Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Manfred Kluge (Hg.) – Die Cinderella-Maschine (MFSF Folge 50)

Die Könige des Mars: klasse SF-Storys

Dieser 50. Auswahlband aus dem bekannten amerikanischen SF- und Fantasymagazin bietet folgende Storys:

1) Die Titelstory von der alternden Diva, deren elektronischer Jungbrunnen recht makabere Effekte erzielt.

2) Die Story von dem engelsgleichen buckligen Jungen, den alle mochten, weil ihn die Natur so ungerecht behandelt hatte.

3) Die Story von dem wunderbaren Apparat, der dem Menschen endlich den ewigen Frieden bescherte – um den Preis seiner Privatsphäre.

4) Die Story von der Marsexpedition, deren Teilnehmer eine ganze Weile brauchen, bevor sie erkennen, dass man ihr Kommen längst erwartet hat.

Das Magazin

Das |Magazine of Fantasy and Science Fiction| besteht seit Herbst 1949, also rund 58 Jahre. Zu seinen Herausgebern gehörten so bekannte Autoren wie Anthony Boucher (1949-58) oder Kristin Kathryn Rusch (ab Juli 1991). Es wurde mehrfach mit den wichtigsten Genrepreisen wie dem |HUGO| ausgezeichnet. Im Gegensatz zu „Asimov’s Science Fiction“ und „Analog“ legt es in den ausgewählten Kurzgeschichten Wert auf Stil und Idee gleichermaßen, bringt keine Illustrationen und hat auch Mainstream-Autoren wie C. S. Lewis, Kingsley Amis und Gerald Heard angezogen. Statt auf Raumschiffe und Roboter wie die anderen zu setzen, kommen in der Regel nur „normale“ Menschen auf der Erde vor, häufig in humorvoller Darstellung. Das sind aber nur sehr allgemeine Standards, die häufig durchbrochen wurden.

Hier wurden verdichtete Versionen von später berühmten Romanen erstmals veröffentlicht: „Walter M. Millers „Ein Lobgesang auf Leibowitz“ (1955-57), [„Starship Troopers“ 495 von Heinlein (1959), „Der große Süden“ (1952) von Ward Moore und „Rogue Moon / Unternehmen Luna“ von Algus Budrys (1960). Zahlreiche lose verbundene Serien wie etwa Poul Andersons „Zeitpatrouille“ erschienen hier, und die Zahl der hier veröffentlichten, später hoch dekorierten Stories ist Legion. Auch Andreas Eschbachs Debütstory „Die Haarteppichknüpfer“ wurde hier abgedruckt (im Januar 2000), unter dem Titel „The Carpetmaker’s Son“.

Zwischen November 1958 und Februar 1992 erschienen 399 Ausgaben, in denen jeweils Isaac Asimov einen wissenschaftlichen Artikel veröffentlichte. Er wurde von Gregory Benford abglöst. Zwischen 1975 und 1992 war der führende Buchrezensent Algis Budrys, doch auch andere bekannte Namen wie Alfred Bester oder Damon Knight trugen ihren Kritiken bei. Baird Searles rezensierte Filme. Eine lang laufende Serie von Schnurrpfeifereien, so genannte „shaggy dog stories“, genannt „Feghoots“, wurde 1958 bis 1964 von Reginald Bretnor geliefert, der als Grendel Briarton schrieb.

Seit Mitte der Sechzigerjahre ist die Oktoberausgabe einem speziellen Star gewidmet: Eine neue Story dieses Autors wird von Artikeln über ihn und einer Checkliste seiner Werke begleitet – eine besondere Ehre also. Diese widerfuhr Autoren wie Asimov, Sturgeon, Bradbury, Anderson, Blish, Pohl, Leiber, Silverberg, Ellison und vielen weiteren. Aus dieser Reihe entstand 1974 eine Best-of-Anthologie zum 25-jährigen Jubiläum, aber die Best-of-Reihe bestand bereits seit 1952. Die Jubiläumsausgabe zum Dreißigsten erschien 1981 auch bei |Heyne|.

In Großbritannien erschien die Lokalausgabe von 1953-54 und 1959-64, in Australien gab es eine Auswahl von 1954 bis 1958. Die deutsche Ausgabe von Auswahlbänden erschien ab 1963, herausgegeben von Charlotte Winheller (|Heyne| SF Nr. 214), in ununterbrochener Reihenfolge bis zum Jahr 2000, als sich bei |Heyne| alles änderte und alle Story-Anthologie-Reihen eingestellt wurden.

Die Erzählungen

1) Michael Coney: Die Cinderella-Maschine

Peninsula ist eine Gefängniswelt, wenn auch sehr hübsch mit einem tropischen Klima ausgestattet. Die Häftlinge werden nicht nur als Leibeigene „ausgeliehen“, sondern auch als lebende Organbanken benutzt. Nutznießer ist nicht nur der Ich-Erzähler Joe Sagar, der Knechte beschäftigt, sondern auch seine Bekannte, die alternde Filmdiva Carioca Jones. Die Diva ist Joe verhasst, seit sie die Hände seiner einstigen geliebten Joanne trägt …

Carioca bereitetet eine Art Auferstehung vor. Sie will nicht nur die alten 3D-Filme aus ihrer Jugend zeigen, sondern sich selbst ebenfalls verjüngen. Ein Mann namens Douglas Sutherland führt ihr und Joe seine Maschine vor, die er „Skulptograph“ nennt. Der Computer darin ist nicht nur in der Lage zu berechnen, wie irgendein menschliches Gewebe vor Jahren ausgesehen hat, sondern auch, wie es in der Zukunft aussehen könnte. Joe macht einen kleinen Test: Seine Warze am Finger wird zwar entfernt, aber dafür schält sich danach die abgestoßene Haut.

Als er beim Rennen eine sexy junge Frau aufgabelt, die sich als Carioca entpuppt, ahnt er, dass die Diva ihre Auferstehung ernst meint. Doch er freut sich schon darauf, wie sich ihre Haut schälen wird. Wie schlimm die Sache für sie ausgeht, hätte er sich allerdings nicht in den schlimmsten Albträumen ausgemalt …

|Mein Eindruck|

Die Story ist ein schönes Beispiel dafür, wie man mit nur wenigen Pinselstrichen eine komplexe Kultur zeichnen und ihre Fehler charakterisieren kann. Carioca ist nur der Exponent einer herrschenden Oberschicht von Ausbeutern. Eigentlich sollten wir uns freuen, wenn es ihr schlecht geht, aber das schadenfrohe Lachen bleibt uns im Halse stecken, so geschickt ist die Geschichte vom Autor erzählt. Die bitterböse Pointe hebt er sich für den letzten Satz auf. Carioca ist pars pro toto Opfer der selbst geschaffenen Verhältnisse geworden.

2) Tom Reamy: Der Detweiler-Bub

Bert Mallory ist Privatdetektiv im Los Angeles der sechziger Jahre, als er einen merkwürdigen Anruf erhält. Sein Kumpel Harry Spinner logiert gerade im Brewster Hotel, einer Absteige, als er einen seltsamen Jungen erwähnt, den Bert sich mal ansehen sollte. Als Mallory im Brester eintrifft, findet er Harry mit durchschnittener Kehle vor. Die Hotelbesitzerin, eine alternde, fette Diva, erwähnt diesen „Detweiler-Bub“, der so süß aussieht. Unter einem Vorwand sei er aber schon wieder ausgezogen. Das wird ja immer sonderbarer, findet Mallory. Da er die Sache persönlich nimmt, macht er sich auf die Suche nach dem Detweiler-Bub.

Der ist gar nicht mal so jung, schon über zwanzig, aber die Schwulen im Almsbury Hotel fanden, er habe eine Gesicht wie ein Engel. Rein zufällig ist auch im Almsbury jemand gestorben. Das wundert Mallory schon nicht mehr. In der |Los Angeles Times| der vergangenen vier Monate stößt er endlich auf ein Muster. Alle drei Tage fand ein blutiger Todesfall statt – und immer befand sich ein gewisser Andrew Detweiler in der Nachbarschaft. Er logierte immer nur drei Tage lang.

Um der Sache auf den Grund zu gehen, mietet sich Mallory in eine Bungalow-Anlage ein, aus der tags zuvor ein blutiger Selbstmord einer jungen Frau gemeldet worden ist. Der Detweiler-Bub logiert in Bungalow Nr. 7. Doch als Mallory mit dem jungen Mann Karten spielt, kann er nichts Schlimmes an ihm feststellen. Der Junge mit dem Buckel und dem Engelsgesicht ist ein Schriftsteller, schreibt Horrorgeschichten. Na, und?

Erst in der Nacht nach dem dritten Tag lüftet sich das Geheimnis …

|Mein Eindruck|

Die Geschichte erinnert mich an Stephen Kings verfilmten Roman „Stark – The dark half“, in der die Hauptfigur, ein Schriftsteller, sich einen finsteren Doppelgänger erfindet, und zwar in seinen Romanen: Machine. Diese andere Hälfte ist zu furchtbaren Taten imstande, die unser Autor niemals wagen würde.

Auch in Tom Reamys Novelle (43 Seiten) hat der Schriftsteller, Detweiler, einen Doppelgänger, einen finsteren Zwilling, der zu finsteren Taten fähig ist. Der Widerspruch zwischen diesem Teufel und dem Engelsgesicht Detweilers ist offensichtlich und symbolisch aussagekräftig. Jeder kann sich selbst einen Reim darauf machen. Aber Detweiler interessiert es nicht, was sein dunkler Zwilling tut – Hauptsache, er gibt ihm, was er selbst braucht. Es ist eine Symbiose. Wenn der eine stirbt, muss auch der andere vergehen.

Die Erzählung liest sich hervorragend, denn Bert Mallory erwähnt nicht umsonst den Detektivroman „Der Malteser Falke“ von Dashiell Hammett, aber erhält sich nicht für dessen Helden Sam Spade, sondern für eine Nummer kleiner. Dieser Selbsteinschätzung zum Trotz leistet Mallory saubere Arbeit, was die Story sehr spannend macht: eben eine klassische Detektivstory, mit viel Blut, vielen Frauen und viel trockenem Humor.

3) Damon Knight: Ich seh dich

Stell dir vor, du hättest einen Guckapparat, mit dem du nicht nur überallhin sehen könntest, sondern auch in jede beliebige Zeit. Nenn‘ das Ding einfach „Gucker“. Es hilft dir, die anderen Kinder zu sehen, wenn sie Verstecken spielen, und es hilft dir bei der sexuellen Aufklärung, wenn du zusiehst, was die Eltern im Bett treiben. Würdest du nicht dem Erfinder dieses tollen Gerätes danken wollen, das es dir erlaubt, alles zu sehen und zu hören, was du dir nur vorstellen kannst?

Jedenfalls bis zu dem Moment, in dem du gewahr wirst, dass du selbst auch beobachtest wirst. Und du merkst, dass auch dein Beobachter beobachtet wird. Und so weiter. Bis in alle Ewigkeit …

|Mein Eindruck|

Damon Knight, ein renommierter SF-Autor und -Herausgeber, hat hier die Idee von Clarke & Baxters Romans [„Das Licht ferner Tage“ 1503 vorweggenommen. Er spielt durch, wie es wohl wäre, wenn es wirklich so einen Apparat gäbe, der nicht nur märchenhaftes Wissen über die Mitmenschen liefern, sondern auch alle Rätsel der Welt lösen würde, beispielsweise den Mord an John F. Kennedy (1963) oder das Rätsel des verlassenen Segelschiffes „Mary Celeste“ (1892). Man bräuchte sich auch nicht mehr auf den Mars zu bemühen oder auf andere fremde Welten. Denn man hat ja den Gucker. So wie heute das TV-Gerät.

