Eine Landschaft an der Donau, 1907: Fasziniert von der Abgeschiedenheit einer Sandbank in der Donau schlagen zwei Kanufahrer in der Einsamkeit von Weiden und Sumpf ihr Nachtlager auf. Schnell bemerken sie eine unsichtbare Bedrohung, die von den Weiden auszugehen scheint, und für die sie zunächst keinen Urheber ausmachen können. Doch in der Nacht wird ihr Kanu fahruntüchtig gemacht, und die Gefahr scheint ganz nah zu sein … (Verlagsinfo)
Zwei abenteuerlustige Freunde befahren im Kanu die österreichisch-ungarischen Donau-Auen. In der urtümlichen, menschenleeren, von Wasser, Wind und Weiden geprägten Landschaft geraten sie in den Bann mächtiger Naturgeister, die ihnen ebenso faszinierende wie lebensgefährliche Erlebnisse bescheren.
Anlass für diese Erzählung war eine Kanufahrt, die Algernon Blackwood mit einem Freund auf der Donau unternahm und über die er 1901 einen Reisebericht schrieb für das englische Macmillan’s Magazine mit dem Titel „Eine Kanufahrt auf der Donau“ („Down the Danube in a Canadian Canoe“).
_Humorvolle, tiefe Einsichten in die HOBBIT-Produktion_
Das Filmbuch schildert die Entstehung des Films in Bild und Text und nimmt den Leser mit hinter die Kulissen. Das ausführliche »Making of« vermittelt das Gefühl, unmittelbar an der Entstehung des Films teilzunehmen – ein Spaß für die ganze Familie. (Verlagsinfo)
_Der Autor_
Der Brite Brian Sibley hat bereits das erste Buch über die filmhistorischen Hintergründe von Peter Jacksons „Herr der Ringe: Die Gefährten“ geschrieben. Das Buch wurde verdientermaßen ein internationaler Bestseller. Der Filmfan findet darin (die einzigen) wirklich nützlichen Filminformationen, die in Buchform vorliegen, also nicht im Internet oder im Magazin von Fanclubs veröffentlicht wurden.
_Inhalte_
Brian Sibley ist so etwas wie der offizielle Hofberichterstatter für dieses Filmprojekt von New Line Cinema/Warner/MGM. Er war in den Weta-Werkstätten und den Studios in Neuseeland vor Ort – viele schöne Fotos zeugen davon. Dementsprechend authentisch sind die Infos, die er mitgebracht hat: alle aus erster Hand (im Gegensatz zu manchem Zeug, das man im Web so findet).
In den schön gestalteten und mit zahlreichen Fotos illustrierten Kapiteln beschreibt er haarklein, was es zu dem jeweiligen Thema zu wissen gilt und stellt die Verantwortlichen mit Bild vor. Wenn es beispielsweise um Maskenbildnerei und Haardesign geht, bekommt man nicht nur die maßgeblichen Leute wie Peter King vorgestellt, sondern darf auch die Ergebnisse ihrer Arbeit begutachten. Man kann sich beispielsweise fragen, wie viel Arbeit in dem mit Vogeldreck bekleckerten Bart von Radagast steckt.
Die lebhaften und mit bemerkenswerten Zitaten gespickten Mini-Berichte und Porträts lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen: die Schauspieler, die Crew und die Abteilungen. Haar- und Kostümdesign wäre so eine Abteilung, aber der Kameramann Andrew Lesnie oder der Bewegungschoreograph Terry Notary zählen zur Crew. Dass Andy Serkis, der Mann der die FILMFIGUR Gollum erschuf, nun auch Filmregisseur (für die Second Unit) geworden ist, habe ich hier zum ersten Mal erfahren. Eine ausgezeichnete Wahl, finde ich, denn Serkis bringt ungewöhnliche Ideen neben viel Theater- und Schauspielerfahrung mit.
Die dritte Kategorie ist die bei Weitem umfangreichste: die Schauspieler. Den Anfang macht der Darsteller der Titelfigur, also Martin Freeman. Extra für ihn wurde der Drehbeginn um mehrere Monate verschoben, denn er war in die 2. Staffel der TV-Serie „Sherlock“ eingebunden (und steckt mittlerweile schon in den Arbeiten an der 3. Staffel).
Ihm folgen Richard Armitage als Thorin Eichenschild und Sir Ian McKellen als Gandalf (siehe das Titelbild). McKellen hat natürlich ein wesentlich abgeklärteres Bild von den Dreharbeiten an diesem zwei Jahre dauernden Filmprojekt als seine jungen Kollegen. Aber alle drei Teile des HOBBIT wurden am Stück gedreht, von mehreren Teams, in Neuseelands Natur und in den Studios.
|Die Zwerge|
Am besten gefallen mir die Porträts der 13 Zwerge, denn erstens ist jeder Zwerg verschieden und zweitens haben die jeweiligen Schauspieler ihre ganz eigenen Ansichten: über das Projekt, das sie meist total fantastisch halten (es gibt ja auch viel dabei zu verdienen); die Zwerge als Spezies (mitunter recht sonderbare Zeitgenossen) und über ihre jeweilige Figur. Nori etwa ist ein notorischer Dieb und Rebell, der sich fragt, warum die Expedition NOCH EINEN Dieb benötigt.
Bifur, dargestellt von William Kircher, hingegen läuft mit einer Orkaxt in der Stirn herum und hat deswegen erhebliche Probleme mit der aktuellen Wirklichkeit. Der Unterschied zwischen dem Bewerbungsfoto und dem Endergebnis von Make-up, Haardesign und Kostümierung könnte nicht größer sein. Dass John Callen, Darsteller des schwerhörigen Oin, schon 65 Jahre alt ist, sieht man ihm deswegen keineswegs an.
Adam Brown, Darsteller des jungen Ori, dem Chronisten, tauchte in „Der Herr der Ringe: Die Gefährten“ übrigens als Skelett an Balins Grab auf, das eben diese Chronik in seinen bleichen Händen hält: das Buch von Mazarbûl. Adam, ein Mann mit viel Humor, scherzt über seine erfolgreiche Abmagerungskur für diese prominente Rolle als Skelett.
Übrigens gibt es nicht 13 Darsteller der Zwerge, sondern 52! Jeder Zwerg hat nicht nur seinen Normaldarsteller, sondern auch zwei Größen- und ein Stuntdouble. Folglich gibt es für jede Figur nicht nur ein Kostüm, sondern vier und entsprechend viele Accessoires usw.
|Die Waffen|
Da es alle Filmfiguren auch als Actionfiguren zu kaufen gibt, sind ihre Attribute sehr wichtig. Dazu gehören, besonders für Jungs, immer auch die jeweilige Waffe. Alle sind unterschiedlich bewaffnet, doch manche Waffe ist berühmt, weil sie bereits in der RINGE-Trilogie vorkam. Dazu gehören die Schwerter Glamdring und Stich, die von Gandalf bzw. Bilbo/Frodo geführt werden.
