Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Baldacci, David – Abgrund, Der (Lesung)

Web London: Top-Mann in einem Top-Team des FBI. Gestern waren sie noch „Die Sieger“, doch heute sind alle tot – bis auf einen: Web London. Was ist der Grund für sein Überleben?

_Der Autor_

David Baldacci ist der Verfasser u. a. von „Der Präsident“, das Clint Eastwood unter dem Titel „Absolute Power“ verfilmt hat. Der frühere Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist lebt in Virginia, USA.

Weitere Baldacci-Hörfassungen bei Lübbe: „Das Labyrinth“, „Die Versuchung“, „Die Verschwörung“ und „Die Wahrheit“, „Das Versprechen“, „Im Bruchteil der Sekunde“ (September 2004). Die Hörbuchfassung von „Der Abgrund“ ist gekürzt und 465 Minuten lang, also knapp acht Stunden auf sechs CDs.

_Der Sprecher _

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

_Handlung_

Web London ist ein knallharter Typ, aber was ihm da letzte Nacht passiert ist, haute selbst ihn um. Er gehört einem Hostage Rescue Team (HRT), also Geiselrettungsteam, des FBI an. Dementsprechend hoch qualifiziert war seine Ausbildung. Zusammen mit seinem Team schickte man ihn nach Richmond, Virginia, um ein Fabrikgebäude zu stürmen. Das Haus sollte angeblich einem Drogenbaron als Einsatzzentrale dienen und bis obenhin mit Unterlagen vollgestopft sein. Das Einzige, was sich darin befand, waren ein Dutzend Maschinengewehre. Und die nahmen seine nichts ahnenden Teamkollegen sofort unter Feuer.

Durch einen Zufall gelangt London als Letzter zu dem Schauplatz des Blutbads. Auf dem Weg dorthin kommt er an einem Jungen vorbei, der zu ihm das Wort „Donnerhall“ sagt. Fortan kann sich London kaum bewegen, er weiß nicht wieso. Mit größter Mühe gelingt es ihm, die Maschinengewehre eines nach dem anderen auszuschalten und sogar den Jungen wieder aus der Gefahrenzone wegzuschaffen. Er überlebt als einziger seines Teams. Natürlich fallen sowohl seine Vorgesetzten als auch die Medienfritzen über ihn her. Überlebt zu haben, macht ihn schuldig; es lässt ihn wie einen Verräter aussehen.

Auch London macht sich schwere Vorwürfe. Was ist der Grund für sein Überleben? Um über das Trauma hinwegzukommen, begibt er sich, wie so viele seiner FBI- und HRT-Kollegen, in psychotherapeutische Behandlung bei Dr. Claire Daniels. Zuvor war er immer bei Ed O’Bannon in Betreuung gewesen, aber Dr. Daniels wollte seinen interessanten Fall übernehmen.

In der Praxis von Daniels und O’Bannon wird regelmäßige Hypnose als Mitteleingesetzt, um auf das zugreifen zu können, was das Bewusstsein im Gedächtnis weggesperrt hat. Bei diesen Sitzungen entdecken Dr. Daniels und London eine unglaubliche Tatsache: Am Tatort waren zwei Jungen, und sie wurden gegeneinander ausgetauscht. Der Junge, der „Donnerhall“ sagte, war nicht der, den Web rettete. Doch auf die Frage, warum sich in dem angegriffenen Gebäude statt einiger harmloser Büros eine Batterie tödlicher MGs befand, hat auch Web keine Antwort. Der Gedanke an Verrat in den eigenen Reihen liegt nahe, und der Undercover-Agent Randall Cove, der den Angriff vorzubereiten half, bestätigt den Verdacht. (Das wäre in einem Baldacci-Thriller wahrlich nichts Neues.)

Zunächst sieht es so aus, als stecke eine sektiererische Miliz namens „The Free Society“ unter einem gewissen Ernest B. Free dahinter, die zugleich auch den Drogenhandel an der Ostküste kontrolliert. Doch dann bekommen Web und sein bester Teamkamerad Paul Romano den Auftrag, einen reichen Pferdezüchter im Umland von Washington, D.C., zu beschützen. Billy Kenfield hat eine sehr schöne Frau, Gwen, und ein paar merkwürdige Gestalten als Ranchverwalter. Als ein Handy explodiert, scheint Web am richtigen Ort zu sein, um zu helfen.

Er ahnt nicht, dass auf dieser wie auch auf der Nachbarranch nicht alles so ist, wie es aussieht. Wie tief der Schlamassel ist, in den er hier geraten ist, ahnt er erst, als es schon fast zu spät ist. Unterdessen macht Claire Daniels in der Praxis ihres Kollegen O’Bannon eine erschütternde Entdeckung, und sie erkennt die Wahrheit über Web London selbst.

_Mein Eindruck_

Wie so viele Romane von David Baldacci ist auch „Der Abgrund“ eine Kombination von Psychothriller und Actionroman, garniert mit einer recht heftigen Verschwörung, die den Helden in ein frühes Grab führen soll. Wieder einmal kommt er gerade noch mit dem Leben davon.

Für die Action sorgen die spezialtrainierten HRT-Angehörigen mit ihren massenhaft eingesetzten Waffen, seien es nun Knarren oder Blendgranaten. Bis zum Showdown kann Web London also beweisen, was er draufhat. Und das ist eine ganze Menge.

Dumm nur, dass er trotz allem doch kein Terminator, sondern ein menschliches Wesen ist. Das macht ihn zum Beispiel für posthypnotische Befehlswörter wie etwa „Donnerhall“ anfällig und setzt ihn außer Gefecht. Das macht ihn aber auch fähig zur Liebe: zu Claire Daniels, zu Gwen Kenfield. Und die Hypnose legt offen, dass er in seiner Kindheit den gewaltsamen Tod seines Vaters zu ertragen hatte.

|Das ist alles schön und gut, aber funktioniert das auch in einem Hörbuch?|

Leider nur unter bestimmten Bedingungen. Wie alle Baldaccis ist auch dieses Buch mit einer Vielfalt von Personal vollgestopft, und dies erfordert vom Leser erhöhte Konzentration auf die Namen, die von Szenen zu Szene wechseln. Die erhöhte Aufmerksamkeit kann leicht zu Kopfschmerzen führen. Um damit nicht so große Mühe zu haben, sollte man sich also frühzeitig eine Liste der auftretenden Figuren mit ihren Namen anlegen. (Schon in meiner Zusammenfassung habe ich etliche Nebenfiguren weggelassen, um euch nicht zu verwirren.)

Um den Zusammenhang nicht zu verlieren, sollte man, anders als ich, keine längeren Pausen zwischen den einzelnen CDs machen, sondern sich alles in einem Stück anhören. Und dann noch ein zweites Mal. Nur dann, so glaube ich, kommt man dahinter, wer die wahren Drahtzieher hinter dem HRT-Hinterhalt in Richmond sind (Tipp: die Free Society ist es nicht).

|Der Sprecher|

Ulrich Pleitgen muss diesmal eine breite Palette von Figuren abdecken. Mit den meisten Männerstimmen hat er keine Schwierigkeiten, und auch die Frauen bekommt er meist gut hin. Aber wenn er den Vorgesetzten von Web London, einen Bürohengst namens Percy Bates, spricht, meine ich immer, einem falschen Fuffziger zuzuhören, der den Helden aufs Kreuz legen will. Bates hat eine hohe Männerstimme und spricht auch noch hastig – nicht ganz koscher.

|Die Musik|

… stammt von Michael Marianetti und wird immer dann eingesetzt, wenn es spannend oder bewegend oder irgendwie besonders wird. Außerdem am Anfang jeder der sechs CDs. Und natürlich ganz besonders beim Showdown und am Schluss des Hörbuchs. Die Musik muss nicht anspruchsvoll sein, um gut zu wirken, und das tut sie. Einmal erklingt sogar eine recht fetzige Rockgitarre.

|Die Übersetzung|

… ist ein richtiges Ärgernis. Einer der Profis hat sie angefertigt: Uwe Anton. Er ist schon seit über 20 Jahren im Geschäft und selbst Autor von Jugendromanen. Aber er hatte wohl zu wenig Zeit, um sein Werk zu überarbeiten, und so kamen zuweilen recht auffällige sprachliche Schnitzer zustande. Was zum Beispiel hat man sich unter einem „Laserpfeil“ vorzustellen“? Auf den ersten Blick sieht das okay aus, aber wenn man darüber nachdenkt, ergibt es keinen Sinn. Entweder ein Laserstrahl existiert oder er existiert nicht. Aber keine Waffe verschießt Pfeile aus Licht! Außer natürlich in irgendwelchen billigen Science-Fiction-Filmen, wo sie zu den Spezialeffekten gehören. Allerdings ist Baldacci kein Science-Fiction-Autor. Und da er sich scheut, wie ein Dichter irgendwelche Metaphern einzusetzen, taugt „Laserpfeil“ auch als Metapher nicht. Es ist schlicht und ergreifend falsch ausgedrückt.

Es gäbe noch etliche weitere misslungene Übertragungen ins Deutsche aufzuzählen, aber dieses Beispiel mag genügen. Aufmerksame Leser und Zuhörer werden ohne Weiteres auf sie stoßen.

_Unterm Strich_

Die Mischung aus Actionabenteuer und Psychothriller plus Verschwörungstheorie macht auch aus diesem Baldacci-Roman eine kurzweilige, unterhaltsame Sache. Allerdings macht es die Fülle der auftretenden Figuren nötig, eine Liste anzulegen, oder man verliert den Überblick und Zusammenhang. Ratsam ist es daher auch, das Hörbuch an einem Stück und dann noch einmal anzuhören, um alles mitzubekommen. Es könnte sonst vorkommen, dass man die Pointe nicht mitbekommt. Erschwerend kommt hinzu, dass das Hörbuch eine gekürzte Fassung des Buches wiedergibt. Hilfreiche Szenen könnten fehlen.

Ulrich Pleitgen macht wie so oft einen guten Job, allerdings habe ich ihm eine oder zwei stimmliche Interpretationen nicht abgenommen. Er klingt eben am besten bei tiefen Männerstimmen. Die manchmal etwas schiefe Übersetzung durch Uwe Anton hat mich ebenfalls gestört. Aber da heutzutage Deutsch sowieso kaum noch jemand korrekt gebraucht, dürfte dieser Umstand nicht allzu vielen Leuten auffallen. Die Musikbegleitung wird einfach, aber wirkungsvoll eingesetzt. Insgesamt eine solide und lohnenswerte Veröffentlichung.

Die drei ??? – Feuriges Auge (Folge 200)

Die Handlung:

Justus Jonas ist verschwunden! Während Peter und Bob den Ersten Detektiv verzweifelt suchen, stolpern sie über Spuren aus ihrer eigenen Vergangenheit. Haben die drei ??? vor Jahren den „Fluch des Rubins“ wirklich gebannt und hat Justus‘ Verschwinden etwas mit diesem längst zu den Akten gelegten Fall um den mysteriösen Edelstein zu tun? Schnell steht fest, dass das Feurige Auge mehr Geheimnisse birgt, als die drei ??? ahnen können … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dickes Jubiläum, dicke Hörspielbox. Der Langzeitfan weiß, dass zu runden Folgen immer Abenteuer erscheinen, die drei Bücher bzw. drei CDs lang sind. Diesmal setzt das Label einen drauf, vielleicht weils extra rund ist, und macht aus dem üblichen Dreifach-Romanschuber eine Vierfach-CD-Verhörspielung mit fast fünf Stunden Länge.

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Perry Rhodan – Armada der Orbiter (Silber Edition 110)

Die Handlung:

Anfang des Jahres 3587 nach Christus: Schwere Weltraumbeben erschüttern weite Teile der Milchstraße. Sie breiten sich mit vielfacher Überlichtgeschwindigkeit aus, ihre Herkunft ist unbekannt. Dann aber nehmen die Terraner einen Androiden fest, der mehr über diese Beben weiß. Das Wesen gehört zur Besatzung eines der mysteriösen Raumschiffe, die seit geraumer Zeit im Solsystem erscheinen. Von ihm erfahren die Menschen, dass eine manipulierte Materiequelle die Weltraumbeben verursacht. Diese Entwicklung wird in naher Zukunft den Untergang der Milchstraße herbeiführen.Etwa zur gleichen Zeit erwacht im galaktischen Zentrum eine aus tiefer Vergangenheit stammende Verteidigungsanlage. Fälschlich erkennt sie in den Beben den bevorstehenden Angriff der zurückgekehrten Horden von Garbesch und folgt dem Auftrag ihrer Erbauer, eine Armee zu erschaffen. Mit diesem Heer wird eine gewaltige Flotte für den Einsatz gegen die Menschheit ausgerüstet … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wir erinnern uns, dass Perry und Atlan diese zerstörerische Aura haben, die es ziemlich kompliziert macht, die beiden irgendwohin mitzunehmen .. und so werden die beiden im freien Raum „aufbewahrt“. Als wär das nicht genug, wird Perry auch noch nach GREEN DARKNESS versetzt … einfach mal so eben. Warum die Leute im Perryversum sofort allem einen Namen geben müssen und es nicht einfach so hinnehmen können, dass sie irgendwo gelandet sind, wo sie noch nicht waren … Vielleicht brauchen die Autoren das, damit sie den Ort einfacher wiederfinden, falls sie ihn noch mal brauchen. Diesen hier zum Beispiel brauchen wir nie wieder, nur für diese Silberlesung.

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Bradley, Rebecca / Sloan, Stewart – Temutma

„Ein Mörder wütet in Hongkong, Nacht für Nacht. Die Leichen tragen den Biss einer Fledermaus, das Blut bis auf den letzten Tropfen ausgesaugt. Racheakte der Triaden, satanische Rituale oder gar ein Vampir? Langsam nur und mit wachsendem Grauen begreift Superintendent Michael Scott, womit er es zu tun hat. Die Spuren führen in die Ummauerte Stadt von Kowloon, in deren Kellern Temutma schlummert, ein uraltes Wesen, blutdürstig und unsterblich. Nur der weise Wong weiß, wie man es bezwingen kann. Temutmas Macht wächst, und sie richtet sich auf ein ganz besonderes Opfer: die junge Julia.“ (Verlagsinfo)

_Die Autoren_

Die Kanadierin Rebecca Bradley, geboren 1952, ist von Haus aus Archäologin, arbeitete dann als technische Redakteurin, bevor sie Anfang der neunziger Jahre mit dem Schreiben anfing. Eine Fantasy-Trilogie ist auch bei uns erschienen. In Hongkong schrieb sie zwei Horrorromane: „Kong Kong Macabre“ und „Hong Kong Grotesque“. 1997 kehrte sie nach Kanada zurück, wo sie heute in Calgary Archäologie lehrt. Sie schreibt weiterhin.

Stewart Sloan lebt als Nachfahre europäischer Einwanderer in der dritten Generation in Hongkong. Schon früh von der Horrorliteratur fasziniert, veröffentlicht er seit 1988 Storys. Er lernte Bradley kennen, sie wurden Freunde und Nachbarn. 1994 gründeten sie den Verlag |Hong Kong Horror Publishing|, in dem er den Roman „The Sorceress“ und die Novelle „The Isle of Rat“ herausgab, beides Geschichten, die in Hongkong spielen. Im Hauptberuf ist er Privatdetektiv.

_Die Sprecher & die Produktion_

Der WDR hat das Hörspiel 2002 produziert. Und weil der WDR eine Menge Geld hat, konnte er auch relativ hochkarätige Schauspieler anheuern, um die Rollen zu sprechen. Andrea Sawatzki etwa kennt man aus „Das Experiment“, Dietmar Mues (geb. 1945) aus unzähligen Theateraufführungen und dem „Herr der Ringe“-Hörspiel sowie Axel Milberg aus Film und Fernsehen. Sascha Icks, die „Julia“ des Hörspiels, nimmt sich dagegen mit ihren 35 Jahren richtig jung aus.

Jünger ist aber noch der Regisseur Leonhard Koppelmann, geboren 1970 in Aachen. Zwischen 1995 und 1998 führte er Regie am Hamburger Thalia-Theater. Inzwischen arbeitet er als Regisseur und Autor an Hörspielen mit, darunter an sämtlichen Camilleri-Bearbeitungen und dem Houellebecq-Hörspiel „Elementarteilchen“.

_Handlung_

Die Zeit des Geschehens: Anfang der neunziger Jahre. Kowloon ist der chinesische Teil der britischen Kronkolonie Hongkong. „Die Ummauerte Stadt“ Kowloons steht nun ganz im Zeichen von Unruhe und Veränderung. Denn dieses praktisch rechtsfreie Boowntown-Viertel soll abgerissen und durch ein Parkgelände ersetzt werden. Das Gängegewirr zwischen und unter den Wohnböcken bietet einen Nährboden für Kriminalität aller Art, den Justizbehörden ein Dorn im Auge.

Die Regierung der Kronkolonie entmietet die „Ummauerte Stadt“, indem sie die Mieter mit geringen Entschädigungen aus ihren Wohnungen vertreibt. In einem Kellergewölbe, das auf keinem Plan von Kowloon verzeichnet ist, stößt ein Kanalarbeiter auf ein seltsames Lebewesen. Er ahnt nicht, dass er beim Betreten des Raumes einen Schutzzauber außer Kraft gesetzt hat. Schon bald macht sich ein namenloser Schrecken über ihn und seinen Kollegen her.

