Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Francis, H.G. (Adaption); Arthur, Robert (Autor) – Die drei ??? und die flüsternde Mumie (Folge 10)

Für gewöhnlich sind Mumien recht stumme Gesellen, was wohl maßgeblich an ihrem recht toten Zustand liegen dürfte. Diese hier will offenbar davon nichts wissen und bereitet den Junior-Detektiven Justus, Peter und Bob ziemliches Kopfzerbrechen. Eigentlich ist dies der zweite Fall der drei Fragezeichen und datiert zurück auf 1965, doch das Schicksal wollte es für den deutschen Markt etwas anders. Hierzulande rutschte das ägyptische Plappermaul einige Plätze nach hinten – zumindest was die Vertonung seitens der Hamburger EUROPA-Studios unter Federführung von „Perry Rhodan“ Autor H.G. Francis und Regisseurin Heikedine Körting anging. 1980 wurde das Hörspiel im Zuge der zweiten Tranche als Folge 10 veröffentlicht – der Rest ist längst Legende.

_ Zur Story_

Alfred Hitchcock schanzt den Dreien wieder mal einen Fall zu. Die drei Freunde führt dies zu seinem Bekannten Professor Yarborough, welcher seines Zeichens Archäologe und Spezialist auf dem Gebiet des alten Ägypten ist. Eine von ihm gefundene Mumie mit Namen Ra-Orkon flüstert unverständliche Dinge, jedoch nur, sobald er mit ihr alleine ist. Yarborough ist zu sehr Wissenschaftler, als dass er an einen Fluch glaubt, der über der Mumie liegen soll. Ganz anders sein Butler Wilkins, der ist felsenfest davon überzeugt, dass die seltsamen Zwischenfälle im Hause auf das Konto eines handfesten pharaonischen Fluches gehen, was er Just, Peter und Bob auch brühwarm erzählt, als sein Dienstherr gerade nicht hinhört.

Auch Justus glaubt nicht an Übersinnliches und bietet Professor Yarborough die Hilfe der drei Junior-Detektive an, sehr zum Leidwesen des wieder mal verängstigten Peter, der die Mumie besser Mumie sein lassen möchte und sich stattdessen lieber um das Auffinden eines auffälligen Katers von Mrs. Selby kümmern würde. Bestärkt in seinem Ansinnen wird Peter, als beim Begutachten des Sarkophags allerhand Mysteriöses passiert – zuerst kippt eine schwere Statue des Totengottes Anubis ohne ersichtlichen Grund um und danach rauscht eine Totenmaske einfach so von der Wand. Kein Erdbeben. Kein Wind. Also doch der Fluch des Ra-Orkon?

Da Peter sich nun noch mehr sträubt, aber Justus natürlich weiter an diesem rätselhaften Fall arbeiten möchte, beschließt der erste Detektiv, dass man auch zwei Fälle gleichzeitig bearbeiten kann. Ohne zu diesem Zeitpunkt jedoch zu wissen, dass beide zusammenhängen, geht man scheinbar getrennten Vorfällen nach. Justus „überlistet“ die Mumie kurz darauf in einer Verkleidung als Prof. Yarborough und bewaffnet mit einem Aufzeichnungsgerät, woraufhin der alte Bandagen-Fuzzi tatsächlich geheimnisvoll zu flüstern beginnt. Was die olle Mumie erzählt und was eine verschwundene Abessiner-Katze mit dem Ganzen zu tun hat, sind nur zwei der Rätsel, welche es zu lösen gilt.

_Eindrücke_

Im Großen und Ganzen eine solide Folge, was die Leistung der Sprecher und die Atmosphäre angeht – unterstützt wird die Szenerie von orientalischer Musik, die das Mumienflair noch weiter unterstreicht. Die Musik auf der CD ist für altgediente Fans unter Umständen allerdings erstmal gewöhnungsbedürftig, zumindest wenn man eventuell noch die alte LP/MC-Version kennt. Diese sind tonal anders. Grund sind erste Querelen in Sachen Lizenzen, was später schon fast zum Treppenwitz der Serie werden soll. Hier sind es bislang „nur“ Probleme mit den bisherigen Musikern gewesen, die – nachdem eine Einigung offenbar nicht zustande kam – eine komplette Neuabmischung aller bis 2001 erschienenen ???-Hörspiele nötig machte.

Immerhin blieb die „flüsternde Mumie“ von inhaltlichen Änderungen verschont und bekam lediglich einen neuen Soundtrack verpasst. Die Story, für welche Fragezeichen-Erfinder Robert Arthur noch höchstpersönlich verantwortlich zeichnet, ist interessant und ziemlich spannend aufgezogen. Neben dem Mystery-Feeling, das sie verbreitet, gesellt sich auch eine Portion Action in Form von Quasi-Entführung, Täuschung und Verfolgungsjagd hinzu. Ziemlich nervig ist lediglich die Figur des lybischen Jungen Hamid (exzellent gesprochen von Alexander Körting) geworden. Dem frechen Blag sollte man seiner rotzigen Art wegen mal ein paar Semester in einem Erziehungsheim empfehlen. Die Figur ist höchst unsympathisch geraten, obwohl dies durchaus gut in den Kontext der Story passt.

_SPOILERWARNUNG_

Ein paar kleinere logische Fehler haben sich auch eingeschlichen. Zum Teil wegen der Änderungen dem Buch gegenüber. So ist es beispielsweise ziemlicher Humbug, Professor Yarborough den Mitschnitt des Geflüsters vor zu spielen und ihn zu fragen, was die Mumie da von sich gibt – er hat das Flüstern ja schon mehrere Male gehört und konnte sich dort schon keinen Reim darauf machen, als er das Gesprochene klar und deutlich hatte verstehen können (deswegen sind die drei ??? ja schließlich in seinen Diensten). Daher wäre es sinniger gewesen, sofort mit dem Band zu Professor Freeman zu gehen (Nachbar Yarboroughs und Sprachwissenschaftler), anstatt das Unvermögen Yarboroughs, eine Übersetzung zu liefern, allein an der schlechten Aufnahmequalität festzumachen und erst dann den Experten nebenan aufzusuchen – das ist in höchstem Maße unlogisch.

_Fazit_

Man kann die „flüsternde Mumie“ mit Fug und Recht als einen Klassiker der Serie einstufen. Allerdings heißt das nicht unbedingt, dass sie auch rundum gelungen ist. Sie hat zweifellos ihre Glanzmomente, aber gerade die Hörspielfassung krankt ganz arg an der noch sehr beschränkten Laufzeit der damals zur Verfügung stehenden Medien, d.h. durch (notwendige) Kürzungen an der Vorlage ging zu viel verloren, so dass aus der an sich guten Story ein ziemlich hektischer Flickenteppich wurde, der es selten schafft, eine angemessene Atmosphäre aufzubauen. Dennoch ist die kultige Folge eine Empfehlung wert, auch wenn sie nicht über Mittelmaß hinausgeht.

_Die Hörspieldaten auf einen Blick:_

Titel: „Die drei ??? und die flüsternde Mumie“ (Folge 10)
Erzählt von Robert Arthur, Random House 1965
EUROPA (Sony BMG), 1980
Lauflänge: ca. 50 Minuten (CD 2001)
Drehbuch: H.G. Francis
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: J. F. Conrad
Cover Design: Aiga Rasch

|Die Figuren und ihre Sprecher:|
Erzähler alias Alfred Hitchcock: Peter Pasetti
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrczeck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Tante Mathilda: Karin Lieneweg
Patrick: Wolfgang Kubach
Professor Yarborough: Karl Walter Diess
Butler Wilkins: Ulrich Matschoss
Professor Freeman: Viktor Bramer (Klaus Stieringer)*
Achmed: Ali Branowitch (Joachim Wolff)*
Hamid: Alexander Körting
Harry: Peter Buchholz
Joe: Reiner Brönneke
Uhrmacher: Gernot Endemann **

*) Pseudonym
**) Nicht im Booklet aufgeführt

Die drei ??? – Stimmen aus dem Nichts (Folge 76)

Als die Jugendserie sich um die Jahrtausendwende von ihrem etwa 40 Folgen dauernden Leistungstief wieder berappelte, galt die EUROPA Hörspiel-Adaption aus dem Jahre 1997 rückblickend als eine derjenigen, die in dieser schwierigen Zeit (etwa von Folge 50 bis 90) die Fahne im Positiven oben gehalten hat. Die moderneren, jetzt ausschließlich in Deutschland ersonnenen Fälle krankten nämlich zuweilen am Innovationswillen der Autoren bzw. dem Zwang, unbedingt frische Impulse (Freundinnen, Autos, Computer/Internet etc.) mit den traditionellen Werten der Serie in Einklang zu bringen. Nicht immer klappte diese Gratwanderung zwischen Mystery und dem Besetzten des Plots mit aktueller Thematik – in diesem Fall der Psychotherapie – so gut wie hier.

Zur Story

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Die drei ??? – Botschaft von Geisterhand (Folge 95)

Ende der Neunzigerjahre erholte sich die Jugendserie langsam von einem leichten Formtief, in welches man fiel, kurz nachdem sich die drei Fragezeichen von ihren amerikanischen Wurzeln trennten bzw. trennen mussten. Man war mittlerweile am Scheideweg zur Moderne angelangt und es schien, als müsse man erst den richtigen Dreh wieder finden. So sind insbesondere unter den Folgen 50 bis hinauf zu 90 überproportional viele bestenfalls mittelmäßige und sogar die wirklich unbestritten schlechtesten Geschichten der drei Fragezeichen überhaupt anzutreffen. Stichwort: „Todesflug“. Wie dem auch sei, um die Jahrtausendwende herum war man wieder im Aufwärtstrend – Folge 95 von 2001 passt ganz gut in die Reihe solider Produktionen.

Zur Story

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Die drei ??? – Master of Chess (Live & Unplugged)

Man durfte sich bei der stets ausverkauften Live-Tour glücklich schätzen sagen zu können: „Ich war dabei!“ Damals. Genau genommen war’s am 9.12. 2002 in Bonn / Bad Godesberg. Für die begehrte Karte waren 20 € fällig. Nicht viel, doch trotzdem schwer zu bekommen. Ein hoch geschätztes Mitglied einer berüchtigten Meinungsplattform mit C hatte tatsächlich noch welche auftreiben können. Hier war es auch, wo sich auch erstmals größere Fangruppen zusammen rotteten und ???-Berichte konzentiert veröffentlichten. Lange ist’s her. Die meisten der Clique sind leider längst nicht mehr aktiv. Doch wenn die Doppel-DVD gelegentlich mal wieder einlegt wird, dann kommen die Erinnerungen wieder.

Die Handlung

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Minninger, André (Adaption); Henkel-Waidhofer, Brigitte J.) – Die drei ??? und der Schatz im Bergsee (Folge 68)

Fall Nummer 68 bildet den Abschluss einer kleinen Reihe von vier lose verbundenen Folgen, welche alle in Europa spielen. Hintergrund ist eine Urlaubsreise der Jungs aus Kalifornien in unsere Gefilde. Natürlich nicht ohne Ermittlungen, denn wer die drei Juniorschnüffler kennt, weiß, dass sie ohne Rätsel und Geheimnisse nicht leben können. So legten sie in England zum Auftakt Diamantenschmugglern das Handwerk, lösten in Deutschland im Vorbeigehen das Geheimnis um ein paar Särge, ärgerten sich später in Italien mit mafiosen Dunkelmännern herum und sind nun unterwegs in der Schweiz. Hier erwartet die amerikanischen Eidgenossen der Kriminalistik die Welt der Geheimdienste. Jedes der Hörspiele ist eigenständig und unabhängig von den anderen. Man muss zum Verständnis nicht unbedingt alle Vier dieser Miniserie (65 – 68) kennen, dennoch gehören sie irgendwie zusammen.

_Zur Story_

Die drei Junior-Detektive machen einen Rundflug mit einer 2-motorigen Propellermaschine in den Schweizer Alpen. Nahe des Genfer Sees im schweizerischen Kanton Wallis kommt es zum Ausfall zuerst des einen Motors, danach gibt auch der andere seinen Geist auf. Wenn’s einmal schief geht, dann auch bitte richtig. Der Pilot sagt noch durch, dass er eine Notlandung versucht, als die Maschine kurz darauf unsanft aufprallt, sprich: abstürzt. Justus und Bob erlangen das Bewusstsein wieder und stellen fest, dass, wo eben noch Peter saß, die Bordwand fehlt. Peter ist verschwunden! Benommen krauchen sie durchs Flugzeugwrack und versuchen zu rekonstruieren, was vorgefallen ist. Hatte Peter nicht kurz vor dem Crash nach vorne ins Cockpit gelangen wollen?

Sie wissen es nicht mehr so genau. Nachdem sie das Wrack kurzzeitig verlassen haben und sich sicher sind, dass die Maschine nicht an einem Abgrund, sondern auf einer Wiese zum Liegen kam, betreten sie auf der Suche nach dem zweiten Detektiv das Flugzeug wieder. Dort angelangt finden sie jedoch nur den offenbar schwerer verletzten und bewusstlosen Piloten Jerzey im Cockpit – von Peter weiterhin keine Spur. Mit vereinten Kräften und langsam aufklarendem Geist schaffen sie den Piloten und einige nützliche Gegenstände aus der zerstörten Maschine. Draußen angelangt betten sie Jerzey, der immer noch ohnmächtig ist, in eine Decke und versuchen herauszufinden, wo zum Teufel sie sich befinden und wo ihr Freund Peter abgeblieben ist.

Wurde er aus dem Flugzeug geschleudert und ist vermutlich gar tot? Die Berglandschaft, wo sie niedergegangen sind, ist ihnen ohne Kartenmaterial vollkommen fremd, doch als sie die Gegend weiter erkunden, finden sie Peter in einem Waldstück. Er lebt – ist aber leicht beduselt und weiß nicht, wie er dort hingekommen ist. Erst allmählich erinnert er sich, dass er orientierungslos aus dem Loch in der Bordwand gestiegen ist und schließlich im Wald zusammenbrach. Nun hoffen die drei, dass die Bergrettung alsbald auftauchen muss, um sie zu retten und tatsächlich: als Bob allein zurück zum Wrack geht, um dem immer noch nicht ganz klaren Peter eine Decke zu holen, taucht ein Hubschrauber auf, doch die Froschmänner, die dort bewaffnet herausspringen, sind ganz sicher eins nicht: Die Bergrettung.

