_Die „Liebe geht durch alle Zeiten“-Reihe:_
Band 1: [„Rubinrot“ 5664
Band 2: [„Saphirblau“ 6266
Band 3: „Smaragdgrün“ (erscheint im September 2010)
_Die 16-jährige Gwendolyn_ hat wider Erwarten das Zeitreise-Gen der Familie Montrose geerbt. Die Familie ist allerdings fest davon ausgegangen, dass ihre Cousine Charlotte dieses Gen trägt, und somit wurde Charlotte darin unterrichtet, sich in der Vergangenheit zurechtfinden. Als sich bei Charlotte die ersten Anzeichen der Zeitreisefähigkeit zeigen, wird sie sofort von ihrer Großmutter Lady Arista ins Hauptquartier der „Wächter“ in Temple gebracht.
Gwendolyn ist gerade auf dem Weg, um etwas für ihre Tante Maddy zu besorgen, als ihr plötzlich schwindelig wird und die Welt sich vor ihren Augen aufzulösen scheint. Unerwartet findet sie sich in London um die vorletzte Jahrhundertwende wieder. Sie gerät leicht in Panik, da sie nicht weiß, was sie nun tun soll. Ein paar Minuten später ist dieser erste „Spuk“ auch schon vorbei und sie findet sich in der Gegenwart wieder. Als sie ihrer Mutter später davon erzählt, reagiert diese völlig aufgelöst und bringt nun auch Gwendolyn nach Temple. Dort ist keiner sichtlich erfreut, dass sich das Gen bei Gwendolyn gezeigt hat.
Ihr wird nun ihr Mit-Zeitreisender Gideon Villiers vorgestellt. Er reagiert sehr unfreundlich darauf, nun statt Charlotte Gwendolyn als Partnerin bekommen zu haben. Beide treten kurz darauf die erste gemeinsame Zeitreise an und erleben ein Abenteuer der besonderen Art …
_Kritik_
Mit „Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten“ hat Kerstin Gier einen fantasievollen Jugendroman geschaffen, von dem auch Erwachsene begeistert sein dürften.
Erzählt wird die Geschichte aus Gwendolyns Sicht, was dem Leser naturgemäß ihre Perspektive sehr nahe bringt. Der Hauptpart spielt in der Gegenwart und kleinere Nebenplots im London der Vergangenheit. Die Personen rund um Gwendolyn und Gideon sind glaubhaft konzipiert und gegenseitige Beziehungen einleuchtend erklärt.
Die Geschichte ist unterhaltsam, fesselnd und humorvoll erzählt, man wartet nach dem Beenden der letzten Seite sofort auf den zweiten Teil. Zielgruppe des Romans „Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten“ sind jugendliche Mädchen, aber auch jung gebliebenen Erwachsenen wird dieser Roman Spaß machen.
_Fazit_
Mit dem Jugendbuch „Rubinrot – Liebe geht durch alle Zeiten“ hat Kerstin Gier einen packenden Fantasy-Roman geschrieben. Er ist leicht zu lesen und bereitet Lesespaß. Man merkt ihm an, dass er der Auftakt einer Reihe ist, denn es viel wird noch erklärt und das Ende bleibt offen. Ich freue mich schon jetzt auf den nächsten Teil [„Saphirblau“. 6266
_Autorin_
Kerstin Gier, Jahrgang 1966, hat als mehr oder weniger arbeitslose Diplompädagogin 1995 mit dem Schreiben begonnen. Die DeLIA-Preisträgerin lebt mit Mann, Sohn und Katze in einem Dorf in der Nähe von Bergisch Gladbach.
_Die „Liebe geht durch alle Zeiten“-Reihe:_
Band 1: [„Rubinrot“ 5664
Band 2: [„Saphirblau“ 6266
Band 3: „Smaragdgrün“ (erscheint im September 2010)
_Gerade von einer Zeitreise_ zurückgekehrt, küsst Gideon Gwendolyn in einer Kirche, und das ausgerechnet in einem Beichtstuhl. Gwen, die die Neuigkeit, eine Zeitreisende zu sein, immer noch nicht ganz verdaut hat, ist sehr überrascht, meinte sie doch, Gideon wäre in ihre Cousine verliebt. Dann meldet sich auch noch ein Wasserspeier-Dämon zu Wort, den nur Gwen hören kann. Dieser stellt sich als Xemerius vor, und da Gwen die Erste seit Langem ist, die ihn wahrnimmt, hängt Xemerius sich direkt an ihre Fersen.
Gwen und Gideon fahren anschließend mit einem Taxi zum Hauptquartier des Ordens der Wächter. Dicht auf Gwens Fersen: Xemerius, der dann auch gleich mit reinkommt. Während Gwen Hausaufgaben macht, spioniert der für andere unsichtbare Wasserspeier-Dämon und belauscht die Wächter bei einer ihrer Sitzungen.
Während Gwen lernen muss, das Menuett zu tanzen, und das Benehmen und die Sitten vergangener Zeiten beigebracht bekommt, recherchiert ihre beste Freundin Leslie im Internet alles, was es über Zeitreisen zu finden gibt, und informiert Gwen über ihre Ergebnisse.
Der Graf von St. Germain beginnt sich sehr für Gwen zu interessieren und lädt sie und Gideon ein, um den Rubin Gwen näher kennenzulernen. Nach ihrem letzten Erlebnis mit dem Grafen, der den Orden der Zeitreisenden gründete, ist Gwen nur wenig begeistert von diesem Treffen und hat auch ein wenig Angst und Respekt vor dem Grafen. Auch das Verhalten von Gideon wird für Gwen immer rätselhafter. Mal gibt er sich ihr sehr zugetan, dann wieder behandelt er Gwen wie Luft oder ein lästiges Insekt.
_Kritik_
„Saphirblau – Liebe geht durch alle Zeiten“ von Kerstin Gier setzt genau dort an, wo „Rubinrot“ aufgehört hat – bei dem Kuss von Gwen und Gideon. Die Beziehung der beiden jungen Zeitreisenden, mit allen Irrungen und Wirrungen, nimmt viel Platz in der Geschichte ein. Trotzdem erfährt der Leser auch reichlich über die Zeitreisen an sich, die Ziele und Werte des Ordens der Wächter, und auch der geheimnisvolle und furchterregende Graf von St. Germain bekommt mehr Raum in dieser Geschichte.
Dem flüssigen Schreibstil von Kerstin Gier kann man sehr gut folgen; die Seiten und die Geschichte fliegen nur so dahin. Der Wiedereinstieg in die Trilogie fällt aufgrund der ausführlich beschriebenen Ausführungen vom ersten Band recht leicht und man befindet sich schnell wieder mitten im Geschehen.
Die einzelnen Charaktere entwickeln sich weiter und sind realistisch, liebevoll, urkomisch und auch manchmal geheimnisvoll beschrieben. Bei Gwen spürt man schon fast die Schmetterlinge im Bauch und die Verwirrung hinsichtlich Gideons Verhalten. Über einige ihrer „Fehltritte“ möchte man sich vor Lachen fast ausschütten und leidet dann wieder mit ihr mit, wenn ihre Cousine mal wieder rumzickt. Ihr neuer ständiger Begleiter, der Wasserspeier-Dämon „Xemerius“, ist ebenfalls sehr liebevoll und humoristisch dargestellt. Diesen lustigen Gesellen muss man mit seiner vorlauten Art einfach lieben. Auch die weiteren Protagonisten lernt man immer besser kennen und auch verstehen. Ein Personenregister hilft dabei auch sehr, da es doch immer mehr Personen gibt, die Anteil an der Geschichte haben.
Etwas überstürzt ist dann das Ende, denn eigentlich hört der Roman mitten im Geschehen auf und hinterlässt doch reichlich offene Fragen, die dem Leser dann hoffentlich im dritten Teil noch erklärt werden.
_Autorin_
Die Autorin Kerstin Gier wurde 1966 geboren. Da sie schon als Kind Schriftstellerin werden wolle, studierte sie nach dem Abitur Germanistik, Anglistik, aber auch Musikwissenschaften. Ihr Diplom machte sie dann aber in Kommunikationspsychologie.
Erst 1995 begann sie dann mit dem Schreiben. Sie verfasste vornehmlich Frauenromane und arbeitet heute als freie Autorin. Ihr 1996 erschienener Debütroman „Männer und andere Katastrophen“ wurde mit Heike Makatsch in der Hauptrolle verfilmt. Kerstin Gier veröffentlicht auch unter den Pseudonymen Sophie Bérard und Jule Brand.
Mit ihrem Roman „Das unmoralische Sonderangebot“ gewann sie 2005 die „DeLiA“ für den besten deutschsprachigen Liebesroman. Seit 2007 ist sie zudem Jurymitglied bei „DeLiA“, der Vereinigung deutschsprachiger Liebesroman-Autoren und -Autorinnen.
Kerstin Gier lebt mit ihrer Familie in einem Dorf in der Nähe von Bergisch Gladbach.
_Fazit_
Kerstin Giers „Sapirblau – Liebe geht durch alle Zeiten“ ist wieder ein zauberhafter und amüsanter Jugendroman geworden, der Jung und Alt ein paar unterhaltsame Stunden bringt. Wie auch im ersten Teil, ist die Mischung aus Herzklopfen, Fantasy und Krimi außerordentlich gut gelungen.
Ich fiebere schon dem Herbst entgegen, dann endlich erscheint der nächste und abschließende Teil „Smaragdgrün“ und ich bin sehr gespannt darauf, wie es weitergeht.
Schon wieder ein Jubiläum. Nach über 40 Jahren ihrer nicht immer unturbulenten Existenz feierte man beim |KOSMOS-Verlag| dieses Jahr den 150. Fall des Jugend-Detektivtrios. Wie es sich dort mittlerweile für einen solchen Festakt geziemt, wieder einmal mit einer besonders opulenten Story. Nach André Marx‘ „Toteninsel“ und „Feuermond“ durfte sich nun Astrid Vollenbruch im bislang dritten Dreierband in der Geschichte der drei ??? austoben. Wie schon bei seinen Vorgängern ergeben auch hier die drei Einzelcover, aus dem Schuber genommen und nebeneinander gelegt, ein größeres Gesamtbild. Ein so genanntes „Tryptichon“. Für das zeichnet sich – wie üblich und buchstäblich – Sylvia Christoph verantwortlich.
_Zur Story_
Justus, Peter und Bob gehen unter die Erben. Allerdings haben die drei Jungs keinen blassen Schimmer, warum Harry Shreber, ein jüngst verstorbener Pokerkumpan von Peters Opa, ausgerechnet die drei ??? in seinem Testament bedenkt. Scheinbar hat Grandpa von ihrer Vorliebe für Geheimnisse, ihre beeindruckenden Ermittlungserfolge und ihren untrüblichen Gerechtigkeitssinn geschwärmt. Anders ist es wohl nicht zu erklären, warum Mr Shreber ihnen ein knackiges Rätsel hinterlässt, dessen Lösung seine offensichtlich angeknackste Ehre wohl posthum zumindest partiell wiederherstellen soll. Was das sein könnte, weiß niemand so recht – auch Mr Mason, bis zuletzt sein privater Sekretär, nicht.
Die Spur führt 30 Jahre zurück in die Vergangenheit und die drei Jungs sind beileibe nicht die Einzigen, die sich plötzlich für den Nachlass des Sonderlings interessieren. Das vergammelte Flugzeug im verwilderten Garten des Ex-Navy-Fliegers scheint besonders wichtige Informationen zu bergen. Kurzerhand überredet Justus, unter dem Vorwand den Flieger für den Verkauf restaurieren zu wollen, seinen Onkel Titus, das gute Stück auf den Schrottplatz zu verfrachten. Dort ist es vor verdächtigem Gelichter vermeintlich sicherer als auf dem Grundstück Shrebers und kann zudem natürlich von den drei Detektiven viel bequemer untersucht werden. Sie finden tatsächlich erste Hinweise, die auf irgendwelche dunklen Ereignisse in seiner Militärzeit in Indien hindeuten.
Allerdings passen die unzähligen und teils widersprüchlichen Puzzleteile vorne und hinten nicht – und was hat Herman Mellvilles Roman „Moby Dick“ mit dem Ganzen zu tun? Begriffe und Namen daraus begegnen den drei ??? immer und immer wieder. Ebenso wie der (Deck-)Name „Rashura“. Ist dies eine Einzelperson oder eine ganze Organisation? Auf jeden Fall ist Rashura in der Wahl seiner Methoden nicht grade zimperlich. Einbrüche, Entführungen, Gift- und Brandananschläge sowie ganz offene, massive Drohungen sind ein Kaliber, welches den Jungs in solcher Konzentration und Rücksichtslosigkeit bislang nicht unterkamen. Mehr als einmal schlittern sie in lebensbedrohliche Situationen und können sich gelegentlich nur mit purem Glück herauswinden.
_Eindrücke_
Warum es ausgerechnet ein Dreierband sein musste statt einem einzelnen mit größerem (Seiten-)Umfang, sei der Weisheit der Marketingabteilung überlassen. Zumal die drei Bücher losgelöst voneinander keinerlei Sinn machen. Mal abgesehen von einem umfangreicheren Titelbild. Das kann sich allerdings sehen lassen und veranschaulicht treffend, worum es in der Geschichte – zumindest grob – geht. Das ist durchaus nicht immer so. Daran, dass der Buchtitel mit dem Inhalt eventuell nur sehr wenig zu tun haben muss, hat sich die Lesergemeinde mittlerweile sicherlich schon fast gewöhnt. Zwar kommt die Namen gebende „Geisterbucht“ tatsächlich vor, spielt aber eigentlich keine so zentrale Rolle. Sie ist nur einer von vielen Schauplätzen, auf denen sich der verzwickte und nicht ungefährliche Fall abspielt.
Der beginnt recht viel versprechend, wiewohl das Grundgerüst (Verblichene hinterlassen der Nachwelt willentlich ein durch Rätsel gesichertes Vermächtnis) innerhalb der Serie bereits sattsam bekannt ist. Man denke da, stellvertretend für eine ganze Reihe weiterer Fälle, exemplarisch an „Gefährliche Erbschaft“ oder „Fluch des Rubins“. Zu Letzterem hat „Geisterbucht“ sogar die deutlichsten Parallelen aufzuweisen und könnte schon fast als leicht alterierte, aufgebohrte Version dieses Klassikers durchgehen. Fast. Es gibt einen Edelstein, auf dem ein Fluch lasten soll und mehrere Gestalten verschiedener Fraktionen auf den Plan ruft, die aus offensichtlich ganz unterschiedlichen Gründen scharf darauf sind ihn in die Finger zu bekommen. Natürlich sind sowohl die grundlegende Thematik als auch der generelle Erzählstil wesentlich moderner, als auch die verwendeten Elemente anders. Dennoch ist der Plot recht ähnlich.