Neu kommt das Elbenschwert Orkrist hinzu, das in Thorins Händen wohl noch einige Orkschädel spalten dürfte (sein Griff ist aus Drachenzahn, und man fragt sich, wo Peter Jackson den entsprechenden Drachen auftrieb). Auf S. 147 ist die Inschrift auf Stich übersetzt: „Stich heiße ich, der Spinnen Tod bin ich.“ Gleiches hätte ich gern auch für Glamdring gesehen, das auf dem Titelbild abgebildet ist.
Gloin hält bereits die Streitaxt, die man in der RINGE-Trilogie in den Händen seines Sohnes Gimli sieht. Die Figuren sind also bis ins letzte Detail durchdacht, und die Schauspieler hatten großen Anteil daran. So erfuhr ich verblüfft, dass diese Zwerge aus drei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen: aus der Arbeiterklasse, der Mittelschicht und natürlich aus der Adelsschicht, so etwa Thorin und Balin. Das führt zu einigen ironischen Seitenhieben unter den Zwergen.
|Neue Optik|
3D oder nicht 3D – das war die Frage. Ian McKellen ist begeistert von der 3D-Technik, und Peter Jackson hätte seine RINGE-Trilogie und „King Kong“ am liebsten schon dreidimensional gedreht. Dieser Minubericht erklärt die neuen Effekte in leicht verständlichen begriffen.
„Das Böse Auge“ wird die neue Kamera genannt, die die höhere Bildwiederholrate 48 fps erzeugt kann. Hier kommt die Digitaltechnik voll zum Tragen und beschleunigt und vereinfacht alle Bildverarbeitungsvorgänge. Aber sie hat auch unvorhergesehene Folgen: Jeder winzigste Fehler ist sofort zu sehen – im Make-up, im Kostümgewebe und sogar im Schliff von Schwertklingen. Da man sehen würde, dass die Filmschwerter stumpfe Kanten haben, muss man jetzt mit gefährlichen scharfen Klingen drehen! Hoffentlich erfährt die Versicherung nichts davon. Die würde sofort ihre Prämien verdoppeln.
_Mein Eindruck_
Die Berichte, Bilder und Features, die Sibley zusammengestellt hat, bilden in ihrer Gesamtheit das Puzzle eines Gesamtbildes, das sich vielleicht erst nach mehrmaligem Lesen einprägt. Es gibt aber bereits eine Ahnung von der unglaublichen Anstrengung, die Jacksons überdimensionales Projekt bedeutet hat. Die schieren Zahlen können einen glatt überwältigen: mehrere tausend Paar Hobbitfüße – was bedeutet das schon? Tausende von Kleidergarnituren – jeweils in unterschiedlichen Maßstäben, damit Hobbits immer kleiner als Menschen etc. aussahen. Und natürlich hunderte von Perücken (aus Bristol, GB) und Bärten (aus London).
Viel wichtiger als all diese Fakten war mir jedoch zu erfahren, was sich die maßgeblichen Leute bei diesem gigantischen 18-Monate-Projekt gedacht haben. Denn die Querelen mit den Urheber- und Lizenzrechten zogen sich ja über Jahre hin, und schließlich ging das MGM-Studio fast bankrott, was wiederum den ersten Regisseur Guillermo del Toro veranlasste, das Handtuch zu werfen.
Nun setzt Peter Jackson, eh schon als Produzent involviert, seine ganz persönliche Sichtweise auf Mittelerde und den HOBBIT in nicht nur zwei, sondern drei Filme um. Denn, so gibt er zu Protokoll, nur so, mit der eigenen inneren Beteiligung, macht es ihm Spaß, diese drei Filme zu realisieren. Und das ist der Grund, warum vieles, das die Zuschauer im ersten HOBBIT-Film sehen, ihnen so vertraut vorkommt. Ein Guillermo-del-Toro-Film hätte bestimmt ganz anders ausgesehen.
_Die Übersetzung _
Der Text ist erfreulich flüssig zu lesen, und der gewählte Sprachstil ist weder akademisch noch leutselig, sondern sowohl sachlich als auch von menschlicher Wärme geprägt. Die Zahl der Druckfehler – immer ein heikler Punkt in solchen schnell produzierten Begleitbüchern – hält sich erfreulicherweise in Grenzen. Fehler wie „William Kicher“ statt „William Kircher“ sind eher lustig als ärgerlich.
Es ist immer knifflig, ein Buch, das derart viele Werktitel zitiert, ins Deutsche zu übertragen. Viele erwähnte Titel sind noch unübersetzt oder nur in Neuseeland / Australien bekannt. Die Übersetzerin hat daher nicht jeden Werktitel übertragen, sondern vielfach den O-Titel stehen lassen. Aber wichtig war natürlich, jeden einzelnen Tolkientitel mit deutschem Titel zu nennen – Tolkien ist ja fast komplett ins Deutsche übertragen worden (mit Ausnahme von acht Bänden der „History of Middle-Earth“).
_Unterm Strich_
Für Leute, die wissen wollen, wie das Riesenprojekt der Filmtrilogie verwirklicht wurde und welche digitalen und künstlerischen Tricks dabei zum Einsatz kamen, ist dieses Buch ein Muss. Allerdings kommen wirkliche Fachleute hier ein wenig zu kurz. Um wirklich technische Details zu erfahren, sollten sie die „Chroniken“ zum HOBBIT erwerben. Die erste solche CHRONIK ist erhältlich, kostet aber nochmal zwölf Euro mehr als der vorliegende Band, nämlich knapp 30 Euro. Da kommen also noch einige Schmankerln für Sammler.
Auch für Film- und Tolkienfans, die sich mit der Darstellung bestimmter Figuren, wie etwa Bilbo, Radagast oder Thorin Eichenschild, auseinandersetzen wollen, bietet dieses Buch wertvolle Informationen aus erster Hand, nämlich Interviews. Diese sind stets durch filmografische Fakten unterlegt, die den jeweiligen Schauspieler mit seinen Werken vorstellen. Ned Brophy etwa war schon in den RINGE-Filmen in unterschiedlichsten Rollen beteiligt, vom Ork bis zum Elb, doch einen Zwerg darf er nun zum ersten Mal spielen.