_Eindrücke_

Die Story wirkt ziemlich hanebüchen und gekünstelt. Da tummeln sich die Flugzeugmafia, eine ominöse polnische Geheimagentin und ein undurchsichtiger Pilot in den Schweizer Alpen herum, um einen höchst seltsamen Schatz aus einem Bergsee zu fischen – hiermit ist sicher nicht zu viel verraten, schließlich ist das ja auch der Titel der Folge. Die Dialoge sind teilweise so was von behämmert und die Story – vor allem gegen Ende – so wirr, dass man sich fragt: Was soll das? Neben einigen Ungereimtheiten kurz nach dem Absturz klemmt’s auch im weiteren Verlauf oftmals und gerät zur Gähn-Geschichte. Die Frage, wie ein Mini-U-Boot in einen Bergsee kommt, bleibt letztlich ungeklärt, mit der Begründung à la: „Betriebsgeheimnis des polnischen Geheimdienstes“. So, so. Vom generell vollkommen unglaubwürdigen Strickmuster des Falles mal ganz zu schweigen.

Kurios bis nervig sind einige Sprüche Peters, mit denen er wohl in die zu großen Fußstapfen von McGyver und A-Team zu treten gedenkt: „Ich kann aus den Fahrwerksteilen und ein paar Decken eine Trage bauen“ oder „Ich hab das Funkgerät wieder repariert“. Nuja, man ist ja schließlich in der Schweiz, da mutiert Schisser Shaw (der sicher nicht der Hellste der drei ist) zum personifizierten Offiziersmesser. Die Sprecherleistung ist gerade noch OK, die drei Detektive sind trotz der oft an Dämlichkeit nicht zu toppenden Dialoge handwerklich fast über jeden Zweifel erhaben. Doch wundere ich mich schon manchmal, wie scheinbar gleichgültig Just und Bob teilweise mit dem Verschwinden des zweiten Detektivs umgehen.

Die Figur des Jerzey ist hart an der Grenze zur Glaubwürdigkeit. Puppenlustig plaudert er alles aus, immerhin gegenüber drei wildfremden Jungs – dabei hat dort ein Geheimdienst seine Finger im Spiel, mit dessen Agentin Jerzey in Kontakt steht. Häh? Also, so geheim kann das alles nicht sein. Viele Sprecher sind nicht vertreten, wie man am Line-Up im Steckbrief bereits ersehen kann. Da hätte man auf Qualität der Geschichte und Dialoge mehr achten können und natürlich auch müssen. Das obligatorische Gelächter am Ende der Folge ist wegen des absolut flachen und unkomischen Spruches nicht nachvollziehbar und wirkt so dermaßen aufgesetzt, dass es einem graust. Das Highlight ist der „neue“ Erzähler Matthias Fuchs, der in exzellenter Tradition die Fackel des leider zu früh verstorbenen Peter Pasetti weiter trägt.

Auch die Musik geht noch in Ordnung. Eine mittlere Katastrophe ist aber die Abmischung der CD, welche oftmals zu dünn und leise in den Gesprächen und Effekten daherkommt, jedoch bei der Musik unangenehm laut und dominant wird. Das verwundert um so mehr, als das alle bis dato erschienene Folgen wegen Lizenzproblemen mit der Musik im Jahre 2001 eh noch einmal neu abgemischt werden mussten. Auch diese gehört dazu. Da hätte man diese Unart eigentlich gleich beseitigen können. Die Effekte sind immerhin angemessen, reißen einen aber nicht wirklich vom Stuhl. Da gibt’s wesentlich bessere (auch ältere) Folgen. Ein Glück, dass das „Abenteuer Europa“ hiermit sein Ende findet, alle vier Folgen dieser losen Reihe waren insgesamt betrachtet nicht der Bringer. Bis auf die vorangegangene Nummer 67 „Schattenmänner“, die geriet noch akzeptabel.

_Fazit_

Der Schatz im Bergsee dümpelt langatmig-mittelmäßig vor sich hin und nimmt erst gegen Ende etwas Fahrt auf, was aber in einem absolut unglaubwürdigen Finale gipfelt. Schon vorher ist die Geschichte ziemlich an den Haaren herbei gezerrt und unglaubwürdig. Somit kann man nur ausgesprochenen und sehr hart gesottenen Fans zu dieser Folge eine bedingte Empfehlung aussprechen. Alle Anderen, die vielleicht nur sporadisch die Abenteuer der drei sympathischen Junioren aus Rocky Beach verfolgen, greifen hier besser nicht zu und weichen auf andere Fälle der Serie aus. Eindeutig nur: „Ausreichend“ mit Tendenz zu „Mangelhaft“.

_Die Hörspieldaten auf einen Blick:_

Titel: „Die drei ??? und der Schatz im Bergsee“ (Folge 68)
Buchvorlage: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer, Franckh-Kosmos 1996
Ersterscheinung: April 1996, EUROPA (Sony BMG)
Laufzeit: ca. 60 Minuten
Cover: Aiga Rasch
Buch & Redaktion: André Minninger
Produktion & Regie: Heikedine Körting

|Die Figuren und ihre Sprecher:|
Erzähler – Alfred Hitchcock: Matthias Fuchs
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrczeck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Jerzey: Michael Bideller
Mariana: Antje Roosch
Bergwacht – 1. Mann: Nico König
Bergwacht – 2. Mann: Lutz Schnell

Henkel-Waidhofer, Brigitte J. (Autor); Minninger, André (Adaption) – Die drei ??? – Geisterstadt (Hörspiel – Folge 64)

Folge 64 der erfolgreichen Jugendhörspielserie nimmt unter Fans eine kleine Sonderstellung ein, denn es ist zum Einen die letzte EUROPA-Produktion, bei der Peter Pasetti als Erzähler, respektive „Alfred Hitchcock“ fungiert. Er verstarb im Mai 1996 und wurde ab Folge 65 von Matthias Fuchs ersetzt. Aber auch inhaltlich stand man zu dieser Zeit am Scheideweg: Die Einstellung der Serie in ihrem Stammland Amerika sorgte für eine Übernahme der Rechte durch den Franckh-Kosmos Verlag und dadurch eine deutliche Anpassung bzw. Verschiebung des zukünftigen Stils. „Geisterstadt“ fällt genau in diese Zeit der neuen Identitätsfindung und gilt als eine der wenigen positiven Ausnahmen der sonst eher mau beginnenden ???-Ära unter deutscher Federführung.

_Zur Story_

Tante Mathilda soll für ihre verunfallte Freundin Emily als Haushälterin einspringen. Dieser Job ist nicht irgendeiner, denn Emily arbeitet beim berühmten und stinkreichen Spieleerfinder Michael Oames. In dessen Ferienhaus am Lake Tahoe will Mathilda nun für Ordnung sorgen, bis ihre Freundin wieder fit ist. Es kommt noch besser: Die Drei Detektive sind mit von der Partie, denn Mathilda hätte es ganz gerne, wenn Justus in den Ferien ein wenig abspeckt, und Lake Tahoe ist ein exzellentes Skigebiet. Da Peter und Bob eh nicht von Justus Seite weichen, sorgt sie auch gleich dafür, dass die beiden ebenfalls mit dürfen. Der ganze Tross macht sich – chauffiert von Morton – auf zum feudalen Feriendomizil. Dort angelangt staunen sie nicht schlecht: Eine Riesenvilla und für jeden ein eigenes Zimmer im separat stehenden Gästehaus, eigentlich alles ganz toll, wenn auch merkwürdig still.

Als sie auf eigene Faust ein wenig auf Entdeckungsreise gehen und von einer Anhöhe des mächtigen Grundstücks auf das Haupthaus hinunter blicken, stellen sie eine große Anzahl an Polizeiwagen fest, die eben noch nicht dort waren. So langsam kommt hier wohl doch noch Leben in die Bude, denn der alte Oames ist entführt worden. Die Entführer verlangen telefonisch eine Million Dollar Lösegeld. Sein Sohn und dessen Frau entpuppen sich als herrische, arrogante Zeitgenossen, die nicht nur die Jungs anblaffen, sondern auch die anwesenden Polizisten meinen herumkommandieren zu können. Irgendwas scheint hier faul zu sein – und als dann auch noch eine ominöse Frau in einem roten Chevrolet auftaucht, die in „bester“ Oames-Manier vom Hof gejagt wird, steht für die drei ??? fest: Sie befinden sich nicht einfach mehr nur in den Skiferien, sondern mitten in einem höchst undurchsichtigen Fall.

_Eindrücke_

Der Titel ist unpassend, denn die Geisterstadt kommt nur am Rande in der Geschichte vor und hat auch nichts Großartiges zur Atmosphäre oder gar der Lösung des Falles beizutragen. Dennoch ist diese Kleinigkeit beinahe das einzige Manko, denn wie man allein an der verhältnismäßig üppigen Sprecherliste sehen kann, darf man auf jede Menge Interaktion und Wendungen in der Story hoffen – dem ist auch tatsächlich so. Zwar fehlt der Folge der Mystery-Faktor, doch zum Ausgleich gibt es eine durchdachte und prima erzählte Entführungsgeschichte mit ordentlichen Charakteren. Sprecher, Geräusche und Musik sind exzellent und stimmig, besonders Schauspieler-Urgestein Edith Hancke weiß zu gefallen. Mit ihrer markanten Stimme ist sie eine sehr gute Wahl für die unsympathische Figur der Sylvie.

Ungeklärt bleibt, warum der Sprecher des alten Oames (Günter Jerschke) nicht im Booklet vermerkt ist. Auffällig sind die verschiedenen Aussprachen von „Lake Tahoe“, da hätte die Regie vielleicht darauf achten sollen, dass alle Sprecher wenigstens einheitlich diesen Ortsnamen gebrauchen. Kritikpunkt ist auch wieder einmal die AAD-Abmischung auf der CD, gerade leise Passagen und geflüsterte Worte sind häufig unverständlich, bis man die Lautstärke sehr weit hoch dreht – immerhin hält sich das aber in Grenzen und ist längst nicht so technisch mies umgesetzt wie bei einigen anderen Folgen, welche 2001 im Zuge von Lizenzstreitigkeiten neu abgemischt wurden bzw. werden mussten.

Die Lösung des Falles ist aus eigener Kraft kaum zu erarbeiten und allenfalls zu erahnen, da die Story sich zwischendurch auch noch mal wendet, eine nicht leicht zu knackende Nuss. Eine gröbere Macke ist beispielsweise das „Verhör“ der drei Detektive durch Inspector Capistrano. Hierbei gibt der Inspector bereitwillig und ungefragt (!) aus heiterem Himmel wichtige Informationen an die Jungs weiter, obwohl er sie ja eigentlich vernehmen sollte. Mal abgesehen davon, dass die drei ihm vollkommen fremd sind und potentielle Verdächtige darstellen, es wäre in der Realität ziemlich dumm, wenn sich die ermittelnden Beamten so leutselig geben würden, wie er es tut.

_Fazit_

Mit etwas über einer Stunde Laufzeit eine der längeren Folgen, die trotz des fehlenden Mystery-Einschlags doch gut gelungen und nicht langweilig geraten ist, uns jedoch im Unklaren lässt, wie zum Geier „Lake Tahoe“ nun wirklich ausgesprochen wird. Der Titel ist, wie bereits erwähnt, nicht besonders glücklich gewählt und ein wenig irreführend, was der eigentlich zugrunde liegenden Entführungsgeschichte aber keinen Abbruch tut. Dass es nur kleinere Patzer und die recht dumpfe AAD-Abmischung der CD zu bemeckern gibt, veranlasst mich nicht, die volle Punktzahl für diese ansonsten solide Folge zu vergeben. Mit 4 Sternchen und dem daraus resultierenden „Gut“ braucht sie sich jedoch nicht gramvoll zu verstecken.

_Die Hörspieldaten auf einen Blick:_

Titel: „Die drei ??? – Geisterstadt“ – Folge 64
EUROPA (Sony BMG), 1995
Laufzeit: ca. 66 Minuten
Buchvorlage: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer nach Robert Arthur
Drehuch & Redaktion: André Minninger
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: Conrad, Morgenstern
Cover: Aiga Rasch

|Die Figuren und ihre Sprecher:|
Erzähler – Alfred Hitchcock: Peter Pasetti
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrczeck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Tante Mathilda: Karin Lieneweg
Morton: Andreas von der Meden
Inspector Capistrano: Hans Sievers
Sergeant Hawthrone: Jürgen Kopp
Simon Oames: Peter Kirchberger
Silvie Oames: Edith Hancke
Michael Julius Oames: Günter Jerschke (nicht aufgeführt)
Mandy Taylor: Micaela Kreißler
Deborah Street: Astrid Kollex
Greenwater: Norman Messer

Die drei ??? und der Schatz der Mönche (Folge 107)

Schon Mitte 2002 angekündigt, aber erst Januar 2003 veröffentlicht ist Folge 107 „Der Schatz der Mönche“ ein Vorbote auf die schon zu dieser Zeit schwelenden Lizenzstreitigkeiten gewesen. Die Fans waren entsprechend gespannt, was EUROPA aus dem Hut zaubern würde, sprich: Ob die Motivation, neue Hörspiele zu produzieren, gelitten haben würde. Wer Titel und Cover sieht, der denkt unwillkürlich an Martial-Arts und erwartet vielleicht deftige, fernöstliche Handkanten-Action, bedeutungsschwere Weisheiten von Lao Tse oder Konfuzius zu gebrochener Sprache und Kieferknochen. Dass dies bei einem Fall der drei Fragezeichen eher nicht vorkommt, kann man sich denken. Dass daraus eine sehr gesetzte Folge wird, weniger. Zumal wenn man das Buch kennt überrascht der etwas andere Grundton des Hörspiels.

Zur Story

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Minninger, André (Adaption); Sonnleitner, Marco (Buch) – Die drei ??? – Gefährliches Quiz (Folge 109)

Für gewöhnlich ist man als Fan ja geneigt, mit der rosa Brille über manche Unzulänglichkeit generös hinwegzusehen. Allerdings gibt es manchmal auch Fälle, wo die Brille nicht rosa genug sein kann. Auch bei den drei Fragezeichen reibt man sich gelegentlich mal die Augen respektive Ohren. Besonders auffällig – im negativen Sinne – sind bei der sonst zurecht beliebten Serie die Nummern im Bereich um die Hundert herum. Sie markieren wie keine anderen einen Tiefpunkt im Schaffen des EUROPA-Studios. Miese Sprecherleistungen, krude Storys und unterirdischer Schlendrian bei der Produktion machten sich breit. Glücklicherweise hat man sich inzwischen gefangen und produziert seit geraumer Zeit wieder ansprechende Fälle der drei Detektive.

