Der berühmte Wissenschaftler Albert Einstein erzählt selbst kurzweilig und packend von seinem Leben und seinen Forschungen, seiner Liebe zur Physik, seiner Geige und seiner Einstellung zu Atomwaffen und Krieg. In der Schule war er mittelmäßig, beruflich verdiente er jahrelang wenig Geld als Mitarbeiter des Patentamtes. Doch plötzlich kursieren seine Ideen in der ganzen Welt! Wissenschaftliche Texte geben eine Einführung in die Theorien des Physikers, die alle Vorstellungen von Raum und Zeit infrage stellten. Zum Beispiel die Relativitätstheorie. (Verlagsinfo)
Der Verlag empfiehlt diese szenische Lesung ab 10 Jahren.
Die Welt ist aus den Fugen: Der Krieg zwischen August dem Starken und Karl XII. von Schweden hat Schlesien um 1700 im Würgegriff. Regimenter durchziehen das Land und üben erbarmungslose Lynchjustiz. Die Bauern, aber auch Banden von Räubern und Vagabunden kämpfen ums nackte Überleben. Ein christlicher Bischof bietet den Verfolgten letzte Zuflucht: In seinen Steinbrüchen und Schmelzöfen „stöhnen an Karren geschmiedet die Lebendig-Toten, die sich vor dem Galgen in die Hölle geflüchtet haben“.
An der deutsch-polnischen Grenze um das Jahr 1700 prellt ein Dieb einen adeligen schwedischen Offizier, der desertiert ist, um Namen und Existenz. Zwar gelingt es ihm, dessen Verlobte Maria Agneta zu erringen, doch zuletzt greift das Schicksal ein, entwirrt die verschlungenen Fäden und zwingt ihn zur Sühne für seine Doppelexistenz. (abgewandelte Verlagsinfo) Leo Perutz – Der schwedische Reiter. Historischer Roman weiterlesen →
Im dritten und abschließenden Band von Wim Gijsens Trilogie um die Entwicklung und Abenteuer der jungen Frau Deirdre in den Ländern am Lavendelmeer kommt es zur Entscheidung: Wird die Welt weiterhin gespalten bleiben oder wird es Deirdre gelingen, als geweissagte Retterin der Welt, als die „Bidahinne“ die Spaltung aufzuheben und Frieden zu bringen?
_Der Autor_
Wim Gijsen (1898-1990) ist einer der bekanntesten niederländischen Autoren. In Deutschland erschienen seine Science-Fiction-Romane „Die Ersten von Rissan“ (1980) und „Die Könige der Vorzeit“ sowie die Fantasy-Romane um Iskander den Traumdieb (alle bei Heyne). „Die Sandrose“ ist der zweite Band in der Trilogie um die junge Frau Deirdre, die dazu berufen scheint, die seit Jahrtausenden gespaltenen Völker, die um das Lavendelmeer herum siedeln, wieder zu versöhnen.
_Handlung_
Die weisen Frauen eines Wüstenklosters haben in Deirdre, der ehemaligen Priesterin und Tempeldienerin, die „Bidahinne“ erkannt. Sie soll dem Lure-Imperium den heißersehnten Frieden bringen. Diese Ereignisse wurden im zweiten Band der Trilogie, „Die Sandrose“, berichtet.
Ins Reich Lure gelangt Deirdre jedoch als Gefangene der telepathischen Zauberin und Herrscherin Katein, ein Faustpfand, um für Katein Macht und Einfluss unter ihresgleichen zu erringen. Doch Katein ist entgangen, dass der Kampf zwischen ihr und Deirdre nicht mit Gewalt, sondern mit den Waffen des Geistes ausgetragen wird.
Denn Deirdre erzählt in Kateins Palast von ihrem Land, das ihren Zuhörern wie ein freundlicherer Gegenentwurf zu ihrer eigenen, auf Gewalt und Machtausübung aufgebauten Gesellschaft erscheint. So überzeugt sie Kateins Schwester Themis, eine als harmlos und versponnen geltende Künstlerin, ihr zur Flucht zu verhelfen. Deirdre flieht in die Berge, wo sie sich den Rebellen anschließt und ihre Gefährten wiederfindet. Später schließt sich ihr Themis an, sozusagen als erste Jüngerin.
Katein ist zwar außer sich vor Wut, dass ihr die wertvolle Fremde entwischt ist, doch sie muss sich dem Orakel der Erdmutter stellen # die konkurrierenden Herrscherhäuser haben sie des Hochverrats angeklagt. Sie wird wider Erwarten freigesprochen, und es gelingt ihr sogar, die anderen Häuser hinter sich zu bringen. Auf der Höhe ihres Ruhms angelangt, kann Katein nun mit ihrer Flotte in See stechen, um die Länder am Lavendelmeer ihrem Machtbereich einzuverleiben. Doch sie hat nicht mit der Überzeugungskraft Deirdres gerechnet, die sich ihr in den Weg stellt.
_Mein Eindruck_
Der Schlussband der „Deirdre“-Trilogie weist eine kunstvolle Erzähltechnik auf, die geschickt die Perspektiven der Hauptpersonen einander kontrastierend gegenüberstellt. Deirdre ist entsetzt über ein Land, in dem Frauen genauso schlimm herrschen und Untertanen ausbeuten, wie in ihrer Heimat dies Männer tun. Katein hingegen ist so von Machtgier besessen, dass sie ihre eigene Schwester tötet und Aufstände erbarmungslos niederschlägt.
Allmählich verschiebt sich (mit zahlreichen ironischen Aspekten) das Gleichgewicht zwischen den beiden, sodass Kateins Anhänger zu Deirdre überlaufen. Der Entscheidungskampf bleibt jedoch buchstäblich bis zur letzten Seite aufgeschoben. So ist dieser Schlussband ein außerordentlich spannendes, einfallsreiches und lebendiges Buch.
|Originaltitel: Lure (1986)
Taschenbuch: 382 Seiten
Aus dem Niederländischen übertragen von Hildegard Höhr
ISBN-13: 978-3453156081|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de
Mit der „Deirdre“-Trilogie hat Gijsen ein Juwel europäischer Fantasy geschrieben, das sich einfallsreich und wohltuend von der Einheitskost amerikanischer Fantasy abhebt. Mag der erste Band noch nicht besonders rasant gewesen sein, so entschädigen dafür doch die beiden Folgenbände durch mehr Action.
_Der Autor_
Wim Gijsen (1898-1990) ist einer der bekanntesten niederländischen Autoren. In Deutschland erschienen seine Science-Fiction-Romane „Die Ersten von Rissan“ (1980) und „Die Könige der Vorzeit“ sowie die Fantasy-Romane um Iskander den Traumdieb (alle bei Heyne). „Die Sandrose“ ist der zweite Band in der Trilogie um die junge Frau Deirdre, die dazu berufen scheint, die seit Jahrtausenden gespaltenen Völker, die um das Lavendelmeer herum siedeln, wieder zu versöhnen.
_Handlung_
Deirdre wurde als Kind von einer alten weisen Frau prophezeit, dass sie das Schicksal der Völker bewegen werde. Nun ja, im ersten Teil der Trilogie, Wendekreise, sah ihr Leben nicht danach aus: Sie wurde in die Leibeigenschaft verkauft und musste sich im Tempel der Göttin prostituieren.
Das Blatt wendet sich für Deirdre radikal, als die Äbtissin eines ihr bislang völlig unbekannten Kloster ssie freikauft und sie von einem Seemann namens Lodderein zu sich bringen lässt. Die Reise führt sie per Schiff übers Lavendelmeer, das so heißt, weil eine gefährliche Algenart mit dem Lavendelduft die Sinne der Menschen betäubt und sie so in Gefahr bringt.
Die Reise geht immer weiter, bis Deirdre mit ihren Gefährten mitten in der Wüste auf das Kloster Dodenisse stößt. Die geheimnisvolle Äbtissin namens Shihazar eröffnet Deirdre, dass sie sie freigekauft habe, weil Deirdre möglicherweise die geweissagte Bidahinne sei, die Befreierin der Völker, die erkennbar sei am Zeichen der Rose so ein Zeichen trägt Deirdre am Arm. Die aber hat so ihre Zweifel, das Mal stammt von einem Hundebiss.
Im Kloster erlernt Deirdre die Selbsterforschung, den Kontakt mit der Geisteswelt und die Telepathie allesamt sehr nützliche Dinge, wie sich zeigen soll. Shihazar schickt sie mit einem Dutzend Begleiter auf eine gefährliche Mission ins verborgene und feindliche Land Lure, um mit dessen Bewohner, die sich vor Urzeiten von der Glaubensrichtung Dodenisses abgespalten haben, Kontakt aufzunehmen und zu einem Einverständnis zu gelangen.
Als Führerin über den hohen Bergpass, den Deirdres Gesellschaft bezwingen muß, erweist sich die Gefangene Kateien, die aus Lure stammt. Doch kaum ist der Pass glücklich bezwungen, übernimmt die schon zuvor hochmütige Katein plötzlich das Kommando: Nur Deirdre kann den telepathischen Kräften der ehemaligen Hohepriesterin standhalten, ihre Gefährten werden gefangen.
Es sieht so aus, als habe Deirdre schlechte Karten in Lure. Doch die Göttin hält ihre Hand über die junge Bidahinne, die bald wieder den Glauben an sich gewinnt.
_Mein Eindruck_
Dieser Mittelband erzählt von Übergängen, Reisen und Wandlungen – die Lösung folgt erst im Schlussband. Höhepunkt ist sicherlich die Klostersitzung, auf der Deirdre zu Retterin der Welt der Bidahinne erklärt wird.
Die Action findet nicht in äußerlichen, sondern innerlichen, seelischen Kämpfen statt. Eindringlich weiß der Autor von Deirdres Initiation in die Anderwelt zu erzählen: In einem stockdunklen Raum in den Gängen der uralten Totenstadt, allein mit sich und ihren Dämonen Einsamkeit, Begierde und Tod.
Der Stil unterscheidet sich stark von amerikanischer Fantasy, weist viel weniger Dialoge und mehr Innenwelt auf. Zudem nimmt der Erzähler kein Blatt vor den Mund, wenn es um sexuelle Dinge geht nach dem Motto: Bloß keine falsche Scham!
Man darf auf den Schlussband gespannt sein.
|Originaltitel: Bidahinne (1985)
Taschenbuch: 333 Seiten
Aus dem Niederländischen übertragen von Hildegard Höhr
ISBN-13: 978-3453156050|
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Philip Kindred Dick (1928-1982) war einer der wichtigsten und zugleich ärmsten Science- Fiction-Schriftsteller seiner Zeit. Obwohl er fast 30 Jahre lang veröffentlichte (1953-1981), wurde ihm zu Lebzeiten nur geringe Anerkennung zuteil. Oder von der falschen Seite: Das FBI ließ einmal seine Wohnung nach dem Manuskript von „Flow My Tears, the Policeman Said“ (dt. als „Die andere Welt“ bei Heyne) durchsuchen. Okay, das war unter Nixon. Er war mehrmals verheiratet und wieder geschieden, philosophisch, literarisch und musikologisch gebildet, gab sich aber wegen des Schreibstress‘ durchaus dem Konsum von Medikamenten und Rauschdrogen wie LSD hin – wohl nicht nur auf Erkenntnissuche wie 1967.
Er erlebte noch, wie Ridley Scott 1980 seinen Roman „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ zu „Blade Runner“ umsetzte und ist kurz in einer Szene in „Total Recall“ (1982) zu sehen (auf der Marsschienenbahn). „Minority Report“ und „Impostor“ sind nicht die letzten Storys, die Hollywood verfilmt hat.
Ben Affleck soll in naher Zukunft in einem Film namens „Paycheck“ auftreten, der auf der gleichnamigen Dick-Story aus dem Jahr 1953 beruht. An einem Skript zu Dicks Roman „Der dunkle Schirm“ wird seit Jahren gebastelt. Und vom Roman „UBIK“ hat Dick selbst ein Skript erstellt (das in der Heyne-Ausgabe vom 11/2003 enthalten ist), das aber noch keine Umsetzung gefunden hat.
_Der Roman_
Diese Urfassung von Dicks VALIS-Roman entstand 1975/76, wurde aber erst posthum in Dicks Nachlass gefunden und veröffentlicht. Er konnte das Manuskript seinerzeit nicht bei den Verlagen unterbringen, wohl auch aus politischen Gründen.
„Albemuth“ ist durchaus ein eigenständiger Roman und als solcher jedem Leser absolut verständlich, selbst wenn man die spätere Trilogie nicht gelesen hat. Es handelt sich um einen durch und durch politischen Roman, der mit Anspielungen auf reale Ereignisse Anfang der 70er Jahre gespickt ist.
Während Dick in der realen Welt mit der Geheimpolizei der Nixon-Regierung unliebsame Bekanntschaft machte, so sind es der Dick und sein Freund Brady in einer Parallelwelt, die sich gegen die Machenschaften Präsident Ferris F. Freemonts behaupten müssen. Freemont will offenbar die ganzen USA in ein riesiges Konzentrationslager verwandeln bzw. hat das schon getan.
Nicholas Brady, vom kleinen Plattenverkäufer (war PKD auch mal) zum bekannten Talentsucher der kalifornischen Popmusikbranche aufgestiegen, gerät unversehens in den Verdacht subversiver kommunistischer Tätigkeit. Dabei hatte er nur Kontakt mit sehr seltsamen Außerirdischen.
Mit Hilfe der von VALIS, einer außerirdischen Intelligenz, übermittelten Informationen finden Dick und Brady schließlich heraus, dass Freemont als Inkarnation des Bösen ausgeschaltet werden muss – und dass eine Schlacht im Gange ist, in der sich die Seite der Guten der Hilfe von Paralleluniversen versichert hat, um Freemont alias Nixon auszuschalten. Eine Invasion aus dem All scheint das letzte Mittel gegen den ultrakonservativen Präsidenten zu sein, der überall den Einfluss des Kommunismus wittert …
_Mein Eindruck_
Ein optimales Werk für Paranoiker also. All die Bezüge zu realen Ereignissen machen „Albemuth“ zu einem Schlüsselroman in Dicks Werk, der nicht nur für eingefleischte Dick-Fans interessant ist. Die Story selbst ist unterhaltsam und spannend im typischen Dick-Ton erzählt.
|Taschenbuch: 269 Seiten
Originaltitel: Radio Free Albemuth, 1975/76;
Aus dem US-Englischen übertragen von Peter Robert
ISBN-13: 978-3811837461|
[www.vpm.de]http://www.vpm.de
Viele weitere Rezensionen zu _Philip K. Dick_ findet ihr in unserer [Datenbank]http://buchwurm.info/book
_Washington: Mord und Totschlag um ein tödliches Geheimnis_
Der geheimnisvolle Camel Club will die verborgenen Machenschaften der US-Regierung aufdecken, um Korruption und Betrug ein Ende zu bereiten. Auch Trickbetrügerin Annabelle Conroy hat sich dieser hehren Aufgabe verschrieben, doch unvermittelt wird sie selbst zur Gejagten. Nachdem sie den Mörder ihrer Mutter, einen skrupellosen Kasinoboss, um 40 Mio. Dollar erleichtert hat, steht sie als Nächste auf seiner Abschussliste.
Im Kampf um Leben und Tod ist ihr die Hilfe des Klubs gewiss. Die Karten werden jedoch neu gemischt, als dessen Anführer Oliver Stone von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich selbst vor einem Killer fliehen muss … (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Autor_
David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren, wo er heute lebt. Er wuchs in Richmond auf; sein Vater war Mechaniker und später Vorarbeiter bei einer Spedition, seine Mutter Sekretärin bei einer Telefongesellschaft. Baldacci studierte Politikwissenschaft an der Virginia Commonwealth University (B. A.) und Jura an der University of Virginia. Während des Studiums jobbte er u.a. als Staubsaugerverkäufer, Security-Guard, Konstrukteur und Dampfkesselreiniger. Er praktizierte neun Jahre lang als Anwalt in Washington, D. C., sowohl als Strafverteidiger als auch als Wirtschaftsjurist.
Neben seiner Arbeit als Schriftsteller engagiert sich Baldacci für eine Reihe karitativer und gesellschaftlicher Institutionen, darunter der National Multiple Sclerosis Society, der Barbara Bush Foundation for Family Literacy, der Virginia Foundation for the Humanities, der America Cancer Society, der Cystic Fibrosis Foundation und der Viriginia Commonwealth University. David Baldacci ist verheiratet und hat zwei Kinder: Tochter Spencer und Sohn Collin. Laut Verlag liegt die Gesamtauflage seiner Bücher weltweit bei über 55 Millionen Exemplaren.
Mehr Infos: [www.david-baldacci.com]http://www.david-baldacci.com (Verlagsinfo)
_Der Sprecher_
K. Dieter Klebsch absolvierte seine Schauspielausbildung an der Staatlichen Schauspielschule Berlin „Ernst Busch“. Seit 1973 wirkte er in verschiedenen Theater-, TV- und Kinoproduktionen mit. Seit 1976 ist Klebsch auch als Synchronsprecher tätig und leiht seine Stimme u. a. Alec Baldwin.
Klebsch liest eine von Kai Lüftner bearbeitete Fassung. Die Aufnahme in den d.c. studios NRW-Berlin, leiteten Dicky Hank und Dennis Kassel, die wohl auch das musikalische Motiv beitrugen (diese Angabe fehlt). Regie führte Kati Schaefer.
_Handlung_
Annabelle Conroy, 36, ist auf der Flucht. Sie hat den Gangster Jerry Beggar, den Mörder ihrer Mutter, um 40 Millionen Dollar betrogen. Anthony Wallace, der ihr Komplize war, ist schwer verletzt und drei weitere Personen sind in einer Villa getötet worden, sie selbst konnte entkommen, gerade noch. Doch Beckers Rache ist ihr gewiss. Sie muss die Hilfe des Camel Club in Anspruch nehmen, die man ihr sicher nicht verweigern wird. Sie kennt zumindest dessen Mitglieder Caleb Shaw und Oliver Stone.
Stone arbeitet auf dem Friedhof und wird am TV-Gerät Zeuge, wie Carter Gray, dem ehemaligen Sicherheitschef des Präsidenten, eine Medaille verliehen werden soll. Dabei plante doch Gray, den Präsidenten zu ermorden. Als Gray mit seiner Medaille aus dem Weißen Haus gefahren wird, zeigt er Stone den Stinkefinger, denn Stone hält ein Schild hoch, auf dem steht: „Ich will die Wahrheit wissen.“
Von Stone unbemerkt folgt Harry Finn dem Wagen von Gray zu dessen Wohnsitz an der Chesapeake Bucht. Er hat den Auftrag, Gray umzulegen. Nur zwei Wachen beschützen das Zielobjekt. Finn ist ein ehemaliger Spezialkämpfer der Marine, ein Navy SEAL. Er hat bereits einen Plan, wie der Mord gelingen kann. Denn unerkannt arbeitet er beim Heimatschutz.
Stone rät Anne Conroy dringend, nicht unterzutauchen, sondern in Washington zu bleiben und herauszufinden, was Beggar überhaupt weiß. Sie ist einverstanden, und Stone ruft den Club zusammen. Sie finden heraus, dass der Fall Beggar vom Justizministerium, also vom FBI, untersucht wird. Unterdessen folgt Stone einer Einladung Grays. Gray zeigt ihm Fotos dreier ehemaliger Kollegen Stones beim Secret Service: Sie wurden alle in den letzten zwei Monaten ermordet. Von wem und weshalb? Und Stone, der ehemalige Mr. John Carr, steht bestimmt ebenfalls auf der Liste des Killers. Am nächsten Tag wird Grays Haus in die Luft gejagt. Kein Wunder, dass das FBI ihn dringend sprechen will.
Stone hat damit kein Problem: Er besitzt zwar keine Ausweispapiere, aber dafür eine Belobigung vom FBI-Chef selbst. Grays Haus ist ein Trümmerfeld. Grays Leiche ist nicht eindeutig zu identifizieren. Es gibt verwirrende Berichte von Überlebenden, doch als Stone ein Druckventil findet, reimt er sich zusammen, dass der Täter im Haus Gas ausströmen ließ und es dann mit einem Schuss zur Explosion brachte. Dieser Schuss muss von einer Steilwand über der Brandung gekommen sein. Der Mörder ist ein verdammt guter Kletterer.
Aus alten Unterlagen, die er in einem Grab auf seinem Friedhof deponiert hat, fischt Stone ein altes Foto aus seiner Zeit beim CIA in Vietnam. Dort erledigte er mit drei Kollegen die Drecksarbeit für Gray und Roger Simpson, einen jetzigen Senator mit Ambitionen auf den Präsidentensessel. Haben diese beiden vielleicht ein Unrecht begangen, das gesühnt und nun auch ihren Untergebenen in die Schuhe geschoben werden soll?
Stone ruft Anne Conroy an. Sie ist in ihrer Heimatstadt in Maine, in Kennebunk. Dort fing alles an, was dann zu ihrer Vergeltung an Beggar führte. Beggar tötete ihre Mom, will Annes Vater ihm 10.000 Dollar geraubt hatte. Während er zu ihr fährt, erkundigen sich drei seiner Freunde vom Club in Atlantic City nach Jerry Beggar. Sie erfahren, dass er nach Washington geflogen ist. Caleb Shaw, ein weiteres Clubmitglied erhält in einer Bibliothek Beggars Besuch. Beggar bietet ihm viel Geld an, um an Annabelle Conroy heranzukommen, die mit Calebs Vorgänger liiert war. Caleb ruft aufgeregt Stone an, der in Maine ist. Dieser warnt Reuben in Atlantic City sowie Annabelle in Maine, die ihm falsche Papiere verschafft.
Es sieht ganz so aus, als müsste Stone nicht nur gegen den unbekannten Killer kämpfen, sondern auch sehr bald schon gegen den skrupellosen Jerry Beggar. Doch auch Carter Gray weilt keineswegs unter den Toten, sondern bereitet Stone schon bald ein unangenehmes Wiedersehen …
_Mein Eindruck_
Im typischen Baldacci-Stil springt die Erzählung von Szene zu Szene und wechselt dabei stets Schauplatz und Figuren. Schon bald hat der Hörer Mühe, den drei – oder waren’s vier? – Erzählsträngen zu folgen. Da ist zum einen Oliver Stone, dann Annabelle Conroy und ihr wiedergefundener Vater, die noch ein Hühnchen mit Jerry Beggar zu rupfen haben.