Es stecken auch einige Ungereimtheiten drin, seien sie physikalisch-technischer oder auch logischer Natur. Exemplarisch dafür etwa der – bei genauerem Hinsehen – ziemlich absurde Abschnitt mit dem Flugzeugträger. Diesen als künstliches Riff einzusetzen, ist dabei prinzipiell gar nicht abwegig. So etwas wird mit abgewrackten Schiffen tatsächlich gerne gemacht. Allerdings steht zu bezweifeln, dass „35 Meter“ Wassertiefe ausreichen, einen ausgewachsenen Carrier komplett unterzutauchen und erst recht nicht, wenn er angeblich aufrecht stehen soll. Bei der Versenkung „mit Sprengladungen“ ist ein Kentern übrigens viel wahrscheinlicher, was bedeutet, dass das Wrack entweder kopfüber oder seitlich auf dem Meeresgrund zu Liegen kommt.
Ganz zu schweigen davon, dass man ein solches Vorhaben wohl nicht in der Nähe dicht befahrener Küstengewässer durchführt. Erst recht nicht mit einem (Ex-)Kriegsschiff. Dass ihr bis dato undurchsichtiger Helfer dann auch noch genau weiß, dass eins der Sprenglöcher sich zufällig nahe der Stelle befindet, welche für die drei Jungs interessant ist, erweist sich als äußerst praktisch – nur leider wenig glaubhaft. Das überstürzte Tauchen ist überdies widersinnig, ihre Gegenspieler wissen nicht genau, as und vor allem wo es zu suchen ist, die drei Fragezeichen aber schon. Man könnte sich mit diesem Wissensvorsprung also durchaus einen geeigneteren Zeitpunkt aussuchen, zumal sie sich im Klaren sind, dass sie definitiv grade im Moment belauert werden. Da ist es kein Wunder, dass das Wrack beinahe zur Todesfalle wird.
Selbstverständlich werden auch sonst wieder einige sorgsam gepflegte Klischees der Reihe bedient: Der Schrottplatz bzw. Onkel Titus und Tante Mathilda, Morton, Inspector Cotta, sogar die Bibliothek – respektive Miss Bennett – wird mal wieder aktiviert, obwohl die Jungs inzwischen durchaus das Internet nutzen. Der erste Teil beginnt sowohl rasant als auch interessant und kann sowohl das Tempo als auch den Spannungsbogen bis zum Schluss gut halten. Einen so renitenten Gegner wie Rashura hatten die drei Fragezeichen bislang eher selten. Teil zwei knickt hingegen schon etwas ein und im dritten Buch flacht die Kurve zum ziemlich unplausiblen, lustlosen Hopplahopp-Ende hin soweit ab, dass nicht mal ein wirklicher Showdown zustande kommt. Schon gar kein packender.
_Fazit_
Vordergründig protzt dieser Fall mit Action und Spannung, allein schon deswegen, da der Gegner diesmal nicht sehr zimperlich vorgeht. Doch die Pace ist offensichtlich nicht über die volle Länge aufrecht zu erhalten, bis zum Schluss bedauerlicherweise endgültig die Luft ganz raus ist, sodass insbesondere das Finale vergleichsweise schludrig und unglaubwürdig ausfällt. Schade, das vermasselt einer grundsätzlich gar nicht mal so schlechten Geschichte dann die Tour in letzter Instanz ziemlich schmerzhaft. Unterhaltsam ist der Jubiläumsband über weite Strecken dennoch, wenngleich er den erneuten Beweis erbringt, dass Qualität nicht an die Quantität gekoppelt ist.
Nach [„Gegen das Sommerlicht“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5611 legt die amerikanische Autorin mit einem zweiten Buch nach, das zwar das Setting mit dem ersten teilt, aber aus einer ganz anderen Perspektive erzählt wird.
_Im Mittelpunkt von_ „Gegen die Finsternis“ steht Leslie, eine Freundin von Ash, der Heldin des ersten Buchs. Obwohl Ash, mittlerweile die Sonnenkönigin der Elfen, nicht der einzige bekannte Charakter der Geschichte ist, entführt Marr dieses Mal in eine andere Welt: in die der Dunkelelfen. Diese sind nicht besonders freundlich, sondern manchmal geradezu blutrünstig. Der Hof um den Dunkelelfenkönig Irial ernährt sich von negativen Gefühlen, die zum Beispiel während eines Krieges mit den Sommerelfen aufkommen. Doch seit Frieden herrscht wird Irials Gefolge unruhig. Sie dürsten nach Blut, nach negativen Gefühlen.
Um Meuterei zu verhindern, sucht Irial sich ein Schattenmädchen, das als Mediator für die Gefühle dienen soll. Sein Auge fällt auf Leslie, die durch Ash zum weiteren Umfeld von Keenan, dem Sonnenkönig, seinem Feind, gehört. Als das Mädchen, das aus einem kaputten Elternhaus stammt, sich ein Tattoo machen lassen will, wählt sie ein Motiv mit Elfenmagie, das sie mit Irial verbindet. Obwohl sie sich viel stärker für den mysteriösen Niall aus Keenans Gefolge interessiert, kann sich Leslie Irials Macht nicht entziehen – mit verheerenden Folgen für das junge Mädchen …
_Den Charme des_ ersten Bandes kann Marr mit „Gegen die Finsternis“ nicht erreichen. Dafür geht es in der Handlung etwas zu wirr zu. Die Kulisse ist nach wie vor sehr schön, auch wenn sie dieses Mal zu Gunsten der Menschenwelt etwas zurück stecken muss. Dieses Mal dreht sich zudem alles um die Dunkelelfen, die wesentlich düsterer und „unelfenhafter“ sind als ihr sommerliches Pendant. Marr punktet auch dieses Mal mit unterschiedlichen Arten von Elfen, die gut ausgearbeitet sind und anschaulich dargestellt werden.
Die Handlung kann diese schillernde Vielfalt nicht bieten. Dazu fehlt es an Spannung, an Höhepunkten, an Zugkraft. Es gibt einige Stellen, an denen es schwer fällt, überhaupt weiter zu lesen. Es wird nicht so ganz ersichtlich, wo das Buch eigentlich hinführen soll – und das ist in diesem Fall nicht vorteilhaft. Soll es eine Liebesgeschichte zwischen Leslie und Irial sein? Oder eine zwischen Niall und Leslie? Eine Geschichte über Elfenintrigen, über den gefährlichen Bann, in den Leslie gezogen wird? Die Autorin versucht all diese Themen und noch einige mehr ab zu haken. Dabei gehen sie selten wirklich ineinander über, um einen Spannungsbogen zu bilden. Sie stehen vielmehr lose nebeneinander und bilden keine wirkliche Einheit. Das Buch verliert damit an Spannung und an Konsistenz – und franst erst sehr stark aus, um gegen Ende viel zu flott voran zu eilen.
Leslie, die Protagonistin, hat gute Ansätze. Ihr familiärer Hintergrund ist gut ausgearbeitet und hebt sie hervor. Gleichzeitig wirkt sie aber immer ein bisschen wie die Nebendarstellerin in einem Buch, in dessen Mittelpunkt sie steht. Sie geht unter und ihr Charakter, der eigentlich interessant ist, kann sich nicht richtig entfalten. Irial und Niall, zwei weitere wichtige Personen in der Geschichte, geht es nicht anders. Auch sie können sich nicht wirklich im Kopf des Lesers festsetzen. Ihre Hintergrundgeschichten sind gut, gerade die Verflechtungen zwischen den beiden Elfen, aber darüber hinaus können sie nicht überzeugen.
Der Schreibstil ist einfach, ein wenig poetisch und so, dass junge Fans von Stephenie-Meyer-Büchern sich sofort wohl fühlen werden. Die zauberhafte Leichtfüßigkeit des ersten Buches fehlt aber auch hier. Das hängt möglicherweise damit zusammen, dass Marr die Welt der Dunkelelfen und auch Leslies etwas düsteres Gemüt besser darstellen wollte. Allerdings ist das Buch dafür noch nicht tiefgehend genug.
_Während „Gegen das_ Sommerlicht“ durchaus einen Versuch wert war, da leichtfüßig und lebendig, überzeugt „Gegen die Finsternis“ nicht wirklich. Insgesamt fehlt es dem Buch an Zutaten, die den Leser fesseln. Sowohl die Handlung als auch die Figuren können in dieser Hinsicht nicht überzeugen.
Die 16-jährige Zoey Redbird hat es schon nicht leicht: eine ewig plappernde beste Freundin, ein ständig betrunkener Fast-Ex-Freund und dazu noch Stief“penner“ John, der ihre sonst so selbstbewusste Mutter zu einer braven Ja-Sagerin gemacht hat.
Dann taucht nach der Schule auch noch ein seltsamer Typ an ihrem Spind auf und „zeichnet“ sie. Damit gehen die Probleme erst so richtig los, denn mit dieser Zeichnung ist Zoey eine werdende Vampyrin.
Ihre Freunde wenden sich ängstlich von ihr ab, und auch die Mutter, von der Zoey sich wirklich Hilfe wünscht, entfernt sich von ihr. Als ihre Mutter und ihr Stief“penner“, der als Kirchenältester arbeitet, sie mehr oder weniger exorzieren wollen, packt sie schnell das Nötigste und haut zu ihrer Cherokee-Grandma Sylvia Redbird ab.
Auf dem Weg dorthin hat Zoey einen Unfall, sie stützt und verletzt sich am Kopf. Als sie bewusstlos auf einer Klippe liegt, hat sie eine Vision, in der Nyx, die Göttin der Nacht, mit ihr spricht.
Grandma Redbird findet Zoey nach diesem Unfall und bringt sie schnell ins Vampyr-Internat „House of Night“. Dort wird sie von Neferet, der Hohepriesterin der Vampyre, unter die Fittiche genommen.
Schnell lernt sie dort auch andere Jungvampyre kennen. Ihre Mitbewohnerin StevieRae, ihren Mitschüler Erin Bates, den schwulen Damian Maslin und Shaunee Cole, mit denen sie sich rasch anfreundet, aber auch Aphrodite und ihre Clique, die Zoey das Leben schwermachen wollen. Dazu kommt noch der geheimnisvolle Eric Night …
Zoey wird recht häufig angestarrt, denn als einzige Jungvampyrin trägt sie ein vollständiges Mal auf ihrer Stirn. Normalerweise sind anfangs leichte Umrisse zu erkennen, die sich bis zur Wandlung, sofern der Körper mitspielt und diese zulässt, vervollständigen. Schnell wird sie in einen Strudel aus Macht und Magie, Leben und Tod gezogen …
_Kritik_
P. C. und Kristin Cast haben mit „Gezeichnet“ den ersten Roman einer Reihe rund um das „House of Night“ geschrieben. Erzählt wird dieser Roman aus Zoeys Perspektive. Dadurch fühlt man schon sehr mit der Hauptprotagonistin verbunden.
Zoey ist dem Leser sofort sympathisch, auch deshalb, da sie sich selber und andere schon mal auf die Schippe nimmt. Auch die anderen Charaktere sind glaubwürdig umgesetzt worden. Es gibt wirklich gute Freunde und besonders fiese Rivalen. Die Protagonisten entwickeln sich schnell und überzeugend, so dass der Leser schnell meint, diese schon länger zu kennen.
„Gezeichnet“ nimmt zügig Tempo auf und bleibt bis zum Ende spannend – so spannend, dass man am liebsten direkt mit dem nächsten Teil weitermachen möchte.
_Fazit_
„Gezeichnet“ von P. C. und Kristin Cast kann ich mit ruhigem Gewissen allen Lesern empfehlen. Dieser Roman ist locker, leicht und witzig geschrieben. Natürlich sind weder Vampyre noch Internatsgeschichten wirklich neu, auch Göttinnen und Hexen sind eher der alte Hut. P. C. und Kristin Cast haben diesen Stoff meiner Meinung nach aber super umgesetzt. Geschrieben wurde diese Reihe für hauptsächlich weibliche Teenys ab ca. 14 Jahren, aber auch Erwachsene werden Spaß am „House of Night“ haben.
_Die Autoren_
P. C. Cast und Kristin Cast sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Sie leben beide in Oklahoma, USA.
Der dritte deutschsprachige Teil der „House of Night“-Serie erschien im August 2010 unter dem Titel „Erwählt“.
|Originaltitel: Marked
The House of Night 1
Empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre
ISBN-13: 978-3-596-86003-6|
http://www.house-of-night.de
http://www.fischerverlage.de/page/junge__erwachsene
Gedächtnisverlust ist keine schöne Sache. Doch wenn man im Krankenhaus erwacht, keine Erinnerung mehr hat und feststellen muss, dass man noch nicht mal aus dieser Welt kommt – das ist schon ein harter Brocken! Genau das passiert einem Jungen namens Avi in Melissa Fairchilds Roman „Himmelsauge“, dem ersten Band der Reihe „Die Geheimnisse des Brückenorakels“.
_Als Avi im_ Krankenbett aufwacht, ist er verwirrt. Er hat keine Ahnung, wieso er hier liegt, von Kopf bis Fuß eingegipst. Er hat überhaupt keine Erinnerung mehr an das, was davor passiert ist. Sein gesamtes Gedächtnis ist ausgelöscht. Hinzu kommt, dass er den Unfall, den er hatte – er ist vor eine Londoner U-Bahn gesprungen – eigentlich gar nicht hätte überleben dürfen.
Avi kann sich keinen Reim darauf machen, wieso er sich vor den Zug geworfen hat und wieso er noch lebt. Eines Nachts bekommt er Besuch von einem buckligen Alten, der ihn dazu überreden will, aus dem Krankenhaus zu fliehen. Anschließend wird er von einem Typen namens Kellen verfolgt, der ihn töten will und blaue Flammen nach ihm werfen kann. Er merkt, dass so einiges nicht stimmt in seinem Leben. Auf der Flucht trifft er Durin und Roosevelt, zwei Wächter, von denen er erfährt, dass er der Sohn der Königin des Feenreiches ist. Zusammen mit dem Menschenmädchen Hannah begibt er sich in die Feenwelt, aus der er eigentlich stammt, denn dies scheint der einzige Weg zu sein, um Kellen gegenüber zu treten und ihn zu vernichten …
_Melissa Fairchilds Fantasyroman_ für Jugendliche ist nett erzählt, nett ausgedacht und nett gemacht, doch wirklich originell ist „Himmelsauge“ nicht. Menschen, die zwischen Welten wandern können, magische Wesen im gegenwärtigen London, Feen, Elfen und Goblins – vieles, was in der Geschichte vorkommt, war in dieser Form schon in vielen anderen Büchern vertreten. Es gibt Autoren, die solche Elemente nehmen und so in ihre Geschichte einbauen können, dass sie neue Facetten bekommen oder auf Grund des Kontextes sehr originell wirken. Fairchild gelingt dies nicht. Die Kulisse entwickelt nur wenig Zauber, da sie einem zu bekannt vorkommt.
Die Handlung an und für sich ist in Ordnung. Sie ist gut aufgebaut, aber auch ihr mangelt es an neuen, spritzigen Ideen oder überraschenden Wendungen. Es ist eine nette Abenteuergeschichte mit nicht besonders viel Action, ein paar politischen Verwicklungen und Verrätern, doch nur selten wirkt Avis Lage aussichtslos. Richtig spannend wird es selten. Dabei wäre Avis Gedächtnisschwäche an und für sich ein guter Aufhänger für brenzlige Situationen gewesen, doch Fairchild kehrt die Amnesie selten in den Vordergrund. Im Gegenteil vergisst man ziemlich schnell, dass Avi überhaupt jemals einen Unfall hatte.
