts: die Eroberung des Sonnensystems in möglichst detaillierter und doch abenteuerlicher Erzählform.

_Die Erzählungen_

1) _John W. Campbell jr: Wer da?_ (Who goes there?, 1938)

Dies ist die literarische Vorlage für Howard Hawks‘ SF-Film „Das Ding aus einer anderen Welt“ – und natürlich auch für dessen Remake von John Carpenter!

Die Besatzung der amerikanischen Südpol-Station ist im ewigen Eis auf ein außerirdisches Raumschiff gestoßen, das seit 20 Millionen Jahre hier liegen muss – es hat einen zweiten magnetischen Südpol verursacht. Um eindringen zu können, sprengten sie das U-Boot-förmige Vehikel mit Thermit – und setzen es dabei in Brand, weil sie zu spät merkten, dass es vor allem aus Magnesium bestand. Doch ein Insasse ist entkommen, nur um jedoch sogleich zu Eis zu gefrieren. Und diesen Eisblock haben sie nun auf einem Tisch in ihrer Basis liegen.

Was ist damit zu tun, lautet nun die Frage, die die Wissenschaftler zu entscheiden haben. Bringt der Außerirdische Mikroben mit, die Menschen schaden könnten? Nachdem man sich entschieden hat, den Block aufzutauen, ist schließlich zu erkennen, dass das Fremdwesen drei rote Augen in einem blauen Fell hat und sich Tentakel am „Kopf“ bewegen – es lebt! Doch keiner hat daran gedacht, dass es Gedanken lesen oder beeinflussen könnte. Noch ahnt auch keiner, dass es die Gestalt von organischen Lebensformen annehmen könnte.

Als das Alien auf einmal verschwunden ist und es nicht gefunden werden kann, dämmert Kommandant Garry und seinem Vize McReady die schreckliche Wahrheit: Das Alien kann sich in jeden der Männer verwandelt haben, indem es dessen Zellsubstanz imitiert. Und ebenso schnell kann es sich mit der zusätzlichen Zellmasse vermehren und andere Lebewesen, etwa Schlittenhunde, übernehmen und imitieren.

Die Frage ist nun: Gibt es einen endgültigen Test, der beweist, dass ein menschlich aussehender Proband mit absoluter Sicherheit kein Alien ist?

|Mein Eindruck|

Anfang und Ende des Textes sind der Action gewidmet, und Hawks dürfte wohl alles bis Seite 30 verwendet haben. Doch dann kommt eine Zäsur, die einen ruhigen Mittelteil einleitet, in dem fast nur geredet wird. Das ist ziemlich ermüdend, wenn auch notwendig, um die Lage zu begreifen, in der sich die Leute nach dem Verschwinden des Alien befinden (man denke an den Alien-Film von Ridley Scott). Sie haben zudem nicht viel Zeit, denn das Alien wird versuchen, die ganze Erde zu erobern und mit seiner Art zu bevölkern.

Mir hat das Lesen nicht viel Spaß gemacht, denn die Szenen sind wie gesagt nicht sonderlich anschaulich, bis auf das Finale, und die Erzählmethode derartig antiquiert, dass ich nur den Kopf schütteln konnte. Am Anfang berichtet McReady seitenlang in einem ununterbrochenen Monolog von den Ereignissen beim Raumschiff der Aliens. Dann treten die einzelnen Wissenschaftler auf, und allein schon die Aufgabe, sich deren Namen zu merken, ist anspruchsvoll.

Noch seltsamer ist jedoch die Methode der Charakterisierung. Das war wohl der damalige Groschenheftstil, aber so holzschnittartig trieben es selbst Asimov und Heinlein nicht. McReady ist ein bronzener Riese und ein anderer Mann scheint nur aus Stahl zu bestehen. Klar, dass wir diesen Typen trauen sollten. Aber nur weil das behauptet und mehrmals wiederholt wird, muss es noch lange nicht glaubhaft klingen. Wahrscheinlich hielt der Autor seine (meist jugendlichen) Leser für begriffsstutzig.

Uwe Antons Übersetzung ist von minderer Qualität. Aus einem Ofenrohr wird eine „Ofenpfeife“ und aus einem Kirchenlied eine „Hymne“. Außerdem wurden Kapitel zusammengezogen, so dass zeitliche Pausen nur dann zu bemerken sind, wenn man ganz genau mitdenkt. In der Übersetzung durch Rosemarie Hundertmarck, die sich in „Fragezeichen Zukunft“ (Moewig Nr. 6736, 1984) findet, wurden alle Kapitel säuberlich nach Sinn- und Zeiteinheiten getrennt, so dass es zwei mehr sind als in „Titan-8“; vierzehn statt zwölf.

2) _Poul Anderson: Nenn mich Joe_ (Call me Joe, 1957)

Die Menschen erforschen den Riesenplaneten Jupiter. Auf dessen Oberfläche herrscht unter den Gaswolken ein extrem hoher Druck, unter dem sich die bekannten Elemente wie Methan und Wasserstoff auf drastische Weise verändern. Doch wie kann man diese menschenfeindliche Gegend erkunden, wenn die Technik komplett versagt? Deshalb hat die bionische Wissenschaft einen Pseudojupitermenschen entwickelt, und nach zahlreichen Fehlschlägen haben sie das optimale Modell geschaffen. Sie nennen ihn Joe. Und er kennt sich selbst nur unter diesem Namen.

Joe ist ein grauer, sehr widerstandsfähiger Zentaur und weiß sich der Raubtiere des Jupiter durchaus zu erwehren. Wie bei Frankensteins Ungeheuer wurde seine Intelligenz aber lediglich angelegt – sie anzuwenden erfordert einen geistigen Steuermann. Hier kommt Edward Anglesey ins Spiel. Ed ist ein von der Brust abwärts gelähmter Telepath, der an Bord eines kleinen Jupitermondes lebt, den man zu einer Forschungsstation ausgebaut hat. Mit Hilfe seiner psi-verstärkenden Technik kann sich Ed ins Bewusstsein Joes hineinversetzen und ihn sich intelligent verhalten lassen.

Allerdings gibt es in letzter Zeit ein technisches Problem. Die K-Röhre (Transistoren sind noch nicht erfunden), die seine Gedanken bei der Psi-Kommunikationen verstärkt, brennt immer öfter durch. Die Ursache ist unbekannt. Deshalb hat die Station den Psitechniker Jan Cornelius angefordert. Cornelius setzt sich mit dem Problem auseinander, findet aber keinerlei technischen Fehler. Die Ursache vermutet er im psychologischen Bereich. Die Überlastung der K-Röhre könnte durch eine Art negative, sich verstärkende Rückkopplung herbeigeführt werden. Doch welche Faktoren sind dafür verantwortlich?