_Zur Story_

Schlaumeier und Ober-Besserwisser Justus gewinnt diesmal zwar mit seiner Intelligenz keinen Blumenpott, dafür aber einen Auftritt bei einer hoch angesagten Quiz-Show namens „Wer knackt die Nuss?“. Diese Ehre wird ihm zuteil, da er ein sauschweres Kreuzworträtsel der „Los Angeles Post“ gelöst hat und am damit verbundenen Preisausschreiben teilnahm. Das Los hat entschieden; Er und zwei Begleitpersonen (logischerweise Peter und Bob) dürfen schon zwei Tage nach Erhalt der Benachrichtigung per Brief zum Sender dackeln. Justus wird in der Maske vorbereitet, während Peter und Bob schon mal auf der Zuschauertribüne Platz nehmen. Kurz vor Beginn der Show schneit dann der etwas nervös-spleenige Quizmaster Nobel in Justus’ Garderobe herein, um die obligatorischen Infos zum Ablauf der Sendung loszuwerden.

Nobel ist zunächst äußerst ungehalten und nicht erbaut, einen so jungen Kandidaten zu haben, irgendwer hat zu allem Überfluss seine Tochter entführt, daher wird diese Show etwas anders ablaufen als gewohnt. Statt der üblichen drei Lösungsvorschläge zu jeder Frage werden die Entführer (die sich online in den Computer des Senders eingehackt haben) während der Sendung durch Nobel Rätselfragen stellen, die Justus ohne jegliche Auswahlantworten live aus dem Stegreif beantworten soll. Das Leben von Nobels Tochter Clarissa hängt von der Richtigkeit seiner Antworten ab. Die Show ist endlich vorbei, doch die Entführer nicht zufrieden mit den Antworten – die drei ??? haben einen neuen Fall und noch dazu ein Ultimatum von 24 Stunden am Hals, um Licht ins mysteriöse Dunkel zu bringen.

_Eindrücke_

Das Fiasko fängt bereits früh an und liegt in der Story selbst: Durch ein Kreuzworträtsel intelligente Menschen zum Knacken eines vertrackten Rätsels zu suchen geht noch in Ordnung, doch den geplanten Betrug dann auch noch quasi dank der Fernsehshow öffentlich zu machen und so dilettantisch, wie in dieser Geschichte, das nimmt man keinem ach-so-durchtriebenem Ganoven (und schon gar nicht den Machern dieses grausamen Drehbuchs) ab. Jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch hätte (zumindest nachdem er feststellt, dass die Jungs ein recht erfolgreiches Detektiv-Unternehmen führen) die Strategie sofort geändert und wäre auf diskretere „Verhörmethoden“ umgeschwenkt.

Halten wir ganz einfach fest, dass die Handlung nicht nur hanebüchen, sondern sogar vollkommen haarsträubend ist. Hier alle logischen und stilistischen Fehler auch nur ansatzweise zu erwähnen, wäre eine Beleidigung der Tastatur. Des Weiteren ist das Ende ein kruder Mischmasch aus „Der Phantomsee“, „Der rote Pirat“ und „Geisterschiff“, dabei ist es aber weder so pfiffig noch erreicht es auch nur annähernd die Klasse der drei Vorgenannten. Und das, obwohl Nebel (wieder mal) eine Rolle spielt. Das Auftauchen von Nebel jeglicher Art kennzeichnet sonst immer die besseren Folgen. Hier reißt auch der Nebel nichts mehr heraus. Wobei wenigstens die Soundeffekte noch ein wenig zur Ehrenrettung beitragen und immerhin passabel ausfallen.

Schreiten wir voran zu den Sprecherrollen, die machen ein Hörspiel ja in besonderem Maße aus und entscheiden über Wohl oder Wehe. Ilja „Licht aus, Spot an!“ Richter (genau, der Typ mit der Quäk-Stimme aus der 70er Jahre-Musiksendung „Disko“) stottert sich gar grässlich und unbeholfen durch seinen Text, wie Kermit der Frosch mit einer mittelschweren Halsentzündung, wobei nicht klar ist, ob die Regie das so vorgeschrieben hat oder ob man sich nicht bewusst war, dass er es einfach nicht besser kann. So wenig Tiefe und so viel Nerv-Faktor hat kaum je ein Sprecher bei den drei ??? gewagt abzuliefern. Doch allein sein Verschulden kann das irgendwie nicht sein, denn warum färbt seine Lustlosigkeit auch auf die Top-Sprecher wie Oliver Rohrbeck & Konsorten ab?

_Fazit_

Das „gefährliche Quiz“ markiert einen der Tiefpunkte der Serie, was nicht allein von den miesen Sprecherleistungen – diesmal sogar der Stammsprecher – herrührt. Die ganze Geschichte ist so unglaubwürdig konstruiert, dass man nur froh sein kann, dass die nachfolgenden, neueren Folgen wieder langsam besser werden. Na ja, schlimmer konnte es ja eigentlich auch kaum kommen. Selbst hart gesottene Fans dürften das Teil nach einmaligem Hören allein der Vollständigkeit der Sammlung halber im Rack verschwinden lassen und fürderhin zeitlebens mit stoischer Nichtachtung strafen. Einsteiger sollten tunlichst die Finger von Folge 109 lassen, sie ist für die Serie – glücklicherweise – nicht repräsentativ.

_Die Hörspieldaten auf einen Blick:_

Titel: „Die drei ??? – Gefährliches Quiz“ – Folge 109
EUROPA (Sony BMG), 2003
Laufzeit: ca. 67 Minuten
Buch und Effekte: André Minninger
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: J. F. Conrad, Morgenstern
Cover-Illustration: Silvia Christoph

|Die Figuren und ihre Sprecher:|
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrzceck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Nick Nobel: Ilja Richter
Clarissa: Theresa Underberg
Mike Pherson: Wolf-Dietrich Berg
Assistent: Martin Meyer
Sekretärin: Traudel Sperber
Sandy: Micaela Kreissler
Bill: Achim Schülke
Veronica: Saskia Weckler
Joe: Jan-David Rönfeldt

Minninger, André (Adaption); Marx, André (Buch) – Die drei ??? – Spur des Raben (Folge 75)

Eigentlich gelten landläufig ja eher die artverwandten Elstern als das diebischere Gesindel unter den Federviechern und spätestens, wenn sich herausstellt, dass dieser klauwütige Rabe normalerweise der Gattung Homo Sapiens angehört – der für gewöhnlich per pedes unterwegs ist – treibt man jeden Ornithologen in den Wahnsinn. Die Rede ist natürlich wieder von einem Hörspiel der drei Fragezeichen, in welchem sich die drei detektivisch veranlagten Jungs diesmal aus ihrem gewohnten Territorium um Rocky Beach entfernen und statt dessen Los Angeles unsicher machen, sehr zum Leidwesen eines gewissen kriminellen Subjekts, welches sich für eine Art |Batman für Arme| hält.

_Zur Story_

In Los Angeles findet die Filmpreisverleihung des „Goldenen Raben“ statt, weswegen sich sämtliche Stars und Sternchen zu Dutzenden in dieser kalifornischen Metropole tummeln. Mit von der Partie sind auch die drei Jungs aus Rocky Beach, denn Bobs Vater – bekanntlich der Chefredakteur der „Los Angeles Post“ – schickt die Jungs mit Kameras bewaffnet zu diesem Event, weil er dringend Bildmaterial für seinen Artikel braucht. Diese Gelegenheit lassen sich die nun zu Paparazzi transformierten Detektive natürlich nicht entgehen und werden abends vor einem Hotel Zeugen einer seltsamen Erscheinung. Peter entdeckt eine Gestalt, die sich hoch über dem Boden scheinbar fliegend zum Dach des Hotels bewegt. Nachdem der zweite Detektiv einen schnellen Schnappschuss von dem Unbekannten macht, stürmt das Trio ins Hotel.

Sie ahnen bereits, dass hier etwas Illegales im Busch ist. Auf dem Dach können sie die Gestalt im Kostüm eines Raben beinahe stellen, unter schauerlichem Gekrächze kann der Unhold jedoch nach einem kleinen Handgemenge Batman-like über die Balustrade verschwinden und an einem gespannten Stahlseil zum gegenüberliegenden Gebäude entkommen. Lediglich eine einzelne Schwarze Feder bleibt zurück. Bei dem Gerangel ist nicht nur Bobs Kamera zu Bruch gegangen, erschreckt stellt er fest, dass seine Brieftasche ebenfalls fort ist. Die drei halten es für angebracht, zunächst die örtliche Polizei aufzusuchen und dann Bobs Dad die kaputte Kamera zu beichten – um das zu erwartende Donnerwetter abzumildern, wollen sie ihm das von Peter geschossene Exklusiv-Foto des Raben anbieten.

Als erstes zeigen sie es allerdings Detective Gregson vom LAPD, dem die Masche nicht unbekannt ist. Scheinbar war der beobachtete Raubzug nicht der erste des Flattermanns in LA. Am nächsten Tag in ihrem Hotel angekommen, erwartet Justus, Peter und Bob die nächste Überraschung an der Rezeption: Irgendjemand hat ein Päckchen für sie hinterlegt, in welchem sich Bobs Brieftasche (ohne Geld, aber ansonsten vollständig), eine schwarze Rabenfeder und eine Cassette befindet. Als die drei die Cassette abhören, erklingt die krächzende Stimme des Raben, der ihnen per Reim eine Rätselaufgabe stellt und sie damit heiß auf seine Spur macht. Wenn sie ihn fangen und den nächsten Tatort herausfinden wollen. Klar, dass die drei Fragezeichen zu dieser Herausforderung nicht Nein sagen.

_Eindrücke_

Positiv fällt auf, dass die Ermittlungen zu beinahe gleichen Teilen untereinander aufgeteilt werden und das Ganze nicht zu einer reinen Justus-Geschichte mutiert. Des Weiteren spielt Nummer 75 mal endlich wieder außerhalb von Rocky Beach in einer Großstadt, was auch mit den entsprechenden Geräuschen gut unterlegt ist. Straßenmusikanten, Verkehrsgetümmel und Andrang vor den Hotels der Stars. All das schafft vom Start weg eine gute und glaubwürdige Atmosphäre. Die Figur des Kriminellen im Rabenkostüm bekommt durch das charakteristische Krächzen einen spannenden Touch und einige Schock-Momente; wenn das „Kraaa-Kraaaa“ unerwartet auftaucht, schreckt man schon ein wenig zusammen. So richtig gruselig ist das aber nicht, dennoch verleiht es dem Auftritt des diesmaligen Gegenspielers den nötigen und gebührenden Pepp, den man bei einem ???-Hörspiel erwartet.

Die Geschichte an sich ist spannend und interessant aufgebaut, es gibt mal wieder einen ordentlich gereimten Rätselspruch zu lösen. Ein stilistisches Element, das sicher die eingefleischten Fans gerade der älteren Folgen zu schätzen wissen werden. Bei der Aufbereitung des Plots hat man sich wirklich Mühe gegeben, der Figur des Raben eine angemessene Tiefe zu verleihen und die Lösung des Falles bis zum Schluss zu verschleiern. Die Wahl der Sprecher auch abseits der üblichen Protagonisten ist nicht zu bemängeln, ja selbst Betonungsfehler sind nicht zu verzeichnen – besonders gut sind die markanten Stimmen von Beate Hasenau (u.a.: „Ameisenmensch“, „Stimmen aus dem Nichts“) und die von Jörg Gillner, welcher hier allerdings seinen bisher einzigen Einsatz in der Serie hat. Regisseurin Heikedine Körting gibt sich seit langem auch mal wieder in einer Sprechrolle die Ehre.

Der sonst so oft anzutreffende Lerneffekt beschränkt sich in dieser Folge auf das Herstellen eines Lautsprechers mittels eines Weinglases und Ohrstöppseln für einen Walkman und auf Beethovens „Neunte“ respektive dem Leitsatz „Ode an die Freude“. Die übrige Begleitmusik besteht aus den üblichen verschiedenen Samples, die häufig während der Serie verwendet werden: unspektakulär, aber durchaus passend zur Thematik. Reinrassiges Mystery- oder Gruselflair kommt hingegen nicht unbedingt auf, allenfalls das scheinbare „Fliegen“ des Raben, das Hinterlassen einer schwarzen Feder und das bereits erwähnte Krächzen verpassen der Folge den leicht rätselhaften Beigeschmack. Wieder eine Folge, die auch jüngere und/oder zartbesaitete Hörer durchaus nachts genießen können, ohne eine Herzattacke zu riskieren. Logikpatzer sind überraschenderweise keine ohrenfällig geworden.

_Fazit_

Zwar ist dies eine reine Kriminalfolge ohne übernatürliche Einschläge, doch eine gut durchdachte und vor allem gelungene Story mit einem ebenbürtigen Gegner machen das mehr als wett. Das Ende ist nicht vorherzusehen, es sei denn man hat hellseherische Fähigkeiten. Wie bereits angeklungen lebt die Spur des Raben zu einem nicht geringen Teil von dem guten, alten Teamwork der drei Detektive, wo jeder von ihnen etwas zur Klärung beizutragen hat. Keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in welcher die Serie etwas schwächelte und erst jenseits der Nummer 80 wieder allmählich an Qualität gewann. „Spur des Raben“ ist ein löblicher Ausbrecher aus der Riege der mittelmäßigen Fälle in den Neunzigern. Klare Hörempfehlung auch für Neueinsteiger!

