Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Lumley, Brian – Necroscope 3 – Kreaturen der Nacht

Buch 1: [„Das Erwachen“ 779
Buch 2: [„Vampirblut“ 843

Die große Schlacht ist geschlagen und Schloss Bronitzi liegt in Trümmern. Und eigentlich hat der Angriff der Tatarenzombies, mit dem der Vorgängerband [„Vampirblut“ 843 endete, auch alle bisher wichtigen Charaktere von Brian Lumleys „Necroscope“-Reihe dahin gerafft. Doch man kennt das ja aus Literatur und Film … manchmal kommen sie eben wieder.

_Und so startet_ das dritte Hörbuch der Reihe, „Kreaturen der Nacht“, vergleichsweise gemächlich. Auf Schloss Bronitzi wird aufgeräumt. Da gerade zufällig zur Stelle, wird Felix Krakowitsch von Breschnew persönlich zum neuen Leiter des E-Dezernats ernannt. Seine Aufgabe ist es zunächst, die Zombies aus dem Weg zu schaffen und Dragosanis Leiche sorgfältig zu verbrennen. Allerdings ist Breschnews nächster Auftrag reichlich seltsam: Krakowitsch soll mit dem englischen Gegenstück zum E-Dezernat Kontakt aufnehmen. Und das mitten im Kalten Krieg!

Währenddessen ist Harry Keogh, der Necroscope, zwar tatsächlich immer noch tot, aber da er schon vor seinem Ableben das Reisen im Möbius-Kontinuum gemeistert hatte, ist er eben doch immer noch irgendwie gegenwärtig. Momentan lebt er im heranwachsenden Körper seines eigenen Sohnes weiter und in dieser geisterhaften Erscheinung stattet er auch Alec Kyle, dem Chef der englischen Psi-Abteilung, einen Besuch ab. Harry hatte nämlich viel Zeit und Gelegenheit, mit den Toten zu sprechen und so hat er Kyle einiges über die Vampire im allgemeinen und Tibor Ferenczy im besonderen zu berichten.

Und so springt die Handlung um einige Jahrhunderte in die Vergangenheit, um zu verfolgen, wie der aus einer Bauernfamilie stammende Tibor sich zum Soldaten hoch arbeitet. Schließlich schickt ihn sein Dienstherr auf die Burg des Fetor Ferenczy. Doch auf dieser Burg gehen seltsame Dinge vor sich. Und Tibor, der zunächst noch meint, die Oberhand zu haben, muss schnell feststellen, dass er gegen Fetor nicht ankommen kann. Dieser ist nämlich ein Vampir und hat beschlossen, Tibor sein einziges Ei einzupflanzen.

_Dass Tibor letztendlich_ gefangen in einem Grab in der Walachei enden wird, weiß der Leser aus den vorhergehenden Bänden. Was neu ist, ist das Wissen, dass er nicht nur Dragosani seinen Stempel aufgedrückt hat. Denn 1977 verunglückte ein Ehepaar nicht weit von seinem Grab. Der Mann verblutete, doch die Frau wurde nur ohnmächtig. Tibor tut sich an ihr gütlich – und an ihrem ungeborenen Kind. Dieses Kind, die Mutter wird ihn Julian nennen, entpuppt sich als ein wahrer Damien. Er ist sonderbar, wird von der Schule geworfen, ist einsiedlerisch und versucht sich offensichtlich an seltsamen Experimenten im elterlichen Keller. Mit Julian wird also noch zu rechnen sein!

An die neue Gangart in „Kreaturen der Nacht“ muss man sich erst einmal gewöhnen. Dragosani ist hinüber (endgültig?), Harry agiert nur als Wissensvermittler, Kyle wieder nur als Zuhörer. Lumley hat einen großen Teil seines Personals in der Schlacht um Schloss Bronitzi ins Gras beißen lassen und so konzentriert er sich nun entweder auf neue Charaktere oder auf Hintergrundinformationen zu bekannten Figuren wie Tibor. Das gibt dem Hörbuch eine andere Richtung und man muss sich zunächst einmal damit abfinden, dass die Handlung um die E-Dezernate kaum voran getrieben wird, bevor man sich auf die historischen Ereignisse um Tibor einlassen kann. Wobei diese nun nicht besonders spannend sind. Sicher, in einer Endlosserie wie „Necroscope“ darf es dem Autor auch gestattet sein, die Vergangenheit der Charaktere zu beleuchten. Doch die Vampirwerdung Tibors schreitet recht langsam voran. Bevor er überhaupt auf Fetor trifft, hat man als Hörer den Eindruck, der Großteil des Hörbuchs wäre damit vorüber gegangen, wie Tibor den Berg zu dessen Burg hinauf läuft. Eine recht unnötige Verzögerungstaktik, die die Spannung so lange hinauszögert, bis sie vollkommen verloren gegangen ist.

Interessanter ist da schon Julian, dessen Platz im großen Ganzen bisher noch nicht erkennbar ist, der aber offensichtlich selbst schon einige Ambitionen hat. Lumley liefert nur die Draufsicht, zeigt nur, wie andere Charaktere Julian wahrnehmen, und das ist eine ungemein effektive Technik, um beim Hörer ein unbestimmtes Grauen zu erzeugen. Julian wird hoffentlich in zukünftigen Bänden noch eine tragende Rolle spielen!

_Abschließend lässt sich_ sagen, dass „Kreaturen der Nacht“ vom Hörer eine Neuorientierung verlangt. Plötzlich sind nicht mehr die Spionage-Abteilungen der Mittelpunkt der Handlung (zumindest für den Moment), sondern es geht ausschließlich um Hintergrundinformationen zu verschiedenen Charakteren – hauptsächlich Tibor und Julian. Das verlangt vom Hörer eine Umstellung in seiner Erwartungshaltung. Daran muss man sich also erst gewöhnen. Auch daran, dass dem Hörbuch dadurch ein zentraler Konflikt fehlt. Und so scheint „Kreaturen der Nacht“ entweder ein Lückenfüller oder eine Brücke zwischen den einzelnen Bänden zu sein. Das Hörbuch ist teilweise langatmig, doch gibt Lumley mit seiner weit ausholenden Erzählung auch eine erste Ahnung davon, welch umfassendes Universum er mit seiner Romanreihe schaffen möchte.

Cory Doctorow – Little Brother (Lesung)

Dieser Roman wird als Jugendroman deklariert und richtet sich damit durchaus an die perfekte Zielgruppe. Doch in Wahrheit sollten sich auch Erwachsene diese Geschichte anhören (oder lesen), denn das Thema betrifft alle Menschen in gleicher Stärke und durch die Ausrichtung auf Jugendliche darf Cory Doctorow eine Sprache und gleichzeitig Erklärstruktur benutzen, die es auch Erwachsenen erlaubt, in das ihnen oft sehr fremde Milieu der Internetkommunikation und des Informationsmissbrauchs hineinzudenken.

Marcus, der Ich-Erzähler des Romans, ist ein 17-jähriger Schüler in San Francisco und benutzt sein technisches Verständnis sowie seinen Einfallsreichtum dazu, die Software zur Gangarterkennung durch Steinchen in den Schuhen und Chipscanner durch Mikrowellen auszutricksen. Er steckt seine chipmarkierten Schulbücher in eine Mikrowelle und türmt dann mit seinem Freund Darryl von der Schule, um mit ihm und seinem Team ein Realitygame zu gewinnen, das seine Aufgaben teilweise im Internet, teilweise in der Wirklichkeit ansiedelt und sich unter den Nutzern größter Beliebtheit erfreut.

Während ihrer Jagd nach den Hinweisen explodieren plötzlich Bomben, eine Brücke stürzt ein, die Menschen geraten in Panik und strömen in die U-Bahn. Als sich die vier Jugendlichen um Marcus entgegen gesetzt bewegen, um einen anderen Fluchtweg aus der Terrorzone zu suchen, wird Darryl mit einem Messer verletzt. Marcus versucht verzweifelt, vorbei fahrende Autos anzuhalten und Hilfe zu organisieren, doch als endlich ein tarnfarbener Wagen hält, finden sich die vier unvermittelt mit Handschellen und Säcken über dem Kopf auf einem Truck wieder, unter dem Verdacht, für den Anschlag verantwortlich zu sein.

Marcus wird von seinen Freunden getrennt und erlebt brutale Verhörmethoden, die schon als Folter gelten können, ehe er nach mehreren Tagen laufen gelassen wird – und in einer völlig verwandelten Welt landet. Die Heimatschutzbehörde (DHS) hat die Kontrolle über die Stadt an sich gerissen, baut die Überwachungsmechanismen immer weiter aus und beraubt die Menschen ihrer Privatsphäre und persönlichen Freiheit. Da Marcus bei Androhung von lebenslanger Haft in diesem Verhörknast oder noch Schlimmerem verboten wurde, von seinen Verhören zu berichten, ersinnt er eine Lüge für seine Eltern. Während er über verschlüsselte Internetverbindungen und eine abhörsichere Version von Linux versucht, eine Art Widerstand gegen das DHS zu organisieren, nimmt dieses genau diese Versuche als Vorwand, die Kontrollen weiter zu verschärfen und die Bürger im Namen der Freiheit weiter zu drangsalieren. Und Marcus lebt in der ständigen Angst, erneut geschnappt und eingekerkert zu werden und – am Schlimmsten – sich erneut der Folter seiner eigenen Landsleute auszusetzen …

Cory Doctorow, von dem es heißt, er „lebe im Internet“, beschrieb in seinen zwei vorhergehenden Veröffentlichungen in Deutschland – „Backup“ 2007, „Upload“ 2008 – Situationen und Zustände, deren alles durchdringende Vernetzung nutzbar war und den Anwendern allerlei Möglichkeiten bietet. Natürlich waren auch in diesen Titeln Missbrauch und Fehlinformation ein Thema, doch die Grundstimmung ist positiv.

Dieses Mal schafft er von Anfang an eine düstere, gejagte Stimmung und belegt die Attribute der elektronischen Welt weitgehend negativ, wobei natürlich die Protagonisten stets Wege finden, diese Informationssysteme zu nutzen, ihre Schwächen zu finden und dadurch – zu überleben.

Man befindet sich in einem Überwachungssystem, das sich anfangs auf die Schule beschränkt und dort Kontrolle über die Bewegungen der Schüler schaffen soll. Auch ohne den deutlichen Hinweis im Titel fühlt man sich sofort in eine Welt versetzt, in der George Orwell seine Bestätigung gefunden hätte. Diesem allgegenwärtigen und offen kontrollierenden orwellschen System nähert sich Doctorow mit fortschreitender Geschichte, bleibt dabei aber subtiler und nutzt offensichtliche wie auch augenöffnende Extrapolationen von Zuständen und Techniken, die auch heute überall eingeführt werden.

Seien es Informationen über Personenbewegungen, festgestellt über elektronische Fahrkarten, Führerscheine, Mautstellen, EC-Karten; oder E-Mailverkehr, Telefongespräche, Einkaufsgewohnheiten, die Erfassung und Zuordnung von persönlichen Gangschemata – Doctorow entwirft ein beängstigend reales und auch erreichbares Bild, wozu die kleinsten Dinge unseres Lebens missbraucht werden könnten.

Aufhänger dieser Entwicklung ist ein Terroranschlag in San Francisco, wobei Doctorow sehr subtil die Befürchtung nährt, dass so ein Akt auch initiiert werden könnte, um der folgenden Entwicklung den Weg zu ebnen: Die Heimatschutzbehörde (DHS) erhält alle Vollmachten und Gelder, um die totale Überwachung einführen, Razzien durchführen und ständige Verhöre rechtfertigen zu können. Die Anstrengungen der freiheitsliebenden Gegenbewegung wird als Verrat und Subordination deklariert und rechtfertigen noch den Einsatz größerer Mittel und härterer Maßnahmen.

Die vor allem von jungen Menschen belebte Gegenbewegung dient vor allem als Träger und Transporter für die Geschichte und die technischen Erklärungen der Überwachungsmöglichkeiten. Es ist eine relativ typische Erzählung im Jugendromanstil, doch so verstörend, dass die Entwicklungen den Hörer fesseln und den Plot so realitätsnah und wirklich machen.

Aber auch für Hörer, die einfach gut und spannend unterhalten werden möchten, bietet Doctorow eine Geschichte, die alles bietet: Spannung, eine schöne Liebesgeschichte, Verschwörungstheorien und Organisationen mit Machtmissbrauch, Verhöre, auch Folter und Misshandlung …

Oliver Rohrbeck sorgt mit seiner jugendlichen Stimme für die passende Inszenierung. Durch die direkte Erzählung in Ich-Perspektive rückt das Geschehnis nahe an eine Erzählung in Realität, und Rohrbeck fängt den Charakter wunderbar ein. Es lohnt sich hier, die Lesung zumindest mit dem eigenen Lesen gleichzusetzen, denn es gibt keine schwer verständliche Überlegungen und Rumgephilosophiere des Autors, was es einem sonst manchmal schwer macht, einer Lesung zu folgen. Hier kann man sich von der Geschichte fangen lassen und nimmt hoffentlich etwas von dem Misstrauen gegen allgegenwärtige Informationspolitik mit, das sowohl durch Rohrbecks Intonation als auch vom Text selbst hervorgerufen wird.

Der Roman bietet ein Thema von aktuellster Brisanz, verstörend und nachdenklich stimmend, während es wunderbar unterhält.

6 CDs mit 450 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3839840030
Vom Hersteller empfohlenes Alter: 14 – 15 Jahre

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (6 Stimmen, Durchschnitt: 2,50 von 5)

Markus Heitz – Collector

Die Handlung:

Im Jahr 3042 haben große Konzerne die Macht auf der Erde übernommen und unterhalten „Justifier“-Truppen. Das sind militante Einsatzgruppen, die für die Konzerne Aufträge erledigen. Ein solcher Trupp überfällt und entführt den Frachterpiloten Wiolant „Kris“ Schmidt-Kneen nebst Ladung, die aus einem seltenen Sprungtriebwerk für Raumschiffe besteht. Seine Entführer, die Bangash Industries, bieten Kris einen Job an und bilden ihn zum „Justifier“ aus.

Auch Faye Durrick, die in Haft sitzt, wird durch ihre Schwester Nuria Suede für die Bangash Industries verpflichtet und zum „Justifier“ ausgebildet. Suede ist ein „Codriver“, ein Mensch, in den ein Geistwesen gefahren ist und sie dadurch klüger macht und mit Paragaben ausstattet.

Beide treffen nach ihrer Ausbildung im Raumschiff |Cortés| aufeinander. Ihr Auftrag ist es, den Ursprung der „Collectors“ zu erforschen. Die „Collectors“ sind eine außerirdische Rasse, die unter der Vorgabe, die Menschen beschützen zu wollen, immer mehr Welten unter ihre Zwangsobhut nimmt. Viel mehr weiß man aber auch nicht über sie.

Nach einem Gefecht wird ein „Collector“ gefangen genommen und die Truppe macht sich auf die Suche nach Kris‘ Vater Anatol Lyssander, der die Gabe hat, mit den „Collectors“ zu kommunizieren. Lyssander wird tatsächlich gefunden, doch ist er offensichtlich wahnsinnig geworden, denn er hält sich selber für einen „Collector“. Er zeigt den Umstehenden durch eine Projektion, was die „Collectors“ planen. Sie errichten im Raum ein Schwarzes Loch, um dadurch in ein System mit 60 Milliarden Menschen zu gelangen. Dies wollen die „Vereinten Humanen Raumfahrtnationen“ verhindern und rüsten zum Angriff auf die „Collectors“.

