Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – König Pest (Poe #23)

_Der Elektroschockkandidat_

Die Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör.

Auf dem Weg zu Dr. Baker werden Poe und Leonie von dichtem Nebel überrascht. Sie verirren sich zwischen seltsamen Häusern. Als der Nebel sich lichtet, erkennen sie, wo sie sind: im Reich von König Pest.

Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 22 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein

Nächste Staffel (02/2008):
#26: Der Kopf des Teufels
#27: Der Mann in der Menge
#28: Die Flaschenpost
#29: Landor’s Landhaus

Das Taschenbuch ist unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.

_Die Inszenierung_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

König Pest: Wolfgang Ziffer („C-3PO“, „Nummer 5“, „Murray Bozinsky“ in „Trio mit vier Fäusten“)
Herzog Pestilenz: Stefan Fredrich (John Turturro, Jim Carrey, Oliver Platt)
Junger Wärter: Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio)
Alter Wärter: Kaspar Eichel (James „Scotty“ Doohan, Richard Dreyfuss)
Ein Irrer: Andreas Sparberg

Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Laurie Randolph, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom |STIL|-Studio verantwortlich.

_Das Titelbild_

Das monochrome Titelbild, das [Simon Marsden]http://www.simonmarsden.co.uk geschossen und mit einer speziellen Technik entwickelt hat, zeigt eine alte, leicht verwitterte Statue eines alten, bärtigen Königs. Es könnte sich beispielsweise um Barbarossa auf dem sagenumwobenen Kyffhäuser handeln. Bemerkenswert ist, dass die linke (von uns aus gesehen rechte) Hand des Königs an sein Herz greift.

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren. Die Innenseite der CD-Box (die Inlay Card) zeigt einen spitzbogigen Mauerdurchgang in einem wilden, überwucherten Garten. Der Durchgang könnte die Passage zu neuen, gruseligen Erfahrungen symbolisieren, im Sinne von Huxleys „doors of perception“.

_Das Booklet_

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Eingangs gibt es einen mittlerweile recht umfangreichen Abriss der Vorgeschichte der Episode. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E. A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon zwanzig Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.

Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal. Daher noch ein wenig mehr Inhaltsangabe:

|Episode 21:|

Kapitän Hardy, der süffelnde Kommandant des untergegangenen Segelschiffs „Independence“, hat Poe geraten, sich vor seinem unsichtbaren Verfolger ein gutes Versteck zu suchen. Wie wär’s mit dem Totenschiff der Armen, das im nördlichen Hafen New Yorks vor Anker liegt? Die „Rachel“ durchsucht bestimmt keiner. Gesagt, getan.

Allerdings macht dieser abgetakelte Segler keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Der einzige Lebende an Bord ist der alte Ismael. Als Poe ihm zwei Flaschen guten Whiskys in die Hand drückt, ist er überredet: Poe darf frei logieren. Ismael warnt ihn aber vor den Ratten, die recht groß werden können. Und eine der Türen sei für ihn verboten, da habe er keinen Zutritt. Alles klar? Alles klar.

Ismael geht von Bord, denn er wolle einen Freund besuchen. Auf Blackwell Island (dort liegt Dr. Bakers Klinik!) sei die Cholera ausgebrochen, und schon bald werde es die ersten Leichen abzuholen geben. Wenig später kommt Leonie Goron an Bord. Zusammen machen sie hinter der verbotenen Tür eine grausige Entdeckung.

|Episode 22:|

Leonie und Poe gelangen durch die Hilfe von George Appo, Kapitän Hardy und den Wirt Rick Ellis auf Blackwells Insel, die im East River liegt. Ihre erste Begegnung mit Pater Bunting ist kurz, denn er stirbt schon bald an der Seuche, die hier grassiert …

_Handlung von Episode 23_

Nach dem Begraben Pater Buntings macht sich Poe allein auf den Weg, im Asyl, wo Dr. Baker arbeitete, nach Deibler zu suchen. Er hatte ihn zu Dr. Baker wegen des Tauschhandels Aufzeichnungen gegen Poe-Identität geschickt. Der junge Wärter, der ihn einlässt und für Pater Bunting hält, kennt ihn nicht und erzählt ihm, Dr. Baker sei auf dem Festland. Aber ein Telegraph erleichtert die Nachrichtenübermittlung dorthin.

Der Patient, der nach einem Pater verlangt hat, nennt sich Valdemar und liegt wie bewusstlos in seiner Zelle. Bei seinem Anblick erfüllt ein Kribbeln Poes Kopf und eine Stimme spricht zu ihm: „Sie sind nicht Pater Bunting. Sie haben nicht viel Zeit!“ Poe beeilt sich und schreibt einen Brief an Dr. Baker, da entdeckt er Deiblers Patientenakte. Deibler wurde im Dorf der Kranken isoliert. Oh je, bestimmt ist er schon an der grassierenden Seuche erkrankt. Ein älterer Wärter erkennt Poe, der hier einst Patient war, wieder und setzt ihn nach einem Handgemenge außer Gefecht.

Gerade will man ihm Elektroschocks verabreichen, als es unter den Insassen des Asyls zu einem Tumult kommt. Jemand hat sie freigelassen. Als die Wärter sich darum kümmern, befreit Leonie Poe aus seiner Zwangsjacke und flieht mit ihm aus dem Gebäude. Sie ist selbst bereits an der Seuche erkrankt und kann sich kaum aufrechthalten. Dennoch können sie ihren Verfolgern in das Krankendorf entkommen. Hier trauen sich die Wärter nicht.

Doch dies ist ein besonderes Reich: das von König Pest. Er heißt sie als Todgeweihte willkommen. Von dem sterbenden Deibler erfährt Poe, dass es ein teures Gegenmittel gegen die Seuche gebe. Aber sie sitzen hier offenbar fest, oder? Und Leonie geht es zusehends schlechter.

_Mein Eindruck_

Von der ursprünglichen Poe-Erzählung sind nur noch drei Figuren übrig geblieben: König Pest, Herzog Pestilenz und – als Insider-Witz – Anna Pest. Dazu muss man wissen, dass „Anapäst“ ein antikes Versmaß ist. Das ist der Grund, warum Anna Pest stets in rhythmischen Versen redet. König Pest ist zwar ein Herrscher, doch sein Reich wird offensichtlich vom Schnitter regiert, nicht von ihm selbst. Dennoch ist Pest ein fröhlicher Bursche, der seine besten Manieren an den Tag legt. Poe und Leonie ahnen jedoch, dass sie vom Regen in die Traufe geraten sind.

Interessant ist die Beschreibung des Falles Valdemar. Anders als in Poes gleichnamiger Erzählung geht es hier zunächst um eine telepathische Verbindung zwischen Poe und dem Insassen der Irrenanstalt. Dass dabei nicht unbedingt Wörter ausgetauscht werden müssen, wird die nächste Episode zeigen: Bilder reichen schon, um den Geist des „Empfängers“ Poe mit dem Erleben des „Senders“ Valdemar zu erfüllen.

Die Episode zerfällt in zwei Hälften. In der Mitte hat Poe – mal wieder – sein Bewusstsein verloren, weil ein Wärter ihn k.o. geschlagen hat. Und wieder mal befindet er sich tief in der Bredouille. Er braucht dringend einen Retter – Leonie kommt wie gerufen. Was würde Poe ohne sie machen? Das wagen wir uns gar nicht vorzustellen.

_Die Inszenierung_

|Mr. Poe|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Poe kann sehr pragmatisch agieren, und Pleitgen weiß die scharfe Beobachtungsgabe seiner Hauptfigur wie auch dessen Hinterlist ebenso glaubwürdig darzustellen. Sein Poe ist kein hilflos durch die Gassen torkelnder Somnambuler, sondern ein hellwacher Geist, der nur ab und zu unter ein paar Bewusstseinstrübungen leidet, die ihn in Gestalt von Träumen heimsuchen.

|Miss Leonie Goron|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird.

In Episode 15 „Du hast’s getan“ steht sie selbst ihren Mann als Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe. In Episode 18 tritt sie als Ägyptologin auf, unter dem Namen Leonie Sander. Sie spielt Scully an der Seite von Poes Mulder. In dieser Folge hustet sie jedoch zum Steinerweichen – wie hat Berben das nur gemacht?

Neben den Wärtern und Mr. Valdemar sind die Herrschaften im Seuchendorf die interessantesten Figuren. Besonders König Pest hat mir gefallen, den Wolfgang Ziffer spricht. Ulrike Stürzbecher ist zwar nicht mit einer eigenen Rolle aufgeführt, aber es ist klar, dass sie die kleine Rolle der Anna Pest spricht.

|Musik und Geräusche|

Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.

Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Als der erste Donnerschlag krachte, zuckte ich überrascht zusammen, danach pladdert und plätschert der Regen. In den Gängen der Irrenanstalt dröhnt der Hall von schlagenden Türen. Als der Elektroschockapparat bereitgemacht wird, britzelt die Elektrizität gar unheilvoll. Am Schluss, wenn alles wieder friedlich ist, sind Wellenrauschen und Möwengekreisch zu hören.

Auf die Dreidimensionalität des Klangbilds wurde stärker geachtet: Stimmen von links und rechts, in der Ferne (leiser) und im Vordergrund (lauter), ja sogar innerer Monolog (spezielle Musikuntermalung mit ausgeblendeten Geräuschen) vermitteln den Eindruck einer Welt, in der sich ein Betrachter wie im Zentrum des Geschehens fühlen könnte.

|Musik|

Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung der ganzen Episode, denn auf der Pestinsel ist die Gestaltung der beklemmenden Atmosphäre besonders wichtig, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln und seine Emotionen zu steuern. Immer wieder erklingt das obligatorische Requiem „Dies irae, dies illa“. Ergänzt wird es diesmal von einem Wiegenlied: „Guten Abend, gute Nacht“. Damit kein Zuhörer dadurch einschläft, folgt gleich darauf ein Dröhnen, das selbst Tote aufwecken könnte.

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

|Edgar Allan’s Project|s „Ich bin nicht wahnsinnig“ ist ein Remix aus der Hörspielserie mit Originalauszügen und angereichert mit der Musik, die das Berliner Filmorchester für „Visionen“ und auch für die Hörspielserie eingespielt hat. Produziert von Simon Bertling und Christian Hagitte (|STIL|).

Den Anfang macht ein gewohnt schauerliches Zitat, wie es jedem der Poe-Hörspiele vorangestellt ist: „Ich bin nicht wahnsinnig“. Weitere Zitate stammen aus „Die Grube und das Pendel“ sowie aus „Das Haus Usher“. Die Instrumentierung ist wie gehabt: Drums, Bass und – sehr dezent – Orchester. Die Sprecher sind schwer zu identifizieren, aber es könnte sich um die Originalsprecher der Hörspiele handeln, nur etwas verzerrt.

_Unterm Strich_

Kurz und knackig wie die ersten drei Episoden dieser Staffel nun mal sind – jeweils 53 bis 57 Minuten Länge – führt auch diese Folge actionorientiert durch die Handlung. Die Zeit drängt, denn Leonie droht an der Seuche – klar, dass es die Pest ist – zu sterben wie all die anderen Insassen des umzäunten Krankendorfes. Zwar ist informationsmäßig hier nicht viel zu holen, weil Dr. Baker gerade in der Stadt ist, aber durch die Bekanntschaft mit Mr. Valdemar findet sich wenigstens ein Weg, wieder von der Insel runterzukommen.

Der Erfolg hat der Poe-Hörspielreihe zu langer Laufzeit verholfen. Würde der Erfolg fehlen, wäre sie schon längst abgebrochen worden, wie es unlängst der VAMPIRA-Reihe widerfahren ist, die |Lübbe Audio| nach inoffiziellen Informationen nicht mehr weiterführen will. Der hohe Produktionswert der Poe-Reihe wird vor allem vom |STIL|-Studio gewährleistet, das für einwandfreie Musik- und Geräuschuntermalung sorgt. Hoffentlich bleibt das auch so.

|Basierend auf „King Pest“
57 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de

John Sinclair Classics – Der schwarze Würger (Folge 41)

Die Handlung:

Auf der Geburtstagsfeier des reichen Industriellensohnes Percy Clifton kommt es beinahe zu einer Tragödie, als Percys schüchterner Bruder Dan im Pool zu ertrinken droht. Im letzten Moment rettet Sheila Conolly Dan Clifton aus dem Wasser … doch bald darauf fordert der schwarze Würger auf dem Schloss der Cliftons sein erstes Opfer! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 180 gemacht, der erstmalig am 22. Februar 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.

John Sinclair Classics – Der schwarze Würger (Folge 41) weiterlesen

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Grube und das Pendel, Die (POE #1)

Diese CD ist der äußerst gelungene und stimmungsvolle Auftakt für die erste Hörspielserie, in der |Lübbe| vier Erzählungen von E. A. Poe verarbeitet hat. Diesen Herbst wurde die Poe-Reihe mit vier weiteren Produktionen fortgesetzt.

|Der Autor|

Edgar Allan Poe (1809 – 1849) gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, Horrorstory, Science-Fiction, Short Story. Er gab verschiedene Zeitschriften heraus, veröffentlichte aber nur wenige eigene Werke in Buchform, sondern sah seine Geschichten und Gedichte lieber in Zeitschriften gedruckt. Er starb im Alkoholdelirium. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas.

Mehr Informationen bei [wikipedia.]http://de.wikipedia.org/wiki/Edgar__Allan__Poe

|Die Sprecher|

Ulrich Pleitgen spricht die Figur des „Fremden“, der den Namen E. A. Poe annimmt.
Joachim Kerzel, bekannt aus zahlreichen Horror-Hörspielen und -Audiobooks, spricht die Rolle des Abtes. Kerzel ist die deutsche Synchronstimme von z. B. Jean Reno, Dustin Hoffman, Harvey Keitel, Sir Anthony Hopkins oder Jack Nicholson.
Klaus Jepsen: Bruder Amontillado
Till Hagen: Dr. Templeton
Viola Morlinghaus: Schwester Berenike
Gedicht am Anfang/Lied am Schluss: Heinz Rudolf Kunze

_Handlung_

Vorgeschichte: Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert wurde und jetzt, nach zehn Wochen, entlassen wird. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Leider neigt sich sein Aufenthalt dem Ende zu: Die Anstalt soll dichtgemacht werden und er wird bald entlassen. Doch in seiner letzten Nacht erlebt der Erzähler in seiner kargen Zelle einen beängstigenden Traum …

Er erwacht in der Zelle eines Mönches, die sich im Kloster von Toledo in Spanien befindet. Am Kopf hat er eine schwere Wunde davongetragen, die eine freundliche Nonne namens Schwester Berenike mit Kräutern behandelt. Hat er diese Wunde im Krieg davongetragen, der sich Toledo in Form napoleonischer Truppen nähert? Man schreibt das erste Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts, und die Situation Toledos ist alles andere als sicher.

Wie sich herausstellt, haben ihn die Mönche niedergeschlagen, weil sie ihn für einen Spion der Franzosen hielten. Im Kloster herrscht die als grausam verrufene Inquisition der katholischen Kirche, und es herrscht eine Art Torschlusspanik. Der scheinbar freundliche Abt, der das Kloster leitet, verfügt über eine bemerkenswerte Standuhr: in das Zifferblatt sind Löcher für vier Finger eingelassen und das Pendel ist rasiermesserscharf zugeschliffen. Ein Omen? O ja, und nicht nur für Schwester Berenike, die hier eigentlich nur zu Besuch ist. Kurz zuvor sei der Bruder Botanicus gestorben, erzählt sie.

Das Kloster ist in der Tat das Gegenteil eines Kurortes: Als sich der Erzähler einmal in einem Krug Wasser von einem Auslassrohr holt, bemerkt er zu spät, dass es sich um fast pures Blut handelt. Es stammt von den in den Gewölben gefolterten Opfern der Inquisition. Als er und Berenike vor Entsetzen um Mitternacht fliehen wollen, stoßen sie auf einen Leichentransport, der gerade das Kloster verlässt: Auf dem Karren liegen zerschnittene und von Ratten angefressene Körperteile. Sekunden später werden die beiden Flüchtlinge gefangen genommen und später vom Abt verurteilt, damit das Geheimnis des Klosters gehütet wird.

Der Erzähler erwacht in einem lichtlosen Gewölbe neben einem Schacht, mit Riemen auf einen Block gebunden: neben sich Ratten, über sich ein riesiges rasiermesserscharfes Pendel, das hin und her schwingt, sich dabei aber unaufhaltsam auf den Wehrlosen herabsenkt …

_Die Umsetzung_

|Die Sprecher|

Ulrich Pleitgen und Joachim Kerzel dominieren das Hörspiel mit ihren tiefen Stimmen. Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Kerzel ist als Abt nur in zwei Szenen zu hören, wirkt aber dabei bereits zwielichtig beziehungsweise kriminell – kein Wunder, denn der Abt ist einer der letzten Vertreter der grausamen spanischen Inquisition.

Klaus Jepsen ist uns inzwischen am besten als deutsche Stimme von Bilbo Beutlin vertraut, die des „Dr. Templeton“ als die Synchronstimme von Kevin Spacey, allerdings mit betonten Bässen. Meine besondere Bewunderung möchte ich Viola Morlinghaus aussprechen: Sie spielt die sympathische Botanikerin „Schwester Berenike“ absolut lebensecht, verzweifelt und schließlich niedergeschmettert, dass man mit ihr mitfühlen muss. Allerdings fällt auf, dass ihre Figur sehr oft „Ich weiß es nicht“ sagen muss.

|Der Song|

Das Stück klingt mit H. R. Kunzes Lied über E. A. Poe, dem „Weißen Raben“, aus. Es ist quasi eine Moritat, die versucht, diesen Dichter als Warner seiner Zeitgenossen in einen soziokulturellen Kontext zu stellen. Der Fünf-Minuten-Song ist zwar textlastig wie jede Moritat, aber stimmungsvoll instrumentiert und vorgetragen: schön schräg intoniert, mit „singender Säge“ unterlegt und wohligen Schauder erzeugend.

|Die szenische Musik und Klanggestaltung|

Die Musik besteht aus moderner Klassik, vermischt mit dem Kirchenlied „Dies irae, dies illa“ (Tag des Zorns) und einem Streichquartett. Getrennt werden die einzelnen Szenen durch besondere Klangelemente wie etwa eine Glocke.

Die Klangkulisse dieses ersten Teils der Serie ist im Vergleich zu den anderen Teilen ganz besonders ausgetüftelt und äußerst wirkungsvoll. Von dezenten Kirchenglocken, Chören, menschlichen Schreien bis hin zu Wolfsgeheul, Rattengefiepe und Windrauschen reicht die Geräuschpalette. Wer über eine ordentliche Anlage verfügt, sollte jedoch die Bässe bis zum Anschlag aufdrehen: Die Szene unter dem Pendel bietet ein paar besonders basslastige Soundeffekte – man kann das Schwingen des riesigen Pendels praktisch sehen, nicht nur hören.

_Unterm Strich_

„Die Grube und das Pendel“ treibt den Horror auf eine bis dato unerreichte Spitze: Folter durch die Inquisition, ein mysteriöser Todesfall, Gift im Wasser, ominöse Pendeluhren und schließlich der klaustrophobische Höhepunkt unter dem Pendel selbst. Kulturell gesehen herrscht im Kloster noch finsterstes Mittelalter, bis Napoleons Truppen Freiheit, Licht und Leben bringen. Der Abt verkörpert die Willkürherrschaft der katholischen Kirche in Spanien. Es herrscht Torschlusspanik und die Entwicklung der Dinge treibt auf einen Höhepunkt zu.

Die Rahmenhandlung in Dr. Templetons Anstalt taugt durchaus dazu, die Serie zu tragen, allerdings sind die Traumreisen in Poe’sche Storywelten nur mit romantischen Mitteln zu erklären, es sei denn, der Patient Poe bekäme zur Heilung ein traumförderndes Medikament.

Inszenierung und Sprecher sind von erster Güteklasse – schade, dass Kerzel nur in dieser Folge mit von der Partie ist. Die Musik und Klanggestaltung unterstützen die hervorragenden Sprecher wirkungsvoll. Kunzes Song am Schluss wirkt für mich etwas aufgesetzt, aber sei’s drum.

Zusammen mit „Die schwarze Katze“ bildet „Grube und Pendel“ meine bevorzugten Teile der vierteiligen Serie.

|Umfang: 59 Minuten auf 1 CD|

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Berenice (Poe #22)

_Vampirträume: Durchbruch zur Pestinsel_

Die Reihe bringt unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör.

Der Mann, der sich Poe nennt, bietet Dr. Baker einen Tausch an: die Aufzeichnungen zu Dr. Bakers Lebenswerk im Tausch gegen Poes wahre Identität. Ein unwiderstehliches Angebot, denkt Poe. Aber Dr. Baker schweigt. Poe und Leonie wagen sich in die Höhle des Löwen: eine Pestinsel …

Ulrich Pleitgen und Iris Berben haben auch an den ersten 21 Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: Die Grube und das Pendel
#2: Die schwarze Katze
#3: Der Untergang des Hauses Usher
#4: Die Maske des roten Todes
#5: Sturz in den Mahlstrom
#6: Der Goldkäfer
#7: Die Morde in der Rue Morgue
#8: Lebendig begraben
#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora
#13: Schweigen
#14: Die längliche Kiste
#15: Du hast’s getan
#16: Das Fass Amontillado
#17: Das verräterische Herz
#18: Gespräch mit einer Mumie
#19: Die Sphinx
#20: Scheherazades 1002. Erzählung (auch: Die 1002. Erzählung)
#21: Schatten (ursprünglicher Titel: Die Scheintoten)
#22: Berenice
#23: König Pest
#24: Der Fall Valdemar
#25: Metzengerstein

Das Taschenbuch ist im Mai 2007 unter dem Titel [„Lebendig begraben“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3404156757/powermetalde-21 bei |Bastei Lübbe| erschienen.

