Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Winterfeld, Daniela – geheime Name, Der

Fina hat es satt! Seit sie denken kann, ist sie mit ihrer Mutter auf der Flucht vor ihrem Vater. Noch nie hat sie es geschafft, auch nur ein halbes Jahr an ein und demselben Ort zu verbringen. Als ihr ihre Mutter eröffnet, dass sie schon wieder umziehen müssen, reißt Fina aus und fährt zu ihrer Großmutter… und damit direkt in die Höhle des Löwen!

Es ist nicht besonders neu, dass Märchen als Fantasy-Romane adaptiert werden. Tatsächlich bietet es sich geradezu an: Figuren, Magie und ein gelungener Plot… es ist bereits alles da. Es scheint, als müsse der Autor nicht mehr allzu viel tun, und bei dem wenigen könne auch nicht viel schief gehen. Dass es so einfach nicht ist, beweisen die vielen miserablen Literatur-Verfilmungen, die ebenfalls auf eine gute Vorlage zurückgreifen konnten, und trotzdem um Längen hinter dem Original zurückbleiben. Und auch unter den Romanadaptionen von Märchen finden sich Fehlgriffe. Seltsamerweise ist es dabei nicht unbedingt die Anpassung des Stoffes an das Jetzt, die die größten Probleme bereitet.

Daniela Winterfeld ist die Anpassung ihrer Rumpelstilzchen-Version sehr gut gelungen. Sie hat die Lebenssituation der armen Müllerstochter aus dem Märchen so in die Neuzeit überführt, dass die Handlungen und Motive sowohl der Müllerstochter als auch des Vaters zeitgemäß sind, ohne die Bedingungen für die richtige Entwicklung des Märchens zu untergraben. Alles ist sowohl in sich als auch zur Vorlage schlüssig. Obwohl ich die Tatsache, dass Finas Mutter tatsächlich eine Müllerstochter ist, fast schon ein wenig zu nah am Märchen fand. Denn das Märchen ist ja älter, es kommt in der Realität von Winterfelds Geschichte vor. Und die Geschichte beginnt ja schon damit, dass der Wicht, der das Kind einfordert, eben _nicht_ Rumpelstilzchen heißt! Deshalb hätte es mir fast besser gefallen, es wäre hier um die Tochter eines Heidebauern gegangen. Auch für Landwirte gibt es genug Möglichkeiten, in dieselbe Situation zu geraten, in die Finas Großvater geraten ist.

Aber das war im Grunde nur eine Kleinigkeit, die nicht wirklich störte. Denn die Autorin hat es zusätzlich zu der sauber ausgearbeiteten zeitlichen Verlagerung verstanden, ihrer Erzählung das Flair eines Märchens zu erhalten. Das liegt unter anderem auch an der geschickten Auswahl des Schauplatzes und seiner stimmungsvollen Beschreibung. Obwohl Moore heutzutage für Besucher erschlossen sind wie andere Naturräume – etwa Seengebiete oder Gebirgsalmen – verbinden wir mit ihnen noch immer gleichermaßen Geheimnisse wie unterschwellige Bedrohung, Überbleibsel aus der Zeit, als das Betreten von Mooren tatsächlich noch Lebensgefahr bedeutete.

In Daniela Winterfelds Roman existieren diese beiden Ebenen unmittelbar nebeneinander. Ihr Schauplatz ist ein Moor wie viele andere heute, mit angelegten Wanderwegen, auf denen Jogger und Hundebesitzer unterwegs sind. Gleichzeitig ist ihr Moor ein Ort der Geheimnisse und der Magie, und das nicht nur, weil er von Nebeln verhangen und mit schwarzen Tümpeln durchsetzt ist. Sondern vor allem, weil eine uralte Kreatur dort lebt, deren Aufgabe es ist, diesen Ort zu beschützen.

Vergangenheit und Gegenwart sind nur durch eine hauchdünne Linie voneinander getrennt, und nur mit Magie ist es möglich, diese Grenze zu überschreiten. Dabei ist es nicht so, als würde der Wechsel tatsächlich eine Zeitreise bedeuten. Es ist nur so, dass jenseits der Grenze die Zeit sozusagen stehengeblieben ist. Der Wicht, der dort wohnt, hat den Fortschritt der Zeit nicht mitgemacht. Warum sollte er auch? Er ist ein magisches Geschöpf, dem die Beweggründe der Menschen nichts bedeuten.

Tatsächlich ist dieser Wicht die interessanteste Figur des ganzen Buches, und das deshalb, weil er so widersprüchlich ist. Er ist der Wächter des Moores und des Waldes, derjenige, der dafür sorgen sollte, dass keines von beidem angetastet und zerstört wird. Aber er ist jähzornig und lässt seine Wut dann an der Natur aus, die er eigentlich beschützen sollte. Weil er von seinesgleichen abgeschnitten ist, ist er einsam, trotzdem misshandelt er Mora aufs Grausamste und verspielt damit die Möglichkeit, seine Einsamkeit zu mildern. Denn der Wicht hasst die Menschen, die immer mehr von seinem Reich vernichten. Fina dagegen scheint er nicht zu hassen, obwohl auch sie ein Mensch ist. Er legt sogar wert auf ihre Zuneigung, die für die Erfüllung des Zwecks, den er Fina zugedacht hat, eigentlich nicht nötig wäre.

Mora ist das Kind, mit dem Finas Mutter den Wicht betrogen hat, um ihr eigenes Kind zu schützen. Er legt ein Verhalten an den Tag, das für viele misshandelte Kinder typisch ist: da der Wicht seine einzige Bezugsperson ist, betrachtet Mora ihn als seine Familie, er will ihm gefallen und seine Liebe gewinnen. Gleichzeitig hasst er ihn für die Grausamkeiten, die er ihm antut, was dafür sorgt, dass er sich zumindest im Kleinen gelegentlich widersetzt. Mora ist mutiger und stärker, als er selbst glaubt.

Fina wiederum ist ziemlich emotional und eine Romantikerin. Die Geheimnisse ihrer Mutter fasst sie als Verrat und persönliche Kränkung auf, und sie verliebt sich Hals über Kopf in den wilden Waldjungen.

Dass es zu Fina so wenig zu sagen gibt, ist ein wenig schade. Immerhin ist das, was diese Figur ausmacht, sehr lebendig, nachvollziehbar und glaubwürdig geschildert, was auch für Mora gilt. Und die Manipulation des Wichtes sorgt dafür, dass die Liebesgeschichte der beiden nicht ins Klischee abrutscht. Dennoch ist der Wicht der heimliche Held dieser Geschichte, auch wenn die Sympathien des Lesers den beiden Jugendlichen gehören.

Während Mora und Fina also ihre gegenseitige Zuneigung entdecken und in diesem Zusammenhang mit einigen Missverständnissen zu kämpfen haben, wächst allmählich der Druck durch den Wicht, der endlich seine Braut für sich haben will. Zwar ist er in gewisser Weise sehr mächtig, seine Macht unterliegt jedoch gewissen Regeln. Mora kennt diese Einschränkungen und weiß sie zu nutzen, ist aber nicht in der Lage, die Macht des Wichts wirklich zu brechen. Der Leser erlebt daher mit, wie Fina und Mora immer mehr in die Bredouille geraten.

Umso abrupter empfand ich den Punkt, an dem der stetig steigende Spannungsbogen auf einmal unterbrochen wird – für eine Reise nach München. Zwar liefert dieser Abstecher eine Menge Antworten auf eine Menge Fragen. Zu diesem Zeitpunkt wichtig ist allerdings nur die Information, dass der Wicht in der Lage ist, Finas Mutter und alle, die sie liebt, zu manipulieren. Möglicherweise hätte es eine andere Möglichkeit gegeben, Fina diese Information zukommen zu lassen, ohne den Leser aus der entrückten und gleichzeitig gefährlichen Situation, in die er gerade so schön vertieft war, herauszureißen. Das hätte ich begrüßt, aber zumindest ist die Unterbrechung kurz, sodass man rasch wieder zurückfindet. Die Spannung steigt dann bis zum Showdown noch ein wenig an, um sich dann auf erstaunlich einfache Weise aufzulösen.

Um es kurz zu machen, „Der geheime Name“ gehört zu den gelungenen Versuchen einer Märchenadaption, trotz der Kleinigkeit mit der Müllerstochter, obwohl mir Finas Großmutter in jeglicher Hinsicht erstaunlich unbesorgt erschien, und trotz des logischen Knackses, dass Fina so problemlos die Kreditkarten ihrer Mutter benutzen konnte (Unterschrift? PIN?). Nach dem vielversprechenden Prolog hat es ein wenig gedauert, aber als Fina dann bei ihrer Großmutter ankam, nahm die Sache Fahrt auf und löste das Versprechen des Prologes mühelos ein. Tatsächlich hat die Geschichte mich gänzlich gefangen genommen. Als ich die Lektüre wegen eines Termins für kurze Zeit unterbrechen musste, war ich ziemlich ungehalten. Besonders gelungen fand ich den Bösewicht. Selten habe ich einen Antagonisten erlebt, der so viel Profil, so viel Persönlichkeit besaß. Aber auch der Schauplatz war so stimmungsvoll ausgearbeitet, dass man problemlos völlig darin versinken konnte.

Die meisten Männer werden der ausführlichen Liebesgeschichte wegen wohl nicht viel mit dem Buch anfangen können. Auch wer unbedingt Action oder ausgiebige Verwicklungen braucht, oder auch Wert legt auf mindestens zwei Lacher pro Seite, der ist hier falsch. Allen anderen kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.

Daniela Winterfeld stammt aus Nordrhein-Westfahlen, studierte Literaturwissenschaften, Psychologie und Geschichte. Schon in ihrer Jugend schrieb sie Kurzgeschichten für Literaturzeitungen. „Der geheime Name“, ihr erster Roman für Erwachsene, erschien unter Pseudonym. Zuvor hatte die Autorin unter ihrem bürgerlichen Namen Daniela Ohms bereits zwei Jugendbücher veröffentlicht, „Harpyenblut“ und „Insel der Nyx“. Sie lebt mit ihrer Familie in Berlin und arbeitet, zusätzlich zum Schreiben, in einer Literaturagentur.

Taschenbuch 524 Seiten
ISBN-13: 978-3-426-51127-5

http://daniela-ohms.de/
http://www.droemer-knaur.de/home

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Brent Weeks – Die blendende Klinge (Licht-Zyklus 2)

Licht-Zyklus:

Band 1: Schwarzes Prisma“
Band 2: „Die blendende Klinge“
Band 3: „The Blood Mirror“ (voraussichtlich 2014, noch ohne dt. Titel)

Garriston ist gefallen. Nun steht Gavin Guile vor dem Problem, wo er all die Flüchtlinge unterbringen soll, die er aus der eroberten Stadt gerettet hat. Die Lösung ist in ihrer Dreistigkeit typisch Gavin.

Kip dagegen wird in die Chromeria zurückgeschickt. Hauptmann Eisenfaust soll dafür sorgen, dass er die Aufnahme in die Schwarze Garde schafft. Selbstredend ist Andross Guile mit diesem Plan überhaupt nicht einverstanden. Trotz der Steine, die der alte Guile Kip in den Weg legt, gelingt es dem Jungen, sich mit einigen der anderen Antwärter anzufreunden, darunter die junge Sklavin Adrasteia.

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Brent Weeks – Schwarzes Prisma (Licht-Zyklus 1)

Licht-Zyklus:

Band 1: „Schwarzes Prisma“
Band 2: „Die blendende Klinge“
Band 3: „The Blood Mirror“ (voraussichtlich 2014, noch ohne dt. Titel)

Gavin Guile ist das Prisma, derjenige, der das Verhältnis der verschiedenen Farben innerhalb des Lichts und damit auch die Magie im Gleichgewicht hält. Das macht ihn zum nahezu mächtigsten Mann des Reiches. Was nicht bedeutet, dass er nicht mit Schwierigkeiten zu kämpfen hätte. Außerdem hat er ein extrem gefährliches Geheimnis…

Wer jetzt glaubt, die Geschichte klänge im Vergleich zur Schatten-Trilogie recht einfach gestrickt, der hat sich ziemlich geirrt. Tatsächlich wartet Brent Weeks‘ neuer Zyklus sogar noch mit mehr Handlungssträngen und Personen auf als sein erstes Werk.

Die Hauptfigur ist natürlich Gavin. Der Mann ist im Grunde ein recht anständiger Kerl. Hauptsächlich ist er mit dem Versuch beschäftigt, Missstände innerhalb der Reiche zu bereinigen. Allerdings lügt er wie gedruckt.

Gavins Vater Andross ist ein alter Mann, hält aber noch immer einen Sitz im Rat des Spektrums und macht Gavin dort das Leben schwer. Denn für Andross zählt nur der eigene, persönliche Vorteil, und es ärgert ihn ganz erheblich, dass Gavin sich seinen Befehlen nicht fügt.

Kip wiederum ist ein Bastard. Aufgewachsen in armen Verhältnissen, dick, unbeholfen und schwach, hält er sich selbst für einen Versager. Das Einzige, von dem er glaubt, dass er es gut kann, ist das Ertragen von Schmerz. Tatsächlich aber unterschätzt Kip seine Fähigkeiten.

Und dann wäre da noch Garadul, der Mann, der sich zum König von Tyrea ausgerufen hat, einfach weil er glaubt, die Macht dazu zu haben. Doch der Verbündete, auf den er sich da stützt, ist wesentlich gefährlicher als Garadul selbst …

Insgesamt entspricht die Qualität der Charakterzeichnung ziemlich genau dem, was man von Brent Weeks schon kennt. Nicht überaus intensiv, aber sehr gut nachvollziehbar, glaubwürdig und angenehm klischeefrei.

Noch besser gefallen hat mir der Entwurf der Magie. Magische Fähigkeiten beruhen auf Licht, wobei jede Farbe des Spektrums bestimmte Eigenschaften besitzt. Magiebegabte, die sogenannten Wandler oder Chromaten, können auf die Substanz dieser Spektralfarben, das Luxin, zugreifen und es für alles Mögliche verwenden, je nach Eigenschaft der Farbe. Diese Idee erlaubt nicht nur eine Vielzahl von Möglichkeiten, was die Nutzung von Magie angeht, sondern auch eine einfache Abstufung von Macht, abhängig davon, wie viele Farben jemand wandeln kann. Positiv ist auch, dass der Autor diese Fähigkeiten gedeckelt hat. Ein Wandler kann nur ein gewisses Maß an Farbe wandeln. Überschreitet er dieses Maß, hat das gefährliche Folgen, weshalb von Wandlern, die ihre Grenze erreichen, erwartet wird, dass sie sich einen Sterberitual unterziehen. Erwartungsgemäß sind damit nicht alle Wandler einverstanden.

