Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Jesse Bullington – Vom Tode verwest

Das geschieht:

1516 wird der Schweizer Niklaus Manuel Deutsch, der gerade als Söldner in Oberitalien kämpft, von seinem Hauptmann beauftragt, die maurische Hexe Awa nach Spanien zu bringen, wo der Inquisitor Ashton Kahlert bereits die Folterinstrumente schärfen lässt. Die Mission misslingt, Awa kann sich befreien, denn sie ist in der Tat eine Hexe, die lange, leidensreiche Jahre einem Nekromanten dienen musste, der sie in viele seiner schwarzen Künste einweihte.

Awa konnte ihren Peiniger schließlich überlisten und umbringen, doch dieser belegte sie mit einem fürchterlichen Fluch: Zehn Jahre nach seinem Tod werde er aus dem Jenseits wiederkehren und in ihren Körper einfahren, um ihn für ein neues Leben zu ‚übernehmen‘. Auf der Suche nach einem Weg, dieses Schicksal abzuwenden, zog Awa durch das Heilige Römische Reich, bis sie in Italien gefangengenommen wurde. Jesse Bullington – Vom Tode verwest weiterlesen

Peinkofer, Michael – Splitterwelten

_Bekannt geworden durch_ die beiden spannenden Reihen „Die Orks“ und „Die Zauberer“, ist Michael Peinkofer inzwischen zu einer festen Größe der deutschen Fantasy-Literatur avanciert. Und wer an den sechs Bänden dieser beiden Zyklen bereits seine Freude fand, wird begeistert sein zu hören, dass Peinkofer mit „Splitterwelten“ nun eine weitere Trilogie in die Läden bringt.

In dieser wendet sich, was meines Erachtens schon einmal überaus begrüßenswert ist, der Autor von den typischen Fantasy-Figuren wie Orks, Trollen, Elfen, usw. ab und beschreitet neue Wege. Die Welt, in der die Trilogie spielt, ist in zahlreiche Splitter zersprungen. Einige dieser Splitter werden von Menschen beherrscht, die prunkvolle Königreiche errichtet haben, andere von Animalen und Chimären, die Menschen verachten und sie sogar als Sklaven halten. Die Splitter der Menschen wiederum werden sowohl räumlich als auch in politischer Hinsicht von einer Gilde zusammen gehalten. Nur die Gildenmeisterinnen beherrschen die Kraft der Levitation und können Schiffe von einem Weltensplitter zum anderen lenken. Diese Gabe verleiht den Frauen eine schier endlose Macht, und eine solche Macht birgt natürlich auch eine enorme Gefahr in sich …

Erzählt werden im ersten Band der Serie zwei Geschichten, die zunächst parallel zueinander verlaufen und schließlich, wie könnte es anders sein, aufeinander treffen. Zum einen begleitet der Leser die junge Gildenschülerin Kalliope, gemeinsam mit ihrer Meisterin Cedara, auf eine Reise auf einen Weltensplitter, wo eine Frau der Gilde ermordet wurde. Die Ausgesandten sollen dieser unglaublichen Tat auf den Grund gehen, den Verantwortlichen stellen und ihn seiner gerechten Strafe unterziehen. Doch als auch Cedara kurz nach der Ankunft der beiden auf dem Splitter unter mysteriösen Umständen den Tod findet, ist Kalliope auf sich allein gestellt. Hilfe findet sie aber schon bald in dem geheimnisvollen Prinzen des Weltensplitters Jordrak. Zur gleichen Zeit werden auch Kalliopes beste Freundin Prisca und ihre machthungrige und kaltblütige Meisterin Harona auf eine Mission gesandt, die Harona jedoch schon bald ausnutzt, um ihre eigenen Pläne zu verfolgen, egal um welchen Preis.

Zum anderen erfahren wir die Geschichte des diebischen, aber gutherzigen Pantheriden Croys, der den jungen Menschensklaven Kieron von seinem Besitzer, dem Chamäleoniden Jago, befreit und mit ihm flüchtet. Jago allerdings folgt den beiden, bis schließlich alle drei gefasst und auf eine gefährliche Mission geschickt werden, auf der sie ein antikes Artefakt mit rätselhaften Kräften finden müssen. Als Lohn sollen sie ihre Freiheit erhalten. Da ihnen keine andere Wahl bleibt, stürzen sich ungleichen Gefährten in das Abenteuer, das sie bald an ihre eigenen Grenzen treibt.

_“Splitterwelten“ hat eigentlich alles_, was man von einem guten Fantasy-Buch erwartet, zumindest auf den ersten Blick: interessante Charaktere, eine kreativ gestaltetet Umgebung, eine spannende Story, einen Schuss Romantik und als Bonus sogar etwas lesbische Erotik. Auf den zweiten Blick allerdings begeistern diese einzelnen Elemente nicht mehr gar so sehr. Die Charaktere sind zwar interessant, doch wenig tiefgründig, und ihre für die Story relevanten Charakterzüge werden sehr plakativ dargestellt. Die Umgebung scheint kreativ, ist es bei genauerem Hinsehen aber auch nicht, denn abgesehen von der Splitter-Idee wird für die einzelnen Schauplätze auf Typisches und Bekanntes zurückgegriffen. Die Story schließlich ist natürlich spannend und wartet mit einigen unerwarteten Wendungen im Detail auf, alles in allem aber doch zu wenigen und zu unspektakulären. Denn der grundlegende Verlauf der Geschichte ist recht vorhersehbar.

_Alles in allem_ ist „Splitterwelten“ also ein zwar gutes, unterhaltsames und auch wirklich toll geschriebenes, aber doch eher typisches Fantasy-Buch, das zumindest bei mir nach einmaligem Lesen im Schrank verschwinden und wahrscheinlich nicht noch einmal hervorgeholt wird. Fans dieses Genres, die sich nicht von etwas ausgelutschten Ideen abschrecken lassen, kommen natürlich ganz auf ihre Kosten, denn Peinkofer hat sich mit seinen letzten Werken nicht grundlos einen gewissen Rang und Namen unter Fantasy-Autoren erschrieben. Diejenigen allerdings, die nach Außergewöhnlicherem suchen, sind hier wohl falsch.

|Gebunden, 567 Seiten
ISBN-13: 978-3492702072|
http://www.piper-fantasy.de
http://piper-verlag.de
http://www.michael-peinkofer.de

_Michael Peinkofer bei |Buchwurm.info|:_

[„Die Bruderschaft der Runen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1024
[„Die Erben der schwarzen Flagge“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3385
[„Die Erben der schwarzen Flagge“ (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4201
[„Der Schwur der Orks“ (Hörbuch)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5493
[„Das Buch von Ascalon“ (Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7520
[„Splitterwelten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7968

|Team X-treme|:
[„Alles oder nichts“ (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5064
[„Die Bestie aus der Tiefe“ (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5317
[„Projekt Tantalus“ (Hörspiel)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5319

Martin, George R. R. – Sturm der Schwerter (Das Lied von Eis und Feuer 5)

_|Das Lied von Eis und Feuer|:_

01 [„Die Herren von Winterfell“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3637
02 [„Das Erbe von Winterfell“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7222
03 [„Der Thron der Sieben Königreiche“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3651
04 [„Die Saat des goldenen Löwen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7864
05 _“Sturm der Schwerter“_
06 „Die Königin der Drachen“
07 „Zeit der Krähen“
08 „Die dunkle Königin“
09 „Der Sohn des Greifen“
10 „Ein Tanz mit Drachen“ (23.07.2012)

_Viele Anfänge, keine Entscheidungen: Aufmarsch zum Showdown_

„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die vier ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen (hier auf acht Bände verteilt), die nächsten zwei erscheinen im Mai und Juli 2012 auch bei uns. „Sturm der Schwerter“ ist die erste Hälfte des Originalbandes „Storm of Swords“.

Der Zyklus lässt sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat. Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrenden Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers.

Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währt bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung wohlgesonnen, und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt. Aber das Blatt wendet sich allmählich …

_Der Autor_

George R. R. Martin, 1948 in Bayonne/New Jersey geboren, veröffentlichte seine ersten Kurzgeschichten im Jahr 1971 und gelangte damit in der Fantasy-Szene zu frühem Ruhm. Gleich mehrfach wurde ihm der renommierte Hugo Award verliehen. Sein mehrteiliges Epos Das Lied von Eis und Feuer wird einhellig als Meisterwerk gelobt, dessen neunter Band im Mai 2012 auf Deutsch erscheint. George R. R. Martin lebt in Santa Fe, New Mexico. (Erweiterte Verlagsinfo)

_Handlung_

Davos der Schmuggler, der in der Schlacht um die Hauptstadt Königsmund, ein Schiff kommandiert hat, ist auf einem einsamen Felsen gestrandet und stillt seinen Durst aus Regenwasserpfützen, als sich am Horizont ein Segel abzuzeichnen scheint. Ist dies seine Rettung aus den Qualen von Hunger, Durst und Einsamkeit? Davos hat noch eine Mission vor sich: eine Hexe zu töten.

|Jon Schnee|

Lord Starks Bastard Jon Schnee, der sich der Schwarzen Bruderschaft angeschlossen hat, ist an der größten Expedition der Grenzer von der Mauer beteiligt, die man in den letzten Jahren gesehen hat. Jon ist ein Warg und mit dem Zweiten Gesicht begabt, so dass er mit den Augen seines Schattenwolfs Geist „sehen“ kann, wie sich die größte Ansammlung von Wildlingen, Riesen usw., die man bislang gesehen hat, jenseits der Mauer in Bewegung setzt, um die Mauer anzugreifen. Wehe dem Königreich von Westeros, wenn sie sie überwinden können!

Doch die Patrouille von Qhorin Halbhand, der er sich angeschlossen hat, wird von einem anderen Geistwandler in Adlergestalt entdeckt und verfolgt. Ihre Chancen auf ein Überleben in der eisigen Wildnis jenseits der Mauer sind gleich null. Damit wenigstens Jon, immerhin der Spross eines Fürsten, überlebt, greift Qhorin zu einer verzweifelten Maßnahme: Jon soll überlaufen, um die Pläne von Manke Rayder, dem König-jenseits-der-Mauer, zu erfahren. Und um ein glaubwürdiger Verräter zu sein, soll Jon seinen Bruder Qhorin vor Zeugen töten. Wird der verwegene Plan aufgehen?

|Daenerys|

Die einzig wahre Thronerbin von Westeros, Daenerys Targaryen, segelt mit ihren drei Drachen – den einzigen auf der Welt – vom äußersten Osten zurück nach Pentos. Sie befindet sich mit ihren getreuesten Untergebenen an Bord von drei Handelsschiffen Illyrios, eines Kaufmanns, der bereits ihren Bruder Viserys unterstützte. Seine zwei Söldner, ein alter „Knappe“ und ein Eunuch, haben ihr in Quarth das Leben gerettet, sagen sie.

Doch Ser Jorah, der verbannte Ritter und treuester Berater, traut den beiden nicht und vertraut Daenerys seine Zweifel an. Ihr wurde prophezeit, sie werde dreimal verraten werden, wegen Blut, wegen Gold und in der Liebe. Was, wenn Illyrio, der scheinbar so loyale Mäzen, sie an den Feind meistbietend verraten hätte? Was erwartet Daenerys in Pentos – eine Invasionstruppe für Westeros oder der Kerker? Schon einmal hat es ein Kaufmann in Quarth auf ihre unschätzbar wertvollen Drachen abgesehen.

Ser Jorahs Vorschlag lautet daher: „Segelt Astapor und heuert mit Illyrios Handelsware eine Armee treuer Unbefleckter an, also Sklavensöldner, und reist dann über Land nach Pentos, was wenigstens nicht so gefahrvoll ist wie zur See.“ Dann küsst er die halbnackte Königin und macht ihr einen Heiratsantrag. Denn schließlich müssen für DREI Drachen auch DREI Reiter gefunden werden …

|Bran Stark|

Winterfell ist zerstört und niedergebrannt, nur Bran und zwei Begleiter konnten entkommen. Bran Stark ist zwar ein Krüppel, seit Jaime Lennister ihn aus dem Turmfenster gestoßen hat, doch wenn er als Warg seinen Geist in seinen Schattenwolf versenkt, kann er laufen wie ein Prinz der Wälder. Immer öfter und länger unternimmt er deshalb diese köstlichen Geistreisen mit Sommer.

Leider reißen ihn seine zwei Begleiter Meera und Jojen Reet, zwei „Froschfresser“ aus dem östlichen Mündungsdelta, immer wieder aus diesen Trancen, denn schließlich muss auch sein eigener Körper bei Kräften bleiben. Vor die Wahl gestellt, sich durch Kriegsgebiet nach Norden durchzuschlagen oder seiner Vision zu folgen, entscheidet er sich für Letzteres. Doch um die dreiäugige Krähe zu sehen, muss er die Mauer des Nordens überwinden und ins gesetzlose Land dahinter vorstoßen.

|Sansa Stark|

Prinzessin Sansa, die ältere Tochter des enthaupteten Lord Eddard Winterfell, sieht sich in der Gefangenschaft zu Königsmund, wo die Königin sie als Geisel hält, unvermittelt von neuen Freundinnen umgeben: den Angehörigen der neuen Braut von König Joffrey, Margaery Tyrell von Rosengarten. Die Brautmutter besonders erweist sich als erfahrene Intrigantin und verkuppelt die nunmehr solo lebende Sansa an einen Gutserben, der nur den winzigen Nachteil hat, ein Krüppel und Schöngeist zu sein. Sansa freut sich schon auf ein angenehmes Eheleben im sonnigen Süden.

Zu dumm, dass Lord Tywin Lennister, mittlerweile die Hand des Königs, genau die gleiche Idee hat – für die verwitwete Königin. Und wer soll nun Sansas Hand erhalten? Sein Sohn Tyrion glaubt, sich verhört zu haben …

|Arya Stark |

Sansas unternehmungslustige Schwester Arya befindet sich derweil auf einem Kurs, der sie nach Norden führen soll, doch nachdem ihre Identität von versprengten Resten des Nord-Heeres aufgedeckt worden ist, nimmt man sie und Gendry, den Bastardsohn von König Baratheon, gefangen, um sie Lord Beric Dondarrion auszuliefern. Und der lebt nun mal weit im Süden. Und es heißt, er sei unsterblich. Unverhofft stößt sie bei ihm auf Sandor Clegane, den Bluthund des früheren Königs. Und mit dem hat Arya noch eine alte Rechnung zu begleichen.

|Lady Catelyn|

Die Mutter der beiden, Lady Catelyn, hat unterdessen eine verzweifelte Entscheidung getroffen, um Sansa und Arya aus der Gefangenschaft auszulösen: Sie will Jaime Lennister, den Königsmörder und Bruder der Königin, nach Königsmund schicken, damit Königin Cersei im Austausch die zwei Mädchen freigibt. Doch der Auftrag, den sie der bewaffneten Kämpferin Brienne gegeben hat, stößt in den vom Krieg verwüsteten Landen auf unerwartete Hindernisse …

|Tyrion Lennister|

Tyrions Liebe zu Shae nimmt verzweifelte Ausmaße an. Er ist zwar durch die fehlende Nase entstellt, doch sie liebt ihn immer noch. Allerdings sind ihre Treffen, die der undurchsichtige Eunuch Varys arrangiert, eine ständige Gefahrenquelle für sie beide. Sollte Tyrions Vater Tywin oder gar die Königin von Shae erfahren, wäre ihr Leben keinen Pfifferling mehr wert – und das von Tyrion womöglich mit.

Deshalb steht Tyrion dem Vorschlag bzw. der Forderung seines Vaters, Sansa Stark wegen ihres Anspruchs auf ein Königreich im abtrünnigen Norden zu heiraten, gar nicht ablehnend gegenüber. Und die zur Frau erblühte Sansa ist kein Mädchen, das Tyrion von der Bettkante stoßen würde (anders als etwa Lady Arryn). Aber kann Tyrion wirklich Shae behalten, wenn er verheiratet ist? Der Versuch, seinen Kuchen zu essen und zugleich behalten, ist schon des öfteren schiefgegangen.

_Mein Eindruck_

Die Heere sind in Bewegung gesetzt, zumindest diejenigen, die nach den ersten Schlachten noch übrig geblieben sind. Das wichtigste und am wenigsten beachtete Heer ist das von Manke Rayder, dem König jenseits der Mauer. Es schickt sich an, eben diesen Schutzwall zu überwinden, die Schwarze Wache wegzufegen und das Tor zum Süden zu öffnen. Dann werden Zombies und die Anderen über den Norden herfallen, der nicht mehr von den Starks bewacht wird: Winterfell wurde niedergebrannt.

Tief im Süden rollt neuer Ärger auf Königsmund zu, wie Tyrion Lennister feststellen muss: Die Adligen der südlichsten Region Dorne kommen zu König Joffreys Hochzeit und werden in der Hauptstadt auf ihre Erzfeinde, die Adligen aus Roesengarten treffen. Das sollte für einen hübschen Konflikt sorgen, freut sich Tyrion, der seiner Schwester, Königin Cersei, jedes Unglück von Herzen gönnt.