Schließlich taucht aus der Vergangenheit ein gewisser Harry Finn auf, der die ehemaligen Kollegen Stones bei der CIA eliminiert. Aber warum und in wessen Auftrag, fragen sich sich Stone und Carter Gray. Wie sich herausstellt, steckt Lesya, eine ehemalige russische Spionin, dahinter, die von Harry Finns Vater Ray Solomon für die CIA rekrutiert wurde. Doch zu welchem Zweck? Harry Finn ist hinter Stone alias John Carr her, weil dieser von Gray und Roger Simpson seinerzeit den Befehl erhielt, Solomon zu eliminieren. Solomon war ein unerwünschter Zeuge für eben jenen supergeheimen Zweck, den der US-Präsident nicht autorisiert hatte: die Ermordung der beiden sowjetischen Ministerpräsidenten Adropow und Tschernenko, denen 1986 Gorbatschow folgte.
Selbstverständlich darf nichts davon auch nur mit einem Sterbenswörtchen an die Öffentlichkeit gelangen, sondern wird der dritte Weltkrieg entfacht, suggeriert der Autor mehrfach. Also wächst bei allen Beteiligten der Druck, besonders bei Gray, Simpson und Stone. Indem sich jedoch Stone einfach an Finns Fersen heftet und ihm über die grüne Grenze nach Kanada folgt, stößt er auf Lesya und Geheimdokumente, die Grays und Simpsons Schuld am Anti-Andropow-Komplott beweisen. Brisanter Stoff! Lesya will Solomons Rehabilitation, Stone will Grays und Simpsons Ende.
Doch als sie in Washington eintreffen, ist dort die Lage bereits zu ihren Ungunsten gedreht worden – Gray ist auf alles vorbereitet. Deshalb kommt es direkt vor dem Capitol und dessen neuem Besucherzentrum zu einem explosiven Showdown, der sich gewaschen hat. Auch das Nachspiel bleibt spannend bis zur letzten Szene. Also: dranbleiben!
Man sieht also, dass der Autor nicht nur die Drecksarbeit der Spezialkommandos in Vietnam aufgearbeitet hat, sondern auch noch eine Erklärung für den vorzeitigen Tod der beiden Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko serviert. Sollen wir diesem Braten wirklich trauen? Lieber nicht, sonst könnte ja der dritte Weltkrieg ausbrechen.
Wem dieses ganze Geflecht von Querverbindungen und laufendem Szenenwechsel zu kompliziert ist, weil er lieber MTV schaut, der soll sich doch einfach das Buch zulegen. Da hat er dann Gelegenheit, jederzeit wieder zurückzublättern. Das Taschenbuch erscheint aber erst am 16. September 2011.
_Der Sprecher_
Die Stärke von Klebsch, dem Synchronsprecher von Alec Baldwin, bekannt als Jack Ryan in der Clancy-Verfilmung „Jagd auf Roter Oktober“, liegt nicht in der Charakterisierung. Seine Figuren klingen oftmals gleich, insbesondere die männlichen. Stone, Reuben, Gray und Simpson klingen alle recht ähnlich, auch wenn sie sich vielleicht eines anderen Tonfalls befleißigen. Die weiblichen Figuren, von denen es leider nur zwei (Annabelle und Lesya) gibt, klingen ebenfalls sehr ähnlich, aber wenigstens ist Annabelle jung und Lesya recht alt.
Klebschs Stärke liegt in der situationsbedingten Gestaltung der Stimmen. Hier kann er richtig aus sich herausgehen, wenn es darum geht, entrüstetes oder feierliches Pathos zu intonieren sowie wütende Proteste zu deklamieren. Er kann aber auch sehr leise sein, so etwa dann, wenn jemand flüstert. Dies alles und noch viel mehr bietet sein Vortrag.
Besonders gefiel mir seine Darstellung des Gangsters Jerry Beggar. Der droht, lacht und einmal brüllt er sogar. Das glatte Gegenteil ist hingegen ein alter CIA-Analytiker namens Max Hemmerling. Als Stone ihn besucht, schlottert hemmerling praktisch vor Angst, redet schnell und panisch. Wenig später ist er mausetot.
Gestört hat mich wiederholt Klebschs fehlerhafte Aussprache des Vornamens Reuben, der ziemlich häufig genannt wird, weil einer der „Wächter“ so heißt. Er spricht es [roiben] statt [ru:ben] aus.
|Die Musik|
Michael Marianetti hat das musikalische Motiv für das In- und das Outro beigetragen. Es handelt sich dabei hauptsächlich um eine im martialisch-bedrohlichen Rhythmus einer Marschtrommel eingebetteten Abfolge von Kadenzen.
_Die Übersetzung_
… durch Uwe Anton, einen früheren Übersetzer von Comictexten – lang ists her – ist kompetent gelungen. Allerdings hatte ich am Anfang Schwierigkeiten, alle Abkürzungen zuzuordnen. Dass es sich beim NIC um das Heimatschutzministerium handeln muss, begriff ich erst allmählich.
Anton hat einen erschreckend schweren Fehler schon in den ersten Kapiteln eingebaut. Da ist die Rede von einer „Foltermethode Surfbrett“. Das ergibt natürlich keinen Sinn. Gemeint sein dürfte wohl der allseits berüchtigte Begriff „Waterboarding“, der garantiert nichts mit Surfen zu tun hat, sondern mit dem simulierten Ersäufen eines Opfers. Mir ist schleierhaft, wie dieser Fehler in den Text geraten konnte.
_Unterm Strich_
In seiner üblichen Technik des spannenden Erzählens verknüpft Baldacci mehrere Handlungsstränge, um sowohl finstere Machenschaften aufzudecken als auch um ein altes Familiengeheimnis aufzudecken und zu sühnen. Dass dabei bestimmte Figuren auf der Strecke bleiben, andere aber überleben, versteht sich von selbst – mehr darf nicht verraten werden.
Seit „Der Abgrund“ hat Baldacci immer mehr Actionthriller geschrieben und mit den Romanen um den Camel Club (ab „Die Wächter“) verlegt er die Handlung regelmäßig in das Machtzentrum des Weißen Hauses. Damit macht er den amerikanischen Thrillern um Jason Bourne (Lustbader) und Alex Cross (Patterson) heftig Konkurrenz.
Baldacci schreckt nicht davor zurück, die Tode der beiden russischen Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko, die den Aufstieg Gorbatschows ermöglichten, der CIA unterzuschieben. Natürlich wusste der Präsident nichts davon! Aber klar doch. Und der Präsi genehmigte auch nie Foltermethoden wie Waterboarding (das hier fälschlich als „Surfbrett-Methode“ übersetzt wird). Schon klar.
|Das Hörbuch |
Klebsch versucht sein Möglichstes, um den Figuren Leben einzuhauchen. Während die Figuren meist ziemlich ähnlich Tonlagen haben, gelingt ihm sein Ziel am besten, indem er die Figuren in bestimmten Szenen mal laut, mal leise sprechen lässt. Dabei schreckt er auch nicht vorm Brüllen zurück. Doch keine Sorge, es wird auch geflüstert.
Leider ist dies nie Liebesgeflüster. Merkwürdig, dass sich zwischen Stone und Annabelle Conroy kein Techtelmechtel entwickelt. Aber er ist wohl „einfach zu alt für diesen Scheiß“, hat er doch schon in Vietnam gedient. Jedenfalls hat er nicht seine Kampffähigkeiten verloren. Der Hörer ist gut beraten, Action bis zum Schluss zu erwarten.
|6 Audio-CDs mit 455 Spieldauer
Originaltitel: Stone Cold (2007)
Aus dem US-Englischen von Uwe Anton
ISBN-13: 978-3-7857-4153-5|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
_David Baldacci bei |Buchwurm.info|:_
[„Mit jedem Schlag der Stunde“ 2400
[„Im Bruchteil der Sekunde“ 836
[„Das Geschenk“ 815
[„Der Abgrund“ 414
[„Die Verschwörung“ 396
[„Das Versprechen“ 361
[„Die Versuchung“ 676
[„Im Takt des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5677
[„Im Takt des Todes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5880
[„Die Sammler“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7058
Der geheimnisvolle Camel Club will die verborgenen Machenschaften der US-Regierung aufdecken, um Korruption und Betrug ein Ende zu bereiten. Auch Trickbetrügerin Annabelle Conroy hat sich dieser hehren Aufgabe verschrieben, doch unvermittelt wird sie selbst zur Gejagten. Nachdem sie den Mörder ihrer Mutter, einen skrupellosen Kasinoboss, um 40 Mio. Dollar erleichtert hat, steht sie als Nächste auf seiner Abschussliste.
Im Kampf um Leben und Tod ist ihr die Hilfe des Klubs gewiss. Die Karten werden jedoch neu gemischt, als dessen Anführer Oliver Stone von seiner Vergangenheit eingeholt wird und plötzlich selbst vor einem Killer fliehen muss … (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Autor_
David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren, wo er heute lebt. Er wuchs in Richmond auf; sein Vater war Mechaniker und später Vorarbeiter bei einer Spedition, seine Mutter Sekretärin bei einer Telefongesellschaft. Baldacci studierte Politikwissenschaft an der Virginia Commonwealth University (B. A.) und Jura an der University of Virginia. Während des Studiums jobbte er u.a. als Staubsaugerverkäufer, Security-Guard, Konstrukteur und Dampfkesselreiniger. Er praktizierte neun Jahre lang als Anwalt in Washington, D. C., sowohl als Strafverteidiger als auch als Wirtschaftsjurist.
Neben seiner Arbeit als Schriftsteller engagiert sich Baldacci für eine Reihe karitativer und gesellschaftlicher Institutionen, darunter der National Multiple Sclerosis Society, der Barbara Bush Foundation for Family Literacy, der Virginia Foundation for the Humanities, der America Cancer Society, der Cystic Fibrosis Foundation und der Viriginia Commonwealth University. David Baldacci ist verheiratet und hat zwei Kinder: Tochter Spencer und Sohn Collin. Laut Verlag liegt die Gesamtauflage seiner Bücher weltweit bei über 55 Millionen Exemplaren.
Mehr Infos: [www.david-baldacci.com]http://www.david-baldacci.com (Verlagsinfo)
_Handlung_
Annabelle Conroy, 36, ist auf der Flucht. Sie hat den Gangster Jerry Beggar, den Mörder ihrer Mutter, um 40 Millionen Dollar betrogen. Anthony Wallace, der ihr Komplize war, ist schwer verletzt und drei weitere Personen sind in einer Villa getötet worden, sie selbst konnte entkommen, gerade noch. Doch Beckers Rache ist ihr gewiss. Sie muss die Hilfe des Camel Club in Anspruch nehmen, die man ihr sicher nicht verweigern wird. Sie kennt zumindest dessen Mitglieder Caleb Shaw und Oliver Stone.
Stone arbeitet auf dem Friedhof und wird am TV-Gerät Zeuge, wie Carter Gray, dem ehemaligen Sicherheitschef des Präsidenten, eine Medaille verliehen werden soll. Dabei plante doch Gray, den Präsidenten zu ermorden. Als Gray mit seiner Medaille aus dem Weißen Haus gefahren wird, zeigt er Stone den Stinkefinger, denn Stone hält ein Schild hoch, auf dem steht: „Ich will die Wahrheit wissen.“
Von Stone unbemerkt folgt Harry Finn dem Wagen von Gray zu dessen Wohnsitz an der Chesapeake Bucht. Er hat den Auftrag, Gray umzulegen. Nur zwei Wachen beschützen das Zielobjekt. Finn ist ein ehemaliger Spezialkämpfer der Marine, ein Navy SEAL. Er hat bereits einen Plan, wie der Mord gelingen kann. Denn unerkannt arbeitet er beim Heimatschutz.
Stone rät Anne Conroy dringend, nicht unterzutauchen, sondern in Washington zu bleiben und herauszufinden, was Beggar überhaupt weiß. Sie ist einverstanden, und Stone ruft den Club zusammen. Sie finden heraus, dass der Fall Beggar vom Justizministerium, also vom FBI, untersucht wird. Unterdessen folgt Stone einer Einladung Grays. Gray zeigt ihm Fotos dreier ehemaliger Kollegen Stones beim Secret Service: Sie wurden alle in den letzten zwei Monaten ermordet. Von wem und weshalb? Und Stone, der ehemalige Mr. John Carr, steht bestimmt ebenfalls auf der Liste des Killers. Am nächsten Tag wird Grays Haus in die Luft gejagt. Kein Wunder, dass das FBI ihn dringend sprechen will.
Stone hat damit kein Problem: Er besitzt zwar keine Ausweispapiere, aber dafür eine Belobigung vom FBI-Chef selbst. Grays Haus ist ein Trümmerfeld. Grays Leiche ist nicht eindeutig zu identifizieren. Es gibt verwirrende Berichte von Überlebenden, doch als Stone ein Druckventil findet, reimt er sich zusammen, dass der Täter im Haus Gas ausströmen ließ und es dann mit einem Schuss zur Explosion brachte. Dieser Schuss muss von einer Steilwand über der Brandung gekommen sein. Der Mörder ist ein verdammt guter Kletterer.
Aus alten Unterlagen, die er in einem Grab auf seinem Friedhof deponiert hat, fischt Stone ein altes Foto aus seiner Zeit beim CIA in Vietnam. Dort erledigte er mit drei Kollegen die Drecksarbeit für Gray und Roger Simpson, einen jetzigen Senator mit Ambitionen auf den Präsidentensessel. Haben diese beiden vielleicht ein Unrecht begangen, das gesühnt und nun auch ihren Untergebenen in die Schuhe geschoben werden soll?
Stone ruft Anne Conroy an. Sie ist in ihrer Heimatstadt in Maine, in Kennebunk. Dort fing alles an, was dann zu ihrer Vergeltung an Beggar führte. Beggar tötete ihre Mom, will Annes Vater ihm 10.000 Dollar geraubt hatte. Während er zu ihr fährt, erkundigen sich drei seiner Freunde vom Club in Atlantic City nach Jerry Beggar. Sie erfahren, dass er nach Washington geflogen ist. Caleb Shaw, ein weiteres Clubmitglied erhält in einer Bibliothek Beggars Besuch. Beggar bietet ihm viel Geld an, um an Annabelle Conroy heranzukommen, die mit Calebs Vorgänger liiert war. Caleb ruft aufgeregt Stone an, der in Maine ist. Dieser warnt Reuben in Atlantic City sowie Annabelle in Maine, die ihm falsche Papiere verschafft.
Es sieht ganz so aus, als müsste Stone nicht nur gegen den unbekannten Killer kämpfen, sondern auch sehr bald schon gegen den skrupellosen Jerry Beggar. Doch auch Carter Gray weilt keineswegs unter den Toten, sondern bereitet Stone schon bald ein unangenehmes Wiedersehen …
_Mein Eindruck_
Im typischen Baldacci-Stil springt die Erzählung von Szene zu Szene und wechselt dabei stets Schauplatz und Figuren. Schon bald hat der Hörer Mühe, den drei – oder waren’s vier? – Erzählsträngen zu folgen. Da ist zum einen Oliver Stone, dann Annabelle Conroy und ihr wiedergefundener Vater, die noch ein Hühnchen mit Jerry Beggar zu rupfen haben.
Schließlich taucht aus der Vergangenheit ein gewisser Harry Finn auf, der die ehemaligen Kollegen Stones bei der CIA eliminiert. Aber warum und in wessen Auftrag, fragen sich Stone und Carter Gray. Wie sich herausstellt, steckt Lesya, eine ehemalige russische Spionin, dahinter, die von Harry Finns Vater Ray Solomon für die CIA rekrutiert wurde. Doch zu welchem Zweck? Harry Finn ist hinter Stone alias John Carr her, weil dieser von Gray und Roger Simpson seinerzeit den Befehl erhielt, Solomon zu eliminieren. Solomon war ein unerwünschter Zeuge für eben jenen supergeheimen Zweck, den der US-Präsident nicht autorisiert hatte: die Ermordung der beiden sowjetischen Ministerpräsidenten Adropow und Tschernenko, denen 1986 Gorbatschow folgte.
Selbstverständlich darf nichts davon auch nur mit einem Sterbenswörtchen an die Öffentlichkeit gelangen, sondern wird der dritte Weltkrieg entfacht, suggeriert der Autor mehrfach. Also wächst bei allen Beteiligten der Druck, besonders bei Gray, Simpson und Stone. Indem sich jedoch Stone einfach an Finns Fersen heftet und ihm über die grüne Grenze nach Kanada folgt, stößt er auf Lesya und Geheimdokumente, die Grays und Simpsons Schuld am Anti-Andropow-Komplott beweisen. Brisanter Stoff! Lesya will Solomons Rehabilitation, Stone will Grays und Simpsons Ende.
Doch als sie in Washington eintreffen, ist dort die Lage bereits zu ihren Ungunsten gedreht worden – Gray ist auf alles vorbereitet. Deshalb kommt es direkt vor dem Capitol und dessen neuem Besucherzentrum zu einem explosiven Showdown, der sich gewaschen hat. Auch das Nachspiel bleibt spannend bis zur letzten Szene. Also: dranbleiben!
Man sieht also, dass der Autor nicht nur die Drecksarbeit der Spezialkommandos in Vietnam aufgearbeitet hat, sondern auch noch eine Erklärung für den vorzeitigen Tod der beiden Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko serviert. Sollen wir diesem Braten wirklich trauen? Lieber nicht, sonst könnte ja der dritte Weltkrieg ausbrechen.
Wem dieses ganze Geflecht von Querverbindungen und laufendem Szenenwechsel zu kompliziert ist, weil er lieber MTV schaut, der soll sich doch einfach das Buch zulegen. Da hat er dann Gelegenheit, jederzeit wieder zurückzublättern.
_Die Übersetzung_
… durch Uwe Anton, einen früheren Übersetzer von Comictexten – lang ists her – ist kompetent gelungen. Allerdings hatte ich am Anfang Schwierigkeiten, alle Abkürzungen zuzuordnen. Dass es sich beim NIC um das Heimatschutzministerium (das eigentlich DHS abgekürzt wird) handeln muss, begriff ich erst allmählich.
Anton hat einen erschreckend schweren Fehler schon in den ersten Kapiteln eingebaut. Da ist die Rede von einer „Foltermethode Surfbrett“. Das ergibt natürlich keinen Sinn. Gemeint sein dürfte wohl der allseits berüchtigte Begriff „Waterboarding“, der garantiert nichts mit Surfen zu tun hat, sondern mit dem simulierten Ersäufen eines Opfers. Mir ist schleierhaft, wie dieser Fehler in den Text geraten konnte.
_Unterm Strich_
In seiner üblichen Technik des spannenden Erzählens verknüpft Baldacci mehrere Handlungsstränge, um sowohl finstere Machenschaften aufzudecken als auch um ein altes Familiengeheimnis aufzudecken und zu sühnen. Dass dabei bestimmte Figuren auf der Strecke bleiben, andere aber überleben, versteht sich von selbst – mehr darf nicht verraten werden.
Seit „Der Abgrund“ hat Baldacci immer mehr Actionthriller geschrieben und mit den Romanen um den Camel Club (ab „Die Wächter“) verlegt er die Handlung regelmäßig in das Machtzentrum des Weißen Hauses. Damit macht er den amerikanischen Thrillern um Jason Bourne (Lustbader) und Alex Cross (Patterson) heftig Konkurrenz.
Baldacci schreckt nicht davor zurück, die Tode der beiden russischen Ministerpräsidenten Andropow und Tschernenko, die den Aufstieg Gorbatschows ermöglichten, der CIA unterzuschieben. Natürlich wusste der Präsident nichts davon! Aber klar doch. Und der Präsident genehmigte auch nie Foltermethoden wie Waterboarding (das hier fälschlich als „Surfbrett-Methode“ übersetzt wird). Schon klar.
Merkwürdig, dass sich zwischen Stone und Annabelle Conroy kein Techtelmechtel entwickelt. Aber er ist wohl „einfach zu alt für diesen Scheiß“, hat er doch schon in Vietnam gedient. Jedenfalls hat er nicht seine Kampffähigkeiten verloren. Der Leser ist gut beraten, Action bis zum Schluss zu erwarten.
|Taschenbuch: 480 Seiten
Originaltitel: Stone Cold (2007)
Aus dem US-Englischen von Uwe Anton
ISBN-13: 978-3404160808|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
_David Baldacci bei |Buchwurm.info|:_
[„Mit jedem Schlag der Stunde“ 2400
[„Im Bruchteil der Sekunde“ 836
[„Das Geschenk“ 815
[„Der Abgrund“ 414
[„Die Verschwörung“ 396
[„Das Versprechen“ 361
[„Die Versuchung“ 676
[„Im Takt des Todes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5677
[„Im Takt des Todes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5880
[„Die Sammler“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7058
Band 1: „Auf der Jagd nach dem Stein der Macht“
Band 2: _“Auf der Spur der silbernen Schatten“_
Band 3: „Auf der Suche nach dem goldenen Drachen“ (08.02.2013)
_Ein Zauberlehrling im Clinch mit dem Osama bin Laden der Wüste_
Im ersten Band der Trilogie wurde der junge Dieb Connwaer von dem Zauberer Nevery als Lehrling angenommen. Er gerät in den Machtkampf zwischen den Magiern, der Herzogin und dem finsteren Underlord Crowe, der einen unlizensierten Magier beschäftigt, wie Conn weiß. Alles hat damit zu tun, dass die magische Energie im Herzogtum Wellmet rapide abnimmt und Verfall einsetzt. Doch wer steckt dahinter?
