Schlagwort-Archiv: Goldmann

[NEWS] Costanza Casati – Klytämnestra

Klytämnestra: Tochter des mächtigen Königs von Sparta, Schwester der schönen Helena, verheiratet mit dem berühmten Helden Agamemnon – und von mächtigen Männer angeklagt, eine ruchlose Mörderin zu sein. Doch die wahre Geschichte ist eine andere: misshandelt, missachtet und unterschätzt wird Klytämnestra von ihrem tyrannischen Ehemann gezwungen, die eigene Tochter zu opfern. Voller Wut und Trauer beginnt sie sich zu wehren gegen all jene, die ihr Unrecht tun. Und wird trotz aller Widerstände zu einer starken, unabhängigen Frau und Königin, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt … (Verlagsinfo)


Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 560 Seiten
Goldmann

Anonymus – Abenteuer einer Pariser Kokotte. Erotischer Roman

Abwechslungsreiche Abenteuer der Erotik

Die junge Léna de Mauregard ist eine Frau, die jeden Mann, der ihr begegnet, in ihren Bann schlägt. Leidenschaftlich, schön und anmutig, erregt sie das Verlangen der Kenner – und sie wäre keine Evastochter, keine Pariserin, wenn sie ihm nicht entgegenkäme… (Verlagsinfo) Auch dieser Roman der EROTIKON-Reihe des Goldmann-Verlags weist zeitgenössische Illustrationen auf.

Der Autor

Wahrscheinlich schrieb der produktive Monsieur J. Le Nismois diesen Roman Ende des 19. Jahrhunderts in Paris, aber um die Polizei der Zensurbehörde irrezuführen, gab der Verlag als Ort „San Francisco 1900“ an. Die deutsche Übersetzung erschien bereits 1908 als Privatdruck.
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Fielding, Helen – Geheimnisse der Olivia Joules, Die

_Gestatten? Rachel Pixley, Terroristenjägerin (oder: Knutschen mit Osama)_

Die freie Journalistin Rachel Pixley, die sich inzwischen den glamouröseren Namen „Olivia Joules“ zugelegt hat, trifft im mondänen Miami Beach einen Filmproduzenten, der sie fatal an einen gewissen Terroristenführer aus Saudi-Arabien erinnert. Der letzte Beweis, dass es sich um Osama Bin Laden handelt, liefert ihr seine Warnung, das Luxusschiff „Oceans Apart“ zu besuchen – welches denn auch prompt in die Luft fliegt. Kein Zweifel: Olivia muss die Welt vor diesem Mann retten! Wenn er nur nicht so schrecklich verführerisch wäre …

|Die Autorin|

Helen Fielding wurde weltbekannt durch die Verfilmungen ihrer Romane „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“ und „Bridget Jones – Am Rande des Wahnsinns“, beide mit Renee Zellweger in der Hauptrolle (der zweite Film kommt noch im Dezember in unsere Kinos, keine Sorge).

_Handlung_

Man kann sich auch in Miami Beach fehl am Platz vorkommen. Wie eine Strafversetzung fühlt sich diese Mission an, denkt Olivia Joules, ihres Zeichens freie Journalistin für britische Zeitungen und Klatschblätter. Olivia wurde als Rachel Pixley in der Robin-Hood-Gegend von Nottingham geboren, hat aber entschieden, für eine Karriere in der Welt der Reporter, Reichen und Schönen klinge „Olivia Joules“ doch wesentlich glamouröser.

Doch der Glamour, den sie im Luxushotel Delano vorfindet, hält sich stark in Grenzen. Die Konversation mit ausgestopften Silikongirls und ahnungslosen Boy-Band-Boys unterfordert Olivias geistige Fähigkeiten beträchtlich. Deshalb fällt ihr auch sofort der fein gekleidete und sinnlich dreinschauende Pierre Ferramo ins Auge, der hier als Filmproduzent irgendetwas mit der Präsentation einer neuen Kosmetikkollektion namens „Devoree“ (= verschlungen) zu tun hat. Der Umstand, dass sein Gesicht arabische Züge trägt und er arabische Wörter wie „shukran“ (= danke) benutzt, bringt sie auf eine ebenso glorreiche wie schreckenerregende Idee: Es handelt sich offenbar um keinen Geringeren als Osama Bin Laden – natürlich nach einer Gesichts- und Beinoperation.

Olivia hat nichts Eiligeres zu tun, als ihrer Kollegin/Freundin Kate die Neuigkeit brühwarm zu verklickern. Die rät ihr, erstmal ordentlich zu recherchieren, bevor sie ihrem Chef Barry Wilkonson, der sie eh auf dem Kieker hat, irgendetwas anbietet. Gesagt, getan. Und sie werde keinesfalls mit Ferramo schlafen. Oder? Der Mann hat ja nicht mal einen Eintrag in Google, der für Olivia maßgeblichen Suchmaschine. Sehr verdächtig!

Nachdem sie sich von den Silikongirls Kimberley und Demi abgeseilt hat, lernt sie zwei britische Passagiere des Luxusschiffs „OceansApart“ kennen. Edward und Elsie wecken in Olivia alias Rachel so heimatliche Gefühle, dass sie sie unbedingt auf ihrem Dampfer besuchen will, der an der Mole vor Anker liegt. Als Ferramo dies am Abend davor erfährt, rät er Olivia, die heftig mit ihm knutscht, eindringlich davon ab. Warum bloß?

Dennoch geht Olivia wie jeden Morgen joggen. Am Hafen sieht alles ganz friedlich aus, bis plötzlich ein Donnerschlag die Ruhe unterbricht und die Zeit still zu stehen scheint. Noch ein Donnerschlag – er kommt von der „OceansApart“! Schneller als James Bond in seinen besten Jahren hechtet Olivia unter einen Frachtcontainer in Deckung. Noch ein Donnerschlag, und heiße Luft versengt ihr den Unterarm. Der Doppelrumpf des Ozeanriesen wurde entzwei gerissen, und eine der beiden Hälften sinkt wie einst die „Titanic“, während der andere Teil bereits Schlagseite hat. Todesmutig eilt Olivia, die ja auf eine Taucherausbildung zurückgreifen kann, in die Wellen, um Überlebende zu bergen …

Nun hat sich ihr Verdacht gegen Ferramo erhärtet: Bestimmt hat der Mann etwas mit diesem Anschlag zu tun. Was sonst könnte ihn veranlasst haben, schon wenige Stunden später Richtung Los Angeles zu verschwinden? Ungeachtet der flehenden Anrufe von Barry Wilkinson, doch um Himmels willen einen Augenzeugenbericht zu liefern, und der Tatsache, dass sie gerade erst im Krankenhaus aufgewacht ist, macht sich Olivia heldenhaft auf den Weg nach L. A. Denn garantiert wird Osama die Filmmetropole in Schutt und Asche legen. Was sie, Olivia Joules, zu verhindern wissen wird.

Leider werden ihre Versuche, das FBI zu warnen, abgehört, in der britischen Heimat missverstanden und gegen sie verwandt. Doch was kann eine Olivia Joules aufhalten? Höchstens die Liebe.

_Mein Eindruck_

„Olivia Joules and the Overactive Imagination“, wie das Buch im Original heißt, wurde offenbar als Fastfood-Lektüre für Ferienflieger konzipiert. Die Handlung ist mit Pappkameraden gespickt, allerlei exotische Schauplätze wie etwa Miami Beach, Catalina Island und Honduras werden abgeklappert – oder besser: vorgeführt – und die klassische „flotte Biene in Not“ gerät in allerlei schlüpfrige oder gar gefährliche Situationen, in denen sie, mit Mutterwitz und Hutnadel ausgestattet, ihre Frau stehen kann.

