Der Zweite Weltkrieg ist vorüber, doch Südtirol kommt nicht zur Ruhe. Immer noch sind die deutsche Sprache und Traditionen bedroht, die Menschen wünschen sich Autonomie und Anerkennung – einige greifen dafür sogar zu Gewalt. Franziskas Kinder gehören dagegen zu denjenigen, die im Tourismus die größten Chancen sehen, und treiben den Umbau des Hofes vom landwirtschaftlichen Betrieb zu einem Hotel weiter voran. Dabei kommt es nicht nur hinsichtlich der separatistischen Bestrebungen, sondern auch mit dem zurückgekehrten Onkel Leopold zu Konflikten, der sich als Patriarch des Hofes aufspielt.
(Verlagsinfo)
England, 1807: Im Krieg um die Vorherrschaft in Europa setzt Napoleon alles daran, die dänische Flotte in seinen Besitz zu bringen. Gelänge es ihm und seinen Truppen, wäre die Seemacht England in höchster Gefahr. So wird Captain John Lavisser nach Kopenhagen entsandt, um die Dänen auf die Seite des Königreichs zu ziehen. An seiner Seite: Richard Sharpe. Sein Auftrag: Lavisser und eine Truhe voll Gold sicher ans Ziel bringen. Keine leichte Aufgabe – zumal Sharpe angeschlagen ist. Als Quartiermeister fühlt er sich degradiert, und auch über den Tod seiner großen Liebe und den Verlust seines Hauses ist er noch nicht hinweg. Doch er muss sich zusammenreißen, denn der Feind lauert in den eigenen Reihen … (Verlagsinfo)
Emerson ist eine wohlhabende und scheinbar idyllische amerikanische Vorstadt. Doch dann wird die junge Eden in einer der schönsten Villen dort tot aufgefunden. Bald stellt sich heraus, dass drei Jugendliche in der Mord-Nacht bei Eden waren: Hannah, ein liebes, aber psychisch labiles Mädchen. Ihr launenhafter Freund Jack, Sohn der reichsten Familie vor Ort. Und Christopher, ein Außenseiter, der verzweifelt versucht dazuzugehören. Die Eltern der drei tun alles, um ihre Kinder zu schützen – selbst auf Kosten der anderen. Und noch dazu haben sie ihre je eigenen Motive, um verhindern zu wollen, dass die Wahrheit ans Licht kommt … (Verlagsinfo)
Mein Eindruck:
Die Handlung beginnt sofort unheilvoll, mysteriös und spannend: Während einer nächtlichen Autofahrt erlebt der alkoholisierte Patrick etwas sehr Befremdliches. Etwas von großer Bedeutung, dass die Macht hat Leben zu retten oder zu zerstören, allerdings ist ihm das nicht klar… Stephen Amidon – Das Ende von Eden weiterlesen →
1788 in einem Dorf in Serbien: Ein Wintereinbruch hindert Serge d’Urfé an der Fortsetzung seiner Reise. Im Haus des alten Gortscha findet er Schutz vor den Wölfen und Gefallen an der schönen Zdenka. Der Hausherr selbst ist vor Tagen aufgebrochen, um den berüchtigten Vampir und Räuber Alibek zu töten.
Die Chiss-Aszendenz ist eine Bastion des Friedens und der Stabilität im Chaos der unbekannten Regionen der Galaxis – bis sie ein Angriff von Unbekannten wie aus dem Nichts trifft. Die neun Herrscherfamilien entsenden den unerfahrenen, aber brillanten Offizier Thrawn, um den Gegner aufzuspüren. Doch als Thrawns erstes Kommando immer tiefer in die unbekannten Regionen der Galaxis vordringt, wird ihm klar, dass seine Mission nicht das ist, was sie zu sein scheint. Und dass die Bedrohung für die Aszendenz erst am Anfang steht … (Verlagsinfo)
Murrheim, 60er-Jahre: Als Magdas Mann sie wegen einer jüngeren Frau verlässt, bricht für sie eine Welt zusammen. Denn in ihrem Baden-Württembergischen Heimatort ist sie die einzige geschiedene Frau weit und breit. Das bringt sie nicht nur in finanzielle Nöte, auch ein gesellschaftliches Leben ist kaum mehr möglich, ihre Tochter Ursula wird in der Schule gehänselt. (Verlagsinfo)
Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Das Wappen Ambers zeigt das Einhorn…
Neun Prinzen in Amber sind definitiv acht zuviel. Der Kampf um den vakanten Thron König Oberons ist voll entbrannt. Als Corwins Bruder Caine im Wald hinter dem Palast von Amber tot aufgefunden wird, kann Corwin zwar eine Ork-ähnliche Kreatur als Täter identifizieren und töten, aber wer würde ihm schon glauben, dass er nicht selbst der Mörder ist? Er wendet sich an seinen Bruder Random, dem er halbwegs vertraut. Zusammen müssen sie versuchen, Corwin zu entlasten, indem sie den wahren Mörder finden, der die Kreatur ausgesandt hat… Roger Zelazny – Im Zeichen des Einhorns (AMBER 3) weiterlesen →
Es ist Sommer im idyllischen Saint-André, und Kommissarin Marie Mercier sieht voller Freude dem Besuch ihrer Familie aus Köln entgegen. Ein Ereignis, das auch ihre Großtante Léonie seit Tagen in helle Aufregung versetzt: Als begnadete Köchin will sie natürlich brillieren! Doch die Vorfreude wird getrübt, als Marie vom Tod Pierre Boissets erfährt: Der Besitzer eines Sternerestaurants wurde leblos am Ufer der Vézère gefunden – mit einem Dolch aus Stein in der Brust. Boisset war passionierter Sammler prähistorischer Kunst wie auch sein Jugendfreund Emmanuel de Fallière. Der kurz darauf ebenfalls tot aufgefunden wird. Ein Geheimnis aus der Vergangenheit der Männer liefert Marie eine spannende Spur. (Verlagsinfo)
Höllenritte und Monsterjagden: Spannende Action-Fantasy
Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle anderen Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität. Wird das MUSTER vernichtet, geht Amber unter – und mit ihm alle SCHATTEN.
Um Kräfte zu sammeln, zieht es Corwin und seine Geschwister immer wieder in ein „Muster“ genanntes Labyrinth, das demjenigen, der es löst, spezielle Fähigkeiten verleiht. Doch das ursprüngliche Muster trägt Schäden davon, als Blut von Corwins Familie auf ihm vergossen wird. Corwins Bruder Brand will das Muster endgültig zerstören. Da findet Corwin die Wahrheit über ihn und seinen Vater Oberon heraus. (Verlagsinfo)
Eine einfühlsame Mischung aus Roadmovie, Hanni und Nanni und „Am wilden Fluss“, doch beileibe kein Psychothriller à la „Schweigen der Lämmer“. Hier treten keine Serienmörder und FBI-Profiler, sondern lediglich zwei junge, aber überraschend couragierte Frauen auf. Sie haben das Rätsel der Herkunft der einen zu lösen und müssen dazu einen gefährlichen Unbekannten aufstöbern.
|Die Autorin|
Die Amerikanerin Martha Grimes ist eine der bekanntesten Krimiautorinnen der Welt. Zuletzt begeisterte ihr Roman „Die Treppe zum Meer“ und „Was am Meer geschah“ Leser und Kritik gleichermaßen. Sie lebt u.a. in Santa Fé, New Mexico, wo auch der vorliegende Roman beginnt.
_Handlung_
Eine 17-jährige junge Frau wacht eines Morgens in einem Motel in der Nähe von Santa Fé, New Mexico, auf. Über dem Stuhl hängen Kleidungsstücke eines Mannes, doch der ist verschwunden. Und sie kann sich weder an ihn noch ihren eigenen Namen erinnern. Alles ist weg: die letzte Nacht, ihre Herkunft, nur noch Bruchstücke tauchen aus ihrem Gedächtnis auf.
Klar, dass die junge Frau ziemliche Angst verspürt. Sie hat keine Ahnung, wie sie hierher kam. Als sie von der redseligen Wirtin des Motels, Patsy Orr, die Auskunft erhält, sie sei am Abend zuvor mit ihrem ‚Daddy‘ angereist, steigert sich ihre Angst zu Panik. Was hat dieser unbekannte ‚Daddy‘ mit ihr angestellt? Sie schnappt sich sechshundert Dollar aus der Jacke des Unbekannten, der in die Stadt gefahren ist und bald zurückkehren will. Dann schnappt sie sich ihren Rucksack, auf dem die Initialen ‚A.O.‘ eventuell ihre eigenen sind. Aus dem Wagen ‚Daddys‘ entwendet sie eine halbautomatische Pistole und macht sich auf die Socken.
Auf ihrer Flucht lässt sie sich von einem Mann mit sehr blauen Augen mitnehmen, der sie in die nahen Sandia-Berge bringen kann. Könnte er ihr ‚Daddy‘ sein? Herrje, fast jeder könnte ‚Daddy‘ sein! Offenbar darüber beruhigt, dass sie ihn nicht wiedererkannt hat, verabschiedet er sich wieder. Zum Glück findet sie eine abgelegene Berghütte, in der sie sich einrichten kann. Von den SANDIA-Bergen leitet sie ihren neuen Namen ab: ANDI. Und weil die Initialen auf dem Rucksack ‚A.O.‘ lauten, nennt sie sich fortan Andi Olivier und erfindet eine ganze Familie samt ihrer Geschichte. Nachdem sie merkt, dass jemand während ihrer Abwesenheit in der Hütte war (Daddy?!), beginnt sie mit Schießübungen und kann schon bald passabel mit der Knarre umgehen. Das wird für sie noch wichtig.
Dort in den Bergen rettet sie gefangene und verletzte Wildtiere aus den Schlingen und Fallen der Wilderer. Um die Schmerzen der Tiere zu lindern, braucht sie Morphium und ähnliche Stoffe. Die besorgt sie sich klammheimlich aus der Apotheke des nächsten Dorfes, in der sie sich einschließen lässt. Beim dritten Mal wird sie allerdings erwischt. Die 14-jährige Mary Dark Hope findet heraus, wozu Andi diese Substanzen klaut, und freundet sich sofort mit ihr an. Mary ist Vollwaise, die nicht nur Eltern, sondern auch ihre Schwester verloren hat und nun von ihrer Haushälterin Rosella betreut wird.
Mary ist geschockt, als sie herausbekommt, welches Schicksal Andi widerfahren ist. Sie sieht auch ein, dass sie ‚Daddy‘ finden müssen, der angeblich aus Idaho kommt und kurz in der Spielerstadt Cripple Creek abgestiegen war. Obwohl die beiden keinen Führerschein haben, fahren sie nach Cripple Creek und Idaho. Auf dem Weg tun sie etwas, was am Ende ausschlaggebend wird für das Urteil, das sie über ‚Daddy‘ fällen: Sie befreien Wildtiere und misshandelte Haushunde aus ihrer Not. Das führt mitunter zu komischen Szenen, die sich im menschenleeren Westen schnell herumsprechen. Allerdings verdächtigt niemand die beiden Mädchen.
