Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

Ernest Cline – Ready Player Two

Die Handlung:

Eine unerwartete Quest. Zwei Welten stehen auf dem Spiel. Are you ready?
Einige Tage nachdem er das Easter Egg von James Halliday gefunden und den Wettbewerb um die OASIS für sich entschieden hat, macht Wade Watts eine Entdeckung, die alles verändern könnte. Denn tief verborgen im Code der virtuellen Welt liegt ein weiteres Geheimnis – eine Technologie, die die OASIS noch wundervoller und suchterzeugender macht, als es sich Wade je hätte träumen lassen.
Um das Geheimnis zu lüften, muss er jedoch ein letztes Rätsel lösen, ein letztes Abenteuer bestehen. Und diesmal hat er einen Konkurrenten, der über Leichen geht. Wade merkt bald, dass nicht nur sein eigenes Leben auf dem Spiel steht, sondern das von Millionen anderer Menschen, und vielleicht sogar das Schicksal der gesamten Welt. (Verlagsinfo der dt. Übersetzung, die am 24.03.2021 erscheint)

Mein Eindruck:

9,5 Jahre ist es her, dass ich mich in READY PLAYER ONE verliebt habe. Nicht nur hatte die Prämisse exakt bei mir eingeschlagen, ich habe auch so viele von den ganzen Retro-Facts erkannt. Ich hatte halt das Glück (?), in den 1980ern meine eigene Teenagerzeit zu erleben. Also kannte ich eine Menge von den Filmen und Liedern und Bands und Künstlern und Videospielen, mit denen der Autor im Vorgängerroman nur so um sich geschmissen hat … und ich habe es gefeiert.

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Carroll, Jonathan – Schlaf in den Flammen

_Rumpelstilzchens Enkel_

Schon mal vor dem eigenen Grab gestanden? Schon mal wiederauferstanden? Hieß Ihr Vater vielleicht Rumpelstilzchen? Fahren Sie nach Wien und/oder lesen Sie diesen Roman – ein außergewöhnliches Erlebnis ist Ihnen in jedem Fall gewiss.

_Handlung_

Der Roman beginnt wie ein Traum, der zu schön ist, um wahr zu sein. Den amerikanischen Schauspieler und Drehbuchautoren Walker – Carroll kennt sich im Filmgeschäft aus – verbindet eine enge Freundschaft mit dem extravaganten, aber durchaus genial zu nennenden Regisseur Nicholas. Auf einer gemeinsamen Reise lernt Walker eine Freundin von Nicholas kennen, die in seinen Augen wunderschöne Maris.

Maris kann er Wien zeigen, eine uralte Stadt, die bei Carroll, der hier an der American International School lehrt, so viel Magie und Rätsel enthält wie etwa „Alice im Wunderland“. Mit Maris kann Walker frei von der Leber weg reden und seine ganz persönlichen Beobachtungen besprechen, die er im Lauf des Tages so sammelt. Mit ihr kann er aber auch über Probleme sprechen, und das trifft sich gut, denn in nächster Zeit beutelt ihn das Schicksal doch ein wenig: Nicht nur sein Leben, auch ihres scheint bedroht zu sein.

Schließlich ist es zunächst einmal kein so wahnsinnig angenehmes Erlebnis, sein eigenes Grab zu entdecken, samt lebensechtem Konterfei auf dem Grabstein. Merkwürdig nur, dass der Mann, der nur einen Meter unter Walker liegt, bereits seit 30 Jahren tot ist.

Ein irrsinnige Achterbahnfahrt beginnt, in deren Verlauf Walker erkennen muss, dass er schon viele Male gelebt hat und immer wieder von seinem eigenen Vater umgebracht worden ist – bis jetzt. Und der Vater heißt – ach, wie gut, dass niemand weiß! – Rumpelstilzchen. Carroll hat den Leser schnurstracks ins Grimm’sche Wonderland entführt. Walker fragt sich, warum ausgerechnet er jenes Kind war, das sein „Vater“ der Königin stahl. Er verfällt auf die Lösung, die er in Hollywood gelernt hat: Er versucht, das Grimm’sche Drehbuch zu ändern! Doch die Brüder Grimm haben noch andere Pfeile im Köcher …

_Fazit_

Es ist eine wahre Lust, sich in das Labyrinth zu stürzen, das der Vollbluterzähler Carroll in diesem Roman bereithält. Es gibt reichlich Verwicklungen, und unter anderem tauchen wieder Figuren aus dem Roman „Laute Träume“ (Bones of the Moon) auf. Diese Verwicklungen sorgen nicht nur für eine hakenschlagende Handlung, sondern auch für eine Empfindungsskala, die von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt reicht.

Wer nicht auf Mord und Totschlag schielt, sondern auch mal wieder ein niveauvoll erzähltes Werk genießen möchte, der wird mit „Schlaf in den Flammen“ bestens bedient. In den letzten Jahren hat sich Carroll mehr der Krimiseite der Literatur zugewandt. Ich kann aus dieser Zeit zum Beispiel sein Buch [„Pauline, umschwärmt“ 1306 sehr empfehlen.

Nachbemerkung: Ein Freund erzählte Carroll einmal, er habe in Russland an einem Grab gestanden, auf dessen Grabstein ein Foto eingelassen war, das Carroll zum Verwechseln ähnlich sah … Das könnte also auch Ihnen passieren.

|Originaltitel: Sleeping in flame, 1988
Aus dem Englischen übertragen von Peter Bartelheimer|

Arnold Federbush – Eis!

The Year After Tomorrow: eine neue Eiszeit

Zunächst sind es nur warnende Vorzeichen: Eine Dürrekatastrophe in der Sahelzone, in Indien bleibt der Monsun aus, Staubstürme im Mittelwesten der USA, überdurchschnittlich starke Schneefälle in Grönland.
Das sind lokale Wetterunstimmigkeiten, wie sie alle paar Jahre oder Jahrzehnte auftreten können. Doch sie häufen sich, die Dürreperioden erstrecken sich über Jahre, ganze Landstriche werden zur Wüste, das Vieh stirbt, Hunderttausende von Menschen verhungern. Doch die Meteorologen sind ratlos. Sie finden das grundlegende Muster nicht, das auf eine Klimaveränderung hindeuten würde.

Als man mit verbesserten Wettersatelliten die Erde kontrolliert, wird man gewahr, daß die Verschmutzung der hohen Atmosphäre durch Abgase und Industrieemissionen stärker ist als angenommen. Ein paar Staubstürme, ein paar großflächige Waldbrände und zwei oder drei Vulkanausbrüche, die weitere Millionen Tonnen Staub und Asche in hohe Luftschichten tragen, lassen die Erdatmosphäre »umkippen«. Ein Mechanismus wird in Gang gesetzt, der schon wiederholt zu katastrophalen Klimaveränderungen geführt hat.

