[NEWS] Anders de la Motte und Måns Nilsson – In Schweden stirbt es sich am Schönsten

Sommer, Sonne, Schweden-Tod:
Im idyllischen Österlen wird der Mord an einem Antiquitätenhändler zum neuen Fall für Vollblut-Städter Peter Vinston und die lokale Jung-Kommissarin Tove Esping.
Mitten im geruhsamen Hochsommer gerät das süd-schwedische Österlen in helle Aufregung: Auf dem bekannten Antiquitäten-Markt von Degeberga sitzt ein Händler tot in seinem Zelt, einen antiken Dolch im Rücken. Nur zu gern lässt sich der beurlaubte Mord-Ermittler Peter Vinston aus Stockholm auch in diesen Fall hineinziehen – sehr zum Ärger der jungen Kommissarin Tove Esping, die sich endlich beweisen will.  (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 384 Seiten
Droemer

C. J. Cherryh – Das Schiff der Chanur (Chanur-Zyklus 1)

Kampf um die Menschen: Weltraumschlacht der Aliens

Mit diesem ersten Band ihres fünfbändigen „Chanur“-Zyklus‘ schuf Cherryh ein neues Universum, das aber an das bekannte Union-Allianz-Universum (siehe unten) anschloss. Hier tummeln sich nicht weniger als sechs neue Alienspezies, die meisten davon raumfahrend und Handel treibend. Die actionreiche Serie war die kommerziell vielleicht erfolgreichste Schöpfung unter den über 70 Büchern Cherryhs und katapultierte die Autorin in die SF-Bestsellerlisten.

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John Norman – Slave Girl of Gor (Gor 11)

Die junge Amerikanerin Judy Thornton wird nach Gor verschleppt, wo unbekannte Männer sie zur Sklavin machen. Skrupellos setzt ihr Herr Clitus Vitellius sie für seine Ränkespiele ein, denn er soll im Auftrag der mächtigen Stadt Ar – ein Gegenstück zum antiken Rom – die Salerianische Konföderation schwächen. Die schlaue Judy findet heraus, dass ihre Entführung kein Zufall war und sie vielmehr als hilflose Schachfigur in einem viel größeren Intrigenspiel dient. Will sie jedoch überleben, muss sie auf die Hilfe desjenigen Mannes vertrauen, den sie am meisten hasst: Clitus Vitellius….
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Judith Merchant – Hanni braucht eine Freuschrecke

Worum geht’s?

Wenn mal wieder alles doof ist…

Hanni ist heute morgen aufgewacht und hatte einfach mal furchtbar schlechte Laune. Eigentlich sollte der Tag ganz schön werden, denn sie wollte heute mit ihrer Mama einen Ausflug zur Schmetterlingswiese machen, inklusive Picknick natürlich. Doch irgendwie funktioniert heute gar nichts.

Ein Glück, dass Mama genau weiß, was an solchen Tagen hilft. Hanni braucht eine Freuschrecke. Gemeinsam machen sie sich schließlich auf die Suche.

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Anderson, Poul – Schwert des Nordens, Das (Das geborstene Schwert / Hrolf Krakis Saga)

Dieser Band enthält zwei klassische Wikinger-Romane: „Das geborstene Schwert“ (auch: „Das zerbrochene Schwert“; 1954/71) und „Hrolf Krakis Saga“ (1973). Obwohl die zwei Romane in Aufbau und Thema sehr unterschiedlich sind, geht es doch stets auch um das Erlangen und den Einsatz von Schwertern. Dadurch kommt der Freund von Heroic Action Fantasy voll auf seine Kosten.

_Der Autor_

Poul Andersons Eltern stammten von eingewanderten Dänen ab. Poul, der vor dem 2. Weltkrieg kurze Zeit in Dänemark lebte, interessierte sich für diese Herkunft so sehr, dass er mehrere Romane an dem Schauplatz Skandinavien zur Zeit der Wikinger spielen ließ, darunter den vorliegenden, aber auch „Krieg der Götter“ und die Trilogie „The Last Viking“ (unübersetzt). Ansonsten ist Anderson für seine zahlreichen Science-Fiction-Romane bekannt, von denen „Brain Wave“ (1954) wohl der innovativste ist.

Der 1926 geborene Physiker, der schon 1947 zu veröffentlichen begann, starb 2001. Er ist Greg Bears Schwiegervater. Seine Werke hier aufzuzählen, würde den Rahmen sprengen, denn allein in der „Encyclopedia of Science Fiction“ ist sein Eintrag nicht weniger als sechs Spalten lang … Er gewann sieben |Hugo Awards| und drei |Nebula Awards|, viermal den |Prometheus Award|, den |Tolkien Memorial Award|, den |August Derleth Award| und 1978 den |Gandalf Grand Master Award| sowie 1997 den |Grand Master Award| der |Science Fiction and Fantasy Writers of America| und 2000 den |John W. Campbell Memorial Award| – mehr und Höheres kann man in diesen Genres fast nicht gewinnen.

_Handlung von „Das geborstene Schwert“_

Es war zu jener Zeit, als die irischen Mönche noch nicht ganz Europa missioniert hatten. Wer über die Hexensicht verfügte, konnte noch Elfenfürsten und Trolle erspähen, ja vielleicht sogar einen riskanten Blick auf die Jötunen, die Eisriesen, und ihre Gegenspieler, die Asen, werfen. Aber nur die wenigsten tapferen Wanderer und Krieger in den neun Welten schafften es nach Jötunheim und Asgard.

Umgekehrt galt dies natürlich nicht, den Odin, der einäugige Wanderer, besuchte mit der Wilden Jagd häufig die Siedlungen von Menschenwesen, Elfen und Trollen. Und manchmal mischten er und seine Geschwister sich in die Angelegenheiten der Wesen in Midgard, der Mittel-Erde, ein. Dies ist eine solche Geschichte, die Geschichte von Skafloc, Frida und dem verfluchten Götterschwert Tyrfing.

|Orm der Starke Ketilssohn|

Es war ein Mann namens Orm der Starke, der zog von seinem heimatlichen Jütland in jenen Teil von England, den man Danelaw nannte. Orm nahm sich eine schöne, eigenwillige Frau, um mit ihr einen starken Clan zu gründen, der das Land besiedeln und beherrschen sollte. Das wäre ihm auch fast gelungen, doch Elfen und Götter hatten anderes beschlossen.

Orm war wieder auf einer seiner Beutefahrten, vielleicht nach Gardariki, dem alten Byzanz, als seine Frau Älfrida einen gesunden Knaben gebar. Wegen schlechten Wetters konnte das Kind erst in zwei, drei Tagen getauft werden. In der Zwischenzeit war seine Seele schutzlos. Davon erfuhr eine Hexe, die sich für das, was Orms Krieger ihrer Sippe angetan hatten, rächen wollte. Sie berichtete dem mächtigen und listigen Elfenfürsten Imric davon.

Sogleich fasst Imric einen kühnen Plan. Vor neun Jahrhunderten hatte er die Tochter des Trollkönigs entführt und auf seiner Burg Alfheim eingekerkert. Sie musste ihm noch in der gleichen Sturmnacht einen Wechselbalg gebären. Dieses Kind versah Imric mit Hilfe eines Elfenzaubers mit dem Aussehen von Älfridas Neugeborenem. Das Austauschen war danach nur noch ein Klacks. Ölfrida merkte nichts davon, sie wunderte sich höchstens, dass ihr Baby mit einmal so aggressiv beim Stillen war.

|Skafloc und Valgard|

Während Älfrida den Wechselbalg auf den namen Valgard taufen ließ und wie ihren eigenen Sohn aufzog, wuchs das geraubte Kind im Schoße der Elfen auf Alfheim zu einem starken und zaubermächtigen Krieger heran. Imric hatte ihm den Namen Skafloc gegeben und niemals getauft, denn die Elfen müssen die Riten und den Namen des Weißen Christus scheuen.

Zu seinem Namensfeste aber erschien auf Alfheim ein Bote der Asen, der trug ein zerbrochenes Schwert, dessen Name war Tyrfing. Der Bote prophezeite, nach dem Willen der Nornen (Schicksalsgöttinnen) werde Skafloc eines Tages das Schwert brauchen und es schmieden lassen, um es wieder ganz zu machen. Imric beschlich darob ein ungutes Gefühl, denn mit Geschenken der Götter hatte er noch nie gute Erfahrungen gemacht, und er ließ das Schwert in einer Kerkermauer verstecken.

|Der Krieg gegen die Trolle|

Valgard, der Wechselbalg, ist zu einem geächteten Krieger in Orms Sippe herangewachsen. Nach einem Streit, in dem er mehrere Männer aus Orms Sippe tötet, muss er England verlassen. Beraten von der Waldhexe, die ihre Rache vollzieht, schließt er sich dem Trollkönig an. Illrede ist sehr erbaut von den Ruhmestaten Valgards und er lässt ihn erneut Orms Sippe heimsuchen. Bei diesem Raubzug sterben alle außer drei Frauen: Valgards „Mutter“ und ihre zwei schönen Töchter Frida und Asgerd. Er verschleppt sie nach Trollheim, wo sie ein finsteres Schicksal als Sklavinnen erwartet.

Wenn da nicht Skafloc wäre. Er sieht den Zeitpunkt gekommen, sich als Kriegsführer zu beweisen und die übermütigen Trolle unter Valgard in ihre Schranken zu weisen. Bei seinem Feldzug befreit er Frida, doch Asgerd stirbt im Gefecht. Als Valgard ihm gegenübertritt, sind beide natürlich ziemlich verblüfft: Sie tragen das gleiche Gesicht!

|Sklafloc und Frida|

Nachdem Skafloc unter schweren Verlusten heimgekehrt ist, rüsten die Trolle zu einem allumfassenden Eroberungskrieg, der nicht nur ihrer Rache dienen soll, sondern auch die Unterwerfung aller Elfenländer Europas bezweckt. Valgard ist der zweite Mann bei diesem Krieg, doch er weiß schon, wie er sich zum Anführer machen kann.

Unterdessen ahnen Skafloc und Imric nur wenig von dem Unheil, das auf sie zukommt. Skafloc hat sich schwer in Frida verliebt und nimmt sie ohne große christliche Zeremonie zu seiner Frau, sehr zum Missfallen seiner Ziehmutter Lia, Imrics Schwester. Er ahnt nicht, dass Frida seine leibliche Schwester ist. Doch andere wissen dies nur zu gut, so etwa Valgard.

|Das verfluchte Schwert der Asen|

Als Alfheim gefallen und Elfenkönig Imric von den Trollen eingekerkert worden ist, führt Skafloc mit Frida, einer hervorragenden Bogenschützin, einen Guerillakrieg gegen die Besatzer. Doch er sieht das Ende der Elfennationen nahen, und so fasst er einen verzweifelten Plan: In einer Nacht-und-Nebel-Aktion, in Gestalt von Wolf, Adler und Otter, will er das Götterschwert aus der Burg holen und es von den Eisriesen neu schmieden lassen, um damit Elfenland von den Trollen zu befreien.

Frida, die ihn innig liebt, und alle überlebenden Elfen haben ein ungutes Gefühl dabei. Ihm wird geweissagt, dass er durch dieses Schwert umkommen werde. Das ist ihm einerlei, denn wofür lohnt es sich schon, in einer Trollwelt als Elf-Mensch zu leben? Nachdem die schwangere Frida bitter von ihm Abschied genommen hat, segelt Skafloc mit einem der irischen Elfengötter, Mananaan Mac Lir, gen Jötunheim, das im äußersten Norden liegt und streng bewacht wird. Nur sehr wenige sind von dort zurückgekehrt …

_Mein Eindruck von „Das geborstene Schwert“_

Um es vorweg zu sagen: Das Buch liest sich rasend gut. Es ist schnell und schnörkellos. Der Autor hat keine Skrupel, auch tabuisierte Themen wie den Inzest zu beschreiben und in allen Konsequenzen darzustellen. Geschwisterliebe – natürlich stets unwissenderweise – findet sich übrigens auch in Poul Andersons Roman „Hrolf Krakis Saga“, die nur wenige Jahre vor Skaflocs Abenteuern spielt. Es ist schon seltsam, was die heidnischen Nordvölker da umgetrieben hat. Aber vielleicht fanden ihre Poeten, das Thema Inzest rege die männliche Phantasie ihrer Zuhörer ganz besonders an …

|Historisch verbürgte Wikinger|

Wie auch immer: Bei solchen Themen würde Professor Tolkien als gläubiger Christ im Grabe rotieren. Das heißt aber nicht, dass er die alten Sagas, in denen solche Motive vorkommen, nicht kannte. Im Gegenteil: Sie waren sein Spezialgebiet, als er in Oxford lehrte. Den „Beowulf“ hat er nicht nur kommentiert, sondern, wie man erst vor kurzem herausfand, auch komplett ins moderne Englisch übertragen. Alle genannten Epen spielen um die Zeit des frühen 6. Jahrhunderts n. Chr., wie eine Autorennotiz zu „Hrolf Krakis Saga“ klarmacht. Diese Saga stützt sich auf historische Tatsachen. Beowulfs Gastgeber König Hrothgar gab es wirklich und er taucht in Hrolf Krakis Saga als Hroar auf. Ob es riesige Ungeheuer namens Grendel gab, darf hingegen getrost bezweifelt werden.

|Keine braven Elben|

Ebenso ins Rotieren geriete Tolkien angesichts der Schilderung der Elfen in „Das geborstene Schwert“. Das sind ziemlich machtgierige Typen, die nicht wie die Menschen lieben können, dafür aber ihre Zaubermacht einsetzen, um diverse Siege davonzutragen, so etwa gegen den Erzfeind, die Trolle. Diese Trolle haben mit den Steintrollen im „Hobbit“ ziemlich wenig zu tun. Sie sind zwar auch ganz schön groß, doch Andersons Trolle sind alles andere als Dösköppe, die kleine Hobbits und Zwerge zerquetschen wollen. Diese Trolle sind richtig gefährlich. Und wie die Zwerge leben sie in Höhlen.

|Sexy Hexy|

Wer nun dachte, dies sei eine Fortsetzung des „Herrn der Ringe“, nur von einem anderen Autor, der befindet sich gewaltig auf dem Holzweg. Wenn schon auf den ersten Seiten der Elfenkönig eine Prinzessin der Trolle vergewaltigt und sie ihm ruckzuck einen Wechselbalg gebiert – und so geschieht es seit 900 Jahren -, so befinden wir uns auf ziemlich heidnischem Territorium. Valgard treibt es mit einer als junge sexy Schönheit verkleideten alten verhutzelten Hexe, und Skafloc treibt es, wie gesagt, gar lustig mit seiner Schwester. Am schlimmsten – und da würde Liv Tyler vor Jammer kreischen – sind die Elfenfrauen. Sie treiben es mit den neuen Herren Elfenlands, den Trollen, doch listigerweise bringen sie einen der Besatzer nach dem anderen um, bis der Tag der Befreiung gekommen ist.

|Noch ein Siegfried?|

Deswegen ist Skafloc aber keineswegs ein hirnloser Schlächter. Weder ist er so lieblos und machtgierig wie seine Zieheltern, noch so schwach und täuschbar wie die Menschen, seine wahre Spezies. Auch ist er – zumindest später – kein blonder Haudrauf wie sein berühmterer Vetter Siegfried, der in den alten Sagas noch Sigurd heißt. Als er herausfinden muss, wo er das Dämonenschwert Tyrfing reparieren lassen kann, befragt er die Toten. Das tut man nicht ungestraft.