Auf solche abgedroschenen Werte wie „Realismus“ braucht der Leser also gar nicht zu warten. Vielmehr geht es um seine oder vielmehr ihre Unterhaltung. So mag sich Lieschen Müller gerne die große weite, mondäne Welt vorstellen – und vor allem die ach so gefährlichen Männer, die sie bewegen, vor allem, wenn sie auch noch gut gebräunt sind und einen Waschbrettbauch tragen.

|James Bond: He’s the man!|

Der begehrenswerteste Typ Mann ist für Rachel Pixley alias Olivia Joules offensichtlich James Bond himself. Der echte Bond, der sich nun Mr. „Widgett“ nennt (ein ziemlich schlecht erfundener Name, denn so heißen mittlerweile sämtliche Geräte und Sachen, für die man sich noch auf keine allgemeinverbindliche Bezeichnung hat einigen können) und für den Auslandsgeheimdienst MI6 Ihrer Majestät arbeitet, ist doch schon beträchtlich in die Jahre gekommen und fällt als Lover flach.

Dafür hingegen gibt es erstklassigen Ersatz. Scott Rich ist ihr schon in Honduras an die Wäsche gegangen – nicht dass sie etwas dagegen gehabt hätte, schließlich hat auch frau ihre Bedürfnisse. Doch nun kann sie ihrerseits ganz offen ihm an die Wäsche gehen, weil sie nämlich für die gleiche Seite arbeiten: Olivia für MI6 und Scott für die CIA.

|Alias Osama|

Und wo ist der verführerische „Pierre Ferramo“ alias Osama Bin Laden abgeblieben? Ohne zu viel verraten zu wollen, kann man doch festhalten, dass er sich als echter Araber entpuppt. Er nennt Olivia-Schätzchen seinen „kleinen Falken“ (saqr). Als ob sie immer zu ihm geflogen käme, wenn er ruft. Aber um als volltauglicher Terrorist für Al-Qaida arbeiten zu können, hätte er vielleicht doch seine Vorliebe für guten französischen Wein einschränken sollen. So hat Olivia leichtes Spiel, ihn besoffen zu machen und seine Siebensachen zu durchsuchen. Ach, wäre sie ihm bloß nicht in den Sudan gefolgt! Menschen können so leicht in der Wüste verloren gehen …

|Girls and wives|

Am besten hat mir an diesem Buch die respektlose Art und Weise gefallen, wie die Autorin ihre Geschlechtsgenossinnen betrachtet. (Die Männer sind für mich wenig interessant: entweder lächerlich oder gefährlich verführerisch, dazwischen gibt’s nichts.) Klar, dass es darunter eine Menge falscher Schlangen gibt, darunter eine waschechte Doppelagentin. Und ob die „beste Freundin“ Kate wirklich immer das „Beste“ für (oder von?) Olivia will, ist lange Zeit unklar.

Der größte Aha-Effekt besteht in der Beschreibung der zwei Silikon-Girls, die Olivia in Miami Beach trifft. Obwohl Demi und Kimberley aus zwei verschiedenen Länder, nämlich Amiland und Olivialand, kommen, sehen sie sich zum Verwechseln ähnlich: Beide haben riesige ausgestopfte Brüste, aufgespritzte Lippen, das gleiche GAP-T-Shirt (natürlich ohne BH) und tragen Jeans, die jenseits von Gut und Böse anfangen. Klar, dass auch ihre Sonnenbrillen und die blonde Haartracht identisch sind. Und klar ist auch, dass beide zum Film wollen, egal wie. Olivia fragt sich, in welcher Retorte das Duo gezüchtet worden sei. Für mich ist klar, dass MTV und VIVA ein gewisse Mitschuld tragen. Girlgroups wie |No Angels| oder |Destiny’s Child| weisen stets solche „Engelchen“ auf.

|Die Übersetzung|

Marcus Ingendaay stammt offensichtlich aus dem Norden unserer Republik. Dort sind Wörter wie etwa „bräsig“ sicher wohlbekannt, wenn auch nicht hier im Süden. Bis auf ein paar Umgewöhnungsprobleme gefiel mir daher die Übersetzung recht gut, denn sie trifft auch sehr schön den deutschen Umgangston.

Schon etwas weniger gefielen mir hingegen die zahlreichen Druck- und Tippfehler. Auch Buchstabendrehen sind recht beliebt. Am krassesten fiel die Wirkung auf Seite 320 aus, wo statt „blökte“ nun „bölkte“ steht. Das lässt an Werners „Bölkstoff“ denken und Übles befürchten. Schlimmeres lassen jedoch fehlende Wörter erahnen. So fehlt auf Seite 364 das Wort „die“ in dem Satz „Ein Raunen ging durch Menge auf dem Hollywood Boulevard …“. Hoffentlich ein Einzelfall.

Ich hätte mir auch die deutsche Entsprechung des Ortsnamens „Aswan“ sehr gut im Text (S. 278) vorstellen können. Der im Deutschen gebräuchliche Name lautet „Assuan“, genau wie im Namen des Staudamms. Ein Name, der mir regelrecht suspekt vorkam und für den die Autorin verantwortlich zeichnet, ist der Name „USS Ardeche“ für ein amerikanisches Kriegsschiff. Ardèche ist bekanntlich ein französischer Fluss, und man sollte auch als Bestsellerautorin wissen, dass Amerikaner nicht gut auf die Franzosen zu sprechen sind. Deshalb erscheint der Name „USS Ardeche“ nicht besonders plausibel, besonders nicht als fiktiver Name.

_Unterm Strich_

Man muss keinen Doktorhut haben, um diesen Fastfood-Thriller für Möchtegern-Agentinnen lesen zu können. Aber vielleicht ein Flugticket. Und viel Zeit in der Sonne, am Pool, im Solarium oder sonstwo, um sich damit die überflüssige Zeit zu vertreiben, bis Männe wieder Kohle nach Hause bringt, die dringend für den nächsten Shopping-Raubzug benötigt wird.

Die Lektüre fällt umso leichter, weil man und frau sich keine Gedanken über tief schürfende Motivationen oder gar Seelenqualen der Figuren den Kopf zerbrechen müssen. Hautpsache, die Action lässt nicht allzu lange auf sich warten – am besten im Bett. Auch die gefällige Übersetzung trägt einen gewissen Wortwitz zur Unterhaltung bei. Dennoch hätte der Verlag nicht auf einen Korrektor verzichten sollen, denn derart viele Druckfehler – und sogar fehlende Wörter – finde ich in der Regel nur in Taschenbüchern, die von unterbezahlten Leuten übersetzt worden sind.

Wer den Roman zwischendurch liest, macht keinen Fehler, aber wer dann auch noch in die unvermeidliche Verfilmung – mit Renée Zellweger, garantiert – reingeht, ist selber schuld.

[NEWS] Sofia Slater – Die Einladung

Auf einer abgelegenen schottischen Insel trifft eine Gruppe von Fremden zu einer vermeintlich glamourösen Silvesterparty ein. Doch statt des erwarteten herrschaftlichen Anwesens finden sie ein verfallenes Herrenhaus vor, von Festvorbereitungen keine Spur. Unklar ist auch, wer das Fest organisiert und die Einladungen verschickt hat. Die Gäste beschleicht das ungute Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Doch das nächste Boot zum Festland kommt erst nach den Feiertagen wieder vorbei, die Handys haben keinen Empfang, und die Gruppe ist von der Welt abgeschnitten. Am nächsten Morgen wird eine von ihnen tot aufgefunden, und unter den verbliebenen Gästen macht sich die Angst breit. Zu Recht … (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 272 Seiten
Goldmann