Conn hat es herausgefunden und den Schaden behoben. Doch nun tauchen (in Band 2) furchtbare Schattenwesen auf, die ihre Opfer in Stein verwandeln. Die Magie von Wellmet versucht Conn zu warnen, stößt aber auf taube Ohren. Erst ein schrecklicher Unfall zwingt ihren Jünger Conn, Wellmet zu verlassen und in der Wüstenstadt Desh nach der Herkunft der Schattenwesen zu suchen …
_Die Autorin_
Sarah Prineas lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Iowa City und unterrichtet an der dortigen Universität u.a. Literatur und kreatives Schreiben. „Der magische Dieb – Auf der Jagd nach dem Stein der Macht“ war ihr Romandebüt und Auftakt zur gleichnamigen Trilogie. Mehr Infos: [www.der-magische-dieb.de]http://www.der-magische-dieb.de
_Handlung_
Connwaer, der magiebegabte Dieb, hat in seinem letzten Abenteuer die Stadt Wellmet vor dem Verschwinden der Magie, die sie wärmt und erhellt, bewahrt. Allerdings kam es bei seiner Rettungsaktion zu einer Explosion, bei der er seinen Zauberstein, den Locus magicalicus, verlor. Ohne diesen ist er nicht mehr als Zauberer qualifiziert.
Außerdem verbreitet er noch ketzerische Reden, die den Rat der Magier in rasende Wut versetzen: dass nämlich die Magie ein eigenständiges Wesen sei, und dass Zaubersprüche nur eine Methode, um mit diesem Wesen zu kommunizieren. Frechheit! Für seine Aufstiegschancen in der Zauberer-Community sieht es denkbar schlecht aus.
Bei der Explosion hat er direkten Kontakt mit der Magie von Wellmet aufgenommen. Diesen Erfolg will er nun wiederholen, denn er glaubt, dass die Magie etwas mitteilen will. Womöglich sogar eine Warnung. Denn es ereignen sich unerklärliche Todesfälle in Wellmet und zwar nicht nur im Armen- und Arbeiterviertel Twilight, sondern auch im Reichenviertel Sunrise: Menschen werden versteinert. Aber wodurch und von was?
Um dies herauszufinden, will Connwaer eine klitzekleine, wirklich nur eine winzige Explosion in seiner Stube in Magier Neverys Haus zustande bringen. Leider machen die Zutaten flüssiges Silbes und Tourmalefine ihm einen dicken Strich durch die Rechnung, indem sie sich verselbständigen. Die Detonation ist recht beachtlich und verwüstet die Stube. Immerhin gibt es einen Erfolg: Die Magie versorgt Connwaer mit einem ellenlangen Zauberspruch. Leider versteht er davon nur den Namen „Desh“. Dies ist die nächstgelegene Stadt im Süden. Sie wird von dem Zauberkönig Jaggus beherrscht.
Entgegen der Proteste von Meister Nevery besorgt sich Connwaer mit der finanziellen Unterstützung seiner Freundin Rowan, der unternehmungslustigen Tochter der Herzogin, eine Menge Nachschub für seine Explosionen. Den bekommt er nur in Twilight. Dort warnt man ihn vor den Schatten, den Bösen. Und tatsächlich versucht ihn so ein Schattenwesen zu überwältigen und in Stein zu verwandeln. Bei dem Jungen Dee ist es ihnen bereits gelungen. Er entdeckt, dass diese tödlichen Wesen aus dunklem Silber bestehen, einer verdrehten Form von flüssigem Silber. Doch wem gehorchen sie? Nevery sagt, dass der Hauptlieferant von flüssigem Silber die Minen von Desh seien …
Die nächste Explosion zerstört Nevrys Haus vollständig und verletzt den Hausdiener Benet schwer, von Neverys Bibliothek ganz zu schweigen. Connwaer kann von Glück sagen, dass er noch am Leben ist. Nun ist seine Verbannung unvermeidlich, Connwaer muss fort und die Wärme der Wellmet-Magie verlassen. Das mit Benet tut ihm von Herzen leid. Aber da Rowan im Auftrag ihrer Mutter bereits nach Desh unterwegs ist, um als Diplomatin Jaggus nach den Schatten zu befragen, braucht er sich ihr nur anzuschließen.
Denkt er. Doch wie sich herausstellt, ist er bei Rowan und ihren Beschützern alles andere als willkommen. In Desh allerdings ist es nur Connwaers Schlossknackerkunst zu verdanken, dass Rowan überhaupt etwas herausfindet. Und was sie dort erfahren, ist alles andere als ungefährlich …
_Mein Eindruck_
Wie schon im ersten Band der Trilogie (siehe meinen Bericht) freute ich mich über den unerschrockenen Einfallsreichtum des Zauberlehrlings, der überhaupt nicht brav ist. Seine Situation ist weit entfernt von den geregelten Abläufen einer Internatsschule wie Hogwarts. Und Harry Schotter wäre niemals Weltmeister im Schlösserknacken geworden.
Wenigstens hat Connwaer in Rowan eine mindestens ebenso unternehmungslustige Gefährtin, auch wenn er sie nicht immer fair behandelt. Aber sie ahnt im Herzen, dass er der einzige Magier ist, der Wellmet retten kann. Denn die alten, verknöcherten Magier-Knacker sperren sich für jede Idee, die auch nur im Ruch steht, neu zu sein – und somit ihre Autorität infrage stellt.
Als Tochter der Herzogin bricht Rowan nach Desh auf. Sie hat dort eine diplomatische Mission zu erfüllen, und ihre Fechtkünste sollen ihr ebenfalls gute Dienste erweisen. Die Fechtlektionen, die sie ihren Lehrer Argent dem ungeschickten Connwaer erteilen lässt, sind allerdings kein Quell der Freude für die beiden, sondern nur für uns, die Leser. Connwaer kommt eben aus der Gosse von Twilight, und als Gossenkind befleißigt er sich durchaus unlauterer Kampfmethoden.
Diese Szenen dienen der Vorbereitung auf das, was die Wellmet-Delegation in Desh erwartet. Von König Jaggus ist kein verräterisches Wort herauszubekommen, und auch sein Locus Magicalicus ist nirgendwo zu finden. Erst als es Conn gelingt, in dessen geheimes Arbeitszimmer einzudringen, wird ihm klar, was Jaggus vorhat: Er produziert dunkles Silber, um damit die Magie von Desh in seine Gewalt zu bringen, Nicht genug damit, schickt er auch noch Schatten aus, um auch Wellmet zu terrorisieren. Erst als Jaggus den Zauberlehrling gefangen nimmt, wird klar, dass noch mehr dahintersteckt: Die Magie des Schreckens hat Jaggus in Besitz genommen, und der genießt nun scheinbar unbegrenzte Macht.
Spannend wird es, als Jaggus Arhionvar, die Magie des Schreckens, auf Conn loslässt. Wird sie ihn ebenfalls verschlingen?
|Terroristen aus der Wüste|
Dass diese Handlung eine Parabel, lässt sich unschwer erkennen. Schon im ersten Band war die Aussage sehr deutlich: Die Magie ist dort nur eine weitere Form von Energie, die Wärme und Helligkeit spendet. Hier geht es nun um das Gegenteil. Die Schatten sind eine pervertierte Form von Magie, die Terror verbreiten sollen. Ihre Opfer erstarren buchstäblich vor Angst zu Stein. Die Parallele zum Terrorismus unserer Tage ist unübersehbar.
Deshalb ist es interessant zu schauen, wie die Autorin Terrorismus Begriffen der Magier-Fantasy erklärt. Jaggus, der Entsender der Schatten (= Agenten), genießt die Macht, die er durch seine Schreckensherrschaft erlangt. Doch er erweist sich selbst nur als Nutznießer und Agent einer größeren Macht. Ahrionvar, die Magie des Schreckens, hat von ihm Besitz ergreifen können, weil er es zuließ.
Jaggus weist Conn eindringlich auf die Ähnlichkeit zwischen ihnen beiden hin. Sie waren beide einsame Waisenkinder, die Hilfe und Anerkennung suchten. Jaggus ließ sich von Arhionvar besitzen, um nicht mehr einsam und allein sein zu müssen. Und auch Conn sucht den Kontakt zur Magie von Wellmet. Allerdings gibt es einen gravierenden Unterschied: Conn hat Rowan, Nevery und Benet, die ihn alle unterstützen.
Nicht nur dies hilft ihm, Arhionvars Angriff zu parieren. Conn hat beinahe Benets Leben auf dem Gewissen, einen Mann, den er liebt wie eine Mutter. (Nevery stellt die Vaterfigur dar.) Conn hat eine Schuld auf sich geladen. Würde er sich in die Hand des Schreckens begeben, dann wird er nicht nur diese Schuld verraten, sondern sich auch noch auf jene Seite stellen, die Benet so schwer verletzt hat. Es würde sich selbst doppelt verraten.
Man sieht also, dass die Autorin nicht nur eine Beschreibung des Terrorismus liefert, den sie als Herrschaftsinstrument interpretiert. Sie zeigt auch auf, wie es gelingen sollte, dem Terrorismus standzuhalten und sich nicht mit ihm und seinen Mechanismen gemein zu machen. Die Opfer verpflichten die Überlebenden, dem Terror abzuschwören – und ihm zu widerstehen. Wer dies unterlässt, verliert die Essenz dessen, was ihn menschlich macht – siehe Jaggus.
|Die Sendboten|
Die gute Magie hat ihre eigenen Sendboten, und sie treten in vielfältiger Zahl auf. In Wellmet sind es die Raben, die Conn auf Schritt und Tritt beobachten und später auch als Brieftauben dienen. In Desh nehmen ihre Stellen die Eidechsen ein, die überall zu finden sind – und die Jaggus abgrundtief hasst. Das ergibt einen Sinn, denn Jaggus ist als Diener der bösen Magie ein Feind aller Sendboten des Guten. Allerdings vermeidet die Autorin es, alles in gut und böse einzuteilen, als gäbe es weiße und schwarze Magie. Bei ihr ist der Übergang fließend, genau wie in der Realität.
|Schwächen|
Das Buch ist gut, aber nicht perfekt. So empfang ich den Schluss als Cliffhanger: Die Auflösung einer zentralen Frage fehlt nämlich meines Erachtens. Wenn Ahrionvar in Conns Kopf und Seele eingedrungen ist, wie soll es ihm gelingen, sie von dort wieder zu entfernen? Diese Frage scheint sich gar nicht zu stellen. Aber warum die böse Magie auf einmal verschwinden sollte, wird nie begründet. Meines Erachtens hat sie keinen Grund dazu. Ich hoffe sehr, dass der dritte Band, der im Februar 2013 bei uns erscheinen soll, die fehlende Antwort liefert.
Außerdem fand ich es ungewöhnlich, um nicht zu sagen: unplausibel, dass Rowan ihrem Freund praktisch alles durchgehen lässt und ihm alles nachsieht. Sie ist wie eine gütige Mutter oder ein guter Geist, die keinerlei Kritik übt, obwohl sich Conn dich einiges zuschulden kommen lässt. Aber wenigstens rettet er ihrer Mutter das Leben. Vielleicht ist sie ja einfach nur dankbar?
|Anhänge|
In den vier Anhängen findet der junge Leser Angaben über die wichtigsten Personen, die herausragenden Orte wie etwa die Akademie, sodann die Erklärung zum Runenalphabet, das wir unter Neverys Tagebucheinträgen sehen und zuletzt vier Backrezepte: Benets Brötchen und Conns Brötchen. Brötchen wirken zwar unscheinbar, doch unserem Helden verleihen sie auf seinen Schleichwegen Kraft und Durchhaltevermögen. Den Abschluss bilden Rowan Forestals Anmerkungen zum Schwertkampf, in denen die wichtigsten Grundbegriffe erklärt werden.
|Illustrationen|
Das Buch ist wunderschön illustriert. Die Bleistiftzeichnungen zeigen die wichtigsten Gebäude in Wellmet sowie diverse Wesen, beispielsweise die Schattenwesen. Allerdings tauchen diese Zeichnungen immer wieder als Leitmotive auf, quasi als Embleme, die eine bestimmte Örtlichkeit oder Person signalisieren. Da zahlreiche Briefe und Botschaften ausgetauscht werden, sind diese auch zu reproduzieren – inklusive Tintenflecken und Eidechsenfährten.
|Die Übersetzung |
Die Übersetzung ist außerordentlich gut gelungen. Ich stieß nur auf nur drei, vier Fehler, die meisten davon Endungsfehler.
_Unterm Strich_
Ich habe nur einen Nachmittag für diese flott geschriebene, actionreiche und spannende Geschichte benötigt. Die zahlreichen Botschaften und Briefe, die auf Pergament-Faksimile so groß gedruckt sind, sparen jede Menge Seiten, ebenso die umfangreichen Anhänge. So bleiben für die eigentliche Story nur etwa 260 Seiten übrig, die ratzfatz ausgelesen sind.
Das soll nicht bedeuten, dass die Handlung geradlinig vor sich hinplätschert. Es gibt durchaus ein paar Komplikationen, aber sie sind so schnell bewältigt, dass sie den Lesehunger nicht stoppen können. Es sind immer wieder die Auseinandersetzungen mit den Handlangern von Jaggus, der eine Art Osama bin Laden der Wüste darstellt, die für Spannung und Action sorgen. Diese Spannung wird immer wieder durch ironisch-humorvolle Szenen, in denen sich Conn entweder als Fechter-Niete, als gemeingefährlicher Chemiker oder als Schlossknackergenie erweist.
Ich würde das Buch ab etwa zehn Jahren empfehlen.
Wegen des Cliffhanger-Charakters des Buchschlusses bin schon sehr gespannt auf die Fortsetzung, der allerdings erst im Febriuar 2013 bei uns erscheinen soll.
|Taschenbuch: 287 Seiten
Originaltitel: The Magic Thief: Lost (2009)
Vom Verlag empfohlenes Lesealter: 10 – 12 Jahre
Aus dem Englischen von Knut Krüger
ISBN-13: 978-3570223376|
[www.randomhouse.de/cbjugendbuch]http://www.randomhouse.de/cbjugendbuch/index.jsp
_Unterhaltsamer, ironischer: Philip Marlowes neuer Fall_
Carmen Sternwood, ein neurotisches blondes Gift, ist aus dem Sanatorium verschwunden. Und Philip Marlowe, Privatdetektiv und Blondinenexperte, soll sie schleunigst wiederfinden. Der Auftrag führt Marlowe zurück auf die schäbigen Straßen von Los Angeles, in ein düsteres Labyrinth des Verbrechens, in dem sündige Engel und schlagringbewehrte Mobster, kalte Killer und miese Bullen nur auf ihn warten. Eins weiß er sicher, dass weiße Spitzenbüstenhalter immer schon gefährlicher als 45er Revolver waren. Und bei der Schwester der Gesuchten hat er gute Chancen, endgültig unter die Räder zu kommen … (Verlagsinfo)
Die Übersetzung „Tote träumen nicht“ erschien 1991 bei Knaus als Teil 9 der „Philip Marlowe“-Serie.
_Die Autoren_
1) Der US-Autor Robert B. Parker, geboren 1932, gehörte zu den Topverdienern im Krimigeschäft, aber auch zu den fleißigsten Autoren – er hat bis zum seinem unerwarteten Tod im Januar 2010 über 50 Romane veröffentlicht. Am bekanntesten sind neben der „Spenser“-Reihe wohl seine neun „Jesse Stone“-Krimis, denn deren Verfilmung mit Tom Selleck in der Titelrolle wird gerade vom ZDF gezeigt. Der ehemalige Professor für Amerikanische Literatur Robert B. Parker lebte mit seiner Frau Joan in Boston, Massachusetts, und dort oder in der Nähe spielen viele seiner Krimis.
Neben seinen etwa 60 Krimis schrieb Parker ein Sequel zu Raymond Chandlers verfilmtem Klassiker „The Big Sleep“ (mit Bogart und Bacall) und mit „Poodle Springs“ einen unvollendeten Chandler-Krimi zu Ende. „Gunman’s Rhapsody“ ist seine Nacherzählung der Schießerei am O. K. Corral mit Wyatt Earp und Doc Holliday, ein klassischer Western.
2) Raymond Chandler
Raymond Thornton Chandler wurde am 23. Juli 1888 in Chicago geboren. Der alkoholsüchtige Vater verließ die Familie, als Raymond sieben Jahre alt war. Die Mutter siedelte mit dem Jungen nach Großbritannien über. Auf dem College beschäftigte er sich vor allem mit Malerei und mit Literatur. Um die Sprachen zu lernen, ging Chandler jeweils für ein Jahr nach Frankreich und nach Deutschland.
1907 nahm Chandler die britische Staatsbürgerschaft an und arbeitete für kurze Zeit beim britischen Naval Stores Branch. Dann verdingte er sich als Reporter für den London Daily Express und die Bristol Western Gazette. Nebenbei veröffentlichte er mehrere Gedichte und seine erste Erzählung. 1912 kehrte er in die USA zurück und schlug sich in Los Angeles mit den unterschiedlichsten Jobs durch. In Abendkursen eignete sich Chandler Buchhaltung und Rechnungswesen an.
1917 meldete Chandler sich zur kanadischen Armee. Er machte eine Ausbildung bei der Luftwaffe, doch kurz vor dem Abschluss seines Trainings war der Krieg in Europa vorbei. Chandler kehrte nach Los Angeles zurück und wurde Buchhalter einer Molkerei. 1922 übernahm er den Posten des Buchhalters in einer Öl-Firma und stieg binnen kurzer Zeit zum Vize-Präsidenten auf. Zwei Jahre später heiratete er Cissy Pascal, die fast 18 Jahre älter war als er selbst.
1932 verlor Chandler seinen Posten, weil er zu viel trank und häufig krankfeierte. Von nun an widmete sich Raymond Chandler ganz dem Schreiben. Er arbeitete fünf Monate an einer Erzählung, die er schließlich dem Magazin »Black Mask« verkaufte: 1933 erschien Chandlers erste Kriminalgeschichte. In seiner vierten Geschichte »Killer in the Rain« tritt zum ersten Mal Philip Marlowe auf, der zum Prototypen des amerikanischen Detektivs wird. 1939 erschien Chandlers erster Roman „Der große Schlaf“. Seine Romane entstanden aus dem Zusammenfügen und verdichten mehrerer Geschichten.
Anfang der vierziger Jahre begann Chandlers Kontakt mit Hollywood. Es gelang ihm, die Film-Rechte an seinen ersten Romanen zu verkaufen. Billy Wilder überredete ihn 1943, gemeinsam ein Drehbuch des Romans »Double Indemnity« von James M. Cain zu schreiben. Für sein Script zu »The Blue Dahlia« wurde Chandler für den Oscar nominiert.
Chandlers Frau Cissy verstarb im Dezember 1954 nach langer, schwerer Krankheit. Ihr Tod warf Chandler aus der Bahn. Er verfiel dem Alkohol und unternahm einen Selbstmordversuch. Chandler reiste viel, auch nach Europa. Er starb am 26. März 1959 in LaJolla, Kalifornien.
Krimis von Raymond Chandler:
|Die Philip-Marlowe-Reihe:|
o (1939) Der große Schlaf (The Big Sleep )
o (1940) Lebwohl, mein Liebling (Farewell, My Lovely )
o (1942) Das hohe Fenster (The High Window )
o (1943) Die Tote im See (The Lady in the Lake )
o (1949) Die kleine Schwester (The Little Sister )
o (1953) Der lange Abschied (The Long Good-bye )
o (1958) Playback (Playback )
o (1989) Einsame Klasse (vollendet von Robert B. Parker: Poodle Springs)
o (1991) Tote träumen nicht (Fortsetzung zu »Der große Schlaf« von Robert B. Parker: Perchance to dream)
_Handlung_
|PROLOG|
Da dies die Fortsetzung von „The Big Sleep“ ist, schickt der Autor der Haupthandlung das Beschlusskapitel von „The Big Sleep“ voraus. In rückblickenden Aussagen von Philip Marlowe und seiner Beinahe-Geliebten Vivian Sternwood erfahren wir so, um was es überhaupt gegangen ist.
Und auf diese Weise erinnern sie uns daran, welche Figuren und Namen im Vorgänger wichtig sind und wahrscheinlich wieder auftauchen werden, so etwa der zwielichtige Eddie Mars, ein Club-Besitzer oder der verblichene Rusty Regan. Wer hat ihn eigentlich auf dem Gewissen? Hier wird es geklärt. Und eines wird dabei sehr deutlich: Vivians Schwester Carmen ist völlig unzurechnungsfähig …
|Haupthandlung|
General Sternwood ist gestorben, friedlich im Bett, sollte man betonen. Vivian hat Carmen auf Marlowes Anraten in ein Sanatorium geschickt. Doch nun erfährt er von ihrem Butler Norris, dass Carmen dort seit zwei Tagen nicht mehr gesehen worden ist. Vivian behauptet, sie habe bereits Eddie Mars gebeten, sich darum zu kümmern, doch der tut so, als wisse er von nichts. Und der Leiter des Resthaven-Sanatorium, „Dr.“ Bonsentir, der nirgendwo als Arzt registriert ist, wirft Marlowe durch zwei seiner Gorillas kurzerhand raus.
Das lässt sich Marlowe nicht lange bieten. Obwohl ihn die Cops, Eddie Mars und auch Vivian davor warnen, Bonsentirs Weg zu kreuzen, weil dieser Protektion ganz oben genieße, dringt der Privatdetektiv ein. Es gelingt ihm, mit einer alten Patientin zu sprechen, Mrs. Swayze liest gerade ein knallhartes Pornoheft, das selbst Marlowe rotwerden lässt. Kaum hat sie einen Namen erwähnt, dringt schon wieder einer der Gorillas auf Marlowe ein. Doch dieser ist gewappnet und verlässt ungeschoren das Feld.
Der unter solchen Mühen errungene namen laut „Simpson“. Er gibt über 100 davon in L. A., doch Vivian kennt den Betreffenden: Ronald Simpson ist ein Multimillionär, der abgeschieden und abgeschottet in einer Burg lebt – das findet Marlowe bei einem kleinen Besuch heraus. Aber auch nicht mehr, denn Simpsons PERSÖNLICHE Assistentin, die Königin Victoria Konkurrenz machen könnte, sagt keinen Piep und weiß von nichts. Sternwood? Nie gehört! Wen will sie eigentlich auf den Arm nehmen, fragt sich Marlowe.