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia, auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Shortstory. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten.

_Die Inszenierung_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren.

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Kapitän Hardy: Jürgen Wolters
Pater O’Neill: Jaecki Schwarz
Anna Rogêt: Clara Nicolai
George Appo: Gerald Schaale
Rick Ellis: Tilo Schmitz
Edward Bunting: Hasso Zorn

Der deutsche Prolog wird von Heinz Rudolf Kunze vorgetragen, der englische von Laurie Randolph, die Ansage erledigt André Sander. Die deutsche Hörspielfassung stammt von Melchior Hala nach einer Idee von Marc Sieper, Dickky Hank und Thomas Weigelt. Für Regie, Musik und Ton waren Christian Hagitte und Simon Bertling vom STIL-Studio verantwortlich.

_Das Booklet_

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Eingangs gibt es einen mittlerweile recht umfangreichen Abriss der Vorgeschichte der Episode. Kleine Biografien stellen die beiden Hauptsprecher Ulrich Pleitgen und Iris Berben vor. Die mittlere Doppelseite zeigt alle bislang veröffentlichten CDs. Danach folgt eine Seite, die sämtliche Credits auflistet. Die vorletzte Seite wirbt für das Hörbuch [„Edgar Allan Poe: Visionen“, 2554 das ich empfehlen kann. Die letzte Seite gibt das Zitat aus E. A. Poes Werk wieder, das am Anfang einer jeden Episode – jeweils abgewandelt – zu hören ist.

_Vorgeschichte_

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon zwanzig Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Alpträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton als Francis Baker darin spielt. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe nicht von Alpträumen nicht verschont. Doch er findet etwas über seine und Leonies Vergangenheit heraus und welche finstere Rolle Dr. Templeton darin spielt.

Am Anfang rekapituliert Poe sehr knapp die unmittelbare Vorgeschichte. Das erleichtert den Einstieg in die Serie ein wenig, aber nur minimal. Daher noch ein wenig mehr Inhaltsangabe über Episode 21, denn Details werden in „Berenice“ wieder aufgegriffen.

_Episode 21:_

Kapitän Hardy, der süffelnde Kommandant des untergegangenen Segelschiffs „Independence“, hat Poe geraten, sich vor seinem unsichtbaren Verfolger ein gutes Versteck zu suchen. Wie wär’s mit dem Totenschiff der Armen, das im nördlichen Hafen New Yorks vor Anker liegt? Die „Rachel“ durchsucht bestimmt keiner. Gesagt, getan.

Allerdings macht dieser abgetakelte Segler keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck. Der einzige Lebende an Bord ist der alte Ismael. Als Poe ihm zwei Flaschen guten Whiskys in die Hand drückt, ist er überredet: Poe darf frei logieren. Ismael warnt ihn aber vor den Ratten, die recht groß werden können. Und eine der Türen sei für ihn verboten, da habe er keinen Zutritt. Alles klar? Alles klar.

Ismael geht von Bord, denn er wolle einen Freund besuchen. Auf Blackwell Island (dort liegt Dr. Bakers Klinik!) sei die Cholera ausgebrochen, und schon bald werde es die ersten Leichen abzuholen geben. Wenig später kommt Leonie Goron an Bord. Zusammen machen sie hinter der verbotenen Tür eine grausige Entdeckung.

_Handlung_

Poe und seine Freundin Leonie Goron sitzen in New York City fest. Seit drei Tagen warten sie vergeblich auf Barney Deibler, den früheren Gehilfen Dr. Bakers (vgl. Episoden 10 bis 13). Deibler sollte Dr. Baker im Austausch für das Geheimnis von Poes wahrer Identität diesem Bakers Arbeitsnotizen, sein Lebenswerk, anbieten, die Poe Baker gestohlen hat. Ein fairer Deal, will Poe meinen, aber Deibler taucht nicht auf.

Von Reverend O’Neill erfahren sie, dass auf Blackwell Island, wo Baker lebt, eine Seuche ausgebrochen sei und sie unter strikter Quarantäne stehe. Wer von dort zu fliehen versuche, werde mit Kanonenbooten der Hafenbehörde versenkt. Tatsächlich hören sie hin und wieder Kanonenschüsse im Dunst über dem East River. Als alle Stricke reißen, beschließt Poe, trotzdem zur Insel zu fahren. O’Neill gibt ihm einen Empfehlungsbrief für den Pfarrer der Insel, Edward Bunting, mit. Doch woher bekommen sie ein Boot?

Der Zufall kommt Poe auf grausige Weise zu Hilfe. Als er in der Schenke von Rick Ellis, wo der Leichenwärter der „Rachel“, Ismael, zu verkehren pflegte, eine Pastete isst, knirscht es zwischen Poes Zähnen. Es ist ein menschlicher Zahn! Alle Wetter, hat der alte Ismael doch auch Rick das Fleisch der Leichen verhökert. Nun, wenn Rick nicht angezeigt werden will, muss er etwas dafür tun. Wie wär’s mit einem Boot? Als Poe auch noch ein Stöhnen aus den Kellergwölben Ricks vernimmt, ist er nicht mehr zu halten. Es handelt sich um seinen alten Freund, den Bettler George Appo, der ihm in New Orleans mehr als einmal das Leben rettete. George ist gerne bereit, mit Poe zur Insel zu fahren, solange er ein zweites Boot bekommt.

Weil George als Ablenkung agiert, gelingt es Poe und Leonie, die keinesfalls zurückbleiben will, die verbotene Insel zu erreichen. Sie gelangen auch sicher in Buntings Kirche. Als Bunting dort stirbt, kann Poe dessen Stelle als Seelsorger annehmen. Auf diese Weise wird er Baker suchen können, ohne aufzufallen.

Doch bevor er sich auf den Weg machen kann, wird Poe von einem schrecklichen Traum heimgesucht, in dem er von Zähnen träumt, wie sie Rick Ellis ihm serviert hat. Doch diese Zähne stammen von Berenice, der geliebten Frau, und sie sind überaus weiß und lang …

_Mein Eindruck_

Diese Folge der Hörspielreihe knüpft direkt an das Ende von Folge 21 an. Schauplatz ist weiterhin der Hafen von New York City, und Leonie und Poe suchen weiterhin Kontakt mit Dr. Baker, jenem Mann, der als „Dr. Templeton“ offenbar Poe psychiatrisch behandelt hat. Nur er kann ihm auch seine frühere Identität zurückgeben. Leonie ist nicht nur Poes Freundin, sondern auch durch Familienbande mit ihm verbunden. Diese wurde in New Orleans (Folgen 10 bis 14) enthüllt. Klar, dass sie ihn keinesfalls allein nach Blackwells Island fahren lassen will. Verlöre sie ihn, wäre sie ganz allein auf der Welt.

Doch Poes Verhältnis zu den Menschen und zu Frauen im Besonderen ist nicht das einfachste. Seiner selbst unsicher, ist er auf Täuschung und Verrat gefasst. Das Knirschen eines menschlichen Zahnes in seinem Mund bestätigt ihn wieder einmal in dieser Grundhaltung. Rick Ellis serviert Pasteten aus Menschenfleisch – warum er ausgerechnet auch Zähne verarbeitet, muss wohl sein Geheimrezept bleiben, so unwahrscheinlich es auch klingt. Aber Zähne liefern das Leitmotiv für diese Folge, das eine Vampirgeschichte enthält.

|Der Berenice-Traum|

Der Träumer und die schöne Titelfigur sind Cousin und Cousine, doch während er sich schwächlich zurückhält, bewundert er an ihr das blühende Leben. Dieses Verhältnis ändert sich schlagartig, als Berenice – ähnlich wie Poes echte Frau und Cousine Virginia Clemm – an Tuberkulose und Auszehrung erkrankt. Dabei verfällt sie mitunter in einen todesähnlichen Zustand der Trance. Der Träumer wiederum ist einer Monomanie verfallen, die ihn in einen Geisteszustand verfallen lässt, in dem er sich stundenlang auf nur einen Gegenstand konzentriert. Er scheint dadurch in eine Art Geistesabwesenheit zu geraten. Trotzdem heiraten die beiden. Das Verhängnis ist unausweichlich, als ihm Berenices unglaublich weiße und lange Zähne auffallen …

Vielfach ist diese unheimliche Erzählung als Vampirgeschichte interpretiert worden, denn wozu sonst sollte Berenice derart lange Zähne aufweisen? Das Thema der verbotenen Beinahe-Geschwisterliebe erinnert zudem an das unselige Geschwisterpaar [Madeleine und Roderick Usher. 2347 Klar, dass daraus nichts Gutes entstehen kann.

Und dass es schließlich zu einer abscheulichen Grab- und Leichenschändung kommt, dürfte kaum noch jemanden verwundern. Allerdings ist die Schuldfrage nicht eindeutig zu klären. Hat Berenice Schuld an ihres Cousins somnambulem Zustand, so dass er unter Amnesie zu leiden beginnt? Wenn ja, dann kann er nicht für seine Untat verantwortlich gemacht werden.

Unserem Poe auf Blackwell Island kommt Berenice jedenfalls seltsam vertraut vor, als er ihr Gesicht in der Zeitung sieht, und den schauerlichen Grund dafür werden wir hoffentlich bald erfahren.

_Die Inszenierung_

|Mr. Poe|

Pleitgen „spielt“ die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. Im ersten Teil des „Berenice“-Traumes schwelgt sein Poe in verliebter Seligkeit, und das kann man deutlich hören. Umso gequälter klingt Poe in der zweiten Traumhälfte, als ihn die sieche und dann tote Geliebte in seinen Albträumen heimsucht.

Aber Poe kann auch sehr pragmatisch agieren, und Pleitgen weiß die scharfe Beobachtungsgabe seiner Hauptfigur wie auch dessen Hinterlist ebenso glaubwürdig darzustellen. Sein Poe ist kein hilflos durch die Gassen torkelnder Somnambuler, sondern ein hellwacher Geist, der nur ab und zu unter ein paar Bewusstseinstrübungen leidet, die ihn in Gestalt von Träumen heimsuchen.

|Miss Leonie Goron|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. In Episode 15 „Du hast’s getan“ steht sie selbst ihren Mann als Detektivin und Ein-Frau-Polizeitruppe. In Episode 18 tritt sie als Ägyptologin auf, unter dem Namen Leonie Sander. Sie spielt Scully an der Seite von Poes Mulder.

|Nebenfiguren|

Die Nebenfiguren werden hauptsächlich durch redliche ältere Herren gestellt, mit einer Ausnahme, und das ist die junge Anna Rogêt, deren Schwester wohl die unglückliche Marie Rogêt ist, deren Tod in E.A. Poes Erzählung von Auguste C. Dupin aufgeklärt wird, wobei dieser kaum einen Fuß vor die Tür setzt. Die Schurken, die Poe und Leonie in den New-Orleans- und New-York-Folgen so zugesetzt haben, lassen noch auf sich warten.

|Musik und Geräusche|

Der Sound liegt im Format PCM-Stereo vor, wie mir mein DVD-Spieler angezeigt hat, und klingt glasklar. Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt.

Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Immer wieder erklingt eine Turmglocke, um subtil im Hintergrund anzuzeigen, welche Stunde geschlagen hat. Das ist ein Detail, das man sich beim genauen Hinhören nicht entgehen lassen sollte. In der Haupt- wie auch in der Binnenhandlung (Traum) wird Mitternacht geläutet. Recht eindrucksvoll sind die ab und zu dröhnenden Kanonenschüsse der Patrouillenboote. Ganz besonders gefiel mir das durchdringende Miauen von Rick Ellis‘ Katze. Sie erinnert Poes innige Bekanntschaft mit einer schwarzen Katze aus Folge zwei und symbolisiert kommendes Unheil.

Auf die Dreidimensionalität des Klangbilds wurde stärker geachtet: Stimmen von links und rechts, in der Ferne (leiser) und im Vordergrund (lauter), ja sogar innerer Monolog (spezielle Musikuntermalung mit ausgeblendeten Geräuschen) vermitteln den Eindruck einer Welt, in der sich ein Betrachter wie im Zentrum des Geschehens fühlen könnte.

|Musik|

Die Musik erhält eine wichtige Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese untermalende Aufgabe dient diesmal mehr der Gestaltung der ganzen Episode, denn auf der Pestinsel ist die Untermalung der beklemmenden Atmosphäre besonders wichtig, um die Aufmerksamkeit des Hörers zu fesseln und seine Emotionen zu steuern. Immer wieder erklingt das obligatorische Requiem „Dies irae, dies illa“.

Ein Streichquartett, Musiker des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

|Edgar Allan’s Project|s „Ich bin nicht wahnsinnig“ ist ein Remix aus der Hörspielserie mit Originalauszügen und angereichert mit der Musik, die das Berliner Filmorchester für „Visionen“ und auch für die Hörspielserie eingespielt hat. Produziert von Simon Bertling und Christian Hagitte (|STIL|).

Den Anfang macht ein gewohnt schauerliches Zitat, wie es jedem der Poe-Hörspiele vorangestellt ist: „Ich bin nicht wahnsinnig“. Weitere Zitate stammen aus „Die Grube und das Pendel“ sowie aus „Das Haus Usher“. Die Instrumentierung ist wie gehabt: Drums, Bass und – sehr dezent – Orchester. Die Sprecher sind schwer zu identifizieren, aber es könnte sich um die Originalsprecher der Hörspiele handeln, nur etwas verzerrt.

_Unterm Strich_

In dieser Folge ist die äußere Handlung wesentlich interessanter als die auf Poes „Berenice“ basierende Binnenerzählung. Erfreulich ist die in der Serie zunehmende Actionorientierung, die schon in den New-Orleans-Episoden festzustellen war, aber in den New-York-Folgen noch eine deutlich finsterere Seite dazugewonnen hat.

Das Leitmotiv dieser Folge sind sicherlich Zähne. Der in einer Pastete gefundene Zahn – der auf Kannibalismus hindeutet – leitet über zur Berenice-Geschichte, in der Grab- und Leichenschändung sowie Vampirismus eine Rolle spielen. Sicherlich sind die Poe-Hörspiele nicht gerade Stoff für zart besaitete Gemüter, aber dann ist ja auch Poes Literatur von vornherein ein Fall für die etwas morbider empfindenden Zeitgenossen. Interessant, dass dieser Autor zurzeit so großen Erfolg hat.

Der Erfolg hat der Poe-Hörspielreihe zu langer Laufzeit verholfen. Würde der Erfolg fehlen, wäre sie schon längst abgebrochen worden, wie es unlängst der „Vampira“-Reihe widerfahren ist, die |Lübbe Audio| nach inoffiziellen Informationen nicht mehr weiterführen will. Der hohe Produktionswert der Poe-Reihe wird vor allem vom |STIL|-Studio gewährleistet, das für einwandfreie Musik- und Geräuschuntermalung sorgt. Hoffentlich bleibt das auch so.

|69 Minuten auf 1 CD|
http://www.poe.phantastische-hoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de

Perry Rhodan – Mission SOL 2 – Die komplette Miniserie (Teile 1-12)

Die Handlung:

Zwischen Kosmokraten und Chaotarchen – Perry Rhodan und die Besatzung der SOL streiten für die Menschlichkeit. Im Jahr 1552 Neuer Galaktischer Zeitrechnung ist Perry Rhodan, der die Menschheit von Beginn an ins All begleitet hat, in eine ferne Galaxis versetzt worden. Dort hat er die seit Langem verschollene SOL und ihre Besatzung aus einer Chaoszone gerettet. Eigentlich wollen die Menschen an Bord nun so schnell wie möglich in die heimatliche Milchstraße zurückkehren. Aber ein Bote der Kosmokraten macht ihnen klar: Sie können nur nach Hause, wenn sie zuvor eine wichtige Aufgabe für die Hohen Mächte erfüllen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Das erste SOL-Abenteuer scheint (zu Recht) gut bei den Fans angekommen zu sein, also schiebt der Verlag direkt die zweite Mini-Serie hinterher … obwohl die erste MISSION ja eigentlich gut abgeschlossen wurde. Wieder sinds zwölf Teile, aber diesmal kanns direkt losgehen … wir müssen die SOL nicht erst finden. Die Suche nahm ja mehr oder weniger einen Großteil der Handlung der ersten „Mission“ ein.

Perry Rhodan – Mission SOL 2 – Die komplette Miniserie (Teile 1-12) weiterlesen

Perry Rhodan – Sternenfieber (Silber Edition 151)

Die Handlung:

Das Jahr 427 Neuer Galaktischer Zeitrechnung: Ohne es zu wollen, ist die Menschheit in einen Konflikt hineingezogen worden, der sich über Raum und Zeit erstreckt. Mächtige Wesenheiten, die man als Kosmokraten und Chaotarchen bezeichnet, ringen in weiten Teilen des Universums um Macht und Einfluss.
Perry Rhodan und seine Gefährten können diesen kosmischen Wesen kaum etwas entgegenstellen. Immerhin gelingt es ihnen, die Kontrolle über die Endlose Armada zu gewinnen, einen gigantischen Heerwurm aus Millionen und Abermillionen Raumschiffen. Die Armada soll durch die Milchstraße ziehen und dabei die sogenannten Chronofossilien aktivieren – dabei wird sie ständig von den Mächten des Chaos angegriffen.
In einem ganz anderen Bereich des Kosmos muss Atlan, der beste Freund Perry Rhodans, zur selben Zeit einen gefährlichen Auftrag erfüllen: Im geheimnisvollen Tiefenland soll er eine uralte Gefahr beseitigen, die aufs engste mit dem Schicksal der Milchstraße verbunden ist. Scheitert Atlan, droht der Menschheit und ihren Verbündeten der baldige Untergang … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Interessant“ gehts los. Mir fiel kein besseres Wort ein, weils irgendwie seltsam, aber eben doch unterhaltsam und interessant ist, wovon uns erzählt wird. Bully wird entführt … cool, endlich mal nicht Perry Rhodan selbst. Der andere Handlungsfaden zeigt aber mal wieder, dass sich die Autoren manchmal wirklich austoben dürfen. Ein Terraner und eine Siganesin helfen einer Pflanze … einer intelligenten natürlich, sonst wüsste man ja nicht, wie man ihr helfen sollte. So spektakulär interessant scheint dieser Charakter aber nicht gewesen zu sein, Comanzatara, wie sie heißt, taucht nur in fünf Heftromanen der Perry-Rhodan-Serie auf.

Perry Rhodan – Sternenfieber (Silber Edition 151) weiterlesen

Johann August Apel – Der Freischütz (Gruselkabinett 15)

Nur aus Liebe? Teufelspakt im Geisterwald

Gruselkabinett (15): Eine kürfürstliche Gegend um 1800: Der junge Amtschreiber Wilhelm liebt des Försters Tochter Käthchen. Die einzige Möglichkeit, den Vater dazu zu bewegen, ihm die Hand der Geliebten zu gewähren, besteht für Wilhelm darin, sich als sein würdiger Nachfolger in der Erbförsterei zu erweisen. Leider ist er alles andere als ein sicherer Schütze. Wilhelm ist jedoch jedes Mittel recht, das kurfürstliche Probeschießen zu bestehen – sogar ein Pakt mit dem Teufel …

Der Verlag empfiehlt das Hörspiel ab 14 Jahren.

Der Autor

Johann August Apels (1771-1816) Erzählung ist die Vorlage zu Carl Maria von Webers berühmter, gleichnamiger Oper. Ein literarischer Schatz aus der Zeit der schwarzen Romantik, der nun erstmals als atmosphärisches Hörspiel vertont wurde. (Verlagsinfo)

Die Sprecher/Die Inszenierung

Die Rollen und ihre Sprecher:

Wilhelm: Marius Clarén (u. a. dt. Stimme von Tobey Maguire)
Förster Betram: Jochen Schröder (James Cromwell)
Anne, seine Frau: Dagmar von Kurmin
Käthchen, seine Tochter: Luise Helm (Scarlett Johansson)
Rudolf, Jägerbursche: Tobias Kluckert (Tyrese Gibson, Colin Farrell in „The New World“)
Stelzfuß: Jürgen Thormann (Michael Caine, Max von Sydow)
Hexe: Inken Sommer („Lwaxana Troi“ in „Star Trek“)
Geisterkutscher: Kammerschauspieler Heinz Ostermann
Geist der Mutter: Evelyn Maron (Kim Basinger)
Samiel: Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers)
Kommissarius des Kurfürsten: Uwe Büschken (Matthew Broderick, Hugh Grant)
Gefängniswärter: Jürg Löw

Marc Gruppe schrieb wie stets das Buch und gemeinsam mit Stephan Bosenius setzte er es um. Die Aufnahme fand im Studio AudioCue, Rotor Musikproduktion, Scenario Studio und bei Kazuya statt. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

Hörprobe: http://www.titania-medien.de/gruselkabinett__15.php (ohne Gewähr)

Handlung

|PROLOG|

In seinen Albträumen hört der Försterbursche Wilhelm Schüsse. Schüsse mit drei verhexten Kugeln. Und ein teuflischer Geist lacht dazu: „Du bist mein, Wilhelm!“ Der junge Mann wälzt sich auf einem Strohlager, das man ihm in einem Einzimmerapartment bereitet hat: im Kerker. Sein Gefängniswärter ist jedoch kein Unmensch, sondern erklärt sich gegen ein kleines Entgelt bereit, dem Gefangenen Papier, Feder und Tinte zu holen. Wilhelm schreibt seine Erinnerungen nieder. Wie konnte ihn das Schicksal nur in diese missliche Lage bringen? Denn am folgenden Morgen soll er öffentlich hingerichtet werden. Vorher will er wenigstens seine Seele erleichtern.

|Binnenhandlung|

Weil Wilhelm bereits mit 17 Jahren seine Eltern verloren hat, wird sein Onkel zum Vormund bestimmt. Dieser Amtmann will aus dem Jungen einen von Seinesgleichen machen, doch als er die Lehre im Jahr 1800 abschließt, steht Wilhelm der Sinn nach etwas ganz anderem als dem Herumschubsen von Aktenbergen: Er ist bis über beide Ohren in die Tochter des Försters Bertram verliebt. Käthchen würde ihm auch allzu gerne ihre Hand geben, und ihre Mutter Anna hätte auch nichts gegen den feschen Jüngling. Doch der alte Förster sorgt sich um seine Nachfolge im Revier des Kurfürsten und will partout nur einen Förster zum Schwiergersohn.