Prompt erhält er eine Antwort, die er ganz und gar nicht hören wollte: dass Frida von seinem eigenen Fleisch und Blut sei. Kurz darauf ziehen Frida und Skafloc die traurigen Konsequenzen. Doch zuvor ergehen sich beide in langen Beteuerungen der Liebe und erklären einander ihre Stimmung und warum sie sich trennen müssen. Es ist klar, dass Skaflocs Schicksal nicht ein langes Leben, sondern eine nur kurz brennende Supernova sein wird. Die Reparatur des Dämonenschwerts besiegelt sein Schicksal über kurz oder lang, und er weiß es. Doch wie der Obergott Odin Frida kurz vor dem Finale erklärt, kann Skafloc durch Fridas Liebe gerettet werden. Es gibt also Erlösung in diesem düsteren Universum aus neun Welten.

|Es wird gestabreimt|

Es gibt auch Schönheit. Ich habe selten so wunderbare Gedichte gelesen, die in Stabreimen abgefasst sind. Selbst noch in der Übersetzung wirken sie frisch, kraftvoll und zaubermächtig – denn Wörter sind in den Sagas immer Magie, ebenso wie Runen. Mein großes Lob gilt daher der viel zu früh verstorbenen Übersetzerin Rosemarie Hundertmarck. Vergleicht man die Stabreime, so haben sie nichts mit Tolkiens Poesie im „Herr der Ringe“ zu tun, sondern viel mehr mit den alten Epen wie etwa dem berühmten „Beowulf“.

_Handlung von „Hrolf Krakis Saga“_

Ein König von Dänemark hatte im neunten Jahrhundert zwei ungleiche Söhne namens Helgi und Hroar, doch als er starb, mussten diese vor seinem missgünstigen Bruder verborgen werden. Trotz langer und von Magiern unterstützter Suche blieben sie unentdeckt, überlebten und wuchsen bei einem fernen Verwandten auf. Hroar wurde klug und ein guter Verwalter, Helgi jedoch stark, kühn und ein wagemutiger Abenteurer. Als sie sechzehn sind, nimmt ihr Ziehvater sie an den Hof des Königs mit, wo sie sich verstecken. Nachts brennen sie die Halle des Thronräubers nieder, so dass er mitsamt seiner Königin in den Flammen umkommt.

Helgi und Hroar teilen sich die Herrschaft, doch Helgi zieht ins Land der Sachsen beim heutigen Schleswig, um Beute zu machen. Das Einzige, was er verhängnisvollerweise erringt, ist eine widerspenstige Geliebte: Olof ist die unvermählte und höchst eigensinnige Königin von Alsen. Das Ergebnis der Vergewaltigung ist eine Tochter, die sie nach ihrer Hündin Yrsa nennt und an arme Fischer weggibt. Als Yrsa sechzehn oder siebzehn ist, aber keine Ahnung hat, wer ihre richtigen Eltern sind, schaut Helgi mal wieder vorbei, verliebt sich in das schöne Kind und macht sie zu seiner Königin in Odense.

Nach der Geburt eines schönen Knaben namens Hrolf (eben jener des Romantitels) sieht Olof die Zeit für ihre Rache gekommen. Während die beiden Könige von Thing zu Thing unterwegs sind, lädt sie Yrsa zu sich aufs Schiff ein, das im Hafen von Odense liegt und eröffnet ihr, dass sie ihre Tochter und Helgi, ihr Mann, ihr Vater sei. Die am Boden zerstörte Yrsa verlässt Helgi und Hrolf und segelt mit ihrer Mutter nach Hause. Auf Hroars Rat hin greift der wütende Helgi Alsen nicht an. Helgi zeugt in einer Art Eremitenphase die Tochter Skuld mit einer Elfenfrau, die er gerettet hat. Skuld wird das Verhängnis des dänischen Königshauses werden.

Unterdessen hat sich die politische Landschaft in Südschweden und Götarland gewaltig verändert. Auf dem Thron des mächtigen und landreichen Svithjodh (Schweden nördlich von Schonen) sitzt nun ein Magier namens Adhils. Er wird den Dänen noch viel Ungemach bereiten, denn er hat es auf die dänischen Könige abgesehen und demütigt sie, indem er Yrsa heiratet, obwohl er erfährt, dass sie keine Kinder mehr bekommen kann.

Als König Helgi die Provokationen Adhils nicht mehr hinnimmt, begibt er sich auf einen Feldzug gen Uppsala. Doch Adhils Berserker überfallen Helgis Truppe aus dem Hinterhalt. Die Nachricht von Helgis Tod erschüttert sowohl Yrsa, seine Witwe, als auch Hroar, seinen Bruder, doch er lässt sich nicht hinreißen, Adhils anzugreifen. Diese Aufgabe überlässt er vielmehr Hrolf, seinem klugen Sohn, der den Dänen Jahre des Friedens und der Expansion beschert.

Als das Glück des Dänenkönigs vollkommen ist, gibt es nur noch eines zu tun, um die Scharte auszuwetzen, die Adhils ihm bereitet hat: Helgis Tod zu rächen und dessen Goldhort nach Dänemark zurückzuholen. Mit zwölf ruhmreichen Recken, deren Geschichten vereinzelt als Saga erzählt werden, und hundert Soldaten zieht Hrolf im Vorfrühling nach Svithjodh.

Leider ist das erste Wesen, das sie dort antreffen, keineswegs ein Mensch. Es ist der Göttervater Odin, Vater der Siege. Zu dumm, dass sie ihn nicht als Gott erkennen. Noch viele weitere unheimliche Dinge widerfahren ihnen bei ihrem Unterfangen, den ermordeten Helgi zu rächen.

_Mein Eindruck von „Hrolf Krakis Saga“_

Auf den ersten Blick scheint Hrolf Krakis Geschichte keine Verbindung zu der von Skafloc aufzuweisen, aber es kommen durchaus gemeinsame Elemente vor. Auf diese weisen der Autor und die zwei Herausgeber Lin Carter und Helmut W. Pesch in ihren Vorwörtern hin. Hrolf Kraki lebt eine Generation später als Beowulf und Skafloc, nämlich in der ersten Hälfte des 6. Jahrhunderts. Sowohl Beowulf als auch das verfluchte Schwert Tyrfing werden en passant genannt. Im „Beowulf“-Epos spielen die Ereignisse in der Halle Heorot eines gewissen Königs Hrothgar – dieser König ist mit Hrolfs Vater Hroar identisch. Man sieht also, dass sich die in der Saga erzählten Geschehnisse zeitlich recht gut einordnen lassen. Dieser Ansicht ist auch die „Encyclopaedia Britannica“.

Man sollte aber keine direkte Fortsetzung von „Das geborstene Schwert“ erwarten. Die „Saga“ entstand knapp 20 Jahre später und mit einem ganz anderen Ziel. Man würde heute sagen, es handle sich um Doku-Fiction: Die gut recherchierte Chronik des dänischen Königsgeschlechts der Skjöldungen, die ihre Herkunft auf Odins Sohn Skjöld zurückführen, und ihr Schicksal und Untergang. Diese Jahrzehnte umspannende historisierende Darstellung ist verquickt mit recht unterhaltsamen und mitunter eigentümlichen Storys, unter denen vor allem die der wichtigsten Recken Hrolf Krakis herausragen.

Bjarki beispielsweise stammt von einem Krieger ab, den eine Hexe aus Rache in einen Werbären verwandelte, der nur nachts ein Mann – mitsamt Geliebter – sein durfte, tagsüber aber die Herden der Siedler dezimierte. Die Geliebte gebar ihm drei Söhne: Frodhi hat die Hufe eines Elchs, Thori, der zweite, die Beine eines Jagdhundes, nur Bjarki scheint ganz normal zu sein, außer an seinem Lebensende, in der glorreichen Schlacht gegen die Hexenkönigin Skuld, Helgis missratener Elfentochter. Da erblicken seine Kollegen und Mitstreiter die Gestalt eines großen roten Bären, der die Feinde regelrecht auseinander nimmt …

In weit höherem Maß als „Das geborstene Schwert“ vermittelt Anderson mit „Hrolf Krakis Saga“ ein lebendiges Bild von jener Zeit, als die Nordländer in alle Welt fuhren und unter anderem das von den Römern verlassene Britannien für sich eroberten. Es ist daher kein Wunder, dass die gesamte Saga in eine Rahmenhandlung eingebettet ist, die von einem Erzähler an einem christlichen Hofe im England des frühen 10. Jahrhunderts dargeboten wird, um seine edlen Gastgeber zu unterhalten – nach dem Motto: So wild ging’s einstmals zu bei den wilden Heiden von Dänemark. Seid bloß froh, dass ihr zivilisierte Christen seid!

Zur Unterhaltung und/oder Abschreckung seines Publikums schmückt der Erzähler seine Geschichten mit Trollen, Göttern, Berserkern (brutale Krieger, die mehr Tier als Mensch sind), Zauberern und Hexenköniginnen, Elfen und Drachen aus. Ganz wichtig sind natürlich die Schwerter. Ob das Elfenschwert Skofnung, ob Bjarkis Langschwert Lövi oder Hjaltis Goldheft – alle dienen sie in Heldentaten, von denen die Saga berichtet.

Und solche Taten waren offensichtlich nicht bloß um des Ruhmes willen nötig, sondern um allerlei Gesocks zur Räson zu bringen: nicht bloß die oben genannten Wesen, sondern auch Plünderer, Piraten und Marodeure. Sich an ihnen zu rächen und Vergeltung zu üben, hatten die könglichen Herrschaften ebenfalls mehr als einen Grund, wie man den Geschichten von Helgi, Olof, Yrsa und Vögg (der Hrolfs Tod rächte) entnehmen kann. Helden als Polizei, Richter und Vollstrecker – das war ihre Funktion. Und wenn auch nicht alles stimmen mag, was die Sagas erzählen, so sind die Zuhörer doch höchst zufrieden. Denn wer sehnt nicht Gerechtigkeit herbei in einer Welt, die so wenig davon zeigt?

_Unterm Strich_

Der Stoff von Skaflocs Schicksal bietet Gelegenheit zu großem Drama, das ist schon klar, aber die Tragödie wird nicht wie bei den alten Griechen so ausgeschlachtet, dass es aussieht, als handle es sich um ein Gottesurteil, was Skafloc da ereilt. Nein, er ist seines Schicksals Schmied – aber leider nur teilweise. Und das wird sein Verhängnis. Weil er fehlbar und menschlich ist, können wir mit ihm fühlen. Wäre das nicht so, ließe uns sein Drama kalt. So aber erringt er mit seiner größten Tat, der Vertreibung der Trolle, eine Statur, die jedem Helden der Menschen, der jemals in einem Lied verewigt wurde, zukommt: dem Retter des Volkes, dem Verteidiger der Zukunft.

Im Gegensatz dazu ist „Hrolf Krakis Saga“ eine Jahrzehnte übergreifende Saga mit mehreren Hauptfiguren. Allerdings tauchen die Götter und Elfen nur sehr am Rande auf, und das ist vielleicht gut so: Im Mittelpunkt stehen die Taten von Recken und Königen, von Zauberern und schrecklichen (Skuld) bzw. guten (Yrsa) Königinnen. Mag auch die Dramatik etwas leiden und so manche Überleitung sich ein wenig langweilig dahinziehen, so entschädigt doch das letzte Viertel voll und ganz für die Mühe, die der Rest machen könnte: Der glanzvolle Feldzug der Dänen gegen den Zauberer Adhils, ihr Untergang durch das von Zombies und Untiere verstärkte Heer Königin Skulds. Das hat Klasse, das verschlingt man förmlich beim Lesen.

Diese Doppelausgabe des |area|-Verlags macht zwei klassische „Wikinger“-Romane wieder zugänglich. „Das zerbrochene Schwert“ erschien im Mai 2005 in Neuausgabe beim |Piper|-Verlag, doch „Hrolf Krakis Saga“, die einst im |Bastei-Lübbe|-Verlag erschien, dürfte längst vergriffen sein und in nächster Zukunft wohl kaum neu aufgelegt werden.