Eine Simulation in einem Großcomputer macht die Tragweite des Umschwungs deutlich. Eine neue Eiszeit bricht an.
Sie kommt nicht als Wetterverschlechterung, die sich über Jahrzehnte hinzieht. Sie kommt wie ein verheerender Blizzard. Und sie trifft die menschliche Zivilisation völlig unvorbereitet… (Verlagsinfo)
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Quick, William T. – Planet der Affen

_Spannende Umsetzung des Drehbuchs_

Im Sommer 2001 kam Tim Burtons Verfilmung des „Planet der Affen“-Konzeptes auch in unsere Kinos. Das vorliegende Buch folgt dem originalen Drehbuch von Broyles, Konner und Rosenthal. Es hat wenig mit dem Roman von Pierre Boulle zu tun, und auch der Schluss ist ganz anders als in der ersten Verfilmung. Burton nennt seinen Film eine „Neuerfindung“, um so seine Änderungen zu rechtfertigen. Entscheide jeder für sich selbst, ob ihm das gelungen ist. Von der deutschen Filmbewertungsstelle jedenfalls hat „Planet der Affen“ nicht das begehrte prädikat „sehr wertvoll“ erhalten, sondern lediglich „wertvoll“. Das kommt einer Degradierung gleich.

_Handlung_

Im Jahr 2029 tut unser Mann im Weltraum, Astronaut Leo Davidson (im Film Mark Wahlberg), Dienst an Bord einer Forschungsstation. Hier werden Experimente durchgeführt, um Schimpansen intelligenter zu machen, so dass sie in der Lage sind, Rettungsmissionen selbständig auszuführen. Als ein kosmischer Energiesturm die Station in Bedrängnis bringt, darf der klügste Chimp namens Perikles die erste Erkundungskapsel steuern. Leider verschwindet er auf Nimmerwiedersehen. Das tut Astronaut Leo Davidson im Herzen weh.

Noch schlimmer wird’s für ihn jedoch, als der Sturm weiter wütet und der Käptn keinen Schimmer hat, was er tun soll. Also tut Davidson so, als führe er eine Routinekontrolle der zweiten Raumkapsel durch, macht sich aber klammheimlich aus dem Staub, um Perikles zu folgen. Mal sehen, was er davon hat. Wie es scheint, steckt im Sturm ein Wurmloch in eine andere Zeitraum-Dimension. Mit seiner Kapsel strandet Davidson auf einem fremden Planeten, über dem zwei Sonnen und zwei Monde leuchten.

Glücklicherweise ist die Luft atembar und alles fast wie daheim in Afrika, ja, die Leutchen hier sprechen sogar modernes Englisch: nicht nur die Menschen, die bald aus dem Wald hervorbrechen, sondern auch die Affen, von denen sie verfolgt werden! Unter ihnen befinden sich die Rebellen Karubi (im Film Kris Kristofferson) und seine schöne blonde Tochter Daena (im Film Estella Warren).

Davidson sieht sich bald in den Netzen der flinken Menschenaffen gefangen, die auf diesem Planeten die herrschende Spezies darstellen: Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans. Die Affentruppe wird angeführt von General Thade (im Film Tim Roth), dem sein treuer Leutnant Attar (Michael Clarke Duncan), ein Gorilla, zur Seite steht.

Einer der Orang-Utans ist der Sklavenhändler Limbo (im Film Paul Giamatti), der seinen neuen Sklaven sogleich das Brandzeichen aufdrücken lässt. Doch in der Stadt stellt sich Limbo die junge Menschenrechtsaktivistin Ari (im Film Helena Bonham Carter) in den Weg. Sie behauptet, dass auch Menschen eine Seele hätten. Ungeheuerlich! Limbo ist empört.

Weil Ari aber die Tochter des mächtigen Senators Sandar ist, kann er nichts unternehmen. Ari kauft ihm Daena und Davidson ab, die sie in ihren Haushalt aufnimmt. Dort lernt Davidson als Diener bei einem Festmahl den grausamen General Thade näher kennen – und umgekehrt.

Obwohl er Ari heiraten möchte, nimmt Thade politisch die entgegengesetzte Haltung zu Ari ein: „Extremismus, der der Verteidigung von Affen dient, ist nicht falsch.“ Von Ari daher abgewiesen, verlässt Thade das Festmahl. Gut so, denn nun kann Davidson Ari überzeugen, ihnen zur Flucht zu verhelfen, Karubi und andere Sklaven zu befreien und aus der Affenstadt zu fliehen. Bei der Verteidigung ihres Fluchtwegs opfert sich Karubi im Kampf, was Leutnant Attar doch ziemlich zu denken gibt. Sollten die stinkenden Menschen etwa doch Ehre im Leib haben?

Wenig später erfährt Thade von Davidsons abgestürzter Raumkapsel, doch tötet er die Zeugen. Dann liegt sein Vater im Sterben und offenbart ihm das letzte und größte Geheimnis seiner Familie: den Besitz eines verrosteten Revolvers, der aus grauer Vorzeit stammt. Man hatte die Waffe den Menschen abgenommen.

Keineswegs ironisch ist es, wenn Thades Vater im Film von Charlton Heston gespielt wird (er gab 1968 den George Tayler im Originalfilm), dem derzeitigen Präsidenten der amerikanischen Schützenvereinigung (NRA), einem erklärten Befürworter des Waffenbesitzes. Das Geheimnis bestärkt Thade in seinem Hass auf die Menschen, denn er hat nun Grund, ihren potenziellen Waffenbesitz zu fürchten, weil die Affen Feuerwaffen noch nicht erfunden haben.

Davidson organisiert den Widerstand der verborgen im Wald lebenden Rebellen. Auch er kommt einem Geheimnis auf die Spur: In den Ruinen von Colima soll Semos, der Gott und Gründervater der Affen, verborgen sein und dort wiederkehren. Wie Davidsons Peilgerät anzeigt, befindet sich hier unter der Erde ein abgestürztes Raumschiff der Menschen. Die Logbücher verraten ihm, dass es vor 3000 Jahren seinen Kapitän, dessen Besatzung und natürlich auch die Forschungsaffen hier abgesetzt hat. So entstand die gegenwärtige Affenkultur.

Das Raumschiff lässt sich nicht mehr bewegen, doch im Kernreaktor ist nach all dieser Zeit noch etwas Brennstoff übrig – Brennstoff, der sich während der nun folgenden Schlacht gegen die angreifende Affenarmee General Thades wirkungsvoll einsetzen lässt …

|Der abweichende Schluss (SPOILER!)|

Mehr soll hier nicht verraten werden. Der Schluss im Buch ist jedenfalls konsequent und zufriedenstellend, voller Hoffnung auf eine friedliche Koexistenz beider Rassen.

Doch der Film macht hier keineswegs halt. Es folgt ein derartig billige Begründung für eine Fortsetzung der Geschichte, dass sich zahlreiche Kritiker an den Kopf fassen und viele Filmbesucher die Story nicht kapieren: Der zur Erde zurückgekehrte Davidson landet in Washington, D.C., dort, wo normalerweise das Lincoln Monument steht. Doch Lincoln hat auf dieser Erde erstaunliche Ähnlichkeit mit General Thade …

_Fazit_

Diese Romanfassung der Story verfügt über keine nennenswerten literarischen Qualitäten. Jeder dreizehnjährige Leser vermag ihr zu folgen, so dass kaum Fragen offen bleiben. Die Handlung mag ja spannend erscheinen, doch die Psychologie ist ebenso holzschnitthaft, wie die Beschreibungen der Figuren es sind. Davidson etwa wird mit gerade mal einem halben Dutzend Wörtern gezeichnet. Die Frauen erscheinen ihm zwar irgendwie anziehend, doch Sex ist nicht dabei. Dies ist ein absolut jugendfreies Buch. Das Motto lautet also: durchlesen, Film angucken, vergessen.