Die junge Julia Ralston kehrt nach einem Abendessen mit ihrem Verehrer Simon nach Hause zurück. Was sie dort vorfindet, führt zu einem Nervenzusammenbruch: ihre Eltern, ein junger Mann und das Hausmädchen liegen tot in der Wohnung, aber keineswegs in ihrem Blut, wie man erwarten würde. Vielmehr entsetzt Julia besonders, dass ihre teilweise entblößten Körper so „fischbauchweiß“ sind. Etwas hat ihnen den letzten Blutstropfen ausgesaugt.

Sie wird ins Hospital eingeliefert. Dort liegt bereits ein uralter Mann von 152 Jahren mit einer Krankheit darnieder. Der weise Wang erzählt uns von sich, seinem überlangen Leben und seiner Funktion: Er ist der Wächter des Schreckens, der Julias Familie getötet hat. Und der Name des Schreckens lautet |Temutma|. Wangs Aufgabe ist es auch, den Vampir zu „füttern“. Er findet Julia Ralston äußerst interessant. Als Empath hat er Verbindung zu Temutma und erfährt, was dieser mit Julia vorhat: spielen.

Nach diesem Horror-Intro kommt endlich auch die Kriminalhandlung zu ihrem Recht. In Gestalt des Ermittlungsführers (Superintendent) Michael Scott und des Spurensicherungsspezialisten Albert Masters – Al und Mike also – treten zwei klassische Figuren auf. Als die beiden auch Julia befragen wollen, erleidet sie einen weiteren emotionalen Zusammenbruch, der sehr realistisch inszeniert ist.

Da Temutma inzwischen geistig mit Julia verbunden ist, erfährt er auch von den beiden Bullen. Er besucht Scotts Freundin in der Badewanne… Scott hört ihren Todesschrei leider zu spät, doch kann er Temutmas „Essenz“ verletzen. Immer noch weigert er sich, die Theorie Alberts zu akzeptieren, dass der Serienmörder ein Wesen mit Fledermausflügeln und extrem scharfen Zähnen sei.

Nachdem Mr. Wang aus dem Krankenhaus entlassen wurde und in die Ummauerte Stadt zurückgekehrt ist, statten die beiden Cops ihm und seiner Bibliothek einen Besuch ab. Zu ihrer nicht geringen Verblüffung zeigt er ihnen sein Tagebuch – aus dem Jahr 1894! Nicht genug damit, dürfen sie auch 4000 bis 5000 Jahre alte Papyri und ähnlich ausgefallene Dokumente begutachten. Allmählich lässt sich auch Scott überzeugen – womit sie es hier zu tun haben, ist ein sogenanntes |Kuang-shi|, ein Seuchendämon mit der Gestalt eines gelben Affen. Und Mr. Wang ist sein Wächter.

Endlich darf Julia Ralston wieder nach hause zurückkehren. Ihre Wohnung wird von mehreren Polizisten gut bewacht. Denkt sie. Doch schon bald erhält sie ungebetenen Besuch. Erst ein gelber Nebel, dann ein schwebendes Gesicht mit spitzen Zähnen.

_Mein Eindruck_

Anders als das Buch beginnt „Temutma“ wie eine klassische Horrorstory, die von King oder Koontz stammen könnte. Nach dem ersten Drittel taucht das klassische Ermittlerduo Scott und Masters auf, um den seltsamen Dingen auf den Grund zu gehen. Dem irrationalen Horror rückt die Vernunft zu Leibe, doch leider nur mit kläglichen Ergebnissen. Weitere Opfer folgen. Erst die Begegnung mit der Mythologie Kowloons in Gestalt des Wächters Wang Sen-bo bringt die Wende.

Das klingt fast wie ein Akte-X-Abenteuer, könnte man meinen. Auch wenn keine glotzäugigen Aliens auftauchen und der weibliche Ermittlerpart fehlt, so vereint „Temutma“ doch klassische Kriminalistik mit der fernöstlichen Variante des Vampirmythos. Das klingt vielleicht nicht sonderlich originell, doch auf die Umsetzung kommt es an.

|Die Inszenierung|

Das Hörspiel hat im Unterschied zum Hörbuch weitaus mehr Mittel zur Verfügung. Was 1926 als deutsches Radiospiel begann, hat sich mittlerweile zu einem Gesamtkunstwerk des akustischen Mediums gemausert. Lediglich das Bild fehlt noch, damit sich der Zuhörer in einem Film wähnt.

Eine ganz wichtige Rolle spielen die Musik von Henrik Albrecht sowie die dramaturgisch wichtigen Geräusche, wie etwa Schüsse oder das leise, nervende Ticken einer Uhr. Die Musik wirkt direkt auf die Gefühle des Zuschauers ein. Lediglich eine lieblich-romantische Pausenmusik im chinesischen Stil bringt Entspannung.

Nachdem der Erzähler mit Mr. Wangs Stimme (Hermann Lause) uns in die Geschichte eingeführt hat, hören wir bereits das Ungeheuer (Mues) raunen, als es geweckt wird. Der Schrecken, den es Julia (Icks) in geistigen Besuchen bereitet, entlädt sich erst in Schreien und Weinen, dann aber packt es Julias Seele, bis sich die junge Frau wollüstig dem Eroberer ergeben will. Sascha Icks legt derart viel Emotion in Julias unterschiedliche Äußerungen, dass ein rein rational orientierter Zuhörer damit ein Problem haben könnte. Eine Steigerung dieses Niveaus ist jedoch noch möglich: Die Szene in der Badewanne, als Temutma die Freundin von Michael Scott „besucht“, ist enorm erotisch.

Zum Glück gibt es hin und wieder Momente klarer Vernunft, in denen vor allem die beiden Ermittler ((Wolfram Koch und Jan-Gregor Kremp) als Ergründer des Rätsels hervortreten. Auch Andrea Sawatzki als Krankenschwester funkt Temutma dazwischen, allerdings auf pflichtbewusste statt intelligente Weise. Daraus entsteht eine ironische Spannung: Sie hat keinen Schimmer von Wesen wie einem Kuang-shi. Fröhlich trällert sie Mr. Wang das Geburtstagslied vor: zu seinem Neunzigsten, wie sie meint, doch in Wahrheit zu seinem 152. Jahrestag.

Es lohnt sich wirklich, das Hörspiel mehrmals hinterinander zu hören, die Augen zu schließen und sich in die Szenen hineinzuversetzen. In ihrer Vielschichtigkeit lassen sie immer weitere Entdeckungen zu, auch zu ihren – mitunter ironischen – Wechselwirkungen.

|Die Ausstattung von Booklet und Verpackung|

… ist vorbildlich. Man erfährt sehr viel über die Autoren, die Mitwirkenden und die Story. Außerdem gibt es eine ziemlich genaue Beschreibung des Ungeheuers: sein Alter, sein Name, seine Fähigkeit zur Telepathie, sein geistiges wie körperliches Eindringen in vorzugsweise weibliche Opfer, die es |lilitaks| nennt. Da könnte sich der gute alte Dracula noch eine Scheibe von abschneiden. Nur Coppolas Verfilmung lässt etwas von dieser immateriellen Zaubermacht ahnen.

Doch im Gegensatz zu dem lüsternen Langzahn aus Transsylvanien steht das Kuang-shi direkt für zwei weltweit verbreitete Phänomene: Es ist die Verkörperung von Verbrechen und Seuchen. Daher gibt es das Wesen bereits von alters her. Weit schlimmer: Es kann wie diese Phänomene nicht vernichtet werden, wie auch? Lediglich ein Blutzauber, erzeugt vom jeweiligen Wächter, vermag es in Schlaf zu versetzen und mit einem Bann zu belegen. Bis der nächste stolpernde Idiot es wieder aufweckt.

_Unterm Strich_

„Temutma“ funktioniert sowohl als Horrorstory wie auch als Krimi. Es hat mir ausnehmend gut gefallen, und beim zweiten Anhören sogar noch besser. Da gibt es viel Emotion, spannende Ermittlungen in unbekanntes Terrain, eine in sich geschlossene und konsequent zu Ende gedachte Logik der Mythologie des Kuang-shi. Und schließlich mündet dies in ein Action-Finale, dem eine wiederum plausibel erscheinende, von Anfang vorbereitete Entscheidung seitens Julias folgen muss. Mehr ist nicht nötig. Die schwarze Romantik, wie Meyrinks „Golem“ sie für das alte Prager Ghetto verkörperte, hätte nichts Besseres und Zeitgemäßeres hervorbringen können.

Leonhard Koppelmanns Regie, Henrik Albrechts Musik und alle Sprecher in ihrer Gesamtheit machen „Temutma“ zu einem akustischen Erlebnis, das vergessen lässt, dass es sich hier um die einfache Kombination von klassischem Krimi und fernöstlichem Vampirmythos handelt.

Umfang: 72 Minuten auf 1 CD

_Michael Matzer_ © 2004ff

Meirose, Astrid / Pruß, Volker / Bertling, Simon / Hagitte, Christian / Sieper, Marc / Ihrens, O. – Schattenreich 7: Hinter schwarzen Spiegeln

_Wie Alice durch die Spiegel_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Als ihn eine unsichtbare Macht ins Schattenreich entführt, enthüllen sich ihm die Nachtseiten der menschlichen Natur. Hinter den Masken bürgerlicher Wohlanständigkeit treibt ein skrupelloses Netzwerk ein größenwahnsinniges Spiel.

Der Äygptologe Prof. Jan Erik Walberg, der Christian anrief und treffen wollte, ist unauffindbar: Wurde er entführt? Oder hat er sich absetzen müssen, weil seine Forschungen an Mumien alle moralischen Grenzen überschritten haben? Ein grausiger Fund, den Christian Wagner in Walbergs Labor macht, lässt Schreckliches erahnen.

In einem unterirdischen Archiv entdeckt Wagner eine alte Inventarliste über die Öffnung eines Pharaonengrabs, signiert mit dem Zeichen der Nephilim, dem Auge des Horus. Wagner erkennt, dass die Vergangenheit die Gegenwart auf grausame Weise einholen wird. Oder ist er selbst Akteur in einem Spiel, welches das Leben nur simuliert? Eine Sternenkarte könnte ihm den Weg weisen.

Die Karte zeigt eine Planeten- und Mondkonstellation, die nur an einem bestimmten Tag stattfindet und auf eine Kultstätte verweist, die er finden muss – auf einer Nordseeeinsel. Dort findet ein ungeheuerliches Ritual statt, vorgenommen von seinem Mentor Dr. Bruno Schwab. Doch plötzlich tritt eine feindliche Gruppe auf. Ist die finale Auseinandersetzung der Nephilim mit den Titanen gekommen?

Was geschah vor fast 100 Jahren, das zwei befreundete Familien zu Feinden werden ließ? Des Rätsels Lösung scheint in den Tiefen der Villa Scholl zu ruhen. Wagner bemerkt zu spät, dass er selbst der Hüter des Geheimnisses ist. Er gerät unter den Einfluss einer Geheimgesellschaft. Deren Mitglieder sind Anhänger eines genialen Herrscherpaares, dessen Wirken die Kultur fast für immer aus dem Gedächtnis gelöscht hätte. Nun scheint ihre Zeit des Handelns gekommen zu sein. Doch wohin wird ihr Weg sie führen?

Folge 7: Zeigen Spiegel die Wirklichkeit? Oder verkehren sie die Dinge in ihr Gegenteil? Im Spiegelsaal des Casino Monte d’Oro beginnt sich die verwirrte Welt des Christian Wagner in eine Ordnung zu fügen. Aber wie viel Wissen können Menschen ertragen? Die Illusion der Wahrheit wird ihre Opfer fordern.

_Die Autoren_

Als Autoren zeichnen Astrid Meirose und Volker Pruß verantwortlich. Mehr über die Serie findet man unter http://www.schattenreich.net.

Folge 1: Die Nephilim
Folge 2: Finstere Fluten
Folge 3: Spur in die Tiefe
Folge 4: Nachthauch
Folge 5: Das Grab des Ketzers
Folge 6: Echnatons Vermächtnis
Folge 7: Hinter schwarzen Spiegeln
Folge 8: Das blinde Auge des Horus

_Die Inszenierung_

Die Rollen und ihre Sprecher:

Christian Wagner: Alexander Scheer
Tina Müller: Anna Thalbach
Alexa Voss: Anne Moll
Dr. Bruno Schwab: Volker Brandt (dt. Stimme von Michael Douglas)
Max Lohmann: Manfred Lehmann (Synchronstimme von Bruce Willis)
Adrian Bloch: Norman Matt (Cillian Murphy, Jonathan Rhys-Meyers)
Moritz Goldmund: Dietmar Wunder (Cuba Gooding jr., Adam Sandler, Don Cheadle)
Walther Zürn: Stefan Krause (Billy ‚Pippin‘ Boyd)
Madame Margarete: Barbara Ratthey
Geheimnisvolle Frau/Billie Scholl: Daniela Hoffmann (dt. Stimme von Julia Roberts)
Hagerer, bleichgesichtiger Typ: Dero („Oomph!“)

sowie Kerstin Sanders-Dornseif und Oliver Brod u. a.

ANNA THALBACH steht seit ihrem sechsten Lebensjahr vor der Kamera, dabei war der Weg zur Schauspielerei nicht so gerade, wie man es bei der Tochter von Katharina Thalbach annehmen könnte. Sie beginnt nach dem Abschluss der Mittleren Reife zunächst eine Hospitanz als Kostümbildnerin am Schillertheater. Doch der Hang zum Schauspiel überwiegt, und bald schon feierte sie selbst große Bühnenerfolge, so auch an der Seite ihrer Mutter in „Mutter Courage“.

DERO wurde am 16. April 1970 in Wolfsburg geboren. In der Band |Oomph!|, die 1989 gegründet wurde, ist er der Mann für den Gesang, die Texte, Drums, und Kompositionen. Der Weg zur Musik sah laut eigener Aussage für Dero so aus: „Auf diversen Familienfeiern in den 70ern wurde ich ‚gezwungen‘, mit meinem Vater (Gitarrist, Sänger) alle nur erdenklichen Elvis-Songs in grauenhaftem Englisch rauf und runter zu schmettern.“

Die Musik:

Secret Discovery: „Follow Me“
Qntal: Departir
b.o.s.c.h.: Spiegel
Michelle Darkness: Brand New Drug
Jesus On Extasy: Beloved Enemy
The Spook: Cowgirl
Berliner Filmorchester und der Hochmeisterchor Berlin unter Leitung von Chr. Hagitte.

Regisseur Simon Bertling und Tonmeister Christian Hagitte von |STIL| sorgten für die gute Produktion, die Musik und die Sounds; ihnen half Cornelia Schilling. Die Produzenten sind Marc Sieper von |Lübbe Audio| sowie Oliver Ihrens von |Radar Media|, Bochum. Das interessante Booklet-Design stammt von Kai Hoffmann.

_Vorgeschichte_

Nach der Rückkehr in seine Heimatstadt – er war fünf Jahre im Ausland – wird der junge Kulturwissenschaftler Christian Wagner in mysteriöse Todesfälle verwickelt. Christian ist einer von neun Spezialschülern, den „Titanen“. So nannten sich vor 15 Jahren die Mitglieder einer Gruppe von jungen Hochbegabten, die von der Scholl-Stiftung gefördert und von ihrem Lehrmeister Dr. Volker Brandt ausgebildet wurden. Die Titanen, so Bruno, waren in der antiken Sage die Kinder von Göttern und Menschenfrauen. Die Nephilim hingegen waren die Kinder von Dämonen, die sich mit Menschenfrauen paarten: negative Titanen. Treibt hier jemand ein fieses Spiel mit den letzten Titanen?

Auf der rechten Ferse jeder Leiche findet er das gleiche Tattoo, das er selbst auch trägt: das ägyptische Ankh-Symbol, ein Henkelkreuz, das „Leben“ bedeutet. Es ist kombiniert mit dem „Auge des Horus“, das, wenn geöffnet, einen Schutzzauber darstellt. [Beide Symbole sind auf der CD selbst aufgedruckt.] Ist dieses Horus-Augen-Tattoo jedoch pupillenlos, also blind, dann handelt es sich um einen Nephilim, ein früheres, aber abtrünnig gewordenes Mitglied der „Titanen“.

Da Christian ein Waisenkind ist, das von der Industriellenfamilie Scholl aufgezogen wurde, bildet Bruno Schwab seinen Vaterersatz. Bei den Scholls lernte er Sibylle Scholl als seine Schwester kennen und machte sie zu seiner ersten Geliebten. Adrian Bloch, den er nun in seiner Heimatstadt wiedertrifft, war ebenfalls einer der „Titanen“. Die Familie Bloch ist mit den Scholls seit jeher befreundet.

Seit seiner Rückkehr sind bereits zwei der „Titanen“ umgekommen. Beide Leichen weisen eine Tätowierung an der rechten Ferse auf: das blinde Auge des ägyptischen Sonnengottes Horus, das Zeichen der Nephilim, eines Geheimordens. In den Rollenspielen der „Titanen“ war Christian stets der Gott Osiris, Sibylle die Göttin Isis und Adrian der eifersüchtige Gott Seth, der Osiris tötete. Doch wer war Horus, der Sohn des Osiris? Adrian treibt sich immer noch in der Stadt herum, als neuer Besitzer der Villa Scholl, dem Sitz der Titanen.