Auch weit im Osten braut sich Ungemach zusammen. Daenerys ist es endlich gelungen, eine schlagkräftige Streitmacht aufzustellen. Das heißt, sie hat sie einfach von den Sklavenhändlern „gekauft“ – und dann eben diese Händler eliminieren lassen. Nun stehen ihr die Unbefleckten zur Verfügung, Eunuchen, die keinen Schmerz und kein Mitgefühl kennen, dafür aber jede Menge Waffenkünste. Und es sind nicht bloß Hunderte, sondern Zehntausende. Mit ihnen könnte sie es sogar gegen die Dothraki aufnehmen. Allerdings braucht sie nun einen Weg, um sie alle nach Westeros zu transportieren. Doch dabei wird ihr Ser Jorah gerne Rat geben.

Die einzigen Enttäuschungen, die ich in dem Buch bislang erlebte, sind die unvollendeten Handlungsfäden von Arya, Bran und Jaime sowie das seltsame Geschick von Sansa. Statt nämlich mit der 13-jährigen die Ehe zu vollziehen, verspürt der Gnom Tyrion Mitgefühl für das an ihn verschacherte Kind und überlässt ihr die Wahl, wann es dazu kommen soll. Er hat ja immer noch seine Hure Shae. Allerdings muss er sich nun allerlei Spott und Kritik anhören. Und eine Ehe, die nicht „nach angemessener Frist“ vollzogen worden ist, kann vom Hohen Septon annulliert werden. Das würde Lord Tywin sicher nicht gefallen, der sich das Erbe der Starks unter den Nagel reißen will.

_Die Übersetzung _

Ein umfangreicher Anhang mit den einzelnen Herrscherhäusern von Martins Phantasiewelt macht es deutlich: Hier treten sehr viele Leute auf die Bühne, die die Welt bedeutet. Und nicht alle treten lebend ab. Denn wie das unter den Edlen so ist und dem Leser von Shakespeare sattsam bekannt: Es kann der Klügste nicht in Frieden regieren, wenn es dem Ehrgeizigen nicht gefällt.

Der Interessent sollte darauf achten, die überarbeitete Fassung zu lesen, denn in ihr sind alle Eigen- und Ortsnamen auf den drei Landkarten eingedeutscht und Fehler der Erstauflage ausgemerzt. Äußerst hilfreich sind die Landkarten, auch wenn man sich so manche davon etwas detaillierter gewünscht hätte.

|Fehlerübersicht|

Auf S. 450 steht „Marum“ statt „Warum“.

S. 583: „Der Mann war klein [ -] obzwar für Tyrion jeder Mann groß war -, hatte – spärliches braunes Haar …“. Zunächst fehlt ein Gedankenstrich, dann haben wir einen zu viel. Die beiden Lektoren hätten hier besser aufpassen müssen.

Auf S. 584 steht „größzügig“ statt „großzügig“. Es gibt noch einige solche Flüchtigskeitsfehler mehr.

Kein Fehler ist jedoch auf S. 608, dass das Wort „Dolch“ zweimal in einem Satz auftaucht. Die Figur, ein Bruder der Nachtwache, wird einfach so genannt. Und natürlich geht es um Sams Dolch aus valyrischem Stahl, mit dem er einen der unheimlichen Anderen getötet hat.

_Unterm Strich_

Für diese erste Hälfte des Gesamtbandes habe ich mehrere Wochen benötigt. Der Grund ist einfach: Es finden lediglich Auf- und Umstellungen von Figuren statt, aber keine eigentlichen Entscheidungen von Konflikten. Der Autor baut jede Menge Spannungsbögen auf, doch die wenigsten davon werden auch zu Ende geführt. Am Schluss hat man zwar eine ganze Reihe von Entwicklungen gesehen, aber deren Ziele und Zwecke sind noch unklar. Deshalb kann mein Rat nur lauten: sofort weiterlesen!

Hinweis: Die 2. Hälfte von „Storm of Swords“ trägt den deutschen Titel „Die Königin der Drachen“.

|Taschenbuch: 768 Seiten
Originaltitel: A Storm of Swords, pp. 1-438 inkl. Appendix (2000)
Aus dem US-Englischen von Andreas Helweg, in überarbeiteter Übersetzung
ISBN-13: 978-3442268467|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

_George R. R. Martin bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Heckenritter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4443
[„Fiebertraum“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5451
[„Adara und der Eisdrache“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5857

John Wyndham – Die Triffids

Der aktuelle Band der Heyne-Reihe „Meisterwerke der Science Fiction“ verlegt den 1951 in England erschienen Roman „The Day of the Triffids“ in schöner Aufmachung und bestätigt damit seinen Status als ein Meilenstein des Genres. Vor dem Hintergrund des Zeitalters und der apokalyptischen Drohung des Atomkrieges traf Wyndham genau den Nerv der Zeit. Dazu kommt eine Prise unkontrolliertes biologisches Experiment und daraus eine zweite Bedrohung für die Reste der Menschheit, auch wenn zu jener Zeit sicherlich die einfachen postapokalyptischen Szenarien noch nicht ausgelutscht waren. Romane wie „Luzifers Hammer“ erschienen erst in den Siebzigern und feilten detailliert an einer barbarischen Welt am Rande des Abgrunds. Wyndham umschiffte diese Klippen durch die Erschaffung der Triffids und hielt sich nur in kurzen beiläufigen Passagen mit ihrer Problematik auf. Die Triffids sind der Garant dafür, dass es wenig zu marodierenden, jegliche Menschenrechte verachtenden oder gar kannibalistischen Gruppierungen kommt, sondern das Hauptaugenmerk auf die sozialen Strukturen gelenkt wird.

Für die Menschen dieser Zeit hatte es jüngst gravierende Entwicklungen gegeben und die Balance der Atommächte war nicht kontrollierbar. England sah sich in eine ungewöhnlich passive Rolle gedrängt, die Sicherheit, die seine Bürger aufgebaut und in den Nachkriegsjahren erhofft hatten, schwand und machte der allgegenwärtigen Furcht Platz. In diese Situation platzte Wyndham mit seiner Dystopie einer weltumfassenden Katastrophe, die anfangs als Naturgewalt geschildert wird, bevor ihr später genau die Befürchtungen der Menschen jener Zeit als Urheber anvermutet werden, nämlich geheime, außer Kontrolle geratene Spezialwaffen.

Außerdem schafft es Wyndham, das unsterbliche London in wenigen postapokalyptischen Jahren und doch absolut glaubhaft zerbröckeln zu lassen und es, entgegen der Lebensart dieser Zivilisation, seines Status als Bollwerk ebenjener Zivilisation zu berauben, ja vielmehr, unnachgiebig seine Schwächen und seine Hilflosigkeit klar auf den Punkt zu bringen – sicherlich ein Vorgehen, das den stolzen Engländern Atemlosigkeit und Grauen bescherte.

Aus heutiger Sicht und unabhängig der damaligen Zustände liest sich der Roman wie ein flottes Stück dystopischer Unterhaltung, das man schwer in unsere Zeit verankern kann aufgrund seines geringen Umfangs, der daraus resultierenden kurzen Anrisse einiger Problematiken, die sich unter den Einflüssen heutiger Ziegelsteinliteratur weniger ausgefeilt geben, als man es gewohnt ist. Auch nicht mehr häufig anzutreffen sind die trotz der geringen Dicke aufgezeigten philosophischen Tendenzen, die Wyndham seinem Werk zugrunde legt und gerade seinen Ich-Erzähler in verschiedenen Gedankengängen oder Dialogen darbieten lässt. Hierin offenbart sich, dass diese Geschichte nur als Auslöser und Transporter für die Zukunftsvision – unter den unbeschreiblichen Zuständen jener Zeit entstanden und extrapoliert – dient und es hier weniger als heute üblich um die Charakterisierung der einzelnen Protagonisten und ihr Innenleben geht.

Wyndham vermutet eine unkontrollierte, als Satellit platzierte Waffe als Auslöser einer weltumspannenden Blindheit – nur die wenigen Menschen, die zum Zeitpunkt des Geschehens nicht die vermeintlichen Kometen beobachteten, blieben verschont und finden sich in einer zusammengebrochenen Welt ohne jegliche Infrastruktur wieder, in der es zu überleben, sich zu organisieren und menschlich zu bleiben gilt. Als zusätzlichen Faktor gerät ein biologisches Experiment außer Kontrolle, und die bewegungsfähigen, mit Giftgeißeln ausgestatteten Pflanzen, die Triffids, sorgen für einen ständig zu führenden Abwehrkampf der letzten Sehenden – die Blinden sind weitgehend schutzlos den lauernden Aggressoren ausgeliefert.

Gleich zu Beginn entsteht eine grandiose Situation, während der der Protagonist Bill Masen, von einer Triffid vergiftet, um sein Augenlicht fürchtet, da er eine entsprechende Behandlung über sich ergehen lassen musste und nun niemand erscheint, um ihm den Augenverband abzunehmen. Als er es schließlich selbst wagt, muss er erkennen, dass er einer der wenigen Londoner ist, die nicht erblindet sind! Großartige Parabel, eigentlich der Höhepunkt der Geschichte.

Insgesamt liest sich der Roman heute sehr flott und unterhaltsam, das verstörende Bild entfaltet sich erst im Kontext mit der Entstehungszeit. Die zügige, auf den Punkt steuernde Schreibweise hebt ihn gegen heutige Weitschweifigkeit angenehm ab, und die philosophische Betrachtung einer möglichen Gesellschaftsumordnung unter katastrophalen Bedingungen ist glaubhaft, wenn auch befremdlich in ihrer Ausrichtung. Aber wie einer der Protagonisten es ausdrückt, sind ethische und moralische Vorstellungen abhängig von den Umweltbedingungen, die das Überleben der Spezies bestimmen.

Broschiert, 300 Seiten
ISBN 13: 978-3-453-52875-8
Originaltitel: The day of the Triffid

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)


 

Cassie Alexander – Medizin um Mitternacht (Nightshifted 1)

_|Nightshifted|-Trilogie:_

Band 1: _“Medizin um Mitternach“_
Band 2: „Moonshifted“ (noch ohne dt. Titel)
Band 3: „Shapeshifted“ (Juni 2013, noch ohne dt. Titel)

Man nehme: Eine gute Portion „Grey’s Anatomy“ und eine Prise „Anita Blake“, rühre alles kräftig durch, lasse es einmal aufkochen und raus kommt ein Buch wie Cassie Alexanders „Nightshifted: Medizin um Mitternacht“.

Klingt erstmal gut? Stimmt, die Idee ist alles andere als schlecht. In ihrem Romandebut platziert Cassie Alexander ihre Protagonistin Edie Spence als Krankenschwester auf der geheimen Station Y4 des County General. Auf Y4 wird alles behandelt, was übernatürlich ist: Vampire, Tageslichtagenten, Wertiere, Gestaltwandler und manchmal sogar Drachen. Da eine geheime Station im normalen Krankenhausbetrieb trotz des generellen Trubels vermutlich irgendwann auffallen würde, lauern im County noch die Schatten, um im Fall der Fälle beteiligten „Zivilisten“ das Gedächtnis zu löschen.

Edie ist Nachtschwester (sie braucht das Geld) und bei einem ihrer ersten Einsätze geht etwas völlig schief und ein Tageslichtagent pustet sein Lebenslicht aus; allerdings nicht, ohne ihr aufzutragen, Anna zu retten. Edie, die ein schlafwandlerisches Talent dafür hat, sich in Dinge einzumischen, die sie nichts angehen, macht sich auf die Suche nach der ominösen Anna und findet sie schließlich auch. Mit Weihwasser bewaffnet, befreit sie das misshandelte Vampirmädchen aus den Fängen des Bösewichts, ebenfalls ein Vampir. Der geht dabei drauf, was Edie in weitere Schwierigkeiten bringen wird. Denn die Vampire – lange nicht so impulsiv, wie man gemeinhin annimmt – stellen sie vor ein Tribunal. Nur wenn Edie die geflüchtete Anna auftreiben kann, damit diese zu ihren Gunsten aussagt, hat sie eine leise Chance, lebend und mit intakter Seele aus der ganzen Sache rauszukommen.

Und so findet sich Edie bald in einem Netz aus Vampirmachenschaften wieder, während sie versucht, Anna zu finden (die sich nach ihrer Rettung prompt aus dem Staub gemacht hatte) und ihr neu erwachtes Liebesleben zu ordnen. Eigentlich auf One-Night-Stands abonniert, machen Edie im Moment gleich zwei Männer den Hof: Ein attraktiver Gestaltwandler namens Asher und ein Zombie namens Ti, dem alle paar Seiten wichtige Körperteile abfallen (nein, nicht diese wichtigen Körperteile, keine Sorge). Besonders Ti wird viel zur Rettung Edies beitragen, indem er Anna ausfindig macht und generell für die tougheren Parts der Handlung zuständig ist.

_Eigentlich hat „Nightshifted“_ also alles, was eine gute Urban Fantasy ausmacht: Action, Romantik und eine Heldin zum Mitfiebern. Und doch will keine rechte Stimmung aufkommen. Das liegt zum einen daran, dass alle Charaktere – mit Ausnahme der Ich-Erzählerin Edie – blass und austauschbar bleiben. Ihre Kollegen auf Y4 haben Namen, aber keine Gesichter. Man erfährt absolut nichts über sie, was dazu beiträgt, dass alle Szenen auf Y4 uninspiriert heruntergeschrieben wirken. Seltsam, schließlich arbeitet Autorin Cassie Alexander tatsächlich als Krankenschwester. Man sollte also annehmen, dass dieser Aspekt ihrer Geschichte ihr besonders leicht von der Feder gehen sollte. Doch dem ist leider nicht so. Statt eines atmosphärischen Krankenhaussettings flüchtet sich Alexander zunehmend in Medizinsprech. Das soll wohl Glaubwürdigkeit suggerieren, nervt aber letztendlich nur und trägt nichts zur Handlung bei. Schließlich hat es für den Leser kaum Mehrwert zu erfahren, welche verschiedenen Infusionen gerade in einen der ebenfalls vollkommen austauschbaren Patienten gepumpt werden und wie viele andere Schwestern dafür gegenzeichnen müssen. „Bei der Arbeit komme ich ganz gut klar, aber niemand steht mir wirklich nahe,“ sagt Edie gegen Ende des Romans und beschreibt damit ein Gefühl, das sich über den Roman hinaus auf den Leser überträgt.

Selbiges gilt für die Patienten auf Y4. Sie sind hauptsächlich Staffage. Mal läuft ein Drache durchs Bild, mal wird ein Tageslichtagent in einen Vampir verwandelt. Das alles jedoch ist kaum mehr als pure Show, um auf eine Romanlänge von 400 Seiten zu kommen. Man erfährt fast nichts über die jeweiligen Subkulturen. Selbst die Vampire, die im weiteren Verlauf durchaus eine Rolle spielen werden, bleiben ein Enigma dahingehend, dass sie zwar als Gegenspieler, nicht aber als eigenständige Figuren agieren dürfen. Es fehlt definitiv ein wirklicher Bösewicht, um die dahinplätschernde Handlung aufzupeppen und der Protagonistin einen Kontrahenten gegenüberzustellen, an dem sie sich abarbeiten kann. Das schien Alexander zu viel Arbeit zu sein, weswegen die Vampire hauptsächlich im Dunkel bleiben und weder der Leser noch Edie wirklich dahintersteigen, welcherart Bedrohung sie nun darstellen sollen. (Edie allerdings ist daran nur bedingt interessiert. Der Leser jedoch schon.) Da wird mal etwas von verschiedenen Gruppierungen (Throne genannt) angedeutet, aber die Autorin wirft dem gegeigten Leser nie mehr als kleine Informationsbrocken hin. Damit bleibt die Welt von “Nightshifted” leider schwarz/weiß. Sie bekommt keine Konturen und wirkt nur als Leinwand, vor der Edie ihr recht durchschnittliches Leben leben kann (unterbezahlter Job, unleidliche Familie, kaum Sozialkontakte und ein verworrenes Liebesleben – kommt doch wohl vielen bekannt vor, oder?).