Leute, die einen Sinn für Humor haben, werden sich an den zahlreichen kuriosen Fakten und Aussagen der Schauspieler und Crew-Mitglieder ergötzen, die Brian Sibley zusammengetragen hat (und die bei einem Projekt dieser Dimension nicht ausbleiben können). Aber sie seien auch gewarnt: Der Humor, den angelsächsische Schauspieler besitzen, ist mitunter pechschwarz. Das ist ganz besonders beim Motion-Capture-Darsteller des Orkkönigs, Barry Humphries, gut zu bemerken. Und auch Brian Sibley ist keineswegs unempfänglich für den Reiz des Hässlichen und Bizarren.
|Was fehlt|
Derjenige Zuschauer, der den Film gesehen hat, dürfte einige Figuren vermissen. Es handelt sich ausnahmslos um Figuren, die rein im Computer erschaffen wurden, nämlich:
– Smaug
– der Totenbeschwörer (Sauron)
– Azog, der Albino-Ork
– die Adler Thorondors
– Warge & Wargreiter
– The Bunny Wagon (Radagasts Karnickelschlitten, wird aber zumindest begründet)
Aber die drei Trolle findet man ebenso erläutert wie Gollum und den Orkkönig – sie wurden durch Motion Capture zum Leben erweckt. Und gerade zu den Trollen findet sich im Buch eine lustige Geschichte. Die sollte man aber selbst nachlesen. Ein kurioses Foto ist auf Seite 165 zu sehen: Martin Freeman trägt ein Lichtschwert. Möglicherweise hat er sich in den falschen Film verirrt und sollte eigentlich in STAR WARS Episode 7, die Disney plant, auftreten.
|Broschiert: 168 Seiten
Originaltitel: The Hobbit: The Official Movie Guide
Aus dem Englischen von Birgit Herden
ISBN-13: 978-3608939965|
http://www.klett-cotta.de
Ungewöhnlicher Thriller: Die letzten Tage des Homo sapiens
Ein mysteriöser Mord in San Francisco erschüttert die Freundesgruppe des Opfers. Als weitere Morde folgen und Familienangehörige grußlos verschwinden, machen sich zwei der Freunde an die gefährliche Aufklärung – nicht ahnend, dass sie sich am Schluss als Todfeinde gegenüberstehen werden – es geht um die Zukunft einer weiteren menschlichen Spezies. Frank M. Robinson – Waiting. Horror-Roman weiterlesen →
Skurril: Magie gibt es auch im kleinsten Städtchen
Die kalifornische Küste nördlich von San Francisco. Die wertvolle Skizze zu einem japanischen Holzschnitt von Hokusai, die ein alter Mann seinem Museum vermacht hat, will Howard abholen, der lange fort war. Doch der Spender, so heiß es, sei gestorben, und die seltsamen Käuze von Mendocino, die er anspricht, hüllen sich in Schweigen, verdrehen kichernd die Augen und weisen heimlich mit Fingern auf ihn. Selbst sein Onkel Roy und seine Ex-Freundin (und Kusine) Sylvia können ihm anscheinend nicht helfen. Doch dann wird in eines von Onkel Roys Häusern eingebrochen. Offenbar sucht noch jemand nach der Skizze…
Was bleibt von einem Leben ohne jede persönliche Erinnerung? Nach einem Schlaganfall erwacht Giambattista Bodoni aus dem Koma. Zwar erinnert er sich an Alexander den Großen, erkennt dafür aber nicht den kleinen Alexander, seinen Enkel. Er hat sein biografisches Gedächtnis verloren. Schritt für Schritt tastet er sich zurück, sucht, was in den Jahrzehnten geschehen ist. Seine Suche führt ihn durch Trödelmärkte und das Internet bis hin zum Dachboden im Haus seines Großvaters. Und Königin Loana? Sie stammt aus einem populären Comic, der erstmals 1932 erschien, im Geburtsjahr Umberto Ecos.
Ein weiterer Roman vom Ende der Welt, wie wir sie kennen. Ein ähnliches Szenario wie es Vonnegut bereits in „Katzenwiege“ und „Zeitbeben“ mit Erfolg zum Einsatz gebracht hat. In „Galapagos“ ist jedoch alles noch einen Dreh merkwürdiger: Es ist ein Rückblick aus einer Zukunft, die eine Million Jahre entfernt ist.
Die auf einem Eisplaneten gestrandeten Passagiere eines Rettungsbootes treffen auf eine Kultur von großwüchsigen Humanoiden, die auf einer mittelalterlichen Stufe eine Feudalgesellschaft aufgebaut haben. Und die sind scharf auf das Metall des Fliegers. Dafür gewähren sie Gastfreundschaft. Doch wenn die Schiffbrüchigen zum nächsten Stützpunkt der Menschen weiterreisen wollen, gibt es eine kleine Bedingung: Sie sollen helfen, den alljährlichen Angriff einer Barbarenhorde abzuwehren. Zunächst sieht das für die Menschen wie ein Klacks aus, doch der Eisplanet hat seine Tücken.
Der erste Band der Trilogie um Aeneas und Troja erzählt von Aeneas’ Ankunft in der mächtigsten Stadt des Mittelmeers, seiner Liebe zu der Amazone Andromache und seinem tapferen Verteidigungskampf gegen die Mykener Agamemnons. Die Fortsetzung trägt den Titel „Der Donnerschild“, vermutlich eine Anspielung auf den von Homer detailliert beschriebenen Schild des Helden Achilles. Aeneas hingegen ist der „Herr des silbernen Bogens“. Den Abschluss bildet der Roman „Königssturz“.
Bilbo Beutlin, der kleine Hobbit, macht sich auf den Weg zum Einsamen Berg, um den rechtmäßigen Schatz der Zwerge zurückzuholen, den der Drache Smaug gestohlen hat. Als er auf seiner Reise mit den Zwergen einen Ring findet und ihn arglos einsteckt, ahnt er nicht, welch wichtige Rolle dieser Zauberring einmal spielen wird – nämlich in der Fortsetzung „Der Herr der Ringe“. Und Gandalf ist fast immer mit von der Partie, als sich Bilbo vom ängstlichen Hobbit zum mutigen Meisterdieb mausert.
Diese Buchausgabe des Klassikers wurde neu durchgesehen und erstmals mit Illustrationen des bekannten Malers und Tolkienkenners Alan Lee versehen, dem Art Designer an Jacksons Verfilmung des „Herrn der Ringe“.
Der Autor
John Ronald Reuel Tolkien wird am 3. Januar 1892 in Bloemfontein in Südafrika geboren. Bei einem Verwandtenbesuch in England im Jahre 1896 stirbt Johns Vater an den Folgen eines Blutsturzes. Die Tolkiens, John, sein älterer Halbbruder Hilary und seine Mutter Mabel, bleiben daraufhin in England und werden von ihrer Familie finanziell unterstützt. Im Jahre 1900 entscheidet Mabel sich dazu, vom Protestantismus zum katholischen Glauben zu wechseln. Das empört ihre Familie, die ihr daraufhin den Geldhahn zudreht.
Vier Jahre später, am 14. November 1904, stirbt Mabel in einem diabetischen Koma. John und sein Halbbruder werden von einer Tante aufgenommen, und John geht an eine königliche Schule und bekommt ein Stipendium für das Exeter College in Oxford, das er 1913 mit Auszeichnung verlässt. Während dieser Zeit lernt er auch Edith Bratt kennen, die er 1916 heiratet. Kurz nach der Heirat muss er aber für das Königreich in den Ersten Weltkrieg ziehen. 1916 ist er in Frankreich stationiert und wird schwer krank. Dieser Krankheit hat er zu verdanken, dass er im gleichen Jahr nach Hause kann und nie mehr in den Krieg ziehen muss. Schon während dieser Zeit beginnt er an dem [„Silmarillion“ 4483 zu arbeiten.