Da kann Wilhelm nur erleichtert lachen. Bevor ihn sein Vormund in die Lehre schickte, hat er zwei Jahre lang praktische Erfahrung in der Jägerei gesammelt. Käthchen hüpft das Herz in der schönen Brust, und tatsächlich dauert es nicht lange, bis Wilhelm ihre Hand versprochen bekommt. Es gibt nur noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen. Beim Abendessen erzählt man ihm von Urahn Kuno, der der erste Förster in diesem Revier war. Missgünstige Gemüter erzählen bis heute, sein Meisterschuss sei nicht von den Engeln geleitet worden, sondern vom Teufel, also ein so genannter „Freischuss“ gewesen. Seitdem sei vor der Försterwahl immer eine Schießprüfung nötig. Der Vertreter des Kurfürsten werde sie beizeiten ansetzen.

Doch wie es manchmal so seltsam geht: Mit dem Wachsen der Liebe zu Käthchen schwindet Wilhelms Glück auf der Jagd. Er bringt immer lausigere Beute heim. Das Gewehr sei verhext, sagt sein Rivale, der Försterbursche Rudolf. Um dem abzuhelfen, soll Wilhelm nachts auf den Kreuzweg und auf Samiel warten, den Seelensammler Satans. Davon hat Wilhelm noch nie gehört. Doch bei einem weiteren Fehlschuss beschwört er Samiel und ein kleines Männlein taucht auf, das sich als Stelzfuß vorstellt. Er gibt Wilhelm eine besondere Kugel, die auch prompt den gewünschten Erfolg zeitigt: Dieser Schuss holt einen schnellen Falken vom Himmel. Stelzfuß gibt Wilhelm mehr Kugeln, und dieser hofft, damit das Probeschießen beim Kurfürsten bestehen zu können.

Doch das Schicksal scheint sich gegen ihn verschworen zu haben. Das Schießen wird verschoben, und schon nach kurzer Zeit ist der Vorrat aufgebraucht, weil der Förster mehr Wild liefern soll. Was tun? Da erzählt Förster Bertram vom Freischützen Georg Schmidt, der einmal beim Kreuzweg nachts verweilte und wahnsinnig wurde. Er wollte seine eigenen Freikugeln gießen und musste einen kleinen Fehler bitter büßen. Das Ritual ist genau vorgeschrieben: Es muss ab elf Uhr nachts genau eine Stunde dauern, der Mann muss in einem Zauberkreis stehen und darf diesen nie verlassen. Doch die Geistererscheinungen jagten Georg solches Grauen ein, dass er den Bannkreis verließ – der Teufel holte seine Seele …

Na, jetzt weiß Wilhelm ja genau Bescheid, wie er es anstellen muss, 63 Zauberkugeln zu gießen. Doch erstens gibt es jede Menge warnende Vorzeichen und zweitens wollen ihn seine Schwiegereltern in spe und Käthchen von nächtlichen Ausflügen abhalten. Nur auf den letzten Drücker gelingt es ihm, in den Wald zum Kreuzweg zu gelangen und dort das Ritual zu vollziehen …

Am nächsten Tag findet das Probeschießen auf dem kurfürstlichen Schloss statt. Seine Lügen haben Käthchen, die von bösen Vorahnungen erfüllt ist, kaum beruhigen können. Doch noch immer gilt ihr Versprechen, sie werde ihn heiraten und ihm bis zum Tode treu bleiben, sobald er die Anstellung als Förster errungen habe. Sie hält ihr Versprechen aber auf eine fürchterliche Weise, die sich Wilhelm nie und nimmer vorzustellen gewagt hätte …

Mein Eindruck

Dass ein Teufelspakt eine gefährliche Sache ist, wissen wir ja spätestens seit der Sache mit Dr. Faustus. Auch bei ihm war eine Frau im Spiel: Erst das brave Gretchen, dann sogar die schöne Helena. Wilhelm, der Försterbursche, hat nicht so hochfliegende Pläne, aber auch ihm steht der Sinn nach einer Frau. Und was tut mann nicht alles für die Liebe.

Interessant ist die Erzählung durch die Art und Weise, wie sich der Teufel präsentiert und die Seelen braver Christenmenschen holt. Da gibt es zunächst den Seelensammler Stelzfuß, der sozusagen den Werber spielt und die Leimrute der Versuchung auslegt, um den Vogel zu fangen: Wilhelm geht ihm denn auch auf den Leim, wie man so bildlich sagt, und alle seine Pläne scheitern, dem Teufel ein Schnippchen zu schlagen. Obwohl ihm das Freikugelgießen formidabel gelingt, er etliche Geister abwehrt und sogar Samiel eine Nase dreht, ist sein Schicksal besiegelt. Denn er gießt drei Kugeln, die dem Satan persönlich geweiht sind. Dafür muss er einen hohen Preis zahlen.

Die Frage ist am Schluss natürlich, ob er im Augenblick seiner Hinrichtung ein Verdammter ist oder seine Seele noch eine hauchdünne Chance auf Erlösung hat. Das ist auch genau jene Kardinalfrage, auf die Goethe in seinem „Faust II“ eine Antwort gesucht und gefunden hat. „Wer ewig strebend sich bemüht, den können wir erlösen“, singen die Stellvertreter des Himmels. Ob sich Wilhelm stets redlich bemühte, lässt sich durchaus bejahen, und auch seine schrecklichen Verbrechen beging er nur aus Liebe. Dass er obendrein auch noch Reue zeigt und schriftlich Buße ablegt, sollte ihm eigentlich auf dem himmlischen Sündenkonto einen dicken Bonus eintragen. Wie die Sache ausgeht, werde ich aber nicht verraten.

Die Sprecher/Die Inszenierung

Dies ist nicht nur Kino für die Ohren, sondern auch noch Hollywoodkino. Denn hier sprechen nicht irgendwelche Sprecher, sondern die deutschen Stimmen bekannter Stars aus der amerikanischen, englischen und französischen Filmgeschichte – siehe oben. Dass diese Profis eine solide Performance abliefern, versteht sich fast von selbst, und der Hörer kann entsprechend zufrieden sein.

Einige Szenen sind für den heutigen Geschmack durchaus ansprechend gestaltet, und vor allem die Geistererscheinungen sind stilecht und wirkungsvoll aufgebaut. Allerdings ist die Story an sich bereits ziemlich melodramatisch: Es gibt jede Menge böse Omen, Fingerzeige und Vorahnungen, von Albträumen ganz zu schweigen – sie alle dienen dazu, die Spannung zu steigern. Das Finale ist natürlich entsprechend bewegend gestaltet: ein doppelte Katastrophe – und bestimmt hat dabei der Teufel seine Finger mit im Spiel. Oder?

Solche geübten und prestigeträchtigen Sprecher und Sprecherinnen einzusetzen, gehört zum Marketing von Marc Gruppe bzw. |Titania Medien|. Hinzu kommen jeweils traditionsreiche Schauergeschichten, die den nötigen emotionalen Rahmen für die Entfaltung solcher Stimmtalente liefern. Zu Anfang waren es eher unbekannte Geschichten wie etwa Launs „Totenbraut“, doch mittlerweile wagt sich Marc Gruppe an die Klassiker heran.

Nach den Weihnachtsstandards von Charles Dickens’ „Frohe Weihnachten, Mr. Scrooge“ und Burnetts „kleinem Lord“ nimmt sich der Produzent zentraler Stoffe an. „Frankenstein“ macht den Anfang, dann folgt im April 2007 „Dracula“. Wer weiß, wozu Marc Gruppe und sein Team noch fähig sind. Ich bin bereits gespannt.

Geräusche

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem realistischen Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen sehr dicht und realistisch aufgebaut. In der eröffnenden Kerkerszene raschelt das Stroh, man hört ein Keuchen und Stöhnen: Wilhelm hat einen Albtraum. Später schreibt er seine Erinnerungen nieder, und das Papier raschelt, die Gänsefeder kratzt. Die Turmuhr schlägt zwölfe – Mitternacht. Man muss genau mitzählen, um dies zu erkennen. Wilhelm hat genau sechs Stunden für seine Beichte, danach heißt es um sechs: Kopf ab!

Musik

Die Musik gibt sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder, und das klingt dann etwas anders als in Webers bekannter Oper. So beginnt etwa Wilhelms Lebensgeschichte mit einer zarten und klagenden Oboe: Die Vollwaise sucht ihre Bestimmung. Sobald sich Käthchen am Fenster zeigt, erklingt heitere Orchestermusik. Sobald Vater Bertram sein Plazet gegeben hat, ertönt sogar flotte Tanzmusik.

Diese heitere Stimmung verfliegt jedoch rasch, je mehr Misserfolge sich einstellen, und vollends düster und unheilvoll wird die Musik, als Wilhelm der dunklen Seite seiner Seele und den Einflüsterungen des Stelzfußes nachgibt. Die mahnenden Stimmen in Wilhelms Kopf sind durch Hall als solche gekennzeichnet. Der dramatische Höhe- oder vielmehr Tiefpunkt ist die Szene am Kreuzweg. Hier darf sich der Leser alle möglichen Instrumente vorstellen, die eine geisterhafte Stimmung erzeugen. Wieder ruft das allgegenwärtige Käuzchen (es war schon beim Fensterln ein unheimlicher Zeuge) und die Turmuhr zeigt das Verstreichen der Zeit an (wieder heißt es hier: mitzählen).

Der Wind tost in den Bäumen, das Feuer prasselt, als Wilhelm seine Zauberkugeln gießt. Der Spuk beginnt, um ihn aus seinem Schutzkreis zu treiben: erst eine Hexe, die ihn ziemlich knusprig findet; dann eine heranbrausende Kutsche mit Geisterpferden. Wilhelm hält stand. Doch ob er auch gegen drohend knurrende Wölfe und flatternde Fledermäuse bestehen kann? Das i-Tüpfelchen bildet das höhnische Lachen Samiels selbst.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

Das Booklet

… enthält im Innenteil lediglich Werbung für das Programm von |Titania Medien|. Auf der letzten Seite finden sich die Informationen, die ich oben aufgeführt habe, also über die Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 14 Jahren.

Unterm Strich

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis, das man sich mehrmals anhören sollte, um auch die Feinheiten mitzubekommen. Für den jungen Zeitgenossen, der sich scheut, eine so angestaubte Oper wie Webers „Der Freischütz“ anzuhören (allein schon die Arie „Wir winden dir den Jungfernkranz“ könnte mich in die Flucht schlagen), bildet das Hörspiel eine durchaus erträgliche Alternative.

Aber auch junge Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermittelt das richtige Kino-Feeling. Wer jedoch mit Melodramatik absolut nichts am Hut hat, sich aber trotzdem zünftig gruseln will, der sollte zu härterer Koste greifen. Die Hörbücher der „Necroscope“-Serie von Brian Lumley dürften eine ausreichend starke Dosis verabreichen.

65 Minuten auf 1 CD
http://www.titania-medien.de
https://www.luebbe-audio.de

Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)

TKKG – Das Geheimnis im Jagdschloss (Folge 216)

Die Handlung:

Die Familie Kapper von Kapperstein will ihr Jagdschloss verkaufen und Klößchens Vater ist einer von drei Interessenten. Tim, Karl, Gaby und Klößchen freuen sich, Herrn Sauerlich beim Besichtigungswochenende begleiten zu dürfen. Erster Programmpunkt: Eine Schaujagd im dazugehörigen Wald. Als ein Pferd von einem Schuss getroffen wird und stürzt, erleidet der Hausherr eine schwere Quetschung am Bein. War das der Querschläger einer Flinte oder vielleicht doch ein Attentat? Was hat es mit einem ähnlichen Jagdunfall von General August Kapper von Kapperstein vor genau hundert Jahren auf sich? Welche geheimnisvolle Rolle spielte der General im ersten Weltkrieg? Und wohin ist plötzlich einer der drei Kaufinteressenten verschwunden? TKKG nehmen die Ermittlungen auf und stoßen auf ein sonderbares Rätsel, das hundert Jahre lang niemand knacken konnte … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Der hörbare Versuchsballon

TKKG – Das Geheimnis im Jagdschloss (Folge 216) weiterlesen

TKKG junior – Eisige Diamanten (Folge 14)

Die Handlung:

Im Juwelierladen von Frau Sauerlichs Vertrauen sind Diamanten im Wert von vielen tausend Euro gestohlen worden. Der Täter hat zwar Fußabdrücke im Schnee hinterlassen, aber die Polizei tappt dennoch im Dunklen. Gut, dass TKKG in den Fall hineingezogen werden! Mit ihrem Spürsinn haben sie bald den ersten Verdächtigen ausgeforscht, aber Vorsicht! – der Fall ist komplizierter als gedacht! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Deine Spuren im … Schnee“ … die sind nicht lange da, wenns weiter so schneit oder Tauwetter einsetzt. Also fix das Gipsabdruckset aus der Tasche gezogen und Sneakerprofile verewigt. Alternativ dürfte es aber auch jede gute Handykamera tun.

TKKG junior – Eisige Diamanten (Folge 14) weiterlesen

Caveney, Philip – Sebastian Dark 2: Der Piraten-Prinz

_Schatzsucher-Abenteuer zwischen Saurier und Hai_

Kaum haben Sebastian Dark und Hauptmann Cornelius Drummel Prinzessin Kerin wieder zum Thron von Keladon verholfen, machen sie sich auf Schatzsuche. Unendlichen Reichtum und ewigen Ruhm, das verspricht ihnen der sagenhafte Schatz Kapitän Callinestras. Auf Sebastians Reise verfolgen ihn gierige Piraten, menschenfressende Meeresungeheuer und eine schöne Hexe, die ihn mit einem Liebeszauber belegt. Seine Freunde Cornelius, Max und Kapitänin Jenna werden ihre ganze List und Geschichlichkeit einsetzen müssen, damit alle dieses Abenteuer überstehen.

Ich empfehle das Hörbuch ab zwölf Jahren.

_Der Autor_

Philip Caveney wurde 1951 in Nord-Wales geboren. Er verbrachte die meiste Zeit seiner Kindheit nicht nur damit, Großbritannien und Nordirland zu bereisen, sondern lebte auch etliche Jahre in Malaysia und Singapur. Nach seinem College-Abschluss arbeitete er hauptsächlich an Theatern in London und Wales. Nach zahlreichen erfolgreichen Romanen für Erwachsene legte er mit „Sebastian Dark“ sein erstes Jugendbuch vor. Er lebt mit seiner Frau und einer Tochter in Manchester.

Bislang bei |cbj|:
1) [„Sebastian Dark: Der falsche König“ 5728 (2007)
2) „Sebastian Dark: Der Piraten-Prinz“ (2008)

_Die Sprecher_

Sebastian Dark: Martin Wolf
Martin Wolf ist ein Schauspieler, der seit 2005 zum Ensemble des Deutschen Schauspielhauses in Hamburg gehört. Er spielt in Fernsehserien wie „Unser Charly“ und TV-Filmen mit.

Der Erzähler: Bernd Stephan
Bernd Stephan ist Schauspieler und gehörte mehrere Jahre zum Ensemble der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Er spielte in Kinofilmen und TV-Produktionen mit und arbeitet heute vor allem als Synchron- und Hörbuchsprecher.

Hauptmann Cornelis Drummel: Robert Missler
Robert Missler ist Schauspieler, Kabarettist, Radio- und Synchronsprecher. Er hat bei mehr als 1700 (!) Live-Auftritten mitgewirkt, unter anderem in der Comedy Soap „Pension Schmidt“. Er ist im Kinofilm „Käptn Blaubär“ und „Werner 4“ zu hören.

Max: Gisbert-Peter Terhorst
Gisbert-Peter Terhorst arbeitete als Kabarettist für das Kinderfernsehen und ist in zahlreichen TV-Filmen und Theateraufführungen zu sehen. Er war Gründungsmitglied des Potsdamer Kabaretts „Am Obelisk“, später dessen Künstlerischer Leiter.

Leonora: Julia Nachtmann
Julia Nachtmann, geboren 1981 in Filderstadt bei Stuttgart, absolvierte von 2001 bis 2005 ihr Schauspielstudium an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg. Nach Gastspielen am Volkstheater München, am Nationaltheater Weimar, am Schauspielhaus Stuttgart und einem Engagement am Thalia-Theater Hamburg gehört sie seit 2005 zum Ensemble des Schauspielhauses Hamburg. Sie tritt außerdem in TV-Produktionen auf.

Jenna Swift: Carla Swiderski
Carla Swiderski wirkte bei zahlreichen |JUMBO|-Produktionen mit, so etwa bei Andrea Wandels Reihe „Ein Pony für alle Fälle“.

Käptn Kid: Alexander zu Klampen
1997 in Hamburg geboren, ist Alexander zu Klampen Mitglied der Hamburger Alsterspatzen / Kinderchor der Hamburger Staatsoper und spielt im Deutschen Schauspielhaus Hamburg, zuletzt in „Medea“.

Sabine Hildebrandt erstellte die Lesefassung und führte zusammen mit Joschi Sorokowski Regie, die Aufnahme fand im |WunderWelt|-Studio in Hamburg statt.

_Handlung_

Sebastian Dark hat zwar für Prinzessin Kerin das Königreich Keladon von seinem „falschen König“ Septimus befreit, aber das heißt offenbar nicht, dass ihn Kerin zu ihrem Mann nimmt. O nein, sie ist ja jetzt Königin und muss auf einen standesgemäßen Mitregenten und Ehepartner achten. Selbst wenn mit Prinz Rolf ein Kandidat ausgewählt wurde, der hässlich und geistig minderbemittelt ist. Es tue ihr leid, sagt sie, und verabschiedet sich von ihren drei Freunden Sebastian, Cornelius Drummel und Max, dem Büffelob, mit Geschenken, Bussis und guten Worten. Dann macht sie sich an die Regierungsgeschäfte.

Cornelius Drummel hat eine Schatzkarte geschenkt bekommen, als er im Lazarett lag und dort einen Sterbenden kennen lernte. Dieser behauptete, es handle sich um die echte Karte, die den Weg zum Schatz des legendären Piratenkapitäns Callinestra zeige. Dieser liege auf einer Insel südlich des Piratennestes von Lemora und sei nur durch das Bestehen großer Gefahren zu erringen. Deshalb habe ihn ja noch keiner gefunden. Sebastian und Max sind bereit, ihr Glück zu versuchen und den Schatz ausfindig zu machen.

Auf ihrer Reise zur Hafenstadt Ramalat, wo sie ein Schiff chartern wollen, gelangen sie in den dichten Geltan-Wald. Sebastian fährt wieder auf seinem Wagen, Cornelius reitet auf seinem Pony Phantom. An der unheimlichsten Stelle lässt sich eine riesige Baumschlange herabfallen und beginnt, Cornelius zu würgen. Sebastians Schwert prallt wirkungslos am Panzer des Riesenviehs ab. Es schleudert ihn mit dem Schwanz an einen Baum, so dass er kurzzeitig das Bewusstsein verliert. Als er erwacht, schießt ein unbekannter junger Mann der Schlange ins Auge, und sie stirbt qualvoll. Doch Cornelius lebt.

Nachdem Cornelius sein Pony, das ein gebrochenes Bein hat, von seinen Leiden erlöst hat, folgen sie der Einladung des jungen Schützen. Adam führt sie zu einer Höhle, wo seine Schwester Leonora Essen kocht, das köstlich duftet. Sie ist jung, schön und hat ungewöhnliche goldgelbe Augen. Den drei Freunden wird’s ganz unheimlich zumute, als sie anfängt, die Gedanken von Cornelius vorzulesen. Adam sagt, sie habe die „Gabe des inneren Auges“. Sie habe von den Reisenden geträumt, weshalb Adam sie schnell finden und retten konnte.

Leonoras Berührung, als sie sein Schicksal aus seiner Hand liest, elektrisiert ihn. Nach dem Essen, als Cornelius und Max schlafen gegangen sind, fragt sie Sebastian aus. Ihm wird von ihrem Wein und gelben Blick ganz schwummrig. Hinterher kann er sich an nichts erinnern. Bestimmt hat er ihr nichts von der Schatzsuche erzählt, beteuert er Cornelius gegenüber. Doch warum hat dann Adam am Morgen Cornelius angegriffen, um ihm die Schatzkarte zu rauben? Etwas stimmt hier nicht, finden Max und Cornelius. Doch Adam und Leonora entkommen ihren Klingen und ihrer Suche. Fast scheint es, als habe der Erdboden sie verschluckt.