Das könnte allerdings auch damit zusammenhängen, dass Fairchilds Charaktere den Leser auf Abstand halten. Es fällt schwer, Zugang zu Avi zu finden. Seine Gedanken und Gefühle finden zwar Eingang in die Geschichte, wirken aber häufig oberflächlich. Er wirkt meistens wie ein ganz normaler Junge und nicht wie ein magisches Wesen aus einer anderen Welt, das sein Gedächtnis verloren hat und auf der Flucht vor einem flammenwerfenden Goblin ist. Der fehlende Tiefgang macht sich auch bei Hannah bemerkbar, die Avi bei seiner Reise in die andere Welt hilft. Zwischen beiden entspinnt sich eine Liebesgeschichte, die aber nur wenig Platz im Buch einnimmt. Hannah wird zwar als Punkerin beschrieben, doch das Rebellische in ihr kommt nie richtig zum Vorschein. So wie den anderen Charakteren auch fehlt es ihr an echten Ecken und Kanten, obwohl die Kategorisierung als Punkerin das eigentlich hätte einfacher machen sollen. Einen Lichtblick gibt es allerdings: die Elfe Brucie. Sie ist launisch, besserwisserisch, humorvoll und ein bisschen chaotisch und ihre Auftritte sind immer wieder ein Höhepunkt.
_“Himmelsauge“ von Melissa_ Fairchild ist der Auftakt der Reihe „Die Geheimnisse des Brückenorakels“, doch wirklich Lust auf mehr macht das Buch nicht. Die Geschichte ist nicht gerade mitreißend, die Ideen nicht besonders originell.
|Gebunden: 382 Seiten
Aus dem Englischen von Karin Dufner
ISBN-13: 978-3426283127|
http://www.pan-verlag.de
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Frevelfolgen: Der Krieg der Engel reloaded_
Kyra, Nils, Lisa und Chris erforschen ein uraltes Geheimnis, das auf magische Weise mit ihrem eigenen Schicksal verbunden ist – das Geheimnis der sieben Siegel. Kyra und ihre Freunde sind mit Prof. Rabenson auf Forschungsreise. In einer uralten Festung im Süden Israels entdecken sie ein legendäres Heiligtum – das Haupt von Lachis, das Relikt eines im Krieg der himmlischen und höllischen Heerscharen getöteten Engels. Eine gefährliche Entdeckung, wie sich herausstellt … (Verlagsinfo)
Dieser fünfte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar „Jerry Cotton“-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
_Die vier Freunde:_
|Kyra Rabenson| ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
|Lisa Morgenthal| ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
|Nils Morgenthal|, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
|Chris| (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Wie schon in der Toskana (Band 3) begleiten die vier Freunde Professor Rabenson auf eine wissenschaftliche Expedition. Diesmal führt sie der Weg nach Israel, tief in die Wüste, wo im 6. vorchristlichen Jahrhundert die Festung Lachis lag. Sie wurde vom babylonischen König Nebukadnezar erobert und zerstört. Lisa und Kyra gefallen die schwarzen Maschinengewehre der militärischen Wächter der Ruine überhaupt nicht. Aber wenigstens melden sich nicht ihre Sieben Siegel, die sie auf dem Unterarm eintätowiert tragen.
Mit einem „Schlüssel“, einem mit Zeichen bedeckten Teller, gelingt es dem Professor, die bislang geheimen Durchgänge zu öffnen und die Fallen zu entschärfen. Dennoch öffnet sich plötzlich hinter ihnen ein riesiges Loch im Durchgang, das bis in unergründliche Tiefen reicht. Die vier Gefährten und ihr Führer kommen gehörig ins Schwitzen. Dennoch geht der Professor mutig weiter. Warten noch mehr Todesfallen auf sie?
|Das Haupt von Lachis|
Nach einer weiteren Betätigung des „Schlüssels“ gelangen sie in eine weite Tempelhalle, an deren Wänden Götzenbilder von geflügelten Wesen dräuen. Wenig einladend sehen auch die zahllosen Löcher in Decke, Boden und Wänden aus: weitere Fallen? Während die Freunde zurückbleiben, wagt sich der Archäologe, unerschrocken wie Indiana Jones, zum zentral gelegenen Altar vor. Dort liegt das „Heiligtum der Heiligtümer“, wie er ehrfurchtsvoll sagt: das Haupt von Lachis. Für die anderen sieht der unscheinbare Stein eher aus wie ein Saurierei.
Was sie aber die Luft anhalten lässt: Prof. Rabenson ist fest entschlossen, den Stein an sich zu nehmen und außer Landes zu schmuggeln. Nur sein hohes Ansehen und seine weitreichenden Befugnisse können ihm dies ermöglichen. Und er kommt damit sogar durch, so dass die vier Freunde froh, nicht in einem israelischen Knast zu verschmachten, sondern vielmehr in einem Flugzeug nach Rom zu fliegen – Diebe und Räuber, die sie nun mal sind.
|Die Wächter|
Da geschieht etwas Unvorhergesehenes. Als Lisa aus dem Fenster des Propellerflugzeugs schaut, sieht sie einen Mann in schwarzem Mantel auf der Tragfläche stehen – mitten im Fahrtwind. Als wäre das nicht verwunderlich genug, streckt er seine Hand aus, um den Propeller anzuhalten – und tut es. Sofort reagiert das Flugzeug äußerst übel auf diesen Eingriff in seine Aerodynamik. Es sackt nach unten.
Lisa hat inzwischen ihre Freunde alarmiert. Entsetzt entdecken sie einen zweiten schwarzen Mann auf der anderen Tragfläche. Auch er will den Propeller anhalten. Das wäre sicherlich ihr Ende: der Absturz. Doch wie aus dem Nichts taucht ein Dritter auf, der mit den anderen beiden ringt und sie verjagt. Bevor er verschwindet, scheint er Lisa anzulächeln. Wie sonderbar, denkt sie. Die Sieben Siegel haben sie nicht ein einziges Mal vor den schwarzen Gestalten gewarnt.
Dann geht das Flugzeug in den Sturzflug über, und alles, was sich in der Kabine befindet, gerät in ein turbulentes Durcheinander. Wird es dem Piloten gelingen, sie mit einer Notlandung vor dem Tod zu bewahren?
_Mein Eindruck_
Das Buch lässt sich in Hälften einteilen: vor und nach der Begegnung mit dem Gefallenen Engel. Die erste Hälfte liest sich wie eine Episode aus „Indiana Jones – Teil 3“ Um zum Allerheiligsten des Tempels zu gelangen, müssen der Professor und seine Schützlinge einen gefahrvollen Weg voller Todesfallen passieren, genau wie Indiana Jones selbst. Doch der Autor macht es ihnen wesentlich leichter: Rabenson hat den passenden Schlüssel schon bei sich. Spielverderber.
Dass der Fluch der bösen Tat auf dem Fuße folgt, versteht sich fast von selbst – im zweiten Teil. Wer das Heiligtum klaut, wird von den Wächtern bestraft. Diese sind jedoch gar keine Wächter, sondern zwei gegnerische Parteien von Gefallenen Engeln, wie die vier Freunde erfahren.
|Bibelgeschichte|
Man erinnere sich: Als Satanael einen Frevel gegen den Willen des Herrn beging, indem er und die Seinen mit den Menschentöchtern Wesen zeugten (die Nephilim), so wurde er aus dem Himmel verstoßen. Doch er sammelte seine Heerscharen und focht gegen den Erzengel Michael, der wiederum die himmlischen Heerscharen anführte – und unterlag. Fortan gründete Satanael sein Reich in der Hölle, wo er seine Anhänger belohnte, darunter Uriel, den Sühneengel. Doch es gab Gefallene Engel, die sich vom Bösen lossagten. Und zu diesen gehört Azachiel, der Engel, der sich den vier Freunden zeigt.
|Der Gefallene|
Azachiel warnt die Freunde, dass acht Untergebene Uriels bereits auf dem Weg zur Insel seien, um das mächtige Haupt von Lachis an sich zu bringen und in den Dienst der Hölle zu stellen. Wollen sie das vielleicht? Eigentlich nicht, finden die vier Freunde, aber warum sollte sie Azachiel trauen? Er könnte ja auch lügen. Azachiel lächelt freundlich. Er verlangt das Haupt gar nicht; er bittet nur darum, dass sie es ihm freiwillig geben, um damit Gutes zu tun. Und Lisa erinnert sich, dass er es war, der ihr Flugzeug vor dem sicheren Absturz bewahrte. Also …
|Showdown|
Als die anderen Engel eintreffen, kommt es zu einem extrem dramatischen Showdown an der Kirche des verlassenen Dorfes. Da die Kirche direkt über einer Klippe am Meer steht, gähnt ein Abgrund unter den Füßen von Lisa und Kyra, die Azachiel das Haupt unter ganz bestimmten Bedingungen geben wollen bzw. könnten. Die Mädels müssen großen Mut und Entschlossenheit beweisen, dabei auch noch entscheiden, ob sie eher Azachiel oder Raguel, seinem Widersacher, trauen sollen. Die Jungs und der Professor können nur beklommen zuschauen, wie das Drama vor ihren Augen abläuft. Und mehr darf nicht verraten werden.
|Konflikte|
Für meinen Geschmack ist in diesem fünften Band der Serie dem Autor etwas Großartiges gelungen, das weit vorausweist auf Meisterwerke wie die Wunschkrieg-Trilogie und „Die Alchimistin“. Er nimmt mythologische Grundlagen, die uns schon fast entfallen sind, und bereit sie für die aktuelle Gegenwart auf. Die ihnen innewohnende Dramatik – hier die der Gefallenen Engel und des vorhergehenden Engelskriegs – dauert noch an bzw. wird aktualisiert, wenn die Helden in den Konflikt hineingezogen werden.
Das Besondere an diesem Hineingezogenwerden äußert sich binnen kurzem in einem moralischen Konflikt, wie er nicht schöner herbeigeführt werden könnte. Werden die Heldinnen dem Vertreter Satanaels Glauben schenken, der als „Herr der Lüge“ bekannt ist? Oder glauben sie doch eher dem abtrünnigen Gefallenen Engel Azachiel, der das Haupt von Lachis ebenfalls erbittet? Ich war an Frodos Wahl erinnert, ob er den Einen Ring wirklich in die Schicksalsklüfte wirft oder für sich beansprucht – einer der dramatischen Höhepunkt des „Herrn der Ringe“. Nicht zufällig spielt auch diese Szene über einem Abgrund, umgeben von satanischen Mächten: Sauron, Gollum und dem Schicksalsberg selbst.
Dem Autor gelingt es, die inneren Konflikte glaubhaft darzustellen und in eine dramatische Konstellation der Figuren einzubetten. Die Entscheidung bleibt lange offen, wie sich das gehört. Und erst in letzter Sekunde wird die Wende herbeigeführt. Das ist einfach klasse. Für mich der beste Band der Serie bislang.
|Charakterprobe|
Dieses Abenteuer entpuppt sich als eine der wichtigsten Charakterproben in der Entwicklung der Freunde, insbesondere für Lisa und Kyra. Im Gegensatz zu dem oberflächlichen und klischeehaften ersten Band spielen Charakterzüge diesmal eine wesentliche Rolle. Die Motive und Aktionen der Figuren ergeben sich aus ihrer Veranlagung. Diese – und das ist das Schöne daran – hat sich inzwischen gewandelt. Denn die Sieben Siegel sind ja magischer Natur und verändern ihren Träger. Lisa liebt es, Rätsel zu lösen, Chris versteht viele Sprachen und ist ein Draufgänger, Nils neigt jetzt mehr zur Vernunft, und Kyra erweist sich ihrem mütterlichen Erbe als mehr als würdig: Mami war eine Hexe, und Kyra eifert ihr nach! Sie nimmt es ironisch: „Kyra, das lebende Spukschloss“, nennt sie sich. Denn Mami, die Hexenjägerin, lebt in ihr offenbar weiter.
|Pärchen|
Darüber hinaus sind die vier Freunde keine Einzelgänger mehr, sondern zwei Pärchen. Lisa und Chris haben sich endlich gefunden. Nur dass Chris’ draufgängerisches Losstürmen immer auf den Protest der etwas zaghaften Lisa trifft. Und dass Nils und Kyra einander gut verstehen, ist ebenfalls klar: Sie übernimmt in brenzligen Situationen das Kommando, und er hat sich gefälligst zu beeilen, es ihr recht zu machen.
Durch diese Paarungen und die grotesken Situationen, in die sie geraten, ist diesmal auch gehörig für Humor und Ironie gesorgt. Gefallene Engel jagen nicht jedem Mädchen Angst ein, aber nervende Brüder können einem echt den letzten Nerv rauben – zur Belustigung der Übrigen. Selbst der „innovative“ Tee von Tante Kassandra ist keine wahre Freude, wenn er aus Venusfliegenfallen (also fleischfressenden Pflanzen) gebraut wurde.
|Illustrationen|
Die erste Zeichnungen veranschaulicht dem Leser, wie die kleine griechische Insel, auf die Freunde notlanden, aufgebaut ist. Der Flugplatz erscheint in der Tat winzig und viel zu kurz für eine Landung. Die Zeichnungen mit den Engeln sind in der Perspektive auf eine dramatische Weise so verrückt, dass sie dynamisch wirken und eine entscheidende Szene im Konflikt der Geschichte darstellen.
_Unterm Strich_
Für mich ist „Schattenengel“ der bislang beste Band der Serie. Ganz klar wendet der Autor Kniffe an, die wir später an „Die Alchimistin“, an den „Wellenläufern“ und der „Wunschkrieg“-Trilogie bewundern. Mythologische Strukturen, die wir nebulös als uralte Legenden kennen – hier der Krieg und Sturz der Engel – werden aktualisiert, um noch einmal durchgespielt zu werden. Der daraus entstehende Konflikt ist keineswegs von Pappe: Stellvertretend für uns müssen die Helden zwischen Gut und Böse wählen.
Ein kleiner Schönheitsfehler der Serie mag darin bestehen, dass das Konzept der Serie stark an R. L. Stines Gruselgeschichten für Kinder und Jugendliche erinnert. Meyer hat dies offenbar ebenfalls bemerkt und schreibt seit 2000 hauptsächlich Trilogien wie etwa die um „Die fließende Königin“ (gemeint ist Venedig) oder „Die Wellenläufer“.
Ich habe den Roman in etwa zwei Stunden (mit Unterbrechungen) gelesen. Die Schrift ist groß, es gibt etliche Illustrationen, und die Story zieht den Leser in ihren Bann. Danach legte ich das Buch ziemlich zufrieden beiseite, fühlte mich aber an etliche Vorbilder erinnert. Kai Meyer kennt sich offensichtlich in der Horrorliteratur gut aus.
|Hinweis|
„Die Nacht der lebenden Scheuchen“ lautet der vielversprechende Titel des nächsten Abenteuers.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
Monster in der Toskana: Vom wilden Gargoyle gejagt!