Zwangsläufig bedeutet magische Macht in einer solchen Welt auch politische Macht. Bestes Beispiel dafür ist natürlich das Prisma, dessen Einflussmöglichkeiten auf die Politik auf seiner herausragenden Stellung beruhen, welche wiederum von seinen magischen Fähigkeiten abhängt. Denn logischerweise kann nur jemand die Farben des Lichts im Gleichgewicht halten, der auch auf jede einzelne davon zugreifen kann.

Um die Machtfülle eines solchen Superchromaten in Schach zu halten, gibt es den Rat des Spektrums, in dem jeweils ein Wandler jeder Farbe vertreten ist. Jeder dieser Wandler ist der Vertreter eine Satrapie. Und natürlich haben die alle unterschiedliche Interessen, was die Sache schon schwierig genug macht. Wenn dann auch noch Leute in diesem Spektrum sitzen wie Andross Guile, deren Entscheidungen lediglich den eigenen Interessen dienen, muss das früher oder später in einer Katastrophe enden. Eine solche Katastrophe gab es bereits, als zwei extrem mächtige Männer sich wegen einer Frau dermaßen in die Haare geraten sind, dass sie das gesamte Reich in einen grausamen Bürgerkrieg gestürzt haben: Gavin Guile und sein Bruder Dazen!

Das ist inzwischen zwar sechzehn Jahre her, die Auswirkungen sind aber noch immer zu spüren, vor allem in der Art und Weise, wie die damals unterlegene Satrapie Tyrea seither behandelt wird, in der unter anderem zum Beispiel Kip aufgewachsen ist. Kein Wunder, dass der selbsternannte König Garadul ausgerechnet Tyrea zu seinem Königreich machen will. In einer seit Jahren von allen Seiten ausgeplünderten Satrapie kann man prima als Befreier auftreten.

Weil es Gavin nicht gelingt, den Rat aus Duckmäusern, Kleingeistern und Egoisten rechtzeitig zur Raison zu bringen, nimmt er sich persönlich der Sache an. Ein gefährliches Unterfangen für einen Mann, der nicht nur Gegner hat, die seine Macht fürchten, sondern auch solche, die ihn persönlich hassen!

Das alles – die Magie, die politischen und sozialen Strukturen, die Familiengeschichte der Guiles, Gavins persönliche Geheimnisse – hat Brent Weeks zu einem dichten, nahtlosen Stoff verwoben. Das sorgt zum einen dafür, dass die Welt insgesamt wie aus einem Guss daherkommt, es tut andererseits auch den Figuren gut, die alle in einem engen Netz aus Beziehungen und Abhängigkeiten agieren. Keiner von ihnen tut etwas einfach nur so, alle haben sie ihre Beweggründe. Das ist vor allem ein dickes Plus für den Antagonisten, der dadurch zu einer echten Persönlichkeit wird, anstatt nur den Standardtypus des machthungrigen Bösewichts zu verkörpern. Zu keiner Zeit wirkt die Geschichte bemüht oder unglaubwürdig.

Auch Spannung findet sich, wenn sie sich auch nur langsam steigert. Die immer wieder eingestreuten Szenen über die Bemühungen des Gefangenen auszubrechen, über seine allmählichen Fortschritte, sorgt für eine unterschwellige Grundspannung. Der Großteil der Handlung ist aber so breit angelegt, dass der Aufbau der einzelnen Figuren und Stränge schon eine Menge Raum einnimmt. Vorerst ging das ein wenig auf Kosten eines echten Spannungsbogens. Mich hat das nicht gestört. Die Geschichte bietet so viele verschiedene Facetten, dass mir trotzdem niemals langweilig wurde.

Brent Weeks wollte schon als Junge Schriftsteller werden und hat sich deshalb nach dem College nicht mit dem Erlernen eines anderen Berufes aufgehalten, sondern gleich mit dem Schreiben begonnen. Bis jemand bereit war, ihm etwas dafür zu bezahlen, hielt er sich als Barkeeper über Wasser. „Der Weg in die Schatten“ war seine erste Veröffentlichung und der Auftakt zur Schatten-Trilogie, die inzwischen vollständig auf Deutsch erschienen ist. „Schwarzes Prisma“ ist der erste Band seines neuen Licht-Zyklus, dessen zweiter Band unter dem Titel „Die blendende Klinge“ ebenfalls bereits erschienen ist. Der Autor arbeitet derweil am nächsten Band.

Taschenbuch 800 Seiten
Originaltitel: Lightbringer 1 – Black Prism
Deutsch von Hans Link und Clemens Brumm
ISBN-13: 978-3-442-26816-0

www.brentweeks.com
www.randomhouse.de/blanvalet

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (15 Stimmen, Durchschnitt: 3,13 von 5)

Akers, Tim – Untoten von Veridon, Die

_Die „Burn-Cycle“/Veridon-Serie:_

(2009) [Das Herz von Veridon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8131 |(Heart of Veridon)| – Bastei Fantasy 20666
(2011) Die Untoten von Veridon |(Dead of Veridon)| – Bastei Fantasy 20686

_Das geschieht:_

Obwohl er zu einer der prominenten Gründerfamilien der Hafenstadt Veridon gehört, ist Jacob Burn tief gefallen. Von seinem Vater, Mitglied des mächtigen Rates, wurde er verstoßen. Zum Kleinkriminellen heruntergekommen, hat es Burns sich sogar mit dem Gaunerkönig von Veridon, verdorben. In Gesellschaft seines eher waghalsigen als intelligenten Gefährten Grau Anderson schlägt sich Burn mit obskuren, stets gefährlichen Aufträgen durch, die niemand sonst übernehmen will. Aktueller Kunde ist der mysteriöse Erfinder Ezekiel Cranich. Für ihn soll Burn eine Ladung an die Fehn liefern. Diese seltsamen Symbionten beleben die Leichen derer, die im Wasser des Flussdeltas ertrinken, an dem Veridon errichtet wurde.

Wie er es befürchtet hat, wird Burn betrogen: Der Inhalt der Lieferung lässt die Fehn zu mordgierigen Zombies mutieren, die aus dem Wasser steigen und über die Bürger von Veridon herfallen. Für das daraus resultierende Blutbad wird Burn verantwortlich gemacht und eingesperrt. Ausgerechnet die Ratsfrau Angela Tomb, die nach einer missglückten Intrige nur noch mit Maschinenhilfe überleben kann, holt ihn aus dem Gefängnis – eine ‚Gefälligkeit‘, die selbstverständlich mit einer Gegenleistung zu entgelten ist.

Burn identifiziert Cranich als ein Mitglied der „Schöpfergilde“, die noch vor dem Rat über Veridon herrschte. Cranichs Sippe fiel einem grausamen Strafritual zum Opfer, für das der letzte Überlebende nun Rache fordert. Dank jahrzehntelanger Vorbereitung und unheimlicher Verbündeter ist Cranich stark genug, sich nicht nur mit dem Rat, sondern auch mit Veridons „Kirche des Algorithmus'“ anzulegen. Er plant die Auslöschung der herrschenden Oberschicht, weiß aber nicht, dass er selbst nur noch Strohmann einer uralten Kreatur ist, die in einem Kerker tief unter den Mauern von Veridon auf die Gelegenheit für eigene Rache lauert …

_Retro-Fantasy fast ohne Steampunk-Dämpfe_

Veridon ist eine angenehm erdferne Fantasy-Welt. Zwar sind die Ähnlichkeiten zu einer irdischen Großstadt des frühen 19. Jahrhunderts deutlich. Autor Akers schäumt jedoch keineswegs Phantastik-Routinen auf, für die längst eine Schublade mit der Aufschrift „Steam-Punk“ existiert. Dieses Etikett wurde ursprünglich für eine Science-Fiction geprägt, die in den Zukünften ‚alternativer‘ Vergangenheiten schwelgt, in denen keine Flugzeuge, sondern gewaltige Luftschiffe den Himmel beherrschen und die notwendige Energie per Dampfmaschine erzeugt wird.

Die Fantasy griff dieses Konzept auf; es bot sich als Ergänzung typischer Spannungselemente nicht nur an, sondern passte auch sonst ins Genre. Also zogen die erwähnten Luftschiffe jetzt auch an den Himmeln mehr oder weniger exotischer Welten ihre Bahnen, während auf dem Boden keine Wissenschaftler, sondern Magier, Ungeheuer und andere Grusel-Gestalten ihr unterhaltsames Unwesen trieben: Der Fantasy wird gern ein Quäntchen Horror beigemischt.

Auf den Dampf möchte Akers nicht verzichten. Retro-Hightech mag ein Widerspruch in sich darstellen, doch zweifellos ist sie attraktiv. Akers geht einen Schritt weiter: Die im Klappentext erwähnten „Zombies“ werden nicht durch Dampf in Gang gehalten, sondern per Nanotechnik ins ‚Leben‘ zurückgerufen.

|Magisch aber nicht zauberhaft|

Veridon ist ein fremdartiges Pflaster. Im zweiten Teil einer offensichtlich geplanten Serie kristallisiert sich heraus, dass Veridon wohl nicht identisch mit einer ‚alternativen‘ Erde ist. Den Fluss herunter treiben Relikte, die von der „Kirche des Algorithmus'“ als Bruchstücke einer Technik erkannt werden, die den Menschen verlorengegangen ist. Möglicherweise ist Veridon Teil einer fremdplanetaren Kolonie und wurde im Rahmen einer irdischen Zukunft besiedelt, die in Vergessenheit geraten ist.

Technik ist der Welt von Veridon überhaupt näher als Magie. Sie wird in einer Weise genutzt, die – siehe die oben erwähnten ‚Zombies‘ – auf den ersten Blick an Zauberei erinnert. Ignoriert man die fantasyastischen Kulissen, werden Elemente der Science-Fiction erkennbar. Besonders aufschlussreich ist in dieser Hinsicht der abermalige Auftritt des „Engels“ Camilla, der wie ein Cyborg wirkt.

Das gegenwärtige Veridon ist eine Stadt, die von den Menschen beherrscht wird. Dahinter scheint immer wieder eine düstere Vergangenheit durch, die der „Anansi“ Wilson mehrfach zur Sprache bringt. Er gehört einer intelligenten, spinnenähnlichen Spezies an, die offensichtlich zur ursprünglichen Bevölkerung des Planeten zählt. Die Anansi wurden von den Menschen bzw. ihren „Celestianern“ genannten Ahnen – „coelestis“ ist ein lateinisches Adjektiv und bedeutet „von himmlischer Ab- oder Herkunft“ – verdrängt und offensiv ausgerottet, was Wilson zum Außenseiter auf seiner eigenen Heimatwelt stempelt.

|Das universelle Spiel um Macht|

Die einst fremde Welt ist den Menschen inzwischen so zur Heimat geworden, dass sie kaum noch Gedanken an ihre Exotik verlieren. Mit Seltsamkeiten wie den Fehn hat man sich arrangiert. Handel und Handwerk florieren, die unpolitische „Kirche des Algorithmus'“ beschäftigt sich in erster Linie mit eigenen Plänen und beansprucht keine Führerrolle. Ganz anders denkt der Rat von Veridon übernommen, dessen Mitglieder in einem nie wirklich durchschaubaren Kleinkrieg um die Macht in der Stadt verwickelt sind.

Ständig wechselnde Bündnisse, Verrat und Intrigen bestimmen den Alltag in einem Maß, das echte Regierungsarbeit beinahe unmöglich macht: Autor Tim Akers versteht es, eine daraus resultierende Gegenwart zu schildern, in deren Regelwerk große Nischen gerissen wurden. Hier haben sich Parallel-Gesellschaften angesiedelt, die abseits von Rat und Kirche geduldet werden, solange sie beiden Institutionen nicht allzu deutlich in die Quere kommen.

Diverse Nischen blieben jedoch unbeachtet und sind Brachen oder Lücken geblieben. Hier konnte Ezekiel Cranich eindringen und sich festsetzen, um Rache zu nehmen. Zusätzliche Tarnung erfuhr er durch die freiwillige Hilfe der Familie Tomb, die seine Existenz vor den anderen Ratsfamilien geheim hielt. Veridons Mächtige haben ihren Untergang damit selbst verschuldet – eine Entwicklung, die geschickt in die Handlung integriert wird, um dieser einen weiteren Twist in eine vom Leser unerwartete Richtung zu verleihen.

|Undurchschaubare Intrigen & Geheimnisse|

Der Plot ist durchaus komplex. Hinter jedem gelösten Geheimnis tritt ein neues Rätsel oder eine böse Überraschung hervor. Ständig werden die Karten neu gemischt. So ist es möglich, dass Hauptfigur Jacob Burn vom Dieb und Verfemten zum Terroristen und Gefangenen und wenig später zum Ratsmitglied und Anführer eines bewaffneten Stoßtrupps zur Rettung Veridons werden kann.

Nicht immer beugt sich Burn dem Sog der Ereignisse. Er ist ein Held, der sich sträubt, zum Retter zu werden. Auf seine Weise passt er so perfekt zu den übrigen Figuren, die alle Geheimnisse hegen. Nicht einmal die Geschichte von Veridon ist offiziell. Man hat sie so sorgfältig ‚gereinigt‘, dass sie sogar den Nachfahren derer, die dafür verantwortlich zeichnen, unbekannt geworden ist. Veridon gleicht nicht nur im Stadtbild einer Zwiebel mit ihren zahlreichen Schichten. Die Lüge ist dem Rat und der Kirche zur zweiten Natur geworden. So heftig klammern sie sich an ihre Privilegien, dass sie ihre Menschlichkeit notfalls aufgeben und mit nur halb verstandenen Maschinen zu beinahe unsterblichen Cyborgs verschmelzen.

Burn kann sich dem nicht völlig entziehen, was ihn als Charakter interessant macht. Ohne den Schleier von Täuschung und Hinterlist bleibt ausgerechnet Wilson, der unmenschliche Spinnenmann. Er ist stets bestrebt, den Dingen auf den Grund zu gehen. Stärker noch als die ‚echten‘ Wissenschaftler hat er sich von vorgefassten Meinungen und Dogmen freigemacht. Mit den obskuren Relikten einer geschönten Vergangenheit vermag er sich deshalb vorurteilsfrei auseinanderzusetzen.

Vieles bleibt weiterhin offen in und über Veridon. Der interessierte Leser muss gleichwohl Geduld aufbringen. Anders als viele seiner schreibenden Kolleginnen und Kollegen walzt Akers die Geschichte/n seiner Welt nicht zur unendlichen Serie aus, die er in tausendseitigen Episoden mindestens jährlich auf den Buchmarkt wirft, solange es ein Publikum dafür gibt. Eine Fortsetzung der Veridon-Saga steht derzeit in den Sternen; Akers hat sich stattdessen einer ganz anderen Fantasy-Story gewidmet.