Sie reisen weiter. Es tritt allerdings ein, was Cornelius, der erfahrene Krieger erwartet hat: Adam verfolgt sie. Allerdings nicht in seiner Menschengestalt, sondern in Form eines schwarzen Panthers. Im Kampf kommt Adam zu Tode, weil er vom Wagen überrollt wird. Leonora taucht ebenfalls in Gestalt eines Panthers auf, doch sie verwandelt sich in eine nackte Frau. Im Zorn über den Tod ihres Bruders zeiht sie Sebastian des Mordes und belegt ihn und seine Freunde mit einem Fluch. Er solle den Schatz niemals genießen können, selbst wenn er ihn fände. Protest ist zwecklos. Als Cornelius sie angreifen will, verschwindet sie in einem blendenden Blitz. Auf der Weiterreise muss Sebastian ständig an sie denken. Wenn Cornelius sie eine Hexe nennt, verteidigt er sie. Seine Freunde konstatieren verwundert: Sebastian steht unter einem Liebeszauber!

In Ramalat finden sie ein Schiff, das sie nach Lemora bringen kann. Die |Seehexe| gehört Kapitänin Jenna Swift, und die junge Frau ist eine Schnellmerkerin: Kaum hat sie erfahren, dass sie zu einer Insel südlich von Lemora segeln wollen, verlangt sie ein Drittel vom Schatz. Die Gefährten sind baff – woher weiß sie das? Es sei doch klar, dass sie nur hinter Kpt. Callinestras Schatz her sein könnten – wer sonst würde sich Lemora auch nur auf hundert Seemeilen nähern, diesem elenden Piratennest? Sie hasst Piraten, von denen zwei ihren geliebten Vater auf dem Gewissen haben. Wenn sie Sully und Bones jemals findet, so würde sie ihnen den Hals umdrehen!

Doch nur wenige Tage nach dem Auslaufen (mit Max unter Deck) gerät die |Seehexe| in ein heftiges Gefecht mit Piraten und einem dritten Schiff, das Leonora an Bord hat. Fortan werden sie stets unwillkommene Gesellschaft haben …

_Mein Eindruck_

„Sebastian Dark“ bietet unterhaltsame Standardabenteuer für Jugendliche. Der Vorgängerband „Der falsche König“ spielte mit den Klischees von „Shrek“, der Parodie auf zahllose Märchen und Fantasyklischees. Doch ist „Der falsche König“ selbst keine Parodie, ganz im Gegenteil. Auch „Der Piratenprinz“ bedient sich der Versatzstücke, die ihm das inzwischen wiederbelebte Genre der Piratenabenteuer bietet. Abenteuer und Action wechseln sich mit Romantik und Humor ab. Immer wieder sorgen die Eskapaden von Cornelius und Max für komische Szenen, wodurch „Der Piratenprinz“ wesentlich heiterer wirkt als der erste Band.

Wegen der zahllosen Klischees sticht das Auftauchen zweier Gestaltwandler, die aus dem Horrorgenre bekannt sind, ungewöhnlich stark heraus. Solche Wandelwesen sind entweder aus dem Werwolfgenre oder aus alten Volkslegenden bekannt. (Tatsächlich gehören Werwölfe zu den ältesten Fabelwesen überhaupt; der Lykanthropus war schon Griechen und Römern vertraut.)

Zugleich wird Leonora zu einer Hexe stilisiert, die Züge von Circe annimmt. Der Liebeszauber, mit dem sie Sebastian belegt, mag zunächst Anlass zu Komik geben, doch gerade im Moment höchster Not macht sich der Bann, unter dem er steht, sehr unvorteilhaft bemerkbar. Merke: Man gehe Zauberinnen tunlichst aus dem Weg, auch wenn sie nackt echt gut aussehen! Leonora ist im Personal der Gegenpol zu der positiv geschilderten Jenna Swift, einer patenten Kapitänin, die sich in Sebastian verliebt. Doch dem steht der Sinn nach einer anderen: Liebeslust und Liebesfrust!

Nicht genug mit dem Piratengenre, bedient sich der Autor auch noch bei „Jurassic Park“, so dass Velociraptoren auftreten, beim „Weißen Hai“, „Moby Dick“, dem „Fluch der Karibik“ mit seiner Schatzhöhle und sogar bei „The Lost World“. Arthur Conan Doyle, der Schöpfer des Meisterdetektivs Sherlock Holmes, erdichtete zwecks Aufbesserung seiner Portokasse ein verlorenes Land irgendwo in Venezuela, wo Urzeitviecher bis heute überlebt hätten. Es gab bekanntlich mehrere erfolgreiche Verfilmungen dieser Räuberpistole, und stets spielten die Raubsaurier die Rolle der Oberbösewichte. (Was ziemlich unfair ist, denn sie waren ja die Gesundheitspolizei der Kreidezeit.)

Das Plateau der Saurier ist nur über einen Baumstamm zu erreichen, der einen bodenlosen Abgrund überbrückt. Genau auf einem solchen Baumstamm findet der erste Showdown mit Leonora statt. Dass nun seine Verzauberung aufhört, nützt Sebastian herzlich wenig, denn sogleich gerät er in die Hände fieser Piraten, die ihm den Schatz abluchsen wollen. Wie das ausgeht, soll hier nicht verraten werden. Aber das nächste Abenteuer führt ihn ebenfalls auf eine Schatzsuche – in die dampfenden Dschungel des Südkontinents.

|Die Sprecher|

Zuerst zu den guten Sprechern. Der Erzähler Bernd Stephan ist die herausragende, dominierende Stimme in diesem Ensemble. Man merkt ihm seine lange Erfahrung als Sprecher und Schauspieler an. Er kann nicht nur interessant erzählen, sondern auch seine Stimme in erstaunliche Höhen erheben und sie so modulieren, dass er mehrere Figuren darstellen kann. Dazu gehört etwa die krächzende Hexe Magda oder der kriecherische Diener Maltus.

Hauptmann Cornelis Drummel wird von Robert Missler gesprochen, der beeindruckende Referenzen vorweisen kann. Über seinen Auftritt habe ich mich immer wieder gefreut. Er erweckt den furchtlosen Kriegerzwerg zum Leben. Der Büffelob Max wird von Gisbert-Peter Terhorst gesprochen. Max‘ vorherrschende Tonart ist die des Jammers, Nörgelns und der sarkastischen Kritik. Aber Sebastian mag ihn trotzdem.

Leonora wird mit sehr verführerischem und sanften Timbre von Julia Nachtmann gesprochen, ach was: gesäuselt! Ich habe ihr sofort die Zauberin abgenommen, und dass sie eine Raubkatze sein kann, erschien mir plausibel. Dass Leonora auch zubeißen kann, beweist sie mit dem Fluch auf Sebastians Unternehmung und ihrem Liebeszauber. Auf dem Baumstamm bringt sie ihn beinahe um.

Carla Swiderski weiß nicht zu intonieren oder Gefühle auszudrücken, von einer Reaktion auf die anderen Sprechern kann keinerlei Rede sein. Ihre Intonierung ist hart und monoton, so dass ich es für extrem unwahrscheinlich halte, dass sich ein Sebastian in sie verliebt. Wahrscheinlich hat sie schnell vom Blatt abgelesen, um ihren Part runterzurasseln. Jenna Swift soll ja eigentlich den positiven Gegenpol zu Leonora, der Hexe, bilde. Die grandiose Ironie dieser Darstellung führt jedoch dazu, dass alle unsere Sympathien Leonora gehören und keine Jenna. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein.

Martin Wolf bemüht sich weiterhin hörbar, seinen Sebastian Dark zum Leben zu erwecken, doch es gelingt ihm kaum an einer Stelle. Er weißt die gleichen Kennzeichen wie Carla Swiderski auf: keine Intonierung, null Engagement, keine Routine, kein Einfühlungsvermögen, keine Reaktion auf andere Sprecher. Auch seine Figur agiert quasi im luftleeren Raum und erringt an keiner Stelle unsere Sympathie. Das ist sehr schade, denn Sebastian ist ja schließlich die titelgebende Hauptfigur.

Besonderes Lob gebührt dem erst zwölfjährigen Sängerknaben Alexander zu Klampen. Er spielt gleichaltrigen Piratenkapitän Kid (bürgerlich Herbert Donovan) mit Lust und Begeisterung, so dass ich mich stets über seine – leider viel zu kurzen – Einlassungen freute. Man merkt, dass er auf Bernd Stephans Darstellung von Kids wiedergefundenem Vater Donovan schnell und richtig reagiert, als hätten die beiden nebeneinander gestanden. Mit seiner glockenhellen Stimme wird Alexander hoffentlich eine erfolgreiche Karriere vergönnt sein.

|Musik|

Da es weder Musik noch Geräusche gibt, brauche ich darüber keine Worte zu verlieren. Aber sie hätten der akustischen Darbietung erheblich geholfen. Schließlich wendet sich das Buch an ein jugendliches Publikum, das unterhalten werden will.

_Unterm Strich_

„Sebastian Dark“ bietet unterhaltsame Standardabenteuer für Jugendliche. „Der Piratenprinz“ bedient sich der Versatzstücke, die ihm das inzwischen wiederbelebte Genre der Piratenabenteuer bietet. Auch Anleihen bei „Jurassic Park“, „Der weiße Hai“ und „Die verlorene Welt“ peppen die Mischung recht angenehm auf. Abenteuer und Action wechseln sich mit Romantik und Humor ab. Ungewöhnlich ist das Auftreten zweier Gestaltwandler, von denen sich einer als verführerische Zauberin entpuppt.

Die Handlung belegt, dass der Autor rasch dazugelernt hat und die Fehler vermied, die er in „Der falsche König“ noch reihenweise beging. Deshalb fand ich dieses Seeabenteuer wesentlich vergnüglicher als den Vorgänger.

|Das Hörbuch|

Fünf gute Sprecher stehen diesmal verbesserungsfähigen Sprechern gegenüber, das ist ein wesentlich besseres Leistungsverhältnis als im Vorgänger-Hörbuch, wo sich gut und schlecht noch im Verhältnis fifty-fity verteilte. Insbesondere Julia Nachtmann als Leonora und Alexander zu Klampen als Kpt. Kid wussten mich zu begeistern. Dass wir Leonora, die Hexe, sympathisch und die positiv gezeichnete Jenna Swift als Zicke, widerspricht wohl der Absicht des Autors und ist einzig auf die Leistungen der beiden Sprecherinnen zurückzuführen.

|Originaltitel: Sebastian Dark – Prince of Pirates, 2008
Aus dem Englischen von Mareike Weber
270 Minuten
ISBN-13: 978-3-8337-2253-0|
http://www.jumboverlag.de
http://www.randomhouse.de/specialskids/caveney__sebastiandark/

Lucas, George – Star Wars – Krieg der Sterne, Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Es war ja abzusehen, aber nun gibt es die erste Star-Wars-Trilogie auch im Hörspiel. Wer darauf skeptisch reagiert, sollte sich von der Qualität selbst überzeugen: Sie ist erstklassig. Mir hat die Episode 4 am besten gefallen. Wer seine Stereoanlage ordentlich aufdreht, bis die Wände wackeln, wird den Angriff auf den Todesstern erleben, als sitze er selbst in einem X-Wing-Jäger.

|Das Hörspiel|

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das Buch nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird. Es könnte aber auch an den Änderungen liegen, die Lucas in den DVD-Fassungen vornahm (siehe unten).

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten. Sehr hübsch sind wieder einmal die Fotos von C3PO: Einmal sitzt er auf dem Thron der Ewoks, auf dem anderen wagt er ein Tänzchen mit einer kleinen Ewok-Dame. Viel beeindruckender finde ich jedoch das doppelseitige Ausklappbild mit dem rasenden „Millenium Falcon“, der, vor einer Flammenhölle fliehend, durch so etwas wie einen Röhrentunnel saust.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster-Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der CD selbst zeigt den zweiten, unfertigen „Todesstern“. Nimmt man die CD heraus, fällt der Blick auf ein emporgerecktes Laserschwert … Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales |Lucasfilm|-Produkt, lizenziert von |WortArt|, handelt.

|Der Sprecher|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine sonore Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Zur Vorgeschichte siehe „Krieg der Sterne“ und „Das Imperium schlägt zurück“, also die Episoden 4 und 5.

Das Imperium hat einen zweiten „Todesstern“ im Bau und schon fast fertig gestellt. Vader sorgt dafür, dass die Bauarbeiten beschleunigt werden. Der Imperator himself will nämlich hier seinen Endsieg über die Rebellen feiern. Und den hohen Herrn darf man keinesfalls enttäuschen, wenn einem was am Leben liegt.

Unterdessen auf dem Wüstenplaneten Tatooine, der früheren Heimatwelt Luke Skywalkers. Bekanntlich ist es Luke, Leia und Lando (die drei Killer-Ls?) gelungen, aus der Wolkenstadt Calrissians zu entkommen. Nun geht es darum, den eingefrorenen Han Solo zu befreien. In Verkleidung versuchen Leia und Luke, als Kopfgeldjäger mit Jabba the Hutt, dem Boss der Unterwelt des Planeten, einen Deal zu machen: Hauptsache, er gibt ihnen Han Solo.

Leider klappen die Pläne nicht ganz wie vorgesehen. Leia wird versklavt und muss halbnackt und angekettet als Tänzerin Jabba zu Diensten sein (was leider auf dem Hörbuch kaum zur Geltung kommt). Luke fällt durch eine Falltür in das finstere Verlies, das von einem Monster namens Renkor beherrscht wird.

Zwar gelingt es den Robotern R2-D2 und C3PO, Han Solo aus dem Carbonit zu befreien, doch damit ist noch nichts gewonnen. Alle Gefährten werden gefangen genommen und sollen in der Wüste einem weiteren Monster vorgeworfen werden. (Offenbar herrscht hier ein Überschuss an Ungeheuern.) Diese Exkursion endet für diverse Insassen des Segelschwebeschiffes von Jabba recht fatal: Es fliegt in die Luft. Doch zuvor sind die Gefährten entkommen.

|Intermezzo:|

Luke fliegt zu Yoda zurück, um seine Jedi-Ausbildung abzuschließen. Zu spät: Yoda gibt den Löffel ab. In langen Gesprächen mit Yoda und Kenobi erfährt Luke endlich, dass er eine Zwillingsschwester – Leia – hat, die vor den Imperiumskräften ebenso versteckt werden musste wie er. Auch über die Vergangenheit und den Werdegang seines Vaters Anakin erfährt er eine Menge. Kenobi prophezeit, dass, wenn es Luke nicht gelingt, Vader zu töten, das Imperium siegen werde. Diese Prophezeiung stürzt Luke in einen Zwiespalt, der sich für ihn verheerend auswirken wird.

|2. Akt:|

Das Imperium hat seinen neuen „Todesstern“ über dem Waldmond Endor in Stellung gebracht, der irgendwo am Rande der Galaxis den Rebellen als Sammelpunkt dient. Hier wird die Rebellenflotte dem Imperium die finale, entscheidende Schlacht liefern.

So lautet zumindest der Plan. Denn der „Todesstern“ verfügt über einen Schutzschild, der ihn unangreifbar macht. Die Energie dafür wird ihm von einer Station auf Endor zugeführt. Diese gilt es also zunächst zu zerstören, bevor der Rebellenangriff mit Aussicht auf Erfolg gewagt werden kann. Han und Leia führen einen Kommandotrupp an, der die Bodenstation außer Funktion setzen soll. Sie stoßen schnell auf erhebliche Schwierigkeiten: Das Imperium hat sie erwartet.

Nach ersten Kämpfen setzt sich Luke ab, um sich seinem Vater an Bord des „Todessterns“ entgegenzustellen. Doch hier hat er es nicht nur mit Vader zu tun, sondern mit dessen Boss, dem oberfiesen, durchtriebenen Imperator. Dieser versucht, Luke auf die „dunkle Seite der Macht“ zu ziehen. (Die Macht ist also nicht nur ein religiöses, parapsychologisches und genetisches Phänomen, sondern auch ein psychologisches – tolle Sache, das!)

Der Zwiespalt, in dem Luke steckt, sieht so aus: Wenn er versucht, Vader oder den Imperator als die zwei Oberschurken zu töten, trägt ihn sein Hass auf die „dunkle Seite der Macht“, d. h. er ist auch nicht besser als einer dieser Schurken. Er kann sie aber auch nicht am Leben lassen, denn sie würden in kürzester Zeit seine Gefährten vernichten. Und dann ist da noch Kenobis Prophezeiung. Er tut das einzig Richtige, das die dritte Seite dieses Dreiecks aus Luke, Vader und Imperator unter Zugzwang setzt: Er weigert sich, sich dem Imperator zu unterstellen, wirft vielmehr sein Laserschwert weg und ist bereit, sein Leben zu opfern.

Unterdessen ist die Rebellenflotte im Anflug auf den „Todesstern“ in der Hoffnung, dass der Schutzschild deaktiviert wurde. Ein kleiner Irrtum, wie sich herausstellt. Alles ist in der Schwebe – das Schicksal der Galaxis muss sich entscheiden. Doch was wird den Ausschlag geben?

_Mein Eindruck_

Episode 6 besteht über weite Strecken aus zwei Handlungssträngen, die je einem grundverschiedenen Tempo folgen. Während sich Solo, Leia und Co. den Rebellen anschließen und so für die Action auf Endor sorgen, setzt sich Luke auf einer ganz anderen Ebene mit den Gegebenheiten seines Lebens und der Herrschaft über die Galaxis auseinander. Dies erfordert lange Dialoge mit Yoda, Kenobi, Vader und dem Imperator, die sehr lange dauern und die Handlung fast zum Erliegen bringen.

Idealerweise sollte der Actionpart um Solo & Co. diese Langsamkeit ausgleichen, doch in der Umsetzung hat das nicht ganz hingehauen. Die Dialogszenen behaupten weiterhin ihr Übergewicht. Auf der Suche nach Gründen stößt man schnell auf die Ewoks. Diese tapferen Teddybären auf Endor entsprechen dem Äquivalent der kannibalischen Neger in den Tarzanfilmen und Cartoons der 1930er Jahre: Sie wollen Solo & Co. kochen, um sie zu verspeisen. Eine ziemlich lächerliche Idee.

Noch lächerlicher ist die Lösung, die sich George Lucas für dieses dramaturgische Problem hat einfallen lassen: C3PO behauptet, er sei ein Gott. Zum Beweis lässt Luke ihn und R2-D2 per Telekinese schweben. Die tumben Trapper und Speerträger aus dem Endorwald fallen denn auch in die obligatorische Demut, die einem Gott gegenüber angebracht ist. Mit den gleichen trügerischen Methoden arbeitet doch auch der Imperator, oder? Nur ist es bei ihm nicht halb so lustig.

Am Schluss, nach dem großen Finale (das hier nicht verraten werden darf), tanzen die Sieger ausgelassen mit den Eingeborenen Endors. Das hätte man im Zweiten Weltkrieg unerlaubte Verbrüderung mit der Bevölkerung genannt, aber es passt natürlich zu einem Sternenmärchen. Dass Han glaubt, die angebetete Leia habe ihr Herz nun an Luke verloren, ist nur das ironische Sahnehäubchen.

|Ausblick|

Im Jahr 2004 ist die Doppel-Trilogie beinahe fertig: Nächstes Jahr kommt der – vorerst – letzte Film in unsere Kinos: Episode 3 (es geht um die mysteriösen Sith). Die DVD-Box der ersten Trilogie ist nun mit großem Erfolg in den Läden. Und sie ist der Ausgangspunkt der Hörspielfassung. Das bedeutet auch, wie der Kenner weiß, dass sämtliche Änderungen, die Lucas an den Originalen vornahm, auch in den Hörspielen zu finden sind. Und das sind eine ganze Menge.

|Der Sprecher / Das Hörspiel|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Darth Vader, Luke, Han Solo – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“. Am besten gefiel mir die spannende Szene zwischen Luke, Vader und dem Imperator. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des Plots.

Es gibt für mich nur einen Wermutstropfen: Für die Produktion hat man die alten deutschen Sprecherstimmen übernommen. Das erscheint als Pluspunkt, doch leider hat man deren mindere Klangqualität nicht ebenfalls digital aufgebessert. Zuweilen klingen sie etwas scheppernd, und in Szenen mit zahlreichen Sprechrollen kommt es hin und wieder, wenn man ganz genau hinhört, zu Interferenzen und Verzerrungen. Dieser Effekt ist absolut minimal und selten, aber mit einem guten Ohr – und noch besserem Equipment – wahrzunehmen.

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Seine Leistung wird besonders im ersten Finale deutlich, beim Duell zwischen Imperator, Vader und Luke. Die Klangqualität entspricht höchsten Standards.

|Änderungen gegenüber den Originalen|

Erstmals tritt jetzt der Chef von Vader auf, der Imperator. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, wurde dessen Gesicht im überarbeiteten Film an das von Kanzler Palpatine in Episode 1 und 2 angepasst. Auch seine deutsche Stimme klingt jetzt anders: viel glatter, hinterlistiger. Das gilt nur für Episode 5 des Hörspiels. In Episode 6 fehlt ihr der für alle anderen deutschen Synchronstimmen typische scheppernde, raue und ein wenig heisere Klang keineswegs. Hierbei erweist sich, dass die Leistung des ursprünglichen deutschen Synchronsprechers (Name unbekannt) immer noch unübertroffen ist.