Es wäre der absolute Horror und das Ende des Menschseins, wie wir es heute kennen. Nicht nur gäbe es keine Privatsphäre und keine Verbrechen mehr, sondern auch jeden Antrieb, irgendwohin zu gehen, irgendetwas zu verschicken oder in den Fernseher bzw. auf eine Kinoleinwand zu starren. Die Menschen würde paranoid werden, daheim bleiben, dick und fett und krank werden. Gott wäre sowieso als Erstes abgeschafft worden, und Menschen würden nicht mehr heiraten, weil sie ja bereits alle Schwächen des anderen kennen gelernt hätten. Mithin würde nnur noch uneheliche Kinder gezeugt werden – wenn überhaupt.

Stell dir vor, du hättest einen Gucker – und ich würde dich sehen.

4) John Varley: Im Audienzsaal der Marskönige

Die Marsoberfläche. Nach einer Explosion des Kuppelzeltes, die durch Dekrompression drei Viertel des Expeditionskorps tötet, sehen sich die fünf Überlebenden harten Entscheidungen gegenüber. Sie können nicht mehr zum Mutterschiff „Edgar Rice Burroughs“ hinauffliegen, denn Pilot und Kopilotin ihrer Landefähre „Podkayne“ sind tot. Aber sie haben Vorräte für mindestens ein Jahr, bei Rationierung sogar für eineinhalb Jahre, mit Abwürfen der „Burroughs“ sogar noch länger. Sie sind jetzt eine autarke Kolonie.

Die kritischen Faktoren sind jedoch Wasser und Atemluft. Wasser lässt sich aus der Atemluft zwischen Plastikbahnen kondensieren und sammeln. Doch um Atemluft zu produzieren, benötigen sie Pflanzen, welche sie nicht haben. Matthew Crawford, der Historiker, sieht schwarz. Doch seine Gefährten, allen voran die Kommandantin Mary Lang, eine Afroamerikanerin, werfen die Flinte nicht ins Korn, sondern werden von der einheimischen Fauna überrascht. Aus den nährstoffreichen Gräbern der Getöteten erheben sich interessante Gebilde, die wie Windmühlen aussehen: Kreisler. Sie scheinen Wasser zu pumpen. Später gibt es ein Gewächs, das weiße Trauben bildet. Die „Beeren“ enthalten Sauerstoff. Nun haben sie wieder Atemluft, und das Überleben ist gesichert.

Aber für eine Kolonie braucht man auch Paare und Kinder. Diese stellen sich sofort ein, sobald die „Burroughs“, die nichts mehr zu tun hat, wieder zur Erde gestartet ist. Alle ziehen sich nackt aus und treiben es miteinander, bis sich ein Gefühl des Kennens und Vertrauens einstellt. Nach dem Abflauen der Rivalitätskämpfe zwischen den drei Frauen und den zwei Männern stellt sich ein Gleichgewicht her, und es dauert nur acht Monate, bis Lucy McKillian feststellt, dass sie schwanger ist. Aber in welcher Welt wird ihr Baby aufwachsen?

Der Forschungsexpedition, die fast neun Jahre später eintrifft und eigentlich erwartet, nur noch Leichen vorzufinden, steht eine faustdicke Überraschung bevor …

|Mein Eindruck|

Es sind solche Erzählungen in der alten, zuversichtlichen Heinlein-Manier, welche die amerikanische Science-Fiction wieder so attraktiv machten, nachdem sie durch das tiefe Tal der sechziger und frühen siebziger Jahre ging. Dass John Varley ein Heinlein-Jünger ist wie Niven, Pournelle und Spider Robinson, belegt schon der Umstand, dass die Landefähre „Podkayne“ nach der Heldin von Heinleins Jugendroman „Podkayne of Mars“ benannt ist. Und die „Edgar Rice Burroughs“ beschwört die uralte Marsromantik, die der Schöpfer von „Tarzan“ in den Jahren 1912 bis 1943 durch seine vielen Marsromane auslöste.

Anders als bei skeptischen Europäern vom Schlage eines Stanislaw Lem [(„Der Unbesiegbare“) 2795 zeigen sich die Amis auf dem Mars als Pioniere mit Tatkraft und Zuversicht. Als die einheimischen Lebensformen aus dem Boden (und dem 20 Meter darunter liegenden Wassereis) sprießen, erweisen diese sich als an die Menschen angepasst. Gerade so, als wären die Menschen erwartet worden. Wer weiß: Vielleicht haben die Wesen, die diese Sporen zurückließen, einst die Erde während der Steinzeit besucht und wollten die Besucher belohnen.

Hier zeigt sich eine amerikanische Denkweise: Gott (oder Schicksal, Natur usw.) hat vorherbestimmt, dass der Mensch, der sich bemüht, auch belohnt wird, aber nach Gottes eigenem verborgenen Plan. Und der kann ja nun auch Marsbewohner vorsehen. Der grandiose Titel „In the hall of the Martian kings“ wandelt einen Titel aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Sinfonie ab, nämlich „In the hall of the mountain king“. Aber wo sind sie, die Marskönige? Kommen sie noch – oder sind sie mit den Pionieren bereits gekommen?

Die Übersetzung

An diesem schmalen Band von nur 140 Seiten waren gleich zwei Übersetzerinnen beteiligt: Birgit Reß-Bohusch und Keto von Waberer. Während Reß-Bohuschs Stil keinerlei Auffälligkeiten zeigt, ist bei Keto von Waberer genau das Gegenteil der Fall. Ich weiß ja nicht, in welcher Gegend man den Ausdruck „wie Schusser in den Höhlen“ (S. 42) gebraucht, aber in Deutschland dürfte er ziemlich wenig bekannt sein. Schusser sind laut DUDEN „Spielkügelchen“, d. h. der Ausdruck bedeutet so viel wie „herumkullern“.

Auf Seite 100 und 101 schreibt Waberer „Rationalisierung“ statt „Rationierung“ bzw. „Rationieren“. Das eine bedeutet „durch Maßnahmen Kosten/Aufwand/Personal etc. einsparen“, das andere „Nahrungsmittel begrenzen und einteilen“ – ein Riesenunterschied, den von Waberer offenbar nicht kannte.

Auf Seite 50 gibt es noch einen blöden Schreibfehler, der die Flüchtigkeit der Übersetzung belegt. Hier heißt es: „ich entdecke, die Spur des Detweiler-Buben …“ statt „ich entdeckte die Spur des D …“. Glücklicherweise war’s das aber auch schon.

Unterm Strich

Drei der vier hier gesammelten Erzählungen sind herausragende Beispiele für die hohe Qualität der Erzählungen während der siebziger Jahre – im Gegensatz zu einigen der Romane wie etwa Nivens „Luzifers Hammer“ oder Heinleins späte Machwerke. Es war eine Zeit des Umbruchs, die Zeit, als Konventionen abgestreift wurden und man nach neuen und aktuellen Ideen suchte; man denke an die Stories von Le Guin, Tiptree/Sheldon und Joanna Russ.

Dem widersprechen jedoch drei der vier Erzählungen in diesem Band. Varley knüpft an die Heinlein-Tradition der Weltraumeroberung an, und Reamy bedient sich der Folie des klassischen Detektivromans, um seine Aussage zu erzählen. Der gute alte Damon Knight erzählt noch in der Form der vierziger und fünfziger Jahre. Seine Story ist die einzige, die über keine Handlung im üblichen Sinne verfügt.

Nur bei Michael Coney kann ich keine alten Vorbilder erkennen, und deshalb ist mir diese Geschichte am sympathischsten. Coney hatte Anfang der siebziger Jahre begonnen, seine Storys zu veröffentlichen – sie sind in „Monitor im Orbit“ gesammelt – und entwickelte seine Kunstfertigkeit und seine Aussagekraft immer weiter, bis solche Werke wie „Die Cinderella-Maschine“ entstanden, die in hochverdichteter Form eine ganze Gesellschaft beschreiben und kritisieren.

Lesetipp

Wem diese Sammlung gefallen hat, der sollte auch zu den Nebula-Preisträger-Auswahlbänden greifen, die ab 1981 bei |Moewig| erschienen, so etwa „Der Plan ist Liebe und Tod“ (Nr. 6730, 1982).

Taschenbuch: 144 Seiten
Originaltitel: The magazine of fantasy and science fiction, 1976/77
Aus dem US-Englischen von Birgit Reß-Bohusch und Keto von Waberer

www.heyne.de

Der Autor vergibt: (5.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Ian McDonald – Chaga oder das Ufer der Evolution (Chaga 1)

Faszinierender Job: als Reporterin im Alien-Dschungel

Die ersten Sporen des Chaga fallen im Jahr 2004 auf den Kilimandscharo – und breiten sich von dort mit einer Geschwindigkeit von 50 Metern pro Tag in alle Richtungen aus. Ständig fallen neue Sporenpakete, überall auf der Südhalbkugel. Der Lebensraum wird knapp, und die Verdrängten finden das gar nicht witzig. Eine gigantische UNO-Hilfsmission wird weltweit gestartet, und die Reporterin Gaby McAslan berichtet darüber in Kenia. Sie wird Zeugin eines Verschwindens der Erde, einer Transformation durch das Chaga. Aber können Menschen in dieser außerirdischen Vegetation leben? Und was passiert mit den vom Chaga Infizierten?

Der Autor
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Diana L. Paxson – Die Hüterin von Avalon

Lhiannon ist Oberpriesterin auf der Insel Mona und verantwortlich für das Haus der Priesterschülerinnen. Unter ihnen ist eines Tages auch ein junges Mädchen mit flammend rotem Haar, die Tochter eines Icener-Fürsten namens Boudicca.

Der junge Wildfang wird in Mona nur schwer heimisch, allein mit einem Mädchen namens Coventa freundet Boudicca sich an. Obwohl sie keine der Gaben besitzt, die sie zur Laufbahn einer Priesterin befähigen würden, hat sie etwas Besonderes an sich, das kann Lhiannon spüren. Als Boudicca nach ihrer Weihezeremonie zur Frau beschließt, Mona zu verlassen und zu ihrer Familie zurückzukehren, lässt Lhiannon sie schweren Herzens ziehen.

Doch in Britannien herrscht Rom, und Lhiannon wäre keine Seherin, wenn sie sich so leicht irrte. So kommt es, dass Boudicca schließlich doch noch ihrer Bestimmung folgt: unter dem Banner der Rabengöttin.

Mein Eindruck

Ich hatte ja wirklich gehofft, mit „Die Ahnen von Avalon“ wäre die ganze Avalon-Sache endlich erledigt. Umsonst gehofft! Zugegeben, Boudicca, die den letzten großen Aufstand gegen die Eroberung durch Rom anführte, muss eine faszinierende Persönlichkeit und deshalb eine große Versuchung gewesen sein.

Boudicca ist stolz, stur und ein wenig trotzig. Und das ist auch schon alles. Sie wirkt wie ein Holzschnitt: starr und staubig. Gedanken und Gefühle werden sachlich festgestellt; damit ist Nachvollziehbarkeit gewährleistet. Aber von dem lebendigen Feuer, das diese Frau ausgestrahlt haben muss, ist überhaupt nichts zu spüren, so etwas wie Faszination sucht man vergeblich. Ihre Leistungen während des Aufstandes werden letztlich sogar vollkommen der Göttin der Raben zugeschrieben, Boudicca dient nur noch als Gefäß.