Erst in Idaho treffen sie auf ‚Daddy‘, eine miese Ratte, der wirklich alles zuzutrauen ist. Vorgeblich ein Führer bei Wildwasserfahrten – sie machen eine davon mit – hat Daddy auch eine Vorliebe für illegale Wildtierjagden, Kinderpornofotos und Frauenmisshandlungen. Zum Glück finden Andi und Mary schnell einen Verbündeten, mit dessen Hilfe sie es mit Daddy und seinen Kumpanen aufnehmen können, bis zum bitteren Ende …
|Zum Klappentext|
Der Klappentext erzählt mal wieder Unsinn. Es geht nicht um einen „mysteriösen Verfolger“, denn der ist bereits über alle Berge und wiegt sich in Sicherheit, als Andis Geschichte beginnt. Außerdem würde ich nicht sagen, dass dies ein „Psychothriller“ ist. Vielmehr musste ich rund 240 Seiten warten, bis die beiden Mädchen in Idaho ankommen, wo sie dann wenigstens herausfinden, um wen es sich bei ‚Daddy‘ handelt. Das Finale ist noch in weiter Ferne. Davor kommen noch jede Menge Roadmovie und Wildwasserabenteuer.
_Mein Eindruck_
Der Roman ist sehr schnell und flüssig zu lesen – ein Zeichen für gute Erzählkunst. Es bereitet auch keinerlei Mühe, selbst komplexere Zusammenhänge und Andeutungen zu verstehen. Der Leser, der gut kombinieren kann, wird schon das Ende der ‚Daddy‘-Handlung voraussehen können. Es kommen auch nur sehr wenige überraschende Wendungen vor, die einen in die Irre führen könnten. Vielmehr öffnet sich das Geheimnis um Daddy wie eine große Blüte. Andi und Mary setzen auf ihrer Tour nach Idaho alle Indizien zusammen, bis sie recht genau wissen, was sie dort erwartet.
Die beiden Mädchen entwickeln ihre jeweils unterschiedlichen Persönlichkeiten rasch weiter. Mary, die den Großteil der Handlung erzählt, ist als die Jüngere weitaus vorsichtiger und zaghafter. Andi hingegen scheint sich zu einer entschlossenen Frau zu entwickeln, die manchmal mit einem Pokergesicht die härtesten Fragen stellt. Ihr alter Kumpel Reuel vergleicht Andi mit einem vor langer Zeit abgeschossenen Pfeil, der nun bald in sein Ziel einschlagen muss. Andi ist die Faszinierendere von beiden, doch durch ihr entschlossenes Schweigen wirkt sie unnahbar, wenn nicht sogar furchterregend. Sie jagt nicht nur Mary, sondern auch ‚Daddy‘ Angst ein. Und „Janie’s got a gun“!
Nachdem Andi wieder aus ihrem Leben verschwunden ist, sieht sich Mary außerstande, so wie bisher weiterzumachen: die Augen vor dem Bösen, das Menschen tun, zu verschließen. Und so wird sie auf ihre eigene stille Art eine Heldin. Natürlich geht es um Tiere, aber nicht nur.
Mit Marys Tun klagt die Autorin die korrupten Zustände in den Vereinigten Staaten an, wenn es um den Schutz von Tieren und die Beachtung des Washingtoner Artenschutzabkommens geht. Mit dem Schicksal Andis und Daddys Verbrechen prangert sie offen das Verhalten der Bevölkerung gegenüber missbrauchten Mädchen und Frauen an. Man schaut lieber weg, als etwas dagegen zu unternehmen.
|The mystery stranger – der Fremde ohne Namen|
Wie Clint Eastwood in „Pale Rider“ und anderen Filmen tritt Andi als Beschützerin der Bedürftigen auf. Selbst eine Vollwaise und ohne Namen oder Herkunft in diese Welt geworfen, solidarisiert sie sich mit den schutzlosen Wildtieren und mit einer anderen Waise, Mary Dark Hope (‚dunkle Hoffnung‘ – dieser Beiname wird leider nie erklärt). Dass sie dabei zwangsläufig auch der Ursache dieses Zustands auf den Grund gehen muss, ist konsequent. Daddy verrät ihr, dass sie nach einem schrecklichen Busunglück als einzige Überlebende am Straßenrand entlangstolperte, als er sie auflas. Warum sie überlebte, wird im Dunkeln gelassen.
|Hanni & Nanni|
Meine Überschrift bezieht sich auf die bekannte Mädchenbuchserie und nimmt sie ein wenig auf die Schippe. Aber wie schon angedeutet, muss man sich 240 Seiten lang gedulden, bis die beiden endlich in so etwas wie eine brenzlige Situation geraten. Die Autorin ist zunächst auffällig konfliktscheu. Dafür kommen die finalen Auseinandersetzungen umso härter daher.
Wendet sich Martha Grimes also an ein jugendliches Publikum? Durchaus. Doch von diesen gedämpften, geradezu netten Anfängen führt sie die Leser zu immer provozierenderen Szenarien und Enthüllungen. Schließlich ist Mary, ihre Protagonistin, mehrmals so weit, einfach nur noch abhauen zu wollen, um die Augen weiterhin vor der Wahrheit verschließen zu können. Als dies nicht mehr geht, ist sie selbst ein abgeschossener Pfeil.
_Mein Eindruck_
„Das Mädchen ohne Namen“ kommt ohne große Dramatik und Action daher, denn die Opferzahl scheint gering zu sein. Doch das täuscht. Denn für die Autorin zählen auch jene zu den Opfern, die nicht getötet wurden, sondern lediglich permanente Opfer der Gewalt von Männern sind: misshandelte Frauen, missbrauchte Kinder, sinnlos abgeschlachtete Wildtiere.
Immer wieder habe ich mich über den Mut der beiden jungen Frauen gewundert, und dieser Mut ist übertragbar, wie sich zeigt. Insofern ist dies kein Psychothriller à la „Schweigen der Lämmer“, sondern ein Aufruf an die Leser, besonders an die Frauen, sich auf die Hinterbeine zu stellen und etwas zu tun. Denn „es gibt nichts Gutes, außer man tut es“ (E. Kästner).
|Der Originaltitel|
„Biting the moon“ wird zum Glück erklärt. Dieses „Beißen des Mondes“ scheinen die Kojoten zu tun, wenn sie den Erdtrabanten anheulen. Das Bild lässt sich leicht auf Andis psychische Verfassung übertragen. Eine schöne, passende Metapher.
|Originaltitel: Biting the moon, 1999
Aus dem US-Englischen übertragen von Cornelia Walter|
_Spannend und rätselhaft: Skelettfunde auf Island_
In einer Baugrube am Stadtrand von Reykjavik werden menschliche Knochen gefunden. Wer ist der Tote, der hier verscharrt wurde? Wurde er gar lebendig begraben? Erlendur Sveinsson und seine Kollegen von der Kripo Reykjavik werden mit grausamen Details konfrontiert. Stück für Stück rollen sie Ereignisse aus der Vergangenheit auf und bringen Licht in eine menschliche Tragödie, die bis in die Gegenwart hineinreicht. Während Erlendur mit Schrecknissen früherer Zeiten beschäftigt ist, kämpft seine Tochter Eva Lind auf der Intensivstation um ihr Leben, nachdem sie ihr Baby verloren hat. (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Autor_
Arnaldur Indridason, Jahrgang 1961, war Journalist und Filmkritiker bei Islands größter Tageszeitung. Heute lebt er als freier Autor bei Reykjavik und veröffentlicht mit großem Erfolg seine Romane. Sein Kriminalroman [„Nordermoor“ 402 hat den „Nordic Crime Novel’s Award 2002“ erhalten, wurde also zum besten nordeuropäischen Kriminalroman gewählt, und das bei Konkurrenz durch Hakan Nesser und Henning Mankell!
_Der Sprecher_
Frank Glaubrecht ist einer der erfolgreichsten Synchronsprecher Deutschlands. Er leiht beispielsweise so bekannten Filmstars wie Al Pacino, Pierce Brosnan, Jeremy Irons und Richard Gere seine markante Stimme. Er hat u. a. Indridasons Hörbücher „Nordermoor“ und „Engelsstimme“ gelesen.
Der Romantext wurde von Sabine Bode gekürzt. Für Regie und Produktion zeichnete Marc Sieper verantwortlich. Die akustischen Motive an Anfang und Schluss des Hörbuchs stammen von Michael Marianetti.
_Handlung_
Schon die Entdeckung des Skelettes geht recht makaber und symbolisch vonstatten. Ein kleiner Junge, der an diesem Tag Geburtstag feiert, hat den „schönen Stein“ in einer der vielen Baugruben gefunden, die nun in der „Millenniums-Siedlung“ ausgehoben werden, die am Stadtrand der Hauptstadt Reykjavik entsteht. Die kleine Schwester des Jungen spielt gerade damit, als der Besucher der Mutter, ein 25 Jahre alter Medizinstudent, etwas an dem „Stein“ sonderbar vorkommt.
Kaum hat er das Ding in der Hand, um es zu untersuchen, plärrt die Kleine los. Die Mutter nimmt sie gleich auf den Arm und fragt den Mann, was los sei. „Es ist eine Rippe“, sagt er zu ihrem Erstaunen. Toti, ihr Sohn, habe ihn gefunden. Er ruft die Polizei und findet noch mehr Knochen. Die Vergangenheit hat das Millennium eingeholt.
Inspektor Sigurdur Oli hat gerade heißen Sex mit seiner Freundin Bergthora, als sein Piepser klingelt. Er ruft Kommissar Erlendur Sveinsson hinzu, um gemeinsam den Fundort der seltsamen Knochen in Augenschein zu nehmen. Die Rede ist schon vom „Millenniumsmann“. Die Spurensicherung ist bereits bei der Arbeit, als ein Archäologe namens Skarpeddin dazu mahnt, feinere Methoden als das CSI-Team anzuwenden – dauert zwar länger, berücksichtigt aber mehr Spuren und vor allem: Es werden keine Spuren zerstört. Weil sich Erlendur dafür entscheidet, gelingt den Archäologen zwei Tage später eine kleine Sensation …
Weil Erlendur vier Johannisbeersträucher aufgefallen sind, die in einer Reihe stehen, fragt er sich, ob hier wohl mal ein Haus gestanden hat. Dies ist tatsächlich der Fall. Das Sommerhaus, das in den dreißiger Jahren gebaut, aber nie ganz fertig gestellt wurde, hatte man ca. 1980 abgerissen. Es gehörte einem Kaufmann namens Benjamin Knudson. Weil seine geliebte Verlobte Solveig eines Tages verschwand, brach er die Fertigstellung ab, ein gebrochener Mann. Aber wer zog dann hier ein?