_Unterm Strich_

Nun sollte eigentlich so etwas wie ein Resümee der gesamten Trilogie geliefert werden. Aber ist dies wirklich nötig? Schon in den Fazits zu Episode 4 und 5 habe ich entsprechende Andeutungen gemacht, dass es deutliche Unterschiede in der inhaltlichen Qualität der Hörspiele gibt. Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt des ersten Hörbuchs mir am besten gefallen hat.

Also lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, sich die inhaltliche Qualität nicht immer die Waage hält. Und wer von |Star Wars| als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen …

… genau wie bei den Filmen: Mitte nächsten Jahres geht der Rummel wieder los, wenn es zum sechsten Mal heißt: „Es war einmal in ferner Zukunft in einer weit entfernten Galaxis …“

|Umfang: 65 Minuten auf 1 CD|

Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Im Land des Vampirs (Folge 38)

_Zeitreise-Abenteuer: Kampf gegen die Blutsauger_

„Im Land des Vampirs“ ist die 1. Folge der |Fariac|-Trilogie und entspricht dem Band 139 der Bastei-Romanserie. John Sinclair verschlägt es ins 17. Jahrhundert, wo er sich mit Nachfahren der transsilvanischen Pfähler gegen die Vampirsippe des Grafen Fariac verbündet.

_Der Autor_

Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause |Bastei|. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

_Die Sprecher_

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino, Jeremy Irons, Pierce Brosnan und Kevin Costner.
Joachim Kerzel, die deutsche Stimme von Jack Nicholson, Dennis Hopper und Sir Anthony Hopkins, spricht den Erzähler.
Jane Collins: Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Gillian „Scully“ Anderson
Bill Connolly: Detlef Bierstedt, die deutsche Stimme von George Clooney
Suko: Martin May
Sir James Powell: Karl Heinz Tafel
Graf Fariac: Helmut Gauß (Liam Neeson, Samuel L. Jackson als Mace Windu in „Star Wars“)
Gräfin Fariac: Kerstin Sanders-Dornseif (Susan Sarandon, Glenn Close)
Jan Ziegler: Hans-Jürgen Wolf
Stephan Marek: Ernst August Schepmann
Ilona Marek: Marie Bierstedt, die deutsche Stimme von Kirsten Dunst und Kate Beckinsale
Karel Marek: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Don Cheadle)
Und andere.

_Der Produzent_

… ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel [„Der Anfang“ 1818 hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Kessler
Produktion: Alex Stelkens (WortArt) und Marc Sieper (Lübbe Audio)

Mehr Infos: http://www.sinclair-hoerspiele.de, http://www.wortart.de

_Handlung_

Oberinspektor John Sinclair vom Scotland Yard wehrt gerade einen zudringlichen Straßenräuber ab, als der Privatdetektiv Jan Ziegler auftaucht und ihm einen wertvollen Tipp gibt: In den Labors von |Fariac Cosmetics| soll sich Sinclair doch mal das merkwürdige Mosaik anschauen, mit dem etwas nicht stimmt. Obwohl Sinclair dem Schnüffler nicht ganz vertraut, begleitet er ihn auf einem kleinen Einbruch in das Labor. Und merkt gleich, dass er hier richtig ist: Es riecht nach Blut!

Das Mosaik ist gigantisch: sechs Meter lang und mehrere Meter hoch. Es schimmert leicht rötlich, als sei es ebenfalls mit Blut getränkt. Es zeigt entstellte Wesen, Aderlasse und darüber zwei Blutsauger mit gefletschten Zähnen. Hier ist John an genau der richtigen Adresse … Ziegler wundert sich: Wohin ist der Oberinspektor verschwunden? Ein seltsamer Ton wie ein Herzschlag erfüllt die Luft. Ziegler versucht abzuhauen, doch er kommt nicht weit. Ein Schrei dringt aus dem Labor.

John gerät in eine albtraumhafte Szene. Ein Planwagen, der von einer jungen Frau gelenkt wird, wird von zwei Reitern immer weiter auf einen Abgrund zu getrieben. Die junge Frau scheint die Kontrolle über die wild gewordenen Pferde verloren zu haben. John greift ein und bringt den Wagen zum Stehen, knapp vor dem Sturz in den Abgrund. Die Reiter verschwinden. Die junge Frau ist sehr schön, nennt sich Ilona und verrät John, dass er im Jahr 1649 in Deutschland gelandet sei, nicht weit von einem Fluss namens Rhein.

Ein alter Mann, Ilonas Vater, entsteigt dem Planwagen und stellt sich als Stefan Marek vor. Sind sie etwa Verwandte von Frantisek Marek, dem Pfähler, der ihm in Transsilvanien gegen die Vampire half? Die wilden Reiter seien Söldner des Grafen Fariac, der oben auf einer großen Burg lebe und von dort mit ihnen das Land terrorisiere. Die Sonne geht unter. Ilona und Stefan bekommen Angst. Fariac sei ein Vampir und ein Herrscher über die Untoten. John fragt sich, ob dieser Fariac ein Urahn des Besitzers von |Fariac Cosmetics| sein könnte.

Unterdessen in London. Sir James Powell, Sinclairs Chef, erfährt, dass Sinclair spurlos verschwunden sei. In der letzten Nacht habe die Stadtpolizei einen Mann namens Jan Ziegler aus der Themse gefischt, einen Privatdetektiv. Der hatte einen Hinweis auf Sinclair bei sich. Powell verständigt Sinclairs Freundin Jane Collins, die sich schon Sorgen macht. Bei Ziegler findet sich auch ein Scheck von |Fariac Cosmetics|, und Powell schickt Jane mit Suko los, um dort nach Sinclair zu suchen.

Im Jahr 1649 entwickeln sich die Dinge für Sinclair nicht sonderlich günstig. Die Söldner Fariacs haben ein Auge auf die schöne Ilona geworfen und fordern sie von Stefan und seinem Sohn Karel, den sie in einem Rheindorf getroffen haben. Als John sich gegen die Söldner stellt, wird auch er niedergeschlagen, Ilona auf die Burg des Grafen verschleppt. Sie soll dort von Gräfin Katharina für die „Vermählung“ mit dem Grafen vorbereitet werden, um das „ewige Leben“ zu erlangen, wie die Frau behauptet. Ilona hat keine Möglichkeit der Gegenwehr.

Die beiden Mareks haben sich John als Pfähler aus Transsilvanien zu erkennen gegeben und er sich als Erbe des Kreuzes von Hesekiel. Mit im gleichen Geist vereinten Kräften wollen sie Ilona aus den Klauen der Vampire retten. Hoffentlich ist es nicht schon zu spät für das Mädel!

_Mein Eindruck_

Man sollte eine Kultserie, die schon derartig lange läuft, nicht in ihrem Grundkonzept ändern. Meist wird das von den Fans der jeweiligen Serie nicht begrüßt oder toleriert. Und der Autor Helmut Rellergerd hütet sich dementsprechend auch, irgendwelche störenden, womöglich revolutionär gedachten Elemente einzuführen. Was sich lange bewährt, ist schließlich gut! (um mal Goethe abzuwandeln)

Nein, der „Sohn des Lichts“ schlägt die Vampire, wo er auf sie stößt. Und sei er noch so verwirrt durch Graf Fariacs listig im Mosaik verborgenene Zeitmaschine, so weiß er doch, was er zu tun hat, wenn er ein Mädel in Not sieht, noch dazu ein so hübsches wie Ilona Marek. Leider schließt sein Pflichtbewusstsein auch ihre Tötung in Folge 40 ein – das Leben ist hart, aber die Pflicht ist härter! Es kommt eben darauf an zu wissen, auf welcher Seite man steht, und Ilona, wenn auch nicht durch ihre eigene Schuld, stand nach ihrer Vampirwerdung eindeutig auf der falschen.

Ein wenig erstaunlich fand ich es schon, dass die Vampire, die die Mareks schon längst ausgespäht haben, nicht sogleich bei Nacht über sie herfallen, sondern vielmehr ihre Söldner aussenden, um nur Ilona zu verschleppen. Offenbar sind Vampire auch und besonders in deutschen Rheinlanden ein wählerisches Völkchen, das sich nur das Beste vom Besten schnappt; also junge Weibchen der menschlichen Spezies! Man kann die Sekunden zählen, bis sich selbiges Weibchen vollständig zu entblößen hat. Diesmal passiert es vor einer anderen Frau. Ein Narr, wer jetzt eine heiße Lesbenszene erwartet.

Vielleicht ist es aber nicht so fördernd für den Spaß an dieser einfachen Geschichte für etwa sechzehnjährige Jungs und Mädels, wenn man sich den Kopf über die offenen Fragen und die Motivationen der Figuren zerbricht. Ein zerbrochener Kopf hat noch nie viel Spaß gehabt, wenn man den Berichten glauben darf.

Bloß gut für unseren Helden, dass seine Freunde auf der anderen Seite der Zeit (was wir für unsere Gegenwart halten) auf dem qui-vive sind und eins und eins zusammenzuzählen wissen. Suko liefert die Fakten, Jane Collins die Gefühle, Sir Powell die Befehle – dann kann die Rettungsaktion ja losgehen. Die Spur führt, wie könnte es anders sein, direkt zu |Fariac Cosmetics|, und dessen Besitzer ist aufgrund der Familienähnlichkeit offensichtlich ein schlimmer Finger, dem Scotland Yard schon bald auf denselben hauen wird. Die Frage ist natürlich: Wie tötet man einen Untoten?

Die Antwort darauf liefern hoffentlich die beiden Teile 2 und 3 dieser Trilogie.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen Pigulla, Kerzel, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

|Musik und Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Die Besonderheit dieser Episode liegt darin, dass die Szenen, die im Jahr 1649 spielen, völlig andere Geräusche aufweisen als jene, die in der Gegenwart spielen. Das sorgt für einen reizvollen Kontrast.

Und es erinnert den Hörer wiederholt daran, dass er es mit einer Zeitreisegeschichte zu tun hat. (Sich zu fragen, wie die Zeitreise funktioniert, führt nur zu einem zerbrochenen Kopf – davor wird dringend gewarnt. Man nehme an, dass es sich um Magie handelt, denn merke: „Eine Technik, die genügend weit fortgeschritten ist, lässt sich von Magie nicht unterscheiden.“ Sagte schon Arthur C. Clarke.)

Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British-Horror-Film zu hören. Stets gibt sie sehr genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und ist mit einem klassischen Instrumentarium produziert. Mit einer einzigen Ausnahme: Die Titelmelodie der Serie erschallt in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen. Sehr sympathisch.

Musik, Geräusche und Stimmen wurden so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 16 Jahren.

_Unterm Strich_

Die professionelle Inszenierung, die filmreife Musik und Stimmen von Hollywoodstars einsetzt, bietet dem Hörer ein akustisches Kinoerlebnis. Dabei kommt aber die Action nie zu kurz, auch nicht die Erotik und Romantik. Wieder mal verliebt sich John Sinclair in eine Schönheit, ohne einen Gedanken an seine Jane Collins zu verschwenden. Offenbar weiß er die Früchte, die der Augeblick bietet, stets rechtzeitig zu pflücken. Oder sein Schöpfer will das Publikum nicht mit solchen Feinheiten langweilen (ein sehr ehrenwerter Grund).

Auch jungen Menschen, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling.

|50 Minuten auf 1 CD / MC|
http://www.sinclairhoerspiele.de/
http://www.luebbe-audio.de
http://www.wortart.de

_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)

Edgar Allan Poe – Eleonora (POE #12)

X-Mystery: Die Wahrheit ist dort draußen

„Eleonora“ ist der zwölfte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von LübbeAudio, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch an den ersten Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

Edgar Allan Poe – Eleonora (POE #12) weiterlesen

Lucas, George – Star Wars – Krieg der Sterne, Episode V: Das Imperium schlägt zurück

Es war ja abzusehen, aber nun gibt es die erste Star-Wars-Trilogie auch im Hörspiel. Wer darauf skeptisch reagiert, sollte sich von der Qualität selbst überzeugen: Sie ist erstklassig. Mir hat die Episode 4 am besten gefallen. Wer seine Stereoanlage ordentlich aufdreht, bis die Wände wackeln, wird den Angriff auf den Todesstern erleben, als sitze er selbst in einem X-Wing-Jäger.

|Das Hörspiel|

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das Buch nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird. Es könnte aber auch an den Änderungen liegen, die Lucas in den DVD-Fassungen vornahm (siehe unten).

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten, so etwa von zwei C3POs, einem silbernen und einem goldenen. Sehr hübsch ist auch das Bild, in dem C3PO Han Solo auf die Schulter tippt, während (oder weil?) dieser gerade Leia Organa küssen will.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster-Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der CD selbst zeigt die Eiswelt Hoth. Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales Lucasfilm-Produkt, lizenziert von WortArt, handelt.

|Der Sprecher|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine sonore Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Zur Vorgeschichte siehe „Krieg der Sterne“, also [Episode 4. 686

Nach der erfolgreichen Vernichtung des „Todessterns“ haben sich die Rebellen auf dem Eisplaneten Hoth eingenistet. Imperiumssonden entdecken jedoch das Versteck, weil Luke eine dieser Sonden genauer untersuchen will. Dabei landet er beinahe zwischen den Kiefern eines Monsters, das als Vampa bezeichnet wird. Bemerkenswert ist dabei, dass er seine telekinetischen Kräfte als Jedi bereits ausgebildet hat. Han Solo rettet ihn vor dem Erfrieren in der Eiswüste.

Während die Untergebenen dem verstümmelt empfangenen Sondensignal wenig Bedeutung beimessen, springt Darth Vader sofort darauf an: Er befiehlt den Angriff auf Hoth. Um ihren zahlreichen langsamen Raumschiffen die Flucht zu ermöglichen, leisten die Rebellen Widerstand, allen voran Luke Skywalker. Luke kann dem Inferno ebenso entkommen wie Han und Leia, doch muss er einem telepathisch empfangenen Wunsch von Kenobi entsprechen: Er soll zum System Dagobah, um dort seine Ausbildung beim Jedi-Meister Yoda zu erhalten.

Unterdessen versteckt sich Han mit Leia und den Droiden nach einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd in einem hohlen Asteroiden. Es handelt sich um den Bau eines gigantischen Wurms, aber darauf kommt Han erst nach ein paar „Experimenten“. Als Luke per Kenobi-Vision erfährt, dass seine Freunde in Gefahr sind, will er ihnen zu Hilfe eilen.

Han Solo rettet sich jedoch selbst vor den Zähnen des Raumwurms und fliegt zu einem Planeten, dessen Unabhängigkeit ihm mehr Sicherheit verspricht. Hier betreibt der Vorbesitzer seines klapprigen Raumschiffs, Lando Calrissian, einen Bergbauplaneten und kümmert sich weder um Rebellen noch um das Imperium.

Doch Lando steht unter Zwang Darth Vaders. Der Sith-Lord will Han Solo an den Kopfgeldjäger Boba Fett ausliefern und ist nur an Leia und Luke interessiert. Für den anfliegenden Luke hat er bereits eine Falle aufgestellt: Er hat Solo in Carbonit eingefroren. Will Luke seinen Freund lebend wiederhaben, muss er sich beeilen. Boba Fett will Solo an Jabba the Hutt verschachern, der seit Mos Eisley mit Solo eine Rechnung offen hat.

_Mein Eindruck_

Episode 5 wurde nicht von George Lucas gedreht, sondern von Irwin Kershner. Das Drehbuch stammt von der Schriftstellerin Leigh Brackett, einem erprobten Schlachtross der Science-Fiction und Fantasy (sie lieferte auch das Skript zu Bogarts Krimi „The Big Sleep“), sowie von Lawrence Kasdan. Gegenüber den Episoden 4 und 6 ist der |Film| geradezu hyperkompliziert. Nicht so das Hörspiel. Sicher: Der Handlungsstrang wird aufgespalten und wird zusammengeführt, einer der Gefährten muss (scheinbar) dran glauben, und der Held Luke erfährt von seiner wahren Herkunft (klassische westliche Helden wachsen immer elternlos auf und fallen dann aus allen Wolken).

Doch die Sache ist im Grunde ganz einfach: Der Höhepunkt des Geschehens ist nicht etwa Han Solo’s „Tod“ im Carbonit, Leias Gefangennahme oder Darth Vaders Triumph über den Unabhängigen Lando Calrissian. Nein, der Höhepunkt des Stücks ist Vaders Satz: „Ich bin dein Vater.“ (Als ob wir’s nicht schon geahnt hätten – bei |dem| Namen.)

Im Kontext der Trilogie erscheint nun die Episode 5 als ein Dreh- und Angelpunkt in der Entwicklung der Story. Der nächste Schritt besteht in der Enthüllung, dass Luke eine Schwester hat, die nicht einmal davon weiß. Plötzlich gibt es nicht nur einen letzten Jedi-Ritter (Luke), sondern zwei! Leider tritt hier dann das Inzest-Tabu in kraft: Nun wird klar, warum Luke nie Interesse an der feschen Prinzessin hatte (oder ob es wohl an ihrer Haartracht lag?). Er durfte sich wegen des Inzesttabus nicht in sie verlieben. Sonst hätten sie wohl miteinander Mutanten-Jedis gezeugt – nicht auszudenken!

Ähnliche Tabus gelten für Lukes Beziehung zu Darth Vader: Lukes Ersatzväter Kenobi und Yoda haben ihm beigebracht, er müsse Vader hassen, weil dieser „der dunklen Seite der Macht“ erlegen sei – was auch immer das heißen mag. Als er dann in Calrissians Wolkenstadt zum allerersten Mal Vader erblickt, weiß er, was er zu tun hat: den Schurken umbringen. Und dass Vader das ist, hat er durch das belegt, was er Lukes Freunden angetan hat. Die Wahrheit „Ich bin dein Vater“ führt zu dem symbolschweren Verlust der Schwerthand – diesmal bei Luke, beim nächsten Mal, in Episode 6, bei Vader selbst. Der Verlust der Schwerthand entspricht, psychologisch gesehen, einer Entmannung des Kriegers. Und für Vader bedeutet dieser Funktionsverlust das Ende. (Und angesichts so fähiger Drehbuchautoren wie Brackett und Kasdan sind solche Interpretationen durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen.)

Das Hörspiel mag ja einfach zu verstehen sein, aber beim Anhören verstärkte sich bei mir der Eindruck, dass es definitv an Verschnaufpausen fehlt. Das Einzige, was man so bezeichnen könnte, ist Lukes Lehrzeit bei Yoda. Aber die muss auch sehr kurz gewesen sein, denn kaum sind seine Gefährten von Calrissian verraten worden, startet Luke schon zu ihrer Rettung. Kein Wunder, dass Yoda Lukes Ausbildung nicht für abgeschlossen hält. Diese Yoda-Episode ist im Film viel länger und vielschichtiger, denn Luke lernt wichtige Aspekte des Yedi-Rittertums kennen.

Im Hörspiel zu Episode 5 wird mehr Wert auf Action und Tempo gelegt. Der Eindruck von Hektik hat sich bei mir verstärkt. Allerdings wurde ich der Story dennoch nicht überdrüssig, denn die zwei bis drei Handlungsstränge wechseln sich ständig ab, und die zwei Roboter liefern nicht nur heitere Einlagen, sondern führen zudem – mit Calrissian – eine Wende der Ereignisse herbei.

Im Jahr 2004 ist die Doppel-Trilogie beinahe fertig: Nächstes Jahr kommt der – vorerst – letzte Film in unsere Kinos: Episode 3 (es geht um die mysteriösen Sith). Die DVD-Box der ersten Trilogie ist nun mit großem Erfolg in den Läden. Und sie ist der Ausgangspunkt der Hörspielfassung. Das bedeutet auch, wie der Kenner weiß, dass sämtliche Änderungen, die Lucas an den Originalen vornahm, auch in den Hörspielen zu finden sind. Und das sind eine ganze Menge.

|Der Sprecher / Das Hörspiel|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Darth Vader, Luke, Han Solo – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“. Am besten gefielen mir die „romantischen“ Szenen zwischen Leia und Han Solo.

Es gibt für mich nur einen Wermutstropfen: Für die Produktion hat man die alten deutschen Sprecherstimmen übernommen. Das erscheint als Pluspunkt, doch leider hat man deren mindere Klangqualität nicht ebenfalls digital aufgebessert. Zuweilen klingen sie etwas scheppernd, und in Szenen mit zahlreichen Sprechrollen kommt es hin und wieder, wenn man ganz genau hinhört, zu Interferenzen und Verzerrungen. Dieser Effekt ist absolut minimal und selten, aber mit einem guten Ohr – und noch besserem Equipment – wahrzunehmen.

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Seine Leistung wird besonders im Finale deutlich, beim Zweikampf zwischen Vader und Luke. Die Klangqualität entspricht höchsten Standards.

Änderungen gegenüber den Originalen: Erstmals tritt jetzt der Chef von Vader auf, der Imperator. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, wurde dessen Gesicht im überarbeiteten Film an das von Kanzler Palpatine in Episode 1 und 2 angepasst. Auch seine deutsche Stimme klingt jetzt anders: viel glatter, hinterlistiger. Daher fehlt ihr auch der für alle anderen deutschen Synchronstimmen typische scheppernde, raue Klang. Das kann man bewerten, wie man will. Ich halte es für einen Fortschritt.

_Unterm Strich_

Abgeschlagene Hände, in Eis eingefrorene Helden, Schurken, die sich als Väter entpuppen? Kein Zweifel: Diese Episode ist eigentlich kein Märchen mehr, wie es noch bei Episode 4 der Fall war. Doch keine Angst, liebe Achtjährige, für die dieses Hörspiel freigegeben ist: In der nächsten Episode wird alles wieder gut, weil dann nämlich wieder Onkel Lucas am Ruder ist – wenn schon nicht im Regiestuhl, so doch als ausführender Produzent, Drehbuchautor und Storylieferant. Deshalb kommen dort auch wieder süße kleine Teddybären, pardon, ich meine: edle Ewok-Krieger vor.