Kyra, Nils, Lisa und Chris erforschen ein uraltes Geheimnis, das auf magische Weise mit ihrem eigenen Schicksal verbunden ist – das Geheimnis der sieben Siegel. In den Ruinen des toskanischen Klosters San Cosimo bewundern die vier Freunde die mittelalterliche, in Stein gemeißekten Untiere des berühmten Bildhauers Damiano. Etwas Unheimliches liegt in der Luft und plötzlich macht sich eine schreckliche Hinterlassenschaft in den alten Katakomben des Klosters bemerkbar … (Verlagsinfo)
Dieser dritte Band der elfbändigen Reihe wird vom Verlag ab zehn bis elf Jahren empfohlen. Die Protagonisten sind aber schon zwölf Jahre alt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar „Jerry Cotton“-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
_Die vier Freunde:_
|Kyra Rabenson| ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
|Lisa Morgenthal| ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
|Nils Morgenthal|, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
|Chris| (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Die vier Freunde folgen Professor Rabenson, Kyras Vater, hinunter in die Tiefen des toskanischen Klosters San Cosimo. Umgeben von Wasserspeiern mit grässlichen Fratzen stoßen sie mit dem Archäologen auf ein interessantes Mosaik auf dem Fußboden. Es enthält einen Hinweis, wie man einen Geheimgang öffnet. Die Erbauer dieses Klosters verstanden wirklich etwas von Bau- und Ingenieurskunst. Einen Gang weiter stoßen sie auf eine runde Steinplatte mit einem Griff daran. Etwas stinkt hier gewaltig, und es sind nicht Nils‘ Blähungen, die er vom italienischen Espresso bekommen hat: Es stinkt nach Schwefel.
Zusammen mit dem Professor stemmen die Jungs die Steinplatte hoch. Puuh! Ein Geruch wie aus der Hölle. Die Quelle des Schwefelgestanks ist identifiziert. Aber keine Treppe führt in die Katakomben, die darunter sichtbar werden, hinab, und die einzige Leiter ist schon längst dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen. Der Professor holt zusammen mit einem der Jungen seine Alu-Leiter. Doch beim Transport verletzt er sich den Fuß, so dass er verbunden werden muss. Nachdem sie die Leiter hinabgelassen haben, verlassen alle wieder den Keller.
Kurze Zeit, nachdem sie den Professor verarztet haben, verschwindet seine Kollegin, die stets in Zitronengelb gekleidete Doktor Richardson, auf dem weitläufigen, aber durch einen Elektrozaun abgesperrten Gelände. Als Kyra und Lisa besorgt in der Klosterabtei nach der verschwundenen Archäologin suchen, stoßen sie auf deren zitronengelben Pulli- und Fußspuren. Diese führen nicht nur in den Keller, nein, sogar weiter – ins Labyrinth der Katakomben.
Jetzt kriegt die schüchterne Lisa aber wirklich Angst. All die grässlichen Wasserspeierfratzen, die der Bildhauer Damiano im Mittelalter schuf, und dann noch dieser entsetzliche Höllengestank setzen ihr heftig zu. Sie will umkehren und wenigstens auf die Jungs warten. Doch Kyra scheint vom Geist ihrer Mutter, der Dömonenbekämpferin, erfüllt zu sein und drängt vorwärts. Lisa muss ihr wohl oder übel folgen, denn Kyra hat die Taschenlampe. Dass ihr in den Unterarm eingebrannten magischen Siegel kribbelt wie verrückt, versteht sich ja wohl von selbst: Das Böse ist nah!
Hier unten stoßen sie zunächst auf das Atelier Damianos. Unfertige Gargoyles stehen herum. Doch die Fußspuren im Staub führen weiter. Tiefer hinein ins Labyrinth. Da hören sie einen Schrei – Doktor Richardson? Und noch ein Schrei – der abrupt abbricht. Das Blut gefriert den Mädchen fast in den Adern. Und doch drängt Kyra weiter. Lisa folgt ihr Zähne klappernd …
_Mein Eindruck_
Natürlich denkt jeder sofort an die Schrecken, die in jenem Kloster lauerten, das in „Der Name der Rose“ von Umberto Eco (Bruder „Umberto von Bologna“) so lebhaft zum Leben erweckt wurde. Schon in einer der ersten Szenen stolpert Adso, der Novize Wiliam von Baskervilles, in eine kleine Kapelle, in der es vor Gruselgestalten nur so wimmelt. Sie alle erinnern den schaudernden Betrachter an seine Sterblichkeit und warnen ihn vor den Schrecken der Hölle, um ihn zur Umkehr zu mahnen.
Neben Schädeln und Skeletten sieht man auch Wasserspeier-ähnliche Gestalten. Diese Gargoyles sollen das Böse abweisen. So erklärt es zumindest der Autor Kai Meyer in seinem Roman. Wasserspeier waren, wie jeder Betrachter von „Der Glöckner von Notre Dame“ weiß, an zahlreichen Kathedralen und Domen des Mittelalters angebracht. Auch sie hatten die Aufgabe, das Böse abzuwehren.
Doch wer schuf all die herrlichen Fratzen und Untiergestalten, die an Notre Dame und Co. zu sehen sind? Damiano heißt der toskanische Bildhauer, den Kai Meyer stellvertretend für alle anderen Bildhauer vorstellt. Nur hat es mit Damianos Werken eine ganz besondere Bewandtnis: Sie wurden „nach der Natur“ geschaffen. Was lediglich heißt, dass es für sie eine lebendige Vorlage gab …
Nach dem Ausbruch der Gargoyles aus ihren Gefängniszellen kommt es zu einer herrlich spannenden Szene, die der Autor aus Spielbergs Dino-Kracher „Jurassic Park“ abgekupfert hat. (Sogar der Starkstromzaun kommt vor.) Ein großer fliegender Gargoyle verfolgt den dahinrasenden Jeep, den der führerscheinlose Chris zu steuern versucht. Schneller! Tritt auf die Tube! Die Freunde feuern Chris an. Werde sie das Wettrennen gegen die fliegende Gefahr gewinnen? Bei Spielberg wird der Gargoyle von einem rasenden T- Rex vertreten, der immerhin 65 Sachen erreicht. Wie das Wettrennen ausgeht, wird nicht verraten.
Da sie ohne Fernbedienung das Stahltor nicht öffnen können, sind die Freunde wenig später im Gehege, das der Elektrozaun unüberwindbar umschließt, eingeschlossen – ein Leckerbissen für hungrige Monster. Chris erklärt sich bereit, die Fernbedienung, die Dr. Richardson hatte, aus deren Behausung zu holen. Dafür muss er jedoch die ganze Abtei durchqueren … Dabei macht er eine aufregende Entdeckung, die zur Bewältigung der Gargoyle-Gefahr führt: Er und Nils müssen den Rattenfänger von Hameln spielen. Wie das geht, sollte man selbst nachlesen.
|Charakterprobe|
Auch dieses dritte Abenteuer entpuppt sich als wahre Charakterprobe. Im Gegensatz zu dem oberflächlichen und klischeehaften ersten Band spielen Charakterzüge diesmal eine wesentliche Rolle. Nur in enger Zusammenarbeit gelingt es den vier Freunden, dieses Abenteuer zu bestehen, indem jeder seine besonderen Fähigkeiten einbringt.
Die Motive und Aktionen der Figuren ergeben sich aus ihrer Veranlagung. Diese – und das ist das Schöne daran – hat sich inzwischen gewandelt. Denn die Sieben Siegel sind ja magischer Natur und verändern ihren Träger. Lisa liebt es inzwischen, Rätsel zu lösen, Chris versteht viele Sprachen und ist ein Draufgänger, Nils neigt jetzt mehr zur Vernunft, und Kyra erweist sich ihres mütterlichen Erbes als mehr als würdig: Mami war eine Hexe, und Kyra eifert ihr nach! Unerschrocken erforscht sie das Böse – auch an den unheimlichsten Orten. Und dass Nils der einzige ist, der über eine Posaunistenausbildung verfügt (okay, es waren nur ein paar Stunden widerwilligen Unterrichts), erweist sich lebensrettend.
|Pärchen|
Darüber hinaus sind die vier Freunde keine Einzelgänger mehr, sondern zwei Pärchen. Lisa und Chris haben sich endlich gefunden. Nur dass Chris‘ draufgängerisches Losstürmen immer auf den Protest der etwas zaghaften Lisa trifft. Und dass Nils und Kyra einander gut verstehen, ist ebenfalls klar: Sie übernimmt in brenzligen Situationen das Kommando, und er hat sich gefälligst zu beeilen, es ihr recht zu machen.
Durch diese Paarungen und die grotesken Situationen, in die sie geraten, ist diesmal auch gehörig für Humor und Ironie gesorgt. Gargoyles und Ratten jagen nicht jedem Mädchen Angst ein, aber nervende Brüder können einem echt den letzten Nerv rauben – zur Belustigung der Übrigen. Und italienischer Espresso kann sich als wahre Kraftprobe für den Körper eines Mannes erweisen …
|Illustrationen|
Die Zeichnungen von Wahed Khakdan machen dem Leser erst richtig deutlich, welche Dimensionen die Klosterabtei aufweist. Unter der zentralen Klosterkapelle liegen der Keller und die Katakomben. Ringsum herum liegen jedoch die Wohn- und Arbeitsgebäude der Klosterbrüder (von denen wir nie erfahren, welchem Orden sie angehörten, aber ich tippe auf Benediktiner oder Zisterzienser – die bauten immer so groß).
Außerdem gibt es Zeichnungen, die einem Comic entstammen könnten: Es sind oft Nahaufnahmen, meist aus einem schrägen Winkel betrachtet. Dies verleiht der Darstellung eine Dynamik, die sich mit den Emotionen auf den Gesichtern der Figuren verbindet. Die Figuren betrachten meist etwas mehr oder weniger Schreckliches und sperren den Mund auf. Das würde bei „normaler“ Darstellung etwas lachhaft aussehen, wirkt so aber in Ordnung.
_Unterm Strich_
In dieser Episode führt der Autor seine Abenteurer-Crew aus dem verträumten, der Moderne entrückten Giebelstein noch tiefer in die Vergangenheit: ins klösterliche Mittelalter der Toskana. Wer weiß, wohin diese Zeitreise noch führt. Anklänge an „Indiana Jones“ (er wird sogar zitiert), „Der Name der Rose“ und „Jurassic Park“ werden mit der Vorlage „Der Rattenfänger von Hameln“ abgeschlossen – eine recht kuriose und umso interessantere Mischung. Einmal musste ich sogar an H. P. Lovecrafts Schauergeschichten denken.
Aber wer hätte gedacht, dass sich alle mittelalterliche Kirchen durch einen geheimen Mechanismus in Sekundenschnelle zerstören lassen? Dass es sich so verhalten könnte, wie der Autor behauptet, soll seine Begründung plausibel machen, dass die Klosterbrüder und Kirchenherren ihre Schätze vor den Türken und anderen Invasoren schützen wollten. Ein kleiner Ruck an einem Hebel – und schon wird die Selbstzerstörung des Gotteshauses in Gang gesetzt. Eigentlich genial. Warum das noch niemand in Szene gesetzt? (Man denke auch an „Alien 1“, wo Lt. Ellen Ripley den Selbstzerstörungsmechanismus der Nostromo in Gang setzt.)
Ein kleiner Schönheitsfehler mag darin bestehen, dass das Konzept der Serie stark an R. L. Stines Gruselgeschichten für Kinder und Jugendliche erinnert. Aber je mehr ich von Meyers Serie lese, umso origineller kommen mir seine Ideen vor. „Jurassic Park“ in der Toskana – aber gerne doch! Schade ist es aber doch, dass wir nie den grund erfahren, warum die Gargoyles all die Jahrhunderte überlebt haben, noch warum sie überhaupt entstanden. Das wäre eine eigene Geschichte wert, würdig eines Lovecraft oder Brian Lumley.
Ich habe den Roman in etwa zwei Stunden (mit Unterbrechungen) gelesen. Die Schrift ist groß, es gibt etliche Illustrationen, und die Story zieht den Leser in ihren Bann. Danach legte ich das Buch rundum zufrieden beiseite, fühlte mich aber an etliche Vorbilder erinnert. Kai Meyer kennt sich offensichtlich in der Horrorliteratur und mit Abenteuerfilmen aus. Er sollte aber die Vorlagen nicht allzu genau übernehmen.
„Der Dornenmann“ lautet der vielversprechende Titel des nächsten Abenteuers.
SONDERBAND: Jenseits des Jahrtausends: Die Sieben-Siegel-Saga (Gebundene Ausgabe)
Alle zehn Bände sind ursprünglich im |Loewe|-Verlag erschienen, doch die ersten fünf Bände gibt es in einer preiswerten Taschenbuch-Ausgabe im CBT-Verlag von Bertelsmann sowie als Hörbücher.
Mehr von Kai Meyer auf Buchwurm.info:
Interview mit Kai Meyer
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige 1, Buchfassung)
„Dschinnland“ (Die Sturmkönige; inszenierte Lesung zu Band 1)
„Wunschkrieg“ (Die Sturmkönige 2, Buchfassung)
„Wunschkrieg“ (Die Stürmkönige; inszenierte Lesung zu Band 2)
„Die Wellenläufer“ (Hörbuch)
„Die Muschelmagier“ (Hörbuch)
„Die Wasserweber“ (Hörbuch)
„Der Brennende Schatten“ (Hörspiel)
„Die Vatikan-Verschwörung“ (Hörspiel)
„Frostfeuer“ (Hörbuch)
„Die Alchimistin“
„Das Haus des Daedalus“
„Der Schattenesser“
„Die Fließende Königin“
„Das Buch von Eden“ (Hörbuch)
„Das Buch von Eden“
„Der Rattenzauber“
„Faustus“
„Seide und Schwert“ (Das Wolkenvolk 1, Hörbuch)
„Lanze und Licht“ (Das Wolkenvolk 2, Hörbuch)
„Drache und Diamant“ (Das Wolkenvolk 3, Hörspiel)
Das Wolkenvolk – Seide und Schwert, Buch 1: „Wisperwind“ (Graphic Novel)
Die Alchimistin – Das Hörspiel:
1) „Der Stein der Weisen“
2) „Das Erbe des Gilgamesch“
3) „Die Katakomben von Wien“
4) „Das Kloster im Kaukasus“
5) „Die Unsterbliche“
6) „Die Schwarze Isis“
7) „Der Schatz der Templer“
8) „Der Alte vom Berge“
_Unheimlich: Dämonische Monster in grusligen Gemäuern_
Kyra, Nils, Lisa und Chris erforschen ein uraltes Geheimnis, das auf magische Weise mit ihrem eigenen Schicksal verbunden ist – das Geheimnis der sieben Siegel. In Band 1 begegnet Kyra Rabenson der seltsamen Frau mit dem fliegenden Fisch in der Handtasche das erste Mal an einem Freitag. Eine gespenstische Begegnung, die Kyras Leben auf den Kopf stellt. Denn die geheimnisvolle Fremde ist eine Hexe …
In Band 2 haben die vier Freunde das elterliche Hotel Erkerhof ganz für sich allein. Nicht ganz! Ist der riesige schwarze Storch im alten Ballsaal ein Alptraum oder Wirklichkeit? Die Sieben Siegel auf den Armen der Freunde zeigen es: Die Dämonen sind zurückgekehrt …
_Der Autor_
Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u. a. ein paar „Jerry Cotton“-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war „Die Geisterseher“, eine historische „Akte X“. Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen.
Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller „Die Alchimistin“ begeistert, später folgten „Die fließende Königin“ und „Göttin der Wüste“. Bei Loewe erschien mit den „Wellenläufern“ ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet. Er lebt am Rande der Eifel.
_Die vier Freunde:_
|Kyra Rabenson| ist 12 Jahre alt, hat rotes Haar wie ihre Tante Kassandra, bei der sie seit dem Tod ihrer Mutter wohnt, und ist die Tochter des bekannten Wissenschaftlers und Bestsellerautoren Professor Rabenson. Sie ist mutig und sehr neugierig.
|Lisa Morgenthal| ist elf Jahre alt, blond und furchtbar verliebt in Chris. Sie wohnt mit ihren Eltern und ihrem Bruder Nils im größten und unheimlichsten Gebäude Giebelsteins, dem alten Hotel Erkerhof, auch genannt Kerkerhof. Sie ist manchmal zurückhaltend und sensibel.
|Nils Morgenthal|, ein Jahr älter, ist ihr Bruder und wohnt ebenfalls im Kerkerhof. Er besitzt einen makaberen Sinn für Humor, sammelt Monstermasken und erzählt mit Vorliebe blutige Schauergeschichten. Zunächst ist er draufgängerisch, aber das ändert sich im Laufe der Ereignisse.
|Chris| (= Chrysostomus Guldenmund) ist 12 Jahre alt und der Sohn eines Diplomaten, hat in sechs verschiedenen Ländern gelebt und spricht fünf Sprachen: Englisch, Französisch, Spanisch, ein bisschen Italienisch und schlecht Griechisch. Er ist sportlich, immer schwarz gekleidet, isst gerne alles, was ihm in die Finger kommt, wird aber – zum Ärger der Mädchen – nicht dick davon. Er ist sehr selbstbewusst und risikobereit; in Kyra verknallt, mag aber auch Lisa gern.
Alle Jugendlichen verändern sich durch ihre Abenteuer, aber in welcher Hinsicht soll hier noch nicht verraten werden.
_Handlung_
Die vier Freunde haben im riesigen Schlosshotel Erkerhof sturmfreie Bude, denn Lisas und Nils‘ Eltern sind übers Wochenende zur Testamentseröffnung ihrer Großtante gefahren. Klar, dass die Geschwister ihre Freunde Kyra und Chris einladen, mit ihnen die freie Zeit zu verbringen und das große unheimliche Gemäuer zu erkunden. Doch eines Nachts hört Lisa ein Geräusch und geht ihm nach.
„Es muss einfach ein Albtraum sein!“ Das ist alles, was Lisa denken kann. Ein drei Meter großer, schwarzer Storch mitten im Ballsaal des verfallenen Hotels Erkerhof – das kann es nicht geben! Als sie ihren Freunden aufgeregt davon erzählt, glaubt Nils ihr nicht, doch Chris hat ein untrügliches Zeichen dafür entdeckt, dass Lisa die Wahrheit erzählt: An ihm sind erneut die magischen Sieben Siegel erschienen (die sie im ersten Abenteuer erhielten) und lassen keinen Zweifel: Die vier Freunde müssen abermals gegen dämonische Mächte antreten.
Doch wo hat sich der Storch versteckt? Um dies herauszufinden, klettern alle vier aufs Dach – dorthin, wo Störche nun mal zu nisten pflegen. Sie finden das Nest auch: Vier Eier liegen in einem Dornenverhau. Papa Storch ist schnell zurück und verscheucht die Gefahr mit seinem spitzen, blutroten Schnabel. Dann setzt er ihnen durchs ganze Gebäude nach. Erst im Kühlraum der Küche kommt sie dazu, zu verschnaufen und nachzudenken.
Was hat der dämonische Storch zu bedeuten? Der kommt ja nicht aus dem Nichts, sondern direkt aus der Hölle. Aber warum erst jetzt? Da kommt ihnen die rettende Idee: Sie müssen in der Vergangenheit forschen, als der Erbauer des Schlosses, Baron Moorstein, okkulte Forschungen und Beschwörungen betrieb. In der Schlossbibliothek stoßen sie auf eine wichtige Spur: die Aufzeichnungen des Barons, dem der Erkerhof einstmals gehörte. Offenbar hat der Baron vor Jahrhunderten einen grauenvollen Dämon beschworen – eine blutrünstige Kreatur, die erst heute in Gestalt des schwarzen Storchs erschienen ist.
Es ist nun an Kyra und ihren Freunden, die Bestie zu vertreiben, ehe sie und ihre Brut Tod und Verderben über Giebelstein bringen. Sie teilen sich auf. Während Nils und Kyra in den Keller vordringen, wo der Baron sein Labor hatte, wagen Lisa und Chris einen zweiten Vorstoß zum Nest des Storchs. Doch wo ist der Widersacher abgeblieben? Lauert er etwa im Hinterhalt?
_Mein Eindruck_
Man sollte nicht meinen, dass ein drei Meter großer Klapperstorch furchteinflößend wäre, aber dieser dämonische Bewohner des Schlosshotels ist es ganz bestimmt. Mit seinem harten Schnabel durchbohrt er hölzerne Türen, dann klettert er durch die großen alten Kamine in ein anderes Zimmer. Kurz: die Kinder sind nie vor ihm sicher. Und dann ist da noch die frisch geschlüpfte Brut, die das Gemäuer unsicher macht. Eine wahre Plage, direkt aus der Hölle.
|Fluch der Vergangenheit|
Der Baron hat sie herbeigerufen und sie kam, mit ein paar hundert Jahren verspätung, aber immerhin. Diese Plage ist also der Schatten der Vergangenheit, wie er so häufig in Schauergeschichten eine Rolle spielt: ein Fluch, der aufgehoben werden muss. Sind die heutigen Bewohner des Schlosses, das einst auch als Irrenhaus diente, clever genug, den Dämon zu besiegen, oder genauso dumm wie der erste Bewohner? Diese spannende Frage wird natürlich erst ganz am Schluss beantwortet.
|Charakterprobe|
Dieses Abenteuer entpuppt sich als wahre Charakterprobe. Im Gegensatz zu dem oberflächlichen und klischeehaften ersten Band spielen Charakterzüge diesmal eine wesentliche Rolle. Die Motive und Aktionen der Figuren ergeben sich aus ihrer Veranlagung. Diese – und das ist das Schöne daran – hat sich inzwischen gewandelt. Denn die Sieben Siegel sind ja magischer Natur und verändern ihren Träger. Lisa liebt es, Rätsel zu lösen, Chris versteht viele Sprachen und ist ein Draufgänger, Nils neigt jetzt mehr zur Vernunft, und Kyra erweist sich ihrem mütterlichen Erbe als mehr als würdig: Mami war eine Hexe, und Kyra eifert ihr nach!
|Pärchen|
Darüber hinaus sind die vier Freunde keine Einzelgänger mehr, sondern zwei Pärchen. Lisa und Chris haben sich endlich gefunden. Nur dass Chris‘ draufgängerisches Losstürmen immer auf den Protest der etwas zaghaften Lisa trifft. Und dass Nils und Kyra einander gut verstehen, ist ebenfalls klar: Sie übernimmt in brenzligen Situationen das Kommando, und er hat sich gefälligst zu beeilen, es ihr recht zu machen. Was angesichts eines drei Meter großen Vogelmonsters gar nicht so einfach ist.
Durch diese Paarungen und die grotesken Situationen, in die sie geraten, ist diesmal auch gehörig für Humor und Ironie gesorgt. Spinnen und Ratten jagen nicht jedem Mädchen Angst ein, aber nervende Brüder können einem echt den letzten Nerv rauben – zur Belustigung der Übrigen. Selbst der „innovative“ Tee von Tante Kassandra ist keine wahre Freude, wenn er aus Venusfliegenfallen (also fleischfressenden Pflanzen) gebraut wurde.
|Illustrationen|
Die Zeichnungen machen dem Leser erst richtig deutlich, welche Dimensionen das Schlosshotel aufweist. Es ist ein richtiges Palais, aber mit zahllosen barocken Giebelchen und Erkerchen, so dass es eine Art Labyrinth bildet. Wunderbar gelungen ist die Darstellung des Vogelmonsters: Der leere Blick aus weißen Aufgäpfels starrt boshaft auf die kleinen Menschenkinder herab, als wären sie alle verdammt. Und das wären sie auch, wenn Kyra nicht die rettende Idee käme.
_Unterm Strich_
„Der schwarze Storch“ ist ein rundum gelungenes Horror-Abenteuer, das von der ersten Seite an stilistisch gut erzählt und konsequent auf seinen dramatischen Höhepunkt zu komponiert ist. Offensichtlich hat der Autor eine Menge über das Schreiben hinzugelernt, obwohl dieser Band im gleichen Jahr 1999 wie der erste Band der Serie „Sieben Siegel“ veröffentlicht wurde. Ein kleiner Schönheitsfehler mag darin bestehen, dass das Konzept der Serie stark an R.L. Stines Gruselgeschichten für Kinder und Jugendliche erinnert.
Ich habe den Roman in etwa zwei Stunden (mit Unterbrechungen) gelesen. Die Schrift ist groß, es gibt etliche Illustrationen, und die Story zieht den Leser in ihren Bann. Danach legte ich das Buch rundum zufrieden beiseite, fühlte mich aber an etliche Vorbilder erinnert. Kai Meyer kennt sich offensichtlich in der Horrorliteratur aus. Und er lässt seine Helden dieses Genre sogar erwähnen, um jeder Kritik die Lanze zu brechen: In Horrorfilmen würden sich die Figuren immer falsch verhalten. Daraus sollte man, wenn man schlau genug ist, unbedingt eine Lehre ziehen.
Giebelstein, das mittelalterliche Städtchen, birgt offenbar noch viel Rätsel und Altlasten aus seiner bewegten Vergangenheit. Zunächst war da der Inquisitor und Hexenjäger Abakus aus dem 16. Jahrhundert, dann kam der Teufelsbeschwörer Baron Moorstein im 18. Jahrhundert – was haben wir als nächste Gefahr zu erwarten? „Die Katakomben des Damiano“ lautet der vielversprechende Titel des nächsten Abenteuers.
Für Fantasygeschichten ist man nie zu alt. Besonders, wenn es sich dabei um eine so fabelhafte Geschichte handelt wie die von Polly Shulman. Ihr Jugendbuch „Die geheime Sammlung“ spielt in einer New Yorker Bibliothek und lässt die Grimmschen Märchen lebendig werden …
_Elizabeth hat es_ nicht gerade einfach an ihrer neuen Schule. Die einzelnen Grüppchen wollen nichts mit ihr zu tun haben und stempeln sie schnell zur Außenseiterin ab. Ein Lichtblick ergibt sich, als ihr Gemeinschaftskundelehrer der Fünfzehnjährigen einen Aushilfsjob im Repositorium der Verleihbaren Schätze besorgt. Das Repositorium – eine Bibliothek, in der man weniger Bücher als vielmehr Gegenstände, wie zum Beispiel solche aus bestimmten Märchen, ausleihen kann – ist ein geradezu magischer Ort, an den die leicht sonderbare Elizabeth ziemlich gut passt.
Ihre Aufgabe als Page ist es, die Dinge, die die Besucher ausleihen wollen, zu holen. Dabei hat sie nicht von Anfang an Zutritt zu allen Sammlungen. Das so genannte Grimm-Sammelsurium, das verzauberte Gegenstände aus den Märchen der Gebrüder Grimm enthält, darf sie erst nach einer Probephase betreten. Währenddessen lernt sie nicht nur neue Freunde kennen, darunter den mürrischen Aaron und Marc, den Basketballstar ihrer Schule, sondern erfährt auch, dass seit einiger Zeit merkwürdige Dinge im Repositorium geschehen. Pagen verschwinden spurlos, ein großer Vogel verfolgt andere, Dinge aus dem Grimm-Sammelsurium verlieren ihre magischen Kräfte. Als auch noch Anjali, eine neue Freundin von Elizabeth, plötzlich nicht mehr da ist, macht sie sich gemeinsam mit Aaron und Marc auf die Suche. Zum Glück haben sie dabei Gegenstände wie fliegende Teppiche, sich selbst deckende Tische und jede Tür öffnende Spazierstöcke aus der Sammlung an ihrer Seite …
_Polly Shulman zieht_ ihre Leser bereits von der ersten Seite an in ihren Bann. Ihr Schreibstil, die liebenswerte Hauptfigur, die abwechslungsreiche, abenteuerliche Handlung – die Autorin ist eine wahre Geschichtenerzählerin! Alles an der Geschichte passt. Das beginnt mit dem Plot, der leichtfüßig von einem Ereignis zum anderen springt. Erzählt aus Elizabeths Perspektive konzentriert sich das Buch vor allem auf die geradlinige Haupthandlung und die Suche nach der verschwundenen Anjali. Die Autorin verzichtet dabei auf übertriebene Wendungen und Ereignisse. Vielmehr ist der Aufbau der Geschichte beinahe schon ein klassischer Abenteuerroman für Kinder mit ein paar magischen Elementen. Die drei treten gegen einen „bösen“ Erwachsenen an, den sie nur dadurch besiegen können, dass sie ihren Kopf anstrengen und zusammen arbeiten – was vor allem Aaron und Marc, die sich nicht besonders gut leiden können, schwer fällt. Anjalis kleine Schwester, Jaya, die ebenfalls an der Suche beteiligt ist, sorgt immer wieder für lustige Momente mit ihrer kindlichen Altklugheit.
Als Hintergrund für diese Geschichte dient zum einen die Stadt New York, die durch Shulmans lebendige und bildhafte Beschreibungen einen gewissen Zauber entwickelt, und das Repositorium. Selbst normale Bibliotheken haben von vornherein eine gewisse Anziehungskraft. Dicke Folianten aus allen Zeiten versprechen spannende Geschichten, doch was passiert, wenn die Sammelobjekte keine Bücher, sondern Gegenstände sind, die magische Kräfte haben und aus Märchen bekannt sind? Dieses Szenario stellt Shulman wunderbar zielgruppengerecht, humorvoll und vor allem erfindungsreich dar. Gerade am Anfang führt sie bestimmte Dinge ein, nur um ihre Funktionsweise zu zeigen und den Leser zu amüsieren. Unvergleichlich ist der Nachmittag, den Anjali, Elizabeth und Marc damit verbringen, einige der Objekte des Repositoriums zu reparieren. Dazu gehört auch das deutsche Tischlein-Deck-dich (es gibt auch noch eine französische Version), einem Tisch, der sich von selbst mit üppigstem Essen belädt, aber ab und zu einmal abgewischt werden muss.
Elizabeth hat große Füße, keine Freundinnen mehr, seit ihre beste Freundin nach Kalifornien gezogen ist, und liegt ständig im Clinch mit ihrer Stiefmutter. Sie ist nicht besonders hübsch und nicht besonders beliebt. Sie ist eine liebenswerte Antiheldin, die in ihrer eigenen Welt lebt. Der Leser folgt ihr gerne in diese, da sie sie charmant erklärt und ihr Humor einfach nur niedlich ist. Sie ist nicht sarkastisch, sondern ein sehr optimistischer, neugieriger Mensch. Die Arbeit im Repositorium sorgt dafür, dass sie selbstsicherer und aufgeschlossener wird. Man kann sich gut mit ihr identifizieren und folgt ihr gerne bei ihrem Abenteuer.