Hervorzuheben ist lediglich, dass die sehr gut lesbare Übersetzung von Science-Fiction-Spezialist Horst Pukallus besorgt wurde. So hat der Verlag die schlimmste literarische Bruchlandung verhütet.

|Originaltitel: Planet of the Apes, 2001
Aus dem US-Englischen übertragen von Horst Pukallus|

Larry Niven / Jerry Pournelle / Michael Flynn – Gefallene Engel. SF-Roman

Pfiffig erzähltes SF-Garn

In einem der nächsten zwei Jahrhunderte suchen zwei große Unglücke die Erde – und vor allem die glorreichen USA – heim: die längst prophezeite Eiszeit und das Regime der Öko-Bürokraten, der Grünen. Die Autoren lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie Letztere für das größere Unglück halten. Eine Eiszeit ist etwas Natürliches, und so ein rechter (!) Amerikaner kann damit zurechtkommen, auch wenn es hart wird. Aber ideologisch verblendete Technikfeinde wie die Grünen verhindern, dass die technischen Mittel entwickelt werden, um mit den Unbilden der Natur fertig zu werden.

Die Engel

In dieser Zeit der vorrückenden Gletscher – sie haben bereits Minneapolis und Winnipeg umschlossen – fügt es sich, dass die Bewohner der im Orbit schwebenden Habitate einen Stickstoffsammler ausschicken und dieses Raumgefährt von den Luftabwehrrakten der Grünen abgeschossen wird. Man lässt sich eben nicht so einfach die Atmosphäre klauen! Die „Engel“, wie sie von den SF-Fans in Minneapolis genannt werden, notlanden auf einem nahen Gletscher. Sofort starten die Fans, wiewohl sonst im Verborgenen wirkend, eine Rettungsaktion, immer die Entdeckung durch die reaktionären Polizeistreitkräfte fürchtend. „Raphael“ und „Gabriel“, so tauft man die beiden Piloten des Fliegers, finden ihren Weg so in eine geheime Convention der SF-Bruderschaft. Hier lernen sie nicht nur Muskeltraining und Yoga kennen, sondern auch ein paar schräge regierungsfeindliche Vögel. Den Autoren macht es sichtlich Spaß, die Szene zu schildern. Aber auch die Gegenseite kommt zu Wort, und eine clevere Frau von der Luftwaffenpolizei ist den Engeln auf den Fersen.

Heimgang

Der Rest des Buches dreht sich darum, die beiden gefallenen Engel wieder nach Hause zu schicken, denn ihre schwache Konstitution hält die irdische Schwerkraft trotz allen Trainings nicht aus. Ihr Rückweg führt quer durch die Staaten zu Museumsstücken an Ex-Raketen und zu einer experimentellen Rakete in der Mojave-Wüste. Dort laufen schließlich alle Handlungsfäden zusammen, auch die der zahlreichen Verfolger.

Es müssen ungefähr alle SF-Fans, die Los Angeles aufzubieten hat – bestimmt nicht wenige! – mitgeholfen haben, um die Rakete mit allem Nötigen zu versorgen, das die Engel in den Orbit zurückbringen soll: Treibstoff, Proviant, aber auch lebende Kulturen für die Habitate, sogar Hühner. Natürlich gelingt der Start erst, als bereits alles verloren scheint. Da machen die Autoren ihrem Ruf als Profis alle Ehre.

Mein Eindruck

Wer sich auf die Sympathie der Autoren für SF-Fans einlässt und mit ihrer Kritik an den Grünen zurechtkommt, der findet an diesem hübsch und pfiffig erzählten Garn sein wahres Vergnügen. Niven/Pournelle sind bereits ein altgedientes Gespann von Hard-SF-Autoren und haben daher eine große Fangemeinde. Da sie die Fans auf den Conventions, kurz Cons genannt, treffen, sind sie ihnen sozusagen brüderlich zugetan. „Gefallene Engel“ könnte sehr gut den Fans gewidmet sein, denn es ist ein wahres Loblied auf ihre Tugenden.

So ganz nebenbei flechten die Autoren etliche Kritikpunkte ein, was die Technikfeinlichkeit und übertriebene Vorsicht anbelangt. Bezüge werden sogar zu Bradburys „Fahrenheit 451“ hergestellt: Liest der gemeine Science-Fiction-Fan überhaupt politisch korrekte Literatur? Oder ist er nicht doch reif für die „Umerziehung“? An solchen Stellen bleibt dem Leser dann das Lachen im Halse stecken.

Taschenbuch: 524 Seiten
Originaltitel: Fallen Angels, 1991
Aus dem Englischen von Walter Brumm
ISBN-13: 9783453133174

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Der Autor vergibt: (4.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Christopher Evans – Schimären

Intelligente Künstler-Fantasy

Vendavos einzigartige Kunst besteht darin, Schimären zu erschaffen, Objekte, Gebäude, Tempel und Statuen, geboren aus purer Konzentration. Für gewisse Zeit gewinnen diese „Luftbilder“ Realität, bis sie wieder zu Staub zerfallen.

Weltruhm erlangt Vendavo mit der Schöpfung eines Golems – eines künstlichen Menschen. Doch mit dieser Tat überschreitet er nach Meinung seiner Feinde die Grenze des Erlaubten und während er sich noch im Glanz überwältigenden Ruhms sonnt, erwartet ihn eine furchtbare Überraschung … (Verlagsinfo)

Dieser kluge Künstlerroman ist eine Sammlung von Erzählungen, die aufgrund ihrer chronologischen Reihenfolge und ihres inneren Zusammenhangs 1992 zu einem Buch zusammengefasst wurden: eine sogenannte Fix-up-Novel. „Schimären“ ist ruhig, nachdenklich und stimmungsvoll.

Handlung

Shubi ist ein Naturtalent, was das Erschaffen und Formen von Schimären angeht, die unablässig unsichtbar in der Luft um sie herumgeistern. Sie rechnet sich bessere Chancen im Leben aus, wenn sie vom Lande in die große Stadt zieht und den Bürgern ihre Kunst vorführt. Schon bald verfeinert sich ihr Können, und sie lernt ein weiteres verborgenes Talent an, Neni, der sich später, als er zu Ruhm und Ehre am Hofe aufgestiegen, Vendavo nennen wird. Doch dann erinnert er sich nicht mehr an seine einstige Lehrerin, die sich mit Prostitution sein Studiengeld verdienen musste. Die Künstlerin stirbt einsam und vergessen.

Vendavo ist ein Rebell und erschafft eine Schimäre, die sich wie ein Android verhält und ebenso bezaubernd wie eine junge Frau aussieht. Marael, so heißt das Geschöpf, wird auf Befehl des Herrschern in einen Garten verbannt – denn diese Schimäre löst sich nach ihrer Erschaffung nicht in Luft auf, sondern bleibt farbig und quasi lebendig; eine Verhöhnung des Menschen?