Episode 5 ist so actionreich wie kein anderes Hörspiel dieser Trilogie. Manchmal entsteht im Vergleich sogar der Eindruck, dass es hier besonders hektisch zugeht. Aber die Abwechslung durch drei parallele Handlungsstränge erklärt auch die Fülle an Ereignissen in dieser Episode. Das ändert sich in der nächsten Episode radikal.

|Umfang: ca. 63 Minuten auf 1 CD|

Marklund, Liza – Lebenslänglich (Hörbuch)

_Halbgarer Schwedenkrimi, wenig spannend umgesetzt_

Stockholm in einer Juninacht. David Lindholm, ein angesehener Polizist, wird erschossen in seinem Bett aufgefunden. Seine Frau Julia hockt verstört im Badezimmer, und von ihrem vierjährigen Sohn Alexander fehlt jede Spur. Bald gerät Julia in den Verdacht, nicht nur ihren Mann, sondern auch den kleinen Alexander umgebracht zu haben … (Verlagsinfo)

_Die Autorin_

Liza Marklund, geboren 1962, studierte Journalismus und arbeitete bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Mehrere Jahre war sie Nachrichtenchefin des schwedischen Privatsenders „TV 4“. Diesen Traumjob kündigte sie, um Romane zu schreiben. Für ihren Debütroman „Olympisches Feuer“ (dt. 2000) erhielt sie bedeutende Literaturpreise. Auch die Nachfolgeromane „Studio 6“ und „Paradies“ wurden offenbar erfolgreiche Krimis. Die Romane wurden laut Verlag fürs Kino verfilmt. Marklund lebt mit ihrer Familie in Stockholm. (Verlagsinfo)

_Die Sprecherin_

Judy Winters Karriere am Theater begann 1962. Die 1944 Geborene wurde von Peter Zadek ans Bremer Theater engagiert und feierte in Musicals wie „My Fair Lady“ oder „Hello Dolly“ große Erfolge. Es folgten zahlreiche TV-Filme, u. a. Simmel-Verfilmungen und der Kult-Tatort „Reifezeugnis“. Mit dem Programm „Marlene“ hat Judy Winter einen Meilenstein ihrer Kunst gesetzt. Damit ging sie im Sommer 2001 auf Japan-Tournee. Sie hat bereits die Marklund-Romane
„Olympisches Feuer“,
„Paradies“,
[„Prime Time“, 385
[„Der Rote Wolf“, 573
„Mia. Ein Leben im Versteck“ und
[„Studio 6“ 904 gelesen, die alle als Buch & Hörbuch bei |Hoffmann & Campe| erschienen.

Regie führte Georg Gess. Die Aufnahme erfolgte bei |Küss Mich Musik| in Berlin durch Martin Freitag. Das Buch erschien bei |Kindler|.

_Handlung_

Am Donnerstag, den 3. Juni, wird den Polizeistreifen um 3 Uhr 21 ein Schusswaffengebrauch in der Innenstadt von Stockholm gemeldet. Nina Hofmann und ihr Kollege Andersen fahren hin. Du meine Güte, denkt Nina, das ist ja die Adresse von David und Julia! David Lindholm ist einer der beliebtesten Polizisten der Stadt und schon mehrmals belobigt worden. Was kann ihm zugestoßen sein? Und Julia war bis vor kurzem ebenfalls Polizistin. Sie haben einen kleinen Sohn, Alexander. Als ihre Freundin kennt Nina den Code zu ihrer Haustür auswendig. Andersen kommt mit. Das Viertel wird unterdessen abgesperrt, und Verstärkung rückt an.

Gunnar Erlandsson, ein Nachbar der Lindholms, hat von oben Schüsse gehört und die Polizei gerufen. Nina und Andersen gehen weiter die Treppe hoch. Niemand reagiert auf Klingeln, Klopfen und Rufen, alles still. Zu still. Auf einen Anruf reagiert nur der AB. Im Schlafzimmer ist jedoch durch den Briefschlitz Licht zu sehen. Die Polizisten brechen ein und finden dort eine grausige Szene vor: David liegt nackt auf dem Bett, ein Loch in der Stirn, aus dem zerschossenen Unterleib ist viel Blut gequollen. Eine Polizeiwaffe liegt neben dem Bett auf dem Boden – Julias Waffe, wie sich herausstellen wird.

Doch wo ist Julia selbst, fragt sich Nina, und der Junge? Andersen ruft sie zu sich: Julia liegt in Fötalstellung auf dem Boden des Badezimmers, die Augen weit aufgerissen, würgend und röchelnd. Sie ist unansprechbar, aber ansonsten unverletzt. Andersen sagt, der Junge sei nirgends zu finden. Nina redet auf Julia ein, um sie zu trösten und zu befragen. Julia sagt, die „Anderen“ haben den Kleinen mitgenommen. Nach einer ersten Untersuchung wird Julia Lindholm zur Hauptverdächtigen erklärt.

|Annika Bengtzon|

Die Journalistin Annika Bengtzon vom „Abendblatt“ – Marklunds Serienheldin – hat eine schlimme Nacht hinter sich: Ihr Haus ist abgebrannt. Sie hat die zwei Kinder geschnappt und ist, ausgestattet nur mit einem Handy, aber ohne Geld, mit einem Taxi zu ihrer Freundin Anne Snafane gefahren. Der Fahrer hat das Handy als Kaution genommen. Anne Snafane öffnet nach langem Klingeln, Rufen und Klopfen endlich die Tür, reagiert aber alles andere als freundlich auf den Besuch morgens um vier.

Dass die Kinder Kalle und Ellen bibbern und ihre Freundin Annika völlig aus dem Häuschen ist, scheint sie jedoch nicht zu kümmern, muss Annika entsetzt feststellen. Anne hat einen jungen Lover bei sich im Bett, den sie nicht verlieren will. Es kommt zu einem wütenden Streit, als sich Anne stur weigert, Annika und ihrer Brut Asyl zu gewähren. Unverrichteter Dinge muss Annika in ein Hotel gehen, ohne Geld und Gepäck. Zum Glück hilft ihr am nächsten Morgen eine Kollegin aus der Redaktion. Berit gibt ihr auch Geld und gewährt ihr Unterschlupf in ihrem Ferienhäuschen am See.

Annika denkt an Thomas. Der verfluchte Schweinehund, der sie für die „dumme (aber reiche) Schlampe“ Sofia Greburi verlassen hat, pennt wahrscheinlich gerade in ihrer Villa und träumt von seiner Pension, sobald er erst einmal Ministerialbeamter geworden ist. Sie ahnt nicht, dass Thomas gerade völlig entgeistert vor der ausgebrannten Ruine des Hauses steht, das ihm und Annika gehört. Er wollte sich eigentlich die Hälfte seines Wertes auszahlen lassen. Die Nachbarin weiß nichts Näheres über den Brand und ob seine Familie überhaupt noch lebt. Keine Nachricht, keine SMS, absolut nichts von Annika.

|Annika und Nina|

Annika muss Geld verdienen. Also ruft sie Nina Hofmann an, die in der Zeitung steht. Nach der Pressekonferenz von Polizei und Staatsanwaltschaft weiß Annika, dass Julia Lindholm als Hauptverdächtige für den Mord an David Lindholm betrachtet wird. Ihr droht eine lebenslange Haftstrafe. Aber Annika kennt sowohl Nina als auch Julia, denn vor fünf Jahren ist sie mit den beiden Polizistinnen einmal Streife gefahren, um eine Reportage schreiben zu können. Der Tatort war voller Leichen – das Werk eines Killers, heißt es. Stattdessen wurde ein Finanzkaufmann verurteilt.

Annika glaubt nicht, dass Julia fähig war, ihren Mann und ihr Kind zu töten. Sie ruft ihren Chefredakteur an, um ihm die Story zu verkaufen, kriegt ein Okay und ruft Nina Hofmann an, um sich mit ihr zu treffen. Nina ist inzwischen von diversen Vorwürfen entlastet worden und muss sich nicht vor der Dienstaufsicht verantworten. Nach einigem Hin und Her rückt sie mit der Sprache heraus: Die Tatwaffe gehörte Julia, ihre Fingerabdrücke befanden sich darauf. Und: Julia hatte vor gut zwei Wochen den Dienst quittiert.

Die öffentlichen Lobreden auf den Polizeihelden David Lindholm machen Annika misstrauisch. Wenn David gegen seine eigene Frau so ein Schwein war, wie Nina ihn schildert, dann hatte er vielleicht ein paar Disziplinarverfahren am Hals. Bingo! Vor fast 20 Jahren wurden zwei Disziplinarverfahren gegen ihn eröffnet und ergebnislos eingestellt. Er hatte zwei Kleinverbrecher fertiggemacht, die für die Mafia dealten. Merkwürdig, dass beide das Gleiche aussagten.

|Machenschaften|

Als sie Nina damit konfrontiert, ist diese bestürzt. Julia wollte David verlassen, weil er sie ständig mit anderen Frauen betrog. Eine seiner Geliebten rief sogar bei Julia an, und David setzte seine Frau sogar mehrmals nackt vor die Wohnungstür. Nicht gerade der liebende Ehemann, oder? Annika beschließt, sich den finanziellen Hintergrund Davids anzusehen und stößt auf ein Geflecht zwielichtiger Firmen, bei denen immer wieder die gleichen Namen auftauchen, deren Geschäftspartner David Lindholm war. Betrieb der Polizist eine Art Schattenwirtschaft? Womöglich mit einer seiner Geliebten? Annika stößt auf den Namen Lena Yvonne Nordin und beschließt, die Frau zu befragen. Doch ihre Recherche ergibt, dass die Frau seit zehn Jahren Witwe ist, aber keine Adresse hat. Das macht Annika erst recht stutzig. Sie geht dieser Spur nach.

|BHs und Dynamit|

Zuvor soll sie bei Thomas und Sofia die beiden Kinder hüten, während die Turteltäubchen zusammen in die Oper gehen. Das Domizil der „dummen Schlampe“ Sofia Grenburi ist vom Allerfeinsten, und Annika rächt sich an der Nebenbuhlerin, indem sie einen teuren Spitzen-BH klaut. Die Schlampe wird davon eh nichts merken: Sie hat ganze Schubladen voll davon (ganz im Gegensatz zur „abgebrannten“ Annika).

Und Annika hat auch keine Skrupel, sich auf der Festplatte von Thomas‘ Laptop umzusehen. Dort stößt sie auf einen brisanten Mailaustausch mit dem Justizministerium: pures Dynamit, das den Ministerstuhl gehörig zum Wackeln bringen wird! Sie muss Thomas‘ Gutachten zur Reform des schwedischen Strafvollzugs nur an die richtigen Leute bei ihrer Zeitung schicken, natürlich anonym …

_Mein Eindruck_

Wieder mal mischt sich Annika, Marklunds Serienheldin, in Dinge ein, die für die schwedische Gesellschaft unangenehme Wahrheiten bereithalten. Natürlich sind Polizeiführung und Justizministerium in keiner Weise daran interessiert, solchen Sprengstoff an die Öffentlichkeit gelangen zu lassen. David Lindholm soll weiterhin als strahlender Held der Kriminalpolizei dastehen. Dass Annika an diesem Denkmal kratzt, wird gar nicht gern gesehen. Eines Tages sieht sie sich von zwei brutal aussehenden Kerlen bedroht, die sie davor warnen, noch weiter in Lindholms Vergangenheit herumzuschnüffeln.

Auch ein Verbrecher, der lebenslänglich im Gefängnis sitzt, weil David Lindholms Arbeit ihn dorthin gebracht hat, weiß nichts besonders Nettes über den Cop zu sagen. Aber er rückt auch nicht mit der Sprache heraus. Annika hat den Eindruck, dass der Kerl, immerhin ein Axtmörder, vor irgendetwas Angst hat. Etwas, das noch da draußen ist und auf ihn lauert, sollte er den Mund aufmachen. Auch andere Opfer Davids wissen nichts Gutes über ihn zu sagen. All das macht sich gut in der Zeitung, aber es hilft nicht, Alexander Lindholm zu finden.

Der Titel „Lebenslänglich“ (Original: Livstid = Lebenszeit) bezieht sich auf mehrere Aspekte des Romans. Die Gefängnisstrafe ist offensichtlich der erste Aspekt, der gemeint ist. Darum geht es in Thomas‘ Gutachten und bei Annikas Besuchen im Gefängnis. Die Berechtigung dieser Strafe wird natürlich wie so vieles andere in Zweifel gezogen. Zum Beispiel lange Ehen und deren angebliches Glück, das lediglich eine papierdünne Fassade ist – siehe die Lindholms und die Bengtzons. Die Gefahr besteht, dass auch der entführte Alexander eine lebenslange Strafe in den Armen einer Kidnapperin verbringen muss. Das will Annika ebenso verhindern wie die lebenslange Strafe, zu der Julia Lindholm verurteilt werden soll.

Annika ist wieder zum einen Teil Lebensretterin (Julia, Alexander), zum anderen Störenfried und Racheengel. Eine derartig engagierte Journalistin würde man sich hierzulande auch wünschen. Journalistinnen, die solche Aktivitäten in Russland (besonders Moskau) an den Tag gelegt haben, wurden jedoch alle ermordet, zuletzt Anna Politkowskaja und eine Menschenrechtlerin in Tschetschenien. Dass sich auch Annika in Lebensgefahr begibt, wird ihr erst klar, als sie die erste Spur von Alexander Lindholm findet …

|Schwächen|

Das alles hört sich an, als wäre es genügend Stoff für einen spannenden Thriller. Das mag auch so sein, aber der Thriller wird gehörig verwässert, sobald Annikas Privatleben ins Spiel kommt. Ihre Querelen mit Thomas und dessen Freundin Sofia nervten mich schon bald derartig, dass ich am liebsten weggehört hätte. Eine Heldin, die sich die Seele aus dem Leib weint, ist nicht gerade das, was man in einem Krimi zu erwarten gewohnt ist. Es mag allerdings realistisch sein und auf einen weiblichen Zuhörer durchaus glaubwürdig wirken – was wäre eine Heldin ohne ihre menschliche Seite? Aber wenn sie Annika zum fünften Mal sagt: „Mensch, du musst dein Leben in den Griff kriegen!“, dann möchte man ihr am liebsten einen Tritt in den Hintern versetzen, damit sie endlich in die Gänge kommt. Eine Frau würde Annika natürlich fest in den Arm nehmen, ist ja klar.

Zu dieser Schwäche an Annika kommt noch ein Aspekt hinzu, den wir erst in der letzten Szene, quasi im Epilog, verraten bekommen. Sie hat etwas Wichtiges übersehen, was ihre wichtigste Zeugin Nina Hofmann betrifft. Ich werde aber den Teufel tun und verraten, was das sein könnte. Ich hatte Nina die ganze Zeit im Verdacht, die Entführerin des kleinen Alexander zu sein, aber das haut nicht hin und wird auch nie bestätigt. Immerhin wird Nina ein Drittel der Handlung zugestanden (Thomas hat ebenfalls ein paar Szenen), so dass für eine gewisse Abwechslung (Erleichterung!) gesorgt ist.

_Die Sprecherin_

Judy Winter verfügt über einen unglaublichen Stimmumfang, offenbar geschult durch ihre Schauspielausbildung und Musicalkarriere. Die Stimme reicht vom maskulinen Bass bis in die Höhen von Kinderstimmchen und Zickengekreisch. Deswegen fällt es ihr auch nicht schwer, Vertreter beider Geschlechter ebenso glaubwürdig zu sprechen wie etwa ein Kind.

Die Wirkung von Judy Winters Vortrag ist durchaus fesselnd. An spannenden Stellen liest sie langsam, an actionreichen natürlich schneller. Dennoch gehört die Mehrheit der Stimmen weiblichen Figuren, und da könnte die Charakterisierung durch unterschiedliche Stimm- oder Tonlage größer sein, um die jeweilige Figur besser unterscheidbar zu machen – eines der Hauptprobleme bei einem Hörbuchvortrag. Bei einer Handlung mit etwa einem halben Dutzend Figuren ist dies umso notwendiger.

Doch Winter gelingt es nicht, Annikas Gedanken, die den Großteil des Textes ausmachen, irgendwie aufregend zu gestalten. Es ist das gleiche Problem wie mit Annikas Heulkrämpfen: Allzu viel davon nervt einfach nur. Dennoch versucht die Sprecherin ihr Möglichstes, um das Beste etwa aus einer drögen Internetrecherche zu machen und Zitate aus langweiligen Dokumenten halbwegs interessant zu gestalten. Das ist sicher nicht einfach, aber es sind eben Monologe, und Monologe sind das Gegenteil von Unterhaltung (es sei denn, man heißt Hamlet).

Deshalb ist jede Abwechslung willkommen. Mal lallt Thomas in schönster Säufermanier ins Telefon, mal wird Annika von Kommissar Kuh (den wir schon aus „Der Rote Wolf“ kennen) in die Mangel genommen. Dann quengeln wieder die Kinder. Ganz wunderbar fand ich Winters Darstellung von Sofia Grenburi, die wirklich das Inbild einer reichen Gesellschaftsdame abgibt, die mit Thomas einen vermeintlich guten Fang gemacht hat. Sofia ist so schrecklich nett zu Annika, der sie den Ehemann ausgespannt hat, dass man sie inbrünstig zu verabscheuen lernt. Wir haben volles Verständnis, wenn Annika in einem Anfall manischen Hasses den geklauten Spitzen-BH zerfetzt.

|Aussprache top!|

Beeindruckend ist Winters Beherrschung des Englischen und Schwedischen, die sie gleichermaßen korrekt aussprechen kann. Ihre Aussprache des Schwedischen stellt sicher ähnliche Ansprüche, und wie im Englischen und Deutschen entspricht das geschriebene Wort nicht immer dem gesprochenen. Das kann besonders bei den zahlreichen Namen des Romans Verwirrung stiften, insbesondere dann, falls die Aussprache schwankt. Die Aussprache des wichtigsten Namens, Luleå, schwankt zum Glück nicht.

Da es weder Geräusche noch Musik gibt, brauche ich darüber kein Wort zu verlieren.

_Unterm Strich_

Ich hatte etwas mehr Pfiff erwartet. So ist beispielsweise die Aufklärung des Brandanschlags auf Annika und ihre Familie doch eine recht dringliche Sache, würde ich meinen. Aber obwohl Annika ganz klar ihren Nachbarn beschuldigt, wird dieser Ermittlung keine Aufmerksamkeit geschenkt. Das mag aber auf die Kürzung des Textes zurückzuführen sein. Die Aufklärung erfolgt dann im abschließenden Gespräch mit Kommissar Kuh, was einen ziemlich späten und unspektakulären Abschluss dieses Spannungsbogen darstellt. Aber dieser Handlungsstrang soll nur verdeutlichen, dass auch Annika nicht mit vorschnellen Verurteilungen zu locker bei der Hand sein sollte, wie es etwa die Stockholmer Staatsanwaltschaft mit Julia Lindholm getan hat.

Es ist ja schön und gut, dass Annikas Arbeit Julia vor der lebenslangen Haftstrafe bewahrt, die sie wahrscheinlich umgebracht hätte. Und auch der entführte Alexander kehrt wieder zurück. Aber von David Lindholms Ruhm bleibt nichts mehr übrig. Was mich wirklich vermisst habe, ist die taffe Reporterin aus „Der Rote Wolf“, die sich in die Höhle des Löwen begibt. Stattdessen müssen wir eine aufs menschliche Maß reduzierte, häufig flennende Annika ertragen.