Auch die zweite Hauptperson, Lhiannon, ist äußerst blass, ihr Hin- und Hergerissensein zwischen ihrer Liebe zum Druiden Ardanos und dem Wunsch, der Göttin als Orakel zu dienen, wirkt geradezu läppisch. Abgesehen davon besitzt sie keine eigenen Charaktermerkmale, dient lediglich als Beobachterin für das Fortschreiten der römischen Eroberungen bis zum Überfall auf die Insel Mona und damit als Fortführung des roten Fadens zwischen den „Ahnen von Avalon“ und den „Wäldern von Albion“.

Die übrigen Charaktere kann man bestenfalls als Statisten bezeichnen. Sowohl Haupt- als auch Nebenfiguren in dieser Geschichte zeigen keine Spur von dem Zorn, der Verzweiflung oder der Unsicherheit, wie sie Marion Zimmer-Bradleys Morgaine, Lancelot oder Gwenwyfar eigen waren. Sie sind so leblos und trocken wie Stroh!

Bleibt die Handlung: Den Werdegang eines Menschen zu verfolgen, kann ja durchaus interessant sein. In diesem Fall ist er allerdings hauptsächlich historisch korrekt. Tatsächlich ist es eine der Stärken der Autorin, den Mythos wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzuholen. Manchmal allerdings schadet das mehr, als es nützt!

Boudiccas Entwicklung vom Mädchen zur Anführerin eines Aufstands wirkt bei Diana Paxson wie eine Aneinanderreihung von Nebensächlichkeiten. Ihre anfänglichen Eheprobleme, der Römer Pollio, der miese kleine keltischstämmige Steuereintreiber Cloto, das alles sind Bagatellen, die zwar den Alltag der damaligen Menschen zeigen, allerdings in einer Ausführlichkeit, die ermüdet und schließlich langweilt. Erst im letzten Drittel des Buches kommt mit dem Beginn des Aufstands echte Bewegung in die Geschichte.

Der Handlungsstrang um Lhiannon dagegen zeigt das unaufhaltsame Vordringen der Römer nach Westen. Vielleicht hat die Autorin durch die steigende Bedrohung für die Druiden auf Mona versucht, die Spannungskurve zu straffen, gelungen ist es ihr aber nicht. Das mag daran liegen, dass der Leser ja bereits weiß, dass Mona fallen wird, dadurch wird die Sache aber auch nicht besser.

Dazu kommt, dass der Handlungsverlauf holpert. Immer wieder stockt der Lesefluss an unvorhergesehenen Sprüngen. Eben noch waren die Verteidiger einer Festung dabei, die Wälle auszubauen und zu verstärken, und im nächsten Absatz befinden sie sich plötzlich mitten im Kampf.

Mit anderen Worten: Auch die Handlung gibt nicht wirklich viel her! Das Erstaunliche ist, dass dieser Eindruck entstehen konnte, obwohl das Buch wesentlich kürzer ist als „Die Nebel von Avalon„. Es hat nicht nur vierhundert Seiten weniger, sondern ist auch doppelt so groß gedruckt! Es wäre also noch genug Platz gewesen, um die Darstellung von Personen und Ereignissen etwas intensiver und hautnaher zu gestalten. Wie schon im Fall von Paxsons eigener Version der Artussage zieht sich die Handlung auch hier gerade deshalb so in die Länge, weil sie so knapp und straff erzählt ist!

Natürlich ist es so, dass die Thematik um Boudicca wesentlich weniger Stoff hergibt als die Artussage mit ihren vielfältigen Verflechtungen und Verwirrungen. Trotzdem bin ich der Meinung, dass es möglich gewesen wäre, mehr daraus zu machen, als die Autorin es geschafft hat. Aber Aufbau der Geschichte und auch die Hauptperson selbst kamen den Talenten der Autorin in keiner Weise entgegen. Um die langen Phasen, in denen sich nur wenig tut, lebendig und interessant zu gestalten, hätten es eines besseren Händchens für Charakterzeichnung bedurft, als Diana Paxson es besitzt. So kam lediglich ein eher dröger Lebenslauf heraus, dessen Höhepunkt noch dadurch geschmälert wurde, dass er unmittelbar durch eine höhere Macht bestimmt wurde anstatt durch die eigentliche Hauptperson. Auch ihre zweite Stärke, die Beschreibung von religiösen Riten und Mysterien, konnte die Autorin in diesem Fall nur spärlich ausspielen, da ihre Hauptperson keine Priesterin ist.

Zu guter Letzt ist es auch noch so, dass die tatsächliche Anbindung an Vorgänger und Nachfolger eher mager ausgefallen ist. Die Beschreibung von der Eroberung Monas weicht ziemlich stark ab von dem, was Marion Zimmer-Bradley in „Die Wälder von Albion“ geschrieben hat, und die Erklärung, wie die Druiden überhaupt nach Mona kamen, ist so wirr, dass man sie kaum nachvollziehen kann.

Als Lhiannon auf Avalon Boudiccas Weihezeremonie zur Frau vollzieht, ist außer ihnen beiden so gut wie niemand dort, obwohl Tiriki im Vorgängerband dort eine Gemeinschaft von Priesterinnen gegründet hat! Und den Titel „Die Hüterin von Avalon“ trägt das Buch wohl nur aus Gründen des roten Fadens, denn eine solche Person taucht nirgendwo auf!

Unterm Strich

So ist dieser Band noch fader und zäher geraten als „Die Ahnen von Avalon“. Ich weiß ja nicht, ob nicht womöglich irgendwo noch ein angefangenes Manuskript liegt, um eine Lücke im roten Faden zu stopfen. Sollte das tatsächlich der Fall sein, dann steht eines fest: Ich werde das daraus entstandene Buch nicht lesen! Ganz sicher nicht!

Die Autorin

Diana Paxson lebt in den USA, wo sie die populäre Mittelalterbewegung mitgegründet hat. Unter anderem ist sie eine führende Vertreterin der dortigen neuheidnischen Religionsbewegung. Außer den diversen Avalonbänden aus Marion Zimmer-Bradleys Nachlass hat sie den Romanzyklus „Die Töchter der Nibelungen“, „Die Keltenkönigin“ und weitere Romane veröffentlicht. Des weiteren schrieb sie viele Kurzgeschichten sowie Theaterstücke und Gedichte.

Taschenbuch: 640 Seiten
ISBN-13: 9783453290204

https://www.penguin.de/Verlag/Diana-Verlag/31000.rhd

_Diana L. Paxson bei |Buchwurm.info|:_

[„Die Ahnen von Avalon“ 655
[„Die Herrin vom See“ 213 (Artor 1)
[„Die Herrin der Raben“ 2500 (Artor 2)
[„Die Herrin von Camelot“ 1657 (Artor 3)
[„Der Zauber von Erin“ 246
[„Brunhilds Lied“ 1659 (Die Töchter der Nibelungen 1)
[„Die Keltenkönigin“ 1693

Jo Clayton – Das Erbe der Vryhh (Diadem-Zyklus 9)

Aleytys am Ziel ihrer Muttersuche

Nach jahrelanger Irrfahrt durch die Weiten des Universums hat Aleytys, die Trägerin des Diadems, endlich ihre Mutter Shareen wiedergefunden. Mit ihr begibt sie sich zu dem Planeten Vrithia, um ihr Erbe anzutreten und den ihr zustehenden Platz als Mitglied der Superrasse Vryhh einzunehmen.

Doch Aleytys‘ Triumph ist nur von kurzer Dauer. Ihr Todfeind Kell hat noch nicht aufgegeben. Er nimmt einen ganzen Planeten als Geisel und verbreitet Angst und Schrecken. Es kommt zur letzten, entscheidenden Auseinandersetzung zwischen dem Vryhh Kell und Aleytys, dem Halbblut, bei der mehr als nur ihr persönliches Schicksal auf dem Spiel steht. (Verlagsinfo)

Der vorliegende Band ist der 9. und abschließende Band des beliebten Diadem-Zyklus‘.

Jo Clayton – Das Erbe der Vryhh (Diadem-Zyklus 9) weiterlesen

Ian McDonald – Kirinja. SF-Roman

Die Chaga-Welt: Frauen als Agenten des Wandels

„In der Nacht des 22. Dezember 2032 hörte das Universum, wie wir es kennen, auf zu existieren: Die Menschheit hat es nur noch nicht bemerkt…“ (Verlagsinfo) Die Fortsetzung von Ian McDonalds SF-Klassiker „Chaga oder Das Ufer der Evolution“ spielt 15 Jahre nach jenen Ereignissen, in denen die halbe Welt unter der außerirdischen Vegetation der Chaga begraben wurde. Die irische Exreporterin Gaby McAslan tritt ebenso wieder auf wie die sibirische Pilotin und Schamanin Oksana Michalowna.

Eine Hauptrolle spielt natürlich die Chaga sowie die menschlichen Staaten, die sich darin entwickelt haben: die Harambee. Chaga-Technologie hat sich global verbreitet, und das weckt Begehrlichkeiten. Über allem schwebt jedoch das Große Dumme Objekt (GDO), und immer wieder schaut Gaby McAslan hinauf zu den Ringen des Saturn: Dort oben ist im GDO Shepard, der Vater ihrer Tochter Serena, verschwunden. Eines Tages werden sie oder Serena dort nachschauen…
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Martin, George R. R. – Thron der Sieben Königreiche, Der (Das Lied von Eis und Feuer 3)

_Grandioses Schlachtengemälde, die dritte Runde_

„Das Lied von Eis und Feuer“, so heißt das ambitionierte Großprojekt von George R. R. Martin auf dem Gebiet der epischen Fantasy. Die vier ersten Bände davon sind bereits auf Deutsch erschienen (hier auf 8 Bände verteilt) und lassen sich zum Besten einordnen, was diese Literaturgattung bisher hervorgebracht hat.

Mehrere Handlungsstränge aufgreifend, bietet Martin einen Blick auf eine farbenprächtige Welt voller Gegensätze, ein buntes Gewimmel verschiedenster Schicksale, verstreut vom kargen, frostklirrenden Norden bis zu den orientalisch prächtigen Ländern des Sommers. Eine Welt, in der die Jahreszeiten sich über Jahre erstrecken können und auf einen milden langen Sommer ein umso härterer Winter folgt. In diesen Wintern erwachen im Norden dunkle Mächte. Und der jetzige Sommer währte bereits die Rekordzeit von zehn Jahren … Doch noch ist die Witterung wohlgesonnen und die Menschen sind mit ihrem eigenen Streit beschäftigt.

|Der Zyklus „Das Lied von Eis und Feuer“|

Band 1: Die Herren von Winterfell (ISBN 978-3-442-24729-5, 10/97, A Clash of Kings)
Band 2: Das Erbe von Winterfell (ISBN 978-3-442-24730-1, 4/98)
Band 3: Der Thron der Sieben Königreiche (ISBN 978-3-442-24923-7, 4/00, A Game of Thrones)
Band 4: Die Saat des goldenen Löwen (ISBN 978-3-442-24934-3, 10/00)
Band 5: Sturm der Schwerter (ISBN 978-3-442-24733-2, 11/01, A Storm of Swords)
Band 6: Die Königin der Drachen (ISBN 978-3-442-24734-9, 06/02)
Band 7: Zeit der Krähen (ISBN 978-3-442-24350-1, 05/06, A Feast of Crows)
Band 8: Die dunkle Königin (ISBN 978-3-442-24416-4, 10/06)
geplant: A Dance with Dragons

_Vorgeschichte in Band 1 & 2_

Der König, das ist der Thronräuber Robert Baratheon, einst ein großer Kämpfer, nun nur noch ein Säufer und Schürzenjäger. Die Königin ist Cersei aus dem reichsten Haus des gesamten Inselkönigreichs, derer von Lannister. Was kaum jemand weiß: Ihre Kinder, die der König sein Eigen glaubt, stammen alle von ihrem Bruder, dem strahlenden Ritter Jaime. Kaum ein Geheimnis ist jedoch, dass die beiden Lannisters des Königs alten Premierminister – hierzulande Rechte Hand genannt – mit Gift um die Ecke gebracht haben, um ihre Stellung zu stärken: Jaime sollte sein Nachfolger werden. Doch den Ersatz wählt der König nicht in seiner Nähe, sondern im hohen Norden, bei seinem alten Freund und Mitstreiter, dem rechtschaffenen Lord Eddard Stark. Das Schicksal der Angehörigen der Großfamilie derer von Stark von Winterfell ist der eigentliche Inhalt des umfangreichen Romans.