Als die Repessalien des Herrschers nach mehreren Attentatsversuchen zunehmen, baut er eine riesige Brücke, die mit einem Festakt von Vendavo eröffnet werden soll. Die Untergrundbewegung jedoch stürzt am Festtag erfolgreich den König und tötet alle Machthabenden. Vendavo gerät ins Zwielicht: Hat er mit seinem Kunstwerk das bestehende Unrechtssystem gestützt oder verhöhnt? Die Politik der Revolution urteilt über die Legitimität der Kunst. Vendavo behält seinen Kopf, mit knapper Not, aufgrund der positiven Aussage seines Bruders, der in bitterer Armut lebt.

Vendavos bester Schüler hat ihn im Tempel, Vendavos größtem Kunstwerk, vor aller Augen ermordet und sich dann selbst gerichtet. Als die Witwe Kumashs von den Inquisitoren vernommen wird, weiß sie kaum einen Grund zu nennen. War es Absicht oder blinde Verzweiflung? Kumash wird ebenso wie seine Witwe verurteilt, deren Besitz konfisziert wird. Verhängnisvolle Kunst.

In der Koda begraben die Schneemassen einer durch Telekinese, einer neuen Kunst, ausgelösten Lawine die Stadt unter sich, in der der frevelhafte Tempel steht.

Mein Eindruck

Eine wahrhaft deprimierende Geschichte, die Evans dem Leser auftischt. Wenn der Umschlag nicht in einem sympathischen, freundlichen Himmelblau gehalten wäre, würde man das Buch nur an dunklen Regentagen lesen. Evans sieht den Künstler zunächst als Genie, dessen Können ihm Freude macht und anderen Vergnügen bereitet. Bis es zu Akten des Regelverstoßes und offener Rebellion kommt. Weg- und Schicksalsgefährten bleiben auf der Strecke, bleiben unbeachtet. Das Genie jedoch bleibt à la Nietzsche einsam in seiner eigenbrötlerischen Welt, umgeben von großen Ideen, die manchmal zu einem Triumph werden, manchmal aber auch nicht. Und es gibt immer Neider.

Zum Glück kommt das Lokalkolorit nicht zu kurz, und so spielen mehrere Berufsstände eine Rolle. Vendavo erzählt nie von sich selbst, sein Bild wird von mehreren Seiten von außen gezeichnet, meist von Frauen, seinen eigenen wie auch fremden. Dies verleiht der Erzählung eine wohltuende Objektivität, die die düstere Atmosphäre fast ausgleichen kann.

Der 1951 geborene britische Science-Fiction-Veteran Christopher Evans beschäftigt sich in „Chimären“ mit der Rolle des Künstlers in einem repressiven Herrschaftssystem. Actionfans kommen hier ebensowenig auf ihre Kosten wie Liebhaber von Genre-Science-Fiction, die nach außen gerichtet ist, etwa in der Space-Opera.
Taschenbuch: 256 Seiten
Originaltitel: Chimeras, 1992
Aus dem Englischen übertragen von Christine Strüh
ISBN-13: 9783453172357

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Lyon Sprague de Camp – Ein Yankee bei Aristoteles. Klassische SF-Erzählungen

Classic SF: Mit der Flinte im Jurassic Park

Lyon Sprague de Camp war einer der witzigsten und vielseitigsten Autoren der Genres Science Fiction, Fantasy und Phantastik. Dieser Erzählband bietet den ersten Teil seiner besten Stories: „sieben Kostproben seines schnurrigen und bissigen Humors“, wie der Heyne Verlag formuliert. Die anderen Stories finden sich in dem Erzählband „Neu-Arkadien“ (Heyne Buch Nr. 3728).

Hier gibt es beispielsweise die vielfach abgedruckte Story über Saurierjagd, in der ein paar schießwütige Yankees ein Zeitparadox erzeugen, das ihnen zum Verhängnis wird.
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Lyon Sprague de Camp – Das Orakel der Fremden. SF-Roman

Revolution auf der Welt der Bienenköniginnen

Auf der Suche nach einem verschollenen Raumschiff landet eine Wissenschaftlergruppe auf einem erdähnlichen Planeten, auf dem sich humanoide Spezies entwickelt haben, die in kleinen, bienenstaatähnlichen Gemeinschaften leben. Eine Königin herrscht über ihre Untertanen, hauptsächlich ungeschlechtliche Arbeiterinnen und Kriegerinnen. Die männlichen Nachkommen werden meist schon im zarten Säuglingsalter massakriert; nur ein paar Drohnenmännchen werden aufgezogen, damit sie die Königin befruchten.

Die irdischen Wissenschaftler machen sich in einheimischer Begleitung auf, um das geheimnisvolle Orakel zu besuchen, weil sie vermuten, dass dort vielleicht Spuren der verschollenen Expedition zu entdecken seien. Und sie entdecken noch etwas anderes: In Not geraten und von Mordbrennern verfolgt, die es auf die modernen Waffen der Terraner abgesehen haben, ist es einer der einheimischen Arbeiterinnen nicht möglich, ihre strengen Diätvorschriften einzuhalten. Sie ist gezwungen, von der Fleischnahrung der Drohnen zu kosten. Und da geschieht plötzlich etwas, das die soziale Ordnung ihrer primitiven Gesellschaft zerbrechen lässt. (Verlagsinfo)
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Robert A. Heinlein – Die grünen Hügel der Erde. SF-Erzählungen


Klassische SF-Erzählungen vom Altmeister

Diese Erzählungen von einer Menschheit im Weltall, die in den vierziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden, sind heute zwar klassisch, aber meist bereits vergessen – allzu optimistisch ist ihr Grundton. Es ist, als würde der Propagandaminister der Raumfahrtbehörde NASA ein farbenfrohes Szenario nach dem anderen verbreiten wollen. Auch wenn es mal ironisch daherkommt.

Der Autor

Robert Anson Heinlein (1907-1988) wird in den USA vielfach als Autorenlegende dargestellt, sozusagen der „Vater der modernen Science Fiction“. Allerdings begann er bereits 1939, die ersten Storys im Science-Fiction-Umfeld zu veröffentlichen. Wie modern kann er also sein?

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McIntyre, Vonda N. – Traumschlange, Die

_Preisgekrönte feministische Science-Fiction_

Feministische Science-Fiction, die nicht nur spannend, sondern auch einfühlsam erzählt ist.

_Handlung_

In ferner Zukunft, einige Jahre nach einem atomaren Holocaust, leben die Menschen in Stämmen in der Wüste oder zusammengedrängt in den Ruinen der Städte. Ärzte wandern von ihrem Zentrum aus, um zu helfen. Die junge Heilpraktikantin Schlange kuriert mit Hilfe von manipuliertem Schlangengift Verletzte und Todkranke, oft erfolgreich, machmal kommt sie auch zu spät. Sie kämpft gegen Fremdenangst und Ignoranz, dabei wird ihre Traumschlange getötet, mit der sie die Patienten beruhigt.