Sofia Slater – Die Einladung

Inhalt

Auf einer abgelegenen schottischen Insel trifft eine Gruppe von Fremden zu einer vermeintlich glamourösen Silvesterparty ein. Doch statt des erwarteten herrschaftlichen Anwesens finden sie ein verfallenes Herrenhaus vor, von Festvorbereitungen keine Spur. Unklar ist auch, wer das Fest organisiert und die Einladungen verschickt hat. Die Gäste beschleicht das ungute Gefühl, dass hier etwas nicht stimmt. Doch das nächste Boot zum Festland kommt erst nach den Feiertagen wieder vorbei, die Handys haben keinen Empfang, und die Gruppe ist von der Welt abgeschnitten. Am nächsten Morgen wird eine von ihnen tot aufgefunden, und unter den verbliebenen Gästen macht sich die Angst breit. Zu Recht … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

November: Millie hat ein Jahr voller Enttäuschungen hinter sich als sie völlig unerwartet von einem ehemaligen Kollegen, für den sie heimlich schwärmte, zu einer Hogmanay-Feier à la 1899 in ein altehrwürdiges Gutshaus eingeladen wird. Sie will diesen besonderen Jahreswechsel als Wendepunkt betrachten und am 30. Dezember reist sie erwartungsvoll nach Schottland. Sofia Slater – Die Einladung weiterlesen

Stuart MacBride – Cold Granite / Die dunklen Wasser von Aberdeen (Logan McRae 1)

Kein Weihnachtsmärchen: Zwischen Kindermord und Lynchjustiz

Winter in Aberdeen: Morde, Chaos und schreckliches Wetter. Kaum ist Detective Sergeant Logan McRae nach einem Jahr im Krankenhaus wieder zurück im Dienst, als auch schon die erste Leiche im kalten Raum des Leichenkellers seines Hauptquartiers landet: ein vierjähriger Junge, David Read, wurde entführt, stranguliert und danach geschändet. Doch woher weiß der schmierige Journalist Colin Miller, dass man Davids Leiche in einem Graben gefunden hat? Als noch mehr kleine Jungen vermisst gemeldet werden, entbrennt ein Wettlauf zwischen Cops und Presse …
Stuart MacBride – Cold Granite / Die dunklen Wasser von Aberdeen (Logan McRae 1) weiterlesen

[NEWS] Tijen Onaran – Be Your Own F*cking Hero

Mut bedeutet, du selbst zu sein. Doch oft verlässt er uns in den entscheidenden Momenten: in Verhandlungen, bei der Kleiderwahl, im Privaten. Wer Mut hat, eckt an. Mut zu haben, bedeutet immer auch, die Person zu sein, die anders ist – der Alien im Raum. Genau dieses Gefühl kennt Tijen Onaran. Sie ist Aufsteigerin, erfolgreiche Unternehmerin und eine der prominentesten Stimmen der deutschen Wirtschaft. Als Kind türkischer Eltern baute sie sich aus dem Nichts alles selbst auf. Immer wieder wurde sie damit konfrontiert, sie sei zu laut, zu leise, zu sexy, zu langweilig. Bis ihr klar wurde: Ich bin genau richtig! (Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 224 Seiten
Goldmann

[NEWS] Ava Glass – Codename Emma

Sie ist Agentin, ihr Deckname lautet Emma Makepeace, und sie arbeitet für die streng geheime Regierungsorganisation Agency in London. Gleich bei ihrem ersten großen Einsatz geht es um Leben und Tod: Sie soll Michael Primalow, einen jungen Arzt und Sohn russischer Überläufer, in Sicherheit bringen, bevor ein Attentäterteam ihn zu fassen bekommt. Aber die Russen haben das Überwachungssystem der Stadt gehackt, und Emma und Michael können weder Bus, U-Bahn oder Auto fahren noch Handys oder EC-Karten benutzen, die ihren Aufenthaltsort verraten würden. Während sie auf abenteuerlichen Wegen durch den Londoner Untergrund fliehen, scheinen ihnen die Russen immer einen Schritt voraus zu sein. Und schon bald fragt sich Emma, ob sie ihren eigenen Leuten noch trauen kann oder ob sie für ein Himmelfahrtskommando geopfert wird … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 400 Seiten
Goldmann

S.K. Vaughn – Die Astronautin – In der Dunkelheit wird deine Stimme mich retten

Todeskampf an Bord des Totenschiffs

Weihnachten 2067: Auf der Krankenstation eines halb zerstörten Raumschiffs erwacht May Knox aus der Bewusstlosigkeit. Sie scheint die letzte Überlebende einer hoffnungsvollen Mission zu sein und hat doch keine Erinnerungen an einen möglichen Unfall. Bald kämpft sie gegen eine Vielzahl von Gefahren ums Überleben. Ihre einzige Rettung ist die Funkverbindung zur NASA, vor allem zu dem Wissenschaftler Stephen, der Schiff und Auftrag kennt wie kein Zweiter. Doch Stephen ist auch Mays Ex-Mann, dessen Herz sie brach und der ihr und der NASA den Rücken kehrte. Jetzt ist seine Stimme alles, was ihr noch Hoffnung geben könnte in der Schwärze des Alls …. (Verlagsinfo)

Der Autor
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[NEWS] Anna Hartmann – Das Activity Book für alle, die sich im Homeoffice langweilen

Sie langweilen sich regelmäßig im Homeoffice? Öde Videocalls verderben Ihnen den Tag? Und die Technik spielt mal wieder nicht mit? Dann ist »Das Activity Book für alle, die sich im Homeoffice langweilen« genau das Richtige für Sie! Mit kurzweiligen Aktivitäten und den besten Einfällen für zähe Stunden im Remote-Büro wird die Arbeit von zu Hause mit diesem interaktiven Mitmachbuch zum echten Vergnügen. Das wirksamste Mittel gegen langweilige Videokonferenzen, Homeoffice-Frust, nervige Chefs und anstrengende Kollegen! (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 192 Seiten
Goldmann

Francoise Rey – Die Papierfrau. Erotischer Roman

Erotische Phantasien

Eine Frau, deren Liebesleben eher von bescheidener Natur ist, beginnt schreibend ihre sexuellen und erotschen Phantasien und Träume auszuleben. Die sexuellen Obsessionen, die auf dem Papier entstehen, ergreifen jedoch zunehmend Besitz von ihr… (Verlagsinfo)

Mit Klassikern wie der „Geschichte der O“ und „Emmanuelle“ vergleicht der Verlag diesen 1989 veröffentlichten Roman. Das soll dieses Buch wohl in die Nähe des moralischen und gesellschaftlichen Skandals rücken. Und wirklich gemahnt die Erzählung zuweilen an de Sades „Justine“, denn das Bauprinzip ist ähnlich: möglichst viele „anstößige“ Szenen aneinanderzureihen, um den Leser anzuregen.

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Guy Gavriel Kay – Silbermantel (Die Herren von Fionavar 1)

Wundervolle Fantasy vom Tolkien-Gelehrten

Dies ist der erste Band der Trilogie „Die Herren von Fionavar„. Guy Gavriel Kay legte mit dieser wunderbaren Fantasy ein überzeugendes Debüt vor, das jeden Liebhaber des Genres sofort in seinen Bann schlagen wird. Es grenzt an ein Ding der Unmöglichkeit, einen einmal angefangenen Band wieder beiseite zu legen.

Diese Fantasy erinnert sowohl an Tolkiens Universum, besonders an sein „Silmarillion„, aber auch an Robert Jordans später veröffentlichten Zyklus „Das Rad der Zeit“. Goldmann veröffentlichte die Trilogie 1989 zum ersten Mal, und ein zweites Mal 1996/97, wobei der dritte Band einen neuen Titel erhielt.