Zunächst widerwillig, doch vom Ehrgefühl getrieben, begibt sich Lord Eddard in die Hauptstadt, um als Rechte Hand zu regieren, während der König Mädchen und Wildschweinen nachstellt. Es kommt zum unausweichlichen Konflikt mit den Lannisters, als Eddards Frau Catelyn herausfindet, von wem ein Meuchelmörder in ihre Burg geschickt wurde, um ihren Sohn Bran zu töten: die Lannisters. Sie weiß nicht, dass Bran das Geheimnis des feindlichen Geschwisterpaares belauscht hatte. Ihr Verdacht fällt auf den Besitzer des Attentäterdolches: auf Tyrion Lannister, Königin Cerseis zwergenhaften Bruder. Sie lässt ihn verhaften und verschärft die Krise bis zum offenen Krieg. Der König kommt unter mysteriösen Umständen um.

Im zweiten Band des Romans, „Das Erbe von Winterfell“, kommt es zu mehreren Schlachten zwischen aufrechten Stark-Freunden und Lannistervasallen. Der Autor weiß die Kämpfer in der Schlacht auf eindrückliche Weise zu beschreiben. So erscheint etwa der Feldherr der Lannisters als eine Art Julius Cäsar. Seine Statur wird von der mickrigen Größe seines – inzwischen freigekommenen – Sohnes Tyrion noch erhöht, was aber nichts über seine moralischen Qualitäten aussagt. Lord Eddard, nach Roberts Tod von der Königin im Staatsstreich verhaftet und eingekerkert, wird vom neuen König und Cerseis Sohn, dem 14-jährigen und eigensinnigen Joffrey, als Verräter zum Tode verurteilt und enthauptet. Eddards zwei 10- und 12-jährige Töchter müssen dies mit ansehen. Ein Gegenkönig zeigt sich im Süden.

Am Ende des Romans sind viele Karten ausgespielt worden, aber die Partie ist weiterhin offen. In den Ländern jenseits der Meerenge gelangt Daenerys, die letzte Überlebende des Herrschergeschlechts, das Robert Baratheon dezimierte und verjagte, zu Macht an der Seite eines Reitervolkhäuptlings. Es gelingt ihr, den ausgestorbenen Drachen zur Wiedergeburt zu verhelfen. Und im höchsten Norden, an der Mauer, die das Königreich vor den Geistern des Verwunschenen Waldes schützt, kehrt der Winter zurück – für lange Jahre.

_Handlung von Band 3_

Im Zentrum der Aufmerksamkeit steht auch im dritten Band die Familie der Starks. Seit Tausenden von Jahren stellt sie die Könige des Nordens, eine harte, ehrenhafte, aber auch pragmatische Sippe. Der sich seit dem Anfang der Serie aufbauende Zwist zwischen den Starks und der mächtigen Adelsfamilie der Lannisters eskaliert zu einem mörderischen Krieg, der einen Großteil der Sieben Königreiche verheert.

Und noch mehr Heere sind im Anmarsch. Denn Stannis, der Bruder des verstorbenen Königs, schickt sich an, den Thron an sich zu reißen, mit der Begründung, der Thronfolger und neue König Joffrey sei nicht seines Bruders Sohn, sondern das Produkt aus der Verbindung der Königin mit ihrem Bruder. Nicht zu Unrecht, wie der Leser aus der Vorgeschichte weiß.

Gleichzeitig ruft sich auch Stannis‘ Bruder Renly zum König aus und kann durch die Unterstützung der südlichen Provinzen auf eine riesige Armee zurückgreifen. Der Kampfverlauf ist allerdings anders, als die Beteiligten erwarten.

Derweil nehmen die Männer der Nachtwache, welche das Land seit altersher gegen den Norden schützt, erschreckt Veränderungen war. Nicht nur dass Männer verschwinden und als Untote wiederkehren, auch die Wildlinge, die Menschen auf der anderen Seite der Mauer, sind spurlos verschwunden, wie eine Expedition feststellt. Diese ist mit Snow, dem Bastard Eddard Starks, losgezogen, um die Vorgänge jenseits der Mauer zu erforschen.

Ein bisher eher am Rande agierender Handlungsträger bekommt von Martin mehr Aufmerksamkeit zugemessen: der junge Theon, das Mündel Eddard Starks, zieht heimwärts, um als kommender Erbe des Thrones der Eisen-Inseln zu Ruhm zu kommen.

Die junge Targaryen Daenerys, eine Favoritin unter den Handlungsträgern und frischgebackene „Mutter“ von drei Drachen, macht sich mit ihrem kleinen Khalazar auf eine ungewisse Reise in die Wüste. Zwar finden die geplagten Reste des ehemaligen Khalazars von Drogo bald fruchtbares Land, doch die ehrgeizige Daenerys treibt es weiter. Eine gewisse Gleichgültigkeit, was ihre Untertanen betrifft, lässt sich bei ihr nicht verleugnen. Dennoch wünscht man ihr alles Gute. Doch die Erfüllung ihrer Träume bedeutet noch mehr Krieg für die Sieben Königreiche.

_Mein Eindruck_

Man kann darauf gespannt sein, wie der Autor die sich anbahnenden Konflikte zwischen den Sympathieträgern der verschiedenen Parteien in seiner Serie auflösen wird. Denn das mag für viele Leser vielleicht doch etwas ungewohnt sein: Nicht nur hat Martin die bekannten Schwarz-Weiß/Gut-Böse-Zuordnungen über Bord geworfen, auch mit seinen Helden geht er nicht immer pfleglich um. Es kann durchaus passieren, dass ein Sympathieträger am Ende eines Buches nicht mehr am Leben ist, wie sich an Eddard Starks Schicksal zeigte.

In den Winterfell-Romanen herrscht bitterster Realismus, Drama zwischen Ironie und Tragödie, grimmig zuweilen bis zur Schmerzgrenze. Doch Martin desavouiert seine Figuren nicht, er lässt ihnen ihre Würde. Allerdings schildert er nicht das Innenleben der bösen Lannisters – hier ist der philosophische Zyniker Tyrion die Ausnahme.

Die Figuren erscheinen sehr lebendig und menschlich; Martin verschließt die Augen nicht vor ihren intimsten Gefühlsregungen oder sexuellen Betätigungen. Dass der Sex ebenso wie der Humor zuweilen von der derberen Sorte ist, verleiht dem geschilderten Leben Authentizität: So könnte es im Frankreich oder England des 13. oder 14. Jahrhunderts zugegangen sein. Man lese einmal Shakespeares „Heinrich V.“ nach oder sehe Brannaghs Verfilmung.

Alles in allem ist die Serie eine Ausnahmeerscheinung in der Fantasy. Brillant geschrieben und weit über dem Durchschnitt. Möglicherweise wirklich die beste epische Fantasy überhaupt, wie sich Marion Zimmer Bradley geäußert hat. Für mich ist die Serie jedenfalls die derzeitige Referenz und zu Recht mit Preisen überhäuft.

|Originaltitel: A Clash of Kings (Pages 1-332)
Originalverlag: Bantam Books
Aus dem Amerikanischen von Andreas Helweg
Paperback, 544 Seiten
Mit drei Landkarten|
http://www.blanvalet.de
http://www.georgerrmartin.com/
http://www.eis-und-feuer.de/

Jo Clayton – Die Fallen von Ibex (Diadem-Zyklus 8)

Aleytys‘ spannende Suche nach ihrer Mutter

Aleytys, die junge Frau mit dem Diadem und den ihm innewohnenden Psi-Kräften, gelangt auf ihrer Suche nach der Superrasse der Vryhh, der ihre Mutter angehört, auf den Planeten Ibex. Diese Welt ist für Fremde verboten – und tödlich. (erweiterte Verlagsinfo)
Die Autorin

Patricia Jo Clayton (* 15. Februar 1939 in Modesto, Kalifornien; † 13. Februar 1998 in Portland) war eine US-amerikanische Autorin von Science-Fiction und Fantasy.

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Robin Hobb – Der Ring der Händler (Die Zauberschiffe 1)

Schon einmal im Hafen mit der Galionsfigur eines Handelsschiffes gesprochen? Schlimmer noch, hat sie sich bewegt und geantwortet? Wird es Zeit, geistigen Getränken völlig zu entsagen?

Keine Panik, alles ganz normal. Zumindest in Bingtown.

Solche Dinge, die man gewöhnlicherweise als unter Alkoholeinfluss enstandenes Seemannsgarn abtun würde, sind dort Realität: Die aus Hexenholz gebauten Lebensschiffe der alteingesessenen Händlersippen sind im wahrsten Sinne des Wortes lebendig. Sie haben ihren eigenen Charakter, können sprechen und sich bewegen – sobald sie erwacht sind. Mindestens drei Angehörige einer Familie müssen auf den Planken eines Hexenholz-Schiffes versterben, um es mit Leben zu erfüllen. Hexenholzschiffe sind schneller, widerstandsfähiger und in nahezu jeder Beziehung gewöhnlichen Schiffen überlegen – welches normale Schiff könnte selbständig einer Sandbank ausweichen, wenn der Steuermann unachtsam ist?

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Gemmell, David – Augen von Alchazzar, Die (Drenai-Saga)

„The Legend of Deathwalker“, das von |Bastei-Lübbe| unter dem Titel „Die Augen von Alchazzar“ veröffentlicht worden ist, ist ein Roman aus der |Drenai|-Serie.

Ein alter Bekannter tritt auf: Druss. Wieder einmal endet ein Drenai-Buch mit seinem Tod. Das tut dem Rest des Romans keinen Abbruch, was Spannung und Abenteuer anbetrifft – im Gegenteil: Der Umstand, dass Druss einen aussichtslosen Kampf in der Festung Dros Delnoch gegen die Horden der Nadir kämpft, verleiht dem Geschehen, das Druss erzählt, tragische Größe, aber auch Ironie: Er selbst hatte entscheidenden Anteil daran, die einst zersplitterte Nation der Nadir unter demjenigen Häuptling zu einen, der ihn nun belagert.

_Der Autor_

David Gemmell (geb. 1948), früher selbst einmal Soldat, ist der führende britische Autor (wenn nicht sogar weltweit) von Fantasy-Action-Romanen. Besonders bekannt wurde ab 1984 er mit der Drenai-Saga, in der kernige Helden wie „Druss die Legende“ in einem untergehenden mittelalterlichen Reich schier aussichtslose Kämpfe ausfechten.

Seine zweite Romansequenz dreht sich um die magischen Sipstrassi-Steine (1987-94). Dazu gehören auch einige Romane, die in einer Post-Holocaust-Zukunft angesiedelt sind („The Jerusalem Man“). Ein dritter Romankomplex umfasst die historischen Fantasien um Alexander den Großen: „Der Löwe von Makedonien“ und „Der dunkle Prinz“ (1990/91). Die Falkenkönigin-Duologie dreht sich um eine heldenhafte Kriegerin: „Eisenhands Tochter“ und „Die Keltenkriege“. Es handelt sich eindeutig um Heroic Fantasy.

