Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Belitz, Bettina – Splitterherz

_Die Trilogie:_

Band 1: _“Splitterherz“_
Band 2: „Scherbenmond“
Band 3: – nur angekündigt –

Die 17 Jahre alte Elisabeth „Ellie“ Sturm zieht mit ihren Eltern aus der Großstadt Köln nach Kaulendorf, eine kleine Gemeinde im Westerwald. Begeistert ist Ellie von diesem Umzug nicht besonders und dementsprechend sinkt ihre Laune ins Bodenlose. Ihre Eltern dagegen blühen in der neuen Umgebung förmlich auf.

Ellie beginnt sich in Tagträume zu flüchten und würde am liebsten die kompletten Tage verschlafen. Es fällt ihr sehr schwer sich in der neuen Umgebung einzuleben, nicht gerade förderlich ist es da auch, dass ihre neuen Mitschüler sie für eine arrogante Großstadtpflanze halten und Elli den Start damit nicht leichter machen.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass Ellies Handy in der neuen Umgebung kaum noch funktioniert, was merkwürdig ist, da sie die Einzige ist, die dieses Problem offensichtlich hat. So beginnt auch der Kontakt zu ihren Kölner Freundinnen zu bröckeln. Nicht nur, das Ellie nicht erreichbar ist, sie verändert sich schnell und so werden sich die Freundinnen immer fremder.

Um die Tage nicht nur zu verschlafen, erkundet Ellie die Umgebung und vor allem den Wald, eines Abends zieht ein starkes Gewitter auf. Ellie gerät an dem nahen Fluss in Gefahr und wird von einem geheimnisvollen schwarzen Reiter gerettet. Ellie ist sogleich fasziniert von diesem Mann, dessen Gesicht sie nicht erkennen kann. In den nächsten Tagen begegnet Ellie dem abweisenden und doch anziehenden jungen Mann immer wieder und erfährt dann auch seinen Namen: Colin Blackburn. Dieser gibt Ellie mit jedem Treffen mehr Rätsel auf.

Als Ellies Vater Colin dann kennenlernt, kommt es zu einem Eklat. Ellies Vater Leopold hat schnell erkannt, um was es sich bei Colin handelt und ist bereit alles zu tun, um seine Tochter zu beschützen.

_Kritik_

Mit „Splitterherz“ hat Bettina Belitz den neugierig machenden Auftakt einer Trilogie geschrieben. Fern ab vom Mainstream erzählt die Autorin eine bezaubernde Geschichte, in der Träume eine zentrale Rolle spielen. Eine zarte Liebesgeschichte wird hier mit fantastischen Elementen in ein real erscheinendes Leben eingebettet.

Die Autorin bedient sich einem außerordentlich flüssig zu lesendem Schreibstil, dem der Leser leicht über die 631 Seiten folgen kann. Bildgewaltig und mit viel Liebe zum Detail, werden die Schauplätze und die Handlung beschrieben, auch die Träume der Hauptdarstellerin werden eingehend dargestellt.

Schon der poetisch geschriebene Prolog fesselt den Leser. In den ersten Kapiteln wird es zwar durch die facettenreiche und bis ins Kleinste ausschweifende Beschreibung etwas langatmig. Dennoch hat die Autorin einen feinen Spannungsbogen geschickt in die Geschichte eingewoben, der mit der ersten Begegnung von Ellie und Colin langsam aber konstant ansteigt. Stetig entwickelt sich dieser weiter und zieht zum Ende des Buches noch einmal kräftig an. Auch schafft es die Autorin die Stimmungen in „Splitterherz“ glaubwürdig weiter zu geben und so kann der Leser die Geschichte nicht nur miterleben, sondern auch die verschiedenen Gefühle werden so eindringlich beschrieben das „mitfühlen“ leicht fällt.

Außergewöhnlich ist nicht nur der Schauplatz, an dem die Geschichte spielt, selten entführt uns ein Autor in ein kleines Dorf mitten in Deutschland, auch der Plot ist einzigartig. Hier spielen weder Engel noch Vampire oder gar Werwölfe eine Rolle. Der Fokus ist hier, neben einem Leben, wie es jeder 17-Jährige führen könnte, auf Träume und die Nachtmahre gerichtet, was eine willkommene Abwechslung erzielt. Gerade, dass Ellies Leben sehr glaubwürdig erscheint, ihre Träume, Hoffnungen und Ängste sehr real wirken, macht „Splitterherz“ zu etwas Besonderen. Die eingestreuten Fantasyelemente wirken da schon fast greifbar und existent.

Nebenhandlungen hat die Autorin geschickt in den Plot einfließen lassen, diese ergänzen die Geschichte meisterlich und tragen auch zum Verständnis bei. Vieles löst sich auf und es bleiben gerade genug offenen Fragen, um auf die weiteren zwei Bände neugierig zu machen.

Erzählt wird der Roman aus Ellies Perspektive, der Leser lernt sie dadurch sehr gut kennen und ihre Entscheidungen werden nachvollziehbar. Auch weil Bettina Belitz Ellies Vergangenheit mit einbezieht, wird verständlich, warum sie der Mensch ist, den sie darstellt.

Das Ende des ersten Bands dieser Trilogie schließt mit einem Showdown, der nicht direkt in ein Happy End führt, aber die Neugier auf den nächsten Teil deutlich steigert.

Die Protagonisten sind durchweg realistisch und lebendig konzipiert. Jeder Einzelne kann durchaus so existieren, wie die Autorin ihre Figuren entwickelt hat.

Ellie hat es nicht leicht, ein Jahr vor ihrem Abitur muss sie aus der Großstadt mit ihren Eltern in ein kleines Kaff ziehen, in dem nichts los zu sein scheint. Mit nachvollziehbaren Ängsten und trotz derer einer Menge Mut, wirkt Ellie sehr authentisch. Lediglich, dass Ellie teilweise sehr viel jammert und ständig schläft macht sie zeitweise etwas unsympathisch. Ihr sonstiges Verhalten ist durchaus altersgerecht und macht diesen facettenreichen Charakter äußerst glaubwürdig und lebensnah. Auch entwickelt sich Ellie glaubwürdig und passend weiter.

Colin wird sehr geheimnisvoll und düster dargestellt. Durch seine distanzierte Art wirkt diese Figur nicht immer durchweg sympathisch, allerdings lernt der Leser auch diesen zu verstehen und sein Verhalten wird nachvollziehbar.

Eine wichtige Rolle spielen auch Ellies Eltern, die ihren Part überzeugend ausfüllen. Anfangs mag der Leser sich fragen, warum sie ihre Tochter kurz vor dem Abitur aus der gewohnten Umgebung reißen, dennoch wird auch dieses im Laufe der Geschichte klar.

Die Nebendarsteller sind ebenfalls lebendig und komplex konzipiert, manche werden, wie auch Ellie und Colin lange in Erinnerung bleiben. Nur bei einem Charakter war sich die Autorin oder das Lektorat in der Namensgebung anscheinend nicht einig, da wurde aus Lotta auch mal Lola und wieder umgekehrt.

Aber nicht nur der Inhalt macht „Splitterherz“ zu etwas Besonderem. Auch das außergewöhnlich schöne Design hebt dieses Buch deutlich hervor. Die Farbwahl sowie die Gestaltung des Covers sind atemberaubend schön. Dieses Buch im Buchregal verschwinden zu lassen grenzt schon bald an Sünde.

_Fazit_

Mit „Splitterherz“ hat Bettina Belitz einen traumhaft schönen Beginn einer Trilogie angestimmt. Ihre Art die Geschichte zu erzählen mag stellenweise langatmig sein und leicht dahinplätschern. Doch als der Plot an Spannung zulegte, zeigte sich deutlich, dass gerade auch die lebendigen und facettenreichen Beschreibungen der Schauplätze, der Handlung und die Entwicklung der Protagonisten zu dem Gelingen beitrugen.

In einem Interview sagte die Autorin, dass sie einen realistischen Fantasyroman schreiben wollte, dies ist Bettina Belitz bravourös gelungen. Hier bleibt eigentlich nur zu sagen: Lesen!

_Autorin_

Bettina Belitz, an einem sehr sonnigen Spätsommertag 1973 beinahe in einer Heidelberger Bäckerei zur Welt gekommen, wuchs zwischen unzähligen Büchern auf und verliebte sich schon früh in die Magie der Buchstaben. Lesen alleine genügte ihr dabei nicht – nein, es mussten auch eigene Geschichten aufs Papier fließen. Nach dem Studium der Geschichte, Literaturwissenschaft und Medienwissenschaft arbeitete Bettina Belitz als Redakteurin und freie Journalistin, bis sie ihre Leidenschaft aus Jugendtagen zum Beruf machte. Heute lebt Bettina Belitz umgeben von Pferden, Schafen, Katzen und Hühnern als freie Autorin in einem 400-Seelen-Dorf im Westerwald.

|Hardcover mit Schutzumschlag, Spotlack und Leseband: 630 Seiten
ISBN-13: 978-3839001059|
[www.bettinabelitz.de]http://www.bettinabelitz.de
[www.script5.de]http://www.script5.de

Harris, Charlaine – Grabeshauch (Harper Connelly 4)

_Die |Harper Connelly|-Reihe:_

Band 1: [„Grabesstimmen“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4704
Band 2: [„Falsches Grab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5608
Band 3: [„Ein eiskaltes Grab“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6318
Band 4: [„Grabeshauch“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=7031

Charlaine Harris ist wohl eine der erfolgreichsten Autorinnen des Mysterygenres. Immerhin haben es ihre Sookie-Stackhouse-Bücher bis ins Fernsehen geschafft. Für die Serie, umbetitelt in „True Blood“, wird gerade die vierte Staffel abgedreht. Doch neben Sookie hat Harris noch weitere Heldinnen in petto. Eine ist Harper Connelly, die die Fähigkeit besitzt, Tote zu finden und deren letzte Gedanken zu hören.

Diese Gabe bringt ihr und ihrem Stiefbruder Tolliver, der gleichzeitig auch ihr Freund und Manager ist, gutes Geld ein. Von den Joyce-Schwestern werden die beiden nach Texas beordert. Sie sollen klären, wie der reiche Großvater der beiden ums Leben kam. Doch als Harper auf dessen Grab steht, findet sie etwas ganz anderes heraus. Die Pflegerin von Rich Joyce ist nicht, wie jeder geglaubt hat, an den Folgen eines Blinddarmdurchbruchs gestorben, sondern bei der Geburt ihres Kindes verblutet. Dies scheint die Joyce-Schwestern, die nun das Wirtschaftsimperium ihres Großvaters fortführen, mehr zu schocken als der ansonsten eher unspektakuläre Tod von Rich Joyce.

Auch Harper und Tolliver haben mit dem Fall noch zu tun, obwohl sie ihn abgeschlossen haben. Tolliver wird in ihrem Hotelzimmer angeschossen und die Polizei findet heraus, dass die Kugel eigentlich für Harper bestimmt war. Doch wer will sie tot sehen, nur weil sie den wahren Grund für das Ableben von Rich Joyces Pflegerin herausgefunden hat? Zu allem Überfluss wird auch noch Tollivers Vater, der Schuld an der verkorksten Kindheit von Tolliver und Harper hat, aus dem Gefängnis entlassen und versucht Kontakt mit seinem Sohn aufzunehmen …

_“Grabeshauch“ legt den_ Hauptfokus auf die Heldin und ihre Lebensgeschichte. Die Ereignisse aus ihrer Kindheit, so erschreckend sie auch sind, werden ständig wiedergekäut. Auch der Beziehung zu ihrem Stiefbruder, die, obwohl legal, immer wieder für hochgezogene Augenbrauen in ihrem Umfeld sorgt, wird viel Platz eingeräumt. Die eigentliche Handlung kommt dadurch zu kurz. Sie geht nur zäh voran und ist insgesamt eher einfach gestrickt. Der Autorin gelingt es nicht, durch überraschende Wendungen oder geschickt platzierte Geheimnisse Spannung aufzubauen. Man weiß zwar auch nicht von Anfang an, wer der Täter ist, doch die Autorin macht nicht genug aus der Ausgangssituation.

Über die Ausarbeitung der Hauptperson Harper kann man sich nicht beschweren. Da sie Ich-Erzählerin ist und samt ihrer Geschichte stark im Vordergrund steht, fühlt man sich am Ende des Buches so, als ob man sie persönlich kennt. Wie in ihren Sookie-Stackhouse-Büchern gelingt es Harris auch hier, eine junge Frau sehr lebendig und vielschichtig darzustellen. Dabei lassen sich Sookie und Harper trotzdem gut voneinander unterscheiden, auch wenn sie einige Parallelen aufweisen. Beide sind einfache Frauen ohne hohe Bildung, die sich mutig und gewitzt gegen Widerstände in ihrem Alltag durchsetzen müssen.

Die Sprache des Buches gefällt durch ihre Einfachheit. Manchmal wird die Autorin auch etwas salopper, insgesamt bleibt sie jedoch auf einem guten Niveau. Ihr Wortschatz passt zu ihrer Hauptfigur und die gelegentlichen, schlagfertigen Bemerkungen lockern die Geschichte zusätzlich auf.

_In der Harper-Connelly-Reihe_ kommen zwar weder Vampire noch Elfen vor, doch die Bücher müssen sich hinter denen von Sookie Stackhouse nicht verstecken. Auch in „Grabeshauch“ punktet Charlaine Harris mit einer tollen Hauptfigur und einem leicht zu lesenden Schreibstil, zeigt dabei aber auch deutliche Schwächen in der Handlung.

|Taschenbuch: 317 Seiten
Originaltitel: Grave Secret
Deutsch von Christinane Burkhardt
ISBN-13: 978-3423212687|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de

_Charlaine Harris bei |Buchwurm.info|:_

|Sookie Stackhouse|:
Band 1: [„Vorübergehend tot“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=788
Band 2: [„Untot in Dallas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=939
Band 3: [„Club Dead“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1238
Band 4: [„Der Vampir, der mich liebte“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2033
Band 5: [„Vampire bevorzugt“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3157
Band 6: [„Ball der Vampire“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4870
Band 7: [„Vampire schlafen fest“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5450
Band 8: [„Ein Vampir für alle Fälle“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6161
Band 9: [„Vampirgeflüster“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6593

SunQuest – Quinterna 2: Invasion der Stummen

Im zweiten Band des zweiten Sechsteilers der „SunQuest“-Saga geht es vor allem darum, wie die drei Frauen aus Burundun, dem Standort des Archivs, auf verschiedenen Wegen versuchen, den Widerstand gegen ELIUM und die Quinternen zu organisieren und letztlich selbst nach der Wurzel des Übels zu greifen versuchen.

Seiya wurde von ihrem ursupatischen Bruder in die Heimat gerufen, denn dort übernahmen die Quinternen die Kontrolle, um an die für sie wichtigen reichen Kristallvorkommen zu gelangen. Und die vertriebene Schwester organisiert den Widerstand, ehe sie weiter Richtung ELIUM vordringt.

Shanija erreicht mit ihrem Trupp den Sitz der Familie Hag, um dort eine Armee für den Krieg gegen ELIUM zusammenzustellen.

Und As’mala ist weiterhin in ELIUM gefangen und arbeitet an einem Ausbruchsversuch, als sie eine unerwartete und wichtige Begegnung mit dem Wesen Nur-Eins hat …

Wie gehabt teilen sich zwei Autoren einen Roman, sodass die Gewichtung der Ereignisse sehr zu Lasten Seiyas geht, um die sich die gesamte erste Hälfte dreht … ohne dabei jedoch wichtige neue Erkenntnisse zu vermitteln neben dem für die „Stummen“ wichtigen Kristallvorkommen. Dagegen drängen sich im zweiten Abschnitt die Handlungsebenen um Shanija, ihren Sohn Darren (der in Burundun seine psimagische Kraft entdeckt und geistigen Kontakt zu Nur-Eins herstellt) sowie As’mala, und in jeder Ebene ereignen sich spannende und richtungsweisende Dinge wie Darrens unerwarteter Kontakt, der Angriff auf das Archiv, der Ausbruch von Darrens Fähigkeiten oder das Auftreten Nur-Eins‘ im Körper eines Kindes, eines Mädchens, das – als Cliffhanger konstruiert – bei As’mala Assoziationen zu seiner Identität weckt – die der Leser im nächsten Roman zu erfahren hoffen muss, denn an dieser wichtigen Stelle endet der Roman.

Hat also Dennis Mathiak einen zwar unterhaltsamen, aber wenig handlungstreibenden Romanabschnitt um einen Teilerfolg im Befreiungskampf geschrieben, verarbeitet Achim Mehnert in kompakterer Form interessante Aspekte des Weltentwurfs, die wieder Lust auf mehr machen. Man merkt den Texten insgesamt jedoch die Schule der Autoren im Fortsetzungsroman mit den Charakteristika derselben an, es tummeln sich klischierte Protagonisten und beschreibende Floskeln, was sich aber vor allem im zweiten Teil unter den Informationshappen und der spannenden, dichteren Atmosphäre versteckt.

Insgesamt ist dieser zweite Teil gute Bettlektüre, der zum Ende hin noch ein paar Köder nach dem Leser wirft, um ihn zum Weiterlesen zu animieren, was der durchaus interessante Weltentwurf auch verdient.