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[NEWS] Sabine Eilmsteiner – Wohltuendes Dufträuchern

Das Stövchen gilt als Shootingstar unter den Räucherwerkzeugen – bietet es doch die Möglichkeit, auf einfachste Weise und ganz ohne Kohle in sinnliche Dufterlebnisse einzutauchen. Dafür steht ein Räucherschatz bereit, der näher nicht sein könnte: Denn in den Gewürzregalen Ihrer Küche, im Kräuterbeet vor dem Haus oder bei Ihrem nächsten Spaziergang durch Wald und Flur finden Sie alles, was Sie brauchen. Wenn Sie also ganz schnell und unkompliziert mit dem Räuchern loslegen möchten oder schlichtweg Ihren Räucherhorizont erweitern wollen, dann wird Ihnen dieses Buch mit Rat und zahlreichen Tipps zur Seite stehen: beim Sammeln, Mischen, Mixen und Mörsern. (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 208 Seiten
Goldmann

Deaver, Jeffery – Lautloses Duell

_Spannendes Hackerduell_

Ein atemloser Thriller, der dem Leser kaum eine Verschnaufpause gönnt. Ein Katz-und-Maus-Spiel um einen Serienmörder, der ein Computeractionspiel auf die Wirklichkeit übertragen hat und nun Menschen tötet. Kann die Polizeiabteilung für die Bekämpfung von Computerverbrechen den Killer stoppen?

_Handlung_

Das Silicon Valley südlich von San Francisco ist so etwas wie der Software und Dollars gewordene Amerikanische Traum: vom Programmierer zum Multimillionär. Doch neuerdings treibt sich in diesem Paradies des Kapitalismus eine ziemlich tödliche Schlange herum. Ein Hacker mit dem Decknamen Phate (‚fate‘ = Schicksal) bringt mehrere Menschen um, darunter eine bekannte Frauenrechtlerin.

Die ermittelnde Polizeiabteilung für die Bekämpfung von Computerverbrechen findet heraus, dass sich Phate in die Computer seiner Opfer eingeloggt hat und sämtliche persönlichen Daten genauestens ausspähen konnte, ohne dass seine Opfer es merkten. Den dafür nötigen Virus namens Trapdoor (‚Falltür‘) hat Phate selbst programmiert, ein geniales Stück Programmcode, wie sich zeigen wird. Die Polizei steht vor einem Rätsel, aber unter enormem Zeitdruck. Wenn der Hacker in das Polizeinetzwerk ISLEnet eindringt, greift er auch das FBI und andere Sicherheitsbehörden an. Dann gute Nacht, Weltfrieden!

Lieutenant Andy Andersons Polizeiabteilung für die Bekämpfung von Computerverbrechen wählt einen unkonventionellen Weg, um Phate Paroli bieten zu können und ihm endlich bei seiner nächsten Tat zuvorzukommen. Die Polizisten schlagen dem im Knast sitzenden Hacker Wyatt Gillette einen Deal vor: Er bekommt einen Rechner gestellt, wenn er der Polizei hilft, Phate in die Enge zu treiben.

Natürlich hat die Sache einen dicken Haken, der sich noch bitter rächen wird: Gillette sitzt in Haft, weil er angeblich den Sicherheitsschlüssel des Pentagon geknackt hat. Da aber Anderson das Pentagon nicht fragte, ob er Gillette „ausleihen“ darf, bekommt sein Nachfolger – Phate hat Anderson kaltgemacht – mächtigen Ärger aus Washington an den Hals.

Während sich die Behörden gegenseitig an die Kehle gehen, büchst eines Tages Gillette aus und macht sich selbständig. Nun fragt sich Inspektor Bishop natürlich, auf welcher Seite Gillette, der früher den Hacker-Codenamen ‚Valleyman‘ trug, in Wahrheit steht. Und wer steckt hinter diesem mysteriösen Phate-Freund namens Shawn, der anscheinend jede Bewegung der Polizei an Phate weitermeldet?

_Mein Eindruck_

Der Psychologe Deaver beweist in diesem Silicon-Valley-Thriller um Hacker und Serienmorde, wie genau er die ganze Hackerszene kennt: ihre Sprache, ihre Methoden, ihre Verhaltensweisen. Ebenso gründlich recherchiert hat er die Geschichte der Computerindustrie. Phate tötet nur an besonders wichtigen Jubiläumstagen, so etwa an dem Tag, als der frühe Rechner UNIVAC ausgeliefert wurde. Für Leser, die keine Computerfans sind, ist das natürlich nicht so wahnsinnig spannend – für mich aber war es das: Ich bin schon seit 1986 mit Personal-Rechnern zugange – und damals gab es noch nicht mal Microsoft-DOSe bei uns.

Die Spannung der Handlung steht und fällt natürlich mit dem Verhalten der Polizisten und ihres Hackerhelfers Gillette während des spannenden Duells zwischen den beiden Hackern. Das ist recht plausibel konstruiert, nur dachte ich die ganze Zeit, die Bullen können doch nicht so blöd sein und übersehen, dass ‚Shawn‘ ein Maulwurf in ihrem eigenen Team ist. Doch während ich felsenfest überzeugt war, es sei der unfähige Altprogrammierer Miller, war es natürlich jemand ganz anderes. Das zeigt sich aber erst ganz am Schluss, und daher will ich das auf keinen Fall verraten. Einen Schwachpunkt gibt es: Gillettes Motivation, Phate zu jagen, ist nicht ganz glaubwürdig begründet, zumindest nicht der Eifer, mit dem er das tut. Schließlich waren die beiden einst Mitglieder der gleichen Hackergang.

|Die Message?|

Was will uns Deaver mit dieser Story sagen? Ganz einfach: Wir alle, die wir E-Mails verschicken und persönliche Daten auf dem PC speichern, sind total angreifbar. Viren und Würmer sind nur die Publicity-trächtige Spitze des Eisbergs. ‚Trapdoor‘ ist eine – noch fiktive – Späh-Software, wie sie auch Behörden oder das Militär einsetzen könnten. Nicht nur, um Computer auszuspionieren, sondern auch um indirekt Menschen zu töten (eine solche Szene wird sogar im Buch durchgespielt) und rechnergesteuerte Gebäude in die Knie zu zwingen. Im Bosnien- und Kosovo-Krieg tobte – meist unbemerkt von der Öffentlichkeit – ein „Infowar“ in den globalen Netzen (es gibt ja nicht nur das Internet), in dem Terroristen, Rebellengruppen und die Militärs einander bekriegten.

Was kann der einzelne PC-Nutzer tun? Sich so schnell wie möglich mit ordentlicher Antiviren-Software ausstatten und wenn möglich sogar eine Personal Firewall installieren. Regelmäßige Aktualisierungen nicht vergessen!

_Fazit_

Ich habe „Lautloses Duell“ in drei Tagen verschlungen. Es ist für einen Computerkenner leicht verständlich geschrieben. Schwierigere Sachverhalte erklärt der Autor mit Diagrammen, aber die taugen auch nicht als Programmieranleitung, keine Angst.

Ein Glossar erklärt wichtige Fachbegriffe, auch solche, die bekannt erscheinen wie etwa den Begriff „Zivilisten“ – das sind einfach weder Hacker noch Hackerfeinde, sondern „normale“ User.

Natürlich gibt es wieder die Deaver-typischen Überraschungen und plötzlichen Wendungen, wenn man meint, den oder die Täter schon zu kennen. Dies bleibt so bis zu den letzten Seiten, so dass es enorm schwer fällt, das Buch zur Seite zu legen.

|Zur Übersetzung|

Auf Seite 131ff (nicht im Glossar) findet sich der Begriff „Stenanografie“. Damit ist eine Methode gemeint, Daten wie etwa schädlichen Code in Bildern und dergleichen zu verbergen. Meines Wissens sollte dies aber „Steganografie“ heißen.