Es ist lange nicht klar, wohin ihre Recherche sie führen wird, dann kristallisiert sich heraus, dass die Kindesentführer auch die Mörder von David Lindholm sein dürften. Man muss sie bloß in Davids Vergangenheit finden, und das ist alles andere als einfach. Das Finale zeigt uns eine verängstigte Annika auf der Flucht, die Verbrecher auf der Flucht – und das Ende findet irgendwie offscreen statt. So mag es zwar im richtigen Leben ausgehen, aber in einer Fiktion wie diesem Krimi wirkt dies reichlich unbefriedigend. Genau wie die Aufklärung des Brandanschlags.

|Das Hörbuch|

Judy Winter macht ihre Sache wieder mal zur vollen Zufriedenheit. Allerdings kann sie selbst aus einem schlechten Text nicht das Optimum an Unterhaltung herausholen. Und sie zeigt sie mehrmals selbst als Sprecherin/Erzählerin, obwohl sie doch eigentlich hinter den Figuren verschwinden sollte. Das ist aber alles andere als einfach, wenn die Hauptfiguren ständig Monologe mit sich selbst führen.

|Originaltitel: Livstid, 2007
Aus dem Schwedischen übersetzt von Dagmar Lendt und Anne Bubenzer
399 Minuten auf 6 CDs
ISBN-13: 978-3-86610-568-3|
http://www.lizamarklund.net
http://www.argon-verlag.de
http://www.rowohlt.de

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – entwendete Brief, Der (POE #11)

_Überlistet: Die Rache des Detektivs_

„Der entwendete Brief“ ist der elfte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch an den ersten acht Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: [Die schwarze Katze 755
#2: [Die Grube und das Pendel 744
#3: [Der Untergang des Hauses Usher 761
#4: [Die Maske des Roten Todes 773
#5: [Sturz in den Mahlstrom 860
#6: [Der Goldkäfer 867
#7: [Die Morde in der Rue Morgue 870
#8: [Lebendig begraben 872

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

#9: [Hopp-Frosch 1906
#10: [Das ovale Portrait 1913
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora

Die nächsten vier Folgen sind:

14. Die längliche Kiste
15. Du hast es getan
16. Das Fass Amontillado
17. Das verräterische Herz

(Folge 13 wird bewusst ausgelassen …)

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Short Story. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Short Story („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Die Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Außerdem wirken Till Hagen als Dr. Templeton sowie eine Reihe anderer Sprecher mit. Till Hagen wurde 1949 in Berlin geboren und erhielt seine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule. Zeitgleich drehte er seinen ersten Kinofilm, „7 Tage Frist“. Es folgten Engagements an den Stadttheatern Dortmund und Bielefeld. Später studierte er Deutsch und Theaterpädagogik. Als Sprecher beim Deutsche-Welle-Fernsehen und im Hörfunk wurde er genauso bekannt wie als Synchronstimme u. a. von Kevin Spacey.

|Das Titelbild|

Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen hat, zeigt bei „Der entwendete Brief“ ein Treppenhaus. Aber nicht irgendein Treppenhaus in einem Mietsblock, sondern offenbar handelt es sich um eine Art Schloss, wie sich anhand der großen Halle und des fein gedrechselten Holzes des Geländers ablesen lässt. Wer genau hinsieht, wird verblüfft bemerken, dass der Boden des oberen Treppenabsatzes aus Holzbohlen besteht, wie man sie nur in sehr alten Gebäuden finden würde – allein schon wegen der permanenten Feuergefahr. Wieder einmal fällt die geniale Behandlung von Hell und Dunkel auf.

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren.

|Das Booklet|

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch wird hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Es gibt einen kleinen Abriss der Vorgeschichte sowie Informationen zur Gothicband |L’ÂME IMMORTELLE|. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf.

_Vorgeschichte_

Hinweis: Das neu gestaltete Booklet enthält einen kleinen Abriss der Vorgeschichte, so dass der Einstieg leichter fällt.

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile wieder entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon acht Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe von Albträumen – über „Die Morde in der Rue Morgue“ – nicht verschont.

_Handlung_

Aus dem vorherigen Abenteuer wissen wir nun, dass „Dr. Templeton“ ein Hochstapler ist, der in Wahrheit Francis Baker heißt. Seine Halbschwester ist (war?) Lucy Monaghan. Es gibt eine Andeutung, dass Lucy und Leonie Dinge getan haben, die nicht ganz koscher sind. Wird Poe dahinter kommen? Garantiert!

Leonie und Poe wollen der Polizei diese Hintergründe enthüllen und auf die Toten in dem Landhaus hinweisen. Da geraten sie aber an die Falschen! In der Polizeiwache ist alles völlig verwahrlost, und das hätte sie stutzig machen sollen. Sobald der Name „Dr. Templeton“ gefallen ist, wird Leutnant Creedon gerufen, um sich der beiden anzunehmen. Doch ein echter Schock ist der Auftritt Templetons selbst, der Creedon eindringlich vor dem Wahnsinn seiner Ex-Patienten warnt.

|Der Traum|

In seiner Zelle hat Poe einen sonderbaren Traum. Darin tritt wieder einmal der Pariser Meisterdetektiv Auguste Dupin auf. Poe ist Dupins Freund geworden und befindet sich gerade in dessen Wohnung, als eine wunderschöne Frau eintritt. Die Prinzessin ist inkognito und möchte um keinen Preis ihren Namen verraten, doch der kostbare Ring an ihrem Finger trägt die Farben der Republik und ist ein guter Hinweis darauf, warum sie ihren Besuch geheim halten muss. (Der Zeitpunkt liegt offenbar VOR der Französischen Revolution. Danach gab es plötzlich wesentlich weniger Prinzessinnen …)

Der Grund: Ein wichtiger Brief wurde entwendet, der dem Dieb große Macht über die Prinzessin verleiht, wegen der Enthüllungen, die sie darin macht. Der Dieb ist bekannt: Es ist der Minister D. Zunehmend missbraucht er den Besitz des Briefes, um die Position der Prinzessin zu schwächen und selbst an Einfluss zu gewinnen. Doch es gelingt ihr nicht, den Brief zurückzubekommen: Die Polizei hat die Wohnung des Ministers ebenso durchsucht wie dessen Person – nichts.

Auguste Dupin kennt den Minister persönlich und hat keine angenehmen Erinnerungen an ihn. Dieser ist außerdem Dichter und Mathematiker – eine gefährliche Kombination, wie Dupin findet. Er verspricht der Prinzessin nicht nur Diskretion, sondern auch, den Brief binnen drei Tagen an sie zurückzugeben. Dann setzt er mit Poes Hilfe einen genialen Plan in die Tat um …

Als Poe erwacht, brennt vor dem Polizeirevier ein Heuwagen, und Chaos verbindet sich mit Panik. Im Durcheinander hilft Poes Freund George Appo den beiden Häftlingen, zu entkommen und bestimmte Dokumente mitzunehmen. Er bringt sie zu Sullivan’s Insel, wo er sie in Sicherheit glaubt. Er ahnt nicht, dass die beiden Sullivan’s Insel nur zu gut kennen … (nämlich aus „Der Goldkäfer“).

_Mein Eindruck_

Die Binnenhandlung um den Pariser Meisterdetektiv Auguste Dupin wird von einer der bekanntesten und am besten aufgebauten Erzählungen Poes überhaupt bestritten: „The Purloined Letter“. Dupin ist ja der Wegbereiter für den weitaus berühmteren Kollegen Sherlock Holmes und verfügt über ein ebenso großes deduktives Einfühlungsvermögen wie dieser. Dass er aber auch über durchtriebene Initiative verfügt, belegt das Abenteuer um den „entwendeten Brief“. Ich werde mich hüten, die Pointe zu verraten.

Ist der Traum der verkappte Wunsch Poes, aus seiner misslichen Lage durch eine Vaterfigur befreit zu werden? Nun, wenigstens ein Freund hilft ihm aus seiner Zelle, und dass die liebe Leonie mitkommt, ist Poe sicherlich recht. Iris Berben, die die Leonie spricht, hat mit dieser Rolle wesentlich weniger Arbeit als mit ihrer Rolle als Prinzessin.

Die Story der Prinzessin erfordert eine lange Anlaufzeit, um richtig verstanden zu werden, und erst wenn der Zuhörer – vertreten durch Mr. Poe – kapiert hat, was denn an diesem elenden Brief so Wichtiges dran ist, darf die Action starten. Diese Szene kann man sich durchaus auch als Filmszene vorstellen, und vielleicht schlummern in irgendwelchen Senderarchiven sogar solche Episoden auf der Basis von Poe-Erzählungen. Kinofilme zumindest gäbe es in Hülle und Fülle, meist mit Vincent Price in der Hauptrolle.

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

|Mr. Poe alias Jimmy Farrell|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Erstaunen und Neugier darzustellen, wenn sein Poe der Begegnung zwischen Prinzessin und Dupin zuhört. Dieses Poe-Imago des 18. Jahrhunderts ist ziemlich verzagt und unbeholfen im Umgang mit Waffen, geradezu ein Schreibtischhengst par excellence. Man kann nur froh sein, dass Dupins Plans aufgeht, wenn Poe mitwirkt.

|Miss Leonie Goron / Prinzessin|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird.

|Minister|

Jürgen Thormann ist fast schon ein allgegenwärtiger Synchronsprecher, obwohl er vielen Hörern mit Namen nicht vertraut ist. Er spielt häufig distinguierte ältere Herren, meist von Rang, die ein wenig arrogant wirken. Dies trifft natürlich auf den Minister, der sich für besonders schlau hält, in ganz besonderem Maße zu.

|Auguste Dupin|

Ein ganz besonderes Schmankerl ist die Aufnahme von Manfred Lehmann in den Kreis der Sprecher in dieser Episode. Wie schon in „Die Morde in der Rue Morgue“ bestreitet er die Rolle des Meisterdetektivs Auguste Dupin, und zwar mit seiner Synchronstimme für Gerard Depardieu. Dementsprechend klingt Dupin keineswegs herablassend, sonders vielmehr hintergründig und autoritativ, wenn er dem ahnungslosen Poe, seinem Stichwortgeber, (und gleichzeitig uns) die Zusammenhänge erklärt.

_Musik und Geräusche_

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Bis auf die Eingangsszene sind aber diesmal alle Szenen in Interieurs eingerichtet, so dass der Sound eine untergeordnete Rolle spielt. Immerhin sind Effekte wie etwa Hall und ein sehr tiefes Bassgrummeln festzustellen, das Gefahr anzeigt.

Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der fünf Hauptfiguren (Poe, Goron, Dupin, Prinzessin, Minister) und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese rein untermalende Aufgabe ist auf den ersten Blick leichter zu bewerkstelligen als die Gestaltung ganzer Szenen, doch wenn es sich um actionarme Szenen wie diesmal handelt, zählt jede Note, jede Tonlage.

Musiker des Ensembles „Musical Halensis“ und des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

In der dritten Staffel der Serie hat |Lübbe| den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den deutschsprachigen Song „Fünf Jahre“ von der österreichischen Gothicband |L’ÂME IMMORTELLE|. Im Booklet finden sich Angaben zur Sängerin Sonja Kraushofer und Bandleader Thomas Rainer. Der Song ist dem aktuellen Album „Gezeiten“ entnommen, dessen Cover im Booklet abgebildet ist.

Entsprechend der Musikrichtung ist die Instrumentierung heavy, düster, aber zugleich gefühlvoll. Das erinnert an die Werke der inzwischen umstrukturierten Band |EVANESCENCE|.Wenigstens ist aber der Abschlusssong in deutscher Sprache gehalten und somit halbwegs verständlich.

_Unterm Strich_

Während in der Rahmenhandlung reichlich wenig passiert – und obendrein relativ Unplausibles -, wartet die Binnenhandlung mit einer ausgezeichnet umgesetzten literarischen Vorlage auf, die auf einer der besten Detektivstorys Poes beruht. Hier gibt es zwar keine gruselige Action wie in „Die Morde in der Rue Morgue“, aber Poe hat mehrfach solche Plots der „ratiocination“ eingesetzt, um deduktives Denken in erfolgreichem Einsatz zu demonstrieren.

Die neue Staffel weist ein ebenso hohes Qualitätsniveau wie die bisherigen zwei Staffeln auf. Ob die nächste Staffel (s. o.) wirklich wie angekündigt im November kommt, ist noch nicht sicher, wie der Webseite http://www.poe-hoerspiele.de zu entnehmen ist. Ulrich Pleitgen war bis Mitte Oktober mit Dreharbeiten beschäftigt.

|Basierend auf: The purloined letter, ca. 1845
58 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.poe-hoerspiele.de & http://www.luebbeaudio.de |

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – ovale Portrait, Das (POE #10)

_Poe-Horror: Doktor Frankenstein lässt grüßen!_

„Das ovale Portrait“ ist der zehnte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch an den ersten acht Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: [Die schwarze Katze 755
#2: [Die Grube und das Pendel 744
#3: [Der Untergang des Hauses Usher 761
#4: [Die Maske des Roten Todes 773
#5: [Sturz in den Mahlstrom 860
#6: [Der Goldkäfer 867
#7: [Die Morde in der Rue Morgue 870
#8: [Lebendig begraben 872

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

#9: [Hopp-Frosch 1906
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora

Die nächsten vier Folgen sind:

14. Die längliche Kiste
15. Du hast es getan
16. Das Fass Amontillado
17. Das verräterische Herz

(Folge 13 wird bewusst ausgelassen …)

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Short Story. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Short Story („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Die Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Außerdem wirken Till Hagen als Dr. Templeton sowie eine Reihe anderer Sprecher mit. Till Hagen wurde 1949 in Berlin geboren und erhielt seine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule. Zeitgleich drehte er seinen ersten Kinofilm, „7 Tage Frist“. Es folgten Engagements an den Stadttheatern Dortmund und Bielefeld. Später studierte er Deutsch und Theaterpädagogik. Als Sprecher beim Deutsche-Welle-Fernsehen und im Hörfunk wurde er genauso bekannt wie als Synchronstimme u. a. von Kevin Spacey.

|Das Titelbild|

Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen hat, zeigt eine äußerst kunstvolle Anordnung von Objekten in einem Salon. Die linke Hälfte des Bildes wird dominiert von einer ausgestopften Schneeeule, in der rechten Hälfte erblicken wir in einem ovalen Spiegeln ein antikes Zimmer, das auf ein französisches Fenster mit gotischem Spitzgiebel hinausblickt. Alles in allem ein Fest für das Auge eines kenntnisreichen Innenarchitekten. Ein Portrait, wie es im Titel erwähnt wird, ist jedoch weit und breit nicht zu entdecken (oder ich habe meine Lupe vergessen).

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren.

|Das Booklet|

Jede CD enthält ein achtseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch wird hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Es gibt einen kleinen Abriss der Vorgeschichte sowie Informationen zur Gothicband |L’ÂME IMMORTELLE|.Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf.

_Vorgeschichte_

Hinweis: Das neu gestaltete Booklet enthält einen kleinen Abriss der Vorgeschichte, so dass der Einstieg leichter fällt.

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile wieder entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon acht Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe von Albträumen – über „Die Morde in der Rue Morgue“ – nicht verschont.

_Handlung_

In New Orleans ist eine Feuersbrunst ausgebrochen, in deren Verlauf Appos Haus niederbrennt. Ob das wohl ein Zufall ist? In einer Hafenschenke bekommt Poe einen Tipp, an wen er sich wenden soll. Auf einer Landzunge trifft er George Appo wieder, Poes Freund. Der schickt ihn in eine Wäscherei, die offenbar ebenfalls zu Appos chinesischem Geheimbund gehört. So kommt es, dass Poe, verborgen in einem Wäschekorb, in Dr. Templetons Domizil Zugang findet. In diesem Landhaus sucht er die entführte Leonie.

Nach seinem Ausbruch aus dem verschlossenen Korb sieht sich Poe in der Wäschekammer im Keller um, muss sich aber sofort vor einem Bediensteten verstecken, der Templeton beim Namen „Deibler“ ruft. Nanu, so hieß doch Poes Wärter in der Nervenheilanstalt! Und da läuft auch die einäugige Katze, die Deibler sucht, herum – genau wie in Poes Traum.

Bei einer ersten Erkundung der verlassenen Halle entdeckt Poe ein Tagebuch und hinter einem Vorhang ein ovales Porträt: Es zeigt unverkennbar Lucy Monaghan, Leonies Schwester, die in Dr. Templetons Landhaus verschwand. Lebt sie noch? Und wo ist Leonie? Dieses Haus scheint einem ehemaligen Sklavenhändler gehört zu haben.

Mit Schlüsselbund und Laterne begibt sich Poe in die unteren Gewölbe des Hauses, wo früher die Sklaven eingesperrt wurden. Sie sind in den blanken Fels eingehauen und mögen Gott weiß was beherbergen. In einer Kette hängt noch ein einsamer menschlicher Armknochen – das verheißt nichts Gutes. Aus einer Zelle befreit er mit Hilfe der Schlüssel Leonie, der zum Glück nichts passiert ist, denn Templeton wollte sie bloß über Lucy Monaghan ausfragen.

Es gibt noch andere Gefangene … einen Alligator im Abwasserkanal … und einen piekfeinen Operationssaal. Offenbar hat der gute Doktor, ein Jünger Viktor Frankensteins, Versuche am Gehirn lebender Menschen vorgenommen. Auf dem OP-Tisch liegt ein toter, aber nicht verwester Körper. Anhand des Drachenrings an der Hand des Mannes erkennt Poe in ihm den verschwundenen Appo, den Bruder seines Freundes.

Da hören die beiden Stimmen von oben. Templeton und Deibler bereiten ihre Abreise in den Norden vor. Dem muss Poe Einhalt gebieten. Er stürzt sich auf Deibler und den teuflischen Doktor …

_Mein Eindruck_

Diese Episode hat in der Binnenhandlung herzlich wenig mit der literarischen Vorlage „The Oval Portrait“ zu tun, aber der Hörer wird dafür mit einer actionreichen Rahmenhandlung entschädigt. Der zuvor immer so verzagt wirkende Mister Poe alias Jimmy Farrell geht nun zum Angriff über und liefert sich mit Dr. Templeton alias Francis Baker ein Degenduell, das einem Douglas Fairbanks („Zorro“) zur Ehre gereicht hätte. Woran liegt es nur, dass er so wütend ist?

Der plausibelste Grund hat zwei schöne Augen und sicherlich zwei ebenso schöne Beine: Leonie Goron. Dass sie im Kerker in Lebensgefahr geraten ist, kann Poe als Gentleman alter Schule natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Außerdem hat Templeton/Baker einiges auf dem Kerbholz, was Poes eigene Familie und Vergangenheit anbelangt. Wer weiß, was da noch alles ans Tageslicht kommen wird. Dass Templeton Menschenversuche unternommen hat, lässt nichts Gutes erwarten.

_Die Sprecher_

|Mr. Poe alias Jimmy Farrell|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen. In dieser Folge spielt die Entdeckung seiner Vergangenheit und Identität eine größere Rolle als irgendwelche Träume. Eine andere Figur kommt daher nicht vor. Aber die stimmliche Darstellung von Poes misslicher Lage in der Sargkammer fordert den Sprecher bis an die Grenzen seiner Ausdrucksmöglichkeiten: Anfängliche Panik wechselt ab mit Beruhigung und anschließendem Denken, nur um um erneut von einer Panikattacke hinweggefegt zu werden.

|Miss Leonie Goron|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. Leider sind diese Qualitäten diesmal fast gar nicht gefragt, so dass ihre Figur in dieser Episode unverdient blass erscheint.

|Dr. Templeton / Baker|

Die Figur des Dr. Templeton alias Francis Baker wird im Booklet als „Imago“ bezeichnet, das heißt, dass diese Figur in zahlreichen anderen Gestalten auftreten kann, quasi wie ein Archetyp des Psychologen Carl Gustav Jung. Till Hagens Stimme ist unverkennbar, und viele von uns erkennen sie als die Synchronstimme von Kevin Spacey. Allerdings spricht Till Hagen weniger leise als in den meisten Spacey-Filmen, sondern vielmehr deklamiert er wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“, sowohl in „Das ovale Portrait“ als auch in „Hopp-Frosch“ und „Der entwendete Brief“.

_Musik und Geräusche_

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet. Bis auf die Eingangsszene sind aber diesmal alle Szenen in Interieurs eingerichtet, so dass der Sound eine untergeordnete Rolle spielt. Immerhin sind Effekte wie etwa Hall – für eine Art inneren Monolog – und ein sehr tiefes Bassgrummeln festzustellen, das Gefahr anzeigt. In der Sargkammer erklingt Poes Stimme verzerrt, als dränge sie aus einer Tonne.

Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese rein untermalende Aufgabe ist auf den ersten Blick leichter zu bewerkstelligen als die Gestaltung ganzer Szenen, doch wenn es sich um actionarme Szenen wie diesmal handelt, zählt jede Note, jede Tonlage.

Die serientypische Erkennungsmelodie erklingt in zahlreichen Variationen und wird von unterschiedlichsten Instrumenten angestimmt. Als Templeton erwähnt, er spiele – wie einst Roderick Usher – Geige, erklingt das Poe-Motiv erneut, allerdings gespielt auf einer Kirchenorgel. Und genau so eine Orgel spielte Usher in der entsprechenden Hörspiel-Episode. Danach wird das Motiv auf einer Harfe wiederholt, um die Wirkung romantischer zu gestalten.

Musiker des Ensembles „Musical Halensis“ und des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

In der dritten Staffel der Serie hat Lübbe den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den deutschsprachigen Song „Fünf Jahre“ von der österreichischen Gothicband „L’Âme Immortelle“. Im Booklet finden sich Angaben zur Sängerin Sonja Kraushofer und Bandleader Thomas Rainer. Der Song ist dem aktuellen Album „Gezeiten“ entnommen, dessen Cover im Booklet abgebildet ist.

Entsprechend der Musikrichtung ist die Instrumentierung heavy, düster, aber zugleich gefühlvoll. Das erinnert an die Werke der inzwischen aufgelösten Band „Evanescence“. Wenigstens ist aber der Abschlusssong in deutscher Sprache gehalten und somit halbwegs verständlich.

_Unterm Strich_

Die erfundene Rahmenhandlung übernimmt wieder einmal die Regie und drängt die Storyvorlage in den Hintergrund. Neue Entdeckungen, neuer Horror, neue Wut – so ließe sich der Plot lakonisch zusammenfassen. Aber der Zuhörer kommt dennoch durch die Actionszenen voll auf seine Kosten. Und Leonie ist mal wieder gerettet.

Die neue Staffel weist ein ebenso hohes Qualitätsniveau wie die bisherigen zwei Staffeln auf. Ob die nächste Staffel (s. o.) wirklich wie angekündigt im November kommt, ist noch nicht sicher, wie der Webseite http://www.poe-hoerspiele.de zu entnehmen ist. Ulrich Pleitgen war bis Mitte Oktober mit Dreharbeiten beschäftigt.

|Basierend auf: The oval portrait, ca. 1845
65 Minuten auf 1 CD|

Poe, Edgar Allan / Hala, Melchior / Sieper, Marc / Hank, Dickky / Weigelt, Thomas – Hopp-Frosch (POE #9)

_Poe-Horror: Rache ist süß_

„Hopp-Frosch“ ist der neunte Teil der Edgar-Allan-Poe-Reihe von |LübbeAudio|, die unter Mitwirkung von Ulrich Pleitgen und Iris Berben, eingebettet in eine Rahmenhandlung, Erzählungen des amerikanischen Gruselspezialisten zu Gehör bringt.