Daher ist diese Ausgabe durchaus zu begrüßen, zumal sie a) sämtliche Vorwörter enthält und b) mit einem Preis von 9,95 Euro in dieser fest gebundenen Fassung fast so viel kostet wie eine Taschenbuch-Einzelausgabe von „Das zerbrochene Schwert“. Das Schriftbild ist zwar kleiner als üblich und es fehlt auch eine Landkarte – aber wer würde es wagen, die Grenzen des Elfenreichs zu ziehen oder die des Dänenreichs im längst versunkenen 6. Jahrhundert? Ich bin jedenfalls mit dieser Ausgabe zufrieden. Das Titelbild von Luis Royo habe ich übrigens schon mal auf einer Ausgabe eines Romans von David Gemmell gesehen – irgendwie stilecht.

|Originaltitel: The Broken Sword, 1954/1971, Hrolf Kraki’s Saga, 1973
Aus dem US-Englischen übersetzt von Rosemarie Hundertmarck|

F.G. Loring – Sarahs Grabmal (Gruselkabinett Folge 182)

Die Lady aus der Gruft

Hagarstone 1841: Entgegen der eingravierten Warnung auf einer pompösen Grabplatte, die Totenruhe der dort Bestatteten keinesfalls zu stören, beginnt eine Gruppe Kirchen-Restaurateure damit, das Grabmal innerhalb des Gotteshauses zu versetzen. Ein bestialisch stinkender Nebel und das nächtliche Geheul eines Hundes sind die unheimlichen Folgen. Bald bemerken die Männer, dass der Leichnam in der Ruhestätte von Tag zu Tag frischer auf sie wirkt … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor
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Guillaume Prévost – Die steinerne Pforte (Das Buch der Zeit 1)

Bitte eine Münze! Zeitreise mit Sonnensteinen

Wer Bücher liebt, lebt gefährlich. Das hätte sich der 14-jährige Sam niemals träumen lassen, als er eines Tages auf der Suche nach seinem verschwundenen Vater ein mysteriöses Buch entdeckt. Seltsam: Seine Seiten sind alle gleich. Doch als Sam auf einen Stein, in den ein Sonnensymbol eingeritzt ist, eine Münze legt, wird er in eine andere Zeit transportiert.

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[NEWS] Isabell Schönhoff – Das Erbe der Greiffenbergs

Am Ufer des malerischen Chiemsees ist der exklusive Flagship-Store des Feinkostunternehmens Greiffenberg eine Attraktion. Patriarch Ludwig leitet in dritter Generation die Geschicke mit harter Hand … und nach seinem Gutdünken. Die drei Kinder interessieren sich nicht fürs Geschäft, seine Frau Therese, ein ehemaliges Münchner Modell, pflegt ihr Image als Society-Lady, und Großmutter Elsa ist trotz ihrer 80 Jahre eine passionierte Bergwanderin. Dann kehrt Ludwig eines Tages nicht von einem Segeltörn zurück. Widerstrebend nimmt die älteste Tochter Pauline die Zügel in die Hand, ohne zu wissen, dass sie damit ein Intrigenkarussell in Gang setzt, das zur Zerreißprobe für die ganze Familie wird. (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
Lübbe

[NEWS] Hanne Paulsen – Das Kontor der Düfte. Eine Handvoll Glück (Gewürzkonto 2)

Hamburg 1938: Greta und Carl von Löwenstein haben ihren geliebten Gewürzhandel mit Leidenschaft und harter Arbeit zu einem der erfolgreichsten deutschen Unternehmen gemacht. Nun rückt bedrohlich nah, was sich in den letzten Jahren wie ein Fiebertraum angefühlt hat: Die nationalsozialistische Regierung hat es auf jüdische Familien und Geschäfte abgesehen, und Gretas Vater ist Jude. Während Carl noch versucht, sich dem Regime anzubiedern, und so hofft, mit einem blauen Auge davonzukommen, hat Greta die Gefahr längst erkannt. Mutig und tatkräftig tut sie alles, um ihre Familie und andere bedrohte Mitmenschen zu schützen, und riskiert dabei, sowohl ihr Lebenswerk als auch ihren Ehemann zu verlieren. Derweil suchen die Kinder der von Löwensteins, Helene und Paul, ihren eigenen Weg in der dunkelsten Zeit der deutschen Geschichte. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten
Heyne

Andrea Camilleri – Der falsche Liebreiz der Vergeltung. Drei Kurzkrimis

Spannend wie immer: Montalbano unter Verdacht

„Commissario Montalbano findet seine Bestimmung“ lautet der Untertitel des neuesten Buches um den sizilianischen Ermittler mit der lebhaften Neigung zu gutem Essen und schönen Frauen. Das Buch besteht aus drei Erzählungen, und in der ersten erfahren wir endlich, wie sein Leben aussah, bevor er Kommissar in Vigàta wurde. Gab es vor Livia noch andere Liebschaften in seinem Leben? Und ob! Und warum fand er ausgerechnet in Vigàta seine Heimat? Fragen, die Montalbano-Fans seit jeher bewegt haben, werden nun beantwortet.

Der Autor
Andrea Camilleri – Der falsche Liebreiz der Vergeltung. Drei Kurzkrimis weiterlesen

Eddings, David & Leigh – wilde Land, Das (Götterkinder 1)

Um dem aggressiven Vordringen des Bösen Einhalt zu gebieten, müssen sich die vier Götter der Welt zusammentun, um entsprechende Armeen aufzustellen. Sie selbst dürfen nicht töten. Bei dieser Unternehmung erweisen sich ihre jeweiligen „Götterkinder“ oder Träumer von besonderem Wert.

_Die Autoren_

David Eddings, geboren 1931, und seine Frau Leigh gehören zu den erfolgreichsten Autoren von Fantasyserien. 1982 wurde sein erster fünfbändiger Zyklus, Die Belgariad-Saga, zum Bestseller, und eine ganze Reihe weiterer folgten. Schließlich veröffentlichte er mit dem „Riva-Kodex“ sogar eine fiktive Historia seiner erfundenen Welt. Mit „Althalus“ erschien erstmals ein Fantasy-Soloroman. Mit zwei anderen Romanen erkundete er das Terrain des Psychothrillers, bevor er mit „Götterkinder“ doch wieder einen neuen Zyklus begann. Der erste Band liegt jetzt auf Deutsch vor; Teil 2, „Dämonenbrut“, folgte im Februar 2005.

_Handlung_

Vier Götter behüten seit alters her das Land Dhrall. Jedem seiner Quadranten ist ein Gott oder eine Göttin zugewiesen. Im Westen herrscht die Göttin Zelana. Sie ist willensstark, aber an den Angelegenheiten der Evolution wenig interessiert. Daher entgeht ihr auch die Entwicklung des Homo sapiens völlig, bis ihr nördlicher Bruder Dahlain sie darauf aufmerksam macht, dass Ungemach droht und sie gefälligst vielleicht doch etwas unternehmen könnten. Zelana spielt lieber in ihrer Meereshöhle an der Küste ihrer Insel.

So kommt es, dass ein böses Wesen namens Vlagh von der unbewachten Zone in der Mitte des Landes Dhrall aus seinen Einfluss auf die angrenzenden Gebiete ausweiten kann. Wie weiland Tolkiens Morgoth und Sauron erschafft es gefährliche Zerrbilder der vorhandenen Kreaturen, bis sie ihm bedrohlich und unbesiegbar genug sind. Das Vlagh bereitet eine Invasion vor.

Unterdessen hat Dahlain allen seinen drei Geschwistern ein Geschenk gemacht: einen sogenannten Träumer. Zelanas Träumer ist ein zauberhaftes Mädchen, das sie Eleria nennt. Von Mutter Meer bekommt Eleria eine riesengroße Perle geschenkt, die ihr offenbar beim Träumen hilft. Sie warnt Zelana vor dem Vlagh, so dass erst einmal Kriegsrat gehalten wird.

Zelana verspricht, eine Kriegerschar aufzustellen, um der Vlagh-Invasion entgegenzutreten. Leichter gesagt als getan. Erst muss sie mal ein paar Recken finden. Da wäre in den Küstenlanden Dhralls zunächst Langbogen. Nachdem seine Braut kurz vor der Hochzeit von einem Diener Vlaghs getötet wurde, widmet Langbogen sein Leben der Jagd auf die Vlagh-Kreaturen.

Dann beschafft Zelana mit ihrem Gold eine riesige Flotte aus dem Lande Maag, die sie, nach einigen Widerständen, endlich auch nach Dhrall schaffen kann, um mit den Seeleuten ein Heer aufzustellen. Nachdem ihre Geschwister ebenso verfahren sind, kann ja der Krieg nun eigentlich losgehen. Oder?

_Mein Eindruck_

Wieder einmal gilt es, dem von diversen US-Präsidenten beschworenen „Reich des Bösen“ (oder gar einer „Achse von Schurkenstaaten“) Einhalt zu gebieten und ein streitbares Heer der „Willigen“ aufzustellen. Wie willig diese jedoch sind, hängt ganz von der Menge Gold ab, mit der sie jeweils bezahlt werden. Das gilt besonders für die Maag-Piraten unter Käpt’n Hakenschnabel und die trogitische Söldnerarmee unter Kommandant Narasan. Rühmliche Ausnahmen stammen allesamt aus dem bedrohten Lande Dhrall selbst: Hier geht es nämlich um Heimatschutz. Und dafür lässt man sich schließlich nicht bezahlen, oder?

Was hier nach einer Neuauflage des 3. Golfkrieges und etlicher Midkemia-Romane des Eddings-Kollegen Raymond Feist klingt, wird nur durch zwei Aspekte erträglich. Das eine Element bilden die Götter und ihre Träumer, das andere der Humor.

Die vier genannten Götter stammen von Vater Erde und Mutter Meer ab. Das kehrt die Zuteilung der griechischen Antike um, in der von Vater Okeanos und Mutter Gäa alle Götter abstammen. Das Abkupfern wollten die Eddings wohl nicht so offensichtlich machen. Der nördliche Gott Dahlain hat hingegen starke Ähnlichkeit mit Hephaistos / Vulkan, denn er ist Schmied. Allerdings ist er weder mit der Liebe Blindheit (zu Venus) noch mit Behinderungen geschlagen, sondern ein hervorragender Stratege, der seinen Geschwistern verbal in den Hintern tritt, damit sie endlich was unternehmen.

Dahlain ist es auch, der ihnen und sich je ein Götterkind zur Seite stellt, einen Träumer. Sie erweisen sich als Agenten seines Willens, aber auch als Empfänger für den Willen von Mutter Meer (Eleria) und Vater Erde (Yaltar, Dahlains Träumer). Noch ist nicht klar, ob sie bald die aktuellen Götter ablösen werden, deren Zyklus sich nach Äonen nun seinem Ende zuneigt. Zelana beispielsweise leidet unter Erinnerungslücken: göttlicher Alzheimer? Kein Wunder, dass sie auf Eleria angewiesen ist.

Dieses Schmusekätzchen dürfte wohl eine Erfindung von Leigh Eddings sein, denn nur eine Frau würde vermutlich auf die Idee kommen, dass ein Kind sich die Recken der Heere erobert, indem es sie küsst und Küsschen einfordert, sich ihnen auf den Schoß setzt und dort prompt ein Schläfchen hält. Diese Auserwählten scheinen immerhin zu den Intelligenteren der maßgeblichen Krieger zu zählen, also hat Eleria keinen schlechten Geschmack. Natürlich werden die so „Beglückten“ von den anderen Kämpfern schief angeguckt.

Dies ist nur ein Beispiel für den sympathischen Humor und die durchweg vorhandene Ironie, mit der sich die Eddings seit jeher ihre zu Millionen zählende Lesergemeinde eroberten. Eine weitere Quelle für humoristische Szenen und Dialoge bietet das Aufeinandertreffen der unterschiedlichen Volksvertreter, insbesondere zwischen den Kommandanten Narasan (Trogit) und Hakenschnabel (Maag), aber auch zwischen Langbogen und Rotbart (beide aus Dhrall) sowie Hase (Maag) und Keselo (Trogit).

Ein wenig enttäuscht hat mich das Fehlen von richtiger Action in diesem Band. Nicht, dass man den Helden wünschen würde, dass sie es mit dem Gift von Schlangenwesen aufnehmen sollten. Aber ein wenig Handgemenge und Getümmel hat noch keinem Heroic-Fantasy-Roman geschadet. Daher scheinen die Eddings etwas anderes im Sinn gehabt zu haben. Zwar geht es um den Krieg gegen unmenschliche Gegner – das Vlagh hat viel Ähnlichkeit mit Morgoth und Sauron, und seine Diener entsprechen den Orks. Doch im Vordergrund stehen die Götter und ihre Helfer. Hier scheint die Hauptentwicklung zu liegen. Wie diese verlaufen wird, ist noch nicht abzusehen, aber da der Zyklus der aktuellen Götter um Dahlain abgelaufen ist, dürfte es eine interessante „Wachablösung“ geben. Am Ende könnte das „Reich des Menschen“ stehen, mit allen Vor- und Nachteilen, sozusagen das Vierte Zeitalter (gemäß Tolkien).

_Unterm Strich_

Nach zwei anspruchsvolleren Soloromanen kehren die Erfolgsautoren David & Leigh Eddings wieder in ihre angestammte Domäne der Fantasyserien zurück. Der erste Band der mindestens vierbändigen „Trilogie“ – je einen pro Götterdomäne – ist so leicht verständlich geschrieben, dass selbst Neun- oder Zehnjährige damit kaum Probleme haben dürften. Das ist heute die Generation, die schon ans Spielen auf dem PC denkt.