1918 bringt Edith das erste von fünf Kindern zur Welt: John Francis. Die drei ziehen nach Oxford, wo Tolkien sein angefangenes Sprachstudium wieder aufnimmt und beendet. Im Oktober 1920 kommt der zweite Sohn Michael zur Welt. Im selben Jahr zieht die Familie nach Leeds, weil John dort einen Platz als Dozent an der Uni bekommt. 1924 wird John zum Professor berufen und sein dritter Sohn Christopher kommt zur Welt. Dieser sorgt nach dem Tod seines Vaters dafür, dass alle Manuskripte vervollständigt und veröffentlicht werden. Ein Jahr später gewinnt John die Wahl zum Angelsächsischen Professor an der Uni in Oxford. Die Familie zieht wieder zurück nach Oxford.
1929 legt Tolkien den Grundstein zu [„Der Hobbit“. 481 Außerdem wird seine erste Tochter geboren: Priscilla. Im folgenden Jahr beginnt Tolkien mit dem Manuskript zum „Hobbit“. Sieben Jahre später, am 21. September 1937, erscheint dann der „Hobbit“ bei |Unwin| und erhält viele positive Buchkritiken. Das Buch wird unter anderem mit dem „New York Herald Tribune“- Jugendpreis ausgezeichnet.
Im nächsten Jahr hat Tolkien schon konkrete Vorstellungen vom [„Herrn der Ringe“, 5487 weil Raynor Unwin um eine Fortsetzung des „Hobbits“ gebeten hatte. Tolkien unternimmt mehrere Anläufe und schreibt jedes Mal den Anfang komplett neu. Nach dem Start herrscht aber wegen des Zweiten Weltkriegs, in dem zwei seiner Söhne dienen, erst einmal eine künstlerische Pause, die bis 1947 dauert. Erst jetzt fängt er wieder an, am „Herrn der Ringe“ zu arbeiten. Zwei Jahre später ist das Buch dann fertig, wird aber erst 1954/55 veröffentlicht, da Tolkien den „Herrn der Ringe“ zusammen mit dem „Silmarillion“ und mit allen Anhängen herausbringen wollte. Der Verlag verlangt aus Kostengründen (Papier war rationiert und teuer), dass das Buch in drei Teile aufgeteilt wird, die nacheinander erscheinen.
Am Anfang sind die Bücher nicht besonders erfolgreich, werden als absurd und schwer verständlich eingestuft. Erst nach dem |Ace|-Raubdruck ca. 1966 wird das Buch vor allem bei amerikanischen Studenten beliebt und schließlich zweimal verfilmt.
Im Jahre 1968 zieht Tolkien wegen seiner Frau noch einmal um, und zwar ins das Seebad Bournemouth, welches die Familie aus Urlaubsbesuchen kennt. Am 19. November 1971 verstirbt Edith an den Folgen einer Gallenblasenentzündung. Tolkien zieht wieder nach Oxford um, wo er als Ehrenmitglied auf dem Unigelände wohnt. Er erhält von der Queen den „Kommandeursorden des Britischen Empires“ (CBE). Außerdem hat er die Hoffnung, sein Lebenswerk, das „Silmarillion“, noch vor seinem Tod fertigstellen zu können. Aber Tolkien stirbt am 2. September 1973 achtzigjährig im Krankenhaus, als er gerade ein paar Freunde besucht. Im Jahre 1977 veröffentlicht sein Sohn Christopher das „Silmarillion“ nach radikaler Überarbeitung und bringt noch andere Bücher seines Vaters heraus.
J. R. R. Tolkien (1892-1973) verschlang schon als Schüler „Beowulf“ und die Abenteuer des Artus-Ritters [Sir Gawain 479 auf Mittelenglisch. Tolkien studierte in Oxford und wurde mit 32 Jahren zum Professor für mittelalterliche englische Literatur. Er lehrte nahezu 40 Jahre lang und gab u. a. ein mittelenglisches Wörterbuch heraus, das bis heute auf diesem Gebiet zu den Standardwerken zählt. Sein besonderes Interesse galt jedoch der Mythologie, den Sagen und Märchen. Tolkien zufolge spiegeln all diese Geschichten – auch die von ihm selbst erdachten – einen Funken ewiger Wahrheit wider.
_Handlung_
Der Hobbit Bilbo Beutlin hat immer gedacht, er sei ein ruhiger und vor allem respektabler Bursche, doch er muss feststellen, dass er von seinen Ahnen ein guten Schuss Abenteuerlust im Blut hat. Seine Mutter Belladonna ist die Tochter des Alten Tuk, von dem das Gerücht geht, er sei mit den Elben verwandt. Und dessen Freund ist der Zauberer Gandalf, na bitte! Abenteuer und Magie können da nicht ausbleiben.
Und so kommt es, dass an einem Mittwoch Ende April im Jahr 2941 des Dritten Zeitalters der Zauberer an die Tür von Bilbos Hobbithöhle auf dem Bühl in Hobbingen pocht. Auf Bilbos freundliche Frage antwortet der Zauberer, der seinen Namen nicht nennt, er suche noch Teilnehmer für ein großes Abenteuer. Bilbo lehnt dankend, und nein, er kaufe auch nichts von Hausierern. Da stellt sich Gandalf endlich namentlich vor, und Bilbo erinnert sich. Auch diesmal lehnt er ab: kein Bedarf an Abenteuern jeder Art, was sollen denn die Nachbarn denken! Beim Gehen kratzt Gandalf ein Zeichen an Bilbos Tür.
|Eine unerwartete Gesellschaft|
Am nächsten Tag, es ist wohl zur Teestunde, klopft ein Zwerg an Bilbos Tür und stellt sich als Dwalin vor. Als höflicher Hobbit bietet Bilbo ihm Tee und Kekse an. Wenig später trifft ein sehr alter Zwerg namens Balin ein, der ebenfalls gerne Kekse annimmt, aber ein Bier bevorzugt. Er kündigt weitere Zwerge an: Fili und Kili, dann Ori, Nori, Dori, Oin und Gloin (späterer Vater von Gimli). Und Gandalf! Bilbo findet, das sei schon fast ein Haufen. O Schreck: Ihm geht der Kuchen aus! Da treffen noch weitere vier Zwerge ein: Bifur, Bofur, der dicke Bombur und schließlich der alte Thorin Eichenschild. Alle zusammen futtern und trinken, dass sich Bilbo sputen muss, alle seine Vorräte aufzutragen. Doch sie räumen auch wieder ab und putzen, bevor es zum gemütlichen Teil geht: Sie paffen und singen und Thorin spielt die Harfe. Er singt ein eigenartiges Lied über verborgene Schätze der Zwerge, einen räuberischen Drachen im Einsamen Berg, das untergegangene Thal und so weiter. Da packt Bilbo die Tuksche Abenteuerlust.