Während der Kämpfe schlägt sich Joule, ein Mitglied des „Order of Technology“, auf die Seite der „VHR“. Der „2OT“ will den anfälligen menschlichen Körper abschaffen und durch Technik ersetzen. Joule erklärt, dass der „2OT“ die „Collectors“ schon Jahrhunderte lang kennt und von ihnen Großteile der eigenen Technologie übernommen hat. Im Gegenzug dafür bekamen die „Collectors“ menschliche Überreste als Nahrung. Außerdem kennt Joule den wahren Grund, warum die „Collectors“ die Welten besetzt haben. Sie züchten Menschen, weil sie von Menschenfleisch abhängig geworden sind.

Dann tauchen die „Keepers“ auf, die auch zu der Rasse der „Collectors“ gehören, aber vorgeben, die Menschen nicht fressen zu wollen, und helfen bei der Vernichtung der „Collectors“.

Im Anschluss entschuldigen sich die „Keepers“ für das Verhalten der „Collectors“ und nehmen die Planeten nun selbst in Zwangsobhut, weil die menschliche Rasse schützenswert sei.

Mein Hör-Eindruck:

Die ersten zwei Stunden verbrachte ich damit, ständig im sechsseitigen Booklet nachschlagen zu müssen, weil es Abkürzungen, Anglizismen und für das Buch erfundenen Eigennamen hagelt. Während dieser Zeit passiert aber auch nicht wirklich etwas, denn die Spannungskurve steigt sehr langsam an und erreicht schnell den Punkt, an dem ich ständig auf die Restzeitanzeige des CD-Players geschaut habe.

Weder erfährt der Hörer im gesamten Roman, was das überhaupt für ein Geistwesen ist, das in Nuria Suede wohnt, noch macht Heitz irgendwelche Angaben über die „Collectors“ oder die Raumfahrt-Technik, die auf der Erde gefunden wurde und um die sich alle streiten. Und da offenbar außer Lyssander und später auch Kris niemand mit den titelgebenden „Collectors“ kommunizieren kann, sollen sie wohl die großen Unbekannten bleiben. Das kam bei mir eher als Einfallslosigkeit denn als stilistisches Mittel an.

Wenn man die ganzen Abkürzungen und Eigennamen weg lässt, bekommt man einen C-Movie aus den 1950er Jahren, der im Schnellschuss aus einer Kurzgeschichte entstanden ist. Noch ein großes Pfund vulgärer Kraftausdrücke der Marke „Fuck“, „Ficken“ und „Vögeln“ dazu und schon ist die Story interessanter? Nicht wirklich, denn sie ist sehr einfach gestrickt, langweilig erzählt und auch die Auflösung entlockte mir nur ein sehr leises und unbeeindrucktes „Aha“.

Der Sprecher:

Für mich war es das erste Aufeinandertreffen mit Michael Hansonis, der bereits Bücher von Tess Gerritsen, Jack Kerouac und David Peace vorgelesen hat. Das tut er dann auch größtenteils gut. Allerdings stört, dass er öfters Sprechpausen einlegt wo eigentlich keine hingehören. Mitten im Satz, teilweise auch mitten in einem Wort. Offenbar war an diesen Stellen die Zeile im Skript zu Ende.

Zwar ist er bemüht, alle Charaktere durch verschiedene Stimmfarben unterschiedlich darzustellen, allerdings liest er oftmals in einem Zug über die wörtliche Rede hinaus und den nachfolgenden Text dann mit den gleichen Emotionen, was unfreiwillig komisch wirkt.

Fazit:

Spaß macht „Collector“ nicht, nicht mal in der gekürzten Fassung. Zu lange dauert es, bis der Hörer einigermaßen mit den ganzen Eigenbegriffen klarkommt, zu wenig Spannendes passiert und zu einfach ist die Story. Und die Auflösung entschädigt auch nicht wirklich nach gut 7,5 Stunden Hörzeit. Die ungekürzte Version ist über 18 Stunden lang und mutmaßlich auch nicht interessanter.

Das mir versprochene „atemberaubende Zukunftsabenteuer in Cinemascope“ habe ich nicht erlebt, aber als Direct-to-Video-Movie kann ich mir einen Film zum Buch absolut vorstellen.

6 CDs im Jewel-Case
451 Minuten Laufzeit (gekürzte Lesung)
Sprecher: Michael Hansonis
ISBN-13: 978-3837102901
www.randomhouse.de/randomhouseaudio

Der Autor vergibt: (1.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Josh Bazell – Schneller als der Tod (Lesung)

Mit seinem Romandebüt mischt sich Josh Bazell in den überquellenden Markt der Mafia-Thriller ein. Was langweilig klingt, da man meint, zu diesem Thema schon jegliche Nuance gehört zu haben, entpuppt sich als ein Roman nach dem Humor eines Quentin Tarantino, böse und zugleich aufs Äußerste komisch. Dabei vergleicht Bazell den Profikiller mit einem Klinikarzt und es fällt schwer, Sympathie für einen der beiden Berufe zu entwickeln. Bazells Protagonist jedoch, der Ich-Erzähler Peter Brown alias Piedro Brnwa, vereint beide Aspekte der Brutalität in sich und wird dadurch zu einem perfekten Sympathieträger …

Ein Arbeitstag für den Arzt Peter Brown beginnt mit einer brutalen Konfrontation mit seiner Vergangenheit: Ein armseliger Penner bedroht ihn mit einer billigen Pistole. Brown erledigt ihn medizinisch exakt und als perfekt ausgebildeter Profikiller, wobei er (wie er in seiner trockenen Erzählweise mitteilt) seinen tödlichen Hieb im letzten Moment von der Kehle weg zur Nase richtet und den Angreifer so nur K. o. schlägt.

In seinem vom Drogenentzug verwirrten Zustand nimmt er die Waffe an sich und sucht dann im Krankenhaus fieberhaft nach einem Versteck, das so schnell niemand außer ihm finden soll. Im Aufzug trifft er eine junge, unerfahrene Vertreterin pharmazeutischer Produkte, die sich treu nach dem Motto richtet: Sex sells! Von ihr bekommt er einen kleinen Schub der richtigen Drogen, ehe er sich reichlich unkonzentriert, aber trotzdem offenbar mit gehörigem Sachverstand, ins unerbittliche Tagesgeschäft der Ärzte wirft.

Seine Vergangenheit holt ihn endgültig ein, als ihn ein todkranker Patient erkennt und als „Bärentatze“ anspricht, ein Kosename seiner alten Verbindung in der Mafia, aus der er sich über ein Zeugenschutzprogramm freigekauft hat. Und während Brown noch mit der krankenhausinternen Bürokratie kämpft, informiert der schmierige Mafiosi die Bande über den Aufenthaltsort des Ehemaligen …

Christoph Maria Herbst liest und erzählt diese Geschichte mit einer typisch rauen Gangster-Stimme, die ähnlich eindrucksvoll ist wie Robert de Niros deutscher Synchronisator Christian Brückner. An manchen Stellen stöhnt er sich durch einen Absatz, um dann wieder trocken und leidenschaftslos über die medizinischen Aspekte des Tötens zu sprechen. Übrigens ist dies eine interessante und lehrreiche Verbindung, der Killer und der Arzt. Man lernt einiges über den menschlichen Körper, auch wenn es schließlich im Showdown etwas zu weit führt, aber dazu weiter unten.

Die Geschichte spielt sich auf zwei Ebenen ab. Peter Brown erzählt neben seinem Bericht über seinen erneuten Mafiakontakt im Krankenhaus (den er dem Stil seiner Erzählung nach in einer Anhörung wieder gibt), wie er überhaupt zur Mafia kam und was er dort erlebte, was ihn schließlich umkrempelte und zu einem ackernden Arbeitstier im Zeugenschutzprogramm machte. Das sind gleich zwei spannende Geschichten parallel, die jede für sich spannend und echt fesselnd erzählt werden. Zwischen ihnen gibt es eigentlich lange keine weiteren Berührungspunkte, bis sich die persönlichen Reibereien der Vergangenheit explosiv entladen und zu einem gewissenlosen Mordanschlag führen, der in letzter Konsequenz für Piedros endgültigen Wandel ausschlaggebend ist. Hier schlägt Bazell dann die Brücke in die erzählte Gegenwart, wo sich die Kontrahenten unter anderen Vorzeichen erneut begegnen und ihren Zwist zu einem Ende bringen.

Was lässt sich über die Charaktere sagen: Der Ich-Erzähler ist Piedro Brnwa, der eigentlich über seine Zeit als Peter Brown berichtet. Man erfährt über den engen Kontakt zu ihm (und wahrscheinlich gelingt das im Hörbuch noch besser als im Roman, da man scheinbar ihm direkt zuhört und seine Regungen in der Stimme erfährt), wie er denkt und fühlt und wie er sich zu dem entwickelte, was er zu seiner Zeit als Killer war. Dabei rückt er seine Motive in ein zwiespältiges Licht von Moralität, da er sich nie ohne eingehende Information über seine Opfer zu einem Mord kaufen ließ, sondern immer erst von ihrer Schuld überzeugt sein wollte. Außerdem zeigt der intensive Tag, den man mit Brown im Krankenhaus erlebt, wie er nach seiner Zeit als Killer zu einem Arzt wurde, der zwischen den Mühlsteinen der Bürokratie versucht, Menschenleben zu retten, Leiden zu lindern und sich zum Teil von seiner Schuld als Mörder frei zu arbeiten. Dabei klingt sowohl in Herbsts Stimme als auch durch den Text selbst immer die Müdigkeit des täglichen Kampfes, die Resignation und der Wille, sich gegen die tumbe Geistlosigkeit der Mitmenschen und des Systems durch zu setzen, an und gibt dem Menschen Brnwa/Brown weitaus mehr Rückgrat und Sympathie, als es ein bloßer Profikiller der einschlägigen Literatur sonst erreichen kann.

Durch den Blickwinkel bleiben die anderen Figuren fremder, doch die Ereignisse und Browns Erzählung entwickeln zumindest seinen Jugendfreund und späteren unerbittlichen, geistlosen und brutalen Gegner Skinflick auf glaubhafte Art, wenn sie auch nicht sehr kreativ ist: Unfähiger Sohn eines erfolgreichen Mafiosos hängt sich an einen gleichaltrigen Freund des Vaters, der der perfekte Sohn sein könnte, um Zugang zu den Kreisen des Vaters und dessen Respekt zu ergattern. Schließlich wird er enttäuscht und gedemütigt und startet einen Rachefeldzug, an dessen Ende es höchstens einen Überlebenden geben kann.

Die Sprecherleistung ist weitgehend überzeugend, mehr noch, fesselnd, denn Herbst versetzt sich hervorragend in Brnwa hinein und intoniert auch die anderen männlichen Protagonisten gekonnt. Schwachpunkt sind nur die Frauen. Hier zeigt sich, dass wirklich nicht jeder Mann die hohen Stimmen von Frauen nachahmen kann. Dadurch verliert Brnwas einzige Liebe, der Herbst zwar mit besten Möglichkeiten versucht, eine angenehme Stimme zu verleihen, die überzeugende Darstellung als eben diese einzigartige Frau, die sie dem Text nach ist.

Wie oben gesagt, entwickelt sich die Geschichte auf faszinierende Weise realistisch und trotz aller Brutalität sympathisch, bis Skinflick und Brown sich zu ihrem finalen Zweikampf treffen. Die Inszenierung ist sehr gut gemacht, und wieder überzeugt Brown mit fundiertem medizinischen Wissen, doch der Knackpunkt, die Selbstverstümmlung, ist der einzige Schwachpunkt der Geschichte. Hier wird ein absoluter Höhepunkt angestrebt, der dieser Geschichte gerecht wird, und damit schießt Bazell übers Ziel hinaus.

Insgesamt ist das Hörbuch uneingeschränkt empfehlenswert. Ein Romandebüt der Extraklasse, von dem sich einige etablierte Autoren getrost eine Scheibe Überzeugungskraft abschneiden können.

6 Audio CDs
Originaltitel:
Beat the Reaper
Gelesen von Christoph Maria Herbst
Deutsch von Malte Krutzsch
ISBN-13: 978-3867175401

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (5 Stimmen, Durchschnitt: 2,20 von 5)

Terry Pratchett – Heiße Hüpfer (inszenierte Lesung)

Seit dem ersten Roman von Terry Pratchetts „Scheibenwelt“ mit dem Titel „Die Farben der Magie“, sind etliche Jahre vergangen. Und noch immer arbeitet der Parodist an seiner skurrilen (ein Wort, das in diesem Text noch mehrfach fallen wird, da es den Charakter am ehesten trifft) Welt, die von vier Elefanten auf dem Rücken einer Schildkröte getragen wird und so ihren Weg durch das Universum nimmt.

Schon der erste Absatz, die Einführung in den vorliegenden Roman, verdeutlicht, dass es eine von Pratchetts Prämissen ist, absurde Streitfragen aufzugreifen und zu parodieren, denn auf seiner Welt ist wahrlich alles möglich. Konkret spricht er von einer das Universum erklärenden Legende, nach der ein alter Mann es in einem Lederbeutel am Gürtel trägt. Kritiker bemängeln dies, da der Beutel also auch den Mann und den Beutel enthalten müsse, da er das Universum enthalte und somit auch den Mann und den Beutel, der ja bereits den Mann und den Beutel enthalte. Als Antwort verkündet Pratchetts Erzählstimme: „Na und?“

Auf diese Weise sammeln sich in seinen Romanen wissenschaftliche Themen wie die Evolution, das Universum, Lichtgeschwindigkeiten und ihre jeweils eigene Masse, um auf unmöglichste Art keine Erklärung zu erfahren. Das macht eigentlich neben den genauso undenkbaren Geschöpfen und Handlungen einen großen Teil des charakteristischen Tonfalls aus, der Pratchetts Romane auszeichnet. Und mit Rufus Beck hat die Vorlesung eine Stimme gewonnen, die der Skurrilität des Romans in höchstem Maße gerecht wird.

In „Heiße Hüpfer“ findet man nicht einen einzigen als Person bezeichenbaren Charakter, der in irgend einer Weise normal wäre. Der schon im ersten Roman eingeführte „Zaubberer“ Rincewind mit seiner Truhe „Truhe“ oder auch „Truhi“, die auf unzähligen Füßen läuft, nimmt hier die eine Handlungsebene ein, während eine Gruppe richtiger Zauberer von der Unsichtbaren Universität auf der Suche nach Rincewind die andere Ebene beschlagnahmen. Sie wollen ihrem einem krankhaften Magiefeld ausgesetzten Bibliothekar helfen, können dies aber ohne Rincewinds Hilfe nicht tun. Da sie Rincewind allerdings an einen unbekannten Ort verbannt haben, können sie ihn auch nicht so ohne Weiteres finden. So erleben beide Seiten ihre Abenteuer und fügen dabei dem unerklärlichen Charakter der Scheibenwelt neue Facetten hinzu, bis sie sich schließlich treffen und in einem schöpferischen Akt alles zum Guten wenden.