_Die Hörspieldaten auf einen Blick:_

Titel : „Die drei ??? und die Spur des Raben“ – Folge 75
Buchvorlage: André Marx, Franckh-Kosmos 1996
Adaption: 1997, EUROPA (Sony BMG)
Lauflänge: ca. 56 Minuten
Buch und Effekte: André Minninger
Produktion & Regie: Heikedine Körting
Musik: Conrad, Stahlberg, Zeiberts
Cover-Illustration: Aiga Rasch

|Die Figuren und ihre Sprecher:|
Erzähler – Alfred Hitchcock: Matthias Fuchs
Erster Detektiv – Justus Jonas: Oliver Rohrbeck
Zweiter Detektiv – Peter Shaw: Jens Wawrczeck
Recherchen & Archiv – Bob Andrews: Andreas Fröhlich
Mrs. Shaw: Heikedine Körting
Armanda Black: Beate Hasenau
Detective Gregson: Wolf-Dietrich Berg
Nora Sethons: Ursula Sieg
Mrs. Atson: Joyceline Schmidt
Mr. Krieger: Jörg Gillner
Lisa Manninger: Katja Stichel

Die drei ??? und das Hexen-Handy (Folge 101)

Nach der Triple-Jubiläumsfolge 100 handelt es sich beim „Hexen-Handy“ mit der Nummer 101 schon wieder um einen „stinknormalen“ Fall – quasi Business as usual bei den drei Detektiven. Seit die Serie ausschließlich im deutschsprachigen Raum weiter geführt wird, sind auch die Umgebungsvariablen sowie die Geschichten sukzessive immer mehr in Richtung Moderne verschoben worden. Handy, Computer und Internet haben schon länger bei den drei Fragezeichen Einzug gehalten. Im Jahre 2001 fühlte man sich berufen, die Problematik von Mobilfunk im Verbund mit speziell auf Kinder bzw. Jugendliche zugeschnittenem Zielgruppenmarketing zu thematisieren. Ob dieser warnende Finger tatsächlich Beachtung fand, ist nicht überliefert.

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Die drei ??? und der tanzende Teufel (Folge 21)

Nach dem unerwartet großen Erfolg, den die Serie bei ihrem Start 1979 hinlegte, beeilte man sich bei EUROPA, rasch weitere Vorlagen der amerikanischen Jugendbuchreihe als Hörspiel zu adaptieren. Ein Jahr später, im Oktober 1980, hatte man mit dem „tanzenden Teufel“ bereits den 21. Fall der drei Fragezeichen im Kasten und veröffentlicht. 2001 musste sich dieser Klassiker einer kleinen, nicht ganz freiwilligen Frischzellenkur unterziehen lassen, denn Streitigkeiten zwangen das Studio, die alte Originalmusik aller bisher erschienenen Hörspiele der Reihe gegen eine andere auszutauschen. Ansonsten blieb diese Folge inhaltlich unangetastet – ein Fall übrigens, welcher auch heute noch große Beliebtheit bei den Fans genießt.

Zur Story

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Die drei ??? – Panik im Park (Folge 110)

Als Vertreter der nicht überall geliebten Ü-100-Fraktion hatte Fall Nummer 110 bereits bei Veröffentlichung 2003 einen schweren Stand bei treuen Hörern. Statt mit Vorschusslorbeeren wurde die Folge mit Murren und Knurren belegt. Das lag zum einen an dem verspäteten Release, zum anderen sah das Fandom genau das als schlechtes Omen. Um es vorwegzunehmen: „Panik im Park“ ist kein Überflieger geworden, doch die schlimmsten Befürchtungen, eine weitere katastrophale Folge von |EUROPA| präsentiert zu bekommen, bewahrheiteten sich auch nicht vollständig. Gleichwohl spaltet sie das Fandom: Die einen mögen sie, die anderen verdammen sie fast in den 110. Kreis der Hölle.

Zur Story

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Chesterton, Gilbert Keith – Pater Brown Edition 4

_Aus Pfarrer Brauns Verbrechenssammlung_

Ende 2008 hat |Maritim| die vierte CD-Box als Zusammenstellung der Einzelausgaben 13 bis 16 von Pater-Brown-Hörspielen herausgebracht. Mit „Der Geist von Gideon Wise“, „Das Verhängnis der Darnarways“, „Die seltsamen Schritte“ und „Der Fehler in der Maschine“ vereinen die Macher vier spannende Hörspiele um mysteriöse Verbrechen, welche vom kauzigen Pater Brown stets schneller aufgeklärt werden als von der Polizei. Der Detektiv versetzt sich dabei geistig an die Stelle der Verbrecher und versucht solchermaßen, das Tatmotiv und den Tathergang nachzuvollziehen.

In „Der Geist von Gideon Wise“ werden drei Millionäre in der gleichen Nacht ermordet: erstochen, erschlagen oder eine Klippe hinuntergestürzt. Der Journalist Byrne, der eigentlich zwischen den millionenschweren Fabrikinhabern und den Streikanführern in deren Fabriken zu vermitteln versucht, hängt sich an den Fall und trifft dabei auch auf Pater Brown, der auf dem Weg nach Liverpool in dieses Verbrechen hineinstolpert. Schnell zeigt sich, dass die Polizei sofort die Streikführer verdächtigt, doch Pater Brown weist immer wieder darauf hin, dass es sich bei den Vorwürfen nur um Vermutungen und Vorverurteilungen handelt. Spätestens als der Geist eines der Toten gesichtet wird, ist ihm klar, dass der Schlüssel zu den Morden an anderer Stelle gesucht werden muss, denn trotz seiner intuitiven Ermittlungsmethoden geht er immer von einer unumgänglich rationellen Erklärungen aus und führt das vermeintlich Übernatürliche auf eine ganz natürliche Ursache zurück.

In „Das Verhängnis der Darnaways“ scheint sich ein Jahrhunderte alter Fluch zu bewahrheiten, doch selbst hier findet Pater Brown in der Eifersucht eine höchst menschliche Ursache für etwas, das Mord statt Fluch genannt werden muss. Auch der Mord in „Die seltsamen Schritte“ erweist sich als von menschlichen Leidenschaften beeinflusste Straftat; noch dazu in einem absurden Milieu, einem Jahrestreffen des schrulligen „Clubs der 12 Fischer“ mit seinen merkwürdigen Regeln und Millionärsproblemen, welche durch die vom Schriftsteller Henry Fulham geschilderte Diskrepanz zwischen Arm und Reich noch aberwitziger erscheinen.

Interessant ist die kritische Beschäftigung mit dem beim ersten Erscheinen der Geschichte „Der Fehler in der Maschine“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch recht neuen Gerät – dem „Lügendetektor“. Der Autor Gilbert Keith Chesterton weist damit durch den Mund Pater Browns schon auf die wesentlichen Mängel der als unfehlbar geltenden Untersuchung mit der Maschine hin, welche bis heute Bestand haben: Fehleinschätzungen, Vorurteile und die mögliche Manipulierbarkeit der Ergebnisse. Hier zeigt sich erneut, dass Pater Brown mit seinem wachen und kritischen Verstand der Polizei immer einen oder sogar mehrere Schritte voraus ist. In dieser Geschichte tritt zudem Pater Browns einziger Freund, der ehemalige Meisterdieb Hercule Flambeau, auf, welcher bei |Maritim| eine eigene Hörspielserie hat und hier als der Zuhörer in der Rahmengeschichte funktioniert.

|Maritim| konnte für die Rolle des Pater Brown den Schauspieler und erfahrenen Synchronsprecher Volker Brandt (Michael Douglas) gewinnen, welcher der Gemeinde von Hörspielfans bereits als Inspektor Lestrade aus der |Maritim|-Hörspielserie um den großen Privatdetektiv Sherlock Holmes bekannt sein dürfte. Lebendig und überzeugend spricht er auch den verschmitzten katholischen Geistlichen mit seinem Hang zum Kriminalisieren.

Der Jazz-Gitarrist und Arrangeur Martin Böttcher, der schon die Titelmusik zu zwei Pater-Brown-Filmen mit Heinz Rühmann sowie der Fernsehserie „Pfarrer Braun“ schrieb und mit der Titelmusik zu den Winnetou-Filmen aus den 60er Jahren zu einem der erfolgreichsten deutschen Filmkomponisten wurde, zeichnet sich bei den Hörspielen verantwortlich für den jazzigen Sound der Titelmusik und Zwischenstücke.

Mit ihren fast vier Stunden Laufzeit bietet die schlicht in Schwarzweiß aufgemachte CD-Box daher ein interessantes, kurzweiliges und rundum gelungenes Hörvergnügen.

|222 Minuten auf 4 CDs
ISBN-13: 978-3-86714-178-9|
http://www.maritim-produktionen.de

Montgomery, L. M. / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – Anne in Avonlea. Folge 7: Eine weitere verwandte Seele

_Turbulent: Scharlachnasen und Lavendeldamen_

Kanada Ende des 19. Jahrhunderts. (Fortsetzung von „Anne auf Green Gables“.) Anne genießt ihre letzten Ferientage auf Green Gables. Mit Beginn des neuen Schuljahres wird sie die Lehrerstelle an der Dorfschule von Avonlea übernehmen. Für den kleinen Ort haben Anne und ihre Freunde ehrgeizige Pläne. Flugs wird ein Dorf-Verschönerungs-Verein gegründet. Überschattet werden die Spendensammel-Aktionen durch Probleme mit der Kuh Dolly und einem sehr wütenden neuen Nachbarn …

Folge 6: Anne Shirley wird von den meisten Schülern an der Dorfschule angehimmelt. Aber keineswegs alle mögen die neue junge Lehrerin. Der flegelhafte Anthony Pye hat es regelrecht auf Anne abgesehen. An einem kalten Wintermorgen kommt es zu einer sehr hässlichen Szene in der Schule, die keines der Schulkinder von Avonlea je vergessen wird …

Folge 7: Anne und ihre Busenfreundin Diana Barry verirren sich auf dem Weg zu einer Teegesellschaft. Plötzlich stehen sie vor dem kleinen idyllischen Steinhaus von Miss Lavendar Lewis mitten im Wald. Manches haben die Mädchen über diese scheue Einsiedlerin bereits gehört, was insbesondere Anne neugierig macht, der Dame einen Besuch abzustatten…

Pünktlich zum 100-jährigen Jubiläum gibt es die Abenteuer des sympathischen Waisenmädchens Anne Shirley als Hörspiel-Serie, geeignet für die ganze Familie, gesprochen von den deutschen Stimmen vieler Hollywood-Stars.

_Die Autorin_

Lucy Maud Montgomery (1874-1942) war eine kanadische Schriftstellerin, die besonders durch ihre Jugendbücher um Anne Shirley bekannt wurde: „Anne of Green Gables“ und sechs Fortsetzungen.

Das Manuskript wurde zunächst von mehreren Verlagen abgelehnt, bevor es Montgomery gelang, es zu platzieren. 1908 war sie bereits 34 Jahre alt. Das Buch wurde zu einem Theaterstück verarbeitet, mehrmals verfilmt und in mehr als 40 Sprachen übersetzt.

Die erste Staffel: Anne auf Green Gables

Folge 1: [Die Ankunft 4827
Folge 2: [Verwandte Seelen 4852
Folge 3: [Jede Menge Missgeschicke 4911
Folge 4: Ein Abschied und ein Anfang

Die zweite Staffel: Anne auf Avonlea

Folge 5: [Die neue Lehrerin 5783
Folge 6: [Ein rabenschwarzer Tag und seine Folgen 5806
Folge 7: Eine weitere verwandte Seele
Folge 8: Das letzte Jahr als Dorfschullehrerin

Die dritte Staffel: Anne in Kingsport

Folge 9: Auf dem Redmond College
Folge 10: Erste Erfolge als Schriftstellerin
Folge 11: Die jungen Damen aus Pattys Haus
Folge 12: Viele glückliche Paare

_Die Inszenierung:_

|Die Rollen und ihre Sprecher:|

Erzähler: Lutz Mackensy (Rowan Atkinson, Christopher Lloyd, Al Pacino)
Anne Shirley: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst, Kate Beckinsale)
Marilla Cuthbert: Dagmar von Kurmin (Bühnenschauspielerin, Hörspiel-Regisseurin für |Europa|, Stammsprecherin für |Titania Medien|)
Rachel Lynde: Regina Lemnitz (Whoopi Goldberg, Kathy Bates, Diane Keaton)
Diana Barry: Uschi Hugo (Neve Campbell)
Gilbert Blythe: Simon Jäger (Josh Hartnett)
Jane Andrews: Cathlen Gawlich (Jaime King, Amy ‚Fred‘ Acker)
James A. Harrison: Heinz Ostermann (Kammerschauspieler)
Priscilla Grant: Tanja Geke (Judy Greer, Tara Wilson)
Lavender Lewis: Monica Bielenstein (Emma Thompson)
Charlotta die Vierte: Charlotte Mertens
Und viele weitere.

Regie führten Stephan Bosenius und Marc Gruppe, der auch das „Drehbuch“ schrieb. Die Aufnahme leiteten Martin Wittstock und |Kazuya|. Die Illustration stammt von Firuz Askin.

_Handlung_

Endlich sind wieder Sommerferien, und weitere Aufregungen warten auf Anne Shirley und ihre Lieben. Sie freut sich auf den Besuch der bewunderten Romanschriftstellerin Charlotte Morgan, der Tante von Priscilla Grant, auf Green Gables. Doch als alles bereit ist und auf den hohen Besuch warten, trifft dieser nicht ein. Dafür macht sich der Tunichtgut Davy Keith negativ bemerkbar. Erst zerstört er aus Versehen die Törtchen, die in der Küche bereitgestellt waren, dann, wieder aus Versehen, die kostbare Servierplatte, die Anne von Mrs Barry ausgeliehen hatte. Dringend muss Ersatz her. Zum Glück wurde eine passende Servierplatte bei den Schwestern Copp gesichtet.

|Malheur im Entenstall|

Als Anne mit ihrer Busenfreundin Diana Barry dorthin fährt, ist jedoch niemand daheim. Doch wo sie schon mal da sind, können sie ja wenigstens prüfen, ob es die Servierplatte tatsächlich gibt. Gesagt, getan. Anne klettert mit einer Leiter auf das Dach des Entenstalls und von dort späht sie in das Fenster des Dachbodens. Die Platte existiert wirklich, welch eine Erleichterung. Die gefährliche Kletterei war also nicht umsonst. Doch auf dem Rückweg brechen die morschen Dachbalken des Stalls, und auf einmal steckt Anne fest. Just in diesem Moment fängt es an zu regnen. Der Sonnenschirm hält zwar einiges Wasser ab, aber die missliche Lage, in der Anne steckt, bis die Copp-Schwestern zurückkehren, wird Anne noch lange in Erinnerung bleiben. Natürlich bekommt sie die Servierplatte.

|Scharlachrot|

Die letzte Woche der Sommerferien ist angebrochen, und bald wird der Unterricht wieder losgehen. Davor wird Anne noch einmal ihren Haushalt auf Vordermann bringen, während Marilla mit den Zwillingen einkaufen geht. Sie zieht ein altes Kleid an und bindet sich das rote Haar hoch, dann streicht sie Tinktur auf ihre Nase, damit die Sommersprossen verschwinden. Sie ist fast fertig mit dem Umfüllen von Daunenfedern in ihrem Bettzeug, als es an der Tür klopft.