Lt. Ohls, der Distriktsheriff, nimmt ihn zu einem Leichenfund mit: Ist es Carmen? Doch die Leiche einer jungen Frau ist als schwarzhaarig zu erkennen, selbst wenn ihr der Kopf fehlt. Bemerkenswert ist aber, dass in einem Streichholzheftchen die Telefonnummer von Carmen (oder Vivian) steht. Als Ohls und Marlowe „Dr.“ Bonsentir einen Besuch abstatten, um nach Carmen zu fragen, sagt der Arzt, sie sei nicht mehr da – ebenso wenig wie Marlowes Zeugin. Und Bonsentir gibt Ohls seinen Telefonhörer: Der Bezirksstaatsanwalt ist dran. DA Wilde vergattert sie dazu, die Finger von Bonsentir zu lassen, über den Simpson bekanntlich die Hand hält. Aber beide lassen durchblicken, dass diese Zurückhaltung nicht für Marlowe gelte …
Auch Vivian kann ihren neuen Lover Marlowe nicht davon abhalten, dem Sadomasochisten Simpson das Handwerk zu legen. Er weiß, dass er sich dann mit Simpsons Freunden, dem Gouverneur von Kalifornien und dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, anlegt. Na und? Was hat er schon zu verlieren? Nur seinen Sinn für Gerechtigkeit. Und das Leben einer unzurechnungsfähigen Frau. Und beides kann Marlowe niemals zulassen.
Dann macht der Gegner einen dummen Fehler und Marlowe bekommt den ersten Hinweis darauf, was Simpson und Bonsentir im Schilde führen.
_Mein Eindruck_
Ich muss zugeben, ich war teils erfreut und teils enttäuscht. Erfreut war ich über das Wiedersehen mit Spenser, denn dessen Charakter füllt nun die Persona von Philip Marlowe aus: gesellig, witzig, selbstironisch, unerschrocken und ein Teamarbeiter – also so ziemlich das Gegenteil von Chandlers einzelgängerischem Marlowe.
Marlowe verbündet sich sogar mit dem zwielichtigen Nachtklubbesitzer Eddie Mars, ein Schachzug, den der Original-Marlowe wohl nicht einmal in Betracht gezogen hätte. Aber Parkers Marlowe lässt fünfe auch mal gerade sein und billigt den Verbrechern eine Existenzberechtigung zu. Ganz besonders dann, wenn sie ihm dazu verhelfen, seine Mission zu erfüllen. Ironischer- oder traurigerweise ist es am Schluss Eddie Mars, der Vivian Sternwood trösten wird. Denn Marlowe, der proletarisch lebende Outcast, passt einfach in die Nobelhütte der Millionenerbin. Aber er erweist dem verblichenen General die letzte Ehre.
Worum geht es nun eigentlich in dieser Fortsetzung des Klassikers? Wer gedacht hat, dass Bonsentir ein mieser Kerl ist, ist auf der richtigen Fährte: Er ist Simpsons Zuhälter, dessen Mentor und wohl auch der Initiator des riesigen Dings, das die beiden in den Bergen drehen wollen: ein Wasserdiebstahl in gigantischem Ausmaß.
Diesem geplanten Verbrechen kommt Marlowe schrittchenweise und durch hartnäckiges Nachfragen auf die Spur. Eine verwitwete Journalistin aus altem Schrot und Korn steht ihm dabei hilfreich gegen Simpsons zwielichtige Typen, zu denen auch zwei Dorfpolizisten gehören, zur Seite. Chandler hätte solche uramerikanischen Szenen niemals schreiben können, glaube ich (ich muss noch viel von ihm lesen), aber Parker bringt die Szenen mit Pauline Snow ganz natürlich rüber – und mit jeder Menge bodenständigem Humor. Spenser in Aktion! Zusammen stoßen sie auf blutige Spuren eines Verbrechens – und auf die Herkunft der zerstückelten Frauenleiche.
Nun ist die Hauptfrage, die Marlowe immer wieder um die Ohren gehauen wird, die nach den handfesten Beweisen für Simpsons und Bonsentirs Verbrechen und Machenschaften. Wer Parkers bzw. Spensers Arbeitsmethode kennt, der ahnt schon, dass nur eine direkte Konfrontation mit dem großen Hintermann selbst die Lösung des Rätsels und Problems bringen kann. Außerdem muss Marlowe noch Carmen aufspüren. Die beste Gelegenheit bietet sich, als Simpsons Riesenyacht an der Küste vor Anker und Bonsentir an Bord geht …
Und hier beginnt der enttäuschende Teil. Das Finale hatte ich mir aufgrund der „Spenser“-Krimis fulminanter und actionreicher vorgestellt. Stattdessen ist es eine Mischung aus mitleiderregender Komödie auf Seiten von Simpson/Bonsentir, hirnlosem Dauernkichern auf Seiten von Carmen und Heldentum wider Willen auf Seiten von Marlowe. Von Spensers Souveränität also keine Spur.
Man könnte allerdings mit Fug und Recht einwenden, dass Marlowe keineswegs Spensers Verhalten entsprechen muss. Deshalb muss er auch weder perfekt sein noch Spensers Körperstärke und Gewaltbereitschaft aufweisen. Wer solche Eigenschaften erwartet, wird enttäuscht. Und Spenser würde auch niemals ein schickes Mädel wie Vivian Sternwood sitzenlassen.
_Unterm Strich_
Diese Fortsetzung von „Der große Schlaf“ ist also keineswegs ein weiterer „Spenser“-Krimi. Das ist gut und schlecht. Es ist gut, weil Marlowe-Freunde sich hier wiederfinden können und Marlowe nicht wie Spenser mit Körper- und Gewalteinsatz kämpft, sondern mit Köpfchen (Marlowe ist Schachspieler) und ganz viel Geduld (er lauert ganze drei Tage vor Bonsentirs Klinik). Daher fällt die Action im Finale ganz anders aus als erwartet. Hauptsache, Erfolg.
Doch dieser Marlowe ist kein mürrischer Einzelgänger mehr, der er bei Chandler war. Vielmehr arbeitet diese Version nun gerne mit den Behörden zusammen, gibt sich leutselig mit Journalisten und verbündet sich mit einem Gangster. Ja, er lässt sich sogar zu einer stürmischen Liebesnacht mit Vivian Sternwood hinreißen. Auch sie hat sich verändert: Aus der skrupellosen Raubkatze ist ein anschmiegsames, schutzbedürftiges Schmusekätzchen geworden. Lediglich Carmen ist sich treu geblieben: Kind und Teufel in einem.
Die zahlreichen Zitate, die besonders im ersten Viertel massiv eingefügt sind (so etwa der Prolog), erleichtern den Einstieg ungemein, ohne dass man „Der große Schlaf“ kennen muss. Damit eignet sich dieses Buch eigentlich für jeden Krimikenner, der sich kurzweilig unterhalten lassen möchte. Vielleicht hätte sich Parker auch von Dashiell Hammett („Der Malteser Falke“, „Der dünne Mann“) inspirieren lassen sollen.
Als Krimi auf Chandler-Niveau erreicht das Buch jedoch nie den Meister, wie mir scheint, selbst wenn Simpson direkt kritisiert und demontiert wird, der „Freund“ der Mächtigen. Hier wird die kalifornische Gesellschaft also solche unter Anklage gestellt: Wirtschaftlicher Erfolg wird begrüßt, und über die Tatsache, dass der ultrareiche Simpson Mädchen wie seltene Früchte konsumiert und sie dann von Bonsentir „entsorgen“ lässt, schaut man geflissentlich hinweg.
Simpson ist – ähnlich wie Howard Hughes – so gemütskrank wie Carmen Sternwood, ein Anzeichen für die Dekadenz, die die Gesellschaft erreicht hat. Der Autor fragt, wie viel eine Gesellschaft wert ist, die es zulässt, dass ihre schwächsten Mitglieder von ihresgleichen ungestraft getötet werden können.
Der Originaltitel verweist auf die Träume, die Marlowe heimsuchen. Dieses Merkmal sucht man bei Chandlers Detektiv vergebens. Es sind grausame und bizarre Träume, manche auch pathetisch auf Kosten des Träumers. Es gibt noch eine Träumerin: Mrs. Swayze, die alte Insassin von Bonsentirs Klinik. Wenn sie von ihrem Pornoheft aufblickt, blickt sie sehnsüchtig nach ihrem Haus, das nirgendwo zu erblicken ist. Sie ist die Inkarnation einer alt und dekadent gewordenen Gesellschaft, die den Kontakt zur Realität verloren hat. Tagträume, das weiß jeder, sind jedoch in Hollywood an der Tagesordnung. Und wir träumen alle fröhlich mit, wenn wir ins Kino gehen.
Festzuhalten bleibt vielleicht, dass Parker sich Chandler zum Vorbild nahm und sich der Polizeihauptmann Cronjager aus „Der große Schlaf“ direkt im ersten Jesse-Stone-Krimi „Night Passage“ wiederfindet. Wenn es je eine Hommage an ein Vorbild gab, dann diese.
_|Mark Brandis| als Hörspiel:_
01 [„Bordbuch Delta VII“ 4995
02 [„Verrat auf der Venus“ 5013
03 [„Unternehmen Delphin“ 5524
04 [„Aufstand der Roboter“ 5986
05 [„Testakte Kolibri 1“ 5984
06 [„Testakte Kolibri 2“ 5985
07 [„Vorstoß zum Uranus 1“ 6245
08 [„Vorstoß zum Uranus 2“ 6246
09 [„Raumsonde Epsilon 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
10 [„Raumsonde Epsilon 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468
11 „Die Vollstrecker 1“
12 „Die Vollstrecker 2“
13 [„Pilgrim 2000 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7059
14 [„Pilgrim 2000 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7060
15 [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7128
16 [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7129
17 [„Alarm für die Erde“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7479
18 [„Alarm für die Erde“ (Teil 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7480
19 „Sirius Patrouille“ (geplant für März 2012)
_Showdown am Atomvulkan: hitzige Action_
Man schreibt das Jahr 2130: Die tödliche Mischung aus Vulkanlava und hochradioaktivem Atommüll verseucht immer größere Teile Afrikas. Hochkommissar Mark Brandis hat alle Hände voll zu tun, um die Evakuierungsmaßnahmen mit den eintreffenden Katastrophenmeldungen zu koordinieren. Allen Bemühungen zum Trotz haben die »Fliegenden Löwen« zunehmend Erfolg damit, die Menschen in den betroffenen Gebieten zum Bleiben zu bewegen. In Peking reift ein Plan, wie man sich das Chaos am besten zunutze machen könnte .. (abgewandelte Verlagsinfos)
Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 12 Jahren.
_Der Autor_
Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach „Perry Rhodan“) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.
Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart imm Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)
Bisher erschienen (Gesamt-Titel ohne Teile)
1) Bordbuch Delta
2) Verrat auf der Venus
3) Unternehmen Delphin
4) Aufstand der Roboter
5) Testakte Kolibri
6) Vorstoß zum Uranus
7) Raumsonde Epsilon
8) Die Vollstrecker
9) Pilgrim 2000
10) Alarm für die Erde
11) Sirius-Patrouille
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt
Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual Reality Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell Momentaufnahmen Wettbewerb ein.
Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.
Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Tommi Schneefuß und Sven-Michael Bluhm.
|Die Rollen und ihre Sprecher:|
John Harris: Gerhart Hinze
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Walter »Wally« Ryan: Uve Teschner
Henri Vidal: Marion von Stengel
Nanami Kitahoshi: Meylan Chao
Magnus Sauerlein: Stefan Peters
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Ruth O’Hara: Dorothea Anna Hagena
Walter Hildebrand: Oliver Rohrbeck
Cmdr. Robert Monnier: Holger Umbreit
Iris Monnier: Ulrike Kapfer
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
John Malembo: Jan Spitzer
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
sowie Dennis Bruhn, Markus Kähler, Jochim-C. Redeker, Balthasar v. Weymarn
_Hintergrund und Vorgeschichte_
Die Mark Brandis – Hörspielreihe begann 2005-2007 mit Bordbuch Delta VII. Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.
* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;
* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;
EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis
VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking
VEGA
Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.
_Handlung_
Dies ist die direkte Fortsetzung von Teil 1 (logo!).
Mark Brandis hat seinem langjährigen Freund Robert Monnier erlaubt, 390 afrikanische Waisenkinder in einem für die Top-Klasse reservierten Flieger auszufliegen. Stante pede muss sich mark für seine humanitäre Tat verantworten. Man hat die Kinder alle wieder aus dem Flieger evakuiert, und Soldaten sind mit Robert Monnier nach Spanien geflogen. Na prächtig! Mark schnaubt frustriert.
Stattdessen schickt ihn die VEGA in den erdnahen Raum, um dort eine chinesische Überläuferin zu kontaktieren. Hoshi informiert ihn, dass die VOR-Invasion in Neukaledonien und auf dem Mond nur der erste Schritt in einem umfassenden Krieg darstelle: Das Ziel sei Australien, das neutral und daher unbewaffnet ist. Als das Treffen angegriffen wird, lässt Brandis zurückschießen.
Sein Chef Harris ist darüber wütend. Er entbindet Brandis mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben als Hochkommissar und bietet ihm stattdessen eine Mission an der Quelle des afrikanischen Unheils an: Eine Atomexplosion soll die Eruption ausblasen. Für Brandis und Leutnant Torrente (vgl. „Pilgrim 2000“) beginnt eine der gefährlichsten Missionen ihres Lebens. Denn Gefahr droht nicht nur von den regelmäßigen Ausbrüchen des Vulkans, sondern nach wie vor von Seiten der Fliegenden Löwen …
_Mein Eindruck_
Während die erste Hälfte dieser Folge keinen vom Hocker reißt, weil es vor allem um administrative Rangeleien und eine Spionageaktion geht, wird dieses Manko an Action und Spannung durch die zweite Hälfte vollwertig aufgewogen. Hier wird der Hörer direkt ins Geschehen hineingeworfen: ins Innere eines kochenden Vulkankraters!
Brandis und Torrente versuchen, eine Atombombe – auch nicht gerade die pflegeleichteste Fracht – per Hubschrauber in den Krater zu werfen. Dabei werden sie von Angreifern der Fliegenden Löwen massiv gestört – eine brenzlige Lage, die noch von der Atombombe und den Vulkanausbrüchen potenziert wird. Das ist extrem spannend inszeniert. Hier darf aber nicht verraten werden, wie die waghalsige Aktion ausgeht und ob sie den erhofften Erfolg zeitigt.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa Triebwerke oder Luken und Schleusen. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte den Hörer dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt.
Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.
Ein Höhepunkt der Sounddramaturgie ist der Actionknaller in der zweiten Hälfte dieser Folge. Im Hintergrund hört man den Vulkan rumoren und die Hitze wabern. Im Vordergrund dröhnen die Rotorblätter des Hubschraubers. Richtig laut wird es, als der Heli eine Tür verliert. Dennoch kann man jedes Wort der drei Sprecher verstehen – eine Meisterleistung der Tontechnik.
|Die Sprecher|
Die Sprecher erfüllen ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit. Es handelt sich um die immer wieder in der Serie auftauchenden Hauptfiguren wie der Titelheld, seine Frau und sein Boss. Daneben ergeben sich immer wieder neue Nebenfiguren, darunter auch chinesisch oder afrikanisch klingende Sprecher.
|Musik|
Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den Intermezzi.
Ganz am Schluss erklingt ein Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer langsamen Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der langen Absage, bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden.
|Das Booklet|
Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen der Serie, über die Macher und über die Sprecher. In den Zusatzinformationen ist ein Auszug aus dem berüchtigten Q-Papier zu finden, das die Afrika-Flüchtlinge in vier Prioritätsklassen hinsichtlich ihrer Evakuierung einteilt: Evakuierung unbedingt erforderlich (1), wünschenswert (2), bedingt vorgesehen (3) und nicht vorgesehen (4). Ein Widerspruch gegen die Einteilung ist erst nach Ende des Katastrophenzustands zugelassen …
Auf der nächsten Seite ist ein Auszug aus den Reiseberichten von Mark Brandis zu finden. Es geht um sein Verhältnis zu Colonel Chemnitzer, den Verführer seiner Frau Ruth, der sie dann, als der Vulkan ausbrach, sitzengelassen hatte. Nun soll er ihn nach Metropolis bringen. Kann er sich weigern?
_Unterm Strich_
Die 2. Hälfte dieser Doppelfolge – deren Teilung durchaus willkommen ist – führt die Handlung erwartungsgemäß direkt weiter, verlegt die Schauplätze aber von Nordafrika hinaus in den erdnahen Raum und dann wieder zurück zum Kilimandscharo. Auf diese Weise schließt sich der Kreis der Bewegung in der Handlung.
Die weniger actionbetonten Geschehnisse in der ersten Hälfte dieser Folge werden durch den Action-Höhepunkt in der zweiten Hälfte aufgewogen. Hier werden die Hörer direkt ins wilde Geschehen – siehe oben – hineingezogen. Die Tontechnik hat in dieser Szene knifflige Probleme zu lösen, doch ist ihr dies bravourös gelungen, so dass wir jedes Wort der drei Sprecher verstehen können. Wie diese Aktion ausgeht, darf hier nicht verraten werden.
|Das Hörbuch|
„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, stellenweise actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den ersten Folgen wurden nun mindestens zwei größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann.
Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken.
|1 Audio-CD
Spieldauer: 52 Minuten
Tracks: 10
Empfohlen ab 12 Jahren
UPC: 0602527804170|
[www.folgenreich.de]http://www.folgenreich.de
[www.markbrandis.de]http://www.markbrandis.de
[www.interplanar.de]http://www.interplanar.de
_Mark Brandis bei |Buchwurm.info|:_
Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [„Kurier zum Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
Band 15: [„Die lautlose Bombe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6962
Band 16: [„PILGRIM 2000“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7167
Band 17: [„Der Spiegelplanet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7194
Band 18: [„Sirius-Patrouille“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7267
Band 19: [„Astropolis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7390
Band 20: [„Triton-Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7391
_|Mark Brandis| als Hörspiel:_
01 [„Bordbuch Delta VII“ 4995
02 [„Verrat auf der Venus“ 5013
03 [„Unternehmen Delphin“ 5524
04 [„Aufstand der Roboter“ 5986
05 [„Testakte Kolibri 1“ 5984
06 [„Testakte Kolibri 2“ 5985
07 [„Vorstoß zum Uranus 1“ 6245
08 [„Vorstoß zum Uranus 2“ 6246
09 [„Raumsonde Epsilon 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
10 [„Raumsonde Epsilon 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468
11 „Die Vollstrecker 1“
12 „Die Vollstrecker 2“
13 [„Pilgrim 2000 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7059
14 [„Pilgrim 2000 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7060
15 [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7128
16 [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7129
17 [„Alarm für die Erde“ (Teil 1)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7479
18 [„Alarm für die Erde“ (Teil 2)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7480
19 „Sirius Patrouille“ (geplant für März 2012)
Freigebiger Vulkan: Atommüll gratis für alle!
Man schreibt das Jahr 2129. Kein ruhiges Weihnachten für Commander Brandis und seine Crew. Die Evakuierungs-maßnahmen eines Gebiets von 500 km² um den Kilimandscharo in Ostafrika stellt die Logistik der Helfer bereits vor unüberwindbare Probleme. Anscheinend immun gegen die radioaktive Strahlung schießen selbsternannte Freiheitskämpfer, die »Fliegenden Löwen«, auf die Hilfstruppen. Und Ruth wartet verunglückt in einem gestrandeten Transporter bei Nairobi auf Rettung … (abgewandelte Verlagsinfo) Diese Geschichte schließt direkt an „Operation Sonnenfracht“ an.
Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 12 Jahren.
_Der Autor_
Nikolai von Michalewsky (1931-2000) war bereits Kaffeepflanzer, Industriepolizist, Taucher und Journalist gewesen, als sein erster Roman 1958 veröffentlicht wurde. Am bekanntesten wurde er ab 1970 mit den Mark-Brandis-Büchern, der bis heute (nach Perry Rhodan) mit 31 Bänden erfolgreichsten deutschsprachigen SF-Reihe.
Seine konsequente Vorgehensweise, Probleme der Gegenwart imm Kontext der Zukunft zu behandeln, trug Michalewskys Serie eine treue Leserschaft und hohe Auflagenzahlen ein. Seine besondere Zuneigung galt besonders dem Hörspiel. Er gehörte zu den meistbeschäftigten Kriminalhörspiel- und Schulfunkautoren Deutschlands. (Verlagsinfo)
Bisher erschienen (Gesamt-Titel ohne Teile)
1) Bordbuch Delta
2) Verrat auf der Venus
3) Unternehmen Delphin
4) Aufstand der Roboter
5) Testakte Kolibri
6) Vorstoß zum Uranus
7) Raumsonde Epsilon
8) Die Vollstrecker
9) Pilgrim 2000
10) Alarm für die Erde
11) Sirius-Patrouille
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Die Macher und Regisseure sind Interplanar.de:
Joachim-C. Redeker: Sounddesign und Musik
Redeker und Balthasar von Weymarn: Produktion, Regie und Schnitt
Jochim-C. Redeker, geboren 1970, lebt seit 1992 in Hannover. Gelernt hat er das Produzieren in der SAE Frankfurt, seither arbeitet er als Tonmeister für Antenne Niedersachsen. An zwei Virtual Reality Projekten hat er als Sounddesigner gearbeitet. Er gibt Audio- und Hörspielseminare und arbeitet als Werbetexter und Werbesprecher für zahlreiche Unternehmen sowie für Kino- und Radiowerbung. Musikalisch betreut er neben seinen eigenen Projekten auch Jingle- und Imageproduktionen. Bereits 1988 brachte ihm eine frühe Hörspielarbeit mit Balthasar den Sonderpreis der Jury für akustische Qualität beim Maxell Momentaufnahmen Wettbewerb ein.
Balthasar von Weymarn, geboren 1968, lebt seit 2006 im Taunus bei Frankfurt. Ausgebildeter Dramaturg und Filmproduzent (Filmstudium Hamburg); arbeitet auch als Skriptdoktor, -autor und Ghostwriter für Unternehmen wie Bavaria Film, Odeon Pictures, Tandem Communications, Storyline Entertainment u. a.