Auf Seite 169 steht natürlich prompt „RFTM“ statt „RTFM“, welches die klassische Anweisung ist: „Read the fucking manual!“ – „Lies das verdammte Handbuch!“

|Originaltitel: The blue nowhere, 2001
Aus dem US-Englischen übertragen von Gerald Jung|

[NEWS] Andreas Schwarz – Meditation entschlüsselt

Der Meditation werden unzählige positive Effekte für das Wohlbefinden zugeschrieben – doch wie gelangt man in den gewünschten Zustand und welche Technik ist dafür die beste? Andreas Schwarz hat ein einfaches System entwickelt, welches sowohl für den Einstieg als auch die Vertiefung der Meditationspraxis individuell angewendet werden kann. Mithilfe dieses Buches lässt sich die Meditation erstmalig entschlüsseln in acht klar definierte Stufen: Atmung, Fokus, Körper, Umgebung, Gefühle, Gedanken, Ego und Stille. Jede Stufe wird ausführlich vorgestellt und begleitet von dynamischen Meditationsanleitungen. Praxisorientiert legt der Autor ein faszinierendes Modell vor, welches auf simple Weise ermöglicht, die eigene Meditationstechnik zu finden und den gewünschten Effekt zu erzielen – von innerer Ruhe bis hin zum spirituellen Erwachen!
(Verlagsinfo)


Broschiert ‏ : ‎ 224 Seiten
Goldmann

Martin, Steve – Shopgirl

_Lebensweisheiten in kleiner Dosis_

Ein Aschenputtel wird von seinem Märchenprinzen aus der Armut herausgeholt – und natürlich prompt ausgenutzt. Denn dies ist kein Märchen, dies ist Los Angeles.

_Der Autor_

Steve Martin hat sich als (Theater-)Schriftsteller, Drehbuchautor, Bühnen-Komiker, Schauspieler und Regisseur betätigt. Einige seiner besten Filme sind „Tote tragen keine Karos“, „Roxanne“ und „Vater der Braut“. Seine Storysammlung „Blanker Unsinn“ war in den USA ein Bestseller. Er ist dort auch als kenntnisreicher Kunstsammler bekannt. Seine Sammlung ist in einem der großen Hotels von Las Vegas zu besichtigen. Ich habe die Leute dort Schlange stehen sehen, obwohl der Eintritt eine schöne Stange Geld kostet.

_Handlung_

Mirabelle Buttersfield ist so etwas wie ein Aschenputtel, unscheinbar, schüchtern, dienstbar. Dabei arbeitet sie mitten in einem der begehrtesten Viertel von Los Angeles: in Beverly Hills. Ihr Arbeitsplatz ist das Kaufhaus des Designers Neiman Marcus. Sie verkauft Handschuhe, allerdings in einer Zeit, als niemand mehr Handschuhe trägt. Immerhin taucht ab und zu eine betuchte Japanerin auf und hält Mirabelle auf Trab. In ihrer Freizeit zeichnet sie.

Mit 28 hat sie es noch nicht zu einer Familie gebracht, denn erstens ist sie eine Träumerin und zweitens ist ihr derzeitiger Freund Jeremy ein Loser, der in einer Künstlerkolonie Verstärkerboxen dekoriert. Mirabelle ist das Gegenteil von materialistischen Egoisten, die das jeweils andere (manchmal auch das eigene) Geschlecht für eine flotte Nummer abschleppen. Mirabelle scheint auf altmodische Werte wie Ehrlichkeit, Echtheit und Achtung Wert zu legen – exotische Werte in einer Stadt der Träume und Engel. Höchste Zeit für den Auftritt des Märchenprinzen.

Ray Porter ist Millionär und lädt Mirabelle, die schüchterne Handschuhverkäuferin, zum Abendessen ein. Einfach so. Natürlich ist Ray dabei auf der Suche nach „der Richtigen“. Die flüchtigen Beziehungen mit Damen bedeuten dem Software-Millionär aus Seattle (keinesfalls zu verwechseln mit einem gewissen Bill Gates III., denn dieser ist Milliardär) jedoch wenig mehr als angenehmen Zeitvertreib. Allerdings sehen das die Betroffenen nicht unbedingt genauso. Seine Beziehung zum anderen Geschlecht ist die eines Pubertierenden: Genuss ohne Verpflichtung. Sein Verstand arbeitet zeitsparend, logisch, effizient; seine Wissensdatenbank über Frauen hingegen ist ein Saustall wie das unaufgeräumte Zimmer eines Jungen.

Nun, mit dieser Einstellung fällt er bei Mirabelle langfristig gehörig auf die Nase. Es beginnt ein Reigen von Trennungen und Versöhnungen, bevor Ray seine Gefühle für Mirabelle versteht und entsprechend zu handeln vermag. Er hat wie ein Vater für sie gesorgt und ihr zu einem neuen Start verholfen, erkennt er nach einer Weile. Er kann nur noch ihr Freund sein, nicht ihr Lover. Doch da hat sich inzwischen ein Mann bei ihr zurückgemeldet: der gründliche gewandelte und innerlich gewachsene Jeremy – wer hätte das gedacht?

_Mein Eindruck_

Wie ein onkelhafter, doch keinesfalls herablassender Erzähler des 19. Jahrhunderts nimmt uns Steve Martin an der Hand und führt uns durch die mondänen Straßen von Beverly Hills; zeigt uns die Schönen und Reichen, aber auch das Fußvolk: Mirabelle und Co., die ihre Träume daheim gelassen haben und den Arbeitstag zu überstehen versuchen. Doch am Wochenende und auf Vernissagen zeigen sich alle auf dem Parkett der Partys und Empfänge.

Die scharfe Beobachtungsgabe, die Martin gegenüber Locations und Menschen an den Tag legt, ist verblüffend. Als L.A.-Bürger kennt er sich eh mit den Örtlichkeiten aus. Doch auch mit dem Seelenleben der Bewohner hat er keine Probleme. Er seziert es mit zartem Skalpell, als ob er John Gray („Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus“) hieße und der Seelendoktor der Nation wäre.

Sein Humor ist freundlich, nicht griesgrämig. Schon bald merkt man, dass sein Roman eine versteckte Liebeserklärung an die Stadt der Engel und ihre Einwohner ist. Und das kann er mit Fug und Recht tun, schließlich hat Martin schon einiges von den Staaten und ihren Urlaubsgebieten gesehen. Doch wenn er uns zum Lachen bringt, dann ist häufig nicht sicher, ob da nicht doch eine Träne im Augenwinkel hängt.

_Unterm Strich_

Manchem Leser wird der kurze Roman allzu federleicht daherkommen, als eine Art romantischer Komödie. Doch der Schein trügt: Martin erzählt zwar in diesem Ton, und die Handlung liest sich zuweilen wie ein Drehbuch dafür, doch die aktuelle Realität zwischen den Geschlechtern scheint immer wieder durch. Materialismus und Egoismus gibt es zunehmend auf beiden Seiten, und die Ehrlichkeit, auf die Mirabelle besteht, ist selten und wertvoll geworden.

Und für eine seichte Komödie wäre es äußerst ungewöhnlich, wenn sich die Figuren der Geschichte so stark verändern würden, wie es die drei genannten Hauptpersonen tun. Da fragt man sich, ob der Autor nicht doch über mehr Lebenserfahrung und Weisheit verfügt als so mancher Bestsellerautor. Außerdem nimmt er wirklich kein Blatt vor den Mund, wenn es um intime Details geht. Und das sucht man bei den zensierten Autoren der Bestsellerlisten meist vergebens.