Mit „Morningstar“ schrieb Gemmell Jugend-Fantasy und unter dem Pseudonym „Ross Harding“ mit „White Knight, Black Swan“ einen Gangster-Thriller.

|David Gemmell bei Buchwurm.info:|
[Die steinerne Armee 522 (Rigante 1)
[Die Nacht des Falken 169 (Rigante 2)
[Rabenherz 498 (Rigante 3)
[Im Zeichen des dunklen Mondes 840
[Wolf in Shadow 181 (Stones of Power)

_Handlung_

Unter der brutalen Unterdrückung durch die römerartigen Gothir träumen die verstreuten und zerstrittenen Nadir-Stämme – eine Art Mongolenvolk – vom großen Einiger, der die Stämme zusammenführen wird, um sie zu befreien. Von einem Schamanen wird der junge Krieger Talisman in die Hauptstadt der Gothir geschickt, um Rat von einem alten Weisen einzuholen und dessen Tochter Zhusai in das Land der Nadir mitzunehmen. Dort sucht Talisman den Schrein von Oshikai, der das einzige Heiligtum der Nadir darstellt, das stets von mehreren Stammesdelegationen bewacht wird. Im Schrein sucht er die legendären Augen von Alchazzar, zwei Juwelen von magischer Kraft, die zur Wiedererlangung der Macht der Nadir notwendig sein sollen.

In der Haupstadt der Gothir hat Talisman die Bekanntschaft von Druss gemacht. Druss hört von den heilenden Kräften der Alchazzar-Juwelen und macht sich mit seinem Freund, dem Poeten Sieben, in die Nadir-Steppe auf, um mit den Juwelen seinen Freund, den Faustkämpfer Klay, zu heilen. Klay fiel einem Attentat zum Opfer, wie es in den Straßen der korrupten Metropole gang und gäbe ist. Doch das Attentat hatte Druss gegolten.

Druss und Sieben merken bald, dass sie von einer Armee der Gothir verfolgt werden – durch Spione hat auch die Reichsführung der Gothir von den Juwelen erfahren und will sie den Nadir stehlen, um diese endgültig zu unterwerfen. Alle Beteiligten treffen sich am Schrein von Oshikai. Der Ort ist wie ein altes verfallenes Fort gebaut und schwer zu verteidigen, doch zusammen mit Druss gelingt der Aufbau einer Wehrmauer und einer Verteidigungsstrategie. Können 200 Nomaden 5000 ausgebildeten Berufssoldaten standhalten?

Bald stellt sich jedoch heraus, dass Zhusai, Talismans Begleiterin, besessen ist – ebenso wie Talisman übrigens. Die beiden stellen die Verkörperung jenes alten heroischen Paares dar, das die Nadir-Nation begründete: Oshikai Dämonenbann und seine Geliebte Shul-sen. Doch aufgrund eines Fluches leben sie in der Unterwelt getrennt voneinander. Talisman und Druss sowie ein Schamane machen sich in die Anderswelt auf, die Fesseln des Paares zu lösen. Sie haben Erfolg, und wenig später befinden sie sich im Besitz der Augen von Alchazzar, die von den beiden gehütet wurden. Mit Hilfe der Magie Shul-sens und der Juwelen gelingt es Zhusai, das Heer der Gothir zu vernichten. Talisman wird Oberhäuptling aller Nadir und vernichtet das Gothir-Reich. Schließlich begegnet er bei der Belagerung von Dros Delnoch seinem Freund Druss wieder. Der Kreis der Erzählung ist geschlossen.

_Fazit_

„Die Augen von Alchazzar“ ist sicherlich eines der besten Bücher von David Gemmell überhaupt. Die Motivationen der Hauptfiguren – real wie auch vergangen – sind ebenso deutlich und plausibel herausgearbeitet wie ihre jeweilige persönliche Geschichte.

Die Atmosphäre der Schauplätze ist realistisch und lebendig eingefangen. Tragik, Komik und Romantik liege nahe beieinander und bieten so eine lebendige, ausgewogene Mischung an Emotionen, die für ein erinnerungswürdiges Leseerlebnis notwendig sind.

Der Poet Sieben sorgt mit seiner Affektiertheit und seinen Amouren für ironische Reflexionen auf das martialische Geschehen um den Schrein der Nadir.

Druss erscheint neben ihm wie ein tumber Haudrauf, erweist sich aber als weit größerer Realist, wenn’s um den Erhalt des nackten Lebens geht. Das Paar Talisman & Zhusai ist ein Echo des Paares Oshikai und Shul-sen – umschattet von tragischer Romantik, eine Geschichte von Überheblichkeit, Strafe und Fluch bis hin zur Erlösung.

All diese Elemente ausgewogen miteinander spannend und unterhaltsam zu verknüpfen, ist eine bemerkenswerte Leistung. Gemmell hat nur wenige vergleichbar gute Bücher geschrieben, die meisten davon in der |Drenai|-Saga.

Roger Zelazny – Fluch der Unsterblichkeit. Zukunftsroman

Cort Myshtigo besucht mit einer außerirdischen Reisegesellschaft die nach einem Nuklearkrieg bedeutungslose Erde. Auf einer Rundreise geraten sie in einen Alptraum aus Ungeheuern und mutierten Geschöpfen, neben denen die wüstesten Gestalten der antiken Mythologie harmlos wirken. (Verlagsinfo)

„Fluch der Unsterblichkeit“ ist ein echter Klassiker des Science-Fiction-Genres. Das 1966 veröffentlichte Buch „This Immortal“ wurde ausgezeichnet mit dem HUGO Award, der begehrten Trophäe, die von den amerikanischen SF-Lesern verliehen wird.

Der Autor

Während Roger Zelazny, geboren 1937 in Ohio, eher für seine ausgezeichneten Science Fiction-Romane und Novellen („He Who Shapes“, 1965, oder „A Rose for Ecclesiastes“, 1966, ebenfalls HUGO) bekannt ist, wird seine Fantasy weniger geschätzt. Eine Ausnahme bilden die zehn Romane aus dem Amber-Zyklus. Es gab sogar Fortsetzungen von der Hand anderer Autoren.

Sein Roman „Fluch der Unsterblichkeit“ („This Immortal“ ) ist ein echter Klassiker des Science-Fiction-Genres. Das 1966 veröffentlichte Buch wurde ausgezeichnet mit dem HUGO Award, und ebenso erfolgreich war er ein Jahr später mit „Herr des Lichts“. Zu Ende seiner Laufbahn veröffentlichte er zahlreiche, wenig erfolgreiche Kollaborationen mit anderen Autoren, so etwa mit Philip K. Dick und Fred Saberhagen.

Außer Science Fiction und Fantasy schrieb er auch noch Gedichte. Seine große Leidenschaft waren Kampfsportarten. Er gab Unterricht in Aikido. Außerdem sammelte er orientalische Teppiche. Von 1975 bis zu seinem Tod lebte er mit seiner Lebensgefährtin, der Fantasyautorin Jane Lindskold in Santa Fé, New Mexico. Er schrieb auch unter dem Pseudonym Harrison Denmark. Roger Zelazny starb am 14. Juni 1995 an Nierenversagen infolge einer Krebserkrankung.

Wichtige Werke

1) Herr des Lichts (HUGO Award; erscheint demnächst bei PIPER!)
2) Fluch der Unsterblichkeit (HUGO Award)
3) AMBER-Zyklen 1 + 2
Und viele weitere.

Handlung

Nach dem atomaren Holocaust ist die menschliche Zivilisation nur noch ein Schatten ihrer selbst. Immerhin haben die Menschen Kolonien auf dem Mond, den Planeten und den Saturnringen einrichten können.

Die Aliens von der Wega haben auch ein paar Menschen aufnehmen können, doch scheinen sie ihnen nur als Arbeitstiere recht zu sein.
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Roger Zelazny – Corwin von Amber (Die Chroniken von Amber 1)

Die Chroniken von Amber:

Vol. 1: Nine Princes in Amber, 1970, dt. Corwin von Amber, Heyne, 1977, ISBN 3-453-30432-2.
Vol. 2: The Guns of Avalon, 1972, dt. Die Gewehre von Avalon, Heyne, 1977, ISBN 3-453-30445-4.
Vol. 3: Sign of the Unicorn, 1975, dt. Im Zeichen des Einhorns, Heyne, 1977, ISBN 3-453-30466-7.
Vol. 4: The Hand of Oberon, 1976, dt. Die Hand Oberons, Heyne, 1978, ISBN 3-453-30500-0.
Vol. 5: The Courts of Chaos, 1978, dt. Die Burgen des Chaos, Heyne, 1981, ISBN 3-453-30743-7.

Vol. 1–5: The First Chronicles of Amber, 1999, dt. Die Prinzen von Amber, Heyne, 1986, ISBN 3-453-31271-6.

Spannender Startband einer legendären Fantasyreihe

Ein Mann erwacht ohne Erinnerung in einer Privatklinik auf dem Lande. Er merkt schnell, dass man ihn hier bloß ruhigstellen will und kämpft sich seinen Weg nach draußen. Einziger Anhaltspunkt: sein „Schwester“. Hat er eine? Doch sie ist der Schlüssel zu seiner wahren Existenz: Er ist Corwin, einer der neun Prinzen von Amber, der wahren Welt. Und er muss gegen die anderen acht Brüder und vier Schwestern antreten, will er den Thron von Amber erringen …

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Gregory Benford – Zeitschaft. SF-Roman

Nebula Award 1981, das sagt (dem eingeweihten SF-Fan) alles! Dies ist ohne Zweifel einer der besten SF-Romane der letzten Jahrzehnte. Meisterhaft verknüpft Benford, selbst ein gestandener Physiker, wissenschaftliche Theorie mit einer packenden dramatischen Handlung. Kernthema ist die Nachrichtenübermittlung aus der Zukunft.

Kaum ein anderer Roman – SF oder Non-SF – hat ähnlich authentisch und überzeugend die Welt der Wissenschaftler dargestellt. Moderne physikalische Theorien werden allgemein verständlich dargelegt und treiben mit ihren Auswirkungen die spannende Handlung voran.

Der Autor
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William Gibson – Neuromancer. Zukunftsroman

William Gibson ist einer der bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der letzten zwanzig Jahre. Er hat, wie kein anderer SF-Autor, in kürzester Zeit Kultstatus erlangt. Sein Erstlingswerk „Neuromancer“ wurde mit dem |Nebula Award|, dem |Hugo Award|, dem |Locus Award| und dem |Philip K. Dick Memorial|-Preis ausgezeichnet.