Dieser ägyptisch-mythologische Hintergrund könnte etwas mit dem Schicksal des Ägyptologen Prof. Jan Erik Walberg zu tun haben, der Christian anrief und treffen wollte, aber unauffindbar ist: Wurde er entführt? Als Christian mit der Journalistin Tina Müller zu Walbergs Labor fährt, findet er dort zwar eine Botschaft, wird jedoch auch mit dem Tod bedroht: durch eine Flutwelle aus dem nahen Stausee. Hat ihn jemand im Visier? Christian fühlt sich zunehmend verfolgt.

_Handlung_

Im Spiegelsaal des Casino Monte d’Oro rollt die Roulettekugel und klicken die Chips in ihren Stapeln, als Christian am Spieltisch zuschaut und zunehmend in Trance gerät. Doch er hält Ausschau nach einem bestimmten Mann. Otto Bloch, Adrians Großvater, soll hier vor 15 Jahren verschwunden sein. Auch Kommissar Lohmann ist darum bemüht, dieses Rätsel zu lösen, wie Chris inzwischen erfahren hat. Und wie er nun von Alexa Voss, der Polizsitin, erfährt, lässt Lohmann ihn überwachen. Na, toll. Aber wieso hat hat Alexa seine Verkleidung durchschaut? Weil sie seine Ex ist, vielleicht.

Als Alexa aufs WC geht, um sich die Nase zu pudern, macht sich wieder diese nervige Alte an Chris heran und traktiert ihn mit einem „Faust“-Zitat, als sei sie Billie Scholl persönlich: „Ein guter Mensch in seinem dunklen Drange“ – kennt man ja zur Genüge. Chris sieht im Spiegel sein Ich, aber daneben ein Mädchen, das sich ihm als Führerin anbietet – es steht nicht neben seinem echten Ich. Chris verlangt, zum Senetspiel geführt zu werden und setzt auf die 19. In einer Ecke spielt Walter Zürn Humpty-Dumpty, das Ei auf der Mauer, doch der Weg führt weiter. In einem Saal erscheint ein älterer Mann mit einer Pistole, und daneben steht ein weiterer Mann, der genauso aussieht. Es muss Otto mit einem seiner Brüder sein, oder?

Schüsse fallen, Spiegel zerbrechen, Schreie ertönen. Chris erwacht aus seiner Trance und merkt, dass Lohmann persönlich eingetroffen ist: Razzia! Doch eine Gruppe schwarzgewandeter Kapuzenmänner tritt auf und eröffnet mit Maschinenpistolen das Feuer auf die in Aufruhr und Panik geratende Menge der Casino-Besucher. Chris versucht sich zu verkrümeln. Gott sei Dank, da ist Tina – immer zur Stelle, wenn Not an der Frau ist.

Von dem hageren, düsteren Typ, der Chris allmählich ziemlich bekannt vorkommt, lässt sie sich zu Madame Margarete, einer Wahrsagerin, fahren. Wieso das jetzt?, will Chris wissen. Darauf Tina: Weil Madame Margarete die Tochter der Amme im Hause Bloch ist und folglich jede Menge Geheimnisse kennt. Und woher weiß Tina das? Na, weil sie eine Reporterin ist, und Reporterinnen wissen bekanntlich alles.

Wenig später beginnt Rauch aus Madame Margaretes Haus in der Glockengasse aufzusteigen …

_Mein Eindruck_

Christian Wagner versucht immer noch, die Puzzleteile seiner eigenen Vergangenheit zusammenzusetzen. Anscheinend leidet er unter einer massiven Erinnerungsblockade, verursacht durch seinen langen Auslandsaufenthalt. Wer mit dieser Logik nicht mithalten kann, dem geht es auch nicht besser als mir.

Wie auch immer. Die Puzzleteilchen drehen sich um die oben erwähnten zwei Familien Bloch und Scholl. Dass das Zerwürfnis der Familien schon hundert Jahre zurückliegt, macht nichts. Denn schließlich sind Christian und seine Geliebte Billie deren Kinder. Aber in welcher Beziehung stehen sie zueinander? Wie sich schon in der nächsten Folge erweist, ist dies ein wichtiges Bausteinchen.

Zunächst erfährt er, dass Otto Bloch einen Zwillingsbruder hatte. Aber wo dieser abgeblieben ist, wird Chris bestimmt schon bald herausfinden. Und wie bewerkstelligte Otto seinen Verschwindibus-Akt, der Kommissar Lohmann so verwirrt? Die Spiegel des Casinos Goldberg, wie „Monte d’Oro“ wörtlich bedeutet, könnten ein Hinweis darauf sein. Leider hat Chris die lästige Angewohnheit, bei jeder Gelegenheit in Trance zu verfallen, als wäre er ständig bekifft. Und so betritt er wie Alice im Wunderland die seltsame Welt hinter den Spiegeln. Was ihm – und uns – aber nicht wirklich weiterhilft.

In der Rockoper „Tommy“ von |The Who| starrt das Wunderkind Tommy ständig in den Spiegel, obwohl es ja eigentlich blind sein soll. Erst das Zerschlagen des Spiegels entlässt Tommy, mittlerweile recht ausgewachsen, aber immer noch kindisch, in die sogenannte Wirklichkeit. Auch in „Hinter schwarzen Spiegeln“ kann es nicht ausbleiben, dass Spiegel zertrümmert werden. Nur sind es diesmal finstere Ballermänner in schwarzen Kutten, die das Casino in seine Bestandteile zerlegen. Offenbar sind Terroristen bühnenreif geworden und dürfen auch in Hörspielen auftreten, als wären sie Clint Eastwood in einem Leone-Western. Man gebe ihnen „eine Handvoll Dollar“.

Als ob Chris eine Art Unglücksrabe wäre, geht auch bald das Atelier von Madame Margarete in Flammen auf – oder sollte man besser „Hexenhäuschen“ sagen und Tina und Chris als Hänsel und Gretel bezeichnen? (Wie neuerdings bei „Offenbarung 23“ zu beobachten, schlachten die Autoren zunehmend die guten alten deutschen Hausmärchen aus.) Hier finden sich schwarze Spiegel. Natürlich können die beiden nicht anders als es Alice nachzumachen und hinter die Spiegel zu gelangen. Mehr Geheimnisse, doch nur eine Offenbarung.

Alles in allem ist die Informationsausbeute auch in dieser Folge recht mager. Aber das ist ja bei dieser Serie nun wirklich nichts Neues.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Alexander Scheers raue Raucherstimme passt zum Möchtegerndetektiv à la Philip Marlowe, der nur per Zufall zum Kulturwissenschaftler geworden zu sein scheint. Sein Gegenteil, ein Ausbund an Disziplin und Pflichtbewusstsein, bildet die Rolle der Alexa Voss, gesprochen von Anne Moll (zuvor Sandra Speichert) Sie tritt in dieser Episode gleichberechtigt neben der kindlich-eifrigen Tina Müller, gesprochen von Anna Thalbach, auf. Tina Müller hat die Funktion des Schutzengels und darf folglich überall auftreten, wo Chris in Not ist.

Häufig sind die Stimmen durch Hall verstärkt oder durch Effekte verzerrt, so etwa, um eine Nachrichtensprecherstimme aus dem Lautsprecher nachzubilden. (Die Lautsprecher sind in Hörspielen grundsätzlich auf dem Stand der Siebzigerjahre und klingen entsprechend kratzig.)

Die Geräuschkulisse des Hörspiels ist nicht allzu realistisch. Man hört nicht jede Tasse klappern, nicht jedes Auto vorbeirauschen. Vielmehr stehen die Kommunikationsmittel im Vordergrund: Handys, Telefone, Türklingeln, fehlen nur noch Türklopfer und Megafone. Im Spielcasino sagen die Croupiers unüberhörbar die Anweisungen an die Spieler an. Bei Madame Margarete gluckert der Tee in die Tassen.

Darf man sehr tiefe Bässe noch zu den Geräuschen und Effekten zählen, oder sind sie bereits zur Musik zu rechnen? Egal, sie seien an dieser Stelle mal hervorgehoben. Sie werden in den |Schattenreich|-Hörspielen nämlich regelmäßig eingesetzt, um Angst zu erzeugen, nicht etwa bei der jeweiligen Figur, sondern im Zuhörer. Sie sind deshalb so tief, damit dieser Vorgang unbemerkt bleibt und unterschwellig wirken kann.

|Die Musik|

Spätestens nach einer halben Stunde des Anhörens verhärtet sich im Zuhörer der Verdacht, dass die ganze Handlung eigentlich nur ein Vorwand ist. Nämlich der Vorwand, um möglichst viel internationale Neo-Gothic-Musik abspielen zu können. Die oben aufgeführte Interpretenliste ist nur die Spitze des Eisbergs dessen, was den Zuhörer künftig erwartet. Es verwundert nicht, dass in die Produktion des Hörspiels Firmen wie |Radar Media|, |STIL| (für die professionelle Soundproduktion) und ein Musikmagazin namens „Sonic Seducer“ eingebunden sind. „Schattenreich“ ist ein Multi-Media-Projekt.

„Sonic Seducer“ hat sich mit einem Aufkleber auf der Hülle verewigt. |Radar Media| ist im Booklet mit einer ganzen Seite Werbung vertreten. |Radar| hat das Copyright und die Markenrechte für „Schattenreich“ inne, folglich war die Firma auch an der Produktion beteiligt. Und da es in ihrem Interesse liegt, die Bands wie |Rammstein|, |Oomph!| usw. zu vermarkten, packte sie natürlich so viel Musik wie möglich auf die Silberscheibe. Überall, wo Chris hinkommt, ertönt irgendeine Art von Song. Diesmal ist sogar einer in Französisch dabei, und der hat mir wirklich gut gefallen.

Diese Dinge sollte man wissen, wenn man die Musikeinlagen des Hörspiels bewertet. Plötzlich wird aus der Handlung nicht das Hauptgericht, sondern lediglich die Beilage. Deshalb dröhnt unvermittelt der Leadsong „Follow me“ durch die Boxen, nachdem bereits ein Donnerschlag den Zuhörer aus seiner Bürgerruhe aufgescheucht hat. Es gibt anschließend kaum eine ruhige Minute, in der keine Musik erklingt. Hier hat |Radar Media| ganze Arbeit geleistet. Immerhin ist es nicht mehr ganz so schlimm wie auf den ersten beiden CDs, denn jetzt wird der Hauptfigur mehr musiklose Zeit zum Nachdenken gegönnt.

|Webseite|

Hinweis: Auf www.schattenreich.net findet man das Tagebuch einer Figur, um die es immer wieder im Hörspiel geht. Ich tippe als Autorin auf Sibylle Scholl, die angeblich beim Brand ihrer Klinik umgekommene Billie, Christians Geliebte. Das Tagebuch bietet zusätzliche Hintergrundinformationen.

_Unterm Strich_

Die Reihe „Schattenreich“ wendet sich an die gleiche Zielgruppe wie die Musik-CDs, die DVDs und die TV-Produktionen (von denen ich bislang nichts gesehen habe): Gothic-Rock-Freunde, für die Musik nicht nur Unterhaltung, sondern eine Lebenshaltung und eine modische Aussage darstellt. Anstelle von Vampiren und anderem blutigem Gesocks treten aber in „Schattenreich“ nur jede Menge mystisch gestimmte Typen auf, die sich irgendwie zwielichtig aufführen. Ford Prefect würde sagen: „Weitgehend harmlos“.

Wie bei allem, was das Studio |STIL| produziert, ist das Produkt hinsichtlich Sound und Optik vom Feinsten. Immerhin erreichen das Studio und der |Lübbe|-Verlag eine neue Zielgruppe, die mit „Offenbarung 23“ nur unzureichend bedient wird: die Gothic-Rockfans, die auf Bands wie |Rammstein| und |Oomph!| stehen. Diesbezüglich kann „Offenbarung 23“ glatt einpacken. Wer die Songs runterladen will, findet auf www.schattenreich.net den Link dorthin.

|56 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3465-0|
http://www.schattenreich.net
http://www.luebbe-audio.de
http://www.stil.name
http://www.sonic-seducer.de
http://www.radar-net.de

Krauts und Rüben (Offenbarung 23, Folge 16)

Welcome! The Helmut Kohl Horror Picture Show

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Eine Postkarte aus Saarbrücken – das sieht zunächst nicht nach einer Offerte vom toten Hacker Tron aus. Dennoch macht sich der Informatikstudent Georg Brand zusammen mit seiner Freundin Nolo auf den Weg. Er schlittert dabei in den schlimmsten politischen Sumpf Nachkriegsdeutschlands. Verborgene Netzwerke, brutale Seilschaften – die auch vor politischem Mord nicht zurückschrecken. Ist das wirklich die Realität? Die Wahrheit scheint diesmal nicht nur in schwarzen Koffern verborgen zu sein. Und sie enthüllt, warum der einst mächtigste Mann der Republik an zwei Punkten seiner Biografie bis heute eisern schweigt …

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David Baldacci – Die Verschwörung (Lesung)

Unter der Oberfläche von Washington, D.C., in einem Bunker aus der Zeit des Kalten Krieges, trifft sich eine Gruppe von Männern, um eine junge Frau zum Tode zu verurteilen. Das Opfer ist Faith Lockhart, eine brillante junge Lobbyistin. Sie hat ein unverzeihliches Verbrechen begangen. Sie weiß zu viel und sie will nicht mehr schweigen.

_Der Autor_

David Baldacci ist der Verfasser u.a. von „Der Präsident“, das Clint Eastwood unter dem Titel „Absolute Power“ verfilmt hat. Der frühere Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist lebt in Virginia, USA. Weitere Baldacci-Hörfassungen bei Lübbe: „Der Abgrund“, „Die Versuchung“, „Die Wahrheit“, „Das Versprechen“, „Im Bruchteil der Sekunde“ (September 2004).

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla, geboren 1964, hat bereits mit Joachim Kerzel Ken Folletts Hörbuch „Die Leopardin“ gesprochen, ebenso „das Mädchen“ von Stephen King, „Die Kinder von Eden“ von Ken Follett, diverses von Patricia D. Cornwell und einige Dutzend anderer Produktionen. Während ihrer Schauspielausbildung in Berlin trat sie als Sprecherin im Hörfunk hervor. Später war sie Moderatorin und Sprecherin bei SAT.1, n-tv, SFB, Deutsche Welle TV und bei der BBC.
Ihre Tonaufnahme ist von erstaunlicher Präsenz und sehr klar. Sie verfügt über ein beeindruckendes Gespür für Dramatik: Ganz gleich, ob sie sanft und weich Liebeserklärungen haucht, mit knurrendem Grollen droht oder mit größter Lautstärke Befehle oder Flüche brüllt – stets kommt sie völlig glaubwürdig und lebendig herüber.

_Handlung_

CIA-Direktor Robert Thornhill ordnet die Ermordung von drei Menschen an: Faith Lockhart (36), eine Kronzeugin; Daniel Buchanan, ihr Chef, ein Anwalt und Lobbyist für die Dritte Welt; sowie Ken Newman, FBI. Der Grund: Dan Buchanan wurde vom CIA erpresst, Politiker auszuhorchen, natürlich vor allem solche aus der Dritten Welt, aber auch US-Senatoren. Und als Buchanans Ziehtochter, Faith, das herausfand, ging sie zum FBI, um auszupacken und Dan zu retten. Sie weiß zu viel und muss zum Schweigen gebracht werden.

Leonid Serov, ein Killer, der einmal dem aufgelösten KGB angehörte, hat bereits den Auftrag erhalten. Als Faith Lockhart sich mit dem FBI-Agenten Newman in einer einsam gelegenen Waldhütte trifft, wartet Serov bereits mit einem Präzisionsgewehr auf die beiden. Da taucht ein dritter Mann aus dem Hintergrund auf: Lee Adams, ein Einbrecher und Privatdetektiv. Er hat das präparierte Haus bereits durchsucht und als Falle erkannt.

Kann Adams Lockhart und Newman vor dem Killer retten?

Die FBI-Agenten Brooke Reynolds und Fred Massey sowie Newmans Freund Howard „Connie“ Constantinople nehmen sich ebenfalls der mysteriösen Angelegenheit an. Es wird ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen dem machtgierigen CIA-Boss und dem FBI, das seine Agenten in der Schusslinie sieht. Faith Lockhart und Lee Adams versuchen, zwischen diesen Fronten nicht unter die Räder zu geraten und außerdem der Wahrheit zu ihrem Recht zu verhelfen.

Doch jemand muss Lockhart und Newman an die CIA verraten haben. Jemand beim FBI.

_Mein Eindruck_

Wieder einmal gelingt es David Baldacci, eine spannende Handlung zu stricken, bei der es einer rechtschaffenen Frau nur mit Hilfe ebenso rechtschaffener Männer gelingt, zu überleben und ihr – natürlich ebenso rechtschaffenes – Ziel zu erreichen, das dem Wohl von Recht und Gesetz dient.

Der Schurke im Stück wird diesmal nicht vom Präsidenten dargestellt wie in „Absolute Power“, sondern von einem fast ebenso mächtigen Burschen: dem Boss der CIA. „Central Intelligence“ – das klingt wie ein Widerspruch in sich, aber „intelligence“ hat in der Verwaltung und im Militär nichts mit Intelligenz zu tun, sondern mit Feindaufklärung. Thornhill hat drei Feinde deklariert, der CIA-Apparat wird in Marsch gesetzt. Es ist selten, dass ein Autor die Geheimdienste angreift, aber in den USA durfte man das zumindest bis vor kurzem: vor dem 11. September 2001 und dem Patriot Act.