Doch die Heiler können die Traumschlangen, die von fremden Welten stammen, nicht selbst züchten, sondern müssen sie in der alten Stadt kaufen. Dort jedoch wird Schlange abgewiesen. Auf ihrer Reise adoptiert sie ein junges Mädchen, Melissa, das sehr unter erlittenen Verbrennungen leidet. Sie will Melissa zur Heilerin ausbilden und nimmt sie auf ihre Suche mit. Ein junger Mann verliebt sich in sie und folgt ihrer Spur.

In dem Relikt einer Bunkerfestung findet sie schließlich Traumschlangen in rauhen Mengen, doch deren Besitzer, ein gigantischer Albino, hasst alle Heiler und hält sich Leute als Sklaven, die vom Gift der Traumschlangen abhängig geworden sind. Er wirft Schlange und ihre Adoptivtochter in eine Grube voller Traumschlangen. Hier entdeckt sie das Geheimnis der Fremdwesen.

Beide geraten in Lebensgefahr, doch Schlange gelingt es zu entkommen und Melissa mit knapper Not zu retten. Zu guter Letzt taucht auch ihr junger Freund auf und gibt den beiden Hoffnung auf eine gemeinsame Zukunft zu dritt. Drei ist die magische Zahl in diesem Buch – auch Traumschlangen vermehren sich nur zu dritt.

_Fazit_

Das Buch ist nicht nur eine gelungene Synthese aus Science-Fiction- und Fantasy-Elementen, sondern zugleich eine einfühlsame Studie einer jungen Frau, die im Wesentlichen auf sich allein gestellt das Leben in einer lebensfeindlich gewordenen Welt meistert. Die Autorin macht weder den Fehler, eine problemlose Idylle zu schildern, noch zeigt sie die Heilerin als besser funktionerenden Mann. Vielmehr wird hier eine im Grunde realistische Geschichte im Fantasy-Gewand erzählt, und die Heldin bewältigt ihre Schwierigkeiten aus sich selbst heraus, durch Einsatz ihrer besonderen Fähigkeiten als Frau, als Mensch.

Zu der Zeit seiner Entstehung Anfang der siebziger Jahre dürfte die Schilderung von Ehegemeinschaften aus drei Mitglieder und von Dörfern, in der Familien aufgrund von Adoption zustande kommen, für einiges Aufsehen gesorgt haben. Auch die Themen Kindesmissbrauch und Vergewaltigung dürften hier zum ersten Mal in der SF aufgetaucht sein.

|Die Autorin|

Die 1948 geborene Autorin erhielt 1973 für die Novelle, die die Grundlage dieses Romans bildet, den „Nebula Award“, und für den 1978 erschienenen Roman die zwei wichtigsten Preise der Science-Fiction. Bei uns wurde sie mit dem „Starfarer“-Zyklus bekannt und der historischen Fantasy „Am Hofe des Sonnenkönigs“.

Wood, N. Lee – In Erwartung des Mahdi

Kriegsberichterstatter und Androiden

Ein spannender politischer Thriller, der auch eine gehörige Portion Action vorweisen kann. Parallelen zu den Vorgängen in Afghanistan 2001 drängen sich auf.

Die Autorin ist die Frau des Science-Fiction-Autors Norman Spinrad, der sich mit seiner Kritik an den Medien, der virtuellen Welt bzw. der katholischen Kirche [(„Deus X“) 1515 einen Namen gemacht hat. N. Lee Wood versteht sehr viel von der Arbeitsweise der modernen Medien, des Internet und der Gremien internationaler Politik.

_Handlung_

Die Amerikanerin arabischer Abstammung K. B. Sulaiman ist Anfang des 21. Jahrhunderts in einem ruhigen Schreibtisch-Job beschäftigt, als ihr Chef sie im Auftrag des US-Geheimdienstes wieder zurück in das Land ihrer schlimmsten Albträume schickt: Khuruchabja.

Zehn Jahre zuvor berichtete K. B. dort aus dem Bürgerkrieg, der eine Art dritter (aus heutiger Sicht vierter) Golfkrieg geworden war und in dem schließlich die Intervention der internationalen Truppen große Verluste unter der Zivilbevölkerung gefordert hatte. Seit damals wird K. B. als Heldin der Kriegsberichterstatter angesehen – genau wie Mark Arnett von CNN, der aus Bagdad berichtet hatte, als die Alliierten im zweiten Golfkrieg den Irak angriffen.

K. B.’s Job ist es, das Biokonstrukt Halton in die Leibwache des neuen Machthabers von Khuruchabja, Raschid, einzuschleusen. Der Rest sei Sache von Halton und dessen Dienstherrn, dem Geheimdienst, wird ihr gesagt. Das Biokonstrukt ist nach den neuesten Techniken geklont und mit Nanos ausgestattet worden. Wie sich zeigt, ist es seinem Ausbilder zu bedingungslosem Gehorsam verpflichtet.

Als K. B. im Bestimmungsland eintrifft, kommt natürlich alles anders als geplant. Sie steckt ihre Nase einmal zu tief in die mysteriöse Angelegenheit der streitenden politischen Parteien des Landes wie auch des US-Geheimdienstes und muss um ihr Leben rennen. Sie verbündet sich mit dem Biokonstrukt, das ebenfalls nach ausgeführtem Auftrag zur Vernichtung bestimmt ist. Sie verliebt sich und schläft mit Halton. Beide sind gejagte Außenseiter, doch mit etwas Glück erbeuten sie das Videoband mit der Aufnahme, die amerikanische Geheimdienstler und Haltons Doppelgänger beim Töten Raschids zeigt. Nun kann K. B. einen Deal machen. Die Bilder werden unter falschen Vorzeichen gezeigt – ironischerweise wird sie wieder einmal Kriegsheldin!

Wenig später zeigt sich in Khuruchabja ein Mahdi, ein geistig-religiöser Führer, der die Legitimation vorweisen kann, vom Erzengel Gabriel persönlich angekündigt worden zu sein. Dieser Engel war eine intelligente Holografie. Halton hatte sie auf einer Chip-Platine ins Land geschmuggelt. (Wunder sind machbar, Herr Nachbar!) Nun unterbreitet dieser neue Mahdi sehr interessante Vorschläge, die schließlich zu einer Stabilisierung des Nahen Ostens führen. Die Ironie dabei: Ausgerechnet die Israelis beschützen Khuruchabja vor seinen gierigen arabischen Nachbarn!

_Mein Eindruck_

Die Autorin verbindet ihre große, eindrucksvoll dargestellte Sachkenntnis mit einer spannenden Handlung, die von den zwei lebendig gezeichneten Hauptfiguren getragen wird. Vor allem K. B. Sulaiman ist eine Wucht: Ohne gewisse weibliche Attribute ausgestattet, reist sie als Mann verkleidet ins Land der arabischen Machos ein, stets in Angst vor Entdeckung. Sie ist einfach cool und tough. Ihre einzigartige Position erlaubt ihr genaue Beobachtungen der Situation der dort lebenden Frauen und Männer. So entstehen seltene Innenansichten eines uns fremd gewordenen Kulturkreises: des Islam und seiner arabischen Mitgliedsländer.

Halton ist als Biokonstrukt der Aufhänger für eine Horrorvision auf die Zukunft, in der Regierungen rechtlose menschliche Wesen auf Knopfdruck zeugen, modellieren, kopieren und wieder löschen können. Der Faschismus Hitlers war nichts dagegen. Dass genau dies gerade geschieht, weiß das Buch gut zu vermitteln.