Ulrich Pleitgen hat auch an den ersten acht Hörbüchern der Serie mitgewirkt:

#1: [Die schwarze Katze 755
#2: [Die Grube und das Pendel 744
#3: [Der Untergang des Hauses Usher 761
#4: [Die Maske des Roten Todes 773
#5: [Sturz in den Mahlstrom 860
#6: [Der Goldkäfer 867
#7: [Die Morde in der Rue Morgue 870
#8: [Lebendig begraben 872

Die vier neuen Folgen der POE-Reihe sind:

#9: Hopp-Frosch
#10: Das ovale Portrait
#11: Der entwendete Brief
#12: Eleonora

Die nächsten vier Folgen sind:

#14. Die längliche Kiste
#15. Du hast es getan
#16. Das Fass Amontillado
#17. Das verräterische Herz

(Folge 13 wird bewusst ausgelassen …)

_Der Autor_

Edgar Allan Poe (1809-49) wurde mit zwei Jahren zur Vollwaise und wuchs bei einem reichen Kaufmann namens John Allan in Richmond, der Hauptstadt von Virginia auf. Von 1815 bis 1820 erhielt Edgar eine Schulausbildung in England. Er trennte sich von seinem Ziehvater, um Dichter zu werden, veröffentlichte von 1827 bis 1831 insgesamt drei Gedichtbände, die finanzielle Misserfolge waren. Von der Offiziersakademie in West Point wurde er ca. 1828 verwiesen. Danach konnte er sich als Herausgeber mehrerer Herren- und Gesellschaftsmagazine, in denen er eine Plattform für seine Erzählungen und Essays fand, seinen Lebensunterhalt sichern.

1845/46 war das Doppeljahr seines größten literarischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolgs, dem leider bald ein ungewöhnlich starker Absturz folgte, nachdem seine Frau Virginia (1822-1847) an der Schwindsucht gestorben war. Er verfiel dem Alkohol, eventuell sogar Drogen, und wurde – nach einem allzu kurzen Liebeszwischenspiel – am 2. Oktober 1849 bewusstlos in Baltimore aufgefunden und starb am 7. Oktober im Washington College Hospital.

Poe gilt als der Erfinder verschiedener literarischer Genres und Formen: Detektivgeschichte, psychologische Horrorstory, Science-Fiction, Short Story. Neben H. P. Lovecraft gilt er als der wichtigste Autor der Gruselliteratur Nordamerikas. Er beeinflusste zahlreiche Autoren, mit seinen Gedichten und seiner Literaturtheorie insbesondere die französischen Symbolisten. Seine Literaturtheorie nahm den New Criticism vorweg.

Er stellt meines Erachtens eine Brücke zwischen dem 18. Jahrhundert und den englischen Romantikern (sowie E.T.A. Hoffmann) und einer neuen Rolle von Prosa und Lyrik dar, wobei besonders seine Theorie der Short Story („unity of effect“) immensen Einfluss auf Autoren in Amerika, Großbritannien und Frankreich hatte. Ohne Poe sind Autoren wie Hawthorne, Twain, H.P. Lovecraft, H.G. Wells und Jules Verne, ja sogar Stephen King und Co. schwer vorstellbar. Insofern hat er den Kurs der Literaturentwicklung des Abendlands maßgeblich verändert.

_Die Sprecher_

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken. In der POE-Reihe interpretiert er den Edgar Allan Poe und andere Figuren

Iris Berben gehört zu den bekanntesten und profiliertesten Schauspielerinnen hierzulande. Ihr Repertoire umfasst Krimis („Rosa Roth“) ebenso wie Komödien und klassische Werke. Für ihre Leistungen wurde sie u. a. mit dem Bambi und mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet. In der POE-Serie interpretiert sie die weibliche Hauptrolle Leonie Goron und andere Figuren.

Außerdem wirken Till Hagen als Dr. Templeton sowie eine Reihe anderer Sprecher mit. Till Hagen wurde 1949 in Berlin geboren und erhielt seine Schauspielausbildung an der Max-Reinhardt-Schule. Zeitgleich drehte er seinen ersten Kinofilm, „7 Tage Frist“. Es folgten Engagements an den Stadttheatern Dortmund und Bielefeld. Später studierte er Deutsch und Theaterpädagogik. Als Sprecher beim Deutsche-Welle-Fernsehen und im Hörfunk wurde er genauso bekannt wie als Synchronstimme u. a. von Kevin Spacey.

|Das Titelbild|

Das monochrome Titelbild, das Simon Marsden (www.simonmarsden.co.uk) geschossen hat, zeigt bei „Hopp-Frosch“ eine halb geöffnete, eisenbeschlagene Tür in einer mittelalterlichen Burgmauer. Der Kontrast zwischen Licht und Schatten ist wieder einmal exterm hervorgehoben. Das macht Marsdens spezielle Entwicklungsmethode möglich, die zugleich verfremdend wirkt.

Das Motiv der Rückseite ist immer noch das gleiche wie in der ersten Serie: das von leuchtendem Nebel umwaberte ausgebrannte Gemäuer einer alten Abtei, deren leere Fenster den Betrachter ominös anstarren.

|Das Booklet|

Jede CD enthält ein vierseitiges schwarz gehaltenes Booklet. Neben dem Eingangszitat auf Deutsch und Englisch wird hier auch der gesamte Stab und die Sprecherbesetzung der Rollen aufgeführt. Die Rückseite der CD fasst die Handlung zusammen und listet die wichtigsten Mitwirkenden auf.

_Vorgeschichte_

Hinweis: Das neu gestaltete Booklet enthält einen kleinen Abriss der Vorgeschichte, so dass der Einstieg leichter fällt.

Ein Mensch ohne Namen. Und ohne jeden Hinweis auf seine Identität. Das ist der Fremde, der nach einem schweren Unfall bewusstlos in die Nervenheilanstalt des Dr. Templeton eingeliefert und mittlerweile wieder entlassen wurde. Diagnose: unheilbarer Gedächtnisverlust. Er begibt sich auf eine Reise zu sich selbst. Es wird eine Reise in sein Unterbewusstsein, aus dem schaurige Dinge aus der Vergangenheit aufsteigen. Woher kommen sie? Was ist passiert? Was hat er getan?

Schon sieben Stationen hat der Fremde durchwandert, stets begleitet von Albträumen. Nach einem Aufenthalt in einem Gasthaus begibt sich der Fremde ohne Gedächtnis auf eine Seereise, die ihn zunächst nach New Orleans führt. Aus einem Schiffswrack rettet er eine schöne Landsmännin, Leonie Goron. Sie weist ihn darauf hin, dass man ihm möglicherweise nach dem Leben trachtet. Nur zu wahr, denn auf der letzten Station vor dem Ziel New Orleans muss sie ihm das Leben retten. Selbst in der großen Stadt bleibt Poe von Albträumen – über „Die Morde in der Rue Morgue“ – nicht verschont.

_Handlung_

Poe ist aus dem Grab entkommen, doch Dr. Templeton hat Leonie entführt und hält sich noch in New Orleans auf. Dorthin schleppt sich auch Poe, allerdings hat er keine Mittel, um sich Nahrung oder Obdach zu besorgen. Vor dem Regen sucht er Schutz in einem Torbogen. Dort stürzt ein Betrunkener hin, den Poe ins Trockene zieht. Er bringt ihn zu dessen Haus, wo der Mann, der sich Appo nennt, spurlos verschwindet.

Am nächsten Morgen suchen Poe drei Schlägertypen und er muss sich in Sicherheit bringen. Doch auf seiner Flucht erhält Poe unverhoffte Hilfe durch den Chinesen, der sich Appo nennt. Erstaunt schaut Poe zu, wie Appo alle drei Widersacher tötet. Er erweist sich auch als sehr geschickt im Umgang mit Messern: Die Ratten in seinem Haus erledigt er stets mit einem gut gezielten Wurf.

Beim anschließenden Essen und Informationsaustausch wird klar, dass Poe verpfiffen wurde und Dr. Templeton ihm die Schläger auf den Hals schickte. Appo kennt den Doktor ebenfalls: Der hatte seinen Bruder, einen Taschendieb, damit beauftragt, eine bestimmte Perle von einem Schiff zu stehlen, das von New Orleans nach New York City segelte (war es Leonie Gorons Schiff?). Appo bringt Poe das Messerwerfen bei, aber er werde nach acht Tagen weiterziehen müssen.

|Der Traum|

Wieder mal hat Poe einen seiner Träume. Darin ist er diesmal ein verkrüppelter Zwerg, Leonie taucht als Zwergenfrau Tripetta auf, und Dr. Templeton ist ein König, der Spaßmacher wie den Zwerg mag, aber keinen Wert auf geistreiche Witze legt. Chauvinistische Blondinenwitze hingegen kommen immer gut an.

Eines Tages beauftragen der König und seine drei Minister den Zwerg, den sie wegen seines Gangs boshaft „Hopp-Frosch“ nennen, mit der Gestaltung eines exotischen Maskenballs. Hopp-Frosch denkt an seine afrikanische Heimat, aus der man ihn als Sklave verschleppt hat. Und da ihm die geliebte Tripetta ihre Hilfe zugesagt hat, denkt er sich einen genialen Plan aus, wie er sich für die erlittenen Demütigungen rächen kann.

Er steckt den König und seine drei Minister in die Kostüme von Orang-Utans und kettet sie aneinander fest, damit die Ballbesucher glauben, sie seien frisch eingefangen worden, würden aber keine Gefahr darstellen. Allerdings sind die Affenfelle mit Teer getränkt und mit Flachs bedeckt. Ein Funke würde genügen, und die Felle mitsamt ihren Trägern in Flammen aufgehen. Aber so verrückt würde doch niemand sein. Oder doch?

Der Maskenball wird jedenfalls ein voller Erfolg …

|Erwachen|

Als erste Tat nach dem Erwachen erlegt Poe eine Ratte mit einem Messerwurf. Es geht offensichtlich aufwärts mit ihm, und nach vier weiteren Tagen des Versteckens begibt er sich auf die Jagd nach Dr. Templeton, ausgestattet mit einem Ring als Erkennungszeichen für Appo und seinen Bruder.

_Mein Eindruck_

„Hopp-Frosch“ war eine der letzten Erzählungen, die Poe vor seinem mysteriösen Tod verfasste und veröffentlichte. In einer von beißendem Spott, ja, von Verbitterung charakterisierten Darstellung führt er die idiotischen Minister mitsamt König ihrer Bestimmung zu: dem Verbrennen bei lebendigem Leib. Es ist die Rache für die Versklavung und Demütigung von „Hopp-Frosch“, dem Schwarzen, und seiner Geliebten Tripetta.

Ist also die Geschichte eine Streitschrift wider die Sklaverei? Das wäre gut möglich, denn schon in den vierziger Jahren des 19. Jahrhundert gab es zahlreiche Stimmen, die gegen die Sklavenhaltung auf amerikanischem Boden eintraten. In Großbritannien war die Sklaverei schon seit Mitte des 18. Jahrhunderts verboten, weshalb also sollte ausgerechnet die Nation, die sich der Freiheit aller (!) Menschen verschrieben hatte, weiter an der menschenverachtenden Praxis festhalten?

Der König und seine fiesen Minister sind nichts anderes als Sklavenhalter und verdienen es, dass ihr Sklave den Spieß umdreht. Da bei einem Maskenball die Rollen sowieso anders verteilt werden und sich häufig die Verhältnisse umkehren (siehe „Die Maske des Roten Todes“), betrachtet Hopp-Frosch das Orang-Utan-Kostüm für seine Opfer als angemessen. Schließlich spiegelt das Kostüm ihre wahre moralische Natur wider (ohne dabei die echten Affen beleidigen zu wollen): Sie agieren nur nach dem Lustprinzip und reagieren auf jede Laune des tumben Königs wie Speichellecker. Der König wiederum mag keine geistreichen Witze, sie sind ihm suspekt. Interessant ist, dass schon in der Detektivgeschichte „Die Morde in der Rue Morgue“ ein Orang-Utan auftaucht. Offenbar war Poe mit dieser Primatenart besonders vertraut.

Wer verbirgt sich nun hinter dem König? Es könnte sich um Poes zeitgenössisches Publikum handeln, das ihm seine bissigen Späße nicht mehr durchgehen ließ, oder um seine Gläubiger, die ihm keine Kredite gewähren wollten, oder sogar um die herrschende Klasse, was sich dann wieder mit dem Thema des Rassismus träge. In jedem Fall erfüllt sich der Autor einen Herzenswunsch: Mögen sie alle verbrennen! Hauptsache, er und sein Held entkommen dieser Hölle mit ihrer Liebsten. (Für Poe erfüllte sich dies nicht: Seine Frau starb 1847.)

Diese Wünsche entsprechen denen der Figur des Wanderers Poe ziemlich genau, die zumindest in deren Unterbewusstsein existieren. In der nächsten Episode, „Das ovale Portrait“, bricht sogar ein Feuer aus, während Poe und Leonie eingesperrt sind. Dort wäre die Übereinstimmung mit der Story „Hopp-Frosch“ wohl noch größer gewesen. Der Dramaturg hat sich für eine andere Kombination entschieden.

_Die Sprecher_

|Mr. Poe alias Jimmy Farrell / Hopp-Frosch|

Pleitgen spielt die Hauptfigur, ist also in jeder Szene präsent. Er moduliert seine Stimme ausgezeichnet, um das richtige Maß an Entsetzen, Erstaunen oder Neugier darzustellen.

|Miss Leonie Goron / Tripetta|

Iris Berben bietet Pleitgens melancholischem und nachdenklichem Poe einen lebhaften Widerpart mit ihrer Leonie Goron. Und wie der grüblerische Poe sogar selbst merkt, zeichnet sich Leonie durch ungewöhnlichen Scharfsinn und eine kluge Feinfühligkeit aus. Sie hat erheblichen Anteil an Poes Rettung in der Rahmenhandlung von Episode 5 („Mahlstrom“). Spätestens ab „Der Goldkäfer“ wirkt sie wie eine kluge Freundin, die durch ruhige Überlegung und kluge, verständnisvolle Fragen bald zu seiner unverzichtbaren Ratgeberin wird. Leider kommt sie in dieser Episode nicht vor.

|Dr. Templeton / König|

Die Figur des Dr. Templeton alias Francis Baker alias „König“ wird im Booklet als „Imago“ bezeichnet, das heißt, dass diese Figur in zahlreichen anderen Gestalten auftreten kann, quasi wie ein Archetyp des Psychologen Carl Gustav Jung. Till Hagens Stimme ist unverkennbar, und viele von uns erkennen sie als die Synchronstimme von Kevin Spacey. Allerdings spricht Till Hagen weniger leise als in den meisten Spacey-Filmen, sondern vielmehr deklamiert er wie Jonathan Pryce in „Fluch der Karibik“, sowohl in „Hopp-Frosch“ als auch in „Das ovale Portrait“ und „Der entwendete Brief“.

_Musik und Geräusche_

Mindestens ebenso wichtig wie die Sprecher sind bei den POE-Produktionen auch die Geräusche und die Musik. Hut ab vor so viel Professionalität! Die Arbeit des Tonmeisters beim Mischen aller Geräusche ist so effektvoll, dass man sich – wie in einem teuren Spielfilm – mitten im Geschehen wähnt. Die Geräuschkulissen sind entsprechend lebensecht und detailliert gestaltet.

Die Musik erhält daher eine umso wichtigere Bedeutung: Sie hat die Aufgabe, die emotionale Lage der zwei Hauptfiguren und ihres jeweiligen Ambientes darzustellen. Diese rein untermalende Aufgabe ist auf den ersten Blick leichter zu bewerkstelligen als die Gestaltung ganzer Szenen, doch wenn es um actionarme Szenen wie diesmal handelt, zählt jede Note, jede Tonlage. Die serientypische Erkennungsmelodie erklingt in zahlreichen Variationen und wird von unterschiedlichsten Instrumenten angestimmt.

Musiker des Ensembles „Musical Halensis“ und des Filmorchesters Berlin sowie die Potsdamer Kantorei an der Erlöserkirche – sie alle wirken zusammen, um eine wirklich gelungene Filmmusik zu den Szenen zu schaffen. Das Booklet führt die einzelnen Teilnehmer detailliert auf, so dass sich niemand übergangen zu fühlen braucht.

|Der Song|

In der dritten Staffel der Serie hat |Lübbe| den Abschlusssong, den zunächst Heinz Rudolf Kunze beisteuerte, ausgetauscht durch den deutschsprachigen Song „Fünf Jahre“ von der österreichischen Gothicband „L’Âme Immortelle“. Im Booklet finden sich Angaben zur Sängerin Sonja Kraushofer und Bandleader Thomas Rainer. Der Song ist dem aktuellen Album „Gezeiten“ entnommen, dessen Cover im Booklet abgebildet ist.

Entsprechend der Musikrichtung ist die Instrumentierung heavy, düster, aber zugleich gefühlvoll. Das erinnert an die Werke der inzwischen aufgelösten Band „Evanescence“. Wenigstens ist aber der Abschlusssong in deutscher Sprache gehalten und somit halbwegs verständlich. Meinen Geschmack trifft der Song nicht, aber ich mag ja auch eher Led Zeppelin.

_Unterm Strich_

Die neunte Folge der Poe-Hörspiele fängt die Atmosphäre der literarischen Vorlage „Hopp-Frosch“ in der Binnenhandlung, dem Traum, gut ein: die allmähliche Enthüllung der Art und Weise, wie sich der verkrüppelte Sklave, der als Spaßmacher missbraucht wird, an seinen Peinigern rächt. Es ist nicht zu weit hergeholt, wenn man den Autor selbst zum Teil mit Hopp-Frosch identifiziert – alles Weitere siehe oben.

In der Rahmenhandlung passiert hingegen relativ wenig. Statt der entführten Leonie Goron hat Poe einen anderen Gefährten an der Seite, der ihm die nützliche Kunst des Messerwerfens beibringt. Zur Abwechslung kann sich Poe also künftig einmal seiner Haut erwehren. Das wird schon bald nötig sein.

Die neue Staffel weist ein ebenso hohes Qualitätsniveau wie die bisherigen zwei Staffeln auf. Ob die nächste Staffel (s. o.) wirklich wie angekündigt im November kommt, ist noch nicht sicher, wie der Webseite http://www.poe-hoerspiele.de zu entnehmen ist. Ulrich Pleitgen war bis Mitte Oktober mit Dreharbeiten beschäftigt.

|Basierend auf: Hopfrog, ca. 1845
62 Minuten auf 1 CD
Mehr Infos unter: http://www.poe-hoerspiele.de & http://www.luebbeaudio.de |

Perry Rhodan – Kämpfer für Garbesch (Silber Edition 115)

Die Handlung:

Im Jahr 3587 stehen die Völker der Milchstraße einer übermächtigen Gefahr gegenüber, die mit der Gewalt einer Naturkatastrophe auf sie zukommt. Schwere Weltraumbeben bedrohen die Sonnensysteme der Galaxis und werden in absehbarer Zeit das Leben auf allen Welten vernichten.Das Solsystem ist währenddessen von den Orbitern besetzt. Die unheimlichen Klonwesen sehen in den Menschen Erzfeinde aus grauer Vorzeit, die Kämpfer für Garbesch, die es um jeden Preis zu vertreiben gilt. Die Orbiter geben außerdem einer neuen Geheimwaffe der Menschen die Schuld an den Weltraumbeben. Eine Raumschlacht scheint unausweichlich.Die Terraner schweben in größter Gefahr. Hilfe kann nur ein Mensch bringen, den alle für ein Wirtschaftsgenie halten: Es ist Jen Salik, und er entwickelt einen verwegenen Plan. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wer ist denn nun Garbesch und warum braucht er Kämpfer? Als die Horden von Garbesch werden die Völker bezeichnet, die SETH-APOPHIS mal gegen ES eingesetzt hat. Eigentlich ist das schon Vergangenheit, aber derzeit wieder hochaktuell im Perryversum, weil die ANLAGE bekanntlich angefangen hat … hordentlich …. zu klonen und die so entstandenen Orbiter zur Gefahr für die Milchstraße werden lässt. Die stellen immerhin ein Ultimatum, bis zu dessen Ablauf alle (fälschlich erkannten) Garbeschianer die Milchstraße verlassen sollen … aber weg will ja keiner.

Perry Rhodan – Kämpfer für Garbesch (Silber Edition 115) weiterlesen

Edgar Allan Poe – Der Streit mit der Mumie

Mal Groteske, mal Horror: gelungene Erzählungen

Eine echte ägyptische Mumie erwacht zum Leben. Der Graf hat eine ganze Menge zu erzählen. Mit den Gelehrten, die seinen Sarg geöffnet haben, entspinnt sich ein boshafter und doch für uns vergnüglicher Disput, wer denn nun in den Errungenschaften der Zivilisation die Nase vorn hat: die alten Ägypter oder die anwesenden Amerikaner.

In der zweiten Erzählung erscheint dem Berichterstatter ein gar scheußliches Wesen wie aus einer Schreckensvision. Worum es sich handelt, erklärt ihm sein Gastgeber anhand eines Lexikons.

Der Autor

Edgar Allan Poe – Der Streit mit der Mumie weiterlesen