Wie in jedem ordentlichen Katz-und-Maus-Spiel müssen sich die Gejagten – Lockhart und Adams – aller verfügbaren Überlebenstechniken bedienen, um durchzukommen. Verkleidung und Flucht in letzter Sekunde sind an der Tagesordnung. Weitaus kniffliger erweist es sich, die Drahtzieher und Verräter auszumachen sowie sie per Beweis dingfest zu machen. Das ist der Grund, warum nur die wenigsten Szenen so anschaulich sind wie der anfängliche Hinterhalt an der Waldhütte. Der Zuhörer muss stets aufmerksam das Geschehen und die Dialoge verfolgen – das ist in allen Baldaccis so.

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla ist definitiv die beste Sprecherin für Figuren wie Faith Lockhart. Sie gibt ihnen eine spezifische weibliche Note. Doch auch beim Darstellen der männlichen Figuren weiß sie mit ihren tiefen, dunklen Stimme entsprechende Nuancen wiederzugeben.

_Unterm Strich_

„Die Verschwörung“ fesselt den Zuhörer mit spannenden Szenen (besonders am Anfang), einer atemlosen Jagd, halbwegs glaubwürdigen Begründungen auf Seiten der Guten und der weniger Guten (CIA) und einem ordentlichen Showdown. Gelegentlich blitzt sogar so etwas wie Humor auf, so etwa, als der listenreiche Adams seinen Hund und seine Nachbarin für seine Zwecke einspannt, um das FBI bzw. die CIA abzulenken.

Dennoch darf man von einem Baldacci keinen allzu großen Tiefgang erwarten. Die Handlung wirkt dann doch zu konstruiert. Eine Charakterisierung bleibt stets relativ oberflächlich, Figuren verändern sich im Laufe der Handlung kaum – sie agieren wie Schachfiguren, gelenkt vom Willen des Autors, nicht etwa aus sich selbst heraus. Die Kürzung, die für ein Hörbuch meist notwendig ist, tut ein Übriges. Das heißt aber nicht, dass sich der Zuhörer nicht zufriedenstellend von solch einem Hörbuch unterhalten lassen kann. Besonders auf langen Reisen, etwa im Zug oder dem Flieger, bietet sich spannende Unterhaltungskost geradezu an, um die Zeit zu vertreiben. (Und man kann später darüber schreiben.)

Umfang: 355 Minuten auf 5 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Fluch des Tutenchamun, Der (Offenbarung 23, Folge 22)

_Howard Carters Geheimnis und Vermächtnis_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Im Jahr 1922 entdeckt der Ägyptenforscher Howard Carter im berühmten Tal der Könige das fast unversehrte Grab von Pharao Tutenchamun. Doch mit Öffnen der Grabkammer scheint sich ein Fluch zu erfüllen, der jeden trifft, der die Ruhe des jugendlichen Pharaos stört. 33 Jahrhunderte nachdem der Fluch ausgesprochen wurde, entdeckt der Berliner Student und Hacker Georg Brand, warum Howard Carter sich so sicher sein konnte, das Grab von Tutanchamun garantiert zu finden. Und er findet heraus, wessen Ruhe er dabei tatsächlich störte. (Verlagsinfo)

_Der Autor und die Macher_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

|1. Staffel von „Offenbarung 23“:|
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

|2. Staffel:|
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

|3. Staffel:|
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

|4. Staffel:|
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) [Durst! 3900
16) [Krauts und Rüben 3934

|5. Staffel:|
17) [Die Waterkant-Affäre 4340
18) [Menschenopfer 4362
19) [Angst! 4537
20) [Die Pyramiden-Saga 4554

Einschub: 21) [Jack the Ripper 4875 (Live-Lesung)

|6. Staffel:|
22) Der Fluch des Tutanchamun
23) Der Jungbrunnen
24) Ausgespäht und Ausgetrickst
25) Sex and Crime

Mehr Infos: http://www.offenbarung-23.de sowie http://wiki.jan-gaspard.net/ und http://www.vertraue-niemandem.net.

_Die Sprecher_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt:

„Stimme der Wahrheit“: Friedrich Schoenfelder (David Niven, Peter Cushing, Vincent Price)
Ian G. als Erzähler: Till Hagen (Kevin Spacey, Billy Bob Thornton)
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Lord Carnarvon/Nat Mickler: Helmut Krauss (Marlon Brando, James Earl Jones)
Sprecherin/Marianne Benedit: Ulrike Hübschmann
Abdul: Erich Räuker (Richard Dean Anderson)
Howard Carter: Jaron Löwenberg
Evelyn Carnarvon: Maria Koschny (Lindsay Lohan)
Intro: Benjamin Völz & Jaron Löwenberg

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

|PROLOG.| 1922. Howard Carter hat das Grab des einzigen Pharaos gefunden, der noch intakt im Tal der Könige ruht: Tutenchamun. Bei ihm Sind Lord Carnarvon und dessen Frau Lady Evelyn. Carter warnt davor, die Mauer zu durchbrechen, denn von Rechts wegen ist er verpflichtet, zuerst die Inspektoren der ägyptischen Altertümerverwaltung zu informieren. Doch davon will der Lord, sein mächtiger Geldgeber, nichts wissen. Er will die Gruft sofort öffnen, und Lady Evelyn soll die Ehre haben, als Erste die Pracht der Schätze im Pharaonengrab zu schauen. Was das Trio findet, übersteigt ihre kühnsten Träume.

Wenig später beginnt der Fluch des in seiner letzten Ruhe gestörten Pharao zu wirken: Der Lord stirbt.

|Haupthandlung.|

Gegenwart, Samstag, kurz vor 11 Uhr. Kairo, das Ägyptische Museum, Saal 3. Georg Brand und Nolo alias Tatjana Munk bestaunen die goldene Totenmaske Tutenchamuns. Aha, Amun: der alles Belebende, und Tutenchamun: lebendes Abbild des Amun. Alles klar. Auf der Rückseite der Maske findet Georg Hieroglyphen und fragt sich, was sie wohl bedeuten mögen. Ein älterer Herr tritt aus den Schatten hervor und verrät es ihm. Er stellt sich als Nat Mickler vor, Symbolkundler und Psychiater. (Ulkige Kombination, findet Georg.)

Mickler stellt eine äußerst interessante Frage: Was machte Carter, der zehn Jahre nach dem Grab Tutenchamuns gesucht hatte, auf einmal so sicher, dass er das Grab genau an jener Stelle finden würde, wo er es dann im Jahr 1922 fand und öffnete? Mickler lädt sie ins Tal der Könige ein, um sich vor Ort einen besseren Eindruck zu verschaffen.

Die Dampferfahrt den Nil hinauf ist angenehm. Aber 650 Kilometer wollen zurückgelegt werden, und so ist eine Menge Zeit für Konversation. Auf der Rückseite von Tutechamuns Totenmaske steht der Anfang des 150. Kapitels des ägyptischen Totenbuches: ein Schutzzauber vor den „Dienern des Seth“. Seth war bekanntlich jener Bösewicht, der es auf Isis, die Schwester des Obergottes Osiris, abgesehen hatte, und deshalb ihren geliebten Bruder auf abscheuliche Weise abmurkste. Sie setzte jedoch die Leichenteile wieder zusammen, ließ sich von Osiris v.2.0 befruchten und gebar Horus, den falkenköpfigen Sonnengott, auch Ra oder Re genannt. Kein Wunder, dass sich die Pharaonen vor Seth fürchteten.

In der Bar des Dampfers lernen die drei Reisenden Marianne Benedit kennen, die Reporterin, die sich für Kaspar Hauser interessierte (siehe Episode 18 „Menschenopfer“). Und der Zusammenhang mit Carter? Lord Carnarvon hieß auch Stanhope, und sein Urgroßvater war eben jener britische Geheimdienstler, dem sie die Ermordung Kaspar Hausers anlastet. Und obendrei war Carnarvon ein Mitglied der Freimaurer, deren Ursprung in Ägypten und Tyros liegt. Sie vererbten uraltes Wissen der Erbauer der Pyramiden, die bekanntlich Priesterstatus hatten.

Als Marianne Benedit plötzlich bewusstlos zusammenbricht, sind Georg und Nolo ziemlich erstaunt. Lag es an dem Whisky, den man ihr kredenzte? Nach einer polizeilichen Befragung wegen des Todes der Reporterin können sie weiterfahren.

Vier Tage später gelangen sie ins Tal der Könige bei Theben, auf dem Westufer des Nils. Die Wände der Randberge des Niltals sind hoch und steil, und dorthinein ließen die Baumeister die Gräber der Pharaonen graben. Nr. 62 ist Tutenchamuns Grab. Wie konnte Carter es nur finden, immerhin ganze 123 Jahre nach dem ersten Grabfund und unversehrt von den Grabräubern des nahen Qurna?

Wie sich zeigt, verfügte Carter über einen natürlichen Wegweiser, der mit einer Sonnenuhr und einem alten Kalender verbunden war. Und das Grab hatte nicht bloß einen Wächter …

_Mein Eindruck_

Wieder einmal befasst sich die Hörspielserie mit Ägypten. Offenbar verbringen Georg und Nolo hier einen längeren Aufenthalt. Das Land am Nil hat aber auch jede Menge esoterische Geheimnisse zu bieten. Nachdem sie schon die Pyramiden bestiegen haben, geht es nun also in den Untergrund, in die Gräber und Tunnel des Tals der Könige. Dieses liegt bekanntlich in Oberägypten unweit Theben und Luxor. Aber auch die alte Grabräuberstadt Qurna ist nahe, und ein Teil der Geschichte befasst sich mit den Dieben. Tatsächlich ist sogar die obligatorische Nachrichtenmeldung der Auflösung dieser Siedlung im Jahr 2007, also ganz aktuell, gewidmet.

Der Prolog verbreitet eine Entdeckerstimmung wie im ersten Indiana-Jones-Spielfilm: Ein unversehrtes Pharaonengrab wird betreten. Wie kleine Kinder dürfen wir Bauklötze staunen, was die Gräber um Howard Carter da freigelegt haben. Dieser sense of wonder wird wenig später angesichts der goldenen Totenmaske des Pharaos wiederholt. Danach jedoch setzt wieder mal die Analyse ein: Was steht denn da und dort und was mag es bedeuten? Man kommt sich vor wie bei den Weisen im Morgenlande.

Der Höhepunkt der Enthüllungen findet zweifellos im Tal der Könige statt. Dies alles zu erklären, wäre erstens zu kompliziert und würde zu weit führen. Außerdem wäre die Spannung zerstört. Jedenfalls wusste Howard Carter wohl ganz genau, wo und vor allem wann er das Grab des mit 18 Jahren ermordeten Pharao Tutenchamun, des Ketzers Echnatons Sohn, zu suchen hatte.

So ganz nebenbei erfahren wir eine ganze Menge über diesen Carter, denn schließlich ist die Frage zu entscheiden: Gab es wirklich einen Fluch des Tutenchamun? Fein säuberlich sortiert der Autor, vertreten durch seine Figuren, die good guys und die bad guys im Unternehmen Pharaonengrab. Carter landet eindeutig im Lager der good guys, selbst wenn er keinen obligaten weißen Hut getragen haben sollte. Doch Lord Carnarvon, so viel wird schon im Prolog deutlich, ist eindeutig ein bad guy. Geschieht ihm also recht, kurz nach der Entdeckung des Grabes das Zeitliche zu segnen.

Das größte Rätsel jedoch ist dasjenige, welches sich hinter der Jahrtausende währende Unversehrtheit des Pharaonengrabes verbirgt. Und warum wurde es sogar 123 Jahre lang, nachdem das erste Grab gefunden worden war, in Ruhe gelassen? Waren die Ausgräber einfach zu dumm? Der Autor bietet eine andere Erklärung an: Es gab Wächter, die bis heute das Grab hüten. Aber warum bewachten sie dann nicht auch die anderen Gräber? Die wenig plausible Erklärung der Wächter: Nichts wurde gestohlen, es ist alles noch da, irgendwo. Na, toll.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher|

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus, und Kim Schmittke sekundiert normalerweise, wenn Georg über die Stränge schlägt. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Zum Glück behält Georg Brand seinen Sinn für Humor, auch wenn dieser diesmal mehr Richtung Sarkasmus tendiert. Georg klingt mehr genervt als erheitert.

Ulrike Hübschmann als Marianne Benedit liest aus einem Buch über Freimaurer und Ägypten vor, doch dabei spricht sie ständig den Namen Champollions, des berühmten Entzifferers des Rosetta-Steins, falsch aus. Sie sagt stattdessen zweimal „Campollion“. Mir ist unerklärlich, wie so ein Fehler zustande kommen konnte.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Auf dem Dampfer hören wir das Rauschen des Fahr- und Kielwassers, im Tal der Könige ist deutlich das Klappern der Kutsche zu hören, in der Georg und Nolo gefahren werden. Sogar der Wind von den Bergen ist zu erlauschen.

Ein echt unheimliches Stück Akustik ist in den Tunneln der Grabräuber zu hören, was gut zu Nolos Angst passt. Doch am Schluss herrscht wieder Friede. Das Wasser der Oase plätschert, und die Vöglein zwitschern in den Palmen.

Die Musik fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro, im Hintergrund plätschert etwas Schmuse-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Sehr schön fand ich auch die dezent im Hintergrund eingesetzte arabische Musik, die gut zu der Geräuschumgebung der Oase passt.

_Unterm Strich_

Die enthüllenden Informationen über die Gräber im Tal der Könige fand ich ziemlich interessant, denn sie waren mir völlig neu. Natürlich wusste ich schon einiges über Carter, Carnarvon und den angeblichen Fluch des Pharao. Doch die Rolle der Freimaurer, der unbekannten Wächter und vor allem die Berechnung der exakten Lage von Tuts Grab wurden neu vom Autor geliefert. Wer weiß, ob er für all diese Faktenhuberei nicht ein Heer von Zuträgern angeheuert hat. Die Wächter allerdings dürften seine eigene Privaterfindung sein.

Das Hörspiel ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Diese Episode wird nahtlos in der nächsten fortgesetzt. In „Jungbrunnen“ wird auch das grausige Geheimnis um die in Tuts Grab gefundenen Kinderleichen gelüftet. Man darf gespannt sein.

|72 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3536-7|
http://www.offenbarung-23.de
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de

Mai Thi Nguyen-Kim – Komisch, alles chemisch!

Der Inhalt:

Mit Chemie durch den Tag: Der Tagesablauf der jungen Wissenschaftlerin und Journalistin Mai Thi führt als roter Faden durch eine Welt, die – chemisch betrachtet – eine Fülle von spannenden Phänomenen für uns bereithält. Der Tag beginnt mit der Chemie des Aufwachens, mit Stress- und Schlafhormonen, die zügig in den Griff gebracht werden wollen. Wir erfahren, wann der richtige Zeitpunkt für den ersten Kaffee ist, warum Fluoride in der Zahnpasta enthalten sein sollten und warum das Chaos, das uns im Arbeitszimmer auf dem Schreibtisch erwartet, vom Universum gewollt ist. Wir lernen Neues über die Zusammensetzung von Gorillaglas und die Funktionsweise von Handyakkus, wie sie länger halten und warum sie manchmal explodieren. Wir verstehen plötzlich, warum nur Aluminiumsalze gegen Schweißflecken helfen, wieso Schweiß überhaupt stinkt und was man dagegen wirklich tun kann. Beim Einkauf im Supermarkt klärt Mai Thi, ob sich mit Sauerstoff angereichertes „Sport-Mineralwasser“ wirklich lohnt und wie ein chemisches Grundverständnis vor allzu dreisten Marketingtricks schützen kann.

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Liza Marklund – Prime Time (Lesung)

Die bekannteste Fernsehmoderatorin Schwedens wird erschossen in ihrem Sende-Übertragungswagen aufgefunden. Der Kreis der Tatverdächtigen ist groß: fast alle Teilnehmer ihrer letzten Talkshow. Die Stockholmer Journalistin Annika Bengtzon ermittelt in der Medienszene und stößt in ein Schlangennest, in dem keiner dem anderen etwas gönnt.

_Die Autorin_

Liza Marklund, geboren 1963, studierte Journalismus und arbeitete bei verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften. Mehrere Jahre war sie Nachrichtenchefin des schwedischen Privatsenders „TV 4“. Diesen Traumjob kündigte sie, um Romane zu schreiben. Für ihren Debütroman „Olympisches Feuer“ (dt. 2000) erhielt sie bedeutende Literaturpreise. Auch die Nachfolgeromane „Studio 6“ und „Paradies“ wurden offenbar erfolgreiche Krimis. Marklund lebt in Stockholm. (Verlagsinfo)

_Die Sprecherin_

Judy Winters Karriere am Theater begann 1962. Die 1944 Geborene wurde von Peter Zadek ans Bremer Theater engagiert und feierte in Musicals wie „My Fair Lady“ oder „Hello Dolly“ große Erfolge. Es folgten zahlreiche TV-Filme, u.a. Simmel-Verfilmungen und der Kult-Tatort „Reifezeugnis“. Mit dem Programm „Marlene“ hat Judy Winter einen Meilenstein ihrer Kunst gesetzt. Damit ging sie im Sommer 2001 auf Japan-Tournee. Sie hat bereits Marklunds Romane „Studio 6“ und „Paradies“ gelesen.

Winter liest die von Gisela Mathiak gekürzte Fassung.