Darüber hinaus sind andere für die Action zuständig. In der Regel ist es Ti, der Feuerwehrmann-Zombie. Geht es um Ermittlungsarbeit (z. B. die Suche nach Anna), lässt Ti irgendwelche nicht näher beleuchteten Kontakte spielen, woraufhin die Handlung sich sprunghaft nach vorn bewegt. Da schimmert die Faulheit der Autorin durch, die sich auch sonst nur teilweise mit der Logik anfreunden kann. Wenn Ti z. B. in seinem Arm eine Knarre zum Tribunal schmuggelt (ja, wirklich – ein bisschen spritzendes Blut und abfaulende Körperteile sollte der Leser bei der Lektüre abkönnen), wäre es da nicht praktischer sie zu laden, anstatt die Kugeln einzeln im Fleisch der eigenen Zunge zu verstecken? Pfui deibel …

_“Nightshifted“ kommt mit_ einer guten Prämisse und einer durchschnittlich interessanten Heldin daher, passt also prima ins Genre der Urban Fantasy. Leider kommt bei der Lektüre keine wirkliche Stimmung auf. Selbst als Edie schon gefesselt ihrem Tod ins Auge sieht, bleibt man als Leser ziemlich ungerührt. Ob in diesem Universum jemand lebt oder stirbt, könnte egaler nicht sein.

|Taschenbuch: 384 Seiten
Originaltitel: Nightshifted
ISBN-13: 978-3492268493|
http://www.piper-verlag.de

Sinclair, Alison – Nachtgeboren

_Balthasar Hearne ist_ überhaupt nicht begeistert davon, dass die ehemalige Geliebte seines Bruders Lysander ausgerechnet ihn um Hilfe bittet. Sie jedoch unmittelbar vor Sonnenaufgang abzuweisen, würde ihren sicheren Tod bedeuten. Was das Ganze für ihn und seine Familie bedeutet, wird ihm allerdings leider erst zwei Tage danach klar, und da ist es längst zu spät …

_Im Zentrum des Geschehens_ stehen Balthasar, seine Frau Telmaine und der Baron Strumheller. Balthasar ist zwar adliger Herkunft, jedoch lediglich aus einer unbedeutenden Seitenlinie. Er ist weder besonders reich, noch besonders wichtig. Da ihn das von der Notwendigkeit entbindet, sich mit politischen Intrigen herumzuschlagen, konnte er sich der Wissenschaft widmen, vor allem der Medizin. Balthasar ist ein sehr sanftmütiger, friedfertiger Mensch, der seine Hilfe unterschiedslos allen Bedürftigen zukommen lässt.

Seine Frau Telmaine dagegen stammt aus dem Hochadel und hat dementsprechende Beziehungen. Dass sie so weit unter ihrem Stand geheiratet hat, hat seine Ursache in einem Geheimnis, das sie selbst vor ihrem Ehemann verborgen hat: Telmaine ist eine Magierin! Ein Skandal, wenn die gute Gesellschaft davon erführe! Doch die Folgen von Balthasars verhängnisvoller Hilfe für Lysanders einstige Meträsse sorgen dafür, dass Telmaine beginnt, sich von den gesellschaftlichen Konventionen zu lösen. Zum Vorschein kommt eine kluge, mutige und zu allem entschlossene Frau.

Baron Strumheller seinerseits ist ein Außenseiter der Gesellschaft, denn auch er ist ein Magier. Nachdem er deswegen im Alter von sechzehn Jahren von seinem Vater enterbt und verstoßen worden ist, hat er lange Zeit in den Grenzlanden gegen die Schattengeborenen gekämpft, das hat ihn wachsam, scharfsinnig und zäh gemacht. Gleichzeitig ist er aber auch einsam, und das Zusammentreffen mit Telmaine ist für ihn etwas Besonderes.

Das Angenehme an der Charakterzeichnung ist, dass der Leser es hier nicht mit Helden, sondern mit durchschnittlichen Personen zu tun hat, und vor allem, dass dies an keiner Stelle ausdrücklich betont wird. Außerdem sind sie alle sehr stimmig und plastisch geraten, das gilt selbst für Nebenfiguren wie Balthasars Schwester oder den jungen Adligen Guillaume de Mauriers.

Die Handlung von Alison Sinclairs Geschichte lebt vor allem von der ungewöhnlichen Szenerie. Vor Jahrhunderten hat eine Gruppe von Magiern einen mächtigen Fluch ausgesprochen, der dazu führte, dass sich die Menschheit in hauptsächlich zwei verschiedene Rassen teilte. Die Nachtgeborenen vertragen nichts, was heller ist als eine Kerzenflamme oder ein Kaminfeuer, alles andere verbrennt sie zu Asche. Da sie ständig im Dunkeln leben, sind sie blind, haben als Ersatz dafür aber einen zusätzlichen Sinn entwickelt, das Sonar. Dieser Sinn erinnert an Fledermäuse, ist aber viel leistungsfähiger; er ermöglicht es sogar, Gestalt, Kleidung, selbst Gesichtszüge und ihre Mimik zu erkennen und zu deuten. Die Lichtgeborenen dagegen lösen sich ohne ausreichende Lichtquelle in kurzer Zeit einfach auf.

Und dann gibt es noch die Schattengeborenen, über die der Leser aber vorerst nicht allzu viel erfährt. Sie greifen ständig die Grenzlande an, da aber alle Informationen über sie bisher nur von Nachtgeborenen stammen, die sie als Ungeheuer bezeichnen, ist das Bild höchst vage. Zunächst scheinen die Schattengeborenen auch keine allzu große Rolle zu spielen. Die Geschichte betrifft vorerst nahezu ausschließlich Nachtgeborene, allein Balthasars Nachbarin und gute Freundin Floria ist eine Lichtgeborene, und auch sie ist vorerst nur eine Randfigur.

Besagter Fluch hatte letztlich zur Folge, dass Nacht- und Lichtgeborene, obwohl sie nebeneinander in derselben Stadt leben, so gut wie keinen Kontakt mehr zueinander haben. Dadurch hat sich auch die Kultur in unterschiedliche Richtungen entwickelt. Während die Nachtgeborenen Magie ablehnen und dieses Tabu durch technische Erfindungen kompensieren, ist bei den Lichtgeborenen Magie ein völlig normaler Bestandteil des Alltags. Auch sind die Frauen der Lichtgeborenen emanzipiert und selbstständig. Floria ist Leibwächterin und Agentin des Lichtprinzen. Undenkbar für eine nachtgeborene Frau, von der erwartet wird, dass sie zu Hause bleibt und sich um Haushalt und Kinder kümmert.

Zwangsläufig führen solche gegensätzlichen Lebensweisen gelegentlich zu Konflikten, die von einem Gremium aus Vertretern beider Gruppen behandelt und beigelegt werden. Ein System, das lange Zeit gut funktioniert hat. Bis zu dem Tag, an dem Balthasars Leben aus den Fugen gerät. Die Ereignisse, die zunächst nur nach einem Adelsskandal riechen und vornehmlich Balthasars Familie zu betreffen scheinen, ziehen mit der Zeit immer größere Kreise. Spätestens, als Unschuldige zu Schaden kommen, wird klar, dass der Drahtzieher hinter all dem ausgesprochen skrupellos ist. Die Frage ist nur, wer ist der Drahtzieher und worum geht es ihm bei der ganzen Sache überhaupt?

Genau das weiß die Autorin über das gesamte Buch hinweg vor dem Leser zu verbergen. Stattdessen lenkt sie ganz beiläufig den Verdacht des Lesers in unterschiedliche Richtungen, manche davon erweisen sich als falsch, manche nur als nicht ganz richtig. Und je weiter die Nachforschungen kommen, desto komplizierter scheint die Situation zu werden.

Außerdem ist es der Autorin gelungen, die Handlung zunehmend spannend zu gestalten. Obwohl es hier keine Action im Sinne von rasanten Verfolgungsjagden oder handfesten Auseinandersetzungen wie Schwertkampfduellen und Hinterhalten in dunklen Gassen gibt, geraten die Figuren doch immer wieder in brenzlige Situationen, aus denen sie nur knapp entkommen. Das könnte einfach zu das schlichte Auf und Ab einer Huckelpiste führen, wie es durchaus des Öfteren der Fall ist. Durch die Ausweitung des Komplotts, in das die Familie Hearne da hineingeraten ist, wird dieser Effekt vermieden. Stattdessen führt die Wellenbewegung der Gefahren stetig bergauf bis zum Showdown, der allerdings bei Weitem nicht alle Fragen klärt. Am Ende des Buches stellt der Leser fest, dass er gerade mal den Anfang der Geschichte kennt, und dass der eigentliche Kampf jetzt erst richtig losgeht.

_Mir hat das Buch_ ausnehmend gut gefallen. Es bot lebendige Charaktere, einen faszinierenden Hintergrund und eine Handlung, die angenehm ausgewogen die Balance zwischen bewegteren und ruhigeren Passagen hielt und mit einem intelligenten Plot und stetig steigender Spannung aufwarten konnte. Die Titel der Folgebände lassen außerdem vermuten, dass die Fortsetzung der Geschichte aus den Perspektiven anderer Beteiligter erzählt wird – eine vielversprechende Aussicht. Ich bin schon gespannt, wie es weitergehen wird.

_Alison Sinclair_ stammt ursprünglich aus Schottland, lebt inzwischen aber in Montreal, wo sie an der Universität McGill unterrichtet. Mit dem Schreiben begann sie Mitte der neunziger Jahre, zunächst im Bereich Science-Fiction. „Nachtgeboren“ ist ihr erster Fantasy-Roman. Die Folgebände erschienen unter den Titeln „Lichtgeboren“ und „Schattengeboren“.

|Taschenbuch: 406 Seiten
Originaltitel Darkborn
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3-802-58335-3|


http://www.egmont-lyx.de

Chandler, David – Thron der Barbaren, Der (Ancient Blades 3)

_|Ancient Blades|:_

Band 1: [„Die Metropole der Diebe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7154
Band 2: [„Das Grab der Elfen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7787
Band 3: _“Der Thron der Barbaren“_

_Der Einsturz der Wolkenspitze_ am Ende des Vorgängerbandes hatte einige drastische Auswirkungen. Die Erfreuliche zuerst: Prestwicke ist tot, was Malden eindeutig begrüßt.

Und jetzt die Unangenehmen: Zum einen hat Croy Balint gefangen genommen, weil sie gegen das Abkommen mit den Zwergen verstoßen hat, und besteht nun darauf, sie zur Aburteilung dem König vorzuführen. Keine gute Idee, wie sich bald herausstellt. Zum anderen hat sich durch das Verschwinden des riesigen Berges ein neuer Pass nach Osten geöffnet, breit genug für eine ganze Armee. Keine Frage, dass die Barbaren diese Gelegenheit sofort beim Schopfe packen!

_Die neuen Charaktere_ in diesem dritten Band spielen alle eine eher untergeordnete Rolle, sie sind eigentlich nur Handlungsgeber für die Hauptfiguren Malden, Cythera, Croy und Mörget. Croy ist dabei derjenige, der sich am meisten entwickelt. Der Krieg mit den Barbaren heilt ihn endlich von seiner Naivität, und sein übertriebenes Ehrgefühl wird durch den Zwang zu pragmatischem Handeln auf ein erträgliches Maß reduziert. Am Ende tat er mir fast ein wenig leid.

Malden und Cythera dagegen sind sich treu geblieben, hier fand kaum persönliche Entwicklung statt. Am interessantesten fand ich Mörgets Darstellung. Der Barbar, der im Vorgängerband noch seine fast leutselig anmutenden Augenblicke hatte und viel und gern lachte, wird in diesem Band allmählich immer grimmiger, immer getriebener. Dabei ist es nicht so, dass er neue Eigenschaften entwickeln würde. Vielmehr wird etwas zunehmend in den Vordergrund gerückt, was unterschwellig schon die ganze Zeit da war. Sehr gelungen.

So haben alle Charaktere, auch diejenigen, die sich nicht allzu sehr weiterentwickelt haben, zumindest eine Vertiefung erfahren. Das hat der Geschichte auf jeden Fall gutgetan.

_Die Handlung_ teilt sich in drei Stränge, einen für Croy, einen für Mörget und einen gemeinsamen für Malden und Cythera. Die einzelnen Stränge sind diesmal wesentlich stärker voneinander abgegrenzt als im Vorgängerband, was vor allem an der größeren räumlichen Distanz liegt. Aber obwohl sie in ihrer Entwicklung alle ordentlich angelegt sind, will sich die Zuspitzung auf das Ende lange Zeit nicht so wirklich ergeben. Vor allem Croys Handlungsfaden läuft den größten Teil des Buches lose nebenher und strebt erst wieder auf einen gemeinsamen Punkt zu, nachdem er die Prinzessin in Sicherheit gebracht hat. Bis dahin ist Croys persönliche Entwicklung das Einzige, was dieser Strang hergibt. Ähnliches gilt für Mörget, der allerdings früher als Croy auf den entscheidenden Augenblick zusteuert. Das bedeutet, dass ein einheitlicher Spannungsbogen für die Gesamthandlung fehlt.

Bleiben Malden und Cythera. Aber auch hier will sich keine kontinuierliche Spannungskurve ergeben, weil sich zumindest zu Anfang die Probleme allzu schnell auflösen. Das gilt für Maldens Flucht aus Helstrow ebenso wie für den Burgvogt in Ness. Kaum hat man das Gefühl, dass Malden nun ernsthaft in Schwierigkeiten steckt, schon hat er sich wieder herausgewunden. Dass gleich darauf das nächste Problem auftritt, sorgt lediglich für ein gewisses Auf und Ab. Nicht einmal, als die Barbaren tatsächlich vor Ness‘ Toren auftauchen, will sich zunächst so etwas wie Spannung ergeben, weil es zu lange dauert, bis die Barbaren sich ernsthaft an einen Angriff machen. Und auch der Versuch, eine Zuspitzung der Situation zu erreichen, indem mehrere Probleme gleichzeitig auftreten, zeigt nicht die erwünschte Wirkung. Dabei hätte das erneute Aufleben des Blutkultes eine Menge Möglichkeiten geboten, um Malden ernsthaft in die Bredoullie zu bringen. Den Weg, den der Autor letztlich gewählt hat, empfand ich aber eher als ein wenig lächerlich, und letztlich war auch diese Angelegenheit nicht mehr als ein Strohfeuer.

_Letztlich_ weist dieser dritte Band also mehr Ähnlichkeiten mit seinem direkten Vorgänger auf als mit dem Einstiegsband des Zyklus. Zwar wird in diesem Fall vor allem in Ness hin- und hergerannt, die beiden anderen Handlungsteile weisen weniger Unruhe auf, ganz abschwächen konnten sie den Eindruck aber nicht. Auch Spannung war hier nicht allzu viel geboten. Trotzdem fand ich diesen dritten Band besser als den Zweiten. Das lag zum einen an der Charakterzeichnung, zum anderen an der Umgebung, die mir diesmal einfach mehr zusagte. Und was immer man dem Autor vorwirft, mangelnder Einfallsreichtum gehört nicht dazu. Abwechslung gibt es immer.

Erstaunlich fand ich die Aussage des Klappentextes, dass der Zyklus mit diesem dritten Band abgeschlossen sei. Denn im Grunde ist am Ende des Buches noch alles offen. Die Barbaren sind nicht vollständig aus Skrae vertrieben – Mörgets Schwester sitzt immer noch in Helstrow -, in Ness herrscht ein Patt zwischen dem Burggrafen und dem Regenten des Königreiches, und Croy weiß noch nichts von Cytheras Entscheidung in Bezug auf ihn und Malden. Irgendwie kann ich nicht recht glauben, dass da nicht doch noch mal etwas nachkommt.

_David Chandler_ lebt in New York und arbeitete für die Uno, ehe er mit dem Schreiben begann. Sein Zyklus |Ancient Blades| ist sein erster Ausflug ins Fantasy-Genre. Zuvor hat er unter dem Namen David Wellington bereits eine ganze Reihe von Horrorromanen geschrieben.

|Taschenbuch 608 Seiten
Originaltitel: Honour Among Thieves
Deutsch von Andreas Decker
ISBN-13: 978-3-492-26756-4|
http://www.piper-verlag.de
http://www.ancientblades.com

_Als David Wellington auf |Buchwurm.info|:_
[„Der letzte Vampir“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4613
[„Krieg der Vampire“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5894
[„Vampirfeuer“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6230
[„Stadt der Untoten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4980
[„Welt der Untoten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6563

Heitz, Markus – Oneiros

|“Wie ich in so mancher Lesung im Vorfeld des Buchs versprochen hatte: Keine Vampire, keine Werwölfe, keine Dämonen.“|

_Und das aus dem Munde von Markus Heitz,_ einem der Großmeister der deutschen Fantasy-Literatur, der sich beinahe in jedem seiner Bücher mit diesem Sammelsurium übernatürlicher Kreaturen befasste. Doch etwas Neues musste nach der Aussage des Autors her, und damit hat er zumindest meinen Nerv absolut getroffen. Denn seien wir mal ehrlich – in Sachen Fantasy- und Science-Fiction-Literatur ist das meiste längst gesagt, und nur noch wenige Autoren warten mit wirklich neuen Ideen auf und vermögen es zu überraschen.

Doch vom Übernatürlichen hat sich Heitz natürlich auch diesmal nicht abgewendet und auch in seinem neuen Werk „Oneiros“ beschäftigt sich der 1971 in Homburg im Saarland geborene Autor mit einem den Lesern eigentlich nur allzu bekannten Motiv: der Unsterblichkeit. Doch versucht er, dieses Motiv in einen neuen Kontext zu rücken, von einer anderen Seite her zu betrachten.

_“Oneiros“, mit richtigem Namen Konstantin Korff,_ ist ein Todesschläfer. Er ist für den Tod unsichtbar, zieht den Gevatter jedoch wie magisch an, wenn er schläft. Und da der Tod sein Opfer nicht finden kann, wird er wütend und sucht sich stattdessen andere, deren Leben er auslöschen kann. Mit jedem Male wird er rasender, reißt mehr Menschen in den Tod. Nur mit starken Medikamenten können Korff und andere Todesschläfer sich wach halten, nur selten dürfen sie es sich erlauben, zu schlafen, und zwar nur dann, wenn besondere Bedingungen erfüllt sind.