_Autor_

Tim Akers wurde am 12. Dezember 1972 als Sohn eines Theologen im US-Staat North Carolina geboren. Eigene Studienjahre verbrachte er in Chicago, wo er noch heute lebt. Nach eigener Aussage begann er Anfang der 2000er Jahre ernsthaft und mit dem Ziel zu schreiben, seinen Lebensunterhalt als Schriftsteller zu verdienen. Dies ist Akers noch nicht gelungen, seit er 2009 mit „Das Herz von Veridon“, dem ersten Band der „Burn-Cycle“-Serie debütierte, weshalb der Autor hauptberuflich weiterhin in der Datenverarbeitung tätig ist.

|Paperback: 334 Seiten
Originaltitel: The Dead of Veridon (Oxford : Solaris Books/Rebellion Publishing Ltd. 2011)
Übersetzung: Michael Krug
ISBN-13: 978-3-404-20686-5
Als eBook: 560 KB
ISBN-13: 978-3-8387-1940-5|
http://shadoth.blogspot.de
http://www.luebbe.de

Joan D. Vinge – Die Schneekönigin (Tiamat 1)

_Der |Tiamat|-Zyklus:_

_“Die Schneekönigin“ _(„The Snow Queen“, 1980, deutsch bei Heyne, 1983)
„Die Spur der Schneekönigin“ („World’s End“, 1984, deutsch bei Bastei-Lübbe, 1984)
„Die Sommerkönigin“ („The Summer Queen“ 1991, deutsch bei Heyne, 1991)
„Tangled Up in Blue“ (2000, ohne dt. Titel)

|Planetare Abenteuergeschichte à la Asimov|

Als auf Tiamat der 150-jährige Winter zu Ende geht, sollen die Schneekönigin und ihr Liebhaber traditionsgemäß dem Meer geopfert werden. Doch die immer noch attraktive Herrscherin Arienrhod denkt nicht daran, die Macht abzugeben. Sie hat technisches Wissen von anderen Welten geholt, mit denen sie den leichtlebigen und primitiven Sommer-Leuten ein Schnippchen zu schlagen gedenkt. (Verlagsinfo)

Die Handlung ist quasi eine Abwandlung von Hans Christian Andersens Märchen von der Schneekönigin, die sich ihre Liebhaber zu deren Unglück ins kühle Bett holt. Dies ist der erste Band der Schneekönigin-Trilogie, und für dieses Buch erhielt die Autorin 1981 den HUGO-Award der amerikanischen Science-Fiction-Leser.

_Die Autorin_

Joan Carol Dennison Vinge (* 2. April 1948 in Baltimore, Maryland) ist eine US-amerikanische Science-Fiction-Autorin. Vinge studierte zunächst Kunst auf dem College, wechselte aber später ihr Hauptfach und erhielt 1971 ihren Bachelor in Anthropologie von der San Diego State University. In erster Ehe war sie von 1972 bis 1979 mit den Science-Fiction-Autor Vernor Vinge verheiratet. 1980 ehelichte sie den Science-Fiction-Herausgeber James Frenkel, mit dem sie zwei Kinder hat.

Ihre erste Erzählung „Tin Soldier“ konnte sie 1974 in der Anthologiereihe Orbit 14 veröffentlichen. Weitere Geschichten folgten in verschiedenen Science-Fiction Magazinen wie „Analog“, „Asimov’s ScienceFiction“ und „Omni“ sowie diversen Anthologien.

1978 erhielt sie für ihre Erzählung „Eyes of Amber“ (deutsch: Bernsteinaugen) ihren ersten Hugo Award und 1981 für den Roman „The Snow Queen“ (deutsch: Die Schneekönigin) einen weiteren Hugo sowie den Locus Award. Ihr Roman „Psion“ (1982) wurde von der American Library Association als eines der besten Bücher des Jahres für junge Erwachsene bezeichnet. Sie wurde für weitere Preise nominiert, so unter anderem für den John W. Campbell Best New Writer Award. (Quelle: Wikipedia) Mit Romanfassungen von bekannten Filmen wie „Return of the Jedi“ oder „DUNE“ hat Vinge bestens verdient.

|Werke|

|Der Himmels-Chroniken-Zyklus:|
• „The Outcasts of Heaven’s Belt“. (1978 , deutsch: In den Trümmern des Himmelssystems. Moewig, 1981)
• Legacy. (1980, deutsch: Vermächtnis. Bastei-Lübbe, 1982)

|Der Cat-Zyklus|
• „Psion“. (1982, deutsch: Psion. Heyne, 1985)
• Catspaw. (1988, deutsch: Katzenpfote. Heyne, 1990)
• Dreamfall (1996)

_Handlung_

Als auf dem Planeten Tiamat der 150-jährige Winter zu Ende geht, sollen die herrschende Schneekönigin und ihr Liebhaber traditionsgemäß dem Meer geopfert werden. Doch die immer noch attraktive Herrscherin Arienrhod (ein walisischer Göttername, der „Silberrad“ bedeutet) denkt nicht daran, die Macht abzugeben. Sie hat technisches Wissen von anderen Welten, der technisierten Hegemonie, geholt, mit denen sie den leichtlebigen und primitiven Sommer-Leuten ein Schnippchen zu schlagen gedenkt. Das Klima wird tropisch, und eigentlich sollten die Süd-Staaten der Welt die Herrschaft übernehmen.

Arienrhod hat ihr Leben durch ein aus dem Blut der Meermädchen gewonnenes Elixier verlängert. Zudem hat sie Klone von sich selbst anfertigen lassen. Ihr Liebhaber Sparks ist ebenfalls einer davon. Sparks war aber zuvor mit Moon Dawntreader, einem weiteren Klon, verlobt. Moon, die eine wahrsagende Sibylle ist, begibt sich auf die Suche nach ihrem verschwundenen Verlobten.

In die vielen Abenteuer, die sie dabei erlebt, sind u.a. ein weiblicher Offizier der Hegemoniepolizei, der frühere Lover der Königin, Herne, ein sehr pflichtbewusster Polizeisergeant und ein Mann von einem anderen Planeten namens Ngenet verwickelt.

|SPOILER|

Mit dieser Truppe gelingt es Moon, die Intrigen der Schneekönigin zu vereiteln, das Massaker an den – wie sich herausstellt – intelligenten Meermädchen zu beenden, Arienrhod ihrem verdienten Ende zuzuführen und selbst Sommerkönigin zu werden. Sie ist die erste Sibylle, die erkannt hat, dass in ihrem Gehirn alle Daten der technischen Errungenschaften der Hegemonie gespeichert sind. Diesmal wird also der Abzug der Hegemonie nicht gleichbedeutend mit dem Entzug der technischen Gaben und dem Rückfall in die Primitivität eines Bauernstaates sein. Moons Gefährte auf dem Thron soll Sparks werden.

_Mein Eindruck_

Obwohl die angesichts einiger vorausgegangener Erzählungen Joan Vinges (sie war mit Science-Fiction-Autor Vernor Vinge verheiratet) hochgespannten Erwartungen nicht voll erfüllt wurden – es gibt ein paar Durchhänger und die Originalität der Ideen (s. u.) lässt mitunter zu wünschen übrig – bleibt „Die Schneekönigin“ ein spannender und phantasievoller Abenteuerschmöker mit einigen intensiven gefühlsvollen Szenen.

Die Handlung ist gewissermaßen eine Abwandlung von Hans Christian Andersens Märchen von der Schneekönigin, die sich ihre Liebhaber zu deren Unglück ins kühle Bett holt, so dass deren Geliebte (im Märchen ist es Gerda) sie retten müssen. Ich dachte aber auch an die Eiskönigin in „Der König von Narnia“ (The Lion, the Witch, and the Wardrobe) von C.S. Lewis, die sich den jungen Edmund in ihr kühles Schloss holt. Daraufhin müssen seine drei Geschwister Peter, Suse und Lucy ihn retten kommen.

Die kosmische Konstellation des exzentrischen Tiamat-Sonnensystems, das 150 Jahre Winter beschert, gemahnt stark an Asimovs klassische Story „Einbruch der Nacht“, in der ein extrem langer Tag von mehreren tausend Jahren Dauer sein abruptes Ende findet – mit schwerwiegenden Konsequenzen für die Psyche der Bewohner dieser Planeten. Aber auch in der Helliconia-Trilogie wurden sehr lange Winter und Sommer erfolgreich zu einer dramatischen Handlung verarbeitet. Inzwischen wissen die Astronomen, dass exzentrische Planetenumlaufbahnen die Norm sind – und nahezu runde bzw. nur leicht elliptische Umlaufbahnen wie die in unserem Sonnensystem die krasse Ausnahme.

Vinge setzte diesen preisgekrönten Erfolgsroman mit „World’s End“ (Die Spur der Schneekönigin“, dt. bei Bastei-Lübbe) mit wenig Erfolg fort. Weit wichtiger ist der Abschluss des Zyklus mit der ebenfalls preisgekrönten Duologie „Die Sommerkönigin“ (1992), die seitenmäßig sehr umfangreich ist. Der Heyne-Verlag hat alle drei Bände 1993 in einer sehr schön aufgemachten Ausstattung veröffentlicht.

|Broschiert: 560 Seiten
Aus dem US-Englischen übertragen von Joachim Körber,
Mit Illustrationen von Ursula Olga Rinne
ISBN-13: 978-3453308800|
http://www.heyne.de

Deas, Stephen – goldene Feuer, Das (Drachenthron 3)

Der Drachenthron:

Band 1: „Der Adamantpalast“
Band 2: „Der König der Felsen“
Band 3: „Das goldene Feuer“
Band 4: „The Black Mausoleum“ (noch ohne dt. Titel)

Kithyr, der Blutmagier, hat den Adamantspeer des Sprechers gestohlen. Doch obwohl er nicht an die Mythen glaubt, die sich um dieses uralte Artefakt ranken, scheint der Speer tatsächlich mehr zu sein als nur eine Waffe …

Jehal, der nur zu bereit war, den Speer für sein Leben einzutauschen, muss derweil feststellen, dass Zafir nicht nur den Angriff bei Evenspire überlebt, sondern auch sofort zum Gegenschlag ausgeholt und Lystra samt ihrem Neugeborenen als Geiseln genommen hat.

Hyrkallan schäumt seit dem Untergang Evenspires vor Wut und würde am liebsten einen Krieg vom Zaun brechen. Solange er allerdings nicht mit Jaslyn verheiratet ist, hat er keinerlei Befehlsgewalt, und Jaslyn weigert sich, den Drachen zu verlassen, den sie für ihren wiedergeborenen Vidar hält …

Jeiros versucht derweil, den Zankhähnen klar zu machen, dass die Drachen eine weit größere Gefahr darstellen als politische Rivalen, weil die alchemistischen Tränke zur Neige gehen.

Schneeflocke wiederum hat beschlossen, dass sie Kemir für ihren weiteren Feldzug zur Befreiung der anderen Drachen nicht mehr braucht …

Der dritte Band des Drachenthron-Zyklus wartet mit Charakterentwicklungen der eher unerwarteten Art auf:

Kemir war als Söldner schon immer hart gesotten, und inzwischen wird ihm nicht einmal mehr schlecht, wenn Schneeflocke mit ihren Opfern spielt. Und doch hat der enge Kontakt mit der Gleichgültigkeit der Drachen gegenüber jedwedem menschlichen Leid Spuren hinterlassen. Kemir scheint der Gewalt müde.

Aber auch Schneeflocke hat sich offenbar durch den verstärkten Kontakt mit Artgenossen verändert. War sie im letzten Band noch bereit, sich auf Kemir einzulassen, scheint er ihr inzwischen nur noch lästig zu sein.

Am verblüffendsten jedoch war Jehals Entwicklung. Er scheint das Schicksal seines Onkels tatsächlich zu bedauern, noch erstaunlicher war sein versiegendes Interesse an allem, was mit Politik und Intrige zu tun hat. Sein plötzlich erwachtes Verantwortungsbewusstsein setzte dem Ganzen schließlich die Krone auf.

Eine Enttäuschung war dagegen Jaslyn. Sie taucht lediglich in zwei oder drei Szenen auf, und ihr Drachenwahn hat sie so eindimensional werden lassen, dass sie kaum noch als Person zu bezeichnen ist.

Einerseits war das alles durchaus gut gemacht. Andererseits mangelt es dem Buch mehr denn je an einer Identifikationsfigur, denn Jaslyn taugt aufgrund ihrer Einschränkung bestenfalls noch als Spielstein. Außerdem ist der Handlung durch Jehals Entwicklung derjenige Charakter mit dem meisten Biß verloren gegangen. Bleiben Zafir, Kithyr und Schneeflocke. Und Vidar… obwohl dieser als eigenständiger Charakter bisher nicht allzu viel verspricht. Vorerst ist er – Schneeflockes Aussagen zum Trotz – einfach nur rachedurstig und mordlüstern, von den Überlegungen, der Intelligenz und Lernfähigkeit, die Schneeflocke an den Tag legt, war bei ihm in diesem Band nichts zu spüren. Ob sich das noch ändert, wird sich zeigen.

Tatsächlich ist die Person Kithyrs wohl die interessanteste von allen. Die Informationen, die der Leser gleich zu Beginn des Buches erhält, werfen eine Menge neuer Fragen auf. Und sie verschieben die Gewichtung hin zu den Taiykatei, die am Ende dieses ersten Bandes zum ersten Mal als eigenständige Personen auftauchen, und nicht nur als Bezeichnung für eine fremde Rasse. Ihre Motive, Ziele und Pläne bleiben allerdings noch immer unerwähnt. Der Leser weiß, dass sie unbedingt Drachen wollen, aber nicht wofür. Dasselbe gilt für den Adamantspeer.

Die Verlagerung dieses Artefaktes aus einem staubigen Keller hinein ins Geschehen verändert ebenfalls die Balance der Geschichte. Auf einmal wird die Vergangenheit des Kontinentes interessant, all die alten Geschichten, die von Königen, Alchemisten, Gardisten und Drachenreitern gleichermaßen für bloße Legenden gehalten werden. Und mit ihr die Magie. Die silbernen Männer, um die Schneeflocke bisher bewusst einen weiten Bogen gemacht hat, scheinen über Fähigkeiten zu verfügen, die sich von denen Kithyrs oder denen der Alchemisten grundlegend unterscheiden.

Letztlich läuft es darauf hinaus, dass die Demontage von Figuren wie Jehal, Jaslyn und Kemir den Weg freigemacht haben für eine Ausweitung des Ereignishorizonts. Das Geschehen des nächsten Bandes wird sich nicht mehr auf kleine Konkurrenzkämpfe zwischen rivalisierenden Königen um Macht und Reichtum beschränken, sondern ein zweites, ein fremdes Volk miteinbeziehen, das mit dem bisher beschriebenen lediglich durch die Existenz der Drachen verbunden zu sein scheint. Auf jeden Fall bietet sich hier eine Fülle von Möglichkeiten in jeglicher Hinsicht: Magie, historischer Hintergrund, Kultur.