Mir hat das Buch gut gefallen, weil es so ehrlich und unverzagt die altbekannte Dreieckskonstellation behandelt. Nette Momente wie etwa Verwechslungen werden frei Haus dazugeliefert.

|Originaltitel: Shopgirl, 2000
Aus dem US-Englischen übertragen von Detlev Ullrich|

[NEWS] Mandy Baggot – Winterzauber in London

Die alleinerziehende Londonerin Anna hat nach ihrer Scheidung den Glauben an die Liebe verloren. Ablenkung findet sie in den Weihnachtsvorbereitungen, denn sie möchte ihrer Tochter Ruthie ein unvergessliches Fest schenken. Dann begegnet sie dem charmanten Footballstar Sam, der nach einer bestürzenden Nachricht nach London geflohen ist. Kurz entschlossen nehmen Anna und Ruthie Sam bei sich auf. Und während die Stadt im Glanz der Lichter erstrahlt und funkelnde Schneeflocken auf Straßen und Plätze herabtanzen, kommen Anna und Sam sich näher, und Anna fühlt: Dieses Weihnachten könnte doch das Fest der Liebe werden … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 480 Seiten
Goldmann

Fielding, Joy – Schlaf nicht, wenn es dunkel wird

Als die liebevolle Terry Painter der zwölf Jahre jüngeren Alison Simms ihr Gartenhäuschen vermietet, ahnt sie nicht, welchen Ärger sie sich damit einhandelt. Denn Alison lebt nicht nur in schlechter Gesellschaft, sondern ruft in Terry die Dämonin ihrer Vergangenheit wach: Terrys unbarmherzige Mutter. – Das Buch ist ein Drei-Generationen-Roman, der auch als Thriller zu überzeugen weiß, wenn auch erst spät.

_Die Autorin_

Joy Fielding lebt mit ihrer Familie in Toronto, Kanada, und in Palm Beach, Florida, also quasi in der Gegend, in der ihr zehnter Roman „Schlaf nicht, wenn es dunkel wird“ spielt. Mit ihrem Roman „Lauf, Jane, lauf!“ gelang ihr international der Durchbruch.

_Handlung_

Die Krankenschwester Terry Painter lebt ein scheinbar ruhiges Leben in einer kleinen ruhigen Küstengemeinde namens Delray in Florida. Seit ihre Mutter fünf Jahre zuvor gestorben ist und ihr das Haus vererbte, lebt sie allein. Sie hat keine Kinder, keinen Mann, keine Freunde – nur ihren Patienten widmet sie sich mit aller Herzenswärme, die sie aufbringen kann. Eine 87 Jahre alte Dame namens Myra Wylie ist ihr die liebste. Unter anderem auch deshalb, weil Myras fescher Sohn Josh gerade von seiner Frau verlassen wurde und somit ein begehrtes Objekt von Terrys liebeshungrigen Tagträumen ist. Wie gern hätte sie mal ein Date mit ihm!

Hin und wieder fühlt sie sich einsam und verspürt den Wunsch, ihr geräumiges Gartenhäuschen zu vermieten. Alison Simms, die geschiedene junge Frau, die dort nun einzieht, gewinnt Terrys Herz, und zwischen beiden entsteht eine Freundschaft. Terry schenkt ihr sogar das kleine Goldkettchen mit dem Herzen dran, das die Vormieterin Erica Hollander offenbar unterm Bett vergessen hat. Erica hat die letzten zwei Monatsmieten nicht bezahlt, als sie einfach abhaute.

Doch Alison, 28, arbeitet in einer Kunstgalerie und zahlt ihre Miete pünktlich. Doch scheint sie auch eine kleine Diebin zu sein, die in Terrys Hospital schon mal eine Brieftasche mitgehen lässt. Und ob sie und ihre Freundin Denise die neuen Ohranhänger selbst bezahlt haben, bezweifelt Terry auch ein ganz klein wenig. Terry beschleicht der Verdacht, dass Alison ihr etwas verheimlicht. Die anonymen Anrufe, die sie wegen Erica Hollander von einem Unbekannten erhält, beruhigen sie auch nicht gerade.

Immer öfter muss sie an ihre unduldsame, tyrannische Mutter zurückdenken. Immer noch hat sie die Lieblingsnippesfiguren ihrer Mutter im Regal stehen, lauter alberne, streng dreinblickende Kopfvasen: „Du dummes, dummes Mädchen!“ pflege ihre Mutter zu Terry zu sagen. Stets musste sie ihre Sexualität unterdrücken, und an das Intermezzo mit ihrem Klassenkameraden Roger Stillman auf der Rückbank seines Wagens darf sie schon gar nicht denken.

Als bei Alison ein junger Mann namens Lance Palmay auftaucht, der vorgibt, ihr Bruder zu sein, wird Terry stutzig. Sonderlich wie ein Bruder benimmt er sich nicht, sondern nimmt sich bei Alison Intimitäten heraus und macht Terry Avancen. An Thanksgiving bringen die beiden unangemeldet auch Denise und einen zweiten jungen Mann mit, K. C., der angeblich Kenneth Charles heißt. Allmählich fühlt sich Terry in die Enge getrieben, und Josh ist auch nicht gerade die Stütze, auf die Terry gehofft hatte.

In der Silvesternacht nehmen die Ereignisse eine tödliche Wendung.

_Mein Eindruck_

Man sollte den Originaltitel wörtlich nehmen: „Whispers and Lies“, also Geflüster und Lügen, darum geht es, nicht etwa um einen Mordfall, den es aufzuklären gilt. Folglich bestehen die ersten 200 Seiten aus genau diesem: Andeutungen, Vermutungen, zahllosen Lügen und Gerüchten. Terry, die uns ihre Geschichte aus ihrem Blickwinkel erzählt, behält dennoch die Übersicht. Die meiste Zeit bewahrt sie ein erstaunliches Stehvermögen, sowohl körperlich als auch seelisch. Sie neigt nicht schnell zu Verfolgungswahn, doch wer weiß schon, was sie uns in ihrem Bericht alles verschweigt?

|Die jüngere Generation|

Ihre Auseinandersetzung mit der jüngeren Generation und deren Lügen, Vorspiegelungen und üblen Absichten führt Terry bravourös. Denn sie sie hat noch Hoffnung, die Hoffnung, dass der liebe Josh, mit dem sie zu Mittag essen durfte, dermaleinst aus dem Familienurlaub zurückkehren und sie wie ein Ritter in schimmernder Rüstung in Sicherheit bringen werde. Als sich um die Seite 300 auch diese letzte Hoffnung verflüchtigt, zerbricht etwas in Terry Painter. Was dann geschieht, muss man selbst gelesen haben, um es glauben zu können.

Denn möglicherweise – wir haben ja nur ihr Wort im Bericht – stimmt etwas grundsätzlich nicht mit Krankenschwester Terry Painter. Ein Hinweis darauf ist Terrys Gedanke, dass sie ebenso wie die meisten Frauen um die 40 für Männer und fast alle anderen Wesen unsichtbar ist. Dies erinnert mich an die Story „Die Frauen, die Männer nicht sehen“ von Alice Sheldon, einer amerikanischen SF-Autiorin.

|Schatten der Vergangenheit|

Der langsam und unmerklich Spannung aufbauende Thriller erinnert in seinem allmählichen Aufbau aus alltäglichen Begebenheiten ein ganz klein wenig an Robert Zemeckis Film „Schatten der Vergangenheit“, in der die Hauptfigur, gespielt von Michelle Pfeiffer, dem Rätsel ihres eigenen Scheiterns auf die Spur kommt.

Doch dieser Film ist ungleich spannender und subtiler erzählt als Joy Fieldings Roman. Ich war etliche Male versucht, das Buch beiseite zu legen, weil 200 Seiten lang einfach nichts passierte. Erst dann schienen ein paar merkwürdige Details Bedeutung zu erhalten, und ab Seite 300 oder 320 ging dann die Post ab. Danach aber war ich in Versuchung, das Buch nochmals von Anfang an zu lesen, denn ich musste ein paar Hinweise offenbar übersehen haben.

_Unterm Strich_

Die Autorin oder vielmehr der Bericht ihrer Hauptfigur hat mich sauber aufs Kreuz gelegt. Ohne den überraschenden Schluss verraten zu wollen / dürfen, kann ich doch sagen, dass es im Finale noch recht thrillermäßig zugeht. Wer hätte das der ruhigen, liebevollen Krankenschwester zugetraut? Der Autorin gelingt eine doppelbödige Handlung, in der dem Leser oder vielmehr der Leserin, die sich viel besser in Terrys Lage versetzen kann als ein Mann, nie ganz klar wird, was hier eigentlich gespielt wird: Geflüster und Lügen sind die fragile, flüchtige Substanz, aus der die Handlung aufgebaut wird.