An dieses Leben sind die meisten Todesschläfer bereits gewöhnt, doch als plötzlich ein Airbus ungebremst in einen Pariser Flughafenterminal rast, alle Insassen des Flugzeugs tot aufgefunden werden und es keine vernünftige Erklärung dafür zu geben scheint, wird klar, dass ein weiterer Todesschläfer im Spiel ist, der seine Gabe nicht im Griff hat. Auch er wollte die Fähigkeiten erlernen, mit seinem Fluch umzugehen, brach jedoch zusammen und floh. Jetzt stellt er eine unermessliche Gefahr für die Menschheit dar, und nur durch weitere immer verheerendere „Unfälle“ können Korff und andere Todesschläfer seiner Spur folgen, um ihn auszuschalten. Doch längst sind dem Entlaufenen auch andere auf der Spur, und nur unter härtestem Einsatz gelingt es Korff, an den Fersen des Todesschläfers zu bleiben, der angeblich dem Geheimnis auf der Spur ist, den Fluch zu brechen.

_Obwohl „Oneiros“ zu Beginn_ den Eindruck eines typischen Thrillers erweckt, so wird doch spätestens im zweiten Kapitel klar, aus wessen Feder dieses Werk stammt. Geschickt verwebt Heitz die einzelnen Handlungsstränge miteinander, berichtet mal aus der Perspektive des Protagonisten Korff, des entflohenen Todesschläfers sowie aus der anderer Menschen, die auf dessen Spur sind. Nebenrollen spielen weiterhin die Wissenschaftlerin Kristin, ebenfalls eine Todesschläferin, die mit allen Mitteln eine Möglichkeit erforschen will, den Fluch zu brechen, sowie Iva, die Geliebte Korffs, die er wegen seines Fluchs verlassen musste und die er zurückgewinnen möchte, sobald er endlich schlafen kann, ohne die Menschen um ihn zu gefährden.

Heitz springt zwischen den einzelnen Charakteren hin und her, arbeitet aber elegant mit dem Wissen und den Entdeckungen jedes einzelnen, die sich nacheinander wie Puzzleteile zusammenfügen und den Leser Stück für Stück näher an die Geheimnisse in der Geschichte heranführen. Diese werden nach und nach gelüftet, stets erwarten den Leser neue plötzliche Wendungen und Überraschungen, langweilig wird „Oneiros“ also kaum. Nur hin und wieder hängt der Spannungsbogen für einen kurzen Moment durch, und insbesondere am Anfang des Buches dauert es eine Weile, bis es richtig zur Sache geht. Doch diesen Vorlauf braucht „Oneiros“, um dem Leser den Fluch der Todeschläfer begreiflich zu machen und die einzelnen Charaktere zu skizzieren und deutlich zu machen, welche Rolle sie spielen.

Interessant an „Oneiros“ ist weiterhin die Quelle der Inspiration, die Heitz zu diesem Werk gebracht hat: Märchen. Zahlreiche alte Märchen handeln davon, wie die Menschen mit dem Schnitter verhandeln, ihn austricksen und verhöhnen, und hin und wieder zwischen den Kapiteln ist eines dieser Märchen abgedruckt. Zwar fließen sie also nicht unmittelbar in die Geschichte ein, lockern sie jedoch auf und machen deutlich, wie Markus Heitz auf die verschiedenen Ideen, die er in seinem Werk verwendet, gekommen ist.

Obwohl „Oneiros“ sich inhaltlich vom sonstigen Schaffen des Autors abhebt, so ist es doch letztendlich ein Werk, an dem Fans von Heitz auf jeden Fall Freude haben werden, und ich kann nur zur Anschaffung raten. Dennoch hat Heitz seine Wurzeln natürlich nicht vergessen und kündigt an, was als nächstes von ihm zu erwarten ist: |“Wieder Werwölfe, Vampire, Dämonen?“|

|Klappenbroschur, 624 Seiten
ISBN 978-3426505908|
http://www.pakt-der-dunkelheit.de

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http://www.droemer-knaur.de

|Mehr als zwanzig weitere Titel von Markus Heitz findet ihr in unserer [Rezensionsdatenbank.]http://buchwurm.info/book/ |

Stromiedel, Markus – Kuppel, Die

_Die rote oder die blaue Pille? – Zu Besuch im schönen neuen Europa_

„Thriller“ steht auf dem Cover von Markus Stromiedels neuen Roman „Die Kuppel“. Ich mag eigentlich keine Thriller, doch der Umschlagtext, der von Europa als einem „autoritären Überwachungsstaat“ spricht, weckt leicht die Neugier von jemandem, der Orwells „Neunzehnhundertvierundachzig“ und Huxleys [„Schöne neue Welt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2462 verschlungen hat. Zudem hat der Drehbuchautor Markus Stromiedel sich durch seine Kriminalromane „Zwillingsspiel“ und „Feuertaufe“ bereits einen Namen gemacht. Da ist es nur folgerichtig, auch zu seinem neuesten Werk zu greifen.

Der junge Soldat Vincent Höfler schiebt seinen Dienst in der europäischen Armee in Brüssel auf Sparflamme. Überhaupt hat er sich lediglich verpflichtet, um seinen Vater zu ärgern und vielleicht an der Uni der Streitkräfte studieren zu können. Als ihm die begleitende Untersuchung eines Todesfalls auf einem Militärgelände im Osten Deutschlands übertragen wird, macht man ihm deutlich, dass man gerade ihn dort hinschickt, weil er der entbehrlichste Mann weit und breit ist. Für den Krieg am Horn von Afrika, in dem Europa sich gerade befindet, eignet er sich schon gar nicht, wie er gleich zu Anfang des Romans in einer Trainingssimulation eines Kriseneinsatzes eindrucksvoll beweist.

Also begibt sich der Leser mit Vincent auf eine Fahrt in den kleinen Ort Laage und gleichzeitig hinein in eine beängstigend real anmutende Zukunft: Autofahren ist durch hohe Preise für Strom, Diesel und Wasserstoff zum Luxus geworden; die Autobahnen und Straßen sind vom Verkehr befreit. Die europäischen Städte sind gekennzeichnet durch Vorstadtslums aus Baracken und Zelten, wie man sie aktuell in der dritten Welt findet. Kleinere Ortschaften sind bereits unbewohnt und verfallen wie die heutigen Geisterstädte in Amerikas Westen. Alle Menschen sind ganz selbstverständlich mit einem Tagger ausgerüstet, eine Art am Handgelenk zu tragendes Minihandy, das gleichzeitig Ausweis, Zahlungsmittel und Ortungssystem ist – sehr bequem, sehr normal und letztlich ein freiwillig angelegtes Überwachungsinstrument, das selbstverständlich in seinen verschiedenen Ausführungen auch Fashion und hippes Statussymbol sein kann.

In Laage angekommen, wird Vincent schnell klar, dass an dem Tod des alten Mannes einiges faul ist. So lag die Leiche auf der falschen Seite des Zauns, hätte aufgrund einer Thermobekleidung nicht erfrieren können und wurde, wie ihm die Ärztin Anna in der Leichenhalle zeigt, vermutlich durch eine Injektion getötet. Zu dumm, dass die Leiche noch dazu ganz plötzlich verschwindet und man von Vincent trotzdem erwartet, dass er die Ermittlungen im Sande verlaufen lässt. Er weiß, dass er seine Karriere bei der Armee riskiert, aber er beschließt, sich dennoch gründlicher umzusehen. Seine Spurensuche führt ihn zum First Resort, einem Prototyp der zukünftigen europäischen Altenheime. Wie die täuschend menschlichen Ausbildungsroboter, die Vincents Freund Eddy für die Ausbildung von Medizinern konstruiert, begrüßen auch im First Resort auf den ersten Blick nicht als humanoide Roboter erkennbare Maschinen den Ankömmling. Vincent gelingt es, einen Besuchstermin im Inneren der Glaskuppel, die das gigantische First Resort überspannt, zu erhalten. Was ihn dort erwartet, übertrifft alles Vorstellbare: Die dort lebenden ersten 500 Bewohner von zukünftig 5000 sind in eigenen Wohnungen in einer idyllischem Kleinstadt mit Bachlauf, Geschäften und kleinen Kaffees untergebracht – ein Paradies, für das es sich offensichtlich lohnt, sich auf eine Warteliste setzen zu lassen. Doch warum werden die mitgebrachten persönlichen Gegenstände der Bewohner in großen Lagerhallen außerhalb der Kuppel aufbewahrt? Warum begegnet Vincent in der Kuppel dem Toten vom Zaun, der sich offensichtlich bester Gesundheit erfreut? Und warum findet Vincent schließlich auch seinen Vater im First Resort wieder?

Wer sich die Überraschungsmomente des Kriminalromans nicht entgehen lassen möchte, sollte an dieser Stelle nicht weiterlesen _(Spoiler!)_. Doch natürlich kann die schöne neue Welt, die sich die Menschen unter der Kuppel konstruiert haben, nicht das Paradies sein. Dazu ist die Welt darum herum mit totaler Überwachung und der Verfolgung der Opposition zu gegensätzlich charakterisiert worden.

Tatsächlich wird dem Leser aber bei der zweiten Lektüre der Schlüsselstellen klar, dass der Autor ihn ordentlich an der Nase herumführt und man es sogar bemerken könnte. Bereits in der eingangs geschilderten Szene, in der Vincent sich in einer Computersimulation im Krieg befindet, wird deutlich, dass man über sogenannte Datenbänder und Computer von der Realität durch nichts zu unterscheidende Umgebungen und Vorgänge ins Gehirn projiziert bekommen kann. Dennoch wird der Leser bei Vincents Besuch des First Resorts durch Vincents Angst vor Verfolgern und des vorgeblich medizinischen Hintergrunds geschickt von der Ähnlichkeit der Prozedur abgelenkt und bemerkt wie der Protagonist bis fast zum Ende des Romans nicht, dass die Kuppel ein großes leeres Gebäude ist, während die vermeintlichen Gäste des Resorts matrixmäßig an einen Rechner angeschlossen und von Robotern überwacht in einer grünen Flüssigkeit schweben, während sie ihr restliches Leben in einer idyllischen Kleinstadt zu genießen glauben.

Auf diese Art und Weise löst man in Stromiedels Zukunftsvision das Problem der Überalterung der Bevölkerung, und mit Vincent kann man sich fragen: „Wo war ich hier gelandet? Im Horrorkabinet eines Wahnsinnigen oder im Refugium eines Visionärs?“ Die Frage wird auf den letzten Seiten durchaus diskutiert, denn Vincent versucht, den Leiter des Resorts dazu zu bewegen, seinen Vater freizugeben, der das First Resort mit einem Altenheim vergleicht: „Waren Sie schon einmal in einem staatlichen Pflegeheim? Haben Sie gesehen, wie die Bewohner dort vor sich hin siechen? Zeigen Sie mir den Menschen, der so alt werden will! Zeigen Sie mir einen Menschen, dem es Spaß macht, hilflos dabei zuzusehen, wie sein Körper verfällt! […] Schmerzen, Leiden, Not, das gibt es bei uns nicht. Wir ermöglichen alten Menschen ein würdiges Leben, so wie wir es in Ihrer sogenannten Realität niemals tun könnten.“ Der Resortleiter argumentiert mit der Überalterung der europäischen Bevölkerung, mit den finanziellen Ressourcen, die dafür aufgebracht werden müssen, die alten Menschen zu versorgen und zu pflegen. Schließlich beugt Vincent sich dem Wunsch seines todkranken Vaters, ihn in der künstlichen Umgebung zu belassen, statt ihn zu einem Pflegefall in der Realität zu machen. Trotzdem wird dem Leiter des Resorts, der bisher von der Brillanz seiner Mission überzeugt war, deutlich gemacht, dass seine fragwürdige Alternative zum Altenheim vom Militär, mit dem er wegen der technischen Möglichkeiten bei der Entwicklung des First Resorts zusammengearbeitet hat, auch missbraucht werden kann und wird – als Gefängnis für Regierungsgegner wie Vincent. Dieser muss sich dafür entscheiden, ob er die Simulation des Lebens wählen oder dagegen antreten will. So erscheint der Roman als Zeichen, dass sich mindestens der Autor seinen hoffnungsvollen Blick auf die Menschheit bewahrt hat und seine Hauptfigur bis zum letzten Buchstaben gegen den schönen neuen Schein kämpfen lässt.

Stromiedels Anleihen an [Orwell,]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1373 Huxley und den Film „Matrix“ sind unübersehbar. Sie beginnen bei der Darstellung eines umfangreichen totalitären und auf Überwachung ausgelegten Regimes, das seine Gegner mit allen Mitteln bekämpft, gehen über eine als Nebenhandlung eingebaute Romanze mit der Ärztin Anna bis zur Auseinandersetzung mit den wissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten unserer Zeit und dem, was daraus erwachsen kann. Stromiedel unterfüttert seine Welt mit der aktuellen Debatte über die Überalterung der Bevölkerung. Es wird nicht mehr mit Gewalt oder Konditionierung gearbeitet, sondern wir gelangen mit Hilfe der Technik dorthin, von wo Neo in der noch ferneren Zukunft der „Matrix“ wieder ausbrechen wird: in ein perfektes Leben, an dem nichts Wahres ist.

Der Autor versteht sein Handwerk, denn der Roman ist von der ersten bis zur letzten Seite packend. Da verzeiht man ihm die für die Haupthandlung nicht notwendige, aber vermutlich aus seiner Profession als Drehbuchschreiber heraus eingebaute Verfolgungsjagd und auch den Ausflug des Protagonisten nach Hamburg, welcher der Geschichte das Tempo nimmt und lediglich dazu dient, Elemente des Thrillers, des Kriminalromans und etwas mehr Sex in diese wunderbar beklemmende Dystopie einzubauen. Am Ende bleibt für jeden Leser wieder die Frage, die wir uns 1999 nach „Matrix“ schon einmal gestellt haben: „Die rote oder die blaue Pille?“; „Altenheim“ oder „First Resort“? und stellen wir uns dieses Mal vor, wir sind bei der Beantwortung der Frage keine jugendlich agilen Dissidenten, sondern alte Menschen an der Schwelle zu Krankheit, Schmerzen und Tod. Das gibt der Frage die richtige Würze.

|400 Seiten, Broschur
ISBN-13: 978-3426198278|
http://www.droemer-knaur.de
http://www.markus-stromiedel.de

_Mehr von Markus Stromiedel auf |Buchwurm.info|:_
[„Feuertaufe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6215

Tad Williams & Deborah Beale – Die Geheimnisse der Tinkerfarm (Tinkerfarm 2)

Tinkerfarm:

Band 1: „Die Drachen der Tinkerfarm“
Band 2: „Die Geheimnisse der Tinkerfarm“
Band 3-5: – angekündigt –

Ein Jahr ist vergangen, seit Tyler und Lucinda Jenkins das erste Mal zu Besuch auf der geheimnisvollen Tinkerfarm ihres Großonkels Gideon waren und die Sommerferien endlich anbrechen, können sie es kaum erwarten, auf die Farm und zu ihren außergewöhnlichen Bewohnern zurückzukehren. Dort angekommen merken sie jedoch schnell, dass sich vieles verändert hat. Auf der Tinkerfarm wurden nach den Ereignissen im letzten Sommer Sicherheitsvorkehrungen getroffen, Menschen und Tiere werden nunmehr von Kameras überwacht und von elektrischen Zäunen gesichert.

Tad Williams & Deborah Beale – Die Geheimnisse der Tinkerfarm (Tinkerfarm 2) weiterlesen

Cast, P. C. – Göttin der Liebe (Mythica 1)

_|Mythica|:_

Band 1: _“Göttin der Liebe“_
Band 2: „Göttin des Meeres“ (Juni 2012)
Band 3: „Göttin des Lichts“ (November 2012)
Band 4: „Göttin des Frühlings“ (März 2013)
Band 5: „Göttin der Rosen“ (noch ohne Erscheinungstermin)
Band 6: „Göttin des Sieges“ (noch ohne Erscheinungstermin)

|Die göttliche Venus – unsterblich verliebt in einen Sterblichen!|

Um den attraktiven Feuerwehrmann Griffin zu gewinnen, bräuchte die unscheinbare Pea vor allem eines: eine gründliche Generalüberholung. Make-up, Schuhe, Klamotten – alles an ihr ist ein einziges Desaster. Als sie in ihrer Verzweiflung Venus beschwört, staunt sie nicht schlecht: Die Göttin steigt herab aus dem Olymp, um ihr zu helfen. Doch, was ist, wenn die Göttin der Liebe plötzlich selbst ihr Herz verliert? Und das ausgerechnet an Griffin? (Verlagsinfo)

_Kritik_

Mit dem Roman „Die Göttin der Liebe“ hat die erfolgreiche Autorin P. C. Cast den ersten Band ihrer mitreißenden Reihe „Mythica“ veröffentlicht. In dieser Reihe, die momentan auf sechs Bände ausgelegt ist, lässt P. C. Cast uns Leserinnen an der mythologischen Welt der alten Götter teilhaben.