Vielleicht wird es dann auch ein wenig spannender. Denn Spannung ist noch immer das eine Detail, das diesem Zyklus ein wenig fehlt. Daran haben weder die vielen Ärgernisse, mit denen Kemir sich herumschlagen muss, etwas geändert, noch das Duell zwischen Zefir und Lystra, nicht die große Schlacht zwischen zwei Dracheheeren und auch nicht der Kampf um den Adamantpalast. Nicht einmal das drohende Verhängnis, das der Leser dank Jeiros auf die Welt zukommen sieht, schafft das. dass es Stephen Deas gelungen ist, immer wieder für Überraschungen zu sorgen, dass die Entwicklung der Handlung nie wirklich vorhersehbar ist, reichte für Abwechslung, für Kurzweil, für wachgehaltenes Interesse. Aber nicht für feuchte Hände oder gar abgekaute Nägel.

Ich persönlich würde ich diesen Band nur knapp auf denselben Rang wie Band eins einstufen. Die Drachen haben sich in der Tat zu den mächtigsten und gefährlichsten Geschöpfen der Fantasy entwickelt, das Attribut geheimnisvoll trifft allerdings kaum noch zu. Bestenfalls könnte man sie noch als unberechenbar bezeichnen. Für mich haben sie damit jegliche Anziehungskraft verloren, was übrig bleibt, ist lediglich einer von mehreren Machtfaktoren. Die Charakterzeichnung ist von gleicher Qualität wie bisher, bietet aber noch immer keinen Sympathieträger. Dieses Manko stellt den Hauptspannungskiller dar, denn wenn einem die Leute, von denen man umgeben ist, bestenfalls gleichgültig sind, mit wem soll man dann mitfiebern?

Was das Buch trotz all dem lesenswert macht, ist die Entwicklung der Handlung. Stephen Deas sorgt geschickt dafür, dass immer, wenn das Potenzial eines Aspektes ausgeschöpft ist, ein anderer bereitsteht, um die Lücke zu füllen. Und der Ausblick auf den nächsten Band verspricht eine ganze Menge neues Potential, auch in Bezug auf die Figurenriege, die durch die Taiytakei zwangsläufig eine Erweiterung erfahren wird. Vielleicht findet sich unter den neuen Charakteren ja endlich auch jemand, der sympathisch genug ist, um den Leser auf seine Seite zu ziehen.

Stephen Deas ist Engländer und arbeitete nach einem abgeschlossenen Physikstudium in der Raumfahrttechnik, ehe er mit „Der Drachenthron“ seinen ersten Roman veröffentlichte. Seither ist er fleißig mit Schreiben beschäftigt. Der vierte Band des Zyklus erschien in England im August letzten Jahres unter dem Titel „The Black Mausoleum“. Außerdem ist der Zyklus Memory of Flames inzwischen bis Band vier gediehen, auf Deutsch bisher aber nicht erhältlich.

Taschenbuch 528 Seiten
Originaltitel „The Order of the Scales“
Deutsch von Beate Brammertz
ISBN-13: 978-3-453-52532-0

www.stephendeas.com
www.randomhouse.de/heyne

Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Volkers, Mara – Vampirjagd

Für die Vampire in Mara Volkers‘ „Vampirjagd“ ist ihr Anderssein hauptsächlich ein lästiges Hindernis, dem sie mit Geld, kleinbürgerlichem Verhalten und strikter Angepasstheit zu entfliehen suchen. Sicher, es gibt da diese dumme Angewohnheit, von Zeit zu Zeit Menschenblut trinken zu müssen, aber ansonsten lassen es Daniela und ihr Mann Urban zivilisiert zugehen. Zusammen mit den sonstigen Vampiren von Wien haben sie sich in einem Club organisiert, haben sich strenge Regeln auferlegt und versüßen sich ansonsten das ewige Leben mit regelmäßigen Besuchen im Kaffeehaus und gepflegten Gesprächen mit seinesgleichen.

Die Ruhe wird jäh gestört als Daniela und Dilia mittels ihrer Fähigkeiten die geistige Spur eines unbekannten Vampirs aufnehmen, der sich kurz darauf an einem Menschen vergreift. Ein Sakrileg, finden die beiden. Schließlich verstößt es gegen die Regeln des Clubs (auch wenn der unbekannte Vampir vermutlich noch nie vom Club gehört hat) und kann nur in einem Desaster enden. Das kleine Grüppchen der Club-Vampire vermutet sofort einen großen Gegenspieler, der ihnen ans Leder will und so versuchen sie, sowohl an den unbekannten Vampir als auch an den vermuteten Hintermann zu gelangen. Ein Unterfangen, das, da es ständig durch exzessives Palatschinken-Essen unterbrochen wird, Dreiviertel des Buches einnehmen und sich dementsprechend hinziehen wird.

Was Daniela und ihre Freunde nicht wissen: Am anderen Ende der Stadt verwandelt sich gerade die junge Vanessa in einen Vampir. Und als ein paar Kleinkriminelle sie, ihre Schwester und ihren Mann in einer Holzhütte einem Feuer überlassen, das nur Vanessa überleben wird, schwört diese Rache. Ihrer Ansicht nach hat sie ihren neuen Zustand nur erlangt, um für den Tod ihrer Schwester Gerechtigkeit walten zu lassen.

Und so suchen auf der einen Seite Daniela und Urban nach einem unbekannten Vampir. Vanessa wiederum sucht nach den Mördern ihrer Schwester. Und die Kleinkriminellen um den verwöhnten Milliardärssohn Ferdinand Rubanter rauben eine Bank nach der anderen aus, ohne zu ahnen, dass sie es bald mit Vampiren zu tun bekommen.

_Mara Volkers konstruiert_ ihren Roman durchaus geschickt. Durch die Augen verschiedener Charaktere sieht der Leser die Handlung und weiß somit immer viel mehr als die Figuren selbst. Volkers gelingt es, anfangs scheinbar völlig voneinander unabhängige Handlungsstränge zu präsentieren, nur um diese später langsam immer mehr zueinanderzuführen wie einen Knoten, den man immer fester zieht. Diese Taktik garantiert Lesegenuss, denn sie macht es dem Leser leicht, bei der Stange zu bleiben. Leider unterwandert Volkers ihren guten Ansatz durch den eher dünnen Plot und vor allem durch die völlig austauschbaren Charaktere. Alle ihre handelnden Figuren sind Typen; Klischees auf Füßen, für die man sich nur schwerlich begeistern kann. Da sind Daniela und Urban, das versnobte Künstlerehepaar, das doch herzensgut ist und trotz des ganzen Geldes und der Berühmtheit so sympathisch auf dem Boden geblieben ist. Da ist Vanessa, die frustrierte Ehefrau, die ihrem Mann kaum mehr als eine Putz- und Bürohilfe ist. Da ist Ferdinand Rubanter, dessen Allüren in ihrer Maßlosigkeit bald nicht nur den Figuren, sondern auch dem Leser auf den Wecker gehen. Und da ist der Kleingangster Erwin, der zwar böse, aber auch irgendwie einfältig ist. Keiner der Charaktere erscheint wie ein echter Mensch – pardon, ein echter Vampir -, alle bleiben immer nur zweidimensionale Abziehbilder zwischen zwei Buchdeckeln.

Auch der Vampirismus kommt viel zu kurz. Daniela und ihr Vampir-Club wirken eher wie eine exklusive Clique als wie eine Gruppe Untoter. Man liest nichts, was man nicht schon irgendwoanders besser, schillernder oder zumindest gruseliger gesehen hätte. Es scheint, als wäre der Vampirismus der Figuren ein Anhängsel, aber eben nicht der Aufhänger. Und das ist sehr schade – schließlich lässt der Titel anderes vermuten.

Deshalb berührt es auch letztlich kaum, was mit diesen Charakteren im Laufe der Handlung passiert. Und da passiert durchaus Tragisches! Aber da Volkers‘ Charaktere nicht fähig sind, überraschende, interessante oder wenigstens authentische Reaktionen zu zeigen, bleibt die Tragik auch immer nur ein Element, um zum nächsten Handlungspunkt zu gelangen. Und da sich die Konflikte schließlich in Wohlgefallen auflösen werden und es auch keinen großen Gegenspieler im Hintergrund gibt (eine Tatsache, die der Leser recht bald begreift), hat man den Eindruck, die 400 Seiten des Romans plätscherten gemächlich dahin.

_Zumindest hat sich_ Mara Volkers Mühe gegeben, etwas Wiener Lokalkolorit in den Roman einfließen zu lassen: Da wird im Hawelka Kaffee getrunken und auf der Suche nach der Vampirin der Stephansdom umrundet. Es gibt ein paar typisch wienerische Ausdrücke und Redewendungen (ein Dank ans Lektorat, dass diese nicht glattgebügelt wurden) und es fehlte eigentlich nur noch, dass eine Szene auf dem Hauptfriedhof spielt. Dieser Aspekt von „Vampirjagd“ ist also wirklich gelungen, nur reicht großzügig versprühtes Wiener Flair leider nicht für ein wirklich spannendes Leseerlebnis. Damit steht der ultimative Roman über Vampire in Wien immer noch aus. Freiwillige vor!

|Taschenbuch: 464 Seiten
ISBN-13: 978-3492268141|
http://www.piper-verlag.de

_Mara Volkers bei |Buchwurm.info|:_
[„Die Reliquie“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3766

Pflieger, Kerstin – Krähenturm, Der

_Vorab-Information:_

„Der Krähenturm“ ist die indirekte Fortsetzung von [„Die Alchemie der Unsterblichkeit“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7169 und baut auf den gleichen Protagonisten auf. Es ist zwar nicht zwingend notwendig, den Vorgängerband gelesen zu haben, um dem Plot problemlos folgen zu können, aber es empfiehlt sich natürlich, die komplette Geschichte zu verfolgen, da hier und dort einige ‚vergangene‘ Themen zum Vorschein kommen.

_Inhalt:_

Icherios Ceihn rückt seinem anvisierten Medizinstudium immer näher, muss jedoch erneut einige faule Kompromisse eingehen, damit ihm sein großer Traum nicht verwehrt bleibt. Von der Karlsruher Dienststelle zur Beobachtung unnatürlicher Begebenheiten wird er nach Heidelberg entsandt, wo er unter dem Deckmantel seines Studiums die dortigen Vorkommnisse rund um den Ordo Occulto im Auge behalten. Dies gibt Icherios weiterhin die Möglichkeit, die Ursache des Todes seines besten Freundes Vallentin zu erforschen, die immer noch schwer auf seinem Herzen wiegt und ihn vor allem deshalb nicht loslässt, weil Vallentin offenbar vor Icherios‘ Augen sein Leben verlor.

In Heidelberg angekommen wird der junge Ceihn mit den bizarrsten Persönlichkeiten konfrontiert und entdeckt alsbald, dass die Geschichten über Vampire und Werwölfe keinesfalls zu den Märchen gehören, die ihnen zugeschrieben werden. Doch Icherios hat gar keine Zeit, allen Phänomenen mit gleicher Intensität nachzuspüren, denn sein Studium fordert ihn, der Universitätsleiter Anselm von Freyberg hat ihn ebenfalls im Visier, und auch seine neuen Freunde sind für Icherios alles andere als durchschaubar und vertrauenerweckend. Als er selber mit dem vampiresken Virus infiziert wird und zum Strigoi mutiert, ändert sich für den jungen Lehrling plötzlich alles; er sieht die Welt mit anderen Augen und kann die Vorkommnisse in Heidelberg völlig neu bewerten. Allerdings sind seine Möglichkeiten weiterhin begrenzt, und obschon er zahlreiche Verbündete für sich gewinnt, scheint Vertrauen das wertvollste Gut zu werden, um die finsteren Pläne des Ordo Occulto zu durchkreuzen und gleichzeitig die Spur von Vallentins Mörder nicht zu verlieren. Bevor sich Icherios versieht, droht die Welt um ihn herum in einem Gespinst aus Lügen und Intrigen zu verschwimmen, dem er nur noch Herr werden kann, wenn er seinen neuen Trieben nicht verfällt und sich auf seine gesund gebliebene Intuition verlässt – doch dies ist in jenen Zeiten leichter gesagt als getan …

_Persönlicher Eindruck:_

Kerstin Pflieger hat immense Ambitionen, was die Fortsetzung ihres erfolgreichen Icherios Ceihn-Starters „Die Alchemie der Unsterblichkeit“ betrifft, daran lässt sie schon in den ersten Kapiteln des direkten Nachfolgers keine Zweifel. Allerdings droht die Autorin in „Der Krähenturm“ gelegentlich an ihren zahlreichen Ideen zu zerbrechen, denn schon in den ersten Zeilen halst sie sich derart viele Stränge auf, dass es nicht nur schwerfällt, alle Handlungsabschnitte mit gleicher Intensität zu füllen, sondern auch unmöglich scheint, so viele Zufälle zuzulassen, damit die Geschichte weiterhin stimmig bleibt. Letztgenannter Umstand ist dann auch der größte Kritikpunkt, den man „Der Krähenturm“ zuschreiben muss. Viele ineinander greifende Fragmente des Plots sind so glücklich miteinander verwoben, dass die Story im weiteren Verlauf nicht immer glaubwürdig erscheint. Die einzelnen Zusammenkünfte, das Glück, welches Icherios stets bei seinen Nachforschungen begleitet, die ‚plötzliche‘ Einführung bedeutsamer Charaktere, die komischerweise immer dann in die Geschichte eingreifen, wenn sie vom Protagonisten gebraucht werden und schließlich die eigenwilligen Freundschaften und Zweckbündnisse, die phasenweise konstruiert wirken und dem ansonsten recht spontanen Fluss der Erzählung entgegenwirken – all diese Elemente werfen die berechtigte Frage auf, warum die Autorin ihren Roman überfrachtet und sich nicht auch weiterhin auf die Ausdrucksstärke ihrer Protagonisten verlässt.

Diese ist nämlich auch heuer gegeben, ganz besonders was Icherios selbst betrifft. Kerstin Pflieger hat einen charismatischen, manchmal auch launischen ‚Helden‘ erschaffen, dessen manchmal sehr emotionales Erscheinungsbild der Grundstein für eine erfolgreiche Fantasy-Handlung ist. Icherios bleibt nämlich seiner Linie treu, folgt dem Verstand in Kopplung mit dem Bauch, bleibt trotz aller Verwirrungen nahbar und ist in seinem Handeln und Denken transparent. Ähnliches kann man zwar auch für das Gros der übrigen Figuren bestätigen, jedoch scheint ihr Part in der Sache manchmal am Reißbrett konstruiert, so dass die eigentlich gelungene Interaktion der Charaktere durch die künstliche Präsenz im Storyboard nicht immer harmonisch bleibt. Und dieser Makel haftet nun einmal ebenso an „Der Krähenturm“ wie der holprige Schlussabschnitt, bei dem sich Pflieger dann mit einem Mal nicht mehr die Zeit nimmt, die Handlung ebenso schmückend auszufüllen, sondern anscheinend realisiert, dass sie zu viele Stränge unter einen Hut bekommen muss, dabei aber eben nicht für jede einzelne Nuance Platz bleibt, die bereits eröffnet wurde. Die These ‚weniger wäre mehr gewesen‘ greift also auch hier, wenngleich man niemals behaupten darf, dass „Der Krähenturm“ kein unterhaltsames Buch sei.