Einziger Kritikpunkt an der Geschichte sind Shulmans Zeitsprünge. Manchmal findet zwischen zwei Absätzen ohne Trennung durch eine Leerzeile ein Sprung in Zeit und Raum statt, der den Leser verwirrt. In einer Zeile befand sich Elizabeth noch zu Hause, in der nächsten steht sie zwei Tage später vor dem Raum, in dem ihr Vorstellungsgespräch statt findet. Dies hätte man anders lösen sollen. Ansonsten ist das Buch aber angenehm leicht geschrieben, so dass jeder es versteht. Ein gewisser Humor und Zauber wohnen Shulmans Worten inne, die sie ihrer Ich-Erzählerin in den Mund legt und die es einfach machen, das Buch so schnell nicht aus der Hand zu legen.
_“Die geheime Sammlung“_ von Polly Shulman ist ein märchenhaftes Buch für jeden, der gerne leichte, unterhaltsame Fantasy liest – egal, ob dieser jung oder alt ist!
|Gebunden: 344 Seiten
Originaltitel: The Grimm Legacy
Deutsch von Momo Evers und Falk Behr
ISBN-13: 978-3426283318|
http://www.pan-verlag.de
„Die Welt ist entzwei, dachte Peter, und sie kann nicht heil gemacht werden.“
Die Welt des kleinen Peter ist tatsächlich entzwei: Seine Mutter ist bei der Geburt seiner Schwester gestorben, sein Vater – ein tapferer Soldat – ist gefallen. Seitdem lebt Peter bei einem alten, mürrischen Offizier namens Vilna Lutz, der einst an der Seite von Peters Vater gekämpft hat. Vilna Lutz hat Peter immer erzählt, dass seine Schwester Adele noch bei der Geburt gestorben ist. Als aber eine Wahrsagerin eines Tages auf dem Markt in Balta auftaucht, beschließt Peter, sein ganzes Geld, für das er eigentlich Fisch und Brot kaufen sollte, zu investieren, um der Wahrsagerin eine Frage zu stellen – nämlich die, ob seine Schwester noch lebt. Und tatsächlich behauptet die Wahrsagerin, dass Adele noch lebt und dass ein Elefant Peter den Weg zu seiner Schwester weisen würde.
Fantasy, Historisches, Jugendbücher mit einem Schuss Mystery – Nina Blazon hat bewiesen, dass man sie nicht auf ein Genre eingrenzen kann. Mit ihrem neusten Streich „Schattenauge“ erobert sie das Urban-Fantasy-Genre auf ihre ganz eigene Art, denn bekannte Zutaten wie Vampire und Werwölfe muss man in ihrem Jugendroman lange suchen.
_Die sechzehnjährige Zoë_ liebt es, nachts durch die Clubs zu ziehen und sich den Frust von der Seele zu tanzen. Ihr Freund hat sie mit ihrer besten Freundin betrogen, sie muss ständig auf ihren kleinen Bruder aufpassen, hat Streit mit ihrer Mutter – Gründe hat sie genug. Doch plötzlich kommt noch etwas anderes hinzu. Blackouts, sie fühlt sich merkwürdig, verliert die Kontrolle über ihr Verhalten.
Etwa zur gleichen Zeit lernt sie den coolen Irves und dessen schweigsamen Freund Gil, der ihr ein wenig unheimlich ist, kennen. Als Gil sie warnt, sich in bestimmte Teile der Stadt zu begeben, beginnt sie, Fragen zu stellen, die er ihr nur sehr ungern beantwortet. Doch sie bohrt weiter und findet bald heraus, dass sie mit ihren Blackouts nicht alleine ist – und dass etwas Ungeheuerliches mit ihr passiert. Es scheint, als habe sie den „Schatten“ und könne sich in ein Raubtier verwandeln und als Mensch dessen Instinkte nutzen. Es gibt noch mehr von den Panthera, ihrer Art, in der Stadt, doch sie meiden einander eigentlich. Als mehrere Panthera grausam ermordet werden, stellt sich Gil, Zoë und Irves die Frage, wer es war. Jemand aus ihrem Kreis oder jemand ganz Anderes, von dem niemand etwas weiß?
_Nina Blazons Bücher_ spielen häufig in Welten, die sie selbst kreiert hat und die bereits bestehenden nur wenig ähneln. Dabei zeichnet sie sich durch einen großen Ideenreichtum aus und erfindet übernatürliche Wesen, von denen man vorher noch nie gelesen hat. In „Schattenauge“ erschafft sie allerdings keine neue Welt, sondern vermischt ihre Fantasie mit der realen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Angesiedelt in einer ungenannten Großstadt, ist die Kulisse atmosphärisch und urban, cool und düster. Blazon schafft es, die reale Welt so einzufangen, dass sie etwas Mystisches, etwas Besonderes hat.
Etwas Besonderes haben auch die Figuren in der Geschichte. Das beschränkt sich nicht nur auf die Menschen, die einen „Schatten“ haben. Auch alle anderen Charaktere sind sehr sorgfältig ausgearbeitet. Jede Person hat etwas Spezielles, was sie von anderen abhebt. Mit wenigen Worten schafft es die Autorin, die Persönlichkeiten von selbst sehr unwichtigen Charakteren genau abzustecken. Am herausragendsten sind natürlich Zoë und Gil. Beide treten in der Geschichte als Erzähler auf. Zoë berichtet, obwohl sie im Mittelpunkt steht, nur aus der dritten Person, Gil aus der Ich-Perspektive. Die Distanz, die dadurch zu Zoë aufgebaut wird, passt zu ihrer verschlossenen Persönlichkeit. Gil hingegen erlaubt einen großzügigen Einblick in sein Leben mit dem „Schatten“, in Zoës Entwicklung und die Morde in der Stadt. Seine Gefühle und Gedanken werden weiter ausgeführt als die von Zoë. Trotzdem sind beide Perspektiven, die sich abwechseln, ähnlich stark, da die Erzähler mitreißend und interessant sind.
Aus den Blickwinkeln beider Hauptfiguren ergibt sich eine überaus packende Geschichte voller Wendungen, Geheimnisse und falschen Spuren. Obwohl das Buch mit fast 500 Seiten nicht gerade dünn ist, hält Blazon die Spannung bis zum Ende aufrecht, steigert sie sogar noch. Das Finale, das sich der Mördersuche anschließt, kann sich ebenfalls sehen lassen. Es ist überraschend, doch wenn man zurückschaut, gibt es genug logische Hinweise darauf. Man wusste sie als Leser nur nicht zu deuten.
Ähnlich gehaltvoll wie Charaktere, Kulisse und Handlung ist auch Blazons Schreibstil. Genau wie ihre anderen Büchern zeichnet sich „Schattenauge“ durch die Eleganz der einfachen Sprache aus. Zoës Abschnitte sind etwas nüchterner gehalten, aber nicht weniger fesselnd. Gils Teile der Geschichte hingegen sind wesentlich greifbarer, da sie aus der Ich-Perspektive erzählt werden. Die Autorin setzt dabei auf eine lebendige Sprache. Sie flechtet halbfertige Gedankengänge, Humor und gedachte Erwiderungen ein, die Gil als Person noch vielschichtiger aussehen lassen.
_“Schattenauge“ ist ein_ Urban-Fantasy-Buch für ältere Jugendliche, das in allen Punkten überzeugt. Die Handlung ist spannend, die Kulisse überaus ansprechend und mit Zoë und Gil sind Nina Blazon zwei außergewöhnliche Helden gelungen. Wer [„Faunblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5463 von der Autorin mochte, wird „Schattenauge“ lieben.
_Nina Blazon bei |Buchwurm.info|:_
[„Im Bann des Fluchträgers“ (Woran-Saga 1) 2350
[„Im Labyrinth der alten Könige“ (Woran-Saga 2) 2365
[„Im Reich des Glasvolks“ (Woran-Saga 3) 2369
[„Die Reise nach Yndalamor“ (Die Taverne am Rande der Welten 1) 3463
[„Im Land der Tajumeeren“ (Die Taverne am Rande der Welten 2 3980
[„Das Königreich der Kitsune“ (Die Taverne am Rande der Welten 3) 4725
[„Die Sturmrufer“ (Die Meerland-Chroniken 1) 4180
[„Der Bund der Wölfe“ 2380
[„Die Rückkehr der Zehnten“ 2381
[„Der Spiegel der Königin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3203
[„Der Maskenmörder von London“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3983
[„Die Königsmalerin“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5207
[„Faunblut“]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5463
Hanni und Nanni mit Biss – die amerikanische Autorin Richelle Mead hat mit „Vampire Academy“ eine Reihe begonnen, in deren Mittelpunkt ein Internat namens St. Vladimir steht. Dieses ist für Moroi – Vampire, die zwar Blut trinken, aber ihre Opfer nicht töten – und junge Wächter – die Beschützer der Moroi – gedacht. Band 4 der Reihe, „Blutschwur“, entfernt sich allerdings von der Schule. Die Heldin Rose macht sich auf nach Russland, wo eine schwere Aufgabe auf sie wartet …
Nach dem Angriff der Strigoi – bluttrinkende Vampire, die ihre Opfer töten – im letzten Band der Serie ist Roses Geliebter, ihr Lehrer Dimitri, von den Ungeheuern verschleppt worden und zu einem der ihren gemacht worden. Dimitri und Rose schworen sich einst, dass, wenn einen von ihnen ein solches Schicksal ereilen sollte, der andere ihn umbringt. Ein Leben als Strigoi, als etwas Böses, können sie sich nicht vorstellen.
Nun ist der Ernstfall eingetroffen. Obwohl ihr nur noch zweieinhalb Monate bis zum Ende ihrer Ausbildung fehlen, verlässt Rose St. Vladimir. Sie macht sich auf die Suche nach Dimitri, um ihm einen silbernen Pflock durchs Herz zu jagen und dadurch zu töten. Allerdings weiß sie selbst nicht so genau, wo sie anfangen soll. Also begibt sie sich nach Russland, wo sie Dimitris Heimatdorf besucht. Sie erhofft sich dort Hinweise auf seinen Aufenthalt. Sie überbringt seiner Familie die traurige Nachricht und lebt bei ihnen, bis sie sich einer Gruppe Strigoijäger anschließt. In Nowosibirsk machen sie die Gegend unsicher, bis sie endlich einen Strigoi fängt, der Dimitri zu kennen scheint …
Mit über 440 Seiten ist „Blutschwur“ der dickste Band der Reihe. Richelle Mead schafft es trotzdem, dass die Geschichte nicht lang wird. Während die Storyline in den Vorgängerbänden häufig der Schwachpunkt war, überzeugt sie dieses Mal. Überraschende Wendungen, neue zwielichtige Charaktere und eine ganze Menge Intrigen sorgen dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Die Autorin schafft es dabei, vor allem die Wendungen so einzuführen, dass sie glaubwürdig wirken, obwohl sie wirklich unerwartet kommen. Der Cliffhanger am Ende der Geschichte tut das seinige, um Geschmack auf die Folgebände zu machen.
Roses Perspektive ist allerdings nicht die einzige in der Geschichte. Da sie mit der Moroi Lissa ein geistiges Band teilt, das ihr erlaubt, in die Gedanken ihrer besten Freundin einzusteigen, erfährt sie außerdem, was auf dem Internat vor sich geht. Diese Nebenhandlung tritt allerdings nie in den Vordergrund, sondern ist eine nette Abwechslung von der ansonsten toll gestalteten Haupthandlung, die neben Action auch sehr viel Gefühl besitzt. Denn selbstverständlich hat Rose Liebeskummer, weil Dimitri ihr entglitten ist, bevor ihre Beziehung überhaupt richtig angefangen hat.
„Blutschwur“ ist trotzdem kein Taschentuchbuch. Rose mag zwar um ihre Liebe trauern, doch trotzdem ist sie nach wie vor die toughe Strigoijägerin mit der großen Klappe. Sie ist mutig, gewitzt und gibt nicht so schnell auf. Trotzdem wirkt sie nicht übermenschlich und auch nicht wie ein typisches Bad Girl. Im Gegenteil schafft es Richelle Mead, ihre Heldin in diesem Buch noch vielschichtiger und tiefgängiger dar zu stellen als in den vorherigen. Aus dem temperamentvollen, rebellischen Teenager ist eine junge Frau geworden, die viel nachdenkt und sich ihrer Gefühle nicht immer ganz sicher ist.
Die Geschichte wird aus Roses Ich-Perspektive erzählten. Die emotionale Seite der Geschichte, die nie kitschig, sondern sehr authentisch ist, wird dadurch noch stärker betont. Man lernt die Hauptfigur sehr gut kennen und sieht alles durch ihre Augen. Anders als in den ersten Bänden ist Rose zwar lange nicht mehr so kratzbürstig und witzig, dafür aber umso reifer und versierter in ihren Beschreibungen geworden. Der Schreibstil befindet sich auf einem hohen, aber trotzdem für Jugendliche verständlichen Niveau. Einziger Knackpunkt in der Geschichte: Die Beschreibungen von Roses Russlandreise. Hier wäre es schön gewesen, wenn die geschilderten Eindrücke weniger oberflächlich gewesen wären. Dem Leser gelingt es dadurch nicht wirklich, sich in das nächtliche Nowosibirsk hinein zu versetzen.
Davon abgesehen ist „Blutschwur“ ein überaus spannendes Buch, das durch zahlreiche neue Charaktere, neue Intrigen und einen tollen Cliffhanger überzeugen kann. Besonders Lob verdient Richelle Mead vor allem wegen ihrer Hauptfigur. Rose Hathaway ist eine sehr interessante junge Frau, deren Gefühls- und Gedankenwelt den Leser in ihren Bann zieht.
Broschiert: 444 Seiten
Originaltitel: |Blood Promise|
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3802582042
http://www.egmont-lyx.de
http://www.richellemead.com
Die junge Anax will an der Akademie aufgenommen werden. Für ihre Prüfung hat sie sich mit dem Leben von Adam Forde auseinander gesetzt, einer bedeutenden Persönlichkeit in der Geschichte ihres Landes. Drei Jahre lang hat sie dafür studiert und nun ist es so weit. Nun muss sie beweisen, dass sie tatsächlich eine Expertin auf ihrem Spezialgebiet ist. Doch im Verlauf der Prüfung muss sie erkennen, dass sie getäuscht wurde und dass die Akademie nicht das ist, was sie zu sein scheint …
Klingt fast ein wenig nach einem Verschwörungsthriller. Ist es aber nicht. Ich würde dieses Buch nicht einmal als Unterhaltungsliteratur bezeichnen.