Mit einem ebenso unterhaltsamen sowie humorvollen und erotischen Plot zieht die Autorin ihre Leserinnen schnell in ihren Bann. P. C. Cast arbeiten die alten Mythen der Antike neu auf und versetzt in „Göttin der Liebe“ kurzerhand Venus/Aphrodite in die heutige Zeit. Der Fokus des Romans liegt auf den Entwicklungen der Liebesgeschichten und bekommt eine besondere Würze durch die Entwicklungen der einzelnen Darsteller. Besonders vorteilhaft fällt ins Auge, dass Konflikte und Probleme nicht unnötig aufgebauscht, sondern intelligent gelöst werden. Die erotischen Sequenzen sind ansprechend in die Handlung eingebunden und wirken authentisch. Der Leser bekommt es in „Die Göttin der Liebe“ mit zwei unterschiedlichen Paaren zu tun, diese beiden Handlungsstränge sind interessant und unterhaltsam umgesetzt worden.

Mit einem detaillierten und sehr angenehmen Schreibstil macht die Autorin es ihren Lesern leicht, der Geschichte zu folgen. Auch der Humor kommt in „Göttin der Liebe“ nicht zu kurz, oft schafft es P. C. Cast durch amüsante Umschreibungen und besonders durch die witzigen Flüche der Liebesgöttin Venus, die Leser zum Lachen zu bringen. Auch die Mischung der verschiedenen Elemente, wie die erotische und spritzige Liebesgeschichte, die Legenden antiker Götter und überzeugende Darsteller, ist der Autorin nahezu perfekt gelungen. Die Ereignisse spielen sich in Tulsa ab, einem Ort dem Leser anderer Romane der Autorin bereits bekannt ist. Der Olymp wird nur wenig und sehr nebulös beschrieben, dies tut der Geschichte allerdings keinen Abbruch, die Bühne ist definitiv die menschliche Welt.

Erzählt wird der Plot aus der Perspektive eines Beobachters, der seine Augen und Ohren überall hat. Diese dritte Person erzählt die Ereignisse im Rückblick auf das Geschehen und die Perspektive springt dabei zwischen den Darstellern Pea, Venus, Vulcanus und Griffin hin und her. Schnell bekommt der Leser so einen tiefen Einblick in die unterschiedlichen Charaktere und lernt diese sehr gut kennen.

Die Figurenzeichnung ist äußerst gelungen, facettenreich und sympathisch werden die Protagonisten beschrieben. Auch entwickeln sich diese glaubwürdig und interessant weiter.

Pea, die anfangs leicht schusselig und unscheinbar wirkt, entwickelt sich zu einer selbstbewussten Frau. Dies jedoch ohne die Charaktereigenschaften die Pea ausmachen zu verlieren.

Im ersten Blick wirkt die Göttin Venus recht sorglos und vor allem oberflächlich. Dieser erste Eindruck verfliegt allerdings schnell und eine ernsthafte und gewissenhafte Frau tritt an die Oberfläche.

Feinfühlig und attraktiv sind auch die männlichen Figuren konzipiert. Griffin der in einem reinen Frauenhaushalt aufgewachsen ist, ist ein echter Frauenversteher, steht dabei aber auch seinen Mann. Vulcanus ist unter den perfekten Göttern ein Außenseiter, mit einem körperlichen Makel versehen fällt es ihm schwer, sich im Reich der Götter zu behaupten. Gerade dies macht Vulcanus aber umso sympathischer.

Diverse Rand- und Nebenfiguren sind zwar blasser gezeichnet, bleiben aber dennoch durch sympathische Züge in Erinnerung.

_Autorin_

P. C. Cast ist zusammen mit ihrer Tochter Kristin Autorin der „House of Night“-Bestseller. Die beiden sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Die Serie „House of Night“ hat Millionen von Fans in über 40 Ländern. Die Serie „Mythica“ schrieb P. C. Cast ohne ihre Tochter. Sie wendet sich an alle, die dem „House of Night“ bereits entwachsen sind. P. C. und Kristin Cast leben beide in Tulsa, Oklahoma.

_Fazit_

P. C. Cast ist mit „Die Göttin der Liebe“ ein grandioser Start ihrer Reihe „Mythica“ gelungen. Die Mischung aus den alten Legenden der antiken Götter, Humor, Erotik, viel Gefühl und liebenswerten Darstellern ist gelungen und macht definitiv Lust auf mehr.

Leserinnen, die sich gerne mit fantastischen Liebesgeschichten befassen, sind mit „Mythica 1: Die Göttin der Liebe“ bestens bedient. Ich kann hier eine Leseempfehlung ruhigen Gewissens aussprechen und freue mich schon auf den zweiten Band „Göttin des Meeres“, der sich mit der Meerjungfrau Undine befasst.

|Broschiert: 400 Seiten
ISBN-13: 978-3596193875
Originaltitel: Goddess of Love|
http://www.fischerverlage.de

_P. C. Cast_ bei |Buchwurm.info|
[Tales of Patholon 1: Ausersehen]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7125
[Tales of Patholon 2: Verbannt]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7125

Haldeman, Joe – The Accidental Time Machine

_Intelligente Wells-Parodie: Zeitreise per Zufall_

Hochschulabbrecher Matt Fuller schlägt sich als einfacher Forschungsassistent am Massachusetts Institute of Technology durch. Als er sich gerade mit den Quantenbeziehungen zwischen Gravitation und Licht beschäftigt, verschwindet plötzlich sein Kalibrator – und taucht eine Sekunde später wieder auf. Und jedes Mal, wenn Matt den Reset-Knopf drückt, verschwindet die Maschine zwölfmal länger. Nachdem er mit dem Kalibrator herumexperimentiert hat, kommt Matt zu dem Schluss, dass er nun in Besitz einer Zeitmaschine ist, mit der er Dinge in die Zukunft schicken kann …

Nichts scheint dagegen zu sprechen, dass Matt selbst eine kleine Zeitreise unternimmt. Also landet er in der nahen Zukunft – wo er wegen Mordes am Besitzer des Autos verhaftet wird, welcher tot umgefallen ist, als Matt direkt vor seinen Augen verschwunden ist. Die einzige Möglichkeit, der Mordanklage zu entgehen, besteht darin, weiter in die Zukunft zu reisen, bis er einen Ort in der Zeit findet, an dem er sich in Ruhe niederlassen kann. Doch was ist, wenn solch ein Ort gar nicht existiert? (Gekürzte Verlagsinfo)

_Der Autor_

Der US-Autor Joe Haldeman, geboren am 9. Juni 1943 in Oklahoma City, studierte Physik, Astronomie, Mathematik und Informatik an der Universität von Maryland. 1967 wurde er zum Militärdienst nach Vietnam eingezogen. Durch seine Erlebnisse in Vietnam wurde er zu seinem wohl bekanntesten Roman „Der Ewige Krieg“ (The Forever War) inspiriert, für den er den Hugo Award sowie den Nebula Award erhielt.

„Der Ewige Krieg“ arbeitete er später zu einer Trilogie aus („Der ewige Friede“, „Am Ende des Krieges“), deren zweiter Band erhielt ebenfalls sowohl den Hugo- als auch den Nebula-Award. Bekannt ist auch seine Worlds Trilogie, die „Kreisende Welten“, „Isolierte Welten“ (beide bei Moewig) und „Worlds Enough and Time“ umfasst.

Zu seinen Romanen kommen zahlreiche Kurzgeschichtensammlungen, darunter „Unendliche Träume“ (dt. bei Heyne). Seit den 1990er Jahren erscheinen seine Romane nicht mehr auf deutsch, obwohl Haldeman in den USA und in Großbritannien nach wie vor hoch im Kurs steht. Beispielsweise erhielt er für den 1993 erschienen Roman „Graves“ den World Fantasy Award, und 2004 für Roman „Camouflage“ den Nebula Award sowie den James Tiptree, Jr. Award.

Zur Zeit lehrt Haldeman am Massachusetts Institute of Technology (MIT) Schriftstellerei und Science-Fiction. Sein 2002 verstorbener älterer Bruder Jack C. Haldeman II war ebenfalls Science-Fiction-Autor. (Quelle: Wikipedia)

Romane (korrigierte Angaben):
* 1972 War Year
* 1975 The Forever War (dt. Der Ewige Krieg 1978)
* 1976 Mindbridge (dt. Die Denkbrücke 1978)
* 1977 Planet of Judgment (dt. Grenze zur Unendlichkeit / Duell der Mächtigen 1980; STAR TREK)
* 1977 All My Sins Remembered (dt. Der befleckte Engel 1978)
* 1979 World Without End (dt. Welt ohne Sterne, 1979 / Welt ohne Ende, 1980, STAR TREK)
* 1981 Worlds (dt. Die kreisenden Welten 1982 / Kreisende Welten 1984, bei Moewig)
* 1983 There Is No Darkness (dt. Und fürchtet keine Finsternis 1985) mit Jack C. Haldeman II
* 1983 Worlds Apart (dt. Isolierte Welten, bei Moewig)
* 1987 Tool of the Trade
* 1989 Buying Time (dt. Gekauftes Leben 1992, bei Heyne)
* 1990 The Hemingway Hoax (dt. Der Schwindel um Hemingway 1992, im Heyne SF-Jahresband 1992)
* 1992 Worlds Enough and Time
* 1994 1968
* 1997 Forever Peace (dt. Der ewige Friede 2000, bei Heyne)
* 1998 Forever Free (dt. Am Ende Des Krieges 2002, bei Heyne)
* 2000 The Coming
* 2002 Guardian
* 2004 Camouflage
* 2005 Old Twentieth
* 2007 The Accidental Time Machine (dt. als „Herr der Zeit“ bei Mantikore, 6/12)
* 2008 Marsbound
* 2010 Starbound
* 2011 Earthbound

_Handlung_

Matt Fuller ist eher mit der Generation X verwandt als mit den Nobelpreisaspiranten. Nach Jahren als Physiker am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston hat er es im Jahr 2051 immer noch nicht geschafft, seine Doktorarbeit bei Prof. Jonathan Marsh abzuliefern. Stattdessen schlägt er sich bei seinem Mentor als „Technischer Assistent“ durchs Leben.

In dieser Eigenschaft ist er für die Genauigkeit eines sogenannten Kalibrators zuständig. Das supergenaue Gerät misst, dass nur je ein Photon, also Lichtteilchen, pro Chronon, also Zeiteinheit, durch den Sensor geht. Auch Gravitonen spielen eine Rolle. Bei einer dieser Messungen drückt er den Reset-Knopf – und die Maschine verschwindet kurz. Wo war sie, als Matt gerade mal nicht hinschaute, will Prof. Marsh natürlich als erstes wissen. Matt kann es ihm nicht sagen – und wird deshalb auch nicht ernstgenommen. Ein Fehler, wie sich bald zeigen soll.

|Don’t try this at home|

Matt nimmt den Kalibrator mit nach Hause, stellt Versuche an und erhält eine Kurve von jeweils zwölfmal (genau 11,8) längeren Aufenthalten seiner Maschine im Nirwana. Das heißt, dass die sechsten und siebten Versuche schon wesentlich längere Aufenthalte erzeugen. Weder Handy noch Kamera liefern aufschlussreiche Daten. Und als er seiner Freundin Kara davon erzählt, sagt sie ihm, dass sie ihn bereits verlassen hat – für einen langweiligen Streber.

Matt sieht nicht ein, warum er einer solchen Freundin eine Träne nachweinen soll, noch dazu, nachdem sie dafür gesorgt hat, dass Prof. Marsh ihn feuert. Und da es als Alternative nur brutal hartes Arbeiten an ungesicherten Daten gibt, um seine Doktorarbeit zu schreiben, sieht die Arbeit mit dem Kalibrator richtig attraktiv aus. Die nächste Stufe sieht vor, ein Versuchskaninchen mit seiner Zeitmaschine mitzuschicken. Da er nichts Besseres zur Hand hat, handelt es sich dabei um Herman, eine mit List und Tücke erstandene Landschildkröte. So wird Hermann zum ersten Zeitreisenden, und es scheint ihm nicht zu schaden. Allerdings stellt Matt besorgt eine räumliche Versetzung der Maschine um einen Millimeter fest. Das könnte noch eine gewisse Rolle spielen …

|Zeitreise im Selbstversuch|

Als Nächstes beschließt Matt, selbst mit der Maschine zu reisen. Die Vorsichtsmaßnahmen dafür sind umfangreich: Für den Fall, dass er mit seiner Zeitmaschine im Ozean landet und weil er nicht schwimmen kann, steckt er sich in einen Taucheranzug und nimmt ein Schlauchboot mit. Diese Ausrüstung steckt er in das coolste Auto, das für ihn greifbar ist: den 1956er Thunderbird seines Kumpels und Lieblingsdrogendealers: Dennis. Die Stahlkarosserie dieses geilen Oldie-Schlittens soll zugleich als Faradayscher Käfig gegen irgendwelche Stromschläge und Strahlen dienen.

Alles klappt wie am Schnürchen, nachdem sich Dennis noch eine Line von ungetestetem Stoff reingezogen hat. Knapp vier Wochen später erscheint Matt in seinem Thunderbird wieder – mitten auf einer Durchgangsstraße im Stoßverkehr. Der von ihm verursachte Unfall ruft die Polizei, die Kripo und die Psychiater auf den Plan. Denn obendrein hat Dennis inzwischen wegen des Stoffs den Löffel abgegeben. Weil er dabei die Visitenkarten von Prof. Marsh, die Matt ihm für den Fall der Fälle gegeben hatte, bei sich trug, wurde der Prof von der Kripo verhört – was Matts Ruf nicht eben förderlich ist.

|Besuch aus der Zukunft?|

Eigentlich wäre Matt ja jetzt ein Fall für die Klapse, aber ein Scheck über eine Million Dollar von Unbekannt deckt gerade mal die Kautionssumme, die die Richterin festgesetzt hat. Wer konnte davon wissen, fragt sich Matt und vermutet die mafiösen Verbindungen von Dennis. Jedenfalls kommt er wieder frei und muss sich um die Konsequenzen kümmern. Der Mob dürfte nun hinter ihm her sein. Und da inzwischen Karas neuer Lover (mit ihrer hinterlistigen Hilfe) sein Nachfolger bei Prof. Marsh wird, hält Matt nichts mehr in diesem Boston. Er baut ein Duplikat seiner Zeitmaschine, liefert alle seine Beobachtungen an Prof. Marsh und verduftet.

Erst fünfzehn Jahre später taucht er wieder auf, obwohl für ihn selbst nur ein Moment vergangen ist. Und die Kulisse, die Prof. Marsh zu Matts Empfang aufgebaut hat, weiß seinen Exschüler zu beeindrucken: Es ist ein ganzes Stadion voller Fans – und alle sind 15 Jahre älter als Matt selbst …

_Mein Eindruck_

Man merkt gleich, dass der MIT-Professor Joe Haldeman, sich in diesem humorvollen Garn ein paar Freiheiten gegenüber seinem eigenen, durchaus geliebten, Institut herausnimmt. Die Witze, die er einstreut, verraten eine intime und tiefreichende Kenntnis über die Geschichte des MIT und der Harvard-University, die im benachbarten Cambridge beheimatet ist. Diese humorvolle Seite ist zwar nur für Fans des MIT und der theoretischen Physik goutierbar, aber wer sich als Science-Fiction-Fan damit auskennt, kommt aus dem Schmunzeln nicht mehr heraus.

An niemanden erinnerte mich der Slacker-hafte Matt Fuller so sehr wie an Justin Long, den Hacker, dem Bruce Willias als John McClane in „Stirb langsam 4.0“ das Leben rettet. Matt hat in seinem Leben noch nichts zustande gebracht, hat die Graduierung und die Übernahme von Verantwortung wohl auch gar nicht vor, ebenso wenig wie die Heirat mit Kara. Irgendwie hat er andere Prioritäten. Deshalb werden für ihn seine wiederholten Zeitreisen auch eine Reise zu sich selbst. Vielleicht werden seine Prioritäten ja irgendwann mal gebraucht.

|Rücksturz in die Vergangenheit?|

Zumindest in der nahen Zukunft kommt er mit seinem Physikerverstand gut zu Rande, doch je weiter er sich von seiner Zeit entfernt, desto mehr Probleme bekommt er mit der Kultur der USA – bis er schließlich im 24. Jahrhundert in einer Kultur landet, die nichts so sehr ähnelt wie dem sittenstrengen 17. Jahrhundert. Hier herrschen nach einem Krieg puritanische Sitten über die Überlebenden, die sich einer Mischmaschkultur aus mittelalterlicher Landwirtschaft, geerbter Hochtechnik und versteckter Unterdrückungstechnologie zurechtfinden müssen. Jesus ist zur Erde wiedergekehrt – und er herrscht absolut. Das erinnert an die Zeit der Salemer Hexenprozesse, die nicht weit von Boston im 17. Jahrhundert stattfanden.

Zu Matts Glück gib es auch hier ein MIT, allerdings ein Institut für Theosophie – was auch immer das sein mag, wundert sich der Zeitreisende, der tatsächlich erwartet worden ist und als Professor akzeptiert wird, wenn auch ohne Lehrerlaubnis. Matt agiert sehr vorsichtig, um nicht wie Giordano Bruno auf dem Scheiterhaufen zu enden. Er glaubt nicht, dass er diese Prozedur durchstehen könnte. Zu seinen Vorrechten als MIT-Professor gehört es, einen graduierten Assistenten an die Seite gestellt zu bekommen. Ihr Name ist Martha.