Während er Sigurdur Oli zum Ermitteln zu den Verwandten Knudsons schickt, geht Erlendur selbst dem Hilferuf seiner Tochter Eva Lind nach. Er hörte sie auf dem Handy nur „Hilf mir“ sagen, mehr nicht. Da weiß er, dass es ernst ist. Über mehrere unangenehme Stationen findet er den Weg zu ihr. Fünfzig Meter vor der Entbindungsstation des Krankenhauses liegt sie in ihrem Blut, irgendwo zwischen den Bäumen am Straßenrand. Sie ist drogensüchtig und schwanger. Die Ärzte können das Leben des Kindes nicht mehr retten, und das von Eva Lind, die auf der Intensivstation liegt, scheint ebenfalls vorüber zu sein. Erlendur verständigt über seinen Sohn auch Evas Mutter Halldora, von der er sich schon vor Jahren im Streit getrennt hatte.
Sigurdur Oli hat eine Rechnung gefunden, die Benjamin Knudson den Mietern seines Sommerhauses ausgestellt hatte, einer Familie Thoralindson. Sie lebte 1943 und 1944 im Haus am Grafaholt, doch ihre Vormieter kannte er nur flüchtig. Es scheint, der Mann habe seine Frau ebenso geprügelt wie seine drei Kinder, besonders die verkrüppelte Mikelina. Gut möglich, dass der Mann für die Engländer und die Amerikaner gearbeitet hat. Von der britischen Botschaft bekommt er Kontakt zu einem ehemaligen amerikanischen Oberst, der fast ganz zum Isländer geworden ist: Colonel Edward Hunter von der Militärpolizei.
Von Hunter erfährt Erlendur erstmals von den schrecklichen Zuständen, die in der Familie geherrscht haben mussten, die das Haus am Grafaholt bewohnte. Der Mann arbeitete im Depot der Amerikaner, war aber Mitglied eines Hehlerrings. Als dieser aufflog, betrat Hunter mit vier MPs das Haus, um die gestohlenen Waren sicherzustellen und den Dieb zu verhaften. Das war der Moment, als ihm, Hunter, das erste und einzige Mal die Hand ausgerutscht sei und er einen Mann ohne Nachzudenken geohrfeigt habe. Der Anblick, wie dessen Ehefrau zugerichtet war, habe ausgereicht.
Erlendur überlegt, ob das Skelett, das der Medizinstudent gefunden hat, dieser Frau gehört. Doch als ihn Skarpeddin, der Archäologe, zur Grabungsstelle bittet, wartet auf ihn eine Überraschung: Es sind zwei Skelette.
_Mein Eindruck_
Dieser Handlungsabriss gibt lediglich eine Hälfte des Buches wieder. Der andere Handlungsstrang beginnt in den dreißiger Jahren, als ein Dienstmädchen, das bei den Knudsons arbeitete, einen Arbeiter kennen lernte und seinen Heiratsantrag annahm. Damit begann ihr Martyrium, das bis zum Jahr 1943 dauern sollte. Colonel Edward Hunter gibt Erlendur lediglich einen Vorgeschmack dessen, was dieser später von Mikelina, der überlebenden Tochter der Frau, erfahren soll. Diese Erzählung ist es, die schließlich erklären wird, um wen es sich bei den beiden Skeletten in der Baugrube handelt. Da aber beide Handlungsstränge nur stückweise vorangetrieben werden, bleibt die Geschichte für den Leser bzw. Hörer stets und bis zum Schluss spannend. Der Autor verrät nur so viel wie nötig ist, um das Interesse aufrecht zu erhalten.
Wir haben es also quasi mit zwei Kriminalerzählungen zu tun. Das war ja schon in [„Kältezone“ 2258 so. Erlendur betrachtet das Verbrechen von 1943 im Nachhinein und von außen. Mikelina schildert die Ereignisse, die dazu führten, von innen, als Beteiligte oder doch als unmittelbare Zeugin. Es sind zwei völlig verschiedene Sichtweisen: die eine kühl und um Objektivität bemüht, die andere äußerst intensiv und voller Grauen. Die resultierende emotionale Belastung des Lesers bzw. Hörers findet durch die Erlendur & Sigurdur-Episoden jedoch eine Entspannung, die umso willkommener ist, je grausamer sich die Ereignisse in der Familie Mikelinas entwickeln.
|Abwechslung|
Diese abwechselnde An- und Entspannung ist kennzeichnend für viele Romane des Autors. Aber damit verfolgt er einen bestimmten Zweck. Denn Erlendur wird durch die Erzählung Mikelinas dazu gebracht, intensiver über seine eigene väterliche Schuld gegenüber seinen Kindern nachzudenken, insbesondere gegenüber der im Sterben liegenden Eva Lind. Entsetzt muss er feststellen, dass sie von ihrer Mutter ideologisch gegen ihn, den Rabenvater, „geimpft“ worden ist. Dass er sich mit bestimmten Argumenten dagegen verwahren werde, hat die Mutter bereits perfiderweise vorweggeahnt und ihre Tochter darauf vorbereitet. Wie sich herausstellt, muss Erlendur von sich selbst, seinem eigenen Werdegang erzählen, um wieder glaubwürdig zu werden.
|Solveigs Rätsel|
Es gibt ein weiteres kriminalistisches Rätsel, das es zu lösen gilt. Erlendur stößt zwischendurch in der Familie des Kaufmanns Knudson auf eine weitere verschwundene Frau und vermutet wie jeder Kriminalist einen Zusammenhang mit dem Skelett in der Baugrube. Wohin könnte Knudsons Verlobte Solveig verschwunden sein? Sie war, wie sich herausstellt, ungewollt schwanger geworden, wollte das Kind aber austragen. In jener Zeit um 1938 muss das ein Riesenskandal gewesen sein, und deshalb löste sie am Tag ihres Verschwindens die Verlobung. Knudson wollte sie weiterhin als seine Frau, weil er sie liebte. Dennoch verschwand sie – und „ward nie mehr geseh’n“. Angeblich ging sie ins Meer, andere meinen, Knudson habe sie auf dem Gewissen. Doch warum brachte sich Solveigs Vater erst sechs Monate später um? War er etwa der Vater ihres Kindes?
|Generalthema|
Das Generalthema des Krimis ist diesmal also die Beziehung zwischen Vätern, Müttern und ihren Kindern. Erlendur, der davongelaufene Vater, muss seine Verantwortung ebenso einsehen wie Sigurdur Oli, der noch gar nicht Vater ist, aber seine Freundin heiraten soll, um endlich Kinder haben zu können. Knudson, der nicht Vater des Kindes seiner geliebten Solveig sein durfte, scheiterte im Leben.
Doch am schlimmsten ist Grímur, der prügelnde Tyrann in Mikelinas Familie. Mikelina, sein Stiefkind und ein Krüppel, lehnte er zeitlebens ab, ebenso den nächsten Sohn, Simon. Nur Tomas fand Gnade in seinen Augen, und ihn zog er auf seine Seite, um ihn gegen seine Geschwister aufzuhetzen. Grímur missbraucht seine Autorität als Vater, macht seine Verantwortung zu einer Perversion. Colonel Hunter ist davon ebenso abgestoßen wie der Soldat David Ash, den Mikelinas Mutter kennen lernt, während Grímur für seinen Diebstahl im Knast sitzt.
|Krieg in den Familien|
Die verschiedenen Kämpfe zwischen Vätern und Müttern, die die Kinder ausbaden müssen, fordern eine Menge Opfer in diesem Krimi. Unter „Opfer“ sind nicht nur körperliche Opfer zu verstehen, also Gestorbene oder Verkrüppelte, sondern auch seelisch Getötete, wie Simon, Grímurs Sohn. Oder wie Eva Lind, die sowohl Mutter wie auch Vater abzulehnen gelernt hat.
Man könnte sich nun leicht fragen, ob der Autor den traditionellen Rollenverteilungen eine Lanze bricht: dominanter Mann, dienende Frau, versorgtes Kind. Das würde allerdings völlig verkennen, dass er ein ganzes Spektrum solcher Familien aufzeigt. Das Beispiel Grímurs stellt er besonders abschreckend hin, um keinen Zweifel daran zu lassen, dass ein dominanter Mann keineswegs die Lösung des Problems darstellt.
|Die Stellung der Frau|
Aber deutlich ist zu erkennen, dass in der alten Zeit, vor und während des Krieges, die Ehefrau oder Verlobte stets die Schwächere war, und zwar wegen der geschriebenen wie auch ungeschriebenen Gesetze. Solveig löste mit ihrer ungewollten Schwangerschaft, die Folge einer Vergewaltigung, einen Skandal aus. Mikelinas Mutter konnte sich nicht scheiden lassen, weil ihr Mann seine Einwilligung verweigerte.
Ganz anders die heutige Zeit. Halldora Sveinsson hat ihrem davongelaufenen Mann den Zugang zu ihren Kindern verboten, und Bergthora, Sigurdurs Freundin, besteht auf einer Heirat. „Oder willst du etwa werden wie dein Freund Erlendur, dieser Trottel?“ Nein, das will Sigurdur ganz bestimmt nicht. Es sind jetzt die Frauen, die die Oberhand haben. Vielleicht kann nun das Millennium endlich anbrechen. Ob es besser wird, ist jedoch nicht unbedingt gesagt.
_Der Sprecher_
Frank Glaubrechts sonore Stimme – man stelle sich den Klang von Al Pacino in „The Insider“ vor – trägt die Geschichte, die Indridason spinnt, ausgezeichnet und ohne je die für die Geschichte und den Ermittler notwendige Autorität und Ruhe zu verlieren. Dennoch entwickelt sein Vortrag zusammen mit der Handlung eine tiefere psychologische Dimension, die sich in der zunehmenden Emotionalität in Glaubrechts Stimme äußert – ein gewisses zusätzliches Vibrato, das ich vernommen zu haben glaube.
Glaubrechts Vortrag ist abwechslungsreicher geworden, will mir scheinen. Einen jungen Drogendealer lässt er langsam und „tranig“ sprechen, als sei er zugedröhnt. Mikelina, als sie klein ist und ihr erstes Wort hervorzwingt, spricht stotternd und stockend. Grímur klingt zwiegespalten: Meistens ist er wütend und brüllt umher, aber manchmal, wenn er etwas herausfinden will, klingt er süß und einschmeichelnd wie eine falsche Schlange. Als er merkt, dass er vergiftet worden ist, flüstert er erstaunt. Die nachfolgende Szene ist dramatisch.
|Lesefehler?|
Simon, Mikelinas Bruder, hat die Geisteskrankheit der Hebephrenie, die Ähnlichkeit mit Schizophrenie hat. Simon, obwohl schon 70 Jahre alt, klingt wie ein kleiner Junge von acht oder neun Jahren, ist aber keineswegs „verblödet“. Doch Mikelina, die von ihrem Vater immer als „Schwachsinnige“ abqualifiziert worden war, klingt ironischerweise völlig vernünftig. Sie ging auf die Uni und ist Psychologin geworden. Sie ist sogar Erlendur, der nie zur Uni ging, überlegen und lässt es ihn spüren. Aber auf eine sehr freundliche Art.