Broschiert: 240 Seiten
ISBN-13: 978-3927071285
Originalausgabe

Der Autor vergibt: (3/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Rübenstrunk, Gerd – Wörterbuch des Viktor Vau, Das

_Vor der afrikanischen Küste_ fällt ein unbekanntes Objekt vom Himmel. Zunächst geht die Überwachung davon aus, dass es sich nur um Weltraumschrott handelt. Schon bei der Bergung stellt sich allerdings heraus, dass dieses Objekt etwas anderes sein muss. Der Sprachwissenschaftler Viktor Vau hat davon zwar gehört, interessiert sich aber eigentlich nicht die Bohne dafür. Nur widerwillig reist er nach Afrika, um den Fetzen Papier mit den geheimnisvollen Schriftzeichen in Augenschein zu nehmen, der im Innern des Objektes gefunden wurde …

_Die Kurzbeschreibung_ des Verlages ist ein wenig irreführend. Denn obwohl dieses Buch sehr wohl Sciencefiction ist, geht es weder um Raumschiffe noch um außerirdisches Leben. Tatsächlich geht es um Sprache. Vordergründig zumindest.

Im Zentrum der Geschichte steht der Linguist Viktor Vau, ein ausgesprochen ordnungsliebender, penibel gekleideter Mensch, der seit zehn Jahren jeden Morgen zur selben Uhrzeit im selben Bistro das gleiche Frühstück zu sich nimmt. Die menschlichen Alltagssprachen empfindet er als ungenau und mehrdeutig, und da Unordnung ihm verhasst ist, hat er es sich zum Ziel gesetzt, eine neue Sprache zu erfinden, die die gesamte Realität absolut präzise abbildet. Seine Kollegen allerdings verweigern ihm die wissenschaftliche Anerkennung, weshalb er die Ergebnisse seiner Arbeit nie veröffentlicht hat. Außer in Fachkreisen ist er völlig unbekannt, und wahrscheinlich wäre er nach seinem Tod einfach in Vergessenheit geraten. Wäre da in Afrika nicht dieses Objekt vom Himmel gefallen!

An diesem Ding sind natürlich die Geheimdienste sämtlicher Staaten, die auch nur einen Hauch von Einfluß haben, brennend interessiert. Binnen Stunden stehen sie alle auf der Matte und belauern sich nun gegenseitig, um sich die brisanten Erkenntnisse, die sie von den Forschern erwarten, unter den Nagel zu reißen und zu ihrem Vorteil auszunutzen. Da die Wissenschaftler aber zu keinen Erkenntnissen kommen, schlägt einer von ihnen vor, Viktor Vau hinzuzuziehen. Dadurch gerät der etwas weltfremde Professor ins Fadenkreuz der Weltpolitik.

Die Geheimdienste sind allerdings nicht als einzige hinter Viktor Vau her. Ein weiterer Handlungsstrang enthält die Logbucheinträge eines sogenannten Protektors, der einen Auftrag zu erfüllen hat, der sich auf Viktor Vau bezieht. Und daneben läuft noch ein weiterer Handlungsstrang, der stellenweise wie ein typischer, amerikanischer Polizeistreifen daherkommt: Ein bodenständiger Polizist jagt einen Serienmörder, mit mäßigem Erfolg, und massiv unter Druck gesetzt von einem schmierigen Regenbogenjournalisten. Wie dieser Kriminalteil mit dem Rest zusammenhängt, eröffnet sich dem Leser erst ganz allmählich.

All diese Aspekte sind von der Person des Viktor Vau abhängig. Dabei verhält der Professor sich fast die ganze Zeit passiv. Angestoßen wurden sämtliche Ereignisse durch eine Gruppe von Personen, die etwas verhindern wollte, das wahrscheinlich nur deshalb eintraf, weil jemand versuchte, es zu verhindern. Ein wohlbekanntes Paradoxon.

Angesiedelt ist der Plot in einer Welt, die vom Entwurf her nicht unbedingt neu ist. Die Diktatur einer Oligarchie und totale Überwachung auf der einen, eine kleine Rebellentruppe, die dagegen aufbegehrt, auf der anderen Seite, das kennt man schon. Dass mich das trotzdem nicht störte, mag zum einen daran liegen, dass der Kriminalteil der Geschichte einen gewissen Bezug zum Jetzt herstellt und das Szenario damit ein wenig aus dem Futuristischen herausholt. Zum anderen bildet der Konflikt zwischen Regierung und Rebellen lediglich eine Randerscheinung der eigentlichen Geschichte, der zudem durch einen fiesen kleinen Kniff am Ende dem Pathos einer Prinzessin Leia und Konsorten entgeht.

Der Kern der Geschichte ist – wie beim eigentlichen Ursprung des SF, der Utopie – ein fast schon philosophischer. Eine Sprache, die die gesamte Realität vollkommen eindeutig beschreibt, ohne jegliche Ungenauigkeiten, ohne Spielraum für Hintersinn, Ironie und was es noch an Facetten innerhalb von Sprache gibt. Wollen wir so etwas überhaupt? Ist das erstrebenswert?

Führt man diese Kontroverse noch einen Schritt weiter, landet man schließlich beim Gegensatz zwischen strenger Logik und ungebändigter Kreativität, oder auch zwischen Ordnung und Chaos. In diesem Roman bildet die von Viktor Vau erfundene Sprache das Instrument der Logik und der Ordnung. Letzten Endes geht es darum, welchen Einfluss Sprache auf unser Denken und damit auch auf unser Handeln hat, und wohin uns solch eine eindeutige Sprache führen könnte.

Der Autor hat sich bei seiner Arbeit an diesem Buch auf diverse Quellen gestützt, deren Themen von der Linguistik bis zur Hirnforschung reichen. Das merkt man an manchen Stellen, tatsächlich musste ich für ein oder zwei Begriffe ein Lexikon bemühen. Andererseits wird die intensive Beschäftigung mit diesen Themen im Roman deutlich spürbar, im positiven Sinne.

_Alles in allem_ kann man dieses Buch nur als gelungen bezeichnen. Totalitäre Systeme mögen eine Standardzutat für SF sein, wie es Elfen und Drachen für Fantasy sind. Gerd Rübenstrunk ist es jedoch gelungen, sie in einen Kontext einzubauen, der zwar logischerweise ein spekulativer ist, aber nicht so völlig abwegig wirkt wie manch anderes, was mir bei SF schon begegnet ist. Die Handlung hat Krimi-, Politthriller- und SF-Aspekte miteinander verbunden, ohne dabei erzwungen zu wirken oder in logisches Stolpern zu geraten. Vor allem aber hat die Geschichte tatsächlich etwas zu erzählen, das über den oft bemühten gerechten Kampf einer Minderheit um Freiheit und Selbstbestimmung hinausgeht. Mag die These, die dem Roman zugrunde liegt, auch umstritten sein, allein das Weiterspinnen des Gedankens, was denn mithilfe von Sprache alles getan werden könnte, wenn die These ein Fakt wäre, ist zugleich erschreckend und faszinierend. Sehr lesenswert.

_Gerd Rübenstrunk_ war nach einem umfangreichen Studium zuerst als Texter und in der Werbung tätig. Auch fürs Fernsehen hat er gearbeitet. Als Schriftsteller hat er bisher vor allem Jugendbücher geschrieben, darunter die |Arthur|-Trilogie, deren dritter Band im Januar dieses Jahres erschienen ist. Er lebt und arbeitet in Duisburg.

|Broschiert: 412 Seiten
ISBN-13: 978-3492702249|
[www.piper-verlag.de]http://www.piper-verlag.de
[www.ruebenstrunk.de]http://www.ruebenstrunk.de

Lachlan, M.D. – Wolfskrieger

_|Wolfsengel|:_

Band 1: _“Wolfskrieger“_
Band 2: „Fenrir“ (Mai 2012, noch ohne dt. Titel)

_Wie alle Könige_ träumt Authun davon, eine Dynastie zu gründen. Doch die Hexen in den Bergen haben ihm prophezeit, daß er keinen eigenen Sohn haben wird. Wenn er sein Ziel erreichen will, muss er den Westleuten ein besonderes Kind rauben. Tatsächlich erreicht er den Ort, den die Hexen ihm genannt haben. Allerdings findet er dort nicht nur ein Kind, sondern zwei …

_Laut Buchbeschreibung_ ist „Wolfskrieger“ der „Auftakt zu einem Mythos, der so alt und dunkel ist wie die nordischen Sagas selbst“. Das rief erst einmal ein Stirnrunzeln hervor, aber letztlich kam ich zu folgendem Schluss: Die Geschichte baut zwar auf dem Mythos vom Fenriswolf auf, der einst seine Ketten sprengen und dann Odin töten und dadurch Ragnarök einleiten wird, das Ende der Welt. Die Geschichte selbst aber hat keine literarische Vorlage unter den Nordlandsagas, sondern ist frei erfunden.

Der Klappentext klang eigentlich nicht so verlockend, dass er mehr als vages Interesse erzeugt hätte. Die Leseprobe war es letztlich, die mich dazu bewog, mir die Geschichte zu Gemüte zu führen. Ich weiß nicht, ob ich das auch getan hätte, wäre die Leseprobe noch etwas länger gewesen!

Nicht, dass das Buch schlecht wäre. Es enthält viele interessante Aspekte, ist sauber aufgebaut und flüssig und fesselnd erzählt. Dazu wartet es immer wieder mit unerwarteten Wendungen und Überraschungen auf. Die Interpretation und Darstellung des nordischen Weltbildes allerdings gefiel mir nicht. Dazu gehörte zum einen die Magie der Hexen. Mit Folter hab ich’s nicht so, und wenn Leute sich Folter mehr oder weniger freiwillig antun, macht es das eher noch schlimmer. Auch fand ich eine Magie, die auf völligem Irrsinn beruht, teils beunruhigend, teils abstoßend.

Ein weiterer Punkt waren die Berserker, die hier als eine Art Odin-Kultisten beschrieben sind, die sich mit Hilfe von Giftpilzen berauschen, und nur um des Tötens willen überhaupt in den Kampf ziehen. Am Übelsten aber fand ich die Sache mit dem Wolf. Alles, was damit zusammenhängt, ist eine sehr blutige Angelegenheit.

Natürlich gilt es in der Literatur als legitim, Inhalte umzudeuten oder auch leicht abzuwandeln, damit sie besser in den Kontext der Geschichte passen, und über die Berserker gibt es ohnehin kaum gesichertes Wissen. Trotzdem konnte ich mich damit, wie der Gott Odin hier dargestellt ist, nicht wirklich anfreunden. Denn wenn ein Gott derart irrsinnig ist, was läßt das dann für Rückschlüsse auf diejenigen zu, die ihm ihr Leben geweiht haben? Hier zeichnet sich eine Welt ab, aus der ich, wäre ich dort hineingeboren, schnellstmöglich auswandern würde.

Um das Maß vollzumachen, wirkt das Schicksal hier auf ähnliche Weise wie in den Nebeln von Avalon. Der Leser sieht den Protagonisten dabei zu, wie sie unwiderruflich und unaufhaltsam in ihr Verderben schlittern, ohne jede Möglichkeit, sich dagegen zu wehren. Letztlich sind sie nicht mehr als Figuren im Spiel der Götter, die nur scheinbar einen freien Willen haben. Dass das Verhängnis, das auf sie wartet, auch noch eine Endlosschleife ist, macht die Sache nicht besser.

_Irrsinn, Grausamkeit, Blutgier,_ und das immer wieder aufs Neue bis zum Ende aller Tage, das ist wirklich ein ungemein deprimierendes Szenario. Da hilft es auch nicht, dass die Charaktere, wenn auch nicht besonders tiefschürfend, so doch sehr sympathisch geraten sind. Was letztlich aus ihnen wird, macht die Sache eher noch deprimierender. Niemand hat ein solches Schicksal verdient. Zumal das alles letztlich nur einem einzigen Ziel dient: einem Irren zu weiteren Erkenntnissen über den Tod zu verhelfen. Die Welt, die M. D. Lachlan hier entworfen hat, wirkt wie ein einziges riesiges Tollhaus, in der Leben und Tod, Kampf und Magie, alles gleichermaßen wahnsinnig ist. Ein Schlachtfest für Durchgeknallte.

Wer einen robusten Magen hat und finstere Geschichten ohne Happy End mag, der ist hier absolut richtig und darf sich auf eine Fortsetzung freuen. Mir aber hat dieser Entwurf einer Welt der Wikinger nicht gefallen, so gut sie auch erzählt war. Ich empfand sie als ausgesprochen frustrierend, großteils widernatürlich und stellenweise schlicht eklig. Die Folgebände werde ich ganz bestimmt nicht lesen.

_M. D. Lachlan_ ist ein Pseudonym des britischen Jornalisten und Schriftstellers Mark Barrowcliffe, von dem auf Deutsch die Titel „Girlfriend44“, „Auf den Hund gekommen“ sowie „Der kleine Hunger zwischendurch“ erhältlich sind. „Wolfskrieger“ ist der erste Fantasy-Roman des Autors, der zweite Band mit dem Titel „Fenrir“ ist für April nächsten Jahres angekündigt.

|Taschenbuch: 558 Seiten
Originaltitel: Wolfsangel
Übersetzung: Jürgen Langowski
ISBN-13: 978-3453526754|
[www.heyne.de]http://www.heyne.de
[www.mdlachlan.com]http://www.mdlachlan.com

Campbell, Jack – Fluchtpunkt Ixion. Die verschollene Flotte 3

_|Die verschollene Flotte|:_

Band 1: [„Furchtlos“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6124
Band 2: „Black Jack“
Band 3: _“Fluchtpunkt Ixion“_
Band 4: „Gearys Ehre“ (erscheint am 24.06.2011)

_Actionreich und spannend: Black Jack in der _Falle?

Seit hundert Jahren kämpft die Allianz verzweifelt gegen die Syndikatswelten, und die erschöpfte Flotte ist in Feindgebiet gelandet. Ihre einzige Hoffnung: Captain John Geary. Seit seinem heldenhaften letzten Gefecht hält man ihn für tot. Doch wie durch ein Wunder hat er im Kälteschlaf überlebt. Nun soll er als dienstältester Offizier das Kommando über die Flotte übernehmen, um sie sicher nach Hause zu bringen. In einem Krieg, der nur in einem Fiasko enden kann …

Zu Band 3: Unzählige Feinde warten auf dem Weg nach Haus, und bis jetzt hat Captain John „Black Jack“ Geary immer ein Rezept dafür gehabt. Doch dann scheint er in eine Falle zu laufen. Aber wer hat sie ihm gestellt?

_Der Autor_

Hinter dem Pseudonym „Jack Campbell“ verbirgt sich der ehemalige U.S. Navy-Offizier John G. Hemry. In seinem aktiven Dienst bei der Marine sammelte er viel Erfahrung, die er in seine SF-Romane einfließen ließ. Campbell lebt mit seiner Frau und seinen drei Kindern in Maryland, unweit Washington, D.C.

Der Zyklus „Die verschollene Flotte“:

1) „Furchtlos“ („Dauntless“, 2006)
2) „Black Jack“ („Fearless“, 2007)
3) „Fluchtpunkt Ixion“ („Courageous“, 2007)
4)“ Gearys Ehre“ („Valiant“, 2008)
5)“ The Lost Fleet: Relentless“ (2009)
6) „The Lost Fleet: Victorious“ (2010)
7) „The Lost Fleet: Beyond the Frontier“ (04/2011)

Zyklus „Stark’s War“

1. „Stark’s War“ (April 2000)
2. „Stark’s Command“ (April 2001)
3. „Stark’s Crusade“ (März 2002)

Zyklus „Paul Sinclair“

1. „A Just Determination“ (May 2003)
2. „Burden of Proof“ (März 2004)
3. „Rule of Evidence“ (März 2005)
4. „Against All Enemies“ (März 2006)

_Vorgeschichte_

Captain John „Black Jack“ Geary ist ein Kriegsheld aus jenen Tagen vor hundert Jahren, als der Krieg der Allianz mit den Syndikatswelten begann. Damals rettete er sich an Bord einer Rettungskapsel, die ihn im Kälteschlaf hielt, und wurde hundert Jahre später aufgefischt. Jetzt hat ihn die Flotte wieder aufgetaut, weil ein Notfall eingetreten ist: Die Allianz-Flotte ist im Feindgebiet umzingelt, nachdem sie verraten wurde. Ihr bleibt nur die Wahl zwischen bedingungsloser Kapitulation und völliger Vernichtung durch die zahlenmäßig überlegene Syndic-Flotte.

Geary verlässt seine Kabine an Bord des Flaggschiffs „Dauntless“ (= Furchtlos) und geht zur Brücke. Dort übergibt ihm Admiral Bloch als dem dienstältesten Offizier das Kommando über die Flotte und verrät ihm ein ungemein wichtiges Geheimnis: Die „Dauntless“ darf um keinen Preis in die Hand des Feindes fallen, sonst ist die Allianz verloren. Dann fliegt Bloch mit einer Fähre zum Flaggschiff des Gegners, um zu verhandeln. Hilflos muss Geary auf dem Bildschirm die Videoübertragung mit ansehen, wie der Vorstandsvorsitzende (CEO) des Syndikats Bloch und seine Adjutanten kaltblütig abknallen lässt. Es gibt keine Verhandlungen, sondern ein Ultimatum: eine Stunde bis zu Kapitulation oder Vernichtung.

Eine Stunde kann eine Menge Zeit sein, wenn es drauf ankommt, denkt Geary. Nach einer Rücksprache mit Captain Desjani, der Kommandantin der „Dauntless“, über das Geheimnis lässt er eine Videokonferenz der anderen Kapitäne einberufen. Er bringt trotz des Widerstands einiger Offiziere – wer traut schon einem Aufgetauten? – alle auf seine Linie und lässt einen Rückzugsplan ausarbeiten: Operation Ouvertüre. In einem Vier-Augen-Gespräch mit der Ko-Präsidentin zweier verbündeter Flotten muss er zu seinem Missvergnügen feststellen, dass auch sie das Geheimnis der Flotte kennt – oder zumindest gut geraten hat. Immerhin ist Ko-Präsidentin Victoria Rione abschließend bereit, den Gegner hinzuhalten.