Die Medien sind jedoch nur ein Werkzeug der Mächtigen. Ihr erstes Opfer ist – wie in jedem Krieg – die Wahrheit. Gezeigt wird nur, was bestimmten Interessen dient. Immerhin weist die Autorin mahnend darauf hin, wie die US-Militärs im zweiten Golfkrieg gegen Saddam Hussein die Videoaufnahmen manipuliert hatten. Sie hatten ihren Fehler aus dem Vietnamkrieg nicht wiederholt, aber die Medien trotzdem bedient: leider nur mit getürktem Material.

„In Erwartung des Mahdi“ ist ein Gewinn für den politisch interessierten Leser, in jeder Hinsicht.

|Originaltitel: Looking for the Mahdi, 1996
Aus dem Englischen übertragen von Walter Brumm|

Richard Stone – Die Satanskunst

Politischer Cyberthriller

London im Juni 1997. Ein Demagoge namens Edmund Bording schickt sich an, die britische Regierung zu stürzen. Er zettelt einen Volksaufstand an, was einfach ist, denn Energie und Nahrungsmittel sind rationiert. Mithilfe des jungen Staatssekretärs Tom Híllard versorgt er die Massen mit der richtigen, aufpeitschen Propaganda. Doch Hillard war nicht immer so – er wurde zu Bordings willenlosem Werkzeug und glühendem Anhänger gemacht. Hillards Frau Marianne wundert sich über die Wandlung seines gesamten Charakters: Er hat sie und seine Kinder für ein Flittchen verlassen, quasi über Nacht. Sie beginnt nachzuforschen, wie es dazu kommen konnte. Prompt gerät sie in Gefahr.

Derek Sutherland, ebenfalls ein Staatssekretär, trifft sich heimlich mit Chief Detective Inspector Bill Finch von Scotland Yard. Er hegt den Verdacht, dass die Führung von Staatsschutz und Polizei nicht mehr auf Seiten der Regierung steht und mit einem ausländischen Geheimdienst zusammenarbeitet. Aber mit welchem? Als Finch einer Verschwörung in höchsten Kreisen auf die Spur kommt, erfährt er mehr Dinge, als ihm lieb ist: Totale Manipulation und Überwachung sind nicht nur möglich, sondern seit Jahren verbrecherische Praxis…
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Ray Bradbury – Fahrenheit 451

In einem totalitären Zukunftsstaat sind Bücher verboten. Die Feuerwehr dient nicht dem Löschen von Feuer, sondern dem Verbrennen der gefährlichen Literatur. Einer der Feuerwehrmänner namens Guy Montag wandelt sich in seinen Ansichten zum Systemgegner, doch der Ausstieg ist gar nicht so einfach, wie er schnell herausfindet. (Diese Klassiker-Ausgabe ist mit einem Vorwort von Brian W. Aldiss versehen.)

_Der Autor_
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Ursula K. Le Guin – Ein Fischer des Binnenmeeres. Phantastische Erzählungen

A Fisherman of the Inland Sea ist eine 1994 erschienene Sammlung von Kurzgeschichten der Autorin Ursula K. Le Guin, die 1998 unter dem Titel Ein Fischer des Binnenmeeres auf Deutsch herausgegeben wurde. In den letzten drei Geschichten des Bandes werden die Technik des „churten“, des Ortswechsels ohne Zeitintervall, sowie dessen Nebenwirkungen beschrieben; wie LeGuin im Vorwort anmerkt, sind die drei Geschichten um das „churten“ „Geschichten über Geschichten“, oder über das Erzählen. (Wikipedia)

„Ein Fischer des Binnenmeeres“ heißt die Anthologie, die Anfang 1998 in der Edition Phantasia erschienen ist. Allein die Einleitung dieser Sammlung halte ich für einen ausreichenden Grund, sich dieses Buch nicht entgehen zu lassen, denn was Le Guin „Über Science Fiction und Leute, die sie nicht lesen“ zu sagen hat, ist pointiert, voller Wortwitz und sanfter Ironie, kurz, ein Leckerbissen zum Aperitif. Außerdem lässt uns die Autorin einen Blick auf ihre eigene Sicht ihrer Geschichten werfen, was ich immer wieder sehr erhellend finde, gerade im Hinblick auf die mannigfaltigen Interpretationsmöglichkeiten. Der Band enthält drei neue HAINISH-Erzählungen.

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Ursula K. Le Guin – Das Vermächtnis von Erdsee (Erdsee 6)

Zauberhafte Geschichten von der Erdsee

Was geschah in den Jahren, als Ged Erzmagier an der Zauberschule von Rok war? Welches Geheimnis barg das vergangene finstere Zeitalter? Und wie werden der Sperber, Tenar und Tehanu, die Tochter der Drachen, ihre Welt retten können? Mit diesem Band spinnt Ursula K. Le Guin ihren weltberühmten »Erdsee«-Zyklus weiter – eine faszinierende Reise in die Vergangenheit und Zukunft des Insel-Kontinents, die durch einen umfassenden Anhang über die Geschichte, Völker und Magie Erdsees komplettiert wird. (Verlagsinfo)

Im Erdsee-Zyklus hat Ursula Le Guin eines der schönsten und interessanten Fantasy-Universen geschaffen: eine Welt, die nur aus meerumspülten Inseln besteht und in der Magie funktioniert – Magie, die Urmächte der Welt und des Lebens beherrscht. Doch nicht nur ihre fünf bisherigen Fantasy-Romane lässt Ursula Le Guin in der Erdsee spielen, sondern auch die im vorliegenden Band gesammelten fünf Erzählungen. Beigefügt sind noch mehrere Beschreibungen von Eigenarten Erdsees. Demnächst sollen weitere Romane entstehen, die in diesem Universum spielen.

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Ursula K. Le Guin – Tehanu. Das letzte Buch von Erdsee (Erdsee 4)

Erdsee 4: Trautes Heim, Glück allein?

Die Handlung von „Tehanu“ schließt sich fast unmittelbar an „Das ferne Ufer“ an. Tenar (aus „Die Gräber von Atuan“) hatte sich in Gont niedergelassen, geheiratet und zwei Kinder bekommen, die inzwischen erwachsen sind. Nach dem Tod ihres Mannes fühlt sie sich einsam und unsicher über ihre eigene Identität. Sie adoptiert Therru, ein Mädchen, das von ihrem Vater verstümmelt und missbraucht wurde.

Ged, der einstige Erzmagier, nach „Das ferne Ufer“ seiner magischen Kräfte beraubt, kehrt nach Gont zurück, schließt sich der Dorfgemeinschaft an und heiratet schließlich Tenar. Gemeinsam sorgen sie für Therru und versuchen, sie und sich vor ihrem Vater und dem frauenfeindlichen Zauberer Aspen zu schützen. Zugleich müssen sie einen Ort und eine Identität nicht nur für sich selbst, sondern auch für Therru suchen. Am Ende stellt sich heraus, dass Therru viel mehr ist, als sie zu sein scheint… (Wikipedia)

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Theodore Sturgeon – Nach dem Exodus. SF-Erzählungen

Drei Experimente in Sachen Liebe

Dieser Band von phantastischen Erzählungen umfasst drei klassische Novellen des mehrfach ausgezeichneten US-amerikanischen Autors.