_Handlung_

Annika Bengtzon ist Journalistin bei der Stockholmer Boulevardzeitung „Abendblatt“. Sie will gerade mit Lebensgefährte Thomas und ihren zwei Kindern Ellen und Kalle in einen Kurzurlaub zu Thomas‘ Eltern auf dem Land aufbrechen, als ihr Chef anruft. Da sie Bereitschaftsdienst hat, muss sie seinem Ruf folgen, so Leid es ihr auch tut. Thomas droht: „Das werd‘ ich dir nie verzeihn.“ Sie geht dennoch, denn an diesem Wochenende ist kein anderer Reporter verfügbar. Vielmehr ist der Kollege Karl Wennagren selbst unakömmlich – am Tatort.

Der Grund für den dringenden Einsatz draußen an der Küste ist der Mord an Schwedens erfolgreichster Fernsehmoderatorin Michelle Carlsson. Dort hatte sie auf Schloss Ixterholm einige Sendungen für die Reihen „Sommerschloss“ und „Frauen-Couch“ aufgenommen und drehte parallel dazu einen Dokumentarfilm über sich selbst. Als Annika eintrifft, sind die Medien schon da, können aber nicht in das Schloss, weil die Polizei unter Kommissar Kuh alles abgesperrt hat.

Von ihrer Freundin Anne Snaphane, die sich im Schloss befindet, erfährt Annika, dass der Kommissar rund ein Dutzend Leute festhalten lässt, die als Zeugen angesehen werden. Sie und andere, die schon abgereist sind, waren in der vorhergegangenen Mordnacht im Schloss, als nach der letzten Sendung Radau und Streit ausbrachen. Michelle und ein Rockstar hatten danach in einem abgelegenen Kämmerchen Sex miteinander.

Eine „Neonazi-Tante“, Hannah Persson, hatte die Tatwaffe, einen Revolver, mit in die Sendung gebracht und damit gegenüber den feministischen Anarchistinnen angegeben, die natürlich sofort mit Prügel drohten. Annika erkennt schnell, dass praktisch jeder der zwölf verbliebenen Zeugen ein Motiv hatte, Michelle umzubringen. Folglich muss sie versuchen, mit jedem zu sprechen, um den Täter, den die Polizei nicht findet, aufzuspüren.

Fotos, die Annikas Kollege Karl Wennagren gemacht hat, und eine klammheimlich mitgeschnittene Tonaufnahme aus dem Übertragungswagen, wo man die Leiche fand, spielen eine entscheidende Rolle beim Aufspüren des Täters.

Während ihrer Ermittlungen spitzt sich Annikas Beziehungskrise mit Thomas zu. Doch er muss erst einmal lernen, mit den hohen Ansprüchen seiner Mutter fertig zu werden und innerlich von seiner Exfrau Eleonor, einer Bankdirektorin, Abschied zu nehmen. Zudem befürchtet er, demnächst arbeitslos zu werden, was ja bekanntlich nie gut fürs männliche Ego ist, und muss auch den Haushalt managen.

In diesem Szenengeflecht fällt es kaum auf, dass sich Annika von ihrem Redaktionschef Schümann dazu benutzen lässt, den unfähigen Chefredakteur und Herausgeber des „Abendblatts“, Torstensen, mit einer raffinierten Intrige auszubooten. Ob sie damit den Untergang ihres Blattes abwenden kann?

_Mein Eindruck_

In einer großen deutschen Tageszeitung war ein Porträt von Liza Marklund zu lesen. Darin bekennt sie, dass „Prime Time“ geschrieben wurde, als die Autorin unter dem Einfluss der Ereignisse nach der Ermordung der beliebten schwedischen Ministerin Anna Lindh stand, die sie selbst gut gekannt hatte. Zunächst wollte die Polizei, die unter dem Fahndungsdruck der Medien arbeitete, einen anderen als den wahren Mörder verhaften, musste ihn aber wieder laufen lassen, als die Verdachtsmomente nicht ausreichten.

In „Prime Time“ stellt die ehemalige Reporterin die Fähigkeit der Medien in Frage, überhaupt konstruktiv zur Ermittlung von Tatverdächtigen fähig zu sein. Sie stellt sogar in Frage, dass es ihnen überhaupt um die Wahrheit, um den wahren Täter gehe. Ob ihnen nicht die Quote, die Verkaufszahlen viel wichtiger seien. Und ob es nicht einige unfähige und korrupte Leute zu viel in den Reihen der Medien gebe. Das sind wichtige Fragen, die uns alle angehen.

Andererseits kann sich Marklund nicht hinstellen und mit dem Finger auf bestimmte Leute zeigen. Stattdessen lässt sie ihre Heldin Bengtzon nicht so sehr den Täter ermitteln, sondern vielmehr die Umstände, die zu der Mordtat geführt haben. Sie bezieht das gesamte Umfeld mit ein: Biografie, Psychologie, berufliche Laufbahn, wirtschaftliches Umfeld, personelle Hierarchien – und schließlich auch die Wahrheit des eigentlichen Tathergangs, den zu ermitteln die Polizei offenbar unfähig ist, obwohl Annika Bengtzon und Anna Snaphane das gleiche Material auswerten: Fotos, Tonaufnahmen, Videos.

Die Ermittlerin von eigenen Gnaden Bengtzon erscheint aber nicht als Heilige, die sich zur Richterin aufschwingt, sondern als normale (ziemlich gestresste) Frau, die sich auch um Kinder und einen Lebensgefährten zu kümmern hat. Zu ihrem gelinden Entsetzen merkt sie, dass sie Thomas genau so behandelt wie ihren ersten Mann, den sie in Notwehr tötete. (An einer Stelle heißt es, sie sei auf Bewährung frei.) Sie hat also nichts dazugelernt? Sie merkt es gerade noch rechtzeitig, um das Richtige zu tun.

Sie ist also eine Ermittlerin, die sich stets bemüht, doch mitunter wird auch das missverstanden – oder sogar missbraucht. Denn die Autorin zeigt nicht nur das Fernsehen als Schlangennest, in dem keine der anderen etwas könnt – und das wusste M. Carlsson am besten -, sondern auch Bengtzons eigene Redaktion: Ihr eigener Redaktionschef Schümann schickt sie auf Recherche gegen seinen Chef. Torstensen hat wohl Insidergeschäfte getätigt, aber das muss man ihm erstmal nachweisen. Es ist schon eine vielsagende Szene, wenn Schümann seine „Munition“ herausholt und sich überlegt, welche Unterlagen – die meisten illegal kopiert – er verwenden soll, um Torstensen „abzuschießen“. Gottlob, nur für einen guten Zweck: Um das Revolverblatt, das sich mit jeder Ausgabe eine Verleumdungsklage einhandelt, wieder auf anständigen Kurs zu bringen. Doch es ist sicher kein Zufall, wenn Torstensens Missetat in einem Fernsehinterview enthüllt wird, das Anne Snaphanes Lebensgefährte beim Fernsehen führt. Und Anne ist Annikas beste Freundin. Gelobt sei die Seilschaft!

_Spannung gefällig? Ja, bitte!_

Spannung darf in einem Krimi wie diesem nicht fehlen. Und doch ging sie über längere Strecken hinweg flöten. Das liegt nicht an fehlender Brisanz des Themas – die ist ja gegeben -, sondern an dem dramaturgischen Problem, dass die Heldin knapp ein Dutzend Verdächtige zu beackern hat. Es dauert eine ganze Weile, bis Verdachtsmomente aufgedeckt und geprüft sind. Selbst am Schluss der langwierigen Ermittlungsarbeit bedarf Bengtzon der mutigen Tat ihrer Freundin Anne, um die wahre Täterin zu einem Geständnis zu veranlassen.

Dass dies mit einer Bandaufnahme gelingt, die von der Polizei geprüft wurde, spricht ja nicht gerade für die Qualität der Polizeiarbeit, wie schon die ganze Geschichte hindurch Bengtzon dem Kommissar ihre hilfreichen Tipps geben muss, damit überhaupt etwas vorankommt. Der Inhalt des Bandes wird uns nur häppchenweise mitgeteilt, auch eine clevere Methode, Spannung aufzubauen.

_Sex, massenhaft_

Müssen schwedische Romane immer Sexszenen enthalten? Nicht immer, aber ganz bestimmt, wenn sie die Medien aufs Korn nehmen. Daher finden saftige Fotos ihren Weg in die Redaktion von Annikas Revolverblatt – und der Fotograf würde sie am liebsten auf Seite 1 bringen: Michelle Carlssen beim Sex mit Rockstar John Essex – wow, was für ein Knüller! („Oder wenigstens auf der Homepage, Chef? Bitte!“)

Auch besagte Bandaufnahme dreht sich um Michelles sexuelle Gymnastik, diesmal im Ü-Wagen. Und unter Einsatz eines Schießeisens… Und dass auch Anne Snaphane einen Unterleib hat, belegt ebenfalls eine entsprechende Szene. Als ob wir das nicht schon irgendwie geahnt hätten. Aber die Szene verrät auch ein wenig Humor, wenn Anne und Mehmet von Annes Kind gestört werden. Ansonsten ist der Humor eher grimmiger Art, mit einer gehörigen Portion Zynismus.

_Die Sprecherin _

Judy Winter verfügt über einen unglaublichen Stimmumfang, möglicherweise geschult durch ihre Musicalkarriere. Die Stimme reicht vom maskulinen Bass bis in die Höhen von Kinderstimmchen und Zickengekreisch. Deswegen fällt es ihr auch nicht schwer, Vertreter beider Geschlechter ebenso glaubwürdig zu sprechen wie etwa ein Kind. Und die Hauptfigur des Romans, Annika Bengtzon, hat ja gleich zwei davon. Vereinzelt kommen auch elektronische Verzerrungen hinzu, da ja in der Medienlandschaft laufend Stimmen über irgendwelche Endgeräte verfremdet ausgegeben werden.

Die Wirkung von Judy Winters Vortrag ist durchaus fesselnd. An spannenden Stellen liest sie langsam, an actionreichen natürlich schneller. Dennoch gehört die Mehrheit der Stimmen weiblichen Figuren, und da könnte die Charakterisierung durch unterschiedliche Stimm- oder Tonlagen größer sein, um die jeweilige Figur besser unterscheidbar zu machen – eines der Hauptprobleme bei einem Hörbuchvortrag. Bei einer Handlung mit über einem Dutzend Figuren ist dies umso notwendiger.

Beeindruckend ist Winters Beherrschung des Englischen und Schwedischen, die sie gleichermaßen korrekt aussprechen kann. Mittendrin rezitiert sie eine längere englische Passage, ein Briefzitat. Für den des Englischen nicht Mächtigen ist das vielleicht langweilig, aber ich fand Winters Aussprache einwandfrei. Ihre Aussprache des Schwedischen stellt sicher ähnliche Ansprüche, und wie im Englischen und Deutschen entspricht das geschriebene Wort nicht immer dem gesprochenen. Das kann besonders bei den zahlreichen Namen des Romans Verwirrung stiften, insbesondere dann, falls die Aussprache schwankt. Aber bei Personennamen wie Persson oder Carlssen kann man nicht viel falsch machen, oder?

_Unterm Strich_

„Prime Time“ – der englische Begriff steht für die „Hauptsendezeit“ am frühen Abend zwischen 19 und 21 Uhr. Zu dieser Stunde sind die Quotenjäger unterwegs. Doch einige davon leben recht gefährlich, wie der Mord an der TV-Moderatorin zeigt. Die Geschichte der Aufklärung dieses Mordes ist durchaus spannend mitzuverfolgen, und die Autorin stützt die Authentizität des geschilderten möderischen Medienmilieus mit den Beobachtungen aus ihrer Tätigkeit bei Fernsehen und Zeitung.

Allerdings fragt man sich bisweilen, was das nun werden soll, so ziellos erscheint die Fragerei der Hauptfigur im Kreis der Verdächtigen. Das soll wohl nur verschleiern, dass sich Mosaikstein zu Mosaikstein fügt, bis endlich – beinahe – das Bild komplett ist. In diesem Irrgarten aus Motiven und Tätern erscheint plötzlich selbst die engste Freundin Bengtzons, Anne, als mögliche Täterin: Jeder hatte ein Motiv, Michelle das Lebenslicht auszublasen. Und diese war offensichtlich auch nicht gerade ein Sonnenscheinchen.

Ist also Marklund ein weiblicher Mankell? Das politische und moralische Anliegen hätte sie ja schon mal. Das erzählerische Vermögen geht ihr ebenfalls nicht ab, ganz im Gegenteil. In „Studio 6“ nahm sie die Korruption von Politikern aufs Korn, nun die in einem Medienkonzern und beim Fernsehen.

Eines steht fest: Man kann nach Marklund ebenso süchtig werden wie nach Mankell. Und unweigerlich dürfte sich das ZDF bereits um die Verfilmung dieser Romane bemühen. Nordlandkrimis sind ja in.

Das Hörbuch „Prime Time“ ist zwar auf die wichtigsten Vorgänge gekürzt, mir aber trotzdem immer noch zu lang: Vier CDs statt der 366 Minuten auf fünf CDs hätten auch gereicht. Judy Winter zuzuhören, ist ein Genuss und ein Erlebnis. Sie lässt das Geschehen erst lebendig werden und sorgt für spannende und bewegende Highlights.

_Michael Matzer_ © 2004ff

Meyer, Kai / Maetz, Stefan / Berling, Simon / Hagitte, Christian – Die Vatikan-Verschwörung (Inszenierte Lesung)

Spannende Mystery: Verfolgungsjagd zum Höllentor

In Rom stößt der Kunstdetektiv Jupiter auf das Vermächtnis des geheimnisumwitterten Kupferstechers Piranesi. Rätselhafte Morde und unheimliche Erscheinungen führen ihn zum legendären „Haus des Daedalus“, einem vergessenen Ort tief unter den Fundamenten der Vatikanstadt. Verbirgt sich dahinter die Hölle selbst, wie ein vatikanischer Geheimbund vermutet? Jupiter und die Kunststudentin Coralina werden zu Gejagten, als Mönche, Kardinäle und die Geister der Vergangenheit ihre Spur aufnehmen, um ihnen das Vermächtnis Piranesis abzunehmen …

Der Autor
Meyer, Kai / Maetz, Stefan / Berling, Simon / Hagitte, Christian – Die Vatikan-Verschwörung (Inszenierte Lesung) weiterlesen

Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Die Werwolf-Sippe (Folge 47)

_Die Kinder der Nacht: Familienfeier der Werwölfe_

Die Älteste des Wervolk-Clans prophezeit die Wiedervereinigung ihrer Sippe unter einer neuen Königin, die die Menschen das Fürchten lehren werde. Doch zuerst muss sie die junge Jovanka dem Blutritual unterziehen, das diese zur Werwölfin machen wird …

Die Story erschien erstmals als Band 173 der Bastei-Romanserie.

_Der Autor_

Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 John-Sinclair-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

_Die Inszenierung_

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino, Christopher Walken, Kevin Kostner, Jeremy Irons, Pierce Brosnan und vielen mehr.
Wolfgang Pampel, die deutsche Stimme von Harrison Ford, spricht den Erzähler.
Jane Collins: Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Gillian „Scully“ Anderson
Suko: Martin May
Bill Conolly: Detlef Bierstedt (George Clooney, Robert ‚Freddy Kruger‘ Englund)
Sheila Conolly: Daniela Hoffmann (Julia Roberts)
Sir James Powell: Karl-Heinz Tafel
Jovanka Vasely: Berenice Weichert (Anna ‚Rogue‘ Paquin, Scarlett Johansson)
Jurina Vasely: Marianne Rogée
Silva: Anke Reitzenstein (Whitney Houston, Jeri Ryan)
Lupina: Claudia Urbschat-Mingues (Angelina Jolie, Kristanna Loken)
Marcel Vendri: Peter Flechtner (Ben Affleck)
Al Astor: Jörg Doering (Colm Meaney)
Roland Foucert: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Kevin Bacon, Gary Oldman …)
Margret Rutland: Marianne Groß (Gattin von Lutz Riedel; Angelica Huston, Cher)
Sue Rutland: Dascha Lehmann (Katie Holmes, Jennifer Love Hewitt)
Pfarrer: Bernd Rumpf (Liam Neeson, Alan Rickman)
Sowie Simon Jäger (Heath Ledger, Josh Hartnett, Matt Damon) und andere.

Der Produzent ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der John-Sinclair-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel [„Der Anfang“ 1818 hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Regieassistenz: Patrick Simon
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Tontechnik: Arne Denneler
Schnittassistenz: Jennifer Keßler
Produktion: Alex Stelkens (|WortArt|) und Marc Sieper (|Lübbe Audio|)

_Handlung_

Dereinst werde eine neue Königin die verstreute Sippe der Werwölfe wieder vereinen und zu neuer Größe führen, prophezeit die alte Jurina Vasely. Jovanka, ihre Enkelin, brennt darauf, sich ihrem Volk endlich anschließen zu können und unterzieht sich dem Blutritual, das sie ebenfalls zur Werwölfin macht. Doch entsetzt muss sie erfahren, dass die Jäger sich bereits nähern und ihre Großmutter nicht vorhat, vor ihnen zu fliehen …

Die Jäger werden vom Pfarrer des nordfranzösischen Städtchens Gravelines angeführt. Er hat von einem Vorgänger eine Axt mit silberner, geweihter Schneide geerbt – ein geeignetes Instrument zur Vernichtung von Werwölfen und anderem Gelichter. Sie stoßen mitten im Wald auf einen verlassenen Planwagen und nähern sich ihm misstrauisch. Ein Wolf bricht daraus hervor, den die Silberaxt des Pfarrers jedoch sofort tötet. Aber wo ist der Rest der bestialischen Sippschaft? Die Suche geht weiter.