Während sich die Flotte umformiert, um den Massensprungpunkt anzuvisieren, der sie aus dem feindlichen System herauskatapultiert, führt Geary ein Gespräch mit dem CEO des Gegners. Der ist zunächst verständlicherweise ungläubig, dass ein vor hundert Jahren gestorbener Offizier nun das Kommando über die Allianz-Flotte übernommen haben will. Das soll wohl ein Trick oder schlechter Scherz sein? Geary pflegt nicht zu scherzen, aber es gibt ihm Gelegenheit, den CEO eine weitere halbe Stunde aufzuhalten. Bis dieser die Verbindung entnervt unterbricht, um Gearys Offiziere einzeln zur Aufgabe zu überreden. Geary unterbindet diesen Versuch energisch.

Mit einem verlustreichen Rückzugsgefecht gelingt es Geary, seine Flotte fast komplett aus dem Feindsystem springen zu lassen. Doch er verliert dabei seinen Großneffen, der sich für die Flotte opfert und in Gefangenschaft geht. Geary verspricht ihm, ihn rauszuholen und Michaels Schwester zu kontaktieren, die auf einer der Allianzwelten lebt.

Doch jenseits des Zielpunktes nach dem Sprung muss Geary feststellen, dass hundert Jahre Krieg ihre Spuren hinterlassen haben, nicht nur auf den Welten, sondern vor allem in Gearys eigener Flotte …

_Handlung_

Captain John Geary hat es geschafft, die ramponierte Allianz-Flotte vor der sicheren Vernichtung durch die Syndik-Flotten zu bewahren und – unter persönlichen Opfern – in die relative Sicherheit eines anderen Sternsystems zu manövrieren.. Indem er das Hypernet der Syndiks vermeidet, das viel größere Sprünge erlauben würde, kann er ihrer Überwachung entgehen. Doch dafür kommt er langsamer voran, indem er von Sternsystem zu Sternsystem springt. Die Flotte will nach Hause, in den Allianz-Raum, also wieso macht er dann Umwege? Einige selbstbewusste Offiziere haben ihrem Zweifel und Unmut darüber bereits Luft gemacht. Es soll noch schlimmer für Jack „Black Jack“ Geary, den wiedererweckten Kriegshelden, kommen.

In Band 2 schlägt er eine Rebellion der Offiziere nieder, doch kommt er zu spät, um die Szession des egozentrischen Captain Falco zu unterbinden. Dieser läuft in eine Falle der Syndiks und seine Flotte wird bei Vidha fast völlig aufgerieben. Reumütig kehren die von Falco verführten Offiziere mit den überlebenden Schiffen zu Geary zurück. Falco hat ebenfalls überlebt und wird eingesperrt. Wer weiß, wozu er noch gut ist. Außerdem kann ihn nur die Allianz selbst aburteilen. Und die ist noch weit entfernt.

Nachdem er das System Sancere ausgeplündert hat, um seine Vorräte aufzufrischen, düst die Flotte weiter nach Baldur, wo sich keinerlei Widerstand zeigt. Sie nutzt die Gelegenheit, um wertvolle Erze zu rauben. Zum Glück erfolgt seitens der Syndiks keinerlei Gegenwehr. Danach springt die Flotte nach Daiquon, doch hier zeigt sich erstmals, dass die Syndiks ihnen auf der Spur sind. Mit knapper Not können sie verhindern, dass der Sprungpunkt, den sie nach Ixion benötigen durch Minen unpassierbar gemacht wird. Schon in Ixion ist ihnen eine größere Syndik-Flotte auf den Fersen, um ihnen den Weg zur Allianz-Grenze zu verlegen.

Co-Präsidentin Victoria Rione ist glücklicherweise wieder menschlich zugänglich geworden. Sie hat zu ihrer Bestürzung und Scham herausgefunden, dass ihr geliebter Gatte noch als Gefangener der Syndiks am Leben ist – und sie vergnügte sich derweil im Bett eines anderen! Sollte diese Entdeckung je die Runde machen, dann wäre sie als Liebchen des Flottenkommandanten abgestempelt. Und die opponierenden Offiziere würden nicht zögern, diesen Eindruck gegen Geary zu verwenden. Also ist höchste Diskretion angebracht.

Welchen Kurs soll er nun als nächsten einschlagen, fragt sich Geary. Die Syndiks werden erwarten, dass er weiter Richtung Grenze vordringt und haben deshalb bestimmt das naheliegendste Ziel, T’negu, vermint. Welcher würde sie überrumpeln, fragt Geary nicht nur sich, sondern auch den wahnsinnigen Captain Falco. Die Antwort ist einfach: Lakota. Ein reiches System mit einem Hypernet-Portal. Dort ist bestimmt mit Widerstand zu rechnen. Aber auch mit reichen Ressourcen.

Doch mit dem, was dann im Lakota-System geschieht, hat auch Geary in seinen finstersten Phantasien nicht gerechnet …

_Mein Eindruck_

Ich habe diesen actionreichen Roman in nur drei Tagen gelesen. Er lässt sich in drei große Teile strukturieren. Im ersten Viertel kümmert sich die Flotte um ihre innere Stärkung, indem sie die Erze abbaut und in Waffen und Brennstoffzellen umwandelt. Auf diese Weise wird sie wieder gefechtsbereit für eine längere Strecke.

Gleich nach der Festlegung des neuen Kurses muss sich Geary im nächsten Viertel mit Victoria Rione auseinandersetzen – und zugleich mit Captain Tanya Desjani einigen, welche mit Rione praktisch um Gearys Gunst buhlt – aber auf beruflicher Ebene. Diese scheinbare Dreiecks- und Bettgeschichte, die ein gewisses humorvolles Element zur Handlung beiträgt, überzeugt die opponierenden Offiziere vollends davon, dass der Flottenkommandant unter der Fuchtel von unqualifizierten Frauen steht und für das Kommando nichts taugt.

Weit gefehlt! Im Ixion-System zeigt er den Offizieren, was eine Harke ist. Schwieriger wird es dann schon im Lakota-System, wo gleich zwei Flotten bereit zu sein scheinen, Gearys Flotte das Leben schwerzumachen. Todesmutig, wie sie es in alten Allianz-Tagen gelernt haben, stürzt sich eine der Offizierinnen in ein Duell mit dem Feind. In Gearys Augen der Gipfel der Unvernunft. Aber er weiß, woher diese falsch verstandene Tapferkeit stammt. Er hat sich bemüht, die Offiziere davon zu überzeugen, dass das Überleben der ganzen Flotte wichtiger ist als eine Tapferkeitsmedaille eines Einzelnen. Captain Desjani hat diese Lektion ebenso gelernt wie etliche andere Offiziere. Nun jedoch ist die Flotte einen Schlachtkreuzer ärmer.

Der letzte und wichtigste Teil des Romans ist wie üblich eine Raumschlacht mit allen Schikanen. Sie lässt das Herz eines jeden Fans solcher Action höherschlagen. Man muss nicht „Hornblower“ gelesen oder „Master and Commander“ gesehen zu haben, um Gearys Gefechtsmanöver geradezu genial zu finden. Er ist immer für eine Überraschung gut.

Im Nachklapp gibt es eine weitere Überraschung, die den Leser gespannt auf die Fortsetzung warten lässt: Die Aliens, von denen bereits in Band 2 die Rede war, haben das von ihnen geschaffene Hypernet so manipuliert, dass sich eine Syndik-Flotte verflogen hat – ausgerechnet nach Lakota. Diese Manipulation eines wichtigen Verkehrsweges ist eine laute Botschaft. Doch wofür?

_Die Übersetzung _

Wie schon im Vorgängerband ist Ralph Sanders Übersetzung bemerkenswert frei von Druckfehlern. Lediglich auf Seite 393 fand ich ein dicken Fehler: “ …um die überlegene Syndik-Streitmacht in Empfang zu nehmen, die Ixion früher oder später [nach Ixion] erreichen musste.“ Die zwei Wörter in Klammern sind sicherlich überflüssig.

Stilistisch ist der Text auf einer sehr beachtlichen Höhe, sodass man zu keinem Zeitpunkt merkt, dass es sich im Grunde um relativ simple Vorgänge in der Geschichte handelt. Nur für die betroffenen Figuren geht es dabei um Leben und Tod.

_Unterm Strich_

„Fluchtpunkt Ixion“ führt die Bände „Furchtlos“ und „Black Jack“ konsequent weiter. Ich habe den flott und einfach erzählten Roman in nur zwei Tagen gelesen. Die militärische Aktion spielt sich diesmal in vier Systemen ab, und an Flottenaktivitäten und Kämpfen herrscht durchaus kein Mangel. Ich hätte mir ein bisschen mehr Detektivermittlung gewünscht und weniger das Herunterbeten von Kampfhandlungen, und seien sie noch so einfallsreich.

Aber wenigstens kommt ganz am Schluss die Ermittlung ein klein wenig voran, als Jack Geary seiner besseren Hälfte, der Ko-Präsidentin Victoria Rione, weitere Indizien für seinen Verdacht mitteilt: Die Menschen sind keineswegs allein im Universum und die Aliens, die wohl jenseits des Syndikraums existieren, haben etwas mit dem von ihnen geschaffenen Hypernet vor. Aber was?

Ansonsten kann der Roman mit den üblichen Unterhaltungswerten eines Military-SF-Romans dienen: mehrere Raumgefechte, diverse Abwehrkämpfe, die Auseinandersetzung mit einem unerbittlichen und zahlenmäßig überlegenen Gegner und schließlich offene Rätsel, die es im nächsten Band „Die Verschollene Flotte 4: Gearys Ehre“ zu lösen gilt. Er erscheint am 24. Juni 2011.

|Taschenbuch: 397 Seiten
Originaltitel: The Lost Fleet: Courageous (2008)
Aus dem US-Englischen von Ralph Sander
ISBN-13: 978-3404233519|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Die lautlose Bombe (Weltraumpartisanen – Band 15)

_Mark Brandis:_

Band 01: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [Die Vollstrecker]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [Testakte Kolibri]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [Raumsonde Epsilon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [Salomon 76]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [Aktenzeichen: Illegal]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [Operation Sonnenfracht]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [Alarm für die Erde]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [Countdown für die Erde]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908
Band 14: [Kurier zum Mars]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6938
_Band 15: Die lautlose Bombe_

Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit dem gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch, und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen, zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.

Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Original-Serie noch einmal, mit der ihr gebührendem Ernsthaftigkeit, an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und – seit dessen Ende – endlich wieder in der zivilen Institution VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) tätig, hat in den Folgejahren schon so manchen heiklen Job im Dienste der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Eine bessere und friedlichere Welt.

_Zur Story_

Nach Niederschlagung des MOB-Aufstands im Sommer 2078 ist Commander Mark Brandis schwer abgerutscht. Der Grund dafür ist die Entführung seiner Frau Ruth O’Hara als Druckmittel gegen ihn (vgl. Band 14 „Kurier zum Mars“) – Ihre Spur verliert sich in Spanien, welches dank der atomaren Katastrophe am Kilimanjaro (vgl. Band 10 „Operation Sonnenfracht“) als relativ heiße Todeszone gilt. Seither ist sie nicht wieder aufgetaucht, obwohl er den halben Planeten umgegraben hat. In der Folge tat er so ziemlich alles dafür, sich mittels Alkohol selbst zu vernichten. Jetzt im Frühjahr 2079 ist er kaum noch mehr als ein seelisches wie körperliches Wrack. VEGA-Chef John Harris lässt ihn dennoch aus der Gosse fischen. Freilich nicht ganz uneigennützig, denn Brandis‘ Halbbruder Dr. Jonathan „Nat“ West bereitet der VEGA Probleme. Und nicht nur dieser.

Der clevere Biochemiker arbeitete zusammen Professor Goodman im Weltraumlabor |Aeskulab| an einem Heilmittel für das mysteriöse Weltraumfieber, welches viele Raumfahrer von Zeit zu Zeit befällt. Dabei lief etwas kolossal schief. Statt eines Medikaments erzeugte man unfreiwillig einen todbringenden Erreger – fürderhin ‚Goodman-Bazillus‘ getauft. Dieser wird bei einem Unfall freigesetzt und tötet die gesamte Forschungsmannschaft der Raumstation. Nur Nat West scheint immun, überlebt äußerlich unversehrt, erleidet jedoch einen Hirnschaden. Mit anderen Worten: Weiterhin hoch intelligent – aber eben halt Plemplem. Er verlangt die Abkehr von der Technik und Rückschritt in mittelalterliche Strukturen. Sechs Wochen habe man Zeit seine Forderung zu erfüllen, sonst wird er den potenten Erreger freisetzen und damit die Erde entvölkern.

Bislang ist davon noch nichts nach Außen gedrungen und somit (noch) eine interne VEGA-Angelegenheit. Harris baut darauf, dass Brandis trotz seines desolaten Zustands kooperiert und Anhaltspunkte liefert, wo man den flüchtigen Dr. West und den Zylinder mit dem brisanten Inhalt, den er mit sich führt, auftreiben könnte. Brandis zeigt sich aber bockig und befürchtet, zurecht, dass der Sicherheitsdienst dann nicht lange zaudert und seinen „kleinen Bruder“ kurzerhand eliminiert. Er begibt sich daher lieber selbst auf die Suche, um Nat eventuell doch noch zur Vernunft bringen zu können. Mit Generalvollmachten ausgestattet und seinem Freund Grischa Romen an seiner Seite, setzt er sich auf die tödliche Spur, welche sein perfider Halbbruder hinterlassen hat.

_Eindrücke – Warnung: Enthält Spoiler!_

Nikolai von Michalewsky gönnt sich (und somit auch seinem Alter-Ego und Hauptfigur Mark Brandis) mal wieder eine kleine Auszeit vom Abenteuer Weltraum. Stattdessen muss die Erde nun für eine planetenweite Schnitzeljagd herhalten. ‚Wieder einmal‘ sollte man sagen. Ein ganz ähnliches Konstrukt hatten wir ja bereits bei „Aktenzeichen: Illegal“ – die Atmosphäre hüben wie drüben gleicht sich, was nicht verwundert. Allerdings hat „Die lautlose Bombe“ dem gelungenen Band 10 gegenüber aber mindestens einen gravierenden Nachteil. Das recht überspannte und unglaubwürdige Setting nämlich. Leider kommt NvMs Achillesferse hier erneut voll zum Tragen: Er war weder ein ‚richtiger‘ SciFi-Autor noch ein Wissenschaftler, bzw. gab sich nie sonderlich Mühe seine Storys diesbezüglich halbwegs plausibel zu gestalten.

In diesem Fall stolpert er unter anderem über die Medizin. Ein ‚Bazillus‘ der in solch geringen Mengen (Dr. West transportiert die gefährliche Fracht in einer Art Laborzylinder – quasi also als ‚Kleines Handgepäck‘) innerhalb kürzester Zeit verheerende Auswirkungen auf den gesamten Planeten haben soll? Hmmmm. In der Sciencefiction ist fraglos eine Menge möglich, auch solcherlei kann man sicher irgendwie versuchen irgendwie schlüssig zu erklären, wenn man ausreichend recherchiert. Abwegig ist die Vorstellung eines synthetischen Killer-Virus ja nicht grade – glaubt man den Verschwörungstheoretikern, entstammen solche Plagen wie AIDS und „Ebola“ mitnichten der freien Natur, sondern der genetischen Manipulation in der Giftküche der der CIA. So gesehen ist der Roman aus dem Jahre 1977 schon recht weitsichtig.

‚Virus‘ wäre ein (geringfügig) glaubhafterer Ansatz gewesen. Ein Bazillus, oder Bakterium, hat andere Überlebensbedingungen. Es überträgt sich auch anders als ein Virus. Kurzum: Kein Bazillus und/oder Virus kann das, was NvM ihm hier andichtet. Zudem füllt Dr. West offenbar auch fleißig Phiolen damit ab (Wie und Wo?), um damit unliebsame Zeugen und Feinde zu meucheln. Wenn jedoch der Erreger dermaßen aggressiv ist, dass ein paar Liter davon ausreichen die Erde zu entvölkern, warum reicht dann nicht der bloße Aufenthalt in der Nähe der aufgefundenen Opfer, um Brandis und Romen zu töten? Das kommt schließlich während der gesamten Hetzjagd immer wieder vor. Einmal hat NvM sich das wohl selbst gefragt und dafür halbherzig die „Windrichtung“ bemüht. Na ja. Insgesamt ist der ganze Grundaufbau, was den Erreger angeht, nicht gründlich genug durchdacht und somit entsprechend unglaubhaft.

Nachvollziehbarer und menschlicher ist da schon die Reaktion von Brandis auf das Verschwinden seiner geliebten Ruth. Der Suff ist (obwohl die Figuren gerne mal einen heben und gelegentlich sogar – Zigaretten, Pfeife oder Zigarren – rauchen) auch bei NvM keine wirkliche Alternative und das (be-)schreibt er höchst treffend. So baute Brandis während seiner Alkoholexzesse mental wie körperlich ab und benötigt bestimmt die Hälfte des Buches, um sich zu erholen – und sich zu resozialisieren. Der Mensch braucht eine Aufgabe, möglichst eine sinnvolle, so lautet die Message, die wir aus dieser Geschichte mitbekommen. Allerdings torpediert NvM seine ach-so-trauernde Hauptfigur, indem er Brandis an einer jungen, knackigen Asiatin knuspern lässt. Wie weit er dabei ging, wird offen gelassen, doch selbst der zugestandene Kuss will partout nicht zum, bis dato über 15 Bände aufgebauten, preußisch-disziplinierten Image von MB passen.