William Gibson entführt seine Leser in eine Welt immanenter, teils futuristischer Technik, die sich aber von ihrem sozialen und politischen Gefüge her kaum von unserer wirklichen Welt unterscheidet – multinationale Megakonzerne beherrschen die Wirtschaft und die Politik; die Ballungsräume haben sich zu immer größeren, geschwürartigen Gebilden entwickelt, bis sie irgendwann zusammengewachsen sind; ein sehr großer Teil der Bevölkerung lebt in den Randgebieten des Sprawl – in den Slums – und kämpft ums Überleben. Einige von ihnen haben sich die Technik zu Nutze gemacht und verdienen ihr Geld mit Datendiebstahl und Industriespionage.

|“Cyberpunks nennen sich die Computerfreaks mit implantierter Elektronik im Schädel, allesamt verrückt und süchtig nach irren Abenteuern jenseits der Realität. Die Direktschaltung von Gehirn und Computer verheißt Allgegenwart und nie dagewesene Sensationen. Eine neue Welt tut sich auf, intensiv wie ein elektrischer Schock.“| (Bruce Sterling)

Case war ein solcher Cyberpunk. Mit 22 Jahren war er einer der besten Deckjockeys im Sprawl – ein |Cowboy|, wie er es nannte. Er war ein Dieb, der für die großen, reicheren Diebe arbeitete. Seine Auftraggeber beschafften ihm die Software, die er benötigte, um in die riesigen Industrie-Komplexe mit ihren geheimen Forschungslaboratorien einzubrechen und dort all jene Daten zu stehlen, an denen sie interessiert waren.
Dann machte er den klassischen Fehler. Case behielt etwas von dem zurück, was ihm nicht gehörte. Er wollte das große Geld machen – und zwar schnell. Sie kamen ihm auf die Schliche, fanden ihn und bestraften ihn auf eine Art, die für Case schlimmer war als der Tod. |“Sie schädigten sein Nervensystem mit einem russischen Mykotoxin aus Kriegszeiten. In einem Hotel von Memphis ans Bett gefesselt, halluzinierte er dreißig Stunden lang. Mikron für Mikron brannte sein Talent aus. Der Schaden war gering, unauffällig, aber äußerst wirksam.“ (S. 14/15)| Seit dieser Nacht war der Cyberspace nur noch eine Erinnerung, ein Traum. Die Ärzte in den schwarzen Kliniken hatten seine Verstümmelung bestaunt, doch sie konnten ihn nicht heilen.

Darauf folgte der soziale und gesellschaftliche Abstieg. Er begann Drogen zu nehmen, Speed und Alkohol, und steigerte sich in eine akute Suizidgefahr hinein. Case stand mit einem Mal am Rande der Gesellschaft und agierte hart an der Grenze zur Unterwelt. Er war nur ein kleiner Gauner unter vielen.
|Heute| ist Case 24 Jahre alt. Er ist ein Punk, der orientierungslos einen Leitfaden durch sein Leben sucht. Case versucht den Eindruck zu erwecken, er habe mit seinem |früheren| Leben abgeschlossen, doch Drogen und mehr oder weniger unmotivierter Sex vermögen ihm nicht zu geben, was er außerhalb des Cyberspace entbehren muss.. |“(…) Der Körper war nur Fleisch. Case wurde ein Gefangener des Fleisches.“ (S. 15)|

Er ist einer der unzähligen Straßendealer in Ninsei, den Slums von Chiba City. Er schläft in den billigsten Absteigen und schlägt sich mit illegalen Geschäften für das organisierte Verbrechen und manchmal auch mit Mord durchs Leben. Die neuen Yen, die ihm seine Deals einbringen, investiert er direkt in den nächsten Auftrag und in Drogen.

Eines Abends tritt Molly in sein Leben. Molly ist eine kybernetisch aufgewertete Straßenkämpferin mit implantierten Linsen und Nagelmessern. Ihr Job ist es, Case zu ihrem Auftraggeber Armitage zu bringen – nur um zu reden, wie sie ihm versichert. Armitage unterbreitet ihm einen interessanten Deal. Er will Case’s Nervenschäden in einer illegalen Klinik heilen lassen, wenn dieser dafür einen Auftrag im Cyberspace übernimmt. Anfänglich zögert Case, da er zu oft enttäuscht wurde. Sein altes Leben wieder zum Greifen nah, willigt er dann aber doch ein, da er der Verlockung, endlich wieder den Cyberspace betreten zu können, nicht widerstehen kann …

Der Autor

William Gibson wurde am 17. März 1948 in Convay, South Carolina (USA), geboren. Nachdem 1966 seine Mutter starb, verließ er im Alter von 19 Jahren die USA und zog, um sich der Einberufung in den Vietnamkrieg zu entziehen, nach Toronto (Kanada). Seit 1971 wohnt er in Vancouver, British Columbia (Kanada).

Auf der |University of British Columbia| begann William Gibson zu schreiben. 1977 verkaufte er, zu Beginn der Punkbewegung, seine Kurzgeschichte „Fragments of a Hologram Rose“ (später im Heyne-Verlag veröffentlicht in der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“) an die wenig verbreitete Zeitschrift UnEarth.

Er begründete den Begriff |Cyberspace| und beschrieb die |Virtuelle Realität| (VR) und das |Internet|, bevor die meisten Menschen deren Existenz auch nur erahnten.

Der Cyberspace ähnelt im Großen und Ganzen unserem heutigen Internet. Während man, um das Internet zu benutzen, vor einem Bildschirm sitzt und seine Daten via Tastatur und Maus eingibt, |’steckt’| der User in Gibsons Vorstellung jedoch nur noch |’ein’|, worauf sein Geist in den Cyberspace eintaucht und dort agiert. Die Visualisierung basiert auf der Technologie der virtuellen Realität, die auf eine abstrakte Art und Weise an die reale Welt angelehnt ist.
Der Cyberspace wird z.B. genutzt, um Geschäftsprozesse von jedem Ort auf der Welt für die berechtigten Benutzer zugänglich zu machen. Aus den Mauern der realen Industriekomplexe und Banken werden im Cyberspace unsichtbare Mauern aus EIS (Elektronisches Invasionsabwehr-System). Auch hier gibt es, wie in der Realität, technische Möglichkeiten, diese Abwehrmechanismen zu umgehen. Genau wie in der realen Welt, treiben auch im Cyberspace Gauner, Diebe und Industriespione ihr Unwesen. Ihre Werkzeuge sind nur nicht mehr Dietrich und Schneidbrenner, sondern eigens zum Durchbrechen der Mauern aus EIS geschriebene Computerviren.

In Gibsons Vorstellung kann ein Deckjockey im Cyberspace auch sterben. Die Idee, welche dahintersteht, ist, dass, wenn der Geist im Cyberspace angegriffen und |getötet| wird, eine Rückkopplung erfolgt, die das Gehirn im wahrsten Sinne des Wortes grillt. Es besteht also ein gravierender Unterschied zwischen unseren heutigen Computerspielen, z.B. in Virtual-Reality-Cafés, und Gibsons Cyberspace. Wenn ein Deckjockey im Cyberspace einen schwerwiegenden Fehler begeht, dann wird kein virtuelles Leben abgezogen und es gibt auch keinen Schriftzug |Game Over|, der in roter Schrift im Blickfeld aufblinkt, der Deckjockey stirbt einfach – sowohl in der virtuellen als auch in der realen Welt.

Als Hommage an Gibsons „Neuromancer“ entstand das Pen&Paper-Rollenspiel „Cyberpunk“, welches in der düsteren Welt von „Neuromancer“ spielt.

William Gibson gilt auch als Begründer einer neuen literarischen Strömung in der Science-Fiction, dem |Cyberpunk| oder – in Anlehnung an „Neuromancer“ – der |Neuromantik|.

Der Titel „Neuromancer“ ist ein Wortspiel zu |Necromancer| (dt.: Nekromant), was soviel wie Geisterbeschwörer bedeutet, und |neuro|, also Nervensystem. Case, der Protagonist der Geschichte, ist ein zeitgenössischer, in naher Zukunft angesiedelter Zauberer. Seine Hexerei besteht darin, das menschliche Nervensystem mit dem elektronischen neuronalen Netzwerk der Computerwelt zu |interfacen| und diese zu manipulieren bzw. von ihr manipuliert zu werden. Dieser Gedanke folgt analog dem wechselwirkenden Eintritt eines Schamanen in traditionelle mystische Bereiche (die Geisterwelt) mittels Drogen und/oder Trance.

Das Genre ist geprägt vom Lebensgefühl der Punkkultur, die sich in einer modernen, von Elektronik geprägten Welt wiederfindet. Im Mittelpunkt steht ein Computernetzwerk ähnlich unserem Internet, der Cyberspace oder auch die Matrix, welches dem Menschen mittels Interfaces ein völlig neues Terrain eröffnet.

William Gibson verbindet in seinen Romanen zwei Strömungen der Science-Fiction, die |Hard SF| und die |New Wave| der siebziger Jahre. Seine wissenschaftlich-technische Extrapolation entstammt der Hard SF, während seine stilistische Ausführung New Wave pur ist, das heißt, er schreibt gesellschaftskritisch mit einem romantischen Impuls und er bedient sich des in der New Wave verwendeten Archetypus der Protagonisten.

Die Hard SF zeichnet sich durch einen logischen Positivismus, traditionelle moralische Werte und ein wissenschaftliches Weltbild aus. Streng wissenschaftlich orientiert, werden in simpler, transparenter Erzählkunst die Geschichten gestählter Könnertypen und gefühlloser Technikmenschen dem Leser nahe gebracht. Die Archetypen dieser Stilrichtung sind beispielsweise Computerhacker oder Weltraumkommandanten, die meist aus mittelständischen oder aristokratischen Gesellschaftsschichten stammen.

Aus der Sicht der Hard-SF-Autoren vertreten die Autoren des New Wave eine nihilistische, gegen Wirtschaft und Technik gerichtete Einstellung.

Die New Wave hingegen begründet sich auf ein |gesundes| Volksempfinden, welches sich in der Rebellion gegen Establishment und Krieg manifestiert. Sie steht für sexuelle Befreiung und einen kulturellen Pluralismus, aus dem sich ein charakterologischer Realismus ergibt, der sich auch in den Archetypen, wie z. B. Hippies oder Punks widerspiegelt. Stilistische Experimente, wie z. B. Slang oder mehrere Erzählstränge und ein starker romantischer Impuls, der sich in der Einbeziehung und Beschreibung des Banden- und Straßenmilieus offen zeigt, runden das Bild der New Wave ab.
Die New-Wave-Autoren werfen den Autoren der Hard SF vor, sie seien naiv, da sie zu glauben scheinen, ein Aufschwung in Wirtschaft und Technik müsse eo ipso zur Verbesserung der menschlichen Bedingungen beitragen.

Die Merkmale dieser beiden Strömungen galten lange Zeit als unvereinbar. Doch Gibsons Werke scheinen genau den Nerv der Zeit zu treffen. Er vereinigt in seinen Romanen eine komplexe Synthese der Popkultur mit High-Tech und einem fortgeschrittenen Schreibstil. Seine Werke beheimaten dichte und bizarre Storys, eine kantige und düstere Leidenschaft und intensive Detailfreude. Hervorzuheben sind dabei neben der Neuromancer-Trilogie, welche durch „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ komplettiert wird, die |Sprawl-Serie|, zu der die Kurzgeschichten „Johnny Mnemonic“, „New Rose Hotel“ und das fabelhafte „Burning Chrome“ gehören. Die Charaktere sind ein Sammelsurium aus Verlierern, Gangstern, Abtrünnigen, Ausgestoßenen und Irren, mit denen man sich durchaus zu identifizieren vermag. Gibson schreibt von |normalen| Menschen, die sich in unserer technisierten Welt zurecht finden müssen und nicht von den unfehlbaren |Super|-Helden aus gehobenen gesellschaftlichen Schichten, wie es die Hard SF bevorzugt.