Kaum dass er sich versieht, ist er von Thorin bereits zum „Mitverschworenen“ ernannt worden. Er sagt, sie planen eine Reise, von der sie nie zurückkehren könnten. Da schreit Bilbo entsetzt auf. Doch Gandalf findet seine Reaktion verständlich. Gloin zweifelt: „Das soll unser Meisterdieb sein?“ Da regt sich in Bilbo der Stolz und bietet seine Dienste an, was Gloin aber nicht umstimmen kann. Gandalf bereitet der Diskussion ein Ende und breitet Thrors Landkarte vom Einsamen Berg vor Bilbos staunenden Augen aus. Er gibt Thorin einen silbernen Schlüssel: für die Hintertür zum Berg Erebor.
|Die Vorgeschichte|
Silber! Da fallen Bilbo eine paar Fragen ein, die sich ein Profi wohl stellen sollte: Wie sieht es mit dem Risiko aus und steht es in einem guten Verhältnis zum Lohn? Thorin erzählt eine wilde Geschichte vom Kommen Smaugs, des Drachen, dem Untergang der Zwergenstadt Thal und der Vertreibung der Zwergenfürsten Thror und Thrain. Thror wurde von einem Ork in Moria getötet, und Thrain verlor seinen Verstand in den Verliesen des Nekromanten, der in Dol Guldur sein Unwesen treibt. Zum Glück konnte Gandalf Thrors Karte retten. Bilbo ist begeistert und will gerne mit.
Als er am nächsten Morgen aufsteht, ist keiner seiner zahlreichen Gäste da! Doch um 10:30 Uhr trifft Gandalf ein, um Bilbo abzuholen. Ob er denn nicht die Botschaft der Zwerge gelesen habe? Bilbo liest die Vertragsbedingungen für seine Tätigkeit als Meisterdieb, kann nicht mal mehr packen, sondern eilt mit Gandalf zu den Zwergen, die schon in Wasserau warten. Er bekommt ein Pony und frische Kleider, Gandalf bringt seinen Tabak nach, und schließlich kann es losgehen.
|Die Trolle|
Sie sind kaum ein paar Tage durch schlechtes Wetter unterwegs, als sie ihren Proviant verlieren. Da sehen sie abends ein willkommen heißendes Feuer. Sollen sie hingehen? Aber es könnte gefährlich sein, oder? Schicken wir doch einfach den Meisterdieb vor! Bilbo schleicht sich an und stößt auf drei hungrige Trolle namens Huki, Toni und Berti, die aus den Bergen herabgekommen sind, um Dörfer zu überfallen. Sie haben Braten, Bier und ein wärmendes Bier – da läuft Bilbo das Wasser im Mund zusammen. Doch sein erster Versuch eines Diebstahls geht gründlich schief. Er wird auf frischer Tat ertappt! Die Trolle fragen sich, ob dieser „Taschenhobbit“ wohl essbar sei. Au weia, Bilbo, in was bist du nur hineingeraten …
_Mein Eindruck_
Ich habe diese Eingangsszene so detailliert dargestellt, um zu zeigen, dass hier Welten aufeinanderstoßen. Bilbo lebt als ein Vertreter der bürgerlichen Gesellschaft halbwegs geachtet als wohlhabender Junggeselle ohne festen Beruf, sozusagen als Landjunker. Er hat keine Zukunft, aber auch keine Vergangenheit. Nun kommen die Zwerge daher, die einen Plan für die Zukunft haben, aber ständig in die Vergangenheit blicken.
|Blick in die Vergangenheit|
Denn dort, im geraubten Königreich am Einsamen Berg, liegt der Schatz ihres Volkes. Und ein fremder Usurpator, der Drache Smaug, hat sie enteignet und vertrieben, von vielen Toten in Thal ganz zu schweigen. Die Zwerge sind die modernen Israeliten und leben in der Diaspora. Nun sollen ihnen ein Zauberer und ein „Meisterdieb“ helfen, Land und Schatz zurückzuerringen. Ein, gelinde gesagt, gewagtes Unterfangen. Es ist etwa so, als wollten die versprengten Juden ihr Stammland von den Arabern in Palästina zurückerobern und obendrein jedweden Herrscher vertreiben, um dessen Schatz zu erlangen. Für jeden in Geschichte bewanderten Leser ist klar, dass dies nur in Krieg und Blut enden kann.
Der brave Bilbo aber hat keine Ahnung. Vielmehr fühlt er sich in seinem Stolz angegriffen, dass man ihn für fähig hält, einen Schatz zu stehlen. Sein ererbter Sinn für Abenteuerlust, aber auch sein Bürgerstolz sind angesprochen. Eigentlich sollte er sich nicht wundern, dass es am nächsten Morgen gleich überstürzt und unvorbereitet losgeht. Schließlich geht es nicht auf eine Expedition, sondern auf eine Schatzsuche.
|Meisterdieb|
Ein Bürger aber wächst mit seinen Aufgaben. Die Trolle zu beklauen, ist noch Peanuts gegen das, was Bilbo mit Gollum macht: Er klaut den Zauberring, der ihn zu einem noch besseren Dieb macht. Und erst damit kann er der ultimativen Bedrohung gegenübertreten: dem goldenen Drachen unter dem Berg.
Nun, auch Smaug ist ein Meisterdieb, denn er hat den Zwergen ihren Schatz abgenommen. Seine mächtigste Waffe sind neben seinem Drachenfeuer die Verbündeten Angst und Schrecken. So bringt er das Land unter seine Kontrolle. Der Bürgermeister von Seestadt etwa arrangiert sich lieber mit Smaug als seinen Zorn zu erregen. Er ist ein Kollaborateur. Doch es gibt eine Résistance: die Menschen um Bard, den Bogenschützen. Was hier prophetisch nach II. Weltkrieg klingt, ist seit Urzeiten Praxis aller Gewaltherrscher. Und Professor Tolkien wusste darüber natürlich Bescheid.
|Eroberung|
Ist es nun Diebstahl, wenn sich die Zwerge den ihnen gestohlenen Schatz zurückstehlen? Wohl kaum, sondern eine etwas eigenwillige Art der Restitution. (Die Deutschen warten heute noch auf viele Dinge, die in russischen Archiven liegen und ihnen per Restitution zustünden: Beutekunst.) In solcher Gesellschaft lässt sich leicht stehlen: Bilbo krallt sich den Arkenstein, das „Herz des Berges“ und den größten Schatz der Zwerge.
|Großkapital|
Mit diesem mordsmäßigen Gewinnzuwachs (oder auch Beute) steigt Bilbo, unser Landjunker, zum Großkapitalisten auf: Nun spielt er unversehens in der Oberliga des Finanzmarktes mit. Verwunderlich, dass ihm dabei nicht vor Spekulierlust der Verstand schwindet, wie man es dieser Tage – im September 2008 – an der Wall Street beobachten konnte. Weniger verwunderlich ist hingegen, dass ihm sein vormaliger Auftraggeber Thorin Eichenschild ob dieses Diebstahls die Freundschaft kündigt und zudem die Ansprüche von Elben und Menschen aus Seestadt abweist. Er ist jetzt der König unter dem Berge und somit der reichste Großkapitalist weit und breit.