Zunächst wendet Cornelius simple Freudianische Psychotheorie an, denn von „Analyse“ kann bei einem so cholerischen Menschen wie Anglesey keine Rede sein. Der Widerspruch zwischen Joes perfektem, starkem Körper und Eds schwachem Krüppelkörper könnte eine Rolle spielen. Aber Ed sagt, er finde es herrlich, Joe sein zu dürfen. Was er sich wünsche, seien Gefährten. Diese wurden bereits vorbereitet und sollen nun zur Oberfläche geschickt werden.

Als Cornelius sich in dieser entscheidenden Phase des Projekts mit einem Psiprojektor in die Kommunikation zwischen Ed und Joe einklinken kann, führt er eine Krise herbei, die endlich zur gesuchten Erkenntnis führt, aber gleichzeitig für Ed eine Katastrophe bedeutet. Und doch ist nichts verloren, wie der Forschungsleiter von einem aufgeregten Cornelius erfährt: Dies ist nicht das Ende von Ed und Joe, sondern der Anfang von Joe Anglesey …

|Mein Eindruck|

Poul Anderson schafft es immer wieder, seine unmöglichen Konstellationen von Problemen zu einem positiven, menschlich zufriedenstellenden Ende zu führen. So auch hier, wenn die altbekannte Horrorstory von Frankensteins Ungeheuer zu einer Vision gewendet wird, die nicht nur die unmittelbar Beteiligten befriedigt, sondern auch der Erde selbst eine verheißungsvolle Zukunftsperspektive bietet.

Denn wenn nun Krüppel und alte Menschen und Behinderte eine zweite Chance benötigen, brauchen sie nicht lange zu suchen: Sie lassen ihren Geist in einen von Joes Verwandten übertragen. Die Übertragung ist zwar etwas völlig anderes als das Verschicken einer E-Mail, wie man an Ed Angleseys Beispiel sieht, aber sie eröffnet ein zweites, völlig andersartiges Leben, voller Vitalität und Schönheit.

Der Text ist zwar relativ leicht verständlich, richtet sich aber dennoch an Leser, die etwas mit Physik, Chemie und Psychologie anfangen können. Ohne diese Wissensbereiche wäre die Erzählung nur romantisches Wischiwaschi, aber so ist sie eine mit menschlichen Dimensionen ausgestattete wissenschaftliche Vision. Sehr amüsant fand ich dabei die King-Kong-Allüren, die Ed seiner „Marionette“ Joe eingibt. In den Anspielungen auf das Elisabethanische Zeitalter (Prosepero, Caliban und andere Heroen, die auch in Dan Simmons SciFi-Epos [„Ilium“ 346 auftauchen) erweist sich Anderson als ausgezeichneter Shakespearekenner.

3) _Cordwainer Smith: Die Ballade der verlornen K’mell_ (The ballad of lost C’mell, 1962)

In ferner Zukunft wird die Erde von den Herren der „Instrumentalität“ beherrscht. Die Lords sind langlebige Telepathen, sorgen für Recht und Ordnung, lenken die Geschiche einer sehr veränderten Menschheit. Neben Menschen-Lords und Menschen-Ähnlichen (Hominiden) gibt es noch die rechtlosen Untermenschen. Sie wurden aus Tieren wie etwa Stieren, Hunden oder Katzen gezüchtet. Katzenmenschen tragen das Kürzel K vor dem Namen, so wie K’mell.

K’mell ist eine Hostess, deren Aufgabe darin besteht, den Besuchern der Erde ihren Aufenthalt so angenehm wie möglich zu gestalten, in jeder Hinsicht. Sie hat feuerrote Haare und grüne Augen. Eigentlich kommt es nie zu Kontakten zwischen Untermenschen wie ihr und den hohen Lords, die in ihrem 25 Kilometer hohen Turm leben. Und deshalb ist die Begebenheit, die die Ballade erzählt, umso erstaunlicher.

Lord Jestocost ist ein ungewöhnlicher Lord, mit einem großen Sinn für Gerechtigkeit. Deshalb sieht er es nicht gern, wenn die Untermenschen so entrechtet sind und ausgebeutet werden. Ein berühmter Weitspringer ist gestorben und wird bestattet. Es handelt sich um K’mells Vater K’macintosh. Als der Lord der Bestattung beiwohnt, liest er K’mells Geist und was er dort findet, haut ihn um: Sie betet einen anderen Geist an und erfleht von diesem Beistand.

Mit diesem höheren Wesen will er Bekanntschaft schließen und lässt K’mell zu sich in sein riesiges Büro kommen. Per Telepathie und Hypnose gelingt es ihm, direkten Kontakt mit dem höheren Wesen aufzunehmen. Und er geht noch einen Schritt weiter: Er gewährt diesem Einblick in seinen eigenen Geist, wenn auch nur in diejenigen Bereiche, die mit den Untermenschen zu tun haben. Er will zeigen, wie sehr er sich um das Schicksal der Untermenschen sorgt. Würde er sich an einer Rebellion beteiligen? Unter Umständen ja. Sie trennen sich.

K’mell ahnt nicht, was ihr Geist mit dem von Jestocost ausgetauscht hat, doch sie weiß eines: Sie liebt den Lord, so wie eine Frau einen Mann liebt (und sie weiß alles über beide Geschlechter). Aber liebt der Lord auch K’mell? Er ahnt es vielleicht, doch noch mehr als Menschen liebt er die Gerechtigkeit.

Wie auch immer: Der Tag der Intrige kommt, der entscheidende Moment dauert nur wenige Minuten, in denen der Geist K’mells durch Jestocosts Augen in die Datenbank der Lagezentrale der Lords blickt und sich alles merkt. Dann bricht der Kontakt ab und K’mell kann gehen. Es dauert nicht lange, und die Untermenschen sind in der Lage, sich den Todesschwadronen der Wächter zu entziehen, weil sie nun die Daten des Geistes besitzen und ausweichen können. Über kurz oder lang gelingt es ihnen, Bürgerrechte zu erlangen. Der Sieg der Gerechtigkeit ist endlich herbeigeführt.