Es treiben sich eine ganze Reihe Figuren aus der Vergangenheit in der Story herum. Ein ehemaliger VOR-Schiffbrüchiger, den Brandis seinerzeit vor Colonel Chemnitzers Übergriffen rettete, einige „Fliegende Löwen“ („Operation Sonnenfracht“) und wieder einmal hilfreiche Zigeuner (an denen hat NvM nachweislich einen Narren gefressen). Kapitän Hildebrandt und seine |Poseidon| kennt man schon aus „Unternehmen Delphin“ – Hier wird auch der Showdown ausgetragen, der aber beklagenswert unlogisch und herbei gedichtet erscheint. Man kommt erst ganz zum Schluss auf die einleuchtende Idee Dr. West in seiner Kabine zu isolieren – das hätte sich schon viel früher angeboten. Die Selbstzerstörung des atomaren Antriebs des U-Bootes in allen Ehren, beschrieben wird allerdings eine Antimaterie- oder Fusionsreaktoren-Annihilation und keine ‚konventionelle‘ Kernschmelze. Die fraglichen Technologien stehen bei MB auch gar nicht zur Verfügung.

_Fazit_

Vordergründig eine temporeiche Verfolgungsjagd quer über die Erde und durch die Vergangenheit von Mark Brandis – gespickt mit einigen interessanten Einblicken in die Figuren und ungewöhnlichen Schauplätzen. Kratzt man die dünne Patina aber ab, bleiben unüberwindbare Ungereimtheiten übrig. Das Setup allein stellt schon große Herausforderungen an das Logikverständnis des (modernen) Lesers. Im Jahr 1977 mag man die vielen Plausibilitätslücken bis hin zum zurechtgebogenen Finale vielleicht etwas unkritischer gesehen haben, heute zieht so etwas die ganze Geschichte runter. Selbst wenn diese fraglos auch ihre guten, spannenden Momente hat, ist dieser Band ein eher unterdurchschnittlicher Vertreter der Reihe.

|Taschenbuch: 170 Seiten
ISBN-13: 978-3-938065-59-4|
[www.wurdack-verlag.de]http://www.wurdack-verlag.de

_|Mark Brandis| als Hörspiel bei |Buchwurm.info|:_
01 [„Bordbuch Delta VII“ (Hörspiel) 4995
02 [„Verrat auf der Venus“ (Hörspiel) 5013
03 [„Unternehmen Delphin“ (Hörspiel) 5524
04 [„Aufstand der Roboter“ (Hörspiel) 5986
05 [„Testakte Kolibri 1“ (Hörspiel) 5984
06 [„Testakte Kolibri 2“ (Hörspiel) 5985
07 [„Vorstoß zum Uranus 1“ (Hörspiel) 6245
08 [„Vorstoß zum Uranus 2“ (Hörspiel) 6246
09 [„Raumsonde Epsilon 1 (Hörspiel)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
10 [„Raumsonde Epsilon 2 (Hörspiel)“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468

Heitz, Markus – Judastöchter

_Die |Judas|-Bücher:_

Band 1: [„Kinder des Judas“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4306
Band 2: [„Judassohn“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4306
Band 3: _“Judastöchter“_

Theresia Sarkowitz (kurz Sia) ist eine Unsterbliche. Seit mehreren Jahrhunderten lebt sie schon als Judastochter und hat es sich zur Aufgabe gemacht, ihre Nachkommen auszuschalten, um den Fluch des Judas auszurotten. Nur zwei Nachkommen gibt es noch, über die sie mit Argusaugen wacht, da sie nach ihrem Tod ebenfalls zu Judastöchtern werden könnten – Emma und Elena Karkov. Bei einem Blutbad am Silvesterabend wurde Emma Karkov so schwer verletzt, dass sie nun im Koma liegt und ihr Leben am seidenen Faden hängt. Doch der kleinen Elena ist nichts geschehen. Aber dann wird Elena beim Eislaufen entführt. Dunkle Gestalten und der Butler von Sias ehemaligem Widersacher Harm Byrne kämpfen um das Mädchen, und der Butler gewinnt. Er flieht mit ihr und bringt sie zunächst nach Berlin – stets verfolgt von dubiosen Gestalten, die es ebenfalls auf Elena abgesehen haben. Während die Gestalten bei Elena keinen Erfolg haben, schaffen sie es, Emma aus dem Krankenhaus zu entführen und nach Irland zu verschleppen.

Sia muss fortan um Emmas und Elenas Leben bangen. Kurz darauf überbringt ein Bote ihr eine Nachricht: Mit einem U-Boot soll sie Emma nach Irland folgen und dort zahlreiche Gestaltwandler ermorden, um damit ihre beiden Nachkommen zu retten. Sia geht zum Schein auf die Erpressung ein und begibt sich mit Eric von Kastell, dessen Bekanntschaft sie im vorangegangenen Band bereits gemacht hat, auf die grüne Insel. Eric und sie werden Verbündete und fast auch Liebende, gäbe es da nicht dieses kleine Problem, dass Eric Sia zum Fressen gern hat. Denn er ist zwar ihr wichtigster Verbündeter im Kampf gegen die irischen Vampire, doch schleppt er ein dunkles Geheimnis mit sich herum. Gemeinsam mischen sie die Vampire und Gestaltwandler in Irland gehörig auf – immer im Kampf gegen die Zeit und mit der Angst, Emma und Elena nicht retten zu können …

_Auf ein Drittes_

Mit seinen fulminanten Büchern „Kinder des Judas“ und „Judassohn“ hat uns Markus Heitz bereits mit Sia und den anderen Judaskindern bekannt gemacht. Über die Jahrhunderte hinweg haben wir sie begleitet und ihre Geschichte erfahren, doch nun bleiben wir in der Gegenwart und erfahren, was aus Sias letzten beiden Nachkommen wird. Wieder einmal nutzt Heitz früh die Gelegenheit, seine Leser an das Buch zu fesseln, denn im vorliegenden Band werden Emma und Elena Karkov entführt – ohne dass wir zunächst ahnen, wer hinter den Taten steckt und was diese Gestalten damit bezwecken. Auch welches Spiel der Butler Harm Byrnes spielt, bleibt völlig unklar, und so fiebern wir schnell mit Sia mit, die sich um ihre beiden Nachkommen sorgen muss.

Ganz Heitz-typisch machen wir im weiteren Verlauf des Buches Bekanntschaft mit zahlreichen Wesen, deren Rolle in der Geschichte wir zunächst überhaupt nicht durchschauen können. Wir lernen die geheimnisvollen Sidhe in Irland kennen, eine Schlangenwandlerin, die aus einer anderen Zeit kommt und nun mit ihrer fast unbezwingbaren Kraft als Scharfrichterin ihr Unwesen treibt. Wir machen Bekanntschaft mit IRA-Kämpfern, einem Senator und einem dubiosen Lobbyisten, dem Premierminister Irlands, verschiedenen Gestaltwandlern und natürlich dem Butler Wilson. Lange Zeit lässt uns Markus Heitz darüber im Unklaren, welche Rolle die einzelnen Charaktere spielen, welche Ziele sie verfolgen und auf welcher Seite sie stehen. So muss man sich zeitweise durch einen Wust von Figuren kämpfen, die man nicht einordnen kann – wie gut, dass sich vorne im Buch zumindest ein ausführliches Personenregister findet, damit man beim Lesen nicht den Überblick verliert. Nichtsdestotrotz leidet der Spannungsbogen darunter, dass man bis etwa zur Hälfte des Buches nicht weiß, worauf die Geschichte hinauslaufen soll. Wir lernen so viele Charaktere kennen, die zum Teil auch nicht sonderlich lange am Leben bleiben, dass man geneigt ist, das Buch stellenweise quer zu lesen, um endlich zum Wesentlichen zu kommen.

Der Punkt, an dem ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte, war dann aber schließlich erreicht, als Sia erfährt, dass Emma und Elena entführt worden sind und sie nun erpresst wird und nach Irland reisen muss. Alleine schon die Fahrt mit dem U-Boot auf die grüne Insel birgt so viel Gefahrenpotenzial, dass man atemlos weiter liest, um endlich zu erfahren, wie sich Sia aus einer schier unmöglichen Situation retten kann. Dort schließlich überschlagen sich die Ereignisse: Eric und sie kämpfen gegen Gestaltwandler, eine mächtige Scharfrichterin, der Silber nichts ausmacht, der aber schließlich ein Tortenheber zum Verhängnis wird, und versuchen, den Hochkönig auszuschalten. Nicht aus jedem Kampf gehen die beiden siegreich hervor, und auch die Seiten müssen sie zwischendurch wechseln. Als Unterstützung lässt Eric schließlich seine ungeliebte Halbschwester anreisen, die als hochnäsige Französin immer wieder aneckt, aber gerade dadurch großen Unterhaltungswert hat.

Ab der Mitte des Buches war ich von der Geschichte so sehr gefesselt, dass ich jede freie Minute abgezweigt habe, um weiterzulesen. Markus Heitz braucht zwar manchmal etwas länger, um Fahrt aufzunehmen, aber wenn er seine Leser erst einmal gepackt hat, lässt er sie nicht mehr los. Und so habe auch ich das Buch in rasendem Tempo zu Ende gelesen und wurde dabei noch von einem großartigen Finale mit einer ziemlichen Überraschung am Ende belohnt. So ist „Judastöchter“ zwar als letzter Band rund um Theresia Sarkowitz gedacht, doch lässt sich Heitz mit dem Buchende alle Optionen offen, um an die bisherige Geschichte anzuknüpfen. Und ich muss gestehen, dass ich garantiert weiterlesen würde, sollte Markus Heitz beschließen, die offenen Fragen noch in einem weiteren Buch zu klären.

_Unsterblich gut_

Die große Stärke des vorliegenden Buches ist eindeutig die Zusammenarbeit von Sia und Eric, die wunderbar zusammenpassen, sich hervorragend ergänzen und auch gerne näher kommen würden. Doch immer wieder werden sie daran gehindert, bis Eric bemerkt, dass er Sia zum Fressen gern hat und ihr besser nicht näher kommen sollte. Eric gefiel mir als Partner an Sias Seite ausgesprochen gut, denn er hat seinen eigenen Kopf, birgt ein großes Geheimnis, erweist sich aber als treue Hilfe im Kampf gegen die Gestaltwandler. Obwohl Sia als Unsterbliche in der Hierachie sehr weit oben steht, kann Eric ihr mehr als das Wasser reichen. In allen Situationen ist er ihr ebenbürtig. Dieses „rächende Duo“ ist einfach genial gelungen!

Unter dem Strich ist „Judastöchter“ ein sehr würdiger Abschluss der Geschichte um Theresia Sarkowitz. Das Buch erfordert anfangs zwar einen langen Atem und das häufige Zurückblättern zum Personenregister, belohnt den treuen Leser aber spätestens ab der Mitte mit einem packenden Kampf zwischen Untoten, Wandelwesen und Vampiren. Es ist zwar nicht immer klar, welche Ziele die einzelnen Wesen verfolgen, doch die Kämpfe, die sie sich liefern, sind dermaßen spannend, dass man dies gar nicht weiter hinterfragt. Heitz versteht es wieder einmal, seine Leser bestens zu unterhalten!

|Broschiert: 608 Seiten
ISBN-13: 978-342665230|
[www.droemer-knaur.de]http://www.droemer-knaur.de
[www.mahet.de]http://www.mahet.de
[www.pakt-der-dunkelheit.de]http://www.pakt-der-dunkelheit.de

_Markus Heitz bei |Buchwurm.info|:_
[Interview mit Markus Heitz]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=56
[„Gerechter Zorn“ 5983 (Die Legenden der Albae 1)
[„Ritus“ 2351 (Buch)
[„Ritus“ 3245 (Hörbuch)
[„Sanctum“ 2875 (Buch)
[„Sanctum“ 4143 (Hörbuch)
[„Blutportale“ 6091 (Hörbuch)
[„Blutportale“ 5528
[„Die Mächte des Feuers“ 2997
[„Die Mächte des Feuers“ 4655 (Hörbuch)
[„Blutportale“ 5528
[„Die Zwerge“ 2823
[„Die Zwerge“ 2941 (Hörbuch)
[„Die Rache der Zwerge“ 1958
[„Der Krieg der Zwerge“ 3074
[„Schatten über Ulldart“ 381 (Die Dunkle Zeit 1)
[„Trügerischer Friede“ 1732 (Ulldart – Zeit des Neuen 1)
[„Vampire! Vampire!“ 5866
[„05:58“ 1056 (Shadowrun)
[„Die dritte Expedition“ 2098
[„Collector“ (gekürzte Lesung)]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6317

Anne Bishop – Blutsherrschaft (Die schwarzen Juwelen 8)

Die Schwarzen Juwelen:

Band I: „Dunkelheit“3375
Band II: „Dämmerung“3437
Band III: „Schatten“3446
Band IV: „Zwielicht“3514
Band V: „Finsternis“3526
Band VI: „Nacht“5374
Band VII: „Blutskönigin“
Band VIII: „Blutsherrschaft“

Cassidy hat den Schatz von Grayhaven gefunden. Und nachdem Theran Lias Brief gelesen hat, der dem Schatz beigefügt war, scheint es, als wolle er endlich zumindest versuchen, ernsthaft mit Cassidy zusammenzuarbeiten. Doch dann taucht Kermilla in Grayhaven auf, jene Königin, die Cassidy einst in Dharo ihren ersten Kreis ausgespannt hat …

Anne Bishop – Blutsherrschaft (Die schwarzen Juwelen 8) weiterlesen

Lode, Christoph – Stadt der Seelen, Die (Pandaemonia 2)

_|Pandaemonia|_:

Band 1: [„Der letzte Traumwanderer“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6879
Band 2: _“Die Stadt der Seelen“_
Band 3: „Phoenixfeuer“ (Oktober 2011)

_Vivana und Liam_ ist es gelungen, das Gelbe Buch von Yaro D’ar an sich zu nehmen. Aber dann kamen ihnen Aziel und seine Verbündeten dazwischen, mit dem Ergebnis, dass Liam ins Pandaemonium verbannt wurde. Natürlich steht es für Vivana außer Frage, dass sie ihren Freund dort wieder herausholen muss. Vivanas Vater, der Erfinder Quindal, sieht das allerdings ganz anders …

Jackon wurde von Aziel schwer verwundet, überlebt aber. Und kaum geht es ihm gut genug, lässt Lady Sarka ihn seine Ausbildung fortsetzen. Jackon soll lernen, mit Träumen zu kämpfen, damit er sich gegen Aziel verteidigen kann. Aber die missglückte Attacke auf Jackon hat Aziel massiv geschwächt. Warum also hat Lady Sarka es so eilig?

_An Intensität_ hat die Charakterzeichnung zwar nicht unbedingt zugenommen, dafür bietet sie einiges an Entwicklung:

Jackon ist jetzt einer von Lady Sarkas Leibwächter, und er findet durchaus Geschmack daran, nicht nur an dem Luxus, der ihn jetzt umgibt, sondern auch an dem Respekt, der ihm von der Bevölkerung entgegengebracht wird. Allmählich scheint er ein wenig hochnäsig zu werden.

Die sanfte und mitfühlende Vivana dagegen wird durch ihren Aufenthalt im Pandaemonium spürbar härter, ihr sturer und ein wenig ignoranter Vater wiederum ist gezwungen, sein Weltbild massiv zu korrigieren, was letztlich zu einer offeneren und toleranteren Haltung gegenüber den Manusch führt.

Ähnliches kann man von der Handlung sagen. Komplexer ist sie nicht geworden, aber sie hat durchaus ein wenig an Tempo zugelegt. Schon allein durch die Beschreibung des Pandaemoniums erhöht sich die Grundspannung: Dieser Ort ist ausgesprochen unwirtlich und abweisend, und die Dämonen, die Christoph Lode entwirft, sind nicht nur hässlich, sondern auch recht bedrohlich. Das gelingt dem Autor nicht durch exzessive Grausamkeit oder Ströme von Blut, sondern vielmehr durch die spürbare Heimtücke seiner Geschöpfe. Selbst, wenn Vivana und ihre Begleiter nicht unmittelbar bedroht sind, ist die Gefahr dennoch stets unterschwellig spürbar.

Bei dem Handlungsstrang um Jackon, der parallel dazu läuft, ist das nicht im selben Umfang der Fall. Erst als Lady Sarka das Fehlen des Gelben Buches entdeckt, zieht auch hier das Tempo an, gerade rechtzeitig, um den Wegfall des Spannungsbogens auszugleichen, als Vivana aus dem Pandaemonium zurückkehrt. Das ist technisch gut gemacht, nur leider bleibt hier die Entwicklung der Ereignisse in mancherlei Hinsicht vorhersehbar, zum Beispiel in Bezug auf Lucien. Spannung entsteht eher durch das |wie| als durch das |was|, und zwar deshalb, weil Christoph Lode viele Augenblicke, die geradezu nach einem „Zwischenfall“ schreien, einfach verstreichen lässt. Am erwarteten Ergebnis ändert das nichts, es tritt einfach nur ein wenig später ein.

Am interessantesten fand ich jedoch die Entwicklung Ruacs. Der kleine Tatzelwurm hat sich durch den Aufenthalt im Pandaemonium schwer gemausert, und der Leser darf gespannt sein, wohin das noch führt. Es würde mich wundern, wenn Ruac nicht noch eine entscheidende Rolle im letzten Band spielt. Auf die Geheimnisse der Manusch ist der Autor zwar nicht näher eingegangen, die angedeutete Verbindung zu den Ruinen im Pandaemonium klingt aber ebenfalls vielversprechend.