Im Vorwort von „Cyberspace“ schreibt Bruce Sterling über Gibsons Erzählungen:

„(…) In seiner Welt ist die Wissenschaft kein Wunderbrunnen schrulliger Genies, sondern eine allgegenwärtige, alles durchdringende, greifbare Kraft.
Die Geschichten zeichnen ein Bild der modernen Misere, das ein jeder auf den ersten Blick erkennt. Gibsons Extrapolationen führen uns mit überspitzter Klarheit den verborgenen Teil eines Eisbergs sozialen Wandels vor. Dieser Eisberg treibt mit finsterer Majestät durchs späte zwanzigste Jahrhundert, aber seine Proportionen sind gewaltig und düster.“

Gibsons Schreibstil, die kantige und düstere Leidenschaft seiner Geschichten, spiegelt sich in der Passage auf der ersten Seite des Buches wider. Er nutzt nicht nur in der wörtlichen Rede, sondern auch bei seinem Erzählstil eine Syntax, die dem Straßenslang sehr nahe kommt. Hier zeigt sich der Impuls des New Wave, der in Gibsons Geschichten eine große Rolle spielt.

Case schloss die Augen.
Fand den geriffelten EIN-Schalter.
Und in der blutgeschwängerten Dunkelheit hinter den Augen wallten silberne Phosphene aus den Grenzen des Raumes auf, hypnagoge Bilder, die wie ein wahllos zusammengeschnittener Film ruckend vorüberzogen. Symbole, Ziffern, Gesichter, ein verschwommenes, fragmentarisches Mandala visueller Information.
Bitte, betete er, jetzt …
Eine graue Scheibe, Himmelsfarbe von Chiba.
Jetzt …
Die Scheibe begann zu rotieren, immer schneller, wurde zur hellgrauen Sphäre. Weitete sich.
Und floß, entfaltete sich für ihn. Wie ein Origami-Trick in flüssigem Neon entfaltete sich seine distanzlose Heimat, sein Land, ein transparentes Schachbrett in 3-D, unendlich ausgedehnt. Das innere Auge öffnete sich zur abgestuften, knallroten Pyramide der Eastern Seabord Fission Authority, die leuchtend hinter den grünen Würfeln der Mitsubishi Bank of America aufragte. Hoch oben und sehr weit entfernt sah er die Spiralarme militärischer Systeme, für immer unerreichbar für ihn.
Und irgendwo er, lachend, in einer weiß getünchten Dachkammer, die fernen Finger zärtlich auf dem Deck, das Gesicht mit Freudentränen überströmt.
in Liebe für Deb,
die es möglich gemacht hat

Mir liegen noch ein paar Worte zur deutschen Übersetzung auf der Seele.

Zum Einen wirkt es ein wenig befremdlich, wenn man anstelle des weit verbreiteten Begriffes |Cyberspace| immer wieder |Kyberspace| lesen muss. Noch schlimmer kann man ein englisches Wort wohl kaum verunstalten – das erste Teilwort auf Deutsch und das zweite weiterhin auf Englisch. Nun gut, diese Übersetzung ist in der Mitte der achtziger Jahre entstanden und so mag man es dem guten Reinhard Heinz nachsehen, aber ehrlich gesagt, habe ich mich da im gesamten Buch nicht dran gewöhnen können.

Dieser Hirnverdreher ist zwar in der neuen Auflage behoben, dafür ist aber der gesamte Sprachstil |geglättet| worden. Meiner Meinung nach verliert der Roman dadurch viel an Atmosphäre. Da „Count Zero“ (Biochips) und „Mona Lisa Overdrive“ nicht mehr einzeln erhältlich sind, wird sich der geneigte Leser ein Bild davon machen können, wenn er die neue Fassung mit der alten vergleicht. Ich empfehle wirklich, den ersten Roman in der älteren Übersetzung zu lesen.
Leider tritt das gleiche Phänomen auch bei der Kurzgeschichtensammlung „Cyberspace“ auf und auch hier verlieren die Geschichten an Atmosphäre.

Alles in allem ist dieses Buch in jedem Falle ein Leckerbissen für alle „Cyberpunk“- und „Shadowrun“-Rollenspieler, aber auch alle Nicht-Rollenspieler, die sich an diesem Genre erfreuen, werden ihre helle Freude daran haben.

Siehe ergänzend dazu Michael Matzers Rezension zum Hörspiel.

Stephen Baxter – Evolution

Über mehr als eine halbe Milliarde Jahre spannt sich der Bogen dieses Romans, der den langen Weg der Menschwerdung beschreibt, um schließlich mit dem Ende der Menschheit und sogar allen Lebens zu schließen; in seinen ersten beiden Dritteln ein Quasi-Sachbuch mit erzählerischen Elementen, das mit dem Sprung in die nahe und besonders in die ferne Zukunft den Charakter einer Vision gewinnt. Ob 1000 Seiten erforderlich sind, eine im Grunde aus Episoden montierte Geschichte zu erzählen, ist ein diskussionswürdiger Punkt. Zwar nicht „das große Meisterwerk der Science Fiction“ (Klappentext), aber definitiv ein lesenswertes Buch! Stephen Baxter – Evolution weiterlesen

Bear, Greg – Beyond Heaven\’s River

_Pefidisianer am Werk: Gestrandet in der Zukunft_

Das 24. Jahrhundert. Im System der Perfidisianer stoßen zwei „Horcher“ auf ein seltsames Funksignal: einen Notruf. Als sie auf der Welt landen, die vollständig von Beton bedeckt ist, stoßen sie auf eine Überlebenskuppel und darin auf einen Mann in einer mittelalterlichen japanischen Rüstung: Yoshio Kawashita stammt aber aus dem Jahr 1942. Zu welchem hinterlistigen Zweck haben die Perfidisianer, die ja für ihre Finten und Listen bekannt sind, den Japaner aus dem Zweiten Weltkrieg hierhergebracht?

_Der Autor_

Greg Bear gehört in die gleiche Liga von Hard-Science-Fiction-Autoren wie David Brin, Gregory Benford und Larry Niven, allerdings mit einem Unterschied: Er hat keinen Abschluss als Physiker gemacht, sondern sich einfach hochgearbeitet, jedoch mit steigendem Erfolg. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit dem Roman „Blutmusik“ und „Äon“.

Greg Bear wurde 1951 in San Diego, einer wichtigen US-Marinebasis, geboren und studierte dort englische Literatur. Unter den Top-Hard-SF-Autoren ist er der einzige, der keine naturwissenschaftliche Ausbildung hat. Seit 1975 als freier Schriftsteller tätig, gilt er heute dennoch als einer der ideenreichsten wissenschaftlich orientierten Autoren.

Sein [„Das Darwin-Virus“, 1141 der hierzulande zuerst in einem Wissenschaftsverlag erschien, wurde zu einem preisgekrönten Bestseller. Erst damit konnte sich Bear aus dem Science-Fiction-Ghetto herausschreiben, so dass man ihn heute ohne weiteres mit Michael Crichton vergleicht. Nur dass Bear da anfängt, wo Crichton aufhört. Im Jahr 2004 erschienen bei uns „Die Darwin-Kinder“, die Fortsetzung von „Darwin-Virus“, sowie die Romane „Jäger“ und „Stimmen“. 2006 erschienen die Taschenbuchausgabe von „Die Darwin-Kinder“ sowie der Roman „Quantico“.

Bear hat eine ganze Reihe von Science-Fiction- und Fantasyzyklen verfasst. Die wichtigsten davon sind (HSF = Heyne Science Fiction):

– Die Thistledown-Trilogie: Äon (HSF 06/4433), Ewigkeit (HSF 06/4916); Legacy (bislang unübersetzt).
– Der Amboss-Zyklus: Die Schmiede Gottes (HSF 06/4617); Der Amboss der Sterne (HSF 06/5510).
– Der Sidhe-Zyklus: Das Lied der Macht (06/4382); Der Schlangenmagier (06/4569).

Weitere wichtige Werke: „Blutmusik“ (06/4480), „Königin der Engel“ (06/4954), „Slant“ (06/6357) und „Heimat Mars“ (06/5922). Er hat zudem Beiträge für die Buchreihen des Foundation-, Star-Trek- und Star-Wars-Universums geschrieben.

_Handlung_

Alae und Oomalo Waunter sind zwei bezahlte Horcher, irgendwo in den Tiefen des Weltraums. Als sie eines Tages aus dem System der Perfidisianer ein seltsames Funksignal, einen Notruf, erhalten, beschließen sie, alles auf eine Karte zu setzen. Sie wollen die bis daton unbekannte Welt entdecken und ihr Entdeckerrecht ausüben, sie komplett in Besitz zu nehmen. Es könnte sie sehr reich machen – oder sehr arm.

Als sie auf der namenlosen Welt landen, die vollständig von Beton bedeckt ist, stoßen sie auf eine Überlebenskuppel, und darin auf einen Mann in einer mittelalterlichen japanischen Rüstung: Yoshio Kawashita stammt aber aus dem Jahr 1942. Zu welchem hinterlistigen Zweck haben die Perfidisianer, die ja für ihre Finten und Listen bekannt sind, den Japaner aus dem Zweiten Weltkrieg hierhergebracht?

Als eine Raumpatrouille der United Stars eintrifft, lassen die beiden Entdecker ihren Fund zu Porotokoll geben und melden ihren Anspruch an. Loytnant Elvox ist nicht erstaunt, als wenig später ein riesiges Raumschiff in der Kreisbahn erscheint: Es ist die „Peloros“, die dem superreichen Konzern von Anna Sigrid Nestor gehört. In der Landefähre residiert die hohe Herrin sogar selbst und empfängt Elvox, der von ihr sehr angetan ist. Zusammen rufen sie die Schiedsrichter von der Welt Centrum herbei. Das dauert einige Wochen, während derer Anna diesen seltsamen solitären Bewohner namens Yoshio Kawashita näher kennen lernt.

Elvox ist etwas enttäuscht, als er das bequeme Bett der Herrin wieder verlassen muss, denn sie hat größeres Interesse an ihrem Findling, diesem Japaner, dem „goldenen Affen“. Allerdings macht Elvox sich Gedanken, was dieser Japaner einer Weltensammlerin wie Nestor bieten kann. Er muss etwas wissen, was er den Waunters, die nun zehn Prozent der Welt besitzen, verschwiegen hat. Nun weiß Elvox, wie er sich an Nestor für den Rauswurf rächen kann …

Anna findet zunehmend Gefallen an Kawashita und er an ihr. Und so erzählen sie einander ihre jeweilige Geschichte.

Yoshio Kawashita wurde 1918 geboren, wurde Pilot in der kaiserlichen Luftwaffe, nahm aber nicht an den Luftangriffen auf Pearl Harbor teil. Nur ein Jahr später kam es jedoch zur Seeschlacht um Midway, an der er auf dem Flugzeugträger „Hiryu“ teilnahm. Er bombardierte die amerikanische Insel Midway, musste dann aber erleben, wie amerikanische Bomber die japanische Flotte dezimierten und schließlich auch die „Hiryu“ versenkten. Er überlebte, indem er von dem Sog wegschwamm, in den ihn das Wrack des Schiffes ziehen wollte – oder weil ihn plötzlich eine fremde Kraft erfasste: das Schiff der Perfidisianer nahm ihn an Bord.

Dort und auf der Betonwelt führte er vierhundert Jahre lang ein seltsames neues Leben: im 13. Jahrhundert. Und er war nicht Pilot, sondern ein Kriegsherr. Der Haken dabei: Alle um ihn herum waren lediglich Geister …

_Mein Eindruck_

Dieser Roman erschien 1980, nur fünf Jahre, nachdem der Autor seine Schriftstellerkarriere mit etlichen Erzählungen ernsthaft angepackt hatte. Den Schauplatz teilt der Roman mit den Werken „Hegir“ (1979, dt. bei |Moewig|), „Psychlone“ (1979) und „Strength of Stones“ (1981, dt. als „Die Macht der Steine“) sowie mit den Erzählungen in den Sammlungen „The wind from a burning woman“ (1983) und [„Tangents“ 1785 (1989) dt. bei |Heyne|). Alle diese Werke erschienen vor Bear internationalem Durchbruch, den er 1983 mit der innovativen Novelle „Blutmusik“ erzielte und die er 1985 als Roman veröffentlichte.