_Denn bei aller Kritik_ darf man die Qualitäten der Geschichte auch nicht außer Acht lassen, insbesondere die Atmosphäre, die die Autorin hier wirklich gekonnt inszeniert. Über dem gesamten Roman schwebt einerseits dieser spezielle historische Background, andererseits aber auch dieses düstere Stimmungsbild, hervorgerufen von all den sonderbaren Kreaturen, mit denen man im Laufe der Geschichte Bekanntschaft macht. Von dieser teils unkonventionellen Kopplung geht recht schnell eine gewisse Faszination aus, die das Buch auch überdauert und auch von den teils ungeschickten Wendungen in der Handlung nicht gefährdet werden. Icherios und seine streckenweise sehr eigenwilligen Begleiter tun in ihren Szenen das Übrige dazu und kaschieren überraschenderweise dann doch weite Teile der angesprochenen Kritik. Und genau das spricht am Ende auch wieder für die tolle Auskleidung der Geschichte, die so manchen Stolperer vergessen macht und „Der Krähenturm“ auch mit seinen genannten Schwächen zu einer durchaus empfehlenswerten Sache macht – erst recht, wenn man bereits mit dem Vorgänger vertraut ist!

Sollte die Autorin jedoch eines Tages in die Welt der Vampire und Alchemisten zurückkehren, sei ihr geraten, den Blick fürs Wesentliche zu schulen. Hätte Kerstin Pflieger nämlich im ersten Drittel des Buches so manchen Szenerie für weniger bedeutsam erklärt, würde sie sich am Ende auch nicht von der Geschichte überrollen lassen. Dass dies nun schlimmer klingt, als es tatsächlich ist, soll nicht unerwähnt sein. Aber gerade bei einem Buch, welches mit einer solch grandiosen sphärischen Dichte aufwartet wie dieses, sollten Enttäuschung und der Blick auf das ‚was wäre wenn?‘ nicht unkommentiert bleiben!

|Taschenbuch: 476 Seiten
ISBN 978-3442476794|
http://www.randomhouse.de/goldmann

Celia Friedman – Die Seelenkriegerin (Magister-Trilogie 3)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Die Seelenzauberin“
Band 3: „Die Seelenkriegerin

Siderea Aminestas ist mit ihrer Konjunkta so weit nach Süden geflohen, dass sie quasi komplett von der Landkarte verschwunden ist. In einer kleinen Wüstenstadt hat sie sich eine neue Basis geschaffen, und sinnt nun auf Rache an den Magistern. Der Erste, den ihre Rache treffen soll, ist Colivar.

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Melissa Marr – Graveminder

Melissa Marr ist bislang eher für ihre Jugendbücher bekannt, die von meistens netten und nicht ganz so netten Elfen handeln. Mit „Graveminder“ legt sie nun ihren ersten Roman für Erwachsene vor – ganz ohne Elfen.

Das amerikanische Städtchen Claysville ist ein komischer Ort. Noch komischer, als Rebekkah glaubt, als sie zum Begräbnis ihrer Großmutter Maylene dorthin zurückkehrt. Maylene ist nicht eines natürlichen Todes gestorben. Sie wurde umgebracht. Doch wer ihr Mörder ist, scheint die örtliche Polizei nicht wirklich zu interessieren.

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Huff, Tanya – Hexenladen, Der

Allies Leben ist alles andere als perfekt: Ihr bester Freund, in den sie verliebt ist, ist schwul, sie hat gerade ihren Job verloren und das Haus, in dem sie lebt, ist geradezu überfüllt mit dominanten Tanten, die ihr ständig dreinreden.

Das ändert sich, als ein Brief ihrer Großmutter eintrifft, in dem sie Allie ihren Laden in Calgary vermacht. Denn die Situation, die Allie dort vorfindet, ist alles andere als normal, selbst für jemanden, der wie sie aus der Familie Gale stammt …

Allies Verwandtschaft ist schon ein ziemlich ungewöhnlicher Haufen. Natürlich ist Magiebegabung in der Realität an sich schon ungewöhnlich, aber Allies Verwandtschaft ist nicht einfach nur magiebegabt. Die Rituale, die hier abgehalten werden, klingen sehr neuheidnisch, abgesehen davon sind einige der Leute einfach nur schräg.

Tatsächlich ist die einzige normale Person Allies Jugendfreund Michael. Schon ihr eher ruhiger Bruder David sowie ihr ziemlich bieder wirkender Cousin Roland laufen gelegentlich mit Geweih auf dem Kopf herum.

Das Normalste an ihrer Cousine Charlie sind deren schrille Haarfarben, ansonsten treibt sie sich regelmäßig in mystischen Zwischenwelten herum und benutzt ihre Gitarre zum Zaubern.

Die Tantchen schließlich spotten jeder Beschreibung. Da fallen ein Leprechaun, ein Hexer und ein paar Drachenlords kaum noch ins Gewicht.

Ein Wunder, dass Allie selbst so durchschnittlich scheint. Als sie zu Beginn des Buches in Calgary eintrifft, wirkt sie regelrecht hilflos. Das ändert sich relativ schnell, als sie Graham kennenlernt, einen ganz normalen Kerl, der offiziell als Reporter arbeitet. Wie sich bald herausstellt, ist aber auch Graham nicht wirklich normal …

Allein dieses bunte Potpourri an Charakteren war schon amüsant und abwechslungsreich zu lesen, wenngleich ich zu Beginn gewisse Schwierigkeiten mit der wahren Flut an Personen hatte. Es empfiehlt sich, anfangs darüber hinwegzulesen, da die meisten für die spätere Handlung nicht unbedingt wichtig sind.

Wichtig ist vielmehr der Gesamteindruck, den der Einstieg in das Buch hinterlässt. Allie stammt aus einer riesigen Familie, deren Mitglieder nicht nur Macht besitzen, sondern in der auch bestimmte Strukturen herrschen, und das aus bestimmten Gründen. Außerdem ist der Zusammenhalt innerhalb der Familie extrem stark, was, zumindest im Hinblick auf die Tantchen, gelegentlich auch lästig und anstrengend sein kann.

Nachdem der Leser sich durch die Fülle an schrulligen Tantchen und mehr oder weniger zickigen Cousinen durchgekämpft hat, beginnt die eigentliche Geschichte. Die entfaltet sich eher langsam, Tanya Huff beweist dabei aber ein gutes Gespür für Timing, indem sie neue Akzente immer unmittelbar setzt, bevor der Leser sich allmählich eine Weiterentwicklung wünscht. Da die interessanten Charaktere die Handlung so mühelos mittragen, kann die Autorin sich mit der Preisgabe von Informationen durchaus Zeit lassen. So kommt es, dass der Leser erst relativ spät erfährt, worum es bei der ganzen Sache überhaupt geht. Außerdem ist das Geschehen mit einigen magischen Scharmützeln gespickt, die zusätzlich für Abwechslung und auch ein wenig Spannung sorgen.

Um es kurz zu machen, ich fand die Geschichte ausgesprochen lesenswert. Sie ist ein wenig schrill, voller Ideen, gewürzt mit einem Schuss Humor und einigen Actioneinlagen, bietet ein wenig Rätselei und ein wenig Dramatik, sprich, von allem etwas, und das vollkommen ausgewogen. Das Buch hat mir viel Spaß gemacht.

Tanya Huff gehört zu den bekanntesten modernen Fantasy-Autoren Kanadas. Nach ihrem Bachelor of Arts war sie in unterschiedlichen Jobs tätig, ehe sie während ihrer Arbeit im ältesten Science-Fiction-Buchladen Amerikas diverse Novellen und Kurzgeschichten veröffentlichte. Inzwischen lebt sie im ländlichen Ontario. Aus ihrer Feder stammen die Chroniken der Hüter, die Blutserien und vier weitere Zyklen sowie diverse Einzelromane und Kurzgeschichtensammlungen.

Taschenbuch 511 Seiten
Originaltitel The Enchantment Emporium
Deutsch von Dorothee Danzmann
ISBN-13: 978-3-867-62105-2

http://www.feder-und-schwert.com/

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Bachmann, Tobias und Prescher, Sören – Sherlock Holmes taucht ab (Meisterdetektive 2)

_|Meisterdetektive|:_

Band 1: „Sherlock Holmes und das Druidengrab“
Band 2: _“Sherlock Holmes taucht ab“_
Band 3: „Sherlock Holmes und die Tochter des Henkers“

„_Vergnügliches Wiedersehen mit Sherlock Holmes_“

Im London des Jahres 1890 werden ein halbes Dutzend Menschen mit Stichverletzungen und durchschnittener Kehle aufgefunden. Inspektor Lestrade ist ratlos, denn es ist keine Verbindung zwischen den Mordopfern zu finden. Deshalb bittet er Sherlock Holmes um Hilfe bei der Aufklärung des Falles. Als Holmes für ein paar Tage „abtaucht“ und Dr. Watson bei der Obduktion des letzten Opfers eine merkwürdige Deformation der Lunge sowie eine eigentümliche „Hautkrankheit“ feststellt, macht dieser sich allein auf die Suche nach mehr Informationen, nach einem Professor Summers und nicht zuletzt nach Holmes. Mehr und mehr Indizien lenken das Geschehen nun aus dem viktorianischen London hin zu dem fantastischen Moment in dem Sherlock Holmes und Dr. Watson dann sogar wortwörtlich abtauchen – und zwar in einem Unterseeboot auf einer abenteuerlichen Fahrt nach Atlantis, wo sie helfen müssen, eine Schmugglerbande davon abzuhalten, ein wertvolles atlantisches Mineral nach London auszuführen. Nachdem Holmes die ersten Beteiligten in Atlantis dingfest gemacht hat und sich die Schlinge um die Schmugglerbande immer enger zusammenzieht, verlagert sich das Geschehen wieder zurück nach London, wo Sherlock Holmes die Geschichte schließlich zu einem befriedigenden Ende bringt.

Schon einmal hatte der weltbekannte Detektiv des englischen Schriftstellers Sir Arthur Conan-Doyle (1859-1930) mit einem Unterseeboot zu tun, als er in „The Adventure of the Bruce-Partington Plans“ gestohlene Baupläne für ein U-Boot wiederbeschaffen muss. Wo jedoch Conan-Doyles gedankliche Reise im Jahr 1912 aufhörte, schließen die beiden Autoren Bachmann und Prescher 2012 an. Sie versetzen den Meisterdetektiv mitten hinein in ein solches Beförderungsmittel und damit in die technisierte Welt des sagenumwobenen Atlantis. Mag dieser wenig traditionelle Ausflug zunächst nicht nach einem typischen Sherlock Holmes Abenteuer klingen, so müssen seine Fans dennoch keine Befürchtungen dahingehend hegen, dass ihrem Idol Gewalt angetan worden wäre. Im Gegenteil die Autoren scheinen selbst wahre Kenner zu sein, denn sie treffen in Ton und Stil die ursprünglichen Geschichten ausgesprochen gut. Dass sie Doyle gelesen haben, beweisen sie unaufdringlich und subtil, wenn sie in Nebensätzen beiläufig die Originalgeschichten zitieren; beispielsweise als Dr. Watson davon träumt, dass seine Frau Mary ihm von merkwürdgen Perlen erzählte, die sie seit eingen Jahren zu jedem Geburstag geschickt bekommen hatte („The Sign of the Four“, 1890).

Die Autoren nutzen auch über solche Anspielungen hinaus typische Elemente der Doyle’schen Kurzgeschichten. Wie im Original nimmt Dr. Watson als bewundernder Freund des großen Detektivs und als mitfühlender Mensch die Leser erzählend an die Hand, um sie durch das Geschehen zu führen. Er zeigt sich lange nicht so begeistert darüber, Tatorte oder Leichen zu untersuchen, wie Sherlock Holmes, der in einem Kriminalfall nur das Vergnügen der intellektuellen Herausforderung und keine Opfer oder Schäden sieht. Die fantastischen Elemente schleichen sich erst nach und nach über Indizien in den Text ein, so dass die Reise nach Atlantis nur folgerichtig und nicht krude erscheint. Dort angekommen bleiben sich die Charaktere weiterhin treu. Watson empfindet neben offensichtlichem Heimweh nach London und seiner Frau Bewunderung und Begeisterung für den Unterwasserstaat, während Holmes zwar interessiert ist, sich aber dennoch ganz auf die Lösung des Falles konzentriert. Außerdem ist Holmes die Anwesenheit der weiblichen atlantischen Detektive lästig. Er bleibt misstrauisch, während Watson mit den Frauen gut zurechtkommt und sich wie üblich wundert, wie unempfänglich Holmes für weibliche Reize ist. Die Charaktere sind also hervorragend getroffen.

Darüber hinaus ist der Doktor über lange Strecken des Buches hungrig und müde. Sein durch Holmes‘ unermüdliche Jagd häufig vereitelter Wunsch nach einer guten Mahlzeit wird zum Running Gag und lässt Watson gleichzeitig sehr viel menschlicher erscheinen, als die Denkmaschine Holmes, der während der Arbeit an einem Fall kaum Schlaf oder Nahrung nötig hat. Auch bei den knappen Dialogen zwingt ein leiser unaufdringlicher Witz den Leser immer wieder zum Schmunzeln – wenn z. B. Watson sich schließlich von Atlantis fasziniert bei Holmes für seine Betäubung und die Zwangsmitnahme im U-Boot bedankt und dieser ihm antwortet: „Es war mir, wie stets, ein Vergnügen, Watson.“

„Sherlock Holmes taucht ab“ ist daher eine respektvolle Verneigung vor dem Doyle’schen Original, an dem man auch als konservativer Sherlockianer von der ersten bis zur letzten Seite Vergnügen hat. Die fantasievollen Illustrationen von Peter Wall bereichern das Werk zusätzlich. Auffällig ist auch die gute Verarbeitung des Taschenbuches. Der Umschlag ist stabil, das Papier dick und griffig. Selbst nach mehrmaligem Lesen haben sich keine Seiten gelöst. Daher wird der Leser an diesem Buch aus dem kleinen Fabylon Verlag auch nach Jahren noch Freude haben.

|Taschenbuch: 200 Seiten
978-3927071766|
http://www.fabylon-verlag.de

Friedman, Celia – Seelenkriegerin, Die (Magister-Trilogie 3)

Die Magister-Trilogie:

Band 1: „Die Seelenjägerin“
Band 2: „Die Seelenzauberin“
Band 3: „Die Seelenkriegerin“

Siderea Aminestas ist mit ihrer Konjunkta so weit nach Süden geflohen, dass sie quasi komplett von der Landkarte verschwunden ist. In einer kleinen Wüstenstadt hat sie sich eine neue Basis geschaffen, und sinnt nun auf Rache an den Magistern. Der Erste, den ihre Rache treffen soll, ist Colivar.