Doch was wird aus dem Paar Jestocost und K’mell?

|Mein Eindruck|

Das ist eine recht ungewöhnliche Rebellionsgeschichte, und sie wurde von einem Briten im diplomatischen Dienst geschrieben. (Paul Myron Anthony Linebarger, 1912-1966, war Politologe und amerikanischer Regierungsberater mit Erfahrungen im China vor der Mao-Revolution und während des zweiten Weltkriegs.) Deshalb kennt er sich mit den Verwicklungen zwischen Herren und Beherrschten gut aus. Der Autorenname ist natürlich ein Pseudonym, und unter diesem Namen veröffentlichte der Autor einen ganzen Zyklus von Erzählungen, die als Norstrilia- oder Instrumentalitäts-Zyklus bezeichnet wird. Sie sind bei |Suhrkamp| erschienen.

Die vorliegende Story ist geschickt erzählt, mit Vorausverweisen, um das Interesse des Lesers zu wecken und wachzuhalten. Außerdem gibt es zwei faszinierende Hauptfiguren: eine sehr erotische Frau, der personifizierte Sex, und ein asexueller langlebiger Lord, der mit persönlichen Dingen nichts mehr zu tun haben will, sich aber brennend für Ideale wie Gerechtigkeit interessiert. Wie können solche Gegensätze konstruktiv zusammenwirken – das ist das Gedankenspiel, das der Autor anstellt.

Das Ergebnis ist bis heute interessant, wenn man bedenkt, dass sich der Geist in K’mell durch andere Kommunikationstechniken wie etwa drahtlose Internetverbindungen ersetzen ließe. Doch überzeitlich gültig wird die Story erst durch die anrührende Liebesgeschichte zwischen Jestocost und K’mell. Diese Affäre überdauert den Aufstand der Untermenschen, bis über K’mells Tod hinaus und bis zum Ende Jestocosts. Doch über sein Ende hinaus erzählt die Ballade, was die beiden taten, um die Untermenschen zu Bürgern zu machen. Und so sind sie unsterblich geworden.

_Unterm Strich_

Von den drei Erzählungen hat mich vor allem die von Poul Anderson zu überzeugen gewusst. Sie ist überzeitlich gültig und hat die Flut ständig neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse über den Jupiter relativ gut überstanden. Die Freudianische Psychologie mag heute überholt erscheinen, doch darauf kommt es letzten Endes nicht an, um die Story funktionieren zu lassen.

„Wer geht da?“ offenbart jedoch furchtbare Mängel in der Wirkung auf den heutigen Leser. Ich habe diese Defizite oben bereits aufgelistet. Mag die Grundstory auch schon zweimal erfolgreich verfilmt worden sein, so ist doch dieser Abklatsch eines Lovecraft-Mythos nur noch schwer erträglich. Wer einmal Lovecrafts [„Berge des Wahnsinns“ 3652 gelesen oder als Hörspiel gehört hat, dem kommt Campbell recht steif und hölzern vor. Gut, dass sich der Autor später vor allem auf die Herausgeberschaft von |Astounding Stories| und |Analog| beschränkt hat.

Für die Story von „Cordwainer Smith“ (das Pseudonym eines Chinakenners) braucht man, denke ich, eine romantische Ader. Damit kann man sich in die Beziehung zwischen Lord Jestocost und der Hostess K’mell einfühlen und ihr wünschen, sie habe eine Zukunft. Die Sprache des Autors ist unverwechselbar und bildet einen weiteren Anreiz, seine Erzählungen über die Instrumentalität zu lesen, z. B. „Alpha Ralpha Boulevard“ oder „Das Spiel von ‚Ratte und Drache'“.

Wie alle „Titan“-Auswahlbände bildet auch dieses Buch einen qualitativ guten und leicht verständlichen Einstieg in die frühen Jahre des Science-Fiction-Genres.

|Originaltitel: Science Fiction Hall of Fame Band 2/A, 1973
140 Seiten, aus dem US-Englischen von Uwe Anton|

[NEWS] Wolfgang Schorlau & Claudio Caiolo – Falsche Freunde (Commissario Morello 3)

Weg mit den ärmlichen Tagestouristen! Weg mit den Sandalen tragenden Studienräten aus Deutschland, die nur zwei, drei Tage auf der Biennale bleiben! Und vor allem: raus mit den noch verbliebenen Bewohnern Venedigs. Die Gruppe, die sich auf das Erbe der venezianischen Dogen beruft, über Jahrhunderte Herrscher der Serenissima, bereitet eine beträchtliche Erweiterung des Flughafens vor. Sie plant eine U-Bahn, die unter der Lagune hindurch vom Festland nach Venedig führt. Die Pläne sind fertig. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit fehlt noch: Die zuständigen Politiker müssen bestochen werden. Diese Aufgabe übernimmt der treue Buchhalter Paolo Salini. Doch als dieser ermordet wird und das Bestechungsgeld verschwindet, übernimmt Commissario Morello den Fall und bringt das lang geplante Projekt in Gefahr. Da beschließen die reichen Männer: Morello muss weg … 
(Verlagsinfo)

1 MP3-CD
Lesung mit Dietmar Wunder
argon

Lois McMaster Bujold – Im Schatten des Wolfes (Chalion 3)

Band 1: „Chalions Fluch“
Band 2: „Paladin der Seelen“

Handlung

Prinz Boleso ist tot. Was nicht gerade bedauerlich ist, denn nach dem Mord an einem Dienstboten, dessen Leiche er danach gehäutet und in Stücke geschnitten hat, ist die königliche Familie froh, das im Exil lebende schwarze Schaf los zu sein, bevor es ihren Ruf weiter beschmutzen kann.

Leider ist der Prinz zu einem ungelegenen Zeitpunkt gestorben: Der Geheiligte König selbst kränkelt und Prinz Boleso ist unter alles andere als normalen Umständen gestorben. Er wurde erschlagen – von seiner eigenen Gespielin, Lady Ijada dy Castos, einem Kammerfräulein seiner Schwester, Prinzessin Fara.

Lois McMaster Bujold – Im Schatten des Wolfes (Chalion 3) weiterlesen

Tanith Lee – Im Herzen des Vulkans (Birthgrave-Trilogie 1)



Frühe feministische Fantasy

Die Angehörige einer beinahe verschwundenen Rasse von Superwesen erwacht im Herzen eines Vulkans. Draußen wird sie aufgrund ihrer übermenschlichen Kräfte als Göttin verehrt. Sie stellt erstaunt fest, dass nicht nur ihre Berührung, sondern allein ihr Name heilen können. Denn ein Dämon im Vulkan hat ihr vorausgesagt, dass sie überall das Böse verbreiten werde.