_Unterm Strich_ finde ich, der zweite Band hat sich gegenüber dem ersten durchaus ein wenig gesteigert. Die Entwicklung einiger Charaktere hat sämlilchen Figuren gut getan, auch wenn es ihnen insgesamt noch immer ein wenig an Geschmeidigkeit fehlt. Die Handlung ist bewegter und temporeicher und hat sich zudem auf eine zusätzliche Ebene ausgeweitet. Das Pandaemonium war ein echter Gewinn, und das nicht nur wegen der gelungenen Darstellung, sondern auch wegen seiner Rolle im Gesamtzusammenhang. Wenn der dritte Band hält, was das Ende des zweiten verspricht, dann könnte er sich durchaus noch einmal steigern.

_Christoph Lode_ stammt aus dem Rheinland und ist seit Jahren freiberuflicher Schriftsteller. Nach den Historienromanen „Der Gesandte des Papstes“ und „Das Vermächtnis der Seherin“ ist die |Pandaemonia|-Trilogie sein erster Ausflug ins Fantasy-Genre. Der dritte Band unter dem Titel „Phoenixfeuer“ erscheint im Oktober, außerdem ist für Mitte April die Veröffentlichung eines weiteren Historienromanes vorgesehen, „Die Bruderschaft des Schwertes“.

|Broschiert: 476 Seiten
ISBN-13: 978-3442471744|
[www.christoph-lode.de]http://www.christoph-lode.de

Andrews, Ilona – Magische Begegnung (Land der Schatten 01)

_|The Edge – Im Land der Schatten|:_

Band 1: [„Magische Begegnung“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6772
Band 2: „Spiegeljagd“ (erscheint im Juni 2011)

_Rose Drayton lebt_ zusammen mit ihren 10 und 8 Jahre alten Brüdern Georgie und Jack im Edge, einer Zwischenwelt. Auf der einen Seite liegt der Broken, eine nichtmagische Welt und auf der anderen das magische Weird.

Rose ist mit besonderen Fähigkeiten ausgestattet, sie kann weiße Blitze entstehen lassen, dies ist für Edger eigentlich unmöglich. Zwar verfügen alle über Magie, aber um so große weiße Blitze hervorzubringen haben sie nicht die Kraft, dies ist nur den Bewohnern aus dem Weird möglich. Die Bewohner des Edge sind daher der Meinung, Rose müsste ein Mischling sein, ihre Mutter hätte sich mit einem Mann aus dem Weird vergnügt. Dies macht Rose große Probleme, teilweise wird sie fast gejagt, man versucht sogar, sie zur Zucht zu verkaufen.

Seit diesen Erlebnissen hat Rose keinerlei Vertrauen mehr, um Männer macht sie einen riesigen Bogen.

Ihr Leben wird zusätzlich dadurch erschwert, dass sie, nachdem ihre Mutter verstorben und der Vater sie und ihre Brüder verlassen hat, sich alleine um die Versorgung und Erziehung der Brüder kümmern muss. Als Edgerin geboren, hat sie keine Papiere, die ein Leben und Arbeiten im Broken möglich machen, nur eine unterbezahlte Stelle als Putzfrau ist ihr möglich. Diese Arbeit deckt ihre Kosten mal gerade so, Besonderes können sich Rose und ihre Brüder kaum leisten.

Auch die magischen Fähigkeiten ihrer Brüder, Georgie ist Nekromat und in der Lage Tote wieder zum Leben zu erwecken und Jack ist ein Werluchs, tragen eher zur Sorge bei.
Als dann auch noch ein fremder Mann, ein Blaublütiger aus dem Weird, vor ihrer Tür steht, ist Rose alles andere als erfreut. Gerade die Blaublütigen hätten Rose gerne zu einer Gebärmaschine degradiert.

Declan ist allerdings nicht auf Brautschau, sondern versucht die Edger vor einer großen und tödlichen Gefahr zu warnen. Eine Flut böser, magischer Geschöpfe überschwemmt das Edge und alle Bewohner, besonders Rose und ihre Brüder, sind in tödlicher Gefahr.

Widerstrebend ist Rose bereit mit Declan zusammen dieser Gefahr zu trotzen und das Land zu verteidigen.

_Kritik_

Mit „Land der Schatten – Magische Begegnung“ hat die Autorin einen sehr interessanten Serienauftakt geschrieben, der sich deutlich von anderen Titeln abhebt. Völlig neue Ideen und eine unbekannte neue Welt machen dieses Buch zu etwas Besonderem.

Der Einstieg beginnt gleich außergewöhnlich und schnell lernt man wichtige Personen kennen. Die Handlung baut sich auf und dem Leser wird die Welt des Edge nahegebracht. Der Leser lernt, was an Magie wo möglich ist. Im Broken gibt es beispielsweise überhaupt keine Magie. In dieser Welt kann sich nicht mal ein Gestaltenwandler ausleben. Der Weird ist dagegen rein magisch und Bewohner des Broken ahnen nicht einmal von seiner Existenz. Ansonsten sind die Orte recht nebulös gezeichnet, eine genaue Vorstellung fällt anfangs schwer. Das Edge ist das am besten ausgearbeitete Areal, da die Handlung sich hauptsächlich hier abspielt. Die Idee der Autoren, die verschiedenen Welten zu trennen, gestaltet sich als sehr originell und einzigartig.

Der Schreibstil des Autorenpaares ist flüssig und leicht verständlich, allerdings fehlt es hier an Schlagfertigkeit, Humor und Höhepunkten, die den Leser fesseln. Die Geschichte ist zwar durchaus gut ausgearbeitet und die Ideen bieten jede Menge Potenzial, das AHA-Erlebnis und deutliche Akzente fehlen jedoch in „Magische Begegnungen“.

Erzählt wird die Geschichte von Rose aus der Sicht eines Beobachters, der sich auf die Protagonisten konzentriert. Der Leser lernt sie so recht schnell und auch gut kennen und kann ihre Handlungen daher nachvollziehen.

Die Geschichte lebt von ihren Protagonisten, diese sind allesamt hervorragend ausgearbeitet und sehr vielschichtig gezeichnet.

Rose wirkt sehr misstrauisch anderen, Fremden gegenüber, was aufgrund ihrer Lebensgeschichte kaum verwundert. Von den Eltern verlassen, von ihren Freunden fast in die Sklaverei verkauft, fällt es schwer, wieder Vertrauen zu schaffen. Da sie keine Papiere hat, sie wurde im Edge geboren, besitzt sie daher die wichtigen Unterlagen, die Rose zu einer legalen Bürgerin im Broken machen würden nicht. Dies bereitet zusätzlich Probleme, da Rose nur illegal arbeiten kann, dies macht sie von ihrem Arbeitgeber sehr abhängig und Rose ist seinen Launen immer wieder aufs Neue ausgesetzt. Ihre sehr starke, für das Edge sehr ungewöhnliche, Magie beschert ihr zusätzliche Einsamkeit. Nur ihrer Großmutter und ihren Brüdern vermag Rose zu trauen.

Als dann Declan aus dem Weird in ihr Leben tritt, ist sie verständlicherweise nicht sehr begeistert, waren es doch die blaublütigen Bewohner des Weird die Rose zu gerne als Gebärmaschine und Sklavin gehabt hätten. Klar, dass hier direkt die Funken fliegen und Rose Declan mehr als misstrauisch gegenübersteht. Die Beziehung der beiden Figuren bringt viel Leben in die Geschichte.

Besonders fallen auch noch Roses Brüder auf. Georgie, der als Nekromant zur Welt kam, belebt ständig tote Wesen, u. a. seinen Großvater Clerus, der als Untoter nun verdammt ist, angekettet in einem Schuppen sein Dasein zu fristen. Gut ist dies nicht für Georgie, die wiederbelebten Wesen rauben seine Lebensenergie.

Jack als Werwesen, er wandelt sich in einen Luchs, macht gerne mal Probleme. Seine tierischen Instinkte leiten ihn oft und er bringt sich dadurch in Gefahr. Ein männlicher Part neben Rose täte ihm gut, und so schließt er sich schnell Ceclan an. Rose gefällt dies gar nicht.

Auch die weiteren Charaktere sind von den Autoren vorbildlich lebendig, greifbar und einzigartig konzipiert.

Das Cover ist sehr mystisch schön entworfen worden, ausschließlich in Blautönen gehalten ist das Gesicht einer jungen Frau zu sehen aus deren Fingern Nebel entsteigt.

_Fazit_

„Land der Schatten – Magische Begegnung“ von Ilona Andrews kann trotz der fabelhaften Figurenzeichnung und der interessanten in Parallelwelten aufgeteilten Welt nicht komplett überzeugen. Es fehlt auffallend an Spannung und der Handlung fehlen Höhepunkte, die den Leser fesseln. Trotzdem birgt der Roman einiges an Potenzial und der Leser darf gespannt sein, wie es im „Land der Schatten“ weitergeht.

Ich werde dem zweiten Teil „Land der Schatten – Spiegeljagd“, erhältlich ab Juni 2011, auf jeden Fall eine Chance geben.

_Autor_

Hinter dem Pseudonym Ilona Andrews verbirgt sich das Autorenehepaar Ilona und Andrew Gordon. Während Ilona in Russland geboren wurde und in den USA Biochemie studiert hat, besitzt Andrew einen Abschluss in Geschichte. Die Stadt der Finsternis ist ihre erste gemeinsam verfasste Fantasyserie, mit der ihnen auf Anhieb der Einstieg in die New-York-Times-Bestsellerliste gelang.

|Broschiert: 432 Seiten
Originaltitel: |On the Edge|
Deutsch von Ralf Schmitz
ISBN-13: 978-3802583452|
http://www.egmont-lyx.de

Homepage

_Weitere Bücher von Ilona Andrews bei |buchwurm.info|:_
[„Die Nacht der Magie“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5963
[„Die dunkle Flut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6134
[„Duell der Schatten“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6289

Sapkowski, Andrzej – Dame vom See, Die (Geralt-Saga, 5. Roman)

_Die Geralt-Saga:_

Vorgeschichte: 1 [„Der letzte Wunsch“ 3939
Vorgeschichte: 2 [„Das Schwert der Vorsehung“ 5327

Roman 1: [„Das Erbe der Elfen“ 5334
Roman 2: [„Die Zeit der Verachtung“ 5751
Roman 3: [„Feuertaufe“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5966
Roman 4: [„Der Schwalbenturm“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6447
Roman 5: _“Die Dame vom See“_

_Wie es scheint_, ist Ciri durch ihre Flucht in den Turm vom Regen in die Traufe geraten. Denn trotz aller Mühe kann sie den Ort, den sie durch das Betreten des Turmes erreicht hat, nicht verlassen, und obwohl die dort lebenden Elfen sie nicht schlecht behandeln, ist die Forderung, die sie an Ciri stellen von geradezu absurder Unverschämtheit. Geralt hat von den Druidinnen keine Antwort auf seine Fragen erhalten, und so folgt er fürs Erste dem Ritter Reynart de Bois-Fresnes nach Toussaint. Dort trifft Geralt auf Fringilla Vigo, die ihn recht schnell und recht gründlich aus dem Konzept bringt. Was sie natürlich nicht einfach aus einer Laune heraus tut, sondern im Auftrag der Loge … Jarre hat sich derweil heimlich aus dem Tempel der Melitele davongeschlichen, um in den Krieg zu ziehen.

_“Die Dame vom See“_ ist das Finale des |Hexer|-Zyklus‘, insofern wundert es nicht, dass der Neulinge unter den Figuren nicht nur wenige sind, sondern dass sie auch lediglich am Rande auftauchen. Aber auch Vertiefung bestehender Charaktere wie Bonhart oder Assire sucht man vergeblich. Nicht einmal Fringilla Vigo, die diesmal eine etwas wichtigere Rolle spielt, hat echtes, eigenes Profil erhalten. Die größte Enttäuschung aber war Vilgefortz, dessen Intelligenz ja bereits während der Ereignisse auf Thanned demontiert wurde. Diesmal ließ er auch noch jegliche Vernunft vermissen, sodass außer seiner magischen Macht nur noch ein so krankhaft übersteigerter Ehrgeiz übrig blieb, dass es schon Züge von Größenwahn trug. Wieder einmal ein vielversprechender Bösewicht, der am Ende als eindimensionales Klischee endete. Auch der durch seine schiere Macht und Zielstrebigkeit faszinierende Kaiser von Nilfgaard wurde gewissermaßen auf Durchschnittlichkeit reduziert, wenn auch auf überraschende und angenehmere Weise als Vilgefortz.

Mit anderen Worten, Andrzej Sapkowski hat sich in diesem letzten Band ganz auf die Handlung konzentriert, die sich allerdings wie schon in Band 4 auf verschiedene Orte und Zeiten verteilt. So beginnt der Autor sein Buch am Ende der Geschichte, indem er Ciri einen Ritter treffen lässt, dem sie ihre Erlebnisse erzählt, nur um im nächsten Kapitel zwei völlig neue Personen einzuführen, die in einer noch viel späteren Zeit versuchen, der Wahrheit hinter der Legende des Löwenjungen von Chintra auf die Spur zu kommen. Erst im dritten Kapitel kehrt der Autor zur eigentlichen Geschichte zurück, indem er an die Ereignisse um Geralt am Ende des vierten Bandes anknüpft, um einige Kapitel später wieder in der Zeit der beiden Legendenforscherinnen zu landen, allerdings an einem völlig anderen Ort! Dazu kommt, dass auch in diesem letzten Band gelegentlich kurze Episoden eingefügt wurden, die eigentlich in keinem Zusammenhang mit der eigentlichen Geschichte standen, so zum Beispiel die Sache mit dem Professor und seinem Perpetuum Mobile. Der Leser hat es also wieder einmal nicht leicht, und einige Anspielungen aus dem zweiten Kapitel gingen schlicht in der Masse unter.

Immerhin war Sapkowski mit der Anzahl seiner Sprünge diesmal etwas sparsamer, sodass der Handlungsverlauf als solcher, trotz der unterschiedlichen Perspektiven, aus denen erzählt wird, wesentlich kompakter daherkommt als im Vorgängerband. Echte Spannung wollte sich aber auch diesmal nicht wirklich einstellen. Ciris Flucht vor den Schergen des Erlkönigs war eher interessant als spannend, da die vielen Sprünge durch Zeit und Raum die Aufmerksamkeit von der Verfolgung weg auf die vielen unterschiedlichen Umgebungen lenkten, an denen Ciri herauskam. Die diversen, kleineren Scharmützel wie das zwischen Geralt und den Ungeheuern während seines Aufenthaltes in Toussaint glichen zu sehr den vielen anderen Scharmützeln, die sich im Laufe des gesamten Zyklus ereigneten, um sich auf den Blutdruck auszuwirken. Und die Schlacht an der Brenna wiederum zog sich über fünfzig Seiten hin und wirkte auf Dauer eher ermüdend als spannend, woran nicht die Szenen im Lazarett schuld waren.

Viel mehr Eindruck als die Schlacht, ja selbst als der Kampf in Vilgefortz‘ Versteck, machte auf mich der Teil der Geschichte, an dem eigentlich alles bereits vorbei war. Vielleicht ging es nur mir so, aber bei manchen Szenen sprang mich die Ähnlichkeit zur deutschen Geschichte regelrecht an. Der Zug der Nilfgaarder Bauern, die nach der Eroberung Chintras dort gesiedelt hatten und nun vertrieben wurden, schien dem der vertriebenen Schlesier aufs Haar zu gleichen, und auch die beiden Offiziere, die den Zug begleiteten, wirkten wie Abbilder der Vergangenheit. Und mit dem Progrom in Riva und den Worten, die ihm vorausgegangen waren, war es genauso.

Abgesehen von diesem speziellen Detail hat der Autor in diesem Buch einen recht unverblümten Blick auf das Phänomen Krieg geworfen, und das in jeder Beziehung. Die Schlacht, das Elend der Lazarette, das Geschacher der Parteien während der Friedensverhandlungen, die Verrohung der Gesellschaft, die Kriegsgewinnler, die offizielle Geschichtsschreibung, nichts wird ausgelassen. Diese Frage des Krieges und seiner Folgen, und wie der Einzelne, der einfache Mann damit umgeht, war mit einer der interessantesten Aspekte des ganzen Buches. Es war der Aspekt, der einen vergessen ließ, dass man es mit Fantasy zu tun hat. Er verlieh diesem eh schon eher düsteren Werk eine noch dunklere Schattierung, die weit mehr überzeugt als alles, was in Dark und Urban Fantasy so auftauchen mag.

_Unterm Strich_ bleibt zusagen, dass der |Hexer|-Zyklus insgesamt eine lesenswerte Lektüre war. Vielleicht nicht gerade unmäßig spannend, aber durchaus komplex, abwechslungsreich und stets unvorhersehbar. Wer es gern romantisch mag oder einen schwachen Magen hat, dürfte wenig Freude an dem Buch haben. Action-Freunde dagegen kommen ebenso auf ihre Kosten wie Fans von Intrigen und Geheimnissen.

_Andrzej Sapkowski_ ist Literaturkritiker und Schriftsteller und nebenbei Polens bekanntester Fantasy-Autor. Der Hexer-Zyklus diente bereits als Grundlage für einen Kinofilm und eine Fernsehserie sowie für das polnische Rollenspiel „Wiedzmin“. Auch das Computerspiel „The Witcher“ stammt von Sapkowski, ebenso die Narrenturm-Trilogie um die Abenteuer des jungen Medicus‘ Reinmar von Bielau.

|Taschenbuch: 539 Seiten
Originaltitel: |Pani Jeziora|
Aus dem Polnischen von Erik Simon
ISBN-13: 978-3423248174|
[www.dtv.de]http://www.dtv.de
[www.der-hexer.de]http://www.der-hexer.de

_Weitere Titel des Autors bei |Buchwurm.info|:_
[„Narrenturm“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1884
[„Gottesstreiter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3367
[„Lux perpetua“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4568

Thilo Corzilius – Ravinia

Die 16 Jahre alte Lara McLane lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem Großvater Henry McLane in Edinburgh. Ihre Eltern verstarben, als Lara noch ein sehr kleines Kind war, und so fehlt Lara, obwohl ihr Großvater ihr möglichst viele Fragen beantwortet, der richtige Bezug zu ihren Eltern.