Nun walten die Kräfte des Marktes ungehindert, seit die Befreiung des Schatzes alle Schranken niedergerissen und jedermanns Begierden entfacht hat. Sogar die Orks rücken mit einer Armee an, und es kommt zur berühmten „Schlacht der fünf Armeen“ am Erebor. Höchste Zeit, dass einer für Ordnung sorgt und mit dem ganzen Zinnober Schluss macht: Gandalf ist gefragt.
Zu unserem Erstaunen vermag er nichts auszurichten, sondern vielmehr ist es Bilbo, der sich als Zünglein anderer Waage betätigt. Das erinnert uns daran, dass „selbst der Kleinste den Lauf der Welt zu verändern vermag“, wie Galadriel in Peter Jacksons „Herr der Ringe“ so nett sagt. Klartext: Ein Brite in der Welt, der seine fünf Sinne und gesunden Menschenverstand beisammen hat, kann die Welt wieder in Ordnung bringen.
|Einschlafgeschichte|
Mit dieser Zusicherung können britische Kinder beruhigt zu Bett gehen. So erfüllt das als Kinderbuch konzipierte und angefangene Werk seine klassische Funktion als Einschlaflektüre: auf aufregende Abenteuer folgt stets die Rettung. Am Ende stehen ein glücklicher Ausgang und – durchaus erleichtertes Auflachen des Helden. Kein Wunder, dass diese Geschichte enorm erfolgreich war und nach einer Fortsetzung verlangte. Für diese brauchten Tolkien und sein Verlag jedoch nicht weniger als 17 Jahre: „Der Herr der Ringe“ wurde 1954 und 1955 veröffentlicht.
|Die Illustrationen|
Alan Lee wurde für sein Art Design an Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung mit einem Oscar® ausgezeichnet. Wem das als Beleg für Qualität nicht genug ist, der sei auf die Illustrationen Lees zum englischen „Lord of the Rings“ verwiesen sowie auf die zahllosen Illustrationen im alljährlichen Tolkien Calendar. Lee ist ganz klar ein Tolkien-Kenner. Was er für Jacksons Film leistete, lässt sich in den Bänden nachschlagen, die |Klett-Cotta| zu allen drei Bänden veröffentlicht hat.
Eines seiner Markenzeichen findet sich auch in der vorliegenden Buchausgabe von „Der Hobbit“ wieder: die filigranen Stiftzeichnungen, die an jedem Kapitelanfang und im Text auftauchen. Sie sind scheinbar zart, doch der dreidimensionale Effekt ihrer Darstellung beeindruckt mich immer wieder. Man schaue sich nur mal Bilbo in seiner Küche an, der am Anfang von Kapitel eins zu sehen ist. Man fühlt sich schon fast in die Jackson-Verfilmung hineinversetzt. Und alles ohne Farbe.
Ich habe die Stiftzeichnungen nicht gezählt, aber bei 19 Kapiteln und rund zwei Zeichnungen pro Kapitel kommt man auf annähernd 40 Zeichnungen. So viele Farbgemälde hat das Buch jedoch nicht. Es sind genau 26 Stück, zum Teil sogar auf Vorder- und Rückseite einer Farbtafel, die aus Hochglanzpapier besteht.
Wie bei den Stiftzeichnungen zieht Lee stets Figuren vor, doch mit Hilfe der Farbe kann er auch einen lebhaften Hintergrund und Horizont gestalten, der interessant aussieht. Mehrmals kann der Blick bis zum Horizont schweifen, vom Horst der Riesenadler oder durchs Auenland. Einige dieser Gemälde haben mich glatt umgehauen. Denn Lee versteht sich nicht nur auf friedliche Figuren-Ensembles, sondern auch auf Actionszenen und perspektivische Architekturszenen.
Für die Action ist besonders Smaug, der goldene Drache, zuständig. Sein Fauchen in der Höhle (S. 289) ist ebenso beeindruckend wie sein Untergang im See von Esgaroth. (Übrigens ist Bards tödlicher Pfeilschuss nicht dargestellt.) Wie Smaugs goldene Wurmschlingen im kochenden Wasser versinken, ist ein Anblick, den noch niemand gezeigt hat (S. 336). Im Vordergrund sieht man die See-Leute von Esgaroth auf das Spektakel von Smaugs Ende starren.
Bei Jacksons Film entwarf Lee unter anderem auch Elronds Haus in Bruchtal (und bemalte das Modell höchstpersönlich). Dass er sich auf Architektur und Perspektive versteht, zeigt auch eine der im „Hobbit“ abgedruckten Illustrationen. Sie zeigt einen von Zwergen gebauten Abschnitt von Smaugs Höhle, der ehemaligen Königshalle. Obwohl das Bild in hellem Bernsteingelb gehalten ist, gemahnt die riesenhafte Bauweise der Gewölbe an nichts so sehr wie an die Säulenhallen von Moria, der Zwergenbinge. Auch die Treppe im Hintergrund erinnert an nichts so sehr wie an die Film-Treppe, die zur Brücke von Khazad-dûm führt.
Die Landkarten finden sich in praktisch allen „Hobbit“-Ausgaben wieder. Erstens die Karte von Wilderland, vom Nebelgebirge bis zum Einsamen Berg reicht. Sie ist im hinteren Einband abgedruckt. Die zweite Karte ist im vorderen Einband zu finden: Thrors Schatzkarte vom Einsamen Berg. Die Zwergenrunen darauf werden auf Seite sieben und acht des Textes erklärt.
|Die Übersetzung|
Ich war überrascht von der Modernität der Übersetzung Wolfgang Kreges. Hier musste ich mich daran gewöhnen, moderne Wirtschaftsbegriffe an den Kopf geworfen zu bekommen (was allerdings kein Problem darstellte), und dass sich die Figuren wie heute siezen statt sich mit „Ihr“ und „Euch“ anzureden.
Wirklich missglückt fand ich nur Kreges Wahl, aus Bruchtal das „letzte heimische Haus“ statt das „letzte heimelige Haus“ zu machen. Was hat man sich denn unter „heimisch“ vorzustellen? Tierarten sind heimisch, und der Begriff hat etwas mit „Heimat“ zu tun. Gemeint ist aber wohl kaum, dass sich Hobbits und Zwerge bei den Elben „heimisch“ fühlen sollen. Vielmehr ist eine Art Gemütlichkeit und Behaglichkeit gemeint, die auch Sicherheit mit einschließt. Dann ist „heimelig“ der zutreffende Ausdruck.
_Unterm Strich_
„Der Hobbit“ ist bis zum heutigen Tage eines der erfolgreichsten Kinderbücher überhaupt. Da es die Vorgeschichte zum „Herrn der Ringe“ erzählt, sind alle Leser, die von Tolkiens Hauptwerk begeistert waren, auch erpicht darauf, Bilbos Geschichte zu erfahren. In Peter Jacksons Verfilmung wird sie als „There and back again“ kurz erwähnt: Bilbo schreibt seine Memoiren in Bruchtal.