Sie entdeckt, dass es noch weitere Abkömmlinge der alten Rasse auf der Welt gibt. Doch sie wird von ihnen nur benutzt, als Frau wie als Zauberin. Sie wird versklavt und gedemütigt, aber sie nicht auf bei ihrer Suche nach ihrem Ursprung und ihrer Bestimmung. (aus der Verlagsinfo)

Mit dieser Trilogie hat sich die Engländerin Tanith Lee (geb. 1947, gest. 2015) auf Anhieb den Ruf erworben, neben C. J. Cherryh und Katherine Kurtz die wichtigste Vertreterin der gehobenen epischen Fantasy zu sein. (ergänzte Verlagsinfo)

Die Autorin
Tanith Lee – Im Herzen des Vulkans (Birthgrave-Trilogie 1) weiterlesen

Gisa Klönne – Der Wald ist Schweigen (Köln-Krimi)

Köln-Krimi: realistisch und beängstigend

Es könnte so idyllisch sein: ein entlegenes Tal, ein einsames Forsthaus, sympathische Aussteiger und viel, viel Wald. Doch dann liegt die Leiche eines Mannes in einem Hochsitz, und Kommissarin Judith Krieger, kettenrauchend und chronisch müde, beginnt zu ermitteln. Nach einer Reihe von Fehlern wird sie beurlaubt, aber ihr Kampfgeist erwacht, als eine zweite Leiche im Wald gefunden wird – in einem Bombenkrater. (abgewandelte Verlagsinfo)

Die Autorin
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Wells, H. G. – Unsichtbare, Der

_Spannende SF: der Wissenschaftler als Terrorist _

Unsichtbarkeit: Das ist die Faust, die man nicht kommen sieht, Macht über andere. Der „Unsichtbare“, das ist einer der ersten Terroristen und „verrückten Wissenschaftler“. Dennoch ist ihm ein tragisches Geschick beschieden. „Der Unsichtbare“ ist eine von H.G. Wells‘ besten Geschichten. Sie steht in einer Reihe mit „Die Zeitmaschine“ und „Der Krieg der Welten“.

James Whale hat den Klassiker 1933 kongenial mit Claude Rains in der Titelrolle verfilmt; seine Spezialeffekte wurden in zahlreiche Filme der Zeit übernommen, so gut waren sie. Bei ihm ist die Story keine Tragödie, sondern eine schwarze Komödie.

_Handlung_

Erstmals ereignet sich die phantastische Handlung nicht in einer ebenso phantastischen Umgebung, sondern in der englischsten aller Gegenden, für deren Leser Wells damals schrieb: in Südengland.

In das verschlafene und rechtschaffene Städtchen Iping im idyllischen Sussex schneit eines Wintertages der merkwürdige Fremde herein. Er quartiert sich im Gasthaus „Zum Fuhrmann“ ein, ohne seinen Namen zu nennen. Die Wirtsfrau Mrs. Hall nimmt seine diversen Unhöflichkeiten und seine kurz angebundene Art nur in Kauf, weil er gleich mit zwei Goldstücken im voraus bezahlt hat.

Entsetzt stellt sie fest, dass das Gesicht des Mannes komplett bandagiert ist. Aus diesem weiß umhüllten Kopf stechen die von einer schwarzen Brille verdeckten Augen wie die eines Totenkopfes heraus. Kaltes Grausen packt sie, doch das Mitleid behält vorerst noch die Oberhand.

Nacheinander machen die Bekannten der robusten Wirtin Bekanntschaft mit dem seltsamen Gast: der Uhrmacher, ihr Mann, ein Fuhrmann, zwei Monate später schließlich der Dorfarzt, der seine Entdeckung brühwarm dem Pfarrer hinterbringt: Der Ärmel des Fremden ist leer, doch beim Draufschlagen genauso steif und hart, als stecke ein richtiger Arm darin! Mittlerweile ist der in seinem Zimmer experimentierende Fremde schon Stadtgespräch. Unter den Frauen schreibt man ihm übernatürliche Kräfte zu, doch manche Männer halten ihn für einen Anarchisten – was damals gleichbedeutend ist mit einem Bombenleger.

Nachdem beim Pfarrer eine Kasse ausgeraubt wurde, will der Dorfgendarm den Fremden, der nach wie vor namenlos ist, deswegen verhaften. In einem irren Handgemenge gelingt es dem Fremden, sich auszuziehen und unsichtbar zu entkommen. Auf dem Felde macht er einen Landstreicher zu seinem Helfershelfer. Dies ist eine der komischsten und gelungensten Szenen des Buches. Mit dem neuen Komplizen verschafft er sich erneut Zutritt zum „Fuhrmann“ in Iping, um seine kostbaren Tagebücher und Notizen zu holen.

Doch schon bald wird der Einbruch entdeckt und Rufe werden laut „Haltet den Dieb!“ Doch der Fremde schlägt diesmal zurück, und so erhalten seine Verfolger viele blaue Flecken. Der Unsichtbare hinterlässt statt eines fröhlichen Pfingstjahrmarkts eine Stätte des Chaos und des Terrors. Noch Stunden danach herrscht Totenstille. So endet die erste Hälfte des Reports, den uns Wells liefert.

_Mein Eindruck_

Wells hat sich einer märchenhaften Wunschvorstellung der Menschen angenommen, sie auf den Kopf gestellt und zeigt nun die möglichen Folgen ihrer Verwirklichung. Die Wissenschaft, verkörpert in dem Fremden, erweist sich hier als zweischneidiges Schwert: Bewundernswert ist sie nur dann, wenn sie der Menschheit dient. Doch sie wird zu einem teuflischen Instrument, wenn, wie beim Romanhelden Mr. Griffin, stattdessen der Machthunger des Menschen zur Triebfeder wird. Der Wissenschaftler mit der gottähnlichen Macht des Unsichtbaren wird zum Terroristen.

Doch dies ist auch seine Achillesferse und sein Verhängnis. Um vollkommen unsichtbar zu sein, darf er keine Kleidung tragen. Nackt ist er der Kälte und dem Wetter ausgesetzt. Ständig verrät sich Mr. Griffin durch sein heftiges Niesen. Er benötigt auch Nahrung, muss sich also unter Menschen wagen, die für ihn eine Bedrohung darstellen, denn sie könnten ihn und seine Machenschaften entdecken. Doch unverdaute Nahrung in seinem Magen ist wiederum sichtbar, eine weitere Gefahr. Außerdem muss er sich als Unsichtbarer völlig außerhalb der Gesetze stellen, die für normale Sterbliche gelten. Er hält sich für größer als die Normalen, ist aber umso angreifbarer.