Insbesondere die Mädels kommen auf ihre Kosten. Die wichtigste Göttin ist die etwas launische und bequeme Zelana, und ihr wichtigster Helfer die kleine Eleria, die zwar unschuldig und honigsüß tut, aber die Schlaueste und Entschlossenste unter allen Götterwesen zu sein scheint (ihre Auserwählten Hase und Keleso haben sie genau beobachtet). Von ihr dürfen sich die Mädels noch einiges erwarten.

Die Jungs werden an den diversen Kriegshandlungen ihre Unterhaltung finden. Denn auch an den Listen des Vlagh herrscht kein Mangel. Das fordert die Recken und Kommandanten heraus, ebenso wie es die Hirnzellen der Leser anspornen dürfte. Dass auch die Recken über weibliche Listen verfügen können, demonstrieren Langbogen und sein Freund Rotbart, als sie ihr Volk zum Umsiedeln überreden müssen. Da werden sogar die gestandenen Frauen (ein wenig) rot.

Kurzum: Der „Götterkinder“-Zyklus hat wieder einmal das Zeug zum Bestseller für die jungen Massen. Mir selbst war es zu leichte Lektüre. Aber lustig war’s schon.

|Originaltitel: The Dreamers, Vol. 1 – The Elder Gods
Aus dem US-Englischen übersetzt von Andreas Helweg|

Neil Gaiman – Zerbrechliche Dinge: Geschichten & Wunder

Sammlerstück für Gaiman- und Shadow-Fans

Ein liegengebliebener Mietwagen auf einem einsamen Highway, ein düsteres Zirkuszelt voller versteckter Geheimnisse, die flirrende Hitze der ägyptischen Wüste in ihrer menschenfeindlichen Schönheit – ganz gleich, wohin SANDMAN-Schöpfer Neil Gaiman seine Figuren führt, sie werden stets mit Abgründen konfrontiert. Abgründen, in denen manch ein Unglücklicher verloren ging. (erweiterte Verlagsinfo)

Der Autor
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Lovecraft, Howard Phillips / Naumann, Gerd – Berge des Wahnsinns (Hörspiel)

_Poe lässt grüßen: Horror in der Antarktis_

In Form eines Tagebuchs und in Dialogen mit seinem Professor zeichnet der Geologe William Dyer den Verlauf seiner letzten, unglückseligen Expedition in die Antarktis anno 1930/31 nach. Zunächst suchten er und sein Team, darunter ein Anthropologe, nach ungewöhnlichen Gesteinsarten. Doch dann türmt sich vor ihren Augen ein Gebirge von gewaltigen Ausmaßen auf, das seltsamerweise quaderförmige Auswüchse und eckige Höhlen aufweist.

In einer solchen Höhle macht der Anthropologe eine beunruhigende Entdeckung: vierzehn tonnenförmige Gebilde. Als der Funkkontakt zu dessen Lager abbricht, muss sich Dyer mit einem Suchtrupp dorthin begeben. Was sie vorfinden, lässt Dyers Studenten Danforth wahnsinnig werden …

_Der Autor_

Howard Phillips Lovecraft (1890-1937) wird allgemein als Vater der modernen Horrorliteratur angesehen. Obwohl er nur etwa 55 Erzählungen schrieb, hat sein zentraler Mythos um die Großen Alten, eine außerirdische Rasse bösartiger Götter, weltweit viele Nachahmer und Fans gefunden, und zwar nicht nur auf Lovecrafts testamentarisch verfügten Wunsch hin.

Aber Lovecrafts Grauen reicht weit über die Vorstellung von Hölle hinaus: Das Universum selbst ist eine Hölle, die den Menschen, dessen Gott schon lange tot ist, zu verschlingen droht. Auch keine Liebe rettet ihn, denn Frauen kommen in Lovecrafts Geschichten praktisch nur in ihrer biologischen Funktion vor, nicht aber als liebespendende Wesen oder gar als Akteure. Daher ist der (männliche) Mensch völlig schutzlos dem Hass der Großen Alten ausgeliefert, die ihre Welt, die sie einst besaßen, wiederhaben wollen.

Das versteht Lovecraft unter „kosmischem Grauen“. Die Welt ist kein gemütlicher Ort – und Einsteins Relativitätstheorie hat sie mit in diesen Zustand versetzt: Newtons Gott ist tot, die Evolution eine blinde Macht, und Erde und Sonne sind nur Staubkörnchen in einem schwarzen Ozean aus Unendlichkeit. Auf Einstein verweist HPL ausdrücklich in seinem Kurzroman [„Der Flüsterer im Dunkeln“. 1961

Mehr zu Lovecraft kann man in unserer [Rezension 345 seiner Biographie von Lyon Sprague de Camp nachlesen.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

William Dyer, Expeditionsleiter: Lutz Harder („Perry Rhodan“, „Doppelter Einsatz“, „Tatort“)
Pabodie: Herbert Fux (Schauspieler, geb. 1927, „Woyzeck“, „Das Schlangenei“ u. v. a.)
Danforth, Student: David Nathan (dt. Stimme von Johnny Depp, L. DiCaprio, Christian Bale)
Professor, dem Dyer berichtet: Friedrich Schoenfelder (dt. Stimme von David Niven, Vincent Price, Edgar-Wallace-Filme u. a.)
Prof. Lake: Christian Rode (dt. Stimme von Christopher Plummer, Michael Caine, Telly „Kojak“ Savalas)
Kapitän Douglas: Jan Pröhl
Moulton, Lakes Assistant: Michael Jackenkroll
Und andere.

Gerd Naumann bearbeitete den Text und führte Regie. Die musikalischen Motive trug Akki Schulz bei (auf Didgeridoo, Cello, Kontrabass etc.) Die Tonaufnahme führte Ahmed Choraqui im On Air Studio, Berlin, aus und Martin Bochmann bearbeitete sie. Das Cover-Artwork stammt von Peter Grossöhme, die Illustrationen von Sonja Marterner.

Das Booklet enthält einen kurzen Essay von Michel Houellebecq („Elementarteilchen“).

_Handlung_

Was geschah auf der Expedition in jenes Bergtal in der Antarktis, dass der Student Danforth dem Wahnsinn verfiel? Als der Expeditionsleiter William Dyer Danforth in der Nervenheilanstalt besucht, berichtet Danforth wieder von den Alten Wesen, die in Wahrheit seit jeher über die Erde geherrscht hätten. Dyer widerspricht ihm nicht, denn er hat sie ja selbst gesehen.

Genau deshalb besucht er einen Professor in Boston, um ihn zu bitten, dass die neuerliche Expedition, die Starkweather und Moore 1932 organisiert haben, in die Antarktis aufbricht. Er warnt ihn eindringlich vor den Gefahren, nicht zuletzt vor dem schier unaussprechlichen Horror, auf den er und Danforth dort gestoßen sind. Dyer warnt ebenso vor dem Versuch, die Eismassen abzuschmelzen oder gar Bohrungen vorzunehmen, waren diese doch seiner eigenen Expedition zum Verhängnis geworden. Da der Professor mehr und vor allem deutlichere Begründungen fordert, muss Dyer genauer berichten, was sich vor zwei Jahren, anno 1930, zugetragen hat …

|Dyers Expeditionsbericht|

Prof. William Dyer ist Geologe an der Miskatonic University von Arkham, unweit Boston. Da Prof. Frank Pabodie neuartige Bohrer hergestellt hat, sieht sich Dyer in der Lage, auch in der Antarktis nach ungewöhnlichen Gesteinen zu suchen. Er lädt den von ihm bewunderten Anthropologen Prof. Lake ein mitzukommen, und dieser sagt freundlich zu. Außerdem werden die drei Profs von ihren jeweiligen Assistenten begleitet, darunter Danforth, Moulton und Gedney. Lake hält Danforth für einen „Backfisch“, aber immerhin haben beiden das verfluchte Buch „Necronomicon“ des verrückten Arabers Abdul Alkazred gelesen, ein zweifelhaftes Vergnügen, das nicht jedem Menschen vergönnt ist, denn das Buch ist in einem verschlossenen Raum der Bibliothek der Miskatonic-Uni weggesperrt.

Die zwei Schiffe „Miskatonic“ und „Arkham“ gelangen schließlich unter dem Kommando von Kapitän Douglas ins Zielgebiet, dem Rossmeer. Hier ragt der immer noch aktive Vulkan Erebus empor, und der Rossschelfeisgletscher bricht hier ins Meer ab. Die Gegend gemahnt Danforth an die kalten Ebenen von Leng, über die er bei Alhazred gelesen hat. Er vermeint ein sonderbares Pfeifen zu hören, das sich mit dem Wind vermischt, der von den Perry-Bergen herunterbläst. Eine Luftspiegelung gaukelt ihm emporragende Burgen auf diesen steilen Höhen vor.

Am Monte Nansen weiter landeinwärts schlägt die Expedition ihr Basiscamp auf, und mit den vier Flugzeugen erkunden sie das Terrain ebenso wie mit Hundeschlitten. Schon bei den ersten Grabungen stößt Prof. Lake auf höchst ungewöhnliche Fossilien, die es hier gar nicht geben dürfte. Zwar ist bekannt, dass vor 50 Mio. Jahren die Erde sehr viel wärmer war und Dinosaurier auch Antarktika bewohnten, doch all dies endete vor spätestens 500.000 Jahren mit der ersten Eiszeit, der weitere folgten. Lake, dessen Funde bis ins Präkambrium zurückdatieren, setzt seinen Willen durch, noch weitere Stellen zu suchen. Auf einer weiteren Schlittenexkursion findet er mehr solche Fossilien, die es nicht geben dürfte.

|Lakes Expedition|

Am 24. Januar, mitten im Hochsommer der Südhalbkugel, startet Lake, um ein Camp 300 Kilometer entfernt auf einem Plateau zu errichten. Dem Expeditionsleiter berichtet er mit Hilfe des Funkgeräts. Seine Stimme ist gut zu verstehen. Sie mussten notlanden, und das Camp ist von quaderförmigen Strukturen und Höhlen umgeben. Eine Bohrung führt dazu, dass ihr Bohrer in eine Höhlung unter dem Eis fällt. Beim Eindringen in diese Höhle stoßen Lake und Moulton auf Specksteine, die fünf Zacken ausweisen, also eindeutig bearbeitet wurden – mitten zwischen Saurierknochen und Abdrücken von Palmblättern. Außerdem stoßen sie auf große tonnenförmige Gebilde, von denen sie vierzehn Stück bergen und aufs Plateau schaffen, um den Inhalt zu untersuchen.

Die Hunde reagieren sehr aggressiv auf diese Gebilde, und als Lake sie seziert, erinnern sie ihn an die Cthulhu-Wesen, die Alhazred beschrieb: ein fünfeckiger Kopf mit einem Kranz seitlich angebrachter Wimpern usw. Und es hat fünf Hirnareale. Lake erinnert sich: „Das ist nicht tot, was ewig liegt, bis dass die Zeit den Tod besiegt.“ In seiner letzten Nachricht berichtet Lake, die Köpfe seien von der Sonne aufgetaut worden. Dann meldet er sich nicht mehr.

|Die Rettungsexpedition|

Mit dem zurückgehaltenen fünften Flugzeug fliegt Dyer mit Danforth und Pabodie zu Lakes Camp. Sie finden entsetzliche Verwüstung vor. Alle Hunde wurden zerfleischt, von den Männern ist zunächst keiner zu sehen, obwohl überall Blut ist – und Gestank. Sie stoßen auf sechs Gräber, die sternförmig angelegt sind, aber wo sind die restlichen acht Wesen? Die Leichen von elf Männern sind zum Teil seziert, doch von einem Mann fehlt jede Spur: Gedney. Er hat auch einen Hund mitgenommen. Können sie ihn noch retten?

Dyer und Danforth machen sich auf den Weg, um die ausgedehnte fremde Stadt, die sich beim Anflug entdeckt haben, zu erkunden und vielleicht eine Spur von Gedney zu finden. Welches Wesen mag das Camp derartig verwüstet haben? Sie werden es herausfinden und wenn es sie den Verstand kostet …

|In Boston|

Dyer schafft es nicht, den Professor davon zu überzeugen, die Starkweather-Moore-Expedition zurückzuhalten. Er ahnt das Schlimmste. Als er wieder einmal den verrrückten Danforth besucht, rezitiert dieser nur aus dem verfluchten „Necronomicon“: „Die Farbe aus dem All … der Ursprung, Ewigkeit, Unsterblichkeit …“

_Mein Eindruck_

Lovecraft setzte mit diesem Kurzroman das Romanfragment [„Der Bericht des Arthur Gordon Pym“ 781 von Edgar Allan Poe fort. Wo Poes Romanfragment abbricht, greift er die Szenerie, wenn auch nicht die Figuren, wieder auf, insbesondere den unheimlichen Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ Diesen Ruf stoßen zwar bei Poe weiße Vögel aus, doch bei Lovecraft wird der Ruf einem weitaus gefährlichen Wesen zugewiesen. Um was es sich dabei handelt, wird nie hundertprozentig klar, denn es ist protoplasmisch und somit formlos.

Innerhalb des umfangreichen Cthulhu-Mythos über die Großen Alten nimmt „Berge des Wahnsinns“ eine nicht allzu herausragende Rolle ein, denn der Geschichtsentwurf, den Lovecraft hier präsentiert, unterscheidet sich nur in geringem Maße von dem in [„Schatten aus der Zeit“, 2358 „Der Flüsterer im Dunkeln“ und anderen Erzählungen. Aber die Geschichte an sich bietet dem Leser mehr spannende Unterhaltung als andere Storys und vor allem einen weitgespannten Hintergrund, der im Vordergrund der Aktionen zum Tragen kommt.