Das Hörspielmanuskript schrieb Balthasar v. Weymarn nach dem gleichnamigen Roman von Nikolai von Michalewsky. Die Musik trug Redeker bei. Die Aufnahmeleitung lag in den Händen von Tommi Schneefuß, Thomas Weichler und Sven-Michael Bluhm.
|Die Rollen und ihre Sprecher|:
Cmdr. Mark Brandis: Michael Lott
Cpt. Grigori »Grischa« Romen: David Nathan
Walter »Wally« Ryan: Uve Teschner
Boleslaw Burowski: Ozan Ünal
Sgt. Monelli: Stefan Flüeck
Col. Friedrich Chemnitzer: Thomas Nero Wolff
Ruth O’Hara: Dorothea Anna Hagena
Prolog: Wolf Frass
Henri Villiers: Wolfgang Kaven
Henri Vidal: Marion von Stengel
Walter Hildebrand: Oliver Rohrbeck
Lt. Pablo Torrente: Martin Keßler
John Harris: Gerhart Hinze
Dr. Rebecca Levy: Claudia Urbschat-Mingues
Iris Monnier: Ulrike Kapfer
John Malembo: Jan Spitzer
Nanami Kitahoshi: Meylan Chao
Col. Ernest Leighton: Reinhard Kuhnert
Cmdr. Robert Monnier: Holger Umbreit
sowie Melanie Blenke, Dennis Bruhn, Jochim-C. Redeker
_Hintergrund und Vorgeschichte_
Die Mark Brandis – Hörspielreihe begann 2005-2007 mit Bordbuch Delta VII. Inhaltlich unterscheidet sie sich in einigen wichtigen Punkten von den Büchern.
* Die Geschichten sind um 50 Jahre in die Zukunft verlegt, die Saga beginnt also 2119;
* Die Kürzel EAAU und VOR sind zu „die Union“ und „die Republiken“ geworden;
EAAU: Die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU) ist ein transkontinentaler Staatenverbund und wurde als Zusammenschluss der drei Kontinente Europa, Amerika und Afrika ca. 1999 gegründet – ihr assoziiert ist Australien. Während Europa der Kontinent ist, der über die längste Tradition verfügt, haben sich Afrika und Amerika zu den industriell bedeutendsten Kontinenten entwickelt.
Flagge: ein Ring goldener Planeten um drei kleeblattartig angeordnete grüne Kontinente auf weißem Grund.
Hauptstadt: Metropolis
VOR: Die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) sind ein transkontinentaler Staatenverbund und umfassen zwischen Ural und der Pazifikküste die asiatischen Staaten einschließlich Ozeaniens.
Flagge: zwei gekreuzte Mongolenschwerter vor einer gelb-roten Sonne.
Hauptstadt: Peking
VEGA
Die Strategische Raumflotte (SR) lagerte 2106 ihre Entwicklungsabteilung auf die Venus aus. Die zuständige Agentur ist die VEGA, kurz für Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik, mit immerhin 8000 Mitarbeitern. Direktor der VEGA ist seit 2122 der ehemalige Major (SR) und Commander (VEGA) John Harris. Die Routen der Testflüge für die Neuentwicklungen sind streng geheim, da die Prototypen als begehrte Beute sowohl für die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR) und die Europäisch-Amerikanisch-Afrikanische Union (EAAU), aber auch für Raumpiraten gelten. Offiziell gilt die VEGA als neutral, aber ihre Auftraggeber waren bislang immer die SR und die Raumfahrtbehörde der Union.
_Handlung_
Grischa Romen rüttelt seinen Kumpel Mark Brandis: Es gehe um Marks Frau ruth O’Hara. Sie sei auf dem Flughafen von Nairobi abgestürzt. Na sowas, zuletzt war Ruth doch mit General Chemnitzer auf und davon. Mark kann sie erreichen: Sie lebt, ist aber verletzt und in ihrem Flieger eingeklemmt. Und das mitten in der Fallout-Zone der Atommülldeponie! Klar, dass er mit Grischa gleich losdüst, um sie da herauszuholen, Eifersucht hin oder her.
Der Flughafen wird von Rebellen der Fliegenden Löwen beschossen. Nur unter Lebensgefahr gelingt es Mark, die Kanzel des Fliegers wegzuschießen und Ruth da rauszuholen. Mit knapper Not entkommen sie dem Beschuss. Im Camp muss Ruth sofort in die Entseuchungsdusche. Unterdessen meldet der Regierungssender, dass ein Erdbeben der Stärke 9 den Kilimandscharo erschüttert habe und dieser ausgebrochen sei. Jetzt wird der Atommüll aus der illegalen Deponie im Krater rund um die Erde verteilt …
Die Evakuierung Afrikas ist in vollem Gange, doch es drohen Panik und Chaos auszubrechen. Die VEGA bittet daher mark, als Hochkommissar die Flüchtlingsevakuierung zu organisieren. Dazu werden ihm zwei Armeen unterstellt. Dr. Levy verarztet bereits die ersten Strahlenopfer: die Hälfte davon wird nicht überleben. Mark sagt ihr, sie solle nach Kampala. Von ihr erfährt er, dass sein langjähriges Besatzungsmitglied Lt. Stroganoff strahlungsverseucht in einem Flüchtlingscamp in Nordafrika liegt.
Bevor er sich dorthinauf den Weg, versucht er mit den Fliegenden Löwen einen Waffenstillstand zu erreichen, dass deren Anführer hasst die weißen „Kolonisatoren“ zu sehr – es wird Krieg geben. Also fliegt Mark mit Grischa nach Nordafrika, um die Evakuierung von vier Millionen Flüchtlingen zu organisieren. Der Reporter Hildebrand (aus „Aktenzeichen: illegal“) informiert ihn über die Lage und fragt, ob Mark etwas von einem geheimen Q-Papier der Unions-Regierung wisse. Mark schüttelt den Kopf.
Als er Oberst Leighton, den Befehlshaber eins der Lager fragt, klärt dieser ihn auf. Das Q-Papier teilt die Flüchtlinge in vier Klassen ein. Mit Dr. Levy und Hildebrand wird Mark Zeuge, wie Bürger von Rechnern klassifiziert werden. Mark empfindet dies als himmelschreiendes Unrecht. Er will, dass das aufhört, doch da kommt schon die nächste schlechte Nachricht …
_Mein Eindruck_
Es ist der Super-GAU: Ein Endlager für Atommüll im Krater eines Vulkans, der jetzt ausbricht – das erinnert stark an die drei explodierenden AKW-Blöcke von Fukushima. Man kann sich die weitreichende Strahlenverseuchung vorstellen, wenn der höchste Berg Afrikas als radioaktive Dreckschleuder dient. Klar, dass nur massive Hilfsmaßnahmen eine kontinentumspannende humanitäre Katastrophe verhindern können. Mark Brandis ist unser Mann vor Ort und spielt Feuerwehr.
Dennoch gibt es Leute, die die Hilfsmaßnahmen als Versuchung der erneuten Kolonisierung ansehen. Die Fliegenden Löwen, die mit hypermodernen Raketenanzügen ausgestattet sind, wollen die Weißen vertreiben und schrecken vor Flugzeugabschüssen nicht zurück. Und auf der anderen Seite der Welt ergreifen die VOR-Republiken die günstige Gelegenheit, eine Insel vor Australien zu überfallen. Haben die Chinesen noch mehr vor? Der zweite Teil wird es enthüllen.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
Die Geräuschkulisse erstaunt den Hörer mit einer Vielzahl mehr oder weniger futuristischer Töne, so etwa Triebwerke oder Luken und Schleusen. Doch wenn man ein Fan von SF-Fernsehserien ist, dann dürfte dem Hörer dies nicht gerade umhauen, sondern eher ganz normal vorkommen. Vor allem das Dröhnen, Zischen und Jaulen von Düsen ist regelmäßig zu hören, was ja auch naheliegt.
Der gute Sound trägt dazu bei, den Hörer direkt ins Geschehen hineinzuversetzen, und das kann man von den wenigsten SF-Fernsehserien behaupten. Auch das Design von verzerrten Meldungen ist ähnlich professionell gehandhabt. Ein Satz kann mittendrin seine Klangcharakteristik ändern – faszinierend.
|Die Sprecher|
Die Sprecher erfüllen ihre Aufgabe zu meiner Zufriedenheit. Es handelt sich um die immer wieder in der Serie auftauchenden Hauptfiguren wie der Titelheld, seine Frau und sein Boss. Daneben ergeben sich immer wieder neue Nebenfiguren, darunter auch chinesisch oder afrikanisch klingende Sprecher.
|Musik|
Ja, es gibt durchaus Musik in diesem rasant inszenierten Hörspiel. Neben dem Dialog und den zahllosen Sounds bleibt auf der Tonspur auch ein wenig Platz für Musik. Sie ist wie zu erwarten recht dynamisch und flott, aber nicht zu militärisch – ganz besonders im Intro und in den Intermezzi.
Ganz am Schluss erklingt ein Outro, das den Ausklang zu dieser Episode bildet, bevor es zu einer langsamen Hintergrundmusik abbremst. Diese läuft während der langen Absage, bei der sämtliche Sprecher und, wo sinnvoll, ihre Rollen aufgezählt werden.
|Das Booklet|
Das Booklet bietet einen Überblick über die bereits erschienenen Folgen der Serie, über die Macher und über die Sprecher. Neben einer Karte der Region um den Kilimandscharo-Vulkan ist ein Auszug aus den Memoiren eines Unions-Ministers über die „Operation Sonnenfracht“ abgedruckt. Das Ziel war, den Atommüll eines Endlagers im Mawenzi-Krater in der Sonne zu entsorgen. Unter Leitung von Mark Brandis gelang diese logistische Meisterleistung, doch drei Tage vor Abschluss der Operation machte ein Beben der Stärke 9 (!) alle Anstrengungen zunichte – der Vulkan brach aus. „In den nächsten Wochen und Monaten sollte das Gesetz des Handelns denen zugutekommen, die Mut, Initiative und auch Skrupellosigkeit besaßen …“, schreibt der Minister anno 2142.
_Unterm Strich_
Wieder mal ist das Szenario, das eine MARK-BRANDIS-Folge entwirft, verdammt nah dran an der Wirklichkeit. Diese Folge erinnert viel zu sehr an die Explosionen in Fukushima, um nicht beunruhigend zu wirken. Die Macher haben sich bemüht, die anschließende humanitäre Katastrophe realistisch darzustellen. Wie soll man bloß vier Millionen Flüchtlinge vom Kontinent runterschaffen – und wohin damit?
Wie in vielen Katastrophensituation greift hier das Triage-Prinzip: Die Opfer werden in Klassen eingeteilt, die ihre Betroffenheit berücksichtigt. Das mag ungerecht erscheinen, doch in Wahrheit dient dieses bewährte Verfahren dazu, die am schwersten Betroffenen als erste zu versorgen, bevor sie verbluten.
Doch was Mark Brandis in Nordafrika vorfindet, ist die Perversion von Triage: Ein dummer Rechner teilt die Flüchtlinge in Klassen der Dringlichkeit ein. Und so kommt es dazu, dass riesige Flugzeuge leerstehen, nur weil sie für Regierungspersonal der Top-Priorität reserviert sind. Das kann Mark natürlich nicht mit ansehen, und so fällt er eine verhängnisvolle Entscheidung. Mehr davon im zweiten Teil.
|Das Hörbuch|
„Mark Brandis“ ist als Hörspiel professionell inszeniert, spannend, meist actionreich und mitunter sogar bewegend. Im Unterschied zu den ersten Folgen wurden nun mindestens zwei größere Dialogszenen eingebaut, die mir sehr gut gefallen haben. Sie charakterisieren besonders Mark Brandis als einen moral- und verantwortungsbewussten Erwachsenen, der auch mal seine Fehler korrigieren kann.
Dies ist beruhigend weit entfernt von Kinderkram und rückt die Serie in die Nähe der POE-Hörspiele, die mir fast durchweg gut gefallen. In zehn Jahren wird man diese Serie als Vorbild für eine gelungene SF-Serie aus deutschen Landen auf gleicher Höhe mit „Perry Rhodan“ setzen. Und die Sammler werden sich die Finger danach lecken. Diese Folge ist dabei keine Ausnahme, sondern im Gegenteil ein weiterer Höhepunkt.
|1 Audio-CD
Spieldauer: ca. 60 Minuten
Tracks: 10
Empfohlen ab 12 Jahren
UPC: 0602527804163|
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_Mark Brandis bei |Buchwurm.info|:_
Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
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Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [„Kurier zum Mars“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
Band 15: [„Die lautlose Bombe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6962
Band 16: [„PILGRIM 2000“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7167
Band 17: [„Der Spiegelplanet“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7194
Band 18: [„Sirius-Patrouille“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7267
Band 19: [„Astropolis“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7390
Band 20: [„Triton-Passage“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7391
Band 1: [„Furchtlos“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6124
Band 2: „Black Jack“
Band 3: [„Fluchtpunkt Ixion“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7009
Band 4: [„Gearys Ehre“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7364
Band 5: _“Der Hinterhalt“_ („Relentless“, 2009)
Band 6: „The Lost Fleet: Victorious“ (2010)
Band 7: „The Lost Fleet: Beyond the Frontier“ (04/2011)
_Die Relativität von Treue und Verrat _
Seit hundert Jahren kämpft die Allianz verzweifelt gegen die Syndikatswelten, und die erschöpfte Flotte ist in Feindgebiet gelandet. Ihre einzige Hoffnung: Captain John Geary. Seit seinem heldenhaften letzten Gefecht hält man ihn für tot. Doch wie durch ein Wunder hat er im Kälteschlaf überlebt. Nun soll er als dienstältester Offizier das Kommando über die Flotte übernehmen, um sie sicher nach Hause zu bringen. In einem Krieg, der nur in einem Fiasko enden kann …
Band 5: Nachdem „Black Jack“ Geary erfolgreich die Kriegsgefangenen der Allianz befreit hat, muss er feststellen, dass die Syndics mit ihrer mächtigen Reserveflotille angreifen wollen. Ihr Ziel: Gearys Verband ein für alle Mal zu zerstören. Doch der Kommandeur springt mit seinen Schiffen von einem Sternensystem zum nächsten, in der Hoffnung, die unausweichliche Konfrontation zu vermeiden. Bis Saboteure seinen Plan vereiteln … (erweiterte Verlagsinfo)
_Der Autor_
Hinter dem Pseudonym „Jack Campbell“ verbirgt sich der ehemalige U.S. Navy-Offizier John G. Hemry. In seinem aktiven Dienst bei der Marine sammelte er viel Erfahrung, die er in seine SF-Romane einfließen ließ. Campbell lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Maryland, unweit Washington, D. C.
1. A Just Determination (May 2003)
2. Burden of Proof (March 2004)
3. Rule of Evidence (March 2005)
4. Against All Enemies (March 2006)
_Vorgeschichte_
Captain John „Black Jack“ Geary ist ein Kriegsheld aus jenen Tagen vor hundert Jahren, als der Krieg der Allianz mit den Syndikatswelten begann. Damals rettete er sich an Bord einer Rettungskapsel, die ihn im Kälteschlaf hielt, und wurde hundert Jahre später aufgefischt. Jetzt hat ihn die Flotte wieder aufgetaut, weil ein Notfall eingetreten ist: Die Allianz-Flotte ist im Feindgebiet umzingelt, nachdem sie verraten wurde. Ihr bleibt nur die Wahl zwischen bedingungsloser Kapitulation und völliger Vernichtung durch die zahlenmäßig überlegene Syndic-Flotte.
Geary verlässt seine Kabine an Bord des Flaggschiffs „Dauntless“ (= Furchtlos) und geht zur Brücke. Dort übergibt ihm Admiral Bloch als dem dienstältesten Offizier das Kommando über die Flotte und verrät ihm ein ungemein wichtiges Geheimnis: Die „Dauntless“ darf um keinen Preis in die Hand des Feindes fallen, sonst ist die Allianz verloren. Dann fliegt Bloch mit einer Fähre zum Flaggschiff des Gegners, um zu verhandeln. Hilflos muss Geary auf dem Bildschirm die Videoübertragung mit ansehen, wie der Vorstandsvorsitzende (CEO) des Syndikats Bloch und seine Adjutanten kaltblütig abknallen lässt. Es gibt keine Verhandlungen, sondern ein Ultimatum: eine Stunde bis zu Kapitulation oder Vernichtung.
Eine Stunde kann eine Menge Zeit sein, wenn es drauf ankommt, denkt Geary. Nach einer Rücksprache mit Captain Desjani, der Kommandantin der „Dauntless“, über das Geheimnis lässt er eine Videokonferenz der anderen Kapitäne einberufen. Er bringt trotz des Widerstands einiger Offiziere – wer traut schon einem Aufgetauten? – alle auf seine Linie und lässt einen Rückzugsplan ausarbeiten: Operation Ouvertüre. In einem Vier-Augen-Gespräch mit der Ko-Präsidentin zweier verbündeter Flotten muss er zu seinem Missvergnügen feststellen, dass auch sie das Geheimnis der Flotte kennt – oder zumindest gut geraten hat. Immerhin ist Ko-Präsidentin Victoria Rione abschließend bereit, den Gegner hinzuhalten.
Während sich die Flotte umformiert, um den Massensprungpunkt anzuvisieren, der sie aus dem feindlichen System herauskatapultiert, führt Geary ein Gespräch mit dem CEO des Gegners. Der ist zunächst verständlicherweise ungläubig, dass ein vor hundert Jahren gestorbener Offizier nun das Kommando über die Allianz-Flotte übernommen haben will. Das soll wohl ein Trick oder schlechter Scherz sein? Geary pflegt nicht zu scherzen, aber es gibt ihm Gelegenheit, den CEO eine weitere halbe Stunde aufzuhalten. Bis dieser die Verbindung entnervt unterbricht, um Gearys Offiziere einzeln zur Aufgabe zu überreden. Geary unterbindet diesen Versuch energisch.
Mit einem verlustreichen Rückzugsgefecht gelingt es Geary, seine Flotte fast komplett aus dem Feindsystem springen zu lassen. Doch er verliert dabei seinen Großneffen, der sich für die Flotte opfert und in Gefangenschaft geht. Geary verspricht ihm, ihn rauszuholen und Michaels Schwester zu kontaktieren, die auf einer der Allianzwelten lebt.
Doch jenseits des Zielpunktes nach dem Sprung muss Geary feststellen, dass hundert Jahre Krieg ihre Spuren hinterlassen haben, nicht nur auf den Welten, sondern vor allem in Gearys eigener Flotte …
_Handlung_
Nach der doppelten Schlacht bei Lakota und einer Passage des Diwalla-Systems befindet sich die Allianz-Flotte auf ihrem Rückzug nur noch drei Sprungpunkte von der Grenze zum Allianz-Raum entfernt, wo sie auf Hilfe hoffen darf. Mit Sorge sieht Commander Geary, wie die Vorräte an Energie und Waffen zusammengeschmolzen sind. Und jetzt bittet ihn Captain Tanya Desjanai auch noch, im System Heradao 2000 Allianz-Kriegsgefangene zu befreien. Die würden die geringen Proviantvorräte noch stärker strapazieren.
Aber es führt kein Weg daran vorbei. Zwar gäbe es im System Kalixa ein Hyperportal, doch diese Transporteinrichtung wird bekanntlich von den Syniks als gigantische Massenvernichtungswaffe missbraucht. So haben die Syndiks ihre eigene Lakota-Hauptwelt vernicht. Sie schrecken vor nichts zurück – und werden womöglich von den unsichtbaren Aliens fehlgeleitet, die im Hintergrund die Fäden ziehen.
Im System Heradao muss sich Gearys Flotte zwei Syndik-Flotten stellen. Aus der ersten macht er mittels ungewöhnlicher Taktik Kleinholz, erleidet jedoch beträchtliche Verluste, darunter eines der wenigen Hilfsschiffe. Aber sein Schlachtkreuzer „Dauntless“ ist weiterhin intakt. Er kann die zweite, kleinere Syndikflotte nicht ignorieren, denn sie könnte Minen legen, um den Weg zum Sprungpunkt Richtung Allianz-Raum zu verlegen. Doch diese Flotte verkrümelt sich. Schon bald zeigt sich der Grund dafür.
Der Sieg der Allianz-Flotte bleibt im Heradao-System nicht ohne Folgen: Die Herrschaft der Syndiks bricht zusammen. Ein Bürgerkrieg bricht auf zwei Planeten aus, was zur Folge hat, es niemanden gibt, mit dem Geary verhandeln könnte. Aber der Grund, warum er hergekommen ist, sind ja die Kriegsgefangenen auf der dritten Welt. Es stellt sich als extrem schwierig heraus, sie herauszuholen. Und als sie endlich an Bord sind, muss er drei davon in Schutzhaft nehmen: Sie haben mit dem Feind kollaboriert, nun will jeder Kriegsgefangene sich an ihnen rächen.
Beim Weiterflug nach Atalia eröffnet ihm sein Geheimdienstoffizier Iger, dass aus abgefangenen Syndik-Übermittlungen hervorgehe, dass eine Art Reserveflotte ausgerüstet werde. Aus Ortsangaben ist zu schließen, dass diese Syndik-Flotte per Hypernet vom anderen Ende des Syndik-Raumes, wo sie Wache gegen die mutmaßlichen Aliens schob, an die Grenze zum Allianz-Raum verlegt worden sei. Und dort, im Atalia-System, soll sie wohl Gearys Flotte den Weg versperren. Geary stöhnt: Seine Energie- und Waffenvorräte könnten gerade mal für eine Schlacht reichen.
Der Sprung nach Atalia verwirrt Geary und Desjani erst, denn dort ist gerade eine Schlacht zwischen Syndiks und Allianz im Gange. Dann versagt der Antrieb der „Dauntless“: Die Lichter gehen aus, als sich der Hauptantrieb notabschaltet. Als wäre dies nicht schon Anlass zur Sorge genug, explodiert in der Nähe der Kreuzer „Lorica“ in einem Lichtblitz. Geschockt suchen Geary und Desjani nach der Ursache.
Es gibt nur eine bestürzende Erklärung: Verrat in den eigenen Reihen, und das im Angesicht des Feindes …
_Mein Eindruck_
|Eine Frage der Treue|
Das Generalthema dieses vorletzten Bandes der Serie ist Treue. Und natürlich ihr Gegenteil: Verrat. Treue kann sich in vielerlei Form manifestieren, grübelt Geary, als er die drei Kollaborateure unter den Kriegsgefangenen von Heradao verhören lässt. Aber auch der Verräter, der die „Lorica“ auf dem Gewissen hat, hat eine ganz eigene Auffassung von Treue.