Vor Schreck kippt sie fast aus den Pantinen. Es ist die berühmte Schriftstellerin Charlotte Morgan mit ihrer Nichte Priscilla Grant. Unangemeldet! Beide starren Anne an, die noch diverse Federn im Haar hat. Was soll sie nur servieren?! Anne gerät völlig aus dem Häuschen und überhört gewisse dezente Hinweise auf ihr Aussehen. Sie eilt zu Diana Barry, um was zu essen zu holen, doch Diana darf es sich erlauben, Anne auf ihre Nase hinzuweisen: Sie sei scharlachrot! Au weia, Anne muss die Fläschchen verwechselt haben. Statt Antisommersprossentinktur hat sie Haarfärbemittel erwischt. Wenigstens geht das Zeug leicht ab, und so wird es noch ein schöner Nachmittag mit der Autorin, die Anne vergöttert.

|Das Geheimnis im Wald|

Um einen Weg abzukürzen, gehen Anne und Diana durch den Wald, doch sie nehmen die falsche Abzweigung und verirren sich. Dabei stoßen sie auf ein einsam gelegenes Häuschen, in dem eine ältere Dame und ein junges Mädchen leben. Anne gefällt dieser „verwunschene“ Ort sofort und sie hat keine Angst vor der Dame, die sich als Lavender Lewis vorstellt. Das Mädchen sei ihr Hausmädchen, Charlotta die Vierte.

Anne fällt sofort die Geschichte ein, die sie von Paul und Gilbert über die zwei Verlobten gehört hat, die sich vor rund 25 Jahren im Streit trennten. Was für ein Jammer, denkt sie, aber Lavender mag zwar weiße Haare haben, verhält sie allerdings, als wäre sie immer noch siebzehn – genauso alt wie Anne. Die beiden werden sofort Freunde, und wieder entdeckt Anne eine „verwandte Seele“. Sie fragt, ob sie wohl Paul Irving mitbringen darf, und Lavender sagt ja. Etwas Gutes könnte jetzt beginnen, hofft Anne.

_Mein Eindruck_

Dies ist eine der wichtigsten Folgen der gesamten zweiten Staffel. Nach einem recht komischen Auftakt um die Zerstörung und Wiederbeschaffung einer Servierplatte – teure und daher seltene Keramik in der damaligen Zeit – und um die Beweihräucherung einer bewunderten Schriftstellerin lernt Anne in Lavender Lewis eine weitere „verwandte Seele“ kennen. Sofort tritt ihr Rettungsprogramm in Kraft. Ihre romantischen christlichen Prinzipien sind bereits durch das traurige Schicksal Heather Grays strapaziert worden, nun muss sie einen Ausgleich schaffen, um dem Guten (und somit Gottes Geboten) wieder zum Sieg zu verhelfen.

Aber will Lavender Lewis überhaupt gerettet werden? Sie scheint rundum zufrieden zu sein, obwohl sie zusammen mit ihrem Hausmädchen Charlotta alleine im Wald lebt. Sie hat eine tolle Aussicht, ein tolles Echo und sieht außerdem toll aus – als würde sie in einer Zeitkapsel leben. Wie könnte es Anne da wagen, von Not zu sprechen? Sie hat zunächst Zweifel, ob Rettung angebracht ist, und erzählt erst einmal ganz dezent Paul und dadurch seinem Vater, was mit Stephen Irvings Exverlobter los ist. Das Rettungsprogramm kann schon mal im Hintergrund anlaufen.

Außerdem hat Anne selbst einen Erkenntnisprozess zu durchlaufen. Im Herbst geht sie wieder mal mit Diana, Fred und Gilbert in den Wald, um eine kleine Grillparty zu veranstalten. Dabei rückt ihr Diana den Kopf und Blick zurecht: Gilbert sei gar kein Junge mehr, wie Anne glaube, sondern ein junger Mann. Und Diana verlobt sich demnächst mit Fred, selbst schon eine junge Lady, wie alt muss dann erst Anne sein! Gilbert tituliert Anne dennoch zunächst als eine Dryade, eine Baumnymphe aus der Antike – ein Bildungstrümmerstück zum Renommieren.

Doch schon bald werden die beiden ernster. Sie bittet ihn, ihr seine Freundschaft nicht zu entziehen. Natürlich verspricht er es ihr, denn er insgeheim liebt er sie schon seit Schultagen. Sie muss sich erst noch an den Gedanken gewöhnen, dass Liebe auch ganz einfach wachsen könne und nicht wie ein Donnerschlag auf einen Blick über die Menschen hereinbreche – so beschreiben es nämlich die romantischen Schmonzetten, die sie ständig liest. Wer weiß, was Anne in ihrem Kämmerlein für Geschichten schreibt.

_Die Inszenierung_

|Die Sprecher:|

Die Hauptrolle der Anne Shirley wird von Marie Bierstedt, der deutschen Stimme von Kirsten Dunst und vielen anderen jungen Schauspielerinnen, mit Enthusiasmus und Einfühlungsvermögen gesprochen. Obwohl Bierstedt wesentlich älter ist als die siebzehnjährige Heldin, klingt ihre Stimme doch ziemlich jugendlich. Manchmal darf sie aber auch ein wenig langsamer und überlegter sprechen, besonders mit „verwandten Seelen“.

Sehr gut gefiel mir auch Heinz Ostermann, der Sprecher des Mr. Hamilton. Er legt ihm ein ganzes Spektrum von Grantigkeit, Freundlichkeit und schließlich sogar Zärtlichkeit in den Mund, dass man fast einen gerundeten Charakter vor sich hat.

Unter den weiteren weiblichen Sprecherinnen ragen die der Marilla Cuthbert (Dagmar von Kurmin) und der Rachel Lynde (Regina Lemnitz) heraus. Dagmar von Kurmin muss wie Heinz Ostermann sowohl Strenge als auch Freundlichkeit verkörpern. Regina Lemnitz ist die Inkarnation der Plaudertasche und der wandelnden Gerüchteküche. Außerdem scheint ihre Rachel Lynde Vorsitzende des Dorfverschönerungsvereins zu sein und hat entsprechend viele Sorgen um die Ohren. Und sie ist natürlich die beste Freundin von Marilla Cuthbert, die die Witwe in Folge acht in ihr Haus aufnimmt.

Lavender Lewis, gesprochen von Monica Bielenstein, der deutschen Stimme Emma Thompsons, klingt teils romantisch-verträumt, teils ein wenig traurig, aber stets freundlich und zuvorkommend. Man merkt, dass sie zwar glaubt, mit ihrem Leben zufieden sein zu können, dass ihr aber doch etwas Entscheidendes fehlt. Was könnte es nur sein?

|Geräusche|

Die Geräusche im Hintergrund sorgen für die Illusion einer zeitgenössischen Kulisse für das Jahr 1879, doch sind sie so sparsam und gezielt eingesetzt, dass sie einerseits den Dialog nicht beeinträchtigen, andererseits den Hörer nicht durch ein Übermaß verwirren. Deshalb erklingen Geräusche in der Regel stets nacheinander.

Auffällig häufig ist jedoch die Kombination aus Brandung und Vogelgezwitscher zu hören. Das ist eine Besonderheit der meerumtosten Inselumgebung. Selbstredend erklingen zahlreiche Vogelstimmen, wenn Anne mit ihren Freunden durch den Wald spaziert. Um die Epoche zu verdeutlichen, ist natürlich kein einziges Auto zu hören, sondern nur diverse Kutschen und Karren.

|Musik|

Die Musik ist ebenfalls ziemlich romantisch, voller Streichinstrumente, Harfen und Pianos. Das Klavier wird meist für melancholische Passagen eingesetzt, und diese sind ebenso wichtig wie die heiteren. Der kontrastreiche Wechsel zwischen Heiterkeit, Drama, Rührung und Melancholie sorgt für die emotionale Faszination beim Zuhörer. Die Musik steuert die Emotionen und untermalt die wichtigsten Szenen, kommt aber nicht ständig im Hintergrund vor. Ebenso wie mit den Geräuschen darf man es nicht übertreiben.

Als Intro erklingt die Erkennungsmelodie der Serie: In einem flotten Upbeat-Tempo lassen Streicher, Holzbläser und ein Glockenspiel Romantik, Heiterkeit und Humor anklingen. Alle diese Elemente sind wichtige Faktoren für den Erfolg des Buches gewesen. Warum sollten sie also ausgerechnet im Hörspiel fehlen?

_Unterm Strich_

Große Veränderungen kündigen sich an. Die Zwillinge bleiben nur fest auf Green Gables, und der Besuch der bewunderten Schriftstellerin wird zu einer mittleren Katastrophe – der besonders heiteren Sorte. Nach Annes abenteuerlicher Kletterpartie auf einem Stalldach wendet sich das Geschehen wieder ernsteren Dingen zu, darunter die Begegnung mit Lavender Lewis, deren Leben einen offensichtlichen Mangel aufweist, den man aber nicht offen aussprechen darf. Doch insgeheim startet Anne bereits ihr Rettungsprogramm für diese „verwandte Seele“. Dass sie selbst ebenfalls einer liebenden Person bedarf, realisiert sie erst ziemlich spät. Sie hat nämlich die falsche Vorstellung von Liebe. Aber das lässt sich ja korrigieren.

Besonderes Vergnügen hat mir die akustische Umsetzung des Buches bereitet. Hörbaren Spaß haben die Sprecher an ihren Rollen, und insbesondere die Hauptfigur ist von Marie Bierstedt ausgezeichnet gestaltet. Sie schluchzt, lacht, schmollt, flüstert und quasselt, dass man sich wundern muss, woher diese Vielseitigkeit stammt. In den Spider-Man-Filmen ist Kirsten Dunst nie so vielseitig. Bierstedts Anne muss sich nicht nur durch Höhen und Tiefen des Herzens lavieren, sondern auch noch weiterentwickeln.

|67 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3635-7|

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Crawford, Francis Marion / Gruppe, Marc / Bosenius, Stephan – obere Koje, Die (Gruselkabinett 34)

1899: Der junge Reisende Aldous Brisbane freut sich auf seine Fahrt mit dem Passagierdampfer |Kamtschatka| nach New York. Ihm wird die untere Koje in Kabine 105 zugeteilt, was beim Stewart leichtes Entsetzen hervorruft. Brisbane denkt sich zunächst nichts dabei, auch wenn es in der Kabine unangenehm nach Meerwasser riecht. Erst mitten in der Nacht erscheint sein Kabinengenosse, der nicht mit ihm spricht und sich in die obere Koje zurückzieht.

Wenig später wird Brisbane durch seltsames Stöhnen geweckt. Sein Mitreisender scheint seekrank zu sein und gibt ein furchtbares Röcheln von sich. Brisbane spricht ihn an, doch der Vorhang zur oberen Koje bleibt geschlossen. Als Brisbane morgens erwacht, steht zu seiner Empörung das Bullauge weit offen – eine gefährliche Nachlässigkeit auf See, die ihn sehr verärgert. Auf Deck lernt er den Schiffsarzt Hollows kennen, der gar nicht überrascht reagiert auf seinen Bericht. Stattdessen bietet er Brisbane an, für den Rest der Fahrt in seiner Kabine zu wohnen. Brisbane aber lehnt das gut gemeinte Angebot freundlich ab und will der Sache allein auf den Grund gehen.

Von Stewart und Kapitän erfährt er schließlich, dass es in Kabine 105 nicht geheuer sei. Niemand vermag es, das Bullauge dauerhaft zu verschließen, das sich immer wie von Geisterhand öffnet. Auf den letzten Fahrten hat sich jeder Reisende aus der Kabine ins Meer gestürzt. Auch Brisbanes Kabinengenosse aus der oberen Koje ist verschwunden. Inständig drängt der Kapitän darauf, dass er die Kabine verlässt. Doch Brisbane bleibt hartnäckig und will überprüfen, ob wirklich ein Gespenst am Werk ist …

_Eine der zahlreichen unheimlichen Geschichten_ aus der Feder von Francis Marion Crawford lieferte den Hintergrund für diese gelungene Hörspieladaption, die mittlerweile bereits die 34. Folge der „Gruselkabinett“-Reihe aus dem Hause |Titania Medien| ist.

|Spannung und Atmosphäre mit überzeugenden Charakteren|

Die Seefahrt gehört zu den beliebtesten Motiven der unheimlichen Literatur – kein Wunder, denn das Wasser ist per se schon ein gefährliches Element, dem der Mensch bei Unwetter leicht hilflos ausgeliefert ist. Dazu kommen die Abgeschiedenheit auf Meer und die umfangreiche Seemannsgarntradition, die viele unheimliche Gestalten in ihrem Repertoire hat. Den Machern der Serie gelingt es sehr gut, die beklemmende Stimmung an Bord einzufangen und wiederzugeben. Dabei steigert sich die Spannung ganz allmählich. Anfangs ist es nur die merkwürdige Reaktion des Stewarts auf die Kabinennummer, die auch Brisbane stutzen lässt. Das Verhalten seines Kabinengenossen schiebt er auf Seekrankheit, das offene Fenster auf Nachlässigkeit. Erst als sich zeigt, dass sich das Fenster durch keinerlei Vorkehrungen für länger als eine halbe Stunde verschließen lässt, wird deutlich, dass hier übernatürliche Mächte am Werk sind.

Es dauert eine Weile, bis der Geist tatsächlich in Aktion erscheint, aber gerade dieser langsame Aufbau tut der Geschichte gut. Da Brisbane die Geschichte als Ich-Erzähler einleitet, ist von Beginn an klar, dass er das Erlebnis überlebt hat – trotzdem verfolgt man gebannt, wie sich das Geschehen an Bord entwickelt, ob es auch diesmal Tote geben wird und wie sich Brisbane und der Kapitän dem Gespenst widersetzen. Das Geistwesen tritt persönlich erst recht spät in Erscheinung, sorgt dafür aber für ein paar beklemmende und dramatische Momente.