Dabei ist die Hintergrundhandlung der Geschichte so verzwickt, dass es das Hörbuch schwer hat, die ganzen Zusammenhänge verständlich darzustellen. Hier hat der geschriebene Text den Vorteil, dass man bei Nichtverständnis die betreffende Stelle mehrmals lesen kann, bzw. auch zurückblättern kann. Im Hörbuch einen Knotenpunkt wieder ausfindig zu machen ist ungleich schwerer, auch kann man hier die Stelle nicht einfach kurz überfliegen. So bleiben beim ersten Hören einige Punkte ungeklärt. Sie schmälern den Hörgenuss aber wenig, denn sie dienen mehr als Mittel zum Zweck, das heißt, sie schaffen Voraussetzungen für die Handlung, auch das Überleben des nicht gerade fähigen Rincewinds, bis schließlich für die Möglichkeit des Zusammenführens beider Stränge.

Mehrmals kommen auch höhere Mächte ins Spiel, so stranden zum Beispiel die Zauberer auf einer Insel in jahrtausendealter Vergangenheit und stören einen zurückgezogenen Gott bei der Erfindung der Evolution, während Rincewind von einer unsichtbaren Macht überwacht und als Held der Geschichte gelenkt/beeinflusst wird.

Wenn sich Hörbücher dadurch auszeichnen, dass der Leser den betreffenden Text vorliest und dabei zur Untermalung von Stimmungen, verschiedenen Sprechern oder Spannungen nur die Modulationsfähigkeit seiner eigenen Stimme verwendet, trifft dies auch auf eine inszenierte Lesung zu, mit einem Unterschied: technische Klangeffekte erzeugen den passenden Hintergrund, zum Beispiel wird im vorliegenden Band Rincewind in einen Kampf verwickelt, bei dem man im Hintergrund Menschen schreien hört, Waffen klappern, Gaukler dudeln … Auch wird jede Handlungsebene mit einer passenden Erkennungsmelodie eingeführt, so dass die oft plötzlichen Sprünge auch beim Hören erkennbar bleiben. Für das Hörerleben sind diese zusätzlich eingefügten Klangspiele manchmal hilfreich, manchmal vertiefen sie die Bilder vor dem geistigen Auge, außerdem sind gerade auch die Melodien so gut erstellt, dass man sich an typische Heldenklänge aus dem Fernsehen erinnert fühlt. Das passt hervorragend zu Pratchetts parodistischem Stil, indem es die Schippe noch vergrößert.

Insgesamt scheint die auf drei CDs gekürzte Fassung etwas der erklärenden Zusammenhänge zu verlieren, doch für die Geschichte selbst reicht dieser Umfang und bietet ein interessantes Hörerlebnis bei ständiger undenkbarer, verrückter Ausuferung von parodierten gesellschaftlichen Themen, Tabuthemen, Theorien, … Pratchetts Genie findet kein Ende.

3 Audio CDs, 235 Minuten
Gelesen von Rufus Beck
Originaltitel: The Last Continent
ISBN-13: 978-3837100396

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

Frank Herbert – Der Herr des Wüstenplaneten (Hörbuch)

Eine der großartigsten literarischen Schöpfungen unserer Zeit ist Frank Herbert mit seinem Epos um den Planeten Arrakis gelungen, zu dem er selbst nur sechs Romane beisteuerte. Das Konzept, von Herbert als Hintergrund und Basis seiner Geschichte entwickelt, diente in den letzten Jahren einem Autorengespann aus seinem Sohn Brian Herbert und dem „Star Wars“-Schreiber Kevin J. Anderson als Aufhänger für eine beinahe ausufernde Ausschlachtung des Mythos‘ um Dune, wobei sie erst zuletzt die eigentliche unvollendete Saga des Schöpfers zu einem Ende führten.

Lübbe Audio produziert inzwischen die Hörbücher um den ursprünglichen „Dune“-Zyklus, und zwar in einer monumentalen Anstrengung. Allein der erste Roman musste in zwei Teile gehackt werden und umfasst insgesamt ca. 1603 Minuten Spieldauer.

In diesem eigentlich zweiten Teil der Saga ist Paul Muad’dib Imperator und religiöser wie weltlicher Herrscher in einer Person. Seine Schwester Alia führt die Kirche persönlich in allen Belangen ihrer Entwicklung und Verschmelzung mit dem Staatswesen, und es wird deutlich, dass Paul teils nicht richtig über ihre Machenschaften informiert ist, beziehungsweise sich kein echtes Bild von den Folgen ihrer Vergöttlichung gemacht hat. Paul kümmert sich mehr um die weltlichen Belange des Imperiums, sein Regierungsinstrument sind aber fanatische religiöse Fremen.

Noch immer tobt der Djihad der Fremen durch die Galaxis, obwohl Paul weder seine Entstehung noch sein weiteres Fortdauern gutheißt. Er ist durch seine Visionen gequält und folgt einem visionären Weg, der der Menschheit das Überleben sichern soll.

Inzwischen formiert sich ein Widerstand unter geistigem Schutz eines Navigators der Gilde, der durch seine eigenen seherischen Fähigkeiten einen schützenden Bereich um die ihn betreffenden Gedanken und Personen legt, so dass Pauls Visionen darauf keinen Zugriff haben. Beteiligt sind Gruppierungen der Bene Gesserit, die ihr Genprojekt wieder unter Gewalt bekommen wollen, die Gilde, der Pauls Gewürzmonopol gegen den Strich geht sowie die Wesen von Tleilax, deren Interessen verborgen bleiben.

Plan ist, ein Kind Pauls und Irulans auf den Thron zu bringen, sowie Paul und seine Schwester zu töten. Doch gegen die Intrigen Irulans und ihrer Hinterleute wird Pauls Frau Chani endlich schwanger und gebärt die neuen Thronfolger, während Paul selbst mit einem ernst zu nehmenden Hinterhalt konfrontiert wird …

Die Geschichte des Wüstenplaneten, ihre Idee und der Inhalt schon sind faszinierende Details, doch was sie einzigartig macht, ist das Genie, mit dem Frank Herbert seine Sage erzählt. Mit Blick auf heutige Romane würde man Herberts Bücher fast als langatmig und ruhig dahin plätschernd bezeichnen, doch nur, weil heutige Romane meist von Action, coolen Agenten, Explosionen und schönen Frauen dominiert werden. Herbert belebt seine Figuren und seine Geschichte auf andere Art: Er lässt sie reden und tiefgründige Gedanken wälzen. Die Diskussionen seiner Protagonisten sind niemals trivial oder dienen allein der Unterhaltung, sie zielen immer auf Erkenntnisse und haben einen heute schwer anzutreffenden Tiefgang. Die wenigen Kämpfe, die Herbert in diesem Roman ausfechten lässt, handeln nicht von langen Schlagabtauschen mit verrückten Finten oder großkalibrigen Waffen, sondern sie finden vor allem im Geist der Betroffenen statt. Die ausgeführten Bewegungen erscheinen dagegen wirklich einfach, doch kommt auch hier kein unbefriedigender Eindruck zustande, denn diese Bewegungen sind erst das Ergebnis des geistigen Schlagabtauschs und Ausdruck des Überlegenen. Auch wenn Herbert nicht immer den geistig Überlegenen auch körperlich überleben lässt …

In diesem kürzesten Roman der Reihe wird man erschlagen von den Intrigen, die um die Thronfolge, die wirtschaftliche und religiöse Macht, das Leben und Sterben der Atreides gesponnen werden. Das macht zwar die Spannung und den Charakter des Romans aus, gestaltet ihn aber auch recht zähflüssig, bis die Steine endlich ins Rollen kommen und Pauls Visionen so stark werden, dass er ihnen nicht mehr entkommen kann. Er sieht sein Schicksal voraus, erkennt aber auch, was Änderungen daran mit der menschlichen Zukunft anrichten würden und richtet seine Handlungen bewusst direkt und wortgetreu nach den Visionen, um sie zu manifestieren. Sein eigenes Schicksal erscheint ihm dabei zweitrangig, ja, eigentlich kann man in ihm eine Todessehnsucht feststellen, die allerdings wieder hinter die größeren Nöte und Zusammenhänge gestellt wird.

Eine der faszinierendsten Szenen ist der Moment, in dem Pauls Sohn die Augen aufschlägt und eine einmalige Verbindung seinen blinden Vater durch die neugeborenen Augen seines Sohnes sehen lässt. Herbert produziert hier ein eindringliches Ereignis von solcher Bildhaftigkeit und Ausdrucksstärke, dass einem sprachlos die Kinnlade herabfällt und man nur noch genießen kann.

Die Umsetzung als Hörbuch zeugt von großer Professionalität und ist angenehm und eindringlich zu hören. Simon Jäger als Leser des eigentlichen Romans verfügt über eine enorme Modulationsfähigkeit der Stimme, so dass er der Stimmung und der Unterschiedlichkeit seiner Protagonisten mehr als gerecht wird. Mit ihm als Leser gewinnen die aufwühlenden Gedanken Herberts große Klarheit und es ist ein wohliges Gefühl von Großartigkeit, ihm zuzuhören.

Etwas anders Marianne Rosenberg. Sie trägt die einleitenden Auszüge vor, die Herbert seinen Kapiteln als Auszüge aus Artikeln, Chroniken oder Tagebüchern oder Briefen voranstellt. Im gedruckten Roman heben sich diese Auszüge durch Schrägstellung der Schrift ab, so dass die Wahl eines separaten Lesers hierfür durchaus gerechtfertigt ist. Rosenberg trägt die Artikel jedoch in unglücklicher Betonung vor, so dass man recht angestrengt zuhören muss, um die oft komplexen Sätze richtig zu verstehen.

Insgesamt ist auch dieser zweite Teil ein Hörgenuss, und wenn man erst die schwergängigen Phasen der Intrigenbildung überwunden hat, erlebt man die Geschichte hautnah und eindringlich, was noch verstärkt wird durch die Darstellung Pauls als blinden Seher, durch den der ebenfalls blinde Leser/Zuhörer in gleicher Weise in der Geschichte lebt.

573 Minuten auf 8 CDs
ISBN-13: 978-3-7857-3724-8

Der Autor vergibt: (4/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (2 Stimmen, Durchschnitt: 1,00 von 5)

Jutta Langreuter – Käpt’n Sharky 4: Abenteuer in der Felsenhöhle

Reihentitel:

Käpt’n Sharky 1: und das Geheimnis der Schatzinsel
Käpt’n Sharky 2: und das Seeungeheuer
Käpt’n Sharky 3: Gefängnisinsel
Käpt’n Sharky 4: Abenteuer in der Felsenhöhle

Wir sind Piraten und fahren übers Meer
zwischen Nord- und Südpol kreuz und quer,
wir singen „Hoh-johee-johoo“,
denn Piraten singen nunmal so!

Jutta Langreuter – Käpt’n Sharky 4: Abenteuer in der Felsenhöhle weiterlesen

Saint-Exupéry, Antoine de – kleine Prinz, Der (Hörbuch)

_Man soll nicht traurig sein um solche alten Hüllen …
oder
Der Prinz ist tot. Es lebe der Prinz!_

1943 erschien mit dem modernen Märchen [„Der kleine Prinz“ 6256 das international erfolgreichste Werk des sich als „nebenher schriftstellernden Berufspiloten“ bezeichnenden französischen Autors Antoine Vicomte de Saint-Exupéry. Bis 2009 liegt nur eine Übersetzung ins Deutsche vor, welche, obwohl sie den Erfolg des Buches im deutschsprachigen Raum begründete, in den letzten 70 Jahren reichlich Staub angesetzt hat. Saint-Exupéry setzt sich in der vordergründig märchenhaften Erzählung mit der politischen Lage seiner Zeit und seiner privaten Situation als Berufsflieger im Krieg wie beispielsweise mit seiner im Heimatland zurückgelassenen Frau (der Rose des kleinen Prinzen) oder dem Tod auseinander. In seiner Erzählung „Der kleine Prinz“ hat er universelle Weisheiten in die einfachsten und deshalb schönsten Worte gefasst, die längst kulturelles Allgemeingut geworden sind: „Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“

Die preisgekrönte Übersetzerin Elisabeth Edl hat sich nun des Werkes angenommen und gefühlvoll, aber deutlich den Staubwedel geschwungen, um auf der einen Seite Saint-Exupérys knappen Stil hervorzukehren und auf der anderen Seite die Sprache in ein zeitgemäßeres Gewand zu kleiden. Dabei ist die farbigere Redeweise des Übersetzerehepaares Grete und Josef Leitgeb der präzisen, aber durch Wortwiederholungen gekennzeichneten Sprache Saint-Exupérys gewichen. Der heutige Leser stolpert bei Edl nicht über weniger gebräuchliche Formulierungen oder poetisch anmutende Satzumstellungen. Das nimmt dem Werk etwas von seiner märchenhaften Sprache, macht die Worte für heutige Leser jedoch leichter fassbar. So heißt es etwa über selbst heraufgezogenes Brunnenwasser bei Leitgeb: „Er trank mit geschlossenen Augen. Das war süß wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als ein Trunk. Es war entsprungen aus dem Marsch unter den Sternen, aus dem Gesang der Rolle, aus der Mühe meiner Arme.“ Eidl macht daraus: „Er trank mit geschlossenen Augen. Das war schön wie ein Fest. Dieses Wasser war etwas ganz anderes als Nahrung. Es war dem Gang unter den Sternen entsprungen, dem Singen der Rolle, der Anstrengung meiner Arme.“ Gewiss die Unterschiede sind nicht frappierend. Es ist immer noch die gleiche Geschichte und man muss um die alte Übersetzung nicht traurig sein geschweige denn sie aus dem Bücherregal verbannen, aber die Übersetzung Edls ist eine wunderbare Wiederauferstehung des Stoffes und das im Karl-Rauch-Verlag erschienene Hörbuch eine hervorragende Ergänzung. Sie zeugen gerade in der etwas modernisierten Sprache von der Zeitlosigkeit des Werkes.

Der versierte Schauspieler, Sänger sowie Synchron- und Hörbuchsprecher Jan Josef Liefers liest angefangen vom Ich-Erzähler über den kleinen Prinzen bis hin zum Trinker oder einer zischenden Schlange alle Rollen lebendig und ausdrucksvoll. Einfühlsam nimmt er sich sowohl der humorvollen als auch tragischen Momente der Erzählung an. Er lässt sich Zeit, spricht ruhig, so dass man die Tiefe hinter den einfach scheinenden Worten erfassen kann, wirkt jedoch nie einschläfernd. Der kleine Prinz bleibt dank der facettenreichen Stimme direkt, hartnäckig und naseweis. So kommen die feine Ironie und der leise Humor Saint-Exupérys gut zur Geltung. Reduziert unaufdringliche Gitarrenzwischenspiele schlagen eine Brücke zwischen den Kapiteln und lassen dem Hörer Zeit, die Worte nachklingen zu lassen. Alles in allem bietet die Doppel-CD in ihrer Pappklappbox also mehr als zwei Stunden Hörvergnügen, und das zum ersten Mal mit dem vollständigen Text des Werkes; absolut hörenswert.

|ca. 145 min auf 2 CDs
ISBN-13: 978-3-7920-0101-1
Sonderausgabe, März 2010: 978-3-7920-0102-8
Box-Edition, April 2010: 978-3792001042|
http://www.karl-rauch-verlag.de

Frank Herbert – Die Kinder des Wüstenplaneten (Hörbuch)

Frank Herberts „Wüstenplanet“ ist unbestreitbar eine der bekanntesten und faszinierendsten Schöpfungen, die die moderne Literatur hervor gebracht hat. Lübbe Audio verlegt nun die einzigartige Romanreihe in ungekürzter Lesung – ein enormes Projekt mit umfangreichem Ergebnis, denn allein dieser dritte Teil der Reihe umfasst siebzehn silberne Scheiben. Aber es lohnt sich!