Durch ihre Necronomicon-Lektüre wissen Lake und Danforth schon, womit sie es zu tun haben: mit den Großen Alten und ihren Vorgängern, den Alten Wesen. Die Stadt ist die der Alten Wesen, die vor Jahrmillionen zuerst landeten und ihre Kultur auf der Erde errichteten. Seltsamerweise ist Dyer nur mäßig darüber erstaunt, dass er nun über ausgedehnte Überreste einer versunkenen, prähistorischen Zivilisation stolpert. In der ersten großen Halle sind jedoch so etwas wie Wandmalereien und Hieroglyphen, die ihm die Geschichte der Vorzeit erzählen. Diese ist so komplex, dass ich empfehle, sie selbst nachzulesen.

Für Dyer und Danforth wird die Lage jedoch brenzlig, als sie auf die enthaupteten Überreste der entkommenen Alten Wesen stoßen, die Professor Lake aus der Höhle unter dem Eis geholt hatte. Was hat die Wesen getötet? Gibt es einen Wächter in der Tiefe, ähnlich einem Balrog in den Tiefen der Minen von Moria? Na, und ob! Die spannende Frage ist nun, wie dieses Wesen aussieht und ob sie es vielleicht besiegen können. Der Anblick des Wesens lässt Danforth wahnsinnig werden und von einem Sieg kann keine Rede mehr sein. Was wiederum den Schluss aufzwingt, dass die Starkweather-Moore-Expedition dem Tod geweiht ist, sollte sie im gleichen Gebiet forschen.

Dieses Gefühl des Verhängnisses überschattet den gesamten Text und suggeriert dem Leser bzw. Hörer, dass er allein schon durch die Kenntnis dieses geheimen Wissens, das ihm Dyer mitteilt, vielleicht in Gefahr sein könnte. Zweifellos wusste Lovecraft aus Zeitschriften nicht nur über Einsteins Forschungsarbeiten Bescheid, sondern auch über das Bestreben der Physiker, dem Atom seine Geheimnisse zu entlocken. Die Experimente von Rutherford und Nils Bohr waren ihm vielleicht bekannt, aber dürfte kaum gewusst haben, dass Enrico Fermi an einem Atomreaktor baute und die deutschen Physiker von Hitler für eine ganz besondere Aufgabe engagiert wurden: den Bau der ersten Atombombe. Verbotenes Wissen – möglicherweise hat Lovecraft ganz konkret solche Kenntnisse und Experimente darunter verstanden.

Das erzählerische Brimborum, dessen er sich im Original bedient, kommt uns heute überladen und bis zur Grenze des Lächerlichen überzogen vor. Der von Poe erfundene Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ wird x-mal wiederholt, und im Buch bildet er sogar den Schluss des letzten Satzes. Das verleiht ihm eine schaurige Bedeutungsschwere, die ich nicht nachzuvollziehen mag. Aber bei genauerem Nachdenken ist der Ruf eben jenem Wächter in der Tiefe zuzuordnen, und dann wird erklärlich, warum Danforth diesen Ruf nicht vergessen kann. Denn er weiß, dass wenn dieser Ruf erneut ertönt, es für die Menschheit zu spät sein wird. „Das ist nicht tot, was ewig liegt …“

|Die Inszenierung|

Es handelt sich um ein Hörspiel und nicht etwa um eine inszenierte Lesung. Während sich die Lesung penibel am vorliegenden Text orientiert und diesen mit Musik und Geräuschen garniert, so arbeitet das Hörspiel die Textvorlage vollständig um, um nach dramatischen Gesichtspunkten eine filmähnliche Handlung darbieten zu können.

Ein rascher Vergleich mit dem Buch fördert schon auf der ersten Seite gravierende Unterschiede zutage, was unter Berücksichtigung dieser Charakterisierungen nicht weiter überraschen dürfte. So sind die Gespräche mit dem namenlosen Professor, der die Starkweather-Moore-Expedition stoppen soll, nirgends im Buch zu finden. Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben und somit ein Monolog. Das Hörspiel erwacht jedoch nur dann zum Leben, wenn es Dialoge gibt.

So verwundert es nicht, dass die schwächsten Szenen jene sind, in denen Dyer seinen Monolog fortsetzt oder wenn sich Dyer und Danforth in der Halle der Alten Wesen ihre Beobachtungen gegenseitig berichten. Ein richtiger Dialog kommt nicht zustande, und wenn die menschliche Interaktion nicht zustande kommt, so fehlt ein wesentliches dramatisches Moment. Zum Glück hat sich der Regisseur etliche Szenen einfallen lassen, um Monologe in Dialoge umzumünzen, so etwa Lakes Funksprüche aus seinem Lager.

|Die Sprecher|

Die Riege der Sprecher umfasst drei herausragende Namen: David Nathan, Christian Rode und Herbert Fux. (Friedrich Schoenfelder sollte ich nennen, doch sein Part ist so klein, dass er mir nicht weiter auffiel.) In der Tat erweisen sich ihre Darbietungen als die eindrücklichsten Beiträge zum Gelingen dieses außergewöhnlichen Hörspiels.

Christian Rode ist aus zahllosen Hörspiele bekannt, so etwa für Edgar-Wallace-Vertonungen von |Titania Medien| (vertrieben von |Lübbe Audio|). Er spielt stets den alten Gentleman, der durchaus mal zwielichtig sein darf, dabei aber stets auf der zupackenden Seite zu finden ist. Köstlich finde ich den Einfall, ihn eine Wasserpfeife rauchen zu lassen. Im Hörspiel wird seine Stimme während der Funksprüche künstlich durch einen Filter verzerrt, um der Szene Glaubwürdigkeit zu verleihen. Leider tritt er in der zweiten Hälfte nicht mehr auf, sondern wird abgelöst von dem namenlosen Bostoner Professor, den Friedrich Schoenfelder spricht.

Herbert Fux, Jahrgang 1927 (er wird also 80), spricht den Ingenieur Pabodie als einen knorrigen alten Typen, der lieber mit seinen Händen als mit seinem Kopf arbeitet. Aber auf Pabodie ist wenigstens Verlass, im Gegensatz zu Lake, Dyer und Danforth. Leider ist später im Buch noch im Hörspiel keine Rede mehr von Pabodie, obwohl er unter die Überlebenden zu zählen ist.

Für mich der beste Sprecher ist mit Abstand David Nathan. Das liegt nicht nur daran, dass er von Anfang bis Ende dabei ist, sondern vor allem deshalb, weil er seinen Danforth als menschliches Wesen mit einem erschütterten Innenleben porträtiert. Danforth, ein gieriger Leser des „Necronomicon“ und seit jeher der Metaphysik zugeneigt, ist durch die Funde in der Antarktis derart ver-rückt, dass er nicht mehr in die menschliche Gesellschaft einzugliedern ist. Tatsächlich hält er ebendiese für zum Untergang verurteilt. Natürlich behauptet er: „Ich bin nicht verrückt!“ Aber tun das nicht nur die Verrückten?

Nathan bemüht die ganze Palette von Keuchen, Schluchzen, Lachen, Weinen, Rufen, um die tiefe Erschütterung Danforths zu vermitteln. Im Kontrast erscheint sein Begleiter Dyer, der mit ihm die uralte Stadt unterm Eis erkundet, selbst wie ein Eisblock. Zwar ist es notwendig, dass der Chronist Dwyer stets die Nerven behält, damit wir ihn verstehen und ihm glauben können, doch wenigstens ein- oder zweimal könnte ja auch er genauso ausrasten wie Danforth. Stattdessen bewahrt er stets die Contenance, stößt zwar „Tekeli-li! Tekeli-li!“ aus, doch bei ihm klingt dies wie eine weitere Pflichtübung des Chronisten, der nur nichts unter den Tisch fallen lassen will. Dafür, dass Dyer so unerschütterlich agiert, klingt Lutz Hackers Stimme viel zu jung, nämlich gleich alt wie die Danforths/Nathans.

Von den Nebenfiguren ist mir noch die Stimme des Kapitäns Douglas in Erinnerung geblieben. Jan Pröhl porträtiert den alten Seebären mit rauer, heiserer Stimme recht glaubwürdig, aber dass ein Seebär stets zum Lachen neigt, finde ich ungewöhnlich – es verleiht der Figur des Douglas einen leicht durchgeknallten Zug. Vielleicht hat Pröhl genau dies beabsichtigt.

|Musik und Geräusche|

Die sparsam eingesetzten Geräusche verleihen den Dialogen einen Anstrich von Realismus. Schritte, Bellen, das ständige Heulen des Windes übers Eis – sie sind völlig passend. Doch es gibt auch dieses unirdische Pfeifen und Sirren, das Danforth in der unterirdischen Stadt hört. Es ist ebenso unwirklich, wie der Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ es ist.

Wesentlich verstärkt wird diese Note des Unwirklichen und Unheimlichen von den musikalischen Motiven, die Akki Schulz beitrug. Von Melodien oder gar Musikstücken kann keine Rede sein, vielmehr sollen die Motive verschiedene Stimmungen vermitteln. Das am häufigsten eingesetzte Instrument ist ein tiefer gestimmtes und elektronisch verstärktes Didgeridoo, wie es die Aborigines benutzen. Der Klang ist eindeutig gewöhnungsbedürftig, aber nicht gänzlich unpassend.

Weitere Instrumente, die ich gehört zu haben glaube, sind ein Cello und ein akustischer Kontrabass. Dieser Bass wird sowohl gezupft als auch gestrichen. Selbstredend wurden beide Instrumente elektronisch verstärkt, so etwa auch durch Hall. Im Vergleich zu anderen Horror-Hörspielen sind diese musikalischen Einlagen nur von sehr schwacher Wirkung, so dass sie im Gesamtwerk der schwächste Beitrag sind. Aber sie sind nicht als unpassend abzuweisen, sondern haben ihr Gegenstück in zwei anderen modernen Lovecraft-Produktionen: Vom „Orchester der Schatten“ kommen inszenierte [Lesungen, 3071 die durch ihre ähnliche Musik keinen schlechten Eindruck hinterlassen haben.

|Das Booklet|

Das Booklet enthält Informationen über den Autor (in dem Essay, s. u.), den Text und sämtliche Mitwirkenden, außerdem noch diverse Illustrationen. Als Druckbild wurde Schreibmaschinenschrift verwendet, eine alte Courierschrift, wie man sie früher für Manuskripte verwendete. Mit rotem „Bleistift“ wurden wichtige Namen etc. hervorgehoben. Hin und wieder finden sich Kleckse roter Tinte. Der optische Eindruck ist der eines handgemachten Produkts. Für manche Hörbuchkäufer könnte das einfach zu billig aussehen, aber ohne Zweifel hebt sich die CD von anderen Hörbüchern ab.

Der Essay von Michel Houellebecq erstreckt sich über immerhin fünf Seiten des Booklets – ein Viertel des Umfangs. Der Autor versucht, die Arbeitsweise Lovecrafts zu beschreiben, und bemüht dabei die Beispiele „Pickmans Modell“ und „Die Musik des Erich Zann“. Der Effekt, den HPL erzielen wollte, sei die „Furcht vor dem Unbekannten“. Um diese Wirkung zu erzielen, haben HPL eine Mythologie schaffen wollen, mit der er eine Art objektives Entsetzen erzeugen konnte, ein Entsetzen, das „von jeder psychologischen oder menschlichen Konnotation losgelöst war. Er wollte eine Mythologie schaffen, die auch noch einen Sinn für Intelligenzen hat, die aus dem Gas von Spiralnebeln bestehen.“ Houellebecq hält übrigens „Berge des Wahnsinns“ für einen herausragenden Text innerhalb des Cthulhu-Mythos, im Gegensatz zu mir.

Der Essay zeugt von tiefgehender Kenntnis literarischer Methoden wie etwa der objektiver Beglaubigung, aber auch von vielen Beispielen ihrer Anwendung, darunter natürlich auch bei Poe. Houellebecqs Artikel ist ein leicht verständlicher Beitrag zum Verständnis Lovecraft, im Gegensatz zu einigen schwierigen Texten, die ich hier nennen könnte.

_Unterm Strich_

„Berge des Wahnsinns“ ist einer der bedeutenden Kurzromane, die Lovecraft am Ende seines Lebens – er starb ein Jahr nach der Veröffentlichung – innerhalb seiner Privatmythologie schrieb. Die Antarktis-Expedition des Geologen Dyer stößt auf eine uralte Stadt, die von einer außerirdischen, vormenschlichen Zivilisation errichtet wurde. Und Andeutungen legen nahe, dass auf dem Meeresgrund noch viele weitere solche Städte auf ihre Entdeckung warten. Ob das für die heutige Menschheit so gut wäre, darf mit Fug und Recht bezweifelt werden. In der Stadt unter dem Eis vertreibt ein unheimlicher Wächter die neugieriger Forscher, und solche könnte es auch in weiteren Ruinen geben. Dyers Assistent Danforth hat den Wächter und dessen Brut gesehen und ist darüber verrückt geworden …

Ähnlich wie in „Schatten aus der Zeit“ und „Der Flüsterer im Dunkeln“ entwirft Lovecraft die Grundzüge seiner Mythologie, wonach erst die Alten Wesen von den Sternen kamen und die Stadt unterm Eis bauten, bevor die Cthulhu-Wesen anlangten und mit ihnen einen Krieg führten, an dessen Ende Wasser und Land zwischen den Rassen aufgeteilt wurden. Überreste beider Zivilisationen sind für Expeditionen wie die Dyers noch aufzuspüren, natürlich nur an sehr verborgenen Orten.