Sie betrachtet es als ihre Pflicht, in seiner Gelehrtenhütte auf dem Boden zu schlafen. Die Nacktheit, die sie wie selbstverständlich an den Tag, erfordert bei Matt einen gewissen Gewöhnungsprozess – einen von vielen. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er seine Position niemals ausnutzt. Er wartet, bis sie bereit ist. Jesus zitiert Matt zu sich, als Hologramm, und er verlangt die Übergabe der Zeitmaschine. No way, denkt Matt. Als ein Cop im Pissoir entdeckt, dass Matt nicht beschnitten ist (obwohl er Jude ist) und folglich ein Fremder sein muss, ist es für Matt höchste Zeit zu verschwinden.

Dabei lässt es sich nicht vermeiden, dass Martha mitkommt. Zusammen bestehen sie Abenteuer in den nächsten drei Millionen Jahren. Genügend Zeit, um die Jungfrau Martha über die Feinheiten des Zusammenlebens von Mann und Frau aufzuklären. Eine der komischsten Szene ist sicherlich jene mit der Ejakulation in der Schwerelosigkeit. Eine schöne Sauerei in jeder Hinsicht.

|Die echte Vergangenheit |

Matt (und sein Schöpfer) weiß genau, dass theoretisch unmöglich ist, in die Vergangenheit zu reisen. Denn durch die Begegnung mit sich selbst würde ein Paradoxon ausgelöst, das das Universum nicht zulässt. Zum Glück gibt es eine Instanz, die Matt und Martha davon erlöst, für immer und ewig in die Zukunft zu reisen. Diese Instanz, die sich per Telepathie als „Jesus“ vorstellt, ist wohl der schwächste Punkt in der fiktionalen Argumentation der Handlung: Die Gründe für die Existenz dieses Helfers und seiner Begleiter sind leider viel zu dünn, um plausibel zu wirken.

Aber die Rücksreise ins echte Boston des Jahres 1898 gibt Matt und Martha die Chance, von Neuem zu beginnen. Und diesmal hat Matt nicht nur Vorsprung durch Wissen, sondern auch den Charakter, um eine Professur anzustreben und eine Familie zu gründen. In der Physik kommen Planck und Einstein zu Ehren, was eine Rehabilitierung der deutschen Wissenschaftler gleichkommt. Und fast alle Werktitel sind sogar korrekt gedruckt. Matts Zeitabenteuer nimmt ein gutes Ende, selbst wenn einige seiner Äußerungen auf seine Zeitgenossen etwas kryptisch wirken.

_Unterm Strich_

Wer H. G. Wells‘ Roman „Die Zeitmaschine“ aus dem Jahr 1895 gelesen hat (und sich nicht mit den beiden Verfilmungen abspeisen ließ), der wird beim Vergleichen mit Haldemans Zeitmaschinenroman erfreut feststellen, dass Wells weitaus düsterer und pessimistischer ist, was die Zukunft der Erde angeht. Andererseits verfügt Haldemans Held wider Willen über eine ausgezeichnete Fluchtmethode, um unangenehmen Konsequenzen aus dem Weg zu gehen: Er drückt einfach den RESET-Knopf auf seinem Kalibrator und reist weiter.

|Kulturelle Relativität|

„The Accidental Time Machine“ bzw. die Übersetzung „Herr der Zeit“ (eine reichlich unzutreffende Bezeichnung, denn Matt ist eher Opfer der Umstände als deren Beherrscher) ist eine unterhaltsame Kombination aus Zukunftsvision, Liebesromanze, witziger Parodie auf H. G. Wells‘ Vorlage und humorvollen Seitenhieben auf die Theoretische Physik im Allgemeinen und das MIT im Besonderen.

Daneben zeigt uns der Autor Boston und das MIT in verschiedenen Zeitebenen, vom 17. über das 19. und 21. bis zum 24. Jahrhundert. In diesen Epochen erweist sich der Stellenwert der Physik bzw. der Naturwissenschaft an sich, den ihr die jeweilige Gesellschaftsform zumisst, als sehr relativ und variabel. Am Massachusetts Institut für Theosophie etwa ist „Wissenschaft“ an sich Teufelswerk, und alle Seminare drehen sich ums Beten, die Bibelauslegung (Martha und Matt analysieren die Geschichte von David und Bathseba sehr intelligent und kritisch) sowie um Metaphysik – von der die Physik und die Mathematik lediglich Unterkategorien sind. Nix war’s mit der „Königin der Wissenschaften“.

Es ist ein professoraler Roman, der auf Ausgewogenheit bedacht ist, das Drama und die Action auf ein Minimum begrenzt, aber mit (wohlweislich gut versteckten) Weisheiten nicht geizt. Nirgendwo ist ein erhobener Zeigefinger zu bemerken, und das muss man dem Prof hoch anrechnen: Stets steht die Geschichte im Vordergrund, und das Wohlergehen seiner Figuren liegt ihm am Herzen, so kurios es auch verlaufen mag.

Es sollte mich nicht wundern, wenn auch dieses Zeitreiseabenteuer bald mal verfilmt wird. Bis dahin müssen aber die Spezialeffekte noch ein wenig besser werden – und die Menschen noch ein wenig mehr über Stringtheorie lernen.

|Info: 288 Seiten
Sprache: Englisch
ISBN-13: 9780441016167|
[Verlagshomepage]http://us.penguingroup.com/static/pages/publishers/adult/ace.html

_Joe Haldeman bei |Buchwurm.info|:_
[„Der ewige Krieg“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=488
[„Die Datenbrücke“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7747

RICHELLE MEAD – Falsche Versprechen (Bloodlines 1)

Kurzbeschreibung:

Als Alchemistin ist es Sydneys Aufgabe, die Geheimnisse der Vampire zu bewahren und gleichzeitig die Menschen vor den Blutsaugern zu schützen. Da gerät Jill Dragomir, die Schwester der Vampirkönigin Lissa, in tödliche Gefahr, und die Moroi müssen sie verstecken. Um einen Krieg zwischen den Vampiren zu verhindern, soll Sydney über Jill wachen. Gemeinsam flüchten sich die Mädchen an einen Ort, wo niemand eine Vampirin vermuten würde: ein Internat für menschliche Schüler in Kalifornien. Doch damit fängt der Ärger erst richtig an … (Quelle: |Egmont LYX|)

Inhalt:

Eines Nachts wird Sydney von ihrem Vater geweckt und soll in sein Arbeitszimmer kommen. Dort wird ihr eröffnet, dass sie eine neue Mission erwartet. Aber sie ist nur die zweite Wahl, hat sie doch bei ihrer letzten Mission einem Vampir zur Flucht verholfen. Um ihre Schwester Zoey zu schützen, bekräftigt sie, dass so ein Fehler nicht noch mal vorkommen wird. Nur muss sie mit Keith zusammenarbeiten, mit dem sie eine unglückliche Vergangenheit verbindet. Immer wieder fordert Keith, dass er Zoey bei der Aktion dabeihaben möchte, aber Sydney schafft es mit klugen Argumenten, die anderen Alchemisten davon zu überzeugen, sie nach Kalifornien zu schicken.

Doch nun beginnen die Probleme. Sie muss mit Jill in einem Internat ein Zimmer teilen und sich als Schwester ausgeben. Nun beginnt für sie ein aufregender Abschnitt. Sie wurde immer nur zu Hause unterrichtet und darf jetzt an der Schule so viel lernen, wie sie will, bloß Jill gewöhnt sich nicht an ihre neue Umgebung. Die Sonne laugt Jills die Kräfte aus und auch ihre Verbindung zu Adrian ist schlecht für sie. Sie wird beschuldigt, betrunken zu sein und Alkohol zu verkaufen, was ihre Stellung innerhalb der Schule verschlechtert. Aber dann lernt sie Lee kennen und verliebt sich in ihn.

Sydney muss sich unterdessen mit ihrer Lehrerin auseinandersetzten, die ihr die Chance gibt, ihr bei einem Forschungsprojekt zu helfen. Durch ihr Lilientattoo auf der Wange wird sie beschuldigt, nachgeholfen zu haben. Erst versteht Sydney nicht, was damit gemeint ist, bis ihr erklärt wird, dass es an der Schule normal ist, dass es Tattoos gibt, welche die Leistungsfähigkeit steigern. Auf der Suche nach dem Ort des Tattoostudios braucht sie Adrians Hilfe, was ihr nicht behagt. Sie versucht herauszufinden, wer dafür verantwortlich ist, außerdem muss sie sich um Jill kümmern und Adrian dazu verhelfen, einen Job zu finden, damit er was zu tun hat und sich nicht immer betrinkt.

Als sie dann Keith loswird und herausfindet, wer für das Verschwinden verschiedener Personen verantwortlich ist, ist es vielleicht schon zu spät für Jill, irgendetwas auszurichten.

Meine Meinung:

Sydney, schon bekannt aus Richelle Meads „Vampire Academy“-Reihe, wird hier in der neuen Serie zur Hauptdarstellerin. Sie ist eine durchsetzungsstarke junge Frau, die hier versucht, Jill, die Schwester der Vampirkönigin, zu beschützen. Obwohl sie Angst hat vor den Vampiren, geht sie auf die Mission ein, um ihre kleine Schwester Zoey zu schützen. Jill ist eine kleine, immer mal wieder aufmüpfige Jugendliche, die nach einem Mordversuch beschützt werden muss, bis ein Gesetz auf den Weg gebracht wurde, damit ihre Schwester auch ohne Verwandte auf dem Thron bleiben kann. Eine besondere Bindung zu Jill hat Adrian, die es beiden irgendwie ermöglicht, eine mentale Verbindung aufzubauen. So weiß Jill immer, wie Adrian sich fühlt und was er getan hat. Dies hat nicht nur gute Seiten. Eddie, der große Beschützer von Jill, ist immer an ihrer Seite, um ihr zu helfen. Dabei spielen seine Gefühle ein bisschen verrückt, aber immer ist er der große Bruder.

Über mehrere Handlungsstränge fügt sich das Buch am Ende zusammen und man erkennt den Zusammenhang. Dadurch, dass verstärkende Tattoos an der Schule kursieren, muss Sydney herausfinden, was es damit auf sich hat. Ihr kommt bald die Erkenntnis, dass der Vampir, bei dem die Begleiter von Jill wohnen, dazu dient, diese Tattoo-Substanz herzustellen. Auch das Verschwinden von Vampir-Mädchen in der Stadt deckt Sydney auf. Durch den einen und anderen Zwist oder Wortwechsel mit ihren Begleitern ist dies recht amüsant ausgeführt. Aber das Verhältnis zu ihrem Vater ist für Sydney alles andere als amüsant, denn immer wieder kämpft sie um die Anerkennung, doch die wird sie wahrscheinlich nicht bekommen.

Fazit:

Mit ihrem schriftstellerischen Talent schafft es Richelle Mead, die Leser in eine Welt zu entführen, aus der es schwer ist, wieder aufzutauchen, verliert man sich doch zunehmend in der fantastischen Welt der „Vampire Academy“-Autorin. Mit Sydney hat die Autorin es geschafft, eine Heldin zu erschaffen, die mutig und auch stark ist, aber trotzdem Fehler ihre hat. Versucht sie, ihre Schwester zu beschützen, verletzt sie diese doch unwissentlich. Richelle Mead versucht hier zu zeigen, dass alles, was man macht, Folgen hat, sei es für sich selbst oder andere. Aber sie lässt Sydney auch den Raum, diese Fehler wieder auszubügeln. Auch die anderen Figuren in diesem Buch beschreiten diesen Weg.

Dieses Buch ist absolut lesenswert, besonders wenn man vorher die „Vampire Academy“-Reihe gelesen haben sollte, weil sich vieles in „Bloodlines“ auf die Geschehnisse in der Reihe bezieht und man so dem Buch besser folgen kann, als wenn man sich alles zusammenreimen muss.

Originaltitel: Bloodlines, 2011
350 Seiten
ISBN 13: 978-3802587863

http://www.Egmont-LYX.de

Clay & Susan Griffith – Schattenprinz (Vampire Empire 1)

Vampire Empire:

Band 1: „Schattenprinz
Band 2: „Nachtzauber“ (13.08.2012)
Band 3: „The Kingmakers“ (angekündigt, noch ohne dt. Titel)

„Vampire Empire“ – ein Vampirroman mit Schlagreim im Titel; das entbehrt nicht einer gewissen (vermutlich unfreiwilligen) Komik und man fragt sich zwangsläufig, ob mit dem Roman des Autorenduos Susan und Clay Griffith ein neuer Tiefpunkt des Genres erreicht ist.

Clay & Susan Griffith – Schattenprinz (Vampire Empire 1) weiterlesen

Mike Resnick – Mallory und die Nacht der Toten

Die Mallory-Romane:

1 – „Jäger des verlorenen Einhorns“
2 – „Mallory und die Nacht der Toten“
3 – „Mallory und der Taschendrache“ (20.07.2012)

Dies ist John Justin Mallorys zweiter Fall im Manhattan der Fabelwesen, dort, wo er seine detektivischen Fähigkeiten weitaus besser einzusetzen weiß als einst in seinem (unserem) Manhattan. Sowohl die Justiz als auch die Ethik und Moral kommt seinen Vorstellungen sehr entgegen, und hier kann er sich als das geben, was einen typischen fabelhaften Detektiv ausmacht: Knallhart, unbestechlich, mit sicherem Gespür für das Vorgehen seiner Gegner und der Fähigkeit, ihnen immer um die sprichwörtliche Nasenlänge voraus zu sein.

Mike Resnick, einer der produktivsten Schriftsteller unserer Zeit, Verfasser unzähliger Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen und regelmäßiger Gewinner einschlägiger Genrepreise, ist dem deutschsprachigen Publikum bisher recht unbekannt. Seit wenigen Jahren veröffentlicht Lübbe in schöner Regelmäßigkeit Romane seiner erfolgreichen Reihen, zuletzt die „Wilson Cole“ – Romane um den gleichnamigen, hochmoralischen und aus diesem Grund meuternden Raumkapitän. Hoffen wir, dass nach der „Mallory“-Reihe noch viel Resnick-Stoff nach Deutschland schwappt.

Nachdem Mallory einen Pakt mit dem Grundy, dem mächtigsten Dämon des parallelen Manhattan, geschlossen hat und sich die Passage, die ihm die Rückkehr in seine Welt ermöglichte, schloss, nistet sich der Privatdetektiv mit seiner über 60-jährigen Partnerin häuslich und bürokratisch ein, eröffnet eine Detektei. Und zu Halloween kracht es: Vlad Dracule (mit weiteren, unbekannteren Namen) reist in Manhattan ein und ermordet alsbald das ungünstigste aller Opfer: den Neffen Mallorys Partnerin Winnifred Carruthers. Außerdem nimmt er auch von Carruthers einen Schluck und bedroht damit ihre Existenz, so dass Mallory nur wenig Zeit bleibt, seinen Gegner zu stellen. Und das in der „Nacht der Toten“, wo alles an umtriebigen Wesen auf den Beinen ist und seine Spürnase auf eine harte Probe stellt …

Mike Resnick erzählt seine Geschichten vor allem über Unterhaltungen. Und so beginnt dieser flotte Roman typischerweise mit einer der merkwürdigen Unterhaltungen zwischen Mallory und dem Katzenwesen Felina. Dieser Stil Resnicks gestaltet seine Geschichten stets hochinteressant und regt natürlich zum Mitdenken an, denn anders als bei erzählenden Stilen dringt der Leser nicht tief in die Gedankenwelt seiner Protagonisten ein, sondern erfährt ihre Absichten und Überlegungen vor allem über die Dialoge. Was vor allem die Fähigkeiten Mallorys ins rechte Licht rückt, denn er führt nicht nur einmal nicht nur seine Gesprächspartner in die Irre oder hält sie unwissend, während er bereits einen durchschlagenden Plan entwickelt.

Die Charaktere erhalten auch in diesem zweiten Band der Reihe ihre typischen Eigenschaften. Resnick versteht es hervorragend, seine Figuren lebendig zu schildern und ihnen besondere Erkennungsmerkmale zu verleihen. So wiederholen sich bestimmte Eigenschaften zwar, wie zum Beispiel Felinas vordergründige Sturheit und katzenartiges Ego, um sich Schmuseeinheiten oder Milchcocktails zu gewinnen. Doch Mallory lässt sich selten auf diese Spielchen ein, und nicht nur Felina muss sich meistens seinen Argumenten beugen. Man gewinnt – nicht während der Lektüre, sondern erst bei genauerem Reflektieren – den Eindruck, dass Resnick ein besonderes System der Protagonistenkreation hat, und das funktioniert einwandfrei. Natürlich könnte man bemängeln, wie unschlagbar seine Helden charakterisiert sind, doch machen diese Helden einen besonderen Reiz seiner Geschichten aus, denn sie transportieren stets einen wichtigen Anteil seiner Geschichten, manchmal auch wichtige Grundsätze oder Moralitäten. Und schließlich ist es wieder kein schlagbarer Gegner, dem sich Mallory stellt, sondern der jahrtausende alte Vampir höchstselbst – niemand sonst als Mallory könnte in der Lage sein, ihm seine Bedingungen aufzuzwingen.