Jovanka folgt dem Auftrag ihrer Großmutter, ihre Schwester Silva und ihren Bruder Marcel zu suchen. Als einer der Jäger sie stellt, fällt es ihr leicht, ihn zu überwältigen und den ersten Blutdurst zu stillen. Schon bald ist sie in Gravelines, wo sie im Mädcheninternat ihren Bruder findet, der hier unter dem Namen Marcel Vendri als Lehrer arbeitet. Bedauerlicherweise erhebt bereits ein Menschenweibchen Anspruch auf ihn …

John Sinclair wird von seinem Mitarbeiter Bill Conolly angerufen. Bills Nachbarin Margret Rutledge mache sich Sorgen um ihre Tochter Sue, die sich in einem französischen Internat in Gravelines aufhalte. Doch in der Region Gravelines habe es in letzter Zeit einige grässliche Todesfälle gegeben, und die französischen Behörden fürchten, die legendäre „Bestie von Gévaudan“ sei zurückgekehrt. Gerüchten zufolge soll Sue ein Verhältnis zu ihrem Lehrer Marcel Vendri begonnen haben. Doch der betrüge sie mit einer anderen Frau.

Sheila Conolly zeigt John Sues Brief. Darin bezeichnet sie Lupina als die Geliebte ihres Lehrers. Bei diesem Namen klingeln bei John sämtliche Alarmglocken, denn er hatte selbst mal einige Begegnungen mit Lupina. Sue schreibt, dass sie fürchte, beim nächsten Vollmond werde es wieder Tote geben. John erkennt, dass er sich beeilen muss. Jane Collins, seine Freundin, besteht darauf mitzukommen, ganz besonders, wenn es um Frauen geht, die ihrem John in mancherlei Hinsicht gefährlich werden könnten.

Die beiden nehmen Suko mit und fahren mit der Kanalfähre nach Calais. Auf der Überfahrt haben sie eine denkwürdige Begegnung mit Silva Vasely, die mit ihrem Wanderzirkus von Wölfen unterwegs nach Gravelines ist. John erschießt einen der vermeintlich zahmen Wölfe, was ihm leider keine Sympathiepunkte einbringt.

Unterdessen hat sich in Sue Rutledge genügend Zorn angestaut, dass er sich entladen muss. Als sie ihren Geliebten Marcel eine junge Frau in seine Wohnung führen sieht, kocht der Zorn über. Sie wird ihm gehörig die Leviten lesen! Doch der Besuch bei Marcel erweist sich als alles andere als ein Triumph. Denn die beiden Turteltäubchen enthüllen Sue ihre wahre Natur …

_Mein Eindruck_

Dies ist die erste Hälfte des Doppelhörspiels um das Wiederauftauchen von Lupina in Gestalt von Jovanka Vasely. Man muss schon ein klein wenig mitdenken, um die Sprünge in der Handlungsführung nachvollziehen zu können: Lupina steigt nämlich urplötzlich aus der Versenkung auf. Keiner sagt uns, woher sie kommt, aber es ist anzunehmen, dass Marcel Vendri Bescheid weiß.

Jovanka, die Jungwerwölfin, muss erst einmal ihre Kräfte messen – und siehe da, sie ist weitaus stärker als jeder Mann. Wer hätte das gedacht? Na, jeder von uns! Schließlich kennen wir uns seit dem Spielfilm „Der Pakt der Wölfe“ bestens mit Werwölfen aus. Denken wir zumindest, denn wie sich herausstellt, geht es im Film um alles andere als um Werwölfe. Die „Wölfe“ sind ein Geheimbund, der den Umsturz der Regierung betreibt. Und seine Mitglieder wissen auch erotische Mittel wirkungsvoll einzusetzen.

Tatsächlich verknüpft der Autor „Jason Dark“ ebenfalls weibliche Erotik mit dem Werwolfmotiv. Er wertet die weiblichen Werwölfe, die im Vordergrund stehen, zu einer Art verführerischer Amazonen plus Bestie auf. Eine machtvolle Kombination, der sich im Verlauf der Doppelhandlung nur sehr wenige Figuren entgegenstellen können. Diesmal sind die Frauen eindeutig die dominanten Figuren, was sogar auf Jane zutrifft.

Die Männer sieht man ständig irgendwo gefesselt, gefangen, besoffen oder dem Wahnsinn nahe durch die Handlung taumeln. Kein besonders erbaulicher Werdegang für unsere männlichen Helden. Mit einer einzigen Ausnahme: der Pfarrer. Nur der Mann Gottes weiß den bestialischen Hybridfrauen etwas todsicher Wirkendes entgegenzusetzen: seine Silberaxt. An ihn wendet sich Jane Collins im zweiten Teil – und wird in ihrer Erwartung, dass er ihr gegen die Bestien hilft, nicht enttäuscht.

Auch John Sinclair ist an sich ein Mann Gottes, als „Sohn des Lichts“, doch er hat es ungleich schwerer als der Pfarrer, den Werwölfen zu zeigen, wo der Hammer bzw. das Silberkreuz Hesekiels hängt.

_Die Inszenierung_

Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: Bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück machen Pigulla, Bierstedt, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

Übertriebene Ausdrucksweisen heben die Figuren in den Bereich von Games- und Comicfiguren. Das kann bei jugendlichen Hörern ein Vorteil sein. Die Figuren schreien wütend, fauchen hasserfüllt oder lachen hämisch. Den Dialog macht stellenweise der Einsatz von Stimmfiltern abwechslungsreicher, insbesondere beim Einsatz moderner Kommunikationsmittel wie etwa Funkgeräten oder Mobiltelefonen.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Diesmal herrschen die Geräusche vor, die man im Umfeld von Wäldern und Wölfen zu hören erwartet. Die Geräuschkulisse ist erstaunlich realistisch, wirkt aber nie überladen, sondern stets erscheinen die Geräusche als notwendig. Ein Markenzeichen der Serie sind Schüsse und Funkdurchsagen. Von beidem gibt es stets jede Menge. Und viel spritzendes Blut … Deshalb ist dieses Hörspiel erst ab 16 Jahren zu empfehlen.

|Musik|

Die Musik gibt ziemlich genau die vorherrschende Stimmung einer Szene wieder und leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem Orchester eingespielt, und so entsteht der Eindruck, die Begleitmusik zu einem alten Hollywood- oder British Horror Movie zu hören. Die Titelmelodie der Serie erschallt in Intro und Outro in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen, den ich sehr sympathisch fand.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Das Booklet|

… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher und die Macher. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 16 Jahren. Ausdrücklich steht „Hörspiel für Erwachsene“ auf dem Cover.

_Unterm Strich_

Das Erwachen Jovankas zur Werwölfin erinnerte mich an den Werdegang von Vampira, die ja achtmal die Hauptfigur in einer Lübbe’schen Hörspielserie war. Lupina, deren Herkunft nicht erklärt wird, ist ebenfalls eine Überfrau und wie Vampira dämonisiert bis zum Gehtnichtmehr. Sie ist die starke, verführerische Amazone, die die Männer reihenweise umhaut und, ähem, verschlingt. Dass sie auch ein Liebesleben haben könnte, wird allerdings nur dezent angedeutet. Als sich Marcels Geliebte Sue zwischen das inzestuöse Pärchen aus Brüderlein und Schwesterlein drängt, um alte Rechte anzumelden, zieht Sue leider den Kürzeren.

Johns Begegnung mit Silva Vasely und ihrem Wanderzirkus – aus Wölfen!? – deutet symbolisch bereits die sehr viel gefährlichere Begegnung mit den Werwölfen an, die John im 2. Teil haben wird. Allerdings sollte sich John ein wenig wundern, was diese Frau ausgerechnet mit Wölfen zu tun hat. Ihr Wanderzirkus dient nämlich nur der Tarnung. Für was, erfahrt ihr im 2. Teil.

Auch jungen Menschen ab 16 Jahren, die sich einfach nur für gruselige Audiokost interessieren, die gut gemacht ist, lässt sich das Hörspiel empfehlen. Es ist leicht verständlich, wirkungsvoll inszeniert und die Stimmen der Hollywoodstars vermitteln das richtige Kino-Feeling. Die Action kommt niemals zu kurz, was die Game-Freunde doch einigermaßen zufriedenstellen sollte. Nur: Auf das Ballern und Blutspritzen sollte man immer gefasst sein.

|47 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3782-8|
http://www.sinclairhoerspiele.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.wortart.de

_|Geisterjäger John Sinclair| auf |Buchwurm.info|:_

[„Der Anfang“ 1818 (Die Nacht des Hexers: SE01)
[„Der Pfähler“ 2019 (SE02)
[„John Sinclair – Die Comedy“ 3564
[„Im Nachtclub der Vampire“ 2078 (Folge 1)
[„Die Totenkopf-Insel“ 2048 (Folge 2)
[„Achterbahn ins Jenseits“ 2155 (Folge 3)
[„Damona, Dienerin des Satans“ 2460 (Folge 4)
[„Der Mörder mit dem Januskopf“ 2471 (Folge 5)
[„Schach mit dem Dämon“ 2534 (Folge 6)
[„Die Eisvampire“ 2108 (Folge 33)
[„Mr. Mondos Monster“ 2154 (Folge 34, Teil 1)
[„Königin der Wölfe“ 2953 (Folge 35, Teil 2)
[„Der Todesnebel“ 2858 (Folge 36)
[„Dr. Tods Horror-Insel“ 4000 (Folge 37)
[„Im Land des Vampirs“ 4021 (Folge 38)
[„Schreie in der Horror-Gruft“ 4435 (Folge 39)
[„Mein Todesurteil“ 4455 (Folge 40)
[„Die Schöne aus dem Totenreich“ 4516 (Folge 41)
[„Blutiger Halloween“ 4478 (Folge 42)
[„Ich flog in die Todeswolke“ 5008 (Folge 43)
[„Das Elixier des Teufels“ 5092 (Folge 44)
[„Die Teufelsuhr“ 5187 (Folge 45)
[„Myxins Entführung“ 5234 (Folge 46)
[„John Sinclair: Remastered-Box 1“ 5656
[„Die Rückkehr des schwarzen Tods“ 3473 (Buch)

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Durst! (Offenbarung 23, Folge 15)

_In Berliner Unterwelten: Ausbeuter und Vampire_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Warum trug der 1998 verstorbene Berliner Hacker Tron ein Schmuckstück in Form eines „Wassermanns“, wo er selbst doch im Sternzeichen der Zwillinge geboren war? Hat das etwas mit seiner einstigen Expedition in die Berliner Unterwelten zu tun – mit den Resten der vergangenen Stadt „Germania“? Was der Student Georg Brand bei seiner Spurensuche dort unten entdeckt, lässt ihm das Blut in den Adern gefrieren. Und macht ihn zum Spielball mächtiger Industrieunternehmen, die das wichtigste Lebensmittel der Welt unter ihre Kontrolle bringen wollen: Wasser …

_Der Autor_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

1. Staffel von „Offenbarung 23“:
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

2. Staffel:
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

3. Staffel:
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

4. Staffel:
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) [Das Bernsteinzimmer 3887
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“, und klingt wie Kirsten Dunst, Kate Beckinsale oder Natalie Portman.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex‘ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. oder Adam Sandler.
Wille Behm: Klaus-Dieter Klebsch klingt nach Alec Baldwin oder Gabriel Byrne.
Sigi Marggraf: Norman Matt klingt wie Cillian Murphy oder Jonathan Rhys-Meyers.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney.
Benjamin Völz spricht Tron alias Boris F. und klingt wie Keanu Reeves oder James Spader.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und klingt wie David Niven.
Helmut Krauss ist der Erzähler und hört sich verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson an.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo ihrem Freund Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Der PROLOG versetzt uns in eine allseits bekannte Vampirszenerie. Der Obervampir begrüßt seine „Kinder der Nacht“ und bittet sie, den edlen „roten Trank“ zu genießen, von dem wir bereits ahnen, um was es sich handelt. Der Obermacker begrüßt sodann die Abgesandten des wahren Herrschers der Welt, wer auch immer das sein mag. Schließlich eröffnet er den „danse noir“. Das Fest kann beginnen. Insgeheim jedoch schickt er seinen „Ritter“ Marggraf aus, um das prophezeite „Kind des großen Nichts“ zu schützen …

Die Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff berichtet, dass der Rohstoff Wasser immer wertvoller wird und der Bedarf der Menschheit pro Jahr um 2 bis 3 Prozent steige. Berechnungen hätten ergeben, dass im Jahr 2025 ein Drittel der Menschheit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser mehr hätte.

Georg Brand ist immer noch bei seiner Freundin Nolo und futtert ihre schmackhaften Spaghetti. Er wusste bislang nicht, dass man Basilikum als Aufputschmittel verwenden kann. Als er sich in den Finger schneidet, lutscht sie das Blut genüsslich ab, so dass er auf dumme Gedanken kommt. Ist Nolo eine Kräuterhexe oder gar ein Vampir?

Als er sie nach der Herkunft ihres Bernsteinanhängers fragt, antwortet sie, Tron, ihr Ex, habe ihn vom „Verein Berliner Unterwelten“ bekommen, d. h. er fand ihn auf einer der geführten Exkursionen, die der Verein anbietet, und zwar in einem alten Bunker. Berlin ist übersät mit Bunkern aus dem letzten Weltkrieg. Georg ist fasziniert von der Idee, seinem Vorbild nachzueifern und schlägt eine solche Exkursion vor. Nolo stimmt zu. Sie ist ebenfalls neugierig, was es in der Tiefe zu finden gibt.

Als im Museum des Vereins ihr Führer Wille Behm auftaucht, können sie endlich losmarschieren. Die U-Bahn rumpelt unweit durch die Tunnel, und auch das alte „Germania“, Hitlers geplante Welthauptstadt, ist in Resten zu besichtigen. Wie sich herausstellt, kannte Behm auch Tron und erzählt, dass sich der Hacker Sorgen machte wegen der Privatisierung der Berliner Wasserwerke, die kurz nach seinem Tod im Jahr 1999 erfolgte. Seitdem seien die Wasserpreise um rund 30 Prozent gestiegen, berichtet Behm. Steht dies in Zusammenhang mit dem Wassermann-Zeichen auf Nolos Bernsteinmedaillon? Denn Trons eigenes Sternzeichen waren die Zwillinge.

Die Führung endet in Raum Nr. 23. Sofort denkt Georg an den gleichnamigen Film über den Hacker Karl Koch. Ein Omen? Das Licht geht aus! Behm und Nolo verschwinden! Ein grünlich phosphoreszierendes Licht erscheint und jagt Georg Angst ein. In diesem Licht sieht Behm aus wie ein Vampir. Dann rennt Georg auf das Licht zu – und voll in eine Mauer. Jetzt wird’s wirklich zappenduster …

_Mein Eindruck_

Die Unterwelt ist nur ein thematischer Ausgangspunkt für die beiden Hauptthemen, die daran angeknüpft werden, aber zugegebenermaßen ein spannender und unheimlicher. Daher passt er zum Thema, das bereits im Prolog angeschnitten wird: Vampirismus. Die Frage ist natürlich: Gibt es wirklich Vampire, und wenn ja, worin besteht dann ihr Vampirismus? Glauben die Leute wie der Obervampir und sein Abgesandter Marggraf nur, dass sie Vampire sind, und sind in Wahrheit etwas anderes, nämlich Opfer einer Krankheit? All dies wird im Verlauf der verschlungenen weiteren Handlung erörtert und zu einem gewissen Grad aufgeklärt.

Das zweite Hauptthema hat Wille Behm bereits angesprochen: Wasser. Es wird immer teurer. Aber warum nur – fällt es doch fast jeden Tag kostenlos vom Himmel. Doch Tron hat die Zeichen der Zeit erkannt: Die Privatisierung der Wasserwerke in London und Berlin hat den Wasserpreis in die Höhe getrieben. Und was das Perfide daran ist: Die Verluste, welche die neuen Eigentümer der Wasserwerke bei der Instandhaltung des Netzes angeblich machen, müssen aus dem Säckel des Steuerzahlers ausgeglichen werden. Dabei streichen die Eigentümer eine Rendite von 8 Prozent im Jahr ein. Unsereins zahlt also zweimal: erstens fürs kostbare Nass und zweitens für die Verteiler desselben. Wir bescheißen uns also selbst. Das ist eine der interessantesten Aussagen der gesamten Serie und wirklich einer Recherche wert.

Auf praktisch jeder Flasche Mineralwasser steht, dass dieses Wasser „enteisent“ wurde. Der Grund, so erfährt Georg vom Reporter Sickmann, ist der angeblich schlechte Geschmack des Eisens, aber vor allem dessen rötliche Farbe. Diese Farbe erinnert nicht von ungefähr an menschliches Blut, denn erst durch den Eisengehalt in den Blutkörperchen, dem Hämoglobin, werden diese rot gefärbt. Das Hämoglobin ist für den Sauerstofftransport im Blut verantwortlich.

Was aber passiert bei Anämie? Bei den davon betroffenen Kranken mangelt es am Hämoglobin und sie sehen bleich aus – wie Vampire. Durch Zufuhr gesunden Blutes könnte dieser Mangel ausgeglichen werden, glauben Mediziner und „Vampire“. Siehe dazu den PROLOG. Dass Vampire Bluttrinker sind, hängt einfach nur mit ihrer Anämie zusammen. Doch woher rührt die Anämie, will Georg wissen. Tja, teils von der Stoffwechselkrankheit Porphyrie, die von Bleivergiftung herrührt, Blei, wie es früher in alten Wasserleitungen verwendet wurde und zu Hämoglobinmangel führte. Aber warum nicht auch von der Enteisenung des Wassers, antwortet Sickmann, denn die Wirkung ist die gleiche.