Ein großer Pluspunkt sind auch die Figuren, denen in diesem Kammerspiel-Szenario große Bedeutung zukommt. Im Mittelpunkt steht Aldous Brisbane, der so gar nicht an Gespenster glaubt und sehr ärgerlich auf die Erzählungen vom angeblichen Spuk reagiert. Brisbane ist ein klassischer Zweifler, der für alles Seltsame zunächst eine natürliche Erklärung findet und sich durch nichts abschrecken lässt. Für Aberglaube hat er nur gutmütigen Spott übrig, und je mehr sich die Vorfälle häufen, desto stärker beharrt er darauf, seine Kabine zu behalten. Witzig ist sein entgeisterter Kommentar „Wir sind auf einem Dampfer – wie weit kann ein Mensch da kommen?“ als der Kapitän ihm berichtet, sein Kabinengenosse sei spurlos „verschwunden“, und zeigt sein ganzes Unverständnis darüber, wie selbstverständlich die Besatzung den Gedanken an einen Geist hinnimmt. Selbst bei der ersten Begegnung mit dem Geist weigert sich Brisbane, an etwas Übernatürliches zu glauben. Sein Trotz geht so weit, dass er die Gefahr gerne in Kauf nimmt und lieber an Halluzinationen glaubt als an Spuk.

Anders sieht es bei dem Schiffsarzt Dr. Hollows aus. Obwohl ein Mann der Wissenschaft und durchaus sehr vernünftig, akzeptiert er das Gespenst als solches und sorgt sich ernsthaft um den jungen, unbelehrbaren Passagier. Der Kapitän schließlich ist auch geneigt, an den Spuk zu glauben, erklärt sich aber später tapfer bereit, gemeinsam mit Brisbane der Sache auf den Grund zu gehen.

|Sehr gute Besetzung|

Wie üblich bei |Titania Medien|, wurde auch hier sehr große Sorgfalt auf die Auswahl der Sprecher gelegt. Axel Malzacher, der bereits u. a. Tom Hollander, Cary Elwes und Josh Brolin in mehreren Rollen synchronisierte, spricht die Hauptfigur. Gut gelungen ist der leichte Unterschied zwischen dem ernsten Ton, den er in der rückblickenden Rahmenhandlung anschlägt und der etwas hellen Stimmlage mit einem energischen Unterton, die zu dem ungeduldigen Jüngling passt, den er in der Binnenhandlung darstellt.

Ein Gewinn für jedes Hörspiel ist der brillante Jürgen Thormann, dessen markante, sympathische und leicht aristokratische Stimme als deutsche Version von Sir Michael Caine berühmt ist und der in dieser Folge bereits zum siebten Mal in der Gruselkabinett-Reihe mitwirkt. Der vernünftige und zugleich sehr menschliche Schiffsarzt Dr. Hollows ist eine passende Rolle, die Thormann wunderbar auszufüllen versteht. Eine kleine, aber feine Rolle hat Tobias Nath als Steward Robert, der große Angst vor dem Spuk hat und sehr überzeugend mit ängstlichem und eindringlichem Ton spricht. Die Soundeffekte sind sehr überzeugend eingesetzt. Zwischendurch spielt ganz leise Musik im Hintergrund, dezent genug, um nie den Redefluss zu stören. Für einen besonderen Gruseleffekt sorgt das Raunen und Kichern des Geistes, das sich unheilvoll steigert.

|Kleine Schwächen|

Zunächst ist es ein kleines Manko, dass der Hintergrund des Geistes um Dunkeln bleibt. Der Kapitän erzählt Brisbane zwar von den früheren Geschehnissen in der Kabine, aber was genau sich hinter der Geschichte verbirgt, bleibt offen. Das ist schade, denn nur zu gut hätte in diese Situation eine kleine dramatische bis melancholische Sage gepasst, stattdessen bleibt nur Spekulation. Ein bisschen seltsam und unlogisch ist zudem, dass überhaupt nach den wiederholten Vorfällen noch Passagiere in die Kabine 105 gelassen werden. Würde der Kapitän nicht an das Gespenst glauben, wäre das in Ordnung, da er aber Brisbane selbst dazu rät, nicht dorthin zurückzukehren, fragt man sich unweigerlich, wieso dieses Risiko überhaupt noch eingegangen wird. Zu guter Letzt nimmt es ein klein wenig von der Spannung, dass Brisbane in der Rahmenhandlung als Ich-Erzähler auftritt – denn dadurch weiß man schon, dass er das Abenteuer heil überstanden hat.

_Als Fazit_ bleibt ein sehr atmosphärisches Hörspiel auf hoher See, das, wie für die Reihe üblich, sehr überzeugend umgesetzt ist. Die Handlung vereint Spannung mit gelungenen Charakteren und die Sprecher sind perfekt besetzt. Der Grusel tritt zwar erst recht spät auf, die Hintergrundgeschichte hätte stärker ausgebaut werden können und es gibt eine kleine Logikschwäche, aber insgesamt ist die Folge absolut zu empfehlen.

_Die Sprecher_:

Aldous Brisbane: Axel Malzacher (dt. Stimme von Sean Patrick Flanery)
Robert, Steward: Tobias Nath (Luke Kirby)
Dr. Morten Hollows: Jürgen Thormann (Michael Caine)
Cpt. Grady: Peter Reinhardt (Jeff Daniels)
Joseph Carlyle: Uwe Büschken (Hugh Grant)
Mitreisender: Markus Pfeiffer (Colin Farrell)
Ertrunkener: Uli Krohm (Omar Sharif)

_Der Autor_ Francis Marion Crawford wurde 1854 in Italien als Sohn amerikanischer Eltern geboren. Sein Studium führte ihn unter anderem an die Universitäten von Heidelberg, Rom und Harvard. 1882 erschien sein erster Roman, der sofort ein Erfolg wurde. Im Laufe seiner Karriere verfasste er mehr als 40 Romane und zahlreiche Kurzgeschichten, die oft in Italien angesiedelt sind, wo er auch 1909 verstarb. Zu seinen Werken gehören unter anderem „Mr Isaacs“, „Khaled“ und „Saracinesca“.

|Originaltitel: The Upper Berth, 1886
60 Minuten auf 1 CD
ISBN-13: 978-3-7857-3824-5|

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http://www.luebbe-audio.de

_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“ 5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“ 5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“ 5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“ 5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“ 5752 (Gruselkabinett 33)
[„Das Schloss des weißen Lindwurms“ 5807 (Gruselkabinett 35)

Kleinbaum, Nancy H. / Schulman, Tom – Club der toten Dichter, Der

_Nutze den Film!_

In den Jahren 1989/90 schaffte es ein vergleichsweise leiser Film, sich neben Hollywood-Blockbustern wie „Batman“ in den internationalen Kinos zu positionieren und dadurch zu einem Welterfolg für seinen Regisseur sowie zum Karrieresprungbrett für die Darsteller zu werden. Die Rede ist von Peter Weirs „Der Club der toten Dichter“. Darin gelingt es dem Englischlehrer Mr. Keating (Robin Wiliams) mit seinen unkonventionellen Unterrichtsmethoden, an der erzkonservativen Internatsschule „Welton“ zu einer Inspiration für einige seiner Schüler zu werden, welche sich von seinen romantischen Idealen anstecken lassen und sich zum ersten Mal in ihrem Leben mit der Frage „Was bin ich und wer möchte ich sein?“ auseinandersetzen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war ihr Lebensweg allein von ihren Eltern vorgegeben worden und bestand im Wesentlichen aus dem Auswendiglernen von Lehrstoff im Unterricht und bei Hausaufgaben sowie in selbst gegründeten Lerngruppen. Auf diesem Wege sollten sie sich auf eine erfolgreiche Universitätslaufbahn vorbereiten, um später angesehene Berufe zu ergreifen. Kreativität, eigene Denkleistungen oder gar die Frage der Selbstfindung spielen in diesem System keine Rolle. Alles dreht sich um Tradition, Ehre, Disziplin und Leistung. Der Film vermittelt die geistige Enge des Lebens in Welton über physisch bedrückend kleine Räume und schmale Flure. Dem steht die Weite und Farbenpracht der herbstlichen Natur gegenüber, in welche Keating immer wieder seinen Unterricht verlagert.

Sich kontrastierend gegenüber stehen auch Schlüsselszenen für die Lehrmethoden, welche zu den gewünschten Ergebnissen führen sollen; beispielsweise die Unterrichtsstunde, in der Keating seine Schüler dazu auffordert, einen Aufsatz über eine extrem formale Herangehensweise an Literatur aus ihren Lehrbüchern zu reißen oder eine Lateinstunde bei einem andere Lehrer, in welcher im monotonen Tonfall Substantive dekliniert werden.

Bei einigen Schülern fallen Keatings Ideen und die von ihm favorisierten Werke der englischen Romantik auf fruchtbaren Boden. In Anlehnung an Thoreaus „Walden“ gehen auch sie in die Wälder, um bewusst zu leben. Sie lassen den verbotenen „Club der toten Dichter“ wieder aufleben, dem auch Keating während seiner Schulzeit in Welton angehört hatte, und treffen sich in einer Höhle, um sich gegenseitig Gedichte vorzutragen und sich somit mit anderen Lebensentwürfen zu beschäftigen als denen, welche ihre Eltern bisher vorgeben haben. Allmählich wird aus dem Vortragstreffen eine Gelegenheit, um eigene Gedichte zu präsentieren, sich erstmals ernsthaft mit dem Thema „Mädchen“ zu beschäftigen und Zukunftspläne zu schmieden. Der Zuschauer erhält endlich den Eindruck, dass er ganz normale Teenager vor sich hat.

Der stille Schüler Todd wird unter Keating selbstbewusster. Knox gewinnt mit seiner Poesie und Hartnäckigkeit das Herz eines Mädchens. Charlie wird zum rebellischen Aufrührer und beginnt bewusst zu provozieren. Klar fokussiert der Film jedoch auf die Entwicklung von Neil, welcher sich von seinem tyrannischen Vater unterdrückt fühlt und keinen anderen Ausweg aus dem Widerspruch zwischen dem Lebensentwurf, den sein Vater für ihn vorgesehen hat, und seinem Traum, ein Schauspieler zu werden, sieht, als sein Leben zu beenden. Damit nimmt der Plot eine tragische Wende. Der Schuldige am Selbstmord Neils ist in Mr. Keating, welcher die Jungen vorgeblich dazu animiert hat, sich den Wünschen (Befehlen) der Eltern zu widersetzen, schnell gefunden. Er muss die Schule verlassen. Auch für Charlie ist kein Platz mehr in Welton, da er sich als Einziger standhaft weigert, ein vorgefertigtes Schreiben, welches Mr. Keating belastet, zu unterzeichnen. Alle anderen Schüler geben dem Druck durch Eltern und Schulleiter nach. Ihnen bleibt nur noch, ihrem Lehrer in einer dramatischen Abschlussszene, die Referenz zu erweisen.

_So weit der Film_ – er ist ein Klassiker geworden. Für weniger Film-affine Geister hat Nancy Kleinbaum das Drehbuch in eine Erzählung unter dem gleichen Namen umgeschrieben. Diese beschreibt in einfachen Sätzen und vom betörenden Geist des Films völlig uninspiriert die Handlung und gibt die Dialoge wieder. Leider hält sie sich bei den Dialogen häufig nicht an die exakte Wiedergabe des Drehbuchs. Dabei gehen viele Metaphern verloren oder werden zu unkenntlichen Worthülsen – so geschehen mit dem „zahnschwitzenden Verrückten“ Walt Whitman, der bei Kleinbaum zum „Verrückten mit dem Kuchenzahn“ wird. Die zahlreichen zitierten Werke der Weltliteratur stehen in ihrer Wortgewalt im starken Kontrast zur schlichten Sprache der Autorin.

Ein wesentlicher Mangel des Buches ist auch die nicht vorhandene Schilderungsfähigkeit der Autorin. Die inszenierte Landschaft sowie ihre Bedeutung und ebenfalls die Entwicklung Neils kann Kleinbaum nicht überzeugend umsetzen, da es ihr nicht gelingt, die atmosphärische Dichte der Filmbilder in Worte zu fassen. Im Gegenzug konzentriert sich das Buch stärker auf die Entwicklung von Todd. Hierbei werden jedoch Handlungen eingefügt, welche Todd als wesentlich selbständiger erscheinen lassen, als er eigentlich ist. Im Buch unterschreibt er die Erklärung nicht und bleibt in dieser Szene bereits in Opposition zu seinen Eltern und der Schulleitung. Tatsächlich erhält die Situation jedoch mehr Dramatik und Glaubhaftigkeit, wenn man erkennen muss, dass die Jungen unter den Augen und dem Druck der Eltern sowie der Schule lange nicht so weit gereift sind, um das Motto Keatings „Nutze den Tag“ umsetzen zu können. Aufgrund ihres Alters und ihrer Position sind sie vielmehr immer noch dazu gezwungen, nicht „am Knochen zu ersticken“, während sie versuchen „das Mark des Lebens in sich aufzusaugen“. Das etwas lieblos zusammengeschusterte Buch ist also alles andere als geeignet, den Erfolg des Filmes fortzusetzen.