Die haarigste Definition von Treue, deren Analyse sich Geary notgedrungen widmen muss, ist jedoch die gegenüber der Allianz: Bleibt er der Flotte treu, die er befehligt, oder wird er der derzeitigen Regierung der Allianz gehorchen? Lässt er sich von den Offizieren zum Diktator ausrufen? Die Macht dazu und das nötige Charisma hätte er durchaus. Immer wieder fragen ihn alle wichtigen Leute danach.
Geary antwortet stets, dass es nicht die Leute und Schiffe seien, die die Allianz ausmachten, sondern ihre Prinzipien. Und denen sei er verpflichtet: Achtung vor dem Leben und dem Selbstbestimmungsrecht des Menschen. Diese Antwort stellt in zahlreichen Variationen die ewigen Frager zufrieden, so dass sie ihrerseits loyal zu Geary sein können.
|Schachzüge|
Dieser Band beginnt und endet mit einer Schlacht. Noch drei Hüpfer, dann darf Gearys Flotte hoffen, in Sicherheit zu sein. Doch diese Hoffnung trügt. Vom Verrat in den eigenen Reihen ganz abgesehen, hat ihm die Reserveflotte der Syndiks einen Hinterhalt gelegt. Sobald er sich im heimatlichen System Varandal in Sicherheit wähnt, wollen die Syndiks dort das Hypernet-Portal zur Explosion bringen. Diese Nova würde sowohl sämtliche Einrichtungen des Systems vernichten, als auch die eintreffende Allianz-Flotte und die bereits vor Ort befindliche Heimatflotte (beziehungsweise deren Überreste nach der Schlacht von Atalia). Ein Schlag, von dem sich die Allianz wohl nicht so schnell erholen dürfte.
Schachzug um Schachzug muss Geary nun die Syndiks durchschauen und seinerseits überlisten, um Varandal und seine ausgepowerte Flotte zu retten. Man verrät nicht zuviel, wenn man zusammenfasst, dass ihm dieses Kunststück bravourös gelingt. Wie sonst könnte die Serie weitergehen? Denn noch muss der Abschlussband „Victorious“ (wörtlich: siegreich) bei uns erscheinen. Ich werde nicht verraten, was Geary und Desjani als Nächstes vorhaben. Aber ein Kenner der Serie kann es sich an fünf Fingern ausrechnen.
|Aliens|
Die Hypernet-Portale, die die Syndiks nun schon zum zweiten Mal zerstören wollen, sind Danaergeschenke der bis dato unsichtbaren Aliens. Ahnungslos haben Syndiks und Allianz-Mitglieder diese Technik für sich adaptiert und genutzt, ohne zu ahnen, dass sich ein explodierendes Portal in eine Sternenexplosion verwandeln lässt, wenn man es darauf anlegt.
Und darüber hinaus verstehen die Aliens einiges von Computertechnik: Sie haben Würmer in zahlreiche Systeme der Allianzflotte eingeschleust. Diese wurden erst in Band 4 eliminiert. Aber es gibt offenbar weitere Würmer, eingeschleust von Mitgliedern der Flotte der selbst – von Verrätern. Gaery muss sich fragen, was die Aliens vorhaben. Wollen sie, dass sich Syndiks und Allianz weiterhin permanent an die Gurgel gehen? Dann könnten sie als lachende Dritte deren Territorien übernehmen. Geary nimmt sich vor, den Aliens einen dicken Strich durch die Rechnung zu machen.
_Die Übersetzung _
Ralph Sander hat einen guten, wenn auch nicht sonderlich anspruchsvollen Job erledigt. Seine falschen Endungen halten sich in Grenzen, aber es gibt eine Reihe von Kommafehlern. Auf Seite 58 sieht es zudem nicht besonders toll aus, wenn ein Wort „v-ollem“ getrennt wird. Auf Seite 185 gibt es in der letzten Zeile einen typischen Flüchtigkeitsfehler zu besichtigen: „Uns“ statt „Und“.
_Unterm Strich_
Der Auftakt besteht aus der obligatorischen Raumschlacht, diesmal im System Heradao, Das Finale bestreitet ebenfalls eine Raumschlacht, denn der Ex-Marineoffizier kennt sich damit einfach am besten aus. Zwischen diesen beiden Action-Höhepunkten, die jeder Leser der Reihe erwartet, soll die Spannung jedoch nicht erlahmen. Hier flicht der Autor eine Gefangenenbefreiung und eine Sabotageakt ein, die jedoch ohne weitere Folgen für den Verlauf der Story bleiben. Sie illustrieren jedoch das Generalthema der Treue und des Verrats.
In den bisherigen vier Bänden hat der Autor eine deutliche Weiterentwicklung seiner Figuren gezeigt: Vom legendären „Black Jack“, den die „lebenden Sterne“, also Götter, geschickt haben müssen, wird er zu einer Art Hoffnungsträger der Flotte (v.a. Cpt. Desjanis), der sich durchaus auch mal von seiner menschlichen Seite zeigen darf, und zwar nicht nur gegenüber Kolleginnen, sondern auch gegenüber dem sogenannten Feind.
Schade, dass sich Geary und Tanya Desjani nicht weiter annähern dürfen: Sie muss die eiserne Jungfrau spielen, will sie ihre Ehre nicht aufs Spiel setzen. Dafür kabbelt sie sich ständig mit Rione, ihrer Vorgängerin in Gearys Gunst – Anlass für zahlreiche ironische Seitenhiebe und etwas Humor in der grimmigen Szenerie.
In diesem fünften Band fasst sich der Autor viel kürzer und lässt die Weiterentwicklung beiseite. Zur Freude des Lesers widmet er sich am Anfang in der Mitte und vor allem im Finale der Action. Obwohl mich der Band nicht sonderlich gerührt hat, so hat er mich doch mit den Raumschlachten spannend unterhalten.
|Taschenbuch: 382 Seiten
Originaltitel: The Lost Fleet: Relentless;
Aus dem US-Englischen von Ralph Sander
ISBN-13: 978-3404206421|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
Phantasievolles Jungenabenteuer: Die Jagd nach dem Schatz von Santa Barbara
Um das Jahr 1927 in England auf dem Lande. Wenn es dunkel wird und das Mitternachtsvolk sein Unwesen treibt, ist dem kleinen Kay Harker bange. Tiger lauern unter dem Bett, und im Betthimmel hat sich bestimmt eine Pythonschlange verborgen. Mit der Hilfe seiner Spielgefährten und den Tieren des Hauses, zu denen auch zwei charakterlose Katzen zählen, gelingt es Kay jedoch, seine Kinderängste zu bewältigen. Die aufregende Schatzsuche, in die er hineingerät, hat ein gutes Ende, und Kay wird ein gutes Stück erwachsener … (abgewandelte Verlagsinfo) John Masefield – Das Mitternachtsvolk weiterlesen →
Alles beginnt damit, dass der mittellose Mathematiker Caspar Last ins Jahr 1856 reist, um dort einen ganz bestimmten Brief an sich selbst abzuschicken. Doch diese winzige Tat ändert den Geschichtsverlauf, den wir kennen. Im Jahr 1956 reist der Polizist Denys Winterset durch ein Afrika, das fast komplett dem British Empire angehört und in dem Luftschiffe die luxuriöseste Fortbewegungsweise gewähren. Doch weitere hundert Jahre später herrscht die Otherhood über ein weltumspannendes Imperium voller Magi, Engeln und Hominiden …
Seit Anbeginn der Zeit lebt das Einhorn allein in seinem Wald, doch eines Tages erfährt es von vorbeistreifenden Jägern, dass es das Letzte seiner Art sei. Also begibt es sich, begleitet vom leider nur mäßig begabten Zauberer Schmendrick und der Räuberbraut Molly Grue, auf die Suche nach seinen Artgenossen. Das seltsame Trio muss bald erkennen, dass die Erkundungsfahrt nicht ohne Kampf und äußerste Gefahr beendet werden kann. Es gilt, dem Roten Stier zu begegnen, der unter König Haggards verfluchtem Schloss haust … (Verlagsinfo)
_Der enteignete Mensch: Eine spannend inszenierte Warnung_
Noch nie war die Zukunft so bedrohlich wie in „Next“: In dieser Welt zählt nur eines; gutes Genmaterial. Und Gentechnologie-Unternehmen setzen alles daran, sich die Rechte an profitablem Gewebe zu sichern. Genau das wird Frank Burnet zum Verhängnis. Die Rechte an seinen Immunzellen, die Krebs bekämpfen können, hat sich BioGen Research gesichert. Doch Burnet hat nicht vor, sein Gewebe kampflos zur Verfügung zu stellen, und so bleibt ihm nur die Flucht. Als die Zellinie Burnets eines Nachts verunreinigt wird, bleibt BioGen nur eine Möglichkeit, um diese Wunderzellen wiederzubeschaffen: Es jagt Franks Tochter und Enkel … (erweiterte Verlagsinfo)
_Der Autor_
Michael Crichton wurde 1942 in Chicago geboren und studierte in Harvard medizin. Crichton, der seit Mitte der Sechzigerjahre Romane schrieb, griff immer wieder neueste naturwissenschaftliche und technische Forschungen auf. Für die international erfolgreiche TV-Serie „Emergency Room“ schrieb er das Drehbuch. Seite Thriller – darunter „DinoPark“, „The Lost World“, „Enthüllung“, „Der 13. Krieger“ und „Next“ – wurden auch als Filme Erfolge. 27 Romane und mehr als 100 Mio. verkaufte Bücher stehen für sein Werk. Er starb im November 2008 im Alter von 66 Jahren. (abgewandelte Verlagsinfo)
_Der Sprecher_
Hannes Jaenicke, geboren in Frankfurt/Main, absolvierte seine schauspielerische Ausbildung u. a. am Max-Reinhardt-Seminar in Wien und spielte am Burgtheater, bei den Salburger Festspielen und am Schauspiel Köln. Es folgten zahlreiche TV- und Kinofilmauftritte, häufig in Krimis. Neben seinen Filmproduktionen tritt Jaenicke als Drehbuchautor und Sprecher von Hörbüchern in Erscheinung, besonders von James-Bond-Klassikern.
Regie führte Bernadette Joos. Die Aufnahmeleitung im Tonstudio Köln oblag Bernd Schönhofen.
_Handlung_
|Prolog|
Privatdetektiv Vasco Borden verfolgt in Las Vegas den Biotechniker Eddie Tolman, der seiner Firma MicroProtein etwas sehr Wertvolles gestohlen hat, das er nun im Hotel Venetian an den Mann bringen will: tiefgekühlte Embryonen mit speziellen Zellen. Tolman und Borden lauschen den Worten des Risikokapitalgebers Jack Watson aus Los Angeles, der prophezeit, die Biotechnologie werde die Saurier der Pharmakonzerne das Fürchten lernen.
Doch zuvor muss Eddie dingfest gemacht werden. Leider merkt Eddie, dass er verfolgt wird, marschiert mit einer russischen Vermittlerin zu seinem Käufer und macht sich dann mit einem leeren Sicherheitsbehälter aus dem Staub. Netter Versuch, denkt Vasco und stellt Eddie in einem Aufzug. Er hat ihn in der Falle! Doch Eddie öffnet seelenruhig den Sicherheitsbehälter und wird ein Opfer des ultrakalten flüssigen Stickstoffs darin. Dumm gelaufen.
|Verhandlung|
Vor einem Gericht in Los Angeles verteidigt Rechtsanwältin Alex Burnet ihren Vater Frank, 51, gegen die University of California in L. A., UCLA. Frank war an Knochenmarkkrebs erkrankt und begab sich in die Behandlung von Dr. Grouse an der Uniklinik der UCLA. Nach Operation und Chemo stellte sich zum Glück eine vollständige Remission des Krebses ein. Doch Dr. Grouse machte weitere Tests und weitere. So lange, bis Frank misstrauisch wurde, weil er unterschreiben sollte, dass seine Zellen zu kommerziellen Zwecken werden können sollten. Er weigerte sich. Dr. Grouse verkaufte die Zellen dennoch – an BioGen Research.
Biogen Research will das Zytotoxin als Krebsheilmittel in absehbarer zeit auf den markt bringen und führt bereits Testreihen an Ratten durch. Das wird ein Knaller, freut sich Vorstandsvorsitzender Rick Diehl, der mit im Gerichtssaal sitzt, und sieht schon die Milliarden fließen. Genauer gesagt: drei Milliarden. So viel sind Frank Burnets Antikrebszellen auf dem Markt wert. Zu blöd, dass der Kerl nicht weiß, wann er verloren hat, findet Diehl und träumt von seinem neuen Porsche. Der Richter hat endlich ein Einsehen und verurteilt Burnet zur Herausgabe seiner Zellen. Basta, na bitte, endlich, lächelt Diehl heimlich.
Allerdings muss Diehl in mindestens einen sauren Apfel beißen. Jack Watson hat ihm Kapital geliehen, auf das er nun, da Diehls untreue Frau weggelaufen ist, angewiesen ist: Sie hatte das Geld in die Firma eingebracht. Wenn er nicht aufpasst, könnte Watson versuchen, ihn auszubooten und die Firma zu übernehmen. Das zweite Problem ist Diehls Sicherheitschef: Brad Gordon ist zwar ein Nichtskönner, aber der Neffe von Watson, also unkündbar. Dass ihm sein neuer Porsche auf dem Firmenparkplatz direkt vor sämtlichen Überwachungskameras gestohlen werden konnte, bringt das Fass zum Überlaufen.
Watson verspricht, sich um dieses kleine Problem zu kümmern. Schon bald taucht eine sehr elegante und sehr verführerische Lady in Diehls Vorstandszimmer auf: Jaqueline Maurer von der IT-Firma BDG will sich auf Watsons Bitte hin um die Security von Diehls Firma kümmern. Schon bald sieht sich Brad Gordon, der eine Schwäche für kleine Mädchen hat, verhaftet: Er hat die Nacht mit einer minderjährigen Asiatin verbracht, die ihn anklagt, sie mehrfach brutal vergewaltigt zu haben. Die Rechtsanwälte schütteln bedauern den Kopf: Die Kleine mag ihn ja reingelegt haben, aber seine Chancen, das Gegenteil zu beweisen, seien gleich null. Doch Jaqueline Maurer hat auch dafür eine Lösung, solange sich Brad kooperativ zeigt …
|Einbrüche|
Eines Morgens wenige Tage später erhält Rick Diehl eine Schreckensmeldung, die für seine Firma das Aus zu bedeuten droht: Brad Gordon, der gefeuerte Sicherheitschef, hat sämtliche Zellkulturen, die auf Frank Burnets phantastischen Antikrebszellen basieren, absichtlich kontaminiert, offenbar aus Rache. Natürlich gibt es in anderen Labors Sicherheitskopien. Doch es wie verhext: Auch diese sind plötzlich unbrauchbar. Diehl starrt in den Abgrund.
Es gibt nur einen letzten Ausweg: Er muss frische Zellen von Frank Burnett beschaffen, und sein Anwalt Rodriguez kennt auch schon den richtigen Mann dafür: Vasco Borden. Allerdings gibt es ein kleines Problem: Frank Burnet, ein Kriegsveteran, ist vollständig untergetaucht.
Na, schön, das ist kein Weltuntergang, denn Frank hat als kluger Mann dafür gesorgt, seine Gene weiterzugeben, an seine Tochter Alex und deren Sohn Jamie. Nach mysteriösen und gewalttätigen Übergriffen durch Vasco Bordens Helfer beschließt Alex, den dringenden Rat ihres Vaters zu befolgen und unterzutauchen. Leider unterlaufen ihr einige Anfängerfehler, so etwa die, eine Kreditkarte und ein Handy zu benutzen …
Unterdessen versucht Henry Candle, ein Genforscher, in das Schimpansenlabor einzudringen, aus dem er vor vier Jahren verbannt worden ist. Seitdem ist es ihm nicht gut ergangen, aber er hat wenigstens noch seine Frau Lynn, seine Tochter Tracy und seinen Sohn Jamie. Lynn ist eine frühere Schulfreundin von Alex Burnet und wird schon bald von ihr Besuch erhalten.
Henry will zu Dave, dem klügsten Schimpansen, der jemals durch Gentechnologie geschaffen worden ist. Er hat erfahren, dass die Leitung der Forschungsstation herausgefunden hat, wie Dave erschaffen wurde: durch die Kombination von Schimpansen-Erbgut mit menschlichem Erbgut. Genauer: mit dem von Henrry Candle höchstselbst. Und wer würde schon seinen Sohn umkommen lassen, bloß weil er ein illegales Experiment ist?
Doch die Ankunft von Dave, dem Monkey Man, in Henrys Familie führt schon bald zu unerwarteten Komplikationen, die mit der Ankunft von Alex und Vasco Borden einen ersten explosiven Höhepunkt erreichen …
_Mein Eindruck_
In seinem Wissenschaftsthriller verteilt der Autor seine Handlungsstränge auf Haupt- und Nebenschauplätze. Ich habe oben nur den zentralen Strang berücksichtigt. Viele Stränge sind nur von illustrativer Funktion, so etwa die Sache mit dem sprechenden Affen von Sumatra oder das Schicksal von Brad Gordon. Wenigstens spielen die transgenen Tiere (mehr dazu unter „Der Sprecher“) Dave und Gérard eine mittelbare Hauptrolle in der Vorbereitung und der Ausführung des ersten und zweiten Finales.
Bei manchen Figuren fragt sich der Leser oder Hörer, was dies denn mit der Haupthandlung zu tun hat. Aber das ist nicht der Punkt. Es geht um die Relevanz für das Thema, und das heißt eben „Die Folgen der Gentechnologie für wichtige Bereiche der Gesellschaft“. Dass die Medizin eine Hauptrolle spielt, belegt schon der skandalöse Fall von Frank Burnet.
Aber auch Totenbestattung, Versicherungen, Berufseignung und vieles mehr illustrieren die Implikationen, wenn die Biotechnologie nicht nur Humangewebe jagt, sondern ihre Produkte zudem in die falschen Hände gelangen: ungenehmigte Humanversuche in „freier Wildbahn“ sozusagen. So passiert es der Familie Weller, die herausfindet, dass der soeben verstorbene Vater vielleicht nicht, vielleicht aber doch der Vater der abtrünnigen Tochter Lisa war (die buchstäblich unter Rick Diehl arbeitet). Das relative bizarre Phänomen des Chimärismus wird hier aufgezeigt: zwei DNA-Sätze in einem einzigen Menschen! Das dürfte für einige Gentests ein Problem darstellen.
Als wäre dies nicht schon seltsam genug, muss vor allem geklärt werden, wer ein Anrecht auf Frank Burnets Zellen und Gene hat. Es kommt zu einer zweiten, denkwürdigen Verhandlung. Die gierige Biotechindustrie will ja praktisch jeden Menschen zu ihrem Freiwild erklären. Ja, der Staat Kalifornien könnte sogar lebendes Humangewebe enteignen, sofern es dem Gemeinwohl dient. Die Auswirkungen sind albtraumhaft: Bürger als Ersatzteillager der Genindustrie? Mit Recht weist Alex Burnets Chef, der Rechstanwalt Bob Kotch, auf den 13. Verfassungszusatz hin, der das Recht auf körperliche Unversehrtheit garantiert. Das Prinzip „Habeas corpus“ soll auch für die Gene gelten.
Dieser rechtliche Ansatz mag manchem Leser oder Hörer irrelevant oder vernachlässigbar erscheinen. Doch was er für Weiterungen bedeutet, macht Vasco Borden mit seinen brachialen Aktionen gegen Alex und Jamie Burnet überdeutlich: Menschenjagd in ihrer brutalsten Form. Man kommt sich vor wie in einem Stephen-King-Horrorthriller. Zum Glück wissen Bob Kotch und der zuständige Richter diesen Horror abzuwenden und die aktuelle, fiktive Rechtsprechung für illegal zu erklären.
_Der Sprecher_
Hannes Jaenicke hat eine tiefe, wenn auch nicht sonore Stimme. Damit kann er männliche Figuren kompetent darstellen, was ihm aber bei weiblichen Figuren weniger überzeugend gelingt. Die Frauen klingen alle gleich, mal mehr, mal weniger laut. Deshalb ist es von Vorteil, wenn die Frauen einen Akzent haben. Die Kontaktfrau Eddie Tolmans spricht mit gutturalem russischem Akzent. Auch wenn der Orientale Raza im Labor des Memorial Hospitals spricht, merkt man den fremdartigen Akzent.
Wichtiger für die Dramatik und Emotionalität der Handlung ist jedoch Jaenickes Ausdruck von Gefühlsregungen. Hier hapert es aber gewaltig, denn Jaenicke ist offenbar ein Anhänger der Theorie, durch ruhigen, gleichmäßigen Vortrag hinter der Geschichte zurückzutreten. Das klappt zwar in ruhigen Szenen und spannenden Passagen ganz gut, wirkt aber in dramatischen Szenen fehl am Platze. Selten einmal hört man ihn rufen, etwas häufiger hingegen heiser flüstern.
Und dann sind da noch die transgenen Tiere. Sie verleihen der Handlung ihren besonderen Reiz. Jaenicke weiß sie zu nutzen, um seinen Dialogen Würze und Witz zu verleihen. Da ist der sprechende Orang-Utan, der im Urwald von Sumatra unanständige Sachen sagt. Da ist Dave, der Monkey Man, der so gerne ein menschlicher Junge wäre. Er spricht mit einem hohlen Akzent, der die eigene Schöpfung des Sprechers sein dürfte.
Und schließlich ist da noch Gérard, der sprechende und hyperintelligente Graupapagei aus Paris, den es nach Nevada oder Arizona verschlägt, wobei er den Mann seines Frauchens bei einer Untreue ertappt hat. Gérard ist ein Sprachgenie, das wie ein Stimmrekorder funktioniert – aufnehmen und wiedergeben sind nicht das Problem; erst wenn Gérard das falsche wiedergibt, wird’s für die Menschen kompliziert. Gérard ist kein Spielzeug, sondern spielt eine Hauptrolle im actionreichen Finale des Romans.