Die Geschichte beleuchtet wieder stroboskopisch und trotzdem erstaunlich eindringlich die Gegebenheiten des fremden Manhattan – das soo fremd gar nicht wirkt. Die Eigenschaften unserer Welt sind auch dort zu finden, nur stellt Resnick sie überspitzt dar und führt sie dadurch humorvoll und plakativ vor Augen. Eindrucksvoll, mitzuerleben, wie Resnick diese deutlichen Bilder weitgehend über Dialoge erzeugt.

In einem Satz: Dieser Roman ist nicht dazu geeignet, als Wurfgeschoss ernsthafte Verletzungen zuzufügen, denn er orientiert sich nicht an der heute üblichen aufgeblähten Seitenzahl, sondern kommt mit weit weniger Platz und umso schneller ans Ziel, leidet nicht unter Längen und ist unterhaltungstechnisch ein Hochgenuss.

Taschenbuch, 361 Seiten plus umfangreicher Anhang zum Autor
Deutsche Erstausgabe
Übersetzt von Thomas Schichtel
Januar 2012
Originaltitel:
Stalking the Vampire
ISBN 13: 978-3-404-20645-2
www.luebbe.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 1,33 von 5)

Martin, George R. R. – Saat des goldenen Löwen, Die (Das Lied von Eis und Feuer 4)

_|Das Lied von Eis und Feuer|_ (überarbeitete Neuauflage):

01 [„Die Herren von Winterfell“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3637
02 [„Das Erbe von Winterfell“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7222
03 [„Der Thron der Sieben Königreiche“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3651
04 _“Die Saat des goldenen Löwen“_
05 „Sturm der Schwerter“
06 „Die Königin der Drachen“
07 „Zeit der Krähen“
08 „Die dunkle Königin“
09 „Der Sohn des Greifen“ (21.05.2012)
10 „Ein Tanz mit Drachen“ (23.07.2012)

_Im Original:_

01 „A Game of Thrones“
02 „A Clash of Kings“
03 „A Storm of Swords“
04 „A Feast for Crows“
05 „A Dance with Dragons“
06 „The Winds of Winter“ (der Autor wird 2012 daran arbeiten)
07 „A Dream of Spring“

_Das Schicksal der Stark-Kinder – der Winter naht_

„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die vier ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen (hier auf acht Bände verteilt), die nächsten zwei erscheinen im Mai und Juli auch bei uns. „Die Saat des goldenen Löwen“ ist die zweite Hälfte des zweiten Bandes.

Der Zyklus lässt sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat. Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrenden Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währt bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung wohlgesonnen, und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.

_VORGESCHICHTE: Handlung von Band 3_

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht auch im dritten Band die Familie der Starks. Seit Tausenden von Jahren stellt sie die Könige des Nordens, eine harte, ehrenhafte, aber auch pragmatische Sippe. Der sich seit dem Anfang der Serie aufbauende Zwist zwischen den Starks und der mächtigen Adelsfamilie der Lennisters eskaliert zu einem mörderischen Krieg, der einen Großteil der Sieben Königreiche verheert. Robb Stark, gerade mal 16 Jahre alt, wird von seinen Vasallen zum „König des Nordens“ erklärt und verzeichnet überraschende Erfolge gegen die Lennisters.

Und noch mehr Heere sind im Anmarsch. Denn Stannis, der ältere Bruder des verstorbenen Königs Robert Baratheon, schickt sich an, den Thron an sich zu reißen, mit der Begründung, der Thronfolger und neue König Joffrey sei nicht seines Bruders Sohn, sondern das Produkt aus der Verbindung der Königin mit ihrem Bruder Jaime. Nicht zu Unrecht, wie der Leser aus der Vorgeschichte weiß.

Gleichzeitig ruft sich auch Stannis‘ jüngerer Bruder Renly zum König aus und kann durch die Unterstützung der südlichen Provinzen auf eine riesige Armee zurückgreifen. Der Kampfverlauf ist allerdings anders, als die Beteiligten erwarten. Es gibt also bislang vier Könige, doch dabei soll es nicht bleiben.

Derweil nehmen die Männer der Nachtwache, welche das Land seit altersher gegen den Norden schützt, erschreckt Veränderungen war. Nicht nur dass Männer verschwinden und als Untote wiederkehren, auch die Wildlinge, die Menschen auf der anderen Seite der Mauer, sind spurlos verschwunden, wie eine Expedition feststellt. Diese ist mit Jon Schnee, dem Bastard Eddard Starks, losgezogen, um die Vorgänge jenseits der Mauer zu erforschen.

Die junge Daenerys Targaryen, eine Favoritin unter den Handlungsträgern und frischgebackene „Mutter“ von drei Drachen, macht sich mit ihrer kleinen Gefolgschaft auf eine ungewisse Reise nach Osten durch die Wüste. Zwar finden die geplagten Reste des ehemaligen Khalazars von Drogo bald fruchtbares Land, doch die ehrgeizige Daenerys treibt es weiter. Eine gewisse Gleichgültigkeit, was ihre Untertanen betrifft, lässt sich bei ihr nicht verleugnen. Dennoch wünscht man ihr alles Gute. Doch die Erfüllung ihrer Träume bedeutet noch mehr Krieg für die Sieben Königreiche.

_Handlung von Band 4_

Ein bisher eher am Rande agierender Handlungsträger bekommt mehr Aufmerksamkeit zugemessen: der junge Theon, das Mündel Eddard Starks, zieht heimwärts, um als kommender Erbe des Thrones der Eisen-Inseln zu Ruhm zu kommen. Doch sein Vater schickt ihn gleich wieder los, um zusammen mit seiner wilden Schwester Asha die Küsten der Stark-Vasallen zu plündern. Diese Schandtaten sind dem vom Ehrgefühl der Starks infizierten Theon ein Gräuel, und so schickt er sich an, andersartigen Ruhm zu erwerben: Nachdem er den grausamsten Kapitän überredet hat, ihm zu helfen, lockt er erst die Burgbesatzung von Winterfell heraus und erstürmt dann nachts die Mauern.

|Die Starks|

Der junge Bran, der das „dritte Auge“ eines Leibwechslers (Warg) entwickelt hat, warnt die schlafende und halb verlassene Burg vergeblich vor den Eroberern. Während Bran die Burg übergibt und gleich danach wie vom Erdboden verschluckt verschwindet, begibt sich sein Halbbruder Jon Schnee mit einer stark bewaffneten Truppe tiefer ins wilde Land nördlich der Mauer, um seinen Onkel Benjen Stark zu suchen.

Unterhalb eines befestigten Platzes stößt er auf Grenzer-Waffen, die unter frischer Erde begraben sind – in einem Grenzer-Mantel. Jons Schattenwolf Geist hat sie gefunden. Kann Jon auch die Wildlinge aufspüren, die sich laut Späherberichten zu einer Armee formiert haben, um die Mauern zu durchbrechen – mit Hilfe von Magie? Auch Jon entwickelt Warg-Fähigkeiten. Leider besitzt diese auch der Feind …

Brans und Jons Halbschwester Arya Stark wurde gefangen genommen und muss als Putz- und Küchenmagd schuften. Doch auf Burg Harrenhal ist sie den Lennisters unverhofft ganz nah: Dort versammelt sich der bunte Kriegshaufen von Lord Tywin Lennister zum Krieg gegen den erfolgreichen König des Nordens, Robb Stark, jetzt das Oberhaupt der Sippe. Arya fällt ein unerwarteter Bonus in den Schoß: Weil sie drei jungen Männern das Leben gerettet hat und sie diese Schuld begleichen wollen, darf sie wählen, wer von ihren Feinden in Harrenhal sterben soll. Schon bald heißt es, der böse Geist der Harrenhals gehe in der Burg um …

Sansa Stark hat es wahrlich nicht leicht in Königsmund. Ihr Verlobter, König Joffrey, ist ein Monster, das sie ein ums andere Mal malträtieren und demütigen lässt. Nicht nur, dass er ihren Schattenwolf Lady, ihren Vater Eddard und ihre Zofe töten ließ, nun scheint auch sie selbst ihm zuwider zu sein. Der Grund dafür bleibt ihr vorerst verborgen. Zum Glück findet sie in Tyrion Lennister, der neuen Rechten Hand des Königs, einen unverhofften Beschützer und ebenso in Sandor Clegane, den sie den „Bluthund des Königs“ nennen.

|Die Lennisters|

Tyrion, der hässliche Gnom, ist der mit weitem Abstand Klügste und Gerissenste unter den fiesen Lennisters. Wir können ihm unsere Bewunderung nicht verweigern. Er mag zwar die Hure Shae lieben, doch dafür nimmt er es mit Königin Cersei, ihrem Geliebten Lancel Lennister (jawohl: ihrem Cousin) und mit König Joffrey auf. Joffrey hat das Land durch den Bürgerkrieg verkommen lassen, die Bevölkerung der Hauptstadt hungert, und das Einzige, was ihm dazu einfällt, ist Terror.

In einer dramatischen Szene fällt der Pöbel über die Lennisters her, und es kommt zu Toten, während die Königin als „Bruderfickerin“ geschmäht wird. Der Hohepriester der Kirche wird neben weiteren Adeligen erschlagen. Tyrion seufzt: Wenigstens ist Prinzessin Myrcella in Sicherheit, denn er hat sie per Schiff nach Sonnspeer ins südlichste Westeros geschickt, damit sie dort durch Heirat einen Verbündeten gewinnt.

Und Verbündete können die Lennisters, die in der Hauptstadt hocken, weiß Gott gebrauchen. König Stannis hat seinen Bruder Renly zur Schlacht herausgefordert. Zwar ist Renly der Jüngere, doch er hat das größere Heer. Wer die Schlacht gewinnt, bekommt die strategisch wichtige Festung Sturmkap – und den jüngsten Thronerben, Edric Sturm, König Roberts Bastard. Immer gut, wenn man einen weiteren Rivalen ausschalten kann, findet Stannis, der gerne geradlinig denkt.

|Der Killer aus Schatten|

Robb Stark hat seine Mutter, Lady Catelyn Tully Stark, ins Heerlager von Renly Baratheon geschickt, um beide Baratheons als Verbündete gegen die Lennisters und König Joffrey zu gewinnen. Schon bald muss sie einsehen, dass sich die beiden Brüder lieber an die Gurgel gehen, als die Existenz von Vernunft anzuerkennen. Stannis hat sich zudem eine neue Religion zugelegt: Der Herr des Lichts führe ihn nun, sagt er – und lasse sein Schwert erstrahlen. Neben ihm reitet eine ganz in Rot gewandete Frau namens Melisandre, die sehr fromm tut. Eine schlaue Verkleidung …

Der Morgen der Schlacht dämmert herauf. Die Leibwächterin von König Renly, die stets in Leder und Stahl gerüstete Brienne, legt gerade ihrem geliebten König in Gegenwart der herbeizitierten Catelyn Stark die verschiedenen Komponenten der prächtigen Rüstung an, ebenso den königlichen Umgang und den von einem Hirschgeweih gekrönten Helm.

Da bemerkt Catelyn verwirrt einen Schatten, der sich Renly nähert, gleich darauf spritzt ein Blutschwall unter der Halsberge des Königs hervor. Der Schatten verschwindet, doch Brienne schreit auf, Catelyn ruft Hilfe herbei. Die Zeltwachen stürzen herein – und sehen zwei Frauen, die es offensichtlich auf den König, der am Boden liegt, abgesehen haben. Sie zücken ihre Schwerter, um sie zu erschlagen …

_Mein Eindruck_

Seit Mitte der achtziger Jahre ist der Autor ein gewiefter Drehbuchschreiber in Hollywood geworden. Seiner Routiniertheit verdankt auch „Game of Thrones“ alias „Das Lied von Eis und Feuer“ seine eminente Lesbarkeit. Szene für Szene baut der Autor Handlungsfäden und Spannungsbögen auf, führt auch schon mal den Leser in die Irre. Das gereicht dem Roman zur wachsenden Spannung und zu starken, emotionalen Szenen.

|Action|

Aber ein „Ritterroman“ lebt nicht bloß von Wortgefechten, sondern auch von Action und Romantik. Und die gibt es in Band 3+4 ebenso wie in Band 1+2 (nach deutscher Bandzählung). Das erster Drittel findet seinen Höhepunkt in der dramatischen und rätselhaften Ermordung von König Renly Baratheon. Wer war’s, lautet die unmittelbare Frage. Renlys Mannen tippen auf die naheliegende Antwort: Catelyn und Brienne müssen es gewesen sein. Mehr darf nicht verraten werden.

Doch später sehen wir Catelyn auf Burg Schnellwasser, die von Edmure Tully, ihrem jüngeren Bruder, erfolgreich gegen die Lennister-Armeen verteidigt wird. Und hier ist auch Jaime Lennister eingekerkert, mit dem Lady Catelyn ein sehr aufschlussreiches Gespräch hinsichtlich gewisser Todes- und Unglücksfälle führt. Denn Catelyns Ermittlung gilt immer noch der Frage: Wer hat ihren Sohn Bran in die Tiefe gestoßen und – noch wichtiger – wer hat den Mörder mit dem valyrischen Dolch geschickt, dessen Schnittnarben ihre Hände verunzieren? Jaime liefert Antworten, aber sind es die richtigen?

Der Höhepunkt des mittleren Drittels ist der Volksaufstand des Pöbels gegen die Lennisters und ihre Entourage. Weitere Action liefert der von der zehnjährigen Amazone Arya Stark angezettelte Angriff der Gefangenen auf die Besatzung von Burg Harrenhal. Die kleine Kriegerin kann sich über fehlende Erfolge nicht beschweren.

|Die Schlacht um Königsmund|

Doch das letzte Drittel liefert den absoluten Höhepunkt des Gesamtromans: die Schlacht um Königsmund. König Stannis‘ Heer steht der Hauptstadt am Nordufer des Flusses Schwarzwasser gegenüber, welche das Südufer verteidigt. Doch nun segelt auch seine Flotte in die Flussmündung, um die Invasionstruppe an Land zu setzen. Ein Gefolgsmann, der einen der Segler kommandiert, macht uns zu Zeugen des Angriffs, der einen unerwarteten Verlauf nimmt. In einer anderen Szene sieht sich Tyrion Lennister gezwungen, einen Ausfall anzuführen, der ihn bis zum Fluss hinunter führt – und in die Hände eines Verräters …

Dieser Schluss lässt uns ebenso rätselnd wie gebannt zurück. Denn ohne Zweifel ist Tyrion einer der Lieblinge des Autors. Soll es jetzt schon mit ihm zu Ende sein? Der Autor schreckt nicht davor zurück, auch Hauptfiguren zu opfern, wie wir gelernt haben, sonst wäre Eddard Stark nicht in Königsmund enthauptet worden.

|Winterfell|

Deshalb ist es wichtig zusehen, welchen Verlauf die Dinge auf Burg Winterfell nehmen. Werden auch die beiden dort verbliebenen Söhne Ned Starks und Lady Catelyns ins Gras beißen müssen? Es sieht ganz so aus, denn Catelyn erhält auf Schnellwasser düstere Nachrichten aus Winterfell mit eben jenem Inhalt: Bran und Rickon seien von Theon Graufreud nach einer missglückten Flucht hingerichtet und auf den Zinnen aufgespießt worden. Aber ist das wirklich so? Wir dürfen den Nachrichten nicht trauen.

Theon hat die Burg mit 30 Mann erobert, doch seine Schwester lässt ihm nur zehn weitere da, um sie zu halten: Er sollte die Burg niederbrennen und ans Meer eilen, rät sie ihm. Doch Theon ist zu stolz auf seine Eroberung, mit der den Starks heimzahlen will, dass sie ihn zehn Jahre lang als Mündel „gefangen hielten“, wie er es nennt. In Wahrheit machten sie ihn zu einem Mann und Krieger. Eines Tages sieht er sich den 600 Mann gegenüber, die der Kastellan der Burg zurückbringt. Die Übergabe lehnt Theon stolz und trotzig ab, denn er hat eine wertvolle Geisel. Doch dann geschehen mehrere unerwartete Dinge nacheinander – und auf Winterfell ist nichts mehr wie zuvor …

|Magie und ähnliches|

Die Magie kommt nie zu kurz, auch wenn die bisherige Schilderung den Eindruck erweckt haben mag. Leibwechsler, Schattenkiller, das dritte Auge – all das ist Mumpitz im Vergleich zu dem, was Daenerys in der Stadt Qarth erlebt. Sie sucht immer noch nach einer Überfahrt nach Westeros und einem Heer, das sie aufstellen kann. Um ihre Zukunft zu erfahren, bemüht sie eine Art Orakel. Dies ist keine Pythia in einem griechischen Tempel, sondern das „Haus der Unsterblichen“, in dem derjenige, der sich darin im Drogenrausch verirrt, durch verlorengehen kann.