Colivar ist sich dieser Tatsache durchaus bewusst. Doch trotz all seiner Bemühungen und der seiner Magister-Kollegen ist die Hexenkönigin unauffindbar. In Colivar keimt ein Verdacht, und so bittet er Kamala um Hilfe.

Kamalas Suche scheint tatsächlich Erfolg zu haben. Allerdings ist Siderea währenddessen nicht untätig geblieben …

Neue Charaktere tauchen in diesem dritten Band kaum noch auf. Der einzig nennenswerte ist Nasaan, ein Wüstenkrieger. Zwar ist er gut und lebendig gezeichnet, nach seiner Rolle zu Beginn des Buches rückt er jedoch ziemlich an den Rand des Geschehens.

Wesentlich interessanter ist dagegen die Entwicklung Colivars, der sich im Laufe des Buches, je mehr seine Geheimnisse aufgedeckt werden, vom kalten, arroganten Unmenschen zu einem zerrissenen, verzweifelten Mann entwickelt. Sehr gelungen.

Nyuku dagegen gehörte zu denjenigen Charaktere, die nicht vertieft oder weiterentwickelt wurden, was ich fast ein wenig schade fand.

Die Handlung lässt sich diesmal wieder etwas mehr Zeit als in Band zwei. Bis Colivar Kamala um Hilfe gebeten hat und ihre Bemühungen erste Erfolge zeigen, vergehen fast zweihundert Seiten, und dann besteht der Erfolg zunächst in einem eher kleineren Scharmützel. Auch die Ereignisse in Tefilat könnte man mit diesem Begriff beschreiben. Und im Gegensatz zum zweiten Band verläuft die Spannungskurve hier nicht insgesamt stetig nach oben.

Was den Leser dennoch bei der Stange hält, sind die kleinen Überraschungen, die mit den einzelnen Scharmützeln verbunden sind. Celia Friedman versteht es immer wieder, ihre Erzählung in unerwartete Richtungen umzulenken, oder den Leser für die nachlassende Spannung mit kleinen interessanten Informationsbröckchen zu entschädigen.

Auf diese Weise baut die Autorin im Verlauf der Geschichte immer mehr Hintergrundaspekte weiter aus. Das gilt für die Historie der Welt ebenso wie für ihren Entwurf der Magie und der Ikati. Dabei wirken die Erweiterungen zu keiner Zeit bemüht oder gekünstelt, sondern fügen sich wie selbstverständlich in die bereits bekannten Teile ein. Das gilt auch für die Präsentation der Informationen. Jede Aufdeckung eines neuen Details hat eine glaubhafte und logische Ursache. Ich musste mich niemals fragen, warum eine Information gerade zu diesem Zeitpunkt auftauchte. Vor allem aber war jede Neuigkeit eine faszinierende Facette in einem interessanten, gut durchdachten Gesamtzusammenhang. Ebenfalls sehr gelungen.

Nach einer Menge unvorhersehbarer Wendungen, enthüllter Geheimnisse und neuer Erkenntnisse ist es etwa hundert Seiten vor Schluss dann doch so weit: der Showdown beginnt. Und auch hier ist es der Autorin wieder gelungen, mich zu überraschen. Dass nicht alles so läuft wie geplant, hatte ich erwartet. Aber nicht das, was letztlich geschieht. Das war einerseits erfrischend, andererseits kann ich nicht sagen, dass ich genauso feuchte Hände gehabt hätte wie bei der „Seelenzauberin“. Trotz der Komplikationen verlief die Auflösung der Situation dann doch recht glatt, auf ebenso unvorhergesehene Weise, wie sich die Komplikation eingestellt hat. Und obwohl ich nicht hätte vorhersagen können, zu welchem Ende die Bemühungen der Beteiligten letztlich führen würden, wollte echte Spannung nicht so recht aufkommen. Ich hatte zu keiner Zeit das Gefühl, die Situation könnte in eine Katastrophe führen, weder in Bezug auf den Gesamtzusammenhang, noch im Hinblick auf einzelne Charaktere wie Salvator oder Colivar.

So war der dritte Band zwar spürbar anders gewichtet als der Zweite, er gefiel mir aber genauso gut.

Insgesamt fand ich den gesamten Zyklus lesenswert. Man braucht ein wenig Geduld, bis die Geschichte in Fahrt kommt, sie bietet aber durchaus einiges an Spannung, und außerdem so viele Geheimnisse und Rätsel, eine so interessante und sauber abgestimmte Basis und so viele verschiedene, faszinierende und lebendige Charaktere, dass es auch in den spannungsärmeren Passagen niemals langweilig wird.

Celia Friedman hat lange als Kostümbildnerin gearbeitet, ehe sie sich gänzlich dem Schreiben zuwandte. Zunächst schrieb sie Science-Fiction, später auch Fantasy. Aus ihrer Feder stammen neben der Magister-Trilogie der Coldfire-Zyklus sowie der Zweiteiler Alien Shores und weitere Einzelromane. Allerdings wurden nicht alle ihre Bücher ins Deutsche übersetzt.

Taschenbuch: 553 Seiten
Originaltitel: |Legacy of Kings|
Deutsch von Irene Holicki
ISBN-13: 978-3492268998

//www.csfriedman.com
http://www.piper-verlag.de

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,33 von 5)

Briggs, Patricia – Aralorn – Der Verrat (Sianim 5)

_|Sianim|-Reihe:_

Band 1: [„Aralorn – Die Wandlerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8042
Band 2: „Steal the Dragon“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „When Demons Walk“ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: „The Hob’s Bargain“ (noch ohne dt. Titel)
Band 5: _“Aralon – Der Verrat“_

Mit „Der Verrat“ veröffentlicht Bastei Lübbe nun direkt den fünften Band der „Sianim“-Reihe von Patricia Briggs. Die Geschichte ist schon etwas älter und gehört zu den ersten Gehversuchen der Autorin im Fantasygenre. Bekannt ist sie eigentlich für ihre Werwolfromane um die Skinwalkerin Mercy Thompson – allerdings zu Unrecht. Mit Aralorn hat sie eine pfiffige Heldin geschaffen, die sich hinter Mercy nicht verstecken muss.

Im ersten Band der Reihe, [„Aralorn – Die Wandlerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=8042 , hat Briggs den Leser mit der jungen Söldnerin Aralorn bekannt gemacht, die ihren Lebensunterhalt mit Spionage verdient. Ihre Gabe, grüne Magie zu nutzen und sich in Tiere zu verwandeln, ist ihr dabei sehr hilfreich. Doch sie ist nicht die Einzige, die diese Gabe besitzt: Auch Wolf, ihr Freund und Reisebegleiter, kann sich verwandeln. Da er der Sohn des toten Schwarzmagiers Geoffrey ae’Magi ist, muss er allerdings viel Zeit in seinem Wolfskörper verbringen, da ihm nicht jeder friedlich gesinnt ist. Manchmal hat man allerdings das Gefühl, das ist dem brummigen Einzelgänger gar nicht so unrecht.

Als Aralorn in ihre Heimat Lammfeste gerufen wird, ist Wolf gerade mal wieder abgetaucht. Dabei könnte sie eine Stütze gebrauchen, denn der Anlass, weshalb sie in ihre Heimat zurückkehrt, ist traurig: Ihr Vater ist gestorben. Doch als Aralorn vor dem aufgebahrten Toten steht, merkt sie, dass er gar nicht tot ist. Ein schwarzer Zauber hält ihn gefangen und lässt ihn wie einen Verstorbenen aussehen.

Zum Glück taucht Wolf wieder auf. Er weiß einiges über die schwarzen Künste, aber auch er kann nicht erklären, was in der Feste vor sich geht. Aralorn braucht eine Weile, um zu erkennen, wer gegen und wer für sie arbeitet – und dass nicht nur ihr Vater in Gefahr ist …

_“Aralorn – Der Verrat“_ ist ein charmantes Fantasybuch für ein eher jüngeres Publikum, das vor allem von seinen Hauptfiguren lebt. Aralorn ist ein junges, freches Mädchen, das trotz ihrer geringen Körpergröße immer Oberwasser hat und mit einem wachen Verstand gesegnet ist. Wolf hingegen ist schweigsam, introvertiert und zynisch. Gemeinsam ergeben die beiden ein unschlagbares Duo, dessen Dialoge häufig sehr humorvoll sind.

Dies führt dazu, dass das Buch einen gewissen, heiteren Unterton hat, den man in Fantasybüchern sonst selten so liest. Die Autorin setzt ansonsten auf einen leicht verständlichen, jugendgerechten Wortschatz, der aber nie simpel wirkt. Sie setzt diese einfache Sprache so geschickt ein, dass das Buch auch erwachsene Leser nicht langweilen dürfte.

Dafür gibt es auch keinen Grund. Patricia Briggs bleibt die gesamte Geschichte über sehr nahe an der Haupthandlung. Nebenhandlungen führen meistens zu dieser zurück, sie schweift nur selten ab. Dies macht sich im straffen Erzähltempo bemerkbar und der Tatsache, dass die Spannung nur selten nachlässt. Überraschend ist auch die Komplexität der Story. Stellenweise hat das Buch fast etwas von einem Krimi. Die Autorin führt die Leser lange an der Nase herum, wer denn nun an dem Fluch, der auf Aralorns Vater lastet, schuld ist. Alles Rätselraten hilft nicht und doch ist die Auflösung nachvollziehbar und authentisch.

_Die Handlung ist definitiv_ eine der größten Stärken des Buchs, das auch in anderen Belangen überzeugt. Der Schreibstil ist für Fantasy ungewöhnlich und gibt der Geschichte eine eigene Note. Die Hauptfiguren und auch die Nebenfiguren sind lebendig und gut gezeichnet – „Aralorn – Der Verrat“ lässt keine Wünsche offen.

|Taschenbuch, 365 Seiten
Originaltitel: Wolfsbane
Deutsch von Michael Neuhaus
ISBN-13: 978-3-404-20687-2|
http://www.luebbe.de
http://www.patriciabriggs.com

_Weitere Bücher von Patricia Briggs bei |Buchwurm.info|:_
[„Drachenzauber“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3933
[„Rabenzauber“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4943

_Alpha & Omega:_
Band 1: [„Schatten des Wolfes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5926
Band 2: [„Spiel der Wölfe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6851

_Mercy-Thompson-Serie:_
Band 1: [„Ruf des Mondes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4490
Band 2: [„Bann des Blutes“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5091
Band 4: [„Zeit der Jäger“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6250
Band 5: [„Zeichen des Silbers“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6976
Band 6: [„Siegel der Nacht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7470

Robert Jackson Bennett – Silenus

Eigentlich sucht George seinen Vater. Als er ihn findet, wird er in dessen Theatergruppe aufgenommen, die nach Feierabend die Apokalypse verhindert; es schließen sich gefährliche Abenteuer im Diesseits und anderen Welten an … – Es gibt sie also noch: Autoren für „Urban Fantasy“, die ein fantasiereiches Garn nicht ohne Längen und Klischees aber ohne kussfeste Vampire oder rollige Werwölfe spannend über die volle Seitendistanz bringen.
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Trudi Canavan – Die Königin (Sonea 3)

Sonea

Band 1: Die Hüterin“
Band 2: Die Heilerin“
Band 3: „Die Königin“

Lorkin konnte die Verräterinnen tatsächlich überreden, ihn gehen zu lassen. Aber kaum ist er zurück in Arvice, läßt König Amakira ihn festsetzen. Da Dannyls Versuche, ihn loszueisen, keinen Erfolg zeigen, beschließt die Gilde, Sonea nach Sachaka zu schicken. Doch Lorkins Befreiung ist nicht ihre einzige Aufgabe …

Cery hat Skellin inzwischen kaum noch etwas entgegenzusetzen. Wohl oder übel flieht er in die Tunnel unter der Gilde. Aber noch immer ist er nicht bereit aufzugeben, statt dessen plant er, Skellin eine Falle zu stellen.

An der Charakterzeichnung hat sich, abgesehen davon, dass Lorkin etwas selbstbewusster geworden ist, nicht viel getan. Durch die Spannungen aufgrund Lorkins Aufenthalt bei den Verräterinnen ist Dannyl in Bezug auf Ashaki Achati ein wenig in die Zwickmühle geraten, und auch um Sonea entwickelt sich ein Hauch von Romantik. Letztlich bleibt es jedoch, wie schon bei Lorkin und Tyvala, bei einem Hauch. Wirklich tragfähig war das alles nicht.

Folglich musste die Handlung den Leser ganz allein bei der Stange halten. Leider ist auch das nicht so ganz geglückt. Das liegt daran, daß alles sich nur sehr langsam entwickelt.

Der Strang um Cery ist kurzzeitig interessant, bis er und seine Begleiter Gol und Anyi die Tunnel unter der Gilde erreichen. Dann geht es erst einmal seitenlang darum, wie die drei, teilweise mit Lilias Hilfe, das Notwendigste für einen längeren Aufenthalt besorgen. Erst als Cery anfängt, über eine Falle für Skellin nachzudenken, wird es etwas interessanter, aber auch hier tut sich erst mal wenig. Ich hatte größere Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Zutaten für die Falle erwartet. Erst, als der Zeitpunkt gekommen ist, sie zuschnappen zu lassen, zieht hier die Spannung an.

Soneas Strang bietet überhaupt keine Spannung. Ihre Reise verläuft quasi vollständig ereignislos bis Arvice, das kurze Treffen hinter der Grenze am Rand der Gebirge, hat auf die eigentliche Geschichte überhaupt keine Auswirkungen.

Das gilt zunächst auch für die Ereignisse um Lorkin. Was im Gefängnis geschieht, ist zwar grausam, aber nicht im geringsten spannend, weil Lorkin selbst zu keiner Zeit in Gefahr ist. Erst als die Verräterinnen wieder mehr ins Zentrum des Geschehens rücken, zieht der Spannungsbogen an und wirkt sich durch Achatis Warnung an die Bewohner des Botschaftshauses sogar ein wenig bis dorthin aus.