Da es weder Musikuntermalung noch Geräusche gibt, brauche ich darüber kein Wort verlieren.
_Unterm Strich_
Michael Crichton schafft es auch diesmal, einen Wissenschaftsthriller zu liefern, der zugleich zu unterhalten, zu informieren und zu warnen weiß. Der Schauplatz ist nur ein klein wenig in die Zukunft verlegt, so dass uns dieses Szenario schon wieder ein wenig veraltet vorkommt. Transgene Tiere existieren, das ist unstrittig, doch was ist mit Verbindungen aus Mensch und Tier?
Crichton verbiegt die amerikanischen Gesetze, ein wenig spekulieren zu können, wie eine Gesellschaft aussähe, in denen das Zellgewebe eines Bürgers sowohl enteignet als auch requiriert werden könnte. Und in denen Biotechfirmen freie Hand hätten, Humanversuche mit neuen Genreihen vorzunehmen. Es erscheint nicht an den Haaren herbeigezogen, dass Leichen zweckentfremdet werden und dass es bereits zur Freisetzung von Testviren gekommen ist.
Dass man sehr wenig von diesen Ereignissen liest, mag entweder an der Unterdrückung der Nachrichten liegen – oder an einer selbsterfüllten Prophezeiung eines gewissen Michael Crichton: Er könnte dieses Szenario durch seinen warnenden Roman verhindert haben. Letzteres wäre aber wirklich zu viel der Hoffnung, nicht wahr?
Romantik, Erotik, rührendes Drama, spannende Action und schräger Humor bilden die tragenden Elemente des Thrillergarns, so dass für genügend Unterhaltung gesorgt. Doch die Kürzung auf die wichtigsten Handlungsstränge lässt dem Hörer keine Gelegenheit, sich Gedanken über die Verbindungen und die Bedeutung der Ereignisse zu machen. Es ist schon anstrengend genug, dem Plot zu folgen. Deshalb sind wir auf die Erklärungen des Erzählers angewiesen, um uns zurechtzufinden. Doch sie sind spärlich gesät.
|Das Hörbuch|
Der ruhige Vortrag lässt dem Hörer Raum, dem schnellen Szenenwechsel zu folgen und sich auf die Figuren zu konzentrieren. Der Humor, der durch den Stimmwechsel für die transgenen Tiere möglichst, sorgt für Abwechslung. Wäre dies nicht, könnte man bei dem Vortrag glatt einschlafen. So aber ist man wegen dieser Rätsel gespannt, worauf die Handlung hinauslaufen soll. Das Buch lässt dem Hörer sicher mehr Raum, um sich Gedanken zu machen. Aber manchmal habe ich den leisen Verdacht, dass man einen Crichton-Roman nicht wegen der Warnung, sondern der Unterhaltung liest.
|6 Audio-CDs
Spieldauer: 411 Minuten
Originaltitel: Next, 2006;
Aus dem US-Englischen übersetzt von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann
IBN-13: 9783866046474|
[www.randomhouse.de/randomhouseaudio]http://www.randomhouse.de/randomhouseaudio/index.jsp
_Michael Crichton bei |Buchwurm.info|:_
[„Timeline“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=360
[„Sphere – Die Gedanken des Bösen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=698
[„Welt in Angst“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=880
[„Next“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3300
[„Gold: Pirate Latitudes“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6108
_Eine Detektivin des Herzens: Der Tod kommt auf vier Rädern_
Georgia Kane, eine freischaffend tätige Krankenschwester, verlässt 1923 das neblige London, um die Betreuung eines Kranken in den Hügeln an der südenglischen Steilküste zu übernehmen. In dem einsam gelegenen Farmhaus ihrer Auftraggeber findet sie eine angespannte Atmosphäre vor, die durch merkwürdige Heimlichkeiten und ein seltsames Ritual geprägt ist. (erweiterte Verlagsinfo)
_Die Autorin_
Edith Nesbit (1858-1924) war eine englische Autorin, deren Werke für Kinder im englischen Original unter dem „geschlechtslosen“ Namen E. Nesbit veröffentlicht wurden. Sie verfasste über 40 Kinderbücher. Einige davon wurden später verfilmt. (Wikipedia)
Werkverzeichnis auf Wikipedia:
• Die Schatzsucher (The Story of the Treasure Seekers; Bastable-Trilogie 1; 1899)
• Der Club der guten Taten (The Would-Be-Goods; Bastable-Trilogie 2; 1901)
• Das rote Haus / Die lustige Ehe (The Red House; 1902)
• Fünf Kinder und zehn Wünsche / Der Sandelf (Five Children and It, Psamead-Trilogie 1; 1902)
• Der Phönix und der Teppich / Feuervogel und Zauberteppich (The Phoenix and the Carpet; Psamead-Trilogie 2; 1904)
• New Treasure Seekers (Bastable-Trilogie 3; 1904)
• Die Eisenbahnkinder ( The Railway Children; 1905)
• The Story of the Amulet (Psamead-Trilogie 3; 1906)
• Das verzauberte Schloß (Enchanted Castle; 1907)
• Die Kinder von Arden (House of Arden; 1908)
• Der Traum von Arden (Harding’s Luck; 1909)
• Die verzauberte Stadt (Magic City; 1910)
• Meereszauber (Wet Magic; 1913)
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Rollen und ihre Sprecher|
Georgia Kane: Solveig Duda
Marian Eldrige: Doris Gallart
Robert Eldrige: Eckart Dux
Mr. Dawson: Roland Hemmo
Amanda Dawson: Monika Barth
Milly Dawson: Sophia Abtahi
Chauffeur: Michael Schwarzmaier
Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios und im Fluxx Studio statt. Die Illustrationen trug Firuz Askin bei.
_Handlung_
Georgia Kane sehnt sich nach den Downs an der englischen Südküste zurück. Und dort soll sie heute ihre neue Stelle als Krankenpflegerin antreten. Als sie im nebligen November 1923 am Londoner Bahnhof steht. Findet sie Gelegenheit, der kleinen Tochter von Amanda Dawson zu helfen, die, wie sich herausstellt, eine Nachbarin von Georgias neuen Arbeitgebern ist. Zusammen fahren sie im Zug und als niemand Georgia abholt, nimmt Amanda sie einfach mit. Amanda ist Witwe und lässt sich chauffieren. Als sie aber den Namen des Anwesens „Charlestown“ hört, wird ihre Freundlichkeit zurückhaltend.
Über den Grund wundert sich Georgia noch, als sie dort an die Haustür der Eldridges klopft, bei denen sie jetzt arbeiten soll. Es dauert ewig, bis jemand öffnet, und bis dahin ist Georgia vom Regen pitschnass. Eine alte Frau öffnet, um sie einzulassen, dann kommt ein alter Mann hinzu. Es handelt sich um Marian und Robert Eldridge. Als Erstes gibts natürlich wärmenden Tee, schließlich ist man ja in England.
In Einzelgesprächen wird Georgia allerdings zunehmend verwirrt: Wen sie denn nun pflegen – Marian oder Robert? Jeder meint, es müsse sich um den anderen handeln. Marian meint, Robert phantasiere, weil er Erscheinungen wahrnehme, die gar nicht da seien. Und als Georgia en passant erwähnt, sie habe Amanda Dawson kennengelernt, lässt er tatsächlich vor Schreck die Tasse fallen. Etwas stimmt hier nicht. Doch Fragen weicht das Ehepaar aus.
Als Georgia m nächsten Morgen meint, dass sie sie gar nicht benötigten, widerspricht Marian. Sie hätten ihre Tochter Bessie verloren, die sie sehr liebten. Sie wurde von einem violetten Automobil auf der Landstraße überfahren. Nun sei ihr Leben sinnentleert, und Georgia würde ihnen helfen, es zu bewältigen.
Jeden Tag führt das Ehepaar eine Art Ritual aus, zu dem Georgia nicht eingeladen ist. Sie gehen stets um die gleiche Uhrzeit Richtung Klippen spazieren und kehren stets verstört und aufgewühlt zurück. Eines Tages kehrt Georgia aus dem Dorf zurück und kann die beiden belauschen. Er sagt zu ihr, sie solle ausweichen, er höre, wie es komme, doch sie streitet dies ab. Dann gibt sie nach und weicht aus. Aber vor was? Robert prophezeit, dass bald etwas geschehen werde …
_Mein Eindruck_
Edith Nesbitt ist eigentliche für ihre vielen Kinder- und Jugendbücher bekannt, doch die vorliegende Geschichte spielt unter Erwachsenen. So wie die Autorin im Kinderbuchbereich „erwachsene“ Themen einführte, so schreckt sie auch hier nicht vor dem Thema Sterben, Schuld und Erlösung zurück.
Die beiden Eldridges wirken zunächst wie Goethes harmonisches altes Ehepaar Philemon und Baucis aus „Faust II“. Doch je mehr Georgia Kane sie kennenlernt, desto mehr wird der fundamentale Unterschied sichtbar: Robert sieht ein Auto, das für Marian nicht existiert. Sein Problem: Er fühlt sich als Mörder. Und das Auto ist sein Schicksal. Erst wenn er dieses Schicksal besiegelt und seine Schuld beglichen hat, kann seine Seele Ruhe finden. Doch warum und wie?
|ACHTUNG, SPOILER|
Roberts Tochter Bessie wurde seinerzeit vom violetten Automobil auf der Landstraße angefahren. Dessen Besitzer war als Mr. Dawson bekannt, der immer zu schnell fuhr, weil er nicht aus der Gegend kam. Hier geht es gemächlich zu, keiner hat es eilig, schon gar nicht im Nebel. Bis er und die Automobile kamen.
Robert fand seine verletzte Tochter, so dass sie ihm noch sagen konnte, wer der Fahrer war: Dawson. Als ihn Dawson einmal im Nebel nach dem rechten Weg fragte, rächte sich Robert und nannte ihm die falsche Richtung: immer geradeaus, direkt über die Klippen ins Meer. Dawson starb, und seitdem hält sich Robert für einen Mörder.
Tag für Tag stellt er sich an die Landstraße, um auf ein Auto zu warten, das nur er sehen kann. Wirklich? Eines Tages muss Georgia Marians Stelle einnehmen, weil sich die alte Frau den Fuß verstaucht hat. Wird auch sie das Auto sehen können? Und wenn ja, was wird dann passieren?
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Im Zentrum des Stückes stehen im Grunde nur drei Figuren, nämlich die beiden Eldridges und Georgia, die ihre Ersatztochter und Erbin wird. Sie bilden eine gestörte Idylle, die in Ordnung sein könnte, wenn da nur nicht das violette Automobil wäre, das nur Robert sehen kann. Es ist lediglich ein Symbol für sein Schuldbewusstsein – und für den Tod.
Doris Gallart als Marian Eldrige und Eckart Dux als Robert Eldrige harmonieren ausgezeichnet. Man nimmt ihnen ab, dass sie eigenständige Persönlichkeiten sind, aber bereits so weit aufeinander eingespielt, dass sie sich praktisch wortlos verständigen können. Natürlich haben sie auch ihre Differenzen, gerade in der Sache mit dem Auto.
Solveig Ducha als Georgia Kane hat eine angenehme Stimme in Mittellage, die sie weder als naives Dummchen noch als herrische Gouvernante erscheinen lässt, sondern genau dazwischen: vernünftig, aber gefühlvoll und einfühlsam. Georgia ist schwer von Amanda Dawson (Monika Barth) zu unterscheiden, die vor allem durch ihre Mutterrolle charakterisiert ist. Sophia Abtahi spricht die kleine Milly Dawson ganz natürlich, als hätte sie ihren lebtag nichts anderes getan.
|Geräusche|
Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Das geht schon bei der Bahnhofsszene los, wo die Dampflok im Hintergrund schnauft und Stimmengewirr herrscht. Georgia in einem donnernden Gewitter mit plätscherndem Platzregen an und bibbert zum Gotterbarmen.
Die heimeligen Geräusche des Eldridge-Heims werden von den Küstenlauten kontrastiert, als da wären Möwengeschrei, Windblasen und Brandungsrauschen. In dieser harmonischen Polarität wirkt das violette Automobil wie der Fremdkörper, der es von Anfang ist.
|Musik|
Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und manchmal endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo. Das ist aber hier weniger der Fall, außer im Finale. Insgesamt ist dieses Hörspiel sehr stimmungsbetont.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
|Das Booklet|
Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für Firu Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Mai 2012.
Hinweise auf die nächsten Hörspiele:
Nr. 59: Edith Nesbit: Das violette Automobil (November 2011)
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)
_Unterm Strich_
Mir hat das atmosphärisch dichte Hörspiel gut gefallen, denn es baut eine durchgehend wehmütige Stimmung auf, die von einem vergangenen und einem kommenden Unglück etwas überschattet wird. Georgia Kane findet heraus, um was es geht, wie eine Detektivin des Herzens. Das erzeugt sowohl Spannung als auch Mitgefühl für die beiden Hauptfiguren.
Das Problem des Stücks ist natürlich, dass praktisch nichts passiert, sich aber einiges entwickelt. Daher lebt es von der gespannten Erwartung, die dem ansteigenden Schuldgefühl Roberts entspricht. Eines nahen Tages muss sich diese Anspannung entladen und hoffentlich lösen. Ob Robert wirklich Mr. Dawson auf dem Gewissen hat, muss jeder Zuhörer selbst beurteilen. Doch wer eigentlich dieses verhängnisvolle violette Automobil STEUERT, das soll hier nicht verraten werden.
|Das Hörspiel|
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Besonders gut gefielen mir die beiden zentralen Figuren, die sich wirklich Zeit lassen, das richtige und wichtige Wort genau zu platzieren.
Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert, und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.
Wer jedoch mit Dramatik und Romantik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Kost greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Reihe von Brian Lumley dürften dem Hörer eine ausreichend starke Dosis verabreichen. Leider hat LPL diese Reihe schon längst endgültig eingestellt.
Folge 1: [„Im Schatten des Rippers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7494
Folge 2: [„Spuk im Pfarrhaus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7519
Folge 3: _“Das entwendete Fallbeil“_
Folge 4: „Der Engel von Hampstead“ (07.04.2012)
_Das Fallbeil wartet, doch die Bombe nicht_
Ganz in der Nähe der Baker Street 221B, dem Wohnsitz von Sherlock Holmes und seinem treuen Chronisten Dr. Watson, befindet sich das Wachsfigurenkabinett „Madame Tussaud’s“. Den Erben der berühmten Wachsbildnerin plagen ernste Probleme, denn das originale Fallbeil, mit dem die französische Königin Marie Antoinette enthauptet wurde, ist aus der Ausstellung entwendet worden… (Verlagsinfo)
Diese Fälle dieser neuen Holmes-Reihe wurden nicht von Sir Arthur Conan Doyle geschrieben, sondern alle von Marc Gruppe. Sie basieren natürlich auf den originalen Figuren, die mittlerweile Allgemeingut geworden sind.
_Der Autor_
Marc Gruppe ist der Autor, Produzent und Regisseur der erfolgreichen Hörspielreihe GRUSELKABINETT, die von Titania Medien produziert und von Lübbe Audio vertrieben wird. Genau wie dort erscheinen auch „Die geheimen Fälle des Meisterdetektivs“ meist im Doppelpack.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Rollen und ihre Sprecher|
Sherlock Holmes: Joachim Tennstedt (dt. Stimme von John Malkovich)
Dr. John H. Watson: Detlef Bierstedt (dt. Stimme von George Clooney u. a.)
Mrs. Hudson: Regina Lemnitz (dt. Stimme von Kathy Bates)
Inspektor Abberline: Christian Stark
John Theodore Tussaud: Till Endemann
Ellen Tussaud: Maria Koschny
Edward White: Michael Pan
Sims: Simon Jäger
Sean Corder: Axel Lutter
Margery Mapleton: Philine Peters-Arnolds
Regie führten die Produzenten Marc Gruppe und Stephan Bosenius. Die Aufnahmen fanden in den Planet Earth Studios statt. Alle Illustrationen – im Booklet, auf der CD – trug Firuz Askin bei.
_Handlung_
|Prolog|
Am 28. Juni 1889 lässt sich der Reporter Sims im Keller des bekannten Wachsfigurenkabinetts von Madame Tussaud einschließen. Er möchte seinen Lesern von der „Kammer des Schreckens“ berichten, in der berühmte Verbrecher und Mordinstrumente ausgestellt sind. Doch ein hämisches Lachen im Dunkeln lässt ihn erst die Nerven und dann seine Laterne verlieren. Erst der Nachtwächter jolt den völlig Entnervten wieder heraus …
|Haupthandlung|
Dieser Vorfall ist jedoch nicht der Grund, warum John Theodore Tussaud, der Sims eingelassen hatte, sich an Sherlock Holmes wendet. Nachdem man sich über die berühmte Institution und deren momentane wirtschaftliche Schwierigkeiten ausgetauscht hat, bringt er sein Anliegen vor: Das Fallbeil aus der Guillotine, mit der Marie Antoinette geköpft wurde, ist weg. Verschwunden. Entwendet womöglich. Damit die Probleme mit seinen Teilhabern nicht noch größer werden, müsse bei der Wiederbeschaffung größte Diskretion beachtet werden. Daher hat er sich nicht an die Polizei, sondern an den Meisterdetektiv gewendet.
Eine Besichtigung des Tatorts ergibt nichts, aber als Holmes die Konstruktionspläne der Guillotine sehen will, stellt sich heraus, dass auch diese verschwunden sind. Holmes drängt sich der Verdacht auf, dass jemand entweder Tussaud erpressen, Konkurrenz machen oder einfach nur die Guillotine nachbauen will – zu eigenen finsteren Zwecken. Um Schlimmes zu verhüten, muss sie schleunigst gefunden werden, soviel ist klar.
Und es gibt auch schon einen verdächtigen. Es gab Entlassungen, und einer der gefeuerten Mitarbeiter war der Wachsfigurenbildner Edward White. Wie sich herausstellt, hat Tussauds Schwester Ellen ein zärtliches Verhältnis zu White und ihm erzählt, was im Museum s vor sich geht. Klarer Fall: Der Mann nutzte seine Chance, ließ sich einschließen und entkam mit Sims‘ Hilfe.
Ein Paket sei für John abgegeben worden, sagt Ellen. Da tut es auf einmal einen Mordsschlag! Eine Explosion verwüstet Johns Büro und der Rauch bringt alle zum Husten. Eines ist klar: White oder seine Auftraggeber meinen es ernst. Es dauert nicht lange, und eine Lösegeldforderung trifft ein …
_Mein Eindruck_
Die spannende Handlung für erst zu Edward White, dann zu seinem Auftraggeber. Das war vorauszusehen. Doch wo hat der Auftraggeber die Guillotine versteckt? Inspektor Abberline wendet sich ebenfalls an Sherlock Holmes: Prinz Victor Albert, der sich im Rotlichtviertel der Homosexuellen herumtrieb, ist entführt worden – und soll offenbar mit der Guillotine und dem Tussaud’schen Fallbeil hingerichtet werden!
Es kommt selbstredend zu einem dramatischen Showdown in den Katakomben von London. Die Handlung wirft ein Schlaglicht auf die antimonarchistischen Umtriebe Ende des 19. Jahrhunderts, doch sie wurden in der Mehrzahl vom Geheimdienst Ihrer Majestät (Mycroft!) unterdrückt, so dass es kaum je zu einem effektiven Anschlag kam. Anders als in St. Petersburg, wo die Anarchisten bekanntermaßen schreckliche Erfolge hatten, als sie den Zar töteten und Reformen (ca. 1905) erzwangen. (Man lese dazu auch Kai Meyers exzellentes Jugendbuch „Frostfeuer“.)
Dieser ernste Hintergrund der Handlung wird natürlich nur angedeutet und nie ausgelotet. Schließlich soll das Hörspiel ja unterhalten und nicht belehren. Dennoch behelligt uns der Text nicht grundlos mit zahlreichen Informationen über die Entstehung des Wachsfigurenkabinetts. Madame Tussaud gründete es 1850, doch sie war die Angestellte der Königin Marie Antoinette und erlebte deren Ende mit. Es war ihre traurige Aufgabe, die Totenmasken der Enthaupteten der Revolution anzufertigen. Daher verfügte sie über Vorlagen aus erster Hand.
Durch diese Erinnerung liegt die Assoziation nahe, dass sich eine bürgerliche Revolution wiederholen könnte. Im Vereinigten Königreich?! Die letzte Revolution liegt bereits über 200 zurück, und sie führte bekanntlich zum englischen Bürgerkrieg, in dem Oliver Cromwell eine wichtige Rolle spielte. Wiederholt sich also die Geschichte? Ja, wenn man nicht aus ihr lernt.
_Die Sprecher/Die Inszenierung_
|Die Sprecher|
Die Hauptfigur ist natürlich der Titelgeber himself. Joachim Tennstedt verleiht Sherlock Holmes eine flexible Janusköpfigkeit. Die erste Seite bekommen wir zu sehen, wenn Holmes recht abweisend zu Mrs. Hudson, der treuen Seele des Haushalts, ist. Das hält sie aber nicht davon ab, die Vorhänge aufzureißen und frische Luft in die Detektivsgruft zu lassen.
Die andere Seite Holmes‘ ist die des energischen Ermittlers, der sich auch verkleidet. Die dritte ist die des freundlichen Verführers und Gentleman – sie bekommen wir erst in späteren Folgen zu Gesicht, insbesondere im Tussaud-Fall. Wie bei John Malkovich können wir uns auf einen Facettenreichtum an Darstellungsformen freuen.
|Dr. Watson |
Die Figur des Dr. Watson ist in vielen Verfilmungen misrepräsentiert worden. Neben Basil Rathbone und Peter Cushing musste er den vertrottelten Stichwortgeber mimen. Er war der selbstgefällige Körper neben dem rastlosen, aber kranken Geist des Detektivs. Nicht so in dieser neuen Serie.