Das Motiv der „Lost Race“, das Lovecraft in nicht weniger als 18 Erzählungen verwendet, war schon 1936 nicht mehr neu und vielfach erprobt worden. Am kommerziell erfolgreichsten waren dabei wohl Edgar Rice Burroughs, der Schöpfer des Tarzan, und Henry Rider Haggard, der mit [„König Salomons Schatzkammer“, 484 „Allan Quatermain“ und „Sie“ einen sagenhaften Erfolg unter den Spätviktorianern verbuchte. Ob Poe mit „Arthur Gordon Pym“ diese Mode schuf, als er seinen Helden in der Antarktis eine unbekannte Zivilisation finden ließ, sei dahingestellt, aber sowohl Jules Verne mit „Eissphinx“ als auch Lovecraft mit „Berge des Wahnsinns“ folgten diesem Vorbild in den eisigen Süden. In letzter Zeit knüpfte auch Michael Marrak mit seinem Roman „Imagon“ erfolgreich an dieses Vorbild an.

Bei Lovecraft wird die Expedition zu einem Initiationsritus. Der moderne Mensch ist sowohl mit dem sehr Alten als auch mit dem Ungeheuerlichen konfrontiert, und beides scheint seinen Verstand zu übersteigen (siehe Danforths Wahnsinn). Unterschwellig vermittelt Lovecraft seinen Kulturpessimismus dadurch, dass er Dyer erkennen lässt, dass die Menschheit weder die erste Zivilisation auf diesem Planeten war, noch auch die letzte sein wird. Das wiederum könnte dem einen oder anderen Leser Schauer über den Rücken jagen. „Das ist nicht tot, was ewig liegt“ (oder „lügt“, denn das englische Verb ist doppeldeutig), wird immer wieder zitiert. Ein Menetekel, an das immer wieder mit dem Ruf „Tekeli-li! Tekeli-li!“ gemahnt wird.

|Das Hörbuch|

Den Machern von |Lauschrausch| ist ein dramatisch umgesetztes Hörspiel gelungen. Obwohl es hervorragende Sprecher und passende Geräusche vorzuweisen hat, so finde ich die musikalischen Motive zu schwach und den Sprecher des Dyer als unpassend, sowohl vom Ausdruck als auch vom Alter her. Das Booklet liefert mit Houellebecqs Essay sowohl Informationen zum Autor, dessen Werk als auch zu dessen Arbeitsmethode und ästhetischem Ziel: objektives Entsetzen. Ob es so etwas überhaupt geben kann, erörtert Houellebecq allerdings nicht.

|Originaltitel: At the Mountains of Madness, 1936 (gekürzt), 1939 ungekürzt
Aus dem US-Englischen übersetzt von Rudolf Hermstein
2 CDs, 94 Minuten|
http://www.lauschrausch.eu/

[NEWS] Virginia Hartman – Tochter des Marschlands

Loni Mae Murrow liebt ihr geordnetes Leben in Washington, D.C., wo sie ihr Talent zum Beruf gemacht hat: Für ein Naturkundemuseum fertigt sie naturgetreue Zeichnungen von Vögeln an. Als ihre Mutter Ruth erkrankt, folgt sie nur widerwillig der Bitte ihres Bruders, in die Kleinstadt ihrer Kindheit im Marschland Floridas zu kommen. Denn inmitten der unberührten Landschaft lauern die Erinnerungen an Ruths Gefühlskälte und an den tragischen Tod ihres Vaters Boyd als Loni zwölf Jahre alt war. Dann findet sie einen Hinweis, der Boyds Bootsunfall in einem neuen Licht erscheinen lässt. Sie macht sich auf die Suche nach der Wahrheit. Und nach dem, was Familie, Liebe und Heimat für sie bedeuten. (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 464 Seiten
Heyne

[NEWS] Travis Baldree – Magie und Milchschaum

Viv, eine wilde und tapfere Ork-Kriegerin, ist nach Jahren voller Abenteuer und Fährnisse des Kämpfens müde geworden. Sehr zum Unwillen ihrer Gefährten beschließt sie, das Schwert an den Nagel zu hängen – und dafür ein Kaffeehaus zu eröffnen. In der Hafenstadt Thune setzt sie zusammen mit dem Hobbit Cal ihren Plan in die Tat um und lockt mit dem exquisiten Getränk schon bald Krieger, Zwerge und Wesen jeglicher Art an … und leider auch den bösen Elf Fennus, der von Viv ein geheimnisvolles Artefakt stehlen will. Eines Nachts steht das Kaffeehaus in Flammen … aber auch wenn Viv sich mittlerweile in den Succubus Tandri verliebt hat, ist sie alles andere als eingerostet und nimmt den Kampf auf! (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 320 Seiten
dtv

Anaïs Nin – Das Delta der Venus (Lesung)

Einfühlsame Führerin ins Wunderland des Sexus

Ein Kurzroman und vierzehn kürzere Erzählungen bilden eines der besten Erotika der Literatur. „Das Delta der Venus“ ist, wie Henry Miller schrieb, „schamlos und schön“ und beeindruckt noch heute, über sechzig Jahre nach der Entstehung dieser Auftragsarbeiten, mit unverklemmter Darstellung und einem unvoreingenommenen, tiefen, wissenden Blick für Frauen wie auch für Männer.

Das Hörbuch bietet die ungekürzte Lesung des gesamten Textes. Ich habe dies anhand der Knaur-Taschenbuch-Ausgabe nachgeprüft und bestätigt gefunden. Kein einziger Satz wurde weggelassen.

Die Autorin

Anaïs Nin – Das Delta der Venus (Lesung) weiterlesen

Parker, Robert B. – A Catskill Eagle. Ein Spenser-Krimi

_Eine runde Sache: einfühlsamer Actionthriller_

„Ganz in Eile. Hawk sitzt in Mill River, Kalifornien, im Gefängnis. Du mußt ihn herausholen. Ich brauche auch Hilfe, Hawk wird es Dir erklären. Es steht schlimm, aber ich liebe Dich, Susan.“ – Dem Brief seiner ehemaligen Freundin Susan Silverman läßt der Bostoner Privatdetektiv Spenser augenblicklich Taten folgen. Doch dann jagt die Polizei der gesamten Vereinigten Staaten Spenser und seinen Gefolgsmann Hawk. Und um den eigenen und Susan Silvermans Hals zu retten, müssen sich der Detektiv und der schwarze Killer auf ein schmutziges Geschäft einlassen. Ihre Partner sind FBI und CIA …

Titel der Übersetzung: „Spenser auf der Flucht“ (1986 bei Ullstein).

|Hinweis|

Der Originaltitel beruht auf einem abgedruckten Zitat von Herman Melville, dem Autor von „Moby Dick“ (und vielen anderen Seeabenteuern). Das Bild vom Bergadler – gemeint ist vermutlich ein Weißkopfseeadler, das amerikanische Wappentier – aus den Catskill-Bergen meint eine Entität in der Seele mancher Menschen, die in der Lage sind, die tiefsten Tiefen wie auch die höchsten Höhen des seelischen Erlebens zu erkunden und doch unverändert weiterzufliegen. Worin diese Entität besteht, erklärt Melville jedoch nicht. Deshalb zeichnet er ja dieses Bild.

_Der Autor_

Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zu seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine etwa acht „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wurde 2010 vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.

_Handlung_

Daheim in Boston erhält Spenser einen verzweifelten Brief seiner Freundin Susan Silverman: „Hawk in Mill River im Gefängnis. Ich bin in Not. Komm schnell.“ Abgeschickt in San José bei San Francisco. Natürlich lässt Spenser nicht gleich alles stehen und liegen, sondern trifft erst einmal Vorbereitungen.

Von einer Anwaltskanzlei erfährt er, dass sein Kumpel Hawk tatsächlich wegen Mordes im Knast von Mill River sitzt – einer Kleinstadt, die sich ganz in der Hand des Industriemagnaten Jerry Costigan befindet. Dessen Sohn Russell habe Hawk zudem die Zähne eingeschlagen, als er Susan besuchte. Möglicherweise handelt es sich um eine Falle, in die Hawk gelockt wurde.

In Mill River lässt er sich wegen öffentlicher Trunkenheit und Urinierens von den Cops festnehmen. Nur wenige Stunden später zieht er eine Pistole aus dem Gipsverband an seinem Fuß und zwingt die nichtsahnenden Cops, ihn und Hawk freizulassen. Zusammen fahren sie zum letzten Domizil von Susan – sie ist nicht überstürzt abgereist, sondern planvoll, wie Spenser erkennt. Doch wohin? In San Francisco quartieren sie sich bei zwei Prostituierten ein und rauben deren Zuhälter Leo aus: Endlich haben sie mehr Geld als die mageren 200 Piepen, die Spenser mitgebracht hat. Doch wo steckt Susan?

Am besten fragen sie Costigan selbst. Doch der residiert in einer Art Festung, die sich über Mill River erhebt – und dorthin wollten sie eigentlich überhaupt nicht. Aber sie haben keine Wahl. Wer hätte gedacht, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Magnaten so lasch sind? In Nullkommanix haben sie das Tor überwunden und pberwinden die erste Schicht von Wachleuten. Als sie endlich Costigan als Geisel haben, durchsuchen sie die Burg. Außer Mrs. Costigan finden sie niemanden. Susan muss bei Costigans Sohn Russell sein, aber wo?

Nach einem beschleunigten Rückzug redet Spenser mit Susans Psychotherapeutin in der Gegend von San Francisco. Dr. Hilliard macht ihm klar, dass sich Susan nicht zwischen ihm Spenser, und Russell Costigan entscheiden könne, sondern sich ihren eigenen Weg suchen müsse. Erst dann könne sie ein selbständiger Mensch sein, der auch ein guter Psyschotherapeut sei. Zum Abschied gibt sie ihm einen Tipp.

In den Wäldern des Staates Washington um den Crystal Peak liegt Costigans feudale Berg- und Jagdhütte. Spenser und Hawk schauen sich das Gebäude genau an. Sie wissen natürlich, dass die Sicherheitsleute schon vorgewarnt worden sein müssen. Nach einer ziemlich regnerischen Nacht wissen sie, dass etwa ein Dutzend Scharfschützen auf sie warten, gut versteckt im Wald ringsum. Aber wenn sie Susan, falls sie da ist, befreien wollen, müssen sie einen Weg hineinfinden.

Es geht aber auch umgekehrt. Wenn man in eine Festung nicht hineinkommt, muss man deren Bewohner dazu bringen, von selbst herauszukommen …

_Mein Eindruck_

Anders als in fast allen anderen „Spenser“-Romanen handelt es sich hier nicht um einen Krimi, der eine Ermittlung schildert, sondern um einen Actionthriller. Ich traute Parker diese Spielart durchaus zu, denn schon „The Judas Goat“ war ein echter Action-Hammer: Eine Terroristenhatz von London über Kopenhagen bis nach Montral (siehe dazu meinen Bericht).

|Wiedergänger|

Es überraschte mich daher auch nicht, dass der damalige Auftraggeber Spenser, Der Magnat Hugh Dixon, nun auch in „A Catskill Eagle“ wieder auftaucht. Der dankbare Mäzen gibt Spenser kurz mal ein Taschengeld von zehntausend Dollar – in kleinen Scheinen. Dieser Auftritt ist eine Reverenz des Autors – und eine Werbemaßnahme in eigener Sache. Auch das erneute Auftreten von Rachel Wallace, der lesbischen Feministin, fällt in diese Kategorie (siehe meinen Bericht über „Loking fort Rachel Wallace“). Rachel, der Spenser einst das Leben rettete, bildet die Recherche-Abteilung der Detektei Spenser.

|Action und Symmetrie|

„A Catskill Eagle“ schildert nicht weniger als vier Attacken des dynamischen Duos Spenser & Hawk, um Susan zu finden und zu befreien. Nach Mill River und der Berghütte geht es – nach einer Reorganisation – weiter nach Connecticut und wieder zurück in die Berge von Idaho. Diese Abfolge verleiht dem für die Verhältnisse des Parker-Frühwerks außergewöhnlich langen Roman eine stabile Symmetrie. Auf diese Weise austariert kann die Handlung auch noch eine ganze Reihe anderer Thema transportieren.

|Schurke Nr. 1|

Da ist als erstes Thema der Schurke im Stück. Jerry Costigan ist keineswegs ein großzügiger Menschenfreund à la Hugh Dixon, sondern eher das Gegenteil: Ein Rassist und Anti-Semit, entpuppt sich Costigan senior als Waffenproduzent und -händler, der sämtliche Interessengruppen, die eine Knarre haben wolle, versorgt, um einen Reibach zu machen.

Aber damit begnügt er sich nicht: Er bildet selbst „Militärberater“ aus, die er vor Ort nach Belieben einsetzen kann, um Rebellengruppen zu stärken oder zu schwächen beziehungsweise deren Opponenten in der Regierung. Kurzum: Der Milliardär Costigan schert sich keinen Deut um die Politik der US-Regierung, sondern spielt sein eigenes Spiel.

Das ist der US-Regierung natürlich ein Dorn im Auge. Schließlich kann es nicht angehen, dass ein einzelner Bürger ihre Strategie torpediert, sei es nun in kleinen Belangen oder in großem Maßstab. Auf diese Weise wurden schon kriege ausgelöst. Deshalb treten die CIA und das FBI in Gestalt von Agenten an Spenser und Hawk heran, als diese nach der Sache in Washington eine kreative Pause einlegen.