Und deshalb können wir als Leser noch bis zum bitteren, äußerst tragischen Schluss glauben, dass alles, was hier geschieht, ein schrecklicher Irrtum – oder eine ausgemachte Lüge – sein muss. Doch die einzige Wahrheit, die übrig bleibt, ist viel schlimmer als alle hier ausgebreiteten Lügen. Beim nächsten Mal werdet ihr eine Krankenschwester mit anderen Augen sehen …

|Die Übersetzung|

Fast durchweg gelungen finde ich Kristian Schulzes sprachlich einwandfreie Übersetzung. Mal von irgendwelchen vereinzelten Druckfehlern abgesehen, hat mich nur eine einzige Sache verwirrt: Lance Palmay, Alisons „Bruderherz“, wird bei seinem ersten Auftritt als „Lance Palmer“ (erinnert ein wenig an „Laura Palmer“ nicht wahr?) vorgestellt. Im Rest des Buches, also ab Seite 153, heißt er durchgehend Lance Palmay, was ich für einen ziemlich unwahrscheinlichen Namen halte – weder richtig spanisch noch englisch.

[NEWS] Catherine Walsh – Jedes Jahr im Dezember

Jedes Jahr im Dezember treffen sich Molly und Andrew auf dem Flug von Chicago nach Dublin. Mehr als diese sieben Stunden und fünfzehn Minuten haben sie noch nie miteinander verbracht, und mehr als Freundschaft war nie zwischen ihnen. Doch im zehnten Jahr fallen wegen eines Sturms über dem Atlantik sämtliche Flüge nach Europa aus. Während Molly nichts dagegen hätte, die Feiertage in Chicago zu verbringen, will Andrew unbedingt zu seiner Familie. Etwas leichtsinnig verspricht Molly, ihn rechtzeitig nach Hause zu bringen. Es beginnt eine dreitägige Odyssee über Buenos Aires, Paris und London, bei der die beiden sich näherkommen als je zuvor … (Verlagsinfo)


Taschenbuch ‏ : ‎ 448 Seiten
Goldmann

Grimes, Martha – Mordserfolg

Ein New Yorker Bestsellerautor will den Verlag wechseln und stellt seinem auserkorenen Verleger eine knifflige Bedingung. Sie führt dazu, dass ein anderer, völlig unschuldiger Autor dieses Verlags ins Visier zweier Killer gerät, die der Verleger anheuert. Wie weit ist er aus Profitgier zu gehen bereit?

_Die Autorin_

Martha Grimes zählt seit der Erfindung ihres Serienhelden Inspektor Jury zu den erfolgreichsten Krimiautorinnen der Nachkriegszeit. Sie wurde in Pittsburgh, Pennsylvania, geboren und studierte an der |University of Maryland|. Lange Zeit unterrichtete sie kreatives Schreiben an der |Johns Hopkins University|. Sie lebt heute abwechselnd in Washington, D.C., und Santa Fé, New Mexico.

_Handlung_

Die Story liest sich wie die Abfolge einer Kettenreaktion, die im Hexenkessel von Manhattan in Gang gesetzt wird …

Alles beginnt mit Paul Giverney, der ebenso wie die Autorin aus Pittsburgh stammt und ebenso wie sie einen Bestseller nach dem anderen raushaut. Krimis, versteht sich. Nach seinem letzten Buch „Don’t go there“ will er den Verlag wechseln, weg von |Queeg & Hyde|, rüber zu |Mackenzie & Haack|. Nun ist „Mack & Haack“*, wie andere Verlage, die sich für was Besseres halten, den Laden nennen, nicht gerade für hochstehende Literatur bekannt, aber Bobby Mackenzie hat den einzigen Lektor in ganz Manhattan, der seine Arbeit noch ernst nimmt und wirklich etwas taugt: Tom Kidd. Hat Paul Giverney plötzlich Ambitionen zu etwas Höherem?

Als Paul anruft, ist Bobby natürlich nicht abgeneigt, ihn zu übernehmen. Für einen saftigen Vorschuss auf Pauls nächstes Buch, versteht sich. Nur eine Bedingung bereitet ihm Bauchschmerzen: Ein anderer Autor soll dafür Bobbys Haus verlassen, Ned Isaly, einer der preisgekrönten Lieblinge von Lektor Tom Kidd. Aber wer würde die Gans, die goldene Eier legt, von der Tür weisen? Bobby sagt okay.

Dummerweise steht Isaly gerade kurz davor, sein neuestes Manuskript bei Mackenzie-Haack abzuliefern und soll noch ein weiteres schreiben. Man kann so einen Mann nicht einfach feuern. Also erinnert Bobby seinen Cheflektor Clive Esterhaus daran, dass man doch noch gute Beziehungen zu Danny, dem Unterweltboss, pflege, da man dessen Biografie ja veröffentlicht habe. Sicher sei Danny für einen Tipp gut, wie man Ned Isaly klarmachen könnte, das Schreiben bleiben zu lassen – oder wenigstens woanders zu schreiben.

Doch Clive ist ein Dünnbrettbohrer, der nur auf die eigene Karriere bedacht ist. Also lässt er sich von Danny über den Tisch ziehen und dazu breitschlagen, zwei von Dannys freiberuflich tätigen „Unternehmern“ anzuheuern, sprich: zwei Auftragskiller. Ihr Auftrag: Isaly kaltmachen.

Karl und Candy, so die Namen der zwei ehrenwerten Freiberufler, sind keine von der schnellen Truppe. Sie besorgen sich erst einmal die jeweiligen Bücher von Paul Giverney und Ned Isaly. Sie haben herausbekommen, wer hinter den Auftraggebern steckt und was Paul will. Zunächst betätigen sie sich als Literaturkritiker und vergleichen erst einmal die beiden Autoren, wie sich das ihrer Meinung nach gehört. Karl war immerhin auf der Uni, wenn auch ohne Abschluss. Dann erst geht es – vielleicht – zur Sache.

_Mein Eindruck_

Der Roman soll eine schwarze Krimikomödie sein, und das klappt ja auch ganz gut. Die Situation in Pittsburgh eskaliert zum Siedepunkt, als sämtliche Killer, Aufpasser, Beschützer, Beschatter und sonstige Abgesandte sich um den nichts ahnenden Isaly scharen und sich dabei gegenseitig in die Quere kommen. Das ist der durchaus ironische Höhepunkt des Romans, und es lohnt sich, darauf hinzulesen. Etwas Groteskeres wird man selten in einem zeitgenössischen Krimi finden.

|Krimi als moralische Anstalt|

Aber das Buch will weitaus mehr. Denn es versteht sich offenbar frei nach Schiller auch als „moralische Anstalt“, wenn Paul Giverny – dessen Name ständig mit dem Designer Givenchy verwechselt wird – die New Yorker Verlagswelt provoziert, um herauszufinden, wie weit Verleger gehen würden, um einen Erfolgsautor wie ihn zu bekommen. Was wird der Profitgier geopfert? Doch hier tritt kein Jehoschua von Nazareth auf, um die Geldwechsler aus dem Tempel Jehovas zu vertreiben. Es stellt sich auch kein Säulenheiliger an die Speaker’s Corner im Londoner Hyde Park, um wider die gierigen Herren – und Frauen – Verleger im fernen Neu-York zu wettern. Es geht ganz einfach darum, ein Feuerchen anzuzünden und zuzusehen, was passiert.