Begleitet von ihrem treuen Drachen Drogon begibt sich Dany in ein Labyrinth, das so manche gruselige und erotische Szene bereithält. Der Besuch der Drachenkönigin endet mit einem Finale, das den Besitzer des Hauses schier zur Verzweiflung treibt …

_Unterm Strich_

Ich habe nur etwa drei Tage für rund 620 Seiten Text gebraucht (der Rest geht für die Karten und die Anhänge drauf), und am letzten Tag konnte ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Die Höhepunkte, die ich oben aufgezählt habe, sorgen für Action, Spannung, Romantik und auch Irreführung des Lesers. Denn natürlich muss die Geschichte von Bran und Rickon, den beiden Leibwechslern oder Wargen, weitergehen, ebenso wie die von Jon Schnee, Arya und Sansa. Alle Kinder, Bastarde und Mündel von Ned Stark, also genetische wie ideelle Erben der Stark-Tradition, folgen ihrem Schicksal, mehr oder weniger erfolgreich.

Ihre Gegenstücke dürfen auch nicht fehlen, als da wären die beiden Baratheons, die Lennisters, v.a. Tyrion, und Daenerys. Andere wichtige Spieler wie etwa Robb Stark tauchen in der zweiten Hälfte des Gesamtromans gar nicht auf, doch wir hören immer wieder von ihnen. Der „Versager des Monats“ ist zweifellos der abtrünnige „Stark“ Theon Graufreud, der vom Leser die wenigsten Sympathiepunkte erhält. In dieser Hinsicht liegt er etwa gleichauf mit Joffrey, dem Muttersöhnchen auf dem Eisenthron.

Dieser Eisenthron entpuppt sich zunehmend als eine Art Prüfstein für einen König und seine Rechte Hand. Dies ist kein gewöhnliches Möbelstück aus dem 18. Jahrhundert, sondern wurde der Legende nach von den drei letzten Drachen vor Jahrtausenden aus den Schwertern der Besiegten mit Drachenfeuer zusammengeschmolzen. Folglich weist der Thron zahlreiche Schneiden und Kanten auf.

Nur wer sich stur und skrupellos an ihn klammert, kann ihn auch halten, alle anderen müssen ins Gras beißen. So ergeht es Tyrion, der Rechten Hand, um ein Haar – und wir fragen uns mit ihm, wer hinter dem Verrat steckt und wie ihn die Folgen innerlich verändern werden. Äußerlich ist er bereits kaum wiederzuerkennen. Dass ein Gnom noch hässlicher werden kann, dürfte die Damenwelt, die ihm bislang so hold war, kaum erfreuen.

Merkwürdig, dass die wichtige Mission, die Lord Baelish Kleinfinger, Herr aller Bordelle von Königsmund, so tapfer auf sich nimmt, überhaupt nicht geschildert wird. Dafür ist seine Rückkehr dann umso überraschender und erfolgreicher, als er Stannis in den Rücken fällt. Merke: Der Autor, ein gewiefter Drehbuchautor, opfert manche Handlungsstränge um des Effektes willen. Deshalb ist es zu verstehen, dass hier manche Szenen auch mit einem Cliffhanger enden, so etwa bei Lady Catelyn, die plötzlich ein Schwert verlangt.
Ausblick

Ich bin schon sehr gespannt auf die Verfilmung dieses zweiten Gesamtromans in der Staffel 2 der TV-Serie, die im Mai auf Sky-TV ausgestrahlt wird. Ich konnte feststellen, dass mehrere Ziatete aus Band 4 bereits in Staffel 1 übernommen worden sind. Darunter ist etwa Tyrions traurige Geschichte darüber, wie er sich erstmals verliebte und wie er Tysha wieder verlor.

|Die Neuauflage|

Ein umfangreicher Anhang mit den einzelnen Herrscherhäusern von Martins Phantasiewelt macht es deutlich: Hier treten sehr viele Leute auf die Bühne, die die Welt bedeutet. Und nicht alle treten lebend ab. Denn wie das unter den Edlen so ist und dem Leser von Shakespeare sattsam bekannt: Es kann der Klügste nicht in Frieden regieren, wenn es dem Ehrgeizigen nicht gefällt.

Der Interessent sollte darauf achten, die überarbeitete Fassung zu lesen, denn in ihr sind alle Eigen- und Ortsnamen auf den drei Landkarten eingedeutscht und Fehler der Erstauflage ausgemerzt. Äußerst hilfreich sind die Landkarten, auch wenn man sich so manche davon etwas detaillierter gewünscht hätte.

Hinweis: Die erste Hälfte von „Storm of Swords“ trägt den deutschen Titel „Sturm der Schwerter“.

|Taschenbuch: 672 Seiten
Originaltitel: A Clash of Kings, Teil 2 (Seite 332 – 728)
ISBN-13: 978-3442268214|
[www.randomhouse.de/blanvalet]http://www.randomhouse.de/blanvalet

_George R. R. Martin bei |Buchwurm.info|:_
[„Der Heckenritter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4443
[„Fiebertraum“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5451
[„Adara und der Eisdrache“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5857

Cherie Priest – Boneshaker

Um den verschollenen Vater zu rehabilitieren, wagt sich der Sohn in eine von Giftgas, Räubern und Zombies durchzogene Geisterstadt; die Mutter folgt ihm, und beide geraten in ein an bizarren Überraschungen und Gefahren reiches Abenteuer … – Preisgekrönter Auftakt einer „Steampunk“-Serie, die in einer alternativen Vergangenheit spielt und Elemente der Science Fiction, der „urban fantasy“ und des Horrors mischt: wenig innovativ aber sehr kurzweilig und belebt durch kuriose Einfälle. Cherie Priest – Boneshaker weiterlesen

Mara Lang – Masken – Unter magischer Herrschaft

Diesen Tag hat Ferin jahrelang herbeigesehnt: Endlich erhält sie die Maske, die die hässlichen Merkmale ihrer Rasse verbergen und ihr erlauben wird, sich frei unter den Menschen zu bewegen. Doch bereits nach wenigen Tagen zerfällt die magische Haut zu Staub! Sofort wird Ferin verhaftet …

Mara Lang hat ihre Geschichte mit einer Vielzahl von Charakteren ausgestattet, die aber fast ausnahmslos oberflächlich bleiben.

Ferin als Hauptperson ist die einzige, die so etwas wie Tiefe entwickelt. Sie sehnt sich vor allem nach Freiheit. Gleichzeitig ist sie aber schüchtern, unsicher und unselbständig, ihr fehlt jegliche Eigeninitiative. Daran ist sie nicht allein schuld, denn ihr Freiheitsdrang wurde jahrelang unterdrückt, ihre Fragen so gut wie nie beantwortet. Ferin weiß kaum etwas über das Leben und überhaupt nichts über ihr Volk. Der Verlust der Maske wirft sie deshalb in eine völlig neue, unbekannte Welt.

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Andreas Brandhorst – Das Artefakt

Der Buchrücken verspricht wie eigentlich bei jedem seiner Romane „Brandhorst schreibt Space-Operas, wie man sie sich nur wünschen kann“ – so zitiert man dort Wolfgang Hohlbein. Der Titel ist immerhin so nichtssagend, dass man einfach den Haufen Geld für das aufgeplusterte Trade-Paperback hinlegen muss oder es eben sein lässt.

Andreas Brandhorst schreibt zahlreiche Übersetzungen und tritt seit seiner Kantaki-Serie nun auch verstärkt als Autor in Erscheinung. Man kann sagen, er ist der einzige deutsche Schriftsteller, der regelmäßig Space-Operas bei einem großen Verlag unterbringt. Was durchaus auch für den Unterhaltungswert seiner Romane spricht.

Die Geschichte beginnt mit der Wiedererweckung Rahil Tennerits, eines Missionars der „Ägide“, der während seiner wichtigsten Mission den Tod fand. Nun gibt es mehrere Probleme: Tennerits „Image“ ist fehlerhaft und zu alt, so dass er sich nicht an die Geschehnisse seines Todes, noch an die Einzelheiten seiner Mission erinnert. Die Raumstation, auf der er erweckt wird, ist menschenleer und wird von unbekannten Aggressoren heimgesucht, so dass Tennerit überstürzt aufbrechen muss, ohne sich vorbereiten zu können. Und seine Mission ist entscheidend für den weiteren Weg der Menschheit, denn die Hohen Mächte stehen vor der Entscheidung, die Menschheit an ihrem Wissen teilhaben zu lassen oder sie endgültig auszuschließen.

Für Tennerit beginnt eine irre Reise durch die Galaxis, immer knapp vor ominösen Verfolgern her, auf einer unmöglich anmutenden Mission und mit einer Vergangenheit belastet, die ihn stückweise einholt und auf einen Entscheidungspunkt zustrebt, der zugleich die Entscheidung für die Menschheit bringt.

Es ist eine typische Vorgehensweise, mitten in einer prekären Situation zu starten und die Hintergründe nach und nach aufzudecken. Typisch für Brandhorst ist außerdem, die Protagonisten mit einer ausschlaggebenden Vergangenheit auszustatten und über Schlaglichter in die Vergangenheit einzutauchen, um die Ursache für eine Wirkung aufzuzeigen, die schlussendlich die Entscheidung, die Wendung der Geschichte, dominiert. Das Ganze bettet er in eine spannende Verfolgungsjagd, über deren Verlauf man die Situation der Jetztzeit erfährt und im Fall einer neuen Weltenschöpfung die Gegebenheiten kennenlernt. Dadurch benötigt Brandhorst ein paar Seiten mehr, bis er zum Punkt kommt, doch das verleitet ihn zum Glück in diesem Roman nicht zu weitschweifenden Texten, wie dies in anderen heute üblichen Romanen im Ziegelsteinformat praktiziert wird.

Im Gegenteil liest sich „Das Artefakt“ zügig und durchweg flüssig, auch wenn sich die sich wiederholenden Situationen, aus denen der Protagonist keinen Ausweg zu haben scheint, mit der Zeit sammeln und die Spannung dann nicht mehr durch die Frage danach, ob, sondern höchstens wie überlebt wird, erzeugt wird.

Die Intrigen der Hohen Mächte untereinander und die Ursachen dafür liefern ein ganz eigenes interessantes Spannungsfeld, das auch ganz in typischer Souveränität von Brandhorst erzeugt wird. Spürbar ist hier ein erfahrener Erzähler am Werk, der bei diesem großformatigen Weltenspiel auch den „Sense of Wonder“ nicht vergisst.

Leider ist ein recht wichtiger Aspekt der Auflösung etwas konstruiert: Die Macht und die Fähigkeiten des Vaters Tennerits, der sich eigentlich von den höheren Zivilisationen abkapselte, kommen etwas plötzlich zum Tragen und haben größeren Einfluss auf das Geschehen als glaubwürdig wäre. Immerhin schaffen es die Ereignisse, ihn schließlich doch nur als Strohfigur im Spiel der intriganten Mächte zu entlarven.

Die technischen Aspekte bringen einige interessante Anwendungen von bekannten Vokabeln ein, innovative Neuerfindungen zeigen sich nicht. Doch aus dem mittlerweile ausgefeilten und umfangreichen Vokabular der Science-Fiction filtriert Brandhorst ein abgestimmtes, rundes Element für dieses Universum. So fällt es einem Science-Fiction-Fan leicht, sich in den Begrifflichkeiten zurechtzufinden, und auch der Neuling findet keine unüberwindbaren Barrieren.

So bleibt die Frage: Lohnt sich der Kauf oder lohnt er sich nicht? Hier gibt es kein einfaches Ja oder Nein zu nennen, denn da hinein zählt auch der Aspekt der Aufblähung durch das Format. Typischerweise erscheint ein erfolgreiches Tradepaperback bei |Heyne| in recht naher Zukunft auch als Taschenbuch, so dass es sich auch lohnen kann, noch etwas zu warten. Inhaltlich gesehen bekommt dieser Roman aber ein klares Ja, denn er bietet flotte Unterhaltung, ein interessantes Setting, eine unprofane Lösung und ein stimmiges Gesamtbild. Zwischen den deutschen Genreveröffentlichungen des Jahres wird „Das Artefakt“ mit Sicherheit einen guten Platz belegen.

Tradepaperback, 656 Seiten
ISBN: 978-3-453-52865-9

ORIGINALAUSGABE
Leseprobe
www.heyne.de

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

Williams, Tad / Beale, Deborah – Drachen der Tinkerfarm, Die (Tinkerfarm 1)

Mit „Die Drachen der Tinkerfarm“ veröffentlichen Bestsellerautor Tad Williams und seine Frau Deborah Beale den Auftakt zu einer neuen Fantasyreihe, die aus fünf Werken bestehen soll und sich überwiegend an Kinder und Jugendliche richtet, jedoch auch für junge Erwachsene interessant sein kann.

Protagonisten sind die Geschwister Tyler und Lucinda Jenkins, die von ihrer Mutter in den Ferien auf die Farm ihres geheimnisvollen Großonkels Gideon geschickt werden. Zunächst sind die beiden ziemlich genervt davon, einfach in irgendein Kaff am Ende der Welt abgeschoben zu werden, wo es womöglich nicht einmal Handy- und Internetempfang gibt, und erst einmal fühlen sich die Kinder auf der alten Farm auch sehr unwohl. Doch schnell stellen Tyler und Lucinda fest, dass die Tinkerfarm so einiges mehr zu bieten hat als Kühe, alte Häuser und einen Traktor.

So trauen die Geschwister kaum ihren Augen, als sie eines Nachts die Drachendame Meseret kennenlernen, eine Herde Einhörner aus dem Wald prescht, ein fliegender Affe plötzlich in ihrem Zimmer auftaucht oder Tyler von einem unheimlichen Schwarzhörnchen verfolgt wird. Auch die verschiedenen Bewohner der Farm geben den Kindern das ein oder andere Rätsel auf, und jeder von ihnen scheint seine eigene verrückte Geschichte zu erzählen zu haben. Doch bald merken Tyler und Lucinda auch, dass die Farm Geheimnisse in sich birgt, an deren Ergründung man sie tunlichst hindern möchte, und dass auf der Tinkerfarm auch unaussprechliche Gefahren auf die beiden lauern. Doch die Geschwister haben, fernab von Telefon, Internet und Spielekonsolen, gerade erst ihre kindliche Neugierde wiedergewonnen und sind nicht bereit, ihre Entdeckungsreise schon zu beenden.

Wer bereits Werke von Tad Williams gelesen hat, der weiß um die ausufernde und ausgeschmückte Sprache und Liebe zum Detail und ausführlichen Beschreibungen, die den Autor auszeichnen. In „Die Drachen der Tinkerfarm“ jedoch kommen die beiden Schriftsteller recht gut auf den Punkt, auch wenn der Einstieg sich etwas in die Länge zieht und das Buch erst ab etwa der Hälfte richtig spannend wird. Auch die Sprache ist zwar bildhaft, aber dennoch leicht und flüssig zu lesen und somit optimal an der Zielgruppe der jungen Leser orientiert. Die können sich bestimmt auch bestens in Tyler und Lucinda hineinversetzen, da „Die Drachen der Tinkerfarm“ aus ihrer Perspektive, also einer sehr jugendlichen, erzählt wird.

Was mir an dem Buch nicht gefällt, ist die etwas zu kurz gekommene Beschreibung der Emotionen und der Entwicklung der Kinder, wie sie sich auf der Farm zu Beginn und dann später fühlen, wie sie die verschiedenen fantastischen Wesen sehen, von deren Existenz sie zuvor gar nichts wussten, und wie diese Erlebnisse sie verändern und ihnen die Augen für die Welt öffnen, die außerhalb von TV und Internet liegt. Hier wurde meiner Meinung nach etwas Potenzial verschenkt, und so bleibt „Die Drachen der Tinkerfarm“ alles in allem einen Hauch zu oberflächlich.

Insgesamt ist „Die Drachen der Tinkerfarm“ dennoch ein empfehlenswertes Werk, und ich bin gespannt auf die weiteren Bände der Serie.

|Taschenbuch, 380 Seiten
Originaltitel: The Dragons Of The Ordinary Farm
Ins Deutsche übertragen von Hans-Ulrich Möhring
ISBN: 978-3608938326
Gebundene Ausgabe von 2009: ISBN-13 978-3608938210|
http://www.tadwilliams.de
http://hobbitpresse.de

_Mehr von Tad Williams auf |Buchwurm.info|:_
Otherland: [„Fantasy als Flucht und Fluch – Der ultimative Logout“]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=20
[„Otherland 1: Stadt der goldenen Schatten“ 603 (Hörspiel)
[„Otherland 2: Fluß aus blauem Feuer“ 1208 (Hörspiel)
[„Otherland 3: Berg aus schwarzem Glas“ 1739 (Hörspiel)
[„Otherland 4: Meer des silbernen Lichts“ 1988 (Hörspiel)
[„Otherland 5: Der glücklichste tote Junge der Welt“ 4196 (Hörbuch)
[„Shadowmarch: Die Grenze“ 2076
[„Der Blumenkrieg“ 539
[„Die Insel des Magiers“ 1541
[„Die Stimme der Finsternis“ 1400
[„Der Drachenbeinthron“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4672 (Osten Ard: Das Geheimnis der großen Schwerter 1)
[„Der brennende Mann“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2341 (Osten Ard) (Hörbuch)
[„Der brennende Mann“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2734 (Buch)