Fazit: Das Wasser, das uns die Wasserkonzerne wie RWE noch zukommen lassen, ist so enteisent, dass es uns zu „Vampiren“ macht. Und der daraus resultierende Sauerstoffmangel macht uns dumm. Was den Mächtigen der Welt vielleicht nicht unrecht ist, um uns besser beherrschen und lenken zu können. Und Dumme kaufen jede Menge Sachen, die sie nicht brauchen, und glauben Dinge, die barer Unsinn sind. Bereits anderthalb Menschen leiden an Eisenmangel, behauptet Wille Behm. Und es werden täglich mehr. Warum und wozu? Georg will es herausfinden.

Und wer nun wissen möchte, wo die gute Nolo abgeblieben ist, muss das Hörspiel schon selbst anhören.

_Unterm Strich_

Das 74 Minuten lange Hörspiel hat mich auf weite Strecken recht gut unterhalten und informiert, und ich fand die Lösung auf das Rätsel der Vampire nicht nur interessant, sondern sogar einleuchtend. Da könnte man glatt Verfolgungswahn bekommen. Und ich höre schon den Slogan der Serie im Ohr: „Es ist alles wahr!“ Diesmal gibt es sogar so etwas wie Action und Horror. Man bleibt aber doch ziemlich auf dem Teppich und steigt nicht in Horrormythen ein, wie es die |Lübbe-Audio|-Serie „Vampira“ tun darf.

|74 Minuten auf 1 CD|
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Fünf Freunde und das Rätsel um den Stromausfall (Folge 132)

Die Handlung:

Stromausfall in Kirrin! Durch clevere Notlösungen können die Bewohner des Felsenhauses das größte Chaos verhindern. Da heißt es, Saboteure seien am Werk gewesen, und die Fünf Freunde machen einen alarmierenden Fund, der das bestätigt. Gemeinsam mit Jenny, einer Mitschülerin von George, folgen sie einer Spur von rätselhaften Hinweisen und bringen Licht in ein dunkles Geheimnis. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Als ich den Klappentext gelesen habe, hab ich erst mal gestutzt … „Mitschülerin“? Die gehen zur Schule? Tja, das vergisst man schnell, weil sie ja gefühlt nie dort sind. Wobei, auch die DREI ??? gehen noch zur Schule und deren Abenteuer starten/enden/bewegen sich auch nie dort.

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Perry Rhodan NEO – Die Bestien (Folgen 191-199)

Worum gehts in der Staffel?

Das Jahr 2058: Gegen ihren Willen wurde die Menschheit in einen Konflikt hineingezogen, der seit langer Zeit zwischen den Sternen tobt. Mit ihren wenigen Raumschiffen hat sie keine Chance gegen die Truppen der geheimnisvollen Allianz. Nur dank ihres Ideenreichtums konnten Perry Rhodan und seine Gefährten bisher der Übermacht standhalten.
Die gefährlichsten Soldaten des Gegners sind die sogenannten Bestien: lebendige Kampfmaschinen, die kaum zu besiegen sind. Will Perry Rhodan sie zurückschlagen, muss er in die Galaxis Andromeda reisen – nur dort findet er die nötigen Mittel. Doch die Reise in die ferne Sterneninsel ist von höchstem Risiko … (Verlagsinfo)

NEO 191 – Pilgerzug der Posbis (Oliver Plaschka)

Im Jahr 2036 entdeckt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff. Damit öffnet er den Weg zu den Sternen – ein Abenteuer, das der Menschheit kosmische Wunder offenbart, sie aber auch häufig in höchste Gefahr bringt.
2058 sind die Menschen nach schwerer Zeit mit dem Wiederaufbau ihrer Heimat beschäftigt und finden immer mehr zu einer Gemeinschaft zusammen. Nur vereint können sie den Bedrohungen aus den Tiefen des Alls trotzen.

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Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Bernsteinzimmer, Das (Offenbarung 23, Folge 14)

_Das Geheimnis der Sonnensteine_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Es gilt als das achte Weltwunder, das Bernsteinzimmer, das einst im Jahre 1716 vom preußischen König Friedrich Wilhelm I. an den russischen Zaren Peter den Großen verschenkt wurde. In den Wirren des 2. Weltkriegs verschwand es. Seitdem läuft eine abenteuerliche und groteske Schatzsuche nach dem wertvollsten Kunstwerk der Menschheit. Längst ist das Zimmer rekonstruiert, doch die Suche nach dem Original geht weiter. Georg Brand macht sich auf den Weg nach Königsberg, um die Frage zu beantworten, was wirklich hinter dem Mythos der legendären „Brennsteine“ der Alten steckt.

_Der Autor_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

1. Staffel von „Offenbarung 23“:
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

2. Staffel:
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

3. Staffel:
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

4. Staffel:
13) [Das Wissen der Menschheit 3885
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“, und klingt wie Kirsten Dunst („Spider-Man“), Kate Beckinsale oder Natalie Portman.
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex‘ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Lutz Mackensy spricht Saint Clair und klingt nach Al Pacino, Stanley Tucci oder Jonathan Price.
Björn Schalla spricht Gennadi A. Solnzekow und klingt nach Sean William Scott.
Detlef Bierstedt spricht den Reporter Kai Sickmann und klingt wie George Clooney.
Benjamin Völz spricht Tron alias Boris F. und klingt wie Keanu Reeves oder James Spader.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und klingt wie David Niven oder Vincent Price.
Helmut Krauss ist der Erzähler und hört sich verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson an.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“ und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Nach ihrem Erlebnis in Schottland finden Georg Brand und sein Kumpel Kim Schmittke auch im heimatlichen Berlin die Spur von Rittern, seien sie nun vom Templerorden wie in Schottland oder vom Orden der Deutschritter. In Ortsbezeichnungen wie Tempelhof und Kreuzberg sind noch ihre Spuren bis heute abzulesen. Es gebe sogar einen Templerverein in Berlin, der echte Rüstungen trage, weiß Kim. Doch als ein paar Finsterlinge Georg direkt am Flugfeld packen und in Gewahrsam nehmen, ist Schluss mit lustig!

Die Nachrichtensprecherin Dagmar Berghoff berichtet am 31. Mai 2003 von der Eröffnung des rekonstruierten Bernsteinzimmers, das der Öffentlichkeit übergeben wird. Es entstand Anfang des 18. Jahrhunderts in der alten Hauptstadt Preußens, Königsberg, und wurde 1716 vom König Friedrich Wilhelm I. dem russischen Zaren Peter dem Großen zum Geschenk gemacht. Im Austausch bekam der Preußenkönig 55 „Lange Kerls“ aus St. Petersburg. Da das Bernsteinzimmer in den Bombennächten des 2. Weltkriegs verschwand, fragt sich die Fachwelt, wo sich das bedeutendste Kunstwerk Mitteleuropas heute befindet.

Ein Mann namens Gennadi A. Solnzekow (abgekürzt G.A.S.) begrüßt den wieder befreiten Georg und bezeichnet sich als Angehörigen des russischen Geheimdienstes GRU und Leutnant der Roten Armee. Sie befinden sich zur Georgs Überraschung mitten im rekonstruierten Bernsteinzimmer. Der herrliche rötliche Glanz der Bernsteinmosaiken führt Georg vor Augen, um was es Solnzekow geht. Georg soll für ihn das echte Bernsteinzimmer finden. Aber wo? Natürlich in Königsberg, wo sonst?

In dem heutigen Kaliningrad, einer russischen Exklave zwischen Polen und Litauen, steigt Georg aus dem Zug. Den Fahrschein hat er bei Trons Exfreundin Tatjana Junk gelöst, die ihm eine weitere Tron-Chiffre zeigte: einen Bernstein-Anhänger mit dem Zeichen des Wassermanns. Georg schaut sich auf dem Bahnhofsvorplatz um, und wer läuft ihm über den Weg? Natürlich St. Clair, der schottische Tempelritter, der Hüter des Wissens der Menschheit. Er nennt Georg halb im Scherz, halb im Ernst „Hermes Trismegistos“. Und Georg erinnert sich an seine bemerkenswerte Show als Hermes in Roslyn Castle.

St. Clair betätigt sich mal wieder als Führer durch die Vergangenheit. Das Königsberger Schloss wurde zwar von den Sowjets 1967 gesprengt, aber ein Turm, der dem Donnergott der Germanen (Donar) gewidmet ist, steht immer noch. Darin zeigt eine Ausstellung wertvolle Juwelen, darunter auch Bernsteine. An der ganzen Ostseeküste wurden diese edlen Steine gefunden, und da der Orden der Deutschritter, der in Königsberg seinen Sitz hatte, das Monopol auf das „Gold der Ostsee“ hatte, wurde er sehr reich. Aus dem Orden gingen die Preußen und daraus wiederum das Deutsche Reich hervor. Das Monopol endete erst 1945.

Aber wo ist denn nun das verschwundene Bernsteinzimmer, will Georg wissen. St. Clair kann ihm nur raten, wieder in Berlin zu suchen. Die Spur führt zu Tatjana und Leutnant Solnzekow zurück, die eine ganz besondere Beziehung verbindet …

_Mein Eindruck_

Auch diese Episode versucht ein wenig Licht auf ein Geheimnis der Menschheit zu werfen, doch zunächst kommt uns das Bernsteinzimmer vielleicht ein wenig zu banal dafür vor. Was soll so besonders an versteinertem Harz sein? Doch offenbar handelt es sich erstens um eine einst ziemlich wertvolle Währung, zweitens wurden die „Sonnensteine“ mit mystischen Kräften ausgestattet und entsprechend verehrt. Drittens hat Bernstein auch noch medizinische Eigenschaften, wenn man ihn erhitzt – es entsteht Kolophonium.

Doch die Offenbarungs-Serie begnügt sich meist nicht mit diesem Niveau von schulgemäßer Aufklärung, denn die Drahtzieher der Geschehnisse um Georg, wie etwa St. Clair, haben für ihn eine besondere Rolle vorgesehen. Die Bühne für diese Rolle ist nichts Geringeres als die Weltpolitik. Wer das nicht glaubt, solle das Hörspiel „Machiavelli“ anhören, das außerhalb der Serie steht. Was aber hat dann das Bernsteinzimmer mit Weltpolitik zu tun? Die Antwort liegt bei den Russen. Schließlich wird Georg von einem angeblichen Russen auf die Suche geschickt. Was Georg findet bzw. von den Russen erzählt bekommt, ergibt jedoch nur weitere Widersprüche.

Wenn die Russen nicht wollen, dass das deutsche Nationalgefühl, das sich angeblich im Bernsteinzimmer manifestiert (siehe Preußen und Deutsches Reich), wieder erwacht, warum übergaben sie dann anno 2003 eine Kopie des Kunstwerks an die Deutschen? Man könnte verstehen, wenn sie das Original zurückhalten. Wollen sie die Deutschen verspotten?

Aber dann wird angedeutet, dass es sich bei der Kopie vielleicht doch um das verloren geglaubte Original handeln könnte, nach dem Poe’schen Prinzip, dass man etwas Gesuchtes am besten dort versteckt, wo es jeder sehen kann (vgl. Poes „The purloined letter“). Jeder Besucher der Ausstellung denkt also, es handle sich nur um eine Kopie, doch es ist in Wahrheit das Original. Und da dessen Pflege und Wartung (Steine sind zu ersetzen) teuer ist, haben sich die Russen sowohl einen Kostenfaktor vom Hals geschafft als auch einen politischen Gegner verspottet. Und angeblich einen Krieg verhindert.

Das klingt ja ganz nett, aber höchst unglaubwürdig. Ungefähr so wie die Theorie, die „Titanic“ sei versenkt worden, um die Versicherung zu kassieren. Aber immerhin lernt der Hörer etwas über den GRU, der fünfmal so groß wie der KGB sein soll und offenbar alle wirklich wichtigen Vorgänge in Russland steuert. Außerdem gibt’s mal wieder Geschichtsunterricht.

Diese Episode greift das Motiv des Wassermanns wieder auf, das im Tarot-Orakel Saint Clairs auf Roslyn Castle auftauchte und für Georg Brand besondere Bedeutung hat. Der Wassermann scheint in Nolos Bernstein-Anhänger eingraviert zu sein. Dass Nolo für Georg eine besondere Bedeutung hat, dürfte mittlerweile hinlänglich bekannt sein. Dass sie aber aus Samarkand stammt, der Stadt der Scheherazade, war mir neu und überraschte mich.

Natürlich sind wir jetzt rasend neugierig darauf zu erfahren, wer Nolos Adoptiveltern waren und wie es ihr gelang, von Samarkand nach Berlin zu gelangen, wo sie nun mit Georg Spaghetti kocht.

_Unterm Strich_

Das 70 Minuten lange Hörspiel hat mich auf weite Strecken relativ gut unterhalten, bis auf die ewigen Geschichtsstunden mit Saint Clair. Lustig fand ich ja, dass die Initialen des Leutnant Solnzekow das Wort G.A.S. ergeben. Das hat doch sicher etwas zu bedeuten, oder?! Oder nicht?

Es ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt trivialen Handlung etwas Filmglamour. Die Episode endet mit einer relativ romantischen Szene, die aber dann doch eine faustdicke Pointe bereithält. Also nicht vorzeitig abschalten!

|70 Minuten auf 1 CD|
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David Baldacci – Das Versprechen (Lesung)

Nach einem schweren Autounfall verlieren die 12-jährige Lou und der siebenjährige Oz ihren Vater, während ihre Mutter für immer im Koma zu liegen scheint. Sie müssen von der Großstadt nach Virginia in die Berge ziehen, wo sie bei ihrer Urgroßmutter leben können. Doch auch dort ist das Leben keineswegs einfach und sicher. Die Bergbaugesellschaft will die Familie von ihrem angestammten Land vertreiben. Nur das Gewinnen eines Prozesses könnte die Rettung bringen.

_Der Autor_

David Baldacci ist der Verfasser u. a. von „Der Präsident“, das Clint Eastwood unter dem Titel „Absolute Power“ verfilmt hat. Der frühere Strafverteidiger und Wirtschaftsjurist lebt in Virginia, USA.

Weitere Baldacci-Hörfassungen bei Lübbe: „Das Labyrinth“, „Der Abgrund“, „Die Versuchung“, „Die Verschwörung“ und „Die Wahrheit“, „Im Bruchteil der Sekunde“ (September 2004).

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla, die deutsche Stimme von Akte-X-Star Gillian Anderson („Scully“), hat u. a. mit Joachim Kerzel Ken Folletts Hörbuch „Die Leopardin“ gesprochen. Ihre Tonaufnahme ist von erstaunlicher Präsenz und sehr klar. Sie verfügt über ein beeindruckendes Gespür für Dramatik: Ganz gleich, ob sie sanft und weich Liebeserklärungen haucht, mit knurrendem Grollen droht oder mit größter Lautstärke Befehle oder Flüche brüllt – stets kommt sie völlig glaubwürdig und lebendig herüber.

_Handlung_

Die junge Lou Cardinal glaubt nicht mehr an Wunder, seit sie ihren Vater Jack bei einem Autounfall verloren hat und ihre Mutter Amanda nach Wochen noch immer im Wachkoma liegt. Auf der Farm ihrer Urgroßmutter Louisa May Cardinal in den Bergen von Virginia finden sie und ihr jüngerer Bruder Oz ein neues Zuhause. Hier, in der Einsamkeit des Appalachen-Gebirges, lernen die Geschwister, was es heißt, um sein Glück zu kämpfen – und die Hoffnung nie aufzugeben.

Die beiden Stadtkinder aus New York City müssen erst einmal lernen, ohne Strom, Innenklo und fließendes Wasser im Haus auszukommen: Louisa Mays Bauernhof ist technisch auf dem Stand des 19. Jahrhunderts. Immerhin hilft ihn ein Farbiger namens Eugene, und mit dem Nachbarsjungen Jimmy „Diamond“ Skinner können sie spielen und die Gegend erforschen. Dies ist das Land, in dem ihr Vater aufwuchs, bevor er in die Stadt ging. Skinner zeigt ihnen den schönsten Wasserfall der Welt.

Cotton Longfellow ist Oma Louisas Anwalt, allerdings lebt er in Dickens, der Stadt unten im Tal. Während die beiden Kinder dort in die Einheitsschule gehen müssen, kümmert er sich um die geistig abwesende, aber sonst gesunde Mutter der Kinder, Amanda Cardinal: Er liest ihr Bücher vor. Als die Kinder der Einheimischen Oz verprügeln wollen, verhaut Lou deren Anführer, einen Jungen namens Billy Davis. Doch Davis kann nichts dafür, dass er so aggressiv ist, denn sein Vater George, Louisas Nachbar, lässt seine ganze Großfamilie lieber hungern als mal von seiner Arbeit abzulassen.

Eines Abends stoßen Lou, Oz und Diamond auf George Davis‘ Schwarzbrennerei. Sie folgen einem Schwarzbären, der die Destille zerstört. Davis schießt mit seinem Gewehr auf die Kinder, beschwert sich dann sogar noch bei Louisa May über die Lausebengel und verlangt eine Entschädigung. Nur Diamond zahlt: einen alten Silberdollar. Wie sich zeigt, wird Davis sich rächen, indem er Louisa von ihrem Land vertreibt.