An ihrem 16. Geburtstag bekommt sie von ihrem lebenslustigen Großvater neben einem MP3-Spieler auch einen geheimnisvollen Schlüssel geschenkt. Diesen erhält sie mit den Worten: „Betrachte dies hier als Möglichkeit“ und „Du wirst schon herausfinden, zu was dieser Schlüssel taugt“.

Thilo Corzilius – Ravinia weiterlesen

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Kurier zum Mars (Weltraumpartisanen – Band 14)

_|Mark Brandis|:_

Band 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [„Vorstoß zum Uranus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [„Die Vollstrecker“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [„Testakte Kolibri“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [„Raumsonde Epsilon“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [„Salomon 76“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [„Aktenzeichen: Illegal“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [„Operation Sonnenfracht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [„Alarm für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882
Band 13: [„Countdown für die Erde“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6908

_Band 14: Kurier zum Mars_

Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit der gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch, und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen, zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.

Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Original-Serie noch einmal, mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit, an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Sol-Systems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und – seit dessen Ende – endlich wieder in der zivilen Institution VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) tätig, hat in den Folgejahren schon so manchen heiklen Job im Dienste der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Eine bessere und friedlichere Welt.

_Zur Story_

Der mit der Erde auf Kollisionskurs befindliche Asteroid „Helin“ ist umdirigiert und die Crew der |Medusa| freut sich auf wohlverdienten Landgang – auch wenns nicht die immer noch ziemlich verseuchte Erde (vgl. Band 10 bis 13) ist, sondern „nur“ die Towns der Venus. Das ziemlich gebeutelte Schiff befindet sich bereits im Landeanflug auf die dortige Kolonie. Doch wie so oft, wird mal wieder nix draus: VEGA-Chef John Harris scheucht Brandis und Konsorten auf Geheiß der Regierung zu einer zum Hochsicherheitsgefängnis umgebauten Raumstation. Diese meldet sich seit einigen Tagen nicht mehr auf Funksprüche. Man vermutet einen technischen Defekt. Das zu klären ist Aufgabe der |Medusa|, dem schnellsten Raumer, über den die EAAU derzeit verfügt.

Dort angekommen bietet sich ihnen Bild der Zerstörung. Die Station wurde schwerst beschossen und systematisch außer Gefecht gesetzt. Da ein höchst leistungsfähiges, computergestütztes Abwehrsystem verbaut wurde, liegt die Vermutung nahe, dass eine ganze Flotte über die Station hergefallen sein muss. Mit allem anderen wäre SPARTAKUS – so der Name des Verteidigungsrechners – doch bestimmt spielend fertig geworden. Eine Inspektion vor Ort ergibt, dass es nicht nur keine Überlebenden gibt und dem hoch gepriesenen Supercomputer buchstäblich alle Sicherungen durchgeflogen sind, der prominenteste und gefährlichste Gefangene ist offenbar bei dieser Aktion befreit worden: (Ex-)Colonel Friedrich Chemnitzer. Ausgerechnet.

Dass nun auch die |Medusa| keine Funkverbindung zur Venus aufbauen kann, lässt Schlimmes ahnen. Dorthin zurückgekehrt gerät die Crew in einen Hinterhalt und Gefangenschaft rebellierender MOBs – Mobilen Operations Basen. Jener brisanten Mischung aus gigantischer Maschine mit menschlichem Hirn. Diese Revolte ist natürlich Chemnitzers Werk. Noch teuflischer sind die neuen, flugfähigen FLOBs. Es gelingt zwar die Venus wieder unter EAAU-Kontrolle zu bringen, doch auf der Erde sieht es übel aus. Die MOBs haben in Metropolis mächtig gewütet und auf dem Mars werden munter weiter FLOBs produziert. Um die Fertigung zu stoppen, wird Brandis mit der als Frachter getarnten |Medusa| losgeschickt. Wie einst die Griechen vor Troja.

_Eindrücke_

Im Prinzip war die Geschichte, welche mit „Operation Sonnenfracht“ begann bereits im letzten Band abgeschlossen. Brandis‘ Vergangenheit wurde ein Stück heller ausgeleuchtet: Das Kapitel Rublew-Expedition, der Schatten seiner Karriere, endgültig ad acta gelegt, die Erde erneut vor Schlimmerem bewahrt und sein Dauerrivale Colonel Chemnitzer einstweilen neutralisiert. Nikolai von Michalewsky hat aber offenbar noch etwas zu sagen und schiebt daher einen vierten Band – quasi als Schlussstrich – des Themenkomplexes nach. Das Schicksal der MOBs treibt ihn um. Diese sollten ja eigentlich den verseuchten afrikanischen Kontinent dekontaminieren, wurden aber – speziell von Chemnitzer – gelegentlich auch schon als Waffe zweckentfremdet. Und das nicht nur einmal.

Wie so oft macht sich NvM Sorgen, wenn Mensch und Maschine zwangsweise verschmelzen sollen. Das Gehirn, respektive das Verpflanzen desselben, hat es ihm besonders angetan und entsprechend oft hatten wir in der Vergangenheit schon ein ähnliches Setup vor Augen. Es wird auch nicht das letzte Mal sein. Als neue Mitspieler tauchen die FLOBs auf, umgebaute |Taurus|-Zerstörer, die genau wie ihre planetaren Brüder von einem menschlichen Gehirn gesteuert werden. Allerdings von weitaus intelligenteren, als die doch manchmal etwas tumben MOBs. Dieses spannungstreibende Element ist auch die einzig wirkliche Neuerung, denn ansonsten wirkt die Story doch recht 08/15 aus verschiedenen Versatzstücken aus den vorangegangenen Bänden zusammengebastelt.

Leider verschenkt NvM auch ein gutes Stück Potential, indem er Chemnitzer und Brandis nicht noch einmal persönlich aufeinandertreffen lässt, sondern den Colonel und seinen Handlanger Warren kurzerhand – wie weiland im „Zauberlehrling“ – den Geistern, die er rief, zum Opfer fallen lässt. Und das in einem eher lapidaren Nebensatz, nachdem er die Figur nun drei Bände lang aufbaute. Auch sonst zeigt sich NvM in diesem Band ungewöhnlich einfallslos. Eine mehr oder weniger überraschende Attacke im Weltraum mit einem Besatzungsmitglied außenbords, mit der ungeliebten Entscheidung zum sofortigen Alarm-Start, hatten wir fast 1:1 bereits mit Bordingenieur Usko Koskinen in „Raumsonde Epsilon“. Diesmal kommt der 2. Ingenieur Torrente allerdings mit dem Leben davon.

_Spoilerwarnung!_

Anders Funker Antoine Mercier, dem bei dieser Mission quasi die doppelte Funktion des Trojaners zukommt. Wieder einmal entscheidet das Gehirn eines Brandis-Crewmitglieds über Wohl und Wehe und wieder – Absicht oder Zufall? – hört dieses freiwillige Opfer auf den Namen Antoine (in „Aufstand der Roboter“ war es Antoine Ibaka, der durch seine Synapsen das Ruder herumriss). Selbst die Beweggründe ähneln sich frappant, nur dass Ibaka die Crew zuvor nicht verriet. Aber auch seine Familie war Repressalien ausgesetzt bzw. wurde letztlich sogar getötet – ebenso bei Mercier dessen frisch Angetraute hier entführt und als Druckmittel eingesetzt wird. Brandis‘ Frau Ruth natürlich auch schon wieder. Das entwickelt sich zu einem Running Gag der Serie – genauso wie Brandis‘ darüber zur Schau getragene Kaltschnäuzigkeit.

|Spoiler Ende|

Das Buch enthält seit Längerem mal wieder einen Sonderbeitrag. Wirtschaftswissenschaftler, Controller und SciFi-Journalist Ulrich Blode analysiert auf rund zehn Seiten das Phänomen „Mark Brandis“ und speziell die Episode „Kurier zum Mars“ sehr treffend. Dabei richtet er sein Hauptaugenmerk allerdings fast ausschließlich auf die philosophische und metaphorische Deutung der MOB/FLOB-Problematik. Er kommt darin zu ganz ähnlichen Schlüssen, wie sie hier bereits dargelegt wurden. Die Story an sich und ihre – fast schon üblichen – Schwächen, sowie die der Serie als solche, werden nur am Rande erwähnt. Etwa NvMs generelle Naivität, was Technik und Physik angeht. Doch Fans der Reihe ist das eh schnuppe – sie lieben „ihren“ Brandis grade wegen der Ecken und Kanten. Und die Menschlichkeit seiner Figuren.

_Fazit_

Band 14 präsentiert sich nicht grade aus Ausbund der Originalität. Zu viele Elemente wurden so – oder so ähnlich – schon einmal in der Serie verwendet und nun wiedergekäut. Vorhandenes Potential bleibt dafür leider ungenutzt. Stichwort: Chemnitzer. Insbesondere das Finale ist höchst vorhersehbar und ziemlich fantasielos geraten. Der kleine, vierbändige Zyklus, der mit „Operation Sonnenfracht“ begann, ist hiermit jedoch thematisch beendet. Ruths erneute Entführung liefert schon den Aufhänger für den nächsten Band, welcher – so viel darf bereits verraten werden – zumindest diesbezüglich nicht so stark durchhängt, wie dieser.

|Taschenbuch: 190 Seiten
ISBN: 978-3-938065-58-7|
[www.wurdackverlag.de]http://www.wurdackverlag.de

_Hörspiele mit Mark Brandis:_
Folge 01: [„Bordbuch Delta VII“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4995
Folge 02: [„Verrat auf der Venus“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5013
Folge 03: [„Unternehmen Delphin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5524
Folge 04: [„Aufstand der Roboter“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5986
Folge 05: [„Testakte Kolibri 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5984
Folge 06: [„Testakte Kolibri 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5985
Folge 07: [„Vorstoß zum Uranus 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6245
Folge 08: [„Vorstoß zum Uranus 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6246
Folge 09: [„Raumsonde Epsilon 1“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6467
Folge 10: [„Raumsonde Epsilon 2“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6468

Karl Schroeder – Säule der Welten (Das Buch von Virga 2)

Karl Schroeder ist einer der amerikanischen Autoren fiktionaler Literatur, die abseits der Klassiker des Genres in den letzten Jahren den Sprung über den großen Teich taten und ihren Erfolg auch bei uns belegen. So ist der vorliegende Roman erst seine zweite deutschsprachige Veröffentlichung und knüpft nahtlos an die Ereignisse des Vorgängers „Planet der Sonnen“ an:

Nachdem sich Venera Fanning von Hayden Griffins Aerobike getrennt hat und sich im freien Fall von der ersten Sonne |Candesce| entfernt, gelangt sie wie durch ein Wunder durch die fallen- und minengesäumte Umgebung des Riesenzylinders „Spyre“ aus den Anfangstagen der Weltensphäre Virga und in sein Inneres, wo sie – aufs Stärkste sonnenverbrannt durch die ungeschützte Nähe zu Candesce – bewusstlos einem alten Schwerenöter in die Hände fällt.

Ihr weiterer Weg durch die paranoide Kultur Spyres wird beschrieben durch Intrigen, Verrat, dem Trachten nach Macht und ihrem Wunsch nach Rache – Rache für den Tod ihres Ehegatten. Dabei gewinnt sie Freunde und verändert ihre durch aristokratische Erziehung entstandene Einstellung zu anderen Menschen und gerät unversehens ins Visier der mächtigsten Gruppierung Spyres, die nach ihrem wertvollsten Besitz trachtet: Dem Schlüssel zu Candesce, der die uneingeschränkte Macht über die Sphäre bedeutet …

Wie schon die knappe Inhaltsbeschreibung andeutet, handelt es sich vor allem um die Entwicklung Veneras Charakter, die Ausbreitung einer faszinierenden und fremdartigen Kultur auf ebenso interessantem Lebensraum sowie um eine abenteuerliche Erzählung in den unergründlichen Weiten Schroeders Weltentwurf, den Virga darstellt. Die schwierigen Verstrickungen, die ganz Virga und vor allem Veneras Heimatstaat Slipstream betreffen, werden in dieser an sich abgeschlossenen, introvertierten Teilwelt Spyre nur am Rande von Belang, obwohl sie für den großen Konflikt des Romans die treibende Kraft sind. Doch die Utopie, die hinter der Vielfältigkeit Virgas steht und universal das Dasein des Menschseins bedroht, wird in diesem Band nicht weiter entwickelt.

Vielmehr entwirft und verwirft Schroeder hier intrigante Charaktere, die weitgehend für die weitere Entwicklung der großen Geschichte bedeutungslos sein dürften bis auf drei oder vier Ausnahmen, die Spyre zusammen mit Venera hinter sich lassen. In dem Zusammenhang ist es schade, dass die im ersten Band entwickelten Charaktere außer Venera selbst nicht wieder zum Zug kommen. Das bleibt für den nächsten Roman zu erwarten und erhoffen, sollte man doch meinen, dass Schroeder sie nicht einfach verwirft. Was sich hier in Spyre an hintergründigen und oberflächlichen Mitspielern tummelt, nimmt bis auf die genannten Ausnahmen nicht die Tiefe anderer bisher aufgetretener Charaktere an und bleibt ausschließlich auf diesen Roman beschränkt, wie das Ende vermuten lässt.

So entwickelt Schroeder hier eine weitere Facette Virgas, die ihre Vergänglichkeit zum Thema hat, ebenso wie es ein tragendes Thema ist, wie sich Veneras Hass und ihr besonderes Trauma in dieser Welt wandeln. Sie gewinnt eindeutig Sympathien hinzu, die ihr bisher verwehrt wurden.

Den großen Zusammenhang außen vor gelassen, handelt es sich um eine spannende, abwechslungsreiche Erzählung mit SF-Elementen ebenso wie mit Eindrücken aus Fantasy und feudalem Intrigenwahn. Wie es so oft in Science-Fiction-Romanen anzutreffen ist, verwebt der Autor anachronistische Momente mit technischen Überbleibseln einer einst überlegenen Zivilisation, sodass das Dilemma einer unvorstellbaren Charakterisierung dieser weit entwickelten Menschen umgangen wird, sondern man sich auf Eigenheiten der irdischen Geschichte rückbesinnen und sie in ein faszinierendes Umfeld betten kann.

Das Buch steht in engem Zusammenhang mit dem Vorgänger, kann aber durch den Charakter des Schauplatzes auch eigenständig gelesen werden. In Erinnerung bleibt der Eindruck einer sehr unterhaltsamen und schnellen Geschichte mit einer stark herausgearbeiteten Protagonistin, was die Erwartung auf den nächsten Band anheizt.

Taschenbuch: 432 Seiten
ISBN-13: 978-3453526921
Originaltitel:
Book Two of Virga: Queen of Candesce
Deutsch von Irene Holicki

Der Autor vergibt: (5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Kearney, Susan – Geliebte des Zeitreisenden, Die (Pendragon 1)

_Die |Pendragon|-Reihe:_

Band 01: _“Die Geliebte des Zeitreisenden“_
Band 02: „Der Bann des Zeitreisenden“ (April 2011)
Band 03: „Der Kuss des Zeitreisenden“ (Juni 2011)

_Die Menschheit ist vom Aussterben bedroht,_ da schon seit Jahren kein Baby mehr geboren wurde. Die Frauen haben lediglich noch Fehlgeburten, da sich die menschliche Genetik verändert hat. Auch der Archäologe Lucan ist davon betroffen, seine Schwester Marissa hat gerade die zweite Fehlgeburt hinter sich und zerbricht fast an ihrem Kummer. Einzige Rettung der Menschheit scheint der Heilige Gral aus der Legende um König Artur Pendragon zu sein und dem legendären Avalon.

Bei seiner Forschung und der Suche nach dem Heiligen Gral stößt Lucan auf eine geheimnisvolle Sternenkarte, nach der Avalon und damit auch der Gral sich nicht auf der Erde befindet, sondern in einer fernen Galaxie, genauer dem Mond Pendragon. Seinem Ziel nun viel näher, nimmt Lucan die beschwerliche und sehr lange Reise in diese Galaxie auf.

Nach einer dreijährigen Reise kommt Lucan auf Pendragon an und es gelingt ihm, in das dortige Wissenschaftler-Team aufgenommen zu werden. Dieses spezielle Team beschäftigt sich ebenfalls mit dem Geheimnissen Avalons und der Suche nach dem Gral. Da Avalon durch ein scheinbar unüberwindbares Schild geschützt ist, ist es auch den Bewohnern Pendragons nicht möglich, Avalon zu betreten.

Mit in dem Team der Wissenschaftler, ist die allseits verehrte und zutiefst gefürchtete Hohepriesterin Cael, die ebenfalls einen guten Grund hat, den Gral schnellstmöglich zu finden. Ihr kleiner Neffe ist an Krebs erkrankt und nur der Gral bietet noch Hoffnung auf Heilung.

Als Lucan und Cael sich näher kennenlernen beginnt die Luft zwischen den beiden erotisch zu knistern, aber da ist noch Caels Geheimnis …

_Kritik_

Mit „Die Geliebte des Zeitreisenden“ hat die Autorin Susan Kearney den ersten Band ihrer „Pendragon“-Trilogie begonnen. In einem mitreisenden Plot vermischt die Autorin geschickt die legendäre Sage um König Artus Pendragon und dem sagenhaften Avalon mit einer guten Portion erotischer Fantasy und ein wenig Science-Fiction. Der Science-Fiction-Anteil ist dabei sehr gering und nur durch futuristische Fahrzeuge und die Möglichkeit ferne Galaxien zu bereisen vorhanden, sodass echte Science-Fiction-Fans kaum auf ihre Kosten kommen dürften.