Dass der Chef der Bostoner Kripo, Martin Quirk, diesen Kontakt vermittelt, trägt dazu bei, Spenser zu beruhigen. Mit Quirk hat er schon lange gut zusammengearbeitet, auch wenn Spenser sich durch Unbotmäßigkeit nicht gerade zum Liebling der Cops gemacht hat. Quirk und die Agenten müssen Spenser und Hawk im Gegenzug für ihre Kooperation Straffreiheit zusichern. Und sie verschaffen ihnen als Erstes ein „sicheres Haus“. Denn Costigans Killers sind bereits auf der Suche nach ihnen.

|Schurke Nr. 2|

Susan muss sich bei Russell Costigan aufhalten. Dessen mehrfach betrogene Ehefrau Tyler residiert in Chicago und erzählt Spenser nicht nur von Russells Psychologie, sondern verrät ihm auch dessen aktuellen Aufenthaltsort in Connecticut. Erstmals hat der Privatdetektiv Gelegenheit, sich näher mit der Psyche seines Rivalen um Susans Hand zu befassen. Russell ist als einziges Kind des Konzernchefs verwöhnt und nutzt dies aus, um gegen seinen Vater zu rebellieren.

Dass er dem Antisemiten Jerry nun auch noch eine jüdische Freundin präsentiert, ist ein weiterer Tort gegen den Tyrannen. Es ist die klassische Ödipuskonstellation. Und obwohl Mrs. Costigan charakterlich die Schwächste der drei ist, manipuliert sie beide Männer doch nach Strich und Faden. Auch dies ist höchst interessant, um einen Ansatzpunkt für den nächsten und den finalen Angriff zu finden. Dass Tyler Susan aber als „Hure“ bezeichnet, verbittet sich Spenser.

|Susan Silverman|

Wie in dem Muster eines Ritter-Epos, das Spenser und Hawk immer wieder ironisch zitieren, spielt Susan quasi die Rolle der Jungfer in Not, die aus dem Bau des Drachen geholt werden muss. Den Drachen selbst gilt es anschließend zu erschlagen – was mich außerdem zu Erinnerungen an Bilbo Beutlin, den tolkienschen Meisterdieb, veranlasste (der wiederum Vorbilder in den isländischen Sagas hat) – auch wenn Bilbo den Drachen in seinem Fall NICHT erschlägt. Er hat Besseres zu erledigen, z. B. den Diebstahl eines Schatzes aus dem Drachenhort.

Wie auch immer: Susan Silverman ist vor Spenser in Russells Arme geflohen. Diese erstaunliche Tatsache muss Spenser erst einmal anerkennen und verarbeiten. Gar nicht so einfach, wenn einem dabei das Herz blutet (siehe dazu meinen Bericht über den „Spenser“-Krimi „Valediction“). Dr. Hilliard erklärt ihm Susans Lage und dass sie sich weiterentwickeln wolle, bevor sie zu Spenser zurückkehren könne. Denn Susan sei zu Russell bereits auf Distanz gegangen, habe er doch keinen Respekt für ihre Wünsche und betrüge sie mit seinen anderen Geliebten – von seiner Gattin Tyler ganz zu schweigen.

Es nützt Spenser also erst einmal wenig, Susan aus Russells Klauen befreit zu haben. Sie ist noch längst nicht bereit, zu ihm zurückzukommen. Und er muss ihr versprechen, Russell nicht zu töten. Gar nicht so einfach, wenn die US-Regierung darauf besteht.

Die Figur Susan erfordert vom Leser, sich in ihre Lage zu versetzen. Es führt zu nichts, sich nur auf die Action zu konzentrieren und dann Spensers Handlungsweise gegenüber Russell Costigan nicht zu verstehen. Ich fand Susans Passivität etwas enervierend, aber ihre Entwicklung ist eben innerlich statt äußerlich. Sowohl Spenser als auch Hawk respektieren das. Wir sollten es auch.

_Unterm Strich_

„A Catskill Eagle“ bildet für mich, der ich schon über 30 Spenser-Krimis gelesen und besprochen habe, den krönenden Höhepunkt von Parkers Frühwerk. Immer wieder verweist Spenser später auf die hier geschilderten Ereignisse. Da Parker 1973 sein Debüt gab, dauerte diese Periode rund 13 Jahre.

Die zweite und mittlere Periode würde ich bis 1997 datieren, also weitere zwölf Jahre, denn 1997 erschien der erste Roman der Jesse-Stone-Reihe und wenig später das Debüt der „Sunny Randall“-Reihe – Parkers endgültiger Durchbruch. Der endgültig letzte „Spenser“-Krimi (Nr. 39) erscheint im Mai 2011 mit „Sixkill“.

|Ritter-Epos|

Der vorliegende Roman ist kein Krimi, der eine Ermittlung schildert, sondern ein Actionthriller, der Züge eines mittelalterlichen Ritter-Epos à la „Sir Gawain und der grüne Ritter“ aufweist (über das die beiden Helden ständig witzeln). Spensers geliebte Susan wurde jedoch keineswegs entführt, sondern ist vor ihm geflohen. In Kalifornien ist sie leider dem Schürzenjäger Russell Costigan aufgesessen, der sie nicht mehr weglassen will. Daher ihr knapper Hilferuf an Spenser.

|Apocalypse Now|

Zum anderen handelt es sich um Parkers Variante des Themas „Apocalypse Now“, das bekanntlich auf dem Roman „Heart of Darkness“ von Joseph Conrad beruht. Ein Mann wird von der Regierung ausgeschickt, um Colonel Kurtz zu töten, der eine Rebellenherrschaft im Dschungel errichtet hat. Spensers Begrüßung „Hallo, Kurtz!“ für Jerry Costigan liefern den Schlüssel zum Verständnis dieses Aspektes des Thrillers. Allerdings dreht Spenser wieder mal sein eigenes Ding, denn was kann man von den „Clowns“ in Washington schon als Belohnung erwarten?

Die Handlung führt unsere beiden edlen Ritter – einer weiß, einer schwarz – wieder zusammen und zu vier Attacken gegen die beiden Costigans. Ich fand die Action vergleichbar mit den Werken von Autoren wie Eric Lustbader, Andy McNab oder Lee Child. Auch ein oder zwei Gegenangriffe werden bravourös gemeistert.

Der Actionfan wird keineswegs enttäuscht, wie ich befürchtet hatte. Und wer ein Gran Sinn für Humor hat, wird ebenso auf seine Kosten kommen wie der Freund von Psychologie und Romanze. Der Roman bildet ein kleines Schatzkästlein im Gewand eines Thrillers.

|Taschenbuch: 311 Seiten
ISBN-13: 978-0140084757|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com

_Robert B. Parker bei |Buchwurm.info|:_
[„Der stille Schüler“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4066
[„Gunman’s Rapsody“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6836
[„Wilderness“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6956

„Cole & Hitch“:

1) „Appaloosa“ (2005)
2) „Resolution“ (2008)
3) „Brimstone“ (2009)
4) „Blue-Eyed Devil“ (2010)

„Jesse Stone“-Krimis:

1) [„Night Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6811
2) [„Trouble in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6816
3) [„Death in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6815
4) [„Stone Cold“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6810
5) [„Sea Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6812
6) [„High Profile“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6813
7) [„Stranger in Paradise“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6814
8) [„Night and Day“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6873
9) „Split Image“

Die „Sunny Randall“-Reihe:

1) [„Family Honor“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6831
2) [„Perish Twice“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6832
3) [„Shrink Rap“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6833
4) [„Melancholy Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6834
5) [„Blue Screen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6835
6) [„Spare Change“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6852

Unter anderem in der „Spenser“-Reihe, die 39 Romane umfasst, erschienen:

[„The Godwulf Manuscript“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6921
[„Paper Doll“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6818
[„Stardust“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6819
[„Potshot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6821
[„Walking Shadow“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6820
[„Widow’s Walk“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6826
[„Chasing the Bear“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6837
[„Hundred Dollar Baby“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6838
[„Taming a Sea-Horse“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6839
[„Bad Business“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6840
[„Back Story“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6842
[„Painted Ladies“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6843
[„Cold Service“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6844
[„The Professional“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6866
[„Playmates“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6867
[„Thin Air“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6872
[„Small Vices“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6829
[„Promised Land“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6923
[„Mortal Stakes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6922
[„God Save The Child“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6951
[„Ceremony“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6952
[„The Judas Goat“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6953
[„Looking for Rachel Wallace“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6954
„Hugger Mugger“ …

Perry-Rhodan-Team / Lukas, Leo / Effenberger, S. A. / Hagitte, Chr. / Bertling, S. / Sieper, M. – Sonderkommando Kantiran (Perry Rhodan – Sternenozean 8)

Geräuschvoll: Luftschlacht über Valhaum

|Lübbe Audio| vertont die Abenteuer des Kadetten Kantiran und des Sternenadminstrators Perry Rhodan, die in der Unterserie „Sternenozean“ im Perry-Rhodan-Universum spielen. Bislang sind zwölf Hörspiele veröffentlicht, doch will |Lübbe| offenbar vierzig Hörspiele produzieren. Dies ist die zweite Staffel.

Folge 8: Kadett Kantiran und Mal Deltair sind in Shallowains Gefangenschaft Opfer des Ganberaanischen Folterbetts. Die Freunde ahnen nicht, dass der Terranische Liga-Dienst bereits einen Befreiungsversuch startet – mit Unterstützung von Mausbiber Gucky und Icho Tolot. (Verlagsinfo)

Die Reihe

„Perry Rhodan“ ist die größte SF-Heftchen- und Roman-Reihe der Welt. Eine Vielzahl von Autoren schreibt seit Jahrzehnten für die Reihe, und koordiniert wird dieser Aufwand vom |Pabel|-Verlag in Rastatt. Auch Andreas Eschbach fühlte sich geehrt, einen oder zwei Bände beitragen zu dürfen.

Es gab vor der aktuellen |Lübbe Audio|-Reihe schon Vertonungen der PR-Silberbände, doch nicht in der stilvollen Inszenierung des |STIL|-Tonstudios. Die Romanvorlage für das vorliegende Abenteuerhörspiel stammt von Leo Lukas („Der Ilt und der Maulwurf“).

Die ersten Staffel:

1) [Der Sternenbastard
2) [Die Mascantin
3) [Der Hyperschock
4) [Planet der Mythen
5) [Havarie auf Hayok
6) Das Blut der Veronis

Die 2. Staffel:

7. [Der Gesang der Motana
8. [Sonderkommando Kantiran
9. [Tau Carama
10. [Überfahrt nach Curhafe
11. [Entscheidung in Vhalaum
12. [Die Femesängerin

Die 3. Staffel:

13. [Der Flug der Epha-Motana
14. [Terraner als Faustpfand
15. [Die Sekte erwacht
16. [Der Todbringer
17. [Kampf um den Speicher
18. [Die mediale Schildwache

Die 4. Staffel:

19. [Operation Kristallsturm
20. [Das Land unter dem Teich
21. [Attentat auf Hayok
22. [Kybb-Jäger
23. Auf dem Weg nach Magellan
24. Jenseits der Hoffnung

Die Sprecher/Die Inszenierung

Erzähler: Joachim Höppner (Stimme von „Gandalf“)
Kantiran: Christian Stark
Maykie Molinas: Oliver Rohrbeck (Stimme von Ben Stiller und Michael Rappaport)
Dario da Eshmale: Kaspar Eichel (Stimme von Richard Dreyfuss)
Shallowain: Manfred Lehmann (Stimme von Bruce Willis, Gérard Depardieu, Kurt Russell …)
Ascari da Vivo: Daniela Hoffmann (Julia Roberts)
Icho Tolot: Tilo Schmitz (Ving Rhames, Michael Clarke Duncan)
Gucky: Stefan Krause (Billy „Pippin“ Boyd)
Mal Deltair: Jürgen Kluckert (Morgan Freeman, Chuck Norris)
Und weitere.

Volker Lechtenbrink wurde 1944 in Cranz/Ostpreußen geboren. Bereits als Achtjähriger sprach er im Kinderfunk und stand zwei Jahre später auch schon auf der Bühne. 1959 wurde er durch den Antikriegsfilm „Die Brücke“ (Regie: Bernhard Wicki) bundesweit bekannt. Er besuchte die Schauspielschule in Hamburg und ist heute in zahlreichen TV-Serien zu sehen. Darüber hinaus ist er am Theater tätig, geht auf Tourneen oder wirkt als Intendant. (Verlagsinfo)

Die Hörspieladaption stammt von S. A. Effenberger. Regie, Musik, Ton und Programmierung lagen in den Händen von Christian Hagitte und Simon Bertling vom Ton-Studio |STIL|. „Die Musik wurde exklusiv für die Perry-Rhodan-Hörspiele komponiert und vom Berliner Filmorchester unter der Leitung von Christian Hagitte live eingespielt. Die elektronischen Klänge und Effekte wurden speziell für die Hörspiele vom |STIL|-Team durch den Einsatz von Computertechnik generiert“, heißt es im Booklet. Executive Producer der Reihe ist Marc Sieper.

Am Schluss erklingt der Song „How do you feel? Perry Rhodan Mix“ von der Band |Camouflage|. Der Originaltitel stammt von der LP „Relocated“ (SPV 2006).

Vorgeschichte

Der 14-jährige Junge Kantiran lebt als Sohn eines Terraners und einer Arkonidin als Untertan des Kristallimperiums auf einem friedlichen Agrarplaneten. Nach dem Verlust seiner Eltern, die auf einer Schürfexpedition verschollen, wächst er bei seinen Pflegeeltern Weigel und Arachya auf. Er lernt, dass er die Gabe besitzt, Tiere telepathisch zu lenken und mit ihnen zu kommunizieren.