Nach Paul Muad’dibs Weggang wachsen seine Kinder, die Zwillinge Ghanima und Leto II., in der Obhut Alias und Stilgars, eines Naib der Fremen, auf. Derweil verwaltet Alia das Imperium im Namen der Kinder ihres Bruders, doch mehrt sich der Widerstand gegen sie und ihre absolutistische Priesterschaft, die aus Muad’dib einen gottgleichen Helden machen.

Die Zwillinge, beide gleich Alia Vorgeborene und damit im Besitz aller Erinnerungen und Erfahrungen ihrer Vorfahren, suchen nach einem Weg, ihrer Bestimmung gerecht zu werden, denn mit ihren außergewöhnlichen Fähigkeiten besitzen sie die Macht, die Menschheit vor dem Untergang zu beschützen und statt dessen in eine Zukunft zu führen, die ihr das Überleben sichert. Dabei leben die Zwillinge in der steten Sorge, gleich ihrer Tante den „Inneren Leben“, wie sie ihre Vorfahren nennen, anheim zu fallen und zu „Abscheulichkeiten“ zu werden. Bei Alia mehren sich die Anzeichen ihrer Besessenheit, bis nicht nur die Kinder, sondern auch ihr Ehemann Duncan Idaho und ihre Mutter, die Bene Gesserit Lady Jessica, die leere Hülle durchschauen und in ihr den größten Feind der Familie Atreides erkennen, der sich Alias bemächtigt hat.

Jessica selbst und hinter ihr die Bene Gesserit verfolgen eigene Ziele, um wieder in den Besitz des Erbguts und der Macht über die Zwillinge zu gelangen. Das Haus Corrino, das vormals den Imperator stellte, sucht nach Wegen, die Macht zurück zu erlangen, und die Gilde der Navigatoren sowie andere mächtige Parteien ringen um Einfluss auf Arrakis und den Zugang zur Melange, dem Gewürz, das einzig auf Arrakis, dem Wüstenplaneten, zu gewinnen ist und zum Beispiel den Navigatoren ihre Fähigkeiten verleiht. Die Intrigen von allen Seiten spitzen sich zu, bis ein Anschlag auf das Leben der Zwillinge nur knapp abgewehrt werden kann und Ghanima alle Welt überzeugt, Leto sei ein Opfer des Attentats geworden. Nun trennen sich die Wege der Unzertrennlichen, denn sie verfolgen den einzigen Weg, den ihnen eine Vision ihres Vaters Paul Muad’dib zeigte: Den Goldenen Pfad …

Die Geschichte des Wüstenplaneten, ihre Idee und der Inhalt schon sind faszinierende Details, doch was sie einzigartig macht, ist das Genie, mit dem Frank Herbert seine Sage erzählt. Mit Blick auf heutige Romane würde man Herberts Bücher fast als langatmig und ruhig dahin plätschernd bezeichnen, doch nur, weil heutige Romane meist von Action, coolen Agenten, Explosionen und schönen Frauen dominiert werden. Herbert belebt seine Figuren und seine Geschichte auf andere Art: Er lässt sie reden und tiefgründige Gedanken wälzen. Die Diskussionen seiner Protagonisten sind niemals trivial oder dienen allein der Unterhaltung, sie zielen immer auf Erkenntnisse und haben einen heute schwer anzutreffenden Tiefgang. Die wenigen Kämpfe, die Herbert in diesem Roman ausfechten lässt, handeln nicht von langen Schlagabtauschen mit verrückten Finten oder großkalibrigen Waffen, sondern sie finden vor allem im Geist der Betroffenen statt. Die ausgeführten Bewegungen erscheinen dagegen wirklich einfach, doch kommt auch hier kein unbefriedigender Eindruck zu Stande, denn diese Bewegungen sind erst das Ergebnis des geistigen Schlagabtauschs und Ausdruck des Überlegenen. Auch wenn Herbert nicht immer den geistig Überlegenen auch körperlich überleben lässt …

Leto Atreides wirft das Andenken Muad’dibs von seinem Sockel, wenn auch mit Hilfe eben diesen, doch rührt es ein wenig schmerzlich an, wenn der Held der beiden ersten Bände nun erneut auf seinen Sohn trifft und diesem nicht nur unterlegen ist, sondern auch mit seiner Opferbereitschaft nicht gleichziehen kann. Doch hier sehen wir, dass Herbert die Sentimentalität zu seinen Protagonisten immer zu Gunsten der Geschichte ignoriert und damit auch immer für überraschende Wendungen gut ist. Wir erhalten durch Letos Visionen und Gedankengänge einen ersten Einblick in die Zukunft – nicht nur der Menschheit, sondern auch der Romanreihe, deren nächster Titel „Der Gottkaiser des Wüstenplaneten“ bereits die Richtung andeutet. Ghanima dagegen, die zwar eine starke Persönlichkeit ist, aber im gesamten Roman weit hinter Leto zurück bleibt, wird sicherlich auch im weiteren Zyklusverlauf schneller verblassen als ihr Bruder.

In Szenenwechseln beleuchtet Herbert verschiedene Handlungsebenen, die sich meist in Intrigen und gegenseitiger Beeinflussung winden und aus denen nur die überlegenen Geister erfolgreich hervorgehen. Und so entsteht ein komplexes Bild der galaktischen Abhängigkeiten und unterschiedlichen Zielen aller wichtigen Machtgruppen oder Einzelpersonen, das sich immer mehr verwebt und schließlich doch nur ein winziges Teil im großen Plan von Leto II. darstellt, beziehungsweise gegen seine eigenen Vorstellungen keinen Bestand hat und sich ihm beugen muss.

Der Hörer, der sich inzwischen an die Eigenschaften des Wüstenplaneten Arrakis gewöhnt hat, muss mit Entsetzen feststellen, dass die von Liet Kynes angestrebten Umweltveränderungen langsam greifen und auf Arrakis das Grün auf dem Vormarsch ist – bleibt der Titel der Reihe weiterhin gerechtfertigt oder müssen wir uns in Zukunft, so wie auch Leto es prognostiziert, ohne Sandwürmer durch die saftigen Wiesen des Planeten schlagen?

Die Umsetzung als Hörbuch zeugt von großer Professionalität und ist angenehm und eindringlich zu hören. Simon Jäger als Leser des eigentlichen Romans verfügt über eine enorme Modulationsfähigkeit der Stimme, so dass er der Stimmung und der Unterschiedlichkeit seiner Protagonisten mehr als gerecht wird. Mit ihm als Leser gewinnen die aufwühlenden Gedanken Herberts große Klarheit und es ist ein wohliges Gefühl von Großartigkeit, ihm zuzuhören.

Etwas anders Marianne Rosenberg. Sie trägt die einleitenden Auszüge vor, die Herbert seinen Kapiteln als Auszüge aus Artikeln, Chroniken oder Tagebüchern oder Briefen voran stellt. Im gedruckten Roman heben sich diese Auszüge durch Schrägstellung der Schrift ab, so dass die Wahl eines separaten Lesers hierfür durchaus gerechtfertigt ist. Rosenberg trägt die Artikel jedoch in unglücklicher Betonung vor, so dass man recht angestrengt zuhören muss, um die oft komplexen Sätze richtig zu verstehen.

Trotz des Umfangs ein Hörbuch ohne Längen, uneingeschränkt ein Genuss, ein wichtiger und faszinierender Teil von Herberts Meisterwerk. Sehr hörenswert, vor allem, da es eine ungekürzte Fassung ist.

17 Audio-CDs
1166 Minuten
Sprecher: Jäger, Simon; Rosenberg, Marianne
ISBN-13: 978-3-7857-3805-4

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (3 Stimmen, Durchschnitt: 2,00 von 5)

Gloge, Andreas / Sassenberg, Volker – Point Whitmark: Der Leere Raum (Folge 28) (Hörspiel)

Folge 1: [„Die Bucht der 22 Schreie“ 5128
Folge 2: [„Die rote Hand des teufels“ 5256
Folge 22: [„Die blutenden Schlüssel“ 4793
Folge 23: [„Der Duft der Finsternis“ 5058
Folge 24: [„Am Tag der großen Flut“ 5410
Folge 25: [„Die fiebrigen Tränen“ 5551
Folge 26: [„Die Diener der Pest“ 5743
Folge 27: [„Eiland der Gespenster“ 5817

_Kurzbeschreibung:_

Ein Besuch im Gefängnis von Hampton konfrontiert Jay, Derek und Tom mit einer höchst mysteriösen Geschichte. Ihr Gespräch über die jüngsten Ausbrüche aus der Haftanstalt mit dem wegen Diebstahls verurteilten Bernie Feldman wird jäh durch eine Fehlfunktion des Alarmsystems unterbrochen. Nachdem diese behoben werden kann, halten die drei Jungen plötzlich den Laptop des Sicherheitsbeamten Warden Archer in der Hand, den der Kleptomane Feldman in der Aufregung entwendet hat.

Später in der Radiostation von |Point Whitmark| zeigt dieses Notebook seine absonderlichen Eigenschaften. Abgesehen davon, dass es über keinerlei Dateien zu verfügen scheint, entwickelt das Gerät ein unheimliches Eigenleben, wobei
ein digitalisierter Zimmerpage auf dem Bildschirm auftaucht, welcher den Jungen angeblich jeden erdenklichen Wunsch erfüllen möchte.

Richtig bedrohlich wird es, als gerade diese heimlichen Wünsche auf brutale Weise realisiert werden – u.a. wird Dereks Bioarbeit verschoben, da seine Lehrerin in einen folgenschweren Unfall verwickelt wird.

Als Derek, Tom und Jay letztendlich hinter das Geheimnis des gespenstischen Laptops zu kommen versuchen, geraten sie selbst in tödliche Gefahr. Der große Unbekannte im Hintergrund setzt alles daran, die drei Jungs mundtot zu machen, und er scheint über alle ihre Schritte im Bilde zu sein …

_Meine Meinung:_

Artificial Intelligence extrem …

Überhaupt mutet das Thema dieses außergewöhnlichen PW-Abenteuers sehr modern an – eine höchst innovative Reise in das unwirkliche Universum von Laptops, intelligenten Netzwerken und einer unsichtbaren Bedrohung aus der digitalen Welt.

Und gerade die Figur des unheimlichen Pagen – ganz besonders seine gespenstische Stimme – sorgt für einige wohlige Schauer.

Vielleicht stößt bei dem Einen oder Anderen diese Rahmengeschichte etwas gewöhnungsbedürftig auf, insbesondere die recht abrupte Auflösung nach der doch ein wenig dünnen Handlung gestaltet sich etwas gewagt, aber gewürzt mit den herrlichen Flachsereien der drei Protagonisten, dem Rätselraten, einer anständigen Prise Action und eben jener besonderen Atmosphäre bekommt man auch doch eine kurzweilige Unterhaltung serviert, wenn man sich drauf einlässt.

_Besetzung:_

|Erzähler:| Jürg Löw
|Jay Lawrence:| Sven Plate (Whil ‚Wesley Crusher‘ Wheaton in „Star Trek“, Ewan McGregor in „Emergency Room“)
|Tom Cole:| Kim Hasper (James Franco, Jason Biggs, Brendan Fehr in „Roswell“ & „CSI: Miami“)
|Derek Ashby:| Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio, Giovanni Ribisi, Scott Caan)
|Dora Manning:| Daniela Thuar (Peta Wilson in “Superman Returns”)
|Lance Bindek:| Raphael Kübler
|Warden Archer:| Gerald Paradies (Denis Leary, Kevin Spacey, Vince Vaughn)
|Bernie Feldman:| Mario von Jascheroff (Micky Maus)
|Delphie:| Norman Matt (Jonathan Rhys-Meyers, Cillian Murphy, Mark Ruffalo)
|Nachtwächter Bueller:| Karl Schulz
|… und der Zimmerservice|

_Produktion:_

Idee & Konzeption: Volker Sassenberg
Drehbuch: Andreas Gloge & Volker Sassenberg
Regie: Volker Sassenberg
Musik: Matthias Günthert, Markus Segschneider, Volker Sassenberg & Manuel Rösler
Ton & Schnitt: Volker Sassenberg & Marc Sander
Tonassistenz: Kai Müller
Illustration: Ingo Masjoshusmann
Produktion: Volker Sassenberg
Aufgenommen und gemischt unter Finians Regenbogen
Verlegt durch ROBIL BOR Music
Im Handel seit dem 26. Februar 2010

http://www.point-whitmark.de
http://www.folgenreich.de

Die drei ??? – Fels der Dämonen (Folge 133)

Das Hörspiel zum Buch von Marco Sonnleitner, erschienen im Februar 2007 beim |Franckh-Kosmos|-Verlag, wurde von EUROPA im Oktober 2009 zeitgleich mit dem Fall „Der tote Mönch“ veröffentlicht und trägt die Nummer 133. Sonnleitner, der sonst eher immer das Mystery-Klientel der Serie bedient, wandelt hier einmal auf für ihn eher untypischen Pfaden. Die drei Fragezeichen jagen Dr. No – oder so ähnlich. Das wäre jedenfalls ein wesentlich passenderer Titel als der „Fels der Dämonen“, welcher nun nicht den geringsten Bezug zum Inhalt hat. Doch immer hübsch der Reihe nach.

Zur Story

Die drei Detektive unternehmen einen kleinen Campingausflug. Bobs Käfer ist bis unters Dach voll gepackt mit allem, was man für ein zünftiges Wochenende in einer schön abgelegenen und einsamen Bucht an der Westküste braucht. Kurz vor dem Ziel überfahren die Fragezeichen fast den jungen Eddy Reardon, der ihnen vors Auto springt und darum bittet, möglichst schnell und möglichst weit weg von der fraglichen Bucht gebracht zu werden. Er und sein Kumpel treiben sich wohl öfter gerne hier herum und als dieser schon heim geradelt sei, habe er oben auf den Felsen soeben eine Begegnung mit einem leibhaftigen in Lumpen gehüllten „Zwerg“ gehabt. Dieser sei so plötzlich verschwunden, wie er auftauchte.

Während Bob den Part übernimmt, den völlig verstörten Zehnjährigen nach Hause zu fahren, schlagen sich Justus und Peter mit einem Teil ihrer Ausrüstung schon mal durchs Dickicht zum Strand. Das Zelt ist rasch aufgebaut und bald darauf trifft auch Bob wieder bei seinen Freunden ein. Von irgendwelchen Zwergen weit und breit keine Spur. Peter beschließt die Gunst der Stunde noch zu nutzen und eben mal schnell eine der zahlreichen, zünftigen Wellen abzusurfen. Dabei kollidiert er plötzlich mit etwas, was die beiden anderen vom Strand aus für einen Hai halten. Dementsprechend panisch reagieren Justus und Bob, als es ihren „Zweiten“ vom Brett fegt. Die Wahrheit scheint in der Tat aber noch unglaublicher: Peter behauptet, nachdem er das Ufer erreicht hat, er wäre mit einem U-Boot zusammen gestoßen.