_Dennoch hat |Lübbe Audio|_ sich 2009 dazu entschlossen, eine Hörbuchfassung aufzunehmen. Wer wäre nun besser geeignet, diese Erzählung über den ewigen Versuch der Rebellion der Jugend gegen die Alten und deren Lebensstrukturen, zu lesen, als einer der „jungen Wilden“ der deutschen Nachwuchsstars? Mit Robert Stadlober haben die Herausgeber einen für sein Rebellenimage bekannten Jungschauspieler gewonnen, der in Filmen wie „Crazy“ bereits in Außenseiterrollen überzeugt hat. Obwohl er gelegentlich über die holprigen Satzkonstruktionen oder zahlreichen Worthäufungen der Erzählung stolpert und manches im gesprochenen Wort noch viel unbeholfener klingt als beim Lesen, gelingt es ihm doch, das Maximale aus dem Werk herauszuholen. Sein Können wird besonders deutlich an den Stellen, an denen er die sehr ausführlich wiedergegebenen Zitate der Klassiker liest. An die äußerst lebendigen Synchronstimmen u. a. von Robin Williams, namentlich an Peer Augustinsky, reicht er leider nicht heran. Doch insgesamt gelingt es ihm, Dialoge lebendig zu gestalten, was vermutlich bei reichlich männlichen Stimmen im selben Altersbereich nicht ganz einfach ist.

|Lübbe| hat die Erzählung auf vier CDs gepresst und sehr ansprechend in einer aufklappbaren Papphülle verpackt sowie mit kurzen Einführungstexten zur Biografie Kleinbaums und Robert Stadlobers sowie zum Plot der Erzählung versehen. Außerdem werden Fans sofort die Bilder des Films vor Augen haben, wenn sie das Zitat aus der „O Captain, mein Captain“-Szene oder die Zeilen von Tennyson „Oh, ich, oh Leben …“ vorgelesen bekommen. Unverkennbar ist auch das Cover, welches sich des Filmplakats bedient und sofortigen Wiedererkennungswert garantiert. Empfehlen kann man das Hörbuch jedem, für den gerade keine Möglichkeit besteht, sich den Film anzusehen, welcher dem schwachen Buch unbedingt und daher leider auch dem Hörbuch vorzuziehen ist. Ganz deutlich wird das ebenfalls beim Preis. Mit knapp 20 Euro ist man beim Hörbuch dabei. Die DVD gibt es neu bereits für knapp 8 Euro.

|216 Minuten auf 4 CDs
gelesen von Robert Stadlober
empfohlen ab 12 Jahren
ISBN-13: 978-3-7857-3831-3|
http://www.luebbe-audio.de

Gloge, Andreas / Sassenberg, Volker – Point Whitmark: Eiland der Gespenster (Folge 27) (Hörspiel)

Folge 1: [„Die Bucht der 22 Schreie“ 5128
Folge 2: [„Die rote Hand des teufels“ 5256
Folge 22: [„Die blutenden Schlüssel“ 4793
Folge 23: [„Der Duft der Finsternis“ 5058
Folge 24: [„Am Tag der großen Flut“ 5410
Folge 25: [„Die fiebrigen Tränen“ 5551
Folge 26: [„Die Diener der Pest“ 5743

_Kurzbeschreibung:_

Jay, Derek und Tom werden Zeugen eines seltsamen Gesprächs zwischen Point Whitmarks Pfarrer Vater Callahan und einem gewissen Eldridge Buchanan, welches sie dazu veranlasst, mit dem Geistlichen umgehend auf den Landsitz der Buchanans am Lake Erryn zu fahren. Angeblich soll hier das Gespenst von Eldridges ertrunkener Frau Delora umgehen.

Tatsächlich werden die drei Jungen im dichten Nebel mit einer gesichtslosen weißen Frauengestalt und einer plötzlich aus dem Nichts auftauchenden Insel konfrontiert.

Um hinter das Geheimnis um den ruhelosen Geist zu kommen, wühlen die drei von Point Whitmark in der dramatischen Vergangenheit Buchanans und stoßen auf mehrere Ungereimtheiten. Insbesondere der mysteriöse Unfall Lady Deloras wirft noch einige Fragen auf: Was weiß Coyle McLeash, der Wärter an der Staumauer von Lake Erryn? Und was hat es mit dem verschlossenen Raum in dem düsteren Haus Buchanans auf sich?

Bei einem nächtlichen Ausflug auf den See geraten die Jungs an der Staumauer in tödliche Gefahr, doch gleichzeitig lüften sich nebst den dichten Nebelschleiern auch langsam die Schleier um das Rätsel, was Buchanans Visionen und schreckliche Alpträume betrifft …

_Meine Meinung:_

Schaurig schön geht es am Lake Erryn zu. Vor allem die stets dichte und undurchdringliche Nebelwand sorgt für die ideale Grusel-Atmosphäre und gibt dieser |Point Whitmark|-Folge ihre ganz eigene Würze. Dazu gesellt sich eine nett durchdachte und wirklich dramatische Geschichte, die mit einem überraschenden Finale abgeschlossen wird.

Eine anständige Prise Mystery, dazu eine klassische Spukgestalt – die legendäre „weiße Frau“ -, eine düstere Geschichte und die passende Kulisse machen dieses Abenteuer von Jay, Tom und Derek wieder mal zu einem ganz besonderen Leckerbissen.

Nach der etwas enttäuschenden Mittelalter-Nummer „Die Diener der Pest“ kommt wieder die angenehme Gänsehaut ins Spiel. Keine schrägen lauten Charaktere, sondern vielmehr ein paar undurchsichtige Figuren, vereint mit einer großartigen Sprecherleistung vor einem relativ leisen Hintergrund gewinnen bei dieser Folge.

Gleichzeitig muss man auch das fantastische, stimmungsvolle Coverbild loben, welches dem Ganzen noch das passende Krönchen aufsetzt. Hierfür zeigt ein dicker Daumen nach oben.

_Besetzung:_

|Erzähler:| Jürg Löw
|Jay Lawrence:| Sven Plate (Whil ‚Wesley Crusher‘ Wheaton in „Star Trek“, Ewan McGregor in „Emergency Room“)
|Tom Cole:| Kim Hasper (James Franco, Jason Biggs, Brendan Fehr in „Roswell“ & „CSI: Miami“)
|Derek Ashby:| Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio, Giovanni Ribisi, Scott Caan)
|Isaac Gudjonsson:| Jürgen Kluckert (Chuck Norris, Morgan Freeman in „Robin Hood“)
|Coyle McLeash:| Marius Götze-Claren
|Vater Callahan:| Heinz Ostermann
|Eldridge Buchanan:| Rüdiger Evers
|Marvin Trotter:| Olaf Reichmann
|Mrs Irkwood:| Karin David (Donna Mills, Morgan Fairchild)
|Sandy Mills:| Melanie Hinze (Brittany Murphy)

_Produktion:_

Idee & Konzeption: Volker Sassenberg
Drehbuch: Andreas Gloge & Decision Products
Musik: Matthias Günthert, Markus Segschneider, Volker Sassenberg & Manuel Rösler
Ton & Schnitt: Volker Sassenberg & Marc Sander
Illustration: Ingo Masjoshusmann
Regie: Volker Sassenberg
Produktion: Volker Sassenberg
Aufgenommen und gemischt unter Finians Regenbogen
Verlegt durch ROBIL BOR Music
Im Handel seit dem 7. August 2009

http://www.pointwhitmark.de
http://www.folgenreich.de
http://www.karussell.de

Poe, Edgar Allan / Gruppe, Marc – Untergang des Hauses Usher, Der (Gruselkabinett 11)

Baltimore, 1845: Fünfzehn Jahre sind vergangen, seit Philipp Belfield und Roderick Usher zusammen zur Schule gingen. Jetzt erreicht Philipp ein Brief seines Jugendfreundes, in dem dieser ihn dringend um einen Besuch bittet. Philipp kommt dem Wunsch gern nach und reist auf den abgelegenen Stammsitz der Familie Usher, der in einem Sumpfland liegt. Er freut sich auf das Wiedersehen, doch schon die Ankunft verläuft merkwürdig.

Der Butler Briggs, den Philipp noch aus früheren Tagen kennt, ist sehr erstaunt über seinen Besuch, denn Roderick hat nichts angekündigt. Damit nicht genug, es wird grundsätzlich seit Jahren kein Besuch im Hause Usher empfangen, sodass die Einladung sehr ungewöhnlich ist. Dazu bittet Briggs Philipp inständig, jedes laute Geräusch zu vermeiden. Die Fenster sind verhangen, die Uhren abgestellt.

Philipp begegnet zunächst Madeline, Rodericks Zwillingsschwester, die ihn gar nicht wiedererkennt und hysterisch bittet, sie zu befreien. Nur langsam beruhigt sie sich und Philipp ist froh, als er endlich zu Roderick gebracht wird. Entsetzt sieht er, dass sein Freund in einem dunklen Zimmer sitzt und sehr elend aussieht. Roderick erklärt ihm, dass ihn ein altes Familienleiden befallen hat, das ihn zur extremen Empfindsamkeit verdammt. Jedes Geräusch und jeder Lichtstrahl quälen seine empfindlichen Sinne. Nur Philipps Gegenwart könne ihm ein wenig Zerstreuung verschaffen. Außerdem behauptet er, dass Madeline dem Wahnsinn nahe sei. Philipp solle ihren Worten auf keinen Fall glauben. Madeline wiederum warnt Philipp vor Roderick und glaubt, sie sei in Lebensgefahr …

_Edgar Allan Poes_ schauerromantische Erzählung aus dem Jahr 1839 bietet eine ideale Vorlage für die Reihe „Gruselkabinett“, die mit viel Mühe klassische Werke der unheimlichen Literatur für Hörer ab dem Jugendalter umsetzt.

|Freie Umsetzung|

Der Kern der Erzählung ist natürlich unverändert geblieben, aber die Vertonung hat einige Anpassungen vorgenommen. Der Butler Briggs existiert nicht in der Vorlage, auch gibt es dort mehr als einen Diener, während im Hörspiel Briggs betont, dass er der einzige verbliebene Bedienstete ist, was den unheimlichen Charakter verstärkt. Madelines Rolle ist in der Vorlage deutlich kleiner, der Ich-Erzähler begegnet ihr erst später, er spricht kaum mit ihr und auch ihre eindringliche Warnung fällt weg, ebenso wie die eindrucksvolle Szene in der Familiengruft. Dass in der Vorlage fast nur der Ich-Erzähler spricht, musste fürs Hörspiel natürlich ohnehin angepasst werden. Insgesamt sind die Veränderungen sehr zu begrüßen, da sie behutsam eingesetzt werden, ohne den Sinn der Vorlage zu entstellen.

|Spannung und Atmosphäre|

Alles beginnt bereits unheilvoll mit dem seltsamen Brief des ehemaligen Jugendfreundes, der fast verzweifelt klingt und schon früh andeutet, dass den Ich-Erzähler Philipp eine schwere Zeit erwartet. Das einsam gelegene Anwesen, der steife, ahnungslose Butler und die verhangenen Fenster beschwören rasch eine intensive düstere Atmosphäre herauf, sodass man der Handlung gebannt folgt. Obwohl als Kammerspiel inszeniert und mit nur sehr wenigen Figuren ausgestattet, wird der Hörer durchweg gefesselt von den offenen Fragen, die sich erst kurz vor Schluss beantworten.

Spannung versprechen vor allem die widersprüchlichen Angaben Rodericks und Madelines. So wie Philipp ist auch der Hörer selbst hin- und hergerissen in der Entscheidung, wem von beiden zu trauen ist und wer womöglich an Wahnvorstellungen leidet. Da ist die hysterische Madeline, die Philipp dringend ermahnt, ihrem Bruder nicht zu glauben, die ihn anfleht, sie aus dem Haus fortzubringen, und ihm in der unterirdischen Gruft ein furchtbares Familiengeheimnis anvertraut. Und da ist auf der anderen Seite Roderick, der sehr glaubwürdig von seiner kranken Schwester erzählt, sodass Philipp zu Recht nicht sagen kann, wem man eher trauen darf. Die Handlung verläuft geradlinig und spitzt sich gleichmäßig zu, ehe sie den brisanten Höhepunkt erreicht. Für Dramatik ist reichlich gesorgt und auch der Gruselfaktor kommt nicht zu kurz.

Der Ich-Erzähler Philipp eignet sich, auch wenn man nicht viele Informationen über ihn erhält, gut als Identifikationsfigur für den Hörer. Er präsentiert sich als offener, sympathischer junger Mann, der sich anfangs ganz unvoreingenommen auf seinen alten Jugendfreund freut und anschließend von den Ereignissen immer mehr überfordert wird. Obwohl er die Geschichte rückblickend erzählt, nimmt er nicht zu viel von der Entwicklung der Geschehnisse vorweg. Madeline und Roderick hinterlassen gemischte Gefühle – Madeline erweckt Mitleid, nachdem sie das grausige Familiengeheimnis erzählt hat, und Roderick ebenso aufgrund seiner Krankheit. Dennoch wagt man nicht, ihnen gänzlich zu vertrauen, vor allem, da sie stets unberechenbar bleiben.

|Gute Sprecher|

Oliver Feld spricht den jungen Ich-Erzähler sehr sympathisch und passt zu dem offenen, humorvollen Philipp Belfield. Seine Stimme kennt man vor allem aus der Titelrolle der Serie „Seinfeld“ und als Dr. Carter in „Emergency Room“. Tobias Kluckert wiederum spricht überzeugend den düsteren Roderick Usher. Er wirkte bereits öfter in der |Gruselkabinett|-Reihe mit, so in „Der Freischütz“ und in „Frankenstein“. Ansonsten synchronisierte er vereinzelt Filme und Serien mit Gerard Butler, Joaquin Phoenix und Kevin McKidd. Claudia Urbschat-Mingues ist eine sehr häufig gewählte Synchronsprecherin, unter anderem als deutsche Stimme von Angelina Jolie und Jennifer Connelly. Zu ihr passen ausdrucksstarke Rollen, allerdings liegt sie mit der Theatralik der hysterischen Madeline teilweise schon hart an der Grenze zum Übertriebenen. Umso schöner sind die musikalischen Untermalungen, die angenehm dezent gehalten sind.

|Kaum Schwächen|

Abgesehen von Kleinigkeiten ist die Umsetzung sehr gelungen. Dazu gehört etwa die ein wenig zu schwülstige Sprache. Natürlich wird hier der Vorlage gefolgt, denn Edgar Allan Poe ist für diese Schnörkeleien bekannt, trotzdem hätten die Dialoge ein bisschen weniger gestelzt gestaltet werden können. Der zweite kleine Punkt ist, dass Philipp ein bisschen zu unbedarft auf die seltsamen Ereignisse im Hause Usher reagiert. Schon allein das Verhalten des Butlers und dessen dunkle Andeutungen hätten ihn sehr misstrauisch machen müssen, und es dauert ein Weilchen, ehe er seine Naivität ablegt.

_Als Fazit_ bleibt eine gelungene Hörspielumsetzung von Edgar Allan Poes Erzählung, die mit guten Sprechern, intensiver Atmosphäre und viel Spannung aufwarten kann. Die Veränderungen gegenüber der Vorlage sind sehr sinnvoll und ändern nichts am Kern der Geschichte. Von ganz kleinen Punkten abgesehen eine sehr empfehlenswerte Folge.