Sein Terrorismus verwandelt die Menschen in einen Pöbel, der dem üblichen Gesetz nicht mehr gehorcht. Sein Übermut und sein oben geschildertes Dilemma werden ihm zum Verhängnis, denn einmal gefasst, zerreißt ihn der Pöbel praktisch in Stücke.

|Eine besondere Art von Humor|

Wells arbeitet ständig mit Humor in seiner Erzählung. Die schwarze Komödie lebt von der Konfrontation der diversen Dorfbewohner mit dem Unbekannten und Unmenschlichen, das der Fremde in ihre Mitte gebracht: Sie untersuchen ihn, kämpfen mit ihm und doch ist da am Ende nur NICHTS. Es ist eine gespenstische Situation von geradezu existenzialistischen Dimensionen.

Damit diese Bedrohung dem werten Leser nicht zu sehr Angst macht, wird sie verschleiert und eingebettet in komische Situations- und Aktionsbeschreibungen, die von einer schlichtweg filmischen Vor- und Darstellungskraft zeugen. Das Kino war 1897 bereits erfunden, und so verwundert es nicht, dass so manche turbulente Szene an frühe Melodramen und Slapstick-Action erinnert.

Diese sind aber, wie gesagt, nicht Selbstzweck. Die Szene, in der Mr. Griffin den Landstreicher, Mr. Marvel trifft und ihm begreiflich zu machen versucht, dass er selbst unsichtbar, aber absolut real sei, berührt die Grenze des Ergreifenden. Hier zeigt sich die Tragik des Schicksals, dem sich der Wissenschaftler selbst ausgesetzt hat. Wer je den John-Carpenter-Film „Die Fliege“ mit Jeff Goldblum als Wissenschaftler gesehen hat, weiß vielleicht, wovon ich spreche.

Ende des 19. Jahrhunderts erklärte ein leitender Mitarbeiter des britischen Patentamtes, alles, was zu erfinden sei, sei bereits erfunden. (Nun könne man sich wohl beruhigt zurücklehnen.) Herbert George Wells demonstriert in seinen Geschichten, dass genau das Gegenteil der Fall ist, dass man aber zwar forschen könne, die Anwendung der Forschungsergebnisse jedoch wohl überlegt sein sollte.

|Die andere Seite der Spiegels|

Das direkte Gegenstück zum „Unsichtbaren“ hat Wells Jahre später mit der schönen Erzählung „Im Land der Blinden“ geschrieben. In den Anden hat sich in einem vergessenen, abgeschlossenen Tal eine winzige Gemeinschaft entwickelt, deren Sehkraft sich zurückentwickelt hat, bis sie verschwand. Alle hier sind blind, folglich ist der Eindringling, der zufällig hier landet, selbst unsichtbar. Nach einer dramatischen Auseinandersetzung muss er sich zwischen Liebe, Familienglück und Sehkraft entscheiden …

_Die Übersetzung_

Die zwei Übersetzer haben den etwas betulichen Tonfall des viktorianischen Autors nachzuahmen versucht, was den heutigen Leser doch etwas absonderlich anmutet. Es könnte sein, dass dies die erste deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1911 ist.

Wells war jedoch Journalist und absolut auf der Höhe der Zeit. Sein Erzählstil hat nichts mit Autoren alter Schule wie Fontane oder Raabe zu tun, sondern mehr mit Zeitungsreportage: Genau so würde ein Reporter aus der Stadt das Geheimnis des unsichtbaren Fremden in einem Dorf in Sussex einkreisen und schließlich enthüllen.

_Unterm Strich_

„Der Unsichtbare“ ist eine äußerst flott und spannend zu lesende Actionstory. Einerseits. Andererseits will Wells hier nicht nur unterhalten, sondern auch dem menschlichen Wunsch, sich mit Hilfe der Wissenschaft praktisch jeden Wunsch zu erfüllen, eine lehrreichen Spiegel vorhalten.

|Originaltitel: The invisible man, 1897
Aus dem Englischen von Brigitte Reiffenstein und Alfred Winternitz|

Giuttari, Michele – Signatur, Die

_Blutiges Florenz, die Stadt mit doppeltem Boden_

Erst wird in Greve bei Florenz ein Schreibwarenhändler auf blutige Weise ermordet, dann in Florenz selbst der Gehilfe eines Antiquitätenhändlers. Commissario Ferrara vom Morddezernat erkennt allmählich, dass er es mit einem kaltblütigen Rachefeldzug zu tun hat. Er selbst hat schon zwei anonyme Drohbriefe erhalten, die seine deutsche Frau Petra beunruhigen. Spuren im Hintergrund des Antiquitätenhändlers scheinen zunächst nach Kalabrien und Sizilien zur Mafia zu führen, doch auf einmal verlieren sie sich im Nichts …

Unterdessen beschließt die Kunststudentin Vantina Preti, ihre lesbische Affäre mit ihrer Jugendfreundin abzubrechen und von Bologna nach Florenz zu Mike zu ziehen. Doch der gutaussehende, betuchte junge Mann, der sich als der amerikanische Journalist Mike Ross ausgibt, ist keineswegs der harmlose Reporter, sondern ein Mittelsmann, der der Mafia nahesteht. Mit Valentina hat er besondere Pläne …

_Der Autor_

Michele Giuttari, 1950 in Sizilien geboren, arbeitete für mehrere Mordkommissionen, bevor er 1995 die Leitung der Squadra Mobile in Florenz übernahm. Seine Romane um Kommissar Michele Ferrara wurden Bestseller, z. B. „Die Signatur“. Er lebt mit seiner deutschen Frau in Florenz.

_Handlung_

Der erste Mord, zu dem Commissario Ferrara vom Morddezernat Florenz gerufen wird, hat am 1. Oktober 1999 in Greve stattgefunden, einem beliebten Ausländerwohnort mitten im Chiantigebiet. Der Verkäufer eines Schreibwarenhändlers wurde mit zahlreichen Messerstichen regelrecht niedergemetzelt. Da das Opfer homosexuelle Neigungen auslebte, glaubt der Commissario an ein Verbrechen aus Leidenschaft, aus Rache vielleicht. Dass der gutaussehende junge Priester Sergio Rotondi etwas mit der Sache zu tun haben könnte, lässt sich leider nicht belegen, denn er bekommt ein Alibi von seinem Kollegen.