– Die Story von der Welt, wo sich die ganze Familie im Inzest liebt.
– Die Story von der Prinzessin, die den Frosch fand, küsste, zu ihrem Prinzen machte und herausfand, dass er todkrank war. Aber sie hatte ein Rezept.
– Die Story von den zwei Schiffbrüchigen, die als Adam und Eva Robinson Crusoe spielten und sich dennoch nicht verliebten, oder doch?

Der Autor
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Theodore Sturgeon – Der Gott des Mikrokosmos. SF-Erzählungen

Classic SF: Frankenstein und Plappermäuler

Der Erzählband enthält acht Stories vom besten Story-Autor der vierziger und fünfziger Jahre, Theodore Sturgeon. Und weil „Sturgeon“ auf deutsch „Stör“ bedeutet, hieß der Originaltitel „Caviar“. Die Titelgeschichte aus dem Jahr 1941 ist bereits klassischer Teil des SF-Kanons.

Der Autor
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Theodore Sturgeon – The Dreaming Jewels

Mehr als menschlich: von Liebe und Erlösung

Der achtjährige Junge Horton Bluett ist etwas Besonderes: Nicht nur, dass er Ameisen isst, macht ihn zum Außenseiter, sondern dass ihm abgetrennte Finger nachwachsen und er seine Gestalt verändern kann. Zum Glück findet er vor seinen Verfolgern Zuflucht und Liebe – ausgerechnet in einem Wanderzirkus. Doch wenn sein Geheimnis jemals herauskommt, gerät er vom Regen in die Traufe.

Der Autor
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Paxson, Diana L. – Brunhilds Lied (Die Töchter der Nibelungen 1)

_Spannender Fantasyroman über die Nibelungen_

„Brunhilds Lied“ (O-Titel: „The Wolf and the Raven“) ist der erste Band der Trilogie „Die Töchter der Nibelungen“ und schildert, wie die zwei Hauptfiguren aufwachsen werden und einander treffen: der Held Sigfrid und die Walküre Brunhild. Nun sollte jeder seine Erinnerungen aus der Jugend oder Schulzeit hervorkramen, wie die Story ausging, als Richard Wagner oder das „Nibelungenlied“ sie erzählten. Paxson liefert uns eine ganz andere Version.

_Die Autorin_

Diana L. Paxson war zu Lebzeiten Marion Zimmer Bradleys deren engste Mitarbeiterin sowie die Co-Autorin der „Avalon“-Romane. In ihren eigenen Büchern verbindet Paxson genaue historische Recherche mit Elementen aus Mythos und Sage. Als eine der führenden Vertreterinnen der neo-heidnischen Bewegung in den USA zeigt sie dabei ein besonderes Interesse für die paganen Religionen der Spätantike (so etwa das 5. Jahrhundert) und des Mittelalters: Sie kennt die alten Göttinnen und Götter nicht nur aus Büchern, sondern möglicherweise auch aus eigenem Erleben, etwa von Besuchen an deren Tempeln und Altären. Mehrere genaue Beschreíbungen solcher Orte in ihrem Nibelungen-Zyklus sprechen dafür.

_Handlung_

Mitteleuropa im 5. Jahrhundert christlicher Zeitrechnung. Es ist die Zeit der Völkerwanderung, eine Zeit, da die ganze bekannte Welt in Bewegung ist. Die Germanenstämme suchen besseres Land im Westen und Süden und überrennen schließlich das Römische Reich, das 453 untergeht. Natürlich machen sich die Stämme auch untereinander Konkurrenz, und so bleiben Schlachten nicht aus.

Das Steppenvolk der Hunnen ist bis nach Passau und Regensburg vorgestoßen, wo die Grenze des weströmischen Reiches verläuft. Der Khan der Hunnen ist Attila. Sein Hauptmann Bladarda schickt seine Tochter Brunhild nach (Schwäbisch) Halle, wo sie zusammen mit der Burgunderprinzessin Gudrun Abenteuer erlebt.

Als sie bei einem Fest den geheimen Brunnen der Hallenser entweihen, schaut Brunhild zum ersten Mal das Antlitz desjenigen Gottes, der ihr ganzes Leben bestimmen wird: Wodan. Er ist der Obergott der Germanen und häufig sieht man ihn unterwegs als Wanderer mit Schlapphut und Wanderstab, doch besitzt er nur ein Auge und seine Begleiter sind stets zwei Raben. Als Gott führt er die Wilde Jagd an, gebietet dem Donner und sucht die Helden in der Schlacht, um sie zu sich nach Walhall zu holen. Dabei dienen ihm die Walküren.

|Die Walküren|

Nach ihrem Frevel werden Brunhild und Gudrun verbannt: Gudrun nach „Heidelberg“ auf die Burg ihrer Mutter Grimhild, bis ihr Bruder Gundohar (= Gunther) König wird. Brunhild jedoch geht einen ganz anderen Weg: Der (erfundene) Frauenorden der Walkyriun lernt sie an, bildet sie aus und nimmt sie schließlich nach harten Prüfungen auf. Diese Kriegerpriesterinnen nennen sich nach den Dienerinnen Wodans und verfügen offenbar über echte Magie. Die Magie rührt vor allem von ihrer Beherrschung der Geisterwelt und des Runenzaubers her. Das hat die Autorin sehr deutlich herausgearbeitet. Das Auftreten einer Walküre im Kampf ist ebenfalls recht eindrucksvoll geschildert. In der Schlacht treten die Walkyriun immer zu neunt auf.

|Siegfried der Schmied|

Währenddessen wächst der junge Sigfrid auf. Er ist der Sohn eines Helden namens Sigmund und einer Frau namens Hiordisa. Nachdem Sigmund von der Hundingssippe getötet worden war, verbarg Hiordisa Sigfrid auf der Burg ihres zweiten Mannes Alb in der Nähe von Oldenburg. Doch die Hundinge entdecken das Geheimnis des gelbäugigen Sigfrid und bedrohen mehrmals sein Leben.