Ein Sternenkreuzer landet. Der riesigen Kugel entsteigen ein Riese und eine Frau. Es sind die Flottenführerin Ascari da Vivo und ihr Leibwächter Shallowain. Die Admiralin nimmt Kant auf einen kurzen Flug mit, um ihm etwas zu geben: ein Erbstück von seinem Vater. Es sieht zwar aus wie eine terranische Uhr, ist aber ein intelligenter persönlicher Assistent. Er tauft ihn Tonto. Außerdem lädt sie ihn zur imperialen Kadettenschule ein, der Parageta.

Nach drei Jahren ist seine Ausbildung zum Flottenoffizier fast beendet. In vielen Kämpfen hat er sich zum besten Dagorista der Parageta emporgearbeitet. Seit einem Jahr liebt er eine schöne Schneiderin mit dem klangvollen Namen Thereme. Sie arbeitet im Haushalt des Geheimdienstchefs Kilor. Eine Woche vor der Prüfung beehrt ihn sogar der feindliche terranische Resident Perry Rhodan höchstpersönlich mit einem Besuch der Kadettenschule, denn Kantiran bewundert ihn sehr. Er ahnt nicht, dass Rhodan sein Vater ist!

Eines Tages findet Kantiran die Geliebte tot auf. Ein heimtückischer Anschlag mit dem Gift der Trivipern, vermutet Kantirans Freund, der Tierheiler Mal Detair. Da der Geheimdienst, in dessen Haus Thereme wohnte, die Ermittlungen übernimmt, macht Mal Detair seinem neuen Freund Kant keine Hoffnung, dass der Täter je gefunden wird. Also müssen sie ihn auf eigene Faust aufspüren. In der Tierarztpraxis Mals entdeckt er seine telepathische Gabe wieder, die er schon gegenüber den Tieren seiner Heimatwelt angewandt hat.

Die Mascantin Ascari da Vivo, die ihn von seiner abgeschiedenen Heimaltwelt im Hayok-Sektor geholt hat, ist ein wenig besorgt um die geistige Gesundheit ihres Schützlings, als er sich der Abschlussprüfung auf der Welt Iprasa unterzieht. Und tatsächlich muss dort etwas Furchtbares mit ihm geschehen sein, denn er erwacht erst drei Monate nach der Prüfung wieder aus dem Koma.

Bei Mal Detair findet er ein neues Schoßtier, mit dem er telepathisch kommunizieren kann. Kemi ist ein aggressiver Tarox-Marder und hört nur auf seinen Befehl. Er trägt das Tier, das Mal ihm schenkt, wie einen Pelz um den Hals. Und ein Besuch bei der Mascantin eröffnet ihm auch den Weg, wie er an Ascaris vertrauliche Daten über sich selbst herankommt. Und wer weiß, was er dabei auch über den Mord an Thereme entdecken könnte. Der Verdacht, den er schon vor seinem Koma gegen die Admiralin, die direkt dem Imperator unterstellt ist, hegte, muss überprüft werden.

Doch Kantiran findet mehr über seine Identität heraus, als ihm lieb ist: Er ist der Sohn der Mascantin und Perry Rhodans! Sofort bereitet er sich darauf vor, sich an der Mascantin für den Mord an Thereme zu rächen. Leider geht alles schief, und Kantiran und Mal Detair werden gefangen genommen …

Handlung

Eine Abteilung von terranischen Agenten auf Hayok hat von Terra den Befehl erhalten, nach dem Sohn von Großadministrator Perry Rhodan (welcher ebenfalls verschollen ist) zu suchen. Man vermutet ihn auf einer Welt des Kristallimperiums der Arkoniden. Es gab einen Anschlag auf die Flottenführerin da Vivo und seitdem hat man nichts mehr von Kantiran gehört oder gesehen. Agent Dario da Eshmale setzt seinen besten Hacker an diese Aufgabe: Maykie Molinas, genannt Mole, der Maulwurf.

Mole jammert ihm zwar die Ohren voll, er müsse seine kostbaren „Projekte“ dafür liegen lassen, will sich aber bloß wichtig machen. Mole entdeckt, dass Kantiran und Mal Detair, der Mitverschwörer, offiziell tot sind und alle ihre Daten wurden von höchster Stelle gelöscht. Aber es gibt immer Datenechos, und in diesen stößt er wenigstens auf Mal Detair. Ein Tierheiler? Was soll das?

Ein Lufttaxi holt die beiden Agenten ab und bringt sie zum Stützpunkt der Terraner. Dort übernimmt Mole den Befehl über Kampfroboter, Kazugos. Einem soeben eingetroffenen Transporter entsteigen zwei bekannte Freunde der Teraner: der drei Meter große, vierarmige, dreiäugige Halut Icho Tolot und sein wesentlich kleinerer Gefährte, der mit Psi-Kräften ausgestattete Mausbiber Gucky. Merke: Das Sonderkommando Kantiran ist einsatzbereit. Von Gucky erfahren die Agenten endlich, warum diese Kadett Kantiran so wichtig ist: Er ist der Sohn von Perry Rhodan.

|Unterdessen …|

Kantiran und sein Freund Mal Detair sind in Shallowains Gefangenschaft auf dem Planeten Valhaum die Opfer des Ganberaanischen Folterbetts. Das bedeutet fortwährende Schmerzen. Erst als Ascari da Vivo eintritt, wird Kantirans Folterung kurz ausgesetzt. Ascaris Gesicht sieht furchtbar aus: Der Tarox-Marder hat ihr das Gesicht zerfleischt, das nun voller Narben ist. Die Flottenführerin ist alles andere als gut auf Kantiran, der ihr den Marder schickte, zu sprechen. Sie befiehlt seinen Abtransport auf eine andere Welt. Dort sollen die Würmer ihn fressen. Als Shallowain einwendet, ein Hypersturm wäre im Anzug, wischt sie den Einwand beiseite. Nichts kann eine Mascantin aufhalten!

Wirklich nichts? Wenig später befindet sich das Sonderkommando Kantiran auf Abfangkurs zu Shallowains riesiger Kampfgleiterflotte …

_Mein Eindruck_

Das Ambiente des Kristallimperiums hat mich mehr als einmal an das böse Imperium in „Krieg der Sterne“ erinnert: Alles ist auf Unterdrückung, Hass und Zerstörung ausgerichtet. Die Zerstörung ihres Gesichts, die die Mascantin erlitten hat – wunderbar gehässig: Daniela Hoffmann – will sie à la Darth Vader heimzahlen. Ihr fehlt nur noch das berühmte Röcheln des imperialen Kommandanten. Diese Rolle hat aber momentan „Shallowain der Hund“ inne, und er zeigt sich als bissiger, aber treuer Kettenhund seines Frauchens.

Auf Seiten der Guten scheint Mole – er hat die deutsche Stimme von Ben Stiller – der Inbegriff der Inkompetenz zu sein, aber dieser erste Eindruck täuscht, denn er führt die Wende herbei, als schon alles verloren zu sein scheint – natürlich mit einem wahnwitzigen Plan. Gucky hat die erstaunliche Fähigkeit der Teleportation und versetzt sich per Willenskraft an jeden beliebigen Ort. Icho Tolot, der riesige Halut, verbirgt in seinem Riesenkörper ein zweites Gehirn, das Plangehirn. Damit verwandelt er sich in einen Mentaten wie in „Dune“ und gelangt zu Berechnungen wie ein Computer.

Die Handlung dieser Episode ist sehr einfach gestrickt, denn sie soll eigentlich nur die furiose Luftschlacht herbeiführen, die das letzte Drittel füllt. Die Geräuschkulisse ist entsprechend grandios. Das dürfte jeden jugendlichen Gamer eigentlich zu Begeisterungsstürmen hinreißen, doch leider gibt es kein Happyend wie in Episode 7. Was der Episode fehlt, ist eine kurze Rekapitulation der Vorgeschichte, so wie ich sie oben ausgeführt habe. So aber wird der Hörer unvorbereitet in die zweite Staffel geworfen. Ich werde jedenfalls meine Vorgeschichten weiterhin liefern.

|Die Inszenierung|

So fangen Sternenopern an: mit einer schmissigen Titelmelodie und raunenden Stimmen, die Schicksalhaftes verkünden. Ein Erzähler wie Achim Höppner hat eine recht hohe Autorität und wir glauben ihm seine Geschichte nur allzu gern, wenn er von den beiden Gefährten Kantiran und Mal Detair sowie ihren Möchtegernbefreiern, dem Sonderkommando Kantiran, erzählt.

Die anderen Figuren habe ich bereits charakterisiert. Besonders gefiel mir die tiefe Stimme von Tilo Schmitz als Icho Tolot. Man kennt ihn als deutsche Stimme von Ving Rhames und anderen Afroamerikanern. Auch in der Hörspielserie „Offenbarung 23“ ist er als solcher aufgetreten. Sein rauer Bass ist unverkennbar und verleiht dem Riesen Icho Tolot auch akustisch eine beeindruckende Statur.

|Musik und Geräusche|

Insgesamt ist die Musik und die Geräuschkulisse (s. u.) eine ganze Menge Aufwand für eine simple Sternenoper, aber es lohnt sich: Das Hörspiel klingt höchst professionell produziert. Ich könnte Gegenbeispiele nennen, in denen die Musikbegleitung in die Hose ging, aber sie stammen alle nicht von |STIL|.

Die Geräusche können in Sachen Professionalität absolut mit Kinoproduktionen mithalten. Eine große Bandbreite an Sounds charakterisiert die verschiedenen fremdartigen Wesen und Maschinen, die die Helden auf seinen Streifzügen antreffen. Da sausen die Gleiter, da zischen die Strahler.

Die größte akustische Leinwand bemalen jedoch die tausend elektronisch erzeugten Sounds, die der ganzen Handlung erst das kosmische Science-Fiction-Feeling verleihen. Ohne sie könnte es sich ebenso gut um Fantasy auf einem fernen Planeten handeln, wie sie z. B. Jack Vance fabriziert hätte.

Der Abschlusssong von |Camouflage| klingt nach solider deutscher Wertarbeit: mit einem fetzigen Bassriff und einem Sänger, der sich die Feinheiten der englischen Aussprache noch antrainieren muss („head“ klingt wie „hat“). Der Song dauert vier Minuten und ist wenig bemerkenswert. PR-Fans werden ihn sicherlich begrüßen. Mehrere Zitate aus der aktuellen Episode wurden eingeflochten.

_Unterm Strich_

Insgesamt bildet „Sonderkommando Kantiran“ eine vielversprechende Fortsetzung der ersten Staffel der Hörspielserie „Perry Rhodan: Sternenozean“. Die gefangenen zwei Hauptfiguren des Kantiran-Erzählstrangs sollen befreit werden, und dazu ist offenbar eine Luftschlacht über der Welt Valhaum nötig. Die Geräuschkulisse ist eindrucksvoll, die Einfachheit des Plots weniger. Ein wenig Probleme hatte ich mit den Örtlichkeiten: Hayok, Valhaum, dann die Luftschlacht mit Hyperraumeinwirkung – wo hat man sich das alles vorzustellen?

Die Hörspielserie wird wieder von den |STIL|-Profis produziert, von mancher bekannten Hollywoodstimme – Julia Roberts, Ving Rhames, Ian McKellen – gesprochen und liefert einen soliden Gegenwert für den Preis von rund acht Euronen.

Jugendliche beiderlei Geschlechts zwischen 14 und 17 Jahren dürften sich rasch mit den Helden identifizieren, und das ist eine der besten Voraussetzungen, ein treues Publikum aufzubauen. Was die Qualität des Inhalts angeht, so darf man wohl kaum tiefschürfende und daher langweilige Monologe erwarten. Vielmehr ist kämpferische Action angesagt, die vor allem Jungs ansprechen dürfte. In der Abwechslung liegt das Geheimnis des Erfolgs für solche Unterhaltung, und deshalb wechselt in der folgenden Episode „Tau Carama“ die Szene schon wieder völlig, zurück zu den Helden der Episode 7, Perry Rhodan, Atlan und Zephyda.

|60 Minuten auf 1 CD|
http://www.perryrhodan.org
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name/
[Ausführlicher Überblick über diesen Zyklus der Heftromanserie]http://www.perrypedia.proc.org/Der__Sternenozean__%28Zyklus%29

Roald Dahl – Sophiechen und der Riese (The BFG)

Classic Fantasy: Ein Borstenbuckler für den Fleischfetzenfresser

Und dann war er da! Acht Meter groß. Seinen schwarzen Umhang trug er so elegant wie ein vornehmer Herr. Die dünne Trompete hatte er immer noch in der Hand. Die Zofe kreischte. Die Königin seufzte. Und Sophiechen winkte. (Verlagsinfo)

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis, illustriert von Sir Quentin Drake.

Der Autor
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André Ziegenmeyer – Schatten über Schinkelstedt: Fabelwesen reloaded

Fabelwesen im Dienste des Vatikans

Auguste Fledermeyer, eine Hexe des frühen 16. Jahrhunderts, erwacht im 21. Jahrhundert und weiß nicht, wie ihr geschieht. Die Lage wird nicht übersichtlicher, als sie zwei Elfen aus Britannien begegnet und einem Wolpertinger. Wo kommen bloß dieser Fabelwesen her, fragt sie sich selbst und dann das Orakel Eulalia. Dieses orakelt, wie es Orakel zu tun pflegen, höchst verschlüsselt und verweist auf die Höhlen nahe dem Südharstädtchen Schinkelstedt.

In den Höhlen des Südharzes geht in der Tat Seltsames vor sich. Ein Vertreter des Heiligen Vaters kommt ihr besonders bekannt vor: Er hat sie vor 400 Jahren auf den Scheiterhaufen geschickt. Das muss bei ihrer Verbrennnung Nummer 37 gewesen sein. Aber was geschah danach?
André Ziegenmeyer – Schatten über Schinkelstedt: Fabelwesen reloaded weiterlesen