Detlef Bierstedts Stimme ist uns von George Clooney vertraut, daher kann er mit einer gewissen geliehenen Autorität auftreten, ganz besonders in allen medizinischen Belangen. Dennoch kommt er häufig über die Rolle des Stichwortgebers nicht hinaus. Holmes hat stets die Initiative. In Folge 3 wird er sogar als Aktenträger missbraucht. Doch auch Watson verfügt über einen Revolver und die Kenntnisse, diesen zu gebrauchen, besonders aus seiner Zeit in Afghanistan.
|Mrs. Hudson|
Regina Lemnitz als Mrs. Hudson zeigt sich stets hilfreich, mal energisch, mal als fühlende Seele, etwa bei ihrem Besuch im Wachsfigurenkabinett, bei sie unverhofft von Sherlock Holmes überrascht wird – dieses „Experiment“ ist sehr erfolgreich. Außerdem ist sie das moralische Zentrum jeder Folge. Alles, was Holmes & Watson tun, müssen sie nicht nur gegenüber Inspektor rechtfertigen, sondern vor allem vor ihrer Haushälterin. Sie würde sie sonst hochkant hinauswerfen. Holmes lässt es sich nicht nehmen, Mrs. Hudson und ihre Kusine in der „Kammer des Schreckens“ zu erschrecken – ein komischer Höhepunkt des Stücks.
John und Ellen Tussaud sind ein gut besetztes Geschwisterpaar, das durch professionelle Darstellungskunst zu überzeugen weiß. Besonders Maria Koschnys Stimme fand ich sehr angenehm. Man kann sich gut vorstellen, dass sie einen Mann wie Edward White zu verführen weiß.
|Geräusche|
Die Geräusche sind genau die Gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Szenen dicht und realistisch aufgebaut. Statt der aus dem GRUSELKABINETT vertrauten Andeutungen setzt diese Reihe mitunter auf handfeste Splattereffekte. So kann es Sherlock einfach nicht lassen, das Fallbeil selbst einmal zu testen.
Natürlich gibt es eine Fülle anderer Geräusche, so etwa immer wieder das typisch englische Teetrinken inklusive Tassenklirren und Teegluckern. Diesen heimeligen Klängen stehen knallharte Geräusche wie etwa das Fallbeil oder die Bombenexplosion gegenüber. Letztere macht doch einiges her, um der Mitte des Stücks etwas Pfeffer zu verleihen.
|Musik|
Die Musik entspricht der eines Scores für ein klassischen Spielfilm, also nicht zwangsläufig für einen Horrorstreifen. Klassische Instrumente wie Violine, Cello und Kontrabass werden manchmal von elektronisch erzeugten Effekten ergänzt. Schnelle Musik deutet Dynamik und Dringlichkeit an, langsame Musik entspannt und immer wieder endet eine Szene in einem dramatischen Crescendo. Die Haupthandlung beginnt mit idyllisch-heiteren Klängen, endet dann jedoch umso dramatischer.
Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.
|Das Booklet|
Im Booklet sind die Titel des GRUSELKABINETTS verzeichnet sowie Werbung für Firu Askin zu finden. Die letzte Seite zählt sämtliche Mitwirkenden auf. Ein zweites Booklet listet sämtliche Titel von Titania Medien auf, und zwar auch alle Neuerscheinungen bis Mai 2012.
Hinweise auf die nächsten Hörspiele:
Nr. 58: Lovecraft: Pickmans Modell (November 2011)
Nr. 59: Edith Nesbit: Das violette Automobil (November 2011)
Nr. 60: Robert E. Howard: Der Grabhügel (ab März 2012)
Nr. 61: Arthur Conan Doyle: Der Ring des Thot (ab März)
Nr. 62: Nathaniel Hawthorne: Rappaccinis Tochter (April)
Nr. 63: Robert E. Howard: Besessen (April)
Nr. 64: Francis Marion Crawford: Der schreiende Schädel (Mai)
Nr. 65: Mary Elizabeth Braddon: Gesellschafterin gesucht (Mai)
_Unterm Strich_
Das Phänomen des Wachsfigurenkabinetts bildet eine geschichtliche Brücke zwischen der französischen Revolution, als das entwendete Fallbeil eingesetzt wurde, und den (anno 1889) aktuellen antimonarchistischen Umtrieben in London. Droht eine zweite Revolution, wenn der entführte Prinz enthauptet gefunden wird? Wer weiß. Auf jeden Fall wäre es eine Riesenblamage für die Regierung Ihrer Majestät, besonders für den Geheimdienst und die Polizei. Und die Monarchie würde sich als verletzlich und vergänglich erweisen.
Wie auch immer, es ist ein heikler Fall für Holmes, und es versteht sich, dass Holmes darüber Stillschweigen bewahren muss. So macht sich die Inszenierung ein Vergnügen daraus, das Verbrechen mit dem Nervenkitzel zu kombinieren: eine Bombenexplosion, eine Beinahe-Enthauptung, ja sogar ein Schrecken für Mrs. Hudson ist mit drin.
Dieses Hörspiel ist viel flotter inszeniert als etwa „Im Schatten des Rippers“ und weit weniger idyllisch als etwa „Spuk im Pfarrhaus“. Ich hätte mir noch mehr Gruselszenen in der „Kammer des Schreckens“ gewünscht und mehr Romantik. Anders als im GRUSELKABINETT scheint es in dieser Reihe zudem keinerlei Rückblenden zu geben, ein Stilelement, das ich für sehr wirkungsvoll erachte, um eine Szene unmittelbarer wirken zu lassen.
|Das Hörspiel|
Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und bekannte Stimmen von Synchronsprechern und Theaterschauspielern einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Die Sprecherriege für diese neue Reihe ist höchst kompetent zu nennen, handelt es sich doch um die deutschen Stimmen von Hollywoodstars wie John Malkovich und George Clooney.
|Audio CD mit 78 Min. Spieldauer
ISBN 9783785745267|
[www.titania-medien.de]http://www.titania-medien.de
_Chaostheorie und Mädchenmord: spannender Justizthriller_
Fünf Jahre lang hat man Lucas Kendrick unter Drogen gehalten, angeblich im Rahmen eines Forschungsprojekts. Doch dann gelingt ihm die Flucht. Kaum ist er zu Hause angekommen, findet man ihn ermordet auf, und man verdächtigt Nell, seine Frau, der Tat. Barbara Holloway, die Nells Verteidigung zunächst lustlos übernimmt, stößt bald auf merkwürdige Ungereimtheiten, die sie stutzig machen – und in tödliche Gefahr bringen … (abgewandelte Verlagsinfo)
Dieser Roman wurde 1997 mit dem deutschen Kurd-Laßwitz-Preis als bester ausländischer Roman des Jahres ausgezeichnet.
_Die Autorin_
Die amerikanische Schriftstellerin Kate Wilhelm, geboren 1928, zeichnet sich durch eine sehr nah am Menschen orientierte Thematik und Darstellungsweise aus. Das hebt ihre vielfach ausgezeichneten Erzählungen und Romane über die Bindung an Moden und Tagesereignisse hinaus auf ein überzeitlich gültiges Niveau der Aussagekraft. Mit dem Post-Holocaust-Roman „Hier sangen früher Vögel“ errang sie zahlreiche Preise, aber der Großteil ihres Werkes besteht aus Kriminalromanen und Thrillern. Sie ist die Gattin des Autors und Herausgebers Damon Knight.
Wichtige Werke:
1) „Hier sangen früher Vögel“ (HUGO Award)
2) „Der Clewiston-Test“
3) „Inseln im Chaos“
4) „Huysmans Schoßtierchen“
5) „Margaret und ich“
6) „Somerset träumt“ (Storys)
7) „Kinder im Wind“ (Novellen)
Die |Barbara Holloway|-Reihe:
1. „Death Qualified: A Mystery of Chaos“ (1991)
2. „The Best Defense“ (1994)
4. „Defense for the Devil“ (1999)
5. „No Defense“ (2000)
6. „Desperate Measures“ (2001)
7. „The Clear and Convincing Proof“ (2003)
8. „The Unbidden Truth“ (2004)
9. „Sleight Of Hand“ (2006)
10. „A Wrongful Death“ (2007)
11. „Cold Case“ (2008)
12. „Heaven Is High“ (2011)
_Handlung_
|Lucas|
Alle hier am College in Denver nennen ihn nur Tom. Alle, vor allem die Psychiaterin Dr. Karen Brandewyne, die ihn am schärfsten kontrolliert, dann aber auch der Computerspezialist Dr. Herbert Margolis und der Physiker Dr. Schumaker von der naturwissenschaftlichen Fakultät. Tom arbeitet als Handlanger für alles am College, vor allem als Fensterputzer und im Garten. Er hat immer brav seine roten Pillen genommen, und sie fragten ihn, ob er Träume und Episoden gehabt habe.
Dann fand er den Zettel in seiner Hand: „Nimm die Pillen nicht!“ Seitdem er diesen Rat befolgt und die Entzugserscheinungen überstanden hat, kann er sich zunehmend an mehr Dinge erinnern, so etwa an den Namen seiner Frau: Nell. Und Travis? Travis ist sein Sohn! Aber wie heißt er selbst mit richtigem Namen? Schumaker spricht ihn im Scherz aus: Lucas. Lucas Kendrick. Und er kann immer noch seine „Schale“ ausdehnen und zusammenziehen, wie er will, um die anderen zu belauschen.
Er ist zum Minimarkt gegangen und hat sich Zeitungen gekauft. Man schreibt inzwischen 1989. Sieben Jahre ist er bereits hier. Die Erinnerungen sind ein einziges Chaos, aber da war mal die Rede von Blut, viel Blut. Alles wurde vertuscht, und er durfte nicht mehr Lucas heißen, nur noch Tom. Doch diese Zeit ist jetzt vorbei. Er muss abhauen. Die Bänder sind immer noch in ihrem Versteck im Doppelboden des Wandschranks und die Disketten sind in der Scheune von Brandewyne. Dann macht er sich in seinem alten Honda nahezu unbemerkt davon auf zu Nell.
|Nell|
Nell hat Lucas seit Jahren nicht mehr gesehen, seit er sie das letzte Mal besuchte und ihr ein zweites Kind machte: Carol. Inzwischen hat sie mit dem Doc in der Nachbarschaft ein Verhältnis angefangen, von dem aber keiner wissen darf, vor allem nicht Docs Ehefrau, die gelähmte Jessie. Nell ist unabhängig, mit eigenem Haus und einem zweiten, an einen Tierarzt vermieteten Haus. Außerdem verfügt sie in Gestalt eines Waldes über ein Vermögen. Und das erzeugt Neider.
Dieser Tag jedoch bringt eine Menge Ungemach: Erst treibt eine Frauenleiche im Fluss, dann wollen zwei Männer die große Kiefer auf ihrem Grundstück fällen und schließlich taucht auch noch Lucas auf. Sie hat ihn erwartet, denn ihre Schwiegereltern John und Amy haben sie vorgewarnt und sie konnte ihre Kinder zu ihnen in Sicherheit bringen. Was führt Lucas im Schilde, fragt sie sich, als sie im Wald auf ihrem Lieblingsfelsen sitzt. Da kommt er auch schon. Er lacht sie an und ruft: „Pass auf!“ Doch da fällt ein Schuss – und in den Kopf getroffen stürzt Lucas hinterrücks in eine Schlucht!
|Barbara |
Barbara Holloway befindet sich gerade in Phoenix, Arizona, als ihr Vater Frank, ein Rechtsanwalt, anruft: „Ich brauche deine Hilfe. Es gibt hier einen Fall, den ich nicht übernehmen kann.“ Denn Barbara hat ebenfalls einige Jahre als Strafverteidigerin gearbeitet. Wie sich herausstellt, ist der nicht übernehmbare Fall der von Nell Kendricks. Sie steht unter dem dringenden Verdacht, ihren Mann Lucas erschossen zu haben. Und dass sie eine exzellente Schützin ist, hat sie ja an jenem verhängnisvollen Tag demonstriert, als sie eine Bierdose vom Lastwagen jener zwei unerwünschten Holzfäller schoss.
Nicht genug damit, ist Lucas Kendricks dringend verdächtig, der Mörder jener im MacKenzie-Fluss treibenden Frau gewesen zu sein. Die junge Frau war eine Wanderin, die zusammen mit ihrer Begleiterin auf einer Wandertour durch den Westen der USA unterwegs war. Lucas nahm sie auf der anderen Seite des Gebirgskammes in seinem Wagen mit. Dann müssen sich in den Bergen schreckliche Dinge zugetragen haben, denn die Autopsie der Leiche hat grausame Verletzungen zutage gefördert. Nell Kendricks glaubt keine Sekunde, dass Lucas zu solchen Dingen in der Lage war. Doch wer war es dann?
Nachdem sich Barbara die Ereignisse aus Franks und Nells Sicht hat darstellen lassen, übernimmt sie den Fall, fährt zum Sheriff jenes Landkreises, wo Lucas und das Mädchen Janet zuletzt gesehen wurden – und wo Lucas‘ Eltern leben. Sheriff LeMans kennt die Familie von John Kendricks schon lange, und so ist er auf dem Laufenden, was einige Merkwürdigkeiten anbelangt.
Lucas‘ Auto etwa wurde nach der eingehenden Untersuchung an John Kendricks freigegeben. In der Nacht darauf wurde der Wagen still und leise völlig auseinandergenommen und auch die Wohnung der Kendricks auf den Kopf gestellt. Das gleiche Bild bot sich bei den Lagerstellen von Lucas. Jemand sucht etwas, und zwar ganz dringend.
Waren es Lucas‘ Verfolger?
_Mein Eindruck_
Es gilt also für Barbara Holloway und ihren Vater und Lehrmeister, zwei Rätsel zu lösen: erstens die Tode von Lucas und der jungen Frau, welche zusammenzuhängen scheinen; und zweitens, was überhaupt mit Lucas in jenem obskuren College in Denver passiert ist. Denn offenbar passierten dort zwei weitere Morde im Herbst 1982. Wie hängen diese Ereignisse miteinander zusammen, fragt sich Barbara fortwährend und setzt einen Privatdetektiv ein, der die Fakten aufdecken soll.
Unterdessen forscht sie selbst nach der Sache, mit der sich Lucas nach Nells Angaben beschäftigte, nämlich Fraktalen und Chaostheorie. Hier kommt der Wissenschaftsaspekt des Grundthemas zum Tragen, wird aber nie so dominant, dass man unbesehen sagen könnte: Ja, dies ist ein Science-Fiction-Roman. Nein, die Chaostheorie führt vielmehr dazu, dass Barbara den jungen Mathematiker Mike Dinesen kennen und lieben lernt. Nicht nur der Sex ist toll, sondern durch ihn fasst Barbara wieder neuen Lebensmut, den sie vor fünf Jahren verlor.
Durch Mike wird ein weiteres Element eingeführt: die fachliche und experimentelle Beschäftigung mit der Chaostheorie und den Versuchen, die ein gewisser Dr. Emil Frobisher in Denver anstellte. Frobishers Computerprogramm ist auf Disketten gespeichert, hinter denen Schumaker und Brandewyne her sind. Und Lucas hat Nell Tonbandaufnahmen hinterlassen, auf denen er seine Erlebnisse in Denver und auf seiner Heimreise schildert – bis er schon fast bei ihr war.
Aber warum sind die Disketten so brisant, dass dunkle Hintermänner bereit sind, dafür zu morden, fragt sich Barbara. Sie selbst entgeht dem tödlichen Ausgang eines Anschlags nur um Haaresbreite. Denn die Fakten, die sie in der langen und wendungsreichen Gerichtsverhandlung, die das gesamte mittlere Drittel des Buches einnimmt, auf den Tisch legt, belasten Dr. Brandewyne und ihre Mitverschwörer schwer.
Um die Frage nach der Chaostheorie und den Experimenten an Lucas zu beantworten, unterzieht sich Mike zur Barbaras Bestürzung selbst den Originalversuchen. Ihre Beklemmung wächst, als Brandewyne sie warnt, dass Programm paranoide Schizophrenie hervorrufen könne. Wird der geliebte Mike nun dem Wahnsinn verfallen? Doch es soll alles ganz anders kommen …
ACHTUNG, SPOILER!
Um das SF-Etikett zu rechtfertigen, ist es notwendig, zumindest anzudeuten, worin denn die Folgen von Lucas‘ und Mikes Behandlung bestehen. Das Frobisher-Programm verändert die Wahrnehmung der Welt, sollte man meinen. Aber die Folge davon ist verblüffend: Der Mensch, der diese Kunst beherrscht, kann sich willkürlich im Raum bewegen, wie es dem Beobachter scheint.
Dies ist jedoch nicht Teleportation, also die eigenständige und willentliche Bewegung durch den Raum, sondern eine Art Versteckspiel – von unserer Dimension in eine benachbarte (daher auch Lucas‘ Idee von der „Schale“). Folglich ist dieses Subjekt von einem Beobachter äußerst schwer zu sehen. Und das könnte im Showdown gegen den wahren Mörder Mikes und Barbaras Leben retten.
_Die Übersetzung _
Die Übersetzung durch Walter Brumm hat mir durchweg sehr gut gefallen. Aber wer Brumm kennt, weiß, dass er auf manchen Feldern Schwächen aufweist. So nennt er etwa einen „strange attractor“ (aus der Chaostheorie) nicht etwa „seltsamen Attraktor“, sondern „fremden Attraktor“. Diesen Fehler macht ich zuletzt in der 6. Klasse.
Auf S. 229 verwirrte mich ein weiterer „Brummismus“: „die Finger um die STECHER ihrer Waffen gekrümmt“. Gemeint ist wohl der „Abzug“.
S. 253: „ohne Belag für den Sachverhalt“. Korrekt müsste es „Belang“ heißen. Ein weiterer Buchstabe fehlt in dem Satz „Warum ließen Sie die Waffe auf [d]er Couch liegen?“ Auch vergessene Kommata sind bei Brumm recht beliebt.
Manchmal fragte ich mich, ob Brumm über das Geschlecht mancher Wörter Bescheid weiß. So etwa in dem Satz auf Seite 484: „Okay, schließen wir ein[en] Kompromiss.“ Aber wahrscheinlich ist auch dies nur ein weiterer Fall von vergessenen Buchstaben. Genau wie in folgendem Satz auf 522: „Die Beamten werden ein[en] irre redenden Verrückten vor sich haben.“
_Unterm Strich_
Dieser Roman hat mich wider Erwarten von der ersten Seite an gefesselt. Ich habe ihn in nur wenigen Tagen ausgelesen, so befriedigend und wendungsreich fand ich die Lektüre. Die Erzählung bleibt immer sehr nah an den Figuren dran und teilt uns ihre Gemütsverfassung, Gedanken, Gefühle und Empfindungen minutiös mit. Deshalb ist der Roman auch für einen Thriller ungewöhnlich umfangreich.
Das Interesse an den Figuren geht einher mit der eingehenden Schilderung ihres Lebensraumes: Oregon in der Nähe der Hauptstadt Eugene, direkt unten am Fluss McKenzie, der in jeder Jahreszeit anders aussieht. Zuweilen dachte ich, die Autorin habe quasi einen Heimatroman geschrieben, denn schließlich lebt sie in dieser Gegend. Dass sie sich bestens mit der Landschaft und ihren Menschen auskennt, merkt man in jeder Zeile. Das vermittelt ein Vertrauen in ihre Darstellung ein, die man bei vielen Schriftstellern, zumal in der Phantastik, vergeblich sucht.
Der innovative Wissenschaftsaspekt, den man bei einem Buch mit SF-Etikett erwartet, spielt wirklich nur ganz am Rande eine Rolle. Vielmehr sind es die Wissenschaftler selbst, die auf den Prüfstand gestellt werden. und das ganz wörtlich, nämlich im Gerichtssaal. Hier liefert Barbara Holloway, die Serienheldin, eine fulminante Vorstellung als Verteidigerin – nicht zuletzt gegen einen Staatsanwalt als Gegner, mit dem sie noch ein Hühnchen zu rupfen hat. (Er war mit der Grund, warum sie vor fünf Jahren ihre Heimat verließ.)
Langer Rede kurzer Sinn: Selbst noch nach 20 Jahren – das Original erschien 1991 – wirkt die menschliche Interaktion in diesem Roman taufrisch und weiß mit Überraschungen aufzuwarten. Da fallen solche Details wie frühe IBM-PCs mit Disketten nicht so ins Gewicht. Ich hab selbst mit diesen Kisten gearbeitet – wenn man mit ihnen umgehen konnte, lieferten sie einwandfreie Ergebnisse. Und die zwei Kinder, die im Buch das Frobisher-Programm ausprobieren (Mikes Vermächtnis), könnten auch heute leben – und eine wundersame Wandlung durchmachen.
|Gebunden: 589 Seiten
Originaltitel: Death Qualified. A Mystery of Chaos (1991)
Aus dem US-Englischen von Walter Brumm
ISBN-13: 978-3453118775|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de
Der Roman „Mein Freund Matt und Hena die Hure“ (Klett-Cotta) von Adam Zameenzad, eines Briten pakistanischer Herkunft, wirkt unscheinbar. Und doch verbirgt sich in der Geschichte des zehnjährigen Ich-Erzählers geballte Kulturkritik am westlichen Einfluss in Afrika und an den einheimischen politischen und gesellschaftlichen Zuständen.
_Handlung_
Zu Beginn sind dem Ich-Erzähler noch die Geister der Ahnen lebendig, dann verliert er zunehmend seine Unschuld, als er zwischen die Fronten von Bürgerkriegstruppen gerät – er beobachtet eine Folterszene – als er auf komische Weise über die genitale Ausstattung eines weißen Missionars rätselt und als seine Großmutter stirbt.
Als eine Art Simplizissimus taumelt er mit offenen Augen und Ohren durch ein beinahe surreales Land der moralischen und sozialen Verwüstung, geführt nur von seinem Freund Matt, der auf alles eine Antwort zu wissen scheint. Schließlich gelangt er in die große Stadt, wohnt im Slum und erlebt, wie die „lebenden Skelette“ sich dort ihren Unterhalt verdienen, indem sie sich zum Beispiel prostituieren.
_Fazit_
Das ist Afrika des Jahres 1990. Es ist nicht das Touristenafrika, aber es könnte das Afrika sein, das der Autor Zameenzad, als er dort eine Schule leitete, in Bruchstücken erfahren oder mitgeteilt bekommen hat. Und es ist gerade der Ton der Unschuld, der die Kritik uns so treffen lässt.