Bis der Leser so weit ist, hat er allerdings bereits gut zwei Drittel des Buches gelesen. Schade nur, daß das bißchen Spannung, das sich bis dahin entwickelt hat, vollkommen wirkungslos verpufft. Denn die Auflösung der brenzligen Situationen erfolgt beinahe spielerisch. Ganz plötzlich sind sämtliche Probleme behoben, quasi mit einem Fingerschnipsen. Der Kampf in Arvice ist für die Sieger ein Spaziergang! Keinerlei ernstzunehmende Hinterhalte, und auch die Bedrohung innerhalb der letztlich siegreichen Truppen löst sich sozusagen von selbst in Luft auf, versandet einfach. Die Ereignisse in Imardin sind sogar innerhalb eines einzigen Absatzes erledigt.Keinerlei Komplikationen, keinerlei unvorhergesehene Wendungen. So einfach war es, dass ich mich regelrecht betrogen fühlte. So einfach, dass es schon unlogisch war.

Selbst wenn den magischen Ringen mehr Raum gelassen worden wäre als lediglich eine Aufzählung, wie sie auf die verschiedenen Taschen einer Weste verteilt wurden, hätte dieser Aspekt das Ganze nicht mehr retten können. Dazu kommt, dass am Ende ein ganzer Haufen loser Fäden übrig ist. Was ist zum Beispiel mit Bokkin? Wenn er ein neuer Regin sein sollte, hat er ziemlich kläglich versagt. Wenn nicht, was sollte er dann sein? Letztlich hatte sein Auftritt keinerlei Auswirkungen auf die Ereignisse. Und was ist mit den Ichani? Die Verräter haben sich jahrhundertelang verborgen. Das mag noch angehen, wenn man nur die Ashaki berücksichtigt, die in der Regel dort wohnten, wo das Land fruchtbar war. Die Ichani dagegen lebten auch in den Bergen und im Ödland, schließlich waren sie Ausgestoßene. Wie kann es sein, dass Ichani und Verräterinnen sich nie in die Quere kamen? Es hat sich auch keiner der Ichani blicken lassen, als es in Sachaka zum Kampf kam. Keiner von ihnen hat versucht, daraus Kapital zu schlagen.

Unterm Strich muss ich sagen, ich war von dieser neuen Trilogie um Sonea sehr enttäuscht. Die ältere Sonea ist bei Weitem kein so faszinierender Charakter mehr wie die junge, und selbst wenn sie es wäre, hätte die Geschichte durch die vielen zusätzlichen Handlungsstränge davon kaum profitiert. Das gilt auch für Cery. Und keiner der Neuzugänge war ein adäquater Ersatz für Akkarin. Der neue Aspekt der magischen Steine wurde zu stiefmütterlich behandelt, um sein Potential voll ausschöpfen zu können. Vor allem aber zeichneten alle drei Bände sich dadurch aus, dass sie mit einer Menge Nebensächlichkeiten überfrachtet waren, die die Entwicklung der eigentlichen Handlung ausbremsten und für jede Menge Durchhänger sorgten. Und wenn schon Romanzen in eine Geschichte einfließen, dann sollten sie auch etwas Herzblut enthalten und nicht nur ein blasses Gespenst am Rande sein.

Dass die Autorin es besser kann, hat sie bereits bewiesen. Deshalb werde ich ihrem nächsten Zyklus wohl eine Chance geben. Sollte Trudi Canavan allerdings tatsächlich, wie auf ihrer Homepage erwähnt, noch einmal weitere Bände über Sonea und die schwarzen Magier veröffentlichen, werde ich darauf wohl lieber verzichten.

Trudi Canavan stammt aus Australien, wo sie nach einem Studium am Melbourne College of Decoration als Designerin, Illustratorin und Kartenzeichnerin für verschiedene Verlage tätig war, ehe sie zu schreiben begann. 1999 gewann sie mit ihrer Kurzgeschichte „Whispers of the Mist Children“ den Aurealis Award for Best Fantasy Short Story. 2001 erschien dann ihr erster Roman, der erste Band der Trilogie Die Gilde der schwarzen Magier. Ihre Trilogie Das Zeitalter der Fünf ist inzwischen ebenfalls auf Deutsch erhältlich. Derzeit schreibt die Autorin an ihrem neuen Zyklus Millennium’s Rule.

Gebundene Ausgabe 603 Seiten
Originaltitel: The Traitor Spy 3 – The Traitor Queen
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-764-53043-3

http://www.trudicanavan.com/
http://www.randomhouse.de/penhaligon/index.jsp

Der Autor vergibt: (3.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (5 Stimmen, Durchschnitt: 1,40 von 5)

Gene Wolfe – Der fünfte Kopf des Zerberus. Drei SF-Novellen

Unter Gestaltwandlern, Träumern und Klonen

Schauplatz ist ein fernes Sonnensystem, das aus zwei Planeten besteht, die von französischen Aussiedlern kolonisiert wurden. Die Franzosen rotteten die Aborigines auf Sainte Anne aus, die wahrscheinlich Gestaltwandler waren, und errichteten auf den zwei Welten unterschiedliche Herrschaftssysteme, die sich misstrauisch bis feindlich gegenüberstehen.

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Richard Schwartz – Der Falke von Aryn

Lorentha ist nicht glücklich über ihre Rückkehr nach Aryn, und das liegt nicht nur daran, dass ihr Vertrag bei der Garde wohl nicht verlängert werden wird. Ihre Erinnerungen an diese Stadt sind nicht gerade positiv, und ihr Vorhaben, den Mord an ihrer Mutter aufzuklären, rührt genau an diesen Erinnerungen.

Als wäre das noch nicht schlimm genug, wird sie, kaum dass sie das Schiff verlassen hat, zum Gouverneur zitiert, der ihr eröffnet, sie müsse zusammen mit einem manvarischen Adligen den Diebstahl des wertvollsten Artefakts der Stadt, des Falken der Göttin Isaeth, aufklären und dafür zunächst einmal einen dieser verhaßten Adelsbälle besuchen …!

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Howard, Robert E. – Blut Belsazars, Das

_Inhalt:_

In zwei Storys und einem Fragment schildert Autor Howard die Abenteuer des irischen Glücksritters Cormac Fitzgeoffrey im Palästina der Kreuzfahrerzeit.

– Joachim Körber: Vorbemerkung zur Edition, S. 7-9

– |Die Falken von Outremer| (Hawks of Outremer, 1931), S. 11-58: Der 3. Kreuzzug endete 1192 mit einem Patt. Die christliche Rückeroberung „Outremers“ – der vier Kreuzfahrerstaaten Jerusalem, Antiochia, Edessa und Tripolis im Palästina „jenseits des [Mittel-] Meeres“ – ist misslungen. Der endgültige Siegeszug des Sultans Saladin, Anführer der sarazenischen Heerscharen, konnte von Richard Löwenherz immerhin verhindert werden. Es herrscht ein labiler Waffenstillstand, der von beiden Seiten immer wieder gebrochen zu werden droht.

In dieses Land des ständigen Aufruhrs kehrt Cormac Fitzgeoffrey zurück. Im heimischen Irland ist dem ständig in Fehden verstrickten Krieger der Boden zu heiß geworden. Außerdem gilt es, in Palästina noch eine Ehrenschuld zu tilgen: Während des Kreuzzuges hatte Cormac dem Ritter Gerard Gefolgschaft gelobt, der wachsam im Orient zurückgeblieben ist. Inzwischen wurde er vom Verräter Scheich Nureddin getötet. Cormac macht sich zu dessen Burg El Ghor auf, um den Ritter zu rächen …

– |Das Blut Belsazars| (The Blood of Belshazzar, 1931), S. 59-104: Cormac will sich dem Räuberhauptmann Skol Abdhur anschließen, um Lösegeld für einen von den Sarazenen gefangenen Kameraden aufzubringen; in der Banditen-Burg Bab-el-Shaitan, dem „Tor des Teufels“, gerät er in eine mörderische und schwarzmagische Verschwörung …

– |Die Sklavenprinzessin| (The Slave Princess, 2003) [Fragment], S. 105-140: Mit seinem Freund, dem Ritter Amory, heckt Cormac einen gewagten Plan aus: Das Sklavenmädchen Suleika ähnelt der vor drei Jahren entführten Prinzessin Zalda so sehr, dass die Freunde sie ihrem Bräutigam Suleiman Bey für viel Geld übergeben wollen …

– |Die Sklavenprinzessin| (The Slave Princess, 2003) [Synopse], S. 141-146:

– Christian Endres: Nachwort, S. 147-156

– Nachweise, S. 157

_Niemals denken, immer handeln_

Robert E. Howard wurde bekannt als Schöpfer schwertschwingender Barbaren, die in mythischen Vorzeiten Schwerter und Äxte schwangen. Krieger wie Conan, Kull oder Solomon Kane bekamen es dabei immer wieder mit Zauberern, Ungeheuern, lebenden Leichen und anderen gruseligen Geschöpfen zu tun. Die Kombination aus Fantasy und Horror war schon in den 1930er Jahren beliebt – beliebter jedenfalls als die in ein historisch (vergleichsweise) akkurates Umfeld verorteten Abenteuergeschichten, die Howard trotz zeitaufwendigerer Recherchen viel lieber schrieb, wie uns Christian Endres in seinem informativen Nachwort zu dieser schmalen aber feinen Sammlung berichtet.

Howard musste von seiner Feder leben, und die „Pulp“-Magazine seiner Zeit zahlten notorisch schlecht. Da sie praktisch die einzigen Abnehmer für Storys darstellten, mussten die Autoren sich dem kaufenden Publikum anpassen, wenn sie regelmäßig gedruckt werden wollten. Auch Howard schrieb, was sich verkaufte. Als geborener Geschichtenerzähler fand er meist trotzdem einen Dreh, sein Steckenpferd zu reiten.

1931 hatte Howard Glück: Für das Magazin „Oriental Stories“ konnte er der Liebe zur Vergangenheit auf seine ganz besondere Weise huldigen. Er wählte das Palästina der Kreuzfahrerzeit als Bühne – ein kluger und für Howard naheliegender Entschluss. Für ihn stellte der kriegerische Konflikt innerhalb verschwindender und verschwimmender Grenzen den idealen Nährboden für seine buchstäblich überlebensgroßen Helden dar. Cormac Fitzgeoffrey ist selbst in seiner rauen mittelalterlichen Welt ein Außenseiter. Er schlug sogar dem König Richard Löwenherz – kein Mann, der für Geduld oder Toleranz bekannt war – die angebotene Ritterwürde aus. Cormac ist Individualist durch und durch sowie ausschließlich seinem eigenen, simpel strukturierten, recht verqueren Ehrenkodex verpflichtet. Kurioserweise ist er darin ritterlicher als die meisten echten Ritter: Howard unterschlug keineswegs das heuchlerische Element der Kreuzzüge, deren Teilnehmer unter dem Deckmantel der christlichen Mission mordeten, plünderten und sich untereinander befehdeten.

|Von Schlachtfeld zu Schlachtfeld|

In solche Machtspiele lässt sich Cormac nicht ziehen. Dabei ist er konsequent. In „Die Falken von Outremer“ muss er ’nur‘ Irland, England und die meisten festlandeuropäischen Reiche meiden, weil er sich dort unversöhnliche Feinde geschaffen hat. Nachdem er einen verräterischen aber leider gut im Adel vernetzten Ritter tötet, ist er bald auch in Palästina verfemt. Die Sarazenen hassen ihn ohnehin, da er sie während des 3. Kreuzzuges ausgiebig gezüchtigt hat.

Doch Cormac ist ein Mensch des Augenblicks. Er schaut höchstens im Suff und nie sentimental zurück und lebt ansonsten in der Gegenwart. An die Zukunft verschwendet er kaum einen Gedanken, was angesichts seines Lebenswandels logisch erscheint. Cormac ist im Hinblick auf seinen stets drohenden Tod ein Stoiker, da er ein friedliches Leben nie kennengelernt hat. Dazu passt, dass er Frauen tunlichst meidet, da er ihre kriegstugendaufweichenden Eigenschaften fürchtet und sich darin in „Das Sklavenmädchen“ durch das Beispiel seines Gefährten Amery bestätigt sieht. Der lässt einen lukrativen Menschentausch durch die plötzlich aufflackernde Liebe zum weiblichen Objekt dieses Handels scheitern (worauf ihn Cormac in einem Wutanfall beinahe erwürgt).

In diesem Klima darf sich Cormac zu Hause fühlen. Seit einem Jahrhundert toben die Auseinandersetzungen zwischen muslimischen Sarazenen und christlichen Kreuzzüglern. Beide Parteien werden von religiösen Zielen fanatisiert; die ‚heilige‘ Stadt Jerusalem ist das ständig umkämpfte Symbol dieses Konfliktes. Städte werden erobert, wieder geräumt und zurückerobert. Grausamkeiten im Namen des jeweiligen Gottes sind an der Tagesordnung. Ständige Unsicherheit ist die einzige Konstante.

|Bunter & böser als im Leben|

Dies ist wie gesagt ein Klima, in der Cormac aufblüht – und Robert E. Howard seine ungestüme Wortgewalt entfesselt. Dabei geht es ihm wiederum um den Effekt. Nicht nur Kampfszenen werden in knochenkrachenden Zeitlupen zelebriert. Auch die Figurenzeichnung ist Teil der Handlung und ihr unbedingt unterworfen. Das trug Howard den Vorwurf ein, Rassist zu sein. Cormac trifft immer wieder auf sehnige, hakennasige, dunkelhäutige Araber mit eng beieinanderstehenden, funkelnden Augen: Klischees, die heute dem Bannstrahl (angeblich) politisch korrekten Denkens anheimfallen.

Allerdings schrieb Howard seine Geschichten in den diesbezüglich wenig zimperlichen 1930er Jahren. Er ist ein Kind der Zeit und in den Magazinen in einem Umfeld, in dem er keine Ausnahme, sondern die Regel darstellt. Kritiker übersehen außerdem gern, dass Howard seine Helden zwar schlagkräftig aber lernfähig schilderte. Cormac ist kein ‚Übermensch‘, sondern psychisch geprägt durch seine Lebensgeschichte. In „Das Blut Belsazars“ kommt es zu einem Moment der Selbstreflexion, der Cormac mit Scham erfüllt – und dies geschieht ausgerechnet in der Begegnung mit dem Sarazenen-Herrscher Saladin, den Howard als kultivierten und weisen Mann charakterisiert.