Eindrücke

Die Geschichte geht in Richtung Thriller mit gewissen Anleihen bei James Bond, wobei das Gefährlichkeitspotential und die Skrupellosigkeit der Bösewichte ungewöhnlich hoch ist. Allerdings verwässert das Hörspiel den Umstand ein wenig, das Buch ist da detaillierter, was die rauen Methoden bei der regelrechten Treibjagd auf die drei Fragezeichen angeht. Wenn auch nicht wirklich logischer. Denn hier liegt, neben einiger anderer Makel, die allergrößte Crux der Folge: Fehlende Glaubwürdigkeit. Irgendwie will der gesamte, zudem vollkommen überzogene Plot von Anfang an partout nicht so recht einleuchten. Ein offenbar modernst ausgestattetes Schmugglernest in einem weitläufigen Höhlensystem mit Elektrik, Geheimtüren, einem Anlegeplatz mitsamt Mini U-Boot und einem Schimpansen als Schoßtier der Gangster (warum auch immer), das kann man heute auch keinem Kind mehr als nachvollziehbar verkaufen.

Erkennungsmelodie, Zwischenmusiken und die Soundeffekte haben seit Folge 125 „Feuermond“ eine Frischzellenkur erfahren. Daran haben sich selbst altgediente Fans jetzt nach mittlerweile 8 weiteren Folgen sicherlich gewöhnt. Technisch gesehen ist das Hörspiel recht sauber produziert, wiewohl Bobs VW Käfer immer noch nicht nach Boxer-Motor klingt. Von dieser Warte aus gibt es auch kaum etwas zu bemängeln. Rein Subjektiv vermeint man jedoch eine gewisse Lustlosigkeit bei den Sprechern wahrnehmen zu können. Ganz so, als ob ihnen der hanebüchene Stoff, aus dem die Mär gestrickt ist, ebenfalls nicht schmeckt. Dabei ist das Hörspiel ihnen da noch gnädig, da einige der wildesten Handlungsstränge entfielen bzw. angepasst wurden. Besonders nervig ist aber dafür der einschläfernde Schlussdialog, der erst aufgrund der Kürzungen zu Stande kommen musste, da sonst für manches lose Ende keine Erklärung vorhanden wäre.

Die Figuren und ihre Sprecher:
Erzähler: Thomas Fritsch
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrczeck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Sergeant Ludlow: Dietmar Mues
Bandenchef: Eberhard Haar
Eddy Reardon: Lukas Sperber
Spanier: Eric Schaeffler
Italiener: Lutz Harder
Jack: Fabian Harloff
Gauner: Sven Dahlem
Gehilfe: Gerhart Hinze
Polizist: Bertram Hiese

Fazit

Der Etikettenschwindel mit dem reißerischen Titel (was natürlich auch das Buch gleichermaßen betrifft) ist noch die lässlichste aller Sünden. Die viel zu dick aufgetragene Geschichte halbwegs plausibel zu vertonen war sowohl undankbar als auch ziemlich unmöglich. Der für die Adaption zuständige André Minninger ist um seinen Job manchmal nicht zu beneiden. Dieser Fall darf somit getrost in Ablage P wandern und die Anschaffung lohnt sich nur, wenn sich durch das Fehlen der CD/MC eine hässliche Lücke im Regal des Sammlers auftut. Alle anderen lassen besser die Finger davon – es gibt viele wesentlich bessere, aber nur wenige schlechtere Folgen.

Die Hörspieldaten auf einen Blick:

Titel: „Die drei ??? – Fels der Dämonen“ – Folge 133
EUROPA (Sony BMG), Oktober 2009
Laufzeit: ca. 67 Minuten
Buchvorlage: Marco Sonnleitner
Hörspieladaption: André Minninger
Redaktion: Wanda Osten
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling, George, Stahlberg, Heinemeyer, Holcomb
Cover: Sylvia Christoph

Lueg, Lars Peter – Jack Slaughter 06: Im Land der Vampire

Folge 1: „Tochter des Lichts“
Folge 2: „Tochter des Lichts 2: Professor Dooms Erwachen“
Folge 4: „Virus in Jacksonville“
Folge 5: „Am Ende der Welt“

_Story:_

Ein neuer Fauxpas von Jacks größtem Konkurrenten Professor Doom bringt den Kämpfer des Lichts in die Bredouille: Weil der Kaffeelieferant nicht die erwünschte Sorte geliefert hat, Doom aber dringend seinen Koffeinpegel auf einem gleichmäßigen Level halten möchte, verwandelt er den unschuldigen Oktavian Brasov in einen koffeinsüchtigen Blutsauger.

Als Tony und Jack kurz darauf im Leichenschauhaus nach einem bekannten Bishops Ausschau halten, stoßen sie unverhofft auf das Opfer eines Vampirbisses und kommen Dooms neuestem ungeheuerlichen Vergehen auf die Spur. Prompt machen sich die beiden ins nahegelegene Kaffeeparadies auf, um mit Kim die neuesten Ereignisse zu besprechen, als plötzlich der Vampir in Gestalt Brasovs über das Trio herfällt und Kim schwer verletzt.

Als Ponytale den Gefährten auch nicht mehr zur Hilfe eilen kann, wird Slaughter bewusst, dass er schnell handeln muss. Reverend Black verrät den beiden Unversehrten, dass Kim ebenfalls zum Vampir mutieren kann. Wenn Slaughter und Bishop nicht in Windeseile die beißende Bestie besiegen, scheint ihre Freundin dem Untergang geweiht – doch der mutierte Brasov ist zäh und äußerst widerstandsfähig …

_Sprecher:_

Erzähler: Till Hagen (Kevin Spacey)
Professor Doom: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Peter Stormare, Gabriel Byrne)
Flopper: Delphin Mitzi
Oktavian Brasov: Marcel Collé
Grandma Abigail: Gisela Fritsch (Dame Judi Dench, Ellen Burstyn)
Jack Slaughter: Simon Jäger (Heath Ledger, Matt Damon, Josh Hartnett)
Sunset River: Schaukje Könning
Frank Stoner: Jan Spitzer (Chris Cooper, William Forsythe)
Tony Bishop: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Basil Creeper: Rainer Fritzsche (Joel Moore in „Avatar“)
Dr. Kim Novak: Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones, Diane Lane)
Bob: Andy Matern (Komponist)
Reverend Black: Hasso Zorn (David Kelly)
Victoria Osborne: Marianne Groß (Anjelica Huston, Cher)
Murphy: Stefan Staudinger (Robert „Der Doktor“ Picardo)
Chuck Novak: Tobias Kluckert (Seth Rogen, Tyrese Gibson, Gerard Butler)
Mr. Ming: Fang Yu
Rick Silver: Dennis Schmidt-Foß (Freddie Prinze jr., Ryan Reynolds)

_Persönlicher Eindruck:_

Mit der inzwischen bereits sechsten Episode der immer noch relativ frischen Hörspiel-Serie „Jack Slaughter“ hat die bislang acht Titel umfassende Reihe ihren vorläufigen Höhepunkt erreicht. Dies ist vor allem daran festzumachen, dass die Story etwas Handfestes liefert und nicht ausschließlich auf den Klamauk und die witzigen Gags der Hauptdarsteller ausgerichtet ist. Dabei steigt „Im Land der Vampire“ noch sehr außergewöhnlich und standesgemäß skurril ein. Die Diskussion zwischen Doom und Brasov, in der die falsche Kaffeelieferung ausufernd und hitzig besprochen wird, gehört zu den Sternstunden dieser Serie und ist mit so vielen feinen Anspielungen versehen, dass sich damit schon fast ein ganzes Kapitel füllen ließe. Vorausgesetzt natürlich, dass man den eigenwilligen Humor der Inszenierung teilt, wird man als Slaughter-Fan hier schon in den Anfangsminuten voll und ganz auf seine Kosten kommen.

Daran soll sich auch in den folgenden gut 50 Minuten kaum etwas ändern, insbesondere weil die Geschichte einen plausiblen Verlauf nimmt und man trotz allem permanent den Eindruck hat, dass eine Menge Liebe zum Detail ins Konzept investiert wurde. Besagte Diskussion ist diesbezüglich eine starke Grundlage, die Action im Kaffeehaus und die finale Auseinandersetzung zwischen Bishop und Slaughter auf der einen und dem Vampir auf der anderen Seite sind schließlich weitere Highlights, mit denen man der Story etwas mehr Tiefe verleiht, als man dies bis dato gewohnt ist.

Gleichzeitig ist das Humorlevel in „Im Land der Vampire“ ausgesprochen hoch angesetzt. Feine Gags, freche Charaktere, lockere Zungen, außergewöhnliche Wendungen, noch außergewöhnlichere Schauplätze und Helden, die eigentlich keine sind, dann aber zu welchen werden, am Ende aber diesen Status doch nicht verdienen. Verrückt? Ja, auf jeden Fall!

Ein letztes Indiz dafür, dass die Serie mittlerweile echt gefestigt ist, sind die vielen Running Gags, die man hier konsequent weiter ausgedehnt hat. Da wäre zum Beispiel die ziemlich verzweifelte Sunset River, die seit Jahr und Tag nach einem Job sucht und nach dem verfehlten Engagement bei Professor Doom eine neue Chance bekommt. Oder aber Chuck Novak, der lediglich die Sprache der Fäuste spricht und mit seinem Roundhouse-Kick alle erdenklichen Personen beeindrucken möchte. Und zuletzt kommt auch hier das ziemlich bekloppte Wechselspiel zwischen Creeper, Doom und Flopper wieder zum Vorschein, an dem sich womöglich zwar die Geister scheiden werden, das aber nichtsdestotrotz für den einen oder anderen Lacher sorgen wird – garantiert!

Summa summarum ist das insgesamt sechste „Jack Slaughter“-Hörspiel also gleichzeitig das beste, vielleicht nicht immer ganz so abgefahren und verrückt wie die vorherigen Folgen, dafür aber definitiv nicht weniger witzig und ansprechend als das, was ihm vorausgegangen ist. Eher im Gegenteil: Hatte man bis hierhin immer mal wieder Zweifel, ob die gesamte Konzeption langfristig reizvoll bleiben kann, weiß man spätestens jetzt, dass noch eine ganze Menge Potenzial in „Jack Slaughter“ verborgen liegt!

|ISBN-13: 978-3829122955
ISBN-10: 3829122950|
http://www.jack-slaughter.de
http://www.lpl.de
http://www.myspace.com/jackslaughtertochterdeslichts
http://www.folgenreich.de
http://www.universal-music.de
http://www.karussell.de

Lueg, Lars Peter – Jack Slaughter 05: Am Ende der Welt

Folge 1: [„Tochter des Lichts“ 5532
Folge 2: [„Tochter des Lichts 2: Professor Dooms Erwachen“ 5552
Folge 4: [„Virus in Jacksonville“ 6065

_Story:_

Als notorischer Falschparker wird Jack dazu gezwungen, 50 Sozialstunden in der telefonischen Seelsorge seiner Heimatstadt Jacksonville abzuleisten. Anfangs nur genervt, ist Slaughter seinen neuen Nebenjob ziemlich schnell leid, zumal die Anforderungen an seine Person hirnrissiger kaum sein könnten. Da kommt es der Tochter des Lichts gerade gelegen, dass Professor Doom derzeit neue Experimente ausheckt und nebenbei auch noch seinen Gefährten Tony Bishop festhält.

Gemeinsam mit seinem schleimigen Verehrer Basil Creeper setzen sie Slaughter einen bösen Fluch auf, der auf eigenartige Weise auf ihm lastet: Die Personen in seinem Umfeld, ganz gleich welchen Geschlechts, zeigen plötzlich ihre Verehrung für Jack und stellen ihm ruhelos nach. Hilflos tritt er die Flucht an, denn selbst seine Zauberpuppe Ponytale scheint diesmal machtlos. Wird die Tochter des Lichts sich am Ende noch vor den zahllosen Anbiederungen retten können? Ansonsten läuft er Gefahr, mit Haut und Haaren vernascht zu werden …

_Sprecher:_

Erzähler – Till Hagen (Kevin Spacey)
Dr. Kim Novak – Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones, Diane Lane)
Jack Slaughter – Simon Jäger (Heath Ledger, Matt Damon, Josh Hartnett)
Rick Silver – Dennis Schmidt-Foß (Freddie Prinze jr., Ryan Reynolds
Frogi Oaktree – Santiago Ziesmer (Steve Buscemi)
Professor Doom – Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Peter Stormare, Gabriel Byrne)
Tony Bishop – David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Basil Creeper – Rainer Fritzsche (Joel Moore in „Avatar“)
Flopper – Delphin Mitzi
Frank Stoner – Jan Spitzer (Chris Cooper, William Forsythe)
Chuck Novak – Tobias Kluckert (Seth Rogen, Tyrese Gibson, Gerard Butler)
Tracy Santiago – Christin Marquitan
Grandma Abigail – Gisela Fritsch
Sunset River – Schaukje Könning
Oktavian Brasov – Marcel Collé
Bob – Andy Matern (Komponist)
Reverend Black – Hasso Zorn
Mr. Ming – Fang Yu

_Persönlicher Eindruck:_

Diese Episode der „Jack Slaughter“-Hörspiele gehört mal wieder ganz klar der Kategorie total durchgedreht an. Die Story wirkt über weite Strecken sinnentleert, die neuen Charaktere – darunter Kim Novaks karatekämpfender Bruder Chuck – sind skurril bis völlig abgefahren, die Szenarien sind mal wieder beängstigend eigenwillig, und zu guter Letzt verhalten sich das finstere Dreamteam Creeper/Doom und ihr nicht minder bescheuertes Schoßtier Flopper auch mal wieder sehr, sehr merkwürdig, so dass sich bereits nach der Hälfte der Spielzeit etwas Elementares konstatieren lässt: Inhaltlich ist „Am Ende der Welt“ alles andere als wertvoll.

Doch wer die „Jack Slaughter“-Reihe bis hierhin verfolgt hat, wird wissen, dass es beim Trio Infernale mit dem zerstreuten Titelhelden an der Spitze um ganz andere Dinge geht. Die Satire steht im Vordergrund, das massive Ausreizen von Klischees, schließlich aber auch der Aufbau und die Entwicklung eines ständig persiflierenden Settings, dessen einzige Grenze darin besteht, dass es überhaupt keine Grenzen gibt. In diesem Fall sind es solch verstörende Ereignisse wie der Liebesfluch, die hier an vorderster Front stehen.

Slaughter wird urplötzlich von Dooms böseartiger Verwünschung befallen und weiß gar nicht, wie er mit der Flut der Avancen umgehen soll. Selbst die clevere Kim, die sich immer wieder damit rühmt, als Bademodenmodel einen IQ von über 140 zu besitzen, kann seiner Anziehungskraft nicht mehr widerstehen, ebenso wenig wie Dooms Sidekick Creeper, der seinem kriechenden Namen mal wieder alle Ehre macht und keine Gelegenheit auslässt, seinem Herren in den Allerwertesten zu kriechen. Doch was passiert eigentlich sonst?