Der einzige Fehler, der dem Sprecher unterläuft, ist die Aussprache des Begriffs „Hebephrenie“. Er sagt „Hebrephrenie“, mit einem zusätzlichen R. Der Grund ist unklar. Vielleicht wurde das Wort in seinem Textmanuskript falsch getippt und er prägte es sich so ein. Dann kann er nichts dafür.
_Unterm Strich_
Der Leser bzw. Hörer bangt mit zwei Familien: mit der, in der Grímur als Tyrann herrscht, und mit der zerbrochenen Familie Erlendur Sveinssons, die sich am Krankenbett seiner Tochter einfindet. Die Art und Weise, wie diese parallelen Schicksale verknüpft werden, ist kunstvoll ausgeführt. Der Autor verrät immer nur so viel von der Vorgeschichte bzw. dem Fortgang des Dramas, dass das Interesse wach bleibt und das gespannte Warten auf die – gute oder schlechte – Lösung des Dramas anhalten muss. Erst am Schluss, nach einem dramatischen Höhepunkt in Grímurs Familie, klären sich die Geheimnisse auf.
Auf dem Weg dorthin erfahren wir mehr über Jugend und Werdegang des Kommissars Erlendur Sveinsson. Allerdings war die Episode, wie er seinen achtjährigen Bruder im Schneesturm verlor, schon in einem früheren Roman zu lesen gewesen (ich habe vergessen, in welchem). Deshalb war diese Stelle nicht so interessant. Aber innerhalb von Sveinssons Bekenntnis gegenüber Eva Lind ist es eine sehr wichtige Stelle. Denn es erklärt, warum Erlendur schuldbewusst und ein gebrochener Mann ist, ähnlich wie Benjamin Knudson wegen seiner Solveig. Deren Verschwinden versucht Erlendur aufzuklären und hegt den Verdacht, dass es sich bei Solveig und Grímurs Frau – deren Namen wir erst ganz am Schluss erfahren – um ein und dieselbe Person handelt.
Zeitlich gehen Indridasons Romane immer weiter zurück in der Geschichte Islands. „Kältezone“ begann mit der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als Isländer in die neu gegründeten DDR zum Studieren gingen. „Todeshauch“ behandelt eine Generation, die im Jahr des Kometen, 1910, gezeugt wurde und im Jahr 1943 während der „Besetzung“ durch die Engländer und Amerikaner ihre folgenreichste Phase erlebte. Ich gehe davon aus, dass künftige Romane diese Erforschung der isländischen Geschichte weiter vorantreiben und schließlich unweigerlich bei den Wikingern landen. Deren Ruhm als Entdecker Amerikas hat sich ja inzwischen herumgesprochen.
Der Sprecher Frank Glaubrecht gestaltet seinen Vortrag abwechslungsreich und weiß die Dramatik bestimmter Szenen glaubwürdig herauszuarbeiten. Seine Aussprache der isländischen und englischen Namen ist ebenfalls korrekt. Im gesamten Text unterläuft ihm nur ein einziger Fehler, als er das Wort „Hebephrenie“ anders ausspricht, als es geschrieben wird.
|Originaltitel: Grafarpögn, 2001
Aus dem Isländischen übersetzt von Coletta Bürling
244 Minuten auf 4 CDs|
[Unsere Rezensionen zur Buchfassung 856
Dies ist der zweite Band einer Reihe von jeweils eigenständigen Romanen einer amerikanischen Science-Fiction-Autorin. Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro, geboren Ende der 50er Jahre und verheiratet mit einem Astrophysiker, verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die manchmal für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt, manchmal aber auch nicht. Ihre erste Story erschien 1993, und sie hat ein eigenes Fanzine namens „Mindsparks“.
„Catch the Lightning / Jäger des Lichts“ gewann 1997 den |Sapphire Award| für |Best Science Fiction Romance|.
Ihre bisher erschienenen Science-Fiction-Romane aus dem Skolia-Sternenreich:
1 Skyfall (2003)
2 Schism (2004)
3 The Final Key (2005)
4 The Last Hawk (1997)
Deutsch: Der letzte Falke. Bastei Lübbe Science Fiction #24319, 2004, ISBN 3-404-24319-6.
5 Primary Inversion (1995)
Deutsch: Der PSI-Faktor. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24309), Bergisch Gladbach 2002, ISBN 3-404-24309-9.
6 The Radiant Seas (1999)
Deutsch: Die strahlende See. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24329), Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-404-24329-3.
7 Ascendant Sun (2000)
Deutsch: Das dritte Schloss. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24334), Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-24334-X.
8 Spherical Harmonic (2001)
Deutsch: Sphärenmusik. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24347), Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-404-24347-1.
9 The Moon’s Shadow (2003)
10 The Quantum Rose (3 Teile in: Analog Science Fiction and Fact, May 1999 ff.)
Deutsch: Die Quantenrose. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24342), Bergisch Gladbach 2005, ISBN 3-404-24342-0.
11 The Ruby Dice (2008)
12 Diamond Star (2009)
13 Carnelians (2011)
14 Catch the Lightning (1996; auch: Lighning Strike I, 2014)
Deutsch: Jäger des Lichts. Bastei Lübbe (Bastei-Lübbe SF Special #24317), Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-404-24317-X.
Kurzgeschichten:
Light and Shadow (in: Analog Science Fiction and Fact, April 1994)
Aurora in Four Voices (in: Analog Science Fiction and Fact, December 1998)
A Roll of the Dice (in: Analog Science Fiction and Fact, July-August 2000)
Ave de Paso (2001, in: Al Sarrantonio (Hrsg.): Redshift: Extreme Visions of Speculative Fiction)
Soul of Light (2001, in: Cecilia Tan (Hrsg.): Sextopia: Stories of Sex and Society)
Walk in Silence (in: Analog Science Fiction and Fact, April 2003)
The Edges of Never-Haven (2004, in: Al Sarrantonio (Hrsg.): Flights: Extreme Visions of Fantasy)
Stained Glass Heart (2004, in: Catherine Asaro: Irresistible Forces)
The City of Cries (2005, in: Mike Resnick (Hrsg.): Down These Dark Spaceways)
The Shadowed Heart (2005, in: Mary Kirk (Hrsg.): The Journey Home)
Echoes of Pride (2006, in: Mike Resnick (Hrsg.): Space Cadets)
The Ruby Dice (in: Jim Baen’s Universe, August 2006)
The Pyre of New Day (2012, in: Ian Watson und Ian Whates (Hrsg.): The Mammoth Book of SF Wars)
The Wages of Honor (2017, in: Bryan Thomas Schmidt (Hrsg.): Infinite Stars)
Major Bhaajan:
1 Undercity (2014)
2 The Bronze Skies (2017)
Children of the Dust (in: Baen Books: Free Stories 2017)
Aronsdale / The Lost Continent
1 The Charmed Sphere (2004)
2 The Misted Cliffs (2005)
3 The Dawn Star (2006)
4 The Fire Opal (2007)
5 The Night Bird (2008)
Moonglow (2003, in: Mercedes Lackey, Rachel Lee und Catherine Asaro (Hrsg.): Charmed Destinies)
Sunrise Alley
1 Sunrise Alley (2004)
2 Alpha (2006)
Romane
The Veiled Web (1999)
The Phoenix Code (2000)
Auszeichnungen
1998 Analog Award für Aurora in Four Voices als beste Erzählung
1999 HOMer Award für Aurora in Four Voices als beste Erzählung
2000 Analog Award für A Roll of the Dice als beste Erzählung
HOMer Award für The Veiled Web als bester Roman
2001 HOMer Award für A Roll of the Dice als beste Erzählung
2002 Nebula Award für The Quantum Rose als bester Roman
2003 Analog Award für Walk in Silence als beste Erzählung
2009 Nebula Award für The Spacetime Pool als beste Erzählung
Hintergrund
In ferner Zukunft hat sich das Universum der Menschen in drei Sternenreiche aufgespalten. Die Allianz der alten Erde betrachtet sich als neutrale Partei in dem fortdauernden Konflikt zwischen dem Sternenreich der Skolianer und dem Eubianer-Imperium der so genannten Händler (bzw. Trader). Alle drei Parteien unterhalten Raumschiffflotten und bewaffnete Patrouillen. Psi-gestützte Kommunikationsmittel, die schneller als das Licht arbeiten können, verbreiten Nachrichten in Blitzesschnelle. Die Kommunikationszentralen sind lediglich drei Menschen: Sie werden Rhon genannt, und alle sind Skolianer einer uralten Rasse.
Einer der Jäger des Imperialen Raumfahrt-Kommandos (IRK) gilt als verschollen …
_Handlung_
Tina ist zwar erst 17 Jahre alt, als ihr diese Sache passiert, aber weil ihr Vater verschwunden und ihre Mutter gestorben ist, wirkt sie durchaus erwachsen. Ihre Familie stammt aus dem mexikanischen Bundesstaat Chiapas, der von Mayas bewohnt wird. Als Erbe verfügt sie über ein tief reichendes Wissen über Sitten, Geschichte und Gebräuche ihres Volkes. Das wird ihr in dieser Sache sehr zugute kommen. Ihr wahrer Name ist !Akushtina (mit einem seltsamen Laut am Anfang).
Unheimliche Begegnung der 3. Art
Als Tina nach ihrem Job als Restaurantkellnerin in Los Angeles nach Hause zurückkehrt, läuft ihr ein echt schräger Typ über den Weg. Er hat purpurnes Haar, goldene, mit einer Nickhaut versehene Augen und eine metallen schimmernde Haut. Sie geht ihm lieber erst einmal aus dem Weg, zumal er sich nicht verständlich auszudrücken versteht. Aber er hat wenigstens so ein Dingsbums dabei, das ihm hilft, seine fremde Sprache in Englisch und Spanisch zu übersetzen. (Außerdem ist das Gerät für viele weitere Dinge nützlich, wie Tina herausfinden soll.)