Mit einem leicht verständlichen und äußerst ansprechenden Schreibstil macht die Autorin es dem Leser leicht, der Geschichte zu folgen, und die greifbare Beschreibung der fernen Welt Pendragon, macht es dazu ebenso leicht, das Kopfkino am Laufen zuhalten. Viel unterscheidet die beiden Welten dabei allerdings nicht, die lebendig beschriebenen Landschaftsbilder könnte es auch durchaus auf der Erde geben.

Sehr interessant ist die Auslegung der Artus-Sage, die die Autorin hier aufgreift und einmal ganz neu erzählt. Vermischt mit mystischen Fantasy-Elementen entwirft die Autorin eine interessante Geschichte, in der viele Elemente, wie auch zum Beispiel das magische Stonehenge, ihren Platz finden.

Auch die Kapitel sind interessant gestaltet, immer mit einem Zitat der verschiedenen Persönlichkeiten, wie zum Beispiel von Merlin oder auch der Herrin vom See, beginnen die einzelnen Kapitel, und diese Zitate passen immer zum Geschehen.

Die Mischung der verschiedenen Elemente, wie eine abenteuerliche Jagd, eine erotisch prickelnde Liebesgeschichte, fantastische Elemente und glaubwürdige Figuren, ist der Autorin nahezu makellos gelungen. Lediglich Lucans Reise und die ersten Jahre auf dem fremden Planeten hätten einen Raum gebraucht, um auch dies überzeugend dem Leser zu zeigen.

Der Spannungsbogen baut sich hier erst zögerlich auf, zieht dann infolge eines wichtigen Ereignisses stark an und hält sich bis zum Schluss fast konstant. Das Ende wirkt dann etwas abrupt und hätte auch gerne etwas ausführlicher gestaltet werden können, um die Geschichte um Lucan und Cael abzuschließen. Da aber noch weitere Romane um Pandragon geplant sind, bleibt zu hoffen, dass der Leser noch mehr aus dem Leben der beiden Protagonisten erfährt.

Erzählt wird das Geschehen aus der Perspektive einer dritten Person, die das Geschehen jederzeit gut im Blick behält.

Die Zeichnung und Entwicklung der verschiedenen Charaktere ist der Autorin exzellent gelungen. Sympathisch, lebendig und äußerst glaubwürdig werden die Figuren beschrieben und die Entwicklung infolge der Ereignisse passt zu den einzelnen Protagonisten. Da diese verschiedene Charakterzüge und Motivationen haben, ist auch nicht immer klar, wer Lucan und Cael bei der Suche nach dem Heiligen Gral behilflich sein will oder es darauf abgesehen hat, diesen für sich zu gewinnen.

Die Beziehung zwischen Lucan und Cael ist voller knisternder Erotik und der Leser darf sich hier auf einige prickelnde Szenen freuen.

Das wunderschön gestaltete Cover springt dem Leser direkt ins Auge, lediglich der irreführende Titel ist hier ein deutlicher Kritikpunkt. Einen Zeitreisenden sucht man in der Geschichte hier vergeblich.

_Fazit_

Mit „Pendragon 1 – Die Geliebte des Zeitreisenden“ ist der Autorin ein unterhaltsamer Roman gelungen, der Leserinnen der erotischen Fantasy begeistern dürfte. Susan Kearney ist es gelungen, die Mischung aus der Artus-Sage, fantastischen Drachenwandlern, prickelnder Erotik und einem spannenden Abenteuer unter einen Hut zu bringen.

Susan Kearney nimmt die Leser mit auf eine abenteuerliche Reise in die Zukunft, in der die magische Sage um den Heiligen Gral eine große Rolle spielt.

Im April erscheint im Piper-Verlag der zweiten Band der |Pendragon|-Trilogie „Der Bann des Zeitreisenden“, auf den ich schon sehr gespannt bin.

_Autorin_

Susan Kearney schreibt prickelnde Romanzen mit futuristischem Setting. Sie hält sich an die alte Regel, über das zu schreiben, was man kennt – deshalb schreibt sie über die Zukunft. Und als Taucherin, Expertin in Kampfkunst, Seglerin, Eiskunstläuferin, Immobilienmaklerin, ehemalige Besitzerin eines Tauschgeschäfts, eines Fitnessstudios für Frauen sowie eines Friseursalons, hat sie genug Stoff für den Rest ihres Lebens gesammelt.

|Broschiert: 389 Seiten
ISBN-13: 978-3492267656
Originaltitel: Lucan. The Pendragon Legacy|
[www.piper-verlag.de]http://www.piper-verlag.de

[Leseprobe]http://www.piper-verlag.de/media/0000467306.pdf

Bell, Alex – Jasmyn

Nicht immer ist alles so, wie es scheint. Diese Erfahrung muss Jasmyn in Alex Bells gleichnamigem Roman machen. Nach dem Tod ihres Ehemanns Liam verdichten sich die Anzeichen, dass er sie nach Strich und Faden betrogen hat – allerdings nicht mit anderen Frauen …

_Nach Liams unerwartetem_ Tod stürzt Jasmyn in ein tiefes Loch. Sie trauert, doch dann geschehen merkwürdige Dinge. Bei Liams Begräbnis fallen brennende schwarze Schwäne vom Himmel, sie hat das Gefühl verfolgt zu werden, Reisetickets für Liam, von denen sie nichts wusste, werden ihr geschickt. Schwarze Rosen tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden wieder, ein schwarzes, herrenloses Pferd erschreckt sie bei einem Ausritt, sie bekommt Besuch von einem unangenehmen Zeitgenossen, der behauptet, ein Freund Liams gewesen zu sein.

Als dann auch noch Liams Bruder Ben Beweise vorlegt, dass Liam sie belogen hat, wird ihr klar, dass in ihrer Ehe etwas schief gelaufen sein muss. Gemeinsam reisen die beiden nach München, denn dort ist, nach Ben, der Ursprung von Liams Geheimnis. Jasmyns Ehemann hat sich beruflich mit Märchen und Sagen beschäftigt. Dabei war er auf die Geschichte von König Ludwig II. und dessen Schloss Neuschwanstein gestoßen. Angeblich hat er den König gesehen – und ihm dabei einen wertvollen Gegenstand gestohlen …

_“Jasmyn“ ist der_ erste Roman Alex Bells, der in Deutschland erscheint. Er ist angenehm unkonventionell und besticht vor allem durch seine unvorhersehbare, spannend konstruierte Handlung. Das Buch beginnt ruhig, erzählt von Jasmyns Trauer und nimmt nur sehr langsam Fahrt auf. Immer wieder bringt die Autorin kleine Details ein, die Jasmyns Misstrauen wecken. Schließlich kommen ein paar übersinnliche Phänomene hinzu, dann erfährt sie von der König-Ludwig-Geschichte. Allmählich wird der Roman, der sehr belletristisch angefangen hat, immer fantastischer. Er verfängt sich aber nie im Übersinnlichen, sondern bleibt angenehm authentisch. Gegen Ende wird es noch mal richtig spannend, wenn die Geschichte fast schon thrillermäßige Züge annimmt. Vor allem diese Mischung aus den verschiedenen Genres macht „Jasmyn“ sehr reizvoll.

Doch auch die Hauptfigur, Ich-Erzählerin und Titelgeberin von Bells zweitem veröffentlichten Roman überzeugt auf ganzer Linie. Bell schafft es, eine eigentlich unauffällige Frau durch viele kleine Details zu etwas Besonderem zu machen. Dazu gehören zum Beispiel Jasmyns Beruf als Geigenlehrerin, aber auch ihr besonderes Aussehen, das immer wieder Erwähnung findet. Sie leidet an Albinismus und schämt sich für ihr Aussehen.

Da sie aus der Ich-Perspektive erzählt, kann der Leser eine gute Beziehung zu ihr aufbauen. Ihr lockerer Tonfall, der aber nie flapsig wirkt, ist leicht zu lesen. Ihre Gedanken und Gefühle werden perfekt transportiert und haben einen gewichtigen Anteil daran, dass die Geschichte so in ihren Bann zieht.

_“Jasmyn“ von Alex_ Bell ist ein Buch, das vor allem durch die unkonventionelle Art der Autorin überrascht. Die Handlung steckt voller Überraschungen und Jasmyn ist eine sehr sympathische Protagonistin. Mehr davon!

|Hardcover, 397 Seiten
Originaltitel: |Jasmyn|
Deutsch von Alexandra Hinrichsen
ISBN-13: 978-3862520053|
http://www.rowohlt.de
http://www.alex-bell.co.uk

Pierre Bordage – Die Sternenzitadelle (Hyponeros 3)

Zwischen den wirklich guten utopischen und fiktionalen Romanen aus dem englischen Sprachraum findet man hin und wieder auch Übersetzungen aus anderen Ländern. In solchen Fällen tut der Verleger natürlich alles, das Buch irgendwie hervorzuheben – in Pierre Bordages Fall, der mit seiner Trilogie um die Krieger der Stille in Frankreich einen Direkterfolg erzielte, fand Heyne keinen Geringeren als den Bestsellerautor aus Deutschland, den es nach Frankreich verschlagen hat: Andreas Eschbach kommentiert irgendwo die Romane Bordages, und so zitiert ihn Heyne mit dem unübertreffbaren Ausspruch: „Es wäre ein Fehler, Pierre Bordage nicht zu lesen.“ Musste man das bei der Lektüre des ersten Bandes noch in Frage stellen und als eine Art Freundschaftsdienst zwischen den miteinander bekannten Autoren abtun, steigt das Flair und die Qualität der Geschichte im zweiten und dritten Teil fast kontinuierlich an, wobei man zum Ende des zweiten Bandes noch den starken Eindruck hatte, dass es immer mehr in übergeordnete Sphären abzudriften drohte. Das hat sich schließlich doch auf einem weitgehend weltlichen und verständlichen Niveau eingepegelt, bevor es in unverständliche Höhen abdriftete. Somit scheint sich der Kommentar auf die Gesamtgeschichte zu beziehen.

Beim Kampf der Krieger der Stille gegen den „Blouf“, das ultimative Böse, kristallisieren sich festgelegte und in vielerlei Mythen verankerte Strukturen heraus, die zu einem recht dauerhaften Sieg oder einer ebenso dauerhaften Niederlage führen müssen. So müssen sich zwölf der Krieger zu einer mythischen Entität verschmelzen, um dem Blouf endgültig entgegen treten zu können. Weite Strecken des Romans drehen sich also darum, wie die zwei bis dato letzten Urmenschen (die das inddikische Erbe noch nutzen können und sich der Auslöschung durch die Scaythen widersetzen) ihre Kameraden und Mitstreiter finden, befreien und mit dem Antra des Lebens schulen. Abseits davon sorgt der schon bekannte Sri Lumpa auf Hyponeros dafür, dass sich die auslöschende Entität nicht endgültig ausbreiten kann, beziehungsweise die Krieger der Stille frühzeitig erfasst und besiegt.

Blöd nur, dass Lumpa selbst einer der zwölf ist, und noch blöder, dass er Opfer der Meisterkreatoren von Hyponeros wird, die ihn schließlich als trojanisches Pferd in die Entität des Antra einschleusen wollen, um die inddikischen Annalen und damit den Ursprung und das Zentrum der Urmenschlichkeit zu vernichten. Der finale Kampf auf geistiger Ebene ist unbeschreiblich …

Der dritte und abschließende Band der Trilogie um die Krieger der Stille, das Antra des Lebens und den alles verschlingenden Blouf (eine Nichts-Entität, ursprünglich für ein zentralgalaktisches schwarzes Loch gehalten) mit seinen Gehilfen, den aus menschlicher Dummheit geborenen künstlichen Wesen und Rechnern von Hyponeros, die aus der Hegemonie der Maschinen (und dem damit verbundenen Ende der künstlichen Intelligenz) hervorgingen, entwickelt sich trotz der scheinbaren und endlich auch entscheidenden Ausrichtung auf die geistige und kreative Auseinandersetzung recht bodenständig: Verfolgungen, Intrigen, Schießereien, Tote, Hinrichtungen und Vergewaltigungen markieren den Weg des Niedergangs der menschlichen Kultur und den Weg des Kampfes um das Fortbestehen der Menschheit, den Bordages Protagonisten ausfechten müssen. Dabei bedient er sich durchaus der Triebfedern menschlichen Handelns, die sich durch unsere Geschichte ziehen: Machtgier, Kontrolle, Sex und Unterdrückung sowie religiösen Fanatismus – der in diesem Fall ironischerweise aus einem Zusammenwirken der inddikischen Wissenschaft und der christlichen Kirche entstand, indem sich Kontrollmechanismen zur Erhaltung und Verlust der ursprünglichen Ausrichtung auf das Wesen des Menschen.

Damit prangert Bordage natürlich den religiösen Fanatismus aller Zeiten an, denn natürlich ist jedem menschlichen (im Sinne des Wortes) Wesen in unserer Welt klar, dass die ursprünglichen Ideen und die Entwicklung, die zu Religionen führten, keinerlei Fanatismus dienten, sondern dem Bedürfnis zur Hilfe entsprangen.

Neben diesem kritischen Aspekt und dem transzendenten Antra entwickelt Bordage aber eine rasante Geschichte mit einigen Handlungsebenen, von denen jede ganz unterschiedlich ausgerichtet ist und jede für sich einen eigenen Reiz hat, die aber endlich zusammenfinden und ein umfassendes Bild enthüllen. Und zum Glück versäumt er es nicht, trotz des vorhersehbaren Siegs des Antras die Trägheit der menschlichen Entwicklung deutlich herauszustellen, um dem Sieg seine Endgültigkeit zu nehmen und den Menschen auch weiterhin die Wahl zu lassen zwischen Kreativität und Leben und Auslöschung, geistiger Verarmung und Niedergang.

Was sich jetzt wie eine deutliche Geschichte „Gut siegt über Böse“ anhören mag, entwickelt sich im Verlauf allerdings eher rückläufig, sodass das Gute immer wieder Rückschläge einstecken muss. Ein bisschen platitüdenhaft mutet die schließliche Übernahme der Führung an, wenn Verfolgte durch die aus Empörung geborene Rebellion im Volk befreit werden, verzweifelte Existenzen dem Partner des Lebens begegnen und durch ihn/sie aufgerüttelt und zu einstiger charakterlicher Größe zurückgeführt werden. Wenn ehemalige Unterdrücker eigentlich an der Umwälzung arbeiteten und ihrem eigens ausgewählten Nachfolger noch nach dem Tod detaillierte Anweisungen durch geniale Voraussicht zukommen lassen, und wenn die geistige Niederlage im entscheidenden Moment umgekehrt werden kann.

Das sind allerdings Kleinigkeiten vor dem Umfang des Stoffes, in dem sich viele spannende Details verbergen und in ihrem Zusammenhang zu einer faszinierenden und schließlich positiven Zukunft für und durch die Stärke des Menschen führen. Abschreckend dagegen mag das Format wirken, da der Verlag die Trilogie als schlagkräftige Tradepaperbacks herausbringt und damit noch mehr Inhalt suggeriert.

Zusammenfassend bleibt die Trilogie durchaus in positiver und empfehlenswerter Erinnerung, auch wenn das Zitat Eschbachs in diesem Zusammenhang etwas übertrieben wirkt.

Taschenbuch: 672 Seiten
ISBN-13: 978-3453525108
Originaltitel:
La Citadelle Hyponéros
Deutsch von Ingeborg Ebel

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,33 von 5)

von Michalewsky, Nikolai (als Mark Brandis) – Mark Brandis: Countdown für die Erde (Weltraumpartisanen – Band 13)

_Mark Brandis:_

Band 01: [Bordbuch Delta VII]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6535
Band 02: [Verrat auf der Venus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6539
Band 03: [Unternehmen Delphin]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6536
Band 04: [Aufstand der Roboter]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6618
Band 05: [Vorstoß zum Uranus]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6630
Band 06: [Die Vollstrecker]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6636
Band 07: [Testakte Kolibri]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 08: [Raumsonde Epsilon]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6781
Band 09: [Salomon 76]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6723
Band 10: [Aktenzeichen: Illegal]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6801
Band 11: [Operation Sonnenfracht]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6802
Band 12: [Alarm für die Erde]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6882

_Band 13: Countdown für die Erde_

Es war eine der erfolgreichsten deutschen SciFi-Serien der Siebziger- und Achtzigerjahre. Nikolai von Michalewsky (1931 – 2000) alias „Mark Brandis“ schuf mit dem gleichnamigen Titelhelden, welcher quasi seine Memoiren in der Ich-Form präsentiert, einen wahren Klassiker. Zwischen 1970 und 1987 brachte er es immerhin auf 31 Bände, wobei die originalen Hardcover des |Herder|-Verlages nur noch antiquarisch und – zumindest die Erstauflage – zu teils horrenden Preisen zu bekommen waren bzw. sind. |Bertelsmann| scheiterte beim Versuch, sie als doppelbändige Taschenbuchausgaben über den hauseigenen Buchclub wieder zu etablieren. Bis zum Jahr 2000 senkte sich allmählich immer mehr Vergessen über die „Weltraumpartisanen“.

Ausgerechnet in seinem Todesjahr startete NvM den letzten Versuch der Wiederbelebung und Neuausrichtung seiner Figur, kam aber über einen einzigen – wenig beachteten und noch weniger geliebten – Band („Ambivalente Zone“) nicht mehr hinaus. Erst weitere acht Jahre später nahm sich der |Wurdack|-Verlag der Originalserie noch einmal mit der ihr gebührenden Ernsthaftigkeit an und legte sie komplett neu auf: Jedes Quartal erscheinen seither zwei Bände als broschierte Sammlerausgaben für je 12 Euro. Dabei wurde der Inhalt (sogar die alte Rechtschreibung) unangetastet gelassen, das äußere Erscheinungsbild jedoch deutlich modernisiert und gelegentlich einige Randbeiträge eingebaut.