Nun, nicht wirklich viel. Tony Bishop verweilt immer noch in Dooms Gefangenschaft, entgeht aber dessen Tötungsversuchen, während Slaughter am Telefon seine neue Zwangskundschaft abfertigt. Außerdem macht Letzterer Bekanntschaft mit Chuck Novak, einem gewaltbereiten Aggressor, der ebenso sehr in die Klischeerolle gepresst wird wie der naive Schönling Rick Silver, der regelmäßig mit Sprüchen abgefertigt wird, die unter die Gürtellinie gehen, und dementsprechend bei Dr. Kim Novak nicht landen kann. Und ausgerechnet er ist es, der Jack Slaughters plötzlichem Liebes-Magnetismus widerstehen kann …

Es gibt also erst einmal nicht viel Neues aus dem „Jack Slaughter“-Universum zu vermelden, vielleicht mal davon abgesehen, dass die Story diesmal nicht ganz so stark ist. Doch die Regie bzw. die Sprecher können dies wiederholt überzeugend kompensieren, indem sie einerseits für eine sehr, sehr lockere Atmosphäre sorgen, in welcher der Humor adäquat transferiert wird, andererseits aber auch stets mit der nötigen Begeisterung bei der Sache sind, die auch ein Hörspiel erfordert, welches sich und seine Handlung nicht ganz so ernst nimmt. Der Witz ist jedenfalls mal wieder auf Seiten der Protagonisten, und da die Schenkelklopfer und die klischeebesetzten Anspielungen auf Randgruppen, gesellschaftliche Eigenheiten und Merkwürdigkeiten des momentanen Zeitgeists sehr gut verteilt sind, wird man auch an der fünften Folge dieser Serie den gewohnten Spaß haben – auch wenn der Plot sicherlich etwas stärker hätte sein können!

|ISBN-13: 978-3829122948
ISBN-10: 3829122942|
http://www.jack-slaughter.de
http://www.lpl.de
http://www.myspace.com/jackslaughtertochterdeslichts
http://www.folgenreich.de
http://www.universal-music.de
http://www.karussell.de

Lueg, Lars Peter – Jack Slaughter 04: Virus in Jacksonville

Folge 1: [„Tochter des Lichts“ 5532
Folge 2: [„Tochter des Lichts 2: Professor Dooms Erwachen“ 5552

_Story:_

Noch gezeichnet von den jüngsten Auseinandersetzungen mit Professor Doom, kehrt Jack ermüdet in seine Wohnung zurück und sieht sich wieder mit dem grauen Alltag konfrontiert. Die Hausmeisterin beschwert sich über den Zustand des Treppenhauses, und zu allem Übel wird Slaughter auch noch gezwungen, eine lückenlose Aufstellung seiner Steuerbilanz aus den vergangenen Jahren vorzuweisen. Vor der Gegenüberstellung mit dem knallharten Steuerprüfer Mr. Strangler schlägt Kim ihm vor, sich krank zu stellen und den Finanzbeamten so von Jacks finanzieller Misere abzulenken.

Doch der Stoff von Novaks befreundetem Virologen schlägt bei Jack nicht an, sondern überträgt sich lediglich auf sein Gegenüber. Kurze Zeit später stirbt Strangler an den Folgen der tückischen Erkrankung, während Jacksonville parallel dazu im virulenten Chaos zu ersticken droht. Ausgerechnet Doom sieht im hektischen Treiben die nächste Chance für einen vernichtenden Angriff; der Professor kreiert aus der Leiche des Steuerbeamten einen neuen Dämon, um den sich schon bald zahlreiche untote Kollegen scharen, die es auf all diejenigen abgesehen haben, die in den vergangenen Jahren Geld am Fiskus vorbeigeschleust haben. Als Slaughter und Strangler schließlich erneut aufeinandertreffen, droht die Sache weniger glimpflich auszugehen als beim ersten Mal …

_Die Sprecher:_

Erzähler: Till Hagen (Kevin Spacey)
Ms. Albright: Marianne Groß (Angelica Huston, Cher)
Jack Slaughter: Simon Jäger (Heath Ledger, Matt Damon, Josh Hartnett)
Tony Bishop: David Nathan (Johnny Depp, Christian Bale)
Dr. Kim Novak: Arianne Borbach (Catherine Zeta-Jones, Diane Lane)
Mr. Strangler: Udo Schenk (Ray Liotta, Ralph Fiennes, Gary Oldman, Kevin Bacon …)
Professor Doom: Klaus-Dieter Klebsch (Alec Baldwin, Peter Stormare, Gabriel Byrne)
Flopper: Delphin Mitzi
Mr. Ming: Fang Yu
Bob: Andy Matern (Komponist)
Basil Creeper: Rainer Fritzsche
Grandma Abigail: Gisela Fritsch

_Persönlicher Eindruck:_

Nachdem die letzte Episode der Horror-Persiflage „Jack Slaughter“ eine sehr abstruse Präsentation aufgeboten hatte, geht es in der direkt anschließenden, inhaltlich ebenfalls lose anknüpfenden Fortsetzung wieder etwas gemäßigter, vor allem aber kontrollierter zur Sache. Der Plot besitzt wieder die notwendige Stringenz, die Charaktere wirken deutlich gefestigter als noch im gelegentlich sehr biederen „Das Tor der Hölle“, und insgesamt gibt die Story auch einfach viel mehr her, selbst unter den bekannten Umständen, dass hier erneut unheimlich viele Klischees der Splatter- und Horror-Szenerie durch den Kakao gezogen werden. Doch darum geht’s ja grundsätzlich auch in dieser Serie!

Die Geschichte beginnt gewohntermaßen gemäßigt, diesmal aber nicht mit der bislang angebrachten Schlagzahl bei den Szenenwechseln. Die einzelnen Kapitel gehen fließend ineinander über, und die Handlung selber baut sich gemächlicher, insgesamt auch bedächtiger auf. Dementsprechend sitzen die Lacher nun auch besser, wenngleich die Klischees hier bis zum Maximum ausgereizt werden. Jacks ewiger Konflikt mit der Haushälterin Albright macht hierbei den Anfang und wird mit viel Witz und Situationskomik ausgeschmückt. Weiter geht es mit dem Kampf gegen den blutrünstigen Steuerbeamten, der nahtlos in die Schlacht gegen den dämonischen Professor Doom und dessen neue Schergen übergeht, zu denen urplötzlich auch die teuflische Inkarnation Stranglers gehört. Dass dieser ausgerechnet ein riesiges Gefolge mutierter Finanzprüfer um sich schart, um mit aller Macht für steuerliches Recht und Ordnung zu sorgen, setzt dem Ganzen schließlich die Krone auf, ist aber auch alles in allem wirklich komisch und mit dem entsprechenden Sinn für die passenden Schmunzler an der richtigen Stelle umgesetzt worden.

Derweil funktioniert die Interaktion der drei Protagonisten richtig gut, angetrieben zusätzlich vom sehr gut aufgelegten Erzähler, der niemals müde wird, Kims Kurven zu beschreiben oder die schrillen Angewohnheiten ihrer beiden männlichen Begleiter ins Licht zu rücken. Das Frühstück in einem Restaurant für außergewöhnliche Delikatessen ist hier nur die Spitze des Eisbergs, schließlich aber auch charakteristisch für den eigenwilligen Humor, der an dieser Stelle besonders deshalb so gut funktioniert, weil sich die größtenteils bereits bekannten Sprechern in fast allen Belangen gehen lassen können, nicht an sprachliche und inhaltliche Konventionen gebunden sind und fast schon frei Schnauze agieren können.

Dass die Handlung in „Virus in Jacksonville“ parallel hierzu auf einem sehr anständigen Niveau verläuft und nicht in der Klischee-Befangenheit der Rahmendarstellung untergeht, ist ein weiterer Aspekt, der für die positive Entwicklung der Serie bis zu diesem Punkt spricht. Episode vier, und das weiß man schon relativ früh im Plot, ist aus den genannten Gründen daher auch das Highlight der bis hierhin veröffentlichten „Jack Slaughter“-Hörspiele!

|64 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-8291-2190-3|
http://www.jack-slaughter.de
http://www.lpl.de
http://www.myspace.com/jackslaughtertochterdeslichts
http://www.folgenreich.de
http://www.universal-music.de
http://www.karussell.de

Dmitry Glukhovsky – Metro 2034 (Hörbuch)

In der ewigen Dunkelheit der postapokalyptischen Metro Moskaus leben die letzten Menschen in den Stationen, haben Gänge, alte Bahnen und Dienstzimmer zu Wohnorten umfunktioniert und sind stets bedroht durch die Mutationen, welche die Strahlung hervor gerufen hat und die auf verschiedenste Weisen versuchen, auch diesen letzten Zufluchtsort zu überrennen. Einzig unterirdische Wasserläufe ermöglichen einen geringen Gewinn an lichterzeugenden Strömen, die von peripheren Stationen wie der Sewastopolskaja an die inneren, sichereren und reicheren Stationen verkauft werden. Hier, in der Peripherie, sind die Menschen den größten Gefahren ausgesetzt und müssen sich jederzeit vor Übergriffen der Ungeheuer schützen.

Die Sewastopolskaja ist seit Tagen von den nächsten Stationen abgeschnitten. Mehrere trotz akuter Kämpferknappheit ausgeschickte Erkundungstrupps verbleiben ohne Meldungen in den Tiefen der Metro. Ein alter Kämpe, der sich seit der Katastrophe als Homer bezeichnet, begleitet den geheimnisvollen und unheimlichen Kämpfer Hunter, der endlich für eine Klärung der Lage sorgen will und die Station nach einem Jahr der Unnahbarkeit verlässt.

Die Geschichte ist gut konzipiert und folgt einem verbreiteten, oft erfolgreich angewandten Modell: Aus der Abgeschiedenheit bricht eine kleine Gruppe auf, verschiedenen Aufgaben zu erledigen, Abenteuer zu bestehen, Antworten zu finden und das große Ganze zu retten, um der abgeschieden lebenden Heimat zu helfen. Hier ist nur die Motivation eine andere und erst sehr spät erklärte. Hunter treibt es nicht voran, um der Sewastopolskaja und ihren Bewohnern zu helfen, schließlich stieß er erst vor einem Jahr zu dieser Station; mehr, um sich zu verkriechen. Ihn treibt ein zwiespältiges Gewissen den letzten Menschen insgesamt gegenüber, denn zwar scheint er für die Station unterwegs zu sein, doch ihm liegt nur daran, eine große Gefahr, die auf die gesamte Metro übergreifen könnte, auszuschalten.

Bei der Wahl der Mittel ist er nicht zimperlich und schreckt auch nicht vor dem Opfer Unbeteiligter zurück, wenn sie ihm nur aus Unwissenheit oder Befehlsausübung im Wege stehen. So ändert sich auch im Laufe der Geschichte der Schwerpunkt bei den Gegnern und Problemen, die zu überwinden sind. Anfangs vor allem Mutanten und unbegreifliche Kreaturen aus den Tiefen der Metro, werden es verstärkt Wachtposten, politisch orientierte Schreibtischtäter und schließlich das eigene Selbst, angestachelt von innen, aus der kleinen Gruppe heraus.

Homer, der auf der Suche nach dem ultimativen Stoff für seinen unsterblichen Ruhm ist, sieht in Hunter seinen Protagonisten und hängt an ihm, um ihn und seine Handlungen zu beobachten. Dass er dabei die Gefahr bis in die Polis, das Zentrum der Metro, bringt, wird von ihm bewusst ignoriert, in der Hoffnung, später eine Lösung dieses Problems zu finden. Als sie die junge Frau Sacha finden, wacht Homer eifersüchtig über sie als seine Romanpartnerin für Hunter, auf den sie einen erstaunlichen Einfluss hat. Homer ist weniger an der erfolgreichen Queste interessiert als vielmehr an der Erlangung philosophischer Klarheit über den Sinn des Lebens. Immer wieder fragt er sich: Was bleibt von einem Menschen, wenn er tot und vergessen ist?

Hunter ist der undurchsichtigste Charakter der Geschichte. Seine Motivation ist die Triebfeder der Handlung, denn obwohl sie lange unklar bleibt, da meist aus Homers Sicht erzählt wird, ist es der Brigadier, der immer weiter vorwärts drängt und so auf ein Ziel zusteuert. Man erfährt wenig über diesen gezeichneten Kämpfer, und als endlich seine Motivation offenbart wird, erscheint es etwas aufgepfropft und nur als Entschuldigung für die Geschichte schnell eingefügt zu sein. Im Endeffekt treibt ihn eine unbändige Angst; auch wenn er im Kampf völlig emotionslos zu sein scheint, erklärt der Autor seine Handlungen mit verschiedenen Ängsten, die sich im Laufe seiner harten Laufbahn angestaut haben. Angst vor dem Killer in ihm, Angst vor den unheimlichen „Schwarzen“, die er nicht bekämpfen konnte und für deren Ende er durch seine Meldungen an den „Orden“ verantwortlich ist, Angst vor der Zukunft, da er schließlich erkannt zu haben glaubt, dass die „Schwarzen“ Gottes letzte Chance für die Menschheit darstellten und sie durch ihn zum Scheitern kam, noch ehe man sie näher kennen lernen konnte. Angst vor einem weiteren Versagen und Angst vor der selbst auferlegten Verantwortung für die Menschen, denen er die letzte echte Chance nahm.

Sacha ist ein in der Metro aufgewachsenes Mädchen, eine junge Frau, für die die Metro das Zuhause ist, auch wenn sie die längste Zeit ihres Lebens mit ihrem Vater in der Verbannung, also völlig allein in einer abgelegenen Station, verbracht hat. Sie erkennt in Hunter einen mächtigen Verbündeten der Menschen, der aber den falschen Weg beschreitet. Sie erkennt in sich die Fähigkeit, Einfluss auf Hunter auszuüben, und hegt nur noch den Wunsch, bei ihm zu sein und ihm zu helfen, zu sich selbst zu finden und mit ihm die Menschen zu beschützen. Sie denkt und handelt sehr naiv und selbstlos, was aber durch die langen Jahre an der Seite ihres dahinsiechenden Vaters erklärt werden kann. In ihrer Selbstlosigkeit und ihrem Unverständnis wird ihr die Metro schließlich zum Verhängnis.

Im Laufe der Erzählung führt uns der Autor von den peripheren Bereichen der Metro bis in ihr Zentrum, konfrontiert uns mit den verschiedenen Gefahren und Lebensanschauungen ihrer Bewohner, ihren Legenden und Geheimnissen. Sind es außen vor allem die Wesen, die in ihrer Vielzahl und Widerstandsfähigkeit tödlich sind und die Menschen vor echte Probleme stellen, werden sie immer weniger greifbar, je weiter man nach innen kommt. Manche Stationen erhalten einen verwunschenen Charakter; dort erliegt man geistiger Beeinflussung oder der willkürlichen Gier von unbekannten Wesen. Im Zentrum schließlich denkt niemand auch nur an Mutanten; hier dreht sich alles um uns bekannte Probleme, die beherrscht werden durch Konflikte zwischen verschiedenen Lebensanschauungen.

Es scheint, als diene die Geschichte einzig dazu, das Horrorszenario eines apokalyptischen Weltuntergangs, das vor Glukhovskys Augen herumzuirren scheint, vor dem Leser auszubreiten und in verschiedensten Blickwinkeln zu beleuchten. Die Geschichte selbst bleibt unbefriedigend, ihr Hintergrund, nämlich der Ausbruch einer tödlichen Krankheit, ist nur ein weiteres Detail des düsteren Bildes. Die Protagonisten wirken wie eine Ballung menschlicher Eigenschaften und Motivationen, die stellvertretend für die letzten paar tausend Menschen der Metro handeln – und sich, von diesen weitgehend unbeachtet, zwischen ihnen bewegen. Es ist eine kleine, enge, dreckige und düstere Welt dort unten, deren Entwurf durchaus interessant ist. Die Handlung ist leider unwichtig und führt zu keinem befriedigenden Ergebnis.

Bei der Inszenierung gibt es nichts zu meckern. Detlef Bierstedt nutzt seine rauhe, modulationsfähige Stimme mit einer großartigen Bandbreite aus und verleiht den Protagonisten wiedererkennbare Stimmen mit sehr gutem Eigenleben. Man hätte sich für diesen Roman keines besseren Lesers bedienen können, denn neben seiner wirklich guten Leistung ist auch die Stimme selbst perfekt auf das Thema zugeschnitten. Ihr großer Vorteil: Irgendwie klingt sie „typisch russisch“.