Am 31. Dezember wird Ferrara aus dem Urlaub zurückgerufen, den er mit Gattin Petra in Wien verbringt. Der junge Angestellte eines Florentiner Antiquitätenhändler wurde auf ähnliche Weise niedergemetzelt wie der Mann in Greve, allerdings wurde er zuvor mit einer Pistole erschossen. Eine Zeugin hat einen hochgewachsenen Mann mit blondem gewelltem Haar gesehen, wie er das Geschäft zur Tatzeit betrat. Ob es ein Priester war, kann sie allerdings nicht sagen.

Wenig später bekommt Ferraras Mitarbeiter Ricci von einem Informanten, der gerade aus der Haft entlassen wurde, gesteckt, dass dieser Antiqutätenhändler Verbindungen zu Hehlerkreisen der kalabresischen Mafia hat, besonders zu einem gewissen Salvatore Dieni. Diesen Hehler quetscht Ferrara so lange aus, bis er weiß, dass es nur um ein gestohlenes Gemälde des spanischen Malers Velasquez geht. Aber wo ist der Zusammenhang mit dem blutigen Mord?

|Nebenschauplatz|

Am 1. Januar 2000 zieht die schöne Kunststudentin Valentina Preti, 22, für ihre Examensarbeit von Bologna, wo sie mit ihrer lesbischen Freundin Cinzia eine Wohnung teilte, nach Florenz, zu einem Mann, den sie nur durch Telefon, SMS und Chat kennt. Doch der gutaussehende, betuchte junge Mann, der sich ihr gegenüber als der amerikanische Journalist Mike Ross ausgibt, ist keineswegs der harmlose Reporter, als der er erscheinen will. Mit Valentina hat er besondere Pläne …

|Der Schlüssel|

Noch zwei weitere Morde an jungen Männern geschehen, und alle Opfer waren Homosexuelle. Hat Ferrara es mit einem homophoben Serienmörder zu tun? Das glauben jedenfalls die Staatsanwaltschaft und der Polizeipräsident. Doch Ferrara zweifelt an einer so einfachen Lösung, denn auch in seinem Fall des [„Monsters von Florenz“ 3686 entpuppte sich die Serien- und Einzeltätertheorie als Holzweg. Ferrara hat die Komplizen hinter Gitter gebracht.

In verbissener Kleinarbeit gelingt es ihm, Indizien und Spuren zusammenzutragen. Er ahnt: Die Opfer sind der Schlüssel. Eines späten Abends sieht er es dann: Die Stichwunden der vier Opfer ergeben Buchstaben. Und diese Buchstaben ergeben seinen Namen: F-E-R-R-A-R-A. Es handelt sich um einen Rachefeldzug, an dessen Ende das Hauptopfer steht. Der Mörder hat seine Taten signiert.

|Nebenschauplatz|

Im März macht der Serienmörder den entscheidenden Fehler, der Ferrara auf seine Spur bringt.

_Mein Eindruck_

Dass es sich bei Commissario Ferrara um das Alter Ego des Autors selbst handelt, ist spätestens dann klar, als die Rede vom „Monster von Florenz“ ist. Diesen Fall bearbeitete und löste Giuttari selbst, wie man seinem Polizeiberichtsroman [„Das Monster von Florenz“ 3686 entnehmen kann. Dieses Wissen ist von Bedeutung, denn einerseits verleiht dieser reale Hintergrund dem fiktiven Geschehen in „Die Signatur“ eine erhöhte Glaubwürdigkeit und hohen Realismus. Die Begegnungen zwischen Polizei, Staatsanwälten und Kriminellen sind realistisch gestaltet. Der Commissario selbst ist als Sizilianer gezeichnet, dem immer wieder ein Ausdruck der heimischen Muttersprache rausrutscht.

Aber ein Held wie der Kommissar kann sich nur dann wahrlich als solcher erweisen, wenn er einen Gegner hat, der ihm zumindest ebenbürtig ist. Leichte Beute interessiert den Meisterjäger nicht, sondern ist für Untergebene vorgesehen. Zum Glück macht ihm der Mörder der Schwulen von Florenz das Leben alles andere als leicht. Nicht nur ist der Killer sehr gut verkleidet, er kennt sogar das Standardvorgehen der Kripo für Serienmörder aus dem Effeff.

Die italienische Kripo geht in ihre eigene Falle, denn sie hat lediglich die Lehrbücher des FBI abgeschrieben, statt sich mal eigene Gedanken zu machen. Selbst graduierte Kriminologen beten bloß FBI-Propaganda nach, und so fällt es dem Commissario schwer, seine berechtigten Zweifel anzumelden. Nicht genug damit: Er wird wegen Erfolglosigkeit sogar unter Kuratel gestellt! Eine Staatsanwältin schaut ihm bei einer Tataufnahme über die Schulter, ob seine Leute auch alles nach Lehrbuch machen. Diese Entmündigung ist einfach demütigend. Sie ist ein Indiz dafür, dass der Polizeipräsident und der Oberstaatsanwalt ihren kollektiven Hintern retten wollen, um die Presse bzw. öffentliche Meinung zu besänftigen – durch ein Bauernopfer, das da „Ferrara“ heißen könnte.

Der Mörder ist ebenso intelligent wie wahnsinnig. Das macht ihn so gefährlich und für Ferrara so unberechenbar. Aber er hat eine schwache Seite: Er ist Vollwaise und vermisst seine Mutter. Sie sucht er in zahlreichen Frauen, allesamt Madonnengestalten. Als er glaubt, in Valentina Preti eine solche Madonna gefunden zu haben, verliebt er sich. Als sie jedoch zu neugierig wird und hinter seine Geheimnis kommt, muss auch sie ihren Preis zahlen. Und nicht nur sie, sondern auch ihre Liebhaberin Cinzia.

Den Schlüssel zur Lösung des Falles findet Ferrara natürlich in der Vergangenheit des Täters. Dabei zeigt sich eine weitere Schwäche des Polizeisystems. Gesucht wird in der Regel nur im sozialen und wirtschaftlichen Umfeld des Täters, nur in den seltensten Ausnahmen aber auch in dessen Kindheit und Jugend. Deshalb muss Ferrara in jene entlegene Vergangenheit zurückgehen, um die Kette zu finden, die den Täter mit seinen Opfern verbindet.