Der Fremde, der sich als Althor vorstellt, weicht aber nicht von Tinas Seite, und das ist gut so, denn plötzlich taucht der lokale Drogendealer dieses Slums auf und verlangt von Tina, dass sie ihm zu Diensten sei. Althor schickt Nug mit einer Demonstration seiner Kraft von dannen. Aber Tina weiß, dass sie noch von Nug hören wird. In den Fernsehnachrichten hören sie und Althor, dass aus der Umlaufbahn ein Versuchsflugzeug geborgen wurde und nun auf dem Luftwaffenstützpunkt Yeager, vormals Edwards, untersucht werde. (Wir merken: Tinas Erde weist einen alternativen Geschichtsverlauf auf.) Althor sagt, dass dies sein eigenes Raumschiff sei. Damit sei er von Skolia weggeflogen, aber aufgrund einer Sabotage hier auf dieser Erde gestrandet – 300 Jahre in seiner Vergangenheit.
Der auf der Yeager Air Base in Gewahrsam genommene Jag – so nennt Althor sein Gefährt – ist mit einer künstlichen, lernfähigen Intelligenz ausgestattet, die schon bald entdeckt werden wird. Mit dieser kommuniziert Althor fortwährend. Ebenso zur Ausrüstung gehört ein Waffenarsenal, das, wenn zur Detonation gebracht, ganz Kalifornien dem Erdboden gleichmachen würde. Es wäre also für alle Beteiligten das Beste, wenn Althor mit seinem Flieger so bald wie möglich verschwinden würde.
Liebesnacht
Doch Tina verliebt sich in dieser Nacht in den Fremden von den Sternen und schläft mit ihm. Sie war noch Jungfrau, und deshalb besteht sie auf Safer Sex (natürlich muss sie ihm diese Sache erst einmal erklären und demonstrieren!). Das Besondere an Tina hat nämlich Althor von Anfang an bemerkt: Sie ist eine Empathin, vielleicht sogar eine Telepathin, eine Rhon. Und weil sie mit Althors Geist ohne Worte kommunizieren kann, ist er für sie wie eine Befreiung aus ihrer Einsamkeit. Ohne ihn würde sie zwischen Armut, Drogen und Hoffnungslosigkeit zermalmt werden, wie ihr Bruder Manuel und viele andere.
Aufgrund ihrer Liebe hilft sie Althor in den nächsten Tagen im Job und in der Bibliothek, doch die Konfrontation mit Nug, dem Dealer, ist unausweichlich. Nug stirbt, einer seiner Helfer wird ebenso verletzt wie einer der Polizisten, die urplötzlich aufkreuzen. Es ist ein ziemliches Desaster, und die aufgeweckte Tina ist die Einzige, die den verletzten Althor in Sicherheit bringen kann – mit einem gestohlenen Auto.
Fluchtstart
Mit Hilfe ihrer Freunde heilt sie nicht nur Althor wieder, sondern sie dringen sogar in die Luftwaffenbasis vor, getarnt als ein anderes Forscherteam, das sich um die Untersuchung des Jag kümmern soll. Leider werden sie auch hier entdeckt, und nur mit größter Mühe gelingt Althor ein Notstart – mit Tina und zwei Freunden an Bord. Sie können den Raketenangriff der paranoiden Erdregierungen nur abwehren, weil sich Tina mit der Intelligenz des Jag-Flugzeugs zusammenschaltet und die entsprechenden Abwehrmaßnahmen ergreift.
Nachdem sie Tinas zwei Freunde abgesetzt haben, düsen Althor und Tina mit Überlichtgeschwindigkeit zurück in Althors Zukunft – ins Skolia-Reich. Doch dort wird ihnen ein Empfang bereitet, der alles andere als freundlich bezeichnet werden muss. Denn die Sabotage, die Althor stranden ließ, war natürlich kein Zufall …
Mein Eindruck
Wie schon der erste Skolia-Roman „Der PSI-Faktor“ liest sich auch „Jäger des Lichts“ fast von alleine. Erstens besteht der Text fast nur aus Dialogen und zweitens ist die Schrift derart Oma-kompatibel groß, dass sich die Seiten praktisch von selbst umblättern, so wenig Text findet darauf Platz. Hinzukommt, dass die Story ziemlich verständlich erzählt wird, aber dies trifft nicht für alle Passagen zu.
Die Autorin hat nämlich in diesem ihrem zweiten Roman noch nicht die hohe Kunst gemeistert, wie man Handlungsszenen und Hintergrunderklärungen so miteinander verwebt, dass ein organischer Übergang entsteht. Und deshalb wechseln sich die Action- und Liebesszenen mit unglaublich dröge präsentierten Erklärungen von allen möglichen futuristischen Aspekten ab.
Zu diesen gehören vor allem die physischen Eigenschaften von Tinas Dreamlover von den Sternen. Althor ist ein Cyborg à la Terminator, nur dass er außerdem noch Psi-Kräfte besitzt. Das Wissen, das Tina erst später erwirbt, aber schon vorab einflicht, führt dazu, dass dem Super-Mann aus Skolia jedes noch so kleine Geheimnis ausgetrieben wird, und das macht den Text ziemlich schnell langweilig.
Lediglich das Schlusskapitel weist ein paar nette Locations auf, aber auch diese werden schon bald bis zum Überdruss erklärt – mit haltlosen Spekulationen über eine sternenfahrende Rasse, die nicht nur die irdischen Maya beglückte, sondern diese auch noch auf die Welt Raylicon im Skolia-Sternenreich verfrachtete. Infolgedessen schließt sich der Kreis mit Tinas Ankunft: Eine Maya-Nachfahrin feiert mit einem anderen Maya-Nachfahren Hochzeit. Nur dass dessen Vorfahren schon 6000 Jahre zuvor auf die Welt Raylicon kamen.
Eine Romanze, unter anderem
Catherine Asaro steht in nächster Nähe zu der immens erfolgreichen Lois McMaster Bujold. Denn „Jäger des Lichts“ ist im Grunde eine schöne altmodische Romanze, die sie in ein hypermodernes Gewand gesteckt hat, statt etwa in ein Mäntelchen aus historischer Fantasy. Die Formeln für die literarische Darstellung sind inzwischen austauschbar. Amerikanische und inzwischen auch viele deutsche Lektoren wachen mit Argusaugen darüber, dass die Formeln benutzt und die Regeln nicht gebrochen werden.
Da viel Sex und Erotik im Spiel sind, eignet sich dieser Roman wohl eher für Jugendliche ab vierzehn Jahren, während der Großteil der Star-Trek- und Star-Wars-Klone bereits ab zwölf Jahren unbedenklich zu konsumieren ist. Warum dieser Roman auch Männer und Erwachsene anspricht, sind jedoch wohl der Science-Fiction-Gehalt an Ideen und die politischen Aspekte. Leider hat die Autorin ihre Ideen, die „Der PSI-Faktor“ noch interessant werden ließen, nicht erweitert, sondern erklärt sie wieder und wieder.
Die Science in der romantischen Fiction
Enge Verbindungen zwischen Mensch und Maschine sind wie in „Matrix“ gang und gäbe. Befehle werden mittels Gedankenkraft an Maschinen erteilt. Auf einer höheren Ebene als der körperlichen existiert das Skolia-Netz, das rein auf PSI-Kraft basiert und in dem sowohl befähigte Personen wie die Rhon und kompatible Computer miteinander verknüpft sind. Es gibt noch weitere Ideen, so etwa zum Reisen schneller als mit Lichtgeschwindigkeit. Dieser FTL-Flug (FTL = faster than light) ist allerdings auch eine Reise durch die Zeit, und ich wunderte mich gehörig, dass Althor dabei die punktgenaue Rückkehr in sein 24. Jahrhundert gelang.
Schon in „Der PSI-Faktor“ war die Rede von „Aristos“, die eine Plage für Psi-Begabte darstellen. Die ebenfalls Psi-empfänglichen Aristos entführen Psi-Talente, um sie als Versorger zu missbrauchen. Der Aristo ist nur für Schmerz empfänglich, der sich bekanntlich auch in Lust umwandeln lässt, so etwa im Masochismus. Der Aristo braucht den Psi-Versorger daher nur zu foltern, um jede Menge Lustempfindungen zu „melken“.
In der praktischen Anwendung auf unseren Helden Althor bedeutet dies, dass er von einem Verräter an einen Aristo unter den eubianischen Händlern verkauft wird, und Tina mit ihm. Während Althor als Versorger gefoltert wird, haben die Eubianer glücklicherweise Tinas Psi-Potenzial noch nicht in dessen ganzer Kapazität und Tragweite erkannt. Als sie sich unabsichtlich verrät, soll auch sie als Versorgerin herhalten. Nur ein guter Verbündeter hilft den beiden Psi-Begabten aus der Patsche. Dieses Kapitel ist der actionreiche Höhepunkt des Mittelteils. Danach plätschert die Story vor sich hin, bis es zu einem ziemlich lahmen Finale kommt und sich alles in Wohlgefallen auflöst.
Die Übersetzung
Die Übersetzung durch Ulf Ritgen ist ganz ordentlich, aber nicht das Höchste der Gefühle: Stellenweise holprig und gespickt mit den Fachausdrücken, mit denen die Autorin um sich wirft, kommen auch noch zahlreiche Druckfehler hinzu. Da es scheinbar keine Korrektoren mehr gibt, sind solchen Fehlern überall Tür und Tor geöffnet.
Ich will aber doch noch einen kapitalen Fehler nicht unerwähnt lassen, der die Nachlässigkeit heutiger Übersetzer belegt. Auf Seite 379 verwechselt Ulf Ritgen die Hauptfigur Althor mit einer anderen Figur, nämlich Ragnar Bloodmark. Seltsamerweise blieb folgender Satz stehen: „Althor [eigentlich Bloodmark] deutete auf Althor …“ Im nächsten Absatz spricht dann wieder der richtige Althor. Den Fehler hätte man also leicht bemerken und korrigieren können. Aber dazu war wohl keine Zeit. Taschenbuchübersetzungen sind notorisch schlecht bezahlt.
Unterm Strich
Catherine Asaro verknüpft eine klassische Romanze um höchst unterschiedliche Liebende mit einem Hightech- und PSI-Hintergrund, der einige neue Ideen in die Cyberspace-verwandte Science-Fiction-Welt Skolia einbringt. Doch in ihrem zweiten Roman versäumt sie, das Erzielte auszubauen und mit frischen Aspekten aufzuladen. Das macht die Lektüre ziemlich langweilig. Weil sie auch nicht gelernt hat, Handlung und Erklärungen organisch miteinander zu verweben, halten die Erklärungspassagen den Leser unnötig auf und langweilen ihn noch mehr – falls er die Erklärungen überhaupt liest.
Ansonsten ist dies jetzt keine Romeo-und-Julia-Story mehr, sondern die modernisierte Variante von „Aschenputtel“. Die kleine unscheinbare Kellnerin aus Mexiko wird von ihrem schräg anmutenden Sternenprinzen ins Reich der unbegrenzten Möglichkeiten entführt, um ihm nach bestandener Feuerprobe zu Sieg und Herrschaft zu verhelfen – und selbst Mutter einer ganzen Dynastie von Psi-Begabten zu werden. Dass sie dabei erst nach katholischem Ritus und dann nach Maya-Skolia-Ritus heiratet, verleiht der ganzen Affäre – in doppeltem Sinne – einen Anstrich, wie er legitimer nicht sein könnte. Damit dürften selbst die erzkonservativen „Töchter der Amerikanischen Revolution“ kein Problem haben.