Insgesamt ein durchaus unterhaltsamer postapokalyptischer Roman ohne Längen und große Schnitzer, allerdings auch ohne die echt interessante Handlung als roten Faden durch einen Plot voll abartiger und unheimlicher Wesen, Träume, Menschen. Gute Unterhaltung in einer weit und detailiert gedachten Welt, die eine echte Handlung verdient hätte.

6 Audio-CDs
ISBN-13: 978-3898138864
Gelesen von Detlef Bierstedt

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Die drei ??? – Der tote Mönch (Folge 134)

Folge 134 gehört mit zu den zu den letzten „Drei ???“-Vertonungen des Jahres 2009 aus den EUROPA-Studios. Damit hängen die Hörspiele der Jugendbuchreihe aus dem |Franckh-Kosmos|-Verlag derzeit – „nur noch“ ist man versucht zu sagen – gut 15 Fälle hinterher. Dort ist man nach ziemlich genau 50 Jahren, die es die Serie gibt, zusätzlich an noch einem weiteren Jubiläum angelangt: Für Anfang 2010 steht Fall Nummer 150 („Die Geisterbucht“ von Astrid Vollenbruch) ins Haus. Die Vorlage zu „Der tote Mönch“ liegt indes schon etwas zurück und stammt aus der Feder von Marco Sonnleitner, welcher für gewöhnlich immer für einen Schuss Mystery zu haben ist. Man durfte also gespannt sein, was das Team um André Minninger und Heikedine Körting daraus macht.

_Zur Story_

Die drei ??? – Der tote Mönch (Folge 134) weiterlesen

Wulf Dorn – Trigger (Hörbuch)

Mit seinem ersten Roman hat Wulf Dorn gleich einen Volltreffer gelandet, und zwar mit der Veröffentlichung als Roman bei Heyne und als Hörbuch bei Random House Audio (beides natürlich Unternehmen der Verlagsgruppe Random House). Dorn beweist damit nicht nur Qualitäten als Schriftsteller, sondern gleichzeitig auch als sympathischer Sprecher mit erstaunlich wandelbarer Stimme.

Trigger

Die Psychiaterin Ellen Roth bekommt von ihrem Freund Chris, ebenfalls Psychiater, einen „BiF“ – besonders interessanten Fall – zugeschanzt, bei dem es sich um eine völlig verstörte Frau handelt. Während Chris mit einem frisch geschiedenen Freund auf einer unerreichbaren Insel urlaubt, übernimmt Ellen neben ihren eigenen Fällen diesen neuen und lernt so eine verängstigte, völlig verstörte und verdreckte Frau auf Zimmer 7 ihrer Station kennen, deren unheimliche Angst es ist, vom „Schwarzen Mann“ geholt und getötet zu werden. Sie fleht Ellen an, sie zu beschützen, und schließt mit dem unnatürlich hohen Flüstern „Wenn er kommt, tötet er dich!“

Ellen macht selbst Bekanntschaft mit dem Schwarzen Mann. In einem Wald überfällt er sie und drückt ihr brutal die Luft weg, stellt ihr die Aufgabe, ihn zu erkennen, sonst würden die namenlose Frau und sie selbst sterben. Dann verschwindet er, und Ellen sieht nur noch sein schwarzes Kapuzenshirt zwischen den Bäumen – und das Auto ihres Kollegen Mark, das den Waldparkplatz verlässt, ehe Ellen es erreicht. Ist Mark der Schwarze Mann? Und warum? Was will er?

Als auch noch die namenlose Frau aus der Klinik verschwindet und Ellen Bekanntschaft mit den alten „Läuterungswerkzeugen“ im Keller macht, wird die Sache richtig unheimlich …

Das Hörbuch

Es ist schwierig, über den Inhalt der Geschichte zu sprechen, ohne zu viel zu verraten. Wenn deshalb die obige Zusammenfassung etwas knapp ausfällt, sei es zu entschuldigen und als Anlass zu nehmen, sich der Spannung persönlich auszusetzen.

Wulf Dorn liest mit kerniger und ruhiger, hoch modulationsfähiger Stimme eine Geschichte, die in ihrer Form als Hörbuch nur gewinnt – gerade die spannende Inszenierung der einzelnen Charaktere führt zu dem befriedigenden Schauerlaufen über den Rücken, das dem Buch in dieser Form abgehen dürfte. Natürlich ist die Geschichte gespickt mit Spannungselementen, doch versteht es Dorn ausgezeichnet, mit seiner Stimme auch die scheinbar alltäglichen Abschnitte der Handlung mit thrillendem Charakter zu füllen.

Bei der Inszenierung hat er also alles richtig gemacht. Der Tonfall, das Tempo, die Modulation und die Aussprache – alles verwebt sich zu einem Hörgenuss. Einziger (winzig kleiner und darum in diesem ansonsten perfekt gelesenen Buch umso auffälliger) Fehler ist bei der Endung auf „ig“ zu verzeichnen. Hier hört es sich so an, als suche der Vorleser krampfhaft die deutliche Aussprache und – verhaue es erst recht. Warum hier kein Redakteur zugegen war, bleibt die Frage.

Die Geschichte selbst bietet einen Thriller erster Güte voll Irrwendungen und geistiger Fallstricke, die den Konsumenten höchst effektiv von der (eigentlich recht einfachen) Lösung ablenken. Mark, der Kollege und heimliche Verehrer Ellens, muss sich warm anziehen vor den Hinweisen, die sich bei ihm treffen, während man an Ellens oder gar Chris‘ Integrität nicht zweifelt, bis Ellen selbst ihren Freund Chris in Frage stellt, der sich ja vor diesem dubiosen BiF auf eine einsame Insel abgesetzt hat. Und immer wieder stellt sich die Frage, warum der Schwarze Mann Ellen seine Gewalt antun sollte – vor allem vor dem Verdacht, Mark oder Chris verbargen sich hinter dieser Maske.

Zwei logische Mängel fallen ins Auge, die hier nur erwähnt werden können, da man bei näherem Betrachten zu viel von der Geschichte verraten würde: Wie kommt es zu der Verfolgungsjagd mit dem VW-Bus? Wer hat die Verschlüsse des Tankdeckels über der Keller’schen Badewanne geschlossen?

Es gibt keinen unglaubwürdigen Protagonisten. Vor allem Ellen, aus deren Sicht der Großteil der Geschichte erzählt wird, ist ein ausgefeilter Charakter mit eigenem Wesen. Selbst ein oft in derlei Geschichten auftretender Fehler, nämlich die Eigenschaft, sich der Polizei zu verschließen und auf eigene Faust zu ermitteln, macht vor Ellen halt. Hier schlägt die zweitoft zitierte Polizei-ausschalt-Klappe zu: Die Beamten glauben ihr nicht und verweigern weitergehende Hilfe.

Fazit

Ein überaus spannendes, teilweise unheimliches Hörbuch, das sowohl mit der Geschichte als auch mit der Inszenierung überzeugt. Besonders empfehlenswert!

Autor und Sprecher: Wulf Dorn
6 Audio CDs
ISBN-13: 978-3837102444
http://www.randomhouse.de/randomhouseaudio/

Lovecraft, H. P. – Fall Charles Dexter Ward, Der (Hörbuch)

_H. P. Lovecraft_ hat, obwohl ansonsten durchaus produktiv, nur drei (Kurz)Romane verfasst. Einen davon, [„Berge des Wahnsinns“, 4779 veröffentlichte das Hörbuchlabel |LPL records| bereits im Jahr 2008. 2009 folgte dann „Der Fall Charles Dexter Ward“, wieder mit David Nathan als Sprecher, der mittlerweile wohl zur deutschen Stimme von Lovecraft avanciert ist. Über sechs Stunden lang darf man als Hörer in die unglaubliche und beunruhigende Welt Lovecrafts eintauchen, schließlich präsentiert |LPL| hier eine ungekürzte Lesung des 200 Seiten starken Textes. Und schon bald wird klar: „Der Fall Charles Dexter Ward“ ist eine von Lovecrafts ambitioniertesten und komplexesten Erzählungen.

Doch worum geht es? Lovecraft rollt seine Geschichte von hinten auf. Erzähler ist Marinus Bicknell Willett, der Arzt der Familie Ward. Er kennt Charles Ward, den Protagonisten der Erzählung, schon von Kindesbeinen an und muss nun leider berichten, dass dieser nach einer mysteriösen psychischen Erkrankung in ein Sanatorium eingewiesen wurde, aus dem er mittlerweile verschwunden ist. Niemand wisse, worunter Charles gelitten habe, die Symptome seien seltsam und geradezu abnormal gewesen. Tatsächlich jedoch hat Willett viel mehr Einblick in das Seelenleben Wards als er zunächst zugibt. Im Folgenden rekapituliert er nämlich den „Fall Charles Dexter Ward“ und zeichnet die Geschichte eines wissbegierigen jungen Mannes nach, der schließlich der schwarzen Magie verfällt und Dinge heraufbeschwört, deren Kontrolle ihm schon bald aus den Händen gleitet.

Charles, schon immer wissensdurstig, stößt zufällig auf einen Vorfahren, dessen Lebenswandel Charles’ Interesse weckt: Joseph Curwen lebte gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Providence (er war von Salem dorthin geflohen, um den berüchtigten Hexenprozessen zu entgehen). Und obwohl er sich in die Gemeinschaft der Stadt einbringt, bleibt er doch auch immer ein Einsiedler. Neben seinem Stadthaus unterhält er etwas außerhalb eine Art Farm, über die die wildesten Gerüchte im Umlauf sind. Nachts flackern dort Lichter, es gibt seltsame Geräusche … kurzum, Curwen ergeht sich in schwarzer Magie, um aus den „essentiellen Salzen“ von Toten diese wiederzuerwecken. Die Bewohner von Providence kommen ihm zwar nicht wirklich auf die Schliche, doch sie sind beunruhigt genug, um seine Farm zu überfallen und ihm den Garaus zu machen.

Und so stirbt Curwen 1771 und wird praktisch aus der Familiengeschichte getilgt, bis Charles Ward wieder auf den illustren Vorfahren stößt. Fortan vergräbt Charles sich in seinem Studierzimmer. Er durchforstet die Friedhöfe von Providence nach dem Grab Curwens. Er entdeckt das alte Stadthaus seines Ahnen und macht dort eine Entdeckung, die ihn noch tiefer in die Geheimnisse Curwens eintauchen lässt.

Man ahnt es schon: Charles Wards Manie wird zu keinem guten Ende führen. Doch, was es tatsächlich mit Curwen auf sich hat und wie der Erzähler Marinus Willett in die Geschichte verwickelt ist, das muss schon jeder selbst hören.

_“Der Fall Charles Dexter Ward“_ gehört zum Cthulhu-Mythos (der Gott Yog-Sothoth wird hier beispielsweise zum ersten Mal erwähnt), doch spielen das Necronomicon und die dazugehörigen Götter nur eine untergeordnete Rolle. Das liegt nicht zuletzt am Erzähler: Lovecraft hat sich eines literarischen Kniffes bedient, um die Spannung zu erhöhen. Er lässt eine Nebenfigur, nämlich den Arzt der Familie, erzählen. Dieser erscheint zwar durchaus vertrauenswürdig und seine erzählte Geschichte ist auch schlüssig. Trotzdem kann man ihm nicht uneingeschränkt trauen, denn einen Großteil der Geschichte kennt er nur aus zweiter Hand. Er hat sie zusammengetragen oder sich zusammengereimt. Nur im letzten Teil der Geschichte ist er selbst Handlungsträger. So müssen gewisse Teile der Handlung oder Motivationen der Figuren im Dunkeln bleiben, was naturgemäß das Interesse des Lesers nur noch erhöhen dürfte. Dieser ist nämlich eingeladen, jedes Wort Willetts auf die Waagschale zu legen und die dunklen Ecken der Handlung mittels der eigenen Fantasie zu füllen.

Auf diese Weise bleiben die beiden Protagonisten Ward und Curwen letztendlich obskure Charaktere, derer man als Leser nie wirklich habhaft werden kann. Das liegt auch daran, dass es Lovecraft seinem Publikum nicht gerade leicht macht. Sein Text enthält eine ungeahnte Fülle an Fakten, Handlungssträngen und verschachtelten Zeitebenen. Hat man es sich eben noch im frühen 20. Jahrhundert des Charles Ward gemütlich gemacht, katapultiert einen Lovecraft prompt ins ausgehende 18. Jahrhundert. Und so geht es immerfort. Da heißt es für den Leser: Dranbleiben, es lohnt sich!

Dass Ward nicht als böser Alchemist geboren wurde, macht Willett mehr als klar. Dass selbiges auch für Curwen zutrifft, wird zumindest impliziert. Und so erzählt „Der Fall Charles Dexter Ward“ zweimal exemplarisch, was exzessives Forschen ohne moralische und ethische Grundlage anrichten kann. Denn Ward ist nicht nur äußerlich ein Spiegelbild seines Urahnen Curwen. Auch ihre Lebensgeschichten verlaufen parallel. Zwei Mal zeigt Lovecraft, was passiert, wenn Menschen an den ältesten Geheimnissen der Welt rühren – wenn sie nämlich das, was tot sein sollte, nicht tot sein lassen. Naturgemäß passieren dann nämlich schauerliche Dinge. Und um die Welt wieder ins rechte Lot zu rücken, muss der Schöpfer vernichtet werden, mitsamt seiner Schöpfung (siehe [„Frankenstein“). 3132

Das Sitzfleisch, das man für die 5 CDs dieses Hörbuchs investieren muss, lohnt sich in jedem Fall. Allen modernen Horrorfreunden demonstriert Lovecraft hier nämlich, wie man einen Leser das Grauen lehrt ohne schnelle Szenenwechsel und übergroße Effekte. Für heutige Leser mag Lovecrafts gemächlicher Stil fast schon behäbig wirken. Und doch stellt sich der vom Autor gewünschte Effekt mit Sicherheit ein: Ein unangenehmes Kribbeln im Rücken, das signalisiert: „Mich gruselt’s.“ Und mit Lovecraft macht das Gruseln einfach ganz besonderen Spaß!

|ISBN-13: 978-3-7857-4245-7
5 CDs im Box-Set|
http://www.lpl.de
http://www.luebbe-audio.de
http://www.andymatern.de
http://www.festa-verlag.de

_Mehr von und über H. P. Lovecraft auf |Buchwurm.info|:_

[„H. P. Lovecraft – Eine Biographie“ 345
[„Der Schatten über Innsmouth“ 424 (Hörbuch)
[„Schatten über Innsmouth“ 506
[„Der Cthulhu-Mythos“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=524 (Hörbuch)
[„Berge des Wahnsinn“ 3652 (Hörspiel)
[„Berge des Wahnsinns“ 4779 (Hörbuch)
[„Berge des Wahnsinn“ 72
[„Das Ding auf der Schwelle & Die Ratten im Gemäuer“ 589 (Hörbuch)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 897
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Hörspiel)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 5991 (Hörbuch)
[„Die Katzen von Ulthar und andere Erzählungen“ 1368
[„Cthulhu: Geistergeschichten“ 1421
[„Der kosmische Schrecken“ 1821
[„Der Ruf des Dämon“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id_book=1823 (Hörbuch)
[„Der Flüsterer im Dunkeln“ 1961 (Hörbuch)
[„Vom Jenseits“ 2096
[„Der Schatten aus der Zeit“ 2358 (Hörbuch)
[„Jäger der Finsternis“ 3450 (Hörbuch)
[„Das schleichende Chaos“ 3459
[„Necronomicon“ 4521
[„Necronomicon“ 5278 (Hörbuch)

Otfried Preußler – Das kleine Gespenst (Hörspiel)

Früheste Kindheitserinnerungen an Geschichten und Erzählungen knüpfen sich bei mir eng an bestimmte einprägsame Bilder. Darunter fällt auch Preußlers „Das kleine Gespenst“ – nur zu gut sehe ich noch die Bilder vor mir, wie es weinend vor den Drillingen sitzt und ihnen seinen Schlüsselbund gibt oder wie es mit dem Filzstift die stolzen Bilder von Torsten Torstenson verunstaltet oder, nicht zuletzt, wie sein dicker schwarzer Kopf aus der Kanalisation schaut und den Polizisten bepustet. All diese Bilder und noch mehr erscheinen deutlich vor dem inneren Auge, wenn vor sanfter Musik diese moderne Hörspieladaption abläuft.