Was alle verwundern dürfte, die nur den Film kennen, sind die zahlreichen Lieder und Gedichte, die Tolkien eingeflochten hat. Erstaunlich ist auch der etwas kindliche Humor, der sich bei jeder glücklichen Rettung zeigt. Aber es gibt auch eine dunkle Seite im „Hobbit“: Streit um Besitz und Macht, ein dunkler Herrscher wird getötet, und es ist nicht der geisterhafte Sauron, sondern eine legendäre Fabel-Gestalt: ein Drache, der sprechen kann (wie übrigens alle Tiere von Bedeutung).
Außerdem betätigt sich Bilbo fortwährend als Verbrecher: eben als Meister der Diebe. Er beklaut sogar seinen wichtigsten Kunden: die Zwerge. Kein Wunder, dass sein guter Ruf als Bürger daheim im Auenland hinterher völlig futsch ist. Doch: „Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert.“ Den Ringdiebstahl muss sein Neffe Frodo dann fast mit dem Leben bezahlen.
|Die Illustrationen|
Die Illustrationen könnte ich mir gar nicht besser wünschen. Sowohl Stiftzeichnungen als auch Farbtafeln sind von einem erstaunlichen Detailreichtum. Sicher, andere Künstler wie John Howe stehen mehr auf Action und düstere Motive, doch Action kommt bei Lee ebenfalls vor. Nur auf düstere Motive wie etwa Nazgûl steht Lee nicht sonderlich. Als idyllisch auf dem Land lebender Engländer mag er Dinge, die wachsen und sich verändern. Sein Smaug ist ebenso eindrucksvoll wie seine Adler – Lee mag Lebewesen, je ungewöhnlicher desto besser.
Das heißt aber nicht „Verniedlichung“. Vor Jacksons Verfilmung galten „Der Herr der Ringe“ und insbesondere „Der (kleine) Hobbit“ (siehe die |dtv|-Ausgabe) als Kinderbücher und wurden dementsprechend verfremdet illustriert. Nun wird Mittel-Erde als ein versunkenes HISTORISCHES Zeitalter der Weltgeschichte behandelt, und die Darstellungen sind dementsprechend realistisch gestaltet. So könnte Smaug wirklich ausgesehen haben, denn schließlich ist alles um ihn herum gezeichnet, als handle es sich um Wiedergaben wirklich existenter Dinge: Höhlen, Treppen, Gewölbe – und natürlich der Einsame Berg selbst.
|To-do-Liste|
Was uns noch fehlt, ist die längst in England erhältliche illustrierte Ausgabe von „Der Herr der Ringe“ sowie eine illustrierte Ausgabe des „Silmarillion“. Von dessen Legenden liegt nur [„Die Kinder Húrins“ 4496 als Buch mit Illustrationen vor. Weitere Zeichnungen muss man bis dato in diversen „Tolkien Calendars“ und der |Klett-Cotta|-Ausgabe der „Karte von Beleriand“ zusammensuchen. Es gibt also noch viel zu tun.
Fazit: ein Volltreffer, was sonst!
|Originaltitel: The Hobbit, 1937/66
Aus dem Englischen von Wolfgang Krege
423 Seiten, gebunden mit Schutzumschlag, Goldfolienprägung, 64 Illustrationen von Alan Lee, davon 26 auf Farbtafeln, 2 Vorsatzkarten, Lesebändchen
ISBN-13: 978-3-608-93800-5|
http://www.hobbitpresse.de
http://www.klett-cotta.de
http://www.ardapedia.de
http://www.tolkiengesellschaft.de
http://www.mittelerde-portal.de/
http://www.herr-der-ringe-film.de
_Mehr „Herr der Ringe“ und J. R. R. Tolkien auf |Buchwurm.info|:_
[„Der Herr der Ringe“ 5487 (Die Komplettlesung)
[„The Lord of the Rings“ 1330 (Hörspiel)
[„Das Silmarillion“ 4483 (Hörbuch)
[„Das Silmarillion“ 408
[„Der Hobbit“ 130 (Hörspiel)
[„Der Hobbit“ 22
[„The Hobbit“ 481
[„Die Kinder Húrins“ 4496
[„Briefe vom Weihnachtsmann“ 2091 (erw. Neuausgabe)
[„Die Abenteuer des Tom Bombadil und andere Gedichte aus dem Roten Buch“ 1760
[„Bauer Giles von Ham“ 1620 (Hörbuch)
[„Roverandom“ 1418
[„Nachrichten aus Mittelerde“ 1407
[„Der Elbenstern“ 805 (Hörbuch)
|Sekundärliteratur:|
[„J. R. R. Tolkien – An Audio Portrait“ 2856 (Hörbuch)
[„Tolkiens Wurzeln. Die mythischen Quellen zu ‚Der Herr der Ringe'“ 102
[„Tolkien und C. S. Lewis – Das Geschenk der Freundschaft“ 3197
[„J. R. R. Tolkien – Autor des Jahrhunderts“ 1653
[„Tolkiens Zauber“ 1595
[„Tolkiens Universum“ 475
[„Die Karte von Wilderland“ 3221
[„Die Karte von Beleriand“ 1673
[„Elbisches Wörterbuch. Nach J.R.R. Tolkien“ 109
|Zu den Verfilmungen:|
[„Der Herr der Ringe: Die Gefährten. Original Film-Hörspiel“ 4452
[„Der Herr der Ringe: Die zwei Türme. Original Film-Hörspiel“ 5323
[„Der Herr der Ringe – Die zwei Türme: Die Erschaffung eines Filmkunstwerks“ 79
[„Der Herr der Ringe – Die Rückkehr des Königs: Die Erschaffung eines Filmkunstwerks“ 190
[„Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – Das offizielle Begleitbuch“ 156
[„Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs – Fotos aus Mittelerde“ 160
[„Der Herr der Ringe: Gollum – auf die Leinwand gezaubert“ 161
[„Der Herr der Ringe: Waffen und Kriegskunst“ 163
|Gesellschaftsspiel:|
[„Die Minen von Moria“ 3527 (Herr der Ringe Tabletop / Starter-Set)
„Gründlichst recherchiert, mit allen akademischen Wassern gewaschen, setzt sich dieses Buch scharfsinnig mit der Science Fiction der 50er Jahre auseinander – eine der nützlichsten Untersuchungen von Philip K. Dicks dornenreichem Werk.“ Also schrieb John Clute in der „Encyclopedia of Science Fiction“ (1993). Allerdings verschweigt er ein paar Einschränkungen…
Vom Spukschloss nach Stalingrad: die Ideen hinter den Bildern
An der Entstehung des Films »Der Hobbit – Smaugs Einöde« sind hinter den Kulissen viele Künstler und Experten für Make-up, Kostüme und Special Effects beteiligt. Leser können im dritten Band der »Hobbit-Chroniken«-Serie erneut den Prozess ihrer Arbeit anhand von Set-Fotos, Zeichnungen und Erläuterungstexten verfolgen. Ein farbenfrohes und informatives Juwel für jeden Hobbit-Fan! (Verlagsinfo)
Die Bewohner des Planeten Gethen sind uns Menschen verblüffend ähnlich – mit einem Unterschied: Sie kennen keine zwei Geschlechter. In ihrer Kultur sind geschlechtsspezifische Machtkämpfe, wie wir sie kennen, nicht möglich. Doch es gibt andere Formen von Macht … Der bis heute bedeutendste und weit über die Science Fiction hinaus prägende Roman über Geschlechterrollen und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft. (Verlagsinfo)
Der Roman erhielt sowohl den HUGO- als auch den Nebula-Award der US-Leser und -Kritiker.