Fazit: Muss man nicht kennen. Hoffentlich sind die Folgebände besser.
Taschenbuch: 572 Seiten
Originaltitel: Catch the lightning, 1996
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ulf Ritgen
ISBN-13: 9783404243174 http://www.bastei-luebbe.de
Ruth Gilmartin, Englischlehrerin in Oxford, findet im Jahr 1976 heraus, dass ihre Mutter Sally, geborene Fairchild, in Wahrheit eine gewisse Ewa Delektorskaja sei. Mehrere Schnellhefter mit ihren Aufzeichnungen belegen Sallys unglaubliche Geschichte: eine russische Emigrantin und britische Spionin. Noch ahnt Ruth vor lauter Verwirrung nicht, dass sie diese Informationen aus einem ganz bestimmten Grund bekommt, dem ein perfider Plan ihrer Mutter zugrunde liegt.
_Der Autor_
William Boyd, 1962 in Ghana geboren, schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher, wofür er vielfach ausgezeichnet wurde. Für „Ruhelos“ erhielt er den |Costa Book Award| 2006. Boyd lebt mit seiner Frau in London und Südfrankreich.
_Die Sprecherin_
Martina Gedeck, in München geboren, wuchs in Landshut und in Berlin auf. Sie absolvierte ihre Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule und debütierte am Frankfurter Theater am Turm. Sie spielte unter so namhaften Regisseuren wie Wilfried Minks und Michael Bogdanov. Seit 2005 spielt sie am Deutschen Theater Berlin die „Minna von Barnhelm“ unter der Regie von Barbara Frey. Sie ist in zahlreichen Hörspielproduktionen und Lesungen zu hören.
Ihre Filmkarriere begann 1988 mit Dominik Grafs „Die Beute“, und 1994 spielte sie in Jo Baiers „Hölleisengretl“ eine Rolle, für die sie 1995 den Bayerischen Fernsehpreis erhielt. Ihre Auftritte in Dietls „Rossini“ sowie Beckers „Das Leben ist eine Baustelle“ brachten ihr weitere Auszeichnungen ein. 2002 war der Deutsche Filmpreis für ihre Titelrolle in „Bella Martha“ fällig. Zuletzt brillierte sie in „Elementarteilchen“, „Das Leben der Anderen“ und Robert de Niros „The good shepherd“. Kurzum: Gedeck gehört zur Topliga der deutschen Schauspieler.
_Handlung_
Wie begann das wohl alles? Ruth Gilmartin blickt zurück auf den heißen Juni 1976, als sie, achtundzwanzigjährige Mutter eines Sohnes, von ihrem heimatlichen Oxford hinausfuhr aufs flache Land. Sie will ihre Mutter Sally besuchen. An ihrer Seite sitzt Ruths Sohn Jochen, den sie von Karlheinz Kleist hat, einem deutschen Geschichtsprofessor aus Hamburg, den sie vor einem Jahr verlassen hat, weil er sie betrog. Nun ist Ruth wieder Englischlehrerin und schreibt an ihrer Doktorarbeit über deutsche Geschichte der Weimarer Republik. Ruth ist alles andere als dumm, und wenn sie es wäre, würde sie von Sally etwas zu hören bekommen.
Sally wohnt in einem abgeschieden gelegenen Cottage in der Mitte von nirgendwo und lässt ihren Garten verwildern. Misstrauisch beobachtet Sally mit einem Fernglas den nahen Wald, der Witchwood, also Hexengehölz heißt. Sie fühlt sich beobachtet und verlangt von Ruth, künftig gewisse Vorsichtsmaßnahmen beim Telefonieren zu beachten. Heute gibt Sally ihrer verwunderten Tochter den ersten von mehreren Schnellheftern mit der Aufschrift: „Die Geschichte der Eva Delektorskaja“. Und wer soll diese Eva Delektorskaja sein, bitteschön? Das sei sie selbst, sagt Sally. Es haut Ruth um.
|Die Geschichte der Eva Delektorskaja|
Paris 1939. Eva emigrierte mit ihrer Familie nach der Oktoberrevolution und dem nachfolgenden blutigen Bürgerkrieg erst nach Berlin, dann nach Paris. Sergej heißt ihr Vater, ihre Mutter ist (war?) Engländerin, Irène ist ihre Schwester und Kolja ihr Bruder. Kolja wird heute begraben, denn er war ein Spion. Eva fällt aus allen Wolken. Sie sieht den Mann mit dem Schlapphut, der ihr auf dem Begräbnis auffiel, drei Tage später, als er sie anspricht. Wie viele Sprachen sie spreche? Sie kann englisch, französisch, russisch und halbwegs deutsch sprechen, wieso? Wunderbar, meint er und vereinbart ein Treffen.
Kolja habe für den britischen Geheimdienst gearbeitet, erfährt Eva bei mehreren Treffen, und hatte die Aufgabe, die französischen Faschisten zu infiltrieren. In Nanterre schlugen sie dem Verräter in einer Hintergasse den Schädel ein. Dass Sergej, ihr Vater, diesen Schlapphut, der sich Lucas Romer nennt, ebenfalls kennt, hätte Eva zu denken geben sollen. Romer sagt, er arbeite für die britische Regierung. Sie kommt nicht auf den Gedanken, dass er auch noch andere Auftraggeber haben könnte. Er will sie rekrutieren, doch sie lehnt ab. Sie mag ihn nicht, und sein Geld will sie nicht. Aber sie will Rache für Kolja, und deshalb sitzt sie bald im Zug nach Edinburgh, mit einem falschen Pass auf den Namen Eve Dalton.
Die Ausbildung an der Agentenschule in Lime House am Fluss Twed ist hart und intensiv, aber man lässt sie weder zu den Selbstverteidigungs- noch zu den Fallschirmspringer-Trainings zu. Stattdessen schult man ihr Gedächtnis, das Beschatten und Entkommen sowie einen neuen Gebrauch der Sprache. Alles ist zweideutig und ein Geheimcode. „Krähen“ sind Beschatter, und „Gespenster“ sind Verräter. Im Juli 1939 übt sie in der City von Edinburgh das Abschütteln ihrer Beschatter. Romer ist von seiner gelehrigen Schülerin begeistert. Sie liebt ihn immer noch nicht.
Nach einer ersten Mission in Belgien, bei der sie sich bewährt, erhält Romers Organisation, die AAS Limited, die Erlaubnis, in die USA zu reisen. Dort ist die kleine Gruppe um Lucas Romer in die landesweit operierende British Service Coordination eingebunden. Ihre Aufgabe besteht darin, alles zu unternehmen, damit die USA in den Krieg gegen Hitler eintreten. Denn Churchill weiß, dass ein kleines England allein nicht gegen die Nazis bestehen kann. Das Zünglein an der Waage ist Franklin Delano Roosevelt, der Präsident. Doch die Amerikaner wollen sich keinesfalls schon wieder in einen Krieg hineinziehen lassen, der 3000 Meilen entfernt stattfindet. Der BSC stört die Isolationisten ebenso wie die Faschisten und die Kommunisten in den USA. Die USA müssen England helfen, um jeden Preis.
Inzwischen sind Romer und Eva ein Liebespaar. Diese Arbeitsliebe hat ihre Höhepunkte, aber sie sind selten, weil beide viel unterwegs sind, und wenn Romer eines ist, dann undurchsichtig. Bei einer Operation in Washington, D.C., will die AAS den Presseattaché der rechten Hand des Präsidenten in ihre Hand bekommen. Sie verbringt eine Nacht mit diesem Familienvater, und anhand der dabei geknipsten Fotos wird er fortan gefügig gemacht.
Im November 1941 steht die deutsche Wehrmacht vor Moskau, als Romer sie bittet, für die AAS nach New Mexico zu fahren, um Geld zu überbringen und eine Landkartenfälschung abzuholen. Über die Hintergründe klärt er sie nicht auf, aber hinterher wird klar, dass eine von Deutschen gefälschte Landkarte von Mexiko in den Händen einer toten britischen Agentin alles andere als positiv aussehen würde. Im Gegenteil: Die britischen Agenten würden als äußerst suspekt enttarnt werden und womöglich sogar des Landes verwiesen. Deshalb ist Evas Mission in New Mexico alles andere als unwichtig.
Eva selbst weiß nichts davon, als sie über Albuquerque in das Kaff namens Las Cruces fährt und Zimmer in zwei verschiedenen Hotels bucht. Sie ist in ständigem Kontakt mit Morris Deveraux im AAS-Büro. Lucas Romer sei in England, erfährt sie. Warum führt er sie nicht, wenn er sie auf diese Mission schickt, fragt sie sich. Doch sie hat schon in Belgien selbständig gearbeitet und saubere Arbeit geleistet. Daher vertraut sie auf ihre überlegene Technik als Agentin.
Doch den Mann auf dem Bett in ihrem Hotelzimmer hat sie nicht vorhergesehen. Er richtet einen Revolver auf sie und sieht aus wie ein mexikanischer Polizist. Jemand muss Eva verraten haben …
|Ruth|
Sally Gilmartin alias Eva Delektorskaja alias Eve Dalton alias Sally Fairchild etc. pp. bittet ihre Tochter, in London einen gewissen Lord Mansfield, Earl of Hampton-Cleve, ausfindig zu machen. Sein früherer Name: Lucas Romer …
_Mein Eindruck_
Ja, es ist eine aufregende Welt, die der Agenten, Spione, Informanten, Reisenden mit falschem Pass, falschen Identität und wechselnden Loyalität, den agents provocateurs, Liebenden im Vorübergehen und stets beschattet, immer beschattet – wenn nicht von anderen, dann von einem selbst. Es ist ein Leben im Schatten, einem mentalen Schatten, den auch Sally verinnerlicht hat. Nicht ohne Grund schaut sie mit dem Fernglas auf den nahen Waldrand. Wurde nicht gestern eine alte Frau im Rollstuhl überfahren? Es hätte ihr gelten können, dieses rasche, geradezu beiläufige Überfahren.