Daraufhin nimmt Ragan der Schmied den Jungen als Ziehvater an und bildet ihn in seiner Schmiede im Teutoburger Wald aus. Doch der Junge lernt viel mehr von den Tieren des Waldes, besonders von den Wölfen. Kein Wunder: Von seinem Vater Sigmund hat er die Fähigkeit des Gestaltwandels geerbt: Er kann sich in einen Wolf verwandelt, wenn es darauf ankommt. Diese Waldszenen sind sehr schön und spannend geschildert.

|Der Nibelungen Hort|

Doch Ragans Sippe ist auch nicht ohne. Sein Vater Hreidmar gehörte dem viel älteren Erdvolk an und verfügte über Gestaltwandelmagie. Er hatte drei Söhne: Ragan, den Metallformer; Ottar, der in Ottergestalt von Burgunden, genauer: von ihrer Königssippe, den Niflungen, getötet worden war; und schließlich den boshaften Fafnar, der alle piesackte. Der Mord an Ottar musste mit Blutgeld gesühnt werden – und hier beginnt die ganze Geschichte: Die Niflungen (= Nibelungen) plündern die wertvollen Goldschätze, die einer heiligen Quelle der Erd-Göttin geopfert worden waren. Darunter sind zwei besondere Stücke: ein Ring und ein Runenstab. Andwari, der Hütter der Quelle, verflucht die Plünderer, die sich nun freikaufen. Doch Fafnar ermordert seinen Vater Hreidmar für das Gold und rafft den Hort an sich, um ihn als Drache zu bewachen, in einer Höhle über dem Rhein, dem Drachenfels.

|Ragans Plan|

Ragan, selbst nicht ohne Goldgier, plant nun, Fafnar den Hort abzujagen! Dazu braucht er Sigfrids Hilfe. Er macht ihn zu seinem Helden. Mit Wodans Hilfe schmiedet Sigfrid das zerbrochene Schwert seines Vaters und macht es zu einer Waffe, die es mit einem Drachen aufnehmen kann. Dann ziehen die beiden gen Westen, um Ragans Bruder zu töten. Ein verhängnisvolles Vorhaben, denn auch Sigfrid ist mit Fafnar verwandt. Es folgen einige der faszinierendsten Szenen des ganzen Buches. Nicht so sehr wegen der Action, sondern weil hier Wahn und Wirklichkeit, Lüge und Wahrheit aufeinandertreffen.

|Brunhilde in der Waberlohe|

Bei einer Schlacht der Burgunden gegen die Alemannen um das Land am Oberrhein stellt sich der Orden der Walkyriun auf die Seite der Alemannen. Seltsam jedoch, dass die Burgunden trotzdem die Schlacht gewinnen. Ihr König Gundohar, eigentlich ein Angsthase, begegnete Brunhild und wurde von ihr verschont – Wodan will Helden, keine Hosenscheißer.

Nachdem Gundohar, von Wahnsinn gepackt, die Schlacht gewendet hatte, wird Brunhild von ihren Schwestern des Verrats angeklagt. Man entehrt sie, entkleidet sie und kettet sie auf der Erde an, auf dass der erstbeste Mann sie nehme. Doch Wodan, ihr Schutzherr, umgibt sie mit einem Kreis aus Feuer, der bekannten „Waberlohe“. Und wer befreit sie nun aus ihrer misslichen Lage? Na, dreimal dürfen wir raten.

|Hilfreiches Beiwerk|

Eine Landkarte des damaligen Germanien um 410-420 erweist sich während der Lektüre als wertvoller Helfer. Leider hat der Verlag die Karte aus der Hardcover-Ausgabe etwas vereinfacht, so dass die Provinznamen und -grenzen fehlen. Etliche der Ortsnamen sind im umfangreichen Glossar erklärt.

Stammtafeln verdeutlichen die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Geschlechtern und erklären etwa, warum Sigfrid ein Sippenmörder ist (Ragan und Fafnar waren über seine Großmutter mit ihm verwandt). In dieser Ausgabe fehlt die Stammtafel für die Niflungen, also Gudrun und Gundohar (König Gunther von Burgund). Das ist zu verschmerzen, denn es vermindert die Verwirrung.

Ganz wichtig für das Buchverständnis sind der germanische Kalender und die Runen. Alle Kapitel sind nicht mit den römischen Monatsnamen datiert (Januar etc.), sondern mit den germanischen Namen (Heumond = Juli). Auch die Festtage der Germanen finden eine Erklärung.

Die nordisch-germanischen Runen sind für die Magie, die Brunhild und die Walkyriun ausüben, von zentraler Bedeutung, rufen sie doch die Mächte der Natur und der Götter herbei. In einer wichtigen Szene erhält Brunhild ihre Zaubermacht durch die geistig-spirituelle Aufnahme der Runen, in einer anderen bedeckt sie ihren Geliebten Sigfrid von Kopf bis Fuß mit einer Heilsalbe und stärkenden Runen.

In einem Abschnitt „Hintergründe und Quellen“ liefert die Autorin einen geschichtlichen Abriss des fünften Jahrhunderts und erläutert, warum sie den jeweiligen Buchteil so und nicht anders geschrieben hat. Das ist insofern wichtig, weil sie ja in unzähligen Einzelheiten vom historisch überlieferten „Nibelungenlied“ und erst recht von den Wagner-Opern abweicht.

Neueste Theorien der Kulturgeschichte werden hier relevant. Die Quellen, die sie anführt, sind meist ältere Bücher aus den sechziger Jahren. Sie erlaubten ihr u. a. das Schmieden eines Schwertes oder die Ausbildung einer Magierin nachzuzeichnen und lebendig zu schildern. Außerdem finden sich hier Hinweise auf die Herkunft der zahlreichen Gedichte und Zaubersprüche, die Paxson in die Erzählung eingestreut hat.

_Fazit_

Für mich war „Brunhilds Lied“ eine spannende und sehr unterhaltsame Lektüre. Dies lag vor allem an der lebendigen Schilderung der Abenteuer und des völlig unterschiedlichen Lebensweges der zwei Hauptfiguren, Brunhilde und Sigfrid. Es ist, als ob man die zwei wie Geschwister kennen lernte.

Nur wenn man ihr Umfeld genauer versteht, bekommt man einen gewissen Zugang dazu, worum es im Nibelungenlied eigentlich geht: um die Umschichtung miteinander in Konflikt stehender Werte. Sigfrid und Brunhilde kommen beide mit den Werten ihrer jeweiligen Gemeinschaften nicht mehr zurecht, beiden sind Ausgestoßene. Das, was sie tun und was sie an neuen Werten vertreten, bewegt das Schicksal ganzer Völker, namentlich der Burgunder.

Zu erfahren, welche Völker vor den Germanen in Mitteleuropa lebten, war recht überraschend. Das Erdvolk Hreidmars und die Kelten gehören dazu. Die germanischen Stämme wie die Alemannen hingegen bestanden aus Bruchstücken mehrerer anderer Stämme, die in den Territorialkämpfen Mitteleuropas zersplittert wurden. Sie treffen wiederum auf die Römer, die links des Rheines intakte Provinzen bewirtschaften und schützen. Außerdem begegnen die Burgunder erstmals dem Christentum und nehmen es an, wohingegen die Alemannen die alten Götter bewahren (deshalb stellen sich die Walkyriun auf ihre Seite). Es ist ein Wunder, dass die Burgunder nicht zwischen allen Fronten – da sind ja auch noch die vorrückenden Hunnen im Osten – zermalmt werden.

Wie man sieht, war das fünfte Jahrhundert nicht nur turbulent, sondern entscheidend für die Entstehung der deutschen Königstümer der Franken etc., bis schließlich Kaiser Karl der Große ein ganzes Reich daraus schmiedete.

|Für wen sich dieses Buch eignet|

Auch wenn man die ganzen geschichtlichen Hintergründe und die faszinierende Magie nicht beachtet: Es bleibt doch immer noch ein spannendes und bewegendes menschliches Drama, das sich da entfaltet. Und so kann es im Grunde jeder mit Vergnügen und Gewinn lesen.

|Originaltitel: The Wolf and the Raven, 1993
Aus dem US-Englischen von Helmut W. Pesch|