Band 1: [Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1992
Band 2: [Charlie Bone und die magische Zeitkugel]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2448
Band 3: [Charlie Bone und das Geheimnis der blauen Schlange]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3308
Band 4: [Charlie Bone und das Schloß der tausend Spiegel]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3308
Band 5: [Charlie Bone und der rote König]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=3468
Band 6: [Charlie Bone und das magische Schwert]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=4685
Band 7: [Charlie Bone und der Schattenlord]http://buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=5670
Diesmal stecken Charlie und seine Freunde wirklich in ernsten Schwierigkeiten! Schlimm genug, dass der Stadtrat, nachdem er im letzten Band bereits die Schließung des Cafés |Zum glücklichen Haustier| verfügt hat, jetzt das Ehepaar Onimous komplett auf die Straße setzt und dass Tancred, der eigentlich nach seinem Duell mit Dagbert von den Bloors für tot gehalten wird, beinahe auffliegt, als er allein auf der Straße unterwegs ist. Aber dabei bleibt es nicht. Das Gelichter in der Piminy Street scheint sich plötzlich sprunghaft zu vermehren, im Bloor taucht nicht nur ein Magier mit einem verzauberten Schwert auf, sondern auch Dagberts Vater, und dann gerät auch noch Olivia ins Visier der Bloors und Darkwoods! Charlies Eltern sind immer noch auf See, in höchster Gefahr ertränkt zu werden, und Billy Raven befindet sich noch immer in dem Gemälde von Schloss Badlock!
Diesmal sieht es so aus, als wären es der Rettungsaktionen ein paar zu viele!
_Neuzugänge in der_ Charakterzeichnung sind diesmal nicht zu verzeichnen. Zumindest lässt sich Ashkelan Kapaldi kaum als vollwertiger Charakter bezeichnen, zu knapp ist er skizziert und zu kurz ist sein Gastspiel.
Auch was die Charakterentwicklung angeht, tut sich nicht mehr viel, allein Dagbert scheint im Zusammenhang mit der Konfrontation zwischen ihm und seinem Vater, die ihm durch den Familienfluch auferlegt wurde, noch eine gewisse Wandlung durchzumachen.
Dafür hat Jenny Nimmo diesmal auch auf Charaktere zurück gegriffen, die die Handlung längst verlassen hatten oder nur noch ganz am Rande vor kamen, darunter Alice Angel, die Schmiedin Mrs. Kettle und Tante Venetias Stiefsohn Eric.
Mit anderen Worten: sie hat fast das gesamte Arsenal aufgeboten.
Auch die Handlung bringt noch einmal eine geballte Masse an Möglichkeiten auf den Tisch, die die Autorin bisher nicht ausgeschöpft hat, sodass sich diesmal kaum sagen lässt, welches eigentlich der Hauptstrang ist. Tatsächlich ist die Gewichtung der einzelnen Aspekte ziemlich ausgeglichen. Für die Schwierigkeiten, in die Olivia gerät, hat die Autorin auf ein bereits bekanntes Detail zurück gegriffen, was aber nichts schadet, da es angesichts von Olivias Charakter einfach passend gewählt und damit schlüssig ist. Neu dagegen ist der Wasserglobus, eine interessante Idee, die mir besonders gut gefallen hat. Fast fand ich es schade, dass er nur so relativ kurz eine Rolle spielt, wenn auch eine recht spektakuläre.
Aber so ging es nicht nur diesem Punkt. Durch die große Menge an Einzelheiten ist einfach kein Platz für eine genauere Ausarbeitung. Am deutlichsten wird das spürbar in der Figur des Ashkelan Kapaldi, der so gut wie kein eigenes Profil aufweist, da er nicht auf eine Vorgeschichte aus anderen Bänden zurückgreifen kann und als erstes wieder verschwindet.
Dennoch empfand ich diese unvermeidliche Folge nicht als Manko. Denn durch die schiere Menge an Schwierigkeiten und Ärger, den die Bloors mit ihren neuesten Plänen auslösen, ist einfach immer irgendetwas los. Und obwohl Jenny Nimmo – um es grob auszudrücken – die einzelnen Bauklötze Stein für Stein erst auf- und dann wieder abbaut, lassen sich die einzelnen Bestandteile doch nicht so einfach voneinander trennen, wie es in diesem Vergleich womöglich klingt. Der Wasserglobus spielt nicht nur im Zusammenhang mit Charlies Eltern eine Rolle, sondern auch in der Auseinandersetzung zwischen Dagbert und seinem Vater und Olivias Schwierigkeiten mit den Darkwoods haben ihre Ursache in einer Aktion, deren Auslöser eigentlich das Testament war, hinter dem alle her sind.
Entscheidend ist die Wirkung, die der Bausteinvergleich beschreibt: Der Leser hat das Gefühl, dass sich Klotz für Klotz eine Schwierigkeit nach der anderen vor Charlie und seinen Freunden auftürmt, bis die Mauer fast unüberwindbar erscheint, was gehörig die Spannung hochtreibt. Auch sorgt die bröckchenweise Bewältigung für Übersichtlichkeit – immerhin ist die Zielgruppe noch immer unter den jüngsten Lesern zu suchen – und verhindert gleichzeitig, dass die Spannung zu schnell wieder abflaut. Tatsächlich kann die Autorin den Bogen bis zum endgültigen Showdown gestrafft halten, bei dem es dann nochmal so richtig wild wird und der mit einer kurzen Überraschung am Ende aufwartet. Ich weiß nicht mehr, ab wann ich das Ende ahnte, aber es war ziemlich spät!
Um es kurz zu machen: Jenny Nimmo ist zum Abschluss ihres Zyklus‘ noch einmal richtig zur Hochform aufgelaufen. Denn trotz der vielen Einzelteile, aus denen die Handlung dieses letzten Bandes zusammengesetzt ist, kommt das Buch wie aus einem Guss daher, keine Geholper, kein Stocken. Auch hat die Autorin sich nicht damit begnügt, nur auf alte Bekannte und bereits bewährte Ideen zurück zu greifen, was durchaus kein Fehler war, sondern sie hat sich auch diesmal die Mühe gemacht, sich wieder etwas Neues und Interessantes auszudenken, haben doch gerade diese Ideen – wie der Wasserglobus, die Zeitkugel oder Amorets Spiegel – einen Großteil des Zaubers ihrer Bücher ausgemacht. Beides zusammen zeigt noch einmal die Vielfalt des Zyklus‘ in Ideen und Figuren. Die Frage, warum Dagberts Launen nach der Auseinandersetzung mit seinem Vater auf einmal nicht mehr dem Mondzyklus unterworfen sein sollten, ist da ebenso rasch vergessen wie die Tatsache, dass nirgendwo so recht klar wird, wozu genau eigentlich Ashkelan Kapaldi aus seinem Gemälde geholt wurde.
_Insgesamt fand ich_ |Die Kinder des roten Königs| bunt, ideenreich, turbulent und lesenswert. Ein Beweis dafür, dass Geschichten weder Mord und Totschlag noch eklige Monster benötigen, um spannend und unterhaltsam zu sein.
_Jenny Nimmo_ arbeitete unter anderem als Schauspielerin, Lehrerin und im Kinderprogramm der |BBC|. Geschichten erzählte sie schon als Kind, Bücher schreibt sie seit Mitte der Siebziger. Unter anderem stammt der Zyklus |Snow Spider| aus ihrer Feder, sowie „Im Garten der Gespenster“, „Der Ring der Rinaldi“ und „Das Gewächshaus des Schreckens“. Der Zyklus |Die Kinder des roten Königs| hat sie auch in Deutschland bekannt gemacht.
|Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
ISBN-13: 978-3473347841
Vom Hersteller empfohlenes Alter: ab 10 Jahre
Originaltitel: |Charlie Bone and the Red Knight|
Deutsch von Christa Broermann|
http://www.jennynimmo.me.uk
http://www.ravensburger.de
_Pfiffige Leseratten lösen knifflige Rätsel und Probleme_
Als JoJo und seine Freunde Murat und Mai Lyn einen merkwürdigen Jungen namens Jimmi kennenlernen, steht ihr Leben plötzlich Kopf. Jimmi weiß weder, wer er ist, noch woher er kommt. Doch eines weiß er ganz genau: Er braucht ein sicheres Versteck, denn die Kakamura-Brüder, unheimliche Herren in schwarzen Anzügen, sind hinter ihm her. Und so schlittern die Freunde mitten hinein in ein atemberaubendes Abenteuer … (Verlagsinfo)
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 8 – 9 Jahre.
_Der Autor_
Jürgen Banscherus, geb. 1949, arbeitete nach geistes- und sozialwissenschaftlichem Studium als Journalist, Lektor und Dozent in der Erwachsenenbildung. Er ist Mitglied im PEN und Vorsitzender der Jury beim Bundesentscheid des Vorlesewettbewerbs. Seit mehr als 20 Jahren schreibt er erfolgreich für Kinder und Jugendliche. Seine Bücher wurden vielfach ausgezeichnet und sind in 19 Sprachen übersetzt. Er lebt mit seiner Frau und seiner Familie im Ruhrgebiet.
Band 1: Das Rätsel der schwarzen Herren
Band 2: Der Verrat
_Handlung_
Johannes Josef, genannt JoJo, liegt in seinem Bett, als ihn ein Klopfen weckt: Eine Gestalt am Fenster begehrt Einlass. Spinnt der? Ein Junge steigt herein, in abgerissenen Jeans, Turnschuhen und T-Shirt. Seltsamerweise ist sein Haar grau, natürlich grau, nicht gefärbt. Und er nennt sich „Jim-mi“. Nachdem JoJo ihn erst rausgeworfen hat, erbarmt er sich des Jungen dann doch. Aber er wird nicht schlau aus ihm und muss sich mit seinen Freunden beraten. Am Morgen stellt er Jimmi als „Nightwalker“, also Nachtwandler, seiner Uroma Irma vor, die den Haushalt führt, während JoJos Eltern im Sommerurlaub sind. JoJo will mitkommen.
Murat lebt in der alten Villa seines Vaters, eines Psychologieprofessors. Hier stellt JoJo den seltsamen Jungen vor. Jimmi ist stärker als Murat, wie ein Wettstreit beim Händedrücken erweist. Zusammen stellen sie Jimmi ihrer Freundin Mai Lyn Minh vor, der Dritten im Bunde: der Geheime Buchclub ist vollständig versammelt. Das Trio tauscht untereinander stets die neuesten Fantasy-Bestseller aus. Jimmi schaut sich die exakt 146 Bücher in Murats Bibliothek an und referiert ohne Fehler über deren Inhalt – der Junge ist unglaublich. Kein Wunder, dass sie ihn sofort in ihren Club aufnehmen.
Da klingelt es an der Tür, und als Murat zurückkehrt, erzählt er etwas Merkwürdiges: Da war ein ganz in Schwarz gekleideter Herr Kakamura, der bot ihm für Jimmi nicht weniger als hunderttausend Euro an, die er in einer Aktenmappe bei sich trug. Kakamura gab ihm bloß seine Visitenkarte, als Murat vorgab, keinen Jungen dieser Beschreibung zu kennen. Dass Murat sich das Geld krallt, reden ihm seine Freunde gleich wieder aus. Aber dann soll Jimmi erklären, was dieser Typ ganz in Schwarz von ihm will. Jimmi kann es nicht erklären, aber es sei bestimmt nichts Gutes.
Da Jimmi ein Clubmitglied ist, muss er beschützt werden. Also lässt sich Schnelldenker JoJo etwas einfallen: Sie wollen Jimmi in der Wäscherei von Mai Lyns Eltern verstecken. Doch der Mann in Schwarz lauert immer noch irgendwo in der Nähe. Sie müssen ihn also täuschen. Den genialen Plan setzten sie gleich in die Tat um. Doch JoJo hat nicht damit gerechnet, dass sich der Mann in Schwarz verdoppeln kann …
_Mein Eindruck_
Ich habe das Buch in etwa einer Stunde gelesen. Nicht nur, weil es flott erzählt und spannend geschrieben ist, sondern auch, weil die Schrifttype wirklich groß ist und so nur wenig Text auf die Seite passt. Außerdem gibt es eine ganze Reihe von Zeichnungen Thilo Krapps, die unsere Helden zeigen. Die Seiten können also nur so vorüberrauschen. Aber nach ungefähr 80 Seiten ist eine kleine Pause einzulegen, bevor es zum Finale kommt.
Die Geschichte ist für acht- bis neunjährige Jungs und Mädchen geschrieben, und zwar so, dass diese alles verstehen. Allerdings wird bereits Harry Potter Band 1 bis 5 sowie „Tintenherz“ und „Tintenherz“ als bekannt vorausgesetzt, was im zarten Alter von acht Jahren vielleicht noch nicht gegeben ist. Ein wenig erinnert der Plot auch an „Momo“, und zwar ähnelt die Herren in Schwarz ein wenig den grauen Männern von der Zeitkontrolle. Vor solchen Finsterlingen ist die alsbaldige Verdünnisierung angesagt, das versteht sich von selbst.
Das größte Rätsel ist allerdings Jimmi selbst. Er scheint unter Gedächtnisverlust zu leiden, denn er weiß nicht, wie er auf die Erde kam. Von wo? Das ist die Preisfrage. Und er kam obendrein nackt! Kein Wunder, dass er nicht dran denken will … So viele Rätsel, die es zu lösen gilt, sorgen, das ist klar, für jede Menge Folgebände in dieser neuen Serie. Die Nähe zu den drei ??? und der „Ferienbande“ liegt nahe.
Gut finde ich allerdings, dass diese brandneue Reihe ganz im 21. Jahrhundert spielt und nicht auf Ursprüngen aus den sechziger und siebziger Jahren basiert. Ein durchschnittlicher Jugendlicher wie JoJo ist also standardmäßig mit MP3-Player und Kaugummis ausgerüstet. Jimmi weist nichts davon auf, was ihn schon mal bemitleidenswert macht. Genau deshalb muss man ihm helfen.
Zur Aktualität gehört auch der Multikulti-Hintergrund, vor dem der Geheime Buchclub existiert: Murats Vater ist offenbar Türke, wenn auch ziemlich wohlhabend, und Mai Lyns Eltern sind Boat People: Vietnamesen, die mit einem Boot aus ihrer Heimat flüchteten. Inzwischen sind sie in Deutschland erfolgreiche Leiter einer Großwäscherei. Hartz IV ist demnach also kein Thema. Daraus ergeben sich einige Unterschiede auch zu Amelie Frieds Kinderbuchserie [„Taco & Kaninchen“, 561 die in der Stadt in einem Problem-Viertel spielt.
_Unterm Strich_
Auch wenn sich der Plot dieser neuen Serie wohlbekannter Kniffe wie Amnesie und anonymer Finsterlinge bedient, so halten die Rätsel doch das Interesse an der Geschichte wach. Außerdem finden eine Verfolgungsjagd sowie das geniale Finale statt, bei dem JoJo mit seinen Freunden die Herren in Schwarz austrickst – aber für wie lange? Deshalb müssen die Buchclub-Freunde den Geheimnissen Jimmi Nightwalkers auf den Grund gehen – Stoff für viele weitere Bände, wie man hoffen darf. Jedes Buch lässt sich von erfahrenen Lesern in etwa einer Stunde lesen, eignet sich aber auch gut zum Lesenlernen – dank der großen Schrift.
|112 Seiten, gebunden
illustriert von Thilo Krapp
ISBN-13: 978-3570135808|
http://www.cbj-verlag.de
Google Street View, ELENA, Facebook – kritische Medien schlagen immer wieder Alarm, dass persönliche Daten heutzutage nicht ausreichend geschützt sind. Gerade in letzter Zeit scheinen sich diese Fälle zu häufen. Wohin so etwas führen kann, zeigt „Little Brother“ von Cory Doctorow, ein Jugendbuch, das aber auch für Erwachsene sehr lesenswert ist.