_Vorgeschichte_

Der Weltraum unseres Solsystems wird bereist und die nächsten Himmelskörper sind auch bereits kolonisiert. Die Zeiten einzelner Nationalstaaten sind lange vorbei. Nur zwei große Machtblöcke belauern sich auf dem Mutterplaneten Erde noch: Die Union Europas, Afrikas und Amerikas (EAAU) und die Vereinigten Orientalischen Republiken (VOR). Commander Mark Brandis, unfreiwilliger Bürgerkriegsheld (Band 1 – 4) und – seit dessen Ende – endlich wieder in der zivilen Institution VEGA (Venus-Erde Gesellschaft für Astronautik) tätig, hat in den Folgejahren schon so manchen heiklen Job im Dienst der Erde übernommen. Dabei ficht der deutschstämmige Kosmopolit und -pilot vehement für Humanität, Gerechtigkeit, Demokratie und gegen Militar- sowie Rassismus. Kurzum: Für eine bessere und friedlichere Welt.

_Zur Story_

Zeit um durchzuatmen bleibt Commander Brandis und der Crew der |Medusa| nach den Vorfällen der fehlgeschlagenen „Operation Sonnenfracht“ (Band 11) und dem Eindämmen der darauf folgenden nuklearen Katastrophe am Kilimanjaro (Band 12: „Alarm für die Erde“), welche weite Teile des Planeten in Mitleidenschaft zog, nicht. Es droht wieder einmal Ungemach, diesmal in Form eines recht stattlichen Asteroiden, der sich auf Kollisionskurs mit der Erde befindet. Der „Helin“ ist seit 1976 bekannt und wurde stets als harmlos eingestuft – nun sieht man sich gezwungen diese Meinung zu revidieren: Der vier Kilometer durchmessende Brocken soll aktuellen Berechnungen zu Folge in zwei Monaten im Südatlantik einschlagen. Die resultierende Flutwelle würde dann hauptsächlich über das verstrahlte Afrika rollen und die Verseuchung erst recht verteilen.

Nach erster Inaugenscheinnahme und späterer chemisch-physikalischer Analyse von Proben des höchst eigenwilligen Asteroiden steht bereits fest, dass eine Sprengung nicht in Frage kommt. Die einzige Alternative besteht darin, dem stellaren Irrläufer eine Art Antrieb zu verpassen und damit auf einen anderen Kurs zu zwingen. Zu diesem Zweck müssen Löcher in ihn gebohrt werden, welche man dann mit atomaren Treibsätzen versieht. Doch „Helin“ beherbergt noch ein ganz anderes Geheimnis, auf das Brandis auf der Suche nach seinem abgestürzten Bordingenieur stößt. Etwas, das direkt mit seiner Vergangenheit zu tun hat. Er findet die Spuren der verschollenen Expedition von Colonel Rublew. Eine vergeigte Rettungsaktion vor 20 Jahren hatte den jungen Brandis seinerzeit den Rang des Commanders gekostet.

Nun steht er vor den Trümmern des Beiboots und den vier Leichen seiner einstigen Idole, doch das berühmte Schiff Rublews – die |Stellar Polaris| – bleibt ebenso verschwunden wie das fünfte Crewmitglied von damals. Die Zeit drängt, denn so oder so wird der vagabundierende Himmelskörper bald nicht mehr viel davon Preis geben können, welche Tragödie sich ehedem wirklich auf ihm abspielte: Entweder er kollidiert mit der Erde oder – sollte die Aktion unter Brandis erfolgreich sein – er driftet zukünftig ohne Wiederkehr in die Weiten des Alls. Zu allem Übel funkt ihm auf „Helin“ nun auch noch sein alter Rivale Colonel Friedrich Chemnitzer dazwischen. Von dem will Brandis‘ Frau Ruth herausgefunden haben, dass dieser ihn bei ihrem letzten Zusammentreffen sogar ganz bewusst in die ewigen Jagdgründe schicken wollte.

_Eindrücke_

Wer auf Grund der Story meint, bei Bruckheimer/Bay und ihrer Filmproduktion „Armageddon“ gelandet zu sein, liegt so falsch nicht. In der Tat könnten viele Elemente dieses bereits 1977 erstveröffentlichten Jugendromans als Blaupause für den erfolgreichen Blockbuster gedient haben – ob die beiden Amis den deutschen Autoren und sein Werk wirklich kannten und kopierten oder die teils frappanten Parallelen der Grundstory doch eher Gevatter Zufall zuzuschreiben sind, ist nicht überliefert. Fest steht: „Countdown für die Erde“ war zuerst da und hat sogar noch eine recht spannende Kriminalgeschichte um einen 20 Jahre zurückliegenden Mord zusätzlich im Gepäck. Damit kann „Armageddon“ nicht aufwarten, mag sich jedoch damit brüsten, physikalisch und insbesondere von der Logik her auf dem aktuellsten Stand zu sein.

Genau dort klemmt es ja häufig bei Brandis. Dabei ist das Umdirigieren des Asteroiden gar nicht dumm und klingt recht plausibel. Allerdings ist sein Zusammenspiel mit der zuvor stattgefundenen atomaren Katastrophe in Afrika für die Erde eigentlich unerheblich. Nikolai von Michalewsky malt das Schreckgespenst einer großen Flutwelle an die Wand, welche die Strahlung des GAUs überdies noch weiter über den Planeten verteilt, geht aber davon aus, dass ein Überleben in höheren Regionen möglich sei. Wenn aber ein Brocken von vier Kilometern Durchmesser in einen unserer Ozeane klatscht, ist aber so oder so endgültig Sabbat. Allein schon durch die verdampften Wassermassen würde sich eine für die Sonne undurchdringliche Wolkendecke bilden. Auch ohne das verseuchte Afrika würde also planetenweit ein so genannter „nuklearer Winter“ einsetzen.

Diese Kleinigkeit könnte man NvM vielleicht spitzfindig ankreiden. Allerdings tut das der ausgeklügelten und flüssig präsentierten Geschichte keinerlei Abbruch, außerdem waren solcherlei Überlegungen im Jahre 1977 der Öffentlichkeit noch weitgehend unbekannt – allenfalls die Theorie über das Ende der Dinosaurier durch einen Meteoriteneinschlag etwa dieser Größenordnung existierte damals bereits. NvM war in seinem Leben beruflich zwar sehr breit gefächert, aber nie Wissenschaftler. Nicht mal SciFi-Autor, jedenfalls betrachtete er sich selbst nie als solchen. Dementsprechend „untechnisch“ ist die Serie auch insgesamt ausgelegt und richtet ihren Fokus lieber auf den/die Menschen. Wenig Science, viel Fiction – eines der (ungeschriebenen) Mottos, welches zu ihrer Beliebtheit nicht unwesentlich beigetragen haben dürfte.

Die Kenntnis von mindestens noch Band 1 („Bordbuch Delta VII“) macht das Bild allerdings erst richtig komplett, denn NvM greift noch einmal Brandis‘ dort ausführlicher thematisierten dunklen Fleck in seiner Karriere auf. Seine damalige Degradierung war seither zwar immer mal wieder nebenher erwähnt worden, doch die Schatten der Vergangenheit begannen zu verblassen und hatten immer weniger Einfluss auf sein Denken und Handeln. Brandis‘ Charakter ist im Laufe der letzen 12 Bände auch daran kräftig – und merklich – gewachsen. Noch im letzten Buch starb mit Robert Monnier eine der letzten Reminiszenzen an die „alten“ Tage, sodass es Zeit wurde, die Zöpfe konsequent abzuschneiden und das Kapitel ‚Rublew-Expedition‘ zu schließen. Gleichzeitig erledigt sich damit sehr elegant auch das Chemnitzer-Problem. Fast jedenfalls. Wie und Warum, sei hier nicht verraten.

_Fazit_

Zusammen mit „Operation Sonnenfracht“und „Alarm für die Erde“ bildet „Countdown für die Erde“ einen kleinen eigenen Zyklus innerhalb der Reihe – den Nachfolger „Kurier zum Mars“ zählt man allgemein auch noch dazu. Band 13 ist überaus gelungen, sieht man von ein paar Kleinigkeiten mal ab, die mit dem Wissen der heutigen Zeit nur schwer zu vereinbaren sind. Das verbucht man am besten unter „Charakter“. Obwohl mit seinen beiden Vorgängern recht eng verknüpft, könnte man ihn durchaus aber auch solo lesen und ihm ziemlich problemlos folgen, was ihn auch für Quer- und Neueinsteiger sicherlich noch interessant macht. Er ist eine gute Wahl um die kultige, deutsche SciFi-Serie kennen zu lernen.

|ISBN: 978-3-93806-5-57-0
172 Seiten, Broschur|

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Mike Resnick – Wilson Cole 5: Flaggschiff

Die „Wilson Cole“-Romane bringen endlich, muss man sagen, Mike Resnicks Romane in den deutschen Sprachraum. Als einer der beliebtesten und erfolgreichsten amerikanischen Science-Fiction-Schriftsteller wurde er mit Auszeichnungen überhäuft, sodass es erstaunt, wie wenig davon über den großen Teich geschwappt ist. Allein seine Kurzgeschichten erhielten vor allen lebenden wie toten SF-Autoren die meisten Preise.

„Wilson Cole“ ist eine fünfteilige Geschichte um ein Raumschiff, seine Besatzung und ihren Captain, ebenso wie es eine Geschichte ist um Missbrauch von Staatsgewalt, Ethik, blinden militärischen Gehorsam und bedingungslose Freundschaft. „Flaggschiff“ ist der bezeichnende Titel des finalen Bandes und kündet von spannenden Auseinandersetzungen …

Der unbequem gewordene Held der Republik Wilson Cole kommt als zweiter Offizier an Bord der Theodore Roosevelt. Nachdem sein dortiger Captain die sinnlose Vernichtung eines ganzen bevölkerten Planeten befiehlt, übernimmt Cole das Kommando und setzt den Captain in Haft, bis ein offizielles Kriegsgericht sich dem fehlgeleiteten Druck der Öffentlichkeit beugt und Cole verurteilen will. Die Mannschaft der Teddy R befreit ihn und sie flüchten an die Innere Grenze, einen weitgehend gesetzlosen und unabhängigen Bereich der Galaxis.

Hier versuchen sie sich als Piraten, was sich nicht mit ihrer Moral vereinen lässt. Also wird die Teddy R ein Söldnerschiff und erfüllt militärische Aufträge, wobei Cole Wert auf Menschlichkeit legt und dadurch immer neue Schiffe in seine wachsende Flotte eingliedern kann. Das Hauptquartier wird die elf Kilometer große Station Singapur.

Als die Raumflotte verstärkt beginnt, Planeten der Inneren Grenze zu überfallen und die Bewohner zwangszurekrutieren, beginnt unter Coles Führung ein Partisanenkampf gegen jedes eindringende Raumschiff der Flotte. Der Gegenschlag lässt nicht lange auf sich warten: Durch unglückliche Umstände gelingt es der Flotte, Coles Ersten Offiziers Forrice habhaft zu werden. Sie foltert ihn vor laufender Kamera brutal zu Tode und bricht damit die letzten Reste der einstigen Loyalität, die Cole noch banden – ja, sie entfacht den unbändigen Rachedurst und Hass in ihm, der ihn dazu treibt, der Republik offiziell den Krieg zu erklären …

Wilson Cole und seine Verbündeten attackieren die Schiffe der Raumflotte, wo immer sie sich in die Innere Grenze wagen. Doch gleichzeitig lecken sie ihre Wunden, denn die große Schlacht um Station Singapur hat zu derben Verlusten bei den Rebellen geführt. Einen weiteren Angriff dieser Art kann Cole nicht stoppen, und so sucht er konzentriert nach Möglichkeiten, dem Gegner zuvor zu kommen und gleichzeitig die Station aus der Gefahrenzone zu bringen – indem er sie von allen rebellischen Streitkräften entblößt.

Seine Mitstreiter zweifeln bisweilen stark an ihren Möglichkeiten, und erst, als ein Verbündeter ihnen ein mächtiges, modernes Schlachtschiff der Republik zuführt, reift in Cole der verwegene Plan, der die Schlacht entscheiden soll. Bis es soweit ist, führen seine Mitstreiter vernichtende Angriffe auf lange verlassene Planeten der Republik aus, die den republikanischen Medien als aus Unfähigkeit der Raumflotte geborene Vernichtungsschläge der Teroni dargestellt werden und so sehr schnell zu Ängsten in der Bevölkerung führen, die schließlich in Missgunst der Regierung und der Raumflotte gegenüber umschlagen. Die Stimmung in der öffentlichen Meinung wird immer sympathischer für Cole und sein Vorhaben, das Übel an der Wurzel zu packen. Dabei will er sich als Gefangenen auf die Zentralwelt der Republik bringen lassen – natürlich mit Hilfe des erbeuteten Schiffes, das unzweifelhaft unbehelligt dorthin gelangen können sollte.

Das letzte Problem auf diesem Weg sind fehlende Legitimierungscodes. Als Cole ein Offizier der Raumflotte in die Hände fällt, greift er zu allen Mitteln, um ihm die Daten zu entlocken, und schreckt dabei zum Wohle der Allgemeinheit selbst vor nachdrücklichen Verhörmethoden nicht zurück, was bei einigen Besatzungsmitgliedern zur Befehlsverweigerung führt und ihn mächtig auf die Palme bringt.

Letztendlich ist er nicht der Einzige, der die Zentralwelt der Republik an ihrem Nerv angreift, und obwohl er selbst durch den neuen Feind am Leben bedroht wird, hilft ihm dieser Druck bei der Erfüllung seines Vorhabens …

Zwischen den Fronten oder: Die Ethik der cole’schen Rebellion

Wie nicht anders zu erwarten breitet sich vor uns eine spannende, actiongeladene und zwiespältige Geschichte aus, die die besten Attribute der Space Opera in sich vereint, ohne dabei den abgehobenen psychedelischen und übersphärischen Ambitionen der modernen Genreschriftsteller zu folgen. Nein, sie bleibt durch und durch menschlich und bodenständig, die einzigen zu verzeichnenden Höhenflüge sind in der genialen Planungs- und Rhetorikgewandtheit Wilson Coles zu finden, der wie immer seine Mitstreiter und den Leser mit Winkelzügen, Ideen und logischer Überzeugungskraft überrascht.

Betrachtet man sich die finale Charakterentwicklung, wird deutlich erkennbar, dass Resnick bei allen Protagonisten eine beherrschende Menschlichkeit herausstreicht und sie der Unmoral der Raumflotte respektive der republikanischen Regierung entgegensetzt. Die Sympathien sind also klar verteilt, und die Probleme, die sich in der Republik auftun, finden sich durchaus auch in unseren Gesellschaften wieder, sodass Resnick trotz der wenigen, zielgerichtet herausgepickten Aspekte seiner Kritik, eine große kritische Betrachtung unserer Vorgehensweisen und Billigungsmoral liefert.

Die in diesem letzten Roman herausgekehrte Kritik ist die Frage nach der Billigung von „nachdrücklichen Verhörmethoden“, wie sie zu allen Zeiten in der Geschichte unserer Erde Anwendung fanden und zu unserem Schrecken noch immer finden, legalisiert man sie doch über die Totschlagargumentation, mit ihrer Hilfe schlimme Verbrechen verhindern zu können (so geschehen bei Bombendrohungen, wo man die Position der Bomben rechtzeitig heraus fand). Die Folter, denn um nichts anderes handelt es sich – auch wenn strikt behauptet wird, beispielsweise das sogenannte „water boarding“ sei keine Folter, da man dem Verhörten keinerlei bleibende Schäden zufüge – , als terrorpräventive Maßnahme zu legalisieren ist natürlich eine gefährliche Diskussion, und an dieser Diskussion beteiligt sich Resnick konsequent im vorliegenden Roman. Eine ethische Lösung für das Problem kann er nicht aufzeigen, aber es zeugt von Mut und Kritikfähigkeit, wenn man seinen charismatischsten Protagonisten mit diesem Problem konfrontiert. Hut ab.

Dieser Streitpunkt nimmt nur einen kleinen Raum in der Geschichte ein, denn trotz allem schreibt Resnick einen grandios unterhaltenden Roman, wie er schneller oder flüssiger kaum vorstellbar ist. Gegen die modernen Totschläger von backsteindicken, langatmigen und abschweifenden Romanen nehmen sich die „Cole“-Romane richtig bescheiden aus, doch gerade darin liegt ein Teil der Faszination: Wie es Resnick schafft, auf diesem geringen Umfang ein so komplexes Bild zu entwerfen und gleichzeitig diese spannende Geschichte zu erzählen, lässt nur staunen. Mit wenigen Strichen und treffenden Dialogen skizziert er das Gefühl, hautnah dem Geschehen beizuwohnen. An Coles Erfolg besteht natürlich nie ein Zweifel, gerade auch weil er, der geistige Überflieger, sich mit Experten aller Bereiche umgibt und so ein quasi unschlagbares Team anführt. Trotzdem hat man nie den Eindruck, von einer Superheldgeschichte vorgeführt zu werden, sondern sieht hier das Mittel zum Zweck.

Während also die „Cole“-Geschichte in erwartungsübertreffender Qualität ihr Finale bestreitet, bleibt die Frage zurück, welchen Bereich Resnicks überbordenden Universums die deutsche Verlagsgemeinde als Nächstes in Angriff nimmt, um dieser besten Unterhaltung gerecht zu werden.

Taschenbuch: 368 Seiten
ISBN-13: 978-3404233502
Originaltitel:
Starship: Flagship
Deutsch von Thomas Schichtel

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