Abenteuerlich soll es zugehen, und Howard gibt seinen Lesern, was sie wollen. Natürlich ist er kein Literat; ihn nach entsprechenden Maßstäben zu beurteilen, wäre ungerecht. Howard ist ein ungezügeltes Talent, das nie die Zeit hatte zu reifen. Das Ungestüme verleiht seiner Prosa freilich einen Schwung, der sie bis heute lesenswert erhielt. Nur wenige Zeilen genügen Howard, um einen Schauplatz nicht einfach zu beschreiben, sondern ihn stimmungsvoll zu inszenieren. Dabei ist er über ‚echte‘ Fantasy-Elemente keineswegs erhaben. Unter dem „Tor des Teufels“ stößt Cormac auf die Relikte einer vorzeitlichen Kultur, die sehr an H. P. Lovecraft erinnert, mit dem Howard eine langjährige Brieffreundschaft verband. Beide Autoren ‚borgten‘ gern Grusel-Gottheiten voneinander aus: ein Insider-Spaß.

|Cormac kehrt zurück|

Diese deutsche Erstausgabe der Cormac-Storys schließt eine Lücke in der Fantasy-Historie. Was einst für den Verbrauch produzierter „Pulp“ war, wird heute sorgfältig ediert, übersetzt und gedruckt. Howard schrieb im Wettlauf mit dem Gerichtsvollzieher (um es bildlich auszudrücken). Die dabei zu Papier gebrachten Worte werden heute auf die Goldwaage gelegt und möglichst originalgetreu übernommen. In Howards Fall ist dies von besonderer Bedeutung, wie im Vor- und Nachwort erläutert wird: Nach seinem frühen Tod hinterließ Howard zahlreiche Entwürfe und halbfertige Manuskripte, die nach seiner Wiederentdeckung als Genre-Pionier in den 1950er und 60er Jahren von anderen Autoren ‚vervollständigt‘ wurden. Diese waren sicher guten Willens, aber mit Howard konnten sie es in der Regel weder formal noch inhaltlich aufnehmen.

Auch Cormac Fitzgeoffrey blieb dieses Schicksal nicht erspart. Richard L. Tierney nahm sich der Story „Das Sklavenmädchen“ an, die Herausgeber Joachim Körber authentisch in der unvollendeten Fassung druckt; wie die Geschichte ausgehen sollte, geht aus einer Synopse hervor, die Howard selbst angefertigt hat. Das Manuskript legte er, der Profi, beiseite, als sich abzeichnete, dass er mit anderen Geschichten besser verdienen konnte.

Sorgfältig übersetzt, informationsreich kommentiert und schön als Paperback in Klappenbroschur gedruckt, verdient „Das Blut Belzasars“ einen Ehrenplatz im Regal des Lesers & Sammlers. Nur in einem Punkt sei sachte Kritik gestattet: Das Cover-Layout sollte der Herausgeber besser denen überlassen, die wissen, wie man so etwas macht …

_Verfasser_

Robert Ervin Howard wurde am 22. Januar 1906 in Peaster, einem staubigen Flecken irgendwo im US-Staat Texas, geboren. Sein Vater, ein Landarzt, zog mit seiner kleinen Familie oft um, bis er sich 1919 in Cross Plain und damit im Herzen von Texas fest niederließ. Robert erlebte nach eigener Auskunft keine glückliche Kindheit. Er war körperlich schmächtig, ein fantasiebegabter Bücherwurm und damit der ideale Prügelknabe für die rustikale Landjugend. Der Realität entzog er sich einerseits durch seine Lektüre, während er sich ihr andererseits stellte, indem er sich ein intensives Bodybuilding-Training verordnete, woraufhin ihn seine Peiniger lieber in Frieden ließen: Körperliche Kraft bedeutet Macht, der Willensstarke setzt sich durch – das war eine Lektion, die Howard verinnerlichte und die seine literarischen Helden auszeichnete, was ihm von der Kritik lange verübelt wurde; Howard wurden sogar faschistoide Züge unterstellt; er selbst lehnte den zeitgenössischen Faschismus ausdrücklich ab.

Nachdem er die Highschool verlassen hatte, arbeitete Howard in einer langen Reihe unterbezahlter Jobs. Er war fest entschlossen, sein Geld als hauptberuflicher Autor zu verdienen. Aber erst 1928 begann Howard, auf dem Magazin-Markt Fuß zu fassen. Er schrieb eine Reihe von Geschichten um den Puritaner Solomon Kane, der mit dem Schwert gegen das Böse kämpfte. 1929 ließ er ihm Kull folgen, den König von Valusien, dem barbarischen Reich einer (fiktiven) Vorgeschichte, 1932 Bran Mak Morn, Herr der Pikten, der in Britannien die römischen Eindringlinge in Angst und Schrecken versetzte. Im Dezember 1932 betrat Conan die literarische Szene, ein ehemaliger Sklave, Dieb, Söldner und Freibeuter, der es im von Howard für die Zeit vor 12000 Jahren postulierten „Hyborischen Zeitalter“ bis zum König bringt.

Die Weltweltwirtschaftskrise verschonte auch die US-amerikanische Magazin-Szene nicht. 1935 und 1936 war Robert E. Howard dennoch in allen wichtigen US-Pulp-Magazinen vertreten. Er verdiente gut und sah einer vielversprechenden Zukunft entgegen, korrespondierte eifrig und selbstbewusst mit Kollegen und Verlegern und wurde umgekehrt als noch raues aber bemerkenswertes Erzähltalent gewürdigt.

Privat litt Howard an depressiven Schüben. Hinzu kam eine enge Mutterbindung. Als Hester Ervin Howard 1935 an Krebs erkrankte und dieser sich als unheilbar erwies, geriet ihr Sohn psychisch in die Krise. Im Juni 1936 fiel Hester ins Koma, am 11. des Monats war klar, dass sie den Tag nicht überleben würde. Als Howard dies realisierte, setzte er sich in seinen Wagen und schoss sich eine Kugel in den Kopf. Er war erst 30 Jahre alt. Sein umfangreiches Gesamtwerk geriet in Vergessenheit, bis es in den 1950er und 60er Jahren wiederentdeckt wurde und nie gekannte Bekanntheitsgrade erreichte, was seinen frühen Tod als doppelten Verlust für die moderne Populärkultur erkennbar macht.

|Paperback/Klappenbroschur: 157 Seiten
Übersetzung: Joachim Körber
ISBN-13: 978-3-937897-52-3|
http://www.edition-phantasia.de

_Robert E. Howard bei |Buchwurm.info|:_
[„Das Ungeheuer aus dem Sumpf“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5620

King, Stephen – Wind (Der Dunkle Turm VIII)

|Der Dunkle Turm|

Band 1: [Schwarz 5661
Band 2: [Drei 5839
Band 3: [tot. 5864
Band 4: [Glas]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6034
Band 5: [Wolfsmond 153
Band 6: [Susannah 387
Band 7: [Der Turm 822

_Bereits 2009 gestand Stephen King_, sich auch in Zukunft um sein Lebenswerk, den „Dunklen Turm“, zu kümmern. Die Geschichte sei „noch nicht beendet“ und nur Teil eines langen „Über-Romans“. Er wollte sich bei der Fortsetzung allerdings auf Nebencharaktere konzentrieren. Nähere Einzelheiten zum Was, Warum und vor allem Wann nannte er nicht, und so vergingen die Jahre und die treue Anhängerschaft verblieb im Dunkeln. Ohne größere Vorankündigung ließ Stephen King dann ein Lebenszeichen von sich und von seinem Turm-Zyklus hören, der „Wind“ kam durch das Schlüsselloch, ein neuer Teil des „Dunklen Turms“ war geboren.

Zu Recht muss sich Stephen King die Frage gefallen lassen, ob ein weiterer Band des Turms denn nötig gewesen ist. Denn entweder, er wollte mit der Lizenz und der ganzen von ihm erschaffenen Welt noch einmal verdienen, oder er konnte sich von seinem Lebenswerk einfach nicht trennen. Befasst man sich näher mit Stephen King, muss man zweifellos letztere Option in Betracht ziehen. Für ihn war „Der Dunkle Turm“ das wichtigste Werk seines Lebens, etwas, um das sich alles andere drehte, und in seiner Epik stellt es sogar den „Herrn der Ringe“ in den Schatten. Er hat im Turm-Zyklus frühere Personen aufgegriffen, spinnt geschickt Handlungsfäden um ganze Bücher aus seinem Repertoire und lässt so nicht nur den Turm als geschlossenes Werk, als eigene Welt erscheinen, sondern bezieht auch sämtliche früheren Werke mit ein und erschafft so ein Universum, das alle seine Bücher beinhaltet und jede Geschichte für sich innerhalb des Turms einordnet. Eine „Stephen-King-Welt“, wenn man so will.

Nun, der neue Teil des „Dunklen Turms“ hört auf den Namen „Wind“ (im englischen „The wind through the keyhole“, also der Wind durchs Schlüsselloch) und ist, wie King selbst bei Veröffentlichung verraten hat, eine Art Turm 4.5. Er ist also romanzyklisch nach „Glas“ und vor „Wolfsmond“ einzuordnen, und so schließt die Geschichte nahtlos daran an. Roland und seine Gruppe haben den Grünen Palast verlassen und marschieren unaufhaltsam weiter Richtung Turm. Auf dem Weg dorthin treffen sie auf einen alten Mann, der sie über einen nahegelegenen Fluss bringt und vorerst der letzte Kontakt mit anderen Menschen bleiben sollte. Billy-Bumbler Oy ist schon den ganzen Weg über, bis sie den Fluss erreicht hatten, nervös und der Grund soll ihnen Bix, der alte Mann am Fluss, verraten: Ein Sturm zieht auf. Ein Sturm, so kalt und unbarmherzig, dass er alles in seinem Weg Stehende sofort zu Eis gefrieren lässt und durch den Druck des Windes umknickt bzw. zersplittert. So suchen Roland, Susannah, Jake, Eddie und selbstverständlich Oy Schutz in einem Versammlungshaus inmitten einer verlassenen und runtergekommenen Geisterstadt. Verbarrikadiert und vorerst sicher vor dem grausamen Sturm, sitzt die Gruppe an einem Feuer im Gebäude, und Roland beginnt aus seiner Jugend zu erzählen.

_Im Grunde ist „Wind“_ in drei Bereiche aufgeteilt. Zu Beginn erfährt der Leser, wie Roland mit seinen Leuten die Hütte erreicht. Dieser Einstieg dient als Rahmen für die Rückblicke. Dem folgt der eigentliche Rückblick, der wiederum in zwei Teilen den Mittelpunkt des Buches bildet und als „Fellmann“ betitelt wird. Der „Fellmann“ soll ein Gestaltwandler sein, den der junge Roland finden und töten muss. Der dritte Teil des Buches durchbricht die beiden Abschnitte des „Fellmanns“ und ist das Märchen „Der Wind durchs Schlüsselloch“. Interessanterweise ist das Märchen so geschrieben, als wäre es von Rolands Mutter erzählt worden. Ausdrücke wie „… lange bevor der Großvater deines Großvaters …“ finden sich demnach reichlich. Überhaupt ist bis auf die Rahmenhandlung alles in einer direkten Form geschrieben worden. Rolands Erzählungen aus seiner Jugend sind in der Ich-Form verfasst und lassen den Leser so geschickt und beinahe sofort eins werden mit der Gruppe, die sich dort im heruntergekommenen Haus vor dem Sturm versteckt.

Die Art und Weise, wie Stephen King seine Gedanken umsetzt, ist nach wie vor großartig. Der Schreibstil ist leicht und flüssig, die Sprünge aus früheren Bänden des Turms (oder gar ganz anderen Werken) kommen nicht mehr oder nur in geringer Form vor. Hier verlaufen keine parallelen Handlungsstränge, wenn man von dem Märchen in der Mitte des Buches absieht. Der Leser kann sich direkt auf die Erzählungen aus Rolands Jugend konzentrieren und durch die erwähnte Ich-Form ist das Erlebnis intensiv und ohnehin spannend sowie interessant. Das Interesse an der Geschichte, auch wenn es nur zusätzliche Ereignisse aus Rolands Vergangenheit sind, ist ab der ersten Seite an vorhanden und reißt bis zum Ende nicht ab. Das Märchen in der Mitte wird zu einem Märchen für den Leser. Roland erzählt nicht nur seiner Gruppe von der Jugend, sondern auch uns. Der eine oder andere Leser wird sich wohl dabei ertappen, wie er noch etwas mehr unter die Decke kriecht, in dem Glauben, Jake und Eddie neben sich sitzen zu haben. Die Lagerfeuerromantik, die sich dabei als Gefühl zu Beginn einstellt, weicht jedoch im Verlauf der Erzählung einer Ungläubigkeit über die Taten, die der junge Roland überstehen muss. Der Charakter des Revolvermannes bekommt natürlich noch mehr Tiefgang. Es entspricht zwar der Tatsache, dass der Leser schon in „Schwarz“ mehr über Roland und seine Vergangenheit erfährt, durch die Detailfülle in „Wind“ und die schiere Größe der Erzählung aber wirkt der neue Band zu keiner Zeit wie ein Aufguss oder eine unnötige Ergänzung.

Stephen King selbst hatte verlauten lassen, dass auch Neulinge in der Welt des „Dunklen Turms“ in „Wind“ eintauchen können. Man muss nicht zwangsläufig die vorher veröffentlichten sieben Bände gelesen haben, um Spaß an dem Roman zu haben. Natürlich ergibt in dem Fall aber vieles einfach keinen Sinn, weil das Grundwissen fehlt. Ist man Kenner der Materie, entfaltet sich die Geschichte ganz wunderbar und regt zum Nachdenken an. Liest man dann bei „Wolfsmond“ weiter, ergeben sich Szenen, die jetzt mit den neuen Erkenntnissen aus Rolands Jugend nachvollziehbarer werden und die Geschichte noch runder und in sich logischer erscheinen lassen.

Der vielleicht größte Pluspunkt, den man dem Buch attestieren muss, ist die Auswirkung, die es auf Leser des gesamten Zyklus hat. Man will gerne noch einmal von vorn anfangen und dieses Mal „Wind“ direkt nach „Glas“ mit einbeziehen, um eine noch stimmigere Gesamtwirkung zu erzielen. Es bringt den Leser also im besten Fall dazu, Erlebtes noch einmal erleben zu wollen, sich noch einmal in die Welt zu werfen und Band für Band zu verschlingen. Ein mit Sicherheit irgendwo einkalkulierter Schachzug des großen Stephen King.

Die Wirkung auf neue Leser kann allerdings nur sein, sich nach dem Genuss von „Wind“ entweder auf eBay oder in die Bibliothek des Vertrauens zu begeben und sich die Werke nachzukaufen. So angelt man sich treue Leser auf Lebenszeit. Das Resümee kann nur positiv ausfallen. „Wind“ lässt sich gewohnt leicht lesen, ist, wie auch die restlichen Bände des Turms, in seiner inhaltlichen Bildgewalt enorm und wird entweder neue Leser für den Zyklus begeistern oder mit dem Stoff vertraute Leser zum erneuten Lesen animieren. Eine klare Empfehlung.

|Originaltitel: The Wind through the Keyhole
Originalverlag: Scribner
Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner
Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 416 Seiten
ISBN: 978-3-453-26794-7|
http://www.heyne.de
http://www.stephenking.com
http://www.stephen-king.de

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_Dennis Hogrefe_