Nun fällt der Schatten (der Vergangenheit) auch auf Sallys Tochter. Doch Sally hat vor, den Schatten ein für alle Mal abzuschütteln. Dazu muss sie ihr Kind als Verbündeten auf ihre Seite ziehen. Ruth mag zwar ihr eigenes Leben haben, doch wohin hat es sie bis jetzt geführt? Mitten ins Nirgendwo, eine ziellose Kompassnadel. Nein, zuerst muss die Vergangenheit abgeschlossen und bewältigt werden, und wie ginge dies besser als mit einem Showdown, mit einer finalen Abrechnung? Einer wird auf der Strecke bleiben und Sally hat nicht vor, dass sie das sein wird.
|Der Höhepunkt|
Die Agentenjahre waren schön, und der Autor zeichnet diese Jahre als ein einziges Abenteuer. Neue Erfahrungen, neue Menschen, eine große Liebe, die zu Lucas Romer, eine tragische Liebe, doch umso aufregender für uns. Der Höhepunkt von Eve Daltons Abenteuern in Amerika ist zweifellos die Mission an der mexikanischen Grenze: Las Cruces, die Kreuze, der Schauplatz eines Indianermassakers im 17. oder 18 Jahrhunderts.
Wie passend. Um ein Haar wird Eve Dalton Opfer eines blutigen Komplotts, zu dessen einsam verscharrtem Opfer sie auserkoren ist. Doch die berühmte „Umsicht und Tatkraft unserer Miss Dalton“, wie Lucas Romer es voll Stolz über seine gelehrige Schülerin und Geliebte ausdrückt, retten den Tag, wie der Brite sagt. Um ein Haar. Wem kann sie jetzt noch trauen? Der Schatten ist zur Finsternis geworden. Schließlich dämmert Eve ein ungeheurer Verdacht.
|Zwei Leben|
Der Autor bringt uns zwei Leben nahe, das „ruhelose“ von Eva und das „ruhige“ von Ruth. Beide sind natürlich grundverschieden, doch mit ein paar gemeinsamen Nennern. Beide sind unverheiratet und alleinerziehend, doch tatkräftig. Beide werden vom Lauf der Geschichte gestreift: Eva vom Zweiten Weltkrieg und Ruth von der RAF. Karlheinz’ nichtsnutziger Bruder Ludger sucht bei ihr Unterschlupf, schleppt sogar eine Freundin, Ilse, an. Wird er gesucht? Die Informationslage ist ungesichert. Und dann Sallys Aufzeichnungen – der Hammer! Ruth konsultiert einen Experten namens Tim Thoms, der über dieses Material absolut alles erfahren will – und natürlich auch über Ruth und Sally.
|Showdown|
Der Showdown sieht Sally und Ruth in einem Auto vor dem Haus von Lucas Romer. Der Tag des Jüngsten Gerichts ist gekommen. Und der Tag der Wahrheit. Ist wirklich alles so, wie es Sally aufgeschrieben hat? Ruth ist gespannt und desorientiert: Ist das nur eine weitere Agentenstory, eine Tarngeschichte, um sie, Ruth, an den Punkt zu bringen, an dem sie jetzt vor dem prächtigen Haus eines wahrhaftigen Earls Wache hält und ein Sandwich futtert? Mehr als einmal zweifelt Ruth am Verstand ihrer Mutter, doch diese weiß sie immer schnell zu beruhigen, denn schließlich ist sie Agentin und kann jederzeit eine Story auftischen, die dem gewünschten Zweck dienlich ist.
Immer tiefer zieht die Handlung den Leser bzw. Hörer in ihren Bann, und je detaillierter desto fesselnder wird die Räuberpistole mit dem Titel „Die Geschichte der Eva Delektorskaja“. Das nötige korrigierende Gegengewicht liefert Ruths Geschichte mit ihren zahlreichen Banalitäten und Menschlich-Allzumenschlichem. Bis auch dieser Handlungsstrang die Kurve kriegt und den Kreis schließt, den Evas Geschichte eröffnete.
|Vorbilder|
Die Wirkung ist äußert zufriedenstellend, und so überschlagen sich die Kritiker auch vor Lob. Allerdings wüsste ich jetzt nicht zu sagen, wie sich dieser Roman von Meisterwerken des Agentenromangenres abhebt, als da wären John le Carrés Spione um „Smiley und seine Leute“ oder Graham Greenes Exilanten wie etwa „Der stille Amerikaner“ oder „Der Honorarkonsul“.
Am ehesten lässt sich vielleicht noch Le Carrés verfilmter Thriller „Die Libelle“ (The little drummer boy) mit „Ruhelos“ vergleichen. Eine amerikanische Schauspielerin soll die Geliebte eines Terroristen werden, den der israelische Geheimdienst dann in Deutschland liquidieren will – hochexplosiver Stoff und selten im TV zu sehen. Nicht der Plot ist so ähnlich, sondern das Schlüpfen in andere Rollen und das fortwährende Misstrauen – also der Grundtenor von Evas Lebensweise in „Ruhelos“.
Freunde von Action, Sex und Blut kommen allesamt auf ihre Kosten. Und wer weder Sex noch Blut mag, sei hiermit entsprechend gewarnt. James Bond mag ein aufregendes Leben führen, aber nur die Tüchtigen können es auch zu Ende leben. Und die Tüchtigen sind bereit, über Leichen und Lover zu gehen. Es gibt nur eine Todsünde in diesem Schattenreich: jemandem zu vertrauen. Und Eva begeht sie.
|Die Sprecherin|
Martina Gedeck liest wie eine Theaterschauspielerin, die ein neues Manuskript einstudiert: unaufgeregt, konzentriert, deutlich betonend, hier und da mit ein wenig Emotion, vor allem gegenüber Kindern. Ihre Aussprache englischer und französischer Namen, Bezeichnungen und Ausdrücken ist nahezu perfekt, jedenfalls gut genug für den Laien. Ihr Vortrag ließ mir die Freiheit, mich ganz auf die Geschichte zu konzentrieren. Andere Hörer mögen einen solchen Vortrag langweilig und sogar einschläfernd finden, aber nur die Zurückhaltung des Sprechers gibt dem Hörer die Freiheit, sich seinen eigenen Teil über das Geschehen zu denken. Ganz besonders bei einer so doppelbödigen Doppel-Story wie „Ruhelos“.
Anders als am Buch kritisiert, lenken in der gekürzten Lesungsfassung kaum jemals Nebenfiguren von der eigentlichen Geschichte ab. Nebenfiguren gehören in Ruths Leben unbedingt dazu, um sie authentisch erscheinen zu lassen. Aber in Evas Leben bleiben Nebenfiguren, die nicht Lucas Romer heißen, nur nebelhaft und vergänglich, quasi halbtransparente „Gespenster“.
_Unterm Strich_
Boyd reiht sich mit „Ruhelos“ in die zweite oder dritte Generation der Autoren ein, die über Agenten im Zweiten Weltkrieg oder unmittelbar danach geschrieben haben. Doch seine Genration ist endlich in der Lage, über Geheimnisse und ihre Träger zu schreiben und sich dabei auf neue Erkenntnisse der Geschichtsforschung zu stützen. So wie Eric Naves Buch den Verrat der britischen Codebrecher im Fall Pearl Harbor aufdeckte, so gibt es wohl neue (mir unbekannte) Publikationen über britische Agenten, die ihr Land verrieten, die aber dennoch weitermachen durften, anders als jene enttarnten russischen Spione, die fliehen oder verurteilt werden konnten.
Diese untergetauchten Ex-Verräter – man kann sie wohl kaum „Maulwürfe“ nennen, denn sonst wären sie noch aktiv – gibt es nach Boyds Darstellung immer noch. Und sie lassen es sich in den höchsten Rängen der Gesellschaften gutgehen. Wer weiß, was noch alles in den Geheimarchiven der Regierung schlummert. Schon diese Enthüllungen über Bletchley Park, die Codeknackerzentrale im Zweiten Weltkrieg, aus dem Jahr – welch Zufall – 1976 legten nahe, dass da noch viel mehr ist, wo das herkommt.
Wie auch immer: „Ruhelos“ ist ein unterhaltsamer, spannender und stets fesselnder Thriller, der über zwei, drei lebendig gezeichnete Hauptfiguren und ein paar anziehende Nebenfiguren verfügt, die auch das Interesse an den menschlichen Aspekten des Agentenlebens wachhalten. Der Showdown ist wunderbar inszeniert und ausgeführt, die letzten Sätze von einer berührenden Symbolkraft und Anschaulichkeit. Was will man mehr?
Die Sprecherin Martina Gedeck hält sich sehr zurück beim Vortrag dieses personen- und handlungsreichen Textes. Auf diese Weise lässt sie dem Hörer die Freiheit, den geistigen Freiraum, selbst die Zusammenhänge und Verbindungen herzustellen, die menschliche Dimension der Ereignisse auszuloten. Man mag ihren Vortragsstil als langweilig, weil unaufgeregt und unaufdringlich, kritisieren, doch ich fand ihn genau richtig. Die Sprecherin verschwindet hinter der Geschichte, und so sollte es sein.
|Originaltitel: Restless, 2006
Aus dem US-Englischen übersetzt von Chris Hirte
5 CDs, 365 Minuten|
http://www.hoca.de
Sein Leben lief ab gleich einem Uhrwerk. Bis er dem Uhrmacher begegnete. »Der Uhrmacher in der Filigree Street« erzählt eine mitreißende, phantastische Geschichte um eine rätselhafte Uhr und einen ebenso spektakulären wie unmöglich aufzuklärenden Bombenanschlag auf Scotland Yard. Das Buch nimmt die Lesenden mit auf eine Reise durch das viktorianische England und das Japan des 19. Jahrhunderts und es eröffnet Türen in eine ganz andere, seltsame und magische Vergangenheit. London, Oktober 1883. Eines Abends kehrt Thaniel Steepleton, ein einfacher Angestellter im Innenministerium, in seine winzige Londoner Mietwohnung heim. Da findet er auf seinem Kopfkissen eine goldene Taschenuhr. Es ist ihm ein Rätsel, was es mit ihr auf sich hat. Sechs Monate später explodiert im Gebäude von Scotland Yard eine Bombe. Steepleton wurde gerade rechtzeitig gewarnt, weil seine Uhr ein Alarmsignal gab. Nun macht er sich auf die Suche nach dem Uhrmacher und findet Keita Mori, einen freundlichen, aber einsamen Mann aus Japan. So harmlos Mori auch scheint, eine Kette von unheimlichen Ereignissen deutet schon bald darauf hin, dass er etwas zu verbergen hat… (Verlagsinfo)
Es hieße wohl Eulen nach Athen – oder unserem Thema angepasst: Raben nach Asgard – tragen, wenn man betonte, dass die „Edda“ das wichtigste Zeugnis für die germanische Religion darstellt. Sie ist sozusagen die große alte, weise Frau, die uns etwas über die Religion auch unserer Vorfahren erzählt. Denn obwohl der Hauptteil dieser Lieder über germanische Götter und Helden, der sogenannte „Codex Regius“, erst im 13. Jahrhundert auf der Insel Thule im hohen Norden, also Island, aufgezeichnet wurde, überliefert er uns doch Vorstellungen, die über die Fläche eines Gebiet verbreitet waren, das Skandinavien, das heutige Deutschland und Britannien einschloß. Odin und Thor kennt man im südgermanischen Raum als Wotan und Donar. Die Heldenlieder des „Nibelungen-Zyklus“ in der „Edda“ sind von heutigen deutschen Gebieten nach Island gewandert – Siegfried heißt hier Sigurd und Hagen Högni. Zugleich gibt die „Edda“ damit die älteste erhaltene Version der Nibelungensage wieder.