Diese frühe Phase von Bears Werk zeigt daher nur in der Zusammenschau einen gewissen Zusammenhang. So taucht etwa in „Beyond heaven’s river“, das bis dato noch unübersetzt ist, ein Planet namens God Does Battle auf. Diese Welt ist der Schauplatz der Handlung in „Die Macht der Steine“ (1981). Die Schauplätze in dieser Frühphase sind der expandierende Siedlungsraum der Menschen im 24. Jahrhundert, was unweigerlich zur Begegnung mit fremden, manchmal absolut unverständlichen Aliens führt: Relikten der Aighors und Perfidisianer sowie mit Crocerianern.

|Die Kardinalfrage|

So weit, so schön. Doch die Frage, die Bear stellt, ist: Wie kommt die Menschheit mit diesem fremden Universum zurecht, wenn der Mensch doch sein uraltes, angeborenes Erbe – der alte Affe – nicht verleugnen kann und immer mit sich bringt, wohin auch immer er geht?

Yoshio Kawashita ist zwar kein Affe, aber er wird des Öfteren abfällig so bezeichnet: als der Königin Anna Sigrid Nestors „goldener Affe“. Den Skandal, als sie ihn dann auch noch heiratet, kann man sich vorstellen. Aber Kawashita ist einzigartig. Nicht nur kommt er aus dem 20. Jahrhundert – er wurde 1942 nach der Seeschlacht um Midway von den Perfidisianern entführt -, sondern er war obendrein auch ein Kriegslord im 13. Jahrhundert. Er führte also weit mehr als nur ein Leben, das uns vergönnt ist. Hat er sich also irgendwie weiterentwickelt als der Rest der Menschen im 24. Jahrhundert? Ist er besser an ein fremdartiges Universum angepasst?

|Zu den Wurzeln|

Die Antwort lautet ironischerweise ja und nein. Er mag zwar in der Zukunft gestrandet sein, doch die Lerntechnik ist ausgefeilter, und es gelingt ihm, sich rasch mit den neuen Gegebenheiten vertraut zu machen. Doch was ihm seelisch fehlt, sind seine Wurzeln. Was ist mit seinen Eltern, Verwandten, seinem Kaiser? Nichts davon ist mehr übrig. Der Besuch bei einem Sensei, einem Lehrmeister, auf der Reservatsinsel Kyushu bringt zumindest die Klarheit, dass er sich nicht vor Schande umbringen muss, obwohl dies früher seine Ehre verlangt hätte.

Also muss er zur zweiten Wurzel zurück, die er noch hat: dem Planeten, der sich fast gänzlich in seinem Besitz befindet. Warum wurde er hierher gebracht und musste in einem virtuellen 13. Jahrhundert leben? Was hatten seine Entführer lernen wollen, und warum gerade von ihm? Die Antworten erhält Yoshio allerdings nur, indem er durch Meditation sehr weit zurückgeht in verborgene Schichten seiner Erinnerung. Auf diesem Weg gelangt er zu zwei Erkenntnissen, die den Durchbruch bringen: 1) Er muss eine Art Roboter sein. 2) Er wird noch immer gesteuert! Aber wozu?

|Schwächen|

Obwohl der Plot hinsichtlich der Ideen relativ reizvoll und vielversprechend ist, entspricht die erzählerische Ausführung lediglich dem anspruchslosen Niveau eines |Ace|-Taschenbuchs. So begannen viele SF-AutorInnen, die später zu Weltruhm gelangten, darunter auch so bekannte wie Ursula K. Le Guin und John Brunner. Verglichen mit seinen späteren Schmökern, die umfangreiche Weltentwürfe wie in „Äon“ (1985) enthalten, ist „Beyond heaven’s river“ ein schmaler Band, der nur ein Drittel jener Umfänge einnimmt und sich liest wie eine kondensierte Novelle.

Damals beherrschte der Autor offenbar noch nicht die Kunst, verschiedene Stimmungen zu evozieren, indem er eine Umgebung die seelische Verfassung ihrer Bewohner widerspiegeln lässt. Einzige Ausnahme: das einführende Kapitel an Bord des Aighorschiffes, in dem die Waunters leben. Es mangelt stark an Beschreibungen von Äußerlichkeiten. Dafür dominieren Dialoge den Großteil des Textes. Sie sorgen allein für die vier Perspektiven, aus denen wir das Geschehen verfolgen können.

Natürlich sind die wichtigsten Figuren, durch deren Augen wir sehen, die beiden Eheleute Anna Nestor und Yoshio Kawashita. Sie charakterisieren sich selbst am besten, u. a. durch Tagebucheinträge. Dann kommen schon die Nebenfiguren: die beiden Waunters und schließlich der USC-Loytnant Elvox. Alle anderen Figuren wie etwa Annas Vater sind ohne Belang.

Das Fehlen von Erklärungen durch den Autor und die Dominanz der Dialoge bedeuten für den Leser, dass er die sprachlichen Nuancen, die sich in diesen Dialogen ausdrücken, mit besonderer Sorgfalt studieren muss. Dies wiederum setzt ein gutes Verständnis der englischen Sprache voraus. Der Stil ist alles andere als kompliziert – es herrscht die ziemlich langweilige Parataxe vor -, aber dafür verfügt der Autor über einen reichen Schatz an Synonymen, deren leichte Bedeutungsvarianten dem Leser geläufig sein sollten.

_Unterm Strich_

Der Roman liest sich für den Englischkenner dementsprechend leicht und flott. Da es kaum Rückblicke gibt oder gar langwierige Meditationen, erscheint der Handlungsverlauf sehr geradlinig: Kawashitas Welt – Erde – Flitterwochen-Intermezzo – Finale auf Kawashitas Welt, fertig. Aber auf äußere Konflikte wartet der Leser vergeblich. Merke: Dies ist dennoch keine Sternenoper. Vielmehr ist alles eine Nummer kleiner, und der Konflikt ist ein innerer. Kawashita, die Hauptfigur, muss mit sich ins Reine kommen. Die Lösung findet er schließlich in sich – und kommt dadurch dem Rätsel seiner Existenz und dem Geheimnis seiner betonierten Welt auf die Spur. (Wobei sich der Laie sofort fragt: Wie kann es sein, dass eine Welt völlig zubetoniert ist, dies aber niemandem als seltsam auffällt?)

Kurzum: ein Appetithappen für zwischendurch, der nur durch den spannenden und halbwegs actionbetonten Schluss lesenwert ist. Hier gibt es Erkentnisdurchbrüche, die das Lesen belohnen. Und wer dadurch noch nicht auf Bear neugierig geworden ist, der sollte als nächstes weder „Hegira“ noch „Die Macht der Steine“ lesen (sie sind ebenso minderwertig), sondern unbedingt „Blutmusik“ – ein richtiger Augenöffner, würde Sam Gamdschie sagen.

|Beyond heaven’s river; 1980; erneut 2000 by Millenium/Victor Gollancz, London
256 Seiten
Titelbild von John Harris|

Robin Hobb – Die Gabe der Könige (Die Chronik der Weitseher 1)

Fitz ist ein Bastard, der Sohn eines Prinzen und eines Bauernmädchens. Doch schon in jungen Jahren nimmt ihn der König in seine Dienste. Noch ahnt Fitz nicht, was er für seine Treue aufgeben muss – seine Ehre, seine Liebe, sogar sein Leben!

Denn die Intrigen bei Hofe sind mannigfaltig, und Fitz kann seine Augen nicht vor dem drohenden Unheil verschließen, das dem Reich droht. Doch da befiehlt ihm der König, genau das zu tun. Fitz muss sich entscheiden: Wird er gehorchen oder seinem eigenen Gewissen folgen? (Verlagsinfo)
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Philip K. Dick – Die besten Stories von Philip K. Dick

Über diesem himmelblau gefärbten Titelbild steht in breiten Lettern PLAYBOY. Was soll uns das sagen? Handelt es sich um erotische Storys, in Hugh Hefners Auftrag geschrieben? Oder wurden hier nur PLAYBOY-Autoren beauftragt, Einschlägiges über Häschen und damit verbundene Freuden zu Papier zu bringen?

Leider wird auch der Häschen-Liebhaber enttäuscht, denn die Storys dieses Bandes stammen aus der Schreibfabrik eines einzigen, wenn auch bekannten Science-Fiction-Autors. Und der schrieb zwar ab und zu mal für Hefners Häschen-Blatt (denn es zahlte gut), aber leider in den seltensten Fällen über Einschlägiges. Vielmehr waren die zwei Fragen „Was ist menschlich?“ und „Was ist die Wirklichkeit?“ seine Hauptanliegen.

Das Vorwort schrieb 1976 John Brunner. Er war zu dieser Zeit selbst einer der renommiertesten britischen Science-Fiction-Autoren.

Der Autor

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Roger Zelazny – Die Gewehre von Avalon (Die Chroniken von Amber 2)

Zwischen Rittern und Amazonen: Corwins neue Abenteuer

Amber ist die unsterbliche Stadt, nach deren Vorbild alle Städte geformt wurden. Alle anderen Welten, auch die Erde, sind nur Schatten dieser einen Realität.

Corwin ist aus dem Verlies Ambers, in das ihn sein verhasster Bruder Eric gesteckt hatte, geflohen. Zurück in der Schattenwelt Erde baut er heimlich eine Armee auf. Da lernt er Dara kennen, die behauptet, die Enkelin von Corwins Bruder Benedict zu sein. Aber Dara verfolgt ihre eigenen Pläne und entwickelt sich zu einer noch größeren Gefahr als Eric. (Klett-Cotta-Verlagsinfo)
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Richard Connell – Das gefährlichste Spiel der Welt (Gruselkabinett Folge 181)

Menschenjagd auf der Teufelsinsel

In der Karibik 1924: Sie gilt als Schiffsfalle, und wer sich ihr nähert, ist dem Tode geweiht. So lauten die Gerüchte über die Insel, auf der Sanger Rainsford nach einem Sturz ins Meer Zuflucht sucht. Als er dort dem exzentrischen General Zaroff begegnet, der ein schauriges Hobby hat, stellt Rainsford mit Entsetzen fest, dass die Insel ihrem Ruf alle Ehre macht … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt sein Hörspiel ab 14 Jahren.

Hinweise

Die Kurzgeschichte wurde 1924 in der Kategorie „Best Short Short“ mit dem O.-Henry-Preis ausgezeichnet.

Die Bezeichnung Most Dangerous Game hat im Englischen eine doppelte Bedeutung, da game einerseits für Spiel, andererseits für jagdbares Wild steht. Zaroff bezeichnet gegenüber Rainsford die Menschenjagd einmal als Spiel, als Schach im Freien, und er sieht den Menschen als gefährlichstes Wild an, da dieser über ein Gehirn verfüge, das dem des Jägers ebenbürtig sei.

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Catherine Asaro – Der PSI-Faktor (Das Sternenreich von Skolia 01)

Dies ist der Startband einer neuen Science-Fiction-Reihe namens „Das Sternenreich von Skolia“ von jeweils eigenständigen Romanen. Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt.

Die Autorin

Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro, geboren Ende der 50er Jahre und verheiratet mit einem Astrophysiker, verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die manchmal für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt, manchmal aber auch nicht. Ihre erste Story erschien 1993, und sie hat ein eigenes Fanzine namens „Mindsparks“.

Hinweis: Dieser Bericht beruht auf der Lektüre des englischen Originals.

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