|Arroganz und Heuchelei?|

Doch ist es nicht ein wenig überheblich, selbst so viel Geld zu scheffeln, und dann die Herrschaften, die einem selbiges Geld geben, moralisch zu tadeln? Ganz zu schweigen von jenem unschuldigen Opfer namens Ted Isaly. Doch die Autorin hat auch diesen Aspekt gründlich bedacht. Sie lässt Giverny seinerseits einen Schutzengel gegen die Geister, die er rief (die zwei Killer), engagieren. Und am Ende vom Lied, wenn klar ist, ob die Killer Karl und Candy zu den Guten oder den Bösen gehören, lässt sie die beiden mal ein Wörtchen oder zwei mit Giverny reden. Dabei könnte die Luft bleihaltig werden.

|Killer sind die besten Kritiker|

Überhaupt: Der ganze Roman wäre aufgrund dieses konstruierten Plots nur halb so unterhaltsam, wenn es dieses dynamische Duo nicht gäbe. Die beiden sind einfach köstlich. Ihre praktische Yankee-Logik in Kombination mit angelerntem Uni-Wissen ist unbezahlbar. Ihre Wirkung verdanken sie dem dialektischen Prozess, den sie in fast jedem Streitgespräch ausführen: These, Antithese, Synthese – oder auch keine Synthese. Dann bleibt es dem Leser überlassen, sich seinen Reim darauf zu machen. Als ungelernte Kritiker sind die beiden jedenfalls unschlagbar. Und wenn alle Argumente nicht mehr fruchten, kann ma ja mit der Bleispritze ein wenig nachhelfen.

|Ein Mann der Unschuld|

Es gibt noch ein Menge weiterer Gegensatzpaare, vor allem unter den Schriftstellern. Ned Isaly ist das Gegenteil von Paul Giverny und einer weiteren Erfolgsautorin, die sich auf Genreliteratur spezialisiert hat. Sie alle definieren sich über ihre Arbeit, ganz besonders Ned, der praktisch seine Arbeit, sein neues Buch lebt. Als er überfahren wird, gibt er die Schuld nicht einer realen Person, sondern einer seiner Erfindungen. Realität und Fiktion gehen ineinander über.

In den Textpassagen Isalys entpuppt sich die Autorin als Könnerin, die nicht nur Krimis schreiben kann, sondern auch einen poetischen, hochliterarischen Text abliefern könnte – wenn sich irgendjemand in der Verlagsszene nur dafür interessieren würde, nachdem sie über zwei Dutzend Krimis abgeliefert hat! Paul Giverny ist ihr Alter Ego, mit ihm macht sie sich über die Verlagsszene her, als wäre sie der Prophet Jeremiah, Hesekiel, Habakuk oder wer auch immer, um ihr die Leviten zu lesen.

|Befriedigender Schluss|

Doch eine Krimikomödie plus ein |morality play| plus ein Mann reiner Unschuld ist noch nicht genug, um einen zufrieden stellenden Roman entstehen zu lassen. Der ganze Plot könnte bis in alle Ewigkeit weiter um sich kreisen und nichts ergeben. Doch auch dieser Gefahr ist die Autorin entgegengetreten. Wie es sich für einen dialektischen Prozess gehört, machen alle Beteiligten eine Weiterentwicklung durch. Den meisten hilft Selbsterkenntnis, sofern sie dazu in der Lage sind. Die Bewährungsprobe liegt hinter ihnen, Hindernisse wurden aus dem Weg geräumt, neue Horizonte sichtbar. Und daher kann sich am Schluss auch der Leser zurücklehnen, mit dem Gefühl, dass die ganze Sache doch noch einen Sinn gehabt hat. Und mit der „Sache“ ist nicht nur der Inhalt des Buches gemeint, sondern auch die Lektüre an sich.

|Wahrheit aus Kindermund|

Den schönsten Kommentar auf das ganze Treiben liefert indirekt wohl Givernys kleine Tochter Hannah. Sie schreibt, da jeder in New York schreibt, mit acht Jahren schon an ihrem ersten großen Roman. Er besteht aus einem Satz und handelt von einem Ritter und einem Drachen. Ihr Paps gibt ihr ein paar Ratschläge, und so wächst der Roman. Jedes Kapitel besteht jetzt aus einem Satz. So weit so gut. Aber am Schluss wird der Drache nicht mehr erschlagen, sondern „nur“ gebändigt. Wenn es noch eines deutlicheren Symbols bedurft hätte, um die Handlung zu kommentieren und die Aussage zusammenzufassen, so wäre dem Leser wohl kaum zu helfen.

|Zum Originaltitel|

Im Original heißt das Buch „Foul Matter“, genau wie der Roman, den Giverny am Schluss zu schreiben beginnen wird. Dies ist ein Fachausdruck aus der angelsächsischen Verlagsbranche: |“So nannten sie in den Verlagen all die in Reglosigkeit erstarrten, unredigierten Originalmanuskripte, bevor sie mit blauen oder roten Bleistiften vollgekritzelt, lektoriert, überarbeitet, zu Tode zerpflückt worden waren. Dies war der erste Blick auf das Buch, das Manuskript, dem man das Mark auszusaugen, das Blut abzuzapfen, das Leben auszuschwemmen trachtete, und das Buch dabei zu Berühmtheit oder Bedeutungslosigkeit zurechtstutzte, wobei es nicht darauf ankam, welches von beidem.“| (Seite 413)

|Die Übersetzung|

Es ist der Übersetzerin Cornelia C. Walter hoch anzurechnen, dass sie all die zahllosen Fachausdrücke und Anglizismen korrekt und stilvoll ins Deutsche übertragen hat. Auch vor Umgangssprache schreckt sie keineswegs zurück, denn derer befleißigen sich die meisten Figuren. Nur auf Seite 27 scheint sie mir etwas durcheinander gebracht zu haben. Wenn man etwas „verklickert“, denn ist damit wohl ein Sprechakt gemeint. Wenn man aber eine „Kiste Macallan“[-Whisky] verkaufen will, so nennt man dies nicht „verklickern“, sondern „verticken“.

_Unterm Strich_

Wie schon diese Fachausdrücke der Branche deutlich machen, sollte der Leser ein gerüttelt Maß an Kenntnissen über die Verlagsbranche und den Herstellungsprozess eines Buches mitbringen. Da ich seit über 25 Jahren selbst schreibe, andere Bücher rezensiere und mit Schriftstellern zusammenkomme, weiß ich darüber halbwegs gut Bescheid. Doch ich setze diese Kenntnisse nicht ohne weiteres bei anderen Lesern voraus.

Und deshalb habe ich mich an vielen Stellen gefragt, wer sich wohl für diese Szenen und Vorgänge interessieren würde. Warum sollte es so wichtig sein, in ein bestimmtes Szenelokal (das Äquivalent zum siebten Himmel) eingelassen zu werden (das Äquivalent zum Ritterschlag, wie ihn Giverny noch nicht erhalten hat)? Und wen interessiert das überhaupt? Weil ich diesbezüglich meine Zweifel habe, dürfte der Roman nur ein eingeschränktes Publikum finden.

Obwohl ihm ein großes zu wünschen wäre, besonders unter süchtigen Krimilesern. Sie erfahren nämlich, wie solche Bücher gemacht werden, von wem, wozu, unter welchen Bedingungen. Sie lernen unterschiedliche Gattungen von Schriftstellern, Verlegern und Lektoren kennen. Da sie der Markt sind, könnten sie auch etwas bewegen. Das ist wohl letzten Endes die Hoffnung der Autorin: Dass ihr Buch nicht nur als Krimi, Komödie und Moralpredigt funktioniert, sondern auch als Appell zur Besserung des mittlerweile korrupten Buchmarktes. Zumindest was New York City angeht.

Homepage der Autorin: http://www.marthagrimes.com/

*: Anspielung offenbar auf den Ausdruck „hack writer“. Das hat nichts mit Hackern zu tun, sondern bezeichnet einen Zeilenschinder, Groschenromanschreiber.