_Sprechernamen:_

Philipp Belfield: O. Feld
Roderick Usher: T. Kluckert
Madeline Usher: C. Urbschat-Mingues
Briggs: K. Eichel

_Der Autor_ Edgar Allan Poe lebte von 1809 bis 1849. Der amerikanische Schriftsteller gilt als einer der wichtigsten Vertreter der Kriminal- und Horrorliteratur. Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Die Morde in der Rue Morgue“, „Metzengerstein“, „Die Grube und das Pendel“, „Die Maske des Roten Todes“ und das Gedicht „Der Rabe“.

|Originaltitel: The Fall of the House of Usher, 1845
60 Minuten auf 1 CD|

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_Das |Gruselkabinett| auf |Buchwurm.info|:_

[„Carmilla, der Vampir“ 993 (Gruselkabinett 1)
[„Das Amulett der Mumie“ 1148 (Gruselkabinett 2)
[„Die Familie des Vampirs“ 1026 (Gruselkabinett 3)
[„Das Phantom der Oper“ 1798 (Gruselkabinett 4)
[„Die Unschuldsengel“ 1383 (Gruselkabinett 5)
[„Das verfluchte Haus“ 1810 (Gruselkabinett 6)
[„Die Totenbraut“ 1854 (Gruselkabinett 7)
[„Spuk in Hill House“ 1866 (Gruselkabinett 8 & 9)
[„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ 2349 (Gruselkabinett 10)
[„Untergang des Hauses Usher“ 2347 (Gruselkabinett 11)
[„Frankenstein. Teil 1 von 2“ 2960 (Gruselkabinett 12)
[„Frankenstein. Teil 2 von 2“ 2965 (Gruselkabinett 13)
[„Frankenstein. Teil 1 und 2“ 3132 (Gruselkabinett 12 & 13)
[„Die Blutbaronin“ 3032 (Gruselkabinett 14)
[„Der Freischütz“ 3038 (Gruselkabinett 15)
[„Dracula“ 3489 (Gruselkabinett 16-19)
[„Der Werwolf“ 4316 (Gruselkabinett 20)
[„Der Hexenfluch“ 4332 (Gruselkabinett 21)
[„Der fliegende Holländer“ 4358 (Gruselkabinett 22)
[„Die Bilder der Ahnen“ 4366 (Gruselkabinett 23)
[„Der Fall Charles Dexter Ward“ 4851 (Gruselkabinett 24/25)
[„Die liebende Tote“ 5021 (Gruselkabinett 26)
[„Der Leichendieb“ 5166 (Gruselkabinett 27)
[„Der Glöckner von Notre-Dame“ 5399 (Gruselkabinett 28/29)
[„Der Vampir“ 5426 (Gruselkabinett 30)
[„Die Gespenster-Rikscha“ 5505 (Gruselkabinett 31)
[„Jagd der Vampire. Teil 1 von 2“ 5730 (Gruselkabinett 32)
[„Jagd der Vampire. Teil 2 von 2“ 5752 (Gruselkabinett 33)
[„Die obere Koje“ 5804 (Gruselkabinett 34)

Beagle, Peter S. – letzte Einhorn, Das

Wenn man ein wunderschönes, unsterbliches Einhorn in einem idyllischen Wald ist, hat man kaum Wünsche. Und so lebt auch das letzte Einhorn aus Peter S. Beagles gleichnamigem Roman zunächst von einem Tag zum nächsten – bis ihm eines Tages aufgeht, dass es schon seit langer Zeit keinem anderen Einhorn mehr begegnet ist. Als ihm dann auch noch ein Schmetterling flüstert, dass alle anderen Einhörner von einem Roten Stier fortgetrieben wurden, beschließt es schweren Herzens, seine Heimat zu verlassen, um sich auf die Suche nach seinen Artgenossen zu machen.

Und wie das bei einem Abenteuer eben ist, findet das Einhorn auf seiner Reise eine Reihe von Gefährten, die es in seiner Suche unterstützen. Da wäre zunächst der glücklose Zauberer Schmendrick, der das Einhorn aus den Fängen Mami Fortunas befreit, die es gefangen genommen hatte, um es in ihrem fahrenden Zirkus auszustellen. Als nächste stößt Molly Grue zu der kleinen Gruppe, die vom Leben enttäuschte Gefährtin eines Räubers mit literarischen Ambitionen.

Bald treffen die drei auf den Roten Stier, der im Auftrag des verhärmten Königs Haggard auch das letzte Einhorn fangen soll. Um es zu retten, verwandelt es Schmendrick in eine junge Frau. In der Hoffnung, auf König Haggards Schloss Hinweise auf den Verbleib der anderen Einhörner zu finden, gehen sie bei Haggard in Dienst, woraufhin sich dessen Adoptivsohn Prinz Lír sofort in die schweigsame Lady Amalthea verliebt – keine andere als das letzte Einhorn. Zunächst ignoriert diese Lírs Annäherungsversuche, doch je mehr Zeit vergeht, desto mehr vergisst sie auch ihre wahre Gestalt und ihren Auftrag. Um also zu verhindern, dass Lady Amalthea den Prinzen heiratet, muss Schmendrick einen Weg finden, sie wieder in ein Einhorn zurückzuverwandeln.

Natürlich muss sich auch Peter S. Beagles 1968 erstveröffentlichter Fantasyroman „Das letzte Einhorn“ – wie wohl jeder Roman dieses Genres – mit dem allgegenwärtigen [„Der Herr der Ringe“ 5487 von J. R. R. Tolkien vergleichen lassen. Doch was Beagles melancholisches Märchen eben gerade zu etwas Besonderem macht, ist die Tatsache, dass es eine Art Gegenpol zu Tolkiens episch angelegtem Geschichtsentwurf ist. „Das letzte Einhorn“ ist geradlinig, fast schon minimalistisch und kann gerade damit gegenüber dem 1300-Seiten-Schinken über Mittelerde durchaus bestehen.

Was Beagles Roman so anrührend macht, sind die liebevoll gezeichneten Charaktere. Denn obwohl „Das letzte Einhorn“ eine Abenteuergeschichte ist – die Erzählung einer „quest“ -, die von Helden bevölkert sein muss, die übermenschliche Dinge vollbringen, um ihr Ziel zu erreichen, sind diese Figuren in der Regel alles andere als heldenhaft. Beagle beschreibt durchweg Verlierer, tragische Charaktere, deren Schicksal es ist, ständig die falschen Entscheidungen zu treffen. Das Einhorn lässt sich blauäugig auf ein Abenteuer ein, das es ab einem gewissen Punkt nicht mehr bewältigen kann. Schmendrick der Zauberer hadert mit seiner Mittelmäßigkeit und der offensichtlichen Tatsache, dass er dem Einhorn kaum eine Hilfe ist. Und der einzige wirkliche Held Lír – der auch im Text als solcher bezeichnet wird – wird für seine Taten nur mit dem Tod belohnt.

Es ist wohl aber Molly Grue, die dem (erwachsenen) Leser – und vielleicht auch dem Autor – am nächsten steht. Alt, verhärmt, vom Leben gezeichnet und ohne Hoffnung, ruft sie dem Einhorn bei ihrer ersten Begegnung verzweifelt zu: „Wo warst du, als ich jung war? Warum kommst du erst jetzt?“ Sie ist damit das Sprachrohr einer Generation ohne Träume, ohne Fantasie, die erst langsam wieder lernen muss, was es heißt zu hoffen und zu wagen.

Beagles Geschichte ist ein Juwel von einem Roman. „Das letzte Einhorn“ lässt sich als Märchen lesen, doch es bietet ironische Passagen, die unsere Realität spiegeln, ebenso wie metaliterarische Einschübe. So gibt es für jeden Leser und jedes Lesealter etwas zu entdecken, auch wenn „Das letzte Einhorn“ keineswegs in erster Linie Jugend- oder gar Kinderliteratur ist (dazu ist der Grundton der Erzählung einfach zu melancholisch).

|Der Hörverlag| hat „Das letzte Einhorn“ als ungekürzte Lesung auf sieben CDs herausgebracht, ansprechend aufgemacht in einer blauen Box mit Booklet. Als Sprecher läuft hier Andreas Fröhlich zu Hochform auf, der sicher vielen Hörbuch-Interessierten ein Begriff ist. Bei einem so wandelbaren Sprecher besteht nie die Gefahr, dass die sieben CDs lang oder eintönig erscheinen, denn Fröhlich gibt jeder Figur ihre ganz eigene Stimme. Er reimt, er singt, er klagt – da bleiben wirklich keine Wünsche offen.

„Das letzte Einhorn“ ist wohl ein Roman, der im amerikanischen Original noch größere Strahlkraft entwickelt. So schafft die Übersetzung von Jürgen Schweier zwar teilweise wirklich wunderbare Wendungen, doch wirft sie den Leser von Zeit zu Zeit auch mit Modernismen wie „D-Zug“ aus dem märchenhaften Ton der Erzählung. Wenn es aber tatsächlich die deutsche Übersetzung sein soll, dann ist man mit dem Hörbuch des |Hörverlags| wirklich gut beraten. Man bekommt hier auf sieben CDs eine solide und liebevoll gemachte Hörversion des Fantasyklassikers, der das Märchen vom letzten Einhorn auf ganz neue Art erlebbar macht.

|Siege ergänzend dazu auch unsere Besprechung zu [„Die Sonate des Einhorns“. 1286 |

http://www.hoerverlag.de

Gloge, Andreas / Sassenberg, Volker – Point Whitmark: Die Diener der Pest (Folge 26) (Hörspiel)

Folge 1: [„Die Bucht der 22 Schreie“ 5128
Folge 2: [„Die rote Hand des teufels“ 5256
Folge 22: [„Die blutenden Schlüssel“ 4793
Folge 23: [„Der Duft der Finsternis“ 5058
Folge 24: [„Am Tag der großen Flut“ 5410
Folge 25: [„Die fiebrigen Tränen“ 5551

_Kurzbeschreibung:_

Amberville – in diesem ungewöhnlichen Dorf mitten in Amerika leben die Bewohner wie im tiefsten Mittelalter. Ihre Sprache, ihre Verhaltensweisen, ihr Alltag, selbst ihre eigene Gesetzgebung erinnert an eine Zeit, welche schon seit Jahrhunderten vergessen zu sein scheint.

Drei Spielleute aus dieser außergewöhnlichen Gemeinschaft tauchen eines Tages in Point Whitmark auf und wollen die junge Victoria Thornton nach Amberville locken. Insbesondere der Umstand, dass ihr einer der Gaukler eine Tarot-Karte präsentiert, auf der ihr vor einigen Jahren verunglückter Onkel Fergus abgebildet ist, hält das Mädchen davon ab, sich alleine in dieses seltsame Dorf zu begeben. Ohne zu zögern schließen sich ihre drei Freunde Jay, Tom und Derek an.

Was die vier jungen Leute in Amberville erwartet, ist an Skurrilität kaum zu übertreffen. Richtig bedrohlich wird es schließlich, als man sie eines Mordanschlages an dem Dorfvorsteher Bischof Molari bezichtigt und sie vor ein mittelalterliches Gericht stellt. Ihre Schuldfähigkeit und das entsprechende Urteil soll mit längst überholten Methoden gefunden werden – einer klassischen Hexenprobe inklusive.

Letztendlich sieht alles danach aus, dass die vier Besucher unbewusst auf eine alte Verschwörung gestoßen sind, um nun selbst zur Zielscheibe eines bedrohlichen Komplotts zu werden. Aber es scheint einen unbekannten Helfer in der illustren Gemeinschaft zu geben …

_Meine Meinung:_

Als äußerst speziell und außergewöhnlich kann man die Atmosphäre dieser Geschichte nennen. Ähnlich wie in Folge 22 „Die blutenden Schlüssel“ finden sich die drei Jungen in der Vergangenheit wieder. Nur diesmal wird dieser Umstand noch extremer ausgekostet, da die Bewohner von Amberville in der Tat im düsteren Mittelalter mit all seinen Facetten zu leben scheinen.

Gerade deshalb kommt es nicht nur den Protagonisten so vor, als würde er sich tatsächlich in einer ganz anderen Welt befinden, welche sich der eigentlichen modernen Realität völligst entzieht.

Für die musikalische Untermalung hat Volker Sassenberg die Gruppe |Corvus Corax| gewinnen können und setzt der besonderen Atmosphäre damit die Krone auf. Als kleine Verbeugung treten die Charaktere der Musikanten höchstpersönlich als Bewohner von Amberville auf.

Der eigentliche Plot hingegen, welcher sich in dem skurrilen Treiben dieser Kulisse verbirgt, mutet leider etwas dünn und auch ziemlich vorhersehbar an. Die finale Überraschung kommt nicht ganz so rüber, wie es der Autor vielleicht gerne gehabt hätte.

Dennoch kann man von einem |Point Whitmark|-Abenteuer sprechen, welches nebst einer beachtlichen Sprecherleistung die wohl seltsamsten Charaktere dieser Serie mit sich bringt und auch mit einer wirklich ansprechenden Atmosphäre aufwarten kann …

_Besetzung:_

|Erzähler:| Jürg Löw
|Jay Lawrence:| Sven Plate (Whil ‚Wesley Crusher‘ Wheaton in „Star Trek“, Ewan McGregor in „Emergency Room“)
|Tom Cole:| Kim Hasper (James Franco, Jason Biggs, Brendan Fehr in „Roswell“ & „CSI: Miami“)
|Derek Ashby:| Gerrit Schmidt-Foß (Leonardo DiCaprio, Giovanni Ribisi, Scott Caan)
|Mildred:| Heike Weber
|Walter:| Engelbert von Nordhausen
|Fergus Thornton:| Klaus-Peter Beyer
|Victoria Thornton:| Sonja Spuhl
|Castus Rabensang:| Olaf Reichmann
|Tritonus der Teufel:| Marius Götze-Claren
|Brandanio:| Dierk Prawdzik
|Sir Wilfred:| Gerald Paradies
|Sir Melroy:| Wolfgang Wagner
|Bischof Molari:| Rüdiger Evers
|Lady Valkya:| Karin Buchholz
|Duncan:| Till Endemann

_Produktion:_

Idee & Konzeption: Volker Sassenberg
Drehbuch: Andreas Gloge & Decision Products
Musik: Matthias Günthert, Volker Sassenberg, Markus Segschneider & Manuel Rösler
„Saltarello/Ductia/Trotto“ Interpret und Komponist: Corvus Corax (Originalversion vom Album „´“Inter Deum Et Diabolum Semper Musica Est“ Pica Records 1993) www.corvuscorax.de
Ton & Schnitt: Volker Sassenberg & Marc Sander
Illustration: Ingo Masjoshusmann
Regie: Volker Sassenberg
Produktion: Volker Sassenberg
Aufgenommen und gemischt unter Finians Regenbogen
Verlegt durch ROBIL BOR Music
Im Handel ab dem 8. Mai 2009

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