Der gespenstische Tagtraum

Das kleine Gespenst, ein echtes Nachtgespenst der Geisterstunde von Mitternacht bis eins, wohnt in einer alten Eichentruhe auf dem verstaubten Dachboden der Burg Eulenstein und verschläft in gewohnter Ruhe und Gemütlichkeit die restlichen 23 Tagesstunden. Dann schwingt es den Zauberschlüsselbund mit den 13 Schlüsseln und die Truhe öffnet sich. Es schwebt heraus, stößt gegen die staubigen Spinnweben und muss niesen, ehe es sein Unwesen auf Burg Eulenstein treiben kann.

Regelmäßig besucht es seinen besten Freund, den Uhu Schuhu von der alten Eiche hinter der Burg. Dann sitzen die beiden gemütlich auf einem Ast der Eiche und erzählen sich Geschichten. Bis das Gespenst auf die Idee kommt, die Welt mal bei Tage erblicken zu wollen.

Jeder noch so energische Versuch, wach zu bleiben, schlägt fehl, denn wie jedes Gespenst ist das kleine Gespenst an die Geisterstunde der Rathausuhr von Eulenberg gebunden. Bis es eines Tages doch aufwacht – um zwölf Uhr mittags! Es schwebt durch die Burg, wird von einer Schulklasse überrascht und gerät während der lustigen folgenden Jagd aus dem Burgschatten heraus ins grelle Sonnenlicht. Ihm schwindelt, es taumelt, verliert die Orientierung und jagt den Schülern einen Heidenschrecken ein, und erst im tiefen Burgbrunnen (wo es sich versteckt) erkennt es, warum: Es ist schwarz!

Auf der weiteren Flucht vor der Feuerwehr, die den vermeintlich in den Brunnen gestürzten Menschen retten will, gelangt das Gespenst in den Irrgarten der Kanalisation und von dort an immer neue Plätze der Stadt Eulenberg, wo es die Menschen in Angst und Schrecken versetzt – denn es wacht jetzt täglich zur Mittagsstunde auf. Zu allem Überfluss taucht sein alter Erzfeind, der schwedische General Torsten Torstenson nach nun 325 Jahren wieder in Eulenberg auf und fordert damit das kleine Gespenst heraus. Und eigentlich will es doch nur zur Burg zurück und wieder ein Nachtgespenst werden …

Otfried Preußler (* 20. Oktober 1923 in Reichenberg, Tschechoslowakei; + 18. Februar 2013 in Prien)

Er ist Kinderbuchautor und Gewinner einer Unzahl von Preisen für seine Werke, die in einer Gesamtauflage von 50 Millionen eine beeindruckende Marke erreicht haben. 32 Bücher schrieb er, eine Erzählung über seine Erlebnisse im russischen Gefangenenlager soll erst nach seinem Tod veröffentlicht werden (sagt [Wikipedia).]http://de.wikipedia.org/wiki/Otfried__Preu%C3%9Fler

http://www.preussler.de

So klein, so niedlich, so schalkhaft

Das kleine Gespenst ist eine wunderbare Erzählung für Kinder, die sich herrlich mit den Zeichnungen des Buches in die Kinderwelt einprägt. Und dann kommt ein Hörspiel daher und versucht, dieses Flair zu übertragen. Eine große Aufgabe. Als ich von dem Hörspiel erfuhr, war ich begeistert – ob sich die Begeisterung auch hinterher halten kann, steht weiter unten.

Für Kinder ab fünf, steht auf dem Cover. Wenn man das Päckchen aufklappt, erschlagen einen erstmal die vielen aufgelisteten Erzähler; zum Glück haben einige davon nur kurze Rollen, sonst hätte das Ganze auch für Fünfjährige ziemlich verwirrend werden können. Und auch so entsteht durch das Durcheinander in manchen Passagen, in denen das Gespenst mehrere Menschen in Aufregung versetzt, die Schwierigkeit, einzelne Erwachsenenstimmen auseinanderzuhalten. Einerseits mag das einem Kind leichter fallen, andererseits ist es auch gar nicht so von Belang, ob der Bürgermeister nun dem Hauptkommissar oder dem Polizeichef seine Vorwürfe macht, um mal ein konkretes Beispiel an zu führen.

Die Geschichte ist natürlich kindlich-spannend und anrührend. Dieses kleine harmlose Gespenst (dem der Schalk auch mal ganz fest im Nacken sitzt, wie man an seiner Geschichte mit dem schwedischen General sieht) wird von seiner gemütlichen Truhe und der nächtlichen Ruhe der Burg verjagt und muss sich – auch noch in Schwarz! – dem täglichen Radau einer Stadt aussetzen. Anfangs macht ihm die Verwirrung noch Spaß, schnell jedoch sehnt es sich nach der geborgenen Ruhe zurück und ist traurig. Das Treffen mit den drei Kindern, die sich sofort rührend um das Gespenst bemühen, ist der einzige Ausweg, den die Geschichte bietet, vor allem, da sich die Aktivzeit des Gespenstes nur auf täglich eine Stunde beschränkt. Wie vertrauensselig es dem Jungen Herbert seinen Zauberschlüsselbund aushändigt! Das versetzt den erwachsenen Hörer in neuerliche Spannung, ob dieses Vertrauen erfüllt wird – für Kinder ist es sicherlich eine logische Handlung, wenn das Gespenst wieder nach Hause will.

Natürlich verhält sich das Gespenst reichlich naiv, als es sich in der Kanalisation verirrt. Aber es hat eben auch den Charakter eines Kindes, wie es sich für eine Kindergeschichte gehört. Und da ist es doch schon erheiternd, wenn es davon erzählt, wie es mit unverschämten Menschen umspringt (wieder als Beispiel Torstenson, den es „gebeutelt“ hat, bis er auf Knien um Gnade wimmerte). Das sind auch Bilder, die sich deutlich aus der Lektüre als Kind eingebläut haben.

Die Sprecher machen ihre Sache weitgehend gut. Der Uhu hätte manchmal zum Beginn seines Textes ein wenig lauter sein können, so muss man manchmal die Lautstärke regeln, um alles zu verstehen. Oder den Kindern hört man natürlich die Kindlichkeit an, wenn sie ihre Texte vortragen (wie bei einem niedlichen Kindertheaterstück), und man merkt, dass sie gut gelernt haben.

Die Geschichte bekommt als Hörspiel einen unruhigen Charakter und hinterlässt einen mittelmäßigen Eindruck, was dem Original bei Weitem nicht gerecht wird. Zwar ruft sie in erstaunlicher Deutlichkeit die Zeichnungen aus dem Gedächtnis hervor, kann jedoch wenig eigene Vorstellungen erzeugen – zumindest, wenn man das Buch kennt. Der Flair des Originals wird nur bei beschaulichen Szenen wie den Gesprächen zwischen Gespenst und Uhu oder zwischen Kindern und Gespenst erzeugt. Die selbstbeschreibenden Lieder des kleinen Gespenstes kommen etwas zu häufig vor, so dass sie fast schon nervenden Charakter annehmen.

Was bleibt

Das Hörspiel eignet sich hervorragend zur Erinnerungsauffrischung und lässt das Original in neuem und noch stärkerem Glanz erstrahlen, da es selbst gut inszeniert ist, aber weit hinter dem Buch zurück bleibt. Für Kinder oder Eltern, die das Buch nicht kennen, bietet es eine gangbare Alternative, die dann allerdings die großartigen Bilder unterschlägt. Es bietet schöne Unterhaltung, lässt aber den Charme vermissen, der für das Buch so charakteristisch ist. Ohne diese Vergleichsmöglichkeit wirkt es fast beliebig.

ISBN-13: 978-3-89813-772-0
2 CDs, Laufzeit ca. 116 min
Hörspiel für Kinder ab 5 Jahren

Andreas Gloge / Volker Sassenberg – Abseits der Wege. Kapitel 6: Erloschen

Der Markt phantastischer Literatur wird bombardiert mit Vampirromanen, Zauberlehrlingen und Zwerg-Elb-Mensch-Abenteuern. Im Zuge der Digitalisierung, Modernisierung und Beschleunigung werden immer mehr Publikationen auch in hörbarer Form auf den Markt geworfen, um auch dem Nichtleser oder Lesefaulen Zugang zu diesen Wundern der Unterhaltungsliteratur zu ermöglichen – da fällt es dem geneigten Leser immer schwerer, etwas zu finden, das den eigenen Ansprüchen genügt. Oft greift man dadurch auf bewährte Themen oder Autoren zurück, wodurch eben Massenproduzenten wie Hohlbein oder Heitz immer größere Marktanteile gewinnen – was glücklicherweise die kleinen Verlage und echten Fans nicht davon abhält, gute und schöpferische Geschichten zu produzieren – die ebenso glücklicherweise auch ihre Anhänger finden. So ist die Fantasywelt von „Abseits der Wege“ eine dieser kleinen feinen Besonderheiten, die sich nur in Hörspielform präsentiert und in einzelnen Kapiteln fortsetzt. Vorliegend Kapitel sechs mit dem Eigentitel „Erloschen“:

Gaston Glück und die königliche Prinzessin Myrell sind mit ihrem diebischen Begleiter Ruttgar weiterhin auf dem Weg nach Norden, um ihr Ziel, die Feuer von Norgond, zu erreichen und sich dort mit anderen Trägern „Schwarzer Pergamente“ zu treffen. Von hier aus soll die Befreiung der Welt organisiert werden, aber ehe es so weit ist, müssen sich die Gefährten durch übermächtige Gegner den Weg bahnen. Seit ihrem Versteck im Aquädurm sind ihre Verfolger verschwunden.

Stattdessen löst ihre Anwesenheit den Zauber, der das allgegenwärtige Obsidian umfängt, und lässt das Gestein splittern und berstend auf die geplagten Gestalten nieder gehen, die in der obersten Turmkammer Zuflucht gesucht haben. Der Obsidian kann Erinnerungen einschließen – und Gleiches soll nun mit den Eindringlingen geschehen. Doch zum Glück droht noch größeres Unheil und beendet mit seinem Angriff die Obsidiangefahr: Myrell nennt das Wesen |den Bann|, ein gebirgsgroßes Ungetüm, dessen Kiefer gerade den Turm umschließen …

Derweil schlagen sich Gastons ehemalige Begleiter Dungring und Halmir durch den Sumpf, geführt von Tebald Glück, der sein Augenlicht verlor und auf die Augen seiner Begleiter angewiesen ist. Ständig bedroht durch schaurige Kreaturen, suchen sie einen Weg, Gaston und seine Begleiter einzuholen. Doch ihr Weg endet in den Höhlen der Herbstlichen …

Erloschen ist nicht nur der Titel des Kapitels, sondern auch der Zustand einer großen Hoffnung gegen die Verweser. Die Gefahren, mit denen die beiden Wandergruppen konfrontiert werden, sind unmenschlich und werden durch abenteuergeschichtentypische Zufälle überwunden. Dabei bleiben die Probleme der zweiten Gruppe um Tebald etwas bodenständiger, während sich Gaston mit bedrohlichem Obsidian, wolkenkratzenden Bännen und Versammlungen der Faiyen herumschlagen muss. Wie es derzeit um die Lage in der Hauptstadt bestellt ist, bleibt in dieser Folge unbehandelt.

Die musikalische Hintergrundbeleuchtung und der raue Erzähler entwickeln eine kalte und spannende Atmosphäre um Gastons Gruppe, und auch hier ist ein deutlicher Unterschied zwischen den beiden Gruppen zu verzeichnen: Der Marsch durch die Sümpfe wird gut akustisiert, aber diese fiebernde Spannung baut sich dort nicht im selben Maße auf wie bei der anderen Gruppe.

Die Sprecher machen ihre Sache gut, nur Gaston klingt etwas jungenhaft-hibbelig und den Falter Sha’Agrotis versteht man selten. Manchmal gehen einzelne Wörter im Brausen von Flügeln oder Grummeln von Bännen unter; so weiß ich nicht mit Sicherheit zu sagen, ob der Turm (als Ausgangspunkt dieses Kapitels) als „Aquädom“, „Aquäturm“ oder „Aquädurm“ bezeichnet wird und ohne den Hintergrund der ersten fünf Kapitel weiß ich auch nicht, was sich dahinter verbirgt und ob es etwas Wichtiges ist.

So kommen wir zur nächsten Frage: Die Möglichkeit für Neueinsteiger ist hier in Kapitel sechs durchaus gegeben, denn trotz der Kürze des Spiels (immerhin handelt es sich nur um eine CD) wird durch kurze Bemerkungen immer wieder auf Vorangegangenes hingewiesen. Einzelheiten, die hier nicht nochmal ausgebreitet werden, wird man also im Laufe der noch zu erwartenden sechs Kapitel erfahren können, oder, wie in Gestalt des Turmes zu erwarten ist, wenn es sich um Unwichtiges dreht, wird man auf dem Unwissen sitzen bleiben.

Entgegen der Erfahrungen mit den Kapiteln vier und fünf folgt „Erloschen“ einer recht geraden Storyline in zwei Ebenen, die durchweg spannend und unterhaltsam zu hören ist und in dem Erreichen eines Teilerfolges gipfelt, wie es sich für die Halbzeit einer Geschichte gehört. Insgesamt muss allerdings gesagt werden, dass ein Hörspielausschnitt, also ein Kapitel, in der Länge von nur einer CD etwas unbefriedigend ist. Dadurch ist man gezwungen, diese interessante Welt gerade dann, wenn man so richtig in ihr verschwunden ist, wieder zu verlassen. Was bleibt, ist immerhin ein Erfolg für den Produzenten: Das Warten auf den nächsten Teil.

Regie und Produktion: Volker Sassenberg
Label: Star Bugs (Universal)
http://www.folgenreich.de
ISBN-13: 978-3-8291-2238-2
Audio-CD, Spieldauer ca. 62 min

Sprecher:
Erzähler: Heinz Ostermann
Gaston Glück: Timmo Niesner
Dungring: Stefan Krause
Halmir: Hannes Maurer
Myrell: Diana S. Borgwardt
Ruttgar: Engelbert von Nordhausen
Scha’Agrotis: Dirk Müller
Tebald Glück: Jürgen Kluckert
Gajan: Eberhard Prüter
Po: Volker Sassenberg
Lyssandrer: Martina Treger
Introerzählerin: Diana S. Borgwardt

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