Eine weitere Ironie der italienischen Verhältnisse: Der Ort, der für diese Vergangenheit von entscheidender Bedeutung ist, liegt für die Polizei off limits – dies ist die sakrosankte Domäne der römisch-katholischen Kirche. Doch wie bekommt man als Bulle einen Durchsuchungsbefehl für ein Kloster? Man macht es wie jeder Italiener: Man lässt seine Beziehungen spielen.

|Die Übersetzung …|

… ist in der Regel sehr gut gelungen. Doch auch die Übersetzerin sollte wissen, dass bei uns die Bedienung eines Computers neben der Maus auch die „Tastatur“ erfordert und keineswegs die „Konsole“, wie sie auf Seite 28 behauptet. Auf Seite 105 wurde in dem Satz: „Klar, da bist bei mir genau an der richtigen Adresse“ das Wörtchen „du“ vergessen. Diese zwei Fehler sind die einzigen, die ich finden konnte.

_Unterm Strich_

„Die Signatur“ hat mich zu keiner Zeit gelangweilt oder durch Spitzfindigkeit verwundert. Ferraras Art sind das Grübeln und die Nabelschau nicht, und so geht die Handlung geht flott und relativ geradlinig voran. Doch die verhältnismäßig sachlichen und trockenen Ermittlungsszenen werden immer wieder durch recht emotionale Szene unterbrochen, in denen die zwei Beziehungen geschildert werden, zwischen denen Valentina Preti auf verhängnisvolle Weise gefangen ist.

In der Schilderung sexueller Praktiken erweist sich der Autor dabei als keineswegs zimperlich. Da kann durchaus mal erzwungener Analverkehr vorkommen. Die Einstellung des Autors zu den Praktiken der Homosexuellen zeugt von Unvoreingenommenheit und detaillierter Sachkenntnis – hier wird niemand verurteilt, sondern sachlich mit Praxiskenntnis geschildert. Homosexualität ist keine Krankheit für ihn, sondern eine Neigung, mitunter eine von einem Pädophilen erschlichene oder gar erzwungene Neigung.

Dass es Pädophile auch unter Kirchenleuten gibt, gibt ja nicht gerade eine weltbewegende Neuigkeit, wie man aus den Skandalen in Österreich und den USA weiß. Aber vielleicht ist sie für Italiener immer noch so ein empörender Aufreger, dass sie dem Autor vielleicht Drohungen einbrachte. Jedenfalls tat dieser Umstand den Verkaufszahlen des Buches gut – es verkaufte sich bestens. Wahrscheinlich vor allem in der Stadt, die als doppelbödiger Schauplatz der Ermittlungen Ferraras dient: die Arno-Metropole Florenz.

|Originaltitel: Scarabeo, 2004
397 Seiten, aus dem Italienischen von Karin Diemerling|
http://www.blt.de/

[NEWS] Boris Koch – Moorläufer. Im Reich des letzten Drachen

Nur in den gewaltigen nebelverhangenen Schwarzmooren am Rand des Königreichs ist jener besondere Torf zu finden, der die magischen Feuer der Alchymisten nährt. Jeden Tag riskieren die Torfstecher aus der abgelegenen Stadt Nebelbruch ihr Leben für das wertvolle Gut, denn im Moor lauert der Tod in mannigfaltiger Gestalt: Ein falscher Schritt, und man versinkt in der schwarzen Tiefe oder wird von fleischfressenden Sumpfkriechern angefallen. Nachts locken Irrlichter die Unvorsichtigen und Einsamen ins Verderben, und im dunklen Herz der Schwarzmoore haust der Letzte der grausamen Drachen: der sagenumwobene Nachtwyrm. (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
Knaur

Niccolò Ammaniti – Ich habe keine Angst

Ein kleiner italienischer Junge entdeckt, dass sein Vater ein Kindesentführer ist. Der Gewissenskonflikt verursacht Michele schreckliche Albträume, und als er erfährt, dass man den Entführten töten will, fasst er einen verhängnisvollen Entschluss.

Der erfolgreiche Roman von Niccolò Ammaniti wurde mit dem wichtigsten italienischen Literaturpreis ausgezeichnet, dem Premio Viareggio. Das Buch erschien bei uns zuerst 2003 im Verlag C. Bertelsmann unter dem Titel „Die Herren des Hügels“.

Der Autor

Niccolò Ammaniti, Jahrgang 1966, ein römischer Biologe, konnte mich schon mit seiner überschäumenden Farce „Die letzte Nacht auf den Inseln“ für sich begeistern. Schon dort zeigt er, wie sich der Einzelne gegen absurde Widrigkeiten und die – häufig beiläufig und gedankenlos ausgeübte – Grausamkeit der Mitmenschen zur Wehr setzen muss. Oft befinden sich seine psychologisch ausgereift dargestellten Figuren in einer ausweglosen Situation.

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Anne-Marie Villefranche – Die Zaubermuschel. Erotischer Roman

Amüsanter Liebesreigen

Was bietet dieses Buch? Wieder mal Lust und Sex am laufenden Band! Aber humorvoll und mit Geschmack dargeboten. In „Die Zaubermuschel“ kommt ein Bursche vor, der zu Muscheln und Perlen ein inniges Verhältnis pflegt – zu jenen speziellen, die Damen zwischen den Beinen tragen. Es ist ein wahres Vergnügen, dem nimmermüden Monsieur Marcel bei seinem Muschelspiel zu folgen – besonders wenn es für ihn schier unüberwindbare Hindernisse zu bewältigen gilt.