Als ein Vertreter und ein Landvermesser von der Kohlenbergbaugesellschaft Southern Valley bei Louisa auftauchen und ihr dieser Mr. Hugh Miller eine Menge Geld für ihr Land bietet, lehnt Louisa May natürlich ab. Sie will ihr Land an die Kinder und Eugene vererben. Durch ihre Weigerung blockiert sie den Landverkauf anderer Bauern und handelt sich damit erhebliche Antipathie ein, die auch Longfellow zu spüren bekommt.

Doch die Minenleute haben sich heimlich in Louisas Mine geschlichen und sind dort auf ein Erdgasvorkommen gestoßen, das sie ausbeuten wollen. Als Tage später Eugene mit den drei Kindern Kohle für den Eigenbedarf holen will, kommt es zu einer Explosion, weil sich das austretende Gas entzündet: Diamond stirbt und Eugene kommt nur knapp mit dem leben davon. Ein klarer Fall von fahrlässiger Tötung, doch man hält es zunächst nur für einen tragischen Unfall.

Wenige Tage später steht die Scheune, in der die Wintervorräte lagern, durch Brandstiftung in Flammen, und die 80-jährige Louisa erleidet einen Schlaganfall. Nun wird die Lage kritisch: Sollte sie sterben, stünden die Kinder ohne Vormund da, und da ihre Mutter keinen Anspruch auf das Land erheben kann, würden sie es verlieren. Diese Chance sehen auch Davis und die Bergbaugesellschaft haarscharf: Sie lassen die Cardinals auf Herausgabe des Landes verklagen.

Werden Lou und Oz ihre neue Heimat verlieren? Oder ist Longfellow wirklich ein so guter Anwalt, wie er immer behauptete? Und dann geschieht doch noch ein Wunder.

_Mein Eindruck_

David Baldacci kombiniert die Schilderung des ursprünglichen Landlebens mit einer juristischen Krise, die vor Gericht entschieden wird. Daher könnte dieses Buch als direkter Konkurrent zu John Grishams „Die Farm“ betrachtet werden.

In der gekürzten Fassung des Hörbuchs wird das Schwergewicht stark auf die Spannung im zentralen Handlungsverlauf gelegt, so dass das Zuhören praktisch nie langweilig wird. Ständig passiert etwas: Sei es ein Geburtstag oder die Weihnachtsfeier, seien es Naturerlebnisse oder eben die erwähnten Katastrophen: Scheunenbrand, Minenexplosion usw. Aber auch der deprimierende Besuch bei der Davis-Familie gehören dazu, bei der sich Oma Louisa erst als Geburtshelferin engagiert, nur um sodann von George Davis mit dem Gewehr bedroht zu werden.

All diese kleinen Dramen bettet Baldacci in die große Umwälzung während des 2. Weltkrieges ein, zu der ein Großteil der Handlung spielt. Virginia ist zwar ein reicher Staat, aber die Companies haben ihn systematisch ausgebeutet und nichts zurückgelassen außer Armut: Wild, Erz, Wald, Kohle, Gas – alles weg. Und die Companies haben die Regierung stets auf ihrer Seite. Immer gibt es einen korrupten Beamten im Apparat, der sich für deren Belange hergibt. Im Falle der Cardinals ist es deren Landenteignung.

Die verschwundene und verschwindende Kultur der Landbevölkerung bewahrt ausschließlich das Schreiben vor dem Vergessen. Erst schrieb Lous Vater Jack über seine Heimat, dann beginnt Lou selbst mit der Schriftstellerei. Wie wir am Schluss erfahren, verewigt sie das Land in 15 Romanen. In dieser Hinsicht hat Baldacci in ihrer Nachfolge geschrieben: einen Heimatroman im besten Sinne, wie ihn im 19. Jahrhundert auch deutsche Autoren wie Stifter, Raabe und Fontane schrieben.

_Die Sprecherin_

Franziska Pigulla spricht die verschiedenen Rollen mit großer Anteilnahme und emotionalem Einsatz. Kein Wunder, denn es ist eine sehr schöne und spannende Geschichte. Besondere Wärme lässt sie den Stimmen der Geschwister und der Urgroßmutter zukommen. Die meisten Männer außer Longfellow kommen weniger gut weg. Eugene Randall, der Farbige, hat eine besonders markante Stimme erhalten: Er spricht ziemlich langsam.

Die Spezialeffekte sind in dieser frühen Hörbuchproduktion von 2001 noch recht einfach. Des Öfteren ist die Stimme der Sprecherin mit Hall unterlegt. Dies soll signalisieren, dass man ihre Gedanken oder Erinnerungen hört. Nun ja: Der Effekt ist nicht sonderlich geglückt und wirkt aufgesetzt. Heute würde man bessere Filter einsetzen.

_Unterm Strich_

Mit Recht fragt sich der Leser, ob dieses Buch einen Thriller darstellt oder so eine Art Heimatschnulze ist. Eine Schnulze à la „Heidi“ von Johanna Spyri – Stadtkind kommt auf die Alm – ist „Das Versprechen“ schon mal gar nicht, obwohl auch die schönen Stunden nicht verschwiegen werden.

Einen Thriller könnte man das Buch durchaus nennen, selbst wenn die handelsüblichen Zutaten wie etwa Serienkiller und Privatdetektive fehlen. Dennoch entpuppt sich George Davis indirekt als Mörder, denn er hat mit seiner Brandstiftung das spätere Ableben Louisas in Kauf genommen. Und die Bergbaugesellschaft ist für Diamond Skinners Tod direkt durch fahrlässige Tötung verantwortlich. Dass all dies abgestritten und vertuscht werden soll, dürfte nicht überraschen. Aber auch die Landenteignung ist ein krimineller Plan, der möglicherweise erst durch eine Gerichtsverhandlung vereitelt werden kann.

Durch die verdichtete Handlung der Hörbuchfassung kommen diese Spannungselemente verstärkt zum Tragen und sorgen für kurzweiliges Hörvergnügen. Franziska Pigulla trägt die Sprechrollen ausgezeichnet vor, so dass ein Gefühl wie bei Filmszenen aufkommt. Beschreibender Text wird aus Lous Perspektive eingefügt, so dass der größere Zusammenhang alle Elemente zu einem Ganzen verbindet. Am Schluss hat man das Gefühl, eine komplette Lebens- und Landesgeschichte gehört zu haben. Ein Epilog bindet die Fäden der Story so ab, dass kaum Fragen offen bleiben.

Verschiedene Szenen des Buches sind nicht für Kinder unter 12 Jahren geeignet. Umfang: 335 Minuten auf 5 CDs

_Michael Matzer_ © 2003ff

Offenbarung 23 – 9-11 (Folge 29)

Zwielichtig: Wer sprengte das WTC-Gebäude Nr. 7?

Die Anschläge auf das aus insgesamt sieben Gebäuden bestehende New Yorker World-Trade-Center haben die Welt verändert. Zwei Türme stürzen ein. Vier Flugzeuge sollen an diesem verhängnisvollen Tag insgesamt zum Absturz gebracht worden sein. Doch – was war es wirklich, das die Welt mit so dramatischen Bildern für immer erschütterte? Ein Terroranschlag? Eine fatale Inszenierung?

Offenbarung 23 – 9-11 (Folge 29) weiterlesen

Gaspard, Jan / Lueg, Lars Peter / Sieper, Marc – Wissen der Menschheit, Das (Offenbarung 23, Folge 13)

_Mit dem Dudelsack zum Hermes-Gott_

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätselt wird gelöst.

Die Melodie eines Dudelsackpfeifers – wurde sie tatsächlich vom Berliner Hacker Tron in einer Datei verewigt? Und wozu ist diese seltsame Melodie eigentlich bestimmt? Die Spur führt nach Schottland, zur berühmten Roslyn-Kapelle, der alten Kirche der Tempelritter, welche die Familie Saint Clair erbaute. Doch welche Offenbarungen und Gefahren warten hier auf den Studenten Georg Brand, der doch nur das Rätsel um Trons Tod lösen will?

_Der Autor_

Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse – das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer’s glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für „Idee, Konzeption, Recherche & Buch“ verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von |LPL records|. Für den „heiligen Geist“ in Form von „Inspiration“ sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren – das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen.

Mehr Infos auf http://www.offenbarung-23.de.

1. Staffel von „Offenbarung 23“:
1) [„Wer erschoss Tupac?“ 1934
2) [„Tupacs Geheimnis“ 1948
3) [„Die ‚Titanic‘ darf nie ankommen“ 2012
4) [„Die Krebs-Macher“ 2015

Einschub: [„Offenbarung 23 – Machiavelli“ 2472

2. Staffel:
5) [„Das Handy-Komplott“ 2576
6) [„Der Fußball-Gott“ 2577
7) [„Stonehenge“ 2590
8) [„Macht!“ 2591

3. Staffel:
9) [„Gier!“ 3104
10) [„Die traurige Prinzessin“ 3113
11) [„Die Hindenburg“ 3131
12) [„Der Piratenschatz“ 3136

4. Staffel:
13) Das Wissen der Menschheit
14) Durst!
15) Das Bernsteinzimmer
16) Krauts und Rüben

Mehr Infos: http://www.offenbarung23.de und http://www.vertraue-niemandem.net

_Die Sprecher / Die Inszenierung_

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause |LPL records| kennt. Als da wären:

David Nathan spricht die Hauptfigur Georg Brand alias T-Rex und klingt wie Johnny Depp.
Marie Bierstedt spricht Tatjana Junk alias Nolo, die Freundin von „Tron“, und klingt wie Kirsten Dunst („Spider-Man“), Kate Beckinsale oder Natalie Portman .
Dagmar Berghoff spricht eine Nachrichtensprecherin und klingt wie Dagmar Berghoff (logo!).
Dietmar Wunder spricht T-Rex’ besten Kumpel Kim Schmittke und klingt wie Cuba Gooding jr. bzw. Adam Sandler.
Lutz Mackensy spricht Saint Clair und klingt nach Al Pacino, Stanley Tucci oder Jonathan Price
Benjamin Völz spricht Tron alias Boris F. und klingt wie Keanu Reeves oder James Spader.
Friedrich Schoenfelder spricht die „Stimme der Wahrheit“ und klingt wie David Niven oder Vincent Price.
Helmut Krauss ist der Erzähler und hört sich verdächtig nach Marlon Brando oder Samuel L. Jackson an.

_Vorgeschichte_

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als „T-Rex“ bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias „Tron“, und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine „Chiffre“ nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat – brisanter Stoff sozusagen.

_Handlung_

Georg Brands Kumpel Kim Schmittke bringt ein neues Fundstück des Hackers Tron alias Boris F. mit, der im Jahr 1998 unter mysteriösen Umständen starb. Bei dem Fundstück handelt es sich um eine Melodie, die auf einem Dudelsack gespielt wird. Es fand sich auf einer Website über Roslyn Chapel, die alte Templer- und Freimaurerkirche in Schottland. Sie soll irgendetwas mit dem Heiligen Gral zu tun haben (wie man u. a. aus Dan Browns Roman [„Sakrileg“ 1897 weiß). Georg und Kim beschließen hinzufliegen.

In einer Nachrichtensendung berichtet Dagmar Berghoff von der Plünderung des irakischen Nationalmuseums im Jahr 2003. Dabei wurden nicht nur Ausstellungsstücke, sondern auch der Katalog mitgenommen, denn offenbar waren hier Profis am Werk. Aber die US Army guckte bloß zu. Was hat aber dies mit Roslyn Chapel zu tun?

Georg und Kim werden Zeuge eines Gottesdienstes in Roslyn Chapel, aber danach kommt keiner der Teilnehmer heraus. Wohin sind sie verschwunden? Sie gehen hinein und Kim beginnt, in der leeren Kirche das Tron-Stück auf seiner Sackpfeife zu spielen. Das ruft einen alten Bekannten Georgs auf den Plan: Saint Clair, den er schon in Stonehenge kennen lernte.

Saint Clair führte sie aufs nahe Schloss seiner Vorfahren, die allesamt dem Templerorden angehörten. Roslyn Castle stammt aus dem 14. Jahrhundert und wurde offenbart nach der Zerschlagung des Ordens durch den Papst und den französischen König erbaut. Das Skriptorium beherbergt die uralte Bibliothek, von der St. Clair behauptet, diese bewahre das alte Wissen der Menschheit, zum Beispiel die Herkunft der Mathematik aus der sumerischen Beobachtung der Sterne im heutigen Irak.

Am nächsten Tag legt er Georg, den er für etwas Besonderes hält, die Tarot-Karten. Aber nicht mit irgendeinem Kartenspiel, sondern mit dem ältesten bekannten Spiel der Welt. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert. Er deckt sieben Karten auf, darunter eine Orakelkarte. Doch die achte Karte, die zweite Orakelkarte, enthält er Georg vor und wirft sie entsetzt ins Kaminfeuer. Sie zeigt das Symbol der Wandlung, des Wechsels, der Auferstehung.

Am nächsten Abend, einem Dienstag, vernehmen Kim und Georg merkwürdige Geräusche aus der Bibliothek. Sie schleichen sich klammheimlich in den Raum, wo bereits eine Gruppe von sechs Männern um St. Clair versammelt ist. Offenbar eine Séance. Der Tempelritter ruft den Gott der Alchemisten, Hermes Trismegistos, an. Zu St. Clairs Entzücken und Kims Verblüffung zeigt sich der Gott auch – in Gestalt Georgs!

_Mein Eindruck_

Kim und Georg wandeln auf den Spuren von Dan Browns Professor Robert Langdon, nur dass die beiden keine Symbolkundler sind, sondern sich als Hacker im besten Sinne verstehen. Aber es ist schon ein wenig erstaunlich, dass Kim auf einmal in der Lage ist, ein astreines Dudelsacksolo hinzulegen. Wo und wann hat er das gelernt? Wir erfahren es nicht.

Dass der Tempelritter Saint Clair dafür ein Symbolkundler erster Klasse ist, leuchtet schon wesentlich mehr ein, denn schon in der gelungenen „Stonehenge“-Episode (Folge 7) outete er sich als Altertumsforscher. Dafür hat er aber auch keinen einzigen PC in seiner Skriptoriums-Bibliothek stehen. Das könnte die beiden Hacker geradezu auf Netz-Entzug setzen.

Ansonsten besteht die Episode aus sehr viel Gelaber, das hauptsächlich von Saint Clair als Oberlehrer bestritten wird. Die metaphysischen Zusammenhänge, die er anführt, um Georg Brand zum verheißenen Messias der Alchemisten (und der Mithras-Jünger unter Ian G) zu stilisieren, sind belesenen Zeitgenossen recht gut bekannt, aber die junge Generation könnte hier noch einiges esoterische Gedankengut aufschnappen.

Dass Georg sich als Hermes Trismegistos hinstellt, ist natürlich der Knalleffekt der gesamten Episode, aber was er da vom Stapel lässt, strapaziert die Gutgläubigkeit eines jeden gutmütigen Fantasylesers. Mehr soll nicht verraten werden. Nun mag man sich fragen, was das alles denn überhaupt soll? Bislang war in der Serie zwar schon oft von esoterischer Metaphysik die Rede (Episode 7 usw.), aber diesmal wird das Thema wirklich exzessiv beackert.

Wie die folgenden Episoden der vierten Staffel mir gezeigt haben, werden später die Früchte dessen geerntet, was in Episode 13 gesät wird. Dazu gehört zum Beispiel der gesamte Komplex um diverse Lichtgötter wie Mithras, Apoll und den keltischen Lugh sowie den Gegensatz zwischen Orient und Okzident, der sich in den Konflikten Russland und Iran vs. NATO und USA widerspiegelt. Wer also genügend Geduld und Aufmerksamkeit aufzubringen in der Lage ist, wird herausfinden, dass er den Monologen Saint Clairs nicht ganz umsonst gelauscht hat.

|Die Sprecher/Die Inszenierung|

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus, und Kim Schmittke sekundiert, wenn Georg über die Stränge schlägt. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Und der Oberlehrer Saint Clair strapaziert unsere Geduld zusätzlich.

|Geräusche und Musik|

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Eine Ausnahme von dieser Regel habe ich nur in Episode 16 gefunden, aber bis dahin ist es noch eine Weile.

Die Musik fungiert meist ein Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, und schließlich etwas wie Schmuse-Rock. Mir gefielen mehr die Gitarren. Diesmal kommt natürlich auch die Sackpfeife hinzu, die Ian McLeod ganz hervorragend spielt. Der Klang ist kristallklar – und auch ziemlich laut.

_Unterm Strich_

Diese Episode hat eigentlich keinen Plot, sondern dient vor allem der Aneignung von esoterischem Wissen, welches die beiden Berliner Studenten in der Tempelritterbibliothek offeriert bekommen – von keinem Geringeren als einem echten Templer namens Saint Clair. Dass Georg Brand per Orakel seine Zukunft kennen lernt, mag zwar ganz nett sein, aber dass er auch in Zungen redet und Göttersprüche vom Stapel lässt, strapaziert unsere Gutgläubigkeit doch über Gebühr. Immerhin werden die Lehren St. Clairs später wieder aufgegriffen, sind also nicht bloß geistige Selbstbefriedigung.

Das 78 Minuten lange Hörspiel hat mich auf weite Strecken nicht besonders gut unterhalten, bis auf den Knalleffekt mit Gott Hermes und dem Dudelsacksolo. Es ist von |Lübbe| und |LPL records| gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt trivialen Handlung etwas Filmglamour.

|78 Minuten auf 1 CD|
http://www.lpl.de
http://www.offenbarung-23.de
http://www.luebbe-audio.de