Am Grant College und in dessen Nähe findet die Polizei einen jungen Mann und eine junge Frau, beide Studenten, die anscheinend Selbstmord begangen haben. Doch bestimmte Unstimmigkeiten lassen Sheriff Tolliver und Gerichtsmedizinerin Sara Linton am Anschein zweifeln. Dass Saras hochschwangere Schwester in der Nähe eines der Tatorte überfallen und schwer verletzt worden ist, verwirrt und beunruhigt die beiden Ermittler in höchstem Maße. Werden sie bei ihrem Vorgehen beobachtet und manipuliert? Karin Slaughter – Dreh dich nicht um (Lesung) weiterlesen →
Der Winter in den Wäldern von Maine ist kalt und einsam. Bisher hat das Julius Winsome nicht gestört, er lebt schon lange allein, und er hat einen treuen Gefährten, seinen Pitbullterrier Hobbes. Als sein Hund eines Nachmittags offenbar absichtlich erschossen wird, bricht Julius Welt zusammen. Und er fasst einen erschreckenden Entschluss … (Verleihinfo)
Der Autor
Gerard Donovan wurde 1959 in Wexford, Irland, geboren und lebt heute im Staat New York. Er studierte Philosophie und Germanistik in Irland, arbeitete in einer bayerischen Käsefabrik, studierte klassische Gitarre in Dublin und trat als Musiker mit Schwerpunkt J. S. Bach auf. Er veröffentlichte Gedichtbände, Shortstorys und Romane und wurde mit dem „Kerry Group Irish Fiction Award“ ausgezeichnet.
Kommissar Van Veeteren schwört Rache: Sein Sohn Erich, seit Jahren das Sorgenkind der Familie, wird ermordet aufgefunden, gerade als er wieder anfing, im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen. Hat er sich auf kriminelle Geschäfte eingelassen? Wenig später wird die Leiche einer jungen, unbescholtenen Frau entdeckt – von derselben Waffe erschlagen wie Erich Van Veeteren. Was verband die beiden jungen Leute? Wer hatte ein Interesse, sie aus dem Weg zu räumen? (Verlagsinfo) Håkan Nesser – Der unglückliche Mörder (Van Veeteren 7) weiterlesen →
Der 15-jährige Marco ist Mitglied eines Clans, an dessen Spitze sein Onkel, der eiskalte, zynische Zola, steht. Zola verdient ein Vermögen damit, die Mitglieder seines Clans in die Kriminalität zu zwingen. Marco ist klug, fleißig, und er verabscheut sein Leben, das aus Bettelei, Taschendiebstahl und Einbruch besteht. Und er verabscheut seinen Onkel, der in der Kopenhagener Unterwelt ein mächtiges Middleware unterhält.
Als Marco eines Tages entdeckt, dass die Familie ihn zum Krüppel machen will, bleibt ihm als einziger Ausweg die Flucht. Dabei stößt er im Wald auf eine Männerleiche und wird hineingezogen in ein Verbrechen ungeheuren Ausmaßes…
Die zwanzig Erzählungen in Nachtschicht sind Stephen Kings persönliche Auswahl vom Besten, was er je geschrieben hat: der Stoff, aus dem die Alpträume sind. Unter der Oberfläche unseres Alltags lauert der allnächtliche Wahnsinn. Nachtschicht ist ein Stundenbuch des Grauens. Stephen King blättert es auf. Seite um Seite fällt den Leser das Entsetzen an. Nachtschicht: kein Buch, um früh schlafen zu gehen! (Verlagsinfo)
Dies ist Stephen Kings erste Sammlung von Stories überhaupt – und wohl auch die wichtigste, denn sie umfasst beinahe alle Werke des Meisters, die er in seiner Anfangszeit schrieb. Das Qualitätsniveau ist leider recht unterschiedlich. 16 Geschichten waren bereits vorher in verschiedenen amerikanischen Magazinen erschienen, u.a. in Männermagazinen wie „Penthouse“ und in „The Cavalier„, die besser zahlten als Genremagazine.
Das verbotene Buch „Necronomicon“ ist die älteste und erschreckendste Erfindung, die Howard Phillips Lovecraft mit seinem Cthulhu-Mythos hervorgebracht hat. Es öffnet mit seiner dunklen Magie den Weg in eine fremde und unmenschliche Welt. (Verlagsinfo)
Dieser Erzählband versammelt sechs Geschichten vom Horror-Altmeister in neuer Übersetzung durch den Festa-Verlag, darunter „Das gemiedene Haus“ und „Gefangen bei den Pharaonen“. Neben den Storys des Cthulhu-Zyklus schrieb HPL vor allem in jüngeren Jahren, wie hier zu sehen, kürzere fabelhafte Erzählungen, die andeuten und anklingen lassen, was er später intensiv darstellte. Zusätzlich enthalten ist der Essay „Geschichte des Necronomicons“. H. P. Lovecraft – Necronomicon. Horrorgeschichten (Lesung) weiterlesen →
„Nach dem Dritten Weltkrieg ist Europa ein zersplitterter Kontinent. Politische Gruppierungen von ultrarechten Nationalisten über religiöse Fundamentalisten bis hin zu Neokommunisten zerfleischen sich gegenseitig. Und während die Vereinten Nationen, gestützt auf die orbitalen Kampfstationen der USA, den Status quo aufrecht zu erhalten versuchen, verelendet Großbritannien immer mehr, grassieren Hunger und Seuchen, von denen viele aus tödlichen Biowaffen stammen. Die Lage scheint ausweglos…“ (Verlagsinfo)
Philip K. Dick (1928-82) ist in Hollywood angesagt: Der letzte Höhepunkt der Verfilmungen seiner Werke besteht in Steven Spielbergs Actionkrimi „Minority Report“ und nun auch „Paycheck“. Aber die Verfilmungen begannen schon 1980 mit Ridley Scotts „Blade Runner“, und das ist nun ein wahrer Kultfilm geworden. Andere Filme wie „Matrix“, „eXistenZ“, „Vanilla Sky“ und „Die Truman Show“ verdanken Dicks Ideen ebenfalls sehr viel, ohne ihm allerdings dafür nachträglich zu danken.