Die Autorin

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W., Moses (Wieczorek, Moses) – Das rockt! Bekenntnisse eines Heavy Metal Fans (Roman)

„Das Rockt! – “Bekenntnisse eines Heavy Metal Fans“ ist die Geschichte eines Hard Rock Fans auf seiner Odyssee, sich selber, seine Musik und den Rest der Welt in einen harmonischen Dreiklang zu bringen. Was Rocko Shamoni mit „Dorfpunks“ und Heinz Strunk mit „Fleisch ist mein Gemüse“ für den Punk und die Unterhaltungsmusik geschrieben haben, liefert Moses W. für den Hard Rock: eine authentische Fanbiographie, die als amüsante Lebensbeichte offen und laut viel Schönes, aber auch viel Unschönes an den Tag legt. ATZE SCHRÖDER, COMEDIAN: “Dieses Buch, nein Werk, war überfällig. Mit gewaltiger, facettenreicher Sprache schildert Moses ein musikalisches Beziehungsdrama, bei dem Einsamkeit, Wahnsinn, Sex und Liebe die Dramaturgie übernommen haben.“ (Verlagsinfo)

Moses Wieczorek ist ein echtes Ruhrpott-Original. Aufgewachsen in einem Essener Stadtteil, erkannte der Mann in den Achtzigern die Zeichen der Zeit und widmete sich der besonders in der Industriezone Rhein/Ruhr geliebten harten Musik. Bands wie AC/DC und KISS waren es, die ihn lockten, bevor er dann bei Veranstaltungen wie dem |Monsters Of Rock| schon zum Edelfan geschlagen wurde, der jedoch stets sein Dasein als Fan mit ein wenig Ironie betrachtet hat – zumindest nachdem er selber als Musiker diverser Bands erkannt hat, wie die Mühlen des Business mahlen. Heuer verdingt sich Wieczorek als Comedian und neuerdings auch als Schriftsteller.

Während eines Auftritts seiner letzten Band erkannte er, welche Entertainer-Qualitäten in ihm steckten, und entwickelte sich auf diesem Gebiet immer weiter. Heuer zählt er mit diversen Live-Programmen zu den angesagtesten Comedy-Stars der Bühnenszene und hat mit Kollegen wie Atze Schröder auch Fürsprecher auf seiner Seite, die im witzigen Geschäft ein gewichtiges Wort mitreden dürfen. Doch wie es überhaupt dazu gekommen ist, wie aus dem Heavy-Metal-Fan Moses W. der Mann wurde, der er heute ist, und wie ihn die Musik in seiner Jugend und im frühen Erwachsenenalter geprägt hat, das erzählt er in seinem unterhaltsamen 2007er Buchdebüt „Das rockt!“.

Und die Geschichte des Essener Jung rockt in der Tat, denn das, was er in „Das rockt!“ beschreibt, sowie sein zynischer Überblick über all die Dinge, die sich innerhalb der Szene Jahr für Jahr wiederholen, sorgt nicht nur für ständige Lacher, sondern ist auch noch intelligent verfasst, ohne dass sich Wieczorek hierbei über die allseits beliebten Klischees auskotzt. Klar, Gruppen wie MANOWAR und die SCORPIONS werden natürlich mächtig auf die Schippe genommen, die soften Vertreter der Metal-Zunft bekommen ihr Fett weg, und der Autor maßt sich auch an, zu analysieren, für wen der Metal bestimmt ist und für wen eher nicht, aber Herr W. rezitiert nicht ständig das, was im Blätter- und Buchwald ständig als angesagt gilt. Andererseits ist „Das rockt!“ auch kein sarkastischer Faustschlag in die Tiefenzone wie etwa die bisherigen Werke von Till Burgwächter.

Wieczorek bleibt niveauvoll, stichelt aber dafür in einem Rundumschlag in allen Teilen der Szene herum. Die Frisuren der 80er-Standard-Rocker – Stichwort: vorne Rostock, hinten Woodstock – werden noch einmal näher befönt, die Diskussion um die Lautstärkeregelung erneut gestartet, die Bedeutung von Cover-Zeichnungen und Germanismen innerhalb der Texte englischsprachiger Bands einer Untersuchung unterzogen und dies alles im Kontext der Entwicklung der gesamten Szene betrachtet. So ist sich der Autor auch der neuesten Strömungen ‚unserer‘ Musik bewusst, was sich in seinen kurzen Seitenhieben Richtung LORDI zeigt. Aber der Mann erweist sich selbst hier verständnisvoll, schließlich ist auch ihm mächtig einer abgegangen, als KISS anno ’96 die Reunion-Maskerade gestartet haben – selbst wenn auch dem Autor klar war, dass sich hinter all dem oberflächlichen Rock ’n‘ Roll eigentlich nur Beutelschneiderei verbarg.

Und so erzählt er seine Geschichte parallel zu der des Heavy Metal, beschreibt Erfahrungen und macht den Leser hier und dort auch schon mal neidisch, schließlich hat der Mann innerhalb dieser Szene auf allerlei Ebenen schon etwas erlebt. Dennoch möchte er keinesfalls über den Dingen stehen oder sich sogar als kritischer Prediger und Verfechter wahrer Werte präsentieren, das verbietet ihm alleine sein toller, intelligenter Humor, aber auch seine nach wie vor anhaltende Stellung als echter Fan. Denn so sehr er sich über manche Sachen auch amüsiert, genauso steht er auch wieder hinter manchen Dingen, die er ausschlachtet, und das macht seine Schreibe ebenso sympathisch wie der wirklich abwechslungsreiche, teils autobiografische Inhalt von „Das rockt!“

Unterm Strich

Was genau verbirgt sich also nun hinter dem Buch? Nun, kurz gefasst hat Moses W. aus vielen Aspekten, die das Leben des Hardrockers seit dem Anbeginn des Fandaseins beschäftigen, eine ganze Reihe Elementares herausgefischt, es kurz, kritisch und vor allem witzig in seinen Gedanken porträtiert und Texte erschaffen, mit denen sich (anders wie zum Beispiel bei Burgwächter) niemand angegriffen fühlen muss und über die selbst Betroffene sicherlich augenzwinkernd grinsen werden. Kurzum: Ein richtig tolles Buch eines aufstrebenden Comedy-Stars und Heavy-Rockers, dessen stets spontane Berichterstattung das Salz in der Suppe auf dem diesjährigen hart rockenden Büchermarkt darstellt. Uneingeschränkt empfehlenswerte Lektüre!

Der Autor

Moses W. macht Stand up- und Musik-Comedy. Er war mit Kurzauftritten u.a. bei NightWash, Starsearch sowie im Quatsch Comedy Club zu Gast, spielt darüber hinaus seit sieben Jahren abendfüllende Soloprogramme. 2002 war er bei Rock am Ring und Rock im Park, zeitgleich mit Ozzy Osbourne, als Comedian im „House of Comedy“. Moses W. ist Gitarrist der Queen-Comedy-Tribute-Band „Burger Queen“. Ein wichtiges Thema in seinen Programmen ist die Liebe zur Musik und speziell zum harten Rock. Moses W. ist Deutschlands einziger Komiker, der dieses Thema auf die Comedy-Bühnen bringt. (Amazon.de)

Taschenbuch: 196 Seiten
ISBN-13: 978-3939106074

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (11 Stimmen, Durchschnitt: 1,36 von 5)