Selbst wer sich als Leser dieser Seite noch nicht mit den altgermanischen Mythen und Sagen in der „Edda“ auseinandergesetzt hat, dem werden die Geschichten vielleicht bekannt vorkommen. Viele Musikgruppen aus dem Bereich des Metal, Gothic, Neofolk oder Dark Ambient beschäftigen sich ja mit den alten Göttern, Sagenhelden oder Runen. Auf der zweiten CD der Viking-Metaller FALKENBACH beispielsweise findet sich das Instrumental „Baldurs Tod“ – jener strahlende Gott Baldur ist gemeint, der durch die List Lokis ums Leben kommt und ins Totenreich zur Göttin Hel fährt. Sein Tod stellt ein unheilvolles Omen dar, das auf den Ragnarök verweist, den Untergang der Götter.
Tragisch und voll dunklen Zwielichts erscheint die Religion der Germanen in dem berühmten Lied „Volüspa“ („Der Seherin Gesicht“). Doch diese Tragik ist kämpferisch und das genaue Gegenteil einer Opferhaltung. Die Götter wissen um ihren Untergang und trotzdem ergeben sie sich kein einziges Mal der Resignation. Ihre Verantwortung und ihre Sorge um die Welt bestimmen ihr ganzes Handeln. Der Höchste des Göttergeschlechts der Asen, Odin, murmelt bis zuletzt mit dem zukunftskundigen Haupt Mimirs, um für die Endschlacht bereit zu sein. In dieser Schlacht kämpfen die Einherjer, die gefallenen Krieger, Seite an Seite mit den Göttern gegen die dämonischen Mächte, den Gott Loki, seine von ihm gezeugten Ungeheuer und die Riesen. Auch wenn Odin, Thor und Frey fallen, so taucht doch eine neue Welt auf, in der Baldur aus dem Reich der Hel zurückkehrt und über die die Söhne der Asen herrschen werden.
Diese aktive Haltung gegenüber dem Schicksal, das von den Nornen als den überpersönlichen Mächten gewebt wird, findet sich in den Heldensagen wieder. Die germanische Heldensage erzählt von der Konfrontation einer starken Persönlichkeit mit dem eigenen Tod. Der Germane nimmt dieses Schicksal nicht nur an – nein, er macht es auch noch ganz zu seinem eigenen Willen. Die menschliche Freiheit bewährt sich für den Germanen erst in der Haltung, die er dem Tod gegenüber einnimmt. Högni lacht, während die Hunnen ihm das Herz aus der Brust schneiden. Hamdir und Sörli rächen den Tod ihrer Schwester Schwanhild an dem König Jörmunrek. Aufgereizt durch die eigene Mutter gehen sie mit vollem Bewußtsein in den Tod. Kurz bevor Hamdir mit vielen klaffenden Wunden zu Boden sinkt, sagt er: „Gut haben wir gekämpft: / Wir stehn auf Gotenleichen, / aufrecht, ob schwertmüden, / wie Aare im Gezweig; / Heldenruhm gewannen wir, / sterben wir heut oder morgen: / niemand sieht den Abend, / wenn die Norne sprach.“ (S. 221) Diese Stelle soll gleichzeitig als Beispiel für die kraftvolle Schönheit der Übersetzung Felix Genzmers dienen.
Felix Genzmer gilt zu Recht als der beste Edda-Übersetzer. Von der Erstveröffentlichung 1912 (der Heldenliedteil) bis zu seinem Tode 1959 hat Genzmer an seiner Übersetzung gearbeitet, um dem Original noch ein Stück näher zu kommen und noch besser die Stimmung der altnordischen Lieder zu rekonstruieren. Er stand allerdings unter dem Einfluss der in den Zwanzigerjahren führenden Schule des bekannten Germanisten/Nordisten Andreas Heusler, die unter dem Postulat arbeitete, dass man aus der teils ungeordneten Überlieferung das Original zurückgewinnen könne. So kommt es, dass Genzmer einige Gesätze anders als in der Vorlage anordnet und manches als unpassend Empfundene wegließ. In seinen späteren Überarbeitungen nahm er viele dieser gestrichenen Stellen wieder auf. Die Aufzählung der Zwergennamen in der „Volüspa“ erscheint allerdings nicht in Genzmers Übersetzung, weil sie wahrscheinlich ein späterer Einschub in das Gedicht ist. Wer einen Vergleich haben will, sollte sich die preiswerte Simrock-Übersetzung aus dem |Phaidon|-Verlag besorgen, welche auch einen Teil der sogenannten „Jüngeren Edda“ des Snorri Sturluson enthält.
Die Übertragung von Genzmer darf als die sprachlich schönste bezeichnet werden. Sie nähert sich in Ton und Duktus dem Original am weitesten an. Genzmer versucht möglichst häufig den Stabreim wiederzugeben, der in der Regel auf vier Hebungen innerhalb von zwei Kurzzeilen (eine Kurzzeile im oberen Beispiel immer bis zum / ) beruht und bei dem die Betonung auf dem Anlaut liegt: Eine beeindruckende altertümliche Reimform, die vor allem beim lauten Lesen zu ihrer vollen Wirkung kommt. Und laut vorlesen sollte man diese Lieder – immerhin waren sie ursprünglich zum mündlichen Vortrag in der geselligen Runde z. B. beim Opferfest oder in der Königshalle gedacht.
Wie kam es nun, dass diese mündlichen Lieder in christlicher Zeit in Island auf Pergament niedergeschrieben wurden? Wir haben auf Island die typische „Inselsituation“. Fernab der großen Umwälzungen in Europa, fernab der eigentlichen Missionszentren konnte sich hier die alte Überlieferung halten. Eine Donar-Eiche wurde in Island glücklicherweise nie gefällt. Zwar führten die Isländer im Jahre 1000 durch eigenen Thingbeschluss, aber unter militärischem Druck des norwegischen Königs Olaf Tryggvason die christliche Religion ein, doch die nicht-öffentliche Verehrung der alten Götter war erlaubt; es bildeten sich heidnisch-christliche Synkretismen und das altgermanische Ethos blieb noch weit bis ins 12. Jahrhundert lebendig. Die isländischen Geistlichen waren so eng mit ihrem Volk verbunden, dass sie die heidnischen Sagen und Lieder mit viel Liebe aufgezeichnet haben.
Diese Edda-Ausgabe enthält neben dem „Codex Regius“ noch einige andere Lieder aus den Island-Sagas (eine sehr altertümliche Form besitzt das „Hunnenschlachtlied“). Jedem der kostbaren Sprachdenkmäler ist ein kleiner Einführungstext vorangestellt. Erwähnt sollte noch werden, dass die Edda neben den Götter- und Heldensagen auch Sittengedichte, Spruchweisheiten und Mitteilungen über die Runen enthält. Hier erfährt man, woher die Runen stammen (reginkunnum – „götterenstammt“) und zu welchen Zwecken sie verwendet wurden. Leider fehlt in der vorliegenden Ausgabe das „Bjarkilied“, welches uns nur in einer lateinischen Umschreibung des dänischen Geschichtsschreibers Saxo Grammaticus erhalten ist. Genzmer rekonstruierte aus dieser Umschreibung ein Stabreimlied. Das „Bjarkilied“ stellt eine Hymne auf die germanische Gefolgschaftstreue dar. Unerfindlich bleibt, warum es in der Gesamtausgabe keinen Platz gefunden hat.
Die Edda-Übersetzung von Felix Genzmer sei allen ans Herz gelegt, die sich nicht als „menschliche Eintagsfliegen“ betrachten, sondern mit Goethe der Meinung sind, dass das Leben dessen nicht lebenswert ist, der „nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben“.
Während einer Zugfahrt kommt Philip Hardy in den Besitz eines geheimnisvollen Codes, den er nicht zu deuten weiß. Seither wird er von vier undurchsichtigen Männern verfolgt und schließlich sogar niedergeschlagen. Aus Angst um sein Leben vertraut sich Hardy dem Meisterdetektiv an… (Verlagsinfo)
„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die acht ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen und lassen sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat.
Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrende Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währte bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung ihnen wohlgesonnen und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.
Agentin Kimberley Reynolds arbeitet in einer Spezialabteilung des FBI, zuständig für seltsame, übernatürliche und schlichtweg okkulte Dinge. Nach dem rätselhaften Hilferuf ihres Exkollegen Henderson muss Reynolds abrupt nach Eloise, Wisconsin, reisen. Die Situation dort ist dramatisch: Ein Eistornado hat Stadtverwaltung und Polizeirevier in einen Trümmerhaufen verwandelt. Henderson ist spurlos verschwunden. Alles deutet darauf hin, dass er gewaltsam entführt wurde – von etwas, das kein Mensch war. Und unversehens hat Reynolds einen Fall am Hals, gegen den jede ›Akte X‹ wie ein Kinderspiel aussieht.(Verlagsinfo)
Vor fünf Jahren wurde Sandra Lührsen des Mordes an ihrer Schwiegermutter schuldig gesprochen. Nun stellt sich heraus, dass eine Falschaussage zu dem Urteil führte. Was für ein Skandal! Die vermeintliche Mörderin muss freigesprochen werden und kehrt nach Sylt zurück. Wie zu erwarten, überschlagen sich die Spekulationen der Sylter – Mamma Carlotta jedenfalls steht auf Sandras Seite, welch schreckliches Schicksal die Arme durchleiden musste! Doch wer ist der wahre Mörder ihrer Schwiegermutter? Genau das soll Kommissar Erik Wolf jetzt herausfinden; kein leichtes Unterfangen nach so langer Zeit. Er ahnt natürlich nicht, dass es tatsächlich jemanden auf der Insel gibt, der mehr weiß und gute Gründe hat, zu schweigen … (Verlagsinfo)
Charlène ist dreizehn Jahre alt, als sie Sarah zum ersten Mal begegnet, und sie ist von der Ausstrahlung dieses Mädchens sofort gebannt. Zwischen den beiden entspinnt sich eine tiefe Freundschaft, die doch nur einen Sommer währt. Denn plötzlich beginnt die machthungrige Sarah, ein grausames, unerbittliches Spiel mit ihrer Freundin zu treiben, gegen das sich Charlène schließlich nur noch auf eine Art zu wehren weiß … (Verlagsinfo) Anne-Sophie Brasme – Dich schlafen sehen weiterlesen →
Geist ist geil! Seit 2002 – Ständig neue Rezensionen, Bücher, Lese- und Hörtipps