Als Terroristen in San Francisco die Oakland Bay Bridge sprengen, befinden sich Marcus und seine Freunde am falschen Ort. Sie werden von der Heimatschutzbehörde als potenzielle Verdächtige gefangen genommen und auf eine Insel gebracht. Dort werden sie auf brutale Art und Weise verhört. Die Ermittler scheinen es besonders auf Marcus abgesehen zu haben. Der Computercrack bastelt in seiner Freizeit gerne eigene Programme oder Geräte und lässt nichts unversucht, um die Sicherheits- und Bespitzelungsmethoden auf seinem Laptop, den er von der Schule gestellt bekommen hat, zu umgehen.
Diese Schläue wird ihm jetzt jedoch zum Verhängnis. Man verdächtigt ihn, am Anschlag beteiligt gewesen zu sein, kann ihm jedoch nichts nachweisen. Als man ihn und zwei seiner drei Freunde wenige Tage später gehen lässt, droht man ihm, ihn im Auge zu behalten. Die Jugendlichen kehren zu ihren Eltern zurück, die sie für tot gehalten haben, aber sie dürfen ihnen nicht die Wahrheit über ihre Abwesenheit erzählen. Doch einer von ihnen bleibt verschollen. Darryl, Marcus‘ bester Freund, der bei dem Anschlag verletzt wurde, kehrt nicht nach Hause zurück. Marcus ist wütend, glaubt, dass die Heimatschutzbehörde ihn auf dem Gewissen hat. Als ihm klar wird, dass der Anschlag als Grund benutzt wird, um die Überwachung der Bürger auszuweiten, beschließt er, dagegen zu kämpfen. Mit seinen Fähigkeiten gründet er eine Widerstandsbewegung im Internet, die sich „Little Brother“ nennt. Sie müssen zwar im Geheimen agieren, doch sie sind viele – und sie schaffen es tatsächlich, den „Big Brother“ ordentlich in Bedrängnis zu bringen …
Der große Bruder und der kleine Bruder – die Vergleiche mit George Orwells Werk „1984“ kommen nicht von irgendwoher, gibt der Autor es im Nachwort doch als Inspiration an. „Little Brother“ ist deswegen noch lange keine bloße Kopie. Die Handlung kann durchaus für sich alleine stehen, auch wenn sie nicht immer völlig neu wirkt. Viele der Ereignisse in der Geschichte sind die, die man in einem solchen Buch erwartet. „Little Brother“ ist schließlich nicht das erste Buch, in dem ein Einzelner gegen eine böse Regierung kämpft. Doctorow hat es allerdings geschafft, die Thematik zum Einen für Jugendliche aufzubereiten und zum Anderen durch die Computer- beziehungsweise Internetproblematik sehr aktuell zu gestalten.
Für die Jugendlichen wird die Geschichte vor allem durch den jungen Protagonisten interessant. Darüber hinaus dürften viele durch die Computerthematik angesprochen werden und wer ein bisschen Coming-Age-Roman oder Romantik braucht, der kommt ebenfalls auf seine Kosten. Eine interessante, toll geschilderte Liebesgeschichte, die völlig ohne Kitsch funktioniert, lockert die Handlung auf. Man muss nicht unbedingt ein Computerfreak sein, um das Buch zu lesen, denn Marcus ist auch nicht der typische Nerd. Er weiß zwar viel, doch dieses Wissen teilt er mit dem Leser. Immer wieder holt er aus, um Fachbegriffe zu erklären, so dass die Lektüre nebenbei noch sehr lehrreich ist. Dank des einfachen und persönlichen Plaudertonfalls, in dem diese Abschnitte verfasst sind, sind auch sie interessant und überwiegen den Rest der Handlung nicht. Dieser hätte aber trotz der Authentizität und Nahtlosigkeit etwas mehr Spannung, etwas mehr Paranoia ganz gut getan. Stellenweise dümpelt die Geschichte langsam vor sich hin.
Marcus rettet die Situation jedoch in vielen Fällen. Er erzählt locker und wendet sich dabei immer wieder an den Leser. Von der ersten Seite an wirkt er wie jemand, den man persönlich kennt. Er ist sympathisch, dabei aber kein typischer Held. Ein leichter Antiheld, das schon, aber bei Weitem kein Loser. Er wirkt eher wie ein ganz normaler Jugendlicher mit den Problemen, Stärken und Schwächen dieses Alters und es sollte Jugendlichen leicht fallen, sich mit ihm zu identifizieren.
„Little Brother“ hat leichte Schwächen in der Handlung, überzeugt aber ansonsten auf ganzer Linie. Der Schreibstil und der Protagonist sind fantastisch, doch was wirklich wichtig ist, ist die Message des Buches. Cory Doctorow schafft es, eine gewisse Sensibilisierung für das Thema Überwachungsstaat zu schaffen, ohne dabei zu sehr zu übertreiben oder dem Leser eine Meinung aufdrücken zu wollen. Er lädt zum Nachdenken ein – und das nicht nur Teenager. Auch für Erwachsene dürfte die Lektüre von „Little Brother“ lehrreich und interessant sein. Ein ausführliches Literaturverzeichnis am Ende des Buches, das vom Autor kommentiert ist, lädt dazu ein, sich tiefer in die Materie einzuarbeiten.
|Taschenbuch: 490 Seiten
Originaltitel: Little Brother
Aus dem Englischen von Uwe-Michael Gutzschhahn
ISBN-13: 978-3499215506|
http://www.rororo.de
[„Website des Autors“]http://www.craphound.com
_Mehr von Cory Doctorow beim Buchwurm:_
[Backup 4231
[Upload 5031
Zoey Redbird hat sich mittlerweile sehr gut im „House of Night“ eingelebt und kommt mit den meisten ihrer Mitschüler und auch ihren Lehrern gut zurecht. Sie hat auch die besonderen Gaben und das außergewöhnliche Mal, das ihr die Göttin Nyx verliehen hat, anerkannt und akzeptiert, dass sie etwas Besonderes ist. Etwas Lampenfieber hat sie allerdings, da sie nun bald das erste Treffen der Töchter der Dunkelheit als Anführerin leiten muss und einige Veränderungen einführen möchte.
Probleme machen weiterhin Zoeys Mutter und ihr „Stiefpenner“, die Zoeys Wandlung mit ihrem stark religiösen Leben nicht vereinbaren können und ihre Abneigung auch überdeutlich zeigen. Aus ihrer Familie steht nur ihre indianische Großmutter treu zu Zoey.
Die Freundschaften, die Zoey geschlossen hat, sind stabil und geben ihr viel Rückhalt, den sie auch bitter benötigt. In Liebesfragen ist sie völlig verwirrt; da gibt es den unverschämt gut aussehenden Eric, der wie sie ein „Gezeichneter“ ist, doch auch ihr Exfreund Heath, den sie versehentlich geprägt hat, macht sich weiterhin Hoffnungen, und zu guter Letzt wird sie auch noch von ihrem Lehrer umworben.
Die Oberzicke Aphrodite verändert sich überraschend deutlich zum Positiven und Zoey weiß nicht so recht, was sie von deren Veränderung halten soll – ist dies nur ein Spiel? Auch ihre Mentorin Neferet ist für Zoey ein Buch mit sieben Siegeln, denn sie verhält sich so manches Mal sehr seltsam und Zoey kann ihr nicht mehr vertrauen.
Dann geschieht Furchtbares: Ehemalige Mitschüler von Zoey verschwinden und wenig später findet man deren Leichen. Alle Spuren führen ins House of Night und zu den Vampyren. Als dazu immer mehr Jungvampyre sterben, steht Zoeys Welt Kopf.
_Kritik_
Der zweite Teil der „House of Night“-Serie, „Betrogen“ von dem Autorenduo P. C. und Kristin Cast, entwickelt sich temporeich weiter. Die Probleme der Heranwachsenden sind lebensnah beschrieben und auch die Spannung lässt nichts zu wünschen übrig. Der Schreibstil der Autorinnen ist sehr flüssig und verständlich geraten. Auch die Schwierigkeiten, in denen Zoey steckt – sei es in Liebesdingen oder im Verhältnis zu den Erwachsenen – sind nachvollziehbar. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Zoey temporeich und lebendig erzählt, so dass der Leser mitfiebern kann und immer wieder hofft, dass sie den richtigen Weg für sich findet.
Besonders gut gelungen ist auch die Einflechtung der schwierigeren Themen, mit denen viele Jugendliche in Kontakt kommen, sei es die Homosexualität oder auch der Drogenkonsum, die keinesfalls nebenher abgehandelt werden, sondern auch mal in die Tiefe gehen.
Die Protagonisten haben sich überzeugend weiterentwickelt, wobei besonders die Entwicklung von Aphrodite sehr interessant ist, denn sie scheint sich von dem Dasein als Oberzicke zu verabschieden und zeigt plötzlich ganz neue Züge ihrer Persönlichkeit. Immer undurchsichtiger wird Zoeys Mentorin Neferet. Was führt diese wirklich im Schilde?
Die Sprache hat sich im Verhältnis zum ersten Teil deutlich geändert; zwar ist sie jugendlich schnodderig geblieben, dennoch nicht mehr so vulgär wie noch im ersten Teil.
_Fazit_
Hat mich schon „Gezeichnet“ überzeugen können, so übertrifft der zweite Teil der „House of Night“-Serie deutlich meine Erwartungen. Die Charaktere haben sich vorteilhaft geändert und auch die Sprache der Jugendlichen ist deutlich besser und angenehmer zu lesen. Zudem ist dieser Roman spannender konzipiert. Ich kann allen Jugendlichen und jung gebliebenen Lesern der Fantasy diesen Roman empfehlen.
Ich selber freue mich schon sehr auf den nächsten Teil der Serie, „Erwählt“, der am 1. August 2010 erscheinen wird.
_Die Autoren_
P. C. Cast und Kristin Cast sind das erfolgreichste Mutter-Tochter-Autorengespann weltweit. Sie leben beide in Oklahoma, USA. Der nächste deutschsprachige Teil der „House of Night“-Serie erscheint im August 2010. Mehr zu dieser Serie unter http://www.house-of-night.de.
|Originaltitel: Betrayed / A House of Night 2
Aus dem Amerikanischen von Christine Blum
509 Seiten, gebunden
Empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre
ISBN-13: 978-3-8414-2002-2|
http://www.house-of-night.de
http://www.fischerverlage.de/page/junge__erwachsene
Der eigene Bruder, der Freund – eigentlich glaubt man, diesen Leuten vertrauen zu können und sie genau zu kennen. Doch Vertrauen kann enttäuscht werden, wie Lotte Kinskofer in ihrem Jugendkrimi „Schwarzer Schnee“ aus der „dtv pocket crime“-Reihe zeigt.
Lara kann sich eigentlich nicht beschweren. Ihr Freund Max liebt sie, mit ihren Eltern und ihrem fünfzehnjährigen Bruder kommt sie gut zurecht, doch dann passiert etwas, was ihr Leben auf den Kopf stellt. Simon, ihr Bruder, verschwindet. Er hatte vorher gesagt, er würde bei einem Kumpel übernachten, aber als die Familie Sonntag abend dort anruft, muss sie feststellen, dass er dort nie aufgetaucht ist. Wo ist Simon? Nichts hat darauf hingedeutet, dass er einen Grund hatte, abzuhauen. Oder hat er sich umgebracht?
Tausend Fragen beschäftigen die Familie. Als Lara und Max Simons Zimmer durchforsten, finden sie merkwürdige Computerspiele, Geld, Alkohol – alles, was sie nie im Leben bei Simon vermutet hätten. Anstatt es der Kripo zu verraten, behalten sie es für sich. Lara möchte ihre Eltern nicht noch trauriger machen. Also beginnt sie selbst zu ermitteln, aber das ist gar nicht so leicht. Simon ist wie vom Erdboden verschluckt, niemand scheint ihn gesehen zu haben. Doch dann gibt es eine erste Spur. In einem leer stehenden Haus werden eine Blutspur ihres Bruders und ein Schreibheft von ihm gefunden. Was ist dort passiert? Und lebt ihr Bruder überhaupt noch?
Das Thema, das sich durch die ganze Geschichte zieht, ist, wie man sich in Menschen, die man zu kennen glaubt, täuschen kann. Das beginnt bei Laras Bruder Simon und endet bei Charakteren, bei denen man es gar nicht erwartet hat. Die Autorin baut mit Hilfe unterschiedlicher Personenkonstellation eine wendungsreiche, spannende Handlung auf. Actionszenen sind dabei selten. Vielmehr handelt es sich um einen sehr ruhigen, nachdenklichen Krimi, bei dem nach und nach Missstände ans Tageslicht kommen. Diese Ruhe wird an der einen oder anderen Stelle zu Langeweile, doch insgesamt schlägt sich „Schwarzer Schnee“ recht gut.
Lotte Kinskofer versteht es, ihre Geschichte und die Figuren sehr detailliert und anschaulich darzustellen. Ich-Erzählerin Lara schildert die Ereignisse sehr genau und eindrücklich. Das beginnt bei den Veränderungen, die Simons Verschwinden in ihrer Familie verursachen, bis hin zu der Zusammenarbeit mit der Polizei – sowohl die Handlung als auch die Figuren sind sauber durchdacht. Lara ist ein junges, eher ruhiges Mädchen, mit dem man sich gut identifizieren kann. Die anderen Charaktere haben ebenfalls Ecken und Kanten. Sie sind gut ausgearbeitet und erwecken die Geschichte zum Leben.
Lotte Kinskofers Schreibstil passt zu ihrer Heldin. Er ist ebenfalls ruhig, intelligent, dabei aber auch gewieft. Witzig ist die Geschichte nicht, sondern zumeist sehr ernst. Trotzdem liest sich das Buch schnell und flüssig. Die anschauliche Darstellung von Gefühlen und Gedanken sorgt dafür, dass man sich direkt in Laras Kopf versetzen kann.
„Schwarzer Schnee“ ist damit ein netter Jugendkrimi mit einem starken Fokus auf Personen und zwischenmenschlichen Beziehungen. Er ist anschaulich und lebensnah geschrieben und gefällt durch die authentische Hauptperson.
Vom Dörfchen ins gigantische Berlin – da kann man schon mal den Überblick verlieren. Kira, die Protagonistin aus Katrin Stehles Jugendkrimi „Kalte Augen“, passiert das auf einer Klassenfahrt. Allerdings bekommt sie ungeahnte Hilfe von einem Unbekannten …
Alles beginnt mit einer Mutprobe. Kira möchte Lara und Jenna beweisen, dass sie cool und furchtlos ist und traut sich ganz alleine nachts in einen Berliner Park. Doch die beiden „Freundinnen“ folgen ihr nicht, wie versprochen, sondern lassen sie im Stich. Plötzlich ist Kira verloren in der Großstadt und weiß nicht, wo sich die Jugendherberge befindet. Sie irrt durch die Nacht, bis sie plötzlich von einem Jungen